n ^hrräder rmen ia. tiswabi. aerWitterung 'Parat. -zbach 1898. WM WW ^sestzuges uvd em Feftylah. •udsest. itle. 5029 «feit Irlj. Stbüfcfnbunbfs 99. !Ug. Santtaß «ach- !». Abmarsch nach -MWtz der Spiele dknfall« pünktlich zu 5179 Men. Damen vnd Herren 8. d. Ms., M zögert werde, bitten MerW » J mH* ließen. ;Ä"i ««di" “ 0( AusichnßE hießen, hanüet 3»1' UUfl"i*r Rr. 158 Zweites Blatt Samstag den 8. Jul! 18»« Gießener Anzeiger Keneral-Wl^iger Bei Postbezug R Mark 50 Pf, -tterlrljährlich NezugspretL vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg monatlich 75 Pfz mit Bringerloh». Lnaetzme een Anzeigen zu der nachmittag- für de» feig ent en leg erscheinenden Nummer bis vor«. 10 llhr. Alle Anzelgeii-BermutlungSstellen des In- und nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegc« Orscheint ttßNch mit Ausnahme de« Montag-. Dm Gießener Kem1k1«»,tttter »erden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigeiegt. Aints- und Anzeigeblutt füv den tlveis Gieren. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hesiifche Landwirt, Kälter für hessische Volkskunde. •kMeftien, Expedition und Druckerei: Kch»tßr«tze Ar. 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietze». Fernsprecher Nr. 51. Deutsches Keich. Darmstadt, 6. Juli. Ihre Königliche Hoheit die G r o ß - Herzogin haben sich heute früh nach Koburg auf Schloß Rosenau begeben. Berlin, 6. Juli. Kaiser Wilhelm wird nach einer Meldung der „Voss. Ztg." gelegentlich seiner Nordlandsfahrt die neue russische Stadt Alexandrowsk am Eismeer besuchen. — Ferner wird der „Voss. Ztg." bestätigt, daß der Kaiser in Bergen (Norwegen) nach der Aufwartung des Kapitäns Mancron das dort weilende französische Schulschiff „Iphigenie" besichtigen und über die Kadetten Schau abhalten wird. Dieser Austausch von Höflichkeiten ist zwischen den beiden Regierungen vereinbart worden. Berlin, 6. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Polizei-Präsidenten Dr. Schütte zu Königsberg i. Pr. zum Geheimen Regierungsrat und Vortragenden Rat im Staatsministerium. Berlin, 6. Juli. Finanzminister v. Miquel ist heute früh nach Ems abgereist. Während seiner Abwesenheit wird der Nnterstaatssekretär Obersinanzrat Lehnert die Amtsgeschäfte im Finanzministerium führen. Berlin, 6. Juli. Der verantwortliche Redakteur des „Vorwärts", Jacobey, der wegen Verletzung des Urheberrechts angeklagt war, ist heute freigesprochen worden. Er sollte das Vergehen durch den Abdruck dreier, dem Chef- Redakteur der „Post", Kronsbein, abhanden gekommenen Briefe des Freiherrn v. Stumm begangen haben. Dortmund, 6. Juli. Das kaiserliche Hofmarschallamt hat dem Oberpräsidium von Westfalen mitgeteilt, daß der Kaiser bestimmt am 3. August zur Hafen-Einweihungs- feier nach Dortmund kommen wird. Ausland. Rom, 5. Juli. In der Presse wird die Frage vielfach erörtert, ob die Regierung sich vielleicht durch den Umstand, daß das königliche Dekret, betreffend die politischen Maßnahmen, die Genehmigung der Kammer nicht erhalten könnte, sowie im Hinblicke darauf, daß auch die ver- faffungsmäßige Opposition diesem Dekret Giltigkeit abspricht, von der Inkraftsetzung der königlichen Ordre absehen werde. In unterrichteten Kreisen werde jedoch diese Diskussion als müßig bezeichnet und versichert, die Regierung sei in ihren Entschlüssen durchaus nicht schwankend geworden, und das Dekret werde zweifellos zur Durchführung gelangen. Die Eventualität, daß sich die Negierung für die Auflösung der Kammer entschließe, wird von der Mehrheit der Politischen Kreise für unwahrscheinlich gehalten. In regierungsfreundlichen Organen wird eine solche Maßregel aufs entschiedenste widerraten und betont, daß sie als unmotiviert erscheinen würde, da ja die letzte, unter sehr schwierigen Umständen erfolgte Abstimmung in der Kammer erwiesen habe, daß das Kabinett Pelloux über eine starke Majorität verfügt. Diese Abmahnung entspringt keinesfalls der Besorgnis, als ob die Regierung bei einem Appell an die Wähler einen Mißerfolg erleiden könnte; das fanatische Treiben der Radikalen wird vielmehr im Lande allgemein verurteilt, und die Schließung der Kammersession findet bei der Bevölkerung durchwegs Billigung. Aber auch in dem Falle, daß die Regierung die Vornahme von Neuwahlen doch für zweckmäßig erachten sollte, sind in der nächsten Zeit keine endgiltigen Beschlüsse hierüber zu erwarten, da die Berufung der Wähler an die Urnen kaum vor dem November erfolgen würde. M. N. N. Petersburg, 5. Juni. Der furchtbare Notstand in Rußland zieht immer weitere Kreise. Die „Russkija Wedomosti" und die „Rossija" heben hervor, daß in vielen Notstandsgegenden die Bauern einem neuen Elend entgegen gehen, selbst wenn die Ernte noch so gut ausfallen sollte. Die Sache ist die, daß die Bauern häufig, um einstweilen nur leben zu können, die künftige Ernte bereits auf dem Halm verpfändet haben, und zwar zu Spottpreisen. Besonders ist dies im Gouvernement Ssamara geschehen. Voraussehen läßt sich, daß die Bauern nicht im stände sein werden, ihre Ernte einzulösen und diese somit den Geldleihern anheim fallen wird. Die „Russkija Wedomosti" rufen nun die Gesellschaft auf, den Bauern zur Auslösung ihrer Felder behilflich zu sein und zwar ihnen das Geld nicht zu schenken, sondern gegen jährliche Rückzahlung von 1 Rbl. zu leihen. Aber wohl nicht mit Unrecht befürchtet die „Rossija", daß die Kräfte der Gesellschaft hierfür nicht ausreichen dürften. Das Blatt sieht nur einen Ausweg, den das Staatsinteresse gebieterisch fordere: alle Verpfändungsgeschäfte bezüglich der Aussaat für ungiltig zu erklären und den Gläubigern anheimzustellen, nur das zurückzuerhalten, was sie wirklich gegeben haben, und zwar in natura oder in Geld. Charkow, 6. Juli. Infolge einer Explosion ist die Naphta-Fabrik Botscherow vollständig niedergebrannt. Fünf | Arbeiter und sieben Feuerwehrmänner sind verbrannt. Viele > Personen trugen schwere Verletzungen davon. — In Finland nimmt die Auswanderung einen so großen Umfang an, daß die russischen Behörden und die russischen Konsuln im Auslande sich eingehend mit ihr beschäftigen müssen. Dauert die Auswanderung so, wie sie mit Jahresbeginn sich entwickelt hat, so dürften dies Jahr allein aus dem Bezirk Oesterbotten 12—15 000 Menschen auswandern. Der Hauptstrom an Auswanderern geht jetzt nach Nordamerika. Sofia,6. Juli. Der Schluß der Sobranje erfolgt am 9. d. Mts. — Fürst Ferdinand ist samt Familie abgereist. Sofia, 6. Juli. Die Belgrader Zeitungsmeldungen von dem Ausbruch einer Revolution in Bulgarien und von der gewaltsamen Entfernung der Fürsten Ferdinand über die Grenze sind unbegründet. Es herrscht hier vollkommene Ruhe. Madrid, 6. Juli. Das Gerücht, die Regierung beabsichtige eventuell die konstitutionellen Garantien a u f z u h e b e n, bestätigt sich. Silvela erklärte in den Cortes, die Durchführung der neuen Steuern bilde für ihn eine Kabinettsfrage. Hessischer Landtag. Zweite Kammer der Stände. nn. Darmstadt, 6. Juli 1899. Die Sitzung wird um Vfc10 Uhr eröffnet. Am Ministertisch: Staatsminister Rothe, Ministerial-Rat Braun, Ministerial-Rat Eisenhut und Oberbaurat Hoffmann. Abg. Ulrich erstattet namens des Ausschusses Bericht über eine Anzahl von dringlichen Regierungsforderungen, für Neueinrichtungen und Berufung von Lehrkräften an der Landesuniversität, die Technische Hochschule und für die Baugewerbeschule zu Darmstadt, die Kunstgewerbe- Schule zu Mainz sowie für die Kunstgewerbeschule zu Offenbach. — Die Kammer bewilligt sämtliche Forderungen. Die Vorlage der Regierung, Gerichtsstand und das gerichtliche Verfahren in Ansehung des Landesherrn und der Mitglieder des Großherzoglichen Hauses, wird ohne Debatte angenommen. — Die Regierungsvorlage, den Gesetzentwurf die Ruhegehalte und Fürsorge für die Hinterbliebenen der Staatsbeamten, wird nach dem Feuilleton. Irankfurter Aries. Ortgtnalbertcht für den „Gießener Anzeiger". (Nachdruck verboten.) Abschiedsvorstellung der Frau Ernst: Gerhart Hauptmanns „Biberpelz". Hermine v. Preufcheu im Salon von Bangel. Dr. M. Das Frankfurter Theater weiß seine Künstler estzuhalten. Unter der Intendanz Claar wird das ewige Kommen und Gehen thunlichst vermieden, man trägt Sorge, daß sich ein Grundstock, man könnte sagen: ein künstlerischer Reservefonds, heranbilde. Und das Publikum hat für die alten Kräfte etwas übrig, und verfällt nicht in die leidige Untugend, immer neue Gesichter sehen zu wollen. Theaterjahre zählen wie Kriegsjahre doppelt. Frau Marie Ernst, die sich in der Rolle der „Daja" von den Frankfurtern verabschiedete, hat ein reiches Stück schauspielerischer Arbeit und eine stattliche Serie künstlerischer Erfolge hinter sich. Ursprünglich war ihre Domäne das hochtragische Fach. Mit den Jahren hat sie sich dann in das Fach der seriösen Familienmütter hineingearbeitet. Die „moderne Litteratur", welche allgemach eine neue Einteilung in die bisherige Schablone der Rollenfächer gebracht, und manche Gestalt geschaffen, die sich in keine der stehenden Rubriken einfügen ließ, ist namentlich den weiblichen Mimen zu gute gekommen; sie hat ihre Jugend weiter hinaufgerückt: Backfischchen — jugendliche Liebhaberin — Salondame — Anstandsdame — Heldenmutter — komische Alte. Das war der sehr enge Kreis, in welchem sich bis vor kurzem die Schauspielerinnen bewegen mußten. Ibsen, Hauptmann haben ihn durch ihre Frauenfiguren bedeutend erweitert. Frau Ernst konnte auch noch von dieser neuen Kunst profitieren. Ihre Frau Alving aus Ibsens „Gespenster" steht uns noch nach einer Reihe von Jahren — denn das Drama ist niemals mehr zur Wiederholung gelangt — leb haft als eine Meisterleistung in Erinnerung. Die „Daja" ist ja nun nichts weniger als eine tragende Rolle; die gutmütige Beschränktheit ihres Geistes gestattet keine sogenannte „Vertiefung". Aber gespielt will sie sein in einem Gepräge, das weit, weit von der Trivialität einer Kadelburg'schen Kaffeeschwester und Frau Gevatterin abliegt. Sie gehört immerhin zu den Rollen, in welchen eine Schauspielerin zeigen kann, ob sie einer „vornehmen Schuld" angehört. Gerhart Hauptmanns lustigstes Stück — Lustigkeit ist nicht seine starke Seite — „Der Biberpelz" steht gegenwärtig auf dem Schauspielrepertoire. Um den Humor Hauptmanns ist's ein eigen Ding, es ist ein sogenannter indirekter, er packt uns nicht unmittelbar, man muß ihm entgegenkommen, ihn aus den Situationen herausfühlen. Sudermann und Max Halbe, wie verstehen sie es doch, selbst in ihre ernstesten Dramen Partieen zu verweben, die uns ein herzliches Lachen abnötigen. Ueber die Thorheiten und Albernheiten der Hauptmann'schen Menschen bringen wir es höchstens zu einem von Wehmut getrübten Lächeln oder der Empfindung kalten Spottes. Der „Biberpelz" hat etwas Kleist'sches an sich — das hat man sofort herausgefunden. Unser Verstand wird in ähnlicher Weise angeregt und befriedigt, wie im „Zerbrochenen Krug". Aber die Sonnenlichter eines goldenen Humors blinken an keiner Stelle dieser originellen Diebskomödie, weshalb sie schwerlich einen festen Platz und eine dauernde Bedeutung in unserer Litteratur erhalten wird. Im Kunstsalon Bangel weckt gegenwärtig das Jn- tereffe und auch die lebhafteste Opposition eine große, etwa aus 60 Nummern bestehende Preuschen-Ausstellung. Einige der Sachen sind uns von früheren Ausstellungen her bekannt, andere, welche der ägyptischen Reise der Künstlerin ihren Ursprung verdanken, neu. Hermine v. Preuschen, die es vorgezogen hat, sich den klangvolleren griechischen Vornamen Hermione beizulegen, arbeitet leider in den letzten Jahren ziemlich ungleichwertig. Zwar, als Meisterin genialer Pläne und blühender Farbenstudien, verdient sie noch immer, daß man sich mit ihr beschäftigt, wennschon die Zeichnung und das Durcharbeiten des Motivs auf gar vielen ihrer Bilder an Genauigkeit und Klarheit recht sehr zu wünschen übrig läßt. Sie ist die richtige „Etikettenmalerin". Wenn andere Maler es meist dem Kunsthändler überlassen, für ihr Bild den entsprechenden Titel zu finden, so ist das ein Geschäft, das Frau Hermine sehr ernst nimmt. Die „poetische Idee", die packende „Etikette" ist in der Regel schon vor der Ausführung da. Das wäre schließlich gleichgiltig, wenn letztere nicht öfters eine arge Enttäuschung den Erwartungen bereitete, die der Titel erweckt hat, und nach Absicht der Malerin auch erwecken sollte. Ein einfaches italienisches Landhaus an irgend einem südlichen Meeresgestade muß bei der Preuschen mindestens mit einem glanzvollen, historischen Namen aus der Renaissance etikettiert werden, ein altes, herabgestürztes Steinbild, von wilden Ranken umsponnen, wird zur „Isis" oder „Sphinx" erhoben, eine antike Säule, aus grüner Gartenwildnis sich hervorhebend, bekommt die Balladenstrophe mit auf den Weg: „Noch eine hohe Säule. . ." So fehlt es auch der Serie ägyptischer Studien keineswegs an zugkräftigen Namen. Wir finden unter ihnen eine „Arabische Begräbnisstätte", einen „Jsistempel bei Philae", „Helouan in der Wüste" u. dgl. Möglich, daß Herminen v. Preuschen, die nach dem Tode ihres Mannes, des Dichters Konrad Telmann, ihren dauernden Wohnsitz in Berlin genommen, die kühlere Luft des Nordens Vorteile für ihre Malweise bringt, und sie in Deutschland es wieder lernt, sich in strengere künstlerische Selbstzucht zu nehmen. Ausschußantrag angenommen. Ebenso der Gesetzentwurf die Pensionierung der Volksschullehrer betreffend. Für die Wiederherstellung der Stiftskirche zu Wimpfen fordert die Regierung als Bauquote 39500 Mk. — Abg. Häusel beantragt, daß der Kammer ein vollständiger Renovierungsplan und auch ein Voranschlag über die Restaurationsarbeiten vorgelegt werden soll. — Abg. Ulrich erklärt, daß er zwar im historischen Interesse des Bauwerks für die Forderung stimmen könne. Da es ihm aber nicht klar sei, ob der Bau religiösen Dingen dienen solle, wird er gegen die Vorlage stimmen. — Die Abg. Friedrich und v. Köth wünschen, daß mit etwas mehr Energie weiter gebaut und daß das Bauwerk erhalten werde. Sie werden für die Forderung stimmen. — Graf Oriola wird seinerseits vor der Ausgabe nicht zurückschrecken, weil es im Interesse eines großen Kunstwerkes gelegen sei. Der Standpunkt des Abg. Ulrich sei ihm unverständlich. — Abg. Schroeder weist darauf hin, daß die Kirche schon seit vielen Jahren eine Ruine sei. Es sei wünschenswert, daß die Regierung einen Plan für die ganzen Restaurationsarbeiten vorlege, damit man das Richtige treffe. Auf den Standpunkt des Abg. Ulrich will er nicht eingehen, da er genügend bekannt sei. — Es entspinnt sich sodann über die ablehnende Haltung der Sozialdemokraten in dieser Sache eine erregte Debatte in welcher dieselbe ihren Standpunkt, daß Religion Nebensache sei, der Kammer darlegten. — Abg. Schmitt wies demselben noch nach, daß im Reichstag die sozialdemokratische Partei, die Mittel für die Kirche in Oppenheim bewilligt habe. Die Regierungsforderung und der Antrag Häusel wird hieraus gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Zu der Rückäußerung der Ersten Kammer über den Antrag Schmitt und Metz auf Einführung einjähriger resp. zweijähriger Budgetperioden beschließt das Haus auf seinem früheren Beschluß zu beharren. Einer Anzahl weiterer Rückäußerungen Erster Kammer, so die Einführung direkter Wahlen zunv Landtag, den Erlaß einer Vorlage über Wahlvorschriften ferner Antrag David und Genossen, die Wahlen zur Zweiten Ständekammer am Sonntag und Vermehrung der Wahlbezirke u. s. w. betr. wird nicht beigetreten. Nach der Pause beantragt der Abg. Schroeder, daß die Vorlage wegen des Erlasses der Witwenkassenbeiträge der Lehrer noch auf diesem Landtag erledigt werde. Diesem Wunsch schließen sich die Abg. Schmitt und Weidner dringend an. — Staatsminister Rothe sagt, die Vorlage des Gesetzentwurfes zu. Eine scharfe Debatte entspinnt sich über eine Anschuldigung des Abg. Köhler-Langsdorf, die Verschleppung vieler Gegenstände von feiten des Vorsitzenden des Finanzausschusses betreffend. Es wird dabei von vielen Abgeordneten festgestellt, daß der Abg. Köhler-Langsdorf in vielen Sitzungen gefehlt und deshalb die Veranlassung der Rückstände sei. Abg. Köhler-Langsdorf bezeichnet dieses als eine absichtliche Verdächtigung und Lügen. Derselbe wird deshalb unter der Zustimmung des Hauses zur Ordnung gerufen. Bezüglich einer Rückäußerung Erster Kammer über den Antrag Reinhart, Bewilligung eines Staatsbeitrags von 500 Mark für die Deutsche Versuchsanstalt für Lederindustrie in Freiberg i. S., tritt die Kammer nach nochmaliger warmer Befürwortung des Abg. Neinhart dem Anträge nunmehr bei, nachdem auch die Staats- Regierung ihren ablehnenden Standpunkt im Interesse vieler kleiner Gerbereien aufgegeben hat. Auch bezüglich der Rückäußerungen Erster Kammer, die Holzberechtigung der Gemeinde Gleimen- heim und die Beschaffung einer Dienstwohnung des Oberförsters in der Oberförsterei Babenhausen tritt das Haus dem Beschluß der Ersten Kammer bei. Dem Beschluß der Jenseite wegen Erbauung der Bahn von Fürth nach Reichelsheim wird nicht beigetreten. Eine längere Debatte entspinnt sich über den Bau einer Bahn von Butzbach nach Lich und nach dem Oberseementhal. Die Erste Kammer hat die Vorlage ab- gelehnt. — Abg. Joutz und Friedrich treten für das Projekt ein und weisen den von der Ersten Kammer erhobenen Vorwurf des Vandalismus mit Entschiedenheit zurück. Die Bahn sei ein Bedürfnis und unter allen Umständen sei auf dem früheren Beschluß zu beharren. — Ministerrat Ewald erklärt, daß die Regierung bis jetzt spiel und Mette nach dem MrgerlichkllMesetzlmih. Von Rechtsanwalt G. Pfizer.*) Bei Spiel und Wette wird nicht jeder Teil dem andern, sondern — je nach dem Ausfall des Spiels oder der Wette — nur der eine oder der andere etwas schuldig, sodaß auch hier ein Schuldverhältnis mit einseitiger Verpflichtung vorliegt oder vielmehr vorläge; denn Spiel- und Wettschulden sind nicht klagbar, ein verlorener Spieleinsatz kann aber so wenig, wie die bezahlte Schuld aus einer Wette aus dem Grund zurückgefordert werden, weil durch Spiel und Wette keine Verbindlichkeit begründet werde. Damit ist eine Zurückforderung aus anderen Gründen, namentlich wegen Betrugs (z. B. mit falschen Würfeln, gezeichneten Karten) nicht ausgeschlossen; ein Betrug bei einer Wette liegt aber nicht schon darin, daß, wenn über die Wahrheit *) Wie obigen interessanten Artikel, den wir mit Erlaubnis des Verlegers Otto Maier in Ravensburg zur Orientierung unserer Leser hier wiedergeben, enthält ein soeben erschienenes volkstümliches Rechtsbuch .leichtverständltche Darstellung des Bürgerl Gesetzbuchs" von G. Pfizer eine reiche Anzahl von trefflichen ausklärenden Abhandlungen, in denen sowohl die Laierffchatt deS Lesers berücksichtigt ist, wie auch in der Auswahl der Themata die tägliche Praxis, die praktische Bedeutung der im Leben thatsächltch häufig vorkommenden Rechtsgeschäfte und Rechtsverhältniffe. Pfizers Buch (14 Lieferungen ä 50 Pfg.) ist für jedermann verständlich und nützlich, deshalb auch jedermann zu empfehlen. noch nicht im Besitz einer Vorlage sei und deshalb könne sie sich noch nicht erklären. — Abg. Graf Orio la tritt ebenfalls für den Bahnbau ein, wünscht aber, daß man den praktischsten Weg im Auge halten möge. — Der Ausschuß beantragt Beharren auf dem früheren Beschluß, und wird der Antrag einstimmig angenommen. Der Bau einer Bahn von Neu-Isenburg nach der Station der Main-Neckarbahn und einer solchen von Wahlen nach Hammelbach war ebenfalls von der Ersten Kammer abgelehnt worden. Die Zweite Kammer beharrt auf dem früheren Beschluß. Die Interpellation Köhler-Darmstadt und Schmehl, die Beschwerde der Darmstädter Zimmermeister wegen der Arbeitsvergebung beim Barackenbau an der technischen Hochschule zu Darmstadt, wird von Staatsminister Rothe dahin beantwortet, daß zur engeren Submission die Firmen W. Ganß, Riedlinger und Holzmann eingeladen worden seien. Die kurze Frist, insbesondere aber die Leistungsfähigkeit, sei bei der Auswahl maßgebend gewesen. Die Vergebungssormen seien überall eingehalten worden und der Kammer sei schon bei Anforderung des Betrags die Firma Holzmann als eventuelle Uebernehmerin bezeichnet worden. — Die Abg. Schmall und Kramer betonen, daß man es hier mit einer Sache zu thun habe, über die schon öfter geklagt worden sei. Es sei nötig, der Regierung einen Fingerzeig zu geben, in der Vergebung der Arbeiten vorsichtiger zu sein, um nicht große Erbitterung in den gewerblichen Kreisen hervorzurufen. — Abg. Schroeder weist auf die wiederholten Klagen hin, die wegen Nichtberücksichtigung einheimischer Gewerbetreibender geführt worden seien. Der vorliegende Fall sei eine Kränkung der Darmstädter Zimmermeister, wenn auch formell den Bestimmungen über das Vergebungswesen gefolgt sei. Eine so beschränkte Konkurrenz, wie in diesem Falle, sei bedenklich und bedeute einen Ausschluß der besseren Zimmergeschäfte: Nicht die großen, sondern den kleinen Gewerbetreibenden möge man schützen. Die Art der Vergebung geschehe vielfach aus Bequemlichkeit, weil die großen Firmen auf ihren Bureaus auch die Pläne u. s. w. machen lassen. Dringend Pflicht der Regierung sei es, darauf zu halten, daß der Mittelstand berücksichtigt und daß die Arbeiten am Orte vergeben werden. — Geh. Oberbaurat Hofmann stellt nochmals die Gründe fest, welche bei der kurzen Frist für die rasche Vergebung maßgebend waren. Die Bau- Abteilung des Ministeriums sei vollständig davon durchdrungen, daß das einheimische Gewerbe unterstützt werden müffe und daß eine getrennte Arbeitsvergebung stattzusinden habe. Die Bauabteilung gebe dem hohen Haus die feste Versicherung, daß sie alles aufbieten werde, geordnete Verhältnisse herbeizuführen, zum Segen des gesamten hessischen Gewerbestandes (lang anhaltendes Bravo). Nachdem der Abg. Schmehl mit den letzten Erklärungen zufrieden ist, wird dieser Gegenstand verlassen. Eine Anfrage des Abg. Schmitt, die Erweiterung der Stadt Kastel beantwortet Staatsminister Rothe dahin, daß die Großherzogliche Regierung wohl die mißlichen Wohnungsverhältnisse von Kastel kenne und daß sie es sich zur Aufgabe gemacht habe, dieselben zu bessern. Die Verhandlungen seien bisher für anderweiten Geländeersatz an den hohen Forderungen des Königlich Preußischen Kriegs« Ministeriums gescheitert. Neuerdings seien dieselben mit besserem Erfolg geführt worden, sodaß an -eine Entfestigung von Kastel nunmehr gedacht werden könne. — Abg. Schmitt und Haas-Mainz stellen fest, daß die Gemeinde Kastel nicht in der Lage sei, 8 Millionen Mark für seine Befreiung von den einengenden Festungsmauern zu zahlen. Sie bitten die Regierung um dringende Abhilfe. Nach Genehmigung einiger kleinen Regierungs-Vorlagen wird die Kammer um 2 Uhr geschloffen. Sitzung der Stadtverordneten vom 6. Juli 1899. Anwesend Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Beigeordneter Grüneberg, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Euler, Faber, Flett, Dr. Fuhr, Dr. Gaffky, Dr. Gutfleisch, Hanau, Haubach, Heichelheim, Jughardt, Keller, Kirch, Krumm, Leib, Löber, Loos, Petri, Dr. Schäfer, Schmall und Wallenfels. Ihr Fernbleiben von der heutigen Sitzung haben entschuldigt die Herren Beigeordneten Georgi und Wolff, die einer Behauptung gewettet wird, der eine Teil von vornherein der Wahrheit seiner Behauptung sicher ist. Eine Rückforderung aus dem Grund, weil es sich um ein verbotenes Spiel, z. B. gewerbsmäßiges Glücksspiel handle, wird häufig um deswillen ausgeschlossen sein, weil der Verlierer wie der Gewinner Teilnehmer an der unerlaubten Handlung ist. — Die Spiel- oder Wettschuld kommt auch dadurch nicht zur Kraft, daß der Verlierende dem Gewinnenden einen Schuldschein (ohne Angabe eines Grundes oder mit Angabe eines falschen Grundes) ausstellt; der Aussteller muß aber gegenüber der Klage aus dem Schuldanerkenntnis beweisen, daß dem Anerkenntnis eine Spielschuld zu Grunde liegt. — Keine Spielschuld ist die Schuld aus einem Darlehen, das jemand zum Zweck des Spiels aufnimmt; ob aber der Spieler, der einem andern zum Spielen oder Weiterspielen Geld leiht und es ihm sofort im Spiel wieder abnimmt, auf Rückzahlung eines solchen „Darlehens" klagen kann, ist mindestens zweifelhaft. Eine (verschleierte) Wette ist auch das sog. Differenzgeschäft, von dem oben bei den Scheingeschäften die Rede war. Daß nur ein Scheingeschäft vorliege, d. h. daß die Absicht beim Abschluß des Kaufs nur auf Zahlung des Unterschieds zwischen dem vereinbarten Preis und dem Preis zur Lieferungszeit (am „Stichtag") gegangen sei, hat der aus dem Kaufvertrag Verklagte zu beweisen; den Beweis Herren Stadtverordneten Brück, Emmelius, Grünewald, Helfrich, Scheel und Schiele. Herrn I. Nattmann wurde die Belassung und Erhöhung einer bestehenden Lehmsteinmauer zwischen seinem jetzigen Fabrikanwesen und dem errichteten Neubau, gegen den nach den bestehenden Vorschriften eine Brandmauer errichtet werden müßte, gestattet. Herrn Schloffermeister L e y e r z a p f soll die Erlaubnis erteilt werden, in die Brandmauer seines Neubaues am Asterweg Fenster einzulassen unter der Bedingung, daß diese Fenster nach außen mit Drahtgeflecht abgeschlossen werden. Herr Adolf Bieler beabsichtigt, anstelle des ehemals Kullmann'schen Hauses in der Marktstraße einen Neubau zu errichten; es soll ihm gestattet werden, in der den Bau nach der Wettergasse hin abschließenden Brandmauer eine Thür anzubringen. Zu dem Gesuch der Firma W. Z u r b u ch um Erlaubnis zur Errichtung eines Geschäftshauses bei ihrer Lacksiederei in den Eichgärten soll die Befürwortung des Dispenses, nach welchem auf nicht in den Ortsbauplan aufgenommenem Gelände Gebäude errichtet werden können, verweigert werden. Das durch Erweiterung der Straße „Neustadt" am Homberger'schen Hause an letzteres fallende Gelände, 3,8 Quadratmeter, soll zum Preise von 32 Mk. pro Quadratmeter an die Firma Homberger abgetreten werden; die der Veränderung der Baufluchtlinie entlang dem Bieker'schen Hause wegen nötig gewordene Veränderung der Thoreinfahrt am Homberger'schen Hause soll auf Kosten der Stadt ausgeführt werden, wofür die Versammlung 160 Mark bewilligt. Herr Architekt Huhn beabsichtigt, an der verlängerten Bruchstraße zu bauen, hat aber dazu ein Stück der Aktienbrauerei gehörigen Geländes nötig, weshalb er um Einleitung des Enteignungsverfahrens ersucht, nachdem eine Vereinbarung mit der Aktienbrauerei nicht erreicht wurde. Die Stadtverordneten-Versammlung stimmte dem Antrag der Baudeputation zu, wonach dem Antrag des Herrn Huhn auf Einleitung des Enteignungsverfahrens auf Grund des Art. 9 der allgemeinen Bauordnung entsprochen werden soll. Dem Gesuch des Herrn L. Lotz um Ueberlassung städtischen Geländes vor seinem Hause in der Bahnhofstraße soll stattgegeben werden. Der Preis für das 21/10 HjMtr. umfassende Gelände wird auf 120 Mk. festgesetzt. Ein Gesuch der Herren H. Benner II. und G. Brömer um Erlaß des Steigpreises für Benutzung städtischen Geländes zur Eisgewinnung auf der Lahn, zu dessen Gunsten die Gesuchsteller die der Eisgewinnung ungünstigen beiden letzten Winter geltend machten, wird abgelehnt. Das Gesuch des evang. Kirchenvorstandes um Unterhaltung der Grabstätte des Geh. Kirchenrats Dr. Engel wird genehmigt und beschlossen, von Erhebung einer Gebühr abzusehen. Auf Gesuch der städtischen Straßenkehrer um Lohnregulierung wird beschloßen, denselben eine annähernd 10 prozentige Lohnerhöhung zu gewähren. Der Lohn wird nach Antrag der Baudeputation so bemessen, daß die im 1. bis 3. Jahre beschäftigten Straßenkehrer erhalten im Sommer 23 Pfg., im Frühjahr und Herbst 25 Pfg., im Winter 28 Pfg. pro Stunde, die im 4. bis 6. Jahre beschäftigten im Sommer 25 Pfg., im Frühjahr und Herbst 27 Pfg., im Winter 30 Pfg. pro Stunde, die über 6 Jahre beschäftigten im Sommer 27 Pfg., im Frühjahr und Herbst 29 Pfg., im Winter 32 Pfg. pro Stunde. Für Arbeiten an Sonn- und Festtagen erhalten sämtliche Straßenkehrer 25 Prozent Zulage, bei Wasserarbeiten 5 Pfg. pro Stunde extra. Die Vorarbeiter erhalten den Lohn der über 6 Jahre Beschäftigten (1. Klaffe) nebst 30 Pfg. Zulage pro Tag, die Stellvertreter den Lohn der 2. Klasse und 15 Pfg. Zulage pro Tag. Außerdem sollen für die Vorarbeiter Dienströcke und Dienstmützen angeschafft werden. Die übliche Herbstgratifikation von 10 bis 20 Pfg. für jeden während des Sommers im Dienst der Stadt geleisteten Arbeitstag soll den Straßenkehrern auch fernerhin gewährt werden. Zu dem Gesuch des Herrn H. Berndt um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Bahnhofstraße 34 spricht sich die Versammlung für die Bejahung der Bedürfnisfrage aus, da Gesuchsteller auch Gastwirtschaft einzurichten beabsichtigt; desgl. wird befürwortet das Gesuch des Herrn wird er hauptsächlich durch Berufung auf seine Vermögensverhältnisse führen, die den Gedanken an eine Erfüllung des Kaufvertrags ausschließen; der Einwand des anderen Teils, daß es ihm mit der Erfüllung Ernst gewesen und er dazu im stände fei, wird ausgeschlossen durch die Bestimmung des Gesetzes, daß der Vertrag als Spiel schon dann anzusehen fei, wenn jene (bloß auf die Differenz gerichtete) Absicht auch nur bei einem Teil vorhanden war und der andere sie kannte oder kennen mußte. Bei Spiel und Wette bereichert sich ein Teil auf Kosten des andern; bei einer Lotterie oder einer Ausspielung bereichert sich der Veranstalter auf Kosten der Losabnehmer und einer oder einzelne von diesen bereichern sich auf Kosten der Mitspieler. Oeffentlich ohne obrigkeitliche Genehmigung veranstaltete Lotterien und Ausspielungen sind vom Strafgesetz verboten und schon darum Ansprüche aus solchen ausgeschlossen. Aber auch eine nicht öffentlich, z. B. in einer geschlossenen Gesellschaft veranstaltete Lotterie oder Ausspielung bedarf der staatlichen Genehmigung, wenn ein klagbarer Anspruch auf den Gewinn oder ausgespielten Gegenstand entstehen soll; praktisch wird diese Bestimmung nicht leicht werden. — Auch der Vertrieb von Lotterie- oder Prämienlosen durch einen anderen als den Veranstalter der Lotterie kann je nach der Art des Vertriebs als „Lotterievertrag" sich darstellen. '*9 “«bfr fit £• deding^ $ ab8=l«ofi"n °h°»°lz' Nk«bm n bJr den Bau Omaner X um fr „bei *it8a(t. ««"ä big Diz. ««Bauplan auf. 6tn tönnen, uns «Sieuftabt« E«d- Selänbe, Wo Cuabrat. I0*; di- bet '«toer’fN °er ^-Toreinfahrt der Stabt aus- I 160 Mark be- ber verlängerten ^>tück ber Wen- Qlb er uni Ein- )t nachdem eine l erreicht wurde. ' dem Antrag der 'es Herrn Huhn auf Grund des rchen werden soll. M Uebeüafjung n bet Bahnhof. Preis für das l20M. festgesetzt, inner II. und 's für Benutzung luf der Lahn, zu kisgewinnung unechten, wirb ab- ianbes um Unter- irats Dr. Engel Hebung einer Geienkehrer um n eine annähernd Der Lohn wird iffen, baß die im ihrer erhalten im rbft 25 Psg., im bis 6. Jahre be- hjahr und Herbst die über 6 Jahre rühsahr und Herbst e. Für Arbeiten jche Straßenkehrer ,Psg. pro Stunde n der über 6 Jahre Mage pro Tag, e und 15 Pfg. 3^ Vorarbeiter Dienst- den. Die übliche für jeden während .leisteten Arbeitstag gewährt werden, nht M-i- M.f* jaSWrM* < « Ztftch dks Heu» (eine Sennögen«8 L * 1“* Hi "Ä* * ’ «Mpielung be- nttk r o»sabnehwkl •*4 Sei-» otI'fl „ ftnb* i#*;“ 8. i" n>!«” ® 06«, a3j>ll 6 »Sv * ,b von del irieb- &" ) Hunde werden durch 5010 ep ''sicherund sTcfinell^ 'auIHmKrä/ner ^Stargard J/Rom/ Erstlingswäsche 4355 4328 Jllustr. Kataloge gratis und franko. 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Neidlos mußte man zugestehen, daß eine solche Anschaulichkeit bei den Operationen, ein solches Verfolgen jeder Phase der Operation bisher unmöglich war. Offenbar ist durch diese Anwendung des Kinematographen ein Lehrmittel von eminenter Bedeutung gewonnen; seine allgemeine Anwendung wird Lehrenden und Lernenden ihre Aufgabe gewaltig erleichtern und durch gediegene Ausbildung der Aerzte auch der leidenden Menschheit zu gute kommen. Zu jeder Operation gab der Vortragende die Erläuterung, und seine Zuhörer kamen aus der Spannung nicht heraus. Nach Schluß der Vorführungen, welche reichlich eine Stunde in Anspruch nahmen, dankte der Vortragende für das bewiesene Interesse und wünschte, daß seine Anwendung des Kinematographen vielen zum Heile gereichen möchte. Geheimrat Prof. Dr. Helferich sprach dem Vortragenden den Dank der Versammlung aus, welcher nach studentischem Brauche in einem kräftigen Fußtrampeln zum Ausdruck kam. Ein dreifaches Hoch auf den Fürsten von Monaco, welcher in hervorragender Weise als Mäcen an dem Werke beteiligt ist, schloß die großartige Vorführung. * Im letzten Termin des Prozeßes Ella Goltz contra Reichsbank hat der Vertreter des Fiskus Justizrat Arnold darauf hingewiesen, daß, nachdem Ella Goltz das auf dem Kirchhof geholte Geld unter die ihr von Grünenthal als Eigentum übergebenen Wertpapiere gemischt, sich schwer feststellen lassen werde, über welchen Betrag die ersteren gelautet haben. Nach Behauptung der Klägerin hatte Grünenthal ihr ursprünglich über 80000 Mk. in Papieren übergeben, von denen er späterhin etwa 30000 Mk. zurückverlangte, um sie des günstigen Kurses wegen zu verkaufen. Diese 30000 Mk. hat Ella Goltz nicht mehr erhalten. Später als Grünenthals Schicksal besiegelt war, raunte er ihr bei seiner Verhaftung zu, daß sie sich das auf dem Kirchhof liegende Geld holen solle; es hätte 16000 Mk. betragen, so daß sie immer noch 14000 Mk. eingebüßt hätte. Der Rechlsbeistand der Klägerin, Rechtsanwalt Werthauer, legt vor allem Wert darauf, dem Gerichtshof glaubhaft nachzuweisen, daß die zuerst seiner Klientin von Grünenthal zum Eigentum übergebene Summe 52000Mk. betragen habe. * Nach Schluß der Debatte. Aus London wird berichtet: Für die politischen Verhältnisse Englands in ihrer Wechselwirkung auf die gesellschaftlichen Beziehungen der führenden Politiker ist die Hochzeit von Mr. Lewis Vernon Harcourt, dem Sohn von Sir William Harcourt, bezeichnend. Lord Charles Beresford bemerkte einmal bei einem Bankett: „Im Parlament nennt man sich gegenseitig Reichsfeind und Hochverräter und nachher diniert man freundschaftlich am gleichen Tisch zusammen." Zwischen Sir William Harcourt, dem Bannerträger der Gladstone'schen Traditionen, und Mr. Chamberlain, der von den englischen Radikalen als der schwärzeste Verräter betrachtet wird, gibt es in öffentlichen Dingen wohl nicht eine einzige Frage, in der ihre Meinungen übereinstimmen, aber das hindert nicht, daß am Samstag Mr. und Mrs. Chamberlain, Mr. Goschen, der Marquis von Lorne, Lord und Lady Charles Beresford und Lord James mit ihren radikalen Gegnern und Amtsvorgängern, Sir Henry Campbell-Bannermann, Mr. John Morley, dem Marquis von Ripon, ja selbst mit dem „enfant terrible“ Mr. Labouchere zusammentrafen, um die Hochzeit Mr. Harcourts zu feiern. Unter diesem Gesichtspunkt der gemeinsamen Begegnung und ungetrübten Wahrung der persönlichen Hochachtung, ja enger freundschaftlicher Beziehungen zwischen den schärfsten Politischen Gegnern, muß das englische Parteileben beurteilt werden; und wenn man in den Parlamentsverhandlungen von noch so scharfen Gegensätzen und persönlichen Ausfällen liest, so hat man nie zu übersehen, daß nach Schluß der Debatte alles vergessen ist, und selbstverständlich ist eben dieser persönliche Respekt vor einander, den die heftigsten Parteikämpfe nicht erschüttern, nicht ohne den weitestgehenden Einfluß auf den ganzen Gang des staatlichen Organismus selbst. * Verein bildender Künstler Münchens „Secession" im kgl. Kunstausstellungs-Gebäude am Königsplatze. Der Verein erließ heute ein Zirkular an seine Gönner, in welchem seinem bisherigen Geschäftsleiter, dem nach Berlin verzogenen Herrn Hofrat Paulus, warme Worte des Dankes gewidmet werden. Zugleich bringt der Verein zur öffentlichen Kenntnis, daß die Geschäftsführung desselben nunmehr den lang- Friedrich. Hainer Iicsenweg 4, Kcke Bahnhofstraße. Lokales und DrovinMes. n. Von der mittleren Nidda, 5. Juli. Was wir bei den starken Regengüffen seither befürchteten, ist jetzt leider eingetreten. Die Nidda hat Hochwasser und ist stellenweise ausgetreten. Das Wasser der Gräben, die in die Nidda münden, hat sich dadurch gestaut und ist gleichfalls ausgetreten. Heute abend stand das Wasser am Pegel bei Staden 197 Zentimeter hoch. Schon zwei Tage fahren die Leute, die noch mit Heumachen zurück sind, ihr Futter aus dem Wasser auf trockene Stellen; vieles sitzt indessen noch darin und verdirbt nun. Einzelne Wiesen konnten noch gar nicht gemäht werden. Die Kartoffeln auf den tief an der Nidda gelegenen Aeckern sind ersoffen. Voriges Jahr war das auch der Fall; allein das Hochwasser trat früher, anfangs Juni, ein. Dadurch war eine nochmalige Ausstellung der betroffenen Aecker möglich. Dieses Jahr ist es zu spät dazu. Der Boden ist so aufgeweicht, daß an zugigen Stellen der starke Wind gestern Bäume, die schon über 15 Jahre stehen, umlegte. § Aus dem Ohmthal, 6. Juli. Die Niederschläge hatten vorgestern ihren Höhepunkt erreicht. Die Ohm wie auch die Bäche in den benachbarten Thälern traten über ihre Ufer und überschwemmten die Wiesenthäler. Da letztere voll Heugras sitzen, so richteten hier die Wasserfluten bemerkenswerten Schaden an. Das auf Kegeln befindliche Heu wurde zum Teil zusammengeschwemmt, zum Teil fortgeflößt. Wie die Eigentumsansprüche an das zusammengeflößte Heu befriedigt werden sollen, bleibt eine noch zu lösende Frage. Das in großer Menge auf den Wiesen lagernde Heu ist durch die Regenmassen fast wertlos geworden; nicht selten sogar verfault. Die Feldwege sind so tief aufgeweicht, daß sie nur mit Mühe zu befahren sind. Das Korn, das übrigens in einer staunenswerten Vollendung gewachsen ist, neigt sich fast bis auf den Boden. Ebenso lagert der gleichfalls prächtig stehende Weizen sich stellenweise. Ist somit das zulang anhaltende Regenwetter nicht ohne nachteilige Folgen geblieben, so hat es doch auch auf anderer Seite hin wieder Nutzen gebracht. Den Kartoffeln, den es schon zu trocken werden wollte, merkt man es an, daß sie gehörig begossen worden sind. Ebenso that der Sommerfrucht gründliche Bewässerung nötig. Der zweite Klee bringt einen reichen Ertrag, überhaupt mangelt es nicht an Grünfutter. In den Wiesen, auf denen noch das Heugras lagert, wächst schon das Grummetgras üppig empor. Dazu zeigen unsere Obstbäume, wie auch die Waldbäume ein kraft- und saftstrotzendes Aussehen. D Ulrichstein, 6. Juli. Gegenwärtig erhalten die an den Straßen sitzenden Wegsteine, die noch das alte Wegmaß zeigten, eine neue Nummerierung in Kilometer und Meter. Die Steine, die sehr tief im Boden sitzen, werden zu diesem Zwecke ausgehoben und bekommen auf der Gegenseite der alten Nummer eine neue Nummerplatte. Diese zeitgemäße Nummerierung der Stundensteine ist sehr angebracht, da sie eine Orientierung der Wegstrecke nach dem jetzigen Maße zuläßt uud die Wegentfernungen mit den Maßstäben der neuen Karten in Einklang setzt. Namentlich dürfte die neue Wegmarkierung auch den Radfahrern willkommen sein, die dadurch viel besseren und schnelleren Aufschluß über die Wegentfernungen erhalten. Hoffentlich zieht man dann auch so manchem alten Wegweiser einen neuen Rock an und gibt den invaliden ihre nötigen Arme, da sie ohne diese doch zwecklos an mancher Stelle in ihrem längst verblaßten Kleide stehen. jährigen und bewährten Mitarbeitern des ausgeschiebenen Herrn Hofrates Paulus und zwar Herrn Xaver Schmalix als I. Sekretär und Herrn Max Echter als II. Sekretär unter gemeinschaftlicher Verantwortlichkeit übertragen wurde und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die genannten Herren infolge ihrer reichen, in einer langen Reihe von Jahren gesammelten Erfahrungen das gleiche Vertrauen und Wohlwollen finden werden, wie einstens der verdiente frühere Geschäftsleiter Herr Hofrat Paulus. * Eine rätselhafte Krankheit, die zwar noch keinen Europäer betroffen hat, aber die Eingeborenen scharenweise dahinrafft, wütet z. Z. in Omdurman. Noch hat kein Arzt die Natur der Seuche entdecken können, die mit Fieber und Delirien beginnt und etwa am dritten Tage den Tod des Erkrankten herbeiführt. Die Sektion ergiebt, daß das ganze Gehirn zu einer vereiterten Masse geworden ist. * Allgemeine Diakoniekurse für Jungfrauen oder Frauen gebildeter Stände veranstaltet der Ev. Diakonieverein (Direktor: Professor D. Dr. Zimmer) in Berlin- Zehlendorf regelmäßig vom Oktober dieses Jahres ab. Jeder Kursus dauert 5 Wochen. Der Unterricht ist unentgeltlich; für Wohnung und Verpflegung wird ein Teil der Selbstkosten bezahlt. Der Lehrplan umfaßt: kurzgefaßte Bibelkunde unter zusammenhängender Erklärung ausgewählter Schriften des Alten und Neuen Testaments; die Arbeitsfelder der gesamten Wohlfahrtspflege, besonders der weiblichen Diakonie; Besichtigung der hauptsächlichsten Anstalten der Diakonie, der Inneren Mission und der Wohlfahrtseinrichtungen in Berlin und Umgegend; Berufsordnung; Gesundheitslehre einschließlich mikroskopischer Besichtigung gesundheitsschädlicher Kleinwesen; theoretische Vorschule der Krankenpflege; die Krankenküche. * Verunglückte Waghalsigkeit eines deutschen Matrosen. Am vorigen Samstag morgen warf sich Otto Nägele, ein deutscher Matrose, über den mittleren Bogen der Brooklyner Brücke in den Fluß hinab und wurde sofort getötet. Während des 136 Fuß hohen Sturzes überschlug er sich dreimal und stieß mit dem Kopfe auf dem Wasser auf und zwar mit einem Geräusch wie bei einem Büchsenschuß. Der Körper Nägeles erschien einen Augenblick an der Oberfläche, verschwand aber sofort wieder in einer blutgeröteten Welle und wurde nicht wieder gesehen. Nägele war ein bedeutender Schwimmkünstler, der hoffte, durch derartige Kunststücke berühmt zu werden und viel Geld zu verdienen. C. Böhr & Co Gießen. Spezialität: Kinderbette« und Universums Nachrichten. — lieber die Lehrkräfte der deutschen Universitäten bringt die „©tat. Korr." folgende Angaben. An sämtlichen deutschen Universitäten lehrten ordentliche Professoren im Winterhalbjahr 1894/95 1070, 1895/96 1085 und 1896/97 1090, außer ordentliche Professoren gab es in den genannten drei Semestern 550, 554, bezw. 575, Honorarprofessoren 69, 71 bezw. 76, Privat- vozenten 730, 735 bezw. 753. Zusammen waren im Semester 1894/95 2419, 1895/96 2445, und 1896/97 2494 Lehrer vorhanden. In den letzten zehn Jahren ist deren Zahl in der evangelisch-theologischen Fakultät um 21 oder 13,46 v. H., in der katholisch-theologischen um 8 oder 12,31 v. H., in der juristischen um 25 oder 12,02 o. H., in der medizinischen um 139 oder 23,60 v. H., in der philo sophischen um 206 oder 19,13 v. H. gestiegen. — Erlangen. Dr. Chr. Jakob, früher Assistent an bet hiesigen medizinischen Klinik unter Professor von Strümpell, zuletzt Arzt in Bamberg, der einem Ruf als Profesior an die Universität Buenos Aires Folge geleistet, ist auf der Reise nach seinem neuen WtrkungSorte gestorben. — Jena. Zum Prorektor der Universität für das nächste Semester ist der Profesior der Rechte Dr. Eduard Rosenthal gewählt worden. — Kiel. Der außerordentliche Professor der Geschichte Dr. Rodenberg und der außerordentliche Profesior der Hygiene Dr. Fischer, beide hier, sind zu ordentlichen Professoren ernannt worden. — Rostock. Zum Rektor der hiesigen Universität wurde der Profesior deS römischen Rechts Dr. Franz Bernhöft gewählt. — Bonn. Der außerordentliche Profesior in der juristischen Fakultät der hiesigen Universität, Dr. Ernst Landsberg, ist zum ordentlichen Profesior ernannt worben. — Würzburg. Als Privatbozenten habilitierten sich an der hiesigen Universität Dr. Georg Sommer aus Stuttgart für Physiologie und Dr. Weigandt aus Wiesbaden für Psychiatrie. Schisssnachrichten. — Der Postdampfer „Noorbland- der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 5. Juli wohlbehalten in Newyork angekommen. JTn nrfrefordifBA&r. J ^Versand'arrfijYafB:^ ^ManvailmgefrBkMiiV 41 WiqmW Tragdlkidchkn und Ädjtn ZtMisseu, iöagtnbtditn in größter Auswahl. 4389 Jos. Mark, Schulstraßk 5, WSsche-Ansstattungsgeschäft. Vermischtes. * Eine neue, epochemachende Anwendung des Kinemalo- graphen wurde am Samstag einer sehr zahlreichen Versammlung von Interessenten und Fachleuten im kleinen Saale der „Hoffnung" zu Kiel vorgeführt. Anwesend waren der Fürst von Monaco mit Gefolge, Excellenz von Esmarch, fast alle Professoren der medizinischen Facultät mit ihren Assistenten, zahlreiche Marineärzte, sowie die hier studierenden Candidaten der Medizin. Der berühmte Chirurg Doyen, ein französischer Meister, berühmt durch seine beispiellose Schnelligkeit int Operieren, führte eine Anzahl größerer und schwieriger Operationen durch den Kinematographen vor. In einem einleitenden Vortrag wies der Herr darauf hin, wie wenig anschaulich Operationen in Büchern dargestellt sind, wie es trotz aller Anstrengungen in großen Kliniken Verkehr, Kand im- UsikSMrtfchast. Sim-««-, 5. Juli. Fruchtmarkt. Roter Welz«. X 13,86, weißer Weizens 00.00, Korn X 11.45, Gerste JL 9 20, Hafer X 7.69. 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