&n. 8t: Konzert 10 5882 Hannover H Fischer. B,tr fata. s 5 Uhr. Morstandi , ll Irzt g ebb' fnottfl itß- äft ü Art 5'6* .eihanstalt ►en. _____—-- MM ui» iesen 1014 rSL Dltlenb- D 99 i 99‘ 24' 100- 1887 bv Rußland und Frankreich. Die Reise des französischen Ministers des Aeußern nach Petersburg läßt viele Leute nicht schlafen, und sie sinnen und grübeln über den Beweggrund, welcher Delcaffä veranlaßt hat, seine Schritte nach der russischen Hauptstadt zu lenken. Ergötzlich ist jedenfalls die Meldung, daß der Minister den Auftrag habe, den Zaren von seiner Rück- triltssehnsucht zu heilen, und an dieser Mitteilung ersieht man wieder, wessen die Sensationsmache fähig ist. Einmal dürfte beim Kaiser Nikolaus schwerlich schon jetzt der Wunsch rege geworden sein, sich von der Regierung zurückzuziehen, wenn er auch vielleicht mancherlei Enttäuschungen erfahren hat. Aber man sollte annehmen, daß der Zar schon beim Antritt des Regiments sich der Schwierigkeiten seiner Mission bewußt gewesen ist und daß er sich keinen Zweifel darüber hingegeben hat, wie lange Jahre es in Anspruch nehmen würde, wollte er reformatorisch auf die inneren Zustände seines gewaltigen Reiches einwirken. Und nur bezüglich der inneren Politik kann man von Enttäuschungen sprechen, die dem Zaren geworden sein können, denn auf dem Gebiete der äußeren Politik hat Rußland auch seit dem Regierungsantritt Nikolaus II. nur Erfolge zu verzeichnen, die die Machtstellung Rußlands nach außen hin nicht unwesentlich vermehrt haben. Also mit dem Zarenrücktritt ist es nichts! Andererseits aber würden die maßgebenden Petersburger Kreise sich schwerlich in ihre Angelegenheiten dreinreden lassen — selbst nicht von dem alliierten Frankreich. Daß die Reise Delcasses immerhin Beachtung verdient, wollen wir gar nicht ableugnen, denn es ist kaum anzu- nehmen, daß der französische Staatsmann etwa seine Urlaubs zeit an der Newa zu verbringen gedacht; aber ist es denn so absonderlich, daß der Leiter der auswärtigen Politik eines Landes Veranlassung nimmt, mit dem Kollegen des ihm durch feierlich verkündete Allianz eng verbündeten Reiches persönlich Rücksprache zu nehmen über schwebende Fragen? Heute, wo die Interessen der einzelnen Staaten auf dem Gebiete der internationalen Politik so sehr in ein- ävdergreifen, ist das gar nicht weiter verwunderlich. Bei dem Diner, welches der russische Minister des Aeußern Graf Murawjew seinem Kollegen von der Seine --ab, sind Trinksprüche ausgetauscht worden, welche aber ganz farblos waren und über die Mission Delcasses nichts »errieten. Daß das herzliche Verhältnis zwischen Rußland Md Frankreich in warmen Worten gepriesen wurde, verdient kaum hervorgehoben zu werden, aber den französischen leitenden Staatsmännern dürfte es doch Genugthuung bereiten. So, wie man sich vielleicht früher in Paris eine Allianz Fürst Münster, deutscher Botschafter in Paris. Berlin, 9. August. Die Verleihung der Würde eines preußischen Fürsten an den deutschen Botschafter in Paris, Grafen Münster, ist im Hinblick auf dessen gesamte Thätigkeit erfolgt. In dieser Beziehung wird darauf hingewiesen, daß es dem Botschafter nicht nur gelungen ist, während seiner amtlichen Thätigkeit in der französischen Hauptstadt das gute Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich aufrecht zu erhalten, sondern diese Beziehungen unter schwierigen Verhältnissen noch zu verbessern. Auch wird hervorgehoben, daß auf der Friedens-Konferenz im Haag der deutsche Botschafter alle Friktionen zwischen den deutschen und französischen Delegierten zu verhüten verstanden hat. mit dem Zarenreiche gedacht hat, ist sie nicht ausgefallen; denn allen chauvinistischen Wünschen gegenüber ist der Zar bisher kalt geblieben, und seine korrekte Haltung hat jeden- Feuilleton. Die Teufelsbohnen. Eine heitere Ehestandsgesckichte von Alwin Römer. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) „Es ist doch kaum glaublich, was so eine Frau eigen- innig sein kann," sagte auf der Straße der Assessor zu Iturern Freunde. „Weil sie sich mit zehn Pfund Kaffee ver- zaloppiert hat, soll ich es abbüßett." „Du trinkst ihn einfach nicht," riet der Doktor, der -ein kleiner Tyrann' daheim war. „Dann ist ewiger Unfriede im Hause!" klagte kopf- Mttelnd der nachgiebige Ehemann. „Na, dann will ich Dir etwas sagen. Geh' zu Ehwenckert auf dem Alten Markt und kauf' Dir heimlich zehn Pfund vom besten, und wenn sie nicht zu Hause ist, vertausche ihn mit dem Teufelszeug. Das läßt sich sehr gut machen." „Wahrhaftig!" erklärte erfreut der Assessor. „Das gcht!" Noch am Abend desselben Tages betrat er, nachdem er seiner Frau das Geleit bis ans Theater gegeben hatte, bin Laden des renommierten Kaffeegeschäfts, erstand zum Erstaunen der rothändigen Ladenjünglinge das stattliche Säcklein mit den duftenden braunen Bohnen und fuhr dann ml der Pferdebahn vergnügt heimwärts. Das Mädchen schickte er nach der Post mit dem Auftrage, Marken zu kaufen, und gleich, wie sie fort war, durchstöberte er die Vvrnatskammer nach dem schlimmen Bremer Beutel. Die Openation des Umschüttens war freilich nicht ganz so einfach, M »er sich das vorgestellt hatte. Aber da die Säcke gar $u \dyc voneinander verschieden waren, hätte er sich doch dazu entschließen müssen. Schließlich wurde er auch damit fertig. Der neugefüllte Bremer stand an Ort und Stelle; die böse Sorte nahm er mit sich und vertraute sie einem Schränkchen seines Schreibtisches an. Mit sichtlichem Wohlgefallen schlürfte er am anderen Morgen seinen' Frühtrunk. „Siehst Du, heute schmeckt er Dir schon bester," sagte mit unverkennbarer Genugthuung Frau Klara, die ihn heimlich beobachtet hatte. „Du kannst es ruhig zugeben!" bohrte sie weiter. „Ich habe es an Deinem Gesichtsausdruck doch einmal gemerkt." „Ja, ja," heuchelte er, innerlich überaus belustigt, „mir ist wirklich so, als ob er heute besser mundete! Aber früh hat man nicht den richtigen Kaffeegeschmack!" Dann ging er seinem Amte nach. Er hatte eine voraussichtlich lange Sitzung vor sich und pflegte an solchen Tagen in einem Restaurant in der Nähe des Gerichts zu speisen. Erst am Abend kam er wieder nach Hause. Mit einem Siegerantlitz trat ihm seine Frau entgegen. „Ich sehe schon," sagte er lächelnd, „Dein Kaffeekränzchen ist brillant verlaufen. Du siehst aus wie ein Feldherr, der eine Schlacht gewonnen hat." „Habe ich auch," sagte sie stolz. „Es war alles vorzüglich: Eis und Torte und Schlagsahne. Am allerbesten aber der Kaffee! ... Du lächelst! Du denkst, sie haben mir blos Komplimente geschnitten und hinterher über mich gesprochen? . . Nichts da! Ich habe die Beweise, daß sie es ehrlich gemeint haben. Der Kaffee ist wirklich vorzüglich!" „Ja, ja, ich glaube es Dir!" unterbrach er sie schmunzelnd. „Nein, Du glaubst es nicht. Du thust wieder nur so. Aber wenn selbst Frau Direktor Holst erklärt, so guten Kaffee noch nicht zu so fabelhaft billigem Preise gekauft zu haben, so wird wohl etwas Wahres dran sein. Denn die falls in der Seinestadt anfangs stark enttäuscht. Auch sonst sind die Erwartungen der Franzosen, aus der Allianz Kapital zu schlagen, nicht in Erfüllung gegangen, und die Stimmung in Paris gegen den großen Freund war eine Zeit lang nicht die beste. Die Ereignisse in Frankreich haben die Aufmerksamkeit wohl von der äußeren Politik abgelenkt, aber es ist nicht unwahrscheinlich, daß die jetzige französische Regierung es für gut hält, mit dem Alliierten wieder festere Fühlung zu nehmen; wenigstens den Franzosen zu zeigen, daß der Bund mit dem Zarenreiche noch immer besteht. Und wie sie frohlockten, als im August 1897 der Zar das Wörtchen „alliance“ aussprach, so werden sie vielleicht heute befriedigt sein, wenn das herzliche Einvernehmen zwischen beiden Staaten aufs neue konstatiert wird, heute, wo eine ganz anders gefärbte Regierung in Paris am Ruder ist als vor zwei Jahren. Dem europäischem Frieden kann der Zweibund nicht gefährlich werden, daran kann auch die Reise Delcasses nichts ändern, (xx) Deutsches Keich. Berlin, 9. August. Zum Kaiserbesuch in Dortmund wird weiter gemeldet, daß die Einweihung des neuem Dortmund-Ems-Kanals nach dem ursprünglich für dem 3. August festgesetzten Programm in Gegenwart des Kaisers sofort nach der am Freitag früh 9 Uhr 40 Min. erfolgendem Ankunft stattsinden wird. Nach Beendigung der Feierlichkeiten besichtigt der Kaiser die Fabrik-Anlagen der „Union" und begiebt sich alsdann nach dem Rathause, wo ihm durch den Oberbürgermeister der Stadt Dortmund der Ehrentrunk kredenzt wird. Nach der Besichtigung einiger Sehenswürdigkeiten erfolgt die Abfahrt um Uhr nachmittags nach Essen, woselbst der Kaiser dem Geheimrat Krupp einem Besuch abstattet. Am Samstagvormittag trifft der Kaiser in Remscheid ein, besichtigt dort die Müngstener Brücke und das Schloß Burg. Nach abermaliger Uebernachtung in der Villa Hügel und einem Rundgang durch die Kruppschen Werke kehrt der Kaiser nach Schloß Wilhelmshöhe zurück. — Die städtischen Behörden von Dortmund haben sämtliche Minister telegraphisch zur Teilnahme an der Eröffnungsfeier eingeladen, aus welchem Grunde auch der Reichskanzler Fürst Hohenlohe in Dortmund eingetroffen ist. Berlin, 9. August. Der Kaiser hat am 6. August, als am Tage der Schlacht von Wörth, einen Kranz am Sarkophag Kaiser Friedrichs im Mausoleum zu Potsdam niederlegen lassen. Berlin, 9. August. Das Reichsversicherungs- arnt hat beschlossen, auf der Pariser Weltausstellung die versteht sich entschieden darauf, und geniert sich nicht, einem das Gegenteil zu sagen." „Ich bin vollständig überzeugt," erklärte er, nichtswürdig vergnügt über seine Täuschung, aber die Siegerin ließ sich nicht beirren. Offenbar hatte sie noch einen Trumpf in Händen, den sie erst ausspielen mußte, ehe sie das Thema abbrach. „Das bist Du nicht!" erklärte sie kategorisch. „Aber damit Du es wirst und zugleich siehst, wie ich auf jede Deiner Launen Rücksicht nehme, auch wenn sie keine Berechtigung haben, so erfahre denn, daß mir die Damen die ganzen zehn Pfund Kaffee abgekauft haben, weil er ihnen so vortrefflich geschmeckt hat. Nun kannst Du mir nichts mehr nörgeln, und ich habe mein Geld wieder. Sogar für jedes Pfund fünf Pfennig mehr!" „Abgekauft?" stöhnte er. „Abgekauft!" triumphierte sie. „Und sogleich mitgenommen. Es war ein ordentlicher Kramladen in unserem Salon! Wir haben uns halb tot gelacht dabei! . . . Außerdem habe ich hier noch fünfzehn Pfund Nachbestellungen, darunter fünf Pfund für Frau Doktor Reiser, die einfach baff war ü"ber den Unverstand ihres Mannes. Gleich morgen schreibe ich nach Bremen." „Immer schreib drauf los!" sagte er resigniert. „Aber wenn Deine Kaffeeschwestern die neue Sendung mit demselben Wohlgefallen verbrauchen, will ich Petroleum trinken." „Wieso?" „Weil Du Ihnen Schwenckerts beste Sorte verkauft hast, Du . . Du . . kleines . . Patentschäfchen Du! Gestern abend, wie Du im Theater warst, habe ich ihn gekauft und dann heimlich mit dem Schundzeug vertauscht. Das Pfund zwei Mark zwanzig! Und Du hast ihn heute mit einer Mark Profit losgeschlagen! Es ist geradezu einzig!" Sie war ganz bleich geworden vor Bestürzung. Unfallverhütung nicht durch Modelle, sondern durch Photographien darzustellen. Ferner wird beabsichtigt, eine größere Zahl charakteristischer Maschinen, Geräte und anderer Betriebseinrichtungen in Mutoskop Apparaten derart zur Darstellung zn bringen, daß die Handhabung der Maschinen u. s. w. und der dabei in Betracht kommenden Sicherheitsvorkehrungen nach Art der sogenannten lebenden Photographien sichtbar wird. Berlin, 9. August. Heute vormittag ist die letzte Sonntag-Nummer der „Staatsbürger-Zeitung" beschlagnahmt worden. Zwei Kriminalbeamte durchsuchten die Räume des Blattes und fanden noch einige hundert Exemplare. Die Beschlagnahme ist erfolgt wegen des Abdruckes der Rede, welche Graf Pückler aus Klein- Tschirne am Samstagabend in einer öffentlichen Volksversammlung gehalten hat. Berlin, 9. August. Wie die „Staatsbürger-Zeitung" mitteilt, geht aus dem ihr heute vormittag zugestellten Beschluß hervor, daß der Artikel vom Sonntag über die Pückler-Versammlung beanstandet wurde, weil die Wiedergabe der Rede des Grafen Pückler bezwecke und geeignet sei, in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise ganze Klassen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen einander aufzuhetzen, worin ein Verstoß gegen den § 130 des Strafgesetzbuches gesehen wird. Berlin, 9. August. Wie aus Hannover gemeldet wird, ist daselbst die Prinzessin Maximilian zu Schaumburg-Lippe in der vergangenen Nacht von einem Prinzen entbunden worden. — Aus Friedrichsruh meldet die „Deutsche Eisen- bahn-Ztg.", daß bei der Ehrung des verewigten Reichskanzlers durch den Verein deutscher Lokomotivführer am 31. v. M. Fürst Herbert Bismarck folgende Ansprache gehalten hat: „Meine Herren! Ich freue mich sehr, daß Sie meinem verstorbenen Vater eine solche Ehre erweisen. Schon aus den Ihrem Besuch vorausgegangenen Schriftstücken las ich aus jeder Zeile heraus, welche Vaterlandsliebe in Ihrem so großen Verein gepflegt wird und welche Verehrung Sie für meinen Vater hegen. Es sind mir in den letzten Tagen mannigfache Kränze und Spenden sowie Beileidstelegramme zugegangen, ich freue mich heute um so mehr, von Ihnen, meine Herren, einen der schönsten Kränze zu sehen. Oft genug verglich sich mein Vater mit Ihnen, indem er von der ihm übertragenen Führung der Reichslokomotive sprach und auch so oft wie Sie mit Widerwärtigkeiten zu kämpfen hatte. Ich danke nochmals von ganzem Herzen, verzeihen Sie aber, wenn ich Sie nicht persönlich nach der Kapelle begleite. Ich bin in diesen Tagen aus Anlaß der mir zugegangenen Kondolenzschreiben und Telegramme derart in Anspruch genommen, daß ich meinen Sekretär beauftragen muß, Sie nach der Grabstätte zu führen." Der Verein deutscher Lokomotivführer hatte dieser Tage in Leipzig seine diesjährige Vorstandssitzung. Auch die Verhandlungen zeugten von dem vaterländischen Geiste, durch den sich der Verein auszeichnet. Er zählt jetzt 1541 Mitglieder, gegen 1364 im Jahre 1886. Das Vereinsvermögen beträgt über 55 000 Mark. — Des Aufgebens sozialdemokratischer Prinzipien beschuldigt Wilhelm Liebknecht im „Vorw." weite Kreise innerhalb der sozialdemokratischen Partei. Er veröffentlicht mit seiner Namensunterschrift zwei lange Erklärungen im „Vorw.". Die erste kehrt sich gegen einen Artikel des Pariser Sozialdemokraten B. Kritschewsky über die Haltung der französischen Sozialdemokraten in der Dreyfusfrage, die zweite richtet sich gegen die Taktik der bayerischen Sozialdemokraten bei den letzten Landtagswahlen. „Eberhard!" schrie sie. „Ist das wirklich wahr?" „Du kannst Dich ja überzeugen," erklärte er voll Galgenhumor, und führte sie in sein Arbeitszimmer. „Hier," sagte er, schloß den Schreibtisch auf und zog den Kaffeefack heraus, „hier hast Du Deinen Schatz." Vernichtet sank sie in seinen Arbeitssessel. „Eberhard," stöhnte sie. „warum hast Du das gethan? Das hattest Du mir gegenüber doch nicht nötig." „So?" entgegnete er ernst. „Hast Du mir denn gestern geglaubt, als ich Dir meine Ansicht sagte? Hörst Du überhaupt auf mich?" Sie schwieg ein wenig beschämt und starrte auf den unseligen Kaffeebeutel. „Zurückfordern kann ich ihn doch nicht wieder," sagte sie endlich, und schaute ihren Gatten an, der sie mit großem Behagen beobachtet hatte. „Durchaus nicht," bestätigte er ihr. „Du mußt sogar die fünfzehn Pfund nachliefern, die Du da ausgeschrieben hast." „Ich werde mich hüten," erklärte sie entrüstet. „Mögen sie sich selbst welchen schicken laffen. Die Adresse können sie kriegen." „Damit sie merken, daß Du an jedem Pfund fünf Pfennig verdient hast, was?" „Du hast recht, Eberhard! ... Da bin ich in eine schöne Patsche geraten. . . Aber lieber den Verlust tragen, als sich vor den Klatschschwestern blamieren. Denn wie die über einen herfallen, davon kannst Du Dir kaum eine Vorstellung machen. Heute nachmittag habe ich es mal so recyt merken können." „Wahrhaftig? . . . Na, das freut mich, daß Du's einsiehst. . . . Aber sag mal, wie wird denn das, wenn die fünfzehn Pfund nun alle sind, die Du da übernommen hast? Was?" fragte der Assessor, und ließ seine schwergeprüfte Frau nicht aus den Augen. „Ich denke, dann —" sagte sie stockend, und wurde rot dabei wie ein Backfisch, der sich zum erstenmal küssen läßt, „dann sind wir schon längst . . . in Osterode." „Hurra!" rief der Assessor, und fiel ihr um den Hals. „Es lebe die Bremer Firma samt ihren Teufelsbohnen!" B. Kritschewsky betont in seiner Zuschrift, daß die Dreyfus- affaire von den französischen Sozialdemokraten allerdings zur Parteisache gemacht werden mußte, weil die sozialdemokratische Partei das größte Interesse an der Niederkämpfung »er klerikal-militärischen Reaktion hatte. Er betont ferner, )aß die sozialistische Thätigkeit in Frankreich namentlich seit einem Jahre sich fast ausschließlich um die Achse der Drey- uskrise drehte. Im übrigen wendet sich Kritschewsky gegen >ie enorme polemische Uebertreibung, die aus Gallifet den Kommuneschlächter par excellence, den „Schlächter von 35 000 Sozialisten" machen möchte. Man brauche nur die Lissagaraysche Geschichte nachzusehen, um zu erfahren, daß Gallifet nicht im entferntesten die Rolle des Junidiktators und Junischlächters Cavaignac spielte. „Er war ein ein- acher Brigade-General, und als solcher ausschließlich für )ie Blutthaten einer einzigen Brigade verantwortlich. Der Kommuneschlächter war Thiers, und den Oberbefehl über die Versailler Armee führte Mac Mahon. Gallifet war nur eines der sehr zahlreichen untergeordneten Werkzeuge der Oberschlächter Thiers und Mac Mahon, wenn auch vielleicht das blutigste Werkzeug, aber nicht der Zahl seiner Opfer nach, sondern nur seiner Abschlachtungsmethode nach." Lieb- necht erwidert hierauf im wesentlichen nur mit dem Einwand, daß die „Kampagne" tatsächlich zur Stärkung statt zur Schwächung des Militarismus geführt hat. In seiner weiten Erklärung aber rechnet Liebknecht mit dem „sehr rekannten in Norddeutschland lebenden Genossen" ab, der ihm in der „Münch. Post" den entsetzlichen Vorwurf gemacht habe, die von Liebknecht bei den preußischen Landtagswahlen befürwortete Taktik der Wahlenthaltung würde die lex Recke gebracht haben. Hierzu bemerkt Liebknecht „bloß", daß das Rechenexempel ganz falsch ist, daß er aber „eine lex Necke für ein weit geringeres Uebel gehalten ;ätte, als ein Verseuchen der Partei durch Verwischung der Prinzipien und Klassengegensätze." — Das Sozialistengesetz )abe die sozialdemokratische Partei gestärkt — „die jetzige Kompromisselei und Bernsteinerei würde sie zu Grunde richten, — wenn die Partei es ruhig geschehen ließe." Die „Münch. Post" hatte Liebknecht hingewiesen auf seine eigenen Worte in der Einleitung zum Leipziger Hochverratsprozeß: „Andere Zeiten — andere Formen des Kampfes. Das ganze Streiten um die Taktik ist ein Streiten um des Kaisers Bart. Die Frage der Taktik ist keine Prinzipien- rage, keine theoretische — es ist eine Frage der Praxis." hierauf antwortet Liebknecht und stellt sich damit in einen Gegensatz zu zahlreichen anderen Führern der Partei. „Die Taktik ist eine Frage der Praxis und hat mit dem Prinzip nichts zu thun. Aber bei der Taktik kommt es doch auf »as Ziel an, und eine Taktik, die uns in Bayern zu Leiterhaltern des Zentrums macht und in Frankreich zu Kollegen und Handlangern des Erzbourgeois Waldeck-Rousseau und »es Kommuneschlächters Gallifet — ist nicht mehr eine Taktik für sozialistische Prinzipien. Hier handelt es sich nicht mehr um eine Frage der Taktik, sondern um eine Prinzipienfrage. Die veränderte Taktik bedeutet hier verändertes Prinzip." — In der Frage der Warenbesteuerung ist der von Herrn v. Miquel den Handelskammern und Aeltesten- kollegien unterbreitete Gesetzentwurf auf den lebhaftesten Widerstand auch in den Kreisen gestoßen, welche Maßnahmen gegen die Warenhäuser gefordert halten. Nunmehr berichtet ein Korrespondent, daß noch in diesem Herbst ein neuer Gesetzentwurf den Handelskammern zur Begutachtung zugehen soll. — Erweiterung des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb erteilt im § 5 dem Bundesrat die Befugnis, im Wege der Verordnung Bestimmungen darüber zu erlassen, in welcher Form und Verpackung bestimmte Warengattungen in den Handel gebracht werden dürfen. Von dieser Ermächtigung will der Bundesrat demnächst zum ersten Male Gebrauch machen. Es ist in Aussicht genommen, eine Bestimmung zu erlassen, nach der zum Einzelverkauf aufgemachte baumwollene, wollene und halbwollene Garne nur in bestimmten Einheiten des Gewichts und unter Angabe der Menge im Einzelverkehr gewerbsmäßig verkauft oder feilgehalten werden dürfen. Baumwollene Garne bis zur Gesamtlänge von 1000 Meter dürfen auch in bestimmten Einheiten der Länge und unter Angabe der Länge verkauft werden. Es sind dann weiter Bestimmungen über die Mengeneinheiten, das Gewicht u. s. w. vorgesehen. — Uebernähme der Marianen, Karolinen und P a l a o s. Die in wenigen Wochen bevorstehende Uebernahme der Marianen-, Karolinen- und Palaosinseln durch die Reichsregierung wird sich an Ort und Stelle ohne besonders große Feierlichkeit abspielen, da mit der Flaggen- hissung nur das kleine Kanonenboot „Jaguar" betraut ist. Bei der Feierlichkeit der Flaggenhissung im neuen deutschen Gebiet wird der „Jaguar" von seiner nur 120 Mann starken Besatzung kaum mehr als 50 Mann an Land setzen können, während die kleinen Schnellladekanonen des Fahrzeugs den Salut geben werden. In Vertretung der Marine wird der Kommandant des „Jaguar", Korv.-Kapitän Kinderling, und einige Offiziere des Fahrzeugs der Feierlichkeit beiwohnen, von denen sich Kapitän-Leutnant Wedding, die Oberleutnants Bach und Franck und die Leutnants Ritter v. Wächter und Pochhammer an Bord des Kanonenboots befinden. Da der „Jaguar" nach vorliegenden Meldungen erst gegen Ende November die chinesischen Küsten erreicht haben wird, so soll das Schiff nach der Flaggenhissung auf den Hauptinseln des Archipels auch noch eine erste Rundreise in diesen unternehmen. — Ueber die letzten Unruhen in Kiautschou bringt der „Ostasiatische Lloyd" unterm 3. Juli noch folgende Mitteilungen : Am 18. Juni wurden die Eisenbahnvorarbeiten im Kreise Kaumi durch Ausreißen sämtlicher Telegraphenpfähle und Vernichtung des Wegs gestört. Die Arbeiter wurden angegriffen und vertrieben, mehrere verwundet. Die Ingenieure flüchteten sich nach Kiautschou. Der Grund des Aufruhrs ist einerseits darin zu suchen, daß die Chinesen »efürchteten, bei dem Erwerb des nötigen Grund und Bodens um das ihrige betrogen zu werden. Diese Möglichkeit liegt nämlich nahe, da der Ankauf des Landes durch die chinesischen Behörden geregelt werden soll, und diese das Geld dafür lekommen. Andererseits ist er in der Abneigung der Chinesen überhaupt gegen Eisenbahnen teils aus volkstümlichen, teils aus materiellen Gründen zu suchen. Hauptmann Mauwe wurde zunächst mit 80 Seesoldaten dorthin gesandt und Oberleutnant v. Kries mit 15 berittenen Artilleristen, die die fehlende Kavallerie zu ersetzen halten. Die Truppen erreichten am 23. unbehelligt Kiautschou und marschierten am 24. auf Kaumi weiter. Aus dem Dors Titung, das 6 Kilometer südlich von Kaumi liegt, bekam Hauptmann Mauwe plötzlich heftiges Feuer, und zwar aus Gewehren und Ge- chützen. Das Dorf selbst war umwallt. Hauptmann Mauwe stürmte das Dorf; die Chinesen flohen unter Zurücklassung von 9 Toten. Darauf bezog Hauptmann Mauwe Biwack, da ein weiterer Vormarsch auf Kaumi nicht ratsam erschien, ehe man sich darüber vergewissert hatte, wie weit die Gerüchte, wonach Kaumi durch etwa 1000 wohlbewaffnete Chinesen besetzt sein sollte, die zum äußersten Widerstand entschlossen wären, den Thatsachen entsprächen. Hauptmann Mauwe erbat daher zunächst weitere Verstärkungen. Am nächsten Morgen trat er indessen doch den Vormarsch auf Kaumi an, in der Absicht, die Stadt gewaltsam zu besetzen. Unterwegs aber kam ihm der Kreismandarin entgegen, der schon tags zuvor int Biwack bei ihm gewesen war und ihm versichert hatte, daß er an dem Aufruhr keinen Anteil habe. Der Kreismandarin hatte die Thore Kaumis weit öffnen lassen, von Widerstand war nichts zu merken. Die Lente wuroen gut untergebracht. Hauptmann Mauwe beschlagnahmte etwa 60 Geschütze und viele Gewehre sowie bedeutende Mengen von Munition. Am 26. Juni morgens bekam Hauptmann Mauwe gelegentlich eines Rekognoszierungsrittes, den er mit 14 Reitern unternommen hatte, abermals Feuer aus einem Dorf. Er überkletterte die Umwallung mit seinen Leuten. Die Chinesen leisteten diesmal erbitterten Widerstand, flohen aber, als acht von ihnen getötet waren. Es gelang den Deutschen dann noch, drei Chinesen zu Gefangenen zu machen. In Kaumi haben sich die Chinesen offenbar nur der Gewalt gebeugt. Nördlich von diesem Ort aber steht alles in offenem Aufruhr. An eine Fortsetzung der Arbeiten an dem Eisenbahnbau ist nicht zu denken, bevor die Ruhe wieder hergestellt ist. Zur Verstärkung des Hauptmanns Mauwe sind daher Hauptmann Christiani mit 80 Seesoldaten, Oberleutnant z. S. Fischer mit zwei Feldgeschützen und Oberleutnant z. S. Kahlenthal mit zwei Maschinengewehren nachgesandt worden. Hauptmann Christiani benutzte, als er am Montag morgen aufbrach, den Seeweg, während die letzteren beiden bereits am Sonntag morgen auf dem Landweg nach Kiautschou abgegangen waren, wo die Vereinigung am Montagabend stattfand. Ausland. M.P.C. Italien. Der neue Marineminister Admiral Bettolo hat einen neuen Typ für Kriegsschiffe in Vorschlag gebracht, der bei Neubauten für die italienische Flotte Verwendung finden soll. Bei einem Tonnengehalt von 7500 bis 8000 werden diese Linienschiffe geringere Kosten verursachen, weniger schwerfällig sein und als Hauptarmierung 8 Geschütze von 203 Millimeter erhalten. In Wirklichkeit werden es also geschützte Kreuzer sein, deren Wirksamkeit im Spanisch-Amerikanischen Kriege sich ergeben hat. Vier Panzer nach diesem neuen Typ befinden sich bereits in Arbeit. M.P.C. Frankreich. Wie in früheren Jahren, so ist auch wieder zu den diesjährigen Manövern eine Rad- fahrkompagnie in der Stärke von 1 Hauptmann, 4 Leutnants und 120 Mann beim 6. Korps zusammengestellt. Die Kompagnie ist dem 25. Jagerbataillon zugeteilt und untersteht direkt der Division. Eine andere bei dem 20. Korps formierte Kompagnie besteht aus zwei Abteilungen, die vorläufig in Nancy bezw. Luneville garnisoniert sind. — In den diesjährigen Manövern werden wiederum Versuche mit Batterien zu 4 und 6 Geschützen gemacht werden. Ueber die Vor- und Nachteile dieser beiden Formationen soll sodann berichtet werden. MFC. England. Die Versuche der Engländer, in Wei-hai-wei ein Regiment aus chinesischen Soldaten zu formieren, können bis jetzt nicht als sehr erfolgreich bezeichnet werden. Beim Eintreffen der für das Regiment bestimmten Offiziere und Unteroffiziere im Februar d. I. waren erst 12 Chinesen angeworben. Bei der Abneigung der Chinesen gegen alles militärische ist dieses nicht zu verwundern. Wenn bis jetzt auch schon ein Bataillon aufgestellt sein soll — von der Stärke desselben verlautet nichts — so wird dieses der Anziehungskraft des Soldes und der guten Verpflegung zugeschrieben. Bei der Unkenntnis der chinesischen Sprache fällt den englischen Offizieren und Unteroffizieren eine schwere Aufgabe zu; die Ausbildung kann nur durch Zeichensprache, Vorexerzieren der Griffe rc. erfolgen, wobei der Chinese sich allerdings sehr gelehrig und geschickt erweist. Von Erfolgen in Bezug auf die Disziplin kann aber bis jetzt kaum die Rede sein; es fehlt jede ernste Auffassung für den Dienst. Es wird interessant sein, zu verfolgen, welche Resultate die Engländer mit diesen Formationen erzielen. M.P.C Griechenland. Man beabsichtigt, für die Reorganisation der Armee und Marine fremdländische Instruktoren zu berufen. Der Kammer ist bereits ein entsprechender Antrag zugegangen; für das laufende Jahr sollen dem Kriegsminister 50000 FrS. und dem Marme- minister 40000 Frs. hierzu zur Verfügung gestellt werden. Die Instruktoren, richtiger Inspizienten — je ein höherer Offizier nebst Adjutant für die Armee und Marine — ■ß h Ä Ä '""«1360 m ? fiterer o, ^rb§E°rdli Hm? «'htt. "N hie jnir^etr Wh« tzck TarnW Wien trifft einer niehrwö aft Medizinal! Thielemann g L t* Ans r ; bare Hitze, n> -brechung Herrs liehe Folgen, 'Griinfuttei 1 ausgeblieben n W. Trocki Die Dickivurz. €- Wte ebn einholen byits auftve Pt die natur Affeln find Miger A lassen, der je i1°gern daher '^-sehrgnt bekanntlich i i ®.ej «‘tiläge b K« ®eol! r.jjj) einen Metten! 207 NeM »ce^ni . -Thal vor Sa" ■ä-rW jir®« * ui i* nid) w it*t * irilkklung der melche unglaut -umhamkeit gc 'M Japan v Shim, 6 Kre mit Torpedola schen, von 19 NebendiesenKi die von China hinMtretcn:: letztere in Eng .22 ßiwlen, in weitere VauM dehnen sollte, ve vurchgejiihrt sei fcauUnit enffpi !hat unb wch Schiffe vor: 2 305 MimeN Artillerie unb Kreuzer 1. Kl. ; von denen eit gestellt; 10 Tl ibootszerstöreri 2. Kl; 35 3. im Auslande : Wem Japan hergestellt hat fiihrnng feinet 1 graphischen La, wie den daselb 'Mionen zujan WA1!* Stete fc" p"* ,'Lltu% bas 6 Sib- I’*»"" »aut», r^ren utib ®e. $2*"» M-m, J« Ufatte Bi« W.wtfe iGm, ®lit di! ®t: .jNlbtoafinet! *Htn Sttffanb Sauptwann inungen. Am nächsten ,nuat$ auf fiaumi 1 iu besetzen. Unter- n ^tgegen, der schon u war und ihm ver- kemen Anteil habe. Kaumis weit öffnen werken. Die Lente 'N Mauwe beschlag- Gewehre sowie 6t n 26. Juni morgen; lies Rekognoszierung-- Mn hatte, abermals fite die Umwallung gifteten diesmal ev üchl w. lhnea ge- itrt bann noch, drei In Laumi haben sich t gebeugt. Nördlich [jenem Aufruhr. An Eisenbahnbau ist nicht rgefteflt ist. Zur Bernd daher Hauptmann ieutnant z. S. Fischer :nant z. S. Lahlenthal mdt worden. Haupi- Montag morgen auf« ren beiben bereits am nach Kiautfchou ab- ig am Wonfagiibenb Jlarineminiper Admiu riegsschiffem Borschl°! italienische Flotte M onnengehalt von 7500 geringere n veröd alsHouMmerung nit«. 3«®'* ;; Heb ergeben hat. fiM-ch bereits „ «h!« y 1W*J ® j zusarnrnengesteut. >°° «" s bei dem 'SSii ;■?.*" i-» * L?S! ituat o- Abneigungb' aff' fJÜ : »«PR tb der 9ut L n ©prot nm bet jn ucrlmufcn 80** Spezereiregale billig abzugeben. 5324 Bahnhofstraße 51, I. MT Ein Fahrrad EMU billig zu verkaufen. 5310 Neustadt 48. Weinfässer ca. 60 bis 70 Liter haltend, abzugeben. 5866 F. 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