nd beehrt “ngen odt ’teilung di ISS. ;du $lexf4,» für die flUafht R Auftrag M lt- Ech m näd: hrMch W rft sihüWm^ unb dringend, i Summe zweck alt be ich mündlich dann komme ich inigungen, H |i ann, JIlm i W. Februar M Ibr avfaWd'. tiü ta turn^alle ytui -MM Dem »dS 8 u»t, aus: i Damen mD ^JßovN, SIMM iJ. aoouooo * MM« 8« 5000, 100W « Prime, «li Bs-1 -Ü-» iW ^5^ Nr 35 Zweites Blatt Freitag den 10 Fevruar 1899 Meßmer Anzeiger tz-eneral-Anzeiger Bri Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. ZSezugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pig. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Alle Anzeigen-Bermittlungsstellen d«S In- und «uSlande« nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Annahme von Anzeigen zu der nachmittag« für den folgenden Tag ertcheinenden Nummer bi« vorm. 10 Uhr. Erscheint täglich eit Ausnahme de« Montag«. Die Gießener Aamilicn b kälte r werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Ainto- und Anzeigeblatt fflt den Kwis Giejzen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schutstraße Dr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klütter für hessische Uatkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Eine sozialdemokratische Sammlung. Der „Vorwärts" veröffentlicht an der Spitze des Blattes in besonderer Schrift einen von der sozialdemokratischen Fraktion des deutschen Reichtages unterzeichneten Aufruf n die Arbeiter Deutschlands, der zu Sammlungen auf- sordert für die Familien der wegen Landfriedensbruch und '^suchten Totschlags verurteilten Arbeiter in Lobtau. Das in dieser Angelegenheit ergangene Urteil ist durch seine Strenge, welche die „Kreuzztg." als „sehr drakonisch" bezeichnet, wohl geeignet, Aufsehen zu erregen. Neun Arbeiter wurden insgesamt zu 53 Jahren Zuchthaus, 8 Jahren Gefängnis und 70 Jahren Ehrverlust verurteilt auf Grund folgender Vorgänge: Bauarbeiter feierten an einem Nachmittag ein Richtfest, bei dem ein Teil — die jetzt Verurteilten — bis 8 Uhr abends zusammenblieb. Da hörten sic, daß auf einem benachbarten Neubau noch weiter gearbeitet werde, obgleich nach gewissen Abmachungen schon um 6 Uhr Feierabend hätte sein sollen. Die Arbeiter begaben sich auf den Bau, zu dem sie unter dem Vorwand, Arbeit zu suchen, Eintritt erhielten, und suchten die dortigen Arbeiter zum Einstellen der Arbeit zu bewegen. Darüber faüit es zu Streitereien, die dadurch noch heftiger wurden, als der herbeieilende Bauleiter Klemm die Arbeiter, wie es scheint, in sehr scharfen Worten, zum Verlassen der Bau- Mte aufforderte. Dieser Aufforderung kamen die Arbeiter nicht nach, es scheint vielmehr, daß sie nun auch den Klemm bedrohten, sodaß dieser zwei Revolverschüsse in einen Sand- haufen abfeuerte zur Warnung. Die Arbeiter stürzten sich nun auf Klemm, den sie unter dem Ruf; „Schlagt den Hllind tot!" niederwarfen, mit Füßen traten und mit Flaschen uni) Holzstücken grausam mißhandelten. Dies ist der That- bestand, wie er vom „Vorwärts" selbst zugegeben wird. D« bei der Verhandlung die Oeffentlichkeit ausgeschlossen wa.r, kann man sich ein ganz klares Bild von den Vorgängen nicht machen, jedenfalls aber sprachen auf Grund dieses allgemeinen Thatbestandes die Geschworenen die Angeklagten ohne Zubilligung mildernder Umstände des Landfriedens- brnichs schuldig, und die Richter fällten das oben angegebene Urteil. Zunächst müssen wir hier unser Bedauern aus- sprechen, daß die Verhandlung nicht in aller Oeffentlichkeit stattgefunden hat, denn es wird dadurch der Oeffentlichkeit unmöglich gemacht, sich über den wirklichen Her- Feuilleton. Hroße Mimen — kkeine Schwächen. Von Georg Asmodi. (Nachdruck verboten.) Zu den am häusigsten in der Koulissenwelt sich uns' präsentierenden Charakterschwächen gehört u. a. der Aberglaube. Gewisse Vorstellungen, die in dieses Ressort fallen, haken sich bei den Mimen wohl schon von altersher fort- gcerbt. So ist es uralter Brauch unter den Histriouen, laß sie — ganz Art und Sitte der Römer — dreimal msspucken, wenn sie einen unangenehmen Eindruck verbinden oder auch ein scheinbar an sie herantretendes Unheil von sich abwenden möchten. Sieht der Schauspieler in Schweden einen Blitz, so hofft er auf einen Kontrakt mit nhöhter Gage, reckt die Hand zum Himmel auf, als wolle » das rote Zickzack ergreifen, und murmelt: „Schlag ein, du goldner Gesell"; in Ungarn gilt es für ein böses Omen mler den Menschendarstellern, wenn sich ein Mäu-slein in btii Ankleidezimmern blicken läßt; der deutsche Akteur fürchtet slcts, daß er in einem eben angetretenen Engagement nicht lange verbleiben werde, wenn ihm auf der Hinreise zu dem- sclben der Spiegel in seinem Schmuckkasten zerbrächt; die sramzösische Schauspielerin wird oft krank vor Schrock, wenn Mer den ihr auf die Bühne gesendeten Blumen sich eine hiße vorfindet. Doch prüfen wir lieber die bestimmten Persönlichkeiten, m an ihnen darzuthun, wie klein oft die Großen int Musen- tenrpel sind. So erzählt die Fama: daß Talyüa niemals ju lbewegen war, am 13. Tage eines Monats .aufzutreten, foß Garrick nie ins Theater ging, ohne fitft vorher die Satten gelegt zu haben, und daß Theodor Döring auf «au Wege zur Probe stets eine andere Straße wählte, wenn Mi auf der schon betretenen ein altes Weib ^entgegenkam. NZen das genus femininum in vorgerücktem Alter hatte dies.'ir berühmter Charakteristiker eine solche Antipathie, daß z. B. ältliche Souffleusen jugendlich schminken lassen gang ein erschöpfendes Urteil zu bilden. Geschworene wie Richter werden ihre Gründe gehabt haben, mit solcher Strenge vorzugehen, vielleicht weil die Arbeiter eine ganz besondere Rohheit gezeigt haben; aber umfassende Beweise dafür beizubringen wird leider durch die Ausschließung der Oeffentlichkeit unmöglich gemacht. Es ist das um so beklagenswerter, als die Angelegenheit von den Sozialdemokraten zu einer großen Agitation benutzt werden soll, der man nun nicht rein sachlich und mit überzeugenden Gründen entgegentreten kann. Eines wird man freilich schon jetzt behaupten können, daß nämlich die so schwer verurteilten Arbeiter sich in erster Linie für ihr Schicksal bei den Sozialdemokraten zu bedanken haben, die niemals ein ernstlich tadelndes Wort gegen diejenigen Arbeiter haben, die arbeitswillige Genossen unter Androhung von Gewalt und sogar unter Mißhandlungen von der Arbeit abzuhalten suchen. Im Gegenteil sind solche Erpressungen stets als Helden- thaten gefeiert worden, und wenn dann Verurteilungen folgten, so wurden diese in die Märtyrerlisten eingetragen, die der Vorwärts zu veröffentlichen pflegt. Daß auf diese Weise die Arbeiter gradezu zu Gesetzesüberschreitungen aufgereizt werden, liegt auf der Hand, und dieses System wird auch jetzt von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion befolgt, indem sie in ihrem Aufrufe nur die Härte des Urteils hervorhebt, die Verschuldung der Arbeiter hingegen als ganz harmlos und unbedeutend hinzustellen versucht. Wie gesagt, wir können uns kein klares Bild davon machen, ob in Dresden ein übertrieben hartes Urteil gefällt worden ist, wohl aber halten wir es für durchaus berechtigt, daß mit durchgreifenden Mitteln denjenigen Arbeitern ventgegen- zutreten ist, die ihre arbeitswilligen Kameraden daran hindern wollen, ihr Brot zu verdienen, so wie sie es sich verdienen wollen. Mit dem Grade der hierbei begangenen Ausschreitungen muß dann auch das Urteil im richtigen Verhältnisse stehen, und wenn die Unterdrückung solcher Ausschreitungen hart ausfällt, so haben es sich die Arbeiter nur selbst zuzuschreiben und der Sozialdemokratie, die sie in solche Tendenzen hineingehetzt hat. Den Gerichten möchten wir bei diesem Anlaß nahe legen, nicht zu gering zu denken von der Bedeutung der Oeffentlichkeit. Wir können uns nicht denken, daß eine öffentliche Verhandlung in Dresden zu einer Störung der öffentlichen Ruhe geführt mußten, bevor sie sich in den bewußten Kasten setzen durften, wenn er irgendwo als Gast auftrat. — Von Joseph Wagner, der weiland bekanntlich ein Abgott der Wiener Theaterhabitues war, wird erzählt, daß er (gleich Wallenstein) den Hahn nicht konnte krähen hören, und daß er infolgedessen das erste nnd einzigste Mal in seinem Leben „stecken" blieb, wie er, noch als Anfänger, einmal auf einer Wanderbühne, deren Thespiskarren mitten im Dorfe stand, den Theodor Körner spielte. Abergläubisch wie ein Lappländer war Hermann Hendrichs, der jedesmal noch eine Stunde im Bette aufs neue verblieb, wenn er zufällig mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden war. Ludwig Devrient trug jahrein, jahraus Kastanien bei sich, weil er. fest überzeugt war, dadurch gegen Rheumatismus gefeit zu sein. Hermine Blard, die unlängst in München ihre so überaus erfolgreiche Theaterlaufbahn abgeschlossen hat, schlug stets das Kreuz, bevor sie die Bühne betrat, eine Sitte, die von vielen ihrer Kolleginnen, zumal in Süddeutschland, geteilt werden soll. Adele Ri st ort, die große italienische Tragödin, suchte es gern zu vermeiden, an einem Tage die Bühne zu betreten, in dessen Datum sich die Ziffer 7 befand; Henriette Sontag nahm am liebsten (auch auf der Reise, und dann zum Schrecken aller Hotelbediensteten), nach Mitternacht ihr Souper ein; Elisa Rachel hatte eine kindische Furcht davor, überfahren zu werden, ja selbst im Wagen hielt sie sich nicht sicher, und fuhr darum niemals allein. Bekannt ist durch manche Anekdote, daß viele bedeutende Schauspieler auch am Tage und daheim ganz in dem Charakter der Rolle sprachen, auftraten und sich fühlten, die sie am abend auf der Bühne darstellen sollten. Von Otto Lehfeld und Wilhelm Kläger erzählt die Fama der Koulissenwelt die wunderlichsten Geschichten, welche deren Familienangehörigen und Hausgenossen erlebten, zumal, wenn diese Künstler „Götter oder Heroen" in sich aufleben fühlten! Im Interesse ihrer Kunst, oder richtiger, der ihnen für diese zu Gebote stehenden Ausdrucksmittel, unterwarfen sich Sänger und Schauspieler oftmals der seltsamsten Askese. haben würde, noch weniger aber, daß, wenn sie doch eingetreten wäre, sie nicht mit leichter Mühe zu unterdrücken gewesen wäre. Der hieraus entspringende Uebelstand wäre nicht so groß gewesen wie der jetzt entstandene, der es den Sozialdemokraten gestattet, mit einem Urteil Agitation zu treiben, ohne daß die Ordnungspresse ihnen wirksam ent- gegentreten kann. — So urteilt nicht mit Unrecht die Köln. Ztg. Lokales und Provinzielles. Gießen, den 9. Februar 1899. ** Allgemeiner Bericht über die städtische Verwaltung im Jahr 1897/98. (Fortsetzung) Die auf Errichtung einer öffentlichen Lesehalle zielenden Bestrebungen haben sowohl in der Bürgerschaft, wie seitens der städtischen Vertretung Anerkennung und Unterstützung gefunden. — Was die städtische Armenpflege betrifft, so betrug der Zuschuß der Stadt zur Armenkasse 45 024.10 Mk. — In der Armenliste standen behufs freier ärztlicher Behandlung 303 Personen. Davon wurden 126 Personen in den Kliniken mit zus. 4512 Tagen verpflegt. In der offenen Armenpflege wurden verausgabt: Mietunterstützungen 12 981.03 Mk., Bargeldunterstützungen 8030.24 Mk., Brodunterstützungen 2852.41 Mk., Kohlenunterstützungen 1736 Mk., Milchunterstützungen 1988.80 Mk., Mittagessen 470.19 Mk., Kleider und Schuhe 641.91 Mk., ärztliche Behandlung und Medikamente, sowie freie Klinikspflege aller als stadtarm bezeichneten Personen 10000 Mk., Brillen und künstliche Gliedmaßen 96.75 Mk., Geburtshilfe durch Hebammen 264.20 Mk., Beerdigungskosten 668.97 Mk., Pflegegeld für erwachsene Personen 1655.73 Mk., für Kinder 7807.51 Mk. Auf diese Unterstützungen wurden 8360.18 Mk. wieder ersetzt, sodaß die Armenkasse die Stadt belastet mit 40 438.57 Mk. — Die Zahl der auswärts erkrankten, in Gießen unterstützungswohnsitzberechtigten Personen betrug 6, für welche 95.60 Mk. aufgewendet wurden. — Im städtischen Hospital und im Siechenhause waren durchschnittlich pro Tag 27 Personen untergebracht. — In Erziehungs-, Bewahr-, Heil- und Siechenanstalten befanden sich 11 Personen — die Geisteskranken werden auf Kosten der Kreiskasse verpflegt. — In Zwangserziehung befinden sich 23 Knaben und 18 Mädchen, und zwar wegen Verwahrlosung 24, wegen Schlechtigkeit So hatte Emil Devrient eine wahre Todesangst vor Mandeln, weil er fürchtete, deren Genuß könne den Klangreiz seiner Stimme beeinträchtigen; Bogumil Da- wison schlief nie bei unverschlossener Thüre, da er dem Einbruch von Dieben vorbeugen zu müssen glaubte, und der französische Tenor Roger soll sogar viele Jahre stets ein geladenes Pistol bei sich getragen haben, da er immer in der Angst lebte, einer seiner Stimmrivalen hätte einen Meuchelmörder auf ihn gedungen. — Eine kleine Schwäche besteht ferner bei vielen Bühnenkünstlern darin, daß sie es für eine philiströse Kleinlichkeit erachten, ihr Soll und Haben in der Weise zu regeln, wie es das Gleichgewicht in der bürgerlichen Gesellschaft doch nun einmal für notwendig erachtet. Leider hat es früher unter Deutschlands Dichtern nicht an Leuten gefehlt (z. B. Schlegel), die es für ein berechtigtes Vorrecht des Bühnengenics erkannten, Schulden zu machen. Daß auch nach dieser Richtung hin der moderne Realismus sehr Ersprießliches und Erfreuliches gewirkt hat, muß rückhaltlos anerkannt werden; das Bühnenvölkchen von heutzutage sieht die Dinge, wie sie in Wirklichkeit sind, folglich auch Ziffern, Zahlen und Werte! Gar wunderlich war die Schwäche der berühmten Wiener „Lokalsängerin" Gall- meyer, die alle ihre persönlichen Gegner und Feinde in effigie an einem kleinen goldenen Galgen aufhing, der auf ihrem Schreibtisch stand, und die bei sothanen Exekutionen des festen Glaubens war: es werde nun ein wenigstens ähnliches Strafgericht ihre Widersacher selber treffen! Knrios erscheint — um es gelinde zn bezeichnen — die Schwäche, die bei französischen Bühnengenies besonders viel verbreitet ist, schon bei Lebzeiten nicht blos eine Denkmalsinschrift zu ersinnen, sondern auch sich auf ein „letztes Wort" zu präparieren, d. h. auf das Wort, mit dem sie einst mit dem letzten Atemzug sich der geehrten Nachwelt in möglichst geistreicher Weise empfehlen. Sehr stark ist bei den Jüngern Thaliens und Mel- pomenes auch die Vorliebe für Geheimbündelei: in Italien gehörte nachweislich ein nicht geringer Prozentsatz von Schauspielern zu den politischen Zirkeln, denen die Geheimpolizei nachzuspüren gar häufig Anlaß hatte. „Weiß nicht, obs der Eltern 17 Kinder. — In der sogen, streitigen Armenpflege mußten 341 Personen unterstützt werden. In den Kliniken wurden verpflegt 252 Personen mit 10 204 Tagen, in der Herberge zur Heimat 8 Personen mit 18 Tagen. — In der mit dem Hospitale verbundenen Plock'scheu Stiftung waren 12 Pfründner untergebracht. — Die städtischen Stiftungen haben eine ansehnliche Vermehrung erfahren. — Die bisherige wertvolle Unterstützung in der Armen- und Krankenpflege hat die städtische Verwaltung auch in diesem Jahre wieder seitens der Wohlthätigkeitsvereine erfahren. Der Allgemeine Verein für Armen- und Krankenpflege hat 198 arme Personen in 733 Fällen mit zusammen 4723.95 Mk. unterstützt; in der Krankenpflege des Vereins waren sieben evangelische Schwestern thätig, die in 734 Familien zusammen 694 Nachtwachen, 191 ganze Tagespflegen und 17 312 Pflegebesuche leisteten. Mit einem Zuschuß von 300 Mk. aus der Armenkasse wurde 24 Kindern eine Sommer- und 9 Kindern eine Winterkur in Bad-Nauheim gewährt. Die Krippe hat im Laufe des Jahres 40 Kinder mit zusammen 3 957 Pflegetagen ausgenommen. Das Mietspatronat des Vereins ist in fünf eigenen und drei von der Stadt gemieteten Häusern weiter ausgedehnt und gefördert worden. — Der Verein für Krankenpflege hat im Jahre 1897 neun katholische Schwestern beschäftigt und aus seinen Mitteln für deren Unterhalt, Miete re. gesorgt; der Jahresaufwand des Vereins betrug 4 143.50 Mk. — Die Ortskrankenkasse hat im Jahre 1897 durchschnittlich 2 880 männliche und 409 weibliche Mitglieder gezählt mit 19893 Krankheitstagen. Die Einnahme belief sich auf 66101.66 Mk.; die Ausgabe aus 61 042.79 Mk., das Kapitalvermögen auf 58 296.72 Mk. — Die Rechnung der Gemeinde-Krankenversicherung wies auf an Einnahmen 280.70 Mk., an Ausgabe 209.02 Mk. — Die Zahl derjenigen bei der Alters- und Invalid i- tätsversicherung versicherten Personen, für welche die Bürgermeisterei die Geschäfte besorgt, d. h. derjenigen, welche weder einer Betriebskrankenkasse noch der Ortskrankenkasse angehören, betrug 2 297 bei 1 244 Arbeitgebern; an Marken wurde verwendet der Betrag von 19 281.88 Mk. — Im Genüsse der Altersrente waren 24 Versicherte, Invalidenrente beziehen 16 männliche und 14 weibliche Personen. Anträge auf Rückzahlung von Beiträgen, die nach zurückgelegter fünfjähriger Wartezeit gestellt werden konnten, sind ausgenommen worden von 51 weiblichen Personen, die sich verheirateten und 6 Witwen, deren Ehemänner versichert waren. (Fortsetzung folgt.) *T Die Großherzogliche Handelskammer Darmstadt und das Bankgesetz. Die Großh. Handelskammer hat bereits am 26. Januar die kurz vorher von ihr beschlossene Eingabe, betreffend Abänderung des Bankgesetzes, an den Reichstag abgehen lassen. Die Handelskammer wendet sich in derselben energisch gegen die im Gesetzentwurf Artikel 5 vorgeschlagene Bestimmung, welche den Privatnotenbanken vorschreiben will, künftig nur zum Satze der Reichsbank zu diskontieren, eine Bestimmung, welche geeignet sei, das Recht der Notenausgabe der Privatnotenbanken illusorisch zu machen, ja dieselben in einer nicht fernen Zeit zu vernichten. Sie führt aus, daß die Mehrzahl der noch bestehenden sechs Notenbanken bereits sei Jahrzehnten zum Nutzgen aller produktiven Stände gewirkt habe (die hiesige Bank für Süddeutschland besteht schon seit 1856) und daß es unwirtschaftlich und unrichtig sei, ein so nützliches Instrument, wie die Privatnotenbanken es bisher waren, unnötigerweise zu zerbrechen, dies obendrein zu einer Zeit, in der allgemein über die Teuerung des Geldstandes geklagt wird. Die Handelskammer zergliedert die Begründung, anders worden, in dieser neuen Zeit." Psychologisch wäre — abgesehen von der politischen Tendenz — eine solche Zuneigung bei den Menschendarstellern wohl zu erklären; das Absonderliche, Aparte und Geheimnisvolle muß selbstredend den stärksten Eindruck auf Menschen machen, die in ihrem Beruf ja fast immer außerhalb der Front der gewöhnlichen Sterblichen stehen und deren Phantasie sich nur zu leicht überreizen lassen konnte von den oft recht bizarren Bühnenbildern, in deren Rahmen sich zumal die Großmeister dieser Kunst weit mehr heimisch fühlen müssen, wie in dem Nahmen der Alltäglichkeit, den ihre Häuslichkeit ihnen darbietet. Die daraus entspringenden Schwächen oder — Eigentümlichkeiten sind wohl selten bei einem deutschen Schauspieler in so seltsamer und abnormer Weise hervorgetreten wie bei Ludwig Devrient. In Holteis „Vagabonden" werden davon die merkwürdigsten Belege der Nachwelt überliefert. — Gar wundersam ist es, daß zumeist die Großwürdenträger des Humors auf der Bühne selbst melancholisch waren. Die Anekdote soll beglaubigt sein, nach welcher einer der berühmtesten Hanswurst-Darsteller einst einen Wiener Arzt um ein Mittel gegen seine täglich zunehmende Gemütsverstimmung bat und auf dessen Rat: sich doch so oft wie möglich an dem erheiternden Spiel des Harlequins X zu ergötzen, die traurige Antwort gab: „Dieser X bin ich ja leider selber." Doch hier kommt unsere Plauderei bereits in das pathologische Gebiet, und dieses will sie meiden! Im großen und ganzen sind die Jünger der Kunst, welche ihnen ewige Jugend verleihen soll, dem heiteren Lebensgenuß in jeder Hinsicht bekanntlich gar zu sehr zugethan, und wollte man von all' ihren kleinen Schwächen reden, bezüglich des Sektglases und des Würfelbechers, bezüglich ihres Minnedienstes und der Nachfolge des Lukullus, so könnte man Bände damit füllen. In der That, sie verstehen es, „mit der Gegenwart zu geizen", und die Entschuldigung, „daß dem Mimen die Nachwelt keine Kränze flicht", ist im Volk der Dichter und Denker doch längst eine hinfällige geworden! Der Kultus des Todes hat die Bühnenkünstler stets in besondere Berücksichtigung gezogen; unsere Friedhöfe zeugen davon! welche in Bezug auf die Geschäftsführung der Notenbanken dem vom Bundesrat genehmigten Gesetzentwurf beigegeben ist, und stellt fest, daß diese Begründung in den wichtigsten Teilen nicht zutrifft. Sie weist insbesondere schlagend nach, daß die Privatnotenbanken weder die Diskontpolitik der Reichsbank durchkreuzen, noch in Zeiten der Gefahr des Goldabzugs die Goldausfuhr fördern können, zumal die Wechselbestände der Notenbanken mit ca. 200 Millionen Mark höchstens 8'/- Prozent der im Besitze der Reichsbank und der Privatdiskonteure befindlichen Wechselbeträge darstellten, welche auf mindestens 2i/a Milliarden zu schätzen seien. Die Privatnotenbanken könnten überhaupt nur den regelmäßigen Kreis ihrer Kundschaft pflegen, weil sie unter sehr schwierigen Verhältnissen arbeiten müßten. Denn ihre Noten könnten nicht — wie diejenigen der Reichsbank — unbehindert überall zirkulieren, sie würden nicht, wie jene, von allen öffentlichen und privaten Kassen in Zahlung genommen, blieben also nicht zum größten Teile beständig im Umlauf, bezw. ihrem naturgemäßen Rückfluß überlassen, sondern es würden vielmehr die Privatbanknoten auf Grund des Bankgesetzes stets bei den Reichsbankstellen rc. aufgesaugt und an die Ausgabestelle sofort zurückgeschoben. Der deutsche Handelsstand fängt an, sich darüber klar zu werden, wie nachteilig für ihn — wie für alle produktiven Stände — es sein würde, wenn die Privatnotenbanken verschwinden müßte», und er fängt an, sich zu regen und sich zur Abwehr gegen den geplanten, ihn vollständig überraschenden Schlag zu rüsten. Gleich den hessischen, haben bereits sämtliche badischen und württembergischen und ein Teil der sächsischewHandels- kammern energisch gegen die Aufrechterhaltung des Artikels 5 des Entwurfs der Bankgesetznovelle protestiert, und je mehr es zum allgemeinen Bewußtsein kommt, daß es ein Unding ist, wegen zeitweiser — oft nur durch Zufälligkeiten hcrvor- gerufener — Beengung der Situation der Deutschen Reichsbank dem ganzen deutschen Handels-, Gewerbe-, Ackerbauerund Handwerkerstand ohne dringende Notwendigkeit durch schematische Heraufsetzung des Zinses bei allen Notenbanken in Mitleidenschaft zu ziehen, umsomehr wird der Widerstand gegen die projektierte engherzige Beschränkung der Diskont- frciheit dieser Banken erstarken. Wir zweifeln nicht, daß der Reichstag den an ihn ergangenen zahlreichen Vorstellungen volle Würdigung angedeihen läßt, und steht sonach zu hoffen, daß es denjenigen Teil des neuen Gesetzesvorschlags ablehnt, welcher darauf hinzielt, die in Süddeutschland und Sachsen noch bestehenden sechs Privatnotenbanken allmählich zu beseitigen. — Dem Vernehmen nach hat sich auch die Gießener Handelskammer zugunsten der Erhaltung der Privatnotenbanken erklärt. 4- Reiskirchen, 7. Februar. Ein großer Leichenzug, wie man ihn hier selten zu Gesicht bekommt, bewegte sich heute von der Gundrumschen Gastwirtschaft nach dem Friedhöfe, um den bisherigen Besitzer dieses weithin wohlbekannten Gasthauses undPosiagenten, Herrn FerdinandGundrum zur letzten Ruhe zu geleiten. In hohem Grade erfreute sich der Verblichene der Beliebtheit und Achtung seiner Mitbürger, denen er stets mit gutem Rat und rascher That hilfreich zur Seite stand. Als beredtes Zeugnis hierfür legten zahlreiche Ortseinwohner, der Kriegerverein, sowie viele Leidtragende aus Nah und Fern, neben Freunden und Verwandten reiche Kranzspenden außdas Grab. Seinen Gästen war der Heimgegangene immer ein überaus freundlicher und zuvorkommender Wirt. Verdankt doch hauptsächlich seiner steten Aufmerksamkeit und reellen, noblen Bedienung das Haus seinen guten Ruf. Als Postagent besorgte er pünktlich und gewissenhaft seine Verpflichtungen. '.Bei all der Verehrung, die er genoß, blieb sein Sinn immer einfach und schlicht. Ihm zur Ueberuahme angebotene Ehrenämter überließ er gern andern, um dadurch allenfallsigen Unannehmlichkeiten mit seinen Nebenmenschen aus dem Wege zu gehen. Die meisten Leidtragenden verließen den Kirchhof mit dem Gedanken: „Ach, wir haben einen guten Mann begraben, uns aber war er mehr!" Huugeu, 9. Februar. Gestern, am 8. Februar beging Herr Dekan Hainer das Fest seiner 25jährigem Thätigkeit als Seelsorger. Herr Dekan Hainer ist am'' 4. Juli 1850 zu Breidenbach geboren. Nach Absolvierung seiner Studien erhielt er am 8. Februar 1874 eine Vikarstelle in Hahn und Pfungstadt, vom 12. Februar bis 6. Mai 1875 stand er als Verwalter der ersten Pfarrei in Michelstadt und war bann vom 1. August 1876 ab Pfarrer zu Ober-Breidenbach. Im November des Jahres 1884 kam Herr Dekan Hainer als Pfarrer nach Hungen, wo er im Juni 1890 zum Dekan ernannt wurde. Segensreich war seither das Wirken des Herrn Dekan Hainer in der Gemeinde sowohl wie im Dekanat. Viele sind es auch, die sich seiner persönlichen, leiblichen wie geistigen Fürsorge erfreuen durften. Lange noch sei der Gemeinde und Herrn Dekan Hainer das Glück beschieden, in Hungen zu wirken, Gott gebe Gesundheit und Kraft. Dies sei der Wunsch zum 25 jährigen Amtsjubiläum. S. Darmstadt, 7. Februar. Im Hauptverein des Mittelrheinischen Architekten- und Jngenieure-Vereins sprach gestern der städtische Beigeordnete, Herr Baumeister Jäger unter Vorlage zahlreicher Pläne über ein technisch recht interessantes und wirtschaftlich für unsere Altstadt sehr wichtiges Projekt, dessen Ausführung unmittelbar bevorsteht: die Anlage eines Notkanals von der Holzstraße in der Altstadt am Schloßgraben her über den Theaterplatz und durch den Herrengarten zur Landwehrstraße. Am 28. April und 9.Juni 1898 waren erhebliche, mit vielfachen Schädigungen Privater verbundene Ueberschwemmungen in dem Teile der Altstadt, wo der Notkanal ausgeht, eingetreten, die zu heftigen Angriffen gegen die Stadtverwaltung führten. Redner widerlegte die Anschauung, daß man Kanäle so groß, daß sie die denkbar abnorm stärksten Wassermassen aufnehmen, bauen könne; dies scheitere an dem Kostenpunkt, der großen Gefahr der Verschlammung solcher Kanalquerschnitte und der Schwierigkeit ihrer Reinigung. Daß die Schäden voriges Jahr so groß waren, habe zum Teil auch darar gelegen, daß Rückstauvorrichtungen in den Kellern vielfach fehlten, und auch Kellereingänge und Kellerfenster zu ebene: Erde nicht genügend mit erhöhten Einfassungen und der gleichen geschützt waren. Das neue Projekt besteht, von bet Altstadt aus genommen, zunächst in einer Erweiterung des bestehenden Kanals auf eine gewisse Strecke, Anlage eines Ergänzungskanals neben dem bestehenden und Erbauung eines neuen Kanals. Die Baukosten sind zu 70000 Mk. veranschlagt. Hoffentlich wird die Neuanlage fertig, ehe wieder Ueberschwemmungskalamitäten eintreten. nn. Darmstadt, 8. Februar. Nachdem durch den Ver bandsrevisor und Rechnungsrat Jh ri g-Offenbach die Ge schäftsbücher der Langen er Kreditkasse revidiert worden sind und diese Revision jetzt beendet ist, hat derselbe ein Defizit von 190000 Mk. festgestellt. Es konnte daher nicht mehr zweifelhaft sein, daß von feiten der Untersuchung-, behörde auch gegen den Rechner der Kasse, der sich seither auf freiem Fuß befand, eingeschritten werden würde. Dies ist nunmehr geschehen indem der frühere Volksschullchrn Keller von Langen am Ende der vorigen Woche verhaftet und in das hiesige Untersuchungsgefängnis abgeführt worden ist. Wie man hört, soll Keller mit der Rapp'schen Wechsü- fälschungsgeschichte in Verbindung stehen und soll dem Ratz Vorschub geleistet haben. Bedauerlich ist es nur, daß durch das statutenwidrige Verfahren des Vorstandes, welcher den Rechner schalten und walten ließ, eine große Anzahl kleiner Leute um ihr Geld kommen, da zur Deckung des Defizits wenig oder nichts vorhanden ist. X. Darmstadt, 8. Februar. Selten wird es chrinen Mann geben, dessen Ausscheiden aus dem Am^eir so weiten Kreisen der Stadt und des Landes bedauert fltoirb, wie Oberkonsistorialpräsident vr. Gold mann. In seimig Über ein halbes Jahrhundert bethätigten arbeitsvollen, re/ förmlichen K örperteilen bestehend, wurde dem Amtsvorsteha in Friedrichsruh überliefert. Der Verunglückte ist 25jährige unverheiratete Maler Albert Heins, wohnhon Stresowstraße in Hamburg. I ßUl ,u Die i • Der G' D. siew-Iorlerv 1000000 Do • Bon b qiebt es in Stabtrot Diese Zerleik rufen, ja es neuen W' *1 M F®£ M la Sännen: >• * tziüt tz ..T.A.-.T Mr in Metz > Men aflnn notig Meu, daß aulchafsen. deutschen ycschichtli Abbes De' M bes B I(ibtr nicht 30. Januar. bk nufyntii Ar dieses scht Milt, das * Hm Wnben T wwfyn y hünblers. Anzig F heute oben' später ton Tanagras Sie sie ni biete Ihne Ich wohm erste Herr er eud/ich < ii/ riidgäity nach 700% n Morgen nicht htt.: Dir Sieibtij'äl Nm mit je bil M 2Q,1 Nl- 2, Djnj! 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Rocke feiler, hat am letzten Donnerstag auf der New-Yorker Foudsbörsx infolge plötzlichen Fallens der Aktien lOOOOOO Doll, in sechs Minuten verloren. • Vou der Wiege bis zum Grabe. Seit 1. Februar qiebt es in Wien einen weiblichen Totengräber. Der Stadtrat hat nämlich die Totengräberstelle am Grinzinger Friedhöfe der Witwe des bisherigen Totengräbers verliehen. Diese Verleihung ist geeignet, ernste Gedanken hervorzu- rufen, ja es liegt ein Stück Lebensphilosophie in dieser neuen Errungenschaft des weiblichen Geschlechtes. Erst jetzt ist sozusagen der Kreis geschlossen; erst jetzt kann man eigentlich sagen, was uns die Frauen alles sein können. Sie bringen uns zur Welt, sie heiraten uns und jetzt — begraben sie uns. Wie lange noch und ein neuer Goethe wird schreiben können: „Das ewig Weibliche zieht uns hinab! » Eiue gute Abfuhr. Aus Danzig schreibt man der „T. R.": Die Verlagsbuchhandlung von Hermann Coste- nohle in Jena hat an den Verleger des hiesigen polnischen Blattes „Gazeta Gdanska" folgendes Schreiben gerichtet: Auf Ihren Brief vom 29. v. M. erwidere ich, daß es vor allem nötig ist, wenn Sie mit mir geschäftlich verkehren wollen, daß Sie sich Briefbogen mit deutschen Briefköpfen mifchaffen. Zuschriften, an deren Kopf der Name der deutschen Stadt Danzig in der Sprache eines geschichtlich toten Volkes niedergeschrieben ist, innerhalb des Deutschen Reiches zu verschicken, halte ich für eine Art des Benehmens, für die mir ein höflicher Ausdruck leider nicht zu Gebote steht." * Ein schönes Honorar. Man schreibt aus London, ■ 30. Januar: Mr. John Morley, der es übernommen hat, die authentische Biographie Gladstones zu schreiben, hat für dieses schwierige, aber ehrenvolle Werk, wie die Akademy mitteilt, das schöne Honorar von 200 000 Mk. erhalten. * Einen klassischen Streich nennt ein Pariser Blatt folgenden Diebskniff, den es erzählt: Ein Herr, sehr vornehm gekleidet, tritt in den Laden eines Kuriositäten- ' Händlers. „Wieviel kostet diese Tanagra-Statuette?'" — „Iünzig Franken." — „Bewahren Sie mir das Ding bis djeiite abend. Ich werde es dann abholen."" — Eine Stunde spater kommt ein anderer Herr. „Wieviel kostet diese Tanagra-Statuette?" — „Sie ist verkauft."" — „Können Sie sie nicht wiederbekommen. Versuchen Sie es . . . Ich biete Ihnen 1000 Franken. Hier ist meine Karte: Graf B. Ich wohne Avenue d'Eylau . . ."" Am Abend kommt der erste Herr wieder. Nach vielem Hin- und Herreden nimmt -er endlich 300 Franken als Entschädigung, und der Kauf ist rückgängig gemacht. Der Kaufmann ist froh. Immer noch 700 Franken Profit! denkt er. Wer aber am anderen Morgen nicht zu finden war, das war der freigebige Käufer. Meratur, Wissenschaft und Kunst. — In sehr dankenswerter Weise öffnet der .Gießener Anzeiger" seine Spalten seit Jahren auch für die Hinweise auf litterartsche Leistungen hervorragender, strebsamer und verdienter hessischer Theologen. Zu ihnen gehört, wie alle Kundigen längst wtffen, in erster Linie der hochverehrte frühere Friedberger Seminardtrektor D. iheol. Gustav Dtegel, ein Kirchenvater neuester Zett, wie ihn Adolf Harnack s. Z nannte. Seine neueste Schrift: ^Beiträge zu einer Homiletik auS Volks- und Gemeinde Mund, alte Wahrheiten in neuen Formen" (Berlin 1899 ; 60 Pfg., 50 Seiten) bietet in 112 Urteilen und Aussprüchen, zumteil in obervesstscber Mundart Kundgebungen des Volkes über Prediger und Predigt, die jeder Freund des Volks mit großem Jntereffe lesen whb; fie find zumeist schlagend und kernig und habm doch wieder schonende Form; z. B. von einem jungen Pfarrer: der hoat aach noch net aussturtert; oder: ich schätz, er hotS in sich, kanns aber ntt berauSbringe; oder: daS ist e rechte- Krischer; wann de ganze willst, so gauz' alle'n (allein, künftig) u. s. w. Wir selber haben s. Z. ein bäuerliches Urteil über einen Pfarrer (früher im Ausland) mit großem Bart und guter Stimme gehört, das originell fo lautete: Boart Hot he, Stimm aach, aber die Jndriltenz (Disposition) fehlt. Dtegels Schrift wird viele erfreuen. — Die soeben erschienene Lieferung 22 de8 kulturgeschichtlichen Werkes: ,DaS ueuuzehnie Jahrhundert in Bildnissen"' enthält zunächst vier Porträts bedeutender Männer, welche jeder in seiner Art für die geistige und soziale Stellung ihrer Völker von epochemachender Bedeutung waren. An der Spitze der bedeutendsten Vertreter des ErziehungSprozeffeS und der Erziehungsarbeit, welche die Deutschen zwischen 1815 und 1850 auS ihrem litterarischen Zeitalter in ihr politisches hinüberführten, einen der vornehmsten Träger der sich durchringenden neuen geistig-politischen Bildung, einen der wirksamsten Vo,kämpfer der Einheit während der Zeiten ihrer mühseligen und oft tragisch schmerzensreichen Vorbereitung Friedrich Christoph Dahlmann. Mit diesen Worten kennzeichnet der bekannte Historiker Erich MarckS an der Spitze eines längeren Aufsatzes im biographischen Teile der Lieferung diesen großen Kämpfer in der Geschichte Deutschlands. Eine vorzügliche Lithographie zeigt eine äußere Gestalt, mit dem Römerkopfe aus der alten Republik, die Lippen zusammengepreßt, die Furchen tief etngegraben, die Haare widerspenstig gesträubt, die Augen leuchtend und eindringlich. Zu einem schönen Porträt Karl August Hases, des geistvollen Ktrchen- hiftortkers, (gemalt von F. Dürk) aiebt Otto Pfleiderer eine feinsinnige Charakteristik. Emile Littrt, dessen Bild nach einer merkwürdigen Naturaufnahme gegeben wird, wird als eifriger Apostel der positivistischen Weltanschauung von Edm. König der gebührende Platz in der Geistesgeschtche seines Landes angewiesen, während der große John Stuart Mill von seinem genauen Kenner, S. Sänger, in eingehender Weise nach allen Seiten hin beleuchtet wird; sein Bild ist gemalt von Watts. Ein zweiter Engländer, Joseph Lister, deffen Lebenswerk die wesentlichste Grundlage der großartigen Leistungen der Chirurgie der Gegenwart, die antiseptische Wundbehandlung, bildet, vertritt die medizinische Disziplin, während den Abschluß drei Namen aus dem Gebiete der Künste bilden: Honorv de Balzac, dessen Bildnis von Boulanger, dem Begründer einer natura- ltstischen Schule im Roman derb und naturalistisch giebt, Robert Schumann, deffen tiefe Innerlichkeit schon in dem wundervollen Bildnisse von Bendemann gekennzeichnet wird, Maria Malibran, eine der wenigen Sängerinnen, deren Namen die Geschichte aufbe wahrt hat, nach einem schönen Schabkunstblatte von Turner. — Sin deutscher Gelehrter in Rom. AuS Rom schreibt man den „M. N. N.": AuS Anlaß des 60. Geburtstages des ProfefforS Wolfgang Helbig, eines HauplführerS der deutschen Altertumsforschung auf dem klassischen Boden Italiens, hat am 2. Februar in der von ihm bewohnten Villa Lante auf der wettschauenden Höhe deS JaniculuS eine würdige Fcstfeier stattgefunden. Frankreich, Rußland, Oesterreich, England, Dänemark, Schweden hatten offizielle Vertreter, sowie kunstliebende oder gelehrte Persönlichkeiten entsandt, um tat Verein mit den deutschen und italienischen Mitforschern und Freunden dem Erforscher der Wandmalereien von Pompeji und Herkulanum, dem Verfasser deS »Homerischen EpoS", de» .Führers durch die Sammlungen klassischer Altertümer in Rom" und anderer Werke, ihre Verehrung zu bezeigen. Nicht weniger alS 55 deutsche und nichtdeutsche Gelehrte haben sich zur Ucberreichung einer Festschrift vereinigt, welche u. a. Beiträge von Mommsen, Rodert, Collignon, Mau, Hülsen, Duchesne enthält. — Von Wildenbruchs „Gewitternacht" bringt Nr. 5 deS »Bär*, Illustrierte Wochenschrift für Geschichte und moderne- Leben, vier große Illustrationen und eine eingehende Besprechung. Die Wochenschrift beweist dadurch, daß sie den Ereignissen auf dem Fuße zu folgen versteht. Von sonstigen Aufsätzen aus Nr. 5 des „Bär" sind zu nennen: DaS Städtebtld Tangermünde mit sechs Illustrationen, ein Artikel über die Sonderausstellung von Webereien im Kunstgewerbemuseum, ein lebendig geschriebener Bericht über da» Ballfest des Vereins Berliner Preffe und der Schluß der Artikelrethe von Ludwig Pietsch. Eine Fülle von interessanten Nachrichten ergänzen den Inhalt der reichhaltigen Nummer. — Oesterreichs Zusammenbruch uud Wiederaufbau. München I. F. Lehmanns Verlag. Preis 40 Pfg. Die Flugschriften, die sich mit der Zukunft Oesterreichs befaffen, mehren sich von Tag zu Tag und beweisen, daß man im deutschen Reiche zu der Ueber- zeugung gekommen ist, daß ein Bündnis mit einem Staat, der seine einzige Aufgabe darin sucht, daS deutsche Element zu vernichten, nicht nur wertlos, sondern im höchsten Grade gefährlich ist. Universitäts-Nachrichten. — Berlin. Sämtlichen Privatdozenten an der hiesigen Universität ist, wie die „Voff. Zig." hört, die Mitteilung zugegangen, daß ihnen daS Vorlesungsverzeichnis vor dem Druck nicht mehr wie bisher durch den Pedell vorgelegt werde. Die persönliche Vorlegung findet in Zukunft nur noch gegenüber Professoren statt, während c* den Privatdozenten überlasten bleibt, zum Zwecke der Verbesserung von Druckfehlern einen in der Universität auSltegenden Korrekturabzug einzusehen. DaS genannte Blatt zieht daraus die Folgerung, eS scheine, daß die Gleichstellung mit den Profestoren nur für die Disziplinierung gilt. — Berlin. Der Pandektist Prof. Dr. H. Dernburg wird am 3. März seinen siebzigsten Geburtstag feiern. — BreSlau. Der Privatdozent Dr. W. Kümmel ist zum außerordentlichen Profestor für Ohren- und Kehlkopfleidm ernannt worden. - Heidelberg. Die Universität veranstaltet zur Feier des 50jährigen DoktorjubiläumS deS Geheimrats Prof. Dr. jor. Immanuel Beckker am 18. Februar einen FeftkommerS. — Straßburg. An der Kaiser - Wilhelms - Universität ist Prof. Dr Theobald Ziegler zum Rektor für das Jahr 1899/1900 gewählt worden. — Wien. Der Kustosadjunki am naturhlstorischen Hofmuseum und Privatdozent Dr. Moritz HoerneS, ist zum außerordentlichm Profestor für prähistorische Archäologie an der hiesigen Universität ernannt worden. — Innsbruck. Der ordentliche Professor an der hiesigen Universität, Dr. Leopold v. Schroeder, ist zum ordentlichen P-o- festor für aUindische Philologie und Altertumskunde an der Universität Wien an Stelle BühlerS ernannt worden. — Leiden (in Holland). Am 29. Januar starb im Alter von 75 Jahren der frühere Professor der Geschichte an der hiesigen Universität Dr. Robert Fruin. — Glasgow. Hier starb der Profestor der Pathologie Joseph Coats. iramm fit . rgniigungtiu» Aadlhalle finbet großes Solls!- ftatt. Das i ben großen st mistM An säendes W' M°rs Md» MenSel» Km erfreut; Kappens;», groß. in kurzen Zn sxlbjtverstandl'ü nE ne die 3*5 zngenehln^ nn' > Mts- sin v eläÄ*ta5i er. «4 M -«!§, bi?b*: ÄS’ “•*& 1: von v qjvei ™ daher- o ütftfl eiirbt > vir' beigelrgl- In Wagenladungen vou mindestens 36 Ceutuern: Etückcokcs...............0.95 Ml. Rußcokcs Nr. k............ 05 M. Rußcokes Nr. S............110 Ml. Bei gleichzeitiger Entnahme von mindestens 200 Ceutuer» TtückcokcS...............0.90 Ml. Rußcokes Nr. » }■- » Nußcokes Nr. 2............L05 **• Für Anfuhr au das HauS werden 5 Pfennig für »ei Ceutuer berechnet. ^dni Al' $lgnto981 dem % i i. w -5. Leistu 6. Büro 1. SH a. 8. Das 9. Der Bel« ■10. 9tn Untei Mn tW in ß iie Lehrer v Redaction: E. vurkhordt. — Druck und «erlaß der Brühl'sch« Uni»ersttSt»-vuch. und Stetndruckerei (Pietsch Erbeio m Gießen Dreist der Gas-Cokes. Für den Centner ab Verkaufsstelle.' o Deutsche Bekleidungs-Akademie 0 Frankfurt a. M. M. 6L Martens. 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JDlllvLb • sowie an der Abendkasse: Loge Mk. 4.—, Erstes Parkett Mk. tk, Zweites Parkett Mk. 2.25, Studentenkarten Mk. 1.—, Schülerkarten Mk 0.10, Gallerie Mk. 0 60. Für Mitglieder nur im Vorverkauf (bei weiterem Bedarf): Loge Mk. 3.50, Erste Parkett Mk. 3 —, Zweites Parkett Mk. 2.—. Nach Schluss des Theaters bei ungünstiger Witterung Omnibusverbindung Dich verschiedenen Richtungen. H62 Diese Firmen berechnen die gleichen Preise unserer ®oK°l sammt Anfuhr wie das Gaswerk und schicken dieselben auch in unter 5 Centner zu. (Giüit-Önnlfcft Samstag, den 11. Februar 1899 der Turnhalle des Turnvereins Giessen verbunden mit Dinin-, Zöglings- und Herrenreigenfahren und darauffolgendem BaU. Beginn abends präzis 8Vs Uhr. 117? Eingang zum Saal und Garderobe auf der Nordseite. Garderobe 2. Stock. Der Vorstand. Gäste können nur eiugeführt werden, die im Besitze von vom Vorstand ausgefertigtm Einladungskarten sinh. 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