1899 Erstes Blatt. NI 131 18« »er, OB lllterei ch dli**1 Alle Anzeigen-Bermritiungsstellen bc» In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger enkgegen. Mittwoch dm 7. Juni 3. Rat b ch mit ■tfolbon, Expedition und Druckerei: ^chukstraße Ar. 7. [OSSi Adresse für Depeschen: Anzeiger Hietzea. Fernsprecher Nr. 51. «nnnifme von Anzeigen zu der nachmittag- für dm fvtgi<'u-ii Lag erscheinendm Nummer bi- vorm. 10 Uhr. Deutsches Keich. Mu, 5. Juni, D-r „Nordd, Allg-m Ztg.' zujolg- ist I iit Nachricht, daß der Präsident des Reichs- P oi ten t amtcö in den Ruhestand versetzt werden soll, Zzezngspreis vlerteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Psg. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Wehmer Anzeiger Heneral-Anzeiger Zlints- «l»d Anzeigeblatt für den Nreis iSkfectt Ausland. Budapest, 5. Juni, D-r Großgrundbesitzer Charles Dufour, der sich auf einer Erholungsreise befand, stürzte le» i und gMl ■benr im* ws berg angehören sollen. Auch Berlin, das ursprünglich als I Ausstellungsort in Aussicht genommen war, wirb gum Un- tritt in den Ausschuß eingeladen werden, verhalt sich aber bis jetzt ablehnend, da es erst den Erfolg der Pariser | Weltausstellung abwarten will. Die Ausstellung, die den Zweck verfolgt, den Stand des deutschen Stadtewesens zu Anfang des 20. Jahrhunderts zu veranschaulichen wird m der Hauptsache die Fortschritte auf den Gebieten der städtischen Verwaltung (Bureau- und Finanzverwaltung), des Verkehrswesens, des Tief- und Hochbaus, des Straßenbahnwesens, der Kunst und Architektur, der öffentlichen Gesundheit und Wohlfahrt, der Krankenpflege, des 'Schul- und Armenwesens, der Baupolizei, des Feuerlo ch- und allgemeinen Polizeiwesens, des Sparkassen- und Le hwesens und der städtischen Gewerbebetriebe zeigen. Zur Teilnahme aufgefordert sind 70 deutsche Städte. Eine große Anzahl i hat sich bereit erklärt, das Unternehmen zu s^dern, andere, so Bremen, haben sich ihre Entscheidung noch Vorbehalten. Auch deutsche Gewerbetreibende, welche neue und muster- gütige Gegenstände für den Bedarf größerer Gemeinden Herstellen, sowie einzelne außerdeutsche Städte können sich täglich p i . Arahme de- Ricitag8. ■ Qt Hießenrr AaiMienVtätter wrrd?« icm Anzeiger viermal kigilegt. Nähr 01 Ziuli' iraacD , Sie«»’ V. liehen* Pälesc* iS' C Berlin, 5. Juni. Es gilt in politischen Kreisen I I als» ,us«eschlosfen, daß der Reichstag vor seiner Vertagung 1 der-Gesetzentwurf zum Schutz des gewerblichen I Äi-Kibsverhältnisses weiter als in erster Lesung 1 bevffiden werde. Diese dürfte damit enden, daß Vorlage I am eilte Kommission verwiesen wird. Die Preßdiskussion ßl.t-i de» Gesetzentwurf wird während des Sommers weiter- I qcl*», .es ist aber schon jetzt mit ziemlicher Sscherheü t 9.iMsz°isagen, daß wie in der Zentrums- namentlich auch in i der nationalliberalen Partei die Gegensätze scharf auf- I ei«Mher stoßen werden. Während der Abg. Freiherr Heyl oo» Hernsheim sich bei Beratung der Anträge wegen der M Wammern mit großer Entschiedenheit gegen einen der- I ar tiiüen Schritt der Gesetzgebung erklärt hat, stellte der «Uwü. Nasserinann die ernstliche Prüfung einer Vorlage, wie I siei jetzt dem Reichstage zugegangen ist, in Aussicht. Die no'Mu!kschen Mitglieder der nationalliberalen Partei, wie I bic.Vbaa. Möller, Hilbeck und andere werden den Gesetz- nMills voraussichtlich im großen Ganzen gutheißen. I da.«! richt als ausgeschlossen betrachtet werden, daß die iicittionaOliberale Partei in mehrere Gruppen zerfallen und m>viglich!°rweise einen ihrer jetzigen Bestandteile an eine andere Murtei ubgeben wird. • - Die Denkschrift zur weiteren Begründung des WeßtutourfS zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhült- ni -ftsi-dem Reichstage zugegangen. Es ist em ziemlich i'.mfcmg- | ic ^ Aktenstück von über 100 Seiten, und bringt nähere Mitte ^tatarn über den Umfang und die Art der Ausschreitungen hdiben Arbeitskämpfen der letzten Jahre auf Grund der Etlichen Bundesstaaten vorgenommenen Erhebungen. Ä Denkschrift zerfällt in drei Abschnitte Im ersten w.vdcn vornehmlich allgemeine Berichte über die Häusigkett u wd Schwere der vorgekommenen Ausschreitungen mltgeteüt, wm fie von den Oberstaatsanwälten und Polizeibehörden erst Ml sind, wobei die Schwierigkeiten der Ermittlung und MMi^führung dargelegt sind, und im Einzelnen gezeigt «W, iworin vorzugsweise die Ausschreitungen gegen Arbeit' qiM mnd gegen Dritte bestehen. Angefugt sind die Aeuße- ? einiger Handelskammern über kommerzielle Folgen d iienÄmrschreüungen in ihren Bezirken. Der zweite Abschnitt hikuükltt insbesondere von den Ausschreitung^ der Arbett- n gegen Arbeitgeber: Zwang zum Anschluß an Koali- ti im« wie zur Arbeitseinstellung, Überwachung der Arbeits- »Mavn, der Arbeitsstätten und der Verkehrsanlagen durch C sinileÄposten; Zusammenrottungen ; planmäßige Drgant-- I s. Mn des Ueberwachungsdienstes, Ueberwachung des Ver- I V-te .auf den Bahnhöfen und Landstraßen; Maßregeln der AMriden, der Arbeitgeber und Arbeiter gegen den Terro- I r titfnis; Verfolgung Arbeitswilliger nach VeendMng von I CZUes wegen Nichtbeteiligung. Der dritte Abschnitt legt I d^ellnzulänglichkeit der bestehenden^Straf estrmmungen dar, i rÄesiondere die Unzulänglichkeit des § 153 der Gewerbe- wnhoig, der unanwendbar ist, wenn nicht die Erlangung aMgerer Lohn- und Arbeitsbedingungen bezweckt wurde, t its itmanroenbbar ist, wenn nicht zum Anschluß an einet Utoübrebung ober zur Befolgung einer solchen genötigt 17«eidem sollte, bet ferner nicht anwenbbat ist bei Ausschteit- I u,„n, di- -rst nach Beendigung eines Strikes begangen rmd.n sind, und auch wenn eine Verabredung überhaupt niiöt oorlag. Des weiteren wirb bie Unzulänglichkeit bet i Wmmungen bes Strafgesetzbuchs auseinanbergesetzt. Die <, BaiO'iqung von Strikesausschreitungen scheitern häufig am «Qjinqel bes etforbetlichen Strafantrags, ferner sei bas . °ckiube Strafrecht unzulänglich gegenüber Einschüchterungen ' W-iiiswilliger butch größere Menschenansammlungen. — Ausstellung beutscher (Stabte. Auf einer »DncSben stattgehabten Konferenz zur Vorbereitung einer tir j 908 bort geplanten Ausstellung von Einrichtungen unb Hiitailten deutscher Städte über 25000 Einwohner, waren tadi ihre Oberbürgermeister oder sonstige Abgeordnete die Bite Dresden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau, Plauen, Mau, Görlitz, Posen, Chatlottenburg, Halle Gera, Greiz, Bhiburq, Magdeburg, Gotha, Weimar, Frankfurt a. Main, Ämilheim, Stuttgart, München, Metz, Köln, Düsseldorf, fijmnten, Aachen und Kiel vertreten. Die Versammlung Mtte einen großen Ausschuß, dem außer den genannten Molen noch Königsberg, Danzig, Hannover, Dortmund, HMiurg, «Ilona, Kassel, Mainz, Straßburg und Nurn- beteiligen^ $ ^-r Kolonialrat wird in seiner I jetzigen Tagung nur ein geringes D.aterial vorsinden; nur wenig Beratungsmalerial ist oorhanden. Die Hauptsrage I darunter bilden Landkonzessionen. Wenn auch h.-rb-i wohl -in grundsätzlich-r B-schluß in Frag- kommt, ,° hand°tt -s sich zunächst um zwei bestimmte Gesuche auf Landgerechtsame. I Da/eine ist von Herrn Deuß in Hambuv^, das andere I von Herrn Schöller eingebracht. Das Deuß sche Gesuch I betrifft ausgedehnte Landkonzesswnen den Bau einer Elfem I bahn vom Nyassa nach dem Tanganjika und umfangreiche Verkehrsunternehmungen auf dem Nyassa, Schwe und Sam- I besi bis nach Chinde an dessen Mündung. Auf dieser langen Wasserstraße ist ein Zusammenarbeiten nut ber britisch- 1 afrikanischen Seen-Gesellschaft vorgesehen; auch ist der Zu- I sammenschluß mit der belgischen Katanga-Gesellschaft be- I abfichtigt. Das Gesuch der deutschen Gruppe geht aus auf Ueberlassung eines gewaltigen Landgebietes, das sich von der Südarenze Deutschostafrikas am Nyaffa bis fast zur Mitte I bes Tanganjika am 7. Grab nörbl. Breite erstreckt. Dieses Land würde etwa die Größe des Königreichs Bayern ei> 1 reichen. Deuß u. Co. wollen das Gebiet wirtschafttich erschließen und dazu ein Kapital von 200000 Mk. I aufbrinqen. Dagegen will die Gesellschaft von Transit- I rollen befreit sein unb verlangt bas Recht zur Erhebung von Ein- unb Ausfuhr-Zöllen. Erwähnt soll hier werben, baß schon in ben Beratungen der Budgetkommission des I Reichstags die Regierungsvertreter starke Bedenken gegen | | die volle Gewährung dieser Gerechtsame aussprechen. Auch I hat der Ausschuß der Deutschen Kolonialgesellschaft schon im März gegen dieses Gesuch bestimmte Stellung genommen. I Namentlich wurde dabei betont, daß durch die bezüglichen I Berechtigungen in Verbindung mit der Rhodes'schen transkontinentalen Bahn der Verkehr vom Innern nach der deut ch- ostafrikanischen Küste völlig aufgehoben würde. Hierzu soll I nur ein Gesichtspunkt hervorgehoben werden. In den Kolomal- I staaten, welche ältere Erfahrungen haben als wir, ist man längst davon abgekommen, solche ungeheure Länder an eine einzige Gesellschaft wirtschaftlich zu überlasfen. Diese großen I Gesellschaften bilden später ein Hemmnis für alle anderen staatlichen und wirtschaftlichen Unternehmungen. Gegen das Schöller'sche Gesuch liegen die gleichen Bedenken nicht I vor, da eine rein deutsche Gesellschaft ausschließlich auf deutschem Gebiet arbeiten will. _Znr Erwerbung der Karolinen. Auf einen telegraphischen Glückwunsch, den die Hamburg-Amerika-Linie aus Anlaß der Erwerbung der Karolinen-, Palaos- und Marianen-Jnseln für das Deutsche Reich an Se. Majestät ; den Kaiser gerichtet hat, erhielt Direktor Ballm folgende Antwort: ..Der warme Glückwunsch zu der Erwerbung der • I Karolinen-, Palaos- und Marianen-Jnseln, der Mir von Ihrer Seite zugegangen ist, zeigt Mir, daß die Bedeutung dieses Erwerbes für deutschen Handel und Verkehr und Mein unablässiges Streben zur Hebung derselben richtig gewürdigt worben ist. Ich danke deshalb bestens^ für das Telegramm mit dem Wunsche, daß die deutsche auch auf den Fahrten zu dem neuen deutschen Jnsellande von Gottes Segen begleitet fein möge. Wilhelm. sich aus dem 4. Stockwerk des Hotels Hungaria auf die (Strafte und blieb sofort tot. Gmnnd-n, 5. Juni. Aus d-m Traun-S-e kippte ein Segelboot um, wobei zwei Mädchen ertranken. Paris, 5. Juni. Der Ministerrat hat wichtige Entscheidungen getroffen: 1. Einleitung der gerubtüdjen Untersuchung gegen den General Pellieux wegeu( seiner Haltung im Esterbazv Prozeß, den er leitete; 2. Versetzung des Generals Roget, welcher bekanntlich in auffallender Nachsicht Deroulede bei dem Putsch-Versuch behandelt hat; 3. die Entlassung bes General-Staatsanwalts Lombarb wegen seiner Haltung im Döroulöbe-Prozeß, besonders wegen der Verdächtigungen, welche er sich gegen den Präsidenten der Republik in seiner Rede schuldig gemacht hat; 4 der Vorsitzende Tardive, welcher die Verhandlung un Dervuläde- Prozeß leitete, wird vor den obersten Gerichtsrat gestellt । werben, weil er bie Angriffe gegen Loubet nicht unterbruckte. Paris, 5. Juni. In der heutigen Kammersitzung hat der Justizminister beantragt, die Kammer möge erwägen ob es nicht angezeigt wäre, ein gerichtliches Strafverfahren gegen den früheren Kriegsminister General Merger emzu- leiten, wegen in Ausführung seines Amtes sich schuldig ge- mach Louerng^Iuni. Nach Privatmeldungen aus Johannis- I bura ist zwischen dem Präsidenten Krüger unb Milner I ein?vollstänbige Einigung in allen Fragen erzielt worden. I Morninq-Post" zufolge hat bie beutsche Regierung den Vereinigten Staaten eine Kabel-Station auf den Karolinen-Jnfeln gegen Abtretung einer Kabel-Station an Deutschland auf ben Philippinen angeboten. Petersburg, 5. Juni. Der ursprüngliche Anlaß der I Unruhen in Riga, die man in ihrer Bedeutung vielfach I unterschützt hat, waren Lohnstreitigkeiten, sowie die Erbitterung qeqen die Masse polnischer Fabrikarbeiter, die nach Riga strömten und in scharfen Wettbewerb zu den lettischen und zum Teil deutschen Arbeitern traten, indem sie mehrfach I auf den Lohn drückten. Riga zeigt in den Atzten Jahren I auf qroßgewerblichem Gebiete einen fast amerikanischen Auf- I schwunq. Eine ungewöhnlich große Zahl von Aroeltern ist insbesondere aus ben polnischen Jnbustriebezirken in ^das I Rigaer Gebiet geströmt und hat in die recht ungebildete I Arbeiterbevölkerung einen Geist der Unzufriedenheit gebracht, I der sich mehr aus Lust am Radau, als aus richtiger Er- , kenntnis der wirtschaftlich bedrängten Lage zu unüberlegten I Handlungen verleiten läßt. Die Arbeitgeber, zum weitaus ' größten Teil Deutsche und Engländer, behandeln un allgemeinen ihre Arbeiter europäisch. Der Fabrikinspektor in Riga, insbesondere der Oberinspektor Herr Ruma, ein früherer französischer Lehrer, stellt sich Nun recht offenkund^ auf die Seite der Arbeiter, sodaß diese zur Ansicht gelangten, die Regierung würde in jedem Fall auf ihrer (Seite stehen. Ein Arbeiterhaufe zog zum Gouverneur G. L. Ssurowzew, um ihm die Beschwerden der Arbeiter vorzutragen. Der Gouverneur empfing sie aber nicht und nun zog die Schar weiter, wobei es zu jenen ernsten, blutigen Zusammenstößen mit der bewaffneten Macht kam. — Die Studenten- unruhen im Reich, die mit Abschiebung der unruhigen Elemente ihr scheinbares Ende gefunden hatten, zeigten auch in Riga ihre Folgeerscheinungen. Die Arbeitermassen fanden in den Studenten Organisatoren und Führer. Die ganze Sache ist seitens der Führer der Bewegung sehr geschickt ins Werk gesetzt. Das schlimmste an der Sache ist, daß diese Arbeiterunruhen in Riga keine vereinzelte Erscheinung sind, sondern nur ein Symptom für eine tief, unb weitgehende Erregung und dumpfe Unzufriebenheit tm ganzen ' Reich. Die Stimmung hier in Petersburg ist angesichts biefer Erscheinungen eine sehr ernste auch in den höchsten am laut du Kreisen. Äüs^ dem Jahresbericht des Grofih. Hessischen Gewerbe-Inspektors der Gewerbe-Inspektion Gießen sür 1898 (die Provinz Oberhessen umfassend) (Fortsetzung). Wirkung der Buchdruckerei-Verordnung. Mit dem 1. August 1898 war bas Jahr abgelaufen, innerhalb besten bie bestehenben Buchbruckercien der Verordnung entsprechend eingerichtet werden sollten, beziehungsweise sich die Unternehmer durch die Großherzoglichen Kreisämter auf Antrag Erlaubnis zu Abweichungen von den Vorschriften erteilen lassen konnten. Hratisbeilageln Gießener^Famiilendiätter, Der hessische Kandwirt, Diätter für hessische Volkskunde. ____ Bäckereien. (Fortsetzung folgt). findet. Sie erledigen ihre erforderlichen Sonntagsarbeiten auf Grund des § 105c Absatz 1 Ziffer 4 d. Gew.-Ord. Diese Arbeiten dauern in der Regel angeblich nicht 3 Stunden. Die Molkereien des Bezirkes kommen, soviel wahrgenommen werden konnte, mit den Bestimmungen der Bekanntmachung vom 16. Oktober 1897 aus. Die erforderlichen Aushänge fehlten jedoch in mehreren Molkereien. Von der Befugnis des § 105c Absatz 1. der Gew.- Ord., namentlich der Ziffer 3 und 4, machen viele Betriebe des Bezirkes Gebrauch. Verschiedentlich stellte der Gewerbe- inspektor aber bei Revisionen fest, daß ein ordnungsmäßiges Verzeichnis, wie es § 105c Absatz 2. d. Gew.-Ord. vorschreibt, nicht geführt worden war. Von Anzeigen wurde vorerst abgesehen und es vorläufig bei ernstlichen Vorstellungen und eingehenden Erklärungen belassen. Wegen unerlaubter Sonntagsarbeit wurden im Berichtsjahre zur Anzeige gebracht: vier Bierbrauereien und drei x Mendorf a. d. Lda., 5. Juni. Auf Anregung bei । Herrn Kaufmann Moll dahier werden gegenwärtig Bei träge gezeichnet zur Gründung eines Verschönerungs Vereins „Lumdathal", der sich zunächst die Ausgal) stellt, an den schönsten Punkten der Umgebung von Allendois Londorf, Nordeck und Treis Ruhebänke anzubringen uni' alsbald ein Badehaus an der Lumda zu erbauen. H.L.R. Plenarsitzung des Hessischen Landwirtschaft8r°t? In der am 27. Mai ds. Js. in Darm stad t abgehaltener Plenarsitzung des Hessischen Landwirtschaftsrats wurde be- schlossen, an Großherzogliche Regierung einen Antrag zu richten, auf ausgiebigere Bereitstellung von Sträflingen der hessischen Strafanstalten einschließlich des Arbeitshauses in Dieburg zu landwirtschaftlicher Arbeit in der Umgebung; desgleichen auf Abstellung einiger bisher beim Bezug von Sträflingen zu landwirtschaftlicher Arbeit hervorgetretenen Mißstände. Ferner beschloß der Landwirtschaftsrat, bei Großherzoglicher Regierung dahin zu wirken, daß Gesuchen um Verwendung von älteren Schulkindern zur landwirtschaftlichenArbeit in den Hauptarbcitszeiten in möglichst weitgehendem Maße entsprochen werden solle. In der Maul- und Klauenseuchefrage wurde beschlossen, einen Antrag des Starkenburger Provinzialvereins bett. Wiedereinführung der Ursprungszeugnisse, einer lOtägigen Händlerstallquarantäne und Beschränkung der Viehmärkte bei Großherzoglicher Regierung zu unterstützen. Eingehende Verhandlung erfuhr der neue Körgesetzentwurf. Es wurden verschiedene Abänderungsvorschläge angenommen, die im großen und ganzen alle darauf hinaus gehen, die staatliche Faselkörung mit den Zuchtbestrebungen der landwirtschaftlichen Vereine in möglichst enge Verbindung und Fühlung zu bringen. So wurde namentlich beschlossen, daß die Wahl der Körkommissionsmitglieder vom Kreistag ans Vorschlag der landwirtschaftlichen Provinzial vereine stattfinden und die Kreistierärzte den Körkom- missionen als beratende Mitglieder beigegeben werden sollen, daß der Kreisausschuß vor seinen Entscheidungen in den Körgesetzangelegenheiten die landwirtschaftlichen Provinzial« vereine, den Provinzial-Ausschuß, eine hierfür einzusetzende Oberkörkommission anzuhören haben solle. Zur Förderung der Pferdezucht wurden die vom betr. Ausschuß gestellten Anträge angenommen. Entsprechend denselben soll die Unterhaltung der Fohlenweiden durch die landwirtschaftlichen Provinzialvereine erfolgen, die Abhaltung der Pferdeschauen und Prämiierungen dem Pferdezuchtverein übertragen und letzterer beauftragt werden, zur Förderung der Pferdezucht ähnliche Bestimmungen auszuarbeiten und dem Landwirt schaftsrat zur Beschlußfassung vorzulegen, wie dies für die Förderung der Rindvieh-, Schweine- und Ziegenzucht geschehen ist. Im diesseitigen Bezirk befinden sich 28 Buchdruckereien "mit zusammen 189 Arbeitern; davon sind: 25 jugendlich männliche Arbeiter, 159 erwachsene männliche Arbeiter und 5 erwachsene Arbeiterinnen. Die Zeitungsträger sind in dieser Summe nicht mitgerechnet. Der größte Betrieb davon zählte etwa in Summa 40 Arbeiter, ein anderer 20. Wirklich große Buchdruckereien befinden sich demnach im diesseitigen Bezirke nicht und nur einige derselben haben Stereotypieeinrichtungen. Es mußte wahrgenommen werden, daß nur sehr wenige Buchdruckereien ihren Verpflichtungen nachgekommen waren. Namentlich haben verschiedene Setzereien eine geringere Höhe, als 2,60 Meter, welches Maß in I. 3 der Verordnung als mindeste Raumhöhe vorgeschrieben ist. Die Unternehmer sind teilweise zu bequem, sich die gestatteten Abweichungen der Verordnung zu erwirken. Unglaublicherweise gab es sogar Unternehmer einiger kleineren Betriebe, die dem Beamten vorspiegelten, keine Kenntnis von der Verordnung zu haben, oder welche diese Verordnung nur auf fabrikmäßige Buchdruckereien bezogen. Es scheinen verschiedene Buchdruckereibesitzer erst auf die nötige Anzeige zu warten, um sich dann zur Erfüllung ihrer Pflichten zu bequemen. Wo Maschinensaal und Setzerei getrennt sind, befinden sich letztere in der Regel in einem besseren Zustande als die ersteren. Namentlich der Fußboden der Maschinenräume, welche der Verordnung nicht mit unterliegen, sondern dem §. 120a. d. Gew.-Ord. entsprechend einzurichten sind, ist oft sehr mangelhaft. Alte, dunkle, niedrige Räume sind für Aufstellung der Maschinen verwandt. Die Buchdruckerei-Verordnung schreibt unter I. 4 dichten und festen Fußboden vor, doch trifft man nie, daß die Dielen mit Nut und Feder ineinander gefügt sind. Außerdem würde es sich empfehlen, daß die Fugen zwischen den Dielen mit Asphaltkitt oder dergleichen verstrichen würden, damit eine feuchte Reinigung wirksam bliebe. Der Luftraum, welcher den Arbeitern zu gewähren ist, i war in allen Betrieben genügend groß. Doch fehlten meist noch die vorgeschriebenen Aushänge über den Rauminhalt. Ebenso läßt die Bekleidung beziehungsweise der Anstrich der Wände oft viel zu wünschen übrig. Auch viel Staub wird an Wänden und unter Regalen vorgefunden. Die üble Gewohnheit des Spuckens ist nicht beobachtet worden. Infolgedessen ist das Bedürfnis der Spucknäpfe im diesseitigen Bezirk nicht sehr erheblich, umsomehr, da die hiesigen Buchdruckereien wenig Leute beschäftigen und diese selbst anscheinend gut auf Ordnung halten. So sehr Spucknäpfe vom hygienischen Standpunkt auch zu empfehlen sind, muß man aber die Wahrnehmung machen, daß ihre Reinigung auf Schwierigkeiten stößt. Diese Arbeit will niemand ver- I richten. Es würde sich daher, soweit angänglich, vielleicht I empfehlen, Spucknäpfe von besonderer Konstruktion in Mund- I höhe anzubringen, welche durch eine sachgemäße Wasser- I spülung zu reinigen wären. Durch Spucknäpfe, welche auf dem Fußboden stehen, I gewähnt man die Arbeiter erst daran, auf die Erde zu spucken. I Sonntagsarbeit. Die Arbeitszeit in den Gewerbebetrieben des Bezirkes I ist in dem Berichtsjahre im allgemeinen verhältnismäßig I normal verlaufen. Nur wenige Betriebe haben, die Fälle I des § 105 c Absatz 1 Ziffer 1 bis 5 d. Gew.-Ord. aus- I genommen, um Erlaubnis zur Vornahme von Arbeit an I Sonntagen auf Grund der §§ 105 c Absatz 4 und 105 f I d. Gew.-Ord. nachgesucht. Einige Cigarrenfabriken baten um Erlaubnis, Sonntags I Cigarren sortieren lassen zu dürfen, da diese Arbeit besser I bei Tageslicht vorgenommen werden könnte und sie große I Aufträge hätten. Dazu ist zu bemerken, daß geübte Cigarren- I sortiererinnen nicht immer zu haben sind und sehr oft in I einer Cigarrenfabrik mehr Cigarren angefertigt werden, als I sortiert werden können. In allen Fällen erachtete jedoch die Verwaltungsbehörde die auf § 105k d. Gew.-Ord. ge- I stützten Gesuche nicht für begründet genug und versagte die I Erlaubnis. Das Bestreben der Behörden geht dahin, die I Sonntagsarbeit nach Möglichkeit einzuschränken. Viele I Arbeiter dagegen arbeiten Sonntags vormittags des Mehr- I Verdienstes wegen sehr gern. In vier Fällen ist aus Grund des § 105k Sonntags- I arbeit gestattet worden: I 1) Eine Ziegelei ließ an einem Sonntage 14 erwachsene I Arbeiter 8 Stunden lang arbeiten, um das Ver- I derben der zum Trocknen ausgelegten Ziegelsteine I bei drohendem schlechten Wetter zu verhüten. 2) Eine andere Ziegelei beschäftigte an demselben I Sonntage 20 erwachsene Arbeiter 7 Stunden lang I zu gleichem Zwecke. 3) Eine Steinhauerei beschäftigte an einem Sonntage I 2 erwachsene Arbeiter 12 Stunden lang, da ein I nicht vorherzusehendes Bedürfnis eingetreten war. I 4) Eine mechanische Werkstatt ließ 2 erwachsene Ar- I beiter an einem Sonntage 7 Stunden arbeiten, um I Montag früh den vollen werktägigen Betrieb wieder I aufnehmen zu können. Zu den Fällen 1), 2) und 4) ist zu bemerken, daß I diese Arbeiten schon auf Grund des § 105c Absatz 1 Ziffer I 3 und 4 d. Gew.-Ord. ohne weiteres gestattet gewesen wären. I Auf Grund der Bundesrats-Bekanntmachung vom I 5. Februar 1895, betreffend Ausnahmen von dem Verbote der Sonntagsarbeit im Gewerbebetriebe, sind unter H ver- I schiedenen Saisonbetrieben Sonntage zum Arbeiten frei ge- I geben. Von dieser Erlaubnis machten in der Stadt Gießen I laut erstatteter Anzeige Gebrauch: 26 handwerksmäßige Schneidereien an zusammen 87 Sonnt, und 5 „ Schuhmachereien an „ 10 „ Die Mälzereien des Bezirkes sind sämtlich mit Bier- I brauereien verbunden, sodaß auf sie die Bundesrats-Bekanntmachung vqm 27. November 1896 keine Anwendung I Schwurgericht. W. Gießen, den 6. Juni 1899. Der Vorsitzende, Herr Landgerichtsrat Sandmann, eröffnete heute vormittag 9 Uhr die Sitzung. Es wird verhandelt gegen den 23 Jahre alten Ludwig Göbct aus Frankfurt a. M. wegen Urkundenfälschung, Betrug und Diebstahl. Der Angeklagte ist mehrfach vorbestraft, u. a. auch wegen Betrug im Rückfalle. Die Anklage vertritt Herr Staatsanwalt Zimmermann; die Verteidigung führt Herr Rechtsanwalt Hoos. Es sind 17 J^ugen, meistens in Gießen wohnend, zu hören. Als medizinische Sachverständige sind im Saale anwesend: Herr Kreisarzt • Tie U i hause nach t ! Beteiligung I befanden sich : trage des : niederlegte, I tragenden \ | zahlreicher \ * Bi8v Die in nn Spitzmarke Notiz ul Gruftkap Mystifikatio gestellt hab, b'e Mffu: nommen. „./Ni vlsuiarcks unb Priester MMni Mr Litton ■ nsung der der Photva Die Fern den Lch^ und Läden Die Aufstk nut der Schrift Qt ftaheu, ge, drei Mim 'm Berkel geschieht d folgt durä sobald ia; Aach Schl, Höngen. i |i Vor 22 - der Dichter i widmete er I Mittenwalde > bei denen mal i Deine Wege" ■ i zeichnen, sichert f am V2. März Lokales und Provinzielles. Gießen, den 6. Juni 1899. ** Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der I Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung I vom 3. d. Mts. dem Generalmajor und Kommandeur der I 79. Infanterie-Brigade, v. Madai, seither Kommandeur | des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) I Nr. 116, das Komturkreuz 2. Klasse, und dem Oberst« I leutnant Hiepe vom Stabe des 7. Badischen Jnfanterie- I Regiments Nr. 142, seither Bataillons-Kommandeur im vorgenannten Regiment Kaiser Wilhelm, die Krone zum Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen geruht. ** Charakterverleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 30. Mai dem Rechner des evangelischen Zentralkirchenfonds und Hauptrechner der allgemeinen geistlichen Witwenkasse, Steuer- asseffor Adam Fuchs zu Darmstadt, den Titel „Rentamtmann" zu verleihen. ** Ruhestandsversetzung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 3. Juni den Ministerialrat im Ministerium des Innern und Vorsitzenden in dessen Abteilung für Schulangelegenheiten, Wil« ! Helm Soldan, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen Dienste, in den Ruhestand zu versetzen. •• Versetzt wurden am 31. Mai l. Js. der Steueraufseher Helm zu Pfungstadt in den Aufsichtsbezirk Mainz mit dem Wohnort Mainz; der Steueraufseher Lautz zu Mainz in den Aufsichtsbezirk Ober-Ingelheim mit dem Wohnorte Ober-Ingelheim. •* Von der Universität. In diesem Sommersemester (1899) sind 814 Studenten bei der hiesigen Universität immatrikuliert. Dazu kommen noch 36 nicht immatrikulierte Hörer, sodaß die Gesamtbesuchsziffer 850 beträgt. Gegenüber dem Sommersemester 1898, das bis dahin die höchste Hrequenz aufzuweisen hatte, ist die Zahl der Immatrikulierten um 80, d. i. ist um mehr als 10 Prozent, gewachsen. Von den Studierenden sind eingeschrieben in der theologischen Fakultät 67, juristischen Fakultät 190, medizinischen Fakultät 251, philosophischen Fakultät 306, insgesamt 814. * Der dritte Tag des Kriegerfestes verlief wie seine Vorgänger programmgemäß und zeigte einen sehr starken: Besuch. Am Abend übten die Vorträge des Bauer'schen । Gesangvereins sowie das von Herrn Buchbinder! Bourgeois arrangierte Feuerwerk besondere Anziehungskraft aus und ernteten den verdienten Beifall des Publikums. Der Vorsitzende des Kriegervereins, Herr Mayer, nahm vor Schluß dxs Festes Veranlassung, den Vereinen und allen, welche zum Gelingen des Festes und zu dessen Verschönerung beigetragen, insbesondere auch den Gießener Turnern und dem Bauer'schen Gesangverein herzlichen Dank auszusprechen. — In der Liste der in vor. Nr. verzeichneten Ehrenmitglieder ist noch der Name des Herrn Heinrich Bender nachzutragen. ** Feuer. In Allendorf a. d. Lahn brannten gestern abend nach 10 Uhr vier Scheuern ab. Seitens der hiesigen Feuerwehr waren Vorkehrungen zur Hilfeleistung getroffen. ** Abonnements Konzerte. Wie aus dem Inseratenteile ersichtlich, ist es Herrn Musikdirektor Krauße gelungen, I für das 1. Abonnements-Konzert, welches Donnerstag den I 8. Juni in Steins Garten stattfindet, den Cornet- ä Piston- I Virtuosen Herrn Louis Kümmel aus Darmstadt zu gewinnen. Herr Kümmel (Mitglied der Darmstädter Hofkapelle), ein Piston-Virtuose allerersten Ranges, verfügt über I einen wunderbaren weichen Ton und eine geradezu ver- I blüffende Technik, welche die Zuhörer überall, wo Herr I Kümmel auf seinen Kunstreisen im In- und Auslande auf- I getreten ist, in wahres Staunen versetzt. Das Programm I bringt außer Meisterwerken von Mendelssohn, Weber, I Wagner rc. für Militärmusik zum erstenmale die herrliche Peer Gynt-Suite I von Eduard Grieg zu Gehör, worauf I hier besonders aufmerksam gemacht wird. Die „Oberhcss. I Zeitung", Marburg, wird Herrn Kümmels Leistungen in I folgenden Worten gerecht: Besonders aber machte sich I unser verehrter Gast, der Piston-Virtuose Herr Kümmel, I der aus'Darmstadt herüber gekommen war, verdient. Seine I Vorträge, die biegsame Weichheit mit seelenvollem Ausdruck I und nie versagender technischer Virtuosität vereinigen, ent- I zückten das Publikum dermaßen, daß sich der Künstler nur I dadurch vor dem Beifallsstürme retten konnte, daß er von I neuem sein Instrument an die Lippen setzte . . Seine Vortragsweise ist eine wirklich vollendete, die Töne auf dem Piston sind forte wie im piano rein und klar, die Sicher- I heil in den Uebergängen und die Modulation sind ganz vorzüglich. ** Gesaugskonzert. Wie aus dem Inseratenteil der vor« I ! liegenden Nummer ersichtlich, findet am Freitaa in Garten ein Konzert des Südd°u.sch7?Mzk Quartetts statt. Daß dem die Gesangskunst Publikum ein ganz besonderer Genuß in Aussicht stebt aus den günstigen Besprechungen hervor, welche den überall, wo sie auftraten, zu teil wurden. So schreibt „Leipziger Tageblatt": Das bei uns bisher noch wenm i kannte Süddeutsche Männer-Doppel«Quartett unter Direktion des Herrn Eugen Hagen aus Karlsruhe gestern abend zusammen mit Erdmann Hartmanns Wr- ein Gartenkonzert bei Bonorand. Das DoppelQuart^ verfügt über alle Eigenschaften, die man nur von em^ vorzüglichen Sängerensemble verlangen kann: Eine emiguug von prächtigen Stimmen, die alle wohlqescbu:' ' sind, nie wankende Sicherheit und Reinheit im Gesanae un eine geradezu ideale Textaussprache. Jede Nummer n>s bis ins kleinste sorgfältig ausgearbeitet, und die Herrs vergaßen fast nie, daß sich im Quartett der einzelne fe Gesamtheit unterordnen muß, wodurch dann ein wahrba» künstlerischer Erfolg erzielt wurde. Dabei beherrschten Herren ernste, getragene Gesänge genau so gut, wie hum ristische in der Art der Vorträge des bekannten Udelquarteä denen übrigens diese Künstlervereinigung unter Herrn Eu«, Hagens Leitung nicht nachsteht. Die feinen Schattierung in Storchs „Nachtzauber" und „Ritters Abschied" von Kinlel kamen bestens zur Geltung, und der ausgelassene Huwoi in Peuschels „Am fidelen Stammtisch" fand in den sg deutschen Sängern ausgezeichnete Interpreten. Mit Netzt zollte das andächtig lauschende Publikum wärmsten Beisch und nötigte dem Doppelquartett manche Zugabe ab, denen ganz besonders das urkomische „Jettchen" stürmische Heiterkeit hervorrief. Wir wünschen nur, daß die aug zeichnete Künstlerschar hier beim Publikum das verdien,c Interesse finden möchte, damit wir sie bald wieder in unfern Mauern begrüßen können. ** Die Briefträger der Reichspostverwaltung, die seit her mit einem festen Bestände von Postwertzeichen zu 10 Pfg., Kartenbriefen und Postkarten versehen waren, haben von jetzt ab auch 5-Pfennig-Freimarken zum Verkauf an das Publikum mit bei sich zu führen. Diese Neuerung ist veranlaßt durch den steten Mehrverbrauch der genannten Postwertzeichen zum Frankieren der Ansichts Postkarten. I fr-pl r f»1 ® be 'S-*1: i Sä* 'Ä Im Wfl , unb ** 11 . .« habe", I haben, ; schale'^ ' Fortgänge : später m W i pro Jf 1 I 4 Iah« : jn6 Wsenht i einen Nnrci r hier ließ der i Eltern # die Schale b : in die Lehre, i Sroßen-Lmd' »verbrecherisch , so er einige • der Vorn, । häufig Mom i sei und in I Rebe stehende ; klärt aber die S Momente infj : Urfunbenfälfd : folge des Ges ; uchmng der : mdipWn < ! gitbt, b$ bei i mit grvM - i Vernehnmg sicher Prahll ; hingekommel I hinterlassen >• fe rben gkM-, Verschön Dv$ii6erf orn, Professor Dr. Sommer und Sanitäts- rat' r ch m i d t - Frankfurt a. M. Der Thatbestand der Äntükje ist der folgende: Göbel war Ende 1898 provisorisch alsp brsbursche im chemischen Untersuchungsamt zu Gießen bcksWigt. Er erhielt von Dr. Strauß, dem Assistenten des,- Loistehers des Amtes zwei Steuerzettel mit den ent- fpruskuben Beträgen und dem Auftrag, diese an der stäiltchhin und staatlichen Kasse abzuliefern. Der An- gdMIijle gesteht zu, diese Beträge nur teilweise bezahlt uttitio ti( Quittungen gefälscht zu haben. Weiter gesteht beir Angeklagte zu, sich zwei Anweisungen ausgcfertigt unito mit dem Namen des Dr. Günter unterzeichnet zu; äiiEnen, auf Grund deren ihm die Firmen Buch uneßilfaffer Kleider im Betrage von 23 Mark ausgehändigt haM Bei dem Diebstahl handelt es sich um eine Platin- scht'iale im Werte von 120 Mark, welche Göbel bei seinem Fchchmge dem Untersuchungsamt gestohlen hat, um sie fpi'iiüir in Hanau für ca. 100 Mark zu verkaufen. — Der Avdiz-kla^te erklärt, er habe im chemischen Untersuchungsamt peju Zag 2 Mark verdient. Er verlor, als er noch nicht 4 I.^hne alt war, den Vater und kam nach Aschaffenburg in "Z Waisenhaus. Nach 5 Jahren heiratete die Mutter eututn Bahnwärter, der in Dortelweil stationiert war, und hi ließ der Stiefvater den Angeklagten hinkommen. Die ©lirtirn -zogen dann 1888 nach Großen-Linden, wo Göbel di ^Fchule besuchte, er kam dann außerhalb als Schlosser in o '!k Lehre. Ende 1894 ohne Arbeit bei den Eltern in GKOn Linden sich aufhallend, begann der Angeklagte seine veMkucherischen Wege einzuschlagen. Er will in Elberfeld, wi« tr sinige Monate in Arbeit stand, gestürzt sein und hat tun ter Voruntersuchung behauptet, daß er in Folge davon hiMg Momente habe, wo er geistig nicht zurechnungsfähig ff? und in solchen Dämmerungsmomenten habe er die in feh sehenden Strafthaten begangen. Der Angeklagte er- ficriirt aber diese Angabe für unwahr; er habe zwar solche LktMutje infolge des Sturzes häufig, jedoch habe er die U »Mtiiifälschungen mit vollem Bewußtsein ausgeführt. Info uhe btis Geständnisses des Angeklagten wird auf die Ver- ncchuiuwi der meisten Zeugen verzichtet, ebenso auf die der nuslijini fdjen Sachverständigen. Die Beweisaufnahme er- daß der Angeklagte bei Verwertung der Platinschale miil grtlßem Raffinement verfahren ist. Weiter wird durch Vdmehmung von Zeugen festgestellt, daß Göbel ein fürchter- li,Hr Prahlhans und Renommierheld ist, der, wo er auch h'Mlmumen, stets sehr aufgeschnitten und den Eindruck hiM!e,ffen hat, als ob er an Größenwahn litte. ■XT Iw MN. e. ,‘QlL ■w. H. «Oh: r. Mdkit jyH' ■I(t. »i K11?" L W gut, ME ■pUW/; I?" M 1 nut, hb- Mblikiun. | bald üitt ftvnw^. 'n Wt irten cif. g'Ftrik ßch zu. tenMehl inficren > zuW^! ngebung pd.i L infe anjubne. zu ertii» n Üanböirrti fafttoals ip.:. g einen Äiih. vvaSWN Wtifr Itbtitin einiger ftlilhnM er ßanfc; zu wck -chul! prochc! ze v»ö« rotiinjii^ ■ lifft, ff •= ■ung tc <- lerM^ introurj. 6- ngtuM । gkhu, ’ i der inbung $ ÖDOl N,j-J 'orjtt eax;, jdflW ,r'' - tnfdb?n aadlvitl^. libtdro^ gdttM htm vieE ) Maizu» Aus der Zeit für die Zeit. Vs'c 223 Jahren, am 7. Juni 1676, starb zu Lübben dem Dichter Paul Gerhardt. In Grimma gebildet, toidiucti er sich der Theologie und ward Geistlicher zu RLÜNmwalde in der Mark. Seine Haus- und Kirchenlieder, becä benen man blos an das köstliche, tröstliche „Befiehl Du D-Link Wege" zu denken braucht, um ihren Wert zu be- ze-chcn„ sichern ihm dauernden Ruhm. Gerhardt wurde arm 12. März 1607 zu Gräfenhainichen i. S. geboren. Vermischtes. * °Die Ueberfiihrung der Leiche Klaus Groths vom Sterbe- h.ümic mach dem Friedhof hat Montag mittag unter großer Billigung aus Stadt und Land stattgefunden. Im Zuge HMHndtn sich Oberpräsident v. Köller, welcher im Auf- tiffi ige des Kaisers einen prachtvollen Kranz am Sarge nitsMegte, der akademische Lehrkörper, sämtliche farben- truagtnbien studentischen Verbindungen und Abordnungen zchAcither plattdeutscher Vereine. ' Bismarck-Mausoleum. Die „Hamb. Nachr." schreiben: TW in unserer vorgestrigen Morgennummer unter der SSs^arke „Bergedorf" im Tagesbericht abgedruckte 99t eli g über die bereits erfolgte Eröffnung der GS iiifilkapelle in Friedrichsruh beruht auf einer NWißikation. Wie wir durch direkte Erkundigungen fest- haben, hat Fürst Bismarck noch keinen Termin für d m Zulassung von Besuchern zur Kapelle in Aussicht gern isMea. * Kurze Nachrichten. In der Zivilklagesache der fürstlich Mim ar ck sch en Erben gegen die Photographen Wilcke u।iu) 0 riefter wegen Herausgabe der Platten und photo- gigwhisschen Aufnahmen der Leiche Bismarcks auf dem Toten- b'iäi verwarf das hanseatische Oberlandesgericht die Be- mujing der Beklagten als unbegründet unter Verurteilung dnnKihotographen in die Kosten des Revisionsverfahrens.— Äksi Fernsprech-Automaten sind nunmehr zu Berlin in d »üschaltervorräumen von Postanstalten, in Gastwirtschaften uot Läden zum Gebrauch für das Publikum bereitgestellt. Äktt Aufstellungsorte sind durch emaillierte Fahnenschilder niÄ den Aufschrift „Fernsprech-Automat" in schwarzer (s$nf[t auf weißem Untergründe, mit roten Anfangsbuch- fiioüiL gekennzeichnet. Die Gebühr für ein Gespräch von d M Minuten Dauer beträgt im Stadtverkehr 10 Pfennig, i N bnrkehr mit den Vororten 20 Pfennig. Der Anruf flpföiei&t durch Abheben des Fernhörers. Die Zahlung er« f::oo^t ildurch Einwerfen eines oder zweier Zehnpfennigstücke, fijohlbi das Vermittlungsamt ausdrücklich dazu auffordert. 3 SM Schluß des Gesprächs ist der Fernhörer wieder an]uni $ iim'8 b 'S-* ziichngzen. ¥ Gefälschte „neue" Kartoffeln. In der altgriechischen vNiemvelt war Hermes gleichzeitig der Gott des Handels uind doer Gott der Diebe. Wenn man an das Maß der h iM Mgtäglich verübten Nahrungsmittelverfälschungen denkt, f d ’amn man eigentlich einen Trost darin sehen, daß schon i'n Altertum die Verknüpfung von Handel und Diebstahl f ite der schlechten Subjekte innerhalb der menschlichen (WMschast einen solchen Ausdruck gefunden hat. Selbst- t »Midlich haben die alten Griechen damit gegen die ehren- Vertreter des Kaufmannsstandes ebensowenig etwas sagen wollen, wie wir heute. Es ist aber wirklich unglaub lich, welch eine Summe von Scharfsinn aus die Herstellung verfälschter Nahrungsmittel verwandt wird, um ein Produkt teurer zu verkaufen und infolge dessen einen höheren Gewinn daraus ziehen zu können. Daß unsere Leser auch mit den „neuen" Kartoffeln, die sie sich in diesen Wochen munden lassen, unter Umständen betrogen sein können, dürfte ihnen eine ebenso unerwartete wie unliebsame Enthüllung sein. Die Vorliebe für die Erstlinge unserer Gemüse, übrigens auch anderer Nahrungsmittel, hat in den Großstädten in der letzten Zeit ganz außerordentlich zuge- nommen, und sie stehen hoch im Preise. Daraus ergab sich von selbst, daß der Anreiz zur Fälschung für die Betrugskünstler ein besonders starker wurde. Sie haben denn auch ganz achtbare Erfolge aufzuweisen. Man glaube also ja nicht, daß die ersten im Frühjahr aufgetischten neuen Kartoffeln notwendig jung fein müssen. Auch alte Kartoffeln können unter der geschickten Hand des geübten Fälschers eine ganz täuschende Ähnlichkeit mit den „neuen" gewinnen. Vor Beginn des Frühlings übersieht der auf Betrug bedachte Händler seinen Kartoffelvorrat aus der vorjährigen Ernte, wählt die schönsten aus, schält sie, und giebt ihnen durch sorgfältiges Beschneiden die gewünschte Form, worauf noch die beim Schälen bleibenden Ecken und Schnittflächen durch Druck geglättet werden. Dann werden sie in gute Gartenerde hineingelegt, der gewisse chemische Stoffe beigemischt sind. Die Zusammensetzung letzerer ist nicht immer die gleiche und wird als wichtiges Geheimnis von jedem Eingeweihten verschwiegen. Nun besorgt die Natur das Uebrige. Nach etwa einer Woche haben sich die künstlich verkleinerten Knollen mit einer feinen Haut überzogen, die der junger Kartoffeln leider außerordentlich ähnlich sieht. Dann sind die „neuen" Kartoffelln fertig und brauchen nur noch auf den Markt und zum Verkauf gebracht zu werden, .was beides bei dem großen Begehr für die Ware nicht schwer fallen kann. Wir wissen nun nicht, inwieweit solche Fälschungen schon bei uns Eingang gefunden haben, und können das Geheimnis des Verfahrens nicht verraten, weil wir es selbst nicht wissen. Thatsache ist, daß in Paris die Fälschung neuer Kartoffeln einen ziemlich bedeutenden Umfang gewonnen hat, so daß ein Chemiker im dortigen „Cosmos" bereits ein Klagelied ertönen läßt, am Anfang des 20. Jahrhunderts würde man wahrscheinlich schon gefälschte Beefsteaks ohne Fleisch zu sehen bekommen. Uebrigens ist die Umgestaltung alter Kartoffeln zu jungen nicht ganz neu, nur war man früher ungeschickter darin und versuchte es nur damit, die besonders kleinen Kartoffeln von der Ernte zurückzubehalten und dann nach einer gewissen Behandlung im nächsten Frühjahr als neue zu verkaufen. Unseren Behörden, die der Nahrungsmittelverfälschung äufzupassen haben, müssen wir jedenfalls zurufen: Videant consules! Eingesandt. Gießen, 6. Juni 1899. Radsport. Die „Wanderer", Gießener Radsahr-Grsellschast, haben sich an dem Bezirkösest in Alsseld am 4. d. MtS. nicht beteiligt, weil sie dem am gleichen Tage sein 25jährigeS Jubiläum feiernden Kriegeroerein Gießen auf dessen Aufforderung hin versprochen hatten, an seinem Ehrentage hier in Gießen mttzufetern und es als selbstverständlich ansahen, diese Zusage einem heimatlichen Vereine gegenüber unbedingt hochzuhalten. — Bet dem BeztrkSfeste in Wetzlar am 7. Mat d. I. sind die „Wanderer", G.-R.-G., dagegen in radfportlicher Beziehung tn die Konkurrenzen mit eingetreten und haben sowohl im Reigen-, wie auch Im Korsofahren tn geradezu glänzender Wetse gesiegt und htrr jedeSmal den 1. Preis erhalten. — An dem PreiSkorso tn Gießen am 23. Aprtl d. I. haben sich die „Wanderer", G.-R.-G., selbstverständlich nicht in Konkurrenz beteiligt, denn eS war dies nicht ein Gau-Korso, wie gestern an dieser Stelle irrtümlich berichtet wurde, sondern eine Veranstaltung der „Wanderer" selbst, bet der alle Preise den auswärtigen Gästen zugedacht waren. Im allgemeinen ist eS überhaupt nicht üblich, daß bet derarttgen Veranstaltungen etnheimtsche Vereine mitkonkurrieren, da eS für diese natürlich leicht ist, sowohl hinsichtlich der Anzahl der Fahrer, wie auch hinsichtlich aller übrigen in Betracht kommenden Momente eS den auswärtigen Gästen zuvor zu thun. Der hiesige Radfahroerein 1885 ist bet dieser Veranstaltung der „Wanderer" allerdings gegen die auswärtigen Vereine tn den Wettbewerb etngetreten; wenn aber gestern berichtet wurde, daß er hierbei den zweiten Preis errungen habe, so ist dies nur bedingungsweise richtig, da von dem Radfahrer Klub Butzbach rechtzeitig Protest erhoben wurde, der heute noch nicht erledigt ist. Die „Wanderer", G. R.-G., deren Thatkraft wir in erster Linie den Bestand des erstklassigen Sportplatzes an der Hardt zu verdanken haben, welcher alljährlich tn eminenter Weise die Sportfreunde von hier und auswärts anzteht und so einen wesentlichen Faktor nicht bloS tn sportlicher Beziehung allein für die hiesige Stadt bildet, haben in der kurzen Zett ihres Bestehens wiederholt gezeigt, daß sie überall da, wo sie tn Konkurrenz treten, mit an der Spitze maschieren, so z. B. auch bei dem Gau-Reigenfahren am 23. Aprtl d. I. hier in Gießen, wo sie bet wirklich vorhandener starker Konkurrenz von zehn Vereinen mit dem zweiten Preise ausgezeichnet wurden, während der erst« Preis nach Darmstadt fiel und den dritten und vierten Platz in dieser Reihenfolge der Bicycle-Klub Nauheim und der Radfahroerein 1885 Gießen belegten. In der Geschichte des großen Deutschen Radfahrer-Bundes steht es wohl einzig da, daß ein junger Verein sich in so kurzer Zeit solch großer Erfolge in sportlicher Beziehung erfreuen kann, wie dteS bet den „Wanderern", Gießener Radfahr-Geselltchaft, der Fall ist. Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemessen am 5. Junt, zwischen 11 u. 12 Uhr mittags: Waffer 18°, Luft 21 V»°. Rübsamen'sche Badeanstalt. Neueste Meldungen. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 6. Juni. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, wird bei Beginn der heutigen Reichstags-Sitzung Staatssekretär v. Bülow über das deutsch-spanisch e Südsee-Abkvmmen Mitteilung machen. Berlin, 6. Juni. Der abgelaufene Handels- und Schiffahrts-Vertrag zwischen Deutschland und Uruguay ist auf unbestimmte Dauer und mit einjähriger Kündigung wieder in Kraft gesetzt worden. Berlin, 6. Juni. Die Spieler - Affaire von Kayser und Genossen wird wahrscheinlich vor den Gerichtsferien nicht mehr zur Verhandlung kommen. Die Hauptverhandlung wird große Dimensionen annehmen. Es sollen 80 Zeugen geladen werden. Triest, 6. Juni. Der österreichische Dampfer „Silesia" hat 720 Meilen von Brasilien entfernt, einen französischen Dampfer, der von Colombo nach Bordeaux unterwegs war, mit 700 Passagieren an Bord, und mit zerbrochener Schraube angetroffen. Der österreichische Dampfer nahm den französischen Dampfer ins Schlepptau. Budapest, 6. Juni. Wie verlautet, hat ein neuer Kompromiß-Vorschlag, den Szell gut geheißen hat, alle Aussicht, von der österreichischen Regierung angenommen zu werden. Haag, 6. Juni. Die ersten acht Punkte des Mediations-Entwurfes wurden mit einem Amendement des Grafen Nigra angenommen. Paris, 6. Juni. In den Wandelgängen der Kammer verlautete gestern, daß sich die Regierung augenblicklich mit der Frage der Maßregelung des Generals Zur lind en beschäftigt. Zurlinden wird jedenfalls seines Postens als Gouverneur von Paris enthoben werden. Paris, 6. Juni. Die gestrige Kammersitzung, welche zeitweise einen sehr stürmischen Verlauf nahm, beschäftigte sich zunächst mit einer Interpellation über die Vorgänge am Sonntag bei dem Rennen in Auteuil, die von dem Abgeordneten Laloge besprochen wurden. Derselbe wurde fortwährend durch Zwischenrufe der Monarchisten und Antisemiten unterbrochen. Der Abgeordnete Langentaye beschimpfte Loubet und wurde durch Kammerbeschluß von der Sitzung ausgeschlossen. Da er den Sitzungssaal nicht verlassen wollte, suspendierte der Präsident Deschanel die Sitzung und Sargentatje wurde gewaltsam entfernt. Während dieser Pause kam es in den Wandelgängen zu Manifestationen. Eine halbe Stunde darauf wurde die Sitzung wieder ausgenommen, und Dupuy schilderte die Skandale vom Sonntag. Er führte aus, es werde die Sorge des Untersuchungsrichters sein, die Spuren des Komplottes zu suchen. Es seien gewisse Klubs geschlossen worden. Dupuy acceptiert alsdann eine Tagesordnung, in welcher die vorgestrigen Vorgänge gebranbmartt und der Regierung das Vertrauen der Kammer ausgesprochen wird. Der Minister-Präsident rechtfertigt im weiteren Verlauf die gestrigen Beschlüsse des Ministerrats und erklärt, daß er 1894 nur das Bordereau gekannt habe. Es gelangten alsdann mit großer Majorität verschiedene Anträge zur Annahme, welche der Regierung das Vertrauen der Kammer aussprechen; die Strafverfolgung Merciers wird darauf mit 299 gegen 230 Stimmen vertagt bis nach dem Zusammentritt des Kriegsgerichts in RenneS. Schließlich wurde noch um 8 Uhr beantragt, das Urteil des Kassationshofes in ganz Frankreich öffentlich anzuschlagen. Dieser Antrag wurde mit 307 gegen 209 Stimmen angenommen und alsdann die Sitzung geschlossen. Paris, 6. Juni. Die gesamte radikale und fortschrittliche P r e s f e beglückwünscht die Negierung zu dem energischen Eingreifen in die Dreyfusangelegenheit. Die Presse erklärt, es sei an der Zeit, nunmehr mit eiserner Faust Ehrfurcht vor dem Gesetz vor allem zu erzwingen. Die Armee, erklären die Blätter, ganz besonders die Mannschaften und der größere Teil der Offiziere sind der Regierung dankbar dafür, daß sie selbst die nötigen Schritte thut, die Armee aus der Affaire herauszuziehen, indem sie die Schuldigen, wie hochgestellt sie auch sein mögen, vor die Richter stellt. Im übrigen hat die Haltung Dreyfus', der ebenfalls Gerechtigkeit von seinen Kameraden fordert, in militärischen Kreisen den besten Eindruck gemacht, man fühlt, daß Dreyfus keineswegs, wenn er auf freien Fuß gesetzt wird, an die Spitze der Armee sich stellen wird. Paris, 6. Juni. Die Kundgebung der Royalisten auf dem Rennplatz in Auteuil wird in politischen Kreisen als ein Versuch, einen allgemeinen Umsturz ins Werk.zu setzen, bezeichnet. Die Polizei ist bereits auf der Spur des ganzen Komplottes, und weitere Verhaftungen sollen bevorstehen. Paris, 6. Juni. Bei dem Polizei-Offizier G r i l l e r e s, der von einem royalistischen Kundgeber einen Schlag erhalten hatte, hat sich starkes Fieber eingestellt. Sein Zustand ist hoffnungslos. Paris, 6. Juni. Aus Cayenne wird gemeldet, Dreyfus wurde gestern der Militär-Behörde überliefert. Er befindet sich auf der benachbarten Königsinsel, von wo er sich am Donnerstag nach Frankreich einschiffen wird. Paris, 6. Juni. Es ist jetzt festgestellt worden, daß sich an den Kundgebungen in Auteuil drei Offiziere beteiligt haben. Dieselben sind verhaftet und werden noch in der ersten Hälfte dieses Monats vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Brest, 6. Juni. Der Unterpräfekt, der Zentral- Kommissar und der Hafen-Kommissar hatten gestern eine Unterredung bezüglich der Maßregeln im Augenblick der Landung von Dreyfus. Dreyfus wird sofort nach der Landung in die Hände des General-Kapitäns der Stadt Rennes überliefert werden. London, 6. Juni. Der Dampfer „Paris" sitzt noch immer auf der Manakles Insel fest. Er hat noch genau dieselbe Lage wie gestern, und man ist augenblicklich damit beschäftigt, die umliegenden Felsen zu sprengen, um die Flottmachung des Dampfers zu ermöglichen. Bekanntmachung vormittags 11 Mr. 1. AbOHllCllKHltS - KoHZeH steigert werden. L 4486 Gnauth. Steins Karten. - Gießen Telegraphist Becker und Frau. 4480 4478 Stadt. Schlachtham Heute und morgen: 4485 Einladung Sotider Arbeiter für sofort gesucht. 4487 Hrinkt nur 4328 Tiefenweg 4, Kcke Rahnhofstraße. 9 Uhr, im Löwen: Redaktion: E. Burkhardt. — ®n,d Verlag der «rühl'schen UmverfitätS.Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erden) in Gieß«. MrfleigkrmlM Uhu |i fr hin ii ij en Vermietungen Wietge juche (Offene Stellen Strllen-Gesuche Uereine Zn verkaufen ^lioN 5 Der Wostnungs-Ausschust. I. A.: Herm. Eichenauer, 1. Vorsitzender. _ -----, Ausgewählter Spielplan. aaw N-giments-MuM. Hk * Entree 20 Pfg. Die Großh. Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, dieses veröffentlichen zu taffen. Gießen, den 6. Juni 1899. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Die diesjährige Grasuutzuug vo» den Schneisen re. des Gieheuer Stadtwaldes soll 02ü78l Kaute Mist zu verkaufen. Marktplatz 23. nur Solisten der renommiertesten Opernbühueu unter Direktion des Herrn Gugen Kagen aus Karlsruhe Samstag den 10. Juni 1899, - im Saale des alten Rathauses öffentlich versteigert Daß Lerwickelui hat wohl i Augen Der die öffentli als die Dreyfus e giebt befa' allen M belassen zu zeugenden lassen will, seit dem s Wendung ei i«et titytl Di platze Mr Grolls an, daß Hinte: bie freilid hatten. $ Der die öffentl gewinnen, er dürste gelingen i anläßlich i zu feinen 6 iveniglttnS t des Präsiden znsühren toi' Sache hat l buche sich Vaterlande Auch Augen geö gegenüber noch recht sowie das Verhandln dem leicht an und f Dupuy se praktisch ! schwierig nicht um K,n'as Dir ei*^1 bdi-k Heugras- Berfteigerung der Fürstlich Lolmstscheu Reulei Lich. Das Heugras von den Fürstlichen Wiesen rc. wird versteigert: Douuerstag deu 15. 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