Nr. 157 Zweites Blatt________Freitag den 7. Juli 1899 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Nez«g»pretL vierteljährlich 2 Mark 20 Pf,, monatlich 75 Pf«, mit Bringerloh«. Bei Postbezu, R Mark 50 Pf,, -nerteljährlich. Knnahme H« Anzeigen zu der nachmittag- für de« ^>tgenden La, erscheinenden Nummer dis vorm. 10 Uhr. ÄHf Anzeigen-BermittlungLstellen des In- und Hilft «mH «ehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger eatygei. fr(4< i«t U|M mit Ausnahme M Montags. Die Gießener 1 »erden dem Anzeiger wächentlich viermal betgtk,L Amts- und Anzeigebtutt für den Ureis Gieren. Redaktion, Lxpeditton und Druckerei: S4.kstr.tze Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Ktätter für hessische PolKsKnnde. Seifenblasen. Derjenige, welcher in den letzten Tagen die Auslassungen der Presse verfolgt hat, mußte zu der Ueberzeugung kommen, daß in Preußen sowohl wie im Reiche die Regierungsmänner stark ins Wanken geraten seien, denn selbst Herr v. Miquel, „der Mann des Kaisers", sollte es einem Gerüchte zufolge vor Amtsmüdigkeit im Kastanienwäldchen zu Berlin nicht mehr aushalten können. Bisher war der Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums von allen Ministerkrisengerüchten unberührt geblieben, er galt als ein rocher de bronce, welcher der stärksten Brandung Trotz zu bieten imstande war. Daß man jetzt die Möglichkeit ins Auge faßte, Herr v. Miquel werde zurücktreten, zeigt deutlich, welch' umfangreiche Veränderungen von der Spitze der Regierung erwartet wurden. Es muß ja zugestanden werden, daß verschiedene Momente Zusammenwirken, um Vermutungen über größere Umwälzungen aufkommen zu lassen. Das Schicksal des Gesetzentwurfs zum Schutze Arbeitswilliger, die Behandlung der Kanalvorlage im preußischen Abgeordnetenhause, das hohe Alter des Reichskanzlers verleihen unserer inneren Politik etwas ungewisses und würden es immerhin erklärlich machen, wenn von maßgebender Stelle unvermittelt eine Klärung der Situation herbeigeführt würde. Und eine solche Klärung sollte bekanntlich in Travemünde stattfinden in einer Unterredung des Kaisers mit dem Fürsten Herbert v. Bismarck. Einzelne Berliner Blätter wußten in diesen Tagen manches zu erzählen von einer Audienz des Fürsten Herbert beim Kaiser. Das eine Blatt ließ die Audienz eine Stunde währen und beide Teile hochbefriedigend von einander Abschied nehmen, das andere Blatt meldet vorsichtigerweise nur von einer „langen" Unterredung. Recht haben sie aber beide nicht, denn jetzt geben auch die „Hamb. Nachr." zu, daß der Fürst überhaupt keine Audienz beim Kaiser hatte. Diese Thatsache erregt in politischen Kreisen berechtigtes Aufsehen, da es schwer hält, einen Grund zu finden dafür, daß Fürst Herbert nicht empfangen worden ist. Er ist in Travemünde gewesen, hat die Reise nach dort unternommen zu einer Zeit, wo der Kaiser anwesend war. Ganz selbstverständlich wäre es gewesen, wenn der Schloßherr von Friedrichsruh dem Monarchen bei dieser Gelegenheit seine Aufwartung gemacht hätte. Ja, man muß annehmen, daß der Fürst nur zu diesem Zwecke die Reise nach Travemünde unternahm, wenn nicht eine Einladung des Kaisers vorlag. Jedenfalls sind die Vorgänge, welche sich an den Aufenthalt des Fürsten Herbert in Travemünde knüpfen, recht geheimnisvoll; ob darüber authentische Nachrichten ausgegeben werden, bleibt abzuwarten. Man darf aber jetzt als feststehend annehmen, daß alle Meldungen von bedeutsamen Veränderungen in den leitenden Stellen des Reichs und Preußens nichts weiter waren als Seifenblasen, die vor den Thatsachen zerstoben sind. Wir haben ja schon vor einiger Zeit darauf hingewiesen, daß nichts darauf schließen läßt, daß Fürst Hohenlohe amtsmüde ist, und daß von den preußischen Ministern einer vor dem Schluß des Landtages demissionieren sollte, ist kaum anzunehmen. (xx) Typen aus Transvaal. TBurenfrai» .Buren hypei » ■ w -Berittener ^cl/vhmann Die Ergebnislosigkeit der Verhandlungen zwischen dem Präsidenten Krüger und dem englischen Abgesandten Milner betreffs der Uitlanderfrage scheint kriegerische Verwickelungen nach sich zu ziehen, denn England rasselt mit dem Säbel und verstärkt seine Truppen in der Kapkolonie. Die Einwohner von Transvaal, die „Boeren" oder „Buren" sind aber vorerst guter Dinge, denn sie glauben nicht an eine englische Invasion. Sie sind zwar etwas schwerfällig, aber tapfer, und sie würden jeden Angriff mit allen Kräften abwehren, um nicht ihre Selbständigkeit zu verlieren. Die BH Adresse für Depeschen: Anzeiger chtrß«. Fernsprecher Nr. 51. Typen aus Transvaal führen uns das dortige Militär tit den eigenartigen Uniformen und die Schutzmannschaft der Republik vor, wir sehen ebenfalls den charakteristischen Kopfputz der Männer und Frauen. Die Boeren sind niederdeutscher Abstammung, die sie in Sprache und Sitten nicht verleugnen. Wohl haben sie manche Eigentümlichkeiten abgelegt, aber der steife Nacken ist ihnen geblieben, deshalb weichen sie auch vor England nicht zurück und machen sich zur Verteidigung ihrer Rechte bereit. Deutsches Keich. Berlin, 5. Juli. Der Kaiser ernannte den Prinzen Rupprecht von Bayern, den Erbgroßherzog von Sachsen- Weimar und den Kronprinzen Konstantin von Griechenland zu Mitgliedern des kaiserlichen Jachtklubs. Berlin, 5. Juli. Im Herrenhause wurde heute die Karfreitags-Vorlage nach dem Beschlüsse des Abgeordnetenhauses angenommen. Hierauf gelangte der Antrag des Grafen Mirbach, in welchem das Haus seine Befriedigung über den Gesetzentwurf zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses ausspricht, zur Beratung. Derselbe wird mit 72 gegen 22 Stimmen angenommen. Hierauf wurden Petitionen erledigt. Morgen Donnerstag steht auf der Tagesordnung: Petitionen sowie ärztliche Ehrengerichte. Berlin, 5. Juli. Der Prozeß Landauer hatte bekanntlich mit der Verurteilung des Angeklagten Landauer zu sechs Monaten Gefängnis geendet. Landauer hatte, um die Befreiung Ziethens aus dem Zuchthause zu erwirken, gegen den Polizei-Kommissar Gottschalk schwere Beschuldigungen erhoben, die sich in der Verhandlung als unwahr herausstellten. Landauer hatte gegen das Urteil Revision eingelegt. Dieselbe wurde jetzt vom Reichsgericht verworfen. Berlin, 5. Juli. Das Reskript des Kaisers von Rußland an den Generalgouverneur von Finnland ist der sicherste Beweis, daß Rußland von der neuerdings gegen Finnland eingeschlagenen Politik nicht abzugehen gedenkt, gleichviel wie sie im Großherzogtum selbst beurteilt werden mag. Daß hierin die vor kurzem nach Petersburg gekommenen Herren, der Mehrheit nach Engländer, Franzosen und Skandinavier, nichts ändern würden, war vorauszusehen. Die Herren wollten zu Gunsten Finnlands an den russischen Kaiser appellieren, wurden aber überhaupt nicht empfangen, und haben sich jetzt nach den skandinavischen Ländern begeben, wo sie zunächst in Kopenhagen unter feierlichen Kund- gebungeü empfangen wurden. Auch diese Empfänge werden den Finnländern nicht nützen, wie überhaupt zu besorgen ist, daß ihnen die Einmischung von Ausländern nur schaden kann. Man mag über das russische Vorgehen gegen Finnland urteilen wie man will, es ist unter allen Umständen eine Angelegenheit, die sich nur zwischen Finnland und Ruß- Heffentliche Lesehalle in Hießen. Statistik für Mai 1899: Es wurden ausgeliehen von Illustrierten Zeitschriften 303 Bände, Erzählender Litteratur 908 „ Versdichtungen 8 „ Jugendschriften, Märchen, Sagen 290 „ Länder- und Völkerkunde 37 „ Geschichte und Biographieen 66 „ Naturwissenschaften, Technologie 38 „ Gesundheitslehre 2 „ Philosophie 5 „ Sprachwissenschaft, Litterat.-Gesch., außerdeutsche Texte 14 „ Zusammen 1671 Bände. Es wurden verliehen an Männer: Bände Handwerker 493 Kaufleute 192 Beamte 103 Arbeiter 115 Schüler und Studenten 387 Sonstige 12 Frauen: Bände Hausfrauen und Töchter 320 Gewerbtreibende 33 Beamtinnen 3 Arbeiterinnen, Dienstmädchen 13 Zusammen 369 Zusammen 1302 56 von diesen Bänden wurden nach auswärts verliehen. Der Mai mit 1671 Bänden und 17 Leihtagen steht gegenüber dem April mit 1652 Bänden und 16 Leihtagen, es bleibt also der April in diesem Jahre der Monat der stärksten Benutzung unserer Bibliothek. Statistik für Juni 1899 (17 Leihtage): Es wurden ausgeliehen von Illustrierten Zeitschriften 231 Bände, // Erzählender Litteratur 823 Versdichtungen 20 M Jugendschriften, Märchen, Sagen 268 H Länder- und Völkerkunde 38 Geschichte und Biographieen 37 M Naturwissenschaften, Technologie 36 H Gesundheitslehre 1 rr Philosophie 9 fr Litteratur-Geschichte, Sprachwissenschaft 3 M Es wurden verliehen an 1466 Bände. Männer: Zusammen 1130 Bände. Handwerksmeister 116 Bände, Akadem. gebildete Gewerbtreibende 8 „ Kaufleute 104 „ Beamte 48 „ Techniker, Schriftsetzer, Schreiber 37 „ Fabrikarbeiter 39 „ Diener, Kellner, Burschen 16 „ Lehrlinge und Gehilfen aller Art 234 „ Schüler, Volontäre 461 „ Studenten 51 „ Sonstige 16 „ Frauen: Ehefrauen,Witwen, ältereUnverheiratete 90 Bände, Gewerbtreibende 24 „ Dienstmädchen 3 „ Fabrikarbeiterinnen 11 „ Beamtinnen 7 „ Junge Mädchen, Lehrmädchen 201 Zusammen 336 Bände. Nach auswärts verliehen wurden 55 Bände. Abgesehen von der Veränderung des Schemas der Statistik wird vielleicht manchem die hohe Zahl der Schüler und Lehrlinge auffallen. Es liegt kein Grund vor, diese zu mißbilligen, wir würden es aber für Unrecht halten, wenn sich etwa die Erwachsenen durch diesen lebhaften Schülerverkehr zurückgedrängt fühlen wollten. Dem jungen Volke soll hiermit öffentlich ein bescheidenes Betragen zur Pflicht gemacht werden. Insbesondere soll den wütigen „May"-Lesern, die immer am liebsten gleich in Krämpfe fallen möchten, wenn sie nicht jedesmal ihren „May"-Band erhalten können, hiermiteinmal gesagt werden, daß wir cs gern sehen würden, wenn sie sich die Bücher, auf die sie versessen sind, selbst kauften und aus unserer Lesehalle wegblieben, denn sie machen uns andern allen das Leben schwer. Noch lieber aber würden wir es sehen, wenn sie vernünftig werden wollten, nehmen wollten, was vorhanden ist, und sich nicht auf gewisse Modebücher versteifen. Künftighin wird jeder, der sich in der Lesehalle nur irgendwie lästig machte von der Benutzung der Bibliothek aus- land abspielt, und in der eine Einmischung Fremder, wenn sie auch noch so gut gemeint ist, höchstens böses Blut machen kann. K. Z. — Samoa. Der Korrespondent der „Times" in Apia erfährt, wie er seinem Blatte in einem vom 28. Juni datierten Telegramm mitteilt, aus bester Quelle, daß die Kommission für Ernennung eines Administrators eintrete, welcher nicht Unterthan einer der drei Mächte sein solle. Diesem soll ein aus Vertretern der drei Mächte gebildeter Rat zur Seite stehen. Die Kommissare begünstigten ferner den Plan, den Oberhäuptlingen eine ausgedehnte Vollmacht in den ihnen unterstellten Bezirken zu geben und einen aus Eingeborenen bestehenden Rat in Apia zu bilden, in dem die einzelnen Bezirke vertreten seien. Dieser Rat soll das Recht haben, Beschlußanträge anzunehmen und Vorschläge in Angelegenheiten, welche lediglich die Interessen der Eingeborenen berühren, zu machen. Außerdem beabsichtigen die Kommissare, den Mächten eine Erweiterung der Jurisdiktion des Oberrichters, namentlich mit Bezugnahme auf verschiedene Verbrechen, anzuempfehlen. Von Weißen und Eingeborenen seien bei den Kommissaren und bei den Konsuln zahlreiche Ansprüche auf Schadenersatz für Verluste während der letzten Feindseligkeiten und während des Bombardements gestellt worden. — Wir geben diese aus englischer Quelle stammende Nachricht wieder, sprechen aber dabei die Hoffnung aus, daß diese Lösung, die abermals eine Zurückdrängung des deutschen Einflusses bedeutet, nicht zu stände kommt. Nehmen wir lieber an, daß hier bei dem englischen Berichterstatter wieder einmal der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen ist. — Dem „Reuter. Bureau" wird aus Apia vom 28. v. M. gemeldet: Es sind jetzt 3500 Gewehre, die unter die Malietoa-Leute verteilten nicht mitgerechnet, eingeliefert worden. An Stelle des deutschen 5Üiegsschiffes „Falke", das nach Sydney abgegangen ist, ist der „Cormoran" hier eingetroffen. Die Mataafa-Häuptlinge und die Malietoa-Häuptlinge hatten an Bord des amerikanischen Kreuzers „Badger" in Gegenwart des deutschen, des englischen und des amerikanischen Kommissars eine Zusammenkunft, in deren Verlaufe sie sich die Hände reichten und Frieden schlossen. Zwischen Mataafa und Malietoa ist ebenfalls eine Zusammenkunft vereinbart, der die drei Kommissare beiwohnen werden. Der Friede ist gesichert, beide Teile sind friedlich in ihre Dörfer zurückgekehrt und warten jetzt die Aktion der drei Mächte ab. Die Kommissare bereisen die Inseln, erklären den Eingeborenen ihre Beschlüsse und versöhnen sie. Dr. Solf übt das Amt des Präsidenten der Munizipalität aus und steht in gutem Einvernehmen mit den Eingeborenen. — So ganz glatt, wie es nach dieser Meldung anzunehmen ist, scheint es aber doch nicht abgegangen zu sein. Wenigstens meldet eine Depesche aus Apia (über Auckland) vom Tage darauf: Die Anhänger Tanus, welche entgegen den Abmachungen mit der Mataafa-Partei und gegen den Befehl der Kommission in der Stärke von ungefähr 1000 Mann auf der als Regierungssitz geltenden Halbinsel Mulinuu bei Apia zurückgeblieben waren und den Frieden ernstlich bedrohten, haben endlich diesen Platz geräumt. — Das Kriegsschiff „Porpoise", Kommandant Sturdee, hat Samoa verlassen. Ausland. Wien, 5. Juli. Die „Ostdeutsche Rundschau" meldet aus Hohenelbe, daß der dortige Bezirks-Hauptmann einem reichsdeutschen Evangelischen, der in dem benachbarten Niemendorf Sommeraufenthalt genommen hatte, wegen seines Verkehrs mit Deutsch-Nationalen den Rat gegeben habe, möglichst rasch abzureisen, um einer Ausweisung zu entgehen. Wien,5. Juli. Vom ungarischenAbgeordneten- hause sind nunmehr sämtliche 17 Ausgleichs-Vorlagen angenommen. Die Verhandlungen im Magnatenhause werden am 11. Juli beginnen. Wien, 5. Juli. Die von ungarischen Blättern verbreitete Meldung, Graf Thun beabsichtige ernstlich eine Verfassungsänderung in Oesterreich und stehe dieser- halb mit Szell in Unterhandlungen, wird von kompetenter Seite kategorisch dementiert. Wien, 5. Juli. Der angebliche Ingenieur-Praktikant Ernst Kern aus München ermordete seine Quartiergeberin, geschlossen werden. Dies gilt besonders den gewerbsmäßigen „May"-Lesern. Im Herbst ist eine große Steigerung des Andrangs zu erwarten. Im Hinblick hierauf müssen wir unsere Bitte um die Gewährung reichlicher Mittel für die Vermehrung der Bibliothek wiederholen. Wir vertrauen auf die Intelligenz der Gießener Bürgerschaft, und darauf, daß sie es zu würdigen weiß, so frühe schon unter diejenigen, in Deutschland leider noch so wenigen, Städte eingerückt zu sein, die eine allgemeine Lesehalle haben. Namentlicherwartenwir von den Eltern unserer Schüler, soweit sie bemittelt sind, daß sie einfach Mitglieder des Lesehallenvereins werden, oder sich sonst irgendwie eine Steuer für die Lesehalle auferlegen. Wer aber Bücher schenken will, den bitten wir freundlich, nicht solche Bücher zu schenken, die lediglich historischen Wert haben, da wir für die Verwertung solcher Bücher vorläufig weder Raum noch Arbeitskräfte genug haben. Ernsthafte Reiseschilde- rungen, populäre Darstellungen aus dem gegenwärtigen Leben, aus dem Kampfe der Zeit, Bücher über angewandte Naturwissenschaften (Technik, Gewerbe), das ist das Gebiet, auf dem alle gleich gern heimisch werden möchten. Hieran schließen wir noch folgende Bemerkungen: großen Konditoreien aufkaufen, zahlen durchschnittlich 20 Pfg. für das Liter. — Auf die Anpflanzung und Pflege der Johannisbeeren und Stachelbeeren wird jetzt in unserer Gegend immer mehr Sorgfalt verwendet, die Leute wissen dieselben immer mehr zu schätzen. In den meisten Haushaltungen werden jetzt die Beeren zur Bereitung von Gelee und Beerenwein verwendet. Die Sträucher hängen in diesem Jahre ziemlich voll; es fehlt jetzt nur noch der nötige Sonnenschein, um die Beeren zur völligen Reife zu bringen. — In den Gärten prangen jetzt die Rosen in vollem Schmucke. Die Züchter sollten es nicht versäumen, die im Abblühen begriffenen Blüten abzuschneiden. Dadurch kann man den Stock dahin bringen, daß er fortwährend neue Knospen treibt und so fast während des ganzen Sommers blüht. Mainz, 5. Juli. In einer gestern in Anwesenheit der katholischen Abgeordneten der zweiten Kammer hier abgehaltenen Vertrauensmännerversammlung der Zentrumspartei dds Hessenlandes wurde beschlossen, in der zweiten Hälfte des Septembers in der Stadthalle in Mainz einen hessischen Katholikentag abzuhalten. — Der achte Verbandstag des südwestdeutschen Verbandes selbständiger Konditoren tagte gestern und heute hier. Hauptberatungsgegenstand war die Besprechung über eine beantragte Umänderung der Statuten und Anpassung an die Bestimmung der neueren Handwerks-Gesetzgebung. Trotz langer Beratung kam der Gegenstand nicht zur Erledigung, sondern wurde einer Kommission zur eingehenden Durchberatung und Formulierung der dem nächsten Verbandstag zur definitiven Beschlußfassung zu unterbreitenden Anträge überwiesen. Kckales und PrsvmMes. + Vom Lande, 5. Juli. Die Zeit der Beerenernte ist herangenaht. In den Waldungen liefern die Erdbeeren wieder ziemlich reiche Erträge; leider machte es das anhaltende Regenwetter bis jetzt unmöglich, mit dem Sammeln derselben zu beginnen. Um so eifriger sind jetzt die ärmeren Leute mit dem mühsamen Geschäft des Pflückens beschäftigt. Erwächst ihnen doch dadurch ein immerhin nennenswerter Verdienst. Die Händler, welche die Erdbeeren für die 1. Es ist verboten, Bücher der Lesehalle weiter zu verleihen an Personen, die einem andern Hausstande angehören. 2. Wir bitten dringend, zum Abholen und Zurück- bringen von Büchern nicht kleine Kinder zu verwenden. 3. Wir bitten ebenso dringend, Bücher nicht durch dritte Personen, („Bekannte", „Kollegen",) zurückbringen oder entleihen zu lassen, oder wenigstens solchen Beauftragten den Auftrag schriftlich, zugleich mit der Namensunterschrift des Auftraggebers, mitzugeben. Der Bibliothekar übernimmt keine Verantwortung für eine mißbräuchliche Verwendung von Leihkarten durch dritte Personen. 4. Wer von Gießen wegzieht, ist verpflichtet, sein entliehenes Buch persönlich zurückzugeben. Es gilt uns für unanständig, in einem solchen Falle das Buch einer andern Person zur Besorgung zu übergeben. 5. Im Lesesaal ist unter anderem ein Exemplar von Esmarch, „Die erste Hilfe bei plötzlichen Unglücksfällen aufgestellt. Wir wünschen, daß die deutlichen Angaben dieses Büchleins recht allgemein bekannt und geläufig werden mögen. 6. Während des Monats August wird die Bibliothek der Lesehalle einige Wochen hindurch nur Freitags und Samstags (von 6 bis 8 Uhr) geöffnet sein. eine 63jährige Beamten-Witwe. Die Polizei vermutet je- I doch, daß der Mörder mit dem Deserteur des 25. Jnf.- Regiments Theodor Hekl identisch ist. Lemberg, 5. Juli. Der hiesige angesehene Advokat vr.Heinrich Seydlowski vergiftete sich mittelst Arsenik I wegen einer von einem Klienten erstatteten Strafanzeige gegen ihn. Czernowitz, 5, Juli. Die große Ortschaft Trassin wurde von einem verheerenden Feuer heimgesucht und ist fast vollständig niedergebrannt. Viele Familien sind obdachlos. . Rom, 5. Juli. Die Bestimmungen des königlichen Dekretes werden am 20. ds. Mts. in Kraft treten. Zarnadelli, Giolitti und Rudini beraten über ein gemeinsames Vorgehen für den Fall, daß die Negierung ohne parlamentarische Zustimmung das königliche Dekret promulgiert. , . Paris, 5.Juli. Gestern starb hier der Geheim-Agent Guenne, der im Auftrage Henrys die gefälschten Polizei- Noten vom Jahre 1894 an Dreyfus gerichtet hat. Paris, 5. Juli. Gestern ist die Session der Deputiertenkammer durch den Ministerpräsidenten Waldeck- Rousseau geschossen. Das neue Ministerium kann also einstweilen, von keinem Sturz bedroht, sich zu befestigen versuchen. Die letzte Sitzung brachte ihm einen beachtenswerten Sieg, ein Vorstoß der Melinisten gelegentlich einer Anfrage über das Gesetz betr. die Arbeitsbedingungen bei öffentlichen Bauten wurde mit einer Kammermehrheit von 338 gegen 186 Stimmen zurückgewiesen. Nachdem der Schluß der Session erklärt war, umringten die Progressisten und Radikalen die Ministerbank und riefen: „Es lebe die Republik!" Ministerpräsident Waldeck-Rousseau stimmte in den Ruf ein und fügte hinzu: „Ich hoffe, Ihnen die Republik in gutem Zustande zu erhalten." — Mehreren Pariser Blättern zufolge, äußerte der Marineminister Lanessan die Absicht, eine völlige Umgestaltung des Generalstabes der Marine vorzunehmen. Der Chef des Marine-Generalstabes soll sich in Zukunft nur mit den Angelegenheiten der Mobilisierung, der Flottenbewegung und den Personalsachen zu beschäftigen haben. Gerüchtweise verlautet, Admiral Gervais sei für den Posten als Generalstabschef der Marine ausersehen. Loudon, 5. Juli. Das Unterhaus hat gestern in dritter Lesung eine Bill angenommen, wonach die Lokal-Behörden ermächtigt werden, den Mietern kleiner Häuser Geldmittel vorzustrecken, damit sie Besitzer der Häuser werden können. London, 5. Juli. Die Admiralität überwacht mit großem Interesse den Bau eines Torpedoboot-Zerstörers, der den Namen „Viper" führen wird und 43 Knoten in der Stunde zurücklegen soll. Madrid, 5. Juli. Der Finanzminister hat eine Vorlage über eine neue Steuer eingebracht, womit die innere Schuld getilgt werden soll. Die Steuer wird einen lokalen Charakter haben. Madrid, 5. Juli. Große Tumulte werden aus Reus, Alicante, Barcelona und Villa Nubla gemeldet. In Reus bombardierte die Menge das Montjuich-Kloster der Padres Narissas mit einem Steinhagel unter den Rufen: Nieder mit Pollavieja, es lebe die Republik. Ein Wirt wurde von einem Leutnant der Kavallerie, mit dem er eine Auseinandersetzung hatte, erschossen. In Alicante wurden eine Anzahl Häuser in Brand gesteckt. Ein Zollbeamter schoß seinen Revolver ab und tötete eine Frau. In Barcelona gährt es weiter. Das dortige Kloster wurde mit Petroleum begossen, um es in Brand zu stecken. In Valenlia versuchten Weiber Barrikaden zu bauen. Gleichzeitig regen sich nun auch die Karlisten. Don Carlos will nach Durchsetzung der neuen Steuern ein Manifest veröffentlichen. Vermischtes. * Wie der Telegraph mitteilt, ist Hedin soeben wieder nach Tibet aufgebrochen In seiner Begleitung befindet sich Islam Bai, dessen wunderbare Rettung Hedin in seinem spannenden Buche „Durch Asiens Wüsten" erzählt. Auf Befehl des Zaren sind drei Kosaken als Escorte mitgegeben, welche hoffentlich ausreichen, den kühnen Schweden vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren, wie es Landor in Tibet beschieden war. * Westerland Sylt. Die letzte Kur liste weist über 800 Gäste nach, und da jeder Tag einen sich steigernden Zugang bringt, wird das erste Tausend bald überschritten sein. Die Kurkapelle, unter der Leitung des König!. Musik- dirigenten a. D. Herrn Theubert aus Meerane in Sachsen, konzertiert täglich am Strande und abends in dem prächtigen Kurhaussaale unter lebhaftem Beifall der Badegäste. Im Kurhause selber sind seit dem verflossenen Jahre bauliche Veränderungen und Verbesserungen vorgenommen worden, die sich des Beifalls des Badepublikums sehr erfreuen. Das Wetter läßt nichts zu wünschen übrig, Sonnenschein, Wärme, angenehmer Seewind. Die direkten Anschlüsse auf den Eisenbahnen und Dampfschiffen sind in Kraft getreten und ermöglichen ein schnelles und bequemes Herkommen. ♦ Ungezieferplage bei Hunden. Bei der jetzt mehr und mehr eintretenden warmen Witterung vermehren sich die Schmarotzertiere auf der Haut der Hunde mit einer solchen Schnelligkeit, daß sich bei Ueberhandnahme der Plage auch leicht krankhafte Erscheinungen einstellen. Das alte Mittel, die Hunde mit grüner resp. schwarzer Seife zu waschen, ist nicht nur mühsam ausführbar, sondern es hat leider in vielen Fällen unzureichende Wirkungen, gar häufig Erkältungen zur Folge, die oftmals dauernde Nebel oder gar Siechtum nach sich ziehen. Als ein ganz vorzüglich bewährtes Mittel, welches zugleich äußerst einfach und. schnell zu handhaben ist, sei hiermit das von Herrn vr. W. H ö v e l e r in B r e m e n- Woltmershausen erfundene „Pediculin" empfohlen. Eine Dose davon kostet nur eine Mark und reicht verhältnismäßig sehr lange. Die Handhabung ist eine sehr angenehme und leichte, wenn man sich gleichzeitig noch eines ebenfalls von Herrn Dr. Höveler bezogenen Stäubers bedient, dann ist die Arbeit des Bestreuens eines Hundes in einer Minute gemacht. Alle 14 Tage oder 3 Wochen wird in der heißen Jahreszeit der Hund vorgenommen, eingestreut, 2 Stunden eingesperrt und dann freigelassen. Der Erfolg ist geradezu überraschend; das Ungeziefer purzelt wie die Fliegen und stirbt auch gleich darauf. Das Einsperren des Hundes nach dem Einstreuen ist deshalb vorzunehmen, damit derselbe das I „Pediculin" nicht gleich abschüttelt. — Aber auch gegen Ungeziefer bei Geflügel steht das „Pediculin" an der Spitze aller bis jetzt bekannten Mittel; durch die feine Zerstäubbar- keit ist es ungeheuer sparsam, läßt sich sowohl bei Hühnern, Kücken, Tauben und sonstigem Hausgeflügel, sowie bei den Zimmervögeln leicht und ohne Störung anwenden. Es empfiehlt sich besonders, auch die Nester zu bestäuben, ebenso wie das Hundelager. Der Erfolg ist, wie gesagt, ein absoluter und deshalb allen Tierzüchtern zu empfehlen. * Auf einen kalten und nassen Sommer lassen die Eisverhältnisse im Polarmeer schließen. Wie man der „Frkf. Ztg." aus Petersburg schreibt, ist die russische nach I Spitzbergen bestimmte Expedition gezwungen, unthätig in I Dramsö (Norwegen) zu verharren, weil enorme Eisanhäufungen die Insel Spitzbergen unzugänglich machen. I Zwischen den Eisverhältnissen im Polarmeer und den Wetter- I zuständen der gemäßigten Zone glauben übrigens die I Meteorologen einen Zusammenhang annehmen zu sollen, und I die heurige Häufung der Eismassen im Norden wird uns, I wenn die Hypothese richtig ist, einen kalten und nassen I Sommer ankündigen. " Eintagsfliegen. Es giebt für den Fabrikanten nur I ein Mittel, dem Publikum Kenntnis von einer neuen Er- I finbung zu geben, und dieses heißt Reklame. Er muß sich I ihrer bedienen, mag es auch noch so viele Leute geben, die I abfällig darüber urteilen, indem sie den Fehler begehen, I jede Reklame für unglaublich zu halten, weil wertlose Präparate oft mit schwindelhaften Anpreisungen angekündigt I werden. Aber diese führen nur ein kurzes Leben, denn sie B°g° ’S ‘ unfetet , U^e wissen fte b'"tn noli9« fragen. i"” Gliben '“»« »®b,n neM hojDt! «et« blüh, Wesenheit der ,et hier abge- der Sn, ln der ^llem Minz Der achte Vev °ndes selb- heute hier, hung über eine Anpassung an Hebung. Trotz M Erledigung, enden Durchbe- n Verbandstag lenden Anträge i soeben wieder leitung befindet. L>edin in seinem st en" erzählt, s Escorte mit. hnen Schweden wie es Länder sie weist über stch steigernden ald überschritten cs König!. Musik- lont in Sachsen, in dem prächtigen Badegäste. Im i Jahre bauliche wunnen worden, t erfreuen. 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Kosmin-Mundwasser verdient allerdings auch das höchste Vertrauen, da es infolge seiner gesetzlich geschützten Eigenart die Zähne bei regelmäßigem Gebrauch unbedingt schön und gesund erhält. Flacon 1.50 Mark mehrere Monate ausreichend. Käuflich in Drogerien, Parfümerien, bei den Coiffeuren und auch in Apotheken. * Krankhaft veranlagte Töchter gebildeter Stände, die durch Nervosität, Hysterie und sonstige Störungen innerhalb der Familie nicht zu ihrem Recht kommen und zugleich für die übrigen Familienmitglieder eine Last sind, haben bisher eine geeignete Unterkunft nicht gefunden. Töchterpensionate sind selbstverständlich nicht der rechte Platz, Nervenheilanstalten und zumal Irrenanstalten sind es ebensowenig, und Erziehungsanstalten für minderwertige und schwachsinnige Kinder entsprechen dem Bedürfnis dieser Altersstufe nicht mehr. So ist es nicht auffällig, daß an den Ev. Diakonieverein, von dessen Schwestern eine verhältnismäßig große Zahl in der Heilerziehung und in der psychischen Krankenpflege thätig ist, wiederholt die Anregung gelangte, diesem Bedürfnis abzuhelfen. Das soll nunmehr geschehen, indem der genannte Verein (Direktor: Professor D. Dr. Zimmer in Berlin-Zehlendorf), der schon auf anderen Gebieten der „Diakonie an der Frauenwelt" mit Erfolg neue Wege eingeschlagen hat, den ersten Versuch einer „Heilerziehungs- anstalt für krankhaft veranlagte Töchter gebildeter Stände" macht. Die Anstalt soll am 1. Oktober d. Js. am Sitze des Vereins in Berlin-Zehlendorf eröffnet werden. * Furchtbare Phautafiewaffen. Es ist jetzt wieder einmal an der Zeit, zu fragen, was aus allen den furchtbaren Waffen und Maschinen wird, deren Erfindung von Zeit zu Zeit die ganze Welt in Erstaunen setzt, und von denen dann nie wieder etwas zu hören ist. Diese Thatsache, die jedermann, der über ein einigermaßen gutes Gedächtnis verfügt, in häufigen Wiederholungen verfolgen kann, hat eben den Anlaß dazu gegeben, daß alle verständigen Menschen den meisten sogen. Sensationsnachrichten gegenüber wahrhaft zweifelsüchtig geworden find. Als die Rede davon war, daß Tesla ein Mittel erfunden hätte, ein Torpedo vom Lande aus auf weite Entfernungen hinaus auf ein bestimmtes Ziel zu lenken, da sprach sich die Mehrzahl der bedeutenden Fachzeitschriften dahin aus, daß es unmöglich wäre, an ein solches Zeug zu glauben. Und doch, woher dieser gewisse Zweifel? Warum sollte eine solche Erfindung nicht möglich sein, wo doch die Menschheit schon mit so mancher vordem unglaublich erscheinenden Entdeckung überrascht worden ist! Denselben allgemeinen Zweifeln begegnet auch die neue französische Erfindung, die die drahtlose Telegraphie oder, richtiger gesagt, die Herrschen Wellen dazu benutzen will, um aus weiter Entfernung Kriegsschiffe und Pulvermagazine in die Luft zu sprengen. Es soll ein Verfahren entdeckt sein, durch die elektrischen Wellen aus bedeutenden Abständen Funken zu erzeugen, die zur Explosion von Sprengstoffvorräten führen sollen. Es ist nun lehrreich zu sehen, was die großen technischen Zeitschriften dazu sagen. Der Londoner „Electrician" fragt zunächst: „Warum soll denn nur eine feindliche Flotte und nicht auch unsere eigenen Schiffe und Pulvermagazine in Gefahr sein?" Ferner: „Kann es denn nicht passieren, daß man zu friedlichen Zwecken, also vornehmlich zur drahtlosen Telegraphie, elektrische Wellen in den Raum aussendet und damit irgendwo unbeabsichtigt eine fürchterliche Erplosion herbeiführt? Es ist schrecklich, die Möglichkeit vor sich zu sehen, daß Aether.Wellen, die zu friedlichen Zwecken dienen sollten, ein Kriegsschiff wie die Maine oder die Pulvermagazine einer Festung, sagen wir die von Toulon, aus bloßem Zufall in die Luft sprengen sollten. Aber wir können dieser Möglichkeit kaum Glauben schenken." Der Londoner „Engineer" sagt dazu: „Da ziehen wir doch noch den alten Magneten vor, der die eisernen Nägel aus den Schiffen herauszog, so daß sie zusammenfielen. Auch dabei brauchte man nur an die Magneten zu glauben und es war alles in Richtigkeit." Man wird also bei den Nachrichten von der Erfindung solcher Waffen gut thun, sich selbst mit der nötigen Ruhe zu wappnen und sich versichert zu halten, daß Erfindungen von solcher Tragweite denn doch nicht allmonatlich oder auch nur alljährlich gemacht werden. „Köln. Ztg." * Der Kaiser und sein Kurier. Bekanntlich trifft, sobald der Kaiser außerhalb seiner Residenz sich befindet, jeden Tag in dem jeweiligen kaiserlichen Hauptquartier ein Kurier ein, welcher die Postsachen aus Berlin bringt und solche auch wieder mitnimmt; so auch unlängst während der Segelregatten. Bei dem Uebernehmen des Kuriers an Bord der „Hohenzollern" ereignete sich, als diese vor Helgoland ankerte, eine hübsche Episode. Von dem Torpedoboot, welches den Kurier in die Nähe der „Hohenzollern" brachte, wurde er durch eine Pinasse abgeholt, konnte aber mit dieser, der aufgeregten See wegen, nicht am Fallreep anlcgen, sondern mußte längsseits halten. Mit zugeworfenen Tauen wurden nun von der auf den Wellen tanzenden Pinasse alle Kisten und Packete einzeln über die Reeling geholt, bis schließlich der Kurier selbst noch übrig blieb, der unmöglich auf dieselbe Weise übergeh oll werden konnte. Da ergriff der Wackere eine Strickleiter und erklomm mit seiner umgehängten Tasche das Deck des Schiffes. Der Kaiser hatte den ganzen Vorgang beobachtet und ließ durch einen Adjutanten dem Kurier seine Anerkennung aussprechen, sowie ein Goldstück überreichen. * Ein zusammenfaltbares Hotel ist das Neueste, was in Amerika „ausgeheckt" worden ist. Geschlossen sieht das „Hotel" einem gewöhnlichen Gepäckwagen unserer Eisenbahn ähnlich. Am Bestimmungsorte aber wird der Wagen teilweise umgeschlagen und aufgeklappt. Zwischenwände werden eingeschoben und der ganze Raum, der eine fünf bis sechs mal größere Fläche bedekt, als die Bodenfläche eines Bahnwagens ausmacht, in einzelne Zimmer eingeteilt. Nun werden die Möbel auch aufgeklappt, und das „Hotel", das für reisende Zirkusgesellschaften bestimmt ist, ist fertig und wird mit allem Komfort der Neuzeit, mit elektrischem Lichte, Baderäumen u. s. w. ausgestattet, Zu der Umwandlung des Wagens in das Hotel ist nur eine Stunde Arbeit von vier Personen erforderlich. Meratur, Wissenschaft und Kunst. — «arte der deutschen Verwaltungsbezirke der Karolinen, Palau und Marianen. Mit 7 Nebenkarten und Beglctt- worten. Bearbeitet mit Benutzung bisher noch unveröffentlichter Quellen von Paul Langhans. Gotha, JustuS Perthes. Preis 1 Mk. Nichts kann die Leistungsfähigkeit unserer ersten geographischen Anstalt in helleres Licht setzen, als die Veröffentlichung vorliegender Karte. Denn wir haben eS hier nicht mit einer rohen Uebersichts- skizze zu thun, wie sie bei jedem kartenmäßig darstellbaren Ereignis der Zeitgeschichte zu erscheinen pflegen, sondern mit sorgfältig durchgearbeiteten, offenbar seit langem vorbereiteten Spezialkarten, die ein reiches Origtnalmaterial verwertet haben. Neben vielem topographisch Neuen zeigt die Karte aber vor allem den Kulturstandpunkt unseres neuesten Schutzgebietes nach den neuesten Angaben der dort ansässigen Handelshäuser und Missionen. Sämtliche Handelsstattonen und Ländereien der Jaluit-Gesellschaft, die den Handel der Karolinen vollständig beherrscht, sowie alle mit weißen Missionaren und eingeborenen Lehrern besetzten Missionsstationen finden sich verzeichnet. Die Hauptkarte in 1:5000 000 zeigt außerdem da« Gebiet, welches das deutsche Reich 1885 auf Grund des päpstlichen Schiedsspruches Spanten überließ, die 1885er Flaggenheißungen unseres „Iltis" und „Albatros" auf den einzelnen Inseln, sowie die Grenzen und Regierungssitze der neu eingerichteten Verwaltungsbezirke. Auch die neue nordamerikanische Kabelstation Guam fällt innerhalb deS Karten- randeS. Unmittelbaren Vergleich der Größen- und Entfernungsverhältnisse ermöglicht die Karte der deutschen Retchsküste im Maßstabe der Hauptkarte. Ueber welch ungeheuren Flächenraum die Inseln des neuen Schutzgebietes zerstreut find, geht auf das deutlichste aus dieser vergleichenden Zusammenfiellung hervor: die Entfernung der westlichsten von der öfiltchsten Karolinen-Insel beträgt das Z'/rfacke der Luftlinie Emden-Memel! — Eine zweite Nebenkarte in 1:40 000 000 bietet eine Uebersicht über sämtliche deutsche Schutzgebiete in der Südsee (auch von Kiautschou), die nach Mitteilung der Begleitworte 253 000 qkm. (mit 439000 Etnw.) bedecken. Eine Anzahl Pläne bringen genauere Darstellungen der wichtigeren Inseln: der bergigen FelSinseln Kusate, Ponape und Jap mit ihren waldbedeckten Höhen und korallenumsäumten Küsten, des gewaltigen Ruk- AtollS und der größten aller Karolinen, der fruchtbaren Palau- Gruppe. Die Begleitworte bieten ein erschöpfendes Bild der geographischen und wirtschastlichen Grundzüge des neuen Schutzgebietes. — Katechismus der deutschen Kriegsmarine von Richard Dittmer, Kapitän zur See a. D. Mit Titelbild und 174 in den Text gedruckten Abbildungen. Zweite, vermehrte und verbesierte Auflage. In Originalleinenband 4 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Zweck dieses von berufenster Seite verfaßten Buches ist, weiteste Kreise mit den Einrichtungen unserer Kriegsmarine vertraut zu machen. Mußte auch zur Wahrung der Handlichkeit des Bändchens davon abgesehen werden, sämtliche amtltchm Vorschriften für die Dienstzweige wörtlich zum Abdruck zu bringen, so genügt doch schon daS Mttgeteilte völlig, an dem vorliegenden Katechismus einen nie versagenden Führer und Berater zu haben. Sehr dankenswert sind u. a. die Ausführungen über die Annahme und Einstellung alö Seekadett. Jedem Binnenländer wird die ausgiebige Erklärung marinetechnischer Ausdrücke hochwillkommen sein. Die ebenso schöne, al« reichhaltige Illustrierung macht mit dem ganzen schwimmenden Material unserer Marine, den Uniformen, Rang- und Dienstabzeichen, Sturmsignalen, Seeschifffahrtszeichen und Flaggen bekannt. DaS Buch ist nicht nur ein Beitrag zur Erweiterung der Kenntnis, sondern auch ein Mittel zur Erkenntnis der Notwendigkeit der deutschen Kriegsflotte. — Bunte Falter von Wolfgang Lehmus. Preis 1 Mark. Verlag H. L. Thilo, Berlin, W. 50. In diesem schmucken Bändchen tritt uns ein junges lyrisches Talent von bestimmter Eigenart entgegen. JedeS empfängliche Gemüt wird an diesen sinnigen, stimw- ungsreichen und oft von liebenswürdigem Humor durchwehten, formgewandten Versen seine helle Freude habm. Für Geschenkzwecke dürfte es kein geeigneteres Gedichtbuch geben. — Neueste Erfindungen und Erfahrungen" auf den Gebieten der praktischen Technik, der Elektrotechnik, der Gewerbe, Industrie, Chemie, der Land- und Hauswirtschaft rc. 26. Jahrgang (A. Hartlebens Verlag in Wien). PränumerationSpreis ganzjährig für 13 Hefte franko 7,50 Mk. Einzelne Hefte für 60 Pfg. in Briefmarken. Diese Zeitschrift dient ausschließlich nur der Praxis. Ihre Mitteilungen, die sich über alle Berufsarten verbreiten, bestehen in praktischen, zuverlässigen und leicht ausführbaren Anweisungen, Arbeitsverbesserungen und Neuerungen auf technischem und industriellem Gebiete. Besonders wertvoll sind die zahlreichen Anweisungen zu neuen, lohnenden Erwerbsarten. Die „Neuesten Erfindungen und Erfahrungen", im 26. Jahrgange erscheinend, bieten jedermann, insbesondere dem Techniker und Industriellen, die Mittel, alle neuen Erscheinungen und alle wertvollen praktischen Errungenschaften kennen zu lernen und so zu verstehen, daß er sie in seinem Geschäfte sofort verwerten kann und demzufolge immer auf der Höhe der Zeit steht. Hunderte von Fragen auS allen Berufsfächern finden in dieser Zeitschrist praktische und kostenlose Beantwortung. UniversttSts Nachrichten. — Bonn. Zum Rektor der hiesigen Universität für da« nächste Studienjahr wurde der Konststorialrat Prof. vr. Friedrich Steffert aewählt. Der Profeffor der Elektrotechnik Karl Ztckler wurde zum Rektor an der technischen Hochschule in Brünn gewählt. — Bonn. Prof. Dr. Klein ist heute gestorben. Er war seit Errichtung de« Rheinischen Provinzial Museums hierselbst als Direktor desselben thätig und trat zu Anfang dieses Jahres in den Ruhestand. Großherzogl. Landes-Irrenanstalt. Am 1. November l. I. wird die Stelle des zweiten Affifteuz- arztes (1500 Mk. und freie Station) fret und soll alsbald mit einem psychiatrisch schon vorgebildeten Arzte wiederbesetzt werden. Bewerbungen werden zunächfi nur brieflich bis zum 1. August l. I. hierher erbeten. Heppenheim a. d. B., den 1. Juli 1899. Großherzogliche Direktion der Landes-Irrenanstalt. Dr. Bieberbach. 5114 Heute frische Schellfische, Kabliau, Zander, Schollen, Fluß« hechte, lebende Karpfen, Schleie, Forellen eingetroffen. 310 Prompter Versandt nach auswärts. sma4f.,flt' I. M. Schulhof, $e1\tn Kolonialwaren- und Delikatessengeschäft. 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