e Mittag, ^schieden ist e Seil 1 Stnbehause 1244 y ^/r Uhr, itat. 'M (Nm): V ür Slubenten m 1 Su^anblung, , Gedeck DE * W) gejilli 12! iöT 1899 M muten, den. bürg 15. Vorstand. Ml märtteu W w m folgend"’ B 15. gtbu«' 12. Juli, 9.nc 22. Novell 1» ^rkt-8oatitee. I it RabM ’A. >!gen Anlehe«r elündigt. ulle nach bm Debet Gießen, r Siabevai'r ,td in ** KM ««Atz »vtt, einen- *$ ,nstalt ^Mar^ instaltz”6“ M b°«°E reti8C“'R 1899 Nr. 34 Zweites Blatt Donnerstag den 9. Februar idiener Anzeiger General-Anzeiger Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Bezugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf,, meuatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorin. 10 Uhr. Alle Anzcigen-Bermittlungsstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Erscheint täglich mit Au4u.u>me deS Montags. Die ßhrftener Kamikicnb tatter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Zlints- und Anzeigeblcrtt für den Krck Gieren. Gratisbeilageu: Gießener Familienblütter, Der hestifche Landwirt, Ktättcr für hessische Volkskunde. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schutfiraße Ar. 7. aw /j^BrcCTiii« I ■IMt—B— Zum Tode Caprivis. Der Tod ist ein Versöhner, und so heftig auch der Nachfolger des Fürsten Bismarck bekämpft worden ist, an drr Bahre Caprivis muß jedermann bekennen, daß ein Edelmann im wahren Sinne des Wortes gestorben ist. Ja, der Versöhner Tod gleicht alle Gegensätze aus, ob arm oder reich, ob Agrarier oder Industrieller, ob politisch auf der rechten oder linken Seite stehend, wenn der Mensch die Augen geschlossen hat, wenn die Natur ihr Recht verlangte, wenn die Seele hinübergegangen ist in die Ewigkeit, dann haben alle Unterschiede, die hier auf Erden gemacht werden, ausgehört. Jeder Mensch hat seine Fehler und Schwächen, und wie der erste Kanzler des deutschen Reiches, der große Bismarck, von diesen nicht frei gewesen ist, so hat deren auch sein Nachfolger Caprivi gehabt; niemand aber wird zu behaupten wagen, daß der ebenVerstorbene jemals gegen seineUeberzeugung handelte, daß er nicht stets seine Pflicht zu erfüllen dachte, >nd diese nicht auch in weitestem Maße gethan hat. Der Lebensgang des Grafen Caprivi ist bekannt. Sein Dirken im Dienste des Vaterlandes läßt sich in drei große Ab- schn itte teilen: in seine militärischen Dienste, in seine Thätigkeit alsChefderMarine undin sein Wirken als Reichskanzler. Kaiser feil helm l. wählte sicherlich keinen minder begabten General aus, den er an die Spitze der jungen deutschen Marine stellte, deren Organisation erst im Werke war. Es gehörte ein Mann dazu, der sich hervorgethan hatte, dessen Talent und Geschick man unbedingt vertrauen konnte, von dem man erwarten durfte, daß er sein alles daran setzen würde, um dieser seiner Aufgabe gerecht zu werden. Und daß Caprivi sie in befriedigendster Wcise gelöst hat, darüber sind sich alle Zeitgenossen einig. Wenn die deutsche Marine heute ein so hohes Ansehen genießt, wenn sie als Vorbild dienen kann für alle Marinen der Dell, dann hat daran ein gut Teil Verdienst der Mann, welcher am Montag auf seinem stillen Gute Skyren sein Leben ausgehaucht hat. Die Thätigkeit des Grafen Caprivi als Reichskanzler ist noch in frischer Erinnerung, noch bis in die jüngste Zeit }ii:ein dauerte die Kritik über seine Führung der Reichs- ziichäfte fort. Wir wollen hier nicht richten und deuteln, wir wollen allein dessen eingedenk sein, daß Graf Caprivi, als er am 20. März 1890 den Reichskanzlerposten über- Mhm, damit einem Befehle seines Kaisers nachkam, daß er ■fici wohl der Schwierigkeit des verantwortungsvollen Amts ibkivußt war, daß er aber auch mit voller Hingabe die Mchsgeschäfte leitete und jedenfalls immer das beste im luge gehabt hat. Unendlich hoch muß es dem Verstorbenen angerechnet Mden, daß er nach seinem Ausscheiden aus dem Dienste tine so vornehme Zurückhaltung beobachtet hat. Nichts ikunte ihn aus seiner Ruhe bringen, und in aller Stille Feuilleton. Aus Wilhelm Jordans Jugendzeit. 3um 8«.Geburtstag des Dichters,8.Februarl8VS Nach seinen persönliche« Erzählungen. Von Paul Wittko. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) 8U Ostern des Jahres 1833 kam er auf das Gym- nwium in Tilsit. Hier wars, wo Wilhelm in ungebundener jugenbluft durch Flur und Feld, Busch und Bruchland zog, W suchte er die ersten Schneeglöckchen, hier hauste er mit Mrsgenossen als Höhlenbewohner in den Sandbergen: bald M er hinter einem flinken Hasen her, bis er an einem Lach« Halt machen mußte. Aber schnell war er getröstet: «begab sich auf die Suche nach Maikäfern oder den in Achen zahlreich vorhandenen Heidelbeeren, oder zog mit .^bcicsgefahr ein Fröschlein aus sumpfigen Gräben, um es JJ erne Streichholzschachtel zu stecken und es später im Lhulzimmer Herumhopsen zu lassen. Dort rauchte er auch «je erste Cigarre zum Preise von einem ganzen halben .Mchcn" (5 Pfg.), die ihm gar nicht so übel mundete, ul ihm danach hätte werden — können. Aber sie bekam M gut — und er war riesig stolz darüber. F später gehörte er auch zu jenen hoffnungsvollen Jüng- Yn' die regelmäßig ihren Spaziergang auf der sogen. ; ^irraths-Chaussee" machten, wo man gewiß war, die jungen umen Tilsits kichernd und tuschelnd den „Corso" auf und | lebte er seine Tage dahin bis er nun die ewige Ruhe gefunden hat. (xx) Deutsches Deich. Darmstadt, 7. Februar. Der ehemalige Staatsminister Finger wurde vom Großherzog zum lebenslänglichen Mitgliede der ersten Ständekammer ernannt. Berlin, 7. Februar. Der Kaiser wird sich bei der Beerdigung des Grafen Caprivi in Skyren durch den General-Leutnant von Plessen, Kommandant des Haupt- Quartiers vertreten lassen. Berlin, 7. Februar. Der Kaiser hat anläßlich der Trauer um den verstorbenen Erbprinzen von Sachsen- Koburg Gotha den heutigen Hofball abgesagt. Auch der Fastnachtsball wird nicht stattfinden. Berlin, 7. Februar. Der Kaiser fuhr heute vormittag bei dem Staatssekretär von Bülow vor und hörte später die Vorträge des Generals von Hahnke und des kammandierenden Admirals von Knorr. M.P.C. — In den nächsten Tagen wird in dem bekannten juristischen Verlage von H. W. Müller die zweite Auflage des Daude'schen Werkes über das Entmündigungsverfahren gegen Geisteskranke und Geistesschwache, Verschwender und Trunksüchtige erscheinen. — Das Werk ist für Juristen und Aerzte bestimmt und hat sich bisher stets als ein unentbehrlicher Ratgeber in Entmündigungssachen bewährt. — In der neuen Auflage ist das bürgerliche Gesetzbuch für das deutsche Reich eingehend berücksichtigt worden, so daß das Werk für alle deutschen Juristen und Aerzte ein zuverlässiger Führer durch die verwickelten Gesetzesvorschriften über das Entmündigungsverfahren sein wird. Ausland. Budapest, 7. Februar. Unter den Vertrauensmännern der Opposition sind Meinungs-Verschiedenheiten ausgebrochen, infolgedessen die Situation wieder schwieriger geworden ist. Ein großer Teil der Oppositionellen bemängelt die meisten Regierungs-Vorschläge und will in eine Revision der Hausordnung im Abgeordnetenhause durchaus nicht einwilligen. Am Donnerstag wird das Abgeordnetenhaus auf eine Woche vertagt werden. Paris, 5. Februar. Frankreich untersteht beständig dem Einflüsse so vieler wirklicher und eingebildeter Aufregungen, daß es, wie schon Balzac wiederholt betonte, eines ganz ungewöhnlichen Ereignisses bedarf, um einen dauernden Eindruck hervorzubringen. Zeitweilig hätte man glauben sollen, daß die schmerzliche Faschodaschlappe ein solches Ereignis darstellen werde; indessen man hat sich offenbar getäuscht. Die politischeu Folgerungen, die während der ersten Aufnieder wandeln zu sehen. Wenn sie nach Hause kamen, dann setzten sie sich nicht wie Gretchen im „Faust" an den Spinnrocken, wohl aber wie Laura ans Klavier und sangen : „Meine Ruh' ist hin, mein Herz ist schwer", mit dem Gedanken im mädchenhaft keuschen Herzen: „Ich gäb' was drum, wenn ich nur wüßt'. Wer heut' der Herr gewesen ist", wie unser Dichter in seinen „Zwei Wiegen" scherzt. Unmittelbar an den Turm der „Deutschen Kirche" in Tilsit stieß, ganz versteckt, der Hof des alten Gymnasiums. Hier hat Wilhelm Jordan unter der Direktion Cörbers fünf Jahre lang die Bänke gedrückt, hier empfing er die Grundlage zu seiner vielumfassenden Bildung. Bei einer Frau v. Oertel war er in Pension, und die alte, vornehme, würdige Dame hat oft über den jugendlichen Uebermut ihres Schutzbefohlenen geklagt und ihn vergeblich zu zügeln gesucht. Denn seine Lieblings-„Privat"-Beschäftigungen fand er in der Turnhalle, im Schwimmbade, auf der Eisbahn und in der Tanzstunde. Auf dem weiten Erntefelde der Dichtkunst lernte er bald den Weizen von der Spreu zu unterscheiden. Er hatte die Freude, daß die Erstlinge seiner Muse von einem gewissen Erfolge begleitet waren. Darüber berichtet er folgendes in seinen „Andachten" (1877): „Als Schüler schon, zu Festgelegenheiten, Versucht ich oft den Pegasus zu reiten, Sogar den Ruhm, gedruckt im Wochenblättchen Zu stehn, gewann sich manches Frühsonettchen. So kam es, daß man einst bei mir per Post Ein Hochzeitlied bestellt. Mein trüber Most Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51. —■—— Ilm I Wallung über die unerhörte Schmach von den Franzosen selbst daraus gezogen wurden, haben sich nicht bewahrheitet; und heute, nachdem die unmittelbare Kriegsfurcht verschwunden und die Zukunftsgefahr seitens der englischen Panzerflotte durch die unterseeischen Torpedoboote beschworen zu sein scheint, tritt nach wie vor die Frage Elsaß- Lothringen wieder im Programm der französischen Politik auf. Wenn wir Frankreichs Freundschaft gewinnen wollen, haben wir als Preis die bekannten Gebietsentschädigungen in Europa zu entrichten, so erklärte der „Gau- lois" vor acht Tagen; mittlerweile befolgt Frankreich den Rat Gortschakows, den Muraview dem Minister des Aeußern Delcasse wiederholt haben soll, nämlich sich zu rüsten und stark zu sein. „Seid stark!" so lautete dieser Rat, der vom russischen Standpunkte schon begreiflich ist; der Zar kann keinen schwachen Bundesgenossen gebrauchen. Unter diesen Umständen verliert das sogen. Kolonialeinvernehmen zwischen Deutschland und Frankreich, dem der „Figaro" soeben wieder durch den Mund seines Leitartiklers Whist eine lange Auseinandersetzung widmet, jedwede Bedeutung. Es wird uns darin zugemutet, für Frankreich die Kolsnialkastanien aus dem Feuer holen zu helfen; haben wir uns dann gründlich mit England verfeindet, so käme die Frage der beiden Provinzen unter günstigern Verhältnissen an die Reihe. Es bleibt also alles beim alten. Daß die beiden deutschen Kriegsschiffe „Charlotte" und „Stosch" in Oran und Algier einliefen und dort die vorschriftsmäßigen Begrüßungen mit den französischen Behörden austauschten, kann vorläufig nur als eine Besserung gesellschaftlicher Beziehungen der beiden Nationen aufgefaßt werden; wenn es dem „Gaulois" zufolge ein geschichtliches Ereignis sein soll, so wird es lediglich von den Franzosen abhängen, es zu einem solchen zu stempeln. Köln. Ztg. London, 7. Februar. „Daily Mail" meldet aus Peking: Jeder Versuch, die Rebellen zurückzuschlagen, ist mißlungen. Die Aufständischen haben gegenwärtig eine Landstrecke von 2800 Quadratmeilen besetzt. Lokales und Provinzielles. Gießen, den 8. Februar 1899. ** Parlamentarisches. Die Abgg. Schmitt und Genossen haben bei der zweiten Ständekammer beantragt: Die Kammer wolle beschließen: Die Großh. Regierung zu ersuchen, der Kammer mitzuteilen: 1) nach welchen Prinzipien sie bei Ausführung des neuen Beamtenbesoldungsgesetzes die Anrechnung der Vordieustzeit bethätigt hat; 2) namentlich wie sie die Gleichstellung der einzelnen Beamtenkategorien auch bei der Berechnung der Vordienstzeit durchgeführt hat; 3) ob nicht durch die von der Großh. Regierung vorgenommene Regelung der Vordienstzeit bei den Richtern, diese War nach Geschmack. Man schrieb mir: Wohlgeraten! Was lag im Brief? Ein funkelnder Dukaten." Daran knüpft der Dichter in wundervollen schlichten Versen eine rührende Geschichte von seiner Ahnen „Tabakspfeife", die sich von Geschlecht zu Geschlecht in der Familie fortgeerbt hat. Diese Pfeife, die nach dem Tode des alten Pfarrers von Norkitten, Wilhelms Großvater, unser Dichter erbte, existiert noch heute und steht hoch in Ehren. Jedem Freunde deutscher Dichtung empfehle ich die Lektüre dieses Gedichte-Cyklus aus den „Andachten". Inzwischen war Wilhelm Unterprimaner geworden. Als tändelnder Schmetterling war er, nach Jünglingsart, bald von der einen eben sich erschließenden Mädchenblüte zu der anderen geflattert, ohne sich von dem Liebreiz einer bestimmten vollends berauschen zu lassen. Doch nun lernte er ein Mädchen kennen, das gleich bei der ersten Begegnung ihn zu fesselnder Liebe entflammte. Diese minnige Maid war die 16jährige Tochter des Kreiskassenrendanten und Rittmeisters a. D. Steinberg aus dem Marktflecken Kaukehmen in der Memelcr Niederung, die er in einer Ferienzeit in dem Hause seines Onkels, des Pfarrers Zippel in Prökuls bei Memel, zum erstenmale gesehen hatte. „Der ersten Liebe zündender Sonnenstrahl Durchzuckt' unnennbar seine junge Seele, Und unerträglich schien ihm nun die Qual, Daß immer noch die gold'ne Freiheit fehle." Er sah, wie der schönen, schlanken, hochgewachsenen Jungfrau die Jünglingsherzen zuflogen, und das {einige brannte am heißesten. Besonders einer seiner Schulkameraden, der es später zu hohem Ansehen in seiner engeren Heimat gebracht hat, und auch vom Wahlkreise Tilsit-Niederung mehrfach in den deutschen Reichstag entsandt wurde, war sein Nebenbuhler um die Gunst der schönen Emma Steinburg. Jordan aber stach ihn in glänzendem Siege aus und erwarb sich das Herz des jungen Mädchens fürs Leben. Diesen Triumph hat ihm der alte Jugendgenosse, wie er mir selbst als alter Mann versicherte, nie vergeben. Er ist im Jahre 1893 auf einem Gute in der Nähe von Tilsit gestorben. Als Primaner wechselte Jordan seine Wohnung. Er siedelte in das Haus eines Verwandten seiner Familie, des Oberlehrers Heydenreich, über, eines alten, etwas schwerhörigen, aber feingebildeten Herrn, der in der Prima den deutschen Unterricht gab, und dem der kecke Jüngling wegen der schmalen Kost wenig Ruhe bei Tag und Nacht ließ. Doch der sonst so böse Bube zeigte sich in der Schule stets wacker, und es mußte ihm Onkel Heydenreich immer und immer wieder verzeihen, und im Grunde genommen waren Pensions-Vater und -Sohn auch ganz gute Freunde. Mit einem anderen Lehrer hatte sich ein reges Freundschaftsband angeknüpft. Das war „der alte" Gisevius, der im Gedächtnis der älteren ehemaligen Schüler des Tilsiter Gymnasiums noch heute lebt, nicht zum wenigsten auch durch das Denkmal, das ihm sein Schüler, Freund und Kollege, der nun auch schon verstorbene Oberlehrer Schickopp, in seiner kleinen Schrift „Eduard Gisevius" gesetzt hat. Jordan erinnert sich heute noch gern des alten „Enthusiasten von herrlichem Gemüt bei so harmlosen als oft grillenhaften Liebhabereien", und hat in seinem 70. Lebensjahre in einem Aufsatz, der im Jahrgang 1888/89 von „lieber Land und Meer" enthalten ist, seiner •"“'SÄ ......ii- d.. Lichaucr, die die Landbevölkerung der nordöstlichen Teiles von Ostpreußen bilden, zu erwärmen wußte. Der Oberprimaner lernte so eine Sage kennen, die sich an das Schloß des deutschen Ritterordens tn s-mer Vaterstadt Raqnit knüpst und von dem Kriege zur Unt-ri°chung und Bekehrung der Lithauer zum Christentum berichtet. Diese Legende gefiel Wilhelm dermaßen, daß er sie poetischi zu bearbeiten unternahm. Das ziemlich umsangr-ch- Gedicht schrieb er in der Strophe des mittelhochdeutschen Nibelungen- fjpnpä Als der 3. August 1838, der 68. Geburtstag König Friedrich Wilhelms III, heranrückte, da wurde Jordan die Aufgabe zu teil, zu der Gymnasialfeier mit einer Deklamation aufzutreten. Er wurde aufgefordert, einen Vorschlag zur Wahl des Stückes zu machen und nannte Schillers „Lied von der Glocke". Doch das Lehrerkollegium hatte auf Gisevius' Vorschlag beschlossen, daß ^ordan sem eigenes Opus vortragen solle. Und so geschah es. Vor mindestens 400 Zuhörern sprach der glückliche junge Dichter frei aus dem Gedächtnis fast l‘/2 Stunde lang seine Dichtung „Ragaina". . Im Jahre 1838 bestand Jordan in Tilsit das Matun- täts-Examen und ging nach Königsberg, um Theologie zu studieren. ,. . Bald aber wandte er sich der Philosophie und schließlich den Naturwissenschaften zu. Sie sind, neben der Poesie, sein Leben lang seine Lieblingsbeschäftigung gewesen. Fast vielfach gegenüber gleichalterigen Angehörigen anderer Be- I amtenkategorien im Gehalte zurückstehen; 4) ob die Regierung nicht gewillt ist, etwaige Härten des Gesetzes oder Ungleichheiten in der Berechnung der Dienstzeit eventuell im Wege der Gesetzgebung zu beseitigen. — Der Abg. Euler beantragt : die Gewährung von Stipendien seitens des Staates für junge unbemittelte Leute an der Bergstraße zwecks Ermöglichung des Besuchs der Großh. Wein- und Obstbauschule in Oppenheim a. Rh. und nach erfolgter Ausbildung einer Anzahl derselben, die Errichtung von Weinbergmusteranlagen mit Versuchsstationen an mehreren Orten der Bergstraße, gleichfalls auf Staatskosten. Der Bericht des Büreaus über die Eingabe der Metzger- Innung von Gießen, betreffend die Zuziehung von Sachverständigen zu den Ausschußverhandlungen der Zweiten Kammer der Stände, von dem Abg. Köhler (Langsdorf) als Antrag übergeben, gipfelt darin: der fraglichen ©tngabe der Metzgerinnung bezw. dem Antrag des Abg. Köhler (Langsdorf) keine Folge zu geben. — Eine große Anzahl Berichterstattungen des Ersten Ausschusses der Zweiten Kammer liegt vor. Derselbe beantragt zur Vorlage der Großh. Ministerien des Innern und der Finanzen, betr. die Kosten für den laufenden Betrieb des physikalischen und physikalisch-chemischen Instituts der Landes-Universität, der Regierung zu diesem Zwecke für die Zeit vom 1. April 189ii bis' Ende März 1900 die Summe von 9850 Mk. zu Lasten der Ueberschüsse aus früheren Finanzperioden zur Verfügung zu stellen. — Zum Antrag des Abg. Reinhart, betreffend Bewilligung eines Staatsbeitrages für die deutsche Versuchs-Anstalt für Lederindustrie in Freiberg i. S., beantragt der Ausschuß, diesen Antrag vorerst für erledigt zu erklären. — Zur Vorstellung des Komitees für Erbauung einer Nebenbahn Büdingen—Ober-Seemen und Büdingen—Lindheim, betreffend die Erbauung dieser Bahnen, wird beantragt, die Vorstellung für erledigt zu erklären. Weiter wird die Zustimmung beantragt zur Vorlage Großh. Ministeriums des Innern, betreffend die Einführung der elektrischen Beleuchtung der Landesirrenanstalt zu Heppenheim (40000 Mk.) ** Parlamentarisches. An die zweite Kammer der Stände richtet sich ein Antrag des Abg. Backes: Hohe Kammer der Stände wolle an Großh. Staatsregierung das Ersuchen richten, bei Aufstellung des Hauptvoranschlags der Staats-Einnahmen und -Ausgaben pro 1900/1903 zu berücksichtigen und die erforderlichen Summen einzustellen: 1) für die persönlichen Kosten der obligatorischen Fortbildungsschulen im Großherzogtum; 2) für die persönlichen Kosten für sämtliche Volksschulen aller Gemeinden, welche nicht Städte-Ordnung haben. Von diesen Gemeinden wird nach der Zahl der Bürger und nach Verhältnis der Steuerkraft derselben eine entsprechende, durch Gesetz geregelte Pauschalsumme jährlich in die Staatskasse gezahlt. Bestehende Stiftungen, sowie Naturalienbezüge als Besoldungsteile finden hierbei geeignete Berücksichtigung. — Die Begründung des Antrages lautet: Nach der Auffassung hervorragender Staatsmänner und Pädagogen gehört die Volksschule unter die ausschließliche Leitung des Staates. In unferm Großherzogtum Hessen ist der Staat im Besitz der wichtigsten Rechte 'und leitet und beaufsichtigt die Volksschule fast voll und ganz. Hieraus erwächst ihm aber auch die Pflicht, die Lasten für die Volksschulen zu übernehmen. Eine sofortige Uebernahme aller Lasten auf den Staat, ohne Beihilfe der Gemeinden, dürfte eine allzugroße, allzuplötzliche Vermehrung der Ausgaben ergeben; deshalb dürfte sich für eine allmähliche Ueberleitung zur vollen Staatsübernahme der angegebene Modus, der in ähnlicher Weise schon seit Jahren in Baden besteht, empfehlen. Für die Volksschullehrer würde es außer anderer in dienstlicher und sozialer Hinsicht von wohlthätigem Einfluß sein, wenn sie ihren Gehalt in regelmäßigen Terminen durch die Distrikts- einnehmer erhielten. — Derselbe Abgeordnete beantragt: Großh. Regierung zu ersuchen, den Landständen eine Gesetzesvorlage zugehen zu lassen, durch welche Artikel 10 des Besoldungsgesetzes für die Volksschullehrer im Großherzogtum Hessen dahin abgeändert wird, daß: in Gemeinden mit 5 bis 11 Lehrerstellen eine Lehrerstelle, in Gemeinden mit Bügeln und Kochen unterrichtet; die Stadt leistete dazu einen Zuschuß von 1207 Mk. 50 Pfg. Die Erfolge der Haushaltungsschule find befriedigend und das Jntereffe an derselben nimmt stetig zu. — In der Fortbildungschule wurden im Ganzen 347 Schüler in 3 Gruppen unterrichtet; die Schule erforderte einen Kostenaufwand von 1674 Mk. 15 Pfg. — Die vom Kaufmännischen Verein gegründete und betriebene Kaufmännische Fortbildungsschule mit Lehrlingsheim hat anhaltenden An- klag gefunden; der Sommerkurs war von 59 Schülern besucht, am Winterkurs nahmen 125 Schüler teil. — Das Lehrlingsheim wurde durchschnittlich von 22 jungen Leuten besucht. — Die Erweiterte Handwerkerschule (Tagschule) haben besucht im Sommer 1897 10 Schüler, im Winter 1897/98 79 Schüler. Die Sonn- taqszeichenschule besuchten im Sommer 1897 137, im Winter 1897/98 179 Schüler. — In der Alice sch ule nahmen am Unterricht teil im Weißzeugnähen 50, Sticken 21, Kleidernähen 12, Bügeln 38, am Lehrerinnenkurs 9, nm Kochkurs 51 Schülerinnen. — Am Feierabend für Lehrlinge, dessen Bibliothek fleißig benutzt wurde, nahmen im Winter 1897/98 in den Abendstunden von 6—10 Uhr im Ganzen 167 Lehrlinge teil; der stärkste Besuch an etntm Abend betrug 122, der schwächste 26 Lehrlinge. — Die Zahl der in der Kleinkinderschule aufgenommenen Kinder von 273—6 Jahren hat betragen im Sommer 1897 224, im Winter 237 Kinder. (Forts, folgt.) Odeuhauseu, 6. Februar. In der Nacht vom Sonntag auf Montag gegen 7,12 Uhr wurden die Bewohner Odenhausens durch Feuersignale erschreckt. Bis sich die Feuerwehr sammeln konnte, standen die Scheuern des Pachters Götte im Freiherrlich Rabenauischen Hof in hellen Flammen. Dem thatkräftigen Eingreifen der Feuerwehr, welche später noch durch die von Rüddingshausen, Geilshaulen, Londm Kesselbach und Weitershain unterstützt wurde, gelang H, des Feuers Herr zu werden, sodaß nur die drei Scheuern, in welchen sich noch viel Stroh, Wicken, wie auch die sehr wertvollen landwirtschaftlichen Maschinen befanden, verbrannten. Die Entstehungsursache ist bis jetzt unbekannt. § Hungen, 4. Februar. Bei der heutigen Verpach. tuna der hiesigen Gemeindejagd war eine Jagdgesellschaft von Frankfurt a. M. mit 3100 Mark letztbietender. Bei der zuerst vorgenommenen einzelnen Verpachtung der vier Jagdbezirke waren insgesamt gegen 1900 Mark geboten worden, während die darauf vor- genommene Verpachtung der gesamten Jagd obiges günstige Resultat erzielte. Der Mehrerlös im Vergleich zu der seitherigen Jagdpacht beträgt für unsere Gemeinde gegen 2000 Mark pro Jahr oder gegen 12000 Mark tn sechs 'n Von der mittleren Nidda, 6. Februar. Gestern hat uns der diesjährige Winter den ersten Schnee gebracht und damit der Wintersaat die für ihre Erhaltung so notwendige Schutzdecke. Unter den Fuhrwerken fallen setzt ta hochgeladenen Müllerwagen auf. Das Frachtgeschäft geht eben recht lebhaft. Die Landleute haben noch mehr auf Lager als in früheren Jahren um diese Zeit. Der meiste Weizen wird von den bedeutenden Handelsmühlen an der Nidda und Nidder aufgekauft. Dort ist unser Wetterauer i Weizen immer gesucht und wird etwas höher bezahlt als 1 anderer. Gegenwärtig werden 16.50 Mk. bis 16.75 Mk. für den Doppelcentner bezahlt. — Das diesjährige Sänger fest des Nidderthal-Sängerbundes wird nach dem Beschluß der Delegiertenversammlung in Eichen abgehalten werden. ^Myrrhoun-Seife unübertroffen zur 'föaut- und Schönheitspflege. (3ls beste l^inderseife ärztlich empfohlen, ffleberall, auch in den tfpothe^en, erhältlich. 12 bis 17 Lehrerstellen können zwei, in Gemeinden mit 18 bis 22 Lehrerstellen drei und sofort von je weiteren echs Lehrerstellen immer je eine weitere Stelle ständig offen gelassen und von Schulverwaltern versehen werden kann — Die Begründung des Antrags lautet: Die gesetzliche Bestimmung, daß 7< der Lehrerstellen in größeren Gemeinden ständig offen gelaufen werden könne, hat in vielen Gemeinden und insbesondere in den größeren Städten dahin geführt, daß ein erheblicher Teil der Schulverwalter erst nach 8 bis 10 und mehr Dienstjahren zur definitiven Anstellung gelangen kann. Diese erleiden hierdurch einen, mrch nichts gerechtfertigten erheblichen pekuniären Verlust. Nicht wenige Gemeinden und Städte haben seither schon Anstellungen über diesen Bruchteil hinaus beantragt, und wurden diese in den meisten Fällen von Großh. Regierung genehmigt. Bor dem Jahre 1872 gab es im Großherzogtum Hessen derartige ständig offen zu haltende Lehrerstellen überhaupt nicht; auch in Preußen erfolgt die definitive Anstellung der Volksschullehrer auf jeder Stelle nach bestandener Schlußprüfung. Es liegt im Interesse der Schule und des Lehrerstandes, daß die Zahl der ständig offen zu lassenden Stellen eine Einschränkung erfährt. ** Allgemeiner Bericht über die städtische Verwaltung im Jahr 1897/98. (Forts.) Neber die Statistik des Standesamts für das Kalenderjahr 1897 haben wir bereits zu Anfang des vor. Jahres berichtet. — Heber den Stand der Unterrichts- anstalten ist folgendes zu berichten: Die Vorschule des Gymnasiums besuchten im Sommer 1897 105, im Winter 1897/98 99 Schüler. Das Realgymnasium (9 Klaffen) besuchten im Sommer 1897 275, im Winter 1897/98 262 Schüler, die Realschule (7 Klassen) im Sommer 1897 271, im Winter 1897/98 267 Schüler, die Vorschule beider Anstalten im Sommer 1897 131, im Winter 1897/98 134 Schüler. Die vereinigten Anstalten haben im Berichtsjahr — neben einem Staatszuschuß von 19 723 Mk. 82 Pfg. — für die Hälfte der aus der Schulgeldeinnahme nicht gedeckten persönlichen Ausgaben, sowie für die sachlichen Kosten einen Zuschuß aus der Stadtkasse beansprucht von 34562 Mk. 15 Pfg., sonach von 52 Mk. 5 Pfg. für den Schüler (ohne die Verzinsung und Abschreibung an den Baukapitalien) und von 81 Mk. 75 Pfg. einschließlich des Staatszuschusses. — Die höhere Mädchenschule besuchten in 10 Klassen einschließlich der 3 Vorschulklassen tm Sommer 1897 304, im Winter 1897/98 296 Schülerinnen; die erweiterte Volksschule für Mädchen in 8 Klassen einschließlich der 3 Vorschulklassen im Sommer 1897 189, im Winter 1897/98 190 Schülerinnen. Der Zuschuß aus der Stadtkasse zu den Kosten der hier vereinigten Schulen beträgt im abgelaufenen Jahre 31 742 Mk. 89 Pfg. oder 64 Mk. 85 Pfg. für eine Schülerin (ohne die Verzinsung und Abschreibung der Baukapitalien). — Die Stadt- knabenschule besuchten in 8 Klassen, von denen 6 in je 2 Hälften, die 8. in 3 Abteilungen unterrichtet werden: im Sommer 1897 856, im Winter 1897/98 849 Knaben. — Die Stadtmädchenschule besuchten in 8 Klassen, von welchen 7 in je 2 Hälften, die 8. in 3 Abteilungen unterrichtet wurden, im Sommer 1897 987, im Winter 1897/98 1000 Schüler. An dem Unterricht für Stotterer nahmen 21 Knaben und 4 Mädchen und 16 Stammler (Knaben) teil; von den ersteren konnten 5 als geheilt, die übrigen als wesentlich gebessert bezeichnet werden. Der Zuschuß aus der Stadtkasse zu den Kosten der Volksschule (ohne Knaben- und Mädchenhort), Haushaltungsschule, Handfertigkeitsunterricht und Fortbildungsschule beträgt tm Berichtsjahr 85 120 Mk. 47 Pfg., sonach für ein Schulkind 46 Mk. 11 Pfg. (ohne Verzinsung und Abschreibung der Baukapitalien). — Der Knabenhort war von durchschnittlich 50 Knaben, der Mädchenhort von durchschnittlich 45 Mädchen besucht. - Der fakultative Handfertigkeitsunterricht für Schüler aller Lehranstalten wurde in je 2 Abteilungen für Papparbeiten und für Kerb- schnittarbeiten gehalten. Der Zuschuß der Stadt berechnete sich auf 577 Mk. — In den Räumen des Schulhauses tn der Mädchenschule in der Neustadt wurde ein besmiderer Haushaltungsunterricht abgehalten; 21 schulentlassene Mädchen wurden im Weißnähen, Maschmennahen, ausnahmlos find seine Werke davon Zeugen. Von iW« zu sprechen habe ich mir hier nicht zur Aufgabe geE Von einer parlamentarischen Thätigkeit in den Iaht 1848/49, in denen er mit Arndt, Uhland, Anastasius W- Moritz Hartmann, Heinrich Laube zu den Mitgliedernder ersten deutschen Nationalversammlung in der Paulsnrcye z Frankfurt a. M. gehörte, ist in den letzten Monaten in «r Tagespresse vielfach die Rede gewesen und so bliebe mu- davon zu erzählen wenig übrig. Ich will weiteren Kreil nur ein Bild entrollen von der frühesten Jugendzeit Dichters, der am heutigen Tage in seinem Hause Taunusplatz zu Frankfurt a. M. seinen 80. Geburtstag begeht. Noch viel zu wenig bekannt sind dem oeutL, Volke die Dichtungen Wilhelm Jordans. Nur wenige ps Felsen ragen aus der allgemeinen Litteratur-Ueberschwein ung der letzten 60 Jahre weithin sichtbar hervor. Werk aber steht wie ein von einem Leuchtturm genow stolzer Fels inmitten der brausenden Brandung, umhegt einem mit kühnem Schaffensmute errichteten Bollwerke, f festigt durch inneren Wert, das einzige Epos, das uni Tage geschaffen, eine dichterische Großthat. In ihm I Geist und Leben uralter Zeiten heraufbeschworen vom der neuesten Zeit zu neuem Leben im Lichte der Gegen es ist ein deutsch-nationales Werk von tiefgehender Bedeu für unser Volk. Das sind die „Nibelungen" Wilhelm J dans, ein Werk, das die religiösen Empfindungen des deu 1^ Mannes der Gegenwart in unvergleichlicher Weise äusam ' faßt. — Möge dem heute 80jährigen Dichter manche J seine von den Vätern ererbte Hünenkraft bewahrt ole seinem Ruhm und seines deutschen Vaterlandes Ehrest 1896ei X »< 1897er Mer lil( 100 ßiw fr.®'!! e* Beste Tabl Obere Io ibonnei U» loMchiak Borger! frtrl. v. Tucker feinstes ISpir tri gut abjt iLme, inm kMrgtät Mkibelbeerg Kirschvüsie lMustnlai iMm, i VebirM . 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