7»-- äptember! üttags G 6549 'Mit. r °rogratnme. G “derei> Mäu8b„f I au. " eingerichteten it|e il des I. Falzer. t,n 03130 tranttt, rtet bem $mj(. 84,1. o Anzeige. ufef iesius :tor tbarg v. d. Il lg' •zlicher Teilnahme *den Verluste und den sagen herz- I I I s Z 6. uni SM 18 9 9 . 656? Sonntag den 10. September ISO» Nr. 213 Zweites BLatt (hiehener Anzeiger Keneral-"Anzeiger Anrts- unb Anzeigebl^tt für den Ureis Gieszen Alle Anzeigen.vcrmittlungSstellen bei In- und UullaiM nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger enigega». Annahme »en Anzeigen ju der nachmittag- für den falgmbe« Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. N-zugsprei, vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf^ vierteljährlich. erscheint ligtich mit Ausnahme de- Montags. Die Gießener Aamttienßlttter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal betgelegt. -iedaktion, Expedition und Druckerei: Kchntstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familicnblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hietz«. Fernsprecher Nr. 51. Feuilleton. Aas „Land der tausend Seen". Reise-Erinnerungen von Erwin Bauer. (Nachdruck verboten.) VI. Quer durch West Aiuulaud. Eine Regenpartie durch den Wald. — Ein Abenteuer. — Segnungen der nationalrusfischen „Civilisation". Die Heilkraft des Grog. — Von Riihim'äki uach Rordwesteu. — Landschaftlicher Charakter West-Fiuulands. — Die Tavasten. — Unterschiede zwischen Ost- und West-Finnland. — Tavastehus. — Das Zellengefänguis. — Tammerfors. — Finnländische Industrie. — Die Umgebung von Tammerfors. — Ein Malheur. Willmanftrand machte bei strömendem Regen natürlich einen noch trübseligeren Eindruck, als bei Sonnenschein, und niemand von uns Reisenden hatte deshalb Lust, dort zu bleiben. Was war aber da zu thun? Sollten wir in Willmanftrand übernachten, oder sollten wir, wie es anfangs beabsichtigt war, in Kariols — die Verbindungsbahn war noch nicht in Betrieb — nach der, etwa 2 bis 3 Wegstunden entfernten Station der Helsingfors-Wyborger Eisenbahn fahren? — das war die Frage. Ich, der ich mich in meinem langen Gummiregenmantel mit der schützenden Kapuze ganz wohl fühlte, war zu letzterem entschlossen, und es gelang mir, fünf Reisegefährten zu bewegen, daß sie sich mir anschlössen. Das Unglück wollte es, daß es gerade Sonntagabend war, und daß die Poststation in Willmanftrand von Russen besorgt wurde. Alles war be- Politische Wochenschau. Eine recht bewegte Woche liegt hinter uns. An erster Stelle zu erwähnen sind die Ministerveränderungen in Preußen, welche wir ja bereits eingehend besprochen haben. Irgend welchen Einfluß auf die innere Politik dürfte der Ministerwechsel kaum haben, da der Kurs streng vorgezeichnet ist und derselbe bleiben wird. Auch dem Land- wirtschaftsminifter Freiherrn v. Hammerstein schrieb man Amtsmüdigkeit zu, doch wurden diese Gerüchte in den letzten Tagen offiziös dementiert, was freilich noch lange nicht besagt, daß Herr v. Hammerstein nicht doch in allernächster Zeit den Herren v. Bosse und v. d. Recke folgen wird. Interessant wäre es, zu ersahen, ob die Negierung wirklich beabsichtigt, den Bund der Landwirte zu maßregeln, d. h. den Beamten die Zugehörigkeit zum Bunde zu verbieten. Die Regierung würde damit einen Sturm gegen sich entfachen, dessen sie schwerlich wieder Herr werden könnte, und deshalb wollen wir jene Nachricht mit gehöriger Vorsicht aufnehmen. Daß die Kanalfrage nicht zur Ruhe kommt und immer wieder in weilen Kreisen darauf hingewiesen wird, wie wenig Scharfblick die Regierung verraten hat, als sie die politischen Beamten für ihre Abstimmung maßregelte, dafür sorgen die Abschiedserlasse der betreffenden Landräte, welche von der Presse mit einer gewissen Schadenfreude kommentiert werden. Aber die Zeit wird auch hier ausgleichend wirken und hoffentlich bald vergessen machen, daß die Regierung einen bedenklichen Fehlgriff gethan hat, als sie gegen die Abgeordneten, welche politische Beamte sind, vorging. Viel besprochen wird die Rede welche der Kaiser am Dienstag in Straßburg hielt und in. der er die Kaiserliche Hand und das Wappenschild des deutschen Reiches als den einzigen Halt und den alleinigen Schutz der Kirche Pries. Demselben Gedanken gab der Kaiser auch in Stuttgart Worte, wo er das Königtum als die einzig wirklich sichere Stütze von Altar, Religion und Sitte bezeichnete. Beachtenswert ist jedenfalls die warme Aufnahme, welche der Kaiser wiederum im Süden des Reiches gefunden hat. Während wir noch vor einigen Tagen darlegten, daß der Schluß des DreyfusProzesses sich voraussichtlich noch weiter hinziehen werde, ist unerwartet schnell am Donnerstag das Beweisverfahren abgebrochen worden, so daß man heute, spätestens Montag das Ende des Dramas erwartet. Daß die Auffassung über das Urteil, der wir vor kurzem Ausdruck gaben, berechtigt war, geht aus dem Anträge des Regierungsvertreters Carriöre hervor, der neuerdings das „schuldig" über Dreyfus verlangte. Die schönen Tage von Konstantinopel sind für den Fürsten von Montenegro nun vorüber, und er lenkt seine Schritte zurück nach den Schwarzen Bergen. Man will wissen, Fürst Nikita und der Sultan hätten ein Schutz« und Trutzbündnis geschlossen für etwaige Vorkommnisse auf dem Balkan. Ob der Montenegriner reich beladen mit türkischen Pfunden den Heimweg angetreten hat, darüber verlautet noch nichts, jedenfalls beginnt der Fürst, einer der Schwiegerväter Europas, eine immer einflußreichere Person zu werden. Noch immer ist das Verhältnis zwischen England und Transvaal sehr fraglich: während auf der einen Seite gar nicht mehr an dem Ausbruche des Kriegs gezweifelt wird, hoffen andere fortgesetzt auf eine friedliche Lösung. Uebrigens werden allem Anscheine nach Transvaal und der Oranjefreistaat gemeinschaftliche Sache gegen John Bull machen. Unter den Liberalen Englands wird lebhaft agitiert gegen die aggressive Politik Chamberlains, und es ist nicht unmöglich, daß noch in letzter Stunde das Schwert wieder in die Scheide gesteckt wird. Auch für den Frieden Europas wäre eine solche friedliche Entscheidung sehr wünschenswert, denn wer weiß, welche Verwickelungen aus dem Vorgehen Englands gegen die Burenrepublik entstehen können!(xx) - * Der Kaiser in Württemberg. Wie in den Reichslanden, ist der Kaiser auch in Württemberg von der Bevölkerung mit begeistertem Jubel empfangen worden. Er hat seiner Genugthuung hierüber bei dem Paradediner, das in Stuttgart ftattfand, sprechenden Ausdruck gegeben. Die Trinksprüche, die bei dieser Gelegenheit von dem König von Württemberg und in Antwort auf dessen Rede vom Kaiser ausgebracht wurden, bilden eine Bekundung der warmen, bundesfreundlichen Gefühle, von denen die beiDen Monarchen beseelt sind, die ihre Wirkung auf die weitesten Kreise nicht verfehlen wird. Ueber den Aufenthalt in der Hauptstadt des Landes, in dem, wie er hervorhob, die Wiege des Hohenzollerngeschlechtes stand, erhalten wir noch folgende ergänzende Nachrichten: Wie bereits gemeldet, brachte der König von Württemberg bei dem Paradediner folgenden Trink- \ spruch auf den Kaiser aus: „ES ist mir eine große Freude, daß Ew. Majestät in meinem Lande wieder Einkehr gehalten haben. Die glänzenden Augen und der Jubel der Bevölkerung werden Zeugnis abgelegt haben für die treuen und aufrichtigen Gefühle derfelben. Wie einstenS Seiner Majestät d m hochseligen Kaiser Wilhelm dem Großen, dessen Denkmal Ew. Majestät gesehen haben, und dessen Errichtung aus den innersten Gefühlen des württembergtschen Volkes hervorgegangen ist, so schlagen auch heute dem Enkel des großen Kaisers die Herzen entgegen. Ich gebe meinem Danke dafür Ausdruck, daß Ew. Majestät auch heute den Leistungen meines Armeekorps ein wohlwollendes und lobendes Urteil gespendet haben. Der Stolz des Soldaten ist es, seinem obersten Kriegsherrn zu zeigen, daß er ebenso wie auf dem trunken, und es gelang uns nur mit Mühe, die drei Kariols aufzutreiben, deren wir bedurften. Endlich fuhren wir ab und gerieten bald in den dunkelen, regenfeuchten, unendlichen Wald. . . Das war nun freilich keine Waldpartie in nordischer heller Sommernacht mit Nachtigall-Schluchzen und geheimnisvollen Schattenbildern, wie ich sie mir geträumt hatte, aber ohne Abenteuer verlief die Fahrt doch nicht. Anfangs unterbrachen die russischen und finnischen Schimpfworte der Postillone das eintönige Rauschen und Plätschern des Regens, dann wurde es stiller; wir versuchten, auf dem hohen Kariol zusammengekauert sitzend, einzunicken, und bald hörte ich außer dem Getrampel der Pferde und dem leichten Rollen des Wagens nur noch das laute Schnarchen meines Kutschers, der merkwürdigerweise selbst im Schlafe auf der Fehmerstange sicher balanzierte und sich nur leicht mit dem Rücken an das Kariol anlehnte. Da gab es plötzlich vor uns einen lauten Krach, ein Rollen und Purzeln und dann ein zorniges Schelten, dem einige Peitschenhiebe folgten, die auf irgend etwas Nasses aufklatschten. Wir kamen näher und erfuhren, daß das erste Kariol mit dem einen Rade in ein tiefes Loch gefahren und umgestürzt war; die Achse war gebrochen, einer der Jnsaffen hatte sich beim Sturze das Bein derart verstaucht, daß er sich nicht erheben konnte, und sein auf das höchste erbitterter Mitfahrer bearbeitete mit der dem Kutscher entfallenen Peitsche den breiten, nassen Rücken desselben und versuchte vergeblich, ihn nüchtern zu prügeln. Ein Loch in einer finnländischen Landstraße — das war unmöglich! Ich kletterte von meinem Kariol herab und überzeugte mich bald, daß wir von der Landstraße ab« Paradestlde, fäbig sein wird, wenn der Ruf deS obersten Kriegsherrn an ibn ergeht, in ernster Waffenthat sich zu bewähren und sein Blut für Kaiser, König und Vaterland zu vergießen. Ich danke für die besondere Gnade, Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit den Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen von nun an in den Listen meines Armeekorps führen zu können. Ich erblicke darin einen neuen Beweis besonderer Gnade und Huld für mein Hau« und mein Armeekorps. Daß wir aber nicht ruhen, sondern mit demselben Elser fortfahren werden, das fasse ich zusammen in dem Gelöbnis ewiger Treue und Aufopferung bis zum letzien Blutstropfen. Seine Majestät der Kaiser und König Hurra! Hurra l Hurra!" A Die Antwort des Kaisers auf diesen Toast seines Gastgebers hat nach einer weiteren Meldung folgenden Wortlaut: „Ew. Majestät bin ich dankbar für die soeben geäußerten Worte. Es ist mir in der That eine hohe Freude gewesen, das wunder volle Armeekorps unter Ew. Majestät Führung zu sehen. Ich beglückwünsche Ew. Majestät dazu. Ew. Majestät werden es mir nicht verdenken, wenn auf württembergtschen Boden die Pulse meines Herzens schneller schlagen als irgendwo; denn dieses Land bildet die Wiege meines Geschlechts, und von hier aus zogen meine Vorfahren in die ferne Nordmark, um ein neues Vaterland zu gründen und Jahrhunderte lang für daS Emporblühen eines neuen Volkes zu arbeiten. Ich glaube, den in der That zum Herzen gehenden Jubel und den begeisterten Empfang dahin richtig zu begreifen, daß ich an^ nehme, daß das Volk stolz ist, seine Armeekorps unter der Führung seines Königs zu (eben. Darin versinnbildlicht sich, wie in unseren Monarchteen das Königtum an der Spitze eines Volkes die einzig wirklich sichere Stütze für die Bewahrung von Thron und Altar, Religion und Sitte am Ausgang des 19. Jahrhunderts ist. Ich fasse alle meine Gefühle und all meinen Dank zusammen in dem Wunsche, daß es Ew. Majestät und Ihrem Hause gegönnt fein möge, alle Zett so zu sprechen rote dereinst Ew. Majestät erlauchter Vorfahre, daß Sie allezeit und überall Ihr Haupt in ben Schoß Ihrer Untertanen legen können. Se- Majestät der Kön g und sein Haus und das Land Württemberg Hurra! Hurra! Hurra! * Karlsruhe, 8. September. Die Kaiser-Parade des 14. Armeekorps begann heute vormittag um 8y2 Uhr, statt wie bestimmt um 10 Uhr. Es erfolgte nur ein einmaliger Vorbeimarsch. Von Fürstlichkeiten wohnten der Parade außer dem Großherzog und dem Erbgroßherzog von Baden der König von Sachsen, der Herzog Johann von Mecklenburg, Prinz Albrecht von Preußen, der Großherzog von Hessen, Prinz Leopold von Bayern bei. Auch die Großherzogin und die Erbgroßherzogin von Baden wohnten der Parade an. Um 121/, Uhr heute mittag hielt der Kaiser an der Spitze der Fahnen-Kompagnie seinen Einzug in die Stadt. Ihm zur Seite ritt der Großherzog von Baden. Den Zug eröffneten Garde-Kürassiere, dann kam die Musik des Leib- Garde-Kürassier Regiments Nr. 109. Hiernach ritten der Kaiser an der Seite des Großherzogs der Fahnen-Kompagnre des Leib-Grenadier-Regiments voraus. Den Schluß bildete die Regimentsmusik. Die die Straßen dichtanfüllende Menschenmenge begrüßte den Kaiser mit lebhaften Ovationen. geirrt und auf einen primitiven Weg für Holzhauer geraten waren. Das Loch, in dem das erste Kariol zerbrochen war, wurde durch eine natürliche Senkung unter einer stark emporragenden Wurzel eines uralten Tannenbaumes gebildet. Wir unterwarfen nun die Kutscher einem scharfen Verhör in russischer Sprache, konnten aber nichts anderes aus ihnen herausbringen, als daß sie selbst nicht wüßten, wo wir wären und wie wir dahin gekommen seien. Sie schauten bald sich, bald uns mit stupidem Lächeln an, zuckten die Achseln und kratzten sich hinter den Ohren. Wir ließen den einen Kutscher mit dem zerbrochenen Kariol und dem einen Pferde im Walde zurück; die beiden Mitreisenden, die keinen Wagen mehr hatten und von denen wir den einen heben mußten, brachten wir mit großer Anstrengung auf unseren heilen Kariols unter, und dann fuhren wir im Schritte den Waldweg zurück, bis wir die Landstraße wieder erreichten. Eine Stunde darauf langten wir endlich auf der Bahnstation an, durchnäßt und hungrig und natürlich zu spät für den Nachtzug nach Helsingfors, den wir benutzen rooHten. Der nächste Zug kam erst frühmorgens, und wir beschlossen, die wenigen Stunden, die uns bis dahin verblieben, bei einem wärmenden Grog zu verbringen. Die Postknechte wurden mit einigen nicht gerade sehr schmeichelhaften Wendungen über die Segnungen der nationalrussischen Kultur, deren Anfänge für Finnland wir soeben durchgekostet hatten, entlohnt und nach Hause geschickt, und bald saßen wir um den summenden Samowar vor dampfenden Groggläsern, und mit Wärme zog auch der Humor wieder in uns em. Als um etwa 5 Uhr der Schnellzug heranbrauste, da hatten wir uns so zu sagen von innen heraus vollkommen abge- Der Kaiser dankte huldvollst nach allen Seiten. Vor dem Rathaus waren die Vertreter der Stadt aufgestellt. Der Oberbürgermeister begrüßte den Kaiser im Namen der Stadt in einer kurzen Ansprache, auf welche der Kaiser in längerer Rede erwiderte. Dann setzten die Herrschaften den Weg zum Schloß fort, woselbst der Kaiser vom gesamten Hofstaat empfangen wurde. Nachmittags 5 Uhr fand im Schloß Paradediner zu 500 Gedecken statt, abends im Park vor dem Schloß großer Zapfenstreich von 21 Kapellen und sämtlichen Spielleuten des 14. Armeekorps,' zusammen etwa 1000 Mann. Der Kaiser trug bei der Parade die Uniform des Infanterie-Regiments „Kaiser Wilhelm I." Nr. 110. K- richtiger, wenn der Reisende, der in Finnland Entdeckungsreisen unternimmt, sich zuerst den Westen ansieht und dann am Jmatra die Fahrt beendet. Am besten kennzeichnen den Unterschied zwischen Ost- und West-Finnland wohl die Gegenstände, die ich zur Erinnerung aus dem Lande heimgebracht habe: während mir Karelien, einen plumpen, astigen Wachholderstab, merkwürdig geformte Steine und einfaches Holzgeschirr als Ausbeute lieferte, erinnert mich an den Westen des Landes ein herrliches, geschmackvolles Steinservice und ein kunstvolles Dolchmesser aus Bessemerstahl! Tavastehus, wo ich vormittags anlangte, ist ein reizend an dem breiten, sich zu einem breiten, sich zu einem See ausbuchtenden Vana-Strome gelegenes Städtchen von etwa 5000 Einwohnern. Die Stadt selbst bietet wenig Sehenswertes, wohl aber die Umgegend, namenUich sind es die Abhänge des waldbedeckten Höhenzuges von Hattelma, die anregen. Hier liegt der Park von Tavastehus, zu dem mich ein kleiner Dampfer brachte, ein lauschiges Waldidyll, in dessen Promenaden, Pavillons und Tempelcheu es sich ungestört träumen läßt, während die Aussichtspunkte einen hübschen Blick auf den Strom und die Stadt mit ihrer alten Burg „Schloß Kronsborg" gewähren. Tavastehus aber verlangt in erster Linie nicht das Interesse des Naturschwärmers, sondern dasjenige des Menschenfreundes. Im Schlosse liegt das berühmte Zellengefängnis, die größte und vollkommenste Gefangenenbehausung und Besserungsanstalt Finnlands, eine Musteranlage, wie es ihrer wenige in Europa giebt. Als ich mich diesem Gefängnis näherte und den Wunsch aussprach, es zu besichtigen, ward mir in zuvorkommendster Weise gewillfahrt. Ein Beamter führte mich durch mehrere große Aehnlichkeit mit demjenigen Ost-Finnlands, obgleich er, wie schon gesagt, die Natur des letzteren an Großartigkeit und Mannigfaltigkeit bei weitem nicht erreicht. Trotzdem fühlt man sich fast in ein anderes Land versetzt, wenn man in raschem Fluge von Riihimäki aus gegen Nordwesten fährt. Reist man im Osten mit dem Dampfschiffe und dem primitiven Kariol, und sie bilden trotz der Eisenbahnlinien von Wyborg nach Joensuu und Kuopio noch immer die Hauptverkehrsmittel, so fährt man im Westen mit der Eisenbahn; sieht man im Osten nur hier und da ein Rittergut oder ein Bauernanwesen, und sonst nur Wald, Felsen und Wasser, so saust im Westen der Zug an blühenden Dörfern mit Fabriken und an Gütern vorbei, und neben Wald und Felsen zeigen sich dem Auge ausgedehnte Flachs- und Getreidefelder, Steinbrüche und gewerbliche und industrielle Anlagen; macht der Osten einen ärmlichen Eindruck, so hinterläßt der Westen das Gefühl, als durcheile man ein wohlhabendes Kulturland, in dem das menschliche Hasten, Treiben und Schaffen das ungehinderte Walten der Natur und ihrer Kräfte znrückgedrängt haben. Während im Osten der blonde Karele als Bewohner vorherrscht und die Bedürfnislosigkeit der Bevölkerung Staunen erregt, hat hier im Westen der schwedische Typus die Oberhand; überall, selbst in den Häusern der dunkelhaarigen Tavasten, trifft man einen gewissen Wohlstand und eine anspruchsvollere Lebensführung der Einwohner an, als im Osten, wozu der große Aufschwung der heimischen Industrie sicherlich das Meiste beigetragen hat. Auch hier im Westen gibt es viele Naturschönheiten, aber sie leiden unter den tiefen und nachhaltigen Eindrücken, die man aus dem Osten mitbringt. Deshalb wäre es trocknet, wir nahmen seelenvergnügt von einander Abschied, da wir an verschiedenen Stationen den Zug verlassen wollten und bald lag ich, behaglich ausgestreckt auf einem weichen Polster der 2. Klasse und sauste gen Westen dem Lande der Tavasten zu. Im Traume war es mir, als hörte ich noch die Wellen des Saima-Sees gurgeln und rauschen, aber dazwischen tönte bereits grell das Klappern und Rasseln der Maschinen und Räder jener Fabriken, die ich im Westen Finnlands besuchen wollte .... Das langgezogene Gellen einer Dampfpfeife und das ruckweise Halten des Schnellzuges weckten mich aus dem Halbschlummer. Die helle Vormittagssonne bahnte sich einen Weg durch die zugezogenen Gardinen des Waggon- fensters und wirbelte mit ihren Strahlen Staubsäulen im Koupee auf. Und während ich, noch halb schlaftrunken, Haar und Bart in Ordnung zu bringen suchte, ertönten von Außen her die lauten Rufe der russischen Schaffner: „Station Riihimäki!" „Nach Tavastehus umsteigen!" Da der Schnellzug sofortigen Anschluß an die sinn- ländische Nordwestbahn hatte, blieb mir diesmal keine Zeit, um mich an dem prächtigen Buffet von Riihimäki zu er- ftischen. Ich mußte mich sogar beeilen, um noch rechtzeitig in den andern Zug zu gelangen, und schon nach etwa 10 Minuten saß ich an dem Fenster des Wagens, der mich durch die Fluren des Gouvernements Tavastehus in etwa l‘/2 Stunden nach dem Städtchen gleichen Namens bringen sollte. Unterwegs hatte ich Muße und Gelegenheit genug, die auffallenden Unterschiede zu beobachten und festzustellen, die zwischen Ost- und West-Finnland herrschen, und selbst dem oberflächlichen Beschauer sofort in die Augen fallen. Der landschaftliche Charakter West-Finnlands hat zwar auf die französischen Eisenbahnen bezögen, nicht von Esterhazy ausgeliefert sein könnten. Sodann rechtfertigt und lobt Carriöre das Verhalten des fremdländischen Militärattaches, der über dieses Treiben von A. und B. Auskunft gegeben habe, und der ein durchaus ehrenwerter Mann sei. Hierauf spricht der Regierungskommissar von verschiedenen Schriftstücken, die er nur mit Nummern bezeichnet, und bezüglich deren das Gericht allein auf dem Laufenden sei. Er wolle daraus nur den einen, Dreyfus betreffenden Satz festhaltew: „Man hat sich hier beruhigt." „Wissen Sie, wer das geschrieben hat?" fragt Carriöre. (Bewegung.) Carriöre schließt: „Ich studierte die Affaire ganz unparteiisch. Als ich an das Studium der Geheimakten ging, hatte ich noch keine abgeschlossene Meinung; ich fand, daß die von Picquart gegen Esterhazy erhobene Anklage vortrefflich aufgebaut war, und ich hatte einen Augenblick die Hoffnung, daß man Dreyfus freisprechen und einen Unschuldigen rehabilitieren könnte. (Bewegung.) Es hätte alle Vorteile für sich gehabt, einen richterlichen Irrtum wieder gut zu machen, und daraus hätte sich notwendigerweise eine Beruhigung der Gemüter ergeben. Aber dazu wären Beweise nötig gewesen, und der Aufbau Picquarts hatte einen Riß. Meine Ueberzeugung von Dreyfus' Unschuld hat sich in das Gegenteil umgewandelt, und ich bin in dieser meiner nunmehrigen Ueberzeugung von Dreyfus' Schuld durch die Zeugenvernehmung bestärkt worden. Bei meinerSeele und meinem Gewissen, ich sage Ihnen: Dreyfus ist schuldig, und ich beantrage, daß auf ihn Artikel 76 des Strafgesetzbuches angewendet werde." (Anhaltende Bewegung.) Einzelne Punkte aus diesem Plaidoyer behandelt noch genauer die nachstehende Privatmeldung eines Berliner Organs: Carriöre bekämpft mit den von Roget angegebenen Gründen die Behauptung, daß für Dreyfus im August 1894 die Unmöglichkeit der Teilnahme an den Manövern bestand. Immer Rogets Argumentation folgend, legt Carriöre alle Momente, welche gegen Esterhazy als Autor sprechen, dar, wenngleich es unverkennbar sei, daß der Verdacht gegen Esterhazy durch die Aehnlichkeit seiner Schrift mit der des Bordereaus Nahrung erhalten konnte, aber dessen ungeachtet sei die Aehnlichkeit von Esterhazys und Matthieu Dreyfus' Schrift doch gleichfalls vorhanden. Carriöre will alles vermeiden, was nicht streng innerhalb der Frage, die vom Kassationshof gestellt worden ist, liegt, und sagt: „Ich gebe hier nur Früchte meines eigenen Nachdenkens und dessen, was die Zeugenaussagen unerläßliches enthalten. Ich kam zum Schluffe, daß Esterhazy, der sogenannte offiziöse Angeklagte, nicht ganz frei von Verdacht ist. Dreyfus aber ist schuldig. Wenn Sie ihn schuldig erkennen, so verlange ich Anwendung jenes Paragraphen des Gesetzbuches, welcher die Einschließung auf Lebenszeit in einem befestigten Platze als Strafe des Verrates festsetzt." Die Plaidoyers der Verteidigung. Rennes, 8. September. Die Sitzung wurde um 6 Uhr 35 Min. vor überfülltem Saale eröffnet, nur die Sitze der Militärzeugen sind unbesetzt. Dreyfus erscheint in ruhiger Haltung und begrüßt seine Verteidiger. Unter allgemeiner Erwartung erteilt der Vorsitzende dem Maitre Demange das Wort zu seinem Plaidoyer. Aller Blicke wenden sich auf den Sprecher, der also beginnt: „Welches auch immer der Ausgang dieser Verhandlung sein mag, zunächst muß ich Einspruch erheben gegen ein Aeußerung, die einer der Zeugen zu thun sich nicht gescheut hat, als er sagte, daß jeder, der für die Revision eintrete, d. h. jeder, der an die Unschuld Dreyfus' glaube, gegen die Armee und gegen das Vaterland auftrete. Dieser Zeuge muß weder mich noch meinen Kollegen Labori kennen, denn weder dieser noch ich stände an dieser Stelle, wenn dem so wäre. An dem Tage, wo ich unter dem Zusammenstoß der beiden großen Leidenschaften unser Land dem Sturme preisgegeben sah, als ich bemerkte, daß unser Vaterland und alles, was wir von der Kindheit an ehren und lieben gelernt hatten, in die Prozeß Dreyfus. Nachdem vor dem Kriegsgericht in Rennes die Beweisaufnahme geschlossen worden ist und der Regierungskommissar seinen Antrag auf abermalige Verurteilung Dreyfus' begründet hat, stehen nur noch die Plaidoyers der Verteidiger aus. Da diese aber viel Zeit in Anspruch nehmen werden — zumal Demange gedenkt, sieben Stunden zu sprechen — so nimmt man in Rennes an, daß die Urteilsfällung doch erst am Montag zu erwarten ist. Inwieweit die Darlegungen der beiden Verteidiger noch auf die Mitglieder des Kriegsgerichts von Einfluß fein werden, entzieht sich natürlich der Beurteilung; nicht zu leugnen ist, daß der Verlauf des letzten Verhandlungstages nur wenig Aussicht auf eineFreisPrechung desAngeklagten offen läßt. Außer manchen anderen Anzeichen ist aus der strikten Ablehnung der Vernehmung von Schwartzkoppen und Panizzardi darauf zu schließen, daß das Gericht dem Glauben an Dreyfus' Schuld so weit zuneigt, daß es weitere Feststellungen nicht mehr für nötig hält, und das Plaidoyer des Vertreters der Anklage, das in einer so entschiedenen Wendung ausklang, wird weiter in demselben Sinne gewirkt haben. Diese Rede des RegiernugskommiffarS, aus der wir die Hauptstellen bereits in unserer gestrigen Nummer mitteilten, geben wir jetzt noch in ausführlicher Form im Folgenden: Der Regierungskommissar erklärt inmitten lautloser Stille des ganzen Zuhörerraums: „Die Frage an die Kriegsrichter ist die: Hat Dreyfus im Jahre 1894 einer auswärtigen Macht die im Bordereau erwähnten Schriftstücke ausgeliefert? Die Aufgabe des Kriegsgerichts ist mithin dieselbe wie diejenige des Kriegsgerichts von 1894; es hat ruhig und mit Mäßigung seine Aufgabe, der Gerechtigkeit zu dienen, zu erfüllen. Die menschliche Gesellschaft kann nichts verlangen als absolute Gerechtigkeit." Carriöre fährt fort, er beuge sich vor der Entscheidung des Kassationshofes, welche der Verhandlung bestimmte Grenzen vorschreibe. Der Ausschluß der Oeffentlichkeit sei unbedingt nötig gewesen, dieselbe habe die volle Aufhellung nicht beeinträchtigt. „Die Verteidigung kannte alles, wir sind für Indiskretionen nicht verantwortlich." Carriöre giebt sodann einen historischen Ueber- blick über die „Affaire". Er erinnert an den niederschmetternden Eindruck, welchen unter den Offizieren die Feststellung der Thatsache hervorrief, daß Dreyfus der Verräter sei, und legt die Voruntersuchungen, die Verhandlungen, sowie das Urteil gegen Dreyfus dar. Er wolle nicht davon sprechen, inwieweit Weiber und Spiel in Frage kämen; die „Affaire" könne auch ohne diese beiden Punkte aufgeklärt werden. „Man hat gesagt," ruft Carriöre aus, „wir sind schlichte Menschen. Nun wohl, wir sind aber auch Menschen, denen Gerechtigkeitsgefühl und Ehrlichkeit inne wohnen!" Darauf wendet sich der Regierungsbevollmächtigte dem Bordereau zu. Er hält es für sehr bezeichnend, daß im Bordereau eine Stelle, betreffend die Grenzdeckungstruppen, vorkommt. Auch ist er der Ansicht, daß man sich nur in den Bureaus des Kriegsministeriums die Nachrichten über die Artillerieformationen beschaffen konnte. Redner, der sehr langsam spricht, legt dar, daß die Dokumente, deren Empfang B. angezeigt habe, und die sich Gefahr geraten war, unterzugehen, habe ich unsäglich gelitten. Als ich dann meine Augen nach der Teufclsinsel richtete, wo der lebendig begraben war, den ich von Grund meiner Seele als einen Märtyrer erkenne, fragte ich mich, ob auch die göttliche Gerechtigkeit den verlassen haben fönnte, den die menschliche Gerechtigkeit verlassen hatte. Ich ermannte mich und hörte auf die Stimme meines Gewissens, das mir befahl, geradeaus meinen Weg zu gehen, ohne Rücksicht auf den Haß und die Leidenschaften, ohne Sorge um das, was die Menschen sagen, unbekümmert um alle Beleidigungen. Ich habe meine Pflicht gethan, und diese Pflicht ist auch die Ihrige, sie will gebieterisch, daß die Gerechtigkeit siege. (Anhaltende Bewegung.) Ich hielt es für notwendig, das dem Kampfe vorauszuschicken, der nunmehr zwischen mir und der Anklage anhebt. Ich schildere zunächst die Lage des Angeklagten beim Beginn des Prozesses. Es mußte ein wichtiger Grund vorhanden sein, damit der Glaube erweckt werden konnte, der bereits Verurteilte sei unschuldig, damit der Kaffationshof mit seiner Angelegenheit befaßt werden konnte. Vor Ihnen, denen der Kassationshof den Angeklagten überwiesen hat, muß die öffentliche Anklage die Schuld des Angeklagten beweisen. Man möge uns nicht den Vorwurf machen, daß wir den Beweis der Unschuld nicht erbracht haben. Wir haben diese Aufgabe nicht. Sache des Regie- rungskommisfars ist es vielmehr, zu beweisen, daß Dreyfus schuldig ist, daß er das abscheuliche Verbrechen des Verrates begangen hat. Redner erhebt Einspruch dagegen, daß man von dem Kriegsgericht eine Verurteilung Esterhazys erzielen möchte. Nein, sagt er, die Richter haben nicht zu wählen zwischen Dreyfus und Esterhazy, sie sollen nur die Unschuld Dreyfus' ausrufen. Die Richter von 1894 haben zweifellos in gutem Glauben gehandelt, wie auch Sie es thun werden, meine Herren! Aber die Ueberzeugung jener gründete sich, als sie Dreyfus verurteilten, nur auf das Bordereau. Hätten die Richter von 1894 die Schrift Esterhazys gekannt, so hätten sie gewiß ein anderes Urteil gefällt. Betrachten wir die moralische Lage des Angeklagten. Die einzig richtigen Auskünfte über den Seelenzustand des damaligen Angeklagten, der dem Gefängnisdirektor Forzinetti täglich seine Unschuld beteuerte, geben seine Briefe vor der Verurteilung." Demange verliest Auszüge aus den Briefen, die Dreyfus damals an seine Familie gerichtet hat. „Irr diesen Briefen", so fährt Demange fort, „spiegelt sich die Seele des Angeklagten wieder. Er hegte die feste Hoffnung, daß trotz allem seine Unschuld an den Tag kommen werde. In seiner Gefängniszelle erklärt Dreyfus, man werde seine Unschuld in drei Jahren erkennen. Diesen Glauben schöpfte er aus den Erinnerungen seiner Umgebung. Immer beteuerte er, daß er der Tricolore treu gedient habe; das ist die Sprache eines Soldaten, und ich frage, ob ein Verräter sich so äußern kann. Sehen Sie den Angeklagten, wie er nur mühsam seine Thränen verbirgt. Ich gestehe, es ist leichter, einen Schuldigen zu verteidigen, der sich geschickt verstellen kann, als einen Unschuldigen, der zu aufrichtig ist. Und das ist Dreyfus. Demange verliest sodann die Briefe, die Dreyfus von der Teufelsinsel geschrieben hat. Trotzdem er dort an einem Herzleiden schwer darniederlag, rief er aus: Ich will leben, um Gerechtigkeit zu erhalten. Er erneuert seine Beteuerung, daß er keinen Verrat begangen, daß er das Bordereau nicht geschrieben habe, er fleht Frau und Freunde an, ihre Nachforschungen fortzusetzen. Im Jahre 1897 schrieb er an General Boisdeffre, um dessen Hilfe zu erflehen, damit die Wahrheit an den Tag komme. In einem Briefe an seinen Bruder sagt er: „Es wäre eine Wohlthat für mich, sterben zu können —, für meine Frau and meine Kinder aber wäre es die ewige Schande. Für eine gute Sache zu leiden ist leicht, aber ungerecht leiden ist eine Folter." Boisdeffre hat dem Bries keine Folge gegeben. Aus diesen Zeilen können Sie das Herz des Angeklagten erkennen; ist nicht alles was er sagt, der Schrei der Unschuld ? Fünf Kriegsminister haben nacheinander die Schuld Dreyfus' bekräftigt, doch nur mit Scheingründen. Man hat keinen einzigen stichhaltigen Beweis vorgebracht. Ich weiß wohl, daß N y Borget1 d Di fj AMI»" tzil Dr-yM § keitsqrilnde flW V 6«ben gr°ß- Sozialist"/ wesenden At'se nationalistische" P ♦ Berlin, 8. § im Werte von der Schauspielern v-Zuge abhani dem Zuge über ' saß sie lesend au noch zahlreiche Fa Freunden den wollte sie dorthin daß das nicht zul zurück und deckte Tasche die schon anderem ein Schn etwa 10,000 SDK. in einem Beutel a tragte Frau Freu ihrem Platze nach sie bann lesend sil gekommen war. um sich nach ihre Entdeckung mach' schlug sofort Lär die Tasche geseh bei der Ankunft den Bahnhöfen; mittag war jedoi * Berlin, 8. bei Borsig it gestrigen Ausgck Schaden angetid (4. Rompagnie) 1 gekommen; im K ein Balkrnstück au städtischen Kranke Brand und seine1 Der Modellschutz' e>n großer Teil nichtet ist. Was dränten besetzten schwerten anfang wurde jedoch mii Handdruckspritzen arbeiten zogen si zuerst wahrgenor dichten Qualm ü une Meldung na die alsbald erschi Etablissements ar Wt die hi W W Feuer o" deiainpfen, 1 Werfen »ir bi( T1“ dieser $orr * Zre EN in den Merfofr de jeder TW en ® iif” ** M trau,! ^"nen « 'de Gefch, S&N u«b .Hel »LL °h«° ?*«. u“b Ä ÄjS , *” <’«ft Grund vorhanden, ^konnte, der bereit« fmer Zw,n- denen der 4 I ”"6 »i °>Uld des Anae- ÜL'A denVvrwuri Mld nicht erbracht 5 . Sache desRegie- b^l en daß Dreyfns Verbrechen des Ver- »lMuch dagegen, daL Richter haben nicht za dazy, sie sollen nur die Achter von 1894 haben dm, wie auch Sie es d'e Ueberzeugung jener rteilten, nur auf das 1894 die Schrift Ester- cin anderes Urteil ge- Lage des Angeklagten, den Seelenzustand des agnisdirektor Forzinetti -n seine Briese vor der iW ans den Briesen, Ee gerichtet hat. ,,^n sort, „spiegelt sich die ^r hegte die feste Hoff- ld an den Tag kommen erklärt Dreyfus, man chren ecknnen. Diesen einnerungen seiner Um- er der Tricolore treu ge- eines Soldaten, und ich fern kann. Sehen Sie am feint Thränen ver- inen ®fyilbigen zu i kann, als einen lln- Und das ist Dreyfus. die DreM mkt )M er boxt an einem er aus: Ich will leben, «ert seine Beteuerung, g er das Bordereau nicht ) Freunde an, ihre Nach- re 1897 schrieb er an fe zu erflehen, damit die i einem Briefe an seinen ohlthat für mich, sterben i meine Kinder aber wäre gute Sache zu leiden ist eine göltet.- M* (n. M dl-!-« 3'* flten erlernten; tft m» Un^ulb ? günf W- child DreW teMf * la» h°t !ei»e« ”*! gch miß m l, d°i -W erinncrt j L fite i tinwynb en, ®JL M etw ne- SW« Scheibst bie«.Ä ei d'- .uje« ”n * u bem I SMS* 3h e0t5Bt' 6.«* ”« *x* jzhltt lE General Mercier am Schlüsse einer feiner Aussagen sagte: Das ist ein materieller Beweis. Ich aber behaupte, daß alles, was vorgebracht worden ist, nur Wahrscheinlichkeitsgründe sind. Die gegenwärtigen Verhandlungen fallen in einen Augenblick, wo infolge einer unerhörten Verwirrung der Gemüter die Sache des Angeklagten zu dem Dilemma: „Hie Dreyfus, hie die Ehre der Armee" entstellt worden ist. Die Generäle waren täglich heftigen Angriffen ausgesetzt, und diese Angriffe bestärkten sie in ihrem Glauben an die Schuld Dreyfus', sie waren geneigt, Wahrscheinlich- keitsgründe als Beweisgründe gelten zu lassen. Die Ehrenhaftigkeit und die Loyalität der Generäle steht außer Frage, sie haben nicht anders handeln können, als sie gehandelt haben. . . Rennes, 8. September. Heute abend finden hier zwei große Versammlungen statt, eine von feiten der Sozialisten, die andere unter dem Vorsitz des hier anwesenden Antisemitenführers Max Regis seitens der nationalistischen Partei. Vermischtes. * Berlin, 8. September. Eine TaschemitPretiosen im Werte von 8 —10,000 Mark ist gestern nachmittag der Schauspielerin Frau Agnes Freund geb. Voß im Kölner v-Zuge abhanden gekommen. Die Dame kam mit dem Zuge über Hildesheim nach Berlin. Bis Hildesheim faß sie lesend auf ihrem Platze. Nachdem in Hildesheim noch zahlreiche Fahrgäste eingestiegen waren, begab sich Frau Freund in den Speisewagen. Eine schwarze Ledertasche wollte sie dorthin mitnehmen. Da ihr aber bedeutet wurde, daß das nicht zulässig sei, so trug sie sie auf ihren Platz zurück und deckte sie mit einem grauen Umhang zu. Die Tasche die schon ziemlich viel gebraucht ist, enthielt unter anderem ein Schmuckkästchen mit Pretiosen im Werte von etwa 10,000 Mk. Andere Schmucksachen trug die Dame in einem Beutel auf der Brust. Nach einiger Zeit beauftragte Frau Freund den Kellner, ihr einige Bücher von ihrem Platze nach dem Speisewagen zu holen. Hier blieb sie dann lesend sitzen, bis der Zug in die Nähe von Berlin gekommen war. Erst jetzt kehrte sie an ihren Platz zurück, um sich nach ihren Sachen umzusehen, und mußte nun die Entdeckung machen, daß die Tasche verschwunden war. Sie schlug sofort Lärm, aber niemand von den Anwesenden hatte die Tasche gesehen. Die Kriminalpolizei, der die Bestohlene bei der Ankunft in Berlin den Diebstahl anzeigte, traf auf den Bahnhöfen rc. entsprechende Vorkehrungen. Bis heute mittag war jedoch noch keine Spur gefunden. * Berlin, 8. September. Der große Fabrikbrand bei Borsig in Moabit, über den wir bereits in der gestrigen Ausgabe kurz berichtet haben, hat recht erheblichen Schaden angerichtet. Leider ist der Feuermann Lanzner (4. Kompagnie) bei den Löscharbeiten schwer zu Schaden gekommen; im Innern des brennenden Gebäudes fiel ihm ein Balkenstück auf den Kopf. Der Verunglückte liegt im städtischen Krankenhause Moabit darnieder. Ueber den Brand und seine Ausdehnung wird noch folgendes berichtet: Der Modellschuppen mit Inhalt ist niedergebrannt, so daß ein großer Teil nicht sofort zu ersetzender Originale vernichtet ist. Wassermangel auf dem mit nur wenigen Hydranten besetzten Grundstücke, sowie ungünstiger Wind erschwerten anfangs recht sehr das Löschgeschüft. Schließlich wurde jedoch mit zwei Dampfspritzen und vier Rohren von Handdruckspritzen der Brand lokalisiert. Die Anfräumnngs arbeiten zogen sich bis zum Abend hin. Das Feuer wurde zuerst wahrgenommen von dem Portier der Fabrik, der dichten Qualm über der Schmiede bemerkt hatte und sofort eine Meldung nach der Feuerwache in der Turmstraße gab, die alsbald erschien und den Angriff von der Westseite des Etablissements aus unternahm. Die mächtigen Rauchwolken und später die haushohen Flammen waren weithin sichtbar. Acht Züge Feuerwehr traten in Thätigkeit, um den Brand zu bekämpfen. Das Wasser mußte teils in Fässern herbei- Thore, an Wachtposten vorüber in einen weiten, lichten Hof, den gewaltige dreistöckige Gebäude umgaben. Dann durchwanderten wir diese Gebäude: weite Fluren mit Oberlicht, breite Eisentreppen, lange Korridore, in denen eine vorzügliche Ventilation die denkbar beste Luft schafft, und zu beiden Seiten dieser Korridore, welche der durch alle Stockwerke gehende offene Treppenflur trennt, befindet sich Zelle an Zelle, — das bildete das Innere dieser Gebäude. Der Beamte führte mich in eine leere Zelle; sie war hoch, luftig, reinlich, ein hübsches Stübchen, in dem nur das vergitterte Fenster an die Bestimmung mahnte, während die Ausstattung: ein eisernes Bett, eine Kommode, ein Waschstand, ein Tisch und mehrere Stühle an eine einfache Mietsstube erinnerten. Da das Zellengefängnis in Tavastehus eine Besserungsanstalt vorzugsweise für Frauen bildet, so ist der Komfort in den Zellen verständlich. Der Beamte gestattete mir wiederholt den Einblick in bewohnte Zellen durch die an jeder Thür vorhandenen kleinen Schiebefensterchen, zeigte mir die an der Arbeit befindlichen Inhaftierten, die sich meist mit Spinnen beschäftigten, und erzählte mir von jeder das traurige Geschick, das sie in diese Mauern gebracht, — eine ganze Welt von Elend, Versunkenheit und Gemeinheit, aber auch von Unglück, Strafe und Sühne, die das Herz bewegen und den Denkenden von dem Nutzen und der Wohl- that solcher Anstalten überzeugen muß..... Es war spät nachmittags, als ich Tavastehus verließ, um nach Tammerfors weiter zu fahren. Ein warmer, leichter Regen rieselte vom Himmel herab und erfrischte die Natur. Der Zug brauste am Fuße bergiger Höhenzüge, deren waldige Gipfel in grauen Negennebeln verschwanden, dahin, und eine dunklere Nacht, als sie im Juni in Finnland üblich ist, senkte sich herab, als ich in Tammerfors eintraf geschafft, teils aus einer Entfernung von mindestens 700 Metern von der GotzkowSky-Brücke mittels außergewöhnlich langer Schlauchverbindungen zugeführt werden. Dort standen zwei Dampfspritzen, zwei andere am Spreeufer. Am Brandplatze herrsche eine ungeheure Glut,' welche die Umfaffungsmauern sprengte. Mehrfach begannen die Dächer der Schmiede und des Rahmengebäudes zu brennen, wurden aber immer rasch abgelöscht. Das Gebäude, welches ca. 2400 Quadratmeter Grundfläche hat, ist völlig niedergebrannt, das Dach des Rahmenhauses und Modellschuppens hat etwas gelitten. Die Fabrikgebäude sind außer Betrieb, weil die Uebersiedelung nach Tegel schon vor einiger Zeit erfolgt ist. Das Feuer vernichtete eine große Anzahl von Modellen; doch dürfte die Firma hierdurch nicht allzu arg in Verlegenheit kommen, weil sie auf derartige Eventualitäten stets vorbereitet ist. Ueber die Ursache des Brandes ist nichts bekannt; es wird jedoch Brandstiftung vermutet, da das abgebrannte Gebäude einsam an der Westgrenze des großen Etablissements liegt und die dort befindliche Mauer leicht zu Übersteigen ist. Die noch dort befindlichen wenigen Arbeiter sind ein alter Stamm und als zuverlässig bekannte Leute, die nicht leichtsinnig mit Feuer umgehen. Hamburg, 8. September. Der bisherige Haus-Inspektor desHamburgerStadttheaters, Wurm, ist wegen Unterschlagung von Garderobegeldern verhaftet worden, nachdem er bereits in voriger Woche entlassen worden war. — Der bekannte Ausstellungs- Veranstalter Wilczek, gegenwärtig Direktor einer Nahrungsmittel-Ausstellung in Altona, ist gestern gleichfalls unter dem Verdacht von strafbaren Handlungen verhaftet worden. * Meseritz, 8. September. EinLiebesdrama. Von einem Aufsehen erregenden Doppelselbstmord wird von hier berichtet: Der 35 Jahre alte verheiratete Rentier Obst und die 32 Jahre alte Tochter des Vorstehers der Königlichen Präparanden-Anstalt Schitzka wurden im Schlafzimmer der Dame tot aufgefunden. Sie hatten sich mit Strychnin vergiftet, das der Rentier als passionierter Jäger zur Vertilgung von Raubzeug sich leicht verschaffen konnte. Motiv zur That: Unglückliche Liebe! — Rentier Obst war erst vor kurzem von Georgsdorf nach Meseritz gezogen und hatte sich neben der Präparanden-Anstalt eine Villa bauen lassen. Am Abend vor der That hatte Obst noch in einigen Hotels mit Bekannten vergnügte Stunden verlebt, auch für den nächsten Tag ■ eine Jagdpartie verabredet, das Fräulein hatte noch in verschiedenen Geschäften Einkäufe besorgt und war erst spät in ihr im Giebel des Hauses gelegenes Schlafzimmer hinanfgegangen. Als sie am anderen morgen nicht zum Frühstück erschien, ging ihr Vater hinauf, um sie zu wecken. Als auf das wiederholte Klopfen nicht geöffnet wurde, erfolgte die gewaltsame Oeff- nung der Thür. Den Eintretenden bot sich ein trauriges Bild. Im Bett erblickten sie die Leiche der Tochter in halbsitzender Stellung, auf dem Boden, lang ausgestreckt, lag die ihres unglücklichen Verehrers. Auf dem Tisch stand eine etwa zur Hälfte ausgetrunkene Flasche Kognak. Der sofort herbeigeholte Arzt stellte Vergiftung durch Strychnin fest. Die Behörde gab die Leichen daraufhin sofort frei, da die Schuld eines Dritten ausgeschlossen war. Das Schicksal des unglücklichen Vaters erregt allgemeine Teilnahme, er will sich pensionieren lassen, um dann nach Breslau über- zusiedeln, wohin auch die Leiche seiner Tochter übergeführt worden ist. Die Witwe des Rentiers Obst wird wieder nach Georgsdorf zurückkehren, wo auch die Leiche ihres Mannes zur Ruhe bestattet werden wird. Schwerte, 7. September. An der Seite seines Söhnchens wurde heute ein Fabrikarbeiter vom Blitz erschlagen. ♦ Hannover, 8. September. Bei Lutterbeck wurde heute ein auf dem Felde arbeitender Knecht vom Blitzstrahl getötet. * Oelsnitz, 8. September: Heftige Erdstöße wurden am Donnerstag an mehreren vogtländischen Orten, Elster, Mühlhausen, Hundsgrün u. a. wahrgenommen. und im „Societetshus", einem langen, einstöckigen Holzhause, Wohnung nahm. Am anderen Morgen lachte wiederum ein blauer Himmel über Suomi-Land, und ich begann die Stadt zu durchwandern. Tammerfors ist unstreitig nächst Helsingfors die interessanteste Stadt Finnlands, nicht etwa der Gebäude oder sonstiger städtischer Sehenswürdigkeiten wegen, sondern wegen der industriellen Thätigkeit, die hier allenthalben herrscht, und dem Leben dieser Stadt, die wohl an die 20000 Einwohner haben mag, das charakteristische Gepräge aufdrückt. Mitten an einer etwa drei Kilometer langen Stromschnelle (Tamperenkoski) erbaut, ist hier die Wasserkraft in genialster Weise zum Fabrikbetriebe ausgenutzt worden, und die gewaltigen Baumwollspinnereien, Papiermühlen, Eisenwarenfabriken, Porzellan- und Steingut- Manufakturen u. s. w., die sich aneinanderreihen, wechseln mit den vornehmen Villen und schonen Parkanlagen der Fabrikbesitzer malerisch ab. Sehenswert ist namentlich der v. Nottbeck'sche Park, am Wasser gelegen, wo ein kleines Felseneiland, das den Blick auf die Stromschnelle gewährt, einen gewaltigen, mit ausgebreiteten Flügeln auf einem Grnit- blocke sitzenden eisernen Adler trägt, ein Denkmal, das den Beschauer durch eine lateinische Inschrift an einen Besuch Kaiser Alexanders II. erinnert. Hier in Tammerfors werden jene Stahlwaren verfertigt, die Weltruf besitzen; hier fabriziert man jenes finnländische Holzpapier, das sich in Rußland der weitesten Verbreitung erfreut; von hier stammt das berühmte finnländische Steingut und noch mancherlei Fabrikware, die in die Welt hinausgeht. Sehr leicht ist übrigens der Zutritt in die Fabriken nicht; die Besitzer sind zugeknöpft, und nur besondere Verwendung öffnet dem Besucher der Stadt die großen Etablissements. e München, 8. September. Allgemeine deutsche Sport-Ausstellung 1 899. Es ist beabsichtigt, einen Distanz-Marsch für Fußgänger, Dauerläufer, Reiter und Wagenfahrer (ohne Pferdewechsel) von München (Ausstellung) über Regensburg, Hof, Dresden, Leipzig, Berlin, Potsdam, Magdeburg, Braunschweig, Hannover, Köln, Bonn, Koblenz, Mainz, Darmstadt, Heidelberg, Heilbronn, Stuttgart, Ulm, Augsburg nach München (Ausstellung) zu veranstalten. Die ganze Strecke beträgt 2012 Kilometer. Der Start findet am Donnerstag, den 14. September statt und ist für jedermann ohne Einsatz offen. An Preisen werden gegeben dem Ersten eine goldene, dem Zweiten eine silberne und dem Dritten eine bronzene Medaille. Nennungsschluß ist am Dienstag, den 12. ds. Mts., abends 8 Uhr, bei dem Bureau der Ausstellung (Kohleninsel), wo die näheren Bestimmungen erhältlich sind. Eine Nennung liegt bereits vor, seitens des weltbekannten „Naturmenschen" und Dauergängers Drütschel aus Lichtenfels. * Lörrach, 8. September. Der Reisende Robert El len- beck aus Krefeld, der hier wohnhaft ist, wurde wegen mehrfacher Wechselfälschungen zum Nachteil eines hiesigen Bankhauses gefänglich eingezogen. ® Bern, 8. September. Eine aus zwei Touristen und zwei Führern bestehende Karawane — Namen sind noch nicht bekannt — ist auf dem Gletscher von Ar olla (Kanton Wallis) in eine Gl et sch ersp a Ite gestürzt. Ein Führer wurde tot aus der Gletscherspalte gezogen; durch das ihm zugeworfene Seil war er beim Hinaufziehen erwürgt worden. Der andere Führer kam mit dem Schrecken davon. Von den Touristen brach einer den Arm, der andere wurde am Kopfe verwundet. (Fft. Ztg.) * Luzern, 8. September. Die Brüder Loibl, die nach Defraudation von 40,000 Mk. aus München flüchtig wurden, und deren Verhaftung aus Zürich irrtümlich gemeldet wurde, sind nunmehr hier festgenommen worden. Die Nachricht wird von der Polizei bestätigt. * Prinzessin Chimay Nr. 2. Nachdem Paris die Prinzessin Chimay mit ihrem Zigeuner gesehen hat, trat kürzlich die Comtesse de Raime, die, nebenbei gesagt, schon das Alter von 55 Jahren erreicht hat, mit ihrem Zigeuner in die Oeffentlichkeit. Eine begeisterte Musikliebhaberin, besuchte sie alle Etablissements der Hauptstadt, wo Orchester zu finden waren. Doch ging sie mit Vorliebe ins Grand (Safe, weil sie dort verschiedene Kapellen Horen konnte und namentlich die Zigeuner, deren Musik ihr besonders gefiel. Zuerst liebt man die Musik und schließlich die Musikanten. Frau de Raime ließ sich die Zigeuner vorstellen, die sie schon im Seebade Treport getroffen hatte. Einer von ihnen, Jules Backi, erregte vor allem ihre Aufmerksamkeit, und es entstanden bald Beziehungen zwischen der Gräfin und den Zigeunern, besonders intime zwischen ihr und Backi. Dieser aber, ein durchtriebener Bursche, sprach, wenn die Gräfin ihn zu sich einlud, alsbald von seinen Angelegenheiten. Er erzählte, daß er in Oesterreich gern ein Grundstück kaufen möchte, das der Kaiserin Elisabeth gehört hätte und das er für 100000 Franks bekommen könnte, während er es für 800000 Fr. wieder verkaufen würde. Nur fehle ihm das nötige Geld. Frau de Raime hatte 100000 Fr., doch diese betrachtete sie als ihre Mitgift, denn sie hatte in der That die Absicht, mit Jules ein Bündnis fürs Leben zu schließen. Er war zwar verheiratet, lag aber mit seiner Frau in einem Ehescheidungsprozesse, wie er sagte. Die 100 000 Fr. ganz herzugeben, war Frau de Raime nicht zu bewegen. Doch gab sie 75 000 Fr. her. Als Backi das Geld hatte und sah, daß aus der Komtesse nicht mehr herauszupressen war, verschwand er, wie sich denken läßt, und die Geprellte machte beim Gericht Anzeige. Dieses verurteilte gestern Backi, der unauffindbar ist und es vorgezogen hatte, zur Verhandlung nicht zu erscheinen, par defaut, wie der Kunstausdruck lautet, zu drei Jahren Gefängnis und 100 Fr. Geldbuße. Die 75000 Fr. wird Komtesse de Raime wahrscheinlich niemals Wiedersehen. Und hat man sich den Tag über an den Errungenschaften menschlichen Erfindungsgeistes und fleißiger Gewerb- thätigkeit erbaut, dann gibt es Orte genug in der Nähe, die ein Ausruhen in schöner Natur gestatten ober den Anblick romantischer landschaftlicher Bilder gewähren. Gerade die Umgebung von Tammerfors bietet in dieser Beziehung vielleicht das Sehenswerteste in West-Finnland. Da ist der im schweigsamen Walde gelegene Nokkiofall, eine lange Stromschnelle, die gleichfalls bereits dem Fabrikbetriebe an einzelnen Stellen dienstbar gemacht ist. Da sind ferner der steile, waldbewachsene Bergrücken von Pynikkä mit feinem hübschen Restaurant und die wildromantische Schlucht von Thermopylä und andere Ausflugsorte mehr. Namentlich Thermopylä ist sehenswert: ein enger Paß durch hohe und steile Granitwände mit Tannen und Birkenbäumen, die eine wunderhübsche Aussicht gewähren. Nur muß man beim Klettern auf die Granitblöcke vorsichtiger sein als ich es roar; denn das Moos, das diese Granitfelsen bedeckt, gibt leicht nach, man stürzt und holt sich dann, wie mir's passierte zum mindesten eine Verstauchung des Fußes, die eine schmerzliche Kur erfordert: zwei langweilige Tage, die ich auf dem Sopha im „Societetshus" zubringen mußte, und eine Schiene über dem rechten Fußgelenke, die ich noch eine Woche mit mir schleppen mußte, waren auch eine Erinnerung, die ich von Tammerfors mitnahm, als ich endlich aufbrach, um über Abo das gastliche Finnland zu verlassen. Meine ursprüngliche Absicht, mit der Bahn weiter nach Norden zu fahren und Jakobstadt und Uleaborg zu besuchen, mußte ich leider wegen Zeitmangels aufgeben, — auch eine Folge meines allzu kecken Kletterns auf Finnlands Granitfelsen! 6558 in Bahnhofstrasse 29. Bahnhofstrasse 29. bunten Gravüren und Photographien. Otts ---------- Kunst- und Rahmenhandlung ■ ■■■■■! 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September 1899. 6563 ___________Buderus'jche Eisenwerke. Hypotheken-Bank in Hamburg. Die Einlösung der am 1. Oktober 1899 fälligen Zinsscheine unserer Hypothekenpfandbriefe erfolgt vom 15. September 1899 ab äusser an unserer Kasse, Hamburg, Hohe Bleichen 18, bei den sonstigen bekannten Zahlstellen und allen Pfandbrief-Verkaufsstellen. 6562 ___06e Direktion, Bleichsucht — Nervosität — Verdauungsstörungen. Pilulae roborantes Selle, organisch-animalisches Eisenpräparat, die in ihren Verbindungen nicht gestörten Salze des Blutes und des Fleischsaftes enthaltend. Drei Pillen entsprechen 2 Gramm Blut und 1 Gramm fettfreiem Muskelfleisch. 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Obl. 8 Jtal. staatSgar. Gisenb. 57.75 4 BuderuS Obl. 99.65 98 75 28.85 100.25 49 70 100.00 00.00 dlo. 4 unk. b. 1907 101.20 4 Deutsche Grdsch.B. unk. b. 1904 101.20 4 87, Frankftr. Hyp. Bk unk. b. 1906 96.00 37, Frkf. Hyp. Lred.B. unk. b. 1906 96.10 Hambrgr. Hyp Bk. unk. b. 1905 101.90 Preuß.HyP A. Bkunk. b. 1900 100.30 Pomm. HyP.A.Bk. unk. b.1904 101.50 FrkfLdw.Lred.Bk.unk.b.1900 98.95 20 Franken-Et. Enal. EovereignS Dollars in Gold Brief 16.21 20.42 4.20 • tUfoeifist Selb 16.17 Franz. Banknoten 20.38 Oesterr. dto. 4.16 Americ. Brief G«U —80 95 —169.50 —4.177, Darmst. Bk..«ctim «»eudeourfer ooo.oo I Oesterr. Lredit-Actien 23 5.70 RMtiew E. Bnrkherbt. — »rack eeM ►riq der Vrützl'schev U«i»ersttsttr-Vuch. unt 6teiefcni4erti (Vtetfd 6rle«) i» Gieß«».