iRhch die neue (Inhalt 1 Touristen. 8 Södorflasche. teln 5801 ihaaf. 'ich. 4 »MM ante Tonrenmaschinen 135. Letztere ist kein iörteile, sowie Repara- 5360 Wleidjfitafie 7. eken ien. . >Pf\ [WiertrM r^/A uid iuf infässer ijfet hallend. Meben. jott, WeiMMm ^ejdejoltenflafill^ AM« SM MW, rspchu.TL Die nut Dr alt resteÄön vDM ie Orfl^Ä" nb flute %L ZeugntS' ftrs* % V-*tiern =»“ ' l" il5»w* Nr. 188 Erstes Blatt. Samstag den 12. 2lugust 1890 Gießener Anzeiger General-Unzeiger 38eiufl»prtLi vikNeljährlich 2 Mark 20 Pf,, monatlich 76 Pft« mit Bringerloh». Bei Postbezug 2 Mark 60 Pf^ vierteljährlich. Alle Anzeigen-BermittlungSstellen des In- und nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeg«. flnnetaet eee Anzeigen zu der nachmittags für de» Agende» X«| »scheinenden Nummer bi« vor«. 10 Uhr. ♦t^dwt ttgNch mit »urnahme der MantagS. Die Gießener #«erH1c»l(ittrr «erden dem Anzeiger «dchentlich viermal bei gelegt. Zlnrts- und Aßrzeigeblntt füv den ICreb Gieszen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Kch»tßr«tze Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische UolKsbunde. Adreffe für Depeschen: Anzeiger Kietze»« Fernsprecher Nr. 61. Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Betreffend: Schießübungen. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das Infanterie Regiment „Kaiser Wilhelm" Nr. 116 am 14., 15. und 16. August l. Js., jedesmal von morgens 6 bis nachmittags 6 Uhr Schießübungen mit scharfen Patronen in dem Gelände zwischen Groß-Rechtenbach—Büb< liugshäuser-Hof—Stoppelberg—Nauborn—Reiskirchen mit allgemeiner Schußrichtung von Groß- Rechtenbach nach Westen gegen die Linie „hohe Birken—Stoppelberg"abhalten wird. DieStraße« Wetzlar—Groß'Rechtenbach, Wetzlar—Nauborn —Reiskirchen, Reiskirchen—Volpertshausen— Weideuhauseu—Groß Rechtenbach und der Weg Büblingshäuser - Hof—Forsthaus Stoppelberg— Kirfcheuwäldcheu—Nauborn sind ungefährdet. Die Wege, welche in das von vorgenannten Ttraßeu nnd Wegen umgrenzte Gelände hiuein- führeu, find gefährdet, fie werden während der Dauer des Schießens durch Poften gesperrt und dürfen, ebenso wie oben genanntes Gelände selbst, nicht betreten werden. Besonders wird noch darauf hiugewiefeu, daß an den genannten Tagen während der Dauer des Schießens sich keine Holzhauer, Holzfammler «ud Beerensucher in den gefährdeten Waldungen aufhalten dürfen. Gießen, am 8. Anguft 1899. Großh. Kreisamt Gießen, v. Bechtold. Gießen, 8. August 1899. (Betr.: Die Bildung der Schöffen- und Schwurgerichte. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a» die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Wir beauftragen Sie, mit der Aufstellung der Urlisten der zum Amte eines Schöffen oder Geschworenen bestellbaren Personen zu beginnen und diese Listen nach vorgängiger achttägiger Offenlegung samt den etwa erhoben werdenden Reklamationen mit Begleitbericht spätestens bis zum 15. Oktober l. I. an die zuständigen Amtsgerichte einzusenden. Die Spruchlisten der Geschworenen haben, wie bereits in unserem Ausschreiben vom 20. April 1885 (Anzeiger Nr. 92) bemerkt wurde, in mehrfachen Fällen die Namen von Personen enthalten, welche das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet oder das 65. bereits überschritten hatten und sind hierdurch in den Schwurgerichtssitzungen den Fortgang der leihandlungen hemmende Weiterungen veranlaßt worden. Derartige Vorkommnisse können nur durch eine genaue Beobachtung der hinsichtlich der Aufstellung der Urlisten der Schöffen und Geschworenen bestehenden Bestimmungen vermieden werden. Wir machen Ihnen daher die sorgfältigste Beobachtung der Vorschriften in § 1 und 3 der Verordnung vom 14. Mai 1879 (Reg. Bl. S. 213) zur Pflicht. Hiernach sind die in den §§ 32, 33 und 34 des Gerichtsver- jissungsgesetzes (s. Reichs-G.-Bl. von 1877, S. 47) bezeichneten Personen nicht in die Urlisten aufzunehmen, während iei den in § 35 daselbst Genannten der Grund, warum sie tblchnen können, in der Spalte „Bemerkungen" der Liste inzugeben ist. In allen Fällen, in welchen Zweifel darüber bestehen, ob eine in die Urliste aufzunehmende Person das 10. oder 65. Lebensjahr vollendet habe, wollen Sie sich inrch eine Anfrage bei derselben, oder in sonst geeignet scheinender Weise genau über deren Alter vergewissern. Sie dürfen aber auch nicht Personen, welche Sie für ungeeignet |um Amte eines Schöffen oder Geschworenen halten, bei dm-kn aber die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen, aus der Liste weglassen, z. V. weil sie arm oder zu alt sind. Sie: wollen vielmehr diese Personen ebenfalls in die Liste aff nehmen, Ihre Ansicht aber unter „Bemerkungen" oder im Legleitberichte angeben. Das zur Aufstellung der Listen erforderliche Formular Mb Ihnen k. H. zugesandt werden. v. Bechtold. Gießen, den 10. August 1899. Betr.: Feier des Namenstags Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs. Die Großh. Kreisschulkommission Gießen an die Schulvorstände des Kreises. Wir beauftragen Sie, rubr. Fest am 25. d. M. in der seither üblichen Weise in den Ihnen unterstehenden Schulen feiern zu lassen. v. Bechtold. Bekanntmachung, betreffend: Die Abhaltung von Körterminen zwecks Aufnahme der Zuchttiere in das Provinzialherdbuch im 1. Körbezirk. Die Körkommission des 1. Körbezirkes (Vogelsberger Vieh) wird nachfolgenden Körtermin abhalten: in Stockhausen am 25. August ds. Js., nachmittags 6 Uhr. Die Züchter von Vogelsberger Vieh, welche ihre Tiere in das Herdbuch eintragen lassen wollen, werden ersucht, ihre betreffenden Tiere an einem von betr. Großh. Bürgermeisterei hierzu bezeichneten Orte aufzustellen, damit die Arbeiten der Kommission ohne Aufschub erledigt werden können. Anmeldungen zur Körung sind an den Vorsitzenden dieser Kommission, Herrn Oberamtmann Hoffmann in Hof-Gill, oder den Geschäftsführer, Herrn Oberverwalter Beilstein in Laubach, zu machen. Laubach, den 5. August 1899. Der Präsident des landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen: Friedrich Graf zu Solms-Laubach. Bekanntmachung. Betreffend: Den Viehmarkt zu Hungen. Bei der gegenwärtig bestehenden erhöhten Seuchengefahr und mit Rücksicht darauf, daß in zwei Orten in nächster Nähe von Hungen (Villingen und Trais-Horloff) die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, wird hiermit der auf nächsten Montag den 14. August l. I. vorgesehene Biehmarkt in Hungen verboten. Gießen, am 11. August 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. Bekanntmachung. Nachdem unter dem Viehbestand zu Klein-Eichen und Bobenhausen II, Kreis Schotten, die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, ist über die verseuchten Gemarkungen die Sperre angeordnet worden. Gießen, den 9. August 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. Bekanntmachung. Da die Maul- und Klauenseuche im Kreise Wetzlar in größerem Umfange aufgetreten ist, und dringender Verdacht vorliegt, daß sie sich in der nächsten Zeit weiter ausbreitet, ist der auf den 23. August ds. Js. in der Stadt Wetzlar anstehende Viehmarkt verboten worden. Gießen, 2. August 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. Die englische Thronrede. Am Mittwoch traten das englische Oberhaus und Unterhaus zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, in welcher die Thronrede zur Verlesung kam, durch welche das Parlament geschlossen wurde. Kurz vorher war es im Unterhause noch zu einer lebhaften Debatte über die Transvaal-Frage gekommen, wobei der Kolonialminister Chamberlain längere Ausführungen über die jetzige Lage gab. Danach scheint England fest entschlossen, seine Forderungen gegenüber der Südafrikanischen Republik mit allem Nachdruck durchzusetzen und keinesfalls einzulenken. Was in der Rede Chamberlains besonders auffällt, ist die Betonung der suzeränen Stellung, welche England über Transvaal ausübt. Nach dem im Jahre 1884 abgeschlossenen Vertrage ist der Transvaalstaat als freie unabhängige Macht anerkannt, von einer englischen Oberhoheit ist keine Rede mehr. Daß England von den Bestimmungen dieses Vertrages, welcher die Rechtsgrundfrage des heutigen Verhältnisses zwischen beiden Ländern bildet, nicht einseitig zurücktreten und neue Zustände schaffen kann, ist selbstverständlich für jeden sachlich Denkenden. Nur Herr Chamberlain sieht das nicht ein, er „hat die Hand an den Pflug gelegt und wird sie nicht zurückziehen". Diese Anschauung spricht auch aus der Thronrede, in welcher die gegenwärtige Lage in Transvaal als eine beständige Quelle der Gefahr für den Frieden bezeichnet wird. In dem Augenblick, da wir dieses schreiben, liegen noch keine authentischen Meldungen darüber vor, wie sich die Transvaalregierung und das dortige Parlament zu den Vorschlägen Englands gestellt hat. Während eine Nachricht besagt, daß diese Vorschläge abgelehnt worden seien, heißt es in einer anderen, daß definitive Beschlüsse noch nicht gefaßt worden seien. Präsident Krüger hat sich bisher äußerst nachgiebig gezeigt, und es steht deshalb immer noch zu hoffen, daß er die englischen Forderungen erfüllt, falls er dazu die Einwilligung der Buren erhält. Einfacher wäre die Sache freilich, wenn England eine goldene Brücke gebaut hätte; aber dieses wünscht offenbar die Sache auf die Spitze zu treiben und die Macht entscheiden zu lassen. Welchen Ausgang die Transvaalfrage nehmen wird, ist auch heute noch unentschieden, da die Verhandlungen noch im Gange sind. Aus Indien weiß die Thronrede nur Unerfreuliches zu berichten. Die ungenügenden Regenfälle lassen eine Hungersnot befürchten, und wenn auch die Regierung sagt, daß zeitig Vorkehrungen gegen einen Notstand getroffen worden seien, so lehrt doch die Erfahrung, wie mangelhaft es damit bestellt ist. Wir wollen nur daran erinnern, daß bei der letzten Hungersnot die Hilfe für Indien aus — Rußland kam, da die Fürsorge der englischen Regierung sich als unzureichend erwiesen hatte. Wie es mit den sanitären Zuständen in Indien steht, geht daraus hervor, daß — wie die Thronrede zugeben muß — die Pest noch ungeschwächt fortdauert. Sehr knapp sind die Bemerkungen über das mit Rußland abgeschlossene Abkommen, durch welches die beiderseitigen Eisenbahnunternehmungen in China abgegrenzt werden. Bekannt ist ja, daß Rußland bisher bei allen seinen Unternehmen in Ostasien die Sahne abgeschöpft hat und jedenfalls auch bei diesem Abkommen nicht zu kurz gekommen ist. Die Zeiten sind vorüber, wo England auf dem Weltall allein maßgebend war; heute kann es seine Macht nur das kleine Transvaal fühlen lassen, (xx) Prozeß Dreyfus. Rennes, 10. August. General Chamoin legte in der heutigen Geheimsitzung des Kriegsgerichts die noch übrig gebliebenen Schriftstücke des militärischen Dossiers vvr. Paleologue begann hierauf seinen Kommentar über das diplomatische Dossier. Voraussichtlich wird Paleologue noch während der ganzen morgigen Sitzung sprechen. Die Aufgabe dieses Vertreters des Ministeriums des Aeußern ist nicht allein, darzuthun, daß die Depesche Panizzardis einen vollgiltigen Beweis dafür bietet, daß der genannte Attachv den Namen Dreyfus erst durch die Zeitungen erfuhr, sondern Palsologues Vor- trag dürfte auch einige von dem Kassationshofe nur flüchtig berührte Themata genauer erörtern. Dabei handelt es sich, wie verlautet, auch um Briefe von Frauenhand. Palso- logue, der Berlin durch mehrere längere Besuche kennen gelernt hat, wird vielleicht auch eine Darstellung der Bedingungen geben, unter denen Fremde das Potsdamer Schloß besuchen dürfen. Einer Blättermeldung zufolge dürfte du Paty de Elam heute von Paris nach Rennes abreisen. Der heutige Tag ist ohne Zwischenfall verlaufen. Dreyfus wurde nach dem Lyceum gebracht, diesmal nur in Begleitung eines Offiziers. Gendarmerie war heute nicht anwesend. Die Geheimsitzung wurde kurz vor Mittag aufgehoben. Das Verhör Paleologues wird noch bis morgen mittag dauern und die nächste öffentliche Verhandlung am Samstag stattfinden. Wie verlautet, werden sich die Aussagen Merciers darauf beschränken, daß er erzählt, er wisse von einer ehrenhaften Person, die er nicht nennen könne, daß Dreyfus schuldig sei. Deutsches Reich. Bad Nauheim, 10. August. Fürst Ferdinand von Bulgarien traf heute nacht 12 Uhr im strengsten Jncogmto mit großem Gefolge zu mehrwöchentlichem Kurgebrauche em. Zum Empfange hatte sich außer dem Chef des Poltzetamts, Dr. Ortwein, niemand an der Bahn eingefunden. Der Fürst bewohnt die Villa Thielemann in der Viktoriastraße. Behandelnder Arzt ist Medizinalrat Dr. Grödel. Berlin, 10. August. Der Kaiser hörte auf Schloß Wilhelmshöhe heute die Vorträge des Chefs des Militär- Kabinetts v. Hahnke, des Kriegsministers v. Goßler und des Gesandten Grafen Wolff-Metternich. Letzterer hat auch gestern dem Kaiser Vortrag gehalten. Berlin, 10. August. Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Ober-Regierungsrats Frhrn. v. Rei- witz zum Regierungspräsidenten in Stade. Berlin, 10. August. Der „Nordd. Allgem. Ztg." zufolge erhielt der Botschafter Graf Münster den Namen „Fürst von Derneburg". Berlin, 10. August. Zu der Auszeichnung des Grafen Münster schreibt heute die „Post": Dieselbe drücke die Hochachtung aus, die der Kaiser dem mit der heimatlichen Scholle fest verwachsenen hannoverschen Edel- manne entgegenbringt, der in seiner Person die Verbindung zwischen den ruhmreichen Traditionen Alt-Hannovers und den nicht minder ruhmreichen Thaten Neu-Hannovers unter preußischem Szepter darstellt. Berlin, 10. August. Die großen Berliner Bankhäuser haben ihrer Kundschaft ein Rundschreiben zugehen lassen, in welchem sie mitteilen, daß sie gemeinsam den Beschluß gefaßt haben, ihre Kassen für die Zukunft um 3 Uhr nachmittags zu schließen. Berlin, 10. August. Nach der im Reichs-Eisenbahnamt aufgestellten Nachweisung sind auf den deutschen Eisenbahnen, ausschließlich Bayerns, im Juni d.J. 196 B etriebs- Unfälle vorgekommen, bei welchen 53 Personen getötet und 109 verletzt wurden. Berlin, 10. August. Nach einer Meldung aus Essen wird Geheimrat Krupp morgen abend 9 Uhr zu Ehren des Kaisers auf seiner Villa Hügel eine große Festlichkeit arrangieren, an welcher auch die bei der Kanal-Feier in Dortmund anwesenden Minister teilnehmen werden. Der Kaiser wird bis einschließlich Sonntag auf der Villa Hügel verweilen. Berlin, 10. August. Dem „Lokal-Anzeiger" wird zu den gestern nach Schluß des Kriegsgerichts vorgekommenen schweren Tumulten aus Rennes telegraphiert, daß für dieselben sowohl von revisionistischer wie von antirevisionistischer Seite die Gendarmerie verantwortlich gemacht wird, welche, ohne zu mahnen, auch in die Journalisten hineinritt und es dabei besonders auf Zeichner und Photographen abgesehen hatte. Ein tragikomisches Bild boten gestern etwa 30 Pariser Camelots, die eine Gastspielreise gemacht hatten, um sich bei Bernard Lazare, dem Anführer der Dreyfus- Leute, zu melden. Dieser dankte aber. Nun hatten die Camelots keinen Sous in der Tasche. Der Kommissar Hennion schickte nun dieselben schnellstens nach Paris zurück. Berlin, 10. August. Die „Post" meldet aus Warschau: Die Stadt und das Gouvernement Lomska wurden von einem furchtbaren Orkane heimgesucht. Die Keller und Erdgeschosse der Stadt wurden überschwemmt. Der Verkehr stockt; Militär arbeitet an der Beseitigung der Hindernisse. — Die Stadt Opole im Gouvernement Lublin wurde durch eine furchtbare Feuersbrunst heimgesucht. Heber 500 Familien lagern unter freiem Himmel. Man vermutet, daß Brandstiftung vorliegt. M.P.C. Zur parlamentarischen Lage wird uns aus Abgeordnetenkreisen geschrieben: Es darf als ziemlich zweifellos angenommen werden, daß ebensowenig wie die Frage der Gemeindewahlreform — die des Mittellandkanalbaues noch große Schwierigkeiten machen werden. Es gilt in den Kreisen der Mehrheitsparteien inklusive der konservativen als so gut wie feststehend, daß beide Gesetzentwürfe eine Mehrheit von Stimmen auf sich vereinigen werden. Ob sich unter diesen Umständen die Session noch allzuweit in den September ausdehnt, darf als fraglich gelten. — Zur Kanaleinweihung. Es erregt einiges Befremden, daß gerade die am Kanal am meisten interessierten Minister, Finanzminister Dr. v. Miquel und Handelsminister Brefeld, noch in letzter Stunde ihren Besuch abgesagt haben. — In der sozialdemokratischen Presse wollen die Erörterungen über das rot-schwarze Bündnis in Bayern kein Ende nehmen. Auch Herr v. Voll mar hat das Wort ergriffen, um neben anderem zu berichten, wie sich die von den Ultramontanen bisher „geleitete" Arbeiterschar die Führung angeeignet hat: Zwar wolle ein Teil der Partei, bestehend aus Beamten und Großbürgern, um jeden Preis an dem alten Grundsatz festhalten, daß das Zentrum niemals mit der Sozialdemokratie einen wie immer beschaffenen Pakt schließen könne, und deshalb lieber Fühlung mit den Liberalen suchen. Aber wenn im Zentrum bisher jede Stimmzettelabgabe für einen Sozialdemokraten als ein Verrat an der Kirche und ein Eidbruch am Staat hingestellt werden konnte, und wenn noch bei den vorjährigen Reichstagswahlen der Einfluß des Hofes und der höheren Geistlichkeit die Massen der Zentrumswähler bewogen hatte, zur Bekämpfung der Sozialdemokratie die Liberalen zu unterstützen, so war hierin mittlerweile eine bedeutende Aenderung eingetreten. Die Arbeiter, Handwerker und Bediensteten, die das Zentrum in den katholischen Arbeitervereinen organisiert hatte, um sie der Sozialdemokratie fernzuhalten und als dienstbereite Hilfstruppen zu verwenden, hatten sich allmählich fühlen gelernt. . . Die katholischen Arbeiter vor allem waren es, die mit aller Entschiedenheit darauf hindrängten, daß das liberale Vertretungsmonopol um jeden Preis zu brechen und daß zu diesem Zwecke mit den Sozialdemokraten eine Vereinbarung zu treffen sei. Und als diese dann zur Thatsache wurde, da waren die katholischen Arbeiter wiederum die ersten, die einen Kandidaten aus ihren Reihen aufstellten, den bürgerlichen Elementen großmütig die Aufstellung des anderen unter der Bedingung überlassend, daß dazu ein Mann „aus dem praktischen Leben" genommen werde. So wurde denn, allen Mahnungen und Warnungen der alten Führer entgegen, die Wahlverabredung mit uns vom Zentrum mit großer Mehrheit beschlossen und in offizieller Form festgestellt. — Neben der Berliner hat sich auch die Bonner Universität dagegen ausgesprochen, daß den Technischen Hochschulen das Recht gewährt werde, den Doktortitel zu verleihen. Berlin, 9. August. In die Ungewißheit, die über das Schicksal der Kanalvorlage ausgebreitet liegt und in die wahrscheinlich erst am Freitag bei dem Kaiserbesuche in Dortmund klärendes Licht fallen wird, bringen auch längere Betrachtungen der führenden Zentrumsblätter einige Anhaltspunkte. Die „Köln. Volksztg." übt freilich nur die Zentrumskunst des Eiertanzes, nach Lieberscher Weise. Die „Germania" aber sagt klipp und klar: die Negierung brauche nur zu wollen und sie habe den Kanal, mit welcher Erklärung sie übrigens nur die Behauptungen der nationalliberalen kanalfreundlichen Presse wiederholt. Allerdings ist die Kanalvorlage nach der Erklärung der „Germania" vom Zentum nur zu bekommen gegen die Gemeindewahlreform. „Sollte es, so schreibt sie, bei der Abstimmung auf einige wenige Stimmen pro oder contra ankommen, so wäre es von der Regierung gewiß nicht sehr klug, wenn sie die von ihr vertretene Gemeindewahlreform in der Versenkung verschwinden lassen und damit das ganze Zentrum brüskieren wollte. Bezüglich des Zentrums weiß also die Regierung ganz genau, woran sie ist. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg." Die nationalliberale „Magdeb. Ztg." erklärt: „In dem Augenblick, wo die Regierung zu erkennen gibt, daß sie unter allen Umständen auf der Erledigung der Kanalvorlage bestehen muß, hat sie auch eine Mehrheit für diese im Abgeordnetenhause wie im Herrenhause." Das ist, bemerkt hierzu die „Germ.", auch unsere Meinung. „Die Regierung brauchte nur zu wollen — und es ist gegründete Hoffnung vorhanden, daß in der Kanalfrage etwas Ersprießliches zu stände kommt." — Aus Friedr ichsruh schreibt man der „T. R.": Am Mittwoch mittag um 12 Uhr kamen hier, wie schon angekündigt, die Herren B. Keller und R. Jonas mit dem Silberkranz des Vereins deutscher Reichsangehöriger zu Moskau an. Fürst Herbert Bismarck hatte die Absicht gehabt, Dienstag abend zurückzukehren, war daran aber verhindert worden. Sein Sekretär Herr Weishaar, ein geborener Oesterreicher, empfing die Herren am Bahnhofe und führte sie nach dem Mausoleum, wo sie den ebenso kostbaren wie kunstvollen Kranz am Sarkophag niederlegten, auf dem sich prächtige zum Sterbetage des Altreichskanzlers geschickte Kränze, vor allen der des Kaisers, befanden. Später soll das Moskauer Kunstwerk, gleich allen anderen metallenen Kränzen, im Sterbezimmer aufbewahrt werden. Dieses, sowie das Schloß und der Park samt allen Lieblingsplätzen des eisernen Kanzlers zeigte Herr Weishaar den Abgeordneten in liebenswürdigster Weise. Die Herren fuhren dann über Hamburg nach Berlin zurück, von wo Herr Bernhardt Keller bereits Donnerstags früh wieder nach Hause reiste. Hamburg, 10. August. Die aus ständigen Bauarbeiter haben heute vorläufig bedingungslos die Arbeit wieder ausgenommen, da die Innung „Bauhütte" sich nur dann zu Unterhandlungen bereit erklärte. — Die deutschen Orte in Siebenbürgen. In Sachsen ist, wie dortige Blätter berichten, nichts davon bekannt, daß der sächsische Minister des Innern an sämtliche ihm unterstellten Landesbehörden die Verfügung erlasfen habe, im Verkehr mit den ungarischen Behörden die deutschen Orte in Siebenbürgen mit ihren deutschen Namen zu bezeichnen. Wahrscheinlich liegt auf magyarischer Seite eine Verwechselung mit einem Rundschreiben vor, das deutscher Selbsterhaltungstrieb in Siebenbürgen in die Welt gesandt hat. Es lautet: Es ist allenthalben zur Genüge bekannt, daß die Magyaren in ihrem Bestreben, ihrem Staate das Gepräge rein nationaler Eigenart aufzudrücken, nicht davor zurückgescheut sind, sich auch an den althistorischen deutschen Ortsnamen Siebenbürgens zu vergreifen und ihnen magyarische Bezeichnungen unterzuschieben. Das magyarische Namensgesetz hat aber Geltung nur für den amtlichen Verkehr, für den geschäftlichen ober privaten Verkehr aber ist es vollkommen bedeutungslos. Es liegt also ganz bei uns Deutschen, ob wir uns eines angestammten Rechtes, des Rechtes des Gebrauchs unserer Muttersprache, entäußern oder es kräftigst wahren wollen. Und darum sollten sich alle die, die im brieflichen Verkehr mit Siebenbürgen ober überhaupt mit Ungarn stehen, sagen, daß es nationale Ehrenpflicht ist, in diesem Verkehr nur der deutschen Sprache sich zur Bezeichnung deutscher Orte zu bedienen. Wer das thut, der entspricht nicht nur einem allerersten Gebot nationaler Selbstachtung, sondern er darf auch das Bewußtsein haben, daß er einem schwer bedrängten Zweige unseres deutschen Volkes in der Erhaltung seiner deutschen Eigenart behilflich ist. — Samoa. Die Wahrscheinlichkeitsschlüsse, die die Tägl. Rundschau aus den lückenhaften Samoaner Nachrichten über den Verzicht des Dr. Solf auf das Oberrichteramt zog, erweisen sich richtig. Es heißt in neueren am 18. Juli in Apia aufgegebenen englischen Nachrichten: Gestern lösten die Kommissare die sehr verwickelte Angelegenheit der Stellvertretung für das Oberrichteramt. Die Kommissare übertrugen diese Stellvertretung dem amerikanischen Generalkonsul Osborn; auf diese Weise sollte das Amt des Vorsitzenden des Regierungsrates nicht mit dem des Oberrichters auf einen Deutschen fallen. Dr. Solf schrieb auf den Rat des Freiherrn v. Sternburg, daß er auf feine Ansprüche aus dem Berliner Vertrage verzichte. Ausland. Wien, 10. August. Graf Goluchowsky reist heute an das Hoflager nach Ischl. Kladno, 10. August. Auf der Poldihütte ist ein partieller Arbeiterstreik ausgebrochen. Die Arbeiter drohen mit einem allgemeinen Ausstand, wenn ihre Forderungen, in der Hauptsache höhere Löhne, nicht erfüllt werden. Cilli, 10. August. Heute nacht gab es noch entsetzliche Scene n. Slaven, die das Vereinshaus verließen, schossen mit Revolvern aus dem Schatten auf die ange- fammelten Deutschen, von denen mehrere schwer verwundet wurden. Hierauf stürzten sich die Deutschen auf die Slaven, und es entstand ein entsetzliches Blutbad. Budapest, 10. August. Auf dem hiesigen Güterbahnhofe der Staatsbahn steht das große Kohlenlager der ungarischen Allgemeinen Kohlen-Aktien-Gesellschaft in Flammen. Rom, 10. August. Der König entsendet eine außerordentliche Gesandtschaft an den Sultan von Marokko, welche dieser in der Stadt Marrakosch empfangen wird. Monaco, 10. August. Der amerikanische Rentier Burendt hat sich wegen großer Spielverluste ins Meer gestürzt. Paris, 10. August. Einer Blättermeldung zufolge dürfte Dnpaty heute von Paris nach Rennes abreifen. Paris, 10. August. Hier war heute das ernste Gerücht verbreitet von dem baldigen Ableben Paly de Clams. Journalisten begaben sich infolge dessen in die Wohnung Dupatys, wo sie den Bescheid erhielten, der Zustand des Erkrankten fei derselbe geblieben, er habe sich nicht verbessert und nicht verschlimmert. Man glaubt noch immer, daß Dupaty nach Rennes kommen werde. Paris, 10. August. Der „Figaro" weist heute in einem Artikel auf die Zusammensetzung der deutschen Kriegsgerichte hin, bei welchen das richterliche Element wesentlich vertreten sei, während es in Frankreich fehle. Paris, 9. August. Heber die französische Aushebung des Jahres 1898 liegen jetzt die wichtigsten Zahlen vor. Es handelt sich um die Jahresklasse 1897, d. h. diejenigen Wehrpflichtigen, welche in 1897 zwanzig Jahre alt geworden sind, und um die Zurückgestellten der Jahresklaffen 1896 und 1895. Von der Klasse 1897 waren in die Ziehungslisten 331 179 junge Leute eingetragen, was gegen die Klaffe 1896 (Aushebung von 1897) einen Minderertrag von 7148 ergiebt, während der Ausfall gegenüber der Klaffe 1895 (Aushebung von 1896) 189 beträgt. Jedenfalls haben sich die Voraussetzungen des Generals Billot als Kriegsminister gelegentlich der Aufstellung der vierten Bataillone, welche ein mit den Jahren wachsendes Mehrerträgnis in Aussicht gestellt hatten, nicht bestätigt. Von den 331179 jungen Leuten der Klasse 1897 wurden bei der ärztlichen Untersuchung 26198 als gänzlich untauglich erklärt. Von den 331 179 in die Listen Eingetragenen der Jahresklaffe 1897 waren 16154 oder 4,88 v. H. Analphabeten, nur lesen konnten 4477 (1,35 v. H.), lesen und schreiben 38206 (11,54 v. H.). 249302 (75,28 v. H.) hatten eine weiter fortgeschrittene Volksschulbildung. Bukarest, 10. August. Nachdem die Polizei in Erfahrung gebracht, daß die Sozialdemokraten eine neue Aktion planen und Emissäre in alle Landesteile entsenden, um die bäuerliche Bevölkerung zur Fortsetzung der Revolten zu bewegen, erhielt die Behörde den Auftrag, aufs strengste gegen die Emissäre vorzugehen. London, 10. August. Die heutigen Blätter besprechen die gestrigen Erklärungen Chamberlains, wobei sie eine sehr kriegerische Sprache führen. „Daily Graphic" sagt, in Prätoria sollte der Punkt klar gemacht werden, daß eine Verwerfung des Vorschlages gemeinsamer Untersuchung, wie sie auch ausgedrückt oder bezeichnet werden möge, dem casus belli gleichkomme. — Die „Times" schreibt, England spaße nicht; es verlange sofortige und wesentliche Wahlrechte für die Uitländer. Wenn das neue Gesetz dies nicht gewähre, müßten wirksamere Maßregeln ergriffen werden. — Es verlautet, Chamberlain würde das Gesetz von englischen Sachverständigen prüfen lassen, wenn die Buren- regierung die gemeinsame Untersuchung des Wahlreformgesetzes enbgiltig ablehne. Sollte die Entscheidung ungünstig ausfallen, so werde die britische Regierung weitgehende Bürgerrechte für die Uitländer in der Form des Ultimatums fordern. Lokales und Provinzielles. Gießen, den 11. August 1899. ** Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 9. August dem Kammerherrn Alexander Freiherrn Schenck zu Schweinsberg in Schweinsberg das Dienst- Ehrenzeichen für 25jährige Dienste im Großherzoglichen Hoff dienste (in Gold) Allergnädigst zu verleihen geruht. ** Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Groß' Herzog haben Allergnädigst geruht, am 9. August der Kreisassistenzarzt bei dem Kreisgesundheitsamt Mainz. Dr. Emil Schäffer, zum Kreisarzt des Kreisgesundheits amts Erbach, und den Kreisassistenzarzt bei den Kreis' gesundheitsämtern Büdingen und Schotten, Dr. Ernst Walger zu Gedern, zum Kreisassistenzarzt bei dem Kreis gesundheüsamt Mainz — beide mit Wirkung vorn 16. August 1899 an — zu ernennen. * Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 9. August dem Vizefeldwebel Fischer vorn 5. Infanterie- Regiment Nr. 168 das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen geruht. * * Für den Zusammentritt der Landessynode ist Diens tag, der 26. September, in Aussicht genommen. * * Jagd. Auf Grund des § 3 der Verordnung vom 2. September 1893 ist, laut amtlicher Bekanntmachung, nw Rücksicht auf den Stand der Ernte und der Weinberge das Ende der Heegzeit für Feldhühner und Wachteln in ben Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen, mD j „ Wlltll -SÄ lomüi'i1.;: £eute H1" J Mk W!lll9 Dilift.,?”1 Wk weiß- « WU wurde es W ofunden, daß' während der $ wurden. ® 1 angeregt, daß öitunme gescha daß sie nicht ausgehändigt am 1. Dezeml richtung, al!' die Bezeichn" von 10 ühr zu lassen, > «Tages"-Tel vom Reichs^ Verkehr und nunmehr dauer vor der Telcg § AuS b füllend stacker Krachstanzen, der Mtrilun Erkrankung i keiner Seite jetzt selbst in klärung und zu können, im „Prakt. A Krankheit de ursacht durch der Wurzeln und knotenä Wurzeln ergr liebel befaßen Kohl benutzt n mittel gegen d Um Koh! m bemerkt man des Pilzes, asche, Üeberr kohlenasche Kalkasche gel Kohles bewa Kropskrankhe selben gründ! "givl. siu W« nath b *d. ! bezv^e darum», v unterzulauche die jungen, waren. Es ■ Gemüsebau, < ber beschriebe Menem Ur Jahre Joten erschein halten, den ' Sr Ng« *ärmen fj Mam (2 Mt mürbe. Miln Sa. WwStrafi i'fe8«" 1m»;.*«® ÄÄ Sä ;■!<■> Sy** ÄS* Ä?» $ ^Pfangen wirb ’ e».fe -LS""» " d°lh d, (jIaB( b[r Mtab dk " ^°b- sich »ich, ■* M M°" »-'!> h-w i vung der deutsche! lchen das richterliji ^end es in Frankreie französisch? An- die wichtigsten Zch, "affe 1897, d. h. ^ Ia-re ult eilten der Jahresklassen 1897 waren in die 'intzetragen, was gegee M) einen Mindererttüc av gegenüber der Kl^ tragt. Jedenfalls habr rals Billot als Krieg- der vierten Bataillor! mbeö Mehrerträgnis n tigt. Bon den 3311t! irden bei der ärztliche antauglich erklärt. U igenen der JahresU H. Analphabeten, n.. fett unb schreiben 382« H.) falten eine weile n die Polizei in Er ernvlmien txw,ire ,e WÄ entseck Fortsetzung der Reck n Auftrag, aufs streus utigen Blätter bespikt. wberlains, wobei!'' iren. M [ar gemacht werden, daß enieinsamer llntersuchuT chnel werden möge, der e und wesentliche M U „tue W di-r m Siegeln «S#« “ * W •*?.' M S'SK Uta”b8toa$ta5 ®"‘ Schwernsberg ; oerlei^en 9,(I. gtii j v" * «d « Xi w ffl ,.. der ichp-r *" '1 •?£&** S-S'" K'S'"> Ausnahme ber Kreise Alsfeld, Lauterbach unb Schotten, auf den 20. August l. I. festgesetzt. Für bie Kreise Alsfelb, Lauterbach und Schotten behält es bei ber allgemeinen Be- stimmung, wonach bie Heegzeit ber genannten Wilbarten am 31. August enbet, sein Bewenben. ** Anerkennung. Dem „Wetzl. Anz." wirb aus Groß- Rechtenbach vom 10. August geschrieben: Zu den gestrigen Mitteilungen bieses Blattes über ben hierselbst stattgehabten Brand ist noch ein Nachtrag zu machen. Unter den Löschmannschaften, welche bei der Bekämpfung des Brandes mitgewirkt haben, befanden sich 20 Soldaten vom Kaiser-Wilhelm-Regiment in Gießen, welche zu den Erntearbeiten hierher kommandiert waren. Diese Leute haben sich an den Löscharbeiten in so hervorragender Weise beteiligt, daß die ganze Gemeinde ihres Lobes voll ist, und ihnen für ihre wackere Mithilfe wärmsten Dank weiß. *• Tagestelegramme. Von den Telegrammempfängern wurde es früher oftmals als störend und beunruhigend empfunden, daß ihnen Telegramme unwichtigen Inhalts auch während der Nachtzeit durch die Telegraphenboten zugestellt wurden. Es wurde daher witderholt beim Reichspostamt angeregt, daß eine vereinfachte Bezeichnung für solche Telegramme geschaffen werde, von denen der Aufgeber wünscht, daß sie nicht während der Nachtstunden dem Empfänger ausgehändigt werden. Die daraufhin vom Reichspostamt am 1. Dezember vorigen Jahres zunächst eingeführte Einrichtung, alle Telegramme, welche vor der Aufschrift die Bezeichnung („Tages") tragen, während der Zeit von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens nicht bestellen zu lassen, hat sich gut bewährt. Die Einrichtung der »Tages"-Telegramme soll daher nach einer neuerdings vom Reichspostamt erlassenen Verfügung für den inneren Verkehr und für den Verkehr mit Bayern und Württemberg nunmehr dauernd beibehalten werden. Der Vermerk „Tages" vor der Telegrammadresse wird als ein Textwort gezählt. § Aus dem Ohmlhal, 10. August. Von einer auffallend starken Erkrankung des Kohles, namentlich der Krautpflanzen, haben wir kürzlich berichtet. Der am Schluß der Mitteilung gestellten Bitte, Ursache und Heilung der Erkrankung im Fall ihres Bekanntseins kundzugeben, ist von feiner Seite entsprochen worden. Es freut uns deshalb, jetzt selbst in der Lage zu sein, die wünschenswerte Aufklärung und Belehrung über die auffällige Erscheinung geben zu können. Diese Kenntnis verdanken wir einer Mitteilung im „Prart. Wegweiser". Hiernach nennt man die beschriebene Krankheit des Kohles „Kropfkrankheit". Sie wird verursacht durch einen kleinen Pilz, der sich bei der Entstehung ber Wurzeln entwickelt. Sie zeigt sich durch Auswüchse und knotenähnliche Verhärtungen, von denen bald alle Wurzeln ergriffen werden. Sobald ein Terrain von diesem liebel befallen ist, kann es kaum mehr zur Anpflanzung von Kohl benutzt werden. Das einzige bis jetzt bekannte Heilmittel gegen diese Krankheit war, während dreier Jahre keinen Kohl mehr auf die nämliche Stelle zu pflanzen. Oft bemerkt man beim AuSreißen alter Wurzeln die Entwicklung des Pilzes. Als Mittel gegen die Erkrankung hat sich Kalk- asche, Ueberreste von Kalk, die auch manchmal mit Steinkohlenasche gemischt sein können, trefflich bewährt. Mit Kalkasche gedüngte Beete bleiben von der Entartung des Kohles bewahrt. Auch eine Begießung der bereits von der Kropfkrankheit befallenen Pflanzen mit Kalkwasser soll dieselben gründlich heilen. Dagegen hat der Versuch, Blumenkohlpflanzen vor ihrer Verpflanzung in altes Kalkwasser unterzutauchen, diese Pflanzen zum Absterben gebracht, weil bie jungen, zarten Wurzeln nach vier Tagen verbrannt waren. Es ist zweifellos von größtem Interesse für den Gemüsebau, ein Mittel zu wissen zur Verhütung und Heilung der beschriebenen Erkrankung, die in diesem Jahre in nie gesehenem Umfang auftritt. — Gerade, weil der Kohl in diesem Jahre schlecht zu geraten verspricht, dürfte es geboten erscheinen, einen anderen Schädling von ihm abzuhalten, den Kohlweißling. Dessen Raupen sind bekanntlich bie Krautzerstörer im Herbst. Der Kohlweißling tritt eben sehr häufig auf. An feuchten Stellen sieht man ihn in Schwärmen sitzen. Hier ist Gelegenheit genug geboten, ihm wirksam beizukommen. Wenn nur Gebrauch davon gemacht würde. Darmstadt, 10. August. Wie die „N. H. V." hören, soll Herr Landgerichtsdirektor i. P. Küchler durch die Beschluß-Strafkammer des Landgerichts dahier außer Verfolgung gesetzt worden sein. △ Mainz, 10. August, lieber die Hierherkunft des deutschen Kaisers liegt jetzt die amtliche Mitteilung, daß der Kaiser am 30. d. M. eintreffen werde, vor. Die Ankunft erfolgt auf dem Zentralbahnhof, von wo sich der Laiser direkt zur Truppenschau auf den „großen Sand" begibt. Nach der Truppenschau reitet der Kaiser mit dem am Morgen gleichfalls hier eintreffenden Großherzog von Hessen nach dem Großh. Palais, wo das Frühstück eingenommen wird. Die Abreise des Kaisers erfolgt am Nachmittag und zwar nach Darmstadt. Für den Empfang des Kaisers werden seitens der städtischen Behörden umfassende Borkehrungen getroffen, und ist unter anderem geplant, dem Monarchen von sämtlichen Mainzer Gesangvereinen eine Ovation bringen zu lassen. t* In Metz wurde am Montagvormittag der 7. Jahres- la»g des Bundes deutscher Gastwirte eröffnet. Durch etwa 200 Delegierte waren 11 Einzelverbände vertreten, bmrunter der hessische mit 12 Abgeordneten. Aus der Zeit fßr die Zeit. Dor 137 Jahren, am 12. August 1762, wurde zu Üiungensalza einer ber berühmtesten Aerzte Christoph Wil- hellm v. Hufe land geboren. Der Arzt von Weltruf wurde nur durch den edlen Menschen in ihm übertroffen; die Zahl der Armen, welche er unenlgelllich behandelte, war Legion. Sein populärstes Werk, die „Makrobiotik" oder die Kunst das menschliche Leben zu verlängern, wurde in viele Sprachen übersetzt. Er starb am 25. August 1836 zu Berlin. Vermischtes. *D. Frankfurt a. M., 10. August. Eduard Strauß, der nach Absolvierung seiner Konzertreise durch die Rheinlande und Westphalen über Cassel und Marburg hierherkommt, verweilt leider nur zwei Tage in Frankfurt, um, wie schon so manchmal im Zoologischen Garten Konzerte zu geben, die für Montag den 14. und Dienstag den 15. August angekündigt sind. Wie immer, gleicht seine Reise einem Triumphzug und auch hier heißt es wieder: Eduard Strauß kommt, wer freute sich nicht den alten Meister der Tänze wiederzusehen, mit seiner entzückenden Art, die Kompositionen verschiedenster Tondichter, besonders aber die von seinem Vater, seinen Brüdern und ihm selbst wiederzugeben, seine weltbekannte Eigenart des Dirigierens mit der Violine in der Hand und häufig selbst mitspielend, von neuem zu bewundern. Auch diesmal bringt Strauß wieder neues mit, darunter einen neuen Walzer von sich selbst, dem er den Namen „Menüblätter" gegeben hat. * Die Sommerkleider ber Dollarköniginnen stellten in diesem Sommer alles in ben Schatten, was bisher in dem Seebade Newport auf Rhode Island, wohin die New-Aorker Gesellschaft sich vor der Hitze geflüchtet hat, dagewesen ist. Vor wenigen Jahren noch erschien ein jährlicher Aufwand von 1000 — 2000 Dollars für Badekleider schon viel, heute müssen es 10, 12 oder 15 neue kostbare Anzüge allein für den Sommer sein. Wieviel tausend Dollars dazu gehören, um in Newport — wie es im Millionärjargon heißt — passend gekleidet zu sein, dafür ist Mrs. William Astor ein Beispiel, die in diesem Sommer nur wenige Kleider, diese aber in einem Gesamtwerte von 240000 Mark, für sich hat machen lassen. Eine ihrer glänzendsten Toiletten ist aus Purpursatin und mit einer ganz besonderen Sorte von irischen Spitzen besetzt. Die Spitzen sind so wunderbar auf dem Kleide befestigt, daß es den Anschein hat, als ob sie in das Kleid eingewebt wären. Besonders prächtig aber ist die Art, wie Amethyste auf den Aermel und am Halse angebracht sind. Eine andere Toilette ist ganz aus schwarzen Spitzen über weißem Satin. Die Vorderseite des Rocks ist mit römischen Perlen besetzt, die großen Seltenheitswert besitzen. Es ist ein tiefausgeschnittenes Abendkleid mit Courschleppe und kurzen Aermeln und augenscheinlich darauf berechnet, mit den berühmten Astor-Juwelen als Halsgeschmeide zu prunken. Es hat 35 000 Mark gekostet. Ein Ballkleid ist aus herrlichem weißen Satin, mit Spitzen besetzt, von denen man die Elle auf 16000 Mk. schätzt. Dazu sollen die berühmten Astor-Diamanten getragen werden. Ein einfacher Umhang hierzu kostet allein 6000 Mk. Er besteht aus schwarzem Chiffon, ist mit violettem Satin gefüttert und mit einem großen weißen Spitzenkragen versehen; die Spitzen fallen vorn bis auf den Boden und reichen auch auf dem Rücken bis auf den Saum des Kleides. Neben Mrs. Astor ist Mrs. Ogden Mills zu nennen. Diese hat für eine einzige Toilette 200000 Mark bezahlt. • Eine eigenartige Wette. In Dresden hat ein wohlhabender Bürger infolge einer Wette das Kunststück fertiggebracht, in Jahren eineMillion abgefahrener Fahrscheine derStraßenbahuen zusammenzubringen. Am Ablieferungstage lag die Million in Packeten zu je 1000 Stück in drei großen Kisten zur Ansicht aus. Um die Million zusammenzubringen, waren in den letzten neun Monaten Hunderte von fleißigen Händen in Thätigkeit. Alle Freunde des Wettenden halfen mit und in verschiedenen Geschäften der Stadt waren Sammelstellen errichtet. An 100 000 Stück lieferten allein die königlichen Stallamtsbediensteten ab; auch viele Schulkinder sammelten mit, freilich nicht ohne Entgelt. Der Verlierer hatte an den Gewinner 500 Mark zu zahlen, welche der Letztere in dankenswerter Weise dem unter dem Protektorate der Königin stehenden Krüppelheim überwiesen hat. — Solche lobenswerte Verwendung des Wettbetrages mildert das Unsinnige solcher Wetten wenigstens etwas. Kirchliche Nachrichten. Svangelifche Gemeinde. Sonntag den 13. August. 11. nach Trinitatis. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markus- gemeinde. Vormittags 91/, Uhr: Pfarrassistent Dr. Heußel. In der JohanneSkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde. Vormittags 91/» Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Katholische Gemeinde. Samstag den 12. August. Nachmittags um 4Vt Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zui heil. Beichte. Sonntag den 13. August. 12. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6>/, Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Meste; vor und in derselben Austeilung der heil. Communion; Vormittags um 8 Uhr: die zweite heil. Meste; „ um 91/a Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2»/, Uhr: Andacht. Montag den 14. August. Nachmittags um 4'/, Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Dienstag den 15. August. Mariä Himmelfahrt. Vormittags von 6V9 Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe; vor und in derselben Austheilung der heil. Communion. , um 8 Uhr: Die zweite heil. Meste; „ um ÖV2 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2 Aer nach de ^-Hcner ” V® W •i*" " kW- 9««fmaim w? H°"d H^Arwerbe « Öanb' ?5» ober w in riaer Wbtt4t ist in *** »ch *},*’• P HjhM* Bereits । bie feierliche vollkommenste 5908 D. 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Hausmittel empfohlen, dessen vorzügliche Wirkungen schon seit vielen Jahren erprobt sind. Es ist dies das bekannte Aerdauungs- und Alittreinigungsmittel- der Hubert üllrich’sche Kräuterwein Dieser Kräuterweln ist auS vorzüglichen, ff-ilkrästtg befundenen Kräutern mit gutem Wein bereitet und stärkt und belebt den DerdauungSorganiömu» deS Menschen ol>ne ein -Ubsührmitt-l zu sein. Kräuterwein beseitigt Störungen in den Blutgesästcn, reinigt das Blut von verdorbenen, krank- machenden Stossen und wirkt fördernd auf die Neubildung gesunden Blutes. Durch rechtzeitigen Gebrauch de« Kräuter-WeineS werden Magenübel meist schon im Ätiuie erstickt. Man sollte also nicht säumen, seine Anwendung anderen scharfen, ätzenden, Gesundheit zerstörenden Mitteln vorzuziehen. Cnmplome, wie: Kopfschmerzen. Aus- stohen, Sodbrennen, Blähungen, Uebclkeit mit Erbrechen, die bei chronischen ^veralteten» Magenleiden um so heftiger austreten, werden ost nach einigen Mal Trinken beseitigt. x., ß ff und deren unangenehme Folgen, wie Beklemmung, Sruylverflopsung Kolikschmerzen, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, sowie Blutanstauungen in Leber, Milz und Pfortadersystem (Hämorrhoidalleiden) weiden durch Kräulerwein rasch und gelind beseitigt. Kräuterwein behebt Nnver- daulichkeit, verlechl dem Derdauungrsystem einen Ausschwung und entfernt durch -men leichten Stuhl untaugliche Stoffe au« dem Magen und den Gedärmen. Kageres, bleiches Aussehen, Mut- mangek, Entkräftung gagffi Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit unter nervöser Mbspannnng und Ge- mütffSverstinimnng, sowie häufigen Kopfschmerzen, schlaflosen Nächten, siechen ost solche Kranke langsam dahin. Kräulerwein giebt der geschwächten LebenSkrast einen irischen Impuls Kräulerwein steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blulblldung, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranken neue Leb° Tüchtiger, solider Arbeiter für dauernde Beschäftigung per sofort gegen guten Lohn gesucht. Hermann Hetz. !•<“ Wer schnell und billigst Stellung finden will, der verlanoe per Postkarte die „Deutsche ^akanzcn-Sosi" in Eßlingen. Ortskrankenkaffe Gießen. Wir Machen darauf aufmerksam, daß für das Einkaffieren der Beiträge Gebühren von uns nicht erhoben werden. Es sind an den Kaffenboten nur die Beträge, welche auf den Rech« nunaen unten quittiert sind, abzuliefern. 5922 Der Vorstand. Verein Familienkranz. Sonntag den 13. August er.: Wawansflug, Merstrch l. Schneise rechts. Abmarsch präzis 3 Uhr. 5921 Bei ungünstiger' Witterung gemütliches Beisammensein im Postkeller. Gäste willkommen Der Vorstand. 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