s. ’o'rie Sonnte ° i 20 p* Uhr: -VS fotzt September 1810 im MtilMS 521< gel<.. 11 bei M*® m«rtt «rf fr«"Ä“ AW H-H 'N- 13-” *oW8, bet & HL .Tas GE' D Goli, tun danket ° !t, mit PrelS h 521S itület. ALr. 159 Zweites Blatt Sonntag den 9 Zuli 1899 Meßmer Anzeiger Heneral-An^eiger HciugsprrU vierlkijährlich 2 Mark 20 Ps,. monatlich 75 Pfß- mit Bringerloh». ttnn»>iBe «n,eigen ,u der nachmittags für d« Hai,end« Lag erscheinenden Nummer diS vor«. 10 Uhr. Alle Nnzeigen-BermittlungSstellen deS An« und Ausland«« nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger tatgtyB« Bei Postbezug R Mark 50 Pf,, vierteljährlich Grfcheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Mamtrientlttter (xrben dem Anzeiger voSchmttich viermal beigelegt. Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. Vtedaktton, Lxpeditton und Druckerei: Zchnlstr.tze Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische UolKsKunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger chietz«. Fernsprecher Rr. 51. PaMsche Mochenschm. Endlich ist in unserer inneren Politik eine gewisse Ruhe eingetreten, und alle Anzeichen sprechen dafür, daß, wenn wirklich Veränderungen in den leitenden Regierungsstellen des Reichs und Preußens vorgenommen werden sollen, diese Maßnahme auf später verschoben worden ist. Der Kaiser hat seine Nordlandsreise angetreten, der Reichskanzler, die Minister und Staatssekretäre suchen Erholung von den Strapazen der Winterkampagne, nachdem der preußische Landtag sich auf unbestimmte Zeit vertagt hat. Kanalgesetz und Zuchthausvorlage haben für einige Wochen aufgehört, die Gemüter zu beunruhigen, höchstens die Fälschung des Reichstagsstenogramms macht noch einzelne Köpfe warm. Die Thronfolge in Koburg-Gotha ist geregelt worden, so daß auch dieses Thema aus der öffentlichen Erörterung verschwinden wird. Bemerkenswert ist der Besuch, welchen der deutsche Kaiser in Bergen dem französischen Schulschiffe „Iphigenie" abgestattet hat; er legt ein Zeugnis dafür ab, daß die Gemüter mehr und mehr ausgeföhnt werden, und läßt einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft thun. Die Ausstandsbewegung im Bochumer Grubenrevier ist in der Abnahme begriffen. Ruhestörungen scheinen nicht mehr befürchtet zu werden, da das requirierte Militär bereits wieder zurückgezogen wird. Im Auslande sah es während der letzten Woche noch immer recht bewegt aus. Von offiziöser Seite wird freilich berichtet, daß die Unruhen in Spanien ihr Ende erreicht haben, jedoch besagen Privatnachrichten, daß es an verschiedenen Stellen des schönen Landes noch immer gährt, daß Tumulte an der Tagesordnung sind, die fortgesetzt das Einschreiten von Polizei und Militär erforderlich machen. Ministerpräsident Silvela scheint fest entschlossen zu sein, bezüglich der neuen Steuern seinen Willen durchzusetzen und -selbst vor der zeitweiligen Aufhebung der konstitutionellen Garantie nicht zurückzuschrecken. Mit einer Einschränkung der verfassungsmäßigen Rechte versucht man es auch in Italien. Das betreffende königliche Dekret hat aber solche Aufregung hervorgerufen, daß es bekanntlich zu Prügelszenen in der Kammer kam. Eine Berechtigung zur Unzufriedenheit hat das italienische Volk insofern, als die seit langen Jahren versprochenen, so dringend notwendigen wirtschaftlichen Reformen von der Regierung nicht durchgeführt werden, mag nun Crispi, Ru- dini, Giolitti oder Pelloux an der Spitze des Kabinetts stehen. Was es auf sich hat, wenn die Volksrechte verkümmert werden sollen, das hat die Regierung des Königreichs Belgien neuerdings wieder erfahren. Die Wahlgesetzvorlage dürfte kaum noch zur Erörterung gelangen, da sich der Widerstand gegen dieselbe als ein so nachhaltiger erwiesen hat. Man nimmt an, daß das Kabinett van der Peereboom in allernächster Zeit von der Bildfläche verschwinden werde. Feuilleton. Mseöriefe für den „Hießener Anzeiger". (Nachdruck verboten.) I. Ein Vormittag im Glaspalast zu München. E. Harmonisch und vornehm wie immer, ist auch in diesem Jahre das Ausstellungsarrangement im Glaspalast geraten. In der Fülle des Gebotenen kann sich der Beschauer noch immer Ueberblick und Aufnahmefähigkeit wahren. Die Kunstwerke sind derart gehängt und aufgestellt, daß man sich nicht im „Magazin" zu befinden glaubt, sondern eher in einem Palais, dessen größere und kleinere Säle mit Bildern, Handzeichnungen, Statuen, Vasen rc. geschmackvoll belebt und dekoriert sind. Durch die ganze Art der Anordnung bietet eigentlich jeder Raum den Anblick eines stimmungsvollen Interieurs. Aber mit der Ausstellung der Werke der hohen, idealen Kunst ist auch eine Flucht von Gemächern verbunden worden, in welchen die angewandte Kunst zu ihrem Recht kommt, und die an und für sich klein-archikektonisch-dekorative „Gedichte" zu nennen sind. In diesem „arabischen" Zimmer mit seiner Anwendung des Schriftornaments, des Stalaktitengewölbes, des Hufeisenbogens, dem graziösen und doch garnicht weichlichen „Boudoir" mit seinem plätschernden Brunnen, dem gediegenen „Bibliothek- und Musikzimmer", bcm „Billardzimmer", in welchem die satten Töne des Blau und Rotbraun vorherrschen, — kann sich nicht der Von der Balkanhalbinsel liegen einzelne interessante Meldungen vor: In Bulgarien sollte eine Revolution ausgebrochen und Fürst Ferdinand verjagt worden sein. Diese Nachricht hat sich zwar nicht bestätigt, daß sie aber überhaupt auftauchen und Glauben finden konnte, spricht deutlich für die Ansicht, die man allgemein von der Situation in Bulgarien hat. Die zweite Meldung besagt, daß auf den Senior der Dynastie Obrenowitsch, auf den Exkönig Milan ein Attentat verübt worden ist, wobei derselbe eine leichte Verletzung davontrug. Ob der Anschlag aus politischen oder persönlichen Gründen geschah, ist noch nicht festgestellt; jedenfalls aber treiben auch die Zustände in Serbien mehr und mehr einer Katastrophe zu. Aus Frankreich liegen keine bemerkenswerten Nachrichten vor, nachdem das Parlament geschlossen worden ist, auch über die Dreyfusaffaire ist nichts neues zu berichten. (xx) Hessischer Landtag. Zweite Kammer der Stände. nn. Darmstadt, 7. Juli 1899. Die Sitzung wird um */210 Uhr eröffnet. Am Ministertisch Staatsminister Rothe, Ministerialrat Braun und Dr. Breidert. Zur Tagesordnung übergehend gelangt der Gesetz- Entwurf die Abänderung des Gesetzes vom 15. Oktober 1890, die Errichtung einer Landeskredit lasse, zur Beratung. Die Regierung hat eine Vorlage wegen der Verhältnisse der Landeskreditkasse gemacht, nach welcher durch das Sinken des Kurswertes der Staatsschuldbriefe dem Staat schwere Verluste drohen, wenn die gesetzlichen Bestimmungen aufrecht erhalten werden sollen. Bekanntlich beträgt der Zinsfuß für Darlehen aus der Landeskreditkasse 3y2 Prozent, während der Kurswert der 3*/2 prozentigen Schuldbriefe bis 3x/2 Prozent unter pari gesunken ist. Zwei Mittel sind vorgeschlagen, um diesem drohenden Verlust abzuhelfen, entweder den Zinsfuß zu erhöhen oder den Kursverlust auf den Anleiher abzuwälzen. Die Regierung hat in ihrer Vorlage den letzteren Weg vorgeschlagen. Demgemäß hat der Ausschuß beantragt, den Zinsfuß für Darlehen auf 4 Prozent bis auf weiteres festzusetzen und dem Art. 17a folgende Fassung zu geben: „Die Leistung des Darlehens erfolgt nach Wahl der Landeskreditkasse entweder in barem Gelde oder durch Auslieferung von Schuldverschreibungen nach Art. 16 im Nennwerte des Darlehens oder durch Barzahlung des Wertes nach dem jeweiligen Kurswerte. Bezüglich der jährlichen Tilgung und Höhe des Zinsfußes gelten die Vorschriften des Art. 9. Die Zinsen und Tilgungsbeträge sind nach dem Nennwert des Anlehens zu berechnen. — Ministerialrat Braun stellt fest, daß bei dieser Frage nur die Landgemeinden in Betracht erste beste Geldprotz, nur ein Mensch von geläutertem Kunstgeschmack wohl fühlen. Bei den Gemälden im Glaspalast wird man weder an den „Naturalismus", noch an den „Symbolismus" — diese stärksten Strömungen in der Kunst des letzten Jahrzehnts — ausgesprochen erinnert. Aber ebensowenig scheint es am Platze, die Maler und Bildhauer, die hier ausgestellt haben, kurzweg als die „Alten", die „Unmodernen" zu bezeichnen. Landschaft und Porträt z. B. stehen auf einer Stufe der Vollendung, um derentwillen allein schon unser Zeitalter noch eine Epoche der Kunst heißen darf. Möglich, daß das 19. Jahrhundert die großen Bildniskünstler der Renaissance nicht erreicht hat, dafür aber hat es in der Landschaft Erfolge aufzuweisen, die man früher kaum geahnt. Aufgefallen ist uns, daß man jetzt auch wieder dem Inhalt des Bildes seitens der Maler selbst ein größeres Jntereffe zuwendet. Einige Jahre galt das für nebensächlich. Als ob der Wert des rein Malerischen nicht auch mit der stofflichen Teilnahme verbunden werden könnte! Gerade jetzt giebt es im „Glaspalast" eine Menge von Bildern, bei welchen sich etwas „denken", ja, eine ganze Geschichte erzählen läßt, ohne daß dies ihrem rein künstlerischen Charakter irgendwelchen Abbruch thäte. Auf unserer Wanderung stoßen uns da zunächst einige große Gruppenbilder auf, wie des Spaniers Carnelo y Alda Komposition von „Lourdes", ein lebensprühendes, farbenreiches Gemälde, durch welches man sich sofort zur kämen. Eine allzu große Belastung der Kaffe sei allerdings zu vermeiden, da gerade in letzter Zeit die Gemeinden für Ausführung von Wasserleitungen mit bedeutenden Forderungen an dieselbe herangetreten seien. Beispielsweise bearbeite die Kulturinspektion Mainz 22 und Darmstadt 17 Wasserversorgungsprojekte. Nach Möglichkeit werde den Wünschen der Gesuchsteller entsprochen, doch sei es seiner Ansicht nach empfehlenswert und zu erwägen, den Zinsfuß auf 4 Prozent zu erhöhen. — Abg. Haas-Offenbach betont, daß es nicht notwendig erscheine, daß der Staat 4 Prozent Zinsen erhebe. Die Vergünstigung, daß der Darleiher bares Geld oder Papiere nehmen könne, sei auf den kleinen Mann nicht anwendbar. Das hohe Ziel der Landeskreditkasfe sei doch, die Entschuldung unserer Landwirte herbeizuführen, und decke sich durch Herbeiführung billigster und unkündbarer Kredite und möglichst angenehme Amortisation. Diese Vorteile durch einen hohen Zinsfuß wieder zu schmälern, werde abschreckend wirken und das hohe Ziel der Kasse bedenklich gefährden. Die preußische Centralgenossenschaftskasse als Muster hinzustellen, sei nicht stichhaltig, da hier ein Bankinstitut in Betracht komme, das mit seinen Bestimmungen jederzeit wechseln könne. — Abg. Möllinger, als Berichterstatter des Ausschusses, zieht hierauf unter dem Beifall des Hauses den Antrag I auf Erhöhung des Zinsfußes auf 4 Prozent zurück. — Abg. Ulrich giebt dem Hause zu bedenken, daß die der Kreditkasse zur Verfügung stehenden 10 Millionen Mark sehr stark in Anspruch genommen seien. Werde man mit neuen Forderungen hervortreten, so müsse dies eigentümlich wirken. Nach der Lage des heutigen Geldmarktes habe man alle Ursache, dafür zu sorgen, daß Zinsverluste vermieden würden. — Abg. Graf Orio la freut sich, daß Ministerialrat Braun sich auch der älteren Darlehnsnehmer erinnert habe, denen die gleichen Vorteile geboten werden sollten, wie sie jetzt vorgesehen sind. Die Regierung möge auf dieser Basis weiter arbeiten. — Abg. Pitthan beantragt, daß bei früheren Amortisationen die Rückzahlung auch mit hessischen Staatspapieren al pari erfolgen könne. — Nachdem Ministerialrat Braun den Nachweis der Unmöglichkeit der Durchführung dieses Antrages erbracht hat, zieht Abg. Pitthan seinen Antrag zurück. — Bei der Abstimmung wird hierauf der LI. Teil des Antrags des Ausschusses einstimmig angenommen. — Zur Beratung der Regierungs-Vorlage die Gewährung eines Darlehens zur Erhöhung der Gehalte der Geist- l ich en übergehend, betont Staatsminifier Rothe, daß sich wohl niemand in der Kammer der Einsicht der Notwendigkeit der Gehalts-Aufbesserung der Geistlichen entziehen könne. Der Kirche sei es aber nicht möglich, in der Kürze der Zeit, sich in diesem Punkte selbst zu halten. Es handele sich hier nur um eine Vorlage und nicht um eine Bewilligung. Er ersucht das Haus, der Vorlage zuzustimmen, weil es damit einen Akt der Gerechtigkeit und Billigkeit begehen werde.— Abg. Möllinger begründet namens der Mehrheit des Lektüre einiger Kapitel des gleichnamigen Zola'schen Romans angeregt fühlen dürfte. Einfacher behandelt, weil ja auch nur eine Menschen- klasse, nicht alle Schichten der Gesellschaft vorführend, ist Peter Baumgartners „Erhörter Bittgang". Während der Zug noch geht und den segnenden Regen auf das dürre Land herabfleht, wetterleuchtet es bereits von ferne, und die großen, baumwollenen Schirme müssen aufgespannt werden. Auf Anton v. Werners Gemälde „Kaiser Wilhelms I. letzte Augenblicke" liegt, abgesehen von der Porträtähnlichkeit, die allen Figuren gegeben ist, etwas von dem klaren, stramm disziplinierten Geist, der Preußen und seine Könige an die Spitze von Deutschland hob. Novellistisches Interesse, sogar recht krasser Art, bietet das Bild „Der Räuber der Lüfte" von Mathias Schmid, wo eine junge Mutter aus dem Gebirge, thatenlos und vor Schmerz fast gelähmt, zuschauen muß, wie ein Raubvogel ihr kleines Kind entführt. Harmloserer Natur ist „Der Eifersüchtige" von Franz Defregger, wo der Bursch seinem Mädel, das offenbar kein ganz gutes Gewissen hat, die heftigsten Vorwürfe zu machen scheint. Der Gegenstand seiner Eifersucht befindet sich wohl in der angrenzenden Wirtsstube, in welche dem Beschauer der Blick frei gegeben ist. Defregger macht noch immer Schule. Entweder führt man seine Art ins Herbere oder mildere hinüber. Ersteres ist der Fall bei den „Falschspielern" von Otto Seitz, wo alles auf die Katastrophe einer Dorstragödie Ausschusses den Standpunkt desselben dahin, daß derselbe eine grundsätzliche Notwendigkeit der Vorlage bestreite, weil die Angelegenheit nicht dringend sei und der Gedanke, die Angelegenheit auf dem Wege eines Darlehens vollständig ungeeignet, weil die finanziellen Opfer für den Staat zu große seien. Bezüglich der katholischen Geistlichen sei die Sache noch bedenklicher, da die katholische Kirche für die Rückzahlungen des Kapitals keine Bestimmungen habe. Die evangelische Kirche verlangt ein Darlehen von 140000 Mk. Die katholische Kirche 70000 Mk. und die altkatholische Gemeinde zu Offenbach 1200 Mk. Die Aufbesserung halte auch die Mehrheit des Ausschusses für nötig, aber nicht für dringlich. — Minister Breid ert stellt fest, daß schon in früheren Jahren Gehaltsaufbesserungen der Geistlichen vorgesehen worden seien. Die Steuer-Reform habe dies bis jetzt unmöglich gemacht. Was man den Staatsbeamten gewährt habe, dürfe die Kammer den Geistlichen nicht vorenthalten. — Abg. Metz wird gegen die Vorlage stimmen, aus den Gründen der Majorität des Ausschusses. — Abg. Schroeder tritt in warmer Weise für Bewilligung der Gehalts-Erhöhungen der Geistlichen ein. Hier müsse rasch und mit einer gewissen Freudigkeit gehandelt werden, um den Geistlichen die ihnen mit Recht zustehende Gehaltsaufbesserung zu teil werden zu lassen. — Abg. Weidner und Friedrich werden für die Vorlage stimmen, da hier eine Notlage vorhanden sei. — Abg. David kann sich nicht für die Vorlage aussprechen, wenn er auch den Geistlichen das Recht, eine Gehaltserhöhung zu erstreben, nicht absprechen wolle. Den Staat für die Aufbringung der Kirchensteuern zu belasten, halte er nicht für richtig. Dafür müsse die Kirche selbst aufkommen. Eine unverzinsliche Darleihung sei für den Staat ein finanzielles Opfer. — Die Abgeordneten Graf Oriola und Frenay werden für den Antrag stimmen. — Auch der Abg. Köhler-Darmstadt hält die Vorlage für dringend, da ein Notstand vorhanden. Hier müsse so schnell wie nur möglich geholfen werden. Der Staat habe doch hinreichend Garantie, daß die Darlehen wieder zurückgezahlt werden. Durch dieses Darlehen könne die Kirche auch ihren Verpflichtungen gegenüber den Geistlichen nachkommen. Er wird für den Minoritätsantrag stimmen. — Für die Vorlage sprechen noch die Abgeordneten Bähr und Brunner. — Abg. Pitthan beantragt, auch den Geistlichen der freireligösen Gemeinden eine entsprechende Gehaltsaufbesserung zu teil werden zu lassen, ev. auch für die Juden. — Abg. Ulrich meint nach dem Antrag Pitthan müsse das Haus auch alle Andersgläubigen und Sekten unterstützen und bestreitet die Auffassung, daß man den Geistlichen geradeso verpflichtet sei wie den Beamten. Pflicht der Kirche sei es, für ihre Diener zu sorgen, wie es auch der Staat für seine Beamten thue. — Abg. Osann stellt fest, daß es sich bei dieser Vorlage nicht um eine Unterstützung der Kirche, sondern um eine Aufbesserung der Diener derselben handele. Diesem Antrag könne man zustimmen, und es sei falsch, zu behaupten, daß hiermit der katholischen Kirche, die s. Z. konfiszierten Güter wieder zurückgegeben werden sollen. — Bei der Abstimmung wird der Antrag der Minorität des Ausschusses auf Gewährung eines Darlehens von 211000 Mark zur Aufbesserung der Gehalte der Geistlichen in Hessen gegen 9 Stimmen angenommen und der Antrag der Majorität den Zinsfuß auf 4 Prozent zu erhöhen, abgelehnt. — Die Sitzung wird hier um 1 Uhr abgebrochen und eine Nachmittagssitzung für 4 Uhr anberaumt. Nachmittagssitzung. Die Sitzung wird um V24 Uhr nachmittags eröffnet. Am Ministertisch Staatsminister Rothe, Ministerialräte Braun, Eisenhuth undBreidert. Der Gesetze Entwurf, die Anstellung und Disciplinarverhältnisse der Kreisbeamten betr., steht zur Beratung. Der Ausschuß empfiehlt Annahme desselben. — Abg. Häusel stellt den Zusatzantrag, daß die Kreisstraßenmeister unter dieses Gesetz nicht fallen. Dieser Antrag wird abgelehnt und der Aus- hindeutet, wogegen die anmutigen Kompositionen von Emil Rau wie „Almenrausch und Edelweiß" uns an Roseggersche Idyllen gemahnen. Führen die genannten Bilder uns Leiden und Freuden des Gebirgsbewohners vor Augen, so versetzt uns in die schwüle, parfumdurchduftete Atmosphäre des Salons, in welchem die Stimmen der Leidenschaft und des Hasses nur gedämpft, mit Kulturlügen bekleidet, auftreten können, die ganz famos gemalte Soloszene des Italieners Reggia- n i n i „Er schlägt sich", die uns den letzten Akt eines Dramas ahnen läßt. Eine schöne Frau mit allen Merkmalen des Luxus umgeben, in glänzender Gesellschaftstoilette, die abzulegen sie sich nicht mehr die Zeit genommen, stiert mit angstverzerrten Zügen auf den Zeiger einer kleinen vor ihr stehenden Stutzuhr: In wenig Sekunden wird sich das Schicksal des Gatten oder des Geliebten erfüllt haben, und sie kann nichts anderes thun, als in Verzweiflung warten, bis man ihr eine Nachricht bringt. In den Sälen für Bildhauerei finden sich neben „Madonnen", „Kruzifixen", „Brunnenfiguren", „Reliquienschreinen", dieser bestellten oder doch am ehesten gangbaren Ware auch verschiedene Stücke, für deren Erstehung der rein ideale Trieb und ein selbständiges Formengefühl maßgebend gewesen sind. Hierzu rechnen wir die Gruppe „Der tote Abel" von Ignaz Meirich. Adam und Eva betrauern den Jüngling, die vornehm ernste Gestalt des „Todes", der Therese Feodorowna Ries (Wien) und eine prächtige Bronzestatuette von Robert Hannig, einen wetterfesten biederen Seemann „von der pommerschen Waterkant" vorstellend. Unter der Menge der P o r t r a i t b ü st e n interessiert uns die des jungen „Siegfried Wagner" von Fritz Zerritsch, in welcher die Aehnlichkeit mit dem Vater ganz unverkennbar hervortritt. schußantrag angenommen. — Ein Gesuch der seminaristisch gebildeten Lehrer an den Schullehrerseminarien Alzey, Bensheim und Friedberg, um Neuregulierung ihrer Gehallsund Dienstverhältnisse wird von dem Abg. v. Köth befürwortet. — Abg. Metz beantragt, den seminaristisch gebildeten Lehrern, welche früher einen höheren Gehalt bezogen haben, durch Einreihung in die entsprechende Beamtenklasse Gleichberechtigung zu teil werden zu lassen. Die Petenten sollen dann im nächsten Budget berücksichtigt werden. — Abg. Backes wünscht, daß außer dieser Bewilligung auch die Lehrer an den Gefängnissen im Budget Berücksichtigung finden, da dieselben schlechter gestellt seien als die Volksschullehrer. — Abg. Osann tritt für die Gleichstellung dieser Herren ein, die beim Beamtengesetz übersehen wurden. — Ministerialrat Dr. Eisenhuth ist mit dem Antrag Metz einverstanden, vorbehaltlich der definitiven Entschließung der Großherzoglichen Regierung. Der Antrag des Abg. Metz wird hierauf angenommen. Zu dem Antrag des Abg. Reinhardt auf Erbauung von Mietwohnungen für die niederen Beamten und Arbeiter des Staates in den größeren Städten. Abg. Reinhardt hebt hervor, daß schon seit Jahren andere Staaten, insbesondere aber größere Industrielle hier mit gutem Beispiel vorangegangen seien. Die Städte seien bis jetzt in dieser Frage noch nicht gefolgt, trotzdem es für dieselben als eine Pflicht zu bezeichnen sei. Die Zunahme der Bevölkerung, besonders auf dem Lande, müsse durch Erbauung kleinerer Wohnungen befriedigt werden. Der Herd der Volkskrankheiten seien häufig die schlechten Wohnungen der Städte. Auch durch das Reichsgesundheitsamt sei statistisch festgestellt, daß bei den Jnvaliditätsfällen, die Tuberkulose eine bedeutende Rolle spiele. Das gleiche Ergebnis sei auch auf dem letzten Aerztetag festgestellt worden. Dort habe man auch erklärt, daß es in solchen Wohnungen fast unmöglich sei, eine Heilung der Kranken herbeizuführen. — Auch der Abg. Häusel glaubt, daß sich der Staat dieser Aufgabe nicht entziehen könne. Ebenso der Abg. David, der das Hessische Wohnungsgesetz einer scharfen Kritik unterzieht und es für vollständlich untauglich erklärt. Durch die krasse Bauspekulation werden in den Städten Grund und Boden in einer Weise verteuert, daß es dem Arbeiter fast unmöglich ist, die Wohnungsmiete zu erschwingen. In den Städten Mainz, Darmstadt und Offenbach seien die Zustände geradezu himmelschreiend. Durch Hebung des Verkehrswesens, insbesondere durch Erbauung von Nebenbahnen, könne diesem Mißstand im Staat und in der Stadt abgeholfen werden, denn außerhalb der Städte sei Grund und Boden billiger. Mit zur Lösung dieser Frage habe auch das Fahrrad beigetragen und er bedauere, daß man seiner Partei bei der neulichen Beratung der Steuervorlage nicht gefolgt sei. Schlage die Regierung bei dem Antrag Reinhardt den richtigen Weg ein, dann werde auch für sie der Erfolg nicht ausbleiben. — Abg. Kramer weist noch darauf hin, daß man in den Städten nur große Wohnungen baue. Der Arbeiter werde absichtlich aus den Städten verdrängt, indem man ganze Viertel abbricht ohne für neue Arbeiterwohnungen zu sorgen; hiergegen müsse gesetzlich vorgegangen werden. — Abg. Osann stellt fest, daß man auch in Darmstadt mit dem Bau von Arbeiterwohnungen, wenn auch nur langsam, vorgegangen sei. — Abg. Weidner wünscht, daß man auch auf dem Lande in ähnlicher Weise vorgehen möge, denn dort sei die Wohnungsnot noch größer wie in der Stadt. — Abg. Joutz wird ebenfalls für den Antrag Reichart stimmen. — Äbg. Haas wünscht, daß in den einzelnen Gemeinden jährlich nach und nach verfügbarer Grundbesitz erworben und für diesen Zweck verwendet werde. — Die Kammer beschließt hiernach, nach dem Antrag der Minderheit des Ausschusses Großh. Regierung zu ersuchen, im nächsten Budget Mittel vorzusehen, welche die Errichtung von Mietswohnungen für die anderen Beamten des Staates bezwecken. Ein Gesuch der Bürgermeister, die Pensionsverhältnisse derselben betr., wird nach dem Ausschußantrag angenommen, die Pensionierung derselben abgelehnt. Ein Antrag des Abg. Köhler (Langsdorf), die Verwendung vonSoldaten beiErnte-Arbeiten betr., wird nach warmer Befürwortung der Abgeordneten Graf Oriola und Weidner in genehmigendem Sinne einstimmig angenommen. Ein Gesuch des Ad. Sauer zu Hamm, Fischereiberechtigung betr., wird nach dem Ausschußantrag zur Erledigung auf den Verwaltungsweg verwiesen und erst nach dieser Entscheidung eine Entschädigung zugesprochen. Ein Antrag des Abg. Schönberger, die Anlage von Bäumen an öffentlichen Wegen betr., wird vom Antragsteller zurückgezogen. Zur Beratung gelangt ein Antrag des Abg. Backes, die Besetzung von Lehrer stellen an den Volksschulen betr. Derselbe wird für erledigt erklärt. Von Seiten des Abg. Köhler (Langsdorf) ist die genossenschaftliche Organisation des Bauernstandes im Großherzogtum Hessen beantragt worden. Der Ausschuß beantragt hierzu, die Regierung zu ersuchen, den Landständen eine Gesetzesvorlage zugehen zu lassen, nach welcher im Großherzogtum Landwirtschaftskammern in entsprechender Weise zur Einführung kommen. — Der Antrag wird einstimmig angenommen. Ein Gesuch der Gemeinde Groß en-Lind en um Gewährung eines Zuschusses zur Restaurierung der Kirche daselbst wird von den Abgeordneten Bähr, Zinser und Sch mehl in warmen Worten besürwortet. Abg. Bähr beantragt, das Gesuch der Regierung zur Berücksichtigung zu empfehlen. Der Antrag wird gegen 3 Stimmen angenommen. Ein weiterer Antrag des evaug. Vereins zu Laufach um Unterstützung zur Erbauung einer Gedächtniskapelle für die bei Laufach gefallenen Krieger wird, da ein Nachweis über den Kostenpunkt bis jetzt nicht vorliegt, in ablehnendem Sinn für erledigt erklärt. Der Antrag der Abgeordneten Dr. David und Genoffen, die Personentarife und Kilometerhefte der Preußisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft betr., wird, da die Regierung vorerst nicht in der Lage ist, dem Antrag näher zu treten, zurzeit für erledigt erklärt. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Es erfolgt noch die Beantwortung verschiedener Anfragen über Bahnbaute« in Rheinhessen, die die Regierung zur Zufriedenheit der Interpellanten Molthan und Schröder beantwortete. Am Schluß der Sitzung sprach Präsident Haas den Mitgliedern der Kammer seinen Dank aus für die Unter- stützung und treue Mitarbeit an den überaus zahlreichen Verhandlungsgegenständen. Er könne nicht „Auf Wiedersehen" sagen, da sein Mandat erlösche. Den einzigen und lebhaften Wunsch habe er, daß das große Werk der Steuer- Reform glücklich zum Abschluß gebracht werde. — Abg. David uimmt Veranlassung, dem Präsident Haas Dank zu sagen, für seine unparteiische und umsichtige Leitung der Geschäfte. Hierauf wird die nächste Sitzung auf Dienstag den 18. Juli vormittags festgesetzt und die Sitzung um 7 Uhr geschlossen. Deutsches Reich. Berlin, 7. Juli. Wie aus Bergen gemeldet wird, war der gestrige Empfang des Kaisers an Bord des französischen Schulschiffes Iphigenie ein sehr sympathischer. In Begleitung des Kaisers befanden sich der Kontre Admiral Freiherr von Senden-Bibran, Botschafter Graf Eulenburg und General von Kessel. Der Kommandant ließ mit Genehmigung des Kaisers am Großmast die deutsche Kaiser- Standarte hissen. Berlin, 7. Juli. Heute vormittag hat in der Klop- stockstraße der Gärtner Molitor, welcher dort seiner Geliebten auflauerte, um sie zu erschießen und der deshalb verhaftet werden sollte, aus einem Revolver einen Schuß gegen den ihn verfolgenden Schutzmann abgegeben. Der Schutzmann blieb unverletzt. Der Attentäter, welcher zu entkommen suchte, wurde festgehalten und der Polizei übergeben. In dem Besitz des Verhafteten wurde ein scharf geladener Revolver gefunden. — Die Lübecker Kaiserrede wird jetzt im authentischen Wortlaut bekannt. Die Ansprache war folgende: Ich danke Euer Magnifizenz für die Worte, welche Sie soeben an Mich gerichtet haben. Mit Freuden begrüße Ich im Namen des kaiserlichen Nachtklubs, als dessen Kommodore und im Namen aller Mitsegelnden den neuerstandenen Lübecker Jachtklub. In der Entstehung desselben hoffe Ich ein Zeichen zu erblicken für den Zug der Nation, die Zukunft immer mehr auf dem Wasser zu suchen. Es ist selbstverständlich, daß darin die Hansestädte vorangehen, und also auch natürlich vor allem die alte Hauptstadt der Hansa Lübeck, — diese altehrwürdige Stabt, wo jeder Zoll Boden, jeder Fuß Wasser Bände von Geschichte davon erzählt, was das Bürgertum in seiner Kraft zu schaffen imstande war. Dabei erinnere Ich an einen alten Wahlspruch Lübecks: „Das Fähnlein ist leicht an die Stange gebunden, aber es kostet viel, es wieder mit Ehren abzunehmen." Es ist dies ein Wort, dessen auch wohl jeder Segler eingedenk sein wird, wenn er morgens an den Start geht. Das Aufblühen des Segelsports wird, wie Ich hoffe, auch dazu beitragen, das Interesse für alles, was unsere wirtschaftlichen Beziehungen nach außen betrifft, zu entwickeln, die Lust zu Unternehmungen im Auslande zu stärken und die Ausbildung tüchtiger Iachtmatrosen zu fördern. Aber Ich möchte den alten Spruch auch aus einem weiteren größeren Gesichtspunkt betrachtet wissen! Ein ander Fähnlein, unseres Reiches Panier, habe Ich im Auge. Kaiser Wilhelm dem Großen verdanken wir es, er festigte es an dem Mast, an dem es — wie einst Nelsons Flagge — festgenagelt bleibe. Und so wollen wir alles dazu thun, daß es mit Ehren dort oben wehe, so lange es Gott im Himmel gefällt; und wenn Er es also bestimmt, daß es einmal wieder niedergeholt werde, dann möge Er es fügen, daß es nur „mit Ehren" geschehe. Ich trinke in Erinnerung an die ruhmreiche Geschichte des alten Vorortes der Hansa auf das Wohl der Stadt Lübeck und ihres Nachtklubs. — Die Zahl der Ausgewiesenen aus Nordschleswig. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres sind 175 dänische Unterthanen aus NordschleSwig ausgewiesen worden. Die Mehrzahl der Ausgewiesenen, nämlich 116, waren Knechte und Jungen, 16 waren Arbeiter und Taglöhner, 17 Gesellen, 6 Dienstburschen, 6 Lehrlinge und 5 Kommis. Unter den Ausgewiesenen waren auch 7 Optanten oder Kinder von Optanten. Da von den Ausgewiesenen einige verheiratet waren, und in diesem Falle Frau und Kinder mit von dem Ausweisungsbefehl betroffen wurden, kann die Zahl derjenigen Personen, welche un- u. freiwillig das Land verlassen mußten, auf 200 veranschlagt werden. ______ _____________ __ Ausland. Wien, 7. Juli. Der von der sozialdemokratischen Parteileitung ausgegebenen Parole folgend, hatten sich Donnerstag nach 7 Uhr abends trotz anhaltenden Regens in der Gegend des Rathauses zwischen dem Parkring und der Kärnthnerstraße mehrere tausend Arbeiter eingefunden, um gegen die vom Landtag beschlossene Reform des Gemeindewahlrechts und gegen die Bezeichnung, welche der Bürgermeister und der Vizebürgermeister gegen die Teilnehmer an früheren derartigen Kundgebungen gebraucht haben sollen, zu demonstrieren. Solange sich die Arbeiterschaft ruhig verhielt, hatte die zahlreich aufgebotene Polizei keinen Anlaß zum Einschreiten; als jedoch gegen 7 Va Uhr ^lb und G- b.t t i »«b, d« ’ d-°> 8nttag "°ch d« be««t»onttt *?«••• btn J!'ble Unter. L**« Wi-dn. mb ■T{ bet Steuer. " ®b9' ;nt hm Dank |tl9e Leitung bet [ Dienstag den vuug um 7 yhr eldet rnitb, toQC Lord des stan- npathiichet. In öonlte Admiral M Eulenbutg lt ließ mit Gebüsche Kaiset- lt in bet Slop, bott feinet Geld der deshalb er einen Schuß bgegeben. Der ter, welcher zu >cr Polizei über >utbt ein scharf । jetzt im authen- ' war folgende: :e, welche Sie so» den begrüße Ich )essen Sornmodore n neuerftandenen sselben hoffe Ich Nation, die Zu- len. Es ist selbft- ngd)tn, unb alfo ftadt btt itbtt Zoll Boden, davon erzählt, schassen imstande ahlspruch Lübecks: gebunden, aber es en." Es ist dies er eingedenk sein geht. Das Auf- je, auch dazu beite wirtschaftlichen ickeln, die Luft zu nb die Ausbildung t Ich möchte den größeren Gesichts- n, unseres Reiches Pelm dem Großen Mast, an dem es igelt bleibe. Und it Ehren dort oben jlt; und wenn Er rikdngkholt * it Ehr»" # dir Stahl S*1 au« N°rd- to bei la«!*” «'$£> *S“” «gewiesenen Qa von de» rsÄ- ö'Ä" i $*£$ h'«1 f “L«*1' rb«I« ”t8 @- « ^chnunS' ki# Teil 1 -ie Arbeiter an mehreren Stellen in demonstrative Rufe ausbrachen, schritt die Polizei ein und verhaftete im ganzen etwa 45 Personen, darunter die Arbeiterführer Dr. Adler Blumann und Bretschneider wegen Vergehens des Auflaufes. Außer den drei Genannten wurden noch 21 Personen an das Landgericht abgeliefert, 11 wurden polizeilich bestraft, 10 vom Bezirksgericht wieder auf freien Fuß gesetzt. Nach 9 Uhr bot die Ringstraße wieder ihr gewöhnliches Aussehen, lieber das Einschreiten der Polizei wird gemeldet: Ganz unvermittelt ritten ganze Reihen von Polizisten in die Menge hinein, sie an die Mauern andrückend, und wer zu Boden fiel, wurde von der Fußmannschaft mit Fäusten geschlagen. Dazu waren alle Straßen ins Innere der Stadt abgesperrt, so daß niemand entfliehen konnte. Alle Augenzeugen sind darin einig, daß mit großer Rücksichtslosigkeit zu Werke gegangen wurde, und daß die Kundgebung ohne das schroffe Auftreten der Polizei harmlos verlaufen wäre. Niederlande. Die Königin Wilhelmine gab heute zu Ehren der Delegierten ein Festmahl int Schlosse. Dabei toastete sie auf die auf der Haager Konferenz vertretenen Souveräne und Staatsoberhäupter und sprach ihre besten Wünsche für das Gelingen des großen Werkes aus. Griechenland. Da sich die Auswanderung der Mohamedaner auf Kreta nicht hat verhindern lassen, und selbst die weitgehendsten Versprechungen des Prinzen Georg erfolglos blieben, hat Rußland den Vorschlag gemacht, 50,000 flüchtige Armenier nach Kreta zu bringen. Sowohl bei den kretischen Griechen als auch in Griechenland hat dieser Plan große Erregung hervorgerufen, da man in einer derartigen Einwanderung eine schwere Beinträchtigung des hellenischen Charakters der Insel erblickt. Auch würden die völlig mittellosen Armenier die wirtschaftliche Lage der Insel noch weiter verschlimmern. Lokales und Provinzielles. n. Staden, 7. Juli. Heute nacht kurz nach 1 Uhr wurden wir durch Feuerrufe aus dem Schlafe geschreckt. Es brannte in der Hofraite des Pferde- und Spezereihändlers Strauß. Die hiesige Feuerwehr war rasch zur Stelle, und es gelang ihrem thatkräftigen Eingreifen, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Es brannte nur ein Schuppen und ein Stall ab. -i- Ulrichstein, 7. Juli. Langsam und sicher schreiten die Arbeiten zur Kultivierung des Vogelsberges fort. Von Grebenhain wurden dieser Tage in unsrer Zeitung die trefflichen Ergebnisse hinsichtlich der Hutweiden gemeldet. Es hat Mühe gekostet, die Hutberechtigten unter einen Hut zu bringen; wenn aber die guten Wirkungen einmal da sind, wundern sich die Leute, daß man nicht schon längst zusammen gewirkt hat. — Eine wirklich hervorragende Arbeit ist auch für den hohen Vogelsberg im Gange, nämlich: Die Aufstellung eines Generalkulturplanes für den hohen Vogelsberg. Daran arbeitet auch Herr Geometer I. Klasse M. dahier und wir find überzeugt davon, daß alle Behörden und Personen, die dabei beteiligt sind, ein bedeutendes Werk zu stände bringen, welche das zu Ende gehende neunzehnte Jahrhundert würdig abschließen wird. A Mainz, 7. Juli. Der Rhein ist hier in den letzten Tagen beträchtlich gestiegen, und wächst noch fortwährend. Das gleiche wird von dem Main und Neckar, sowie von den meisten Flußgebieten Mitteldeutschlands gemeldet, sodaß, wenn die heftigen Niederschläge der letzten Zeit nicht bald nachlassen, in verschiedenen Gegenden Ueberschwemmungen zu befürchten sind. — In hiesigen Buchhandlungen fanden heute vergebliche Haussuchungen nach Zolas Schriften statt. Es handelte sich um die Ausgaben, die ein Buchhändler in Budapest unbefugt nachgedruckt hat. A Mainz, 7. Juli. Der Generalstabsarzt der Armee, Professor Dr. Coler, ist heute vormittag zur Inspektion des hiesigen Militärlazaretts hier eingetroffen. — Bei dem jüngster Tage in einem Privathause in der Nähe der Quintinskirche hier gemachten großem. Münzfunde sind Goldstücke von großem historischen Werte gefunden worden, die in Münzkabinetten zu den seltensten Stücken zählen. So befinden sich u. a. unter den Münzen: Sovreigne, vierfache Dukatenstücke von Elisabeth, Königin vvn England (1558—1603); Rosenobel, Doppeldukat von Eduard III., König von England (1327—1377); St. Martins-Doppel- gulden (1»/, Dukaten) mit der Umschrift: Ani a Moguntia; doppelte Krönungsdukaten von Mathias II., deutscher Kaiser (1612 — 1619); Doppeldukaten Ferdinand und Elisabeth (1474—1504), Castilien und Sizilien; ein Portugalöser, auch „Consado dioro“ genannt, von Johann II., König von Portugal (1481—1495); Goldgulden (sogen. Esels- dukat) des Stankt Albon-Stiftes in Mainz (1518); ein vierfaches Dukatenstück von Wolfgang von Dalberg mit dem Mainzer Rad und dem Bischofswappen. Von verschiedenen Münzen sind mehrfach Doubletten da. Der Fund gehört dem Eigenthümer des Hauses, in welchem er gefunden worden, doch wird derselbe wahrscheinlich dem städtischen Münzkabinett hier einverleibt. A Aus dem Großherzogtum Hessen, 7. Juli. Die von der „Frankfurter Zeitung" gebrachte Mitteilung, daß der .Rücktritt des Finanzministers Küchler in nicht allzu ferner Zeit zu erwarten sei, entspricht der Wirklichkeit; denn schon bevor die neuen Steuergesetze in der Zweiten Kammer zu Ende beraten waren, schickte er sich an, fein Amt niederzulegen, und nur den Bemühungen eines eiufluß- rrichen Mitgliedes der Ersten Kammer ist es, wie man uns von sehr wohlunterrichteter Seite mitteilt, zuzuschreiben, daß Herr Küchler die Ausführung seines Entschlusses auf ein ^rzes vertagte. Unter den Mitgliedern der Ersten Kammer zirkulieren bereits Namen von Personen, die als Nachfolger Mr Herrn Küchler in Aussicht genommen seien. Aus der Zeit für die Zett. Vor 216 Jahren, am 9. Juli 1683, rückten die Türken mit 200000 Mann, sengend und brennend, bis vor die Mauern Wiens. Allein an dem Heldenmut der Bürgerschaft scheiterte jeder Angriff, bis Karl vonLothringen und König S obies ki der bedrängten Stadt zu Hilfe kamen. Durch eine blutige Schlacht (am 12. Sept. 1683) wurden die Belagerer zu eiligem Abzug gezwungen. Vor 50 Jahren, am 10. und 11. Juli 1849, betraten die letzten Kolonnen der badischen Revolutionsarmee den Schweizer Boden. Nur Rastatt hielt sich noch einige Wochen unter Kämpfen und Ausfällen. Als aber Mangel an Lebensmitteln eintrat, mußte sich auch die eingeschlossene Stadt auf Gnade und Ungnade ergeben. Bald darauf wurde die alte Ordnung wieder hergestellt. Vermischtes. * Dr. Karl Peters in Macombe Land. Wie ein vom 7. datirter Brief mitteilt, — schreibt die T. R. — ist Dr. Karl Peters am 14. April von Nordosten ans in Macorn- bes Land einmarschiert und hat seine Forschungen sofort begonnen. Die Expedition hat auch bereits einige höchst wertvolle Ergebnisse erzielt, so daß der Erfolg der Unternehmung schon heute gesichert erscheint. Das Nähere, namentlich soweit die Auffindung alter semitischer Baureste in Frage kommt, werden wir in kurzer Zeit mitteilen können. Die Formation besteht aus quarzitischem Schiefer und Talgschiefer, gehört also der archäischen Formation an. Dazwischen liegt Quarz. Die eingeborene Bevölkerung, die sich noch ganz unabhängig fühlt, verhielt sich zunächst sehr zurückhaltend, fast feindselig. Es ist aber Dr. Peters, dem Mr. Puzeys alte Beziehungen zu der Gegend gute Dienste leisteten, bald gelungen, ein freundliches Verhältnis herzu- stellen, und jetzt ist der Verkehr mit den Eingeborenen der allerbeste. Bereits befindet sich eine Botschaft von Dr. Peters im Hauptkraal von Macombe, und dessen Söhne haben ihm in seinem Lager schon einen Besuch abgestattet, mit einer Einladung zu Macombe selbst. So liegt ba§ ganze Land des Macombe Dr. Peters' Expedition offen. Sobald er feine Arbeiten im Nordosten beendet hat, wird er das ganze Land von Norden nach Süden durchziehen. Von Europäern hat er Mr. Puzey und die beiden Minen- Jngenieure, Herrn von Napolski und Herrn Gramann, bei sich. • Die Weinernte der Welt im Jahre 1898 wird, wie alljährlich, im „Moniteur Vinicole" zusammengestellt. An der Spitze der Weinländer steht Frankreich mit 32 y4 Millionen Hektoliter, es wurde aber im vorigen Jahre von Italien mit 3D/2 Millionen fast eingeholt. Das erstgenannte Land hatte gegen die Ernte von 1897 eine geringe Abnahme, das letztgenannte eine Zunahme von 51/, Millionen Hektoliter zu verzeichnen. Das dritte unter den Weinländern war und blieb Spanien, das eine Zunahme von annähernd 19 auf 243/4 Millionen aufwies. Nicht allgemein bekannt dürfte es sein, daß das viertreichste Land in Bezug auf Weinerzeugung Algier ist, das allerdings mit öy4 (4i/2) Millionen Hektoliter gegen die erstgenannten Länder weit zurücksteht. An fünfter Stelle stand 1897/98 Rumänien, das eine Steigerung der Ernte von 3200000 Hektoliter auf 3900000 erreichte. Die sechste Stelle nahm im vorigen Jahre Rußland ein, während es im Jahre 1897 noch hinter Portugal und Chile zurückstand. Einen außerordentlichen Aufschwung hat die Weinernte in Bulgarien genommen, das von der 17. an die 7. Stelle rückte und eine Zunahme von 1090000 auf 2 600000 erzielte. Dann folgen Chile und Portugal; Deutschland blieb im vorigen Jahre wegen der bekanntlich recht mangelhaften Ernte noch hinter Oesterreich (1900000) zurück unb trat mit 18000u0 Hekt. von der 9. an die 11. Stelle, lieber eine Million Hektar Wein erzeugten noch die Türkei mit Cyperu, Argentinien, die Vereinigten Staaten, Griechenland und die Schweiz. Es wird vielleicht überraschen, daß Ungarn nur 800000 Hektoliter hervorbrachte. * Der Storch als Fischräuber. Fast überall in Deutschland wird der Storch geschont: man freut sich, wenn er kommt und begegnet ihm fast mit liebevoller Zärtlichkeit. Indes es sind schon mehrfach Stimmen laut geworden, die die gute Meinung, die man allgemein von dem Thun und Treiben des Storches hat, nicht für berechtigt halten; namentlich die Jünger des edlen Weidwerks wissen aus Beobachtung, daß nicht bloß der schwarze, sondern auch der weiße, der Hausstorch, manchen Junghasen, manchen Nestling brütender Vögel usw. in seinem Kropfe begräbt. Neuerdings wird auch Schädlichkeit des Storches für die Fischerei bekannt. Die „Allgemeine Fischerei-Ztg.„ hat darüber in ihrem Leserkreise eine kleine Umfrage veranstaltet. Die mitgeteilten Beobachtungen können allerdings dafür geltend gemacht werden, daß die unbedingte Schonung des Storches im Interesse des Fischerei nicht wünschenswert ist. Aus einer Gegend Posens, wo die Verhältnisse noch in ihrem natürlichen Zustande erhalten geblieben sind, schreibt ein Lehrer: Ich hatte seit 18 Jahren Gelegenheit, die Lebensweise der Störche zu beobachten. Eines Tages erlebte ich mit einem Storche Folgendes: In einer meiner Reusen fand ich einen D/2 pfüudigen Hecht, den ich vielleicht zehn Schritte vom Wasser auf die Wiese warf. Eben beschäftigt, meine Reuse wieder in Ordnung zu bringen, vernahm ich hinter mir ein Rauschen und bemerkte einen Storch, der sich abmühte, meinen Hecht fortzuschleppen. Ich verscheuchte ihn mit einer Neusenspreize. Der Storch flog etwa vierzig Schritte weg und wartete dort ruhig ab, bis ich mich entfernte, worauf er feine Beute wiederholen wollte. Ich kam aber zurück und verscheuchte ihn wiederum. Dieses Manöver wiederholte sich viermal, und jedesmal drang der Storch auf den Hecht ein. Natürlich sind die Störche bei uns gar nicht scheu und gesellen sich öfter zu dem Federvieh auf dem Hofe." Ein anderer Beobachter schreibt, daß er oftmals . tote Fische, die dem Storch aus dem Nest gefallen seien, bemerkt habe, einmal sogar einen etwa vierpfündigen Hecht, und hat selbst gesehen, wie der Storch etwa halbpfündige Karpfen ins Nest schleppte. Der Storch besitzt für Fische scheinbar dieselbe Vorliebe wie für Frösche. Allerdings kann er Fische in klarem, durchsichtigem Wasser schlecht fangen; er fischt darum im Trüben, und zu seinen Leckereien gehören daher Schleihe, Karauschen, Hechte, Barsche, Schlammbeizger und sehr häufig junge Karpfen. Wo viel Störche in der Nähe von künstlichen Fischteichen nisten, können sie allerdings großen Schaden anrichten. Anch der bekannte Ornithologe Naumann geht in seiner „Naturgeschichte der Vögel" dem Storche sehr zu Leibe. Er erzählt, daß dieser selbst 2—21/2pfünbige Hechte seinen Jungen zutrage. Im Neste geht es dann den Gefangenen recht übel. Die jungen Störche können solche Bissen natürlich nicht bewältigen: sie hacken daher ziellos auf die Fische ein und werfen fic dabei zumeist aus dem Nest heraus. Der schwarze Storch ist als Fischräuber noch viel schlimmer, als sein weißer Bruder, aber schlimm genug treiben sie es alle beide. Die Frage, ob den Fischpächtern, die ihren Bestand durch übermäßige Räubereien der Störche gefährdet sehen, nicht wirksamere Schutzmaßregeln, als die bisher üblichen, von den Behörden gestattet werden könnten, wäre also wohl zu erwägen. Lttteratur, Wissenschaft und Kunst. — Kurorte und Sommerfrischen der Rheinpfalz. Von Pfarrer August Süß. Mtl 60 photographischen Abbildungen. Preis 1 Mk. Kaiserslautern, Druck und Vertag von Emil Thieme. — In diesen Tagen, wo die Sommerhitze fühlbarer wird und jeder, der es irgend ermöglichen kann, aus dem Getriebe der Städte hindurch aufs Land, in den Wald und in die Berge flüchtet, erscheint dieses Buch eben zur rechten Zeit und erfüllt zugleich durch fein Erfcheinm ein langgehegte« Bedürfnis. Der Verfasier, rühmlichst bekannt durch ein ähnliches Werk über Bäder und Sommerfrischen in Eisatz- Lothringen, bespricht, gestützt auf fleißige Studien und Erkundigungen, eingehend alle Unterkunftsverhältnisfe der metstbesuchten Punkte der Pfalz, gibt genau die von den einzelnen Hotels, Gast- und Kurhäusern geforderten Preise und die dafür gewährten Vorteile und Genüsse an und dient durch Beschreibung der Hauptsehenswürdigkeiten zugleich als Reisehandbuch, welches nicht nur den Sommerfrischlern und Kurgästen, sondern auch allen Touristen und Fremden willkommen sein. Nicht weniger als 60 nach neuen photographischen Aufnahmen angefertigte Ansichten schmücken das Werk und machen dasselbe trotz des überaus billigen Preises zugleich zu einem wertvollen Geschenkbuch, das man gern zur Erinnerung an schön verlebte Tage aufbewahren wird. - Das deutsche Volkslied. Ueber Wesen und Werden des deutschen Volksgesanges von Dr. I. W. Bruinier. („Aus Natur und GeisteSwelt." Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten deS Wissens. 12 monatliche Bändchen zu je 90 Pfg., geschmackvoll gebunden zu je Mk. 1,15, oder 54 wöchentliche Lieferungen zu je 20 Pfg.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Die Sammlung „Aus Natur und GeisteSwelt" will vor allem zu einem tieferen Verständnisse unserer Umgebung anleiten und führen. Nichts aber ist uns näher als unser Volkstum und nichts haben wir lange so wenig verstanden wie dieses; in den weitesten Kreisen glaubte man fich seiner entledigen zu dürfen wie eines altfränkischen Gewandes, weil man nicht erkannte, daß es der sicherste Harnisch gegen alle Gefahren sei, die unserm Volke drohen. Darum ist es auf das lebhafteste zu begrüßen, daß die Teubnersche Verlagshandlung uns als neuestes Bändchen der genannten Sammlung eine gemeinverständliche Darlegung der Fragen vorlegt, die sich an eine der wichtigsten Erscheinungen deutschm Lebens, an den Volksgesang knüpfen, und zwar mit steter Bezugnahme auf den Urquell, auS dem dtefes frische Master fließt. Der in weiteren Kreisen bekannte Verfaster hat sich bestrebt alS Erzieher zugleich und als Unterwetser aufzutreten; er faßt den Begriff deS Volksliedes in dem wetteren Sinne, den ihm die heutige Wistenschaft zukommen läßt und führt daher den Leser durch die Jahrhunderte, zeigend, wie und was unser Volk seit Tacitus' Zeiten gesungen, wie die Kunstdtchtung immer befruchtend inS Volk drang und dort dem Geschmacke angepaßt wurde, wie die alte mystische Auffaffung von der Entstehung des Volksliedes, dem Wesen der Ballade heutzutage vor dem Licht der Erkenntnis zerfließt, wie wiederum die alte Klage, daß der Volksgesang auSsterbe, ihre Berechtigung habe, wie Besserung zu hoffen sei. Viele Proben werden dem Leser willkommen sein. In allen Kreisen, die ein Herz fürs Volk haben, wird dieses ansprechend auSgestattete und dabei doch so billige Büchlein freundliche Aufnahme finden; wir empfehlen eS vor allem Dolksbibliotheken, Lehrern, nationalen Schutzvereinen aller Art und jedem, der In- tereste für unser deutsches Volksleben hat. Verkehr, Land- und Volkswirtschaft. Gtetzerr, 8. Juli. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. dL 0.75—1.00, Hühnereier per St. 6—7 H, 2 St. 11—13 H, Enteneier 1 St. 7—8 H, Gänse» eiet per St. 10—11 -Ä, Käse 2 St. 5—6 Käsematte per St. 8 Erbsen per Liter 22 H, Linsen per Liter 32 \ Tauben per Paar JL 0.75—1.00, Hühner per St. dk 1.00—1.30, Hahnen per Stück dt 0.80—1.20, Enten per St. dt 1.60—2.C0, Gänse per Pfund dt 0.00—0.00, Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 H, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—64 4, Schweinefleisch per Pfd. 60—72 H, Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 76 Kalbfleisch per Pfd. 60—66 H, Hammelfleisch per Pfd. 50—70 H, Kartoffeln per 100 Kilo 5.00 bis 7.00 dt, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Ctr Jt 8.50—9.G0, Milch per Liter 16 4, Kirschen per Pfd. 25 bis 35 Pfg. Dauer der Marktzeit von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr nachmittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzest darf im Umherzieben nicht feilgeboten werden. Kunst-Ausstellung. ausstellnng im Turmhaus am Brand ist täglich von 11 bis 1 Uhr mittags mit Ausnahme des Samstags geöffnet, Mittwochs auch noch von 3 bis 5 Uhr nachmittags, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen. Eintritt für Nichtmitglieder an Werktagen 50 Pfg., an Sonn- und Feiertagen 20 Pfg. ^Myrrholin-Seife unübertroffen xur 'föaut- und Schönheitspflege. (Sls beste 'Kjnderseife ärztlich empfohlen, ffleberall, auch in den (Apotheken, erhältlich. 5184 5201 5195 5192 Seim. B Heinrich Mack (Fabrikant von Mack’s Doppel-Stärke) Ulm a/D. Brüder Schmidt Sehersweg 83 Seltersweg 83 5186 Nachnahme billig angefertigt. 5205 Wasser Heilanstalt 1887 Stadt WormS unk. b. 1901 1977 I>r. M. Schulze-Kahleyss. im Taunus. 4 4 Deutsche Erdsch. B. unk. b. 1904 101.50 4 Brief dto. Americ. 4.17 237.00 Darmst. Bk »Actien Rrbatrien 6. »urTbarbt. — Druck unk N-rluq der Brühl'schrn UmvrrfitStS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch erden) in Gieße«. " MimtÄjnÄi VrDkWmlijM (Offene Stellen MZS g a Schutz Marke. 99.80 90.30 97.40 000.00 100.30 100.20 00.00 ö a o a 101.50 100.50 101.50 98.95 8 3 Brief 00.00 20.40 4.21 99 80 100.15 26.20 100.20 51.00 Selb 81.10 169.25 4.16 (0.00 4 69.30 4 81/ 4 4 Gebrüder Oppenheimer Holzgraben 7. Telephon 4482. reichen. Zuschlagsfrist 18 Tage. Gießen, den 7. Juli 1899. Das Stadtbauamt. Schmandt. 8 87. 4 4 ch schnitt es gern m alle Rinden em, Ich grub' es gern in jeden Kieselstein, Auf jedes weiße Blättchen macht' ich's schreiben Krebs-Wichse ist und wird die beste bleiben. OnpWuiM Gulsversteigerung. Auf Anstehen der Kreissparkasse Lüdinghausen soll am Dienstag, dem 18. Juli 1899, vormittags 11 Uhr, auf dem Orts- gerrchts'Bureau das dem August Specht zu Heidelbach gehörige, in der Gemarkung Heidelbach gelegene Gut, bestehend aus Wohnhaus, Scheuern und Stallung, Aeckern, Wiesen und Grabgärtcn, in Gesamt- fiächengehalt von 120 Morgen Ackerland und 52 Morgen Wiesen, zwangsweise öffentlich meistbietend, mit unbedingtem Zuschlag, versteigert werden. Das Gut ist taxiert zu 55170 Mk., es ist darauf ein Angebot von 33500 Mk. eingelegt. Die Bedingungen der Versteigerung sind am Großherzoglichen Ortsgertcht Heidelbach einzusehen. Heidelbach, am 5. Juli 1899. Der Vorsteher Großh. Orisgerichts Heidelbach. 16.25 Franz. Banknoten 20.86 Oesterr. dto. 5197] Ordentliches Dienstmädchen rum September gesucht. __Frankfurterstratze 32. «hendeourser 000.00 l Oesterr. Lredit'Actien schriftlich vorzubringen. Gießen, den 7. Juli 1899. Grotzherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnaut h.___________ Conservegläser Obstpressen Messingtöpfe zum Einkochen Eisschränke Speisenschränke Bohnenschneidmaschinen. ■ Wieseck Sonntag den 16. d. W. feiert der Gesangverein Säugerkrauz sein Behaglich eingerichtete kleine Anstalt (bis l\UI ilCLUO 20 Patienten) für Nervenleiden, DcrdauungS .. , störungen, Rheumatismus rc. Vorzügliche, HnthPim sorgsame Verpflegung bei engstem Familien-! IIUI llvllll anfchluß. März bis November. Profp. franco.' Erstes Spezialgeschäft der Haus- und Küchengerätebranche am Platze empfehlen CeMl-Kranktll- und KtttbkKilffk brr Tischler nnb anderer gewerblicher Arbeiter. E. K. Ur. 3 in Hamburg. Die Mitglieder obiger Kaffe werden hierdurch aufgefordert, die noch rückständigen Beiträge für das II. Quartal bis spätestens den 15. Juli zu entrichten (siehe § 18 Art. 13 des Statuts), widrigenfalls dieselben auf ihre Kosten eingezogen werden, ev. kann der § 5 Art. 2 zur Anwendung kommen. 5187 Die Ortsverwaltuug. Verdingung. Dre nachstehenden Unterhaltung-- arbeiten an städtischen Gebäuden sollen Samstag den 15. Ivli d. Is., vormittags 11 Uhr, öfter tl ch verdungen werden. ^)Weißvinderarveit: Schulhaus in der Neustadt, Forsthaus Hochwart, Aliceschule, Altes Arresthaus, Eiserne Brückenu. Schutzgeländrr, ' Turmhaus am Brand, Cholerabaracke und Dcs- infeklionsschuppen bei den neuen Kliniken. b) SchreinerarVeit: Altes Arresthaus, c) Schtofferarveit: Südanlage. d) Maurerarbeit: Aliceschule. Arbeitsbeschreibungen und Beding- ungen liegen bei uns auf Zimmer Nr. 6 während der Dtenststunden zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Termin einzu- Großh. Landes-KaMimWulk Damstadt. Beginn des Wintersemesters am 23. Oktober. Smiuß Mitte März 1900. Die Schule umfaßt vier Klaffen. Das Schulgeld beträgt 50 Mk. Programme und Anmelde-Formulare sind durch die Direktion der Landes - Baugewerkschule, Darmstadt, Neckarstraße 3, zu erhalten. Schluß der Anmeldefrist am 26. August d. I. Die Direktion. 20 Franken-St. Enal. Sovereigns Dollars in Gold Neue Früh-Kartoffeln 50 Ko. in«. Sack Mk. 4.50 ab Frankfurt a. M. versenden gegen Eisenb. Rentenb. 061. Buderus Obl. Hambrgr. Hyp Bk. unk. b. 1905 Preuß. Hyp. A.Bkunk.b. 1900 Pomm.Hyp.A.Bk. unk. 6.1904 Frkf.Ldw.Cred.Bk.unkck>.1900 Mchtige Maurer und Kandtanger gegen hohen Lohn bei bauender Beschäftigung gesucht von 5204 Karl Dorfeld, Wieseck. Valentin Brauer, Seilerei, Neustadt 30. Gkübte Wilkklmacher finden dauernde Beschäftigung bei hohem Lohn. 02414 ________________Nordanlage 9. mit Zeichen N. & C. A. sowie der Flume Souvenir, welche auf der Antwerpener Ausstellung von der Firma Natowitz & Co., Antwerpen, fabriziert wurde, ist für die Stadt Gieheu der Firma Wilh. Klee, Wapier-, Aormularien- und Schreiömaierialienpandlung übertragen worden. 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Aus obigem Vermächtnis sind zehn Gaben zu 19,71 Mk. an zehn bedürftige Familien bezw. Witwer oder Witwen zu vergeben. Anmeldungen zum Bezug fraglicher Zinsen sind bis zum 14. b, M. einschließlich bei dem Armenamte — Zimmer Nr. 2 — mündlich oder Dis Kleins Fleischsaftpressen, 5188 Eiserne Gart en möbel Rollschutzwände Waschmaschinen, Mangeln Wringmaschinen Petroleum- und Spirituskochupparale Amerikanische Rasenmäher. Procent 4x/6 Oesterr. Silberrente 4 Ung. Sold-Rente 8 Portugiesen 6 Mexicaner 4 Monopol-Griechen von goocxxKKjnoöoncxinoöiQQicxxxxxxxxxxxiocxjo Der alleinige Verkauf der rühmlichst bekannten, auf der Welt-Ausstellung in Antwerpen mit der Goldenen Medaille prämiierten Wmsal-UmchsiidknWnii Städtischer Arbeitsnachweis Gießen G^rtenstraste 2 Angebot der Arbeitnehmer: 1 Maschinenschlosier, 1 Schmied, 1 Fahrbursche, 2 Taglöhner für leichtere Arbeit. Nachfrage der Arbeitgeber: 1 Drechsler, 2 Dachdecker bet hohem ^.ohne, 1 Messerschmieds Bauschlosser, mehrere Maschinenschlosser, 2 Wagner, * Schied, 2 Schuhmacher/ 2 Reitburschen, 3 Fuhrknechte, 1 Taglöhner, 1 Dienstmädchen, 1 Flickfrau. _ . Lehrlinge: 2 Bäcker, 1 Barbier, 1 Buchbinder, 1 Drechsler, 1 Drucker, 2 Glaser, 1 Kellner, 1 Küfer, 1 Kupferschmied, 2 Lackierer, 1 Sattlers Schmied, l Schneider, 2 Sckreiner, 1 Schuhmacher, 2 Spengler, 1 Tapezier, 1 Wagner. Bekanntmachung. In d>m Hospitale, Seltersweg 11, sollen Donnerstag den 13. Juki c., nachmittags 3 Wr verschiedene Gegenstände, als: Sopha, Tische, Schränke, 1 Bett mit Sprungfedermatratze, 1 Kommode, 1 Taschenuhr, verschiedenes Küchen geschirr, 4 noch gut erhaltene Fenster u. s. w. versteigert werden, Gießen, den 7. Juli 1899. 5212 Armenamt Gießen. 1 gutgehende Bäckerei g q zu pachten oder zu kaufen gesucht. q Offerten unter K. 5189 an die Expedition ds. Blattes. 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Hochachtend 02412 Heinrich 'Vollmöller. Bestellungen werden auch in meiner Wohnung, Wallthorstraße 46, 2. Stock, entgegen genommen Evang. Gottesdienste der Method. Kirche Neuenweg Nr. 9, Hinterhaus 1. Stock, Eingang Erlengaffe. Sonntag den S. Juli, nachmittags 3 Uhr: Predigt. Herr Pred. Barntckel. ____________Jedermann freundlichst willkommen. Kursbericht von J. Kurz & Co., chießeu, Kchnhofstraße 63. Frankfurter Börse vom 7. Juli 1899. 8'/,' Frankftr. Hyp. Bk unk. b. 1906 96.80 4 ' Frkf. Hyp. Lred.B. unk. b. 1906 96.60 4 btO. unk.b. 1907 101.40 4