otj m ms btt m tt. lg entftr j»rr. 33 Erstes Blatt._______Mittwoch den 8 Februar 5LS99 Gießener Anzeiger Aeneral-AHeiger B«i Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Nezugsprei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Briugerlohn. Alle Slnzeigen-VermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. GrscheinL lägktch mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Ksmikiend lätter werden dem Anzeiger- wöchentlich viermal beigelegt. Annahme von Anzeigen zu der nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Amts- und Anzeigeblutt für den Tireis Gieszen. Redaktion, Expedition und Dnlckerei: Schukstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, Dtätter für hessische Volkskunde. _________ Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietze«. Fernsprecher Nr. 51. KO), uM, i'iider, Mtze, Zubehör, ziegulO, etrieb, w. w WM. * 1,10® 661 1,15 » Ceutuer«. 095 t 1.051 ' ' 1.101 200 Cevtvk" 0.901 ’ ‘ ' ' 1.051 feuvig sü* V :t ”2 KaS»« res >« a * en» end raße33' rße 10, nnit^ Deutscher Reichstag. 26. Sitzung vom 6. Februar. 1 Uhr. Die Beratung des Postetats wird fortgesetzt bei dem Titel „Post- und Telegraphen - Aemter". Es liegt hierzu ein Antrag Basser mann (Resolution) vor: die Negierung möge dahin wirken, daß bei der veränderten Regelung' des Gehalts der Postdirektoren eine Schädigung, der jetzt im Amte befindlichen Direktoren gegenüber dem früheren System vermieden werde. Abg. Bassermann (nl.) empfiehlt die Resolution. Direktor im Reichspostamt Wittko bemerkt, es handle sich nur um einen Schaden von einigen hundert Mark für dic Gesamtdienstzeit bei einzelnen Beamten, nicht etwa um einen solchen Schaden pro Jahr. Abg. Müller-Sagan (frs. Vp.) bittet um Annahme der Resolution und richtet Anfragen an die Verwaltung hinsichtlich der Dienstzeit der Beamten bei den Postämtern, ferner ob der freie Sonntag nach vorausgegangenem Tag- unb Nachtdienst auch nur als halber freier Tag angerechnet werde und nicht etwa als ganzer, da nach vorausgegangenem so schweren Dienst der Sonntag Vormittag natürlich dem Lchllas gewidmet werden müsse. Wie komme es ferner, daß llnterbeamte nicht selten acht Stunden früher am Montag antreten müßten, als dies in Wirklichkeit erforderlich sei? Und weshalb werde der Erholungsurlaub von verschiedenen Postamtsvorstehern so verschieden behandelt? Redner rügt bann das Eingreifen des Postdirektors in Tilsit in die Wahlen zu gunsten des Grafen Pourtalös. Durch zeugeneidliche Vernehmungen sei der Postdirektor wissentlicher Unwahrheit beschuldigt worden. Bize-Präsident v. Fr ege bittet, nicht einen Abwesenden hier wissentlicher Unwahrheiten zu beschuldigen. Abg. Müller- Sagan (frs. Vp.) bemerkt, er habe nur lhrtsachen konstatiert aus zeugeneidlichen Vernehmungen. Staatssekretär v. Podbielski entgegnet dem Vorredner, er sei für die Dienstzucht in seiner Verwaltung nur . dem Reichskanzler verantwortlich, und er lehne es unbedingt ab, sich von dem einseitig unterrichteten Herrn Abgeordneten Vorschläge machen zu lassen. Er sei für die Dienstzucht nie dem Reichskanzler verantwortlich. (Laute Rufe links: Unb uns!) Was die Angelegenheit des Postdirektors in Feuilleton. Aus Wilsielm Jordans Jugendzeit. Zum 80.Geburtstag des Dichters,8.AebruarL8S0 Nach feinen persönlichen Erzählungen. Von Paul Wittko. (Nachdruck verboten.) Am 8. Februar 1819 wurde dem damaligen Rektor der Bürgerschule zu Insterburg in Ostpreußen, Karl 'lagust Jordan, von seiner Gattin Beate Eleonore geborene ßvedjch ein Sohn geboren, der die Namen Karl Wilhelm r der Taufe erhielt. Die Eltern erkannten bald des Knaben außergewöhn- Iiihe Fähigkeiten und seine scharfe Naturbeobachtung. Die Maischen, die mit ihm umgingen, und mit denen er umging, lie Tiere und Pflanzen, die er sah, prägten sich fest in >MLm Gedächtnis ein. Alles, was sich ihm in der freien iittur bot, regte seine Geisteskraft und seine Phantasie Mchtig an. Mit seinen Jugend- und Spielgefährten hat listig und fröhlich verkehrt, „Hinterm Ofen" hat er nie fidelen. So kam es, daß er nach echter Jungenart es oft Zu toll trieb, lieber der Nachbarn Zäune ist er geklettert, M slch von dort die Aepfel zu holen, obwohl in des Vaters Karten viel und gutes Obst war, wenn nicht besseres als in dm anderen. Aber daß verbotene Früchte noch einmal fo sÄß sind als erlaubte, hat auch er empfunden. Mit Ach mut und Humor denkt er an seine früheste Jugend Wil ck: HO süße, goldne Zeit der Kinderspiele, Voll Paradieses Unschuld und voll Glück! Gleichwie ein Schiffer, der auf schnellem Kiele Die Heimat flieht und seinen letzten Blick Nach ihren blauen Bergen wirft zurück. So schau ich aus des Lebens Mittagsschwüle Zurück auf meines Daseins Morgenröten, Wo Seligkeit ich fand in Butterbröten." Tilsit anlangt, so habe er, Redner, die Sache den öffentlichen Gerichten übergeben. Direktor Wittko erklärt zunächst, die Frage der Sonntagsruhe würde im wesentlichen im Sinne der Wünsche des Abg. Müller behandelt. Der Erholungsurlaub habe in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Abg. Rickert (frs. Vp.) wünscht, daß der Antrag Bassermann an die Budgetkommission zurückverwiesen werde. Redner wendet sich dann den Aeußerungen des Staatssekretärs zu und bemerkt, wenn Herr v. Podbielski lediglich dem Reichskanzler verantwortlich sei, dann sei der Reichskanzler dem Reichstage verantwortlich. (Rufe: Sehr richtig!) Und da liege doch der Schluß sehr nahe, daß auch der Staatssekretär dem Reichstage verantwortlich sei. Abg. Möller (nl.) ist ebenfalls für Kommissionsverweisung. Abg. Lenzmann (frs. Vp.) findet die Art und Weise, wie der Staatssekretär es zu hindern versuche, die Handlungsweise seiner Beamten und ihn selbst zu kritisieren, etwas zu kavalleriemäßig. Gefreut habe er sich allerdings, daß Herr v. Podbielski erklärte, er habe das Verhalten des Beamten in Tilsit nicht gutgeheißen und die Untersuchung eingeleitet. Der Beamte in Tilsit habe geradezu ungesetzlich gehandelt, denn wie komme er dazu, Exemplare der Tilsiter Zeitung zurückzuhalten, sie nicht verbreiten zu lassen, obwohl sie nicht gerichtlich beschlagnahmt war? Redner teilt ferner mit, daß die Postbehörden in Hagen und Dortmund auf dem Gebiete des Firmenrechts sich ein Versehen hätten zu Schulden kommen lassen und zwar in Unkenntnis der für Westfalen geltenden ehelichen Gütergemeinschaft. Staatssekretär v. Podbielski entgegnet, der erstere Fall sei ihm unbekannt; er werde sich aber die Akten kommen lassen. Bei dem Falle in Dortmund und Hagen handele es sich um eine der verwickeltsten Sachen der Post- verwaltung, um Firmenrechtliches. Wenn da einmal ein Versehen vorkomme, so sei das entschuldbar. Abg. Singer (Soz.) kommt auf die obige Aeußerung des Staatssekretärs zurück und meint, wenn der Herr Staatssekretär dem Reichstage nicht verantwortlich sei, dann werde dem Herrn Reichskanzler nichts anderes übrig bleiben, als daß er sich selber während der Session im Reichstage für permanent erkläre. Redner bespricht nun den Tilsiter Und dann kam die Zeit, da das Ewig-Weibliche ihn anzuziehen begann. „Ich war fürwahr ein sonderbarer Junge: Ich hab geliebt, so lang ich denken kann. Noch lallte kaum das ABC die Zunge, Da schmiegt ich mich schon gern dem Mädchen an." Er erzählt in seinen Jugendgedichten, die unter dem Titel „Schaum" 1844 erschienen, daß er, wenn er schmollte oder sich beleidigt fühlte, unter Mutters Klavier kroch und bitterlich weinte. Und schmollen thal er immer, wenn ein Jungfräulein, die der kleine Knirps in sein Herz geschlossen hatte, Jünglinge von 20 Jahren ihm vorzog. Wenn er in ihrer Eltern Hause war und Militär mit klingendem Spiele vorüberzog, dann kroch er regelmäßig unters Klavier der schönen Laura, denn diese eilte dann — das wußte das Büblein „aus Erfahrung" — blitzenden Auges und mit geröteten Wangen ans Fenster, um sich von diesem und jenem schmucken Leutnant ihrer Bekanntschaft grüßen zu lassen. „Ihr liebes Wichtelmännchen" aber, wie sie den kleinen Wilhelm scherzhaft zu nennen pflegte, weinte und schrie und bat, ihm das begonnene Märchen weiter zu erzählen. Laura aber ward böse und schlug ihn auf die Hand. Laß mich in Ruh! Was soll das heißen? Du wirst mir noch das neue Kleid zerreißen. — Da kroch ick wieder unter das Klavier Und schluchzte laut und weinte heiße Thränen. Ach, wär ich so ein blanker Offizier! Das war mein heißes, inbrunstvolles Sehnen, Dann ritt ich auch so stolz vorbei an ihr! Sie würde sich nach mir ins Fenster lehnen, Ich aber galoppierte ihr zum Tort Schnell wie der Wind und ohne Grüßen fort. Die schöne Müllerstochter Laura Balk, die holde Scheherezade, die ihm als „Dämmerbild in ewiger Jugendschöne" vor seiner Jugend steht, hat in ihm auch die Liebe zum Gesänge wie überhaupt zur Musik angeregt. In einem großen Roman „Zwei Wiegen" (1887) malte der Dichter das Bild einer schönen Müllerstochter in den prächtigsten Fall und schließt : Die Art, wie hier der Staatssekretär dem Reichstage gewissermaßen Subordination zumutet, werden wir uns nicht gefallen lassen. Staatssekretär v. Podbielski behauptet, das habe ihm ferngelegen. Er bleibe dabei, daß, wer den Eid als Beamter geleistet habe, nicht für die Sozialdemokratie Agitation treiben dürfe. Abg. Liebe r (Centr.) ist mit denen einverstanden, die erklären, daß der Reichskanzler dem Reichstage für alle geschehenen Maßnahmen verantwortlich sei. Aber ebenso sei er auch mit dem Staatssekretär darin einverstanden, daß sich diese Verantwortlichkeit nicht bezieht auf Maßnahmen, die noch ausstehen. Das würde ein Eingreifen der gesetzgebenden Körperschaft in die Verwaltung sein. Redner ist mit der Rückverweisung des Antrages Baffer- mann an die Kommission einverstanden. Abg. v. Levetzow (kons.) erklärt, veranlaßt durch eine Bemerkung des Abg. Singer, im Namen seiner Freunde, daß dieselben jedes Bündnis mit den Sozialdemokraten zurückwiesen und jeden desavouierten, der sich auf ein solches Bündnis einlaffe. Die Debatte wird geschlossen. Der Titel wird genehmigt, der Antrag Bassermann an die Kommission verwiesen. Die Titel „Oberpost- und Telegraphen-Assistenten", sowie Stellenzulagen an sogenante gehobene llnterbeamte werden ebenfalls an die Kommission zurückverwiesen. Beim Titel Telegraphen- und Fernsprech-Ge- hilf inne n beschwert sich Abg. Müller-Sagan (frs. Vp.) darüber, daß verschiedene Damen nach absolviertem Vor^ bereitungsdienst zurückgewiesen seien, weil keine Stelle frei fei. — Unterstaatssekretär Fritzsch entgegnet, diebetreffenden Damen würden stets von vornherein darauf hingewiesen, daß sie nach beendeter Ausbildungszeit nicht sofort auf Anstellung rechnen dürften. Staatssekretär von Podbielski fügt noch hinzu, daß die betreffenden Damen natürlich auf die Expektanten- liste kämen. Der Titel wird genehmigt, desgleichen der Titel Unterbeamte. Beim Titel W oh nun gsgeld Zuschüsse wünscht eine Farben. Doch hat er dabei, wie er mir einmal sagte, an die Märchenfee seiner Kindheit nicht gedacht. Eine andere wars, die ihm die Umrisse für die Agnete seines Romans lieferte. Etwa zwei Jahre ist es her, als ich den Dichter an die schöne Laura, wie ich sie ans dem „Schaum" kenne, erinnerte, und bald darauf entstand ein Poem, das zu den schönsten gehört, die im „Cottaschen Musenalmanach für 1898" enthalten sind. In tiefergreifenden Versen von berückendem Wohllaut gedenkt der greife Poet wieder der „Laura" aus seiner Jnstcrburger Kinderzeit. Er träumt sich um mehr denn 70 Jahre zurück, und lebendig wird wieder die liebliche Mädchengestalt mit ihrer süßen Stimme und ihrem weißen Halse. Sie sang ihm öfters am Klavier das Lied des Freifchütz-Aennchen: „Doch ihres Halses Trillerspiel, Nach dem ich lechzend schaute, Dabei weit mehr mir noch gefiel, Als ihre süßen Laute, Bis ungestüm ein dunkler Drang Ergriff die Kinderseele Und keck auf ihren Schoß ich sprang, Zu küssen diese Kehle." In seinen Strophen und Stäben (1871) sagt der Dichter, daß ihn „die Natur nicht zu lyrischen Thaten gerüstet" habe. Widerlegen das nicht vollauf diese leichten lebenswarmen Verse des Neiinundsiebzigjährigen? Im Jahre 1825 war sein Vater nach der Regierungs- Hauptstadt Gumbinnen als zweiter Prediger an der Stadtkirche übergesiedelt. Der sechsjährige Knabe wurde Schüler des dortigen Gymnasiums. In dem alten „Feenschloß", wie er einmal scherzend dic Schule genannt hat, machte er gute Fortschritte. Die liebsten Unterrichtsstunden wurden ihm bald Geschichte und Naturwissenschaften. Die griechische Mythologie zog ihn besonders mächtig an. Die religiösen Eindrücke, die er als Kind gewann und die von seinen Eltern nach Kräften in ihm genährt wurden, waren von weitreichendem Einfluß auf ihn. Die Bibel las er als Schüler schon von Anfang bis zu Ende durch. Gar oft zerbrach er sich seinen Kindskopf mit religiösen Gedanken. Der Glaube beglückte den Knaben. Auch in Gumbinnen sollte seines Bleibens nicht lange fein. Er mar wohllöblicher Tertianer geworden, als sein Vater im Herbst des Jahres 1832 nach dem Städtchen Ragnit am Memelstrom berufen wurde. Den Winter über blieb der Knabe noch bei den Eltern im Pfarrhause, an das sich ein großer Obstgarten, der Lieblingsaufenthalt der Kinder, schloß. Der Vater erteilte ihm den ersten Unterricht in den altklassischen Sprachen und verstand es vorzüglich, das Interesse des Knaben für die Antike wachzurufen. Besonders packte den Knaben der alte Homer. Von seinem 12. Jahre, so erzählte er mir selbst, ist selten ein Tag vergangen, ohne daß er im Original der Odyssee gelesen hätte. Ja, damals schon machte er sich daran, das griechische Epos dichterisch nachzubilden, eine „Lustarbeit", der er „Stunden des reichsten Genusses zu verdanken hatte." (Schluß folgt? Reihe von Abgeordneten endliche Regelung des Wohnungsgeldzuschußwesens unabhängig von dem militärischen Servis- tarifwesens. . Staatssekretär von Podbielskr teilt mit, daß der Kaiser die Einführung einer besonderen Sommerkleidung für Landpostbriefträger genehmigt habe. (Bravo!) Das Haus vertagt hierauf die Weiterberatung des Etats auf morgen 1 Uhr. Außerdem steht die erste Lesung der Novelle zum Bankgesetz auf der Tagesordnung. Schluß 5-/4 Uhr. einem Fernsprechnetz zu geben ist, insbesondere ob em solches auf den Bezirk eines Ortes zu beschränken, oder auf mehrere Orte zu erstrecken ist, hängt von der Bestimmung der Verwaltung ab. Gewöhnlich werden als selbständige Netze (sogen. Stadt-Fernsprecheinrichtungen) nur Anlagen von mindestens fünf Teilnehmern angesehen. — Das Gesetz soll am 1. April 1900 in Kraft treten. — Die Vorlage soll bereits am Donnerstag auf die Tagesordnung der Plenarsitzung des Bundesrats kommen. Voraussichtlich wird sie den Verkehrs- und Finanzausschüssen zur Vorberatung überwiesen werden.M. - KS&Ü M.P.C. Berlin, 7. Februar. Die jetzt dem Reichstage zugegangene lex Heinze stellt das äußerste an Konzessionen dar, welche die Bundesregierungen auf dem m Frage stehenden Gebiete zu machen entschlossen sind. Sollte das Zentrum weiter gehende Forderungen betreiben, so könnte es damit nur das Zustandekommen des Gesetzes vereiteln. ., M.P.C. Berlin, 7. Februar. In gutunterrichteten Finanzkreisen nimmt man an, daß sich an der Zeichnung der 75 Millionen Mark 3 prozentiger deutscher Reichsanleihe, und der 125 Millionen Mark 3 prozentiger konsolidierter Preußischer Staatsanleihe mit nicht geringer Lebhaftigkeit auch bestimmte Teile des Auslandes beteiligen werden. Man denkt insbesondere auch an überseeische. M.P.C. Berlin, 7. Februar. Im Zusammenhang mit den letzten Reichstagsdebatten über die Unvereinbarkeit der amtlichen Obliegenheiten im Kaiserlichen Dienst Angestellter mit einer agitatorischen Thätigkeit zugunsten der Sozialdemokratie, ist auch von einer Seite wieder die Unumgänglichkeit der Wiedereinführung eines Sozialistengesetzes hervorgehoben worden. An dem Standpunkt, den die verbündeten Regierungen dieser Forderung gegenüber während der letzten Jahre festgehalten haben, wird sich voraussichtlich jetzt ebenso wenig ewas ändern, wie an ihrer Haltung in der Jesuitenfrage. Es wird demgemäß ein neues Sozialistengesetz nicht eingebracht werden und der vom Reichstag angenommene Antrag auf Aufhebung des Jesuitengesetzes demnächst ebenso unerledigt bleiben wie bisher. Deutsches Reich. Berlin, 6. Februar. Wie der „Lokal-Anzeiger" aus Kiel meldet, wird bei der Anwesenheit des Oberpräsidenten I v. Köller in Apenrade am 13. eine große Deputation angesehener dänisch gesinnter Männer des Kreises eine I Audienz nachsuchen, um gegen die Ausweisungen vorstellig I zu werden. , f I Berlin, 6. Februar. Der Entwurf eines Tele-I graphen-Wegegesetzes ist, wie die „Kreuzzeitung I vernimmt, soweit fertiggestellt, daß er dem Bundesrat m I den nächsten Tagen zugestellt werden kann. Als Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Gesetzes ist, wie verlautet, der I Anfang nächsten Jahres in Aussicht genommen. Berlin, 5. Februar. Ueber die neue Fernsprech- I gebühren-Ordnung. Bei der Neuordnung des Fernsprechgebührenwesens ist in der Vorlage, welche dem Bundes- I rat zugegangen ist, darauf Bedacht genommen, eine gerechtere I Verteilung der Gebühren innerhalb des Rahmens des bisherigen Gesamtergebnisses herbeizuführen. Das Abonnementssystem ist beibehalten worden, und innerhalb desselben sind Abstufungen nach Maßgabe des Nutzens, den das I Publikum, und der Aufwendungen, die die Verwaltung hat, I eingeführt. Daneben soll aber fakultativ denjenigen Teil- I nehmern, welchen die Abonnementsgebühr zu hoch erscheint, der Anschluß gegen Zahlung von Einzelgebühren gestattet sein. Für jeden Anschluß an ein Fernsprechnetz sott fortan eine Grundgebühr und eine Gesprächsgebühr erhoben werden. Die Grundgebühr ist die Vergütung für die Ueberlassung I und Unterhaltung der Apparate, sowie für den Bau und die Instandhaltung der Sprechleitungen. Sie beträgt in Netzen von nicht über 1000 Teilnehmer-Anschlüssen 60 Mk., in Netzen bis 5000 Anschlüsse 75 Mk.; bis 20000: 90 Mk.; und bei mehr als 20000 Teilnehmer-Anschlüssen 100 Mk. jährlich für jeden Anschluß, welcher von der Vermittlungsstelle nicht weiter als 5 Kilometer entfernt ist. — Die Gesprächsgebühr ist die Vergütung für die Herstellung der Gesprächsverbindungen. Sie wird auf Grund der Aufzeichnungen der Vermittlungsstelle festgestellt und ist entweder eine Bauschgebühr oder eine Einzelgebühr. Die Höhe der Bauschgebühr (Gesamtgesprächsgebühr) richtet sich nach der durchschnittlichen Zahl der Gesprächsverbindungen von nicht mehr als drei Minuten Dauer, welche während eines ! Jahres auf jeden der zu einem Netz vereinigten Teilnehmeranschlüsse entfallen. Die Gesprächsgebühr beträgt für tue ersten 500 Verbindungen 20 Mk.; bei mehr als 500 bis inkl. 1500 Verbindungen für weitere 500 Verbindungen je 15 Mk.; bis 3000 Verbindungen für je weitere 500 Verbindungen je 10 Mk.; und bei mehr als 3000 Verbindungen für die überschießenden Verbindungen insgesamt noch 10 Mk. — Die Grundgebühr und die Gesamtgesprüchsgebühr werden für jedes Netz alle drei Jahre neu festgestellt und drei Monat vorher bekannt gemacht. Bei eintretender Erhöhung der Gebühren können die Teilnehmer einen Monat vorher kündigen. Jeder Teilnehmer ist berechtigt, an Stelle der Gesamtgesprächsgebühr Einzelgesprächsgebühren für jede hn:- gestellte Verbindung, mindestens jedoch für 400 Gespräche jährlich, zu zahlen. Die Einzelgebühr beträgt 5 Pfg. für die Verbindung von nicht mehr als drei Minuten Dauer; jede angefangene Reihe von 100 Gesprächsverbindungen wird für voll gerechnet. — Der Anschluß gegen Einzelgesprächsgebühren findet in Netzen, in welchen die Gesamtgesprächsgebühr 20 Mk. beträgt, nicht statt. — Wo Fernsprechnetze neu errichtet werden, wird während der ersten drei Jahre nach der Errichtung für jeden Teilnehmeranschluß, welcher nicht mehr als 5 Kilometer von der Vermittlungsstelle entfernt ist, eine Grundgebühr von 60 Mk. und eine Gesamtgesprächsgebühr von 20 Mk. für den Anschluß erhoben. — Für die Benutzung der Verbindungsanlagen zwischen verschiedenen Netzen oder Orten mit öffentlichen Fernsprechstellen werden Einzelgesprächsgebühren erhoben. Sie betragen für eine Gesprächsverbindung von nicht mehr als drei Minuten Dauer bei einer Entfernung bis zu 50 Kilometer einschl. 25 Pfg.; bis 100 Kilometer 50 Pfg., bis 500 Kilometer 1 Mk., bis 1000 Kilometer 1,50 Mk., über 1000 Kilometer 2 Mk. — Welcher Umfang seither im 5. Großh. Infanterieregiment Nr. 168, und dem Hauptmann und Kompagniechef im Infanterieregiment Nr. 140 Ehrhardt, seither im 4. Großherzogl. Infanterieregiment (Prinz Carl) Nr. 118, das Ritterkreuz 1. Klasse des Ver- dienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen geruht. •* Akademischer Gesangverein. Fest - Konzert am 19. Februar. Den Freunden und Gönnern des Vereins wird in den nächsten Tagen eine Einladungsliste zum Konzert vorgelegt werden, die sich aller Wahrscheinlichkeit nach bald mit Unterschriften bedecken wird. Da es aber I nicht ausgeschlossen ist, daß mancher übersehen werden wird, der freundliche Gefühle für den feiernden Verein im Busen I trägt, so mögen die unabsichtlich Vergessenen zu Herrn Challier sich bemühen, der ihnen unverzüglich Karten I aushändigen wird. Die Eintrittspreise sind trotz des vor- I züalichen Programms mäßig, und betragen für Sperrsitz I Mk. 2,50, für unnummerierte Plätze Mk. 1,50. Das Pro- I gramm wird in den allernächsten Tagen im Anzeigenteil I veröffentlicht werden. *♦ Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Am 3. Februar sprach Herr Prof. Dr. W. Wetz von Gießen über Cecil Rhodes und den englischen Imperialismus. Der Redner, dessen Aufenthalt in England 1898 in die Zeit des Aufflammens der imperialistischen Idee in jenem Lande fiel, erörterte zunächst die Entwicklung derselben im britischen Reiche. In den 70er Jahren war in England die Befürchtung, die Kolonien könnten sich von dem Mutter- lande losreißen, noch ganz allgemein und die Erkenntnis der Möglichkeit eines großen britischen Weltreiches, zu dem alle englisch sprechenden Kolonien, namentlich Kanada, Neu- seeland, Australien und Südafrika, gehören müßten, nur bei wenigen vorhanden. Zu diesen gehörte bereits früh Cecil Rhodes, ein damals in den zwanziger Jahren stehender Mann, der seiner Gesundheit halber nach Natal ging, später seinen akademischen Grad in Oxford erwarb und seit Anfang der achtziger Jahre nun zu dem Träger der lmpena- listischen Idee wurde. Ihn charakterisiert eine überaus zähe Energie, die ihn befähigt, rücksichtslos auf ein gegebenes Ziel hinzuarbeiten, und eine ungewöhnliche finanzielle Begabung, durch die er schon im Alter von 30 Jahren tin sehr bedeutendes Vermögen erwarb, namentlich durch ge- schickte Operationen in südafrikanischen Werten. Dieses Vermögen verwendete er nun ausschließlich zur Förderung seines Gedankens, Südafrikas verschiedene Staaten und Kolonien, das kapholländische und britische Element zu einem festen politischen Ganzen unter englischer Führung zusammenzufassen. Die bekanntesten Stationen auf dem Wege seiner Erfolge sind: die Vereinigung der Diamantengruben zu der de Beers Kompany, mit einem Kapital von 4 Mill. Pfd. Sterl., und Dividenden bis zu 25 Proz.; die Ernennung zum Finanzmiuister der Kapkolonie 1884 und zum Ministerpräsidenten derselben 1890, die Angliederung von Betschuana-Land und benachbarter Landschaften an die Kapkolonie, wodurch er einen Keil zwischen Deutsch-Süd- : westafrika und Transvaal trieb; die Begründu^ bev Chartered Company, die Niederwerfung des Matabele- Aufstandes durch persönliches mutiges Eingreifen und die Erwerbung des jetzt Rhodesia genannten Landes der Ma- tabele für England. Als er sich jedoch 1896 daran wagte, Transvaal durch den Putsch Dr Jamesous zu erdrücken, verlor er einen Teil seines Einflusses und mußte wegen der Erbitterung des kapholländischen Elements auf bie Ministerpräsidentschaft verzichten. Seitdem widmet er sich der Verwaltung Rhodesias und hat bereits die Eisenbahn bis Buluwayo fertiggestettt; es kann nur eine Frage der Zeit sein, daß die Eisenbahn bis an den Sambesi weitergeführt werden wird und schon plant Rhodes bekanntlich die Verbindung von Chartum und Buluwayo durch Telegraph und Eisenbahn. Seine gewaltigen Erfolge und sein I tadelloser Lebenswandel sicherten Rhodes bald eine Stelle unter den angesehensten Männern Englands, ja er darf wohl als der Träger der ganzen imperialistischen Richtung, des großenglischen Gedankens, angesehen werden. Seine Erfolge sind es, die in Zeiten anscheinenden Rückgangs des britischen Einflusses der Nation die Hoffnung auf I Wiedererstarken einer nationalen, auf Expansion und Weltherrschaft gerichteten Politik erhalten, und auch Sänger, wie Rudyard Kipling, den Dichter des britischen Heeres I und der Kolonieen, zu nationalen Liedern von nicht zu unterschätzender politischer Bedeutung begeistert haben. Daß M der Zeit Rhodes Lebenswerk, die Vorherrschaft Englands über Südafrika zu begründen und zu besiegeln, durchgeführt werden wird, daran ist nach den neuesten politischen Ev I eignissen in Südafrika nicht mehr zu zweifeln. Rhodo I aber wird in Zukunft unter die größten nationalen Helden I Englands gerechnet und mit den großen Begründern und Erhaltern der britischen Kolonien in eine Linie gestellt werden I müssen. -fl. •• Stadttheater. Mittwoch den 8. Februar siudü I die vor acht Tagen ausgefallene Vorstellung von Gutzkows „Uriel Acosta" zum Benefiz für Herrn Hu bett I Dietzsch statt. Die Aufführung der Operette „D>e I Fledermaus mit Herrn Hofopernsänger Otto W erlitt I von Darmstadt als Gast ist auf Donnerstag W I 9. ds. Mts. verschoben worden, da Herr Werner am Mm' I woch infolge einer Repertoireänderuug des Hoftheaters I Darmstadt zu fingen hat. ** Dem Allgemeinen Bericht über die städtische Verwalt« I im Jahr 1897/98 entnehmen wir u. a. folgendes: I Stadtverordneten-Verfammlunghatin23 Sitzung^ I über 625 Gegenstände verhandelt; der stärkste Besuch eine I Sitzung hat bestanden aus dem Oberbürgermeister, den, die I Beigeordneten und 24 Stadtverordneten, der schwächste au I zwei Beigeordneten und 18 Stadtverordneten; im ®lir®) I schnitt haben an jeder Sitzung 23 Stadtverordnete I jeder Stadtverordnete an 17 Sitzungen teilgenommen. "" Was die Thätigkeit der Kommissionen und Dep , | tationen betrifft, so beschäftigte sich die Bau-DeputaN Ausland. Graz, 6. Februar. Der Statthalter sistierte die Thätigkeit des von dem Baron Rokitanski geleiteten, den Klerikalen schroff gegenüberstehenden Bauernbundes. Budapest, 6. Februar. Die nolificierte Antwort der Regierung wurde heute vormittag den Vertrauensmännern der Opposition überreicht. Letztere hielten eine Konferenz ab. Die Situation hat sich wesentlich gebessert. > Da Banffys Rücktritt nicht mehr zweifelhaft, ist die Opposition geneigt, die Vorschläge der Regierung zu acceptieren. Rom, 6. Februar. Anläßlich des Journalisten-Kou- gresses hat der König alle wegen Preßvergehen verhafteten Personen begnadigt. r . M.P C Belgien denkt bekanntlich an eine Erschwerung des Imports, die, wenn sie wirklich beschlossen werden sollte, auch auf den Export wirken würde. Der belgische Außenhandel weist 1898 gegen 1897 eine Mehreinfuhr von 133 Mill. Frks., und eine Mehrausfuhr von 104 V2 Mill. Frks. auf. Die belgische Einfuhr von Deutschland steigerte sich um 5 Mill. Frks., der belgische Export nach Deutschland wuchs um 75 Mill. Frks.; nach Frankreich und den Niederlanden war der Verkehr gleichfalls gestiegen; nach Großbritannien war die Einfuhr um 3 Mill. Frks. höher, die Ausfuhr um fast 4 Mill. Frks. niedriger. Paris, 6. Februar. Die Truppen der hiesigen Besatzung werden über ihr Verhalten gegenüber aufrührerischen Volksmengen unterrichtet. „Gaulois" erklärt angesichts anderer Deutungen, dieser Unterricht geschehe mit Rücksicht auf mögliche Zusammenstöße mit ausständischen Arbeitern. Paris, 6. Februar. Dem „Soir" zufolge sind General CH ano ine und Kapitän Cuigu et bereit, zu erklären, daß die von der Kriminalkammer inkriminierten Schriftstücke dem Obersten Panizzardi mitgeteilt worden sind. Marseille, 6. Februar. Von den bet den gestrigen Tumulten verhafteten Personen sind alle bis auf einen aus der Haft entlassen worden. Die Zahl der Verwundeten ist größer, als man anfangs annahm. Sie betragt nahezu 200. W , Belgrad, 6. Februar. Ofsiziös wird kategorisch bestritten, daß weitere PersonaIveränderungen im i Kabinett bevorstehen und daß ein Systemwechsel beab- s^Algier, 6. Februar. Der Präfekt hat den Bürgermeister und den ganzen Munizipalrat der Stadt Algier seines Amtes enthoben, weck dieselben überführt worden sind, mit den Antisemiten gemeinsam die vorgekommenen Unruhen organisirt zu haben. Males und Provinzielles. Gießen, den 7. Februar 1899. •* Nachdem schon unsere gestrige Abwehr, hergebrachte Vorurteile entkräftend, beurkundet, daß — wovon man sich übrigens bei gutem Willen täglich durch den Augenschein überzeugen kann — mir den gemeinen Mann nicht minder zuvorkommend, als den gelehrten Professor zu bedienen wissen, erklären wir hiermit nochmals, daßwir auf künftige hämische Anzapfungen der „Vereinigten lieben Schwestern" erst dann wieder einmal eingehen werden, wenn so viel Zeug vorhanden ist, daß sich eine gründlich e Wäsche verloHut. *' Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 4. Februar dem Major und Bataillonskommandeur im Infanterieregiment Nr. 172 v. Prittwitz u. Gaffron, s° , rJSfi «tu 8 SitzE" M»°n;; Deputation,' die iimStannW «it 81 ungen mit ö Sitzungen nut 5 Sitzungen höheren und e 26 Gegenstand VerWahren beamten. . gckendnM tix dem erste hi erstens buch Pech nähme vor I Zurücknahme in 1 ssalle b . rttil, durch Mr Klagen *t. Ar buch W Klagen der nusuahme de । chÄiguug m meid in 1 Al 1M; die §l rmg von Loh Herausgabe v <ö Ps. erhieL GWstsschr Leckhr und mmrn 226 Men, gejud -339 Dienst iMeiter, 5! i entsagen 81 ' 433 Stelle 1 Arbeitern । : 130 auf • GemaM HÄ Wi i33 Mn ge n'urde der Äi -Tthneversuchc üintause ( tilmendeM - Nachweis rot ' Vorjahre. - . genommenen. : verletzt auf | •'? aus dem Mii Bureau f lEbeitsW s B " T°lt i W wurde ! Ehren vi 1 M v 11 auf ten, j d-S „ W* Jj :Ks s« sä*: «*$•' L t>Pcrett5' ber ntto r ^fspV mgDe * U. »■ l’fe't- *rf>; ,>S>; ■t'168- unbk te* /‘Olle des *> /°nzert „ Jtrn deS Vech ^stifte DahrscheittljL : - Da es^ Zn werden n-i- ^rein im "enen zu Her 'vorzüglich 9fltl lno trotz des v, 9eMüt Sperr w Das P: tm Anzeigen!! -Am 3. Febn eßen über Cei lperialisrnii M 1898 in en Idee in jen lung derselben war in Evglv von dem Mutte id die Erkennlr Weltreiches, zu h lich Kanada, Nc m Mvw, n. orte bereits ger Jahren ick nach Natal zn -d erwarb und ' räger der imptr ert eine üben >lo§ auf ein ivMche fm) )on 30 Zahm lmentlich durch Werten. De lich zur Förden bene Staaten: itische Elemen! englischer Fühn Stationen auf * mg der Dianm einem Kapitlil? ,s zu 25 W' ipkolonie 1884 i bie Slngliedm }ant>fünften all chen be§1* Eingreifen n Landes dei L 1896 daran lesons zu erbrüd- unb mußte wj Elements auf idem widmet er ireits die @en SaM W RhodeS btk - iluwq°bnIi! en &W.“ )t8 halb k«i mlatibl, i« ", ltn wtben. 8' Lm *<■ Kommission für das Feuerlöschwesen und Friedhofs-Kommission in 31 Sitzungen mit 707 Gegenständen, die Fincmz- deputation in 10 Sitzungen mit 63 Gegenständen, die Deputation für das städtische Gas- und Wasierwerk in 12 Sitzungen mit 90 Gegenständen, die juristische Kommission in 2 Sitzungen mit 8 Gegenständen, die Schlachthaus-Kommission in 2 Sitzungen mit 11 Gegenständen, die landwirtschaftliche Kommission in 7 Sitzungen mit 32 Gegenständen, die Schul- Deputation in 4 Sitzungen mit 13 Gegenständen, die Deputation für die Märkte in 4 Sitzungen mit 9 Gegenständen, die Deputation für das Einquartierungswesen in 1 Sitzung mit 1 Gegenstand, die Kommission zur Prüfung von Gesuchen um Branntwein-Ausschank und -Kleinhandel tn 21 Sitzungen mit 81 Gegenständen, die Vorschlags-Kommission in 3 Sitzungen mit 8 Gegenständen, die Armen-Deputation tn 23 Sitzungen mit 1688 Gegenständen, der Schulvorstand in 5 Sitzungen mit 23 Gegenständen, das Kuratorium der höheren und erweiterten Mädchenschule in 5 Sitzungen mit 26 Gegenständen. — Der Bericht erwähnt sodann die im Berichtsjahr eingetretenen Veränderungen unter den Gemeindebeamten. — Bei dem Gewerbegericht wurden im Kalenderjahr 1897 im ganzen 100 Klagen angebracht; die Klagen erledigten sich in 6 Fällen durch Klagezurücknahme vor dem ersten Termin, in 7 Fällen durch Klagezurückuahme int ersten Termin, in 49 Fällen durch Vergleich, in 7 Fällen durch Versäumnisurteil, in einem Falle durch Klagezurücknahme vor dem zweiten Termin, in einem Falle durch Klage- Zurücknahme im zweiten Termin, in 6 Fällen durch Vergleich, in 1 Falle durch Versäumnisurteil, in 12 Fällen durch End- nrteil, durch andere Erledigung in 11 Fällen. 80 Prozent aller Klagen wurden ohne Heranziehung von Beisitzern erledigt. Von den anhängig gewordenen Klagen waren 23 durch Arbeitgeber, 77 durch die Arbeitnehmer erhoben; die Klagen der Arbeitgeber gingen in 5 Fällen auf Wieder- Msiiahme der Arbeit, in 17 Fällen auf Zahlung einer Ent- Mdigung wegen Niederlegung der Arbeit ohne Kündigung und in 1 Falle auf Entschädigung wegen Nichtaufnahme der Arbeit; die Klage der Arbeitnehmer in 74 Fällen auf Forderung von Lohn und Entschädigung und in 3 Fällen auf Herausgabe von Kleidern. Von den eingeklagten 1569 Mk. 95 Pf. erhielten die Kläger 667 Mk. 5 Pf. — Im zweiten Geschäftsjahr des Arbeitsnachweises gestaltete sich der Verkehr und die Arbeitsvermittelung wie folgt: Gemeldet waren 226 gewerbliche, 399 andere Arbeiter, 192 Dienstboten, gesucht wurden 324 gewerbliche, 334 andere Arbeiter, 339 Dienstboten, vermittelt 72 gewerbliche, 96 andere Arbeiter, 55 Dienstboten. Von den gemeldeten Arbeitsstellen •entfallen 823 auf hiesige, 174 auf auswärtige Arbeitgeber, 433 Stellen wurden von hiesigen, 385 von auswärtigen Arbeitern gesucht, von den vermittelten 223 Stellen fallen 130 auf hiesige, 93 auf zugereiste Arbeiter. — In Gemäßheit des § 420 der Strafprozeßordnung wurde in 134 Beleidigungssachen Sühneversuch abgehalten; in 23 Fällen gelang die Einigung der Parteien, in 12 Fällen wurde der Antrag zurückgezogen, in 99 Fällen blieben die •Sühneversuche erfolglos. — Das Geschäftsjournal für die Einläufe bei der Bürgermeisterei, dem Standesamt, der Armendeputation, dem Gewerbegericht und dem Arbeitsnachweis weist 13 247 Nummern auf, 930 mehr wie im Vorjahre. — Nach den monatlich an zwei Tagen vor- < genommenen Zählungen betrug der durchschnittliche Personen- Iierkehr auf den Bureaux täglich auf der Bürgermeisterei )S, auf dem Standesamt 22, auf dem Armenamt 25, auf iem Bureau für Alters- und Invaliditäts-Versicherung und »em Arbeitsnachweis 61, auf dem Gewerbegericht 2 Personen. — Fortsetzung folgt.) •* Doktorjubiläum. Ans St. Louis berichtet die .Rew-Aorker Staatszeitung vom 22. Januar: Ein seltenes Zest wurde gestern abend vom deutschen Konsul Dr. Meier }i: Ehren von Dr. Emil Preetorius, Chefredakteur der ,westlichen Post", veranstaltet aus Anlaß des amtlichen Auftrages der Universität Gießen, dem greifen Journalisten (ein Ehrendiplom eines Doktors der Rechte zu über- icichen. Sechzehn der angesehensten Aerzte, Juristen und jffct kaufmännisch thätigen Herren, welche ihren Doktor auf deutschen Universitäten gemacht, waren zu dem Banket ein- I' laden. Dr. Preetorius hatte vor 50 Jahren seinen Doktor- Gießen gemacht. X *• An dem Bericht über den Maskenball des Turn- eins Gießen in vor. Nummer, der uns von Herrn Carl lieber freundl. zur Verfügung gestellt wurde, hatten wir iige Änderungen vorgenommen und einige nach unserer "sicht weniger wichtige Sätze weggelassen'. Auf Ersuchen Herrn Verfassers veröffentlichen wir nachstehend den kcricht in dem ursprünglichen Wortlaut: Der vom hiesigen Turnverein am verflossenen Lamstag in seiner in der Nordanlage gelegenen, festlich jIorierten Turnhalle abgehaltene Maskenball nahm mittr sehr reger Beteiligung den glänzendsten Verlauf. Um 8^2 Uhr begann ein reges Treiben von Einzelmasken, wid vergnügten sich dieselben unter den lustigen Weisen einer tüchtigen Musikkapelle. Den Höhepunkt der Ueberraschungen ^idete jedoch die vom ersten Turnwart, Herrn Franz Liegandt eingeübten und geleiteten Gnippenaufführungen. Xie erste bestand aus 12 Zöglingen, welche in ihren kleid- Hinten Anzügen als Harlekins einen ihrem Charakter an- zevoßten Tanz aufführteu, bei welchem es sich zeigte, daß tk in der Turnhalle unter tüchtiger Leitung gelernte Gelenkigkeit auch bei einem Maskentanz den dabei Beteiligten W zu statten gekommen ist. Nachdem die jungen Turner fRter dem Beifall der Anwesenden den Saal hinaus voltigiert varen, hatten eine Zeitlang die nach Hunderten zählenden ^a-sken das Feld wieder okkupiert, und sei an dieser jteHlc erwähnt, daß sich einige sehr gute neue und originelle --'lhiuraktermaskeii im Saale befanden. Die zweite Gruppe, -^l«he um 10 Uhr im Gefechtsfelde erschien, bestand aus „Damen und 12 Herren, welche in prachtvollem Ruder- ^Itiüm einen Nudertanz zur Aufführung brachten, und dabei den schlagendsten Beweis lieferten, daß Turnerei und Ruderei nahe verwandt sind, und daß man auch im Saale auf trockenem Boden die Ruder mit Gewandtheit und Geschick zu führen imstande ist. Dieser zweite Gruppentanz erntete gleichfalls reichen Beifall. Den Schluß bildete eine aus 8 Paaren in Nationalkostüm bestehende Spaniergruppe, welche in großartiger Weise den Nationaltanz der Spaniolen mit Tabaretten und Castagnetten zur Ausführung brachte. Ein mit den Verhältnissen der iberischen Bewohner vertrauter, viel gereifter, auf dem Balle anwesender Herr hat den Ausspruch gethan, daß die Grazien und die exakte Tanzübungen dieser Gießener Damen und Herren nicht zu unterscheiden sei von dem Tanze der echten Kinder von Andalusien. Der Turnverein kann auf diesen Maskenball mit Stolz zurückblicken, und sei noch bemerkt, daß nach den bis jetzt getroffenen Vorbereitungen das am Sonntag den 12. d. M. stattfindende karnevalistische Konzert ein urkomisches und echt humorvolles Programm aufzuweisen hat, demzufolge ist eine recht zahlreiche Beteiligung von Seiten ber Mitglieber sicher zu erwarten. f. Haufen, 6. Februar. Am Samstag fanb unter zahlreicher Beteiligung ber hiesigen Ortseinwohner, sowie einer Anzahl Gäste von Gießen, bie feierliche Einweihung unb Eröffnung ber neuerbauten Cigarrenfabrik ber Firma Chr. Bischoff hier statt. Nach Schluß der Fabrik überreichte im Namen der Arbeiterinnen, ein Mädchen mit einer schwungvollen Anrede dem Inhaber, Herrn Chr. Bischoff ein schönes Blumenbouquet. Derselbe dankte für die ihm dargebrachten Wünsche und sprach die Hoffnung aus, daß das gute Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und -nehmern, wie seither, so auch fernerhin herrschen möge. Fröhliches Beisammensein dazu Musik und Tanz in ber Restauration Herbert, schloß bie Feier. A Mainz, 6. Februar. Demnächst wirb hier eine Versammlung ber Vertreter ber Arbeitsämter des Rhein- und Mainverbandes stattfinden, in der hauptsächlich angeregt werden soll, zum Zwecke rascherer Vermittelung telephonische Anschlüsse zwischen den Städten mit Arbeitsämtern und den größeren Landgemeinden herzu- stellen. Ferner soll die Frage wegen Vermittelung von Dienstboten, die jetzt noch wenig von den Arbeitsämtern beachtet wurde, einer Besprechung unterzogen werden und zwar in dem Sinne, wie es möglich zu machen sei, die Dienstboten vor der Ausbeutung gewisser Stellenvermittler zu schützen. A Mainz, 6. Februar. Wegen Lohndifferenz haben die Maurer der Maschinenbau-Aktiengesellschaft auf der nahen Gustavsburg am letzten Zahltag bie Arbeit nieder- gelegt. — Seit einigen Tagen tritt nach ärztlicher Mitteilung die Influenza hier wieder sehr stark auf. A Aus Rheinhessen, 6. Februar. Während in der ganzen Provinz eine hochgradige Agitation gegen das geplante neue Weinsteuergesetz im Gange ist, wurde in den letzten Tagen verlautbar, daß mehrere rheinhessische Abgeordneten ländlicher Wahlkreise entschlossen seien, für die Regierungsvorlage zu stimmen. Es wurde behauptet, die betreffenden Abgeordneten seien durch bie Ermäßigung der Grundsteuer und den Wegfall der Kapitalrentensteuer, was in der neuen Steuervorlage vorgesehen ist, zu diesem Entschlüsse bestimmt worden, und cs waren besonders zwei Abgeordnete, die Herren Römer-Alzey und Hirsch-Alsheim genannt worden, welche lebhaft für die Regierungsvorlage eintreten würden. In gestern in Alzey, wie auch in Osthofen stattgehabten Versammlungen fanden diese Behauptungen vollständige Widerlegung. Wohl bekannten sich die genannten Abgeordneten im allgemeinen für die Steuervorlage, jedoch nicht für die Weinbesteuerung und insbesondere nicht für eine Besteuerung in der vorgeschlagenen Art. Aus der Zeit für die Zeit. Vor 17 Jahren, am 8. Februar 1882, starb zu Cannes in Frankreich der Dichter Berthold Auerbach. Durch feine „Schwarzwälder Dorfgeschichten", welche eine neue Epoche auf diesem Felde der Litteratur begründeten, bekundete er seine große Befähigung zum Volksschriftsteller. Später verließ er mehr und mehr diese Bahn und schrieb die größeren liberalen Tendenzromane: „Auf der Höhe", „Das Landhaus am Rhein", „Waldfried". Der Dichter wurde am 28. Februar 1812 zu Nordstetten im Schwarzwald geboren. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Im Korrfirrnaudensaal, Neustadt 61: W} Mittwoch den 8. Februar, abends 8 Uhr: Bibelftunde. l.lSor. 15. Von unserer Auferstehung. Pfarrer Schlosser. Die Konfirmandenvereinigung der Markusgemeinde findet Donnerstag den 9. Februar, abends 6 Uhr, im Schwesternhaus statt. Pfarrer Dr. Grein. Verkehr, Hand und Volkswirtschaft. Gtetze«, 7. Februar. Marktbericht. Auf dem heutigen Wockenmarkt kosteten: Butter per Pfd. v*L 0.80—0.90, Hühnereier per St. 6—8 Si, 2 St. 00—00 Enteneier per St. 8—10 4, Gänseeier per St. 13—15 H, Käse 1 St. 5—7 Käsematte per St. 3 Erbsen per Liter 22 Linsen per Liter 32 Tauben per Paar jtt 0.90—1.10, Hühner per St. JL 1.20—1.80, Hahnen per Stück je 1.50—2.00, Enten per St. M 2.00—2.50, Gänse per Pfund ** 0.00—0.00, Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 H, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—64 H, Schweinefleisch per Pfd. 68—76 Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 80 Kalbfleisch per Pfd. 64—66 \ Hammelfleisch per Pfd. 50—70 Kartoffeln per 100 Kilo b.50 bis 6.50 Jt, Weißttaut per St. 00—00, Zwiebeln per Ctr. A 7.00—8.00, Milch per Liter 16 H. Dauer der Marktzeit von 8 Uhr Morgens bis 2 Uhr Nach« mittags. Während der ersten S Stunden der Marklzeit darf im Umh^ziehen nicht feilgeboten werden. Neueste Meldungen. Depeschen deS Bureau „Herold". Darmstadt, 7. Februar. Das Großherzogspaar ist nach Egypten abgereist. Unterwegs wirb es bie Kronprinzessin Rubolf auf Schloß Mirarnare besuchen. Darmstadt, 7. Februar. Infolge des Todes des Erbprinzen von Sachsen-Koburg-Gotha hat bas Großherzogspaar sein geplantes Reiseziel abgeänbert. Der Großherzog reift nach München unb von ba mit bem Herzog von Sachsen-Koburg nach Meran weiter. Die Großherzogin begiebt sich nach Gotha zur Herzogin. Berlin, 7. Februar. Die Postvorlage, bereu wichtigster Inhalt bereits bekannt ist, ist gestern bem Reichstage zugegangen. Koburg, 7. Februar. Die Nachricht vorn Tobe bes Erbprinzen Alfreb hat hier sehr überrascht, ba mau wohl von einer schweren Erkrankung wußte, aber keine Ahnung hatte, baß bie Katastrophe so nahe bevorstehe. Koburg, 7. Februar. Die Beisetzung bes Erbprinzen findet hier statt. Die herzogliche Familie ist gestern nach Meran abgereist. Brünn, 7. Februar. In einer Flachsbrecherei in Neustädte! brach Feuer aus, wobei ein Arbeiter verbrannte und fünf Personen lebensgefährlich verletzt wurden. Budapest, 7. Februar. Der hiesige Student der technischen Hochschule, Bela Schäfer, hat eine Vorrichtung konstruiert, welche es ermöglicht, das Vorhandensein eines Schiffes auf bem Meere, sowie auch dessen Kurs in einer Entfernung von 10 bis 12 Kilometer festzustellen. Budapest, 7. Februar. Anläßlich des gestern hier stattgefundenen Begräbnisses des Honved-Generals Gel ich gab eine Batterie des Korps - Artillerie - Regiments Nr. 12 auf ber Generalswiese einen Trauersalut ab. Ein Geschütz war aus Versehen scharf geladen. Durch den Schuß wurde ein Haus am Christinenring arg beschädigt. Die Untersuchung ist eingeleitet. Paris, 7. Februar. Die Verwerfung der Re- visionsgesetzes-Novelle durch die Kammer-Kommission wirkte um so überraschender, als die Regierung noch wenige Stunden vorher ihres Erfolges in ber Kommission sicher zu sein glaubte. Was bie Kommission gegen bie Vorlage einnahm, war vornehmlich der Wunsch, Beaurepaire zu zeigen, daß seinen Anklagen gegen bie Strafkammer kein Wert beizumessen fei. Die Minister berieten gestern abenb über bie Haltung, welche sie in ber Plenarsitzung ber Kammer einnehmen wollen. Die zwei Mitglieber ber Kommission, welche für die Regierungsvorlage gestimmt haben, sind Gruppi unb Berthet. Ersterer war als General- Advokat ein Kollege Beaurepaires. Die Verwerfung ber Regierungsvorlage durch den Kammerausschuß bedeutet eine schwere Niederlage ber Revisionsgegner. Der Rücktritt des Kabinetts erscheint zweifellos; ba Dupuy trotz ber Ablehnung ber Kommission auf seinem Anträge besteht, ist eine Spaltung zwischen ben Gemäßigten sicher. Die Gruppe Nibot-Barthou wird mit den Sozialisten und Radikalen gegen den Antrag stimmen und eine Krisis heraufzubeschwören suchen. Paris, 7. Februar. Dupuy erklärte gestern in den Wandelgängen ber Kammer, er werbe den Antrag der Regierung dennoch dem Parlament unterbreiten. Er erklärte, dieser Antrag sei unbedingt erforderlich wegen der augenblicklichen politischen Lage, und jede Regierung, welche erenlk nach ihm folgen würde, werde sich zur Annahme eines solchen Antrages entschließen müssen. Die Führer der Radikalen, Bourgeois und Poincarro wollen den Gesetzentwurf der Regierung in der Kammer auf das heftigste bekämpfen. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen; Komplett gebunden 4* Auflage 1899 sagen innigsten Dank Die trauernden Hinterbliebenen 1195 Kinzenbach, den 6 Februar 1899. Soeben wieder eingetroffen Zwei tüchtige Mschneidek auf hochfeine Matzarbett gesucht. 1184 Marcus Bauer, Kirchenplatz ii. Telephon 119. Marktstraße 4 Bismarckstratze 6/8. gesucht «t Gesucht Fr. 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