Samstag den 11. November 1S99 Rr. 266 Erstes Blatt. Gießener Anzeiger General-Anzeiger Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Bezugspreis vlerieljährlich 2 Mark 20 Pfg monatlich 75 Pfg. mit Bringerloha. Annahme von Anzeigen zu der nachmittag« für den Agenden tag erscheinenden Nummer bi« vorm. 10 Uhr. Alle Anzeigen-BermittlungSsteSen de« In- und Ausland«« nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Erscheint täglich nut Ausnahme de« Montags. Di« Gießener NamiktenStälter werden dem Anzeiger »vchenttich viermal beigelegt. Aints- und Zlnzeigeblutt für den ICrete Greben. Redaktion, Lxpeditton und Druckerei: Schutstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Zandmirt, Klätter für hessische UolKslrunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Kieß«. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Kett. Bekanntmachung, betr. die Herbstübungen in 1899. Das Generalkommando des 18. Armeekorps hat an Großherzogliches Staats - Ministerium das nachstehende Schreiben gerichtet, welches wir hiermit zur allgemeinen Kenntnis bringen. Gießen, den 8. November 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Frankfurt a. M., 21. Oktober 1899. Dem Großherzoglichen Staatsministerium beehre ich mich ganz ergebenst mitzuteilen, daß die mir unterstellten Truppen während der diesjährigen Herbstübungen im Großherzogtum Hessen überall eine sehr gute Aufnahme gefunden haben, und darf ich das Großherzogliche Staatsministerium sehr ergebenst bitten, den beteiligten Staats- und Kommunalbehörden sowie den Gemeinden hierfür meinen verbindlichsten Dank sehr gefälligst zum Ausdruck bringen zu wollen. Der kommandierende General (gez.) von Lindequist. __v. Werner. Bekanntmachung. Die Sperre der Gemarkung Inheiden wird aufgehoben. Die Weidesperre bleibt bestehen. Gießen, den 10. November 1899. Großh. Kreisamt Gießen. ____________________v. Bechtold.____________________ Bekanntmachung. Betr.: Maul- und Klauenseuche in Queckborn. In Queckborn ist in einem Gehöfte und zwei Schafherden die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Sperre der Gemarkung und der Weiden angeordnet worden. Gießen, den 9. November 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. * Samoa deutsch! Gießen, 10. November 1899. Ms die Hoffnungen, daß wir in dem Wettbewerb um -ie Inselgruppe in der Südsee den Siegespreis davon- tragcn würden, ihren Tiefstand erreicht hatten, da wurde uns die erfreuende Kunde, daß noch in letzter Stunde ein Umschwung eingetreten, und daß die durch deutsches Blut geweihte, durch deutsche Arbeit kostbar gewordene Inselgruppe dem deutschen Volke gesichert sei. Wir müssen gestehen, daß wir selbst nicht ohne leise Bedenken der Meldung Raum geben. Hatten doch noch vor wenigen Tagen alle Anzeichen, hatte doch vor allem die Sprache der Londoner Blätter darauf gedeutet, daß unserem Vaterlande ein koloniales Olmütz drohe, und gerade die deutschen Organe, die in dem Geruch der Offiziosität stehen, haben alles ge- than, um im Lande das Gefühl der bittersten Resignation zu verbreiten; sie haben das Thema von der Ungehörigkeit einer „Schnapphahnpolüik" durch alle Tonarten variiert bis zur dringlichen Empfehlung der schüchternsten Bescheidenheit, sie haben die Verteidiger der Samoaintereffen wechselnd als anmaßend, dumm und frech hingestellt. Jetzt ist Wandel gekommen. Das Hoffen der Nationalen, die gerade durch ihren heftigen Widerspruch gegen die Preisgabe der Eilande dem Auswärtigen Amte den Rücken stärkten, ist der Erfüllung nahe: Die Verhandlungen »it England sind zu Ende geführt worden, und man hat sich dahin geeinigt, daß die Inseln, mit Ausnahme der Insel Tutuila, die von den Vereinigten Staaten längst begehrte Kohlenstation, gegen nicht allzu wertvolle Kompensationen an Deutschland fallen. Das ist wahrlich ein Erfolg! Und sicherlich haben an diesem Erfolge nicht die Flau-Macher, die Matten und Lauen, die Laodicäer der Preßbüreaus teil, wohl aber die nationalen Politiker, die im Volke das Gefühl für Ehre und Schande wachhielten und schärften. Sie haben es gut gemacht, die wackeren Buren da unten in Südafrika, die uns Samoa aus den englischen Fingern herausgehauen haben! Denn wer kennt die englische Geschichte und will dennoch behaupten, daß Gründe des Rechtes und der Billigkeit uns zu unserem Eigentum verhelfen? Nein, die Erklärung für das rasche Nachgeben Englands kann nur gesucht werdenin denSorgen, die der unerwartet starke und siegessichere Widerstand der Burghers von Transvaal und dem Oranje-Freistaat den Engländern einflößt. Schon wird die Entsendung eines neuen Armeekorps beschlossen, immer größere Opfer an Geld und Gut, an Kraft und Blut werden gefordert, Wolken türmen sich von allen Seiten auf, und leise durchdringt die Gemüter die Ahnung, als sollte der Anfang des Endes sich nahen, als stehe die Welt vor einer jener gewaltigen Katastrophen, wie sie einherstürmten über das Reich des spanischen Philipp. Auch in England mögen solche Ahnungen dämmern, und sorgenvoll mag man umherschauen, ob in der Stunde der Not kein Freund zu sinden sei. Und überall trifft man auf feindliche Mienen. Da ist es wahrlich eines bescheidenen Opfers wert, die Schar der Gegner zu verringern! Und sonderbar! Die lang dahingezögerten Verhandlungen um Samoa haben plötzlich ihren Abschluß gefunden, wenige Stunden, ehe der russische Kaiser in Potsdam eintraf, ehe Graf Murawjew seine Fahrt nach Madrid und Paris abschließen konnte durch die Fahrt nach dem Kaiserschloß der Hohenzollern. Nicht allzuschwierig sind die Gedankenreihen zu lösen, die sich von selbst an Thatsachen knüpfen. Und auch die Vermutung ist nicht abzuweisen, daß die Möglichkeit einer Preisgabe der Reise nach England beflügelnd auf den Gang der Verhandlungen gewirkt hat, daß man in der Sorge, der Plan könne unter dem Eindruck der russischen Erklärungen aufgegeben werden, ein Entgegenkommen gezeigt hat, das der englischen Politik sonst wahrlich fremd ist. Und so hätten wir denn doch ein ganz klein wenig — „Schnapphahn- politik getrieben! Wir sind es zufrieden. Das letzte Urteil heute zu fällen, wäre voreilig. Noch fehlt die Klarheit über Amerikas Verhalten, über die politischen Folgerungen, die von Deutschlands Vertretern gezogen werden sollen. Aber wir freuen uns des Morgenrotes, weil wir hoffen, daß es der Herold eines schönen Tages ist. * Vom Kriegsschauplatz. Telegramme aus Kapstadt, die drei bis fünf Tage gebraucht haben, um nach London zu gelangen, berichten, daß die infolge der Siege der Buren veränderte Haltung der holländischen Bevölkerung der Kapkolonie die Engländer etwas besorgt macht. Wie der „Daily Mail" aus Kapstadt gemeldet wird, wurde in dem Orte Paar!, der eine vorwiegend holländische Bevölkerung hat, am Mittwoch abend, als dort die Niederlage bei Ladysmith gemeldet wurde, von den Zeitungsjungen gerufen: „Gute Nachrichten heute abend!", und erwachsene Holländer sagten den „Rooineks" (das heißt den Engländern, das Wort bedeutet „Rothälse"), sie würden ihnen zeigen, wie gekämpft wird. Auch die „Morning Post", die, wie man annehmen muß, am wenigsten geneigt sein würde, solche Dinge einzugestehen, läßt sich melden, daß der Rassenhaß nicht nur in den nördlichen, sondern auch in den mittleren Distrikten der Kapkolonie sehr stark ist, und der Korrespondent fügt bei, daß die Zensur sehr scharf ist und seine Mitteilungen einschränkt. Eine aufständische Bewegung ist in den an den Oranje-Freistaat angrenzenden Bezirken der Kapkolonie am ehesten zu erwarten und eine solche scheint auch englischerseits befürchtet worden zu sein. Das jetzt von den Freistaat-Buren genommene Colesberg ist ein vorwiegend holländischer Ort, und nicht minder holländisch gesinnt find die benachbarten Orte Dordrecht, Burghersdorp, Aliwal, North und Stekkerftroom. Die Buren haben dort Schützenvereine, aus denen sich leicht Buren- Kommandos bilden lassen, wenn es nicht schon geschehen ist. Auch in Natal ist man sich über die Haltung der dortigen Buren-Bevölkerung nicht mehr im Unklaren. Ein in Durban angekommener verwundeter Leutnant Wilson soll über viele Fälle von feindseligem Verhalten der Natal-Holländer berichtet und behauptet haben, daß die holländischen Farmer Natals dem Feinde trotz der Gefahr, welche sie laufen, behilflich sind, zwar nicht mit der Waffe in der Hand, aber doch auf andere Weise. Der holländische Dampfer „Friesland" ist bei den Seychellen vor Anker gegangen, um dort Kohlen zu nehmen. Er wird sodann nach der Delagoa-Bai weiter gehen. Vom westlichen und südlichen Kriegsschauplatz. Stormberg (Südgrenze des Oranjegebiets). Die Bure «- Kommandos rücken auf der ganzen Linie weiter vor. Die Verbindung mit den nach Kapstadt führende» Linien über De Aar-Junction ist abgeschnitte»; ein starkes Korps der Freistaatler soll sich morgen der Bahnlinie von De Aar selbst bemächtigen. Ob dies kämpfe los geschehen wird, ist um so zweifelhafter, als dort angeblich 700 Mann regulärer Truppen, und etwa 1000 Freiwillige liegen. Ob diese Geschütze haben, ist nicht bekannt, aber unwahrscheinlich, und in diesem Falle könne» sie gegen die acht Geschütze führenden Buren auf die Dauer nichts ausrichten. Die Buren, welche hier insgesamt 6000 Mann stark operieren, und zwar in drei Kolonnen, haben sich sämtlicher strategischerBrücken bereitbemächtigt. Die über den Oranjefluß führenden Brücken sind unversehrt, aber von den Buren unterminiert worden, damit diese dieselben jeden Augenblick sprengen können. Die Bahnlinie von Colesberg bi- Knapdaar, 30 Kilometer südlicb von Bethulie, ist aufgerissen. Die Buren operieren in drei verschiedenen Korps, das erste, etwa 3000 Mann stark, gegen Queenstown und Port Elizabeth, ihr rechter Flügel, 2000 Man« stark, gegen De Aar und die Kapbahnlinie, während 1000 Mann auf der Colesberg-Linie weiter südlich vorgeschoben sind und ihr Hauptkorps, angeblich 4000 Mann stark, bei Bethulie steht, um von dort aus, je nach Bedürfnis, in der einen oder anderen Richtung vorzugehen. Zur Lage iu Natal. London, 7. November. Die Lage um Ladysmith entwickelt sich in der bisherigen Form weiter. Kommandant Lukas Meyer hat seinen Vormarsch über Colenso, unter Zurücklassung eines Kommandos auf dem Doornkop, dessen Geschütze die Bahnlinie beherrschen, bis Estcourt fortgesetzt, welches die Engländer geräumt haben (das scheint am 2. resp 3. November geschehen z« sein) und steht jetzt vor Pietermaritzburg. Die letzten Depesche« der verschiedensten englischen Quellen bestätigen jetzt vollständig unsere eigenen letzten Nachrichten, wonach am Dienstag, Mittwoch uni» Donnerstag nicht nur ein fortgesetztes Artillerie-Duell zwischen den Truppen General Whites und denjenigen Jouberts stattfand, sondern der englische General auch, und zwar am ersten Tage gegen Colenso hin, am zweiten zwischen Klippfluß und Jsimbulwana vergebens durchzubrechen versuchte, um am dritten Tage, nachdem er an den beiden vorangegangenen blutig und mit schweren Verlusten zurückgeschlagen worden, einen allerdings nur schwer verständlichen Versuch machte, in west-nordwestlicher Richtung auf der Bahnlinie, gegen Walkershoek zu, sich Luft zu schaffen, ein Unternehmen, das gleichfalls mißlang Hier war es, wo eine in Siegeserfindungen besonders bewährte englische Agentur, welche, wunderlicherweise, in deutschen Blättern immer noch ganz ernsthaft citiert wird, General White ein Burenlager stürmen und wegnehmen ließ, ein Erfolg, den das englische Kriegsamt selbst offiziell ableugnet. — Was General White mit diesem Vorstöße bezweckte, ist schwer abzusehen, allerdings ist es die einzige Stelle um die Stadt, welche in ein offenes Gelände führt und die, da Anhöhe« in direkter Nähe nicht vor ihr liegen, zum wenigsten dem Geschützfeuer der Buren ausgesetzt ist. Vielleicht wollte der englische General di« Freistaat-Buren täuschen und dadurch einen scheinbar ernsthaften Angriff deren auf den Höhen des Blaawbankflusses stehende Korps nach Bester- station hinüberziehen, um dann selbst mit den übrigen Truppen im Thal« des Flagstonespruit, südwärts auf der Straße über Onderbrück-Colenss durchzubrechen. Jedenfalls mißlang auch dieser Versuch. Ob General White, wie gemeldet, am 1. November wirklich schwer verwundet wurde, ist immer noch nicht aufgeklärt, nur einsscheint dies indirekt zu bestätigen: die letzten beiden Osfizialberichte aus Ladysmith tragen nicht mehr, wie bisher, seine Unterschrift, sondern diejenige seines Adjutanten. Wie sich jetzt herausstellt, wurde der Kampf am 1. nach zwei Seiten von den Buren geführt, welche sich auf den Höhen von Grobberskloff mit schwerer Artillerie festgesetzt hatten, und von dort aus einerseits Whites Truppen nach Ladysmith hinein zurücktrieben und andererseits Colenso bombardierten und das dortige Fort Wylie zur Uebergabe zwangen, während General Lukas Meyer die von Colenso herankommenden britischen Truppen, die offenbar White die Hand zu reichen suchten, zurücktrieb und sich der Bahnlinie bemächtigte. Nach einem Telegramm der „Times" aus Pietermaritzburg vom 3. November wäre der Kampf am 2. November besonders blutig gewesen. Dis Nachricht ist allerdings, wie alle Meldungen der letzten Tage, überaus vage und spricht von einer blutigen Schlacht, „welche wahrscheinlich zwischen Ladysmith und Colenso stattfand". — Der Korrespondent fügt eigentümlicherweise hinzu: „Eine große Anzahl Buren wurde getötet, viele derselben waren Verwandte in Pietermaritzburg lebender Holländer Natals." Wie der Mann wissen kann, daß viele Buren, und nun gar Verwandte von Natalholländern gefallen, während es ihm nicht einmal bekannt ist, wo diese blutige Schlacht eigentlich stattgefunden, ist eins jener Probleme, wie die Kriegsberichterstattung selbst der größten englischen Blätter fie uns jetzt täglich stellt. Ein frommer Wunsch. London, 8. November. Das konservative Blatt „Standard" erklärt offen, die einzige Möglichkeit, die Pläne der Buren zu zerstören und den Feldzug gegen sie vor Jahresfrist zu beenden, sei die, gegen Abtretung der Walfischbai an Deutschland mit dessen Zustimmung ein drittes Armeekorps in der Delagoabai zu landen. (Eine sehr naive Zumutung; aber man sieht, was man m London uns zuzumuten wagt. D. Red.) Deutsches Reich. Berlin, 9. November. Der Kaiser hat dem Botschafter in London, Grafen von Hatzfeld, die Brillanten zum Schwarzen Adlerorden verliehen. — Der Kaiser begrüßte gestern abend nach der Rückkehr aus Charlottenburg im Neuen Palais den inzwischen dort eingetroffenen Kronprinzen von Schweden. Heute morgen um 8 Uhr geleitete der Kaiser nach einem Spaziergange die Kaiserin zu ihrer Abreise nach Kiel und Plön nach dem Bahnhofe Wildpark, erledigte hierauf Regierungsarbeiten und hörte um 9 Uhr den Vortrag des Chefs des Militär Kabinetts v. Hahnke. Um 10 Uhr begab sich der Kaiser in Begleitung des Kronprinzen von Schweden zur Vereidigung der Rekruten der Potsdamer Garnison nach dem Exerzierhause des 1. Garde-Regiments. Der Kaiser hielt eine Ansprache, nahm sodann militärische Meldungen entgegen und frühstückte dann bei dem Offizier-Korps des 1. Garde-Regiments. Nach der Rückkehr von dort arbeitete der Kaiser allein und begab sich um 3 Uhr 10 Min nach Letzlingen zur Jagd. Auf der Fahrt dorthin hielt der Staatssekretär Podbielski dem Kaiser Vortrag. — Der Kaiser wird auf seiner Reise nach England such von dem Militär-Attachö bei der Großbritannischen Botschaft, Oberstleutnant Grierson begleitet sein, welcher «m Montag vom Kaiser im Neuen Palais empfangen und zur Tafel geladen wurde. — Der Staatssekretär des Auswärtigen, Graf v. Bülow, wird den Kaiser bei der auf den 18. November festgesetzten Reise nach England begleiten. Es geschieht dies auf eine erst in den letzten Tagen hier eingetroffene direkte Einladung der Königin Viktoria. Für den Aufenthalt in Windsor sind fünf Tage vorgesehen. Den Besuch auf lern Landsitze des Lord Lonsdal wird der Kaiser ohne seine Gemahlin ausführen, die mit ihren beiden jüngsten Kindern inzwischen bei der Königin Viktoria verbleiben wird. Wie die „Post" erfährt, begiebt sich der Kaiser bereits am 17. ds. von Potsdam nach Kiel, um dann nach einem viertägigen Aufenthalt an Bord der „Hohenzollern" die Ueberfahrt nach England anzutreten. — Wie verlautet, hat Major Graf v. Bredow, der zur Londoner Botschaft kommandiert ist, Befehl erhalten, sich dem kaiserlichen Gefolge anzuschließen. — Nach der „Post" hat der Besuch des Zarenpaares in Potsdam aufs neue bestätigt, daß die friedlichen Grundrichtungen der russischen und deutschen Politik sich in Uebereinstimmung befinden. — Die Prinzen Albrecht und Friedrich Heinrich von Preußen werden am Montag nach Andalusien reisen. Sie werden vier Tage in Granada und vier Tage in Sevilla bleiben. — In einer stark besuchten Versammlung der nationalliberalen Partei in Worms begründete der Reichstags-Abgeordnete Freiherr vvn Heyl seinen Standpunkt zu den sozialen Anträgen und Gesetzen im Reichstag. Seine Ausführungen, insbesondere seine ablehnende Stellung zur Zuchthaus-Vorlage wurden einstimmig gut geheißen. — Aus dem Kolonialamt erfährt die „National- Zeitung": Die Sitzung wurde mit einer Ansprache des Direktors Dr. von Buchka eröffnet, welcher das gestern veröffentlichte Samoa-Abkommen des Näheren erläuterte und dem Kolonialrat den Dank der Regierung für seine Mitwirkung bei der Angelegenheit aussprach. Dadurch, daß die Inseln Bougainville und Bouka der Salomons-Gruppe Deutschland verblieben sind, ist die Arbeiter-Anwerbung für die deutschen Samoa-Inseln aus dem deutschen Schutzgebiete gesichert. Der gleichfalls Deutschland zugefallene Teil der neutralen Zone im Hinterlande von Togo besitze besonderen Wert wegen seines großen Reichtums und seiner arbeits- tüchtigen Bevölkerung. Die von Deutschland gebrachten Opfer seien nicht so groß im Vergleich zu dem moralischen Erfolge, welchen der Erwerb der beiden Samoa-Inseln für Deutschland bedeute. Fürst zu Wied trat diesen Ausführungen voll bei und sprach die Ueberzeugung aus, daß das deutsche Volk über den erreichten Erfolg hochbefriedigt sein werde. Der Dank hierfür gebühre in erster Linie dem Kaiser. Auf Vorschlag des Redners wurde nach Ausbringung eines dreimaligen Hochs ein den dankbaren Gefühlen des Kolonialrats in warmen Worten Ausdruck gebendes Telegramm an den Kaiser gesandt. Ein weiteres Dank- Telegramm wurde an den Staatssekretär v. Bülow gerichtet. Dor Eintritt in die Tagesordnung machte der Vorsitzende eingehende Mitteilungen über die Entwickelung der Schutzgebiete während der letzten Monate. Hieran knüpfte sich eine allgemeine Erörterung der Etats der Schutzgebiete und sodann die Beratung der Etats für die Schutzgebiete Kamerun, Togo und der Südsee. — Nach der jüngst vollzogenen Rekruten-Vereidigung versammelte bekanntlich der Kaiser sämtliche bei der Feierlichkeit anwesende Generale im inneren Schloßhof zu einer längeren Ansprache um sich. Ueber den Inhalt dieser Rede wird selbstverständlich tiefstes Schweigen beobachtet, immerhin aber verlautet, sie habe hochpolitische Fragen zum Gegenstand gehabt. Auf Befehl des Kaisers soll aus dem Militärkabinett nachstehende Verfügung an die Generalkommandos ergangen sein: „Seine Majestät der Kaiser und König haben sich infolge Einzelsalles dahin auszusprechen geruht, wie Aller- höchstdieselben nicht wünschten, daß preußische Offiziere des aktiven und Beurlaubtenstandes zur Zeit nach Südafrika beurlaubt würden. Auch solle möglichst darauf hingewirkt werden, daß verabschiedete preußische Offiziere nicht an den Kämpfen in Südafrika teilnähmen, damit auch jeder Anschein einer Verletzung der deutscherseits zu beachtenden völligen Neutralität vermieden werde." Die Ansprache des Kaisers bei der Rekruten-Vereidigung, wird jetzt in folgender $orm mitgeteilt: „Nach dem Mir soeben geleisteten Eide gehört Ihr jetzt voll und ganz der Armee an. Ihr habt den Eid vor Gottes Altar und seinem Kruzifix auf die durch Priesterhand geweihten Fahnen geschworen. Vor Euch stehen diese ruhmbedeckten Feldzeichen, unter denen schon Eure Väter gekämpft und auf fremder Erde Ihr Blut für König und Vaterland vergossen haben . . . Um Euch herum seht Ihr die Standbilder Eurer Könige und der großen Männer und Heerführer aus der vaterländischen Geschichte, welche Eure Vorfahren zum Siege führten . . . . Euch wird die ganz besondere Auszeichnung zu Teil, als Soldaten Meiner Garde unter Meinen Augen zu dienen, der Garde, die stets von den preußischen Königen geliebt wurde und auch von Mir auf besondere Weise in der Uniform oft ausgezeichnet worden ist." Nunmehr wies der Kaiser darauf hin, daß der Dienst den jungen Rekruten in der ersten Zeit, wie nicht anders zu erwarten sei, schwer fallen werde. Das sollten sie sich indesien nicht verdrießen lasten, da jeder einzelne in seinem Berufe eine Lehrzeit durchzumachen habe. Fortfahrend erinnerte der Kaiser die jungen Rekruten dann an die gelobte Treue und an den unbedingten Gehorsam, den jeder Angehörige (bet Armee seinen, des Kaisers, Befehlen und jeder Soldat denjenigen seiner Vorgesetzten schulde. „Ein guter Soldat", so schloß der Kaiser, „ist auch ein guter Christ und muß als solcher seine Religion hochhalten als das Band, welches uns alle zusammenhält. Nun, Rekruten, gehet hin; denket an den alten deutschen Spruch „Ein Mannl Ein Wort!" und thut Eure Pflicht, wie sie Euch in Meinem Namen gelehrt werden wird." Ausland. Wien, 9. November. Der Rechnungs - Revisor des obersten Rechnungshofes, Ludwig Freiherr Pereira- Arnstein erschoß sich aus unbekannten Gründen. — Das Exekutiv-Komitö der Rechten beschloß, für die Aufhebung des Zeitungsstempels zu stimmen. — Der Leutnant Maximilian Nachalitzky von den Tyroler Landes-Schützen wurde wegen Diebstahls von Pretiosen bei verschiedenen Juwelieren verhaftet. Derselbe soll an Kleptomanie leiden. Paris, 9. November. Der Senat als Staatsgerichtshof begann heute die Hauptverhandlung in der Komplott-Affaire. Ohne Zwischenfall fuhr der Zellenwagen, welcher Dvroulöde, Balliere, Barillier, Buffet, Cailli und Brunel aus dem Gefängnis brachte, in den Hof des Senats-Palastes. Drei Bataillone republikanische Garde sind zum Ordnungsdienst kommandiert. Von den 9 verfügbaren Zellen wurden Döroulöde, Buffet und Guvrin je eine eingeräumt; von den andern Angeklagten wurden je zwei in einer Zelle untergebracht. Als Zeuge ist u. a. Baron Christiani, der bekanntlich im Sommer einen Angriff auf den Präsidenten Loubet ausführte, geladen. Sein Erscheinen im Saale erregte Aufsehen. Dvroulöde betrat den Saal wegen seines leidenden Zustandes mit einem Stock, auf den er sich stützte. Seine als Zeugen erschienenen Anhänger begrüßten ihn lebhaft. Moskau, 9. November. Den Studenten der hiesigen Universität ist es gestattet worden, unter den Kommilitonen eine Subskription zum Besten der Entsendung einer Roten Kreuz-Abteilung für die Buren zu veranstalten. Madrid, 9. November. Infolge der Rede verschiedener Abgeordneten entschloß sich die Regierung, die Vorlage, betreffend die Staatspensionen, die 21 Millionen Ersparnis bringen sollten, grundsätzlich aufzugeben. Die Ziffer der Ersparnisse ist demnach auf 40 Millionen zusammengeschrumpft. Iokates und PrsvinMes. Gießen, den 10. November 1899. ** Geschichtskalender. (Nachdruck verboten.) Vor 15 Jahren, am 11. November 1884, starb an den Folgen einer Nterenerkrankung in seinem Geburtsorte Renthendorf bei Neustadt (Orla) der Naturforscher und Reifende Edmund Brehm. Er war ein begeisterter Freund und sorgsamer Beobachter des Tierlebens, als welcher er in allen Weltteilen bekannt geworden ist. Berühmt ist sein Hauptwerk „Das Tterlebm". Brehm wurde am 2 Februar 1829 in Renthendorf geboren. ** Ein warmer Winter in Aussicht. Statt des gefürchteten naßkalten, nebeligen Novemberwetters haben wir in der ersten Woche dieses Monats Tage voll Wärme und Sonnenschein wie im Frühjahr. Wie der Oktober geendet, hat auch der November unter dem Zeichen einer milden Temperatur seine Herrschaft angetreten. Auf eine Anfrage nach den Ursachen dieser abnormal warmen Witterung erhielten wir in der Meteorologischen Zentralanstalt auf der Hohen Warte folgende Auskunft: „Heuer scheint eine Rollenverschiebung in der Mitwirkung der Monate beim „Kalendermachen" eingetreten zu sein. Denn die Rolle, die sonst der Monat September inne hatte, hat der Oktober übernommen, während der September durch seine Wolkenbrüche und Regengüsse, die zu den großen Ueberschwemmungen geführt haben, von seinem sonstigen Charakter gänzlich abgewichen ist. Sonst ist dem September die Mission übertragen, uns durch klare, herrliche Sonnentage zu erfreuen. Nach der Hitze des Sommers sammeln sich nämlich die warmen Lüfte wie in einem unermeßlichen Reservoir; man bezeichnet dies als den „Hochdruck mit schönem Wetter." Infolge ihres Gewichtes senken sich diese Luftwaffen allmälig in die Tiefe und bringen die angesammelten tiefer gelegenen Wolken zur Verdunstung. Durch diesen Vorgang, der sich gewöhnlich im September vollzieht, erhalten wir in diesem Monat aufgeheiterte warme Witterung. Die Wetterverhältnisse des Alpengebietes stehen aber in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis zu dem Luftdruck, der vom Adriatischen Meer herüberkommt. Aus bisher unaufgeklärten Ursachen machte sich uns heuer im September ein Minimum oder Tiefdruck der Luft, der von der Adria über die Alpen herüberkam, bemerkbar; diese Luftschichten kondensierten sich, und dies führte zu den großen Regengüssen und Ueberschwemmungen. Durch diesen Zwischenfall erfolgte eine Verzögerung in der Einwirkung der warmen Luftschichten auf die Witterungsverhältniffe, und wir bekamen die schönen Herbsttage anstatt im September erst im Oktober. Ein zweites Moment in der Abnormität des Wetters liegt in der Einwirkung des Golfstromes auf die Weiterbildung. Durch verschiedene Versuche, die von Expeditionen zur Messung der Temperatur des Golfstromes unternommen worden sind, hat die Annahme sehr viel an Wahrscheinlichkeit gewonnen, daß die Temperatur des Golfstromes speziell auf die demselben näher gelegenen Ländergebiete einen großen Einfluß ausübe. So haben die Versuche in Norddeutschland, das der Strömung des Golfstromes näher gelegen ist, 90 „Treffer" ergeben, während für Oesterreich 70 „Treffer" gemessen wurden. Wenn nämlich die vom Aequator hertreibende Strömung wärmere Wassermassen mitführt, teilt sich die Wärme den oberhalb derselben befindlichen Luftschichten mit; die Wärme eines Liters Wasser bei der Temperatur von 1 Grad ist vier Kubikmeter Luft zu erwärmen im stände. Diese warmen Lüfte werden nun auf das Festland herübergeweht und beeinflussen in der bezeichneten Weise die Temperatur. Da nun die Wärme des Golfstromes stets für mehrere Monate die Luft versorgt, ist es wahrscheinlich, daß das milde Wetter noch längere Zeit anhalten wird. Ueberdies wurde die Beobachtung gemacht, daß die sogenannten milden Winter, die eine warme Temperatur aufweisen, gewöhnlich mehrere Jahre hintereinander in gewissen Serien oder Cyklen auftreten. Iw einem solchen CykluS befinden wir uns nun seit dem Jahre 1896, da seit diesem Jahre stets milde Winter zu verzeichnen waren. Solche Serien wurden in diesem Jahrhundert schon mehrfach beobachtet, so in den Jahren 1804 bis 1807, 1841 bis 1845, 1849 bis 1851 und jetzt seit dem Jahre 1896. In den Tages- und Monatstemperaturen bleiben die Jahre ziemlich konstant und weisen im Gegensätze zu vereinzelten, besonders abnormen Wintermonaten, keine extrem abweichenden Temperaturen auf." — Wir dürften daher auch heuer einen warmen Winter zu erwarten haben. ♦ * * * * Schuldienst Nachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 8. November den Lehramtsassessor Gustav Lauteschläger in Darmstadt zum Lehrer an dem Ludwig Georgs Gymnasium zu Darmstadt, den Lehramtsassessor Karl Größer aus Darm« stadt zum Lehrer an dem Gymnasium in Mainz, den Lehramtsassessor Adolf Kemmer aus Gießen zum Lehrer an dem Ludwig Georgs-Gymnasium zu Darmstadt, sämtlich mit Wirkung vom 1. November d. I., zu ernennen. * * Ordens Verleihung. Seine Majestät der Kaiser hat Herrn Postsekretär a. D. Mayer den Noten Adler- Orden 4. Klasse verliehen. * * Das Jahresfest des Oberhessischen Vereins für innere Mission, das nächsten Dienstag und Mittwoch dahier gefeiert wird, und in einem Festgottesdienst (Dienstag abend 61/* Uhr in der Stadtkirche) und in mancherlei Versammlungen (Dienstag nachmittag 3 Uhr im oberen Konfirmauden- saale sKirchstraßei mit Vortrag von Pfarrer I. Werner aus Frankfurt a.M. über „Veredelung der Volkserholungen", abends 8i/g Uhr in Steins Garten, Mittwoch vormittag 10 Uhr im Konfirmandensaale der Johanneskirche) reiche Anregung verspricht, hat noch eine dankenswerte Erweiterung dadurch erhalten, daß der Verband vonRettungs- häusern und verwandten Anstalten und Vereinen in dem Großherzogtum Hessen und der Provinz Hessen-Nassau seine Jahresversammlung gleichfalls am Dienstag, und zwar vormittags um 10 Uhr, im unteren Konfirmandensaale (Kirchstraße) abhält. Dabei wird auf Grund eines Referates des Herrn Pfarrers Reuß von der Strafanstalt zu Preungesheim über „Zwangserziehung mit Rücksich tauf das Bürgerliche Gesetzbuch" verhandelt werden, ein Thema, das auch für unsere städtischen Verhältniffe eine große Bedeutung hat. ** Landtagswahlen. Im Wahlbezirk Gießen-Land wurden zu Wahlmännern gewählt in: Lollar: Ludwig SeippIV., Karl Zimmermann; Annerod: Phil. HammelVI ; Hausen: Gg. Harnisch; Staufenberg: Bürgermeister Stephan; Lang-Göns: Johs. Wagner IX., Konr. Johs. Wenzel; Rödgen: Ludw. Kraushaar II.; Oppenrod: Bürgermeister Balser; Daubringen: Heinr. Hainbach; Ruttershausen: Bürgermeister Klinke!; Wieseck: Hch. Seibert III., Karl Schäfer III., Adam Ziegler, Jost Rein, Balth. Wacker; Allendorf a. d. Lahn: Bürgermeister Volk; Großen-Buseck: Johs. Demper, Wilh. Rühl, Phil. Dambmann; Großen-Linden: Bürgermeister Leun, Lehrer Bach, Ludwig Keßler V.; Klein-Linden: Johs. Theis III., Kaspar Jung VII. — Im Wahlbezirk Hungen-Lich wurden folgende Wahlmänner gewählt: Bettenhausen: Bürgermeister Roth; Trais-Horloff: Bürgermeister Bornmann; Lich: Hermann Jhring, Beigeordneter Dörmer, Bürgermeister Heller, Konrad Zimmer; Muschenheim: Bürgermeister Roth; Ober-Hörgern: Johs. Alles V.; Oberbessingen: Bürgermeister Kühn; Utphe: Bürgermeister Schneider; Wohnbach: Wilh. Eichelmann; Obbornhofen: Phil. Holler; Münster: Beigeordneter Heß; Berstadt: Johs. AlterH., Bellersheim: Wilh. Neusel; Eberstadt: Heinr. Löbrich III.; Wölfersheim: Ernst Heyer III.; Dorf-Gill: Bürgermeister Kuhl; Steinheim: Bürgermeister Nicklaus; Birklar: Johs. Bender; Vi Hin gen: Conr. Koch IV.; Langsdorf: Bürgermeister Köhler; Inheiden: Wilh. Stoll; Langd: Emil Fritz; Röthges: Phil. Ester, Hungen: Bürgermeister Buttron, Hch. Schmidt I.; Gröningen: Bürgermeister Gilbert; Nonnenroth: Bürgermeister Jacob. — Weitere Wahlnachrichten besagen: Darmstadt-Land: Wahl Noacks (vereinigte Bürgerpartei) gesichert. In Groß-Gerau soll Berthold (Soz.) in Langen-Jsenburg Cramer (Soz.), in Eberstadt- °s° «16, """'fit, «>-» S-tz- ®tntt>ittunn k ixt •*l, but di- dnM ”$i«NL t* "d, das der L.. 6ö ib 90 0 7.,«"^cher- W; !-« LZ7^-"d. ' e“ b'siMchl, Z? Alters Safier uT «äsvy J' he üuft t)It[ot t Wbt dir SBeobaiitm» ” ««Ich- W. yn auftreten. % nun seit dem ^nbvt "Mrzunerzeichl 'esm^ahrhnndert schon en 180^ bis 1807, 1841 1 ^it dem Jahre 1896. iuren bleiben die Jahre Mätze zu vereinzelten, kerne extrem abweichen- rften daher auch Heuer abe«. e Königliche Hoheit der inuht, am 8. November | trschlöger in Darm-- s z Georgs Gymnasium zn I rl Größer aus Darm« um in Mainz, den Lehr- Gießen zum Lehrer an Tamstadt, sämtlich mit zu ernennen. Majestät der Kaiser iher den Roten Mer- sischen LeremS für ümm i nö WittiMd) dahier gt= ibitnft (^itnitag abend n mancherlei Versamm- m oberen Konsirmauden- r Wnrr Werner agberDMerhMgen", ?n, Mittwoch vormittag er Johanneskirche) reiche dankenswerte Erweiterung ianb von RettungS- zlnftalten und Berum Hessen und de: -ine Jahresversammlung 1 vormittags um 10 Uhr, chßrch> » tJ bei H-n» Om'» in Preungesheim öder sicht-«fdairM"' A S$ti FsSS Bta9nerT, Oppenrod: ^üLfl&nr. haindach; ?T»seck:Hch- ghnteV, ®xtL fyt T&gG. »Ms nt ®«^i”"rs90rToff; : $«*Mrab 8*'r;: J'fe'S der; Phil. Ä Zellers JohS- Orich ' A : Heirit'A. Agrger- 11' Dl>r^.?' MlauS; »7-. donr. $oaW ?Ä«Sh >)-,n Pfungstadt Haas (Bürgerpartei), in N i e r st e i n Molthau (Centrum), in Heppenheim Schlenger (Centrum), in Mainz-Land Dr. Schmitt (Centrum) als gewählt zu betrachten sein. In Babenhausen-Seligenstadt gilt die Wahl des bisherigen Abgeordneten Horn (Centrum) als gesichert, in Bingen-Land diejenige Brentanos. ** Aus dem Theaterbureau. Die am nächsten Sonntag dem 12. ds. Mrs., nachmittags 4 Uhr, stattsindende Aufführung von „Als ich wie der kam . . .« (Fortsetzung von „Im weißen Rößl-) findet im Abonnement bei gewöhnlichen Preisen statt. Billet Vorverkauf bei Herrn Ernst Challier. — Abends 8 Uhr ist daS letzte Gastspiel Carl William Büller's: „Einer von unsere Leut", in welchem AbonnementbilletS mit Zuzahlung Giltigkeit haben. ** Polizeibericht. Gestern abend wurde von dem Gärtner Ludwig Rüge aus Friedberg Hierselbst die Anzeige gemacht, daß ihm aus seiner Gärtnerei dortselbst 2 Rosenscheren, 1 Heckenschere und 1 Baumsäge gestohlen worden seien. Der Thäter, Philipp Schneider aus Ulfa, sowie der Hehler Gärtner Heinrich Baßen aus Lippe bei Köln wurden gestern abend Hierselbst verhaftet. Eine Rosenschere sowie die Baumsäge wurden bei dem letzteren vorgefunden, die übrigen Gegenstände haben dieselben in Butzbach verkauft. — Am Sonntag nachmittag vergnügten sich mehrere Jungen damit, daß sie, wie es leider öfters an leer stehenden Gebäuden vorkommt, an der an die Stadt als Eigentum übergegangenen leer stehenden Plank'schen Hofraite an der Marburgerstraße dahier ca. 20 Fensterscheiben entzwei- warfen. Die Thäter wurden ermittelt und zur Anzeige gebracht, und zwar 2 Schlosserlehrlinge, 1 Gärtnerlehrling, 1 Realschüler und 1 Stadtschüler, welche am Wiesecker- weg wohnen. Alsfeld, 8. November. In der am 31. Oktober d. I. hier versammelt gewesenen Dekanatssynode des Dekanats Alsfeld wurden gewählt: Zum weltlichen Abgeordneten zur Landessynode Herr Kreisrat Dr. Melior mit 37 von 39 abgegebenen Stimmen (Stellvertreter Bürgermeister Moß von Wahlen), zum geistlichen Abgeordneten Herr Pfarrer Jaudt in Planig mit 27 Stimmen (Stellvertreter Herr Pfarrer Sommerlad zu Maiches). Weltlicher Ersatzmann des Dekanats - Ausschusses wurde an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Grünewald von Brauerschwend, Oekonom Schmidt von Romrod. Morgens fand Gottesdienst statt. In den Verhandlungen der Synode verlas Dekan WörißhofferGroß-Felda den Jahresbericht über den kirchlichen und sittlichen Zustand der Dekanatsgemeinden, der im allgemeinen Erfreuliches zu melden wußte. Pfarrer Stock-Ober-Breidenbach berichtete über den Stand der Dekanats-Krankenpflege und machte die Mitteilung, daß in Groß Felda nunmehr eine Schwester angestellt werden konnte. Pfarrer Jäger-Alsfeld referierte über die Frage: „Was haben die Kirchenvorstände zur würdigen Herstellung und Ausschmückung ihrer Gotteshäuser zu beachten?" Wegen vorgerückter Zeit konnte Redner sein ausführliches Referat nicht beenden. Dessen Fortsetzung sowie die Diskussion hierüber wurden bis zur nächsten Tagung der Synode zurückgestellt. Mainz, 9. November. Aus authentischer Quelle erfährt der „Rh. K.", daß beabsichtigt wird, eine direkte Eisenbahn von Mainz über Mombach unter lieber» brücfung des Rheines in der Nähe von Amöneburg nach Wiesbaden zu erbauen. Die Vorbereitung und Anschläge sind für diese direkte Linie bereits zu Papier gebracht, aber in den nächstjährigen Etat der preußischen bezw. hessischen Eisenbahnverwaltung sollen die Kosten voraussichtlich noch nicht eingestellt werden, weil in Aussicht genommen ist, erst binnen 5 Jahren diese Linie fertig zu stellen. Dieselbe wird auf dem neuen Centralbahnhofe am Melonenberg in Wiesbaden einmünden, der gegenwärtig im Bau begriffen ist und in etwa 4 Jahren vollendet fein soll. Es wird vermutet, daß nach dem Bau der genannten Linie die Frage entstehen wird, ob der Sitz der Kgl. Preußischen und Großh. Hessischen Eisenbahndirektion nicht zweckmäßiger von Mainz nach Wiesbaden zu verlegen sein möchte. Kirchliche Nachrichten. Ev asgelische Gemeinde. Sonntag den 12. November. 24. nach Trinitatis. G o t t e s d i e n ft. I« der Stadttirche. Kirchenvisitation für Matthäus- und Markusgemeinde. Bormittags 9‘/g Uhr: Pfarrer Dr. Grein Herr Prälat D. Habicht hält eine Ansprache an die Gemeinde, und nimmt dann die Religionsprüfung der Neukonfirmierten aus der Matthäus- und Markusgemeinde vor.. Die Neukonfirmierten aus der Matthaus- und Markusgememde werden aufgefordert, im Vormittagsgottesdienst zu erscheinen und die Konfirmandenplätze einzunehmen. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrassistent vr. Heußel. «onfirmandensaal, Kirchstratze. Dormütags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrassistent Dr. Heußel. DienStag den 14. November, abends 6i/< Uhr: Festgottesdienst zur Feier des JahreSsesteS des Oberhessiscken Vereins für innere Mission. Pfarrer Reeg aus Offenbach a. M. Donnerstag den 16. November, abends 8 Uhr, Bibelstunde im unteren Konfirmandensaal (Kirckstraße): 1. Brief des PetruS, Kap. 1, Vers 13 ff. Pfarrer Dr Grein. In der Johanneskirche. Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Euler. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für du LukaSgememde. Pfarrer Euler. Abends 5 Uhr: Siehe Stadtkirche. Montag den 13. November, abends 8 Uhr: BibelstttNde tm Konfirmandensaal der Johanneskirche. Text: Ap.-Gesch. .6, 8 ff. Pfarrer Euler. Katholische Gemeinde. Samstag den 11.November. . Nachmittags um 4'/> Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenhett zur heil. Beichte. Sonntag den 12. November. 25. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6«/, Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. , um 7 Uhr: Die erste heil. Meffe; vor und in betreiben Austeilung der heil. Communion; , um 8 Uhr: Die zweite heil. Meffe; „ um 9Vs Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 5 Uhr: Christenlehre; darauf Andacht. Gottndiruft der israelitischen Krligilmigesrüschast. Sabbathfeier am 11. November 1899. Freitag abend 4" Uhr, Samstag vormittag 8« Uhr, nachmittag 3 Uhr, Sabbathausgang Uhr. Nachmittag 2«> Uhr Schrifterklärung in der Synagoge. Wochengottesdienst morgens 7 Uhr, abends 4 Uhr. Universität und Hochschute. Berschiedenes: Die medizinische Fakultät der Univerfttät Marburg hat dem Oberbürgermeister Adickes von Frankfurt a. M. den Ehrendoktor verliehen. — Geh. Medizinalrat Professor Quincke tft zum Rektor der Universität Kiel gewählt worden. Neueste Meldungen. Depeschm deS Bureau .Herold'. Berlin, 10. November. Die Kaiserin ist gestern nachmittag um 3 Uhr in Kiel eingetroffen. Die Abreise nach Plön erfolgt am Freitag. Berlin, 10. November. An dem Gala-Diner zu Ehren des Zarenpaares nahm auch der Staatssekretär Tirpitz teil. Wien, 10. November. Das „Fremdenblatt" bespricht das deutsch-englische Samoa-Abkommen und sagt: Der vorgestrige Tag, der die Veröffentlichung des Samoa- Abkommens und die Zusammenkunft Kaiser Wilhelms mit dem Zaren gebracht hat, verdient in der politischen Chronik des Reiches ganz besonders verzeichnet zu werden. Wir können in Oesterreich Ungarn angesichts der freundlichen Haltung unserer Monarchie zu Rußland wie zu England dies mit doppelter Genugtuung konstatieren, Denn nichts kann uns erwünschter sein, als wenn unser Verbündeter mit den uns befreundeten Mächten in bestem Einvernehmen steht. Paris, 10. November. Vor dem Senatsgebäude kam es gestern nachmittag um 4 Uhr zu heftigen Auftritten. Die Polizei zerstreute die Menge, welche die Marseillaise fangen. Im Zeugenfaal kam es ebenfalls zu Tumulten. Die 600 Zeugen fangen revolutionäre Lieder und brachten Hochrufe aus auf die Commune, auf Dörou- lebe und Rochefort. Einige Zeugen klebten Papierstreifen, welche die Namen Daroulöde's und Rochefort's trugen, an die Wände und an die Marmorfiguren. Um 4*/, Uhr wurden die Zeugen verabschiedet. Dies gab auf den Straßen Anlaß zu neuen Kundgebungen. Die republikanische Garde zerstreute die Menge und räumte den Platz. Die Bure» siegen auf der ganzen Linie! Aus Paris kommen endlich folgende Nachrichten: Paris, 10. November. Der „Temps" veröffentlicht folgendes Telegramm aus London: Ein Telegramm ans Kapstadt berichtet, daß General White seine sämtliche Munition verschossen hat und gezwungen ist, sich den Buren zu ergeben. General Frenche ist zn diesem Zweck nach Kapstadt gereist, um dem General Buller die Bedingungen der Kapitulation von Ladysmith zn unterbreiten oder von ihm die Genehmigung für einen letzten verzweifelten Ausfall einzuholen. — Die „Liberte" erhält aus Amsterdam die Bestätigung der Meldung über die Aufreibung eines englischen Kavallerie-Regiments bei Ladysmith am letzten Freitag. Das Regiment ist von Freistaat-Bnren vollständig aufgerieben. 660 englische Soldaten wurden kampfunfähig gemacht und 300 Pferde erbeutet. London, IO.November. Eine Meldung aus Eastcourt besagt: Ans Grund von Berichten der Eingeborenen u m- ziugeln die Buren Ladysmith in beträchtlicher Anzahl und fahren neue Geschütze auf ihren Positionen aus. Mau glaubt jedoch, daß Ladysmith sich noch wird halten können. Der Grund, weshalb die schweren Geschütze von Ladysmith geschwiegen haben, ist nach einer Meldung des Korrespondenten der „Evenning News" aus Piertermaritzburg darin zu suchen, daß die Mörtelbettung, auf welcher die Geschütze stehen, noch nicht fest war. Paris, 10. November. Das Aktions-Komitee der französischen Jugend hat die jetzt 1416 Gesuche von Freiwilligen 'erhalten, welche gegen England au der Seite der Buren zu kämpfen bereit sind. Unter denselben befinden sich 108 frühre Unteroffiziere und 15 Reserve Offiziere. Paris, 10. November. Einer Meldung aus dem Auswärtigen Amt zufolge erwartet man in hiesigen politischen Kreisen eine längst vereinbarte Aktion Frankreichs in Marokko und von Seiten Rußlands eine solche in Persien. Eine Einverleibung Transvaals in die englische Kapkolonie würde die Veranlassung zu dieser von langer Hand vorbereiteten Aktion sein. • * London. 10. November. Lord Charles Beresford erklärte in einem Interview, die Haltung Ja mesons, sowie seine Beteiligung am Kriege gegen England zeige, daß er wortbrüchig sei. Er spiele eine verächtliche Rolle und verdiene nicht die geringste Beachtung. Berlin, 10. November. Der Major Freiherr von Reitzenstein, Generalstabs Offizier der 11. Division in Breslau, in weiteren Kreisen bekannt geworden durch seine hervorragende Leistungen bei dem Distanzritt Berlin— Wien zu Anfang der 90erJahre soll, wie es heißt, seinen Abschi'ed erbeten haben, um in Südafrika an der Seite der Buren gegen die Engländer zu kämpfen. Er soll auch bereits nach Kapstadt abgereist sein. Loudon, 10. November. „Daily Telegraph" meldet, daß unter den Gefangenen, welche nach Kapstadt gebracht wurden, sich auch englische und holländische Unter- thanen befunden haben. London, 10. November. In einer zur Entsendung nach Südafrika bestimmten Schwadron Kavallerie ist das Scharlachfieber ausgebrochen. Der Abgang der Schwadron mußte daher vorläufig unterbleiben. Kapstadt, 10. November. Die Legung des neuen Kabels zwischen Kapstadt und St.Helena beginnt morgen. London, 10. November. Einer New -Aorker Meldung des „Globe" zufolge, erklären mehrere Washingtoner Blätter, obwohl die Unions-Regierung den Londoner Vertrag nicht beanstandet habe, hätte sie doch lieber Upolu und Sawaii in englischem Besitz gesehen. Im Hinblick darauf, daß aus dem südafrikanischen Krieg europäische Ver - wickelungenentstehenkönnten, habe England Deutschland versöhnt, indem es die Inseln abtrat, was Deutschland rechtmäßig nicht beanspruchen konnte. London, 10. November. Alle Morgenblätter kommentieren die Reden, welche gestern auf dem Bankett des Lord- Mayors von Salisbury und Wolseley gehalten worden ' sind. Die Blätter bemühen sich, in diesen Reden eine Andeutung einer günstigen Politik Englands in Südafrika zu sehen. Die konservativen Blätter meinen, daß die Worte Salisburys dunkel seien, glauben aber, daß die beiden südafrikanischen Republiken aus der Welt gerafft werben. Die chauvinistische Presse fordert einstimmig die Annexion der beiden südafrikanischen Staaten. „Daily Mail" sagt, nach dem was vorgegangen, können wir nicht dulden, daß die beiden Republiken weiter bestehen. (Die Engländer scheinen nach den letzten Hieben immer noch feine Bescheidenheit zu kennen.) London, 10. November. Eine Abteilung Buren, 150 Mann stark, hat ein Lager bei Komati-Pont ausge- schlagen. Eine andere Abteilung ist auf dem Marsche nach Greytown begriffen.__________ Herren-, Knaben- und- Kinder-Garderobe. STOT Spezialität! Kinder-Anzüge. Anfertigung nach Maas» in eigener Werkstätte. 7640 Markus Bauer 11 Kirchenplatz 11 gegenüber der Stadtkirche. gegenüber der Stadtkirche. 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