1SOO Dienstag den 10 October Nr. 238 Zweites Blatt £terifl5;>rrU> mit Bringerloh» General-Anzeiger Zlnrts- und 2lnzeigeblcrtt süv den Ttveis Greszen. Bei Poftbezuß 2 Mark 50 Pf-, vierteljährlich ■ ■nebelt »en Anzeigen zu der nachmittags ftir den M-endcn Lck> erfcheinenden Nummer M5 vorm. 10 Uhr. Alle ÄnzrtgtN'BermiNlungSftellen de» In- und Ausland«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger rnti*^** Grfchetnl tLtzttch mir Ausnahme de« Wentei«. ®k Gießener >ewtWe»ltiUct Verden dem Anzeiger »dchrntttch viermal bei-ele-t. Giehener Anzeiger onfektion. 714t Uhr. 7155 7221 n-Kplut L4. Auheim bis 4 Uhr nachmittags. ge(CoMtablerWache) Kirchmgeschiihte er. ßttnahm in der ZtiiStr'jLm Meldungen erbeten werben. GliWyer i 90 ff», SM 5 L-°cht!r°st. 8ten* K non McMM w jederlüge. tiefem eine WW* ßkelpaje U, antic unbw^J^^^aä em Unterst, W iul » rben. 7206 ** 25- J- 16." 163.55 136.- 38.80 140.40 13045 115*00 »O^joo »tiieto O^J'jj.40 »X« ■ »**740» & i vE-nf-.lv ! NÖ.7 ft 141- 128.50 185.10 3920 136-- 140.19 130.2® 116.- J«5j 25 4J 121.50 25.85 13.- 24.3« 23 20 $«.$«*“• 252.80 16311 2mita . " / 14060 143-- n,A Ataatsö. 65 ji.80 1*61»* UtSO l'1 Sw“ iPwd*' lllU «S vrdaNien, Expedition und Druckerei: -chnlstrnhe Ar. 7. Adrefle für Depeschen: Anzeiger girfH*. Fernsprecher Nr. 51. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde.__ Ausland. Wien, 7. Oktober. Der Kaiser empfing heute den Grafen Clary in Audienz und unterfertigte während der- selben ein Handschreiben, mit welchem die Session des ReichsratS geschloffen und für den 18. d. Mts. einberufen wird. Graf Clary übermittelte bereits das Einberufungsschreiben für die Abgeordneten dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses Fuchs. — Das „Neue Wiener Tagbl." erfährt von besonders unterrichteter Seite, daß die orthodoxen Anhänger der slavischen Majorität mit allen Mitteln daran arbeiten, die Tschechen zu beschwichtigen, damit dieselben dem Aufhebungsgesetz der Sprachenverordnungen kein Hindernis in den Weg legen. Die Beschwichtigungsarbeit hat aber nur den Zweck, jene Kreise nicht zu stören, welche die Arbeit übernommen haben, das Beamtenminisierium in kürzester Zeit zu stürzen und an deffen Stelle unter dem Namen „Parlamentarisches Kabinett" eine Neuauflage des Kabinetts Thun mit einem bedeutenderen slavischen Kurs ans Ruder zu bringen. Budapest, 7. Oktober. Im hiesigen Nativnal-Theater kam es bei der gestrigen Abend-Aufführung zu einer peinlichen Szene. Ein Hörer der Landes Schauspielschule sprang mitten in der Vorstellung auf die Bühne und protestierte laut gegen die Aufführung, weil dieselbe am Tage der National-Trauer für die Arader Märtyrer stattfand. Friedhofsportal im Berliner Friedrichshain. Das Urteil des Bezirksausschusses in Sachen des März- Friedhofsportals ist dem Magistrat und Polizeipräsidium nunmehr zugestellt worden. Mehr als 60 Seiten füllend, behandelt das Erkenntnis in seiner ersten Hälfte den That- bestand sehr ausführlich, wobei der Referent, Verwaltungsgerichtsdirektor Freusberg, bis in das Revolutionsjahr 1848 zurückgreift und detaillierte Angaben über die Bestattung der damals Gefallenen, die später Exhumierten und aus Kosten der Gemeinde anderweit Beerdigten, die Geschichte des Friedhofs, seinen gegenwärtigen Zustand und die geplante Verbesserung des letzteren beifügt. In den sehr sorgfältig ausgearbeiteten Gründen wird zunächst die Frage erwähnt, ob der Polizeipräsident befugt war, aus politischen Gründen eine Bauerlaubnis zu versagen, und, falls dies zu bejahen, ob die in seiner Verfügung angegebenen Gründe für zutreffend zu erachten seien. Wie vor ihm das Oberverwaltungsgericht, so hat auch der Bezirksausschuß angenommen, daß die Polizeibehörde sich bei Erlaß der Verfügung vom 18. Februar d. I. durchaus auf einem ihrer Zuständigkeit unterstellten Gebiet bewegt habe. Zudem verbiete das Gesetz einen Bau, welcher dem Gemeindewesen „zum Schaden oder zur Unsicherheit" gereiche. Die Begründung jener Verfügung, wonach das geplante Friedhofsportal eine „Ehrung der dort begrabenen Märzgefallenen, mithin eine politische Demonstration zur Verherrlichung der Revolution" bezwecke, müßte nach den Verhandlungen der Stadtverordneten-Versammlung für zutreffend erachtet werden. Der Behauptung des Magistrats, daß ihm jedwede politische Tendenz fern gelegen habe, sei zwar voller Glauben bei- gemessen worden, die Stadtverordneten aber haben wiederholt deutlich zu erkennen gegeben, daß sie eine Eh'ung der Märzgefallenen bezweckten, und dies sei auch in dem Verwaltungsstreit des Magistrats gegen die Stadtverordneten wegen der geplanten Kranzniederlegung deutlich zum Ausdruck gekommen. Der Beschluß auch nur einer der beiden städtischen Körperschaften sei für ausreichend zu erachten; die Stadtverordneten versammlung habe in beiden Fällen ihre Befugnis überschritten. Es könne sich daher nur noch um die Frage handeln, ob der von den Stadtverordneten beabsichtigte Zweck, die Märzgefallenen bezw. die Revolution zu verherrlichen, durch das projektierte Bauwerk auch zum Ausdruck gebracht worden wäre. Auch diese Frage hat der Bezirksausschuß bejaht, da es sich hier um einen Monumentalbau handle, der zu dem kleinen, einfach ausgestatteten Friedhof in gar keinem Verhältnis stehe. Aus allen diesen Gründen sei der Verfügung des Polizeipräsidenten beizupflichten und die Klage des Magistrats kostenpflichtig abzuweisen. — Dem Magistrat steht nun nach §§ 83, 85 des Landesverwaltungsgesetzes gegen das Urteil binnen zwei Wochen die Berufung an das Oberwaltungsgericht zu, indes hofft man, daß der Magistrat von der letzteren keinen Gebrauch machen, vielmehr auf den Vorschlag des Polizeipräsidiums, einen bescheideneren Entwurf einzureichen, eingehen werde, wie dies Bürgermeister Kirschner in der bekannten Maisitzung der Stadtverordneten bereits empfohlen hatte. Deutsches Reich. Berlin, 8. Oktober. Die Königin Wilhelmine von Holland und ihre Mutter sind gestern abend in Potsdam eingetroffen und vom Kaiser, sowie dem Erbprinzenpaar und der Fürstin-Mutter zu Wied am Bahnhofe empfangen worden. Nach herzlichster Begrüßung begaben sich die hohen Herrschaften nach dem Schlosse, woselbst die Kaiserin die beiden Königinnen erwartete. Abends fand im Schlosse Familiendiner statt. — Die „Post" bestätigt die Nachricht, daß der Präsident der Seehandlung Freiherr V. Zedlitz, wegen eines Augenleidens seine Versetzung in den Ruhestand nach gesucht hat. — Wie die „Germania" mitteilt, verfolgt man in amtlichen Berliner Kreisen den Verlauf des Prozesses gegen den Klub der Harmlosen mit wachsendem Erstaunen. Der Kriminal-Kommissär von Manteuffel dürfte vor das Disziplinargericht kommen. Man spricht davon, daß der Kaiser aus dem Verlauf des Pro- zeffes Anlaß zu besonderen Schritten nehmen werde, insofern sich diesmal gezeigt habe, daß auch polizeilicher Uebereifer zur Diskreditierung des Heeres führen könne. — Wie die „Nordd. Allg. Ztg." berichtet, sind die ersten Vorarbeiten zum neuen Zolltarif im wesentlichen beendet. Noch im Laufe dieses Monats soll vom Reichsschatzamt den übrigen beteiligten Stellen ein Gesetzentwurf mitgeteilt werden, und dann auch die Vorlegung desselben an den wirtschaftlichen Ausschuß erfolgen. — Höhere Beamte aus dem Reichsamt des Innern machen zurzeit Besuche bei den Tabakhausarbeitern in Westfalen. Die Besuche haben den Zweck, die Wohnungs- und Arbeiterverhältniffe dieser Arbeiter durch Augenschein kennen zu lernen. — Das Anarchistenblatt „Armer Konrad" hat mit dem heutigen Tage sein Erscheinen eingestellt. Das Blatt sollte namentlich der Maffenagitation unter der arbeitenden Bevölkerung dienen. Es erscheinen nunmehr in Berlin noch die beiden anarchistischen Blätter „Sozialist" und „Neues Leben." Weimar, 7. Oktober. Nachdem die Regierung sämtliche sozialistischen Versammlungen im Großherzogtum untersagt hat, werden seit gestern auch die unpolitischen Gewerk- schasts Versammlungen verboten. Weitere bedeutsame Maßregeln gegen die Sozialdemokratie stehen bevor. r München, 7. Oktober. Der Magistrat hat heute einen jährlichen Wohnungsgeldzuschuß für die städtischen Beamten und Bediensteten im Gesamt-Betrage von einer viertel Million Mark genehmigt. Der Staat trägt sich bekanntlich auch mit der Absicht, seinen Beamten und Bediensteten einen Ausgleich für die fortgesetzt steigenden Mietpreise in München zu bieten.; Reichenberg i S., 7. Oktober. Infolge eines Zeitungsausrufes zur Bildung eines Freiwilligen-Korps für Transvaal haben sich an der hiesigen Meldestelle bereits einige hundert Mann gemeldet. Die Bewegung wird durch einen hiesigen Kapitalisten stark gefördert und erregt allgemeine Beachtung. Karlsruhe, 7. Oktober. Heute tagte hier der 14. Verbandstag der deutschen Baugewerbsberufsgenossenschaften. Wie der Vorsitzende Fetisch aus Berlin mitteilte, wurde von dem Beschluß, die Weltausstellung in Paris zu beschicken, Abstand genommen, weil der zur Verfügung gestellte Raum viel zu klein sei, die Bedeutung der Baugewerbsgenoffenschaften zur Geltung zu bringen. In einer Resolution protestiert der Verbandstag gegen die Bestimmung, wonach die Genossenschaften verpflichtet werden sollen, von allen Rentenfeststellungen der Behörde Mitteilung zu machen, da hierdurch die Berufsgenossenschaften mit Arbeit überlastet würden, ohne einen praktischen Wert davon zu haben. In einer weiteren, zur Annahme gelangten Resolution, erklärt sich der Verbandstag gegen die Billigung von Rentenstellen für die Festsetzung von Unfallrenten. Sodann beschloß der Verbaudstag die Gleichstellung der Beauftragten der Berufsgenoffenschaften bei Ueberwachung von Unfallvorschriften mit den Gewerbeinspektoren anzustreben. An den Verhandlungen beteiligte sich auch der Vertreter des Reichsversicherungsamtes, Geheimrat Greef. Die badische Regierung war durch den Ministerialrat Weingärtner vertreten. A Der Bezirksausschuß und das März- j Riga, 7. Oktober. In den Ostsee-Provinzen wurden neuerdings 30 deutsche Volksschullehrer entlassen. Ein Ersatz ist noch nicht geschaffen, da die Behörden nur Russen anstellen wollen. Belgrad, 8. Oktober. In hiesigen politischen Kreisen ruft die Haltung Rußlands, welches die diploma- tischen Beziehungen mit Serbien vollständig abgebrochen hat und den serbischen Geschäftsträger in Petersburg igneriert, große Besorgnis hervor. Man erwartet, daß die Regierung dem König die baldige Begnadigung der im Hochverratsprozeffe Verurteilten nahe legen wird, damit sich die Beziehungen zu Rußland wieder bessern. Transvaal. London, 8. Oktober. Eine königliche Proklamation ist erlassen worden, die den Kriegsminister zur Einberufung der Reserven, soweit solche benötigt sind, ermächtigt. London, 7. Oktober. Nach einer Johannesburger Meldung wurden gestern in Modderfontein große Mengen Dynamit gestohlen. Haag, 8. Oktober. Der Gesandte Transvaals, Dr. LeydS, konstatierte eine leichte Besserung der Situation infolge Bemühungen der Königin Viktoria und Salisburys, einen Ausgleich herbeizuführen. Rom, 7. Oktober. Der Papst bot wiederum telegraphisch der Königin von England seine Vermittelung in der Transvaalfrage an. Lokales uuir MsvirrsteLes. Gießen, 9. Oktober 1899. ** Geschichtskalenver. Vor 48 Jahren, am 9. Oktober 1841, starb zu Beilin der berühmte Architekt Karl Friedrich Schinkel, der es meisterhaft verstanden hat, die durch Romantik erlangte Anregung mit den Kunstgefetz n der Alten zu neuen, harmonischen Formen zu verbinden. Hervorzuheben sind seine genialen Bauten in Berlin, u. a. Museum, Schauspielhaus, Banekademie. Schloß Babelsbecg u. s. w. Der Künstler wurde am 13. März 1781 zu Nrurupp'n geboren. Vor 32 Jahren, am 10. Oktober 1867, starb in Oldenburg der Dta-ter Julius Mosen Einzelne seiner Lieder, wie „Die letzten Zehn vom vierten Regiment", „Andreas Hofer", „Der Trompeter an der Katzbach" u. a., sind zu Volksliedern geworden. Bedeutenderes leistete er als epischer und dramatischer Dichter. Den „Ritter Wahn" und „Ahasver" zählte Uhland zu den besten deutschen Epen; auch seine Dramen sind vortresfliche historische Gemälde. M. wurde am 8. Juli 1803 zu Marieney t. V. geboren. •• Für unsere Jäger. P'ff-Paff! so knallt es jetzt allenthalben wieder in den Feldern, und brr! schwirrt eine Kette Hühner über das Kartoffelfeld, um jenseits des Baches auf der Wiese einzufallen. Durch Vermittelung eines eifrigen Naturfreundes, der in innigem Verkehr mit der gefiederten Welt steht, und die seltene Gabe besitzt, die Sprache der Hühnervölker zu verstehen, geht uns folgender Notschrei eines alten, jagderprobten Rebhuhns zu, der gerade jetzt von aktuellem Interesse sein dürfte. Der alte Hahn, der bereits die fünfte Saison hinter sich und einige Gramm Schrot im Leibe hat, warnt zunächst die Jäger davor, sich an ihm zu vergreifen, da bei den schlechten Zahnverhält- niffen der Menschen leicht verschiedene Gebisse Schaden erleiden dürften. Außer diesem, gewiß nicht unberechtigten Egoismus entwickelt er als alter Praktiker Ansichten, die nicht nur dem Gros der Sonntagsjäger, sondern auch dem waidgerechten Nimrod manches Beachtenswerte bieten dürften. So hält er es für sehr wichtig, daß die Hunde kurz vor der Jagd tüchtig gefüttert werden. Denn dadurch werden sie veranlaßt, beim Marsche nach dem Jagdterrain de» Jägern das beliebte Zeichen zu geben, daß etwas in die Jagdtasche kommen wird, und zweitens verfallen sie schwerer in den Fehler, noch nicht flügge Hühner für sich selbst zu greifen. Auch über die Schrotsorten, die von den Jägern angewendet zu werden pflegen, hat sich der alte Praktiker auögelaffen. Er hält es im Interesse der Schonung der Jagd, die ja den meisten Jagdherren sehr am Herzen zu liegen pflegt, für wünschenswert, wenn zunächst die alten Patronen, die noch von der Hasensuche vorhanden sind, verbraucht werden. Erfahrungsgemäß kommen dann häufige Versager vor, auch pflegen die Schrote meistens so viel Zwischenraum zu lassen, daß das Huhn, ohne Schaden zu nehmen, davonkommt. Erklärlich ist es, daß der alte Hahn vor der Anwendung zu dünner Schrotnummern eifrig warnt. Es sei für ihn keine angenehme Aufgabe, kranke Hühner tn der Kette zu führen, die nicht leben noch sterben könnten, und schließlich doch dem Fuchs zum Opfer fielen. Am angenehmsten sind ihm die Jäger, denen der kulinarische Teil der Jagd am meisten am Herzen liegt. Die hielten in der Regel nicht viel vom Schießen, und noch weniger vom Treffen; die nötige Jagdbeute für Muttern könnten sie ja beim Wildhändler mitnehmen. Rührend finden wir es, daß dieses Musterexemplar von Rebhuhn auch der armen, gefährdeten Dorskinder und Kartoffelsucher gedenkt, und uns bittet, dieselben rechtzeitig zu warnen. Wir thun es hiermit, indem wir gleichzeitig damit den Rat verbinden, die Kleidung nicht leicht zu wählen. Es ist immerhin angenehmer, die Schrotkörner aus einem dicken Rock, als aus der Haut zu entfernen. • * • * Ermächtigung zur Annahme nnd zum Tragen fremder Orden. Seme Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 6. Oktober Aller- gnädigst geruht, den nachstehend Benannten die Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen der ihnen von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog von Baden verliehenen Ordensdekorationen zu erteilen: das Verdienstkreuz vom Zähringer Löwen dem Sattelmeister'Robert Müller, der Silbernen Verdienstmedaille den Hofreitknechten Peter Stein und Adam Kilian. • * Charaktererteilung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 27. September dem Kreisamtmann bei dem Kreisamt Mainz, Friedrich Loch mann, den Charakter als „Regierungsrat" zu verleihen. • • Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 6. September d. I. den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Hechtsheim: Peter Joseph Schmitt, Johann Lind- roth II., Peter Keim III., Joh. Martin Schuhmacher, Pankraz Schreiner, Sebastian Wilhelm Klein, Wilhelm Kerz XL, Pankraz Knab, Nikolaus Engelschall, Heinrich Keim I. und Jakob Schneider II. • * Sektion Gießen des deutschen und österreichischen Alpen- Vereins. Wundervolle Klarheit der Atmosphäre begünstigte den gestrigen Ausflug der Sektion Gießen nach dem Frauenberg und nach Marburg. Schon als die stattliche Touristenschar um 9 Uhr bei Nieder-Weimar den Zug verließ, um sich der — wie die Inschrift rühmt — „Touristen und Kaufmann den Gefahren des Weges und der Wogen enthebenden" Nähebrücke zuzuwenden, zeigten die blankgeputzten Konturen der Höhen von Dünsberg bis zur Spiegelslust, wessen man auf dem Berge gewärtig sein durfte. Wer den bequemen, kurzen Weg durchs idyllische Waldthälchen über _ Ronshausen und Bortshausen schon kennt und eine größere Anstrengung nicht scheut, dem sei der prachtvolle Waldweg über die südlich davon gelegene Höhe empfohlen, den die Sektion einschlug. Man verließ dicht südlich der auf dem linken Lahnufer an der Brücke stehenden Häuser die Chaussee und strebte nun in südöstlicher Richtung bis zum Waldrand vorwärts, um sich den herrlichen Blick auf den Ebsdorfer Grund nicht entgehen zu lassen. Dann erst wandte man sich links, wo der Frauenberg, scheinbar nun ganz nahe, überraschend erscheint, eine Berggestalt, die sich aus den Nordvogesen — Phantasiebegabtere meinten, aus den Dolomiten — hierher verirrt jii haben scheint. Das spärliche Mauerwerk ist neuerdings wieder zurechtgeflickt worden, sodaß es noch manchem Jahrhundert trotzen kann. Allerlei Gräbchen scheinen auf jüngst vorgenommene baugeschichtliche Forschungen hinzudeuten. Zum Greifen nahe liegt nun die Amöneburg, besonders aber fesseln den Blick die Berge zwischen dem deutlich sichtbaren Gerüst auf der Sackpfeife und dem Vogelsberg. Zwischen Kellerwald und Knüll, von dem rechts einige den Jnselsberg erkennen wollten, ragt die charakteristische Gestalt des Meißner so klar in die Lust, daß er trotz seiner 90 Kilometer Entfernung deutlicher zu sehen ist, als bei gewöhnlichem Wetter etwa von Gießen aus der Rutters- hauser Altenberg. Da es über all dem Schauen 12 Uhr geworden war, sagte man der Ritterburg Lebewohl und vertraute sich dem kürzesten farbbezeichneten Weg an. Er geleitete mit der an seinesgleichen gewohnten Unfehlbarkeit unsere Karawane nach Marburg, wo sie ebenfalls „ritterlich" empfangen wurde. Der Nachmittag war einem kleineren sehr lohnenden Ausflug über die Augustenruhe, die Kirchspitze, die Marbach und das Schloß gewidmet. — Wer Zeit hat, benutze die schönen Herbsttage und thue desgleichen. * * Aus dem Theaterbureau. Der mit so großem Beifall aufgenommene Schwank: „Der Schlafwagen-Kontrolleur" wird morgen, Dienstag, nochmals zur Aufführung gebracht, worauf wir besonders diejenigen aufmerksam machen, welche die Premiere versäumten. — Bezüglich der am Mittwoch stattfindenden ersten Volks-Vor. ftellung „Don Carlos" werden Arbeitgeber, Krankenkassen, Gewerkschaften und ähnliche Vereinigungen darauf aufmerk« sam gemacht, daß Eintrittskarten für Arbeiter von Dienstag früh ab bei Herrn Chall ier in Empfang genommen werden können. Die Preise sind für Loge 1 Ml., Saalplatz 40 Pfg. und für Gallerie 20 Pfg. - ** Ueber deu Zirkus Lobe, welcher dieser Tage hier Vorstellungen geben wird, schreiben Mannheimer Blätter n. a.: Neustadt, 12. September. Der Zirkus Lobe gab \ a seine Eröffungsvorstellung bei einem sehr zahlreichen Besuch. Der Zirkusbau, der mit einer erstaun- Uchen „Fixigkeit" aufgerichtet wurde, macht in feinem Innern den besten Eindruck. Bei den Sitzplätzen nehmen sich namentlich die ersten, mit rotem Plüsch ausgestatteten Reihen recht vornehm aus, den ganzen Raum erhellt elektrisches Licht, kurz, die ganze Ausstattung ist eine recht vorteilhafte. Aber auch mit den Leistungen be;w. mit dem Programm wenn das eine und andere auch nicht gerade eine sensationelle Neuheit war, konnte man recht zufrieden sein. Das Pferdematerial ist im ganzen ein recht stattliches, ebenso wies auch das Künstlerpersonal entschiedene bemerkenswerte Kräfte auf. Das Programm war ein sehr reichhaltiges und abwechslungsreiches. Nach dem Einleitungskours über Hecken und Barriören, den Frl. Margarethe auf ungesatteltem Pferde ausführte, führte Direktor Lobe seinen prächtigen Jsabellenhengst vor, worauf sich eine originelle Wagenpromenade von vier Pferden anschloß. Mit großer Gewandtheit wurden dann von vier Künstlern Hüte hin- und hergeworfen und aufgefangen. Auf den vorzüglichen Jongleur und Equilibristen folgten die ausgezeichneten Produktionen der „Alvinos". Mit großem Beifall produzierten sich ferner ein Turnertrio und die Akrobatentruppe Gebr. Odol. Einen Glanzpunkt bildete seitens des Direktors Lobe die Vorführung von vier russischen Fuchshengsten, die auf den beiden Hinterbeinen marschierend ein wahres Meisterstück der Dressur darboten. Mit großer Eleganz führte Frl. Eugenie Vor- und Rückwärtstouren zu Pferde aus. Anerkannt muß besonders werden, daß das ganze Programm sehr flott erledigt wurde. •• Polizeibericht. Der zweite Diener des Gesellschaftsvereins wurde am verflossenen Samstag wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung in mehreren Fällen verhaftet. •* Berichtigung. In der politischen Wochenschau der Sonntagsnummer muß es — wie die meisten unserer Leser wohl selbst sofort gemerkt haben werden — statt preuß. Finanzministerium Staats Ministerium heißen. Nidda, 7. Oktober. Der Faktor der Druckerei L. Kloos zu Nidda, Herr Lehr, feiert heute sein 50jähriges Jubiläum. Demselben wurde heute abend aus diesem Anlasse von Turnern und der Feuerwehr ein Fackelzug gebracht, dem sich eine große Menschenmenge angeschlossen hatte. Die Kapelle der Feuerwehr spielte. Seitens des Turnvereins brachte Herr Renerz, seitens der Feuerwehr Herr Vetzberger die Glückwünsche dar, worauf Herr Lehr dankte. Er war Mitbegründer des Turnvereins und gehört ihm nunmehr 40 Jahre an. △ Nidda, 6. Oktober. In der zu Ende gehenden Woche war die Verladung von Aepfeln auf hiesigem Bahnhofe so stark, daß es an Wagen mangelte, um allen Anforderungen zu genügen. Erst jetzt zeigt es, welch' schönes Stück Geld der Obstbau in diesem Jahre abwirft. Nur Zwetschen gab es hier gar keine, während z. B. Ober-Lais, das voriges Jahr eine Mißernte hatte, in diesem Jahre eine reiche Ernte in Zwetschen hatte. Die Kartoffelernte war seither durch die wechselnde Witterung sehr beeinträchtigt, und infolge dessen sind auch die übrigen Feldarbeiten sehr im Rückstand. Die Kartoffeln fallen durchweg gut aus. Mainz, 9. Oktober. Der König von Serbien hat Herrn Geheimen Kommerzienrat Feldheim hier das Kommandeurkreuz des Serbischen St. Sava-Ordens verliehen. — Bei den hiesigen Losehändlern fanden polizeiliche Nachforschungen statt, ob bei denselben solche Lose zum Verkauf ausgestellt sind, welche im Großherzogtum Hessen verboten sind. Es ist den Polizeiorganen überhaupt nahegelegt worden, eine größere Wachsamkeit in Bezug auf den Verkauf als auch auf das Spielen unerlaubter Lose zu haben. — Gestern fand eine Sitzung des Ob st Marktkomitees statt. Es wurde beschlossen, in diesem Jahre 3 Obstmärkte abzuhalten und zwar Freitag, den 20. Oktober, Freitag, den 17. November und Freitag, den 15. Dezember. Worms, 7. Oktober. Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland sowie der Großherzog und die Großherzogin sind heute vormittag zur Besichtigung hiesiger Sehenswürdigkeiten eingetroffen. Die Rückkehr nach Schloß Wolfsgarten soll nachmittags erfolgen. Vermischtes. * Berlin, 8. Oktober. Eine folgenschwere Explosion hat gestern in der Anilin-Fabrik zu Rummelsburg stattgefunden. Fünf Arbeiter wurden durch eine heiße Masse, welche unter starkem Druck aus einem der Induktionsapparate ausströmte, stark verbrüht. * Elbing, 6. Oktober. Die Stadtverordneten haben heute zum zweiten Bürgermeister der Stadt den Assessor Sause-Elbing gewählt. * Koblenz, 7. Oktober. Nachmittags l’/2 Uhr brach im Spielwaren-Engroslager von Demmer & Hartmann Großfeuer aus. — Der Kaufmann August Baun ach, welcher bei dem Fabrikanten Wilkens in Wallersheim als Buchhalter beschäftigt war, wurde gestern von der hiesigen Strafkammer wegen Unterschlagungen und Fälschungen im Betrage von 9000 Mk. zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. * Osnabrück, 8. Oktober. Die Konsekration und Inthronisation des Bischofs Voß hat heute vormittag stattgefunden. Anwesend waren Oberpräsident Graf Stolberg, sowie die Bischöfe von Münster, Kopenhagen und Stockholm. Heute abend wird ein glänzender Fackelzug veranstaltet werden, an welchem sich tausende zu beteiligen gedenken. * Saarbrücken, 7. Oktober. Der auf Grube Göttelborn beschäftigte Bergreferendar Eckhardt hat sich in seiner Wohnung daselbst erschossen. Die Veranlassung zum Selbstmord ist noch nicht aufgeklärt. Schöllkrippen, 7. Oktober. Auf den hier belegenen Höch' schen Kupfergruben ist ein schreckliches Unglück passiert. Ein Schacht ist zusammengestürzt und hat sämtliche Arbeiter mit dem Verwalter verschüttet, von denen nicht einer lebend herauskommen dürfte. Der Schacht war in sehr weichem Gestein abgesenkt und soll viel Wasser enthalten haben. Ob dies die Schuld ist, oder ob eine Vernachlässigung beim Verbauen vorgekommen ist, wird wohl nicht mehr festgestellt werden können. Ein Arbeiter hinterläßt sechs, der Verwalter zehn unversorgte Kinder, die andern fünf Arbeiter waren noch ledig. Es find also sieben Menschen verschüttet. * Hamburg, 7. Oktober. Eine Gasexplosion hat eine Anzahl Personen schwer körperlich geschädigt. In der Neuen Straße, Stadtteil St. Georg, entstand in einer leerstehenden Parterrewohnung, welche renoviert wurde, nachmittags eine heftige Gasexplosion, bei der fünf Persone» verunglückten. Durch Brandwunden am ganzen Körper lebensgefährlich verwundet wurde der Malergehilfe Jochens; leicht verletzt sind die Maler Heise, Maehl, der Malerlehrling Emil Schnaack und der Vizewirt Buck. * Lodz (Ruff. Polen), 6. Oktober. Eine Mißgeburt, ein Gegenstück zu den Siamesischen Zwillingen, ist in dem Vorort Valetz dieser Tage zur Welt gekommen. Die Frau eines dortigen Fabrikarbeiters hat ein mit den Körperseiten eng zusammengewachsenes Mädchenpaar geboren. Das sonderbare Paar hat nur ein Herz, und jedes der Mädchen nur eine Brusthälfte. Mutter und Kinder befinden sich wohl. * Wien, 8. Oktober. Die Polnaer-Mädchen- mordaffaire zieht immer weitere Kreise. Gestern abend fand im großen Musikvereinssaal eine große Protestversammlung der Wiener Juden statt, welche in solche» Mengen erschienen waren, daß alle Räume des Gebäudes gedrängt voll waren. Es handelte sich darum, einen feierlichen Protest einzulegen gegen die in den Kuttenberger Prozeß hineingetragene tendenziöse Beschuldigung, daß da- Judentum den Ritualmord oder den rituellen Gebrauch vo» Menschenblut lehre oder übe. Gemeinderat Dr. Stern als Vizepräsident der Kultusgemeinde führte den Vorsitz. Oberrabbiner Dr. Güdemann hielt eine schwungvolle Rede, welche großen Eindruck machte. Er führte alle geschichtlichen Beweise gegen den Ritualmord an und sagte: „Der echte Ritualmord ist nicht der, den Juden begangen, sondern der, beit sie tausendfach erlitten." Nachdem noch ein Redner speziell den Prozeß besprochen, wurde folgende Resolution aeclamiert: „Durch die im Kuttenberger Gerichtssaal unverhüllt gegen die jüdische Glaubensgemeinschaft erhobene Blut-Beschuldigung wurde unser altehrwürdiger Glaube in seinen Grundlehren beschimpft und unsere Menschenwürde und bürgerliche Ehre besudelt. In dem Gefühl tiefster Empörung erheben wir öfter» reichischenStaatsbürgerjüdischerKonfessionlautenProtestgegen die uns angethane Schmach, die zugleich eine Erniedrigung bet Wahrheit, Gerechtigkeit und Humanität ist unb eine Erschütterung der Rechtsgrundlagen in Oesterreich bedeutet. Wir fordern als unser staatsbürgerliches und natürliches Recht, daß die Regierung durch die volle Anwendung des Gesetzes solchen lügenhaften, barbarischen und fluchwürdige» Beschuldigungen entgegentrete." * Polua, 8. Oktober. Hier zirkuliert das Gerücht, der Bruder der Hruza hätte eingestanden, seine Schwester ermordet zu haben. * Paris, 7. Oktober. Eine deutsche Bombe aus dem Jahre 1870 wurde bei den Erdarbeiten in Notsy-le- See, einem östlichen Vororte von Paris, zu Tage gefördert. Das Geschoß, das noch nicht krepiert war, wurde mit großer Vorsicht in die Artillerie-Sektion der Avenue be Saxe überführt. Theater. Gießen, 9. Otobcr. lieber das am vergangenen Freitag vor nicht gerade gut besuchtem Hause gegebene Günther'sche Lustspiel, .Der neue Stiftsarzt", defsei^eingehende Besprechung wir uns für die ix dieser Woche erfolgende Wiederholung vorbehalten, wollen wir heute nur kurz mitteilen, daß das Stück selbst, sowie die äußerst temperamentvolle Darstellung und exakte Regie beifällige Aufnahme gefunden haben. Der Träger der Titelrolle, Herr Steinert bot uns eine nach jeder Hinsicht fleißig und mit gutem Verständnis und Willen ausgearbeitete Medizinerfigur. Bei Herrn Direktor Helm, der den alten Geh. Medizinalrat von Aberdingk verkörperte, setzten wir einen guten Erfolg von vornherein voraus. Auch die Damen Helm, Zimmermann, Kruse, Hammer und Knöfel brachten alles mit, was einen guten Erfolg zu erzielen im stände ist. Man lachte während der 4 Akte oft unv nicht ohne Herzlichkeit und der jedesmalige Aktschluß war freundlicher Beifall. Auf ein ähnliches Gebiet, wie das am Freitag gegebene Stück, führte uns der gestern abend vor gut besuchtem Hause — nur die vorderen Parkettreihen wiesen größere Lücken auf — gespielte „Stabström- peter": auf das Gebiet der Moment- und Situationswitze. Die Direktion hat mit dieser ersten Aufführung der ziemlich ausgedehnten vier- aktigen Gesangsposse von Mannstädt und Steffens einen starken unbestrittenen Erfolg errungen, der ihr ohne Zweifel bei Wiederholung in gleidjer Weise abermals zuteil wird. Man muß zugeben, daß die Leitung mit ihren Griffen Glück hat, aber man darf wohl von verdiente« Glück sprechen und auch davon, daß der rauschende Beifall keiner Zu- fä..igkeit zuzuschreiben ist, sondern neben den Leistungen der beiden Verfasser — Mannstädt verbrach die Witze und Gust. Steffens komponierte die prickelnden Melodien — der gewandten Regie und der ausgezeichneten Darstellung. Gespielt wurde von allen Kräften ungemein frisch und voll Temperament. Eine echte, lebenswarme Gestalt, von urwüchsigen Humor schuf Herr Helm in seinem Mampe, Gefühl und Humor standen von Anfang bis zu Ende im glücklichsten Zusammenhang. In harmonischem Verhältnis zu dieser tüchtigen Leistung stand diejenige von Fräulein Eichenwald. Als Frau Mampe fand sie sich mit großer Gewandtheit in die extremsten und — pardon I — oft etwas absurden Situationen und zeigte abermals, daß bei einem tüchtigen Künstler als oberster Grundsatz gilt: Was gemacht werden kann, wird gemacht! Herr Steinert als Stabstrompeter bot eine vorteilhafte Figur, war auch darstellerisch sehr gut — aber ein etwas mehr dezenter Verbrauch von Lungenkraft dürfte seinen Erfolgen nicht schaden. Herrn Wilhelmi ist natürlich die Wuppesche Fig-r auf den Leib gepaßt; er dürfte sicher auch als Kautschukmann sein gutes Fortkomm n gefunden haben. Auch die übrigen Darsteller, namentlich diejenigen Damen und Herren, die sich in die drei kleinen hübschen Liebesgeschichten teilen, gaben dem ganzen einen effektvollen Halt und Zusammenhang. Die Gesangspartien wurden durchweg tadellos gegeben und wir werden die einzelnen Kräfte noch gelegentlich bei lohnenderen Rollen eingehend würdigen. Die Kouplets — die ja teilweise wenig ansprechend sind — bieten dazu nicht genügenden Anhalt. Die Musik hielt sich unter ihrem trefflich»n Dirigenten von Anfang bis zu Ende wacker. —r. Gerichtssaal. Darmstadt, 7. Oktober. Am 18. Juli d. IS. morgens ging ein Einwohner von Gräfenhausen von da nach Wixhausen, wo sich derselbe eine zeitlang auf eine Bank am Bahnhofe setzte, um dann mit dem Zug um 10 Uhr 30 Min. nach Darmstadt zu fahren. Auf dem Wege oder an der Bank verlor derselbe eine Brieftasche mit drei Fünfzigmark- scheinen, von welchem Verlust er alsbald Anzeige machte. Es ergab sich, daß kurz hinter dem Manne der schlecht beleumundete Maurer Peter Mahr von Grafenhausen gegangen war, der sich ebenfalls einige Zeit auf die Bank setzte und um 11 Uhr 32 Minuten nach Frankfurt fuhr. Beim Austritt aus dem dortigen Bahnhofe zeigte derselbe zwei Bekannten einen Fünfzigmarkschein und sagte, den habe er soeben gefunden, heut« heiße es die Augen offen zu halten. Später erzählte er den Leuten weiter, er habe Arbeit gefunden und trete andern Tags ein. Dies that er jedoch nicht, trieb sich aber trotzdem und obwohl er vorher kein Geld hatte, einige Tage in Frankfurt herum Erst als ihm der Boden warm. wurde, machte er sich auf die Wanderung bis nach Guntersblum. Schließlich schrieb er an seine Frau jammervolle Briefe, in welchen er feinen nahen Tod infolge Mangels m Aussicht stellte. Er wurde verhaftet und wegen Unterschlagung der 150 Mk. vor die hiesige Strafkammer gestellt. Hier leugnete er alles und legte ein Los der Darmstädter Silber-Lotterie vor, dieses habe er in Frankfurt den beiden Leuten gezeigt, einen Fünfzigmarkschein habe er gar nicht gehabt. Diese blieben aber dabei, daß es ein Fünfzigmarkschein war. Aus den ganzen Umständen gewann das Gericht die Ueberzeugung, daß Mohr die That begangen hat und verurteilte denselben zu 1 Jahr Gefängnis und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre. Braunschweig, 7. Oktober. Nach dreitägiger Verhandlung gegen die wegen Kindesmordes angeklagte Jetta Seiden erkannten die Geschworenen auf Nichtschuldig des Mordes, Todschlages oder Beihilfe, dagegen Schuldig der Aussetzung mit tätlichem Erfolge. Der Staatsanwalt beantragte zwölfjährige Zuchthausstrafe. Der Gerichtshof kassierte das Verdikt, weil die Geschworenen sich zum Nachteil der Angeklagten geirrt haben. — Der merkwürdige Aälscherprozetz gegen die Herzogin Beauffremont und den Priester Cogo in Venedig ist, wie es scheint, noch lange nicht erledigt. Man schreibt darüber aus Rom: Der Kassationshof hat die von der Herzogin von Beauffremont und von dem Priester Cogo eingelegte Berufung als berechtigt anerkannt und das am 26. Juli d. Js. vor dem Schwurgerichte von Venedig gefällte Urteil annulliert; der Prozeß gelangt am 10. November vor einem anderen Schwurgerichte noch einmal zur Verhandlung. Die Herzogin und Cogo war zu je zwei Jahren Zuchthaus verurteilt worden, weil sie durch eine gefälschte Geburtsurkunde den Glauben erweckt hatten, daß die Abenteurerin Evelina Tilkin, die dann die Gattin eines Fürsten Trubetzkoy wurde, die legitime Tochter des Fürsten Romuald Gedroye, Ex-Kammer- herrn des russischen Hofes, wäre. Gedroye hatte den Betrug begünstigt, man weiß bis heute noch nicht, ob für Geld, oder weil ihn die Abenteurerin zu umgarnen wußte. Die „Fürstin" ist, wie man sich erinnern dürfte, in Berlin verhaftet worden und hat sich im Polizeigefängnis das Leben genommen. Kunst und Wissenschaft. Meiningen, 7. Oktober. Die Enthüllung des Johannes Brahms-Denkmals nahm einen erhebenden Verlauf. Nach der Auffahrung des Deutschen Requiems von Brahms in der Kirche begab sich der Zug der Teilnehmer durch die festlich geschmückte Stadt zum Denkmal im englischen Garten. Ein Prolog wurde vorgetragen und dann erfolgte die Enthüllung. Die Festrede hielt Josef Joachim. Der herzogliche Hof war anwesend. Die Broncebüste des Meisters, von Hildebrand ausgeführt, steht in sehr schöner Umgebung. Kränze wurden niedergelegt vom Herzog und seiner Gemahlin, dem Wiener Tonkünstler- Verein, der Hochschule für Tonkunst in Berlin, dem Festorchester und Festchor u. s. w. Jagd und Sport. Berlin, 8. Oktober. (Deutscher Ruder-Verband.) An Stelle des ausscheidenden Dr. Goßler (Hamburg) wurde einstimmig Jean Kirch (Gießen) zum zweiten Vorsitzenden des Deutschen Ruder-Verbandes gewählt. Die Jagdbeute des Kaisers aus Schweden und Rominten ist in Gestalt prachtvoller Reh- und Hirschgeweihe jetzt (nach Potsdam gebracht worden. Ganz besonders schön sind die schwedischen Gehörne. Sie sind bedeutend stärker und länger als die deutschen Rehböcke. Ihre Farbe ist ganz dunkel, beinahe schwarz; sie sind ganz dicht bis zu den Spitzen der einzelnen Enden hinauf geperlt und haben die Bewunderung der Forstbeamten in Rominten erregt. Die Romintener Jagdbeute war m anbetracht der nur fünftägigen Pürsche mit einer Schußzahl von elf Hirschen besonders günstig. Das kapitalste Geweih ist das des zuerst erlegten Vierzehnenders mit einem Gewicht von 17Pfund. Dasselbe ist beinahe so schwer, wie das Geweih des vor drei Jahren erlegten Zwanzigenders, das 18 Pfund wog. Das Gewicht des Geweibes von dem in diesem Jahre erlegten Zwanzigender beträgt 141/2 Pfund. Auf Wunsch des Kaisers wird an der Seelle, wo ein kapitaler Hirsch erlegt ist, ein Stein mit entsprechender Aufschrift gesetzt. Arbeiterbewegung. Wiesbaden, 7. Oktober. Die Bäcker sind heute abend um 6 Uhr in den Ausstand getreten. Von den Meistern in Wiesbaden und Umgegend haben 19, die Brodfabriken und einige kleine Bäcker die Forderungen der Gehülfen bewilligt. Letztere haben heute beschlossen, wenn die Meister ihren Forderungen gegenüber auf dem ablehnenden Standpunkt stehen bleiben, am nächsten Montag mit der Veröffentlichung der die größten Mißstände in Bezug auf Reinlichkeit rc. enthaltenden Fragebogen über die hiesigen Bäckereien zu beginnen. Krefeld, 7. Oktober. Nachdem der Ausstand in der Seidenweberei Blasberg u. Gärtner nach fünfzehnwöchiger Dauer hinfällig geworden ist, da die drei Stühle bedienenden Weber auf den dritten Stuhl verzichtet haben, fordern die Ausständischen eine 26pro- zentige Lohnerhöhung. Der Fabrikantenverband sieht dies als die Wiederaufnahme der allgemeinen Lohnbewegung seitens der Stoffweber an und beschloß, die Firma Blasberg u. Gärtner zur Wahrung der gefährdeten Interessen des Webegewerbes zu unterstützen. Paris, 8. Oktober. Waldeck-Rousseau ließ noch gestern abend dem Direktor Schneider und dem sozialistischen Abgeordneten Viviani folgenden Urteilsspruch in Sachen des Schiedsgerichts Überreichen: 1. die Gesellschaft wird in ihren Werkstätten die den Arbeitern im Juni 1899 versprochenen Lohnerhöhung gewähren, sofern die von der Gesellschaft mit ihren Kunden abgeschloffenen Lieferungsverträge in Bezug auf die vereinbarten Preise nicht abgeändert zu werden brauchen; 2. wir bezeugen hierdurch, daß die Gesellschaft keinen Unterschied zwischen syndizierten und nicht syndizierten Arbeitern zu machen beabsichtigt. Die Verwaltung wird ihren Aufsehern empfehlen, in ihren Beziehungen zu allen Arbeitern volle Neutralität zu beobachten; 3. die Vermittelung eines Syndikats, welchem eine der streikenden Parteien angehört, kann auf nützliche Weise angewandt werden, wenn beide Teile darin einwilligen; sie kann aber nicht aufgezwungen werden; 4. in der Delegation, welche beauftragt wird, die Forderungen ihrer Kameraden geltend zu machen, wird je ein Delegierter für jede Körperschaft ernannt werden. Diese Delegation wird alle zwei Monate, ausgenommen in Notfällen, mit dem Vertreter und, wenn notwendig, mit dem Direktor der Gesellschaft verhandeln; 5. Wir bezeugen ferner, daß die Gesellschaft nicht beabsichtigt, Maßregeln gegen die Arbeiter zu ergreifen, die sich am Aus- stande beteiligten und wir bezeugen, hierdurch, daß kein Arbeiter wegen des Ausstandes oder wegen während desselben begangener Vergehen verabschiedet werden soll; 6. in dem Falle, wo eine Arbeiterentlassung eintritt, wird dieselbe gleichmäßig auf syndizierte und nicht syndizierte Arbeiter verteilt und dabei der Lage und den Familienverhältnissen der Arbeiter Rechnung getragen. Da die Meinungsverschiedenheiten durch diesen Beschluß geschlichtet sind, wird die Arbeit in Le Creuzot unter oben erwähnten Bedingungen so schnell, wie möglich, wieder aufgenommen — Dieser Schiedsspruch wird seitens der sozialistischen Organe mit großer Befriedigung auf genommen; auch Direktor Schneider scheint damit zufrieden zu sein, so drückt sich wenigstens fein Organ, der „GauloiS", heute morgen aus. <*■___________ Spitlpleu irr ornmigtra frankfurter StMhealer. Opernhaus. 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Heute Montag den 9. Oktober 1899, abends 8 Uhr r Grosse Gala-Premiere Kovitäten-Abend« Dienstag den 10. Oktober 1899, abends 8 Uhr: Kroße Hata-Gtile-Iorstettung. Ans dem reickhaltigen Programm, für Gießen gänzlich neu, sind folgende Nummern besonders hervorzuheben: V erpachtung. Bahnhofswirtschaft zu Christianshütte vcr'mndcn mit dem Penfionshaus „Billa Silva" soll mit ober ohne die zugehörig'n Oekonomiegebäude und Ländereien anderweit verpachtet werden. 7251 Kerkeröachöaßn-Aktk'ngesellschaft. Sammler- - Daheim . . . (Organ für Liebhabereien aller Art) Preis: Ilerleljährl'. 2 M., bei freier Zustellung ins Haus 2 M. 15 Ps., auch in drciwöcheutk. />efte« mit schönem Aaröenumschtag ä 50 Z»s. Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Postämtern. , Aalfch ge M W" 6 •lrb dies tollt. ■""* KD Mtfidl-Mt Sidcnklkdikaiistalt. Die außerordentliche Heneratversammtung findet am 8. November 1899, nachmittags 3% Uhr, iu uuserem KallKgkba«-e, Komödikustraße 24/26, ii Köln statt. Gegenstand der Tagesordnung ist: Abänderung des getarnten Ges llschaftsfi-luts aus Anlaß der Bestimmungen de» d utf 1 en Handelsgesetzbuches vom 10. Mai 1897 und des Ref Shyt oihek'Nba kg.setzes vom 18. Juli 1899. De> Entwu f des neu n Statuts liegt im Bürea» der Gesellschaft zur Ei' ficht der Aktionäre aus. Wer an der Generalversammlung gemäß Artikel 28 des Statuts teilnebmen will, hat s ine Aktien be;w. Jnterimsscheine spätestens a« 4. Wovemver er. in Kota bei der Hesessschaft, in Aachen bei den Herre- Mubt. Soermondt & Go . in Aerlin bei der Aerliner Kandets- Kesessschaft od r bei der Deutschen Wank, in Aouu bet den Herre» Goldschmidt & Go., in Glbcrfeld bei d>r Aergisch-MärKischen Bank oder bin Herren von der Keydt-Kersten & Söhne, in Iraukfurt a W. bei der Peutschen Henosteuschaftsvank von Sorget, H^arristus & Go.- Gommaudite Arankfurt a. W., in Hießen bet Herrn Aron Keichet- heim, tn Kalle a. S. bei Herrn Weinhotd Steckner, in Karlsruhe bei Herrn Gd. Koelle zu hinterlegen ooer den Besitz derselben dem Vorstand g'ciubhafl zu bescheirigen. Außerdem kann die Hinterlegung bei den Aitiaken bet schön möblierte Zimmer an besseren Herrn zu vermieten. Großer Steinweg, gegenüber der Moltkestr, 03558] (Aut möbl. Zimmer zu ver- m-eten. »astnbofftrafte 29, III, r. Leben und Treiben in der Prairie. Ausgezeichnete Reiterproduktionen auf un- g.sattestem Pseidev Mr. Texas Charles, schnellster und kühnster Reiter der Welt. GaWkldkruMrgleiMchkN Alrtobatku-Truppe Odol 7 Personen BB* 7 Personen. Ohne Reklame. Großes Kpring-Potpomri auSgeführtvon 30 Klowns, männlick und weiblich. Konknrrenzspringen! ____Wer Ist der Beate!____ fränlein Margarethe Lobe auf dem 30 Futz hohen, straff gespannten Telegraphendraht. Zum Schluß: Grande desc. merveilleuse. ________Attraktion ersten Ranges. Blnmenreigen grosses Balletdivertissement getanzt von 16 Damen des Corps de ballet nach der Melodie: „Fesche Geister", Walzer von Joh. Strauß. Glänzende Ausstattung und Lichteffekte. The Alvinos mit ihrem excentrisch-akrobatischen Teufels- akt sind die besten in ihrer Art, erregten in Baden, Poris, und zuletzt im Circus Busch, Berlin, großes Aussehen. Direktor Loöe mit seinen vier Prachtfuchshengsten Non plus ultra der Pferdedressur, in dieser Vollendung hier noch von keinem Circus ____________________gezeigt.