'herein, aert 1C. ' Ps ic. abends 5 Uhr, ihaftsvereins: ktor G, Trautmann. Heidelberg, Herr Heinriok rlin. andere geehrte Künstler. . . . C. M. von Weber, Orcheater- . . . R. Volkmann. ... 4. Rubinstein. . . A. von Fiellü. . . . P. Corneliu». . . B. Boiard. . . . D. Popper. . . . N. Paganini i. 30 Nr. 1J R Franz 1 Ifr-1 j A. Jensen. . W. A. Mozart. (Sperrsitz Mk. 3.50) sind * nst Challier (Rudolphs Nach- our im Vorverkauf auch m Preise iu haben. ützL,VW.M- karten 50 klr Jbau. lember: (Wert 8543 t Nr. 116, Kaiw Wi|hel" mg U c. Kransse. xutröe 80 Arcsden- ?g:s;s- ’r((r 8re#lte' *«• i eiten LGdA Sonntag den 10. December Nr».291 Drittes Blatt ichener Anzeiger mit Bringerloha. Keneral-NHeiger Zlnits« ititb Anzeigsblatt für bett Keck «Sieben Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Uezugspreis vierteljährlich LNe Anzetgen.Verm'k'.lung-stellen deS In. und Ausland«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Annahme von Anzeigen zu dec nachmittags für den frtgenbfu Lag erscheinenden Nummer brS vorm. 10 Uhr. Erscheint ltgtich mit Ausnahme deS Montags Die Gießener Aamilieav lätter »erben dem Anzeiger »LchenUich viermal berget egt. AJ 2 Mark 20 Pfg. ' monatlich 75 Pfg. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde._________________ Aetzattion. Expedition und Druckerei: Schulstraße Ar. 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernlprecher Nr. 51. * Mein Besuch bei Oberst Schiel. Dem schwer verwundeten und in englische Gefangenschaft geratenen deutschen Obersten Schiel hat der Spezial-Berichterstatter des „B. L. A." gelegentlich eine« Abstechers nach Simonstown einen Besuch auf dem zum Gewahrsam für Kriegsgefangene dienenden Kriegsschiff „Penelope" abgestattet, worüber er uns -folgende- berichtet: „Am ersten Tage, an dem Erlaubnis zum Besuche der Gefangenen erteilt war, fuhr ich nach Simonstown, wo die englischen Schiffe vor Anker liegen. Die Fahrt selbst nimmt etwas mehr als eine Stunde in Anspruch und führt immer an der Bergeslehne entlang, die See zur Linken. Nachdem verschiedene militärische Zeltlager und das Lazareth bei Wynberg passiert sind, gelangt man nach Fich Hoek, wo ein ausgetrockneter südafrikanischer Fluß versandet daliegt. Dann kommen ganze Thäler, mit weißen wilden Lilien, Haidekraut, Binsen, Buchsbaum bepflanzt. Bei warmem Sonnenschein, italienisch-blauem Himmel kam ich in Simonstown zum Frühstück an und konnte vom Balkon des Hotels aus schon die Schiffe in der Bucht greifbar vor mir sehen. Ich nahm ein Boot, das mich nach I. M. S. „Monarch" brachte, deffen Kapitän Bruce die Aufsicht über die Gefangenen der „Penelope" führt. Diefelben werden innerhalb einer Woche weiteren Zuzug von Natal, meist Verwundeten, erhalten, im ganzen weitere 200 Mann. Mittlerweile war die Besuchszeit auf 12—4 Uhr festgesetzt worden, so daß ich wieder dem Lande zusteuerte. Beim Borbeifahren sah ich auf der „Penelope" Oberst Schiel, unbeweglich auf dem Auslug sitzend, den Blick in die Ferne gerichtet. Er schien mich zu erkennen — ich habe ihn oft genug auf dem Fort in Johannesburg besucht, als er noch, m Uniform stattlich einherschreitend, die Arbeiten zur Erbauung desselben leitete. Um 12 Uhr setzten sich vier Boote, jedes mit circa 20 Personen, vom Lande in Bewegung, darunter einige Damen und Burensrauen. Fast alle führten sie Packele, Hüte, Hemden, Anzüge, Cigarren, Tabak und andere Liebesgaben mit sich. Einige ältere Buren mit langen Bärten, von ihren Frauen begleitet, trugen Blechkoffer, an denen sie schwer zu schleppen schienen. Die „Penelope" schwarz gestrichen, die drei- hohen Masten gekappt, ohne Kanonen, sich schwach in ihren Ankerketten nur bewegend, macht einen düsteren Eindruck. Früher war sie bei der Belagerung Alexandrias eine der schönsten Kriegsfregatten, die damals am Bombardement teilnahmen. Am Fallreep angelangt, wurden wir von einem Unteroffizier und zwei Seesoldaten in Empfang genommen. Als co. 40 Personen das Deck erreicht hatten, das von Mannschaften und Offizieren gesperrt war, mußte jeder seinen Dynamitgefchütz der Buren Bei der Belagerung von Ladysmith, die in den letzten Tagen energischer in die Hand genommen ist, sollen die Buren ein Dynamitgeschütz neueren Kalibers benützen, das durch seine explodierenden Geschosse beträchtlichen Schaden anrichtet. Wir führen unfern Lesern das Geschütz nach einer englischen Abbildung vor. Namen und den des Gefangenen, dem der Besuch galt, in ein Buch eintragen. Oberst Schiel war sehr erfreut, mich zu sehen. Manches bekannte Gesicht tauchte auf; der zweite öffentliche Staatsanwalt (publieke aanklager) van Leppelo, das Mitglied des VolkSraadeS de Wit-Hamer, mehrere jüngere Landsleute, Vollmer und Tietz, die alle einen dankbaren Händedruck mit mir wechselten, van Leppelo hatte einen Schuß im linken Schultergelenk; eines anderen Wunden waren vernarbt. Sie waren in dem vom „Vecht-Ge- neral" Kock, der inzwischen gestorben ist, geleiteten Gefecht bei Elandslaagte. Sie bildeten unter Schiel die Avantgarde. Um mich etwas scharf auszudrücken: Die dankbaren Buren betrachteten sie als Kanonenfutter, und nachdem ca. 100 Mann des Schielschen Korps, darunter Advokat Koster, der wie ein Löwe kämpfte, gefallen waren, sandte Schiel zu Kock um Verstärkung. Diese kam nicht. Dann kam der Sturm der Infanterie und Gordon Highlanders auf den Hügel, auf dem die Buren Aufstellung genommen hatten. Graf Zeppelin war durch Sprengstücke einer Granate gelötet, von Albedyll durch die Brust geschossen, Schiel durch dep Oberschenkel getroffen. Oberst Schiel ist vollkommen eisgrau geworden, der Schnurrbart ist nicht mehr so wohl gepflegt wie früher, der bedauernswerte Mann läuft noch an Krücken. Ich hatte einen englischen Freund mit mir, nebenbei der Schwiegersohn eines früheren Gouverneurs von Natal, Sir John B.....f mit dem und mir Oberst Schiel sich in eine Ecke zurückzog. Sein Bursche brachte uns Stühle, und bei einer guten Cigarre tauschten wir Erlebnisse und Nachrichten aus und verstanden es auch, die mitgebrachten Tageszeitungen in seine Taschen wandern zu lassen. Obwohl die meisten Gefangenen, die es nicht besser gewohnt waren, ihre Zufriedenheit mit Kost und Behandlung aussprachen, klagte Oberst Schiel speziell über da- Esten. Dieses besteht aus den Rationen der Seeleute — für Offiziere und Mannschaften — und muß von den Gefangenen selbst zubereitet werden. Spirituosen sind absolut verboten, Cigarren und Tabak erlaubt. Ich nahm Gelegenheit, dem Obersten Schiel einige Wünsche zu erfüllen, und sandte bei meiner Rückkunft einige gute Cigarren an Bord. Die Beförderung der Gefangenen von Durban nach Simonstown hat natürlich nicht allein den Zweck, Natal von ihrem Unterhalt und Beaufsichtigung zu entlasten. Sie muß auch als Demonstration den holländischen Bewohnern der Kapkolonie wie den nicht englischen Bewohnern in Kapstadt gegenüber angesehen werden. Die Behandlung wird wohl mit der Zeit weniger streng werden. Doch obgleich Verhandlungen bezüglich Auswechselung schweben, scheint man an diese nicht zu glauben. Der neue Oberbefehlshaber versucht, da es ihm selbst an Truppen mangelt, Transvaal soviel wie möglich von Mannschaften zu entblößen, den Zuzug von Fremden und von Nahrungsmitteln abzuschneiden. Ein- ganze Flotte ist unterwegs, die eine Art Aufsicht führen und einen Cordon bilden soll, von St. Helena bis Delagoa Bay. Entlang der Küste und allen Häfen wird sich dieser Zaun von Schiffen ausbreiten. Unser liebes Deutschland, von England und den englischen Offizieren als größte Militärmacht unbedingt anerkannt, ist in ganz Süd-Afrika nur durch den Kreuzer „Condor" vertreten, vielleicht neuerdings in Delagoa Bay durch ein weiteres Schiff. Der „Condor" liegt seit 7 Wochen mit seiner aus 160 Mann bestehenden Besatzung im Trockendock in Kapstadt zur Reparatur. Auch dort nahm ich Gelegenheit, einen Besuch abzustatten. Die Disziplin, die Sauberkeit des Schiffes machten einen hervorragend guten Eindruck. Die Musikkapelle zieht am Sonntag stets viele Besucher, Deutsche und Engländer, an. Nachdem mir das Schiff in allen seinen Details durch einen Unteroffizier gezeigt worden war, wurde ich von den Herren Offizieren in liebens- würdigster Weise mit vorzüglichem Bergedorfer Bier und Cigarren bewirtet. Bis der für den Kriegsschauplatz bestimmte Militärattache hinauskommt, ist der Kapitän des „Condor" der offizielle Berichterstatter des Kaisers für den Transvaalkrieg. Feuilleton. Als Mann auch halt die Mutter hoch, Es wird das Herz ihr laben; Die Mutter sieht im Alter noch Im Sohne gern den Knaben. E. M. Schranke. • Der eifersüchtige Herzog. Zu einem höchst ergötzlichen Vorfall, der in der fashionablen Pariser Gesellschaft gegenwärtig viel belacht wird, hat ein nahe bevorstehender Maskenball, den Graf Mantesquion veranstaltet, Veran- laffung gegeben. Eine der hübschesten Salonköniginnen, eine seit Kurzem verheiratete junge Herzogin, die mit zahlreichen „intimen" Freundinnen gesegnet ist, hatte darunter zu leiden, daß ihre neugierigen Freundinnen oft unangemeldet in ihr Toilettenzimmer drangen, während sie wichtige Toiletten Beratungen mit Schneider und Zofe ab- hielt. Es handelte sich um das Geheimnis eines Kostüms, das fie selbst auSgedacht und eigenhändig gezeichnet hatte. Da verfiel sie auf eine besondere Idee. Der Herzog machte bald die Wahrnehmung, daß seine Gattin täglich Briefe von einer ihm gänzlich unbekannten Männerhand erhielt, worauf sie oft das Haus verließ, um erst nach Stunden zurückzukehren. Er beschloß also, Madames Handlungen zu überwachen. Der Zufall war ihm günstig. Eines Nachmittags, als er bei einer Schale Mokka an einem Fenster des Grand Hotel-Cafe saß, sah er das Koupee seiner Gemahlin in den Hof des Hotels rollen. Sie trat in den Fahrstuhl und gab Befehl: nach der dritten Etage! Blaß vor unterdrückter Wut stürzte der Herzog zur Treppe und drei Stufen auf einmal nehmend, langte er gerade oben an, als feine Frau in einem Zimmer verschwand, deffen Thür zugeschlagen wurde. Der eifersüchtige Gatte legte sein Ohr an das Schlüsselloch und lauschte. „Entfalten Sie den Wandschirm etwas mehr, damit ich mich entkleiden kann," erklang es aus dem Munde der Herzogin. Nach einer Weile ertönte wieder die Stimme der Herzogin: „So, da bin ich! Nun, was denken Sie?" „Perfekt! Wundervoll!" entgegnete ein Männerorgan im Tone des Entzückens. „Und nun drehen Sie sich einmal um, ich bitte," fuhr dieselbe Stimme fort. Länger konnte es der empörte Ehemann nicht ertragen. Er erfaßte den Drücker, doch die Thür, die gar nicht verschlossen war, gab sofort nach. In der Mitte des Gemaches stand seine Frau, umflossen von den prächtigsten Seidenstoffen und golddurch- wirkten, phantastisch drapierten Schleiern. Vor ihr kniete ein Mann. Ehe dieser noch Zeit fand, sich zu erheben, sprang der Herzog auf ihn zu. Bestürzt aber ließ der Othello die erhobene Hand sinken, denn der „anbetende Liebhaber" hantierte mit Scheere, Nadel und Fingerhut und zwischen den Zähnen hielt er ein Zentimetermaß. Im nächsten Moment schloß der Herzog seine in übermütiges Lachen ausbrechende Gattin glückstrahlend in die Arme. Eine kleine Strafpredigt mußte sie aber doch mit anhören und versprechen, auf die ungewöhnliche Idee, ein Zimmer im Grand Hotel zu mieten, um ihrem Schneider geheime Rendezvous zu gewähren, ein für allemal zu verzichten. _ • Belohnte Jugendsünden. Geheimrat Dr. von Petten- kofer erzählte bei dem ihm zu Ehren in den „Vier Jahreszeiten" zu München gegebenen Frühstück, ein reizendes Ge- schichtchen, wie er die erste königliche Ansprache „erlitt". „Als ich, ein simpler Bub vom Lande", so ungefähr erzählte der greise Gelehrte, „vom Donaumoos nach München kam, in die k. Residenz, zu meinem Onkel, dem Hofapotheker, da zeigte er mir alle die hohen Herrschaften, die da täglich aus- und eingingen, ritten und fuhren, ermahnte mich hübsch artig zu sein, und schärfte mir vor allem ein, bei Begegnungen mit solchen Herrschaften mit der Mütze in der Hand stehen zu bleiben, bis sie vorüber seien, und ja nicht weiter zu gehen." Der Onkel war ein strenger Herr und der junge Pettenkofer that treulich, was der Onkel gebot. Da wollte er eines Tages eine in der Nähe der Residenz befindliche, heute längst verschwundene Brücke überschreiten, als von der anderen Seite König Ludwig I. zu Pferd daher kam. Der König stieg vor der Brücke ab — er war nie ein großer Reiter vor dem Herrn — mit ihm seine Kavaliere. Drüben stand Pettenkofer, wie es ihm der Onkel eingeschärft hatte, um den König vorbei zu lassen. Der hatte allerlei an seinem Gaul zu ordnen und zu richten, und es dauerte diverse Minuten, bis er wieder im Sattel saß; Pettenkofer stand pflichtschuldigst noch immer an seine« Posten. „Maulaff', gehst noch net weiter!" war die unwartete Quittung dafür aus dem Munde des Königs. Pettenkofer schlich geknickt nach Hause und meinte dann bei seinem Onkel, den hohen Herren scheine an dem Stehen- bleiben doch nicht gar so viel gelegen zu fein. Der Onkel ließ das natürlich nicht gelten und sagte: „Das macht nix!- K - und Parteibestrebungen hin bewegt, denn Aus- Eiue Auseinandersetzung. Son Ldols Willkomm. (Fortsetzung.) Sollte man heute wirklich wieder daran denken, auch Ältere Schüler nur auf Grund ihres Schülerseins von einem Institute auszuschließen, das dem Anscheine nach für alle sein will, so würde das zwar nach den Statuten vielleicht möglich — und durch besondere Notstände nach öffentlicher Erklärung woht auch gerechtfertigt sein, könnte aber aus der in diesem Blatte veröffentlichten Fassung des jetzigen Beschluffes nicht erkannt werden: schulpflich« tige Kinder sind Kinder, die die Jahre der Elementarschule oder die entsprechenden Jahre der Mittelschule noch nicht absolviert haben, wer darüber hinaus ist, ist nicht mehr schulpflichtig, er mag in die Schule gehen, so sehr er will. Und nun komme ich zu meinem Hauptpunkte: Das beste Vertrauen wird doch wohl diejenige Sache gewinnen, die einen stetig-einheitlichen Charakter offenbart. Es muß uns jederzeit klar und deutlich sein, was eine öffentliche Sache will, und was sie nicht will, damit jeder gleich von vorn herein weiß, woran er mit ihr ist, denn im allgemeinen ist es einem doch peinlich, irgendwo, wo man etwas recht Gutes erhofft hat, abgewiesen oder ungern gesehen zu werden. lieber die hiesige Lesehalle — und über die Lesehallenidee im allgemeinen — herrscht noch sehr viel Unklarheit, ich will darum versuchen, mit der Veröffentlichung meiner Ansichten über diese Sache noch etwas zur Klärung beizutragen. Also die schulpflichtige Jugend soll jetzt von der selbständigen Benutzung des hiesigen Lese-Instituts ausgeschlossen sein: die Not gebietet es, und so muß an dieser Bestimmung der Satzungen streng sestgehalten werden. Gut. Will man nun eine Lesehalle sein — oder werden, (eine Bücherhalle, allgemeine Bildungsbibliothek, poublio library, — ich gebrauche das Wort „Lesehalle" fortan immer in diesem einen Sinne), also eine Büchersammlung für alle Bedürfnisse des gesamten Publikums, aller Parteien, Religionen, Berufsarten, Lebensalter, eine Universalbildungsstätte, eine Stätte, wo sich jeder Kenntnisse, Anregung, Erhebung und Erbauung unter einer feinen, unmerklichen Anleitung durch die Bibliothekare verschafft, ein Institut, dessen Wesen darin besteht, die jetzigen Gegensätze und Zerklüftungen des geistigen Lebens (Zerklüftungen nach Einzeltum, Familie, Lebensalter, Geschlecht, Religion, Berufsart, Nation, Raffe,) allmählich auszugleichen oder auszufüllen, damit die Menschheit durch das erneute Bewußtsein von der Einheitlichkeit ihres inneren Lebens wieder mal zu einer „Kultur" kommen könne, — so wird man sich auf dem ein en Grundgedanken feststellen: daß Ausschließungen von Personen grupp en so gut wie immer etwas Gewaltsames sind und wie alles Gewaltsame im Widerspruch zu dem Sinne der Anstalt stehen, daß man mit Ausschließungen, Legitimationszwang, mit formalistischen Verweigerungen, kleinen Kalkulierereien und Zerrereien, die immer die Folgen von Ausschließungen sind, «icht nur sich und seinen Gästen das Leben unnötig schwer macht, sondern sich auch immer mehr von dem Wesen der allgemeinen Bildungsstätte hinweg nach Sonderbestrebungen schließungen zerklüften. (Ich bitte die Kundigen um Entschuldigung, daß ich hier bekannte Dinge erörtere.) — Kommt man aber nun doch einmal — auch mit Lesehallengesinnung — auf den Gedanken einer Ausschließung von Personen, die an sich den anderen, zugelaffenen, völlig gleichberechtigt sind, so muß ein solcher Entschluß immer durch eine ganz besondereNotlage begründet sein und als ein so begründeter deutlich bekannt gemacht werden und bekannt gemacht bleiben, solange die Unregelmäßigkeit andauert. (Das hiesige Institut würde zurzeit wohl in dieser Lage fein.) Will man dagegen eine Bibliothek für die Interessen nur gewisser Kreise der Bevölkerung sein, eine Bibliothek z. B. für Handwerker und Arbeiter, für „das Volk", für Schüler, für Kaufleute und Gewerbetreibende, eine Vereinsbibliothek, eine Gesellschaftsbibliothek Später hat dieser lustige Vorfall Pettenkofer noch ein Gnade eingetragen. Denn Anno 1863 gestattete der König gegen seine sonstige Gewohnheit, und erst nachdem ihm Petten- kofer erzählt hatte, was einstens an der Brücke passiert sei, daß dieser ein damals im Besitz des Königs befindliches, heute in der Pinakothek hängendes Bild von Quaglio für sich photographiere. Dem König hat die Reminiszenz viel Vergnügen bereitet. „So sieht man", schloß Pettenkofer mit dem ihm eigenen goldenen Humor, der sich leider nicht wiedergeben läßt, „daß Jugendsünden, oft später belohnt werden." * Ein Irrtum des Kaisers. Unser Kaiser hat kürzlich geäußert, für ihn fange das nächste Jahrhundert am 1. Januar 1900 an. Gewiß wird dieses Beispiel für viele und auch solche bestimmend sein, die bisher für den 1. Januar 1901 gewesen waren. Die kaiserliche Anschauung aber bleibt trotz ihres Autors ein Irrtum. Ein Herr, der von ihr hörte, rief sehr bezeichnend seiner Gattin zu: „Nun gebe ich Dir auch stets nur 99 statt 100 Mark." Ein Jahrhundert sind eben 100 Jahre, und von diesen heißt das erste 1 und das letzte 100. Besser als nach dem Anfänge des neuen fragt man überhaupt nach dem Ende des alten Jahrhunderts. Wer sich diese Frage vorlegt, kann zu einer irrigen Antwort nicht kommen. Er wird sich mit 99 Jahren ebenso wenig zufrieden geben, wie die genannte Dame mit 99 statt 100 Mark. Gerade mit Rücksicht auf die Erklärung unseres Kaisers interessiert aber noch die Frage, wie es denn eigentlich beim Ablauf des vorigen Jahrhunderts gehalten worden sei. Einen statistischen Nachweis, schreibt die u. s. w. und also gerade nicht zur Vereinheitlichung des geistigen Lebens in der Menschheit, sondern zur Vereinzelung und in gewissen Fällen zur weiteren Zerklüftung und Ver- feindlichung beitragen, — dann werden einem Ausschließungen etwas ganz Selbstverständliches, Natürliches, Nützliches sein, und man wird sie in gar keine Beziehung zu einer Moral, sondern allein in Beziehung zu einer Zweckmäßigkeit bringen. In diesem Falle müßte das hiesige Institut etwas umgeändert, vor allem auch der verführerische freie Zutritt für jedermann in die entsprechende Zweckbestimmung umgewandelt werden. Das ungefähr ist die Meinung der „VolkS"bibliotheken alten Stiles, zu sagen: Du hast doch deine Vereinsbibliothek, du hast doch deine Schülerbibliothek, — du bist reich genug, du kannst dir selber Bücher kaufen, du brauchst nicht zu uns zu kommen! Die Lesehalle dagegen sagt: Nein, darauf kommt es mir gar nicht an, daß alle Leute, daß das gesamte Publikum gewissenhaft kl assen weise mit Lese-Portionen versorgt werde, sondern darauf, daß die verschiedenen Stände mit einander bekannt werden, bei gemeinsamer Geistesthätigkeit sich gegenseitig kennen und schätzen lernen, daß die eine Gesellschaft die Lächerlichkeit ihrer mittelalterlichen geistigen Vorrechte erkenne und diese Vorrechte aufgebe, sodaß sie mit einer andern Gesellschaft zu einer größeren und kultivierteren zusammenschmelzen könne. Nicht im Bücherleihen und Bücherlesen an sich liegt die Bedeutung der Lesehalle, sondern darin, daß sie das Bücherleihen und -lesen zum Anlaß für einen Verkehr der Stände, einen geistigen Verkehr, nimmt und als einen solchen Anlaß pflegt. Ich nun habe das hiesige Institut von vorn herein als eine Lesehalle in dem vorhin bezeichneten Sinne, als eine allgemeine Bildungsbibliothek aufgefaßt, und auffassen müssen, da ich ja ausdrücklich auf die Jenaer Lesehalle als auf ein Muster hingewiesen worden war, eine Anstalt, die auch wirklich in den Hauptsachen als ein Vorbild gelten kann. Im Sinne einer Universalbildungsstätte habe ich den Verkehrston zwischen Publikum und Bibliothekar gesucht und wohl auch gefunden, habe ich die Bibliothek auszubauen begonnen, und in Hoffnung auf diesen Sinn habe ich schließlich mein Amt weitergegeben. Ich freue mich immer, daß man hier in Gießen offiziell nicht von einer „Volks"bibliothek redet, sondern nur von einer Lesehalle, denn in dem Namen „Volks"bibliothek liegt eben schon immer heimlich der alte Gegensatz von „Volk" und „Gebildeten", von „Volks"bildung und „höherer" Bildung eingeschlossen, die Betonung dieses Gegensatzes verbittert, die Absichtlichkeit der „Volks"bildung stößt ab, — wie jegliche Betonung und schon die Nennung des Wortes „Wohlthätigkeit" von Jahr zu Jahr mehr verbittert und zerklüftet. Ein Greuel ist der Name dem Freunde der Menschen, denn cs ist nicht mehr zeitgemäß, die Geistesbildung, auf die der Lebende ein Recht hat, als ein Almosen zu verwenden, das ein „Geber" nach seinem messen einem „Empfänger" zuteilt.(Schluß folgt.) Lokales und Provinzielles. Gießen, den 9. Dezember 1899. ** Geschichtskaleudrr. (Nachdruck verboten.) Vor 22 Jahren, «m 10. Dezember 1877, erfolgte tm russisch türkischen Kriege die Einnahme von Plewna. Nach einem furchtbaren Kampfe am Wtlrfluß mit den Russm und Rumänen blieb dem tapferen OSman Pa'cha nichts weiter übrig, als fich auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Mit dieser Katastrophe war das Schicksal des russisch- türkischen Krieges entschied-n. •• Reif war in diesen Tagen morgens auf Wiesen und an den Zweigen der Bäume und Büsche zu beobachten. Wunderbar kleine, feine Eiskrystalle sind es, die sich an Pflanzen und anderen Gegenständen angehängt haben, und ganz nach denselben Gesetzen entstanden sind, wie der Thau im Sommer. Bekanntlich sinkt in klaren Nächten, wenn keine Wolke am Himmel steht, die Temperatur der Erde sehr rasch infolge der ungehinderten Wärmeausstrahlung. Die letztere aber ist da am größten, wo die Oberfläche der Erde mit schlechten Wärmeleitern, mit rauhen, dunklen Körpern bedeckt ist. Dazu gehören vor allem die Zweige der Bäume und Büsche in Wald und Garten und der Rasen auf der Wiese. Diese werden kälter als die sie umgebende „Magdeb. Ztg.", vermögen wir nun zwar nicht zu geben; immerhin will uns aus dem, was wir bisher gesehen, hervorgehen, daß man damals sich nicht auf den 1. Januar gesteift hat. Es ist uns z. B. eine ganze Anzahl von Schulfeiern bekannt, die am 31. Dezember 1800 stattfanden. In Magdeburg aber waren Konsistorium und Stadtverwaltung infolge Königlicher Erlasse einesteils, aber andern- teils auch aus eigener Erfahrung darüber einig, daß am 1. Januar 1801 der Beginn des neuen Jahrhunderts zu feiern sei. Aezeniöer. Nicht lange mehr, und in strahlender Pracht Die Christbäume flammen in stiller Nacht, Der Nacht, da der Stern von Bethlehem stand Ob einer Krippe im heiligen Land. Nicht lange mehr, und das Glöcklein klingt, Und die jauchzende Schar der Kinder, sie dringt Durch die sorglich gehütete Thüre hinein Ins Zimmer, erfüllt von der Kerzen Schein. Nicht lange mehr, und in jubelndem Chor Steigts brausend zum Thron des Allmächtigen empor: „Die Ehre sei Gott, und rings Frieden auf Erd', Und den Menschen ein Wohlgefallen werd'!" Richard Wilde. Luft. Ist nun die Atmosphäre reich mit Wafferdampf ge- füllt, so verdichten sich die Dampfbläschen an den kühle« Grasspitzen, an den Blüten und Blättern zu kleinen Thau- tröpfchen, deren Glitzern im Scheine der Morgensonne uns im Sommer so oft erfreut. Anders ist es im Herbste, w» die Abkühlung unter den Gefrierpunkt gegangen ist. Der Wafferdunst verwandelt sich sofort in kleine Eiskrystalle, welche dann als Reif den Rasen, die Aeste und Zweige u. s. w. bedecken. Die Eiskrystalle find um so feiner, je niedriger die Temperatur und je geringer die Menge dein der Atmosphäre vorhandenen WafferdampfeS ist. Reif ist Übrigens nicht mit dem Rauchfrost zu verwechseln. Letzterer tritt ein, wenn eine Temperaturerniedrigung dicht am Boden während der Nacht bis unter Nullgrad stattfindet , die Temperatur der Luft Über dem Boden dabei aber Über Nullgrad betragen kann. Rauchfrost ist eine der großartigsten Naturerscheinungen im Winter; denn jedes Aestchen und Zweiglein erscheint mit Millionen von funkelnde« Eis- und Schneesternen behaftet Der ganze Wald blitzt und funkelt, als wenn er mit Diamanten übersäet wäre. * * * •f Tierschutzverein für das Großherzogtum Hessen. Am Mittwoch, 29. November, fand in Groß-Gerau im Gasthaus „Zur Krone" die Hauptversammlung desTier- schutzvereins für das Großherzogtum Hessen statt. Herr Ministerialrat Dr. Eisenhuth eröffnete die Verhandlungen mit einer herzlichen Ansprache an die zahlreiche (wohl hundert Personen zählende) Versammlung. Dabei gab er seiner Freude darüber Ausdruck, daß sich der Besuch der Generalversammlungen steigert; sodann begrüßte Redner die Behörden, sowie die aus Offenbach und Frankfurt erschienenen Herren, außerdem den früheren Vorsitzende« des Vereins, Herrn Geh. Oberschulrat i. P. Greim, dessen Anwesenheit allseitig freudige Bewegung hervorrief. Dem Rechenschaftsbericht ist zu entnehmen, daß in diesem Jahre über 12,000 Tierschutzkalender zur Verteilung gelangen sollen. Im Laufe des Jahres wurden insgesamt 715 Anzeigen wegen Tierquälereien von Gendarmen und Schutzleuten erstattet. Strafen für solche Vergehen wurden im Betrage von 1 bis 50 Mk. und 2 Tagen Haft bis 2 Jahre Gefängnis verhängt. Laut Rechnung von 1899 ergiebt sich ein Ueberschuß von Mk. 539.51. Der Voranschlag wurde genehmigt. Zahlreiche Prämien kommen wieder zur Verteilung. Herr Geh. Oberschulrat i. P. Greim nahm Veranlassung, in herzlichen Worten seinen Gefühlen für die Sache de- Tierschutzes, die er ehedem immer mit Freude vertreten habe, Ausdruck zu verleihen; dabei gab er kund, wie er sich über die Anwesenheit so vieler Lehrer freue; Schule und Lehrer trage er in feinem Herzen. Herr Lehrer Jung-Darmstadt hielt einen längeren, interessanten Vortrag über Schutzfärbung tm Tierreich. Der Vorsitzende sprach dem Referenten für die fleißige Arbeit den Dank der Versammlung aus. — An die Versammlung schloß sich noch eine gemütliche Zusammenkunft, die aufs beste verlief. Folgende Schutz- und Polizeiorgane, sowie mehrere Dienstboten wurden wegen guter Behandlung und treuer Pflege der Tiere zur Prämiierung vorgeschlagen. Es sind die Fußgendarmen : Rosar in Reichelsheim, Konradiin Ernsthofen, Hutmacher in Hirschhorn, Leidner in Höchst i. O., Heimbrecht in Bad-Nauheim, Hinze in Ober- Ingelheim, Haber in Erbach i. O., Wächtershäuser i« Sprendlingen (Rheinhessen), Dörr in Ruppertenrod, Kögel in Ober-Ingelheim, P. Kaiser II. in Friedberg, Wachtmeister Kreis in Osthofen, Wachtmeister Köhler in Darmstadt, die Schutzmänner Lode, Burhenne, Demmel und Bickelhaupt i« Darmstadt, Wolf, Brasch und Schmidt in Gießen, Kämmerer, Bonnäcker und Schwörer in Worms, Joh. Schäfer, Gund- lach und Klepper in Bingen, Polizeidiener Fourier in Friedberg, Schutzmann Körber in Bad-Nauheim, H. Hoffman« an der eisernen Hand zu Darmstadt, Ohly, Verwalter des Schlachthauses zu Darmstadt, Kollerer, Baumschulenbesitzer zu Bensheim, Bernhard, Oktroiaufseher zu Darmstadts Kraus, Dienstknecht bei Herrn Maul in Jugenheim (Rheinhessen), Blaß, Dienstknecht bei Herrn Freund daselbst. Kraut- wurst bei Herrn Dr. Stephan in Schaafheim, Katzenmeier bei Herrn Ziegenfuß in Raidelbach, Anna Müller bei Herr« Grünzfelder in Groß-Steinheim, Schmidt, Kutscher bei Herr« Stimbert in Mainz, Feldschütz Heinrich Rühl. Humoristisches. * Neues von Serenissimus. Serenissimus: Ach, lieber Kindermaun, was für AucheoenS wird da jetzt wieder gemacht vor» dem Heine! Begreife ich gar nicht! Außer dem Cid hat der doch wirklich nichts L«senSwerteS geschrieben! — Kindermann. Gestatten Durchlaucht mir die Bemerkung, daß der Verfasser deS Cid Herder ist. — Serenissimus: Na, sehen Sie. Hebet Kindermaun: nicht mal den Cid hat Heine geschriebea und dabei soviel Lärm um den Menschen! (Münch. Jug.) * Ihrer zwei. OrtSschulze: „ES hat mich jemand Schafskopf gehe«tz Giessen Bahnhofstrasse 29. Bahnhofstrasse 29. Ala besonders schöne und willkommene Gelegenheitsgeschenke empfehle Bilder mit und ohne Rahmen U von den billigsten Oeldrucken bis hochfeinsten Kunstblättern. gS Reizende Neuheiten in 6558 bunten Gravüren und Photographien. WW^^WWWWWW^WWWWUW^M 3u ucrlmufcii O448i] Haus zum Alleinbewohnen per 1. Avril zu verkaufen. Näheres Lonhstratze 17.___________ Haus-DerKaus. 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Zinsen, welche bis Ende Dezember nicht in Empfang genomm.n sind, werden den Einlegern gut geschrieben und vom 1. Januar 1900 an verzinst. Es brauchen hiernaä. tm Monat Dezember alle diejenigen Einleger bei der Kaffe nicht zu er scheinen, welche nur Zinsen beischreiden lassen wollen, dies kann vielmehr ganz gelegentlich im Laufe des nächsten Jahres geschehen. Gießen, am 29. November 1899. und Leihkafse Gießen. Doering. 8434 Freiwillige Versteigerung eines] Mohn- und Geschäfts-Gebäudes (Wirtschaft zum Mainzer Hof). Mittwoch den 13. Dezemöer er., nachmittags 4 Mr soll das zur Nachlaßmasse des verstorbenen I. F. Karl Bücking in Alsfeld gehörige Wohn- und Geschäftshaus Mainzergaffe Nr. 314, gegenwärtig Gasthaus zum Mainzer Hof, unter den bei der Versteigerung bekannt gegeben werdenden Bedingungen meistbietend im Rathaus dahier versteigert werden. Alsfeld, den 4. Dezember 1899. Großherzogliches Ortsgericht Alsfeld. 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