Freitag den 10. März 18»9 Erstes Blatt. yit. 59 Anrts- und Airzeigeblutt für den Ttreis Gieren. p jiElB Alle Lnzeigen-BermittlllngSstrllea beS Ja- nab AuSlanbeL nehmen Anzeigen für ben Gießener Anzeiger entgegen. «ebattion, Expedition unb Druckerei: Schukstraße Dr. 7. jährlich 300000 Tonnen Zellstoff im Wert von mehr denn 60 Mill. Mark herstellt, würde für den Ausfall, die chr der neue Tarif bringen würde, im Auslande keinen Ersatz finden können, da sie unter weit schwierigeren Material- und Betriebsverhältnissen zu arbeiten gezwungen ist, als Skandinavien, Finland und Nordamerika, die den Weltmarkt beherrschen. Die Einführung des neuen Tarifes würde demnach für die deutsche Zellstoffindustrie eine nicht auszugleichende Schädigung bedeuten, die der Verein durch Verwerfung der Vorlage abzuwenden bittet. vom Papste verabschieden und seine regelmäßigen Besuche einstellen, vielmehr den Papst nur noch von Zeit zu Zeit bis zu dessen vollständiger Wiederherstellung besuchen. London, 8. März. Jetzt hat die M a s k a t f r a g e auch das britische Parlament beschäftigt. Im Unterhause gab der Parlamentssekretär des Aeußern, Brodrick, die folgende Erklärung ab: Mitte März vorigen Jahres erlangte der französische Agent vom Sultan von Maskat die Pachtung oder Konzession eines Stückes Land, das als Kohlenstativu benutzt werden sollte. Auf dem so abgetretenen Landstücke, das in einem kleinen Hafen in einiger Entfernung vo» Maskat liegt, wollte die französische Regierung das Recht zum Hissen der französischen Flagge und zur Errichtung von Befestigungen haben. Der englische Agent erhielt von diesen Vorgängen erst in diesem Jahre Kenntnis; sobald sie aber bekannt geworden waren, erklärte die englische Regierung, daß sie im Widerspruch stände zu dem Vertrage von 1862 und zu den besonderen Verpflichtungen des Sultans gegenüber England in Bezug auf Abtretung oder Entäußerung irgend eines Teiles seines Landbesitzes. Der Sultan wurde aufgefordert, den Pachtvertrag wieder aufzuheben, was er auch gethan hat. Das Vorgehen unseres Agenten ist von uns nicht gemißbilligt worden, sondern gemäß unserer Instruktion geschehen. (Beifall.) Lord Salisbury hat dem französischen Botschafter mehr denn einmal erklärt, daß nach seiner Ansicht die englische Regierung zu ihrem Einsprüche durchaus berechtigt und daß es für sie unmöglich sei, denselben aufzugeben. London, 8. März. Die Aeußerungen der britischen Regierung zur Ma skat frage im Londoner Parlament stehen in schroffem Gegensätze zu den Erklärungen, die Tags zuvor der französische Minister des Aeußern, Delcasse, in der Deputiertenkammer zu Paris über die Angelegenheit gegeben hatte. Herr Declassä hatte es angesichts der in „aufrichtigem und versöhnlichem Geiste" geführten französischenglischen Abgrenzungsverhandlungen in Afrika für „nicht möglich" erklärt, daß die englische Regierung den „ebenso unkorrekten wie eigenmächtigen Eingriff" des englischen Admirals in Maskat zulassen könnte, und hinzugefügt, daß die englische Regierung der französischen ihr aufrichtiges Bedauern über den Vorfall zum Ausdruck gebracht habe. Die Sache scheint deshalb noch durchaus nicht als erledigt betrachtet werden zu dürfen. — Merkwürdigerweise wurden am gleichen Tage, wo im Parlament zu London jene den französischen Minister berichtigende Aeußerungen fielen, bei einem von der dortigen Handelskammer veranstalteten Festmahle, dem auch der französische Botschafter Cambon bei- wohnte, herzliche Reden über die Notwendigkeit guter Beziehungen zwischen England und Frankreich ausgetauscht. Rußland und die slavischen Länder. Auch hier ein allgemeines Erwachen und Aufsichselbstbesinnen im 19. Jahrhundert? Anfangs nur ein einfaches Acceptieren der geistigen Ideen des Auslandes, eine bloße Nachahmung der germanischen Romantik. In Polen erhält dieselbe noch am ersten ein national-patriotisches Gepräge, nachdem Kasimir Brodzinski (1791—1835) hier den Weg geöffnet hat. Adam Mickiewicz (1798—1855), von Goethe und Byron inspiriert, ersteigt bereits die Höhen einer idealen Kunst, Sigismund Krasinski entrollt seine düsteren Zukunftsbilder, Julius Slowacki malt in finsteren, aber phantastisch-berauschenden Farben. — In Rußland steht Kar amzin (gestorben 1826) noch im Banne der Stimmung des 18. Jahrhunderts, während Shukowskij bereits von den Ideen des Klassizismus beherrscht wird. Immer mehr gewinnt jedoch der romantische Geist die Oberhand, bis er bei Alexander Puschkin (1799—1873) und Lermontow seine höchsten Triumphe feiert, und in A. Kolzow (1808 bis 1842) der russischen Litteratur sogar ein echter, ursprünglicher Volksliederdichter ersteht. In Südrußland erschien in dem leibeigen geborenen Schewtschenko (gest. 1861) zuerst ein die Sprache des Volkes redender Dichter, während im Gehirn des böhmischen Patrioten Kollars (gestorben 1852) zuerst das phantastische Ideal, Vereinigung und Verbindung aller slavischen Stämme, geboren wird. Der Realismus wurde durch Bolinskij (gest. 1848) proklamiert, dem Nataralismus ebnete der pessimistische Nikolai Gogol (1809—1852) die Pfade, von dem aus erst eigentlich btt nationale Macht Rußlands datiert, die sich in der Folge mehr und mehr auch Bahn zu uns brach. Jeder gebildete Deutsche kennt die Namen Iwan Turgenjew, Dostojewski;, Tschernyschewskij und vor allem Leo Tolstoi, der tn steter Micher Munn fc. vtthkldttl, lezwungm 'st, Itbi fh ;8 WWrni l, aui in bin W Gratisbeüagenl Gießener^Lamilicndlätter, Der hessische Kandwirl Mittler für hessische Volkskunde. Abresse für Depeschen: £njeigtr«rtffrwtäfac Stlfan ta 6h*. idlföuk'MWvM ilfter elnttamw / unb mit bnlntaMv Erscheint täglich hui Ausnahme des Montag«. Die Gießener PamittenStätler werben bem Anzeiger wöchentlich viermal deigelegt. Hammarsköld's Zeitschrift „Phosphoros" das Organ der Romantiker, das Haupt der Schule der Phosphoristen war Atterbom (geboren 1790). Die »gotische Schule", welche die nationale Romantik pflegte, nennt mit Stolz Esaias Teqner (1782-1846) den ihrigen, den gefeierten Ver- faffer der „Frithjofsage". Der moderne Naturalismus wird durch August Strindberg und Ola Hansson vertreten — Die norwegische Litteratur hat sich, wie die nordamerikanische, erst in unserem Jahrhundert entwickelt, da bis dahin die norwegischen Dichter sich der dänischen Sprache, der herrschenden in dem bis 1814 politisch mit Dänemark vereinigten Lande, bedienten. Trotzdem eroberte sich die junge Litteratur nicht nur eine geachtete, sondern sogar führende Stellung m der Welt- litteratur. Ihr Ibsen trat neben den französischen Zola und den russischen Tolstoi, sein Einfluß war auch m Deutschland gewaltig, und seine Hauptwerke („Nora", „Gespenster", Ein Volksfeind", „Die Stützen der Gesellschaft", „Ros- mersholm" u. s. w.) in ihrer Mehrzahl moderne Schicksals- traqödien, bei denen allerdings an die Stelle des unerbittlichen Schicksals die ebenso unerbittliche Natur mit ihren Gesetzen und Wirkungen tritt, kehren im Spielplan unserer besten Theater regelmäßig wieder. Romantik und Realismus gehen bei ihm eine eigenartige Verbindung em, aus welcher oft genug die erstere als Siegerin hervorgeht. Neben ihm stebt Bjönsterne Björnson, in deffeu realistischen Dramen und Romanen die Absichten des Verfassers klar und scharf zur Darstellung gebracht werden, während Ibsen uns viel- fach am Schluß mit einem großen Fragezeichen nach Hause chickt Auch JonaS Lie, Arne Garborg, Alexander Kjelland und andere norwegische Realisten spielen in der modernen Litteratnr eine hervorragende Rolle. nt. JW ?■ »Ja ’88; jtjWa idi macie ln Pari; " 18”>. N*‘ ie.lm Jahre M >nlKln«5orr Wit mit einen. ■ gelegentlich Dresses in Parts Feuilleton. Das 19. Jahrhundert. Unter Mitwirkung hervorragender Fachgelehrter herausgegeben von Friedrich Thieme. (Nachdruck oder Auszug verboten. V. Die Litteratur des Auslandes. (Schluß.) Norwegen, Schweden und Dänemark. In Dänemark glänzt Adam Oehlenschläger (1779—1850) als Hauptvertreter der romantischen Strömung. Johann kadwig H eib erg lieferte lustig-ironische Singspiele. Henrik H-rrtz (gestorben 1870) zierliche Lust- und Schauspiele Darunter das auch in Deutschland vielbekannte „König Xenes's Tochter"). Die sympathischste Erscheinung unter -e» dänischen Prosaikern ist uns allen Hans Christian klidersen (1805—1875), der Dichter jener wunderbar pn-iiigen und doch so naiv-fröhlichen Märchen, die so echte Gebilde der Hcrzenspoesie sind, daß sie mit ihrem Zauber la-s Herz des Greises noch ebenso gefangen nehmen, wie batd des mit leuchtenden Augen lauschenden Kindes. Als eines der besten Erzeugnisse der neuen dänischen Dichtung »irb Paludan-Müllers satyrisches Gedicht „Adam Homo" lezzeichnet. Unter dem Einflüsse Georg Brandes kam die vcoderne, d. h. die realistisch-naturalistische Richtung zum Durchbruch, welche in den Werken eines Holger Drachmann, Sllbphus Schandorph, Jacobsen m. s. w. zum Teil recht an« sehnliche Früchte zeitigte. — In Schweden bildete Annahme von Anzeigen zu btr nachmittag- ffc folgcnben Tag erscheinenben Nummer bis vorrn. W »hr. Amtlicher Heil. Bekanntmachung, »-treffend die Mathild-nstiftung für die Provinz Oberheffen. Die diesjährige Hauptversammlung der Mathilden- slistung für die Provinz Oberhessen findet: DieuStag, ben 28. März ds. Js., vormittags 11 Uhr, im Regierungsgebäude zu Gießen statt, wozu die verehr- lichen Mitglieder der Stiftung ergebens! eingeladen werden. Tages-Ordnung. 1. Prüfung der Rechnung pro 1898. 2. Verteilung des Ueberschusses aus 1898 zur Unterstützung gemeinnütziger Anstalten. 3. Feststellung des Voranschlags für 1899. 4. Ergänzungswahl des Vorstandes. Gießen, den 6. März 1899. Der Vorstand der Mathildenstiftung für die Provinz Oberheffen. In Vertretung: v. Bechtold. Großh. Provinzialdirektor._________________ Deutsches Reich. — Das Entlassungsgesuch des Admirals von jkrorr ist bereits genehmigt. Es wird jetzt die darauf bezügliche kaiserliche Kabinettsoidre vom 8. März bekannt ßeutacht; danach ist: 1., der Admiral v. Knorr in Ge- lehmigung seines Abschiedsgesuches von der Stellung als kommandierender Admiral entbunden und mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt; derselbe ist ferner a la suite des See-Offizierskorps in den Listen der Manne zu fahren. 2., der Kapitän zur See Geißler, Inspekteur ber Marine-Artillerie, zum Kontre-Admiral befördert. 3., bem Kapitän zur See v. Schuckmann, Kommandant tn Helgoland, der Charakter als Kontre-Admiral verliehen. — Der Verein deutscher Zellstofffabrikanten hat dem Reichstag eine Eingabe zugehen lassen, die sich legen den geplanten Postzeitungstarif wendet und die Bitte im Ablehnung des Gewichtstarifs mit folgenden Thatsachen kurz begründet: Die Einschätzung des Zeitungsportos nach bem Gewichte müßte eine Minderung des Zellstoffverbrauches lach sich ziehen. Die deutsche Zellstoffindustrie, in der große Kapitalien stecken, die in 63 Betrieben an 10000 Arbeiter beschäftigt, und unter Verbrauch von 15 Prozent des gesamten Einschlages an deutschem Fichten- und Tannenholze Cambon selber hob in einer Ansprache hervor, die beiden Länder sollten dieselbe gegenseitige Achtung und Höflichkeit enter einander zeigen, wie sie zwischen den einzelnen Individuen bestehen, damit die herzlichen Beziehungen enger geschlossen werden könnten. Petersburg, 6. März. Das Ende von Finlands Selbständigkeit. Aus Finland wird der „Köln. Ztg." von privater Seite geschrieben, daß das Land ungemein tief den Eingriff in seine alten Rechte empfindet, der ihm each der Auffassunng aller Finländer durch das Manifest vom 15. Februar angethan wurde. Lärmende Kundgebengen fehlen zwar ganz, der Finländer liebt theatralisches Geschwätz nicht; die Gesinnungen des Volkes zeigen sich aber in rührender Weise. Das Standbild Alexanders II. auf dem Senatsplatze ist mit frischen Blumen geschmückt, wortlos legen kleine Trupps von Bauern, Schülern, jungen Damen und Kaufleuten Kränze an den Stufen des Standbilds nieder, und in vielen Verkaufsläden sieht man die Bilder früherer Zaren mit Epheu und Lorbeer geschmückt und umgeben von den Gesetzesbüchern des Großfürstentums Finlands. Aus dem Innern des Landes treffen Meldungen ähnlicher Kundgebungen ein. Sonst ist alles beim alten. Gerüchte von irgendwelchen Ruhestörungen sind falsch und auch in Zukunft mit Mißtrauen aufzunehmen. Bekanntlich ist der Kernpunkt des Manifestes die Beschränkung der Thätigkeit des finländischeii^Landtages auf solche Fragen, die nicht das allgemeine Interesse des Gesamtreiches berühren. Die Entscheidung, welche Fragen hierunter zu rechnen sind, hat sich von Fall zu Fall der Kaiser persönlich Vorbehalten. Von finländischem Standpunkt ist damit die bisher vorgeschriebene Art der Gesetzgebung für Finland beseitigt und dem Wohl- oder Uebelwollen der Ratgeber des Kaisers ein sehr breiter Raum gegeben worden, wo früher als gesetzgebende Faktoren nur der Kaiser und der Landtag bestanden haben. Es ist ein mißliches Ding für den Kleinen, von dem Großen Großmut zu verlangen, möge immerhin der gesetzliche Anspruch auf Eigenleben begründet sein. Die Finländer lassen das Schicksal über sich ergehen, weil sie es nicht ändern können; sie wollen aber nicht die Verantwortung vor der Geschichte auf sich nehmen, zu den russischen Eingriffen in ihre Selbständigkeit Ja und Amen gesagt und Beifall geklatscht zu haben. Nach der Ablehnung des Kaisers, die finländische Abordnung zu empfangen, ist von dem Gesetzausschusse der Stände der Beschluß gefaßt worden, daß das kaiserliche Manifest für Finland keine Rechtskraft besitze. Damit dürfte wohl die Thätigkeit der finländischen Landtage ein Ende erreicht haben. Wenn auch der Kaiser versöhnlich genug sein mag, xm die ganze Frage noch einmal durcharbeiten zu lassen, so ist doch auf keinen Rückgang des Zwistes zu rechnen, denn verschiedene wesentliche Schritte sind, namentlich auf Betreiben des Kriegsministers, bereits gethan. Daß diese rückgängig gemacht werden, ist unwahrscheinlich. Einem Teile der russischen Presse wird die Haltung der Finländer den willkommenen Vorwand geben, das Vaterland als in Gefahr befindlich zu erklären und scharfe Mittel gegen Finland zu empfehlen. Die separatistische Partei, von der in solchen russischen Kreisen so viel geredet wird, besteht jedoch in Finland nicht. Nicht los von Rußland lautet dort die Losung, sondern: verbunden mit Rußland, aber nicht aufgelöst in Rußland. Dem unparteiischen Beobachter muß es erscheinen, als ob die bisherigen Zustände sich recht gut bewährt hätten, während dies bei Neuerungen doch zweifelhaft ist. Asien. Es bestehen wenig Zweifel, daß die chinesische Regierung die Natur der italienischen Forderungen schon vorher kannte und daher in der Lage war, das einzuschlagende Verhalten festzustellen. Die Haltung Chinas in dieser Frage und in der Tschinkiangbahn-Angelegenheit zeigt, daß der jüngste Erlaß der Kaiserin-Witwe, in welchem größerer Widerstand gegen fremde Einflüsse als nötig bezeichnet wird, seine Wirkung thut. Nach chinesischen Berichten ist hauptsächlich Tschang-yi für die Ablehnung der italienischen Forderungen verantwortlich. In diplomatischen Kreisen von Peking glaubt man, daß Rußland die Chinesen unterstütze und der französische Gesandte dabei mithelfe. Selbstentwickelung jetzt die Ideale des wahren Menschentums predigt, und in Wort und Beispiel die reine Lehre des Evangeliums wiederherzustellen sucht. — Rumänien erhielt seine nationale Dichtung durch Basile Aleesandri (geboren 1821). Griechenland preist seinen Valaoritis, Vlachos und Bernardakis. Ungarn nimmt mit seinem Joseph Eötvös (1813—1871), seinem Alexander Petöf,i (1824—1849), seinem Maurus Jokai, seinem Ludwig v. Doczi, seinem Ma dach (der Verfasser der „Tragödie des Menschen", gest. 1864) eine weit über seine Grenzpfähle hinausragende Bedeutung ein. Wir sehen also, wenn wir das Ergebnis unserer Einzeldarstellungen nunmehr zusammensassen, am Anfänge des 19. Jahrhunderts überall die Nation unter dem mächtigen und veredelnden Einflüsse des germanischen Klassizismus und der ebendaselbst geborenen Romantik. Von ihnen aus geht die nationale Wiedergeburt des politischen und geistigen Lebens der meisten Völker, und je nach der Eigenart des betreffenden Volkes modifiziert sich bei ihm das fremde Ueberkommuis zur nationalen Besonderheit. Bald sind Völker, welche erst empfingen, imstande, au uns wieder ab- zugebeu; von drei Seiten, von Frankreich, Norwegen und Rußland, dringt eine neue Strömung in unsere Lüteratur ein, sich bald auswachsend zum Naturalismus, der bei uns noch kein großes schöpferisches Originalgenie gefunden hat, der ihm eine spezifisch deutsche Farbe zu geben imstande war. So befinden wir uns am Ende des Jahrhunderts wie auf sozialem, so auch auf litterarischem Gebiete in einer Periode des Uebcrganges und der Gährung — möge das neue Jahrhundert für alle Fragezeichen, die mir mit in dasselbe hiuübernehmen, eine befriedigende Lösung finden. Ferner verlautet, der britische Gesandte M'Donald habe eine Note an das Tsuug-li-Yamen gerichtet, in der er die italienischen Forderungen unterstützt. Die Haltung der Japaner ist die strenger Neutralität. Dasselbe scheint von den Vereinigten Staaten zu gelten. Deutschland hat seine Zustimmung durchaus loyal und sympathisch gegeben. — Man glaube übrigens, daß China um jeden Preis den italienischen Forderungen Widerstand entgegenzusetzen beabsichtige, doch handele es sich um passiven Widerstand, indem China seinen Einspruch aufrechthalte und sich weigere, die Stellung Italiens in Sanmun zu regeln. Die römische „Tribuna" spricht die Ueberzeugung aus, der italienische Gesandte in Peking werde bald telegraphieren, er habe Entschuldigungen — die sicherlich auch schon gefordert seien — erhalten und die verlangte Konzession sei bewilligt. Der Artikel schließt: „Alle Mächte Europas, mögen sie unsere Freunde sein oder nicht, haben das gleiche Interesse, daß der Funke sich nicht weiter verbreite". Ueber die Streitkräfte Italiens in Ostasien wird berichtet: Die italienischen Kriegsschiffe „Marco Polo" und „Elba" befinden sich in Tschifu; die Kriegsschiffe „Amerigo Vespucci" und „Etna" sind auf dem Wege nach Hongkong, ersteres in Sicht von Anam, letzteres bei Batavia eingetroffen; das Kriegsschiff „Stromboli" wird von Venedig nach China in See gehen. Diese Schiffe haben zusammen 1583 Mann Besatzung und 50 Geschütze großen und 68 Geschütze kleinen Kalibers. Das ist eine ganz ansehnliche Macht. — Der italienische Ministerrat hat mit Befriedigung Kenntnis von einer Darlegung genommen, welche der Minister des Aeußeren Canevaro über die in der Angelegenheit der Sanmuu-Bai befolgte Haltung der Regierung gab, und einstimmig Canevaro sein Vertrauen und zugleich die feste Ueberzeugung ausgesprochen, daß der zur Besetzung der Sanmun-Bai aufgestellte Plan aufrechterhalten und im politischen und wirtschaftlichen Interesse des Landes verwirklicht werden würde. Afrika. Als die Kongo - Eisenbahn vor einem Jahre ihrer Vollendung entgegenging, beschloß die Kongo-Regierung, eine regelmäßige Dampferfahrt auf bem oberen Kongo von Stanley-Pool aufwärts einzurichten und zwar für den Personen- wie den Frachtverkehr. Die älteren Dampfer dort hatten nur eine Tragkraft bis zu 50 Tonnen, sie genügten einem stärkeren Verkehre nicht; darum wurden zwei Dampfer von je 250 Tonnen ftzr die Schifffahrt auf dem oberen Kongo bestellt, von diesen ist schon der zweite „Le Hainaut" am Stanley-Pool zusammengesetzt und hat am 13. Februar seine erste Fahrt flußaufwärts angetreten. Diese regelmäßigen Dampferfahrten beziehen sich aber nur auf den Kongo und dessen Nebenflüsse, soweit sie sich im Kongostaate befinden; andere Zuflüsse, wie der Sanga, der aus Kamerun und dem französischen Kongo kommt, werden davon nicht oder nur ausnahmsweise berührt. Daher war es unvermeidlich, daß die Süd-Kamerun-Gesellschaft zwei eigene kleine Dampfer auf deutschen Werften bestellt hat, die unter deutscher Flagge den Verkehr vom Stanley-Pool nach dem Sanga vermitteln. — Die große Frage in Egypten ist, was gegen den Khalifen Abdullah geschehen soll, der neulich fast unerwartet wieder nahe den britischen Besitzungen im Sudan aufgetaucht ist. Jeder in Kairo hat die Empfindung, daß der Khalif verfolgt werden muß, und zwar je eher, je besser. Denn darin besteht kein Zweifel, daß der Khalif immer stärker werden wird je länger man ihn in Ruhe läßt. Waffen und Schießbedarf kann er von einer auswärtigen Quelle bekommen. Auch soll sich der bei Gedaref geschlagene Derwisch-Führer Achmet Fedil, der über 14000 Mann verfügt, mit dem Kahlifen vereinigt haben und am Weißen Nil stehen. Die amtliche Ansicht geht indes dahin, daß alle Truppenbewegungen nach Süden, um den Khalifen dingfest zu machen, bis zum nächsten September verschoben werden sollen. Denn die in das egyptische Heer neu eingestellten Rekruten müssen erst zu tüchtigen Soldaten ausgebildet werden, ehe es geraten ist, sie gegen die Truppen des Khalifen zu führen. Die ganze Armee überhaupt bedarf auch der Ruhe. Das größte Hindernis des Vorgehens aber ist, daß eine Geldbewilligung nicht umgangen werden kann, wenn Abdullah der letzte Stoß versetzt werden soll. Und man zaudert, darum einzukommen, denn es dürfte sich dabei um viele Millionen handeln. — Slatin Pascha, der bei dem jüngsten Sudanfeldzuge den Anglo-Egyptern als Berater des Generalstabes gute Dienste leistete, hat übrigens um seine Entlassung aus dem Heeresdienst nachgesucht, weil er nicht nach dem Sudan zurückkehren möchte, um dort gewöhnlichen Garnisondienst zu leisten. Doch wenn weiter seine Kenntnisse über irgend einen besonderen Gegenstand verlangt würden und nützlich wären, so würde er sicherlich zu helfen bereit sein. Bezüglich der Ausgrabung der Leiche des Mahdi erklärte Slatin, er finde diese Handlung an sich nicht unrecht, doch hätte sie öffentlich geschehen sollen. Lokales uuö MooinMes. Gießen, den 9. März 1899. * • Ordensverleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 4. März dem Hofmarschall Seiner Königlichen Hoheit des Herzogs von Sachsen-Koburg und Gotha, v. Rüxleben in Gotha, das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen. * • Aus dem Gerichtsdienst. Durch Entschließung Groß- herzoglichen Ministeriums der Justiz vom 6. März ist der Großherzogliche Gerichtsassessor Müller in Bad Nauheim mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters bei Großherzoglichem Amtsgericht Gießen beauftragt worden. • * Militärdienstnachricht Pfaff, Garn.-Bauinspektor in Worms, als technischer Hilfsarbeiter ?ur Intendantur des 1. Armeekorps versetzt. * * Evangelischer Bund. Die diesjährige Landes Versammlung des hessischenHauptvererns des Evangelischen Bundes wird dem Vernehmen nach im Juli d. F. in Friedberg ftattfinden. * • Neuer Verein. Dieser Tage hat sich in unserer Vaterstadt ein neuer Gesangverein unter dem Namen „Enthusiasmus" gebildet, deffen Zweck in b,r Uebung „deutscher Volkslieder" besteht. Das Klublokal befindet sich im „Hotel Schütz"; Vereinsabend jeden Samstag. P. Stadttheater. Das Publikum ist eine unberechenbare Größe. Man hätte denken sollen, daß es sich gestern abend in hellen Haufen zu unserem Musentempel hingedrängt hätte. Denn es trat ja ein Gast auf, der als Gießener Kind von vornherein eine gewisse Anziehungskraft ausübt und der sich bereits im Januar in zwei grundverschiedenen Rollen als einen Meister im Fach des Charakterhelden gezeigt: Herr Carl Pepplcr vom Kgl. Hoftheater in Hannover. Trotz dem war das Haus so spärlich wie sonst fast nie besetz, und wenn die zweite Gastrolle nicht besser zieht, so tvirö der Direktion kein geringer Schaden erwachsen. GeMtz wurde das anerkannt bühnenwirksame Trauerspiel „Narziß von Brachvogel; aber es mag sein, daß unser Publikum d» älteren Stücken aus dem Wege geht, um die Neuheit» kennen zu lernen, wie der starke Besuch des „Fuhrman, Henschel" in der vorigen Woche bewies. — Was bit Darstellung selbst anlangt, so bot vor allen Dingen Herr Peppier abermals eine Musterleistung. Jede einzelne Parti? gelang vorzüglich: der Spott über die Encyklopädisten, bu Erzählung seines unglücklichen Schicksals, die Zertrümmerung des Pagoden, die Einübung des Schauspieles und die furcht bare Erregung beim Wiedererkennen der heißgeliebten Fra». Mit staunenswerter Virtuosität fand dieser Narziß ben Uebergang von grimmigster Selbstverspottung zur Begeisterung für eine große Sache, von ruhiger geistiger Klarheit zu» jäh und furchtbar ausbrechenden Wahnsinn. Der Künstln schonte weder sich selbst noch die Zuschauer und erreichte dadurch, daß alle wie gebannt fein stetig wechselndes Geberden« spiel verfolgten und durch die elementaren Ausbrüche bet Leidenschaft tief erschüttert wurden. — Von den hiesigen Kräften gab Frl. Würdig die nicht leichte Rolle der Pompadour recht befriedigend. Auch Frl. Schloß war als Doris Quinault redlich bemüht, ihr Bestes zu leisten. Abe, die bestrickende Liebenswürdigkeit, hohe Begabung und reine Vaterlandsliebe dieser anmutigen Schauspielerin kamen doch nicht voll zur Geltung. Gut war Frl. Schuhmann in der kleineren Rolle der Marquise d' Epinay. Herr Dietzsch sah als Herzog von Choiseul zu jugendlich aus, ließ aber den Ehrgeiz und die gekränkte Eigenliebe dieses Staat« mannes richtig hervortreten. Die kleineren Herrenrollen waren genügend besetzt, doch hätten die einzelnen Hofleule nicht gar zu bewegungslos dazustehen brauchen. Namentlich durften sie an den überraschenden Ereignissen des fünften Aktes doch mehr Anteil nehmen. * * Stadttheater. Zum letzter: Male in dieser Saison wird am Freitag dem 10. d. M. „Im weißen Nößk" aufgeführt, und zwar als Volksvorstellung. Eintrittspreise 40 und 20 Pfg. • • Allgemeine Radfahrer Union, Deutscher TourenKlud. Nach gestern vormittag eingetroffener Mitteilung hat Se. Königliche Hoheit Großherzog Ernst Ludwig das Protektorat über den in den Tagen vom 14.—20. Juli d. I in M a i n z tagenden 14. Kongres der „Allgemeinen Radfahrer Union, Deutscher Touren-Klub", übernommen. Die Bor bereitungen zu dem Kongresse sind in vollem Gange, unt wird die Durchführung eine äußerst glanzvolle werden. Präsidium des Festkomitees besteht aus den Herren Batth, Drescher und Schirmer, die sich mit großem Eifer btt Sache hingeben. Die Zeichnungen zum Garantiefond nehmen nach einer Mitteilung des „Mainzer Anzeigers" einen erfreulichen Fortgang, und haben zurzeit schon eine deträcht liche Höhe erreicht, so daß das Fest auch pekuniär voll ständig gesichert ist. *' Verkehrserleichterung. Das „Zusammenstellbar! Fahrplanheft" (D. R.-G M. Nr. 107548), welches regelmäßig am 1. Mai, 1. Juni, 1. Juli, 1. August 1. Oktober, 1. November und 1. März im Verlage vor Hermann Leutner, Berlin 43, erscheint, ermöglich jedem Reisenden, sich nach seiner Reisetour, resp. Bezirk dir dem europäischen Kontinent und darüber hinaus ein Kurs buch zusammenstellen zu lassen, welches nur seiner eigenen Initiative entspricht, also jedes unnötigen Ballastes Itbu ist. Dasselbe bietet dadurch, daß nur die Fahrpläne bei „Deutschen Reichskursbuches" Verwendung finden, die G< währ unbedingter Richtigkeit. Durch eine Beigabe: „An führung der Sehenswürdigkeiten der bedeutenderen Stöbt auf den betreffenden Fahrplänen" wird das „Zusammer gestellte Fahrplanheft" ein unentbehrlicher Führer für jcbci Reisenden. Dasselbe ist durch Plakate kenntliche Geschäft beziehbar oder direkt vom Verleger franko gegen Einsendurj der Reisetour und 40 Pfg. in Briefmarken. ** Vom Sprachvereine. Als auf des Kaisers Befep anstelle des französischen Wortes Lieutenant das deutscde Leutnant endlich in seine Rechte eingesetzt ward, da ließ siv hier und da die Meinung vernehmen, Leutnant sei nur t« deutsche Aussprache des durch die Landsknechte aus Frarl- reich herüber gebrachten Lieutenant, nicht anders, als weck man für das französische Wort Milieu nach deutscher 8- nun Mileu sagen wolle. Die Sache liegt aber ss, dal man sich die Freude über jene Aenderung nicht schmäle^ zu lassen braucht: mit „Leutnant" haben wir ein urdeutsch« | Wort zurückgewonuen, das schon lange vor landsknechtischki i Zeit als Personenname bei uns gebräuchlich war, wie Förp' manns Altdeutsches Stammbuch erweist. Das Wort trifft man in vielen alten Namen, Leuthold und Leutwew sind noch heute bekannt; auch Luitpold gehört hierher. £eI zweite Bestandteil Nant (oder Nand) mit der BedeuM'S angreiffam, kühn, ist als selbstständiges Wort jetzt erlosch^ Förstemann zählt 30 damit gebildete alte Namen auf, uutö Millj, 8. Mr Aaste! gestern von 1 hat sch um die M GtrafoeuWe aus M Porchern ytc geht au« einem P jii jener Steve bi Selbstmörder in i Aries, ber mit rc tonnten des Lebe gegeben, baß sic seines Mädchens habe er das Lebe des Betreffenden । -in 21 jähriger Sil N1 “ity au§ bi ^ebenen Gründen &**$* WB ton, o», ®91 svL HrivandtM J i. etattW« mM dem latem Mitten „Brodessen XI M rin aus rmiter gebildet, d eine Zierde Genfs Komitee, an befie hat fei ne Thäligk Merhänser.' gesi Mt entworfene 9 in etwa 10 Tagen »erden; eine Ker 31g." bemerkt dazl Hießen oder Fr. -egenten eine so t ücs verdienten Man nerden? Seräe «Ää BSä* 11 '.-i' i Cl>r. M 18( Sänger £.nnb M «itllbg $ie jJ .'Nid) btibM nh* "’l Ä" f«en toe Binder jen vm 1/ . S'e ’l* i fr"1 lei« in bt n? ;äl*td btu - ?**4 L2f*rtÄ X^Wsiii 1“'** lnb k Ä tn'n $* ä'!*i " Hannover. ■ . f””» Hl nie l, 1 besser zieht, so "erwachsen. @t' fWSW.Hatj Dq6 unser Publiknr ■ft um die Neuh !"ch des bewies. - Wg- Dor allen Dingen - 8- Jede einzelne ft ble Encyklopiidistei, als, bk Zertrümmki luspieles und die fm der heißgeliebten nd dieser Narzitz pottung zurBegeiftir. ' geistiger Klarhei! W»fl. Der §W *uer unb ent. l wechselndes Geb» denen sich Ferdinand bislang erhalten hat. Der doppelte Gebrauch deS Wortes Leutenant als Personen« und als Würden Name bietet nichts Auffälliges; die Wörter Hauptmann, Herold (ursprünglich Heerwalt), Herwart u. a. zeigen dasselbe. Was von vornherein die Abkunft des deutschen Leutenant vom französischen Lieutenant unwidersprechlich zu beweisen scheint: die buchstäbliche Uebereinstimmung beider Wörter, ist lediglich ein Spiel des Zufalles, wie es auf sprachlichem Gebiete unzähligemale auftritt. Unsre Wörter: findet, mordet, Mitte, dies, das u. a. sind zugleich auch lateinische Wörter, aber mit völlig andrer Bedeutung; Kai, Ton, als, Stege u. a. giebt es auch im Griechischen; singe, manche, Sache, Main, hier, fort u. a. braucht man nur französisch auszusprechen, so stellen sie sich als echt französische vor; desgleichen stoßen wir im Englischen auf Kind, that, Held, Else u. a. Alle diese Gleichheiten sind ohne iede Verwandtschaft rein zufälliger Art, wie bei Lieu-tenant (b. i. Statthalter) und Leute-nant. Oder wollte man etwa zwischen dem lateinischen „Prodesse", d. i. nützen, und dem deutschen „Brodessen" einen inneren Zusammenhang nachweisen - •* Carl BogtDenkmal in Genf. Es hatte sich seinerzeit in Genf ein aus Universitätsprofessoren zusammengesetztes Komitee gebildet, dem großen Gelehrten Carl Vogt, der eine Zierde Genfs gewesen, ein Denkmal zu errichten. Das Komitee, an dessen Spitze Professor Louis Duparc steht, hat seine Thätigkeit beendigt. Die von dem Bildhauer Niederhäusern geschaffene Büste sowie das vom Bildhauer Iuvet entworfene Postament sind vollendet. Die Büste wird in etwa 10 Tagen an dem ihr zugewiesenen Platz aufgestellt werden; eine Feier wird den Akt begleiten. — Die „Frkf. Zig." bemerkt dazu: Ob nicht auch Ca.l Vogts Vaterstadt Hießen oder Frankfurt, das im Leben des alten Reichs- regenten eine so bedeutsame Rolle gespielt, das Andenken ded verdienten Mannes durch irgend ein Gedenkzeichen ehren werden? ata Mbrich - — Von den jch t WMbtr^ Irl. schloß mar all t Bester- y Hw. ffo ohe Segimytat chauspieleck Um W 1 Frl. Schuhmn )' Epinay. hm tiq ugendlich aus, ließ ; igenliebe dieses Sic. i kleineren hemnrü n die einzelnen hch jen brauchen. Nmr- Ereignissen des sich Male in dieser 5ch „Im wti )t\uUunj. W , Deutscher net Milteilung hat d Ernst Ludwig « vom 14.-20.N jg *m M«, ” glanzvolle werden, t Mi btu mit ' M« W'9‘18 Fest VTO* 43, d LZ. zK Durch ...Anderen der beben J n- wird das o , ■5 d°m «*|utnaH K* fflilit« aber MderE urb^v , crn'^' cJh und -en, ^gehört Dnd) (jnnrt Maiuz, 8. März. Nach der der Polizeiverwaltung in Kastel gestern von einem Augenzeugen erstatteten Anzeige hat sich um die Mittagszeit ein junger Mann von der Straßenbrücke aus in den Rhein gestürzt und ist nicht mehr zum Vorschein gekommen. Daß hier Selbstmord vorliegt, geht aus einem Brief hervor, den der vorerwähnte Zeuge •an jener Stelle der Straßenbrücke, von wo aus sich der Selbstmörder in den Rhein stürzte, gefunden hat. Dieser Brief, der mit roter Tinte geschrieben ist, war an die Bekannten des Lebensmüden gerichtet und es war darin angegeben, daß sich der Briefschreiber wegen der Untreue seines Mädchens das Leben nehmen würde. Im übrigen habe er das Leben reichlich genossen. Ueber die Personalien des» Betreffenden erfährt der „Mainzer Anzeiger", daß es ein 21jähriger Bildhauer von hier ist, der den Selbstmord .roo.fyl nicht aus den, in dem oben erwähnten Brief angegebenen Gründen begangen hat, sondern weil er die Folgen einer vor 14 Tagen verübten schlechten That (er hat seinen Stiefvater um dessen ganze Ersparnisse bestohlen), durch die er sich eine schwere gerichtliche Strafe zugezogen hätte, fürchtete. Aus der Zeit für die Zett. Vor 35 Jahren, am 10. März 1864, starb zu München M a x i m i l i a n II. König von Bayern. Lernbegierig, Freund inb Förderer von Litteratur und Wissenschaft, zog dieser Fürst die ersten Dichter und Gelehrten nach München. In bei» Märztagen 1848 auf den Thron gelangt, schuf er eine liberale Reform gemäß den Wünschen seiner Untertanen, ohne seine konstitutionellen Anschauungen aufzugeben. Geibel verfaßte auf den Tod seines Gönners ein ergreifendes Gedicht, das eine warme, wahre Würdigung von König Max als Monarch und Mensch enthielt. Der König wurde am li 28.. November 1811 in München geboren. Schwurgericht. W. Gießen, den 9. März 1899. Heute vormittags begann vor den Geschworenen die Behandlung gegen die Wäscherin Witwe Luise Katharine Länger von Klein-Karben wegen Ermordung ihrer beiden in ehelich geborenen Kinder. Die Ai klage vertritt: Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich; die Verteidigung wird k»n Rechtsanwalt Mendelsohn geführt. Die Angeklagte i'l um 18. April 1863 geboren; sie war verheiratet mit chr. Sänger und entstammen dieser Ehe vier Kinder. Die Länger giebt zu, im Jahre 1894 ihr damals unehelich geborenes Kind unmittelbar nach der Geburt erstickt zu Lien und dieserhalb vom Schwurgericht Gießen wegen Kindestötung zu 2% Jahr Gefängnis verurteilt zu sein. Dic Sänger wird beschuldigt, ihre am 1. Juni 1898 heimlich geborenen, ebenfalls unehelichen Zwillingskinder am 2. Juni abends vorsätzlich und mit Ueberlegung getötet zu haben. 5)ie Angeklagte erklärt, die von ihr am 1. Juni geborenen Lifan Kinder seien ein Mädchen und ein Knabe gewesen. Da s Mädchen habe gelebt, der Knabe aber nicht. Sie habe m Morgen um i/36 Uhr ihre Wohnung verlassen und die Itocr ohne jede Beaufsichtigung im Bette liegen lassen. Die Angeklagte ist bann tagsüber ihrer Arbeit als Wäscherin iidbgegangen und gesteht zu, daß sie gehofft habe, wenn fe abends nach Hause käme, würde auch das Mädchen Morden fein. Diese Hoffnung war aber trügerisch. Als bk Angeklagte nach 6 Uhr abends in die Wohnung heimkam, lebüe das Mädchen noch. Die Angeklagte gesteht ferner zu, Mb sie das Kind, nachdem sie kochendes Wasser hergestellt, ® Idas heiße Wasser gesteckt habe und zwar mit dem Kopfe Mrst, sodaß das kleine Wesen sofort starb. Auch den MN toten Buben will die Angeklagte in dasselbe Wasser W’ftecft haben. Die Angeklagte hat dann beide Kinderleichen Et« Line* in Äm» ®