5853 lös M bitten Meoeti, 5852 N» 10 falt. wir hii üolhtk. sind spWenr bi# n. c>P wegen größerer August 1899 libliotfjetat; >t. IllSS U4 Wien. nber 60 Pfg- , > Dbi’ rfe#.) n Tagen aus. KBIIK :U5* 5 ^,nlt haltdol' i* “ ■. fflW1 leitW“"«““ ' M Nr. 185 Zweites Blatt_______Mittwoch den 9. August 1899 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Alle Anjergen.BermiNlungSflellcn M In. nni Äu»l«mH4 nehmen Anzeigen für den Gießen« Anzeiger eat<»v»ch»e mr Anzeigen zu der nachmittag- für de» fetyulm Tm erscheinenden Nummer MB vor». 10 Uhr. Bei Postbezug R Mark 50 Pf§. vierteljährlich Nezugiprei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf, monatlich 75 P>» mit Bringerlohn OrfchrNN tt«Nch mit Ausnahme des »•Btagi. ®k Gießener »ewm<»iHttct »erden dem Anzeiger »DcheuUNH viermal bnftkfL Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. ÄMtten, Upredition und ®rud«d: Ach»lßr»ße Nr. 7. GrMsbeiiagrn: Gießener Famüienblätter, Der hrsslfche Kandwirt, Klätter für hessische UolKsKunde. Adreffe für Depefchm: Anzeiger fritlflU Fernsprecher Rr. 51. —MB * •tz 1» M W MUUG «di« ■ M iS U ■ I SS Der Riesen-Globus auf der Pariser Weltausstellung 1900. (Nachdruck verboten.) Zu den hervorragendsten Bauwerken auf der nächstjährigen Weltausstellung wird der Riesen Globus gehören, der seinen Platz am historischen Quai d'Orsay erhält. Man hat es in diesem Globus nicht mit einem Spielzeug oder mit einem dem Vergnügen geweihten Bauwerk zu thun, sondern er wird wissenschaftlichen und belehrenden Zwecken dienen. Der von außen sichtbare Teil des Globus ist eine gewaltige Kugel von 46 Mtr. Durchmesser, die auf einer Terrasse ruht, welche sich 60 Mtr. über Straßenhöhe befindet. Breite, bequeme Treppen und elektrische Aufzüge führen zu der Terrasse, deren Eckpfeiler mythologische und astronomische Figuren von ebenfalls riesenhaften Dimensionen bilden. Der große Globus zeigt den gesamten Sternenhimmel mit den allegorischen Figuren des Tierkreises und der übrigen Sternbilder. Im Innern dieser großen Kugel befindet sich eine zweite kleinere, deren Durchmesser aber immerhin noch 35 Mtr. beträgt. Auf ihr sind Mond und Planeten dargestellt, während die Innenseite des großen Globus die Sonne, Fixsterne und Kometen zeigt. In der zweiten Kugel ist wieder eine dritte, welche die Erde darstellen soll. Sie dreht sich von Westen nach Osten um die eigene Achse, und die 100 Zuschauer — so viele Personen haben im Jnnenraum der Erdkugel Platz — sehen Sterne aufgehen und verschwinden, mit einem Wort, dem Besucher wird die Bewegung der Erde zur Anschauung gebracht, da auch der Mond nicht fehlt, und sogar seine verschiedenen Phasen zur Darstellung kommen. Damit es den Besuchern auch an Unterhaltung nicht fehlt, werden auf der großen Terrasse, welche 2000 Besucher aufnehmen kann, täglich große Konzerte von einer aus 80 Personen bestehenden Kapelle unter Leitung des Meisters Saint-Saöns abgehalten. Von der Terrasse, die mit der ersten Plattform des Eiffelturms in gleicher Höhe liegt, genießt man einen herrlichen Rundblick. Es ist kaum zu bezweifeln, daß der Riesenglobus auf die Besucher der Ausstellung große Anziehungskraft ausüben wird, das Komitee rechnet mit einer Gesamteinnahme von 4700000 Frs., wovon für den Bau allein 2620000 Frs. abgehen. xx Das Luftfahrzeug des Grafen Zeppelin. Die neuesten Nachrichten vom Bodensee lauten dahin, daß trotz des Unfalls, der dem großen Wasserschuppen bei Manzell begegnet ist, der erste Probe-Aufstieg des lenkbaren Zeppelin'schen Luftfahrzeuges doch im September erfolgen könne. Die Konstruktionsarbeiten nehmen jetzt, da der große, Feuilleton. Die Heufessöosinen. Eine heitere Ehestandsgeschichte von Alwin Römer. (Nachdruck verboten.) „Jetzt thust Du Dir bereits zum drittenmale Salz in die Suppe, Eberhard!" sagte halb und halb entrüstet Frau Affeffor Rauch zu ihrem offenbar über Plänen brütenden Gatten, der sich, ohne auch nur gekostet zu haben, eine derartige, schmählich beleidigende Nachwürze der vorzüglich gelungenen Hühnerbouillon erlaubt*. „Verzeih, Klärchen," entgegnete er aufschreckend, und fuhr sich mit der Linken über Augen und Stirn — eine ausgedehnte, vollgiltige Assessorstirn — „ich war in Gedanken!" „Das habe ich gemerkt, Eberhard. Du sollst aber während des Essens nicht grübeln. Dazu hast Du nachher noch Zeit genug!" wies die hübsche, kleine, leider ein wenig eigenwillige Frau ihn zurecht, und führte dabei einige ver- nächtende Schnitte in das etwas zähe Fleisch des Suppen- hilhnchens aus, als wären das seine obstinaten Gedanken. „Nachher kommt mein Freund Reiser und holt mich a.b. Dann ist es zu spät. Die Sache hat nämlich Eile, u-ud da sie Dich mitbetrifft, ja, schließlich von Dir entschieden werden muß, so denke ich, wir reden gleich bei Tisch d «rüber!" „Du machst mich neugierig, Schatz! Es ist doch nichts schlimmes?" „Im Gegenteil! . . . Das heißt nach meiner Aufastung ... Du hast ja etwas andere Ansichten darüber." „Aber so rede doch! Ich vergehe ja vor Ungeduld!" drängte sie, und gab den Kampf mit dem Hühnchen auf. „Du weißt doch," begann er zögernd, „daß mir unsere augenblickliche Lage im höchsten Grunde zuwider ist . ." „Ah, ist es das!" bemerkte Frau Klara bestimmt. „Ja, das ist es!" erklärte er ein wenig heftig. „Darum sollten wir uns die Suppe nicht kalt werden lassen, Eberhard!" „Du kannst ja ruhig essen. Ich setze Dir währenddessen auseinander, was ich vorhabe. Damals, als ich die Vertretung für den Justizrat in Meppen übernehmen sollte, habe ich Dir nachgegeben und bin nicht hingegangen. Und wie ich im Frühjahre nach Krotoschin hätte kommen können, habe ich nochmals verzichtet. Jetzt aber sind wir so weit, daß mein kleines Vermögen ziemlich aufgebraucht ist, jetzt muß ich Dich ernstlich bitten, Deine Aversion gegen die Kleinstädte zu überwinden." „Wer Dich reden hört, muß wahrhaftig denken, wir nagten am Hungertuche! Was Du von Deinem aufgebrauchten Vermögen sagst, ist Spiegelfechterei. Du weißt ganz genau, daß die Zinsen meiner Mitgift das, was wir verbrauchen, reichlich decken . . ." „Ich mag aber nicht von den Zinsen meiner Frau leben!" donnerte er erregt. „Du hast doch aber Mama versprochen, mich nicht in die Hundetürkei da oben zu schleppen," trumpfte sie dagegen. „Wenn ich es vermeiden kann! Das habe ich damals ausdrücklich hinzugefügt." „Und Du kannst es vermeiden!" blitzte sie ihn an. „Ja, wenn ich ewig Assessor bleiben will!" „Affeffor ist ein sehr hübscher Titel!" „Natürlich; vier „s" und nichts zu essen!" stöhnte er. „Siehst Du denn nicht ein, daß mich das erniedrigt, als vierunddreißigjähriger Mensch von der Gnade meiner Frau leben zu müssen?" „Wenn Du mich aus Liebe geheiratet hast: nein!" „Dann fehlt Dir eben die nötige geistige Klarheit, das richtig beurteilen zu können." „Darüber tröstet mich der Besitz einer anderen menschlichen Eigenschaft, die Dir langsam abhanden zu kommen scheint. Ich meine die Höflichkeit!" „Bei Deinem Eigensinn bleibe der Teufel höflich! . . Kläre, wenn Du wüßtest, wie mich das mitnimmt, hier so herumzulungern und von Deinem Gelde . . ." Er schob den Teller von sich. Sie ließ ihn nicht ausreden. Seine Abkürzung ihres Namens in „Kläre" war ihr „in den Tod zuwider" und brachte sie allemal in Zorn. „Einbildung, nichts als Einbildung!" sagte sie erbost. „Ueber kurz oder lang kommst Du hier ebenso gut an. Aber Du liebst mich eben, nicht mehr. Du sehnst Dich fort von mir. Sag' es nur gerade heraus, daß Du ohne mich gehst, wenn ich mich lange sträube. Dann weiß ich wenigstens, woran ich bin!" Natürlich wurden ihr die Aug^n dabei naß. Wenn einen niemand anders bedauert, darf man schon ein bischen Mitleid mit sich selbst haben. „Woran Du bist?" entgegnete bitter der Assessor. „Das kann ich Dir ganz genau sagen. Du bist beinahe daran, eine kleine Xantippe zu werden!" „O Pfui, Eberhard!" „Beweise mir das Gegenteil, indem' Du Dich meinen Entschließungen fügst. Morgen abend muß ich Nachricht geben; das ist der letzte Termin." „Und wie heißt das Nest, wo.Du mich versauern lassen willst?" , . „Osterode!" sagte er, empört über ihre Halsstarrigkeit. vom Sturm in der vorigen Woche losgerissene und weit in den See hineingetriebene schwimmende Arbeitsschuppen von einem Bodensee-Dampfer wieder nach der Arbeitsstätte Manzell nach Friedrichshafen bugsiert worden ist, ihren regelmäßigen Fortgang. Neber die bis jetzt erstellten Bauten und Luftfahrzeuge — denn von „Luftschiffen" kann man bei den Plänen des Grafen Zeppelin nicht reden — wird von kompetenter und technischer Seite dem „Schwäb. Merkur" geschrieben: Auf dem Bodensee, zwischen Friedrichshafen und Meersburg, ist eine Bauhütte von riesigen Dimensionen und eine Aufsteighütte auf schwimmenden Pontons für das Luftfahrzeug unter Leitung der Ingenieure Kübler und Endrees hergestellt worden. Schon diese Bauten kosteten etwa 200000 Mark. Auf der frei schwimmenden Aufsteigbrücke, deren Länge 150 Meter beträgt, werden die in verschiedenen deutschen Fabriken ausgeführten Bestandteile des Luftschiffs in einigen Wochen zusammengesetzt. Nach dem Zeppelin'schen Grundmodell, das durch deutsches Reichspatent geschützt ist, wird das neue, über 100 Meter lange Luftschiff eine ungemein schlanke Gestalt haben. Zeppelin nennt sein Werk ein „lenkbares Luftfahrzeug" mit mehreren hintereinander angeordneten Tragkörpern. Das ganze Luftschiffwerk ist aus mehreren beweglich mit einander verbundenen Fahrzeugen zusammengesetzt. Dadurch wird bei Verletzung einzelner Kammern Lurch mechanische Kräfte das Hinunterstürzen des ganzen Luftschiffes verhindert. Die feste Form der Gesamtkonstruktion wird durch ein Gerippe aus Röhren, Drahtseilen und Drahtgeflechten gewährleistet. Die Verbindung des Zugfahrzeuges mit den Lastfahrzeugen geschieht durch Kuppelung. Unter dem Fahrzeuge befinden sich, fest miteinander verbunden, zwei oder mehrere Gondeln zur Aufnahme der Führer, Triebwerke und des Betriebsmaterials. Jedes Triebwerk bethätigt zwei zu beiden Seiten des Trag- cylinders ungefähr in der Höhe des Widerstandscentrums angebrachte Luftschrauben. Durch das gegebene Gewicht eines Aluminiummotors wird die zu seiner Hebung erforderliche Gasmenge bestimmt. Zu dieser tritt die Gasmenge hinzu, deren Auftrieb dem Gewicht des übrigen Fahrzeuges entspricht. Die Ausdehnung des Gases durch Wärme und Sonnenschein wird ausgeglichen, indem man das Gas teilweise in Reserveräume überleitet, sodaß der cylindrische Ballon nicht platzen kann und doch kein Gas verloren geht. Die Seitensteuerung erfolgt durch zwei Seitensteuer, die oben und unten an dem Vorderteil des Luftfahrzeuges angebracht sind. Die Lastfahrzeuge sind im wesentlichen von derselben Einrichtung; es fehlen ihnen jedoch die Triebwerke und die Räder zur Seitensteuerung. In den unter den Lastfahrzeugen angebrachten Gondeln befindet sich die Bemannung, Passagiere, ein Teil der Betriebsvorräte für Fahrten von langer Dauer, außerdem enthalten sie einen Wasservorrat. Letzterer dient als Ballast und wird auch zur Herstellung des Gleichgewichts zwischen den verschiedenen Fahrzeugen benutzt. Dns neue Fahrzeug hat einen Rauminhalt von nahezu 10 000 Kubikmeter. Soweit die vom Arbeitsorte selbst gegebene Beschreibung. Aber auch die von verschiedenen Seiten aufgestellte Frage nach der Geschwindigkeit, der Erhebungs- und Be„Am Harz?" fragte sie, durch die Nähe des köstlichen Gebirges schon halb für seinen Wunsch gewonnen. „In Ostpreußen," orientierte er sich unsicher. Sie lachte laut auf. Es sollte belustigt klingen, aber man hörte, wie erzwungen es war. „Nie!" sagte sie alsdann, als sie bemerkte, wie er ob ihrer erkünstelten Heiterkeit keine Miene regte. „Du hast bis morgen abend Zeit," entgegnete er ihr kurz. „Ich frage Dich dann noch einmal." Darauf aß er mechanisch ein paar Löffel von der Hühnersuppe, die inzwischen glücklich kalt geworden war nnd also mit ihrem gegenseitigen Verhältnis wunderbar harmonierte, dankte für die weiteren Gänge und schritt in sein Zimmer hinüber. Die junge Frau bekam doch ein wenig Herzklopfen. Wenn sie auch der Ueberzeugung war, in Osterode nicht existieren zu können, da sie von Jugend auf mit allem Komfort großstädtischen Lebens umgeben gewesen war, so sagte sie sich doch, daß sie seinen ehrenhaften Beweggründen gegenüber freundlicher hätte sein müssen, und wenn sie ihrer Schätzung nach noch so schrullig waren. Sie nahm daher dem Mädchen, das den Kaffee hinübertragen wollte, das Brett aus der Hand und begab sich selbst zu dem grollenden Gebieter. Er sollte sehen, daß sie verträglich und versöhnlich sei. Aber es schwebte heute ein Unstern über dem Hause. Als sie ihm die zierliche Tasse voll goß, bewegte er die Nasenflügel so merkwürdig, wie Feinschmecker es an der Gewohnheit haben, wenn sie eine fremde Cigarre oder eine neue Weinsorte prüfen. Aber sein Antlitz ging nach dieser Prüfung nicht in jene behagliche Breite, die ein befriedigendes Urteil ausdrückt: es zog sich enttäuscht in die Länge. Nun näherte er die Tasse seinen Lippen und nahm mißtrauisch einen Schluck. „Brrrrrrr!" sagte er gleich darauf entrüstet und wischte sich den wohlgepflegten, schwarzen Schnurrbart trocken. „Was ist denn das für eine entsetzliche Brühe?" „Ich glaube. Du willst mich systematisch kränken!" klagte sie, innerlich von der Vortrefflichkeit ihres Kaffees überzeugt. „Koste!" forderte er sie auf. Und sie kostete. Aber es ging ihr, wie so mancher ihrer Schwestern. Trotz des großen Konsums in diesem Getränk hatte sie keinen Kaffeeverstand, während ihm eine gute Tasse Kaffee einen Hochgenuß bereitete. (Fortsetzung folgt.) lastungsfähigkeit wird jetzt von dem Erfinder des Luftfahrzeuges unter Prüfung von Seiten der Techniker und Ingenieure beantwortet. Darnach besitzt das Fahrzeug der Zukunft eine Geschwindigkeit von zehn Metern in der Sekunde, während seine Erhebungsfähigkeit bis auf 1100 Meter angegeben wird; als Belastung soll es 1900 Kilogramm tragen und eine Woche lang in den Lüften bleiben können. Was bei Manzell am schwäbischen Meere gegenwärtig vorgeht, kann den Keim einer großartigen Verkehrsveränderung in sich tragen und will den kühnen Gedanken lösen, der schon in den Zukunftsromanen von dichterischer Phantasie eingegeben wurde. Man mag dem Unternehmen des Grafen Zeppelin noch skeptisch zusehen; aber man darf nicht übersehen, daß sich das nötige starke Kapital zu seiner „Entdeckung" gefunden hat und daß ernste, mit allem Wissen ausgerüstete Techniker an dem Werke sind, die ihr Können und Leisten in den Dienst des Luftfahrzeuges stellen. Deutsches Keich. Berlin, 7. August. In Betreff der Englandreise des Kaisers schreibt die „Post": Soweit unsere Kenntnis reicht, ist es nicht unmöglich, vielleicht sogar nicht unwahrscheinlich, daß der Kaiser seinen britischen Verwandten einen Besuch abstattet. Wo jedoch die Zusammenkunft stattfindet, und zu welchem Zeitpunkte, darüber dürfte augenblicklich noch keine Entscheidung getroffen sein, sodaß alle diesbezüglichen Mitteilungen mit Vorsicht aufzunehmen sind. Berlin, 7. August. Die „Voss. Ztg." meldet aus Wien: Graf Goluchowsky ist heute von seinem Urlaub zurückgekehrt. t Er wird sich nach Ischl begeben und in Aussee dem Fürsten Hohenlohe einen Besuch abstatten. Alsdann begiebt sich Goluchowsky nach dem Semmering, wo er eine Begegnung mit dem Staatssekretär v. Bülow haben wird. — Ein römisches Blatt behauptet, am 15. August solle in Berlin eine Zusammenkunft zwischen dem italienischen Ministerpräsidenten und v. Bülow stattfinden. Die Zusammenkunft bezwecke, den Besuch Delcassös in Petersburg zu paralisieren. Berlin, 7. August. Finanzminister vr. v. Miquel hat sich gestern von Langenschwalbach nach Cassel begeben, da er für heute vormittag nach Wilhelmshöhe zum Kaiser zum Vortrag befohlen war. Die Meldung einer Korrespondenz, das Staatsministerium habe beschlossen, dem Kaiser die Vertagung der Kanal-Vorlage vorzuschlagen, wird der „National-Zeitung" von zuständiger Seite als Unsinn bezeichnet. Am Samstag habe eine Sitzung des Staatsministeriums stattgefunden, bei welcher ausschließlich dringende Disciplinarsachen auf der Tagesordnung standen. Berlin, 7. August. Die von den Sozialdemokraten in Szene gesetzte Dienstbotenbewegung treibt wunderbare Blüten. Eine kürzlich abgehaltene von etwa 300 weiblichen Dienstboten besuchte Versammlung gefiel sich darin, über den Reichstag und seine Mitglieder wegen ihres Verhaltens bei Beratung der Gesindeordnung zu Gericht zu sitzen. Der Unterstützungsverein für weibliche Dienerschaft zählt jetzt schon beinahe 600 Mitglieder. Er wird bei Zusammentritt des Reichstages diesem eine Petition zwecks Beseitigung der Gesindeordnung zustellen, in der auch Schiedsgerichte für Beilegung von Streitigkeiten zwischen Dienstpersonal und Herrschaften gefordert werden sollen. Gegen den Dienstbotenverein haben die Frauenvereine eine lebhafte Agitation durch Zirkulare entfaltet, in denen die Herrschaften aufgefordert werden, ihren Dienstboten den Besuch der Versammlungen zu verbieten. — Die Session des preußischen Landtags. In Anbetracht dessen, daß die diesjährige Landtagssession bereits so ungewöhnlich lange dauert, liegt die Frage nahe, in welcher Frist der Schluß zu erwarten ist. Das Register )er unerledigten Vorlagen ist, nach dem soeben von dem Bureau des Abgeordnetenhauses herausgegebenen Verzeichnis zu urteilen, nicht übermäßig lang. Das Abgeordnetenhaus hat noch neun Gesetzentwürfe, fünf Initiativanträge und eine endlose Reihe von Petitionen zu erledigen. Von den Regierungsvorlagen müssen die Kanalvorlage, das Kommunalwahlgesetz, das Gesetz über die Polizeiverwaltung in den Vororten Berlins und über die Gerichtsorganisation für Berlin und Umgegend, die Gewährung von Zwischenkredit iei Rentengutgründungen und der Gesetzentwurf über die Kirchenverfassung der evangelischen Kirche im Konsistorial- lezirk Frankfurt a. M. nach Annahme im Abgeordneten- ;aus noch an's Herrenhaus, das in wenigen Tagen die Justizgesetze erledigen kann, die es gegenwärtig beschäftigen. In abgeänderter Fassung vom Herrenhause zurück sind an das Abgeordnetenhaus bereits gelangt: die Gesetzentwürfe über die Dienststellung des Kreisarztes und über die Schutzmaßregeln im Quellgebiet der linksseitigen Zuflüsse der Oder in der Provinz Schlesien. Werden auch diese beiden Vorlagen vom Abgeordnetenhaus und die Justizgesetze im Herrenhause glatt angenommen, so bleibt im ungünstigsten Fall nur noch damit zu rechnen, daß das Kanalgesetz und die Kommunalwahlrechtsreform im Herrenhause Abänderungen erfahren, wodurch dann das Abgeordnetenhaus nochmals in die Lage käme, sich damit zu befassen. Unter den Initiativanträgen im Abgeordnetenhause befinden sich keine, die eine Hinauszögerung des Schlusses der Session notwendig machten. Der konservative Antrag, das Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches und der Nebengesetze auf den 1. Januar 1901 hinauszuschieben, ist lediglich eine Mahnung für das Herrenhaus, die Beratung der Justizgesetze so zu beschleunigen, daß Richter und Rechtsanwälte ich rechtzeitig einarbeiten können; im übrigen ist der Antrag aussichtslos und eines stillen Begräbnisses sicher. Faßt man das gesamte Material zusammen, dann ergiebt es sich, )aß das Abgeordnetenhaus bequem bis Ende dieses Monats ne Session zum Abschluß bringen kann. Auch die jetzt noch o umstrittene Kanalvorlage kann, nachdem soviel Zeit zur Ueberlegung geboten war, die Entscheidung füglich nicht mehr hinausschieben. Ein schneller Abschluß der Arbeiten liegt außerdem nicht nur im Interesse des Abgeordnetenhauses selbst, dem bereits mehr als erquicklich vorgehalten wird, daß jeder Tag dem Lande allein an Diäten nahezu 6500 Mk. kostet, sondern auch im Interesse der Regierung, die nach der Rechten hin immer mehr an Einfluß auf die Entscheidung verliert, je länger das Ende sich hinauszieht. Wiesbaden, 7. August. Wie der „Wiesb. Gen.-Anz." erfährt, ist das Befinden des operierten Weihbischofs von Köln, Dr. Schmitz besorgniserregend. Die Aerzte, die ihn operierten, haben einigen Geistlichen gegenüber erklärt, die Krankheit sei Knochenfraß und schon zu weit vorgeschritten, um eine Heilung zu ermöglichen. So erklärt es sich auch, daß die „Köln. Volksztg." in den letzten Tagen keine Bulletins mehr ausgegeben hat. Dortmund, 7. August. Der „General-Anzeiger" meldet: Nach einem heute hier eingetroffenen Telegramm aus Wilhelmshöhe trifft der Kaiser am Freitag, dem 11. August, hier ein. Ausland. Wien, 7. August. Der „Neuen Freien Presse" zufolgt hat Prinz Max von Baden auf Anraten des Professors Krafft-Ebing eine mehrwöchentliche Kur im Sanatorium Purkersdorf absolviert, weil die Aufhebung seiner Verlobung mit der Großfürstin Helene auf sein Nervensystem unheilsam eingewirkt hatte. Da sich sein Zustand jetzt gebessert hat, ist der Prinz nach Salzburg abgereist. Paris, 7. August. Aus Rennes wird telegraphiert, daß General Billot die feierliche Erklärung abgegeben habe, er sei jetzt gleichfalls von der Unschuld Dreyfus überzeugt und dabei betont, man habe ihn seinerzeit getäuscht. Toulouse, 7. August. Eine Feuersbrunst äscherte in der letzten Nacht den größten Teil der Tier-Arznei- Schule ein. Madrid, 7. August. Martinez Campos versicherte einem Journalisten, die Minister-Krisis sei für No- vember unvermeidlich.______________________________________ Lokales und Provinzielles. -1- Lich, 7. August. Gestern nachmittag hatte sich ein Gewitter über unserer Stadt zusammengezogen, doch es verteilte sich wieder, ohne die ersehnte Abkühlung zu spenden. Heute nachmittag jedoch wurde man für die Enttäuschung von gestern reichlich entschädigt. Ein Gewitter brachte nicht nur Abkühlung, sondern auch Regen, einen Regen, so stark, daß man sich auf einen gleichen nicht erinnern kann. Die Gossen konnten das Wasser nicht fassen, die Kanalisation versagte an manchen Stellen, und so stellten denn manche Straßen und Gassen ein einziges Flußbett dar. Der Regen war so stark und ging so heftig nieder, daß 2 Meter hoher Mais, wie von einer Walze geknickt, darnieder liegt. Im übrigen hat das Wetter mehr genützt als geschadet, namentlich den Gartenbauern war es für ihre Bohnenernte sehr willkommen. Schade ists nur für einige reichlich tragende Obstbäume, die vom Blitz ganz oder teilweise zerstört wurden. □ Münzenberg, 7. August. Wir hatten gestern Gelegenheit, einem Konzert des Münzenberger Kirchenchors beizuwohnen und uns zu überzeugen, daß der Chor auf seiner alten rühmlichen Höhe steht, trotzdem die größere Hälfte der Mitglieder, wie man uns sagte, erst vor kurzem eingetreten ist. Der Chor erzielt seine hervorragende Wirkung nicht zum mindesten dadurch, daß er sich auf den Vortrag von Chorälen und einfachen Motetten in klassischem Stil beschränkt. Wir hörten gestern das nicht überall bekannte herrliche „Zeuch ein zu deinen Thoren" von Crüger und die von Herzog prachtvoll gesetzte hannövrische Melodie „Mein Schöpfer steh mir bei", in Hannover als Konfirmationslied bekannt. Die Perle aber war die Komposition des wackeren alten Sunderreiter (1581) zu „Mein schönste Zier und Kleinod bist". Den Schluß machte der Chor mit einer schön vorgetragenen Motette von Silcher und einer sehr ansprechenden Komposition von Rohde „Herr, gedenke unser". An Orgelsachen wurden mehrere Sätze aus Mendelssohns । bekannten Orgelsonaten zum Vortrag gebracht, wobei die herrlichen Register der Linkschen Orgel recht zur Geltung kamen. Besonders aber freuten wir uns, einem noch nie gehörten Andante mit Variationen aus Mozarts einziger Orgelkomposition, Fantasie in f-moll, zu begegnen. Der Glanzpunkt des Konzerts aber war entschieden das Auftreten )er fremden Künstlerin, die es wahrlich nicht nötig hätte, sich hinter dem Mantel der Anonymität zu verbergen. Die Dame besitzt eine prächtige Sopranstimme, ebenso mächtig wie reich, die in größeren Räumen sich noch herrlicher entfalten muß. Der Ansatz zeugt von einer vorzüglichen Schule. Die Künstlerin dringt in den Geist und die Individualität jeder Komposition ein und vermittelt so dem j Hörer das Verständnis und den Genuß nicht geahnter Schön- 7 leiten. Sie sang verschiedene Arien aus der „Schöpfung" und * dem „Messias", ein „Vater Unser" des bekannten Krebs und die Komposition des Gerockschen Gedichts „Ich klopfe an" von dem weniger bekannten Wermann. Den Schluß )es in allen Teilen vorzüglich verlaufenen Konzerts bildete der gemeinsame Gesang „Nun preiset alle". + Schotten, 7. August. Heute begann bei schönstem Wetter unser von Alters her berühmter Sommermarkt, womit die Kirch weih fei er verbunden ist. Aufgetrieben wurden etwa 1000 Stück Ochsen, 1500 Stück Kühe und Rinder, 300 Pferde und Fohlen. Der Handel war im allgemeinen gut; jedoch hatte die Furcht vor Seuchenübertragung den früher gewohnten bedeutenderen Auftrieb ungünstig beeinflußt. Die Viehpreise waren durchschnittlich gute. Ein Waggon voll Simmenthaler Rindvieh wurde nach Rußland verhandelt und heute mittag noch spediert. erstickt werben. f Unter* bei am Sam! Sürgerme? geschätzte Bär wiedergenW 29 jährigen T trauen der g gewußt. Die Gemeinde bas Meisters zu Stündchen, dl gebracht wuri § lllrichß 13. August, m Herrn Groh hä uudZchmalb hrit Mcke-U den Landgeris suchung diese kammer des! Hauptverfahi #*en Ahne iut. . «le *Lb‘ feil' 111 lüften «'*1 die StiBM O- * Ä ft* "V, U Owohne an dem M Mnn wurde v Der Blitz *71. Be München. B in München s tages wird sonderen Siß diesmaligen ß hilofeßommifj Kreisen lebhas wurde m vori schon dei der gemacht über Tudeck schiedener Fo in Form eil für innere !I Mfaßt folgt bes Borsiheni Hüppe-Prag, ftssor R. Bla Tuberkulose K den Konstituti Aetiologie der Braunschweig tvwmen voew Nacht?". _ Wöpses u ?■ Xloi’Dtin> 1 ■ m W zur Er ^Nligiing Rhgen ( hau,e." __ r Adlung der g ^‘>ee ’terbeer’s 1 ^ier des ß. M llXbit %"se * 1 * 14 ftj \5Ung=5 *55* > ff ’M L’W*»« M8 ■*W äufotge ÄleUl8'w feinet « Q f fem 'Herten, s'ch s°m Suftanb «Qljburg abgereift _»itb ÄigraphE wlarung abgegeben ^Ichuld Dreyfui habe ihn feiner^ "sbrunst äscheüe -eu bet Aer-^nci- ^ampos versicherte rists sei Av- chUrr. hmittag hatte sich ein mmengezogen, doch t« Abkühlung zu spende?, für die Enttäuschung Gewitter brachte nicht einen Regen, so stark, erinnern kann. Du sen, die Kanalisation [teilten denn manche fflujjbett bar. 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Da aber die Löhne für die Bedienungsmannschaft der Maschinen wie alle Löhne der gewerblichen Arbeiter in den letzten Jahren sehr in die Höhe gegangen sind, so fanden die Genossenschaften nicht mehr ihre den Verhältnissen entsprechende Rechnung. Die gestrige Versammlung beschloß demzufolge, die Stundenvergütung von 3 Mark auf 3,50 Mark zu erhöhen. △ Maülbach, 7. August. Auf die wahrhaft tropische Hitze des gestrigen Sonntags folgte in den Nachmittags- stunden ein Gewitter. Ein Blitzstrahl fuhr in das Haus des Einwohners Naumann, dem Schornstein entlang und an dem Treppengeländer hinab. Ein von ihm gestreifter Mann wurde besinnungslos, nahm aber weiter keinen Schaden. Der Blitz hatte auf dem Speicher des Hauses in dort lagerndem Flachse gezündet; das Feuer konnte indes sofort erstickt werden. t Unter-Seibertenrod (Kreis Schotten), 7. August. Bei der am Samstag der vorigen Woche hier stattgefundenen Bürgermeisterwahl wurde der allseits beliebte und geschätzte Bürgermeister, Herr K. Momberger IV. einstimmig wiedergewählt. Herr Momberger hat sich während seiner 29 jährigen Thätigkeit als Bürgermeister, das volle Vertrauen der ganzen Gemeinde zu erwerben und zu erhalten gewußt. Die einstimmige Wiederwahl gibt aber auch der Gemeinde das Zeugnis, daß sie die Verdienste ihres Bürgermeisters zu ehren weis. Das zeigte sie auch in dem Ständchen, das dem Wiedergewählten am Tage der Wahl gebracht wurde. § Ulrichstein, 7. August. Kommenden Sonntag den 13. August, nachmittags um 2 Uhr, werden im Saale des Herrn Groh hier, die Herren Landtagsabgeordneten Brauer und Schmalbach über den Stand der Eisenbahnangelegen- heit Mücke—Ulrichstein referieren. Darmstadt, 7. August. In dem Strafverfahren gegen den Landgerichtsdirektor a. D. Küchler ist die Voruntersuchung dieser Tage geschlossen worden. Die Beschlußkammer des Landgerichts hat nun zu entscheiden, ob das Hauptverfahren eröffnet werden soll. Vermischtes. * 71. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in München. Vom Bureau des vom 17. bis 23. September in München stattfindenden Naturforscher- und Aerzte- tages wird der „Franks. Ztg." mitgeteilt: Unter den besonderen Sitzungen einzelner Abteilungen dürfte bei dem diesmaligen Kongreß die Beratung der permanenten Tuberkulose-Kommission der Naturforscher-Versammlung in weiteren Kreisen lebhaftem Interesse begegnen. Diese Kommission wurde im vorigen Jahre in Düsseldorf organisiert, nachdem schon bei der Versammlung in Braunschweig der Versuch gemacht worden war, eine zusammenhängende Diskussion über Tuberkulose durch eine gemeinsame Sitzung, verschiedener Fachsektionen herbeizuführen. Diese Sitzung, die in Form einer gemeinsamen Tagung mit den Sektionen für innere Medizin und Hygiene abgehalten werden soll, umfaßt folgendes Programm: Geschäftliche Mitteilungen des Vorsitzenden der Tuberkulose-Kommission, Professor Dr. Hüppe-Prag. Dann kommen folgende Referate: Professor R. Blasius-Braunschweig: „Bericht über den Berliner Tuberkulose Kongreß." Professor Martins-Rostock: „Uebcr den Konstitutionsbegriff mit besonderer Berücksichtigung der Aetiologie der Infektionskrankheiten". — Professor Sprengel- Braunschweig: „Welche Fälle chirurgischer Tuberkulose kommen vorwiegend für die Heilstütten-Behandlnng in Betracht?". — Professor Chiari-Wien: „Die Tuberkulose des Kehlkopfes und der benachbarten Schlundhäute". —• Professor Jadassohn-Bern: „Die Tuberkulose vom Standpunkt des Dermatologen." — Dr. Turban-Davos: „Mittel und Wege zur Erforschung der Tuberkulose mit besonderer Berücksichtigung des Materials der Sanatorien." — Dr. Blumenfeld - Wiesbaden: „Die Ernährung der Schwindsüchtigen mit besonderer Berücksichtigung der Ernährung im Hause." — Dr. Petruschky-Danzig: „Die spezifische Behandlung der Tuberkulose." * Meyerbeer's Nachlaß. Die Veröffentlichung von Meyerbeer's Nachlaß, die nach den testamentarischen Bestimmungen des Komponisten dreißig Jahre nach seinem Tode, also bereits im Mai 1894 hätte stattfinden müssen, ist, wie der „Berliner Lokalanzeiger" mitteilt, infolge der Streitigkeiten in der Familie wieder hinausgeschoben worden. Die Absicht des Schwiegersohnes von Meyerbeer, des Barons Emanuel Karpp, mit der Publikation zu beginnen, scheitert immer wieder an dem Widerstand der zweiten Tochter des Komponisten, der Wittwe des Malers Richter. Oer Nachlaß enthält u. A. eine bisher nicht veröffentlichte vollständige Oper, mehrere kleinere Kompositionen und eine Reihe von Briefen Heinrich Heines. * Die neuen holländischen Briefmarken. Aus dem Haag wird der „Frkf. Ztg." u. 2. ds. berichtet: Gestern kamen die schon lange erwarteten neuen Briefmarken in Um- la.uf, die Jnng-Wilhelmina nicht mehr als Kind, sondern abs Erwachsene im Krönungsornat zeigen. Sie sind recht geschmackvoll ausgeführt und werden mit ihren durchweg neuen Farben für die verschiedenen Werte den Beifall der Nammler finden. * Ein deutscher Fürst in Montenegro. Die Vermählung de-S Kronprinzen Danilo von Montenegro mit einer deutschen Flürstentochter erweckte in diesen Tagen für das Land der sHwarzen Berge Interesse. Da ist vielleicht ein Hinweis N die Reise angebracht, die schon vor 60 Jahren ein be utscher Fürst, König Friedrich August II. von Sachsen, nach Montenegro unternahm und über die der italienische Schriftsteller G. Marcotti in seinem Buche „Jl Montenegro" einen Bericht aufbewahrt hat. König Friedrich August, der Oheim des jetzt regierenden Königs Albert von Sachsen, hatte eine große Vorliebe für botanische Studien, und um ihnen obzuliegen, unternahm er im Jahre 1838 eine Reise nach Dalmatien. Damals regierte in Cettinje der Vladika Peter II. Pietrowitsch, der sich um die Civilisation seines Volkes die größten Verdienste erworben hat. Noch niemals hatte ein europäischer Fürst Montenegro besucht. Als der König von Sachsen in Cattaro eintraf, meldeten sich bei ihm drei montenegrinische Senatoren und luden ihn zum Besuche ihres Vladika in Cettinje ein. Friedrich August nahm die Einladung gern an. Einige Tage später machte er sich, von den drei Senatoren geleitet, auf den Weg nach Cettinje. Die Fahrstraße führte nur ein kurzes Stück über Cattaro hinaus. Ihre Fortsetzung bildete ein steiler Saumpfad. Peter Pietrowitsch erwartete feinen Gast an der Grenze Montenegros. Er stand ganz allein auf einem Felsblock, mit einem schwarzen Wams bekleidet, eine riesenhafte, ehrfurchtgebietende Erscheinung. Sein Gefolge hielt sich verborgen, und so machte der „schwarze Mönch" auf König Friedrich August den Eindruck, als sei er der einzige Bewohner seines Landes. Er lud den König ein, sich auf einen benachbarten Felsblock, über den eine Wolldecke gebreitet war, niederzulaffen, und richtete bann in feinem mangelhaften Italienisch eine endlose Reihe von Fragen an den König, dessen Reisezweck er durchaus nicht verstehen konnte. Daß ein König von Sachsen nach Montenegro komme, um die Pflanzen dieses Landes zu sammeln, wollte ihm schlechterdings nicht in den Kopf. Er ließ es aber nicht an der ausgesuchtesten Höflichkeit gegen seinen Gast fehlen, und bevor er mit ihm den beschwerlichen Ritt nach Cettinje antrat, bot er ihm Brot, geröstetes Schweinefleisch und Käse an, ein lucullisches Mahl für die Montenegriner jener Tage. Auf dem Ritt nach Cettinje brachten Landleute Ziegenmilch in viereckigen, grünen Flaschen als Erquickung herbei, und beim Einzug in der Hauptstadt ließen es die Bewohner nicht an Gewehrsalven und Kanonenschüssen fehlen. Auf dem runden Turme des Klosters von Cettinje wehte die Flagge des Vladika: ein Stück gelber Seide mit einem roten Kreuze in der Mitte. Das Kloster, das zugleich die Residenz und die einzige Festung des Vladika bildete, war an einen Felsen angebaut und feine Mauern aus gewaltigen Felsblöcken zusammengefügt. Der Vladika hatte zwei Zimmer inne, die er seinem Gaste abtrat. Er selbst nahm in dem Sitzungssaale des Senats Wohnung, der zugleich als Küche und Schlafraum für die Senatoren diente. Um den gewaltigen Herd dieses Saales waren zwölf Steinsitze aufgestellt, einer, der Sitz des Vladika, etwas höher als die elf anderen, und hier tagte der Senat. Eine Art Wand aus trocknem Reisig trennte den Beratungsraum von den Lagerstätten der Senatoren. In grellem Gegensatz zu der Aermlichkeit des Hauses stand die Kleiderpracht der Senatoren. Sie trugen majestätische, mit kostbarem Pelzwerk gefütterte Purpurmäntel nach venetianischer Art. Der Vladika beeilte sich, seinem Gaste die ruhmvollste Sehenswürdigkeit des Landes zu zeigen: das sorgfältig einbalsamierte Haupt des türkischen Heerführers Mahmud Pascha, den die Montenegriner im Jahre 1796 getötet hatten. Kaum minder stolz als auf diese Siegestrophäe war aber der Vladika auch auf die Buchdruckerei, die er in Cettinje eingerichtet hatte und in der gerade fein Heldengedicht: „Der Einsame von Cettinje", gedruckt wurde. In der Offizin arbeiteten zwei Schriftsetzer aus Padua. Auch eine Volksschule hatte der Vladika kurz vorher eröffnet. Der Lehrer war ein Franzose. Besser bewandert als im Lesen und Schreiben zeigte sich die montenegrinische Jugend in Leibesübungen und in der Handhabung der Waffen. Als der sächsische König Cettinje wieder verließ, wurde er vom Vladika und mehreren tausend Soldaten bis nach Budna begleitet. Die Montenegriner wären mit ihrem Gaste gern bis nach Cattaro marschiert, aber der Vladika hatte die Nachricht erhalten, daß sich in der Herzegowina türkische Truppen ansammelten, und er sah sich deshalb genötigt, mit seinen Kriegern und seinen drei Kanonen an die bedrohte Nordgrenze des Landes zu eilen. (Magdeburger Ztg.) * Die Hitze ist in Sevilla auf 54 Grad in der Sonne und 47 Grad im Schatten gestiegen. Die Registrierapparate mußten erweitert werden, da sie auf Messen solcher Temperaturen nicht eingerichtet waren. Der Asphalt der Bürgersteige schmolz natürlich. Die Arbeiten auf dem Staden mußten zeitweise eingestellt werden, da die Arbeiter dem Ersticken nahe waren. Vom Lande werden viele Fälle von Sonnenstich gemeldet. Wer irgend kann, flüchtet nach der Küste. In Madrid „erfreut" man sich fortgesetzt einer Temperatur von „nur" 40 Grad im Schatten. Dabei herrscht eine anhaltende, furchtbare Dürre. Seit vielen Monaten hat es nicht mehr geregnet, und die Wasserleitung beginnt zu versagen. Es wird kaum noch gesprengt; der Hausbedarf muß eingeschränkt werden, und das Wasser, das den Rohren entfließt, ist schmutzig und fast als Schlamm zu bezeichnen. Die durch hydraulichen Druck betriebenen Auszüge in den Treppenhäusern funktionieren schon seit Wochen nicht mehr und es wird ein völliger Wassermangel mit all feinen unabsehbaren schlimmen Folgen befürchtet, wenn in nächster Zeit kein Regen fallen sollte. Universitäts-Nachrichten. — Gießen. Zum erftenmale sollen nach dem soeben erschienenen Vorlesungsverzeichnis der hiesigen Universität im Wintersemester Vorlesungen über deutsches Militärstrasprozeßrecht (Prof. Frank), über deutsches Militärstrafrecht sowie über Grundzüge der Kriminalpolizei (Prof. Günther) stattfinden. Außerdem dürfte die Mitteilung von Interesse sein, daß Profesior Biermann für den seit unvordenklicher Zeit kollegfreien SamStag- vormittag eine „Schulung für zivilistische Praxis" ankündigt. — Berlin. Ein Sohn des Dichters Adolf Wilbrandt und seiner Gattin Auguste Wilbrandl-BaudiuS, cand. phil. Robert Wil- brandt, wurde am 5. ds. Mts. zum Doktor promoviert. Seine w ss nschaftliche Arbeit behandelt Platos Jdeenlehre in der Darstellung des Aristoteles. — Berlin. Mit 1. August hat sich eine Veränderung im Vcrsonalbestand der chirurgischen Klinik und Poliklinik der hiesigen Chariiö vollzogen. Prof. Dr. Otto Hildebrandt, ein geborener Schweizer, tritt an Stelle des verstorbenen Prof. Socin als Ordinarius in die Klinik zu Basel. Auf seinen Posten kommt der bisherige Prioatdozent Dr. Bennecke, der wiederum durch den ersten Assistenten Pels-Lausten von der chirurgischen Klinik zu Göttingen ersetzt wird. — Marburg. Der außerordentliche Prosessor der vergleichenden Sprachwissenschaft an hiesiger Universität Dr. Paul Kretschmer hat einen Rus nach Wien erhalten und angenommen. — Die „Tägl. Rundschau" meldet nach der Chronik der christlichen Welt: Prof. D. Graf Baudissin in Marburg hat jetzt die Wahl zwischen drei Lehrstühlen. Er ist in erster Linie sowohl für Berlin wie für Bonn vorgeschlageu und kann auch seinen Wirkungskreis in Marburg festhalten. — Würzburg. Zum Rektor unserer Universität wurde der Professor der Augenheilkunde Dr. Julius v. Michel gewählt. — Würzburg. Der Strafrechtslehier Professor Friedrich Oettker folgt zum nächsten Sommer einem Rufe nach Marburg. — Würzburg. Dem wegen Erreichung^ des 70. Lebensjahres von feinem Lehramt zurücktretenden Geheimrat Professor Adolf v. Fick überreichte die Studentenschaft eine Adresse. Dom akademischen Senat und dem Verwaltungs-Ausschuß wurde ein silberner Tafelaufsatz als Ehrengeschenk dargebracht. — Leipzig. Der Professor der orientalischen Sprachen an der hiesigen Universität, Hosrat Dr. Krehl, tritt am 1. Sepumber in den Ruhestand. Der Scheidende war seit 1861 akademischer Lehrer in Leipzig. — Bonn. Au8 der offiziellen Bekanntgabe der Resultate der Preisaufgaben an hiesiger Universität verdient hervorgehoben zu werd.'N, daß für die Aufgaben der evangelisch-theologischen und der juristischen Fakultät sich keine genügenden Bearbeiter gesunden haben. Die Preisaufgaben der medizinischen und philosophischen Fakultät fanden befriedigende Bearbeitung. — Halle a. S. Der wissenschaftliche Hilfsarbeiter an der ständischen Landesbibliothek zu Kassel, Dr. Karl Heldmann, habtll- tiette sich als Privatdozent für mittelalterliche Geschichte in der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität. — Jena. Auch im kommenden Wintersemester werden hier wissenschaftliche Vorlesungen sür Volksschullehrer Thüringens und der angrenzenden Gebiete Preußens von Dozenten der hiesigen Universität abgehalten werden. Die Vorlesungen, deren Zahl von 6 auf 7 erhöht, worden ist, werden am 4. November beginnen; auch Lehrerinnen und Geistlichen ist die Teilnahme gestattet. Die Vorlesungen werden diesmal behandeln Gebiete der Pädagogik, Philosophie, Religionsgeschichte, Kunstgeschichte, Chemie, Physiologischen Psychologie, Chemie. — Wien. Die Beschlüssr der betreffenden Profesiorenkollegien auf Zulassung des Dr. Leopold Ritter v. Dittel als Prioatdozrnten für Geburtshilfe und Gynäkologie an der medizinischen Fakultät der hiesigen Universität, des Dr. Wilhelm Figdor als Privatdozenten für Anatomie und Physiologie der Pflanzen und des Dr. Egon Ritter v. Schweidler als Privatdozenten für Physik an der philo- fophischen Fakultät wurden bestätigt. — Zürich. Im Wintersemester 1895/96 wurde an der hiesigen Hochschule provisorisch auf die Dauer von drei Jahren eine zahnärztliche Schule unter Leitung von Profesior Dr. I. Billeter eingerichtet. Der Regierungsrat des Kantons Zürich beantragt nunmehr bei dem Kantonsrate dieses Provisorium in ein Drfinitivum zu verwandeln und die zahnärztliche Schule, mit welcher eine zahnärztliche Poliklinik verbunden ist, zu Beginn des kommenden Wintersemesters als medizinische Hilfsanstalt in den Organismus der Hochschule aufzunehmen, doch würde daS Institut vor der Hand noch nicht der medizinischen Fakultät einverleibt. An dem zahnärztlichen Institut wirken zur Zeit fünf Dozenten und zahntechnische Lehrer. — London. Dr. Elisabeth Blackwell, die eben in London ein Buch mit autobiographischen Skizzen herausgab, dürste eine der ersten Frauen gewesen sein, die den medizinischen Doktorgrad erwarb. Sie begann ihr Studium 1849 und wurde 1859 in die Aerzteltste eingetragen. Meratur, Wissenschaft und Kunst. — Die uns vorliegende 9. Lieferung des »Illustrierten Konversations-Lexikons der Frau" enthält vortreffliche Abhandlungen über Hausfrauenfragen, wie Fette, Feuer, Fleisch, Fiche u. f. w., interessante Ausführung über Findelhäuser, Fortbildungsschulen für Mädchen, Frauenklubs, Schilderung der Symptome und Anweisungen über die Behandlung von Fiebererkrankungen u. s. w. Selbst den allerneusten Ereignissen auf dem Gebiete der Frauenfrage wird das Werk schon gerecht, wie uns der Artikel „Frauenkongresse" zeigt; denn er bringt bereits einen außerordentlich klaren und zusammensassenden Bericht des erst vor wenigen Tagen beendeten Londoner Frauenkongresies. Der in dieser Lieferung beginne, de höchst bedeutungsvolle Artikel „Frauenfrage und Frauenbewegung" giebt ein beredtes Zeugnis auch von dem Sachverständnis, der Klarheit und Objektivität des Werkes. Vorzügliche Textillustrationen und Tafelbeilagen bilben eine außerordentlich wertvolle Beigabe. Das Illustrierte Konversations-Lexikon der Frau ist entschieden ein glücklicher Griff und wird sich seinen Platz bei jeder deutschen Frau zu sichern wisien. — Randglossen zur modernen kaufmännischen Bildung. HerauSgegeben von der „Handels Akademie Leipzig" (Dr. iar. Ludwig Huberti). Oktav. Broschiert Mk. 2, Mk. 1, Mk. 0,50. Verlag der Handels-Akademie Leipzig. So gewiß die geschäftliche Routine für den Kaufmannsstand etwas unentbehrliches ist, fo gewiß ist es andererseits, daß sie allein längst nicht mehr ausreicht, um daS Labyrinth der tausendfältig verschlungenen wirtschaftlichen und sozialen Prooleme zu übersehen. Dazu muß man auf höherer Warte stehen! Um aber zu einer solchen zu gelangen, ist ein gründliches Studium der Handelswisienschaften (wie es z. B. die „Handels Akademie Leipzig" ermöglicht) nicht mehr von der Hand zu weisen. Die Gründe für und wider behandeln die oben angeführten „Randglossen". Sie erschienen im Verlag der „Handels Akademie Leipzig" der im Verfolg der obigen Ideen unter dem Titel: »Moderne kaufmännische Bibliothek" auch eine Auswahl der besten Werke zur Au8- btlbung und Fortbildung deS Kaufmanns herauSgibt. Jede gute Buchhandlung legt die Bücher kostenlos zur Ansicht vor. „HkMkbklg-äeidk" — nur echt, wenn direct ab meinen Fabriken bezogen — schwarz, weiß und farbig, von 75 Pfg. bis Mk. 18,65 per M-ter — in den modernsten Geweben, Farben und Dessins. An Jedermann franco und verzollt ins Haus. Muster umgehend. 767 6. Henneberg’s Seiden-Fabriken (k. u. k. Ho«.), Zürich. NonirÄd AM z- Notiz> da88 d- bekannten Kuren geg. Angst, VI V US vH Zwangsgedanken, Schlaflosigk , Asthma, Herz- erreg., Magen- u. Darmträgh., Schwächezust., def. Gicht etc. auch in d. Jahre v. April bis Okt. in Auerbach, Hessen stattfinden. Prosp. üb. Eigenart u. Wirkung frei. 2535 Dr. Borcherdt. Bei dem Beginn der Schulferien empfehle allen Eltern meine Schuhwaren für Knaben und Mädchen. 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