M, 288 Zweites Matt Donnerstag den 7. Dezember H3e Lnzeizen-LermtttliwgrLrSe» H In« trab ÄulteeX Rthnm Lnzeigen für Ke Htrßrner Xnjrigrt cnißiW» Lsvich»« »»* Anzeigen zu bet ruichmsttiig« für b* •^giake l*e rrfcheineuben Nummer W Ben*. M v-r. Bei PostdezuA 2 Mark 50 vterteltährUch. vierteljährlich 2 SJCurt 20 P'i, «enaUich 75 Hjg, wtü vringerlahu- Uefl4 »;< äabetwet bet XS»aM«. y«}dfCC Fernsprecher Nr. 51. Beendigung des frevelhaft heraufbeschworenen Krieges ganz wesentlich, zumal da mit Sicherheit anzunchmen ist, daß der Aufstand der Afrikander ein allgemeiner werden wird, sobald den Buren irgend ein entscheidender Schlag gelingt. Die gescheiterte „Jsmore" hat ihre Ladung zum größten Teil geleichtert. Man berichtet: London, 4. Dezember. Einer amtlichen Meldung zu« folge ist das Transportschiff „Jsmore", das gestern bei den Felsen der St. Helena-Bai auf den Grund geriet, gebrochen. Es sind nicht nur alle Truppen und Mannschaften, sondern auch 20 Pferde gerettet worden. Wenn das letztere besonders hervorgehoben wird, so hat dies, wie man weiß, seinen Grund darin, daß den Engländern gegenwärtig ein Nachschub guter Pferde wichtiger ist als ein solcher von Mannschaften. Es fehlt ihnen an Kavallerie zur Verfolgung der Feinde, d. h. zur Ausnutzung ihrer wirklichen und eingebildeten Erfolge. Alle Nachrichten, welche sich auf die Ereignisse in Natal beziehen, datieren um fünf bis sechs Tage zurück, haben als, zum Teil nur noch bedingten Wert, zum Teil sind sie ganz überholt. Sie mögen hier folgen: Loudon, 5. Dezember. Ein Scheinwerfer-Apparat mit Vorrichtung zum Aufblitzen des Lichtes ist von dem Kriegsschiff „Terrible" am 30. November nach der Front abgesandt worden, um der englischen Besatzung von Lady- smith Signale zu übermitteln. — Dem „Natal Advertiser- ist nach einer Reutermeldung vom 30. November ein Telegramm aus Estcourt zugegangen, nach dem ein Farmer aus Mooi River, der von den Buren gefangen genommen, aber wieder freigelasien worden war, nachdem sie ihn bis nördlich Än Colenso mitgenommen hatten, erklärt habe, General Joubert lebe und befinde sich wohl. Die Eisenbahnbrücke über den Tugela sei zerstört, die Telegraphendrähte seien unberührt geblieben. Die S t r a ß e n - brücke sei nicht beschädigt. (Mittlerweile ist sie gesprengt. D. R.) London, 5. Dezember. Die „Times" melden aus dem englischen Lager bei Frere vom 29. November, die Stellungen der Buren bei Colenso seien von den britischen Vorposten in Chieveley aus sichtbar. Die Stellung scheine sehr stark, ein Frontangriff auf sie erscheine fast unausführbar. ,, L _ London, 4. Dezember. Nach einem Bericht des „Bureau Laffan" endete der am Dienstag (28. November) von Frere * Vom Kriegsschauplatz. Unkontrolierbare Nachrichten bringen jetzt die englischen Blätter, und zwar ziemlich übereinstimmend die „Times", „Daily Chroniele" und „Daily Mail" über die Schlacht am Modderflusse. Hiernach hätten die Engländer am 29. November, also am Tage nach der Schlacht, den Fluß überschritten, die Buren vom nördlichen Ufer vertrieben und deren Stellungen besetzt. Das sind aber nur unverbindliche Berichte von Privatkorrespondenten, denen wir vorläufig keinerlei Wert beizumessen vermögen, so lange nicht ein amtlicher Bericht General Methuens sie bestätigt. Dieser hat ausdrücklich berichtet, daß es nur einer kleinen Abteilung gelungen sei, über den Fluß kommen, nicht aber dem Gros seiner Armee. Man sieht! »nicht ein, was ihn veranlaßt haben sollte, diesen großen 'Erfolg zu verschweigen und das Kriegsamt verhindert hätte, ihn bekannt zu geben. Dabei ist es auffallend, daß den genannten englischen Blättern das, was am 29. November geschehen sein soll, erst am 4. Dezember, also fünf Tage später gemeldet wird. Außerdem setzen die Berichte der „Daily Mail" und des „Daily Chroniele" und wohl auch der der „Times" voraus, daß die Brücke über den Modderfluß noch intakt war. „Daily Chroniele" berichtet wörHch: „Bei einem Versuche, die Brücke zu stürmen, fielen Mglische Soldaten zu Dutzenden". Wiederholt aber wurde" gemeldet, daß die Buren die Brücke zerstört hätten. Würden sie dies nicht geihan haben, so wäre dies ein so ungeheuerlicher Fehler, wie man ihn denselben schlechterdings nicht zutrauen kann. So bleibt auch heute noch das BUd der Schlacht unklar und man ist lediglich auf Vermutungen angewiesen. Auch weiß man immer noch nicht mit positiver Sicherheit, wo Lord Methuen jetzt steht und wo die Buren unter Cronje sich festgesetzt haben. Ob sie sich wirklich bei Spyt- fontein, wo das Gelände außerordentlich durchschnitten und für ihre Taktik besonders geeignet sein soll, der Kolonne Lord Methuens nochmals entgegenstellen werden, bleibt abzuwarten; vielleicht ziehen sie es vor, auch hier im Westen die jüngste Taktik Jouberts in Natal zu wiederholen und gegen die rückwärtigen Verbindungen Methuens vorzustoßen. Eine solche Befürchtung hält vermutlich Lord Methuen auch am Modder fest und zwingt ihn, durch ausreichenden Truppennachschub zunächst seine Rückzugs- und Zufuhrlinien sicherzustellen. Von den beiden belagerten Städten fiel es dem Monarchen plötzlich ein, die Straßenreiniger | zu sich kommen zu lassen. Halb tot vor Schreck und Furcht traten die vier Leute in ihrer unsauberen Kleidung vor den Zaren hin. Zu ihrem grenzenlosen Erstaunen wandte sich dieser mit sehr freundlicher Miene zu ihnen und sagte lächelnd: „Meine Kinder, ich habe mich noch nie in meinem Leben so gelangweilt, wie gerade jetzt und ich dachte, ihr könntet mich vielleicht amüsieren". Dann steckte er seine Hände in die Taschen und holte Gold und Banknoten heraus. Er legte das Geld auf den Tisch und fuhr fort: „Das sind hier mindestens 5000 Rubel. Sie gehören demjenigen von Euch, der es fertig bekommt, unbeweglich wie eine Statue eine ganze Stunde vor mir zu stehen. Ich zähle bis sechs und dann dürft Ihr Euch nicht mehr rühren". Die armen Mujiks wurden bald blaß, bald rot bei ihren Bemühungen, sich still zu verhalten. Nach einer Viertelstunde sank einer von ihnen ohnmächtig zu Boden. Bald stieß ein anderer einen tiefen Seufzer aus und der dritte fiel auf die Knie nieder und flehte weinend um Erbarmen. Der Kaiser gab Befehl, die drei Schwachköpfe hinauszubefördern. Nun blieb nur noch Adam Wolodsko im Zimmer. Sein Gesicht hatte sich purpurn gefärbt, aber er zuckte nicht mit einer Muskel. Endlich bekam Nikolaus den Spaß satt und er sagte: „Höre, Adam Adamowitsch, dies soll keine Falle sein. Bewege kein Glied, aber erzähle mir eine kleine Geschichte, damit dir Zeit schneller vergeht. Es fehlen noch 20 Minuten an der vollen Stunde." Wolodsko dachte eine Weile nach, dann begann er von einem höchst aufregenden Vorgang zu berichten. Er schilderte, wie ein durch einen verschneiten Wald wandernder Mann von Wölfen angefallen wurde. Der Zar fing gerade an, sich für die Sache zu interessieren, als die Stimme des Er- zählers ganz plötzlich zu versagen drohte. Nikolaus erkannte sofort die Ursache und gab dem Mann die Erlaubnis, seine Geschichte mit Gesten zu begleiten. Feuilleton. * Eine seltsame Geschichte. Einige der vornehmsten Mitglieder der exklusiven russischen Kolonie in Paris fanden sich, so wird geschrieben, vor kurzem bei einem Diner zusammen, das die für wenige Tage in der Villa Sumiäre weilende Prinzessin Juriewsky. die morga- natische Gemahlin weiland des Zaren Alexander 11., ihren wenigen intimen Freunden gab. Beim Diner fragte eine Nichte der Prinzessin Lise Trubetzkoi, des Exlieblings der Pariser, die Gastgeberin, aus welchem Grunde sie sich seit Jahren weigere, den Grafen Petrowitsch Wolodsko zu empfangen. „Er ist doch ein so distinguierter, schöner, geistreicher und liebenswürdiger Kavalier", fügte die reizende junge Dame hinzu. „Ah, diese Eigenschaften besitzt Wolodsko in der That", entgegnete Prinzessin Juriewskl, „aber feine Abstammung--es ist unmöglich — — es ist unmöglich — ich kann ihn nicht empfangen, meine Liebe . „Ich weiß", gestand Komtesie Olga errötend, „mit seiner Herkunft hat es eine besondere Bewandtnis. Er wollte mir auch alles erzählen, wenn ich vorher einwilligte, ihn zu Heiraten". „Thun Sie nur das nicht", rief die Prinzessin lachend: „Sie könnten es später bereuen". „Aber", fuhr sie ernst werdend, fort, „es ist unrecht von mir, den armen Petrowitsch zu verspotten. Er hat nichts Entehrendes aetban — auch seine Vorfahren Nicht — doch ich sehe Nicht ei«, weßhalb ich das Geheimnis seiner Abstammung nicht verraten soll. In Moskau kennt Jedermann die Geschichte." Und die witzige, noch immer schöne Frau erzählte ihren gespannt lauschenden Gästen Folgendes: „Vor etwa 70 Jahren stand Zar Nikolaus I. eines Tages - eS war schauderhaftes Regenwetter — an einem Fenster des Kreml in Moskau und sah gelangweilt auf die Straße. Einige Mujiks beschäftigten sich damit, den Schmutz aus den Gossen zu kratzen und in kleine Karren zu schaufeln. Da Kimberley und Mafekiug ist es so gut wie ganz still geworden. Aus Kimberley erfährt man gar nichts mehr, und über Mafeking bloß, daß in der letzten Zeit — bis zum 21. November — das Bombardement mehr Schaden angerichtet hat, die Garnison aber glaubt, die Stadt halten zu können, und daß am 22. November die Buren von der Westseite her einen Angriff gemacht, aber sich zurückgezogen haben, als die Garnison Granaten auf sie abfeuerte. Hinkenden Schrittes geht der KriegSgott auch auf dem Zentral-Kriegsschauplatz in den Norddistrikten der Kapkolonie einher. Wir verzeichnen folgende Meldungen: Loudou, 4. Dezember. Aus Sterkstroom (Kapkolonie) meldet „Daily Mail" vom 28. November: General Gatacre habe eine starke Stellung inne und werde durch das zweite Northumberland - Regiment verstärkt. Die Buren, welche am Tage vorher Molteno besetzten, hätten sich zurückgezogen. London, 5. Dezember. Die „Times" melden aus Sterkstroom, General Gatacre habe am 29. November seine Truppen in Molteno konzentriert. Er habe fünf Bahnzüge requiriert, die 1000 Sack Weizenmehl in das britische Lager schaffen sollen. Kapstadt, 3. Dezember. Ein Telegramm des Reuter- schen Lureaus aus Rokstad in Griqualand-East besagt: Die Buren aus Barkly East wurden in den südlichen Drakenbergen in der Nähe des Mount Fletcher gesehen. Sie beabsichtigen augenscheinlich eine Invasion von Griqualand-East. . London, 4. Dezember. Dem „Daily Mail" wird aus Kapstadt telegraphiert, nach Berichten von Flüchtlingen seien die Grenzdistrikte der Kapkolonie, nämlich ColeSberg und BurgherSdorp, thatsächlich zu den Bure.n übergegangen; 25 Freistaat - Buren genügten, um Venterstadt zu nehmen, wo, wie man glaubt, über 2000 Kolonisten zu den Buren übergingen. Den englisch Ge- finnten wurde gesagt, sie sollten nach Kapstadt gehen und dort für die Buren-Armee Kaffee kochen. Amsterdam, 4. Dezember. Hiesigen Blättern zufolge beträgt die Gesamtzahl der Holländer im Kap- laude, welche in den Reihen der Buren kämpfen, fünftausend. r „ . ... I Wenn die letzteren Meldungen sich bestätigen, und sie kommen von den verschiedensten Seiten, so verschlechtern sich die Chancen der Engländer für eine baldige und siegreiche Im nächsten Augenblick war der Mujik wie umgewandelt. Mit blitzenden Augen erzählte er weiter, den Kampf zwischen dem Ueberfallenen und seinen furchtbaren Angreifern mit drastischen Bewegungen illustrierend. Bald vergaß der Mujik, in wessen Gegenwart er sich befand; er fuchtelte mit den Armen in der Luft und sprang wie ein Tollhäusler hin und her. Der Herrscher aller Reußen hielt sich die Seiten vor Lachen, und als Wolodsko endlich wieder zur Besinnung kam, durfte er seine Taschen mit dem Gold und den Banknoten füllen und wurde dann in Gnaden entlassen. Dank der Sparsamkeit und der Klugheit des armen Straßenkehrers hat das Gold reiche Zinsen getragen. Wolodskos Sohn trat in die Armee und empfing nach der Schlacht von Plewna den Titel eines Grafen". — Als Prinzessin Juriewski geendet hatte, erhob sich Komtesse Olga und erklärte den Anwesenden, daß sie nun nicht mehr zögern werde, Petrowitsch ihre Hand zu reichen. Cs gäbe ver« schiedene Arten von Tapferkeit und in ihren Augen ser Adam Wolodsko ein Held. Humoristisches. * Boshaft. Frl. Aeltlich (erzählend, wie sie von einem Herrn verfolgt wird): „Und zuletzt wurde der Mensch so zudringlich, daß er meinen Schleier hochhob!" - Herr: .Aber dann hatten Sie doch Ruhe vor ihm?" (Lust. Blätter.) * Zarte Behandlung. Baronin: .Herr Medrzmalrat, ich möchte den Winter über in eine milde, schöne Gegend!" — Medizinai- rat: .Haben Gnädige schon eine Krankheit gewählt?" * In der Verlegenheit. Frau vom Hause: .Was mutz ich sehen! Sie haben meine Tochter geküßt!" — Herr: „Entschuldiyen Sie, gnädige Frau, aber es war mir absolut unmöglich, meine Gefühle für Ihr Fräulein Tochter in Worte zu kleiden! ♦ Der Pantoffelheld. Besuch: .Dein Rauchzimmer hast Du Dir aber wirklich reizend eingerichtet! — Hausherr (seufzend). .Ja, wenn ich nur darin rauchen dürfte!" * Gemütlich. (Im Restaurant.) Gast: .Aber Kellner, tote konnten Sie mir nur den alten Nierenbraten empfehlen? — Kellner: «Ja, sonst kriegen wir ihn!" (Natal) aus unternommene Rekognoszierungskampf mit einem Rückzug der Engländer. Man fand die Buren bei Co le ns o in zwei Lagern vor und nahm auch wahr, daß Colenso voll von Buren war. Von den Höhen um Colenso aus eröffneten die Buren ein heftiges Geschützfeuer mit fünf Geschützen. Eine englische Batterie erwiderte das Feuer und warf Geschoffe mitten in die Buren hinein. Das Feuer der Buren war wohlgezielt und verfolgte die englischen Truppen, als sie sich zurückzogen. Letztere nahmen dann eine starke Stellung ein, welche sie aber am Abend aufgaben. Es heißt, die Buren hätten sich auch zurückgezogen und ihre Wagen mitgenommen. Trotz der erheblichen Verstärkungen, welche nun schon seit mehreren Wochen in Afrika und auf den verschiedenen Teilen des Kriegsschauplatzes eingetroffen sind, bleiben die Aussichten der Buren fortgesetzt gute, und die Hauptsache ist, daß sie selbst den Mut nicht sinken laffen. Das bestätigt selbst folgende englische Meldung: Durban, 5. Dezember. „Reuters Bureau" meldet vom 30. November: Die letzte aus Prätoria hierher gelangte Meldung spricht sich dahin aus, daß die Buren »och immer von dem großen Vertrauen auf Erfolg erfüllt sind. Die Buren treffen Vorkehrungen, in der Hauptstadt starken Widerstand zu leisten. Sie beschaffen Vorräte und Munition für eine Belagerung von 6 Monaten. Auf die Verteidigung Prätorias werden die Buren sich natürlich nur im äußersten Notfälle zurückziehen. Vorläufig stehen sie noch in Feindesland, und werden, der Uebermacht weichend, nur Schritt für Schritt in günstigere Positionen rückwärts gehen. Sehr zu statten kommen ihnen dabei die schlimme» Nachrichten aus dem englischen Heere. Wir können aus bester Quelle mitteilen, daß die Berichte, welche in London, resp. Windsor über das englische Heer in Südafrika eingetroffen sind, so rosig nicht lauten sollen, als sie durch den Telegraphen übermittelt werden. Es ist ganz zweifellos, daß mannigfache Krankheiten im englischen Heere herrschen, eine Art Ruhr soll grassieren, und wenn sie auch bis jetzt keine nennenswerte Opfer gefordert haben soll, so hat sie doch die Schlagfertigkeit des englischen Heeres wesentlich beeinträchtigt. Die zahlreichen Verluste an Offizieren haben jetzt gerade zur Weihnachtszeit die Stimmung in der englischen Gesellschaft stark herabgedrückt. Ein noch schlimmerer Feind als Krankheiten im Heere scheint den Engländern in ihren eigenen vier Pfählen zu erstehen. Die Meldung aus Dublin zeigt in ihrer mysteriösen Faffung so viel, daß die Ire» beginne», schwierig zn werde» und bereits mit Dynamit zu arbeiten anfangen. Selbstverständlich bezweckt ihre Verschwörung — daß eine solche besteht, muß schon zugegeben werden — nicht, „die Anterstützungsgelder für die Buren reichlicher fließen zu machen (was ganz unverständlich ist), sondern, die irische Bewegung jetzt, wo die ganze Kraft Englands in Südafrika engagiert ist, ihrem Ziele: LoSreißung von Großbritannien, näher zu bringen. Lodert aber erst in Irland die Flamme des Aufruhrs empor, dann ist nicht mehr an Entsendung von Ersatztruppen nach Afrika zu denken, dann braucht man sie in allernächster Nähe. Weiteren Meldungen aus Dublin sehen wir mit größter Spannung entgegen. * * * London, 5. Dezember. Der „Cape Times" in Kapstadt wurde aus Mafeking gemeldet, daß General Cronje mit vielen Truppen und 100 Wagen von Mafeking abgerückt sei. Die Belagerung sei praktisch aufgehoben, obwohl der Feind ein unregelmäßiges Gewehr- und Granatfeuer unterhält. Sonstige, bis zum 22. v. Mts. eingelaufene Berichte erwähnen von einer Aufhebung der Belagerung Mafekings nichts. — „Daily Telegraph" meldet aus Estcourt, daß am Donnerstage die Brücke von Colenso völlig zerstört worden sei. Die Nachricht von diesem Vernichtungswerk wurde durch elektrisches Licht von Estcourt nach Ladysmith übermittelt. Kavallerie Patrouillen gelangten bis in die unmittelbare Nähe von Colenso. Die Buren befinden sich in starker Zahl auf Groblers Kloof. Wie weiter berichtet wird, soll heftiges Feuern in der Richtung nach Ladysmith gehört werden. Die Frere-Brücke dürste in vier Tagen hergestellt sein. — Man erwartet in militärisch unterrichteten Kreisen bis Mittwoch eine entscheidende Aktion vom General Buller. — Dem „Standard" wird aus Kapstadt gemeldet, daß das Kapministerium eins seiner Mitglieder, wie man vermutet, den Justizminister Salomon, nach London zu entsenden beabsichtigt, damit dieser seine Ansichten betreffs der Regelung der Verhältnisse nach dem Kriege dem Kabinette Unterbreite. Es heißt, die Führer der Holländerpartei machen eifrige Anstrengungen, um nach vollendetem Feldzuge wenigstens die Unabhängigkeit des Oraujefrei- staates zu retten. Merriman soll in diesem Sinne in England wirken. * ♦ Telegramme des „Gießener Anzeiger", London, 6. Dezember. Aus Prätoria kommen über Lorenzo Marquez vom 2. Dezember offizielle Mitteilungen, daß am 29. November nach einem Bombardement der Forts die Engländer in Mafeking Kreuzfahnen hißten, wahrscheinlich, um ihre Toten und Verwundeten zu holen und daß am 1. Dezember das Bombardement von Ladysmith fortdauerte. VorKimberley ist alles ruhig. Nach einem Telegramm aus Modder River ist Lord Methuens Wunde nur ein leichter Streifschuß am Bein und hindert ihn nicht am Gehen. Sein Abmarsch beginnt heute. Er führt Proviant für Kimberley mit sich. — Die Botschaft des Afrikander-Bundes, welche unter Führung des Generalstaatsanwalts Solomon nach London geht, soll über die Einstellung der Feindseligkeiten und die Unabhängigkeit des Freistaates verhandeln. Diese Botschaft wird, wie offiziell verlautet, von der britischen Regierung unter keinen Umständen empfangen werden. Loudon, 6. Dezember. Der „Times"-Korrespondent meldet aus Pietermaritzburg, daß daselbst elektrische Scheinwerfer zur Herstellung des optischen Telegraphen mit Ladysmith eingetroffen sind. Ferner find mehrere schwere Geschütze angelangt, welche von einem Marine-Detachement aufgestellt werden. Eine Abteilung Dragoner von 100 Mann hat gestern Pietermaritz. bürg verlassen. Der Bestimmungsort derselben ist nicht bekannt. Loudon, 6. Dezember. Aus Pietermaritzburg wird gemeldet, eine englische Rekognoszierungs-Patrouille habe zwischen Colenso und Ladysmith die Lager der Buren- Abteilungen gesehen. Man erwartet in den nächsten Tagen ein großes Gefecht bei Colenso. Die Buren haben ihre Offensiv-Taktik aufgegeben und sind entschlossen, sich nunmehr nur noch defensiv zu verhalten. Loudon, 6. Dezember. Aus bester Regierungsquelle verlautet, daß zwischen den verschiedenen Kabinettmitgliedern betreffs ihrer Haltung zur Rede Chamberlains ernste Meinungs-Verschiedenheiten herrschen. Chamberlain zeigt sich infolge der unliebsamen Kommentare der auswärtigen Presse sehr erzürnt. Seine Kollegen wollen ihn nicht öffentlich desavouieren, andererseits sich aber auch mit ihm nicht solidarisch erklären. Wie verlautet, ist folgender Kompromiß angenommen worden: Die Minister werden das Gerücht verbreiten lassen, daß Chamberlain mit seiner Anspielung auf einen Nachbarstaat nicht Frankreich, sondern Holland gemeint habe, weil im dortigen Parlament eine öffentliche Kundgebung zugunsten der Buren veranstaltet worden wäre. Brüssel, 6. Dezember. Der „Soir" veröffentlicht einen intereffanten Brief, aus dem hervorgeht, daß der Aufstand der Holländer im Norden der Kap- Kolonie bereits eine vollendete Thatfache ist. Die Regierung Transvaals besitzt die Gewißheit, daß mindestens 20000 Holländer der Kap-Kolonie zum Burenheer eintreten werden. Bisher stießen 10000 waffenfähige Holländer zu den Buren. General Gatacre kann infolge deffen seine Aufgabe, in den Oranje-Freistaat einzufallen, nicht lösen. Paris, 6. Dezember. Die Engländer erlitten, wie hier verlautet, am Modderfluß in den letzten Tagen eine empfindliche Niederlage. Das Gefecht soll sechs Stunden gedauert haben. Deutsches Keich. Berlin, 5. Dezember. Der Kaiser hörte heute vormittag den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts von Hahnke und begab sich gegen 10 Uhr nach der technischen Hochschule. In seiner Begleitung befanden sich die Chefs des Zivil- und Marinekabinetts v. Lucanus und v. Senden- Bibran, sowie die Generaladjutanten. Der Rektor der Charlottenburger Technischen Hochschule Geheimrat Riedler begrüßte den Kaiser im Lichthof und sprach im Namen der drei Hochschulen deren Dank aus für den Huldbeweis der Verleihung des Promotionsrechtes. Der Kaiser erwiderte mit einer längeren Ansprache, in welcher er hervorhob, daß es jetzt gelte, dem neuen Titel, der eine Erhöhung des Jngenieurkorps bedeute, reichen Inhalt zu geben und ihm Achtung und Respekt im In- und Auslande zu verleihen. Im Festsaale begrüßte der Erbgroßherzog von Oldenburg den Kaiser durch eine Ansprache, in welcher er den tiefsten Dank für die Uebernahme des Protektorats der Schiffsbau- Technischen Gesellschaft durch den Kaiser Ausdruck gab und ein künstlerisch ausgeführtes Diplom überreichte. An diese Ansprache schlossen sich verschiedene fachmännische Vorträge an. Um 11 Vs Uhr verabschiedete sich der Kaiser, besuchte später die Ateliers verschiedener Künstler und nahm um 1 Uhr militärische Meldungen entgegen. — Die Wahlprüfungskommission des Reichstages hat die Wahl des Abg. Sieg (nl.) beanstandet. — Die Einberufung des preußischen Landtages wird für die kommende Session früher erfolgen, als im letzten Jahre. Ein Beschluß über die definitive Festsetzung deS Termins ist zwar noch nicht erfolgt; es ist jedoch dem „Lok.-Anz." zufolge der 9. Januar dafür in Aussicht genommen. — Wie der „Lok.-Anz." mitteilt, läßt die Gesund- )eit des Fürsten Herbert Bismarck gegenwärtig viel zu wünschen übrig. Der Fürst befindet sich augenblicklich wegen eines Gichtleidens im Süden. — Die 18. Kommission des Reichstages zur Beratung »es Entwurfs eines Gesetzes, betr. Aenderungen im Münzwesen, hat sich heute nach Schluß der Plenarsitzung gebildet. Vorsitzender ist der Abg. Büsing (nl.) — Staatssekretär Tirpitz ist zum Vize-Admiral icfördert worden. — Wie die „Berl. Reuest. Nachr." mitteilen, ist die viel besprochene Frage einer Neubesetzung des hiesigen italienischen Botschafterpostens dahin entschieden, daß Graf Lanza in seiner jetzigen Stellung verbleibt. — Der Landgerichtsrat Franz Lerno in Regensburg wurde zum Rat am Oberlandesgericht Bamberg ernannt. Infolge dieser Beförderung ist, wie die „Kreuzztg." berichtet, owohl für den 2. oberpfälzischen Reichstagswahlkreis Amberg, wie für den Landtagswahlkreis Amberg eine Neuwahl erforderlich. — Der „Lok.-Anz." berichtet, daß dasStaatsminifterium gestern auf Grund des Jmmediatvortrages des Fürsten Hohenlohe beim Kaiser beschlossen hat, dem Anträge des Reichstages auf Aufhebung des Verbindungsverbots, welcher dem Bundesräte noch vorliegt, zu zu stimmen. Voraussichtlich werde sich der Bundesrat noch heute in diesem Sinne schlüssig machen, sodaß die für morgen im Reichstage angesetzte erneute Beratung dieses Antrages gegenstandslos wird. In parlamentarischen Kreisen erwarte man, daß der Reichskanzler vor Beginn der morgigen Be- ratung den Beschluß des Bundesrats mitteilen wird. Auslsnö. Wien, 5. Dezember. Der Antrag des Abg. Kaiser auf völlige Streichung des § 14 der Verfassung wurde vom Parlamentsausschuß zur Abänderung des § 14 mit 20 gegen 12 Stimmen angenommen. Wien, 5. Dezember. Die deutsche Volksparter lehnte in ihrer heutigen Sitzung den Fuchs'schen Vermittelungsvorschlag ab. — Das Exekutivkomitee der Rechten faßte den Beschluß, in seiner heutigen Sitzung einen vom Abgeordneten Bilinski ausgearbeiteten Vermitte- lungsvorschlag zur Diskussion zu stellen. Wien, 5. Dezember. Das Subkomitee der vereinigten Obmännerkonferenz der Rechten und der Linken lehnte den Vermittlungsvorschlag des Präsidenten Fuchs ab. Budapest, 5. Dezember. Die Antwort des Ministerpräsidenten Szell auf die Interpellation wegen der „Jelen- Frage" wurde vom Abgeordnetenhaufe mit 180 gegen 53 Stimmen zur Kenntnis genommen. Die äußerste Linke veranstaltete einen großen Lärm, weil der Abg. Barabas dafür zur Ordnung gerufen wurde, daß er in seiner Rede erklärte: Jener unwiderstehlichen kindlichen Liebe gegenüber, welche die ungarische Nation ihrem Könige entgegenbringt^ haben wir niemals das Wohlwollen und die Liebe des Vaterherzens empfunden. Brünn, 5. Dezember. Gestern nacht wurden in Wretin, das erst vor wenigen Wochen Schauplatz czechisch-anti- semitischer Ausschreitungen und Plünderungen war, neuerdings sämtliche Fensterscheiben des israelitischen Tempels von unbekannten Thätern zertrümmert. Die dorthin entsendeten Truppen waren am 1. Dezember wieder abberufen worden. London, 5. Dezember. Auch amtliche Meldungen des Kriegsamtes dementieren den angeblichen Tod General Jouberts. Letzterer organisiert zurzeit eine einheitliche Gestaltung der Operationen auf dem westlichen Kriegsschauplatz. Konstantinopel, 5. Dezember. Die Hauptunterzeichner der s. Zt. der englischen Botschaft überreichten kurdischen Sympatieadresse wurden am Samstag auf Anordnung des Palais verhaftet. Der Botschafter b'Connor hat gegen die Verhaftung energisch protestiert und die Freilassung gefordert. Der Botschafter machte ferner den Minister des Aeußeren darauf aufmerksam, daß der Sultan ihm in der letzten Audienz sein Wort verpfändet habe, die Unterzeichner unbehelligt zu lassen. Trotzdem dürfte die Einmischung b'Connors zurückgewiesen werden. Aus dem Reichstage. nh. Berlin, 5. Dezember 1899. ' Geschwindigkeit ist keine Hexerei l Das bewies heute der Reichstags indem er in einer Sitzung, die zu den kürzesten gehört, die er je abgehalten hat, eine durchaus nicht unbedeutsame Tagesordnung erledigte. Daß der erste Punkt, die Genehmigung des Bundesratsbeschlusses, wonach Anlagen zur Herstellung von Zündschnüren und elektrischen Zünder« unter die einer besonderen Genehmigung bedürfenden Anlagen eingereiht werden, ohne Debatte in dritter Lesung beschlosien wurde, ist ja nicht weiter verwunderlich. Aber recht merkwürdig war es schon, daß der Initiativantrag der Abgg. Frh. Heyl zu Herrnsheim (nl.), Dr. Hitze (Z.) und Jacobskötter (kons.) betr. die Ausdehnung der Krankenversicherungspflicht auf die Heimarbeiter, in erster und zweiter Beratung Annahme fand, ohne zu einer Diskussion Anlaß zu geben. Der erste Antragsteller beschränkte sich nur auf die kurze Erklärung, daß Graf Posadowsly gestern abend einer freien Kommission die Zustimmung der Regierun- zu dem Anträge erklärt habe. Es ist das ein bedeutsames Zeichen dafür, für wie notwendig man auch in maßgebenden Kreisen das Eingreifen des Staats in die Verhältnisse der Hausindustrie hält. Dann kam die dritte Lesung der Gewerbeordnungsnovelle, die de« Reichstag während der ganzen vorigen Woche beschäftigt hat, die manche tief eingreifende Aenderungen bringt und zu der auch jetzt wieder ein« ganze Zahl von Abänderungsanträgen vorlagen. Hier hatte man sich wenigstens noch auf lallhe und gründliche Debatten gefaßt gemacht. Aber man irrte sich. Die Redelust war in dem sehr schwach besetzte« Hause recht gering, und ohne große Rederei flogen die Abänderungsanträge nur so unter den Tisch, während die Beschlüsse der 2. Lesung fast durchschnittlich aufrecht erhalten wurden. Das gilt vor allem auch für die Bestimmungen über den Ladenschluß und die Ruhezeit der Handelsangestellten. Graf Posadowsky schien über die Geschwindigkeit, mit der diese wichtigen Dinge abgefertigt wurden, so verblüfft, daß auch ihm das Wort in der Kehle stecken blieb. Die Versuche des Herrn v. Frege (L), die Mittagspause von 1 Va auf 1 Stunde herabzudrücken und die Ruhezeit von 11 Stunden zu beseitigen oder doch erst in Städten von über 100000 Einwohner (statt 20000^ stattfinden zu lassen, schlugen völlig fehl, namentlich auch an dem Widerspruch der Nationalliberalen, obwohl der Staatssekretär sie ausdrücklich heiligte. Dagegen hatte Herr v. Frege Erfolg mit einem anderen Anträge, der allerdings den entgegengesetzten Charakter trug durch die Tendenz, die Sonntagsarbeit einzuschränken. Anstelle der Bestimmung, die aus Antrag von 2/3 der Beteiligten die Beschränkung der Sonntagsarbeit in Barbier- und Friseurgeschäften auf die Stunden einführen kann, während deren die Beschäftigung von Gehilfen und Lehrlingen gestattet ist, setzt dieser Antrag eine allgemeinere Faffung, durch welche diese Beschänkung auferlegt werden kann allen den Gewerben, deren vollständige oder teilweise Ausübung zur Befriedigung täglicher oder an diesen Tagen besonders hervortretender Bedürfniffe der Bevölkerung erforderlich ist. Dieser Erweiterung wurde allgemein zugestimmt, namentlich auch von Seiten der Sozialdemokraten, die freilich trotzdem den Antrag gestellt hatten, die obigen faku tativen Beschränkungen nun noch für das Barbürgewerbe obligatorisch zu machen, ohne jedoch dafür von irgend einer Seite Unterstützung zu finden. Gestrichen wurde heute die auf Antrag der Sozialdemokraten in die Novelle hineingebrachte Vorschrift, daß den Ladenangestellten Sitzgelegenheit zu gewähren ist. Graf Posadowsky stellte nämlich ein« Spez-alverordnung des Bundesra'.s über diese Angelegenheit in nahe Aussicht, sodaß sich hier die allgemeine, sehr wenig präzise Bestimmung erübrigt. Längere Debatten hätten wahrscheinlich die Beschlüsse über die Beschränkungen der Heimarbeit gezeitigt, denn hier kommen die prinzipiellen Gegensätze besonders stark zum Ausdruck; auch gab es hierzu die meisten Abänderungsanträge. Doch da beantragte Abg. Richter (frf. Vp.) unter Hinweis auf die schwache Besetzung des Hauses Vertagung der Beratung dieses wichtigen Artikels. Wohl oder Übel mußte die. ÄS» rf" ?“ I. u 01’b“1 » - di, Start*,mnm Stadttheattt. chng- * Aufführung gelangt Da 8on Wilhelm Winter, zur ersten Aufführung hie größte Achtung a ein starkes, bemerket biete des WH' fyatytntotrtä geböte dieser Gattung dürste sein. DaS vorliegende MntMtchlen Szenen W m W auch lieft ErMnh Anfang der achtziger Verhältnisse, ohne te einer Familie ist in r Weise wiedergegeben, zu Ende rege gehalte Schluß in Spannung hier ihre Feuerprobe Wunsch zielt dahin, lichen Erfolg togui ftintt ZaltnttS finbti Den jjihbtn btt $)qh. unb Helm, fonric btt , helmi. Fast das ganze durch sorgsLÜttze Ächt eine gute AnMnntz ** cchnüiche i wurden 1903 8änbi kommen auf: Jllustri teratur 736, Jugends Dichtungen 15, Litten Mhieen 40, Länder schüft, Technologie 53 StaatSwissenschaft 4, Männer: Handwerk Meute 95, Unterbe »weiter, Tagelöhner Wjtlmje, Schilf ; lnn 3; zusammen frautn, Witwen, ältere Arbeiterinnen, T Beamtinnen 5, ZchL 51 Erte «erliefen. CIMatleu le, । *"«!» »ar ©eihud 5nic' besonders Btt;» in Miger»». 11611 s V“ WgeMt Ä! -Mi 1 1 1 (0; Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft Dez. an Der vortragende Nat im Mini- Berlin, 6. Dezember, einem Diner bei dem Der Kaiser nahm gestern abend Staatssekretär des Äußern von 2 Ui vom 2.—15. Jahr: Bülow teil. Berlin, 6. Dezember, sterium des Innern, von und Osthofen für die daselbst befindlichen Postämter II, sowie zahlreichen in der Ausführung befindlichen Bauten für Postämter III an. An Personalvermehrungen bringt der Etat zwei Direktorstellen für Alsfeld und Darmstadt Bahnhof, eine Kassiererstelle, sechs Ober-Post- und Ober-Telegraphensekretärftellen, zahlreiche Bssistentenstellen und Stellen für Postschaffner, Briefträger und Landbriefträger, durch welche die Anstellungsverhältniffe dieser Kategorien eine erfreuliche Verbefferung erfahren werden. Auch sonst sind namhafte Mittel zur Verstärkung des Beamten- und Unterbeamtenpersonals des Bezirks, das schon jetzt über 3600 Köpfe umfaßt, infolge des vermehrten Dienstbedürfniffes vorgesehen. 0 Aus Oberheffeu, 6. Dezember. Die beiden auf den 28. Dezember geplanten größeren Lehrerversammlungen für Oberheffen werden nunmehr schon SamStag den 9. Dezember abgehalten und zwar eine in Alsfeld im „Deutschen Haus" nachmittags 2 tat ’ d'ch7»>'° d-r #0'j 'tatt ber ihn zu Boden streckte. Der Thäter versetzte ihm dann einen zweiten Schlag ins Gesicht, und entfloh darauf in der Richtung nach dem Bürgerpark. Herr Direktor Brcmer- mann ist ziemlich schwer verletzt, und muß das Bett hüten. Er ist der Ansicht, daß eine Personen-Verwcchs- hing vorliegt. * Eßlingen,4. November. Praktische Sympathie- bezeigung für Transvaal. Aus den Oberämter» Eßlingen und Kirchheim haben sich 17 junge Leute, lauter gediente Soldaten, gemeinsam auf die Reise nach Transvaal gemacht, um in die Buren-Armee einzutreten. Sie treffen dort in drei Wochen ein. Ein Glückauf den tapfer» Kämpfern! Lokales und Provinzielles. Gießen, 6. Dezember 1899. '*Krei8au8fchußfitz«ng. Samstag, den 9. Dezember I. Js., vormittags 9 Uhr, findet im Negierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung deS Kreisausschusses mit folgender Tagesordnung statt: 1. Rekurs des R. Welko- borSky zu Gießen gegen einen Polizeibefehl Gr. Polizeiamts Gießen; 2. WirtichaftSkonzession des Heinrich Müller III. von Lumda; 3. Wirtschastskonzession deS Ferdinand Zimmer zu Lich; 4. Rekurs des Dienstmanns Heinrich Karpf zu Gießen wegen Entziehung der Dienstmannskonzession. *♦ Der hiesige Theaterverei« gab am gestrigen Abend im Stadttheater seine 4. Vorstellung, und zwar Hermann Faber« „Ewige Liebe" mit Herrn Arthur Bauer vom Frankfurter Schauspielhause als Gast. Naturgemäß gab Herr Bauer den Friedrich Führung, und wir dürfen hinzuietzeu, in einer Weise, wie sie eben nur dieser Künstler auszugestalten versteht. Als treue Partnerin stand ihm Fräulein Hammer als Klara Spohr zur Seite. Der Gast sowohl, wie die einheimische Dame fanden reiche Anerkennung. Besonderes Lob verdient die Regie des Herrn Direktors Helm. Gespielt wurde fast durchweg gut; auf die Einzelheiten kommen wir morgen noch zurück. ** Stadttheater. Am nächsten Freitag weiht unsere rührige Direktion ihre Dienste der Wohlthätigkeit. Zur Aufführung gelangt das fünfaktige Volksschauspiel „Zurück" von Wilhelm Winter. Diese Novität, welche hier überhaupt zur ersten Aufführung gelangt, nötigte uns bei der Lektüre die größte Achtung ab. Der Verfasser ist ohne Zweifel ein starkes, bemerkenswertes Talent. Gerade auf dem Gebiete des Volksschauspiels ist uns in neuerer Zeit wenig Beachtenswertes geboten worden, das letzte bedeutende Stück dieser Gattung dürfte wohl „Gebildete Menschen" gewesen sein. DaS vorliegende Stück zeichnet sich vor allen Dingen durch bühnengerechten Aufbau aus. Die humoristischen Szenen sind von drastischer Wirkung und die ernsten werden auch tiefe Ergriffenheit Hervorrufen. Das Stück spielt Anfang der achtziger Jahre, berührt auch politische Zeit- »erhältniffe, ohne tendenziös zu werden. Das Schicksal einer Familie ist in naturgetreuer und wahrhaft ergreifender Weise wiedergegeben, das Interesse wird von Anfang bis zu Ende rege gehalten, und die Handlung hält uns bis zum Schluß in Spannung. Wir sind überzeugt, daß die Novität hier ihre Feuerprobe glänzend bestehen wird, und unser Wunsch zielt dahin, daß der Verfasser durch einen freundlichen Erfolg Anregung zur weiteren, ergiebigen Ausnützung seines Talentes finden möge. Die Hauptrollen liegen in den Händen der Damen: Haussig, Hammer, Eichenwald und Helm, sowie der Herren: Steinert, Walter und Wil- helmi. Fast das ganze Personal ist beschäftigt und wird durch sorgfältige Regie des Herrn Direktor Helm dem Stück eine gute Aufführung zuteil werden. ** Oeffeutliche Lesehalle. Im Monat November wurden 1903 Bände ausgeliehen. Von diesen Bänden kommen auf: Illustrierte Zeitschriften 441, Erzählende Lit- teratur 736, Jugendschriften, Märchen, Sagen 543, Vers- dichtungen 15, Litteraturgeschichte 6, Geschichte und Bio- graphieen 40, Länder- und Völkerkunde 43, Naturwissenschaft, Technologie 53, Hauswirtschaft 5, Philosophie 4, Staatswissenschaft 4, fremdsprachliche Litteratur 13. Auf Männer: Handwerksmeister 182, akademisch Gebildete 19, Kaufleute 95, Unterbeamte 63, Techniker, Schriftsetzer 89, Arbeiter, Tagelöhner 48, Diener, Burschen, Kellner 32, Lehrlinge, Gehilfen 237, Schüler 697, Studenten 26, Rentner 3; zusammen 1491 Bände. Auf Frauen: Ehefrauen, Witwen, ältere Unverheiratete 168, Gewerbetreibende 22, Arbeiterinnen, Tagelöhnerinnen 28, Dienstmädchen 2, Beamtinnen 5, Pflegerinnen 2, junge Mädchen, Schülerinnen 185. Zusammen 412 Bände. Nach auswärts wurden 51 Bände verliehen. ** Offenhalten der Ladengeschäfte. An den drei Sonntagen vor Weihnachten bleiben die Ladengeschäfte bis abends 7 Uhr geöffnet. *• Diebstahl. In den kleinen Gewächshäusern des botanischen Gartens find in der letzten Zeit die wertvollsten Pflanzen, besonders Jnsectivoren, durch Abschneiden in ganz sinnloser Weise beschädigt worden. Die Direktion fleht sich daher genötigt, die Häuser bis auf weiteres abzuschließen. Der Besuch der Häuser kann nur nach Meldung im Beisein einer der Angestellten stattfinden. ** Ja der Kürschnerei von August Kretz sch mar sind im Schaufenster zwei selten schöne lebende Marder auf einige Tage ausgestellt. ‘ *• Die drei hessischen Lehrersemmarien wurden im verflossenen Schuljahre von 30 7 Schülern besucht; davon waren 66 katholisch. Rheinhessen stellte die meisten Seminaristen, nämlich 124; aus Starkenburg waren 90 und aus Oberhessen 81. Nichthessen waren es 12. ** Der Neichshaushaltsetat für 1900/1901 bringt für das Großherzogtum Hessen (Bezirk der Oberpostdirektion Darmstadt) verschiedene Veränderungen und Verbesserungen, unter anderem die Umwandlung der Postämter II in Alsfeld und Darmstadt Bahnhof in Postämter I, des Postamts III in Erbach in ein Postamt II, der Postagenturen in Gustavs- burg und Horchheim in Postämter III und endlich die Schaffung mehrerer Postagenturen, bezüglich deren aber die Ortsbestimmung noch Vorbehalten bleibt. An größeren Po st bauten sind vorgesehen: Posthäuser für Alsfeld und Oppenheim, wo die Posträume unzureichend geworden sind. Diese Bauten reihen sich den bereits in der Herstellung begriffenen größeren Poftbauten in Grünberg, Michelstadt Wöchentliche Uebersicht der Todesfälle in Gießen. 48. Woche. Vom 26. November bis 2. Dezember 1899. (Einwohnerzahl: angenommen zu 24 500, inkl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitsziffer: 19,09, ohne Abzug der Ortsfremden 12,73o/oo. Kinder Holleufer ist zum Negierungs-Präsidenten in Düsse!dorf, der vortragende Rat im Ministerium der Landwirtschaft, Conrad zum Negierungs-Präsidenten in Bromberg ernannt worden. rfasf'^^ QUf I des § 14 JfJe 8N 20 Br «ÄSin!t J'fotbt gegenüber, § Egegenbnngt, nb die Liebe fa wurden in Aetin, ^chisch-anti- plunberungen mar, Eichen Tempels Die borlfyin entweder abberuftn >e Meldungen Meü urn auf bem west, ie Hauptuntertschaft überreichten : am Samstag auf Der Botschafter gisch protestiert und ster machte ferner merksam, daß der n Won verpfändet lafien. Qopdem Ieuitftn werden. Ke. . DrMdrr IM. heute der Reichstag, n gehört, die er je ab- ZageSotbnung erledigte, lndesratsbeschlufses, m- ind elektrischen Zünder» ibtn Anlagen eingereiht sen wurde, ist ja nicht roat t8 schon, daß der eim (nl), Dr. Hiße (Z.) er Kranlenmsicherungs- iter Beratung Annahme Der erste AntragMr daß Gras Pol-^ch imnrang der KgieMt Msames Zeichen Kreisen dal ftn&W* ie hält. ■ v oidnungsM-lle, die de» -Ichüttigt hat, d>e Mnch. er auch W n, Hier M man sich tbatun gefaßt „ sehr schwach W« ogtn dir MndE Sw wi*» MALL • d-> r,a wurde MdenwkA^jlLnI- * *' latcnlv/L '»>- "Ä <* Äj zu bedeutend herabgesetzten Preisen. 8506 2li 8490 Gießener Rüdschlkroklkiil 1885 sofort gesucht. 8606 Winterfest und Ball B 8504 Nur eingeladene Gäste haben Zutritt. । 5/2 Der Borftaud. 8496 00 8409 8508 Verantwortlicher Redakteur: H. Koegler. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) ir Gießen. MWfWHM Offene Stellen «2 - 'j 30 36 sr sr QC ® * * *a S «r tß se Selters« weg 81, part, ausverkauft. 04413 »‘•„Wa«i* ( an»'1«' «•” ,1 «*mw o /oj /Ojf vH» a