kappe unn Fausthandschuh unnernemme misse. Obgleich fer dies Jahr Widder en große Maikäferflug vorausgesagt is, so hawe sich doch die „Kläwern" — wäi merr se bei uns haaßt, — noch net blicke lasse unn nirgends is ahm das Liedche entgegegeteent: Kläwerche, Kläwerche, flie, Dein Vadder is im Krieg, Dei Mudder is im Bommcrland Unn Bommerland is abgebrannt. Die Kläwern kenne stolz druff sei, von de Kinner im Lied verherrlicht zu wem; verdiene dhun se's awer wahr- hafdig net, um namendlich dann net, wann se in so ferch- derliche Masse aageschwirrt komme unn alles vermieste. Trotzdem schenkt die Jugend dene liewe Dhierercher ehr ganz Uffmerksamkeit unn mir in Giesse kenne uns net rihme, daß merr se allaa so schee besinge, dann in annere Gegende hott merr ähnliche Maikäferlieder. Am Ueberrhein singe die Kinner: Türkenmännchen, flieg hinweg, Die Weiber mit den Stangen Wollen dich empfangen; Türkenweibchen, flieg hinweg, Die Männer mit den Spießen Wollen dich erschießen. Flieg in den Himmel, Bring' mir 'n Sack voll Kümmel, Tunk ich meinen Weck hinein Bei dem roten kühlen Wein. E anner Liedche laut: Maikäferchen, Maikäferchen, fliege weg, Dein Häuschen brennt, Dein Mütterchen flennt, Dein Vater sitzt auf der Schwelle, Flieg in Himmel aus der Hölle. Die Frankforder, bei dene 's bekanntlich kaa „Käfer"" sonuern „Käwer" gibt, hawe folgendes draus gemacht: Maikäwerche, flieh eweck! Dei Häusi brennt, Dei Mudderche flennt, Dei Vadderche sitzt uff Schawelle, Flieh hoch in alle Hölle. unn da bei de Frankforder die Schawell (Schemel) e greeßer Roll spielt wäi die Schwell, so hawe se des Vadderche uff die Schawell gesetzt unn lasse des Maikäwerche hoch in alle Hölle fliee. Schee sinn die Liedercher, ahnerla ob von Käferchen oder von Käwerche drinn die Redd is, de packenste Ausdruck fer Maikäfer awer hawe unstreitig mir Giesser, dann in dem Wördche „Kläwer", da liegt Kraft unn Saft unn Medall drinn! Wammer zwar sonst -grab net so arg uff die Aakunft von de Kläwern versesse is, so möcht' merr doch fer diesmal wünsche, sie keeme recht bahl unn brächde uff ehre braune Flitch de holde Mai mit, nach dem merr uns all so sehr sehne! Es hott sich die Nadur geerrt; De Mai will net zum Vorschei komme; So lang ka ahnzig Kläwer schwerrt Hott merr vorn Mai noch nix vernomme. Doch wann im Sonneschei unn Duft Der Bliedhc froh die Biene summe Unn in de linde Awendluft, Die Klawernschar dhut lustig brumme. Unn wann die Fresch im stille Deich Melodisch quake unverdrosse — Dann hott de Mai im ganze Reich Sich alle Herze uffgeschloffe! l Siebenen; liebte ritaJ uuifen. Siebenen: aber. 011» 6”‘* ♦ evoller und ehren! Beerdigung unfr Arth iM'tW I rewoh* abt per*^- .1. 3788 W< - Hintttbliebenni: Dr. Garth. 1899. M tünch/ M to 8t» stM Mn Wl W?ern vührai ihlreichm Mm 5aalbaT 1899: inzer Dgr Krauss6- n 11 7 ß-boli • a (nee T. r »r. 107 Zweites Blatt Sonntag den 7. Mai 1899 Meßmer Anzeiger Heneral-Anzeiger Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Aez»g-,reiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. louahme von Anzeigen zu der nachmittag- für den schenden tag erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr. FtMetat ttßNch mit Ausnahme des Montag- Alle Anzrigen.VermittlungSstellen de- In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Die Gießener -emtlienßtLtter »aden dem Anzeiger »schentlich viermal beigelrgt. Zkints- und Zlnzcigeblntt füt? den Tiveis Gieren. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schutfirahe Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51. Die Krifis in Italien. Ministerkrisen sind im Lande jenseits der Alpen nichts »gewöhnliches, und haben auch im allgemeinen nicht viel M sich, da für jede Kammermehrheit Männer vorhanden sind, welche die Leitung der Regierung zu übernehmen bereit sind. Crispi, Giolitti, Rudini, Sonnino stehen immer auf lim Sprunge, wenn die jeweilige Regierung zu wackeln itginut. Diesmal scheint aber das Heft in denselben Händen Bleiben zu sollen, da man annimmt, daß Pelloux wiederum mit her Kabinettsbildung betraut werden wird. Italien hat bekanntlich versucht, auch ein Stück China 511 erlangen, ist jedoch von dem Tsung-li-Aamen mit einem ckgeloechten Korbe bedacht worden, worüber nun die Patrioten in L«nde schier aus dem Häuschen sind, und von Schmach md Schande reden, die die Regierung über Italien gebracht jjabc. Da das ganze Kabinett für den in dieser Hinsicht oirMwortlichen Minister des Aeußern Canevaro eintrat, so ait nichts natürlicher, als daß es bei der unzufriedenen Slmimung der Kammer seine Entlassung gab, die voraus- üihllich auch von König Humbert angenommen werden dürfte. Sie «ber schon oben angebeutet würbe, nimmt man an, baß Wnig Pelloux toieber mit ber Kabinettsbilbung betraut, anb d ieser nur eine Rekonstruktion ber Regierung vornimmt, 'vtlche bie Mehrheit ber Volksvertretung zu beliebigen ge- • eignet ist. Nicht unwahrscheinlich ist es aber auch, baß die Negierung in ungefähr der jetzigen Zusammensetzung am ' Huber bleibt, und die Auflösung der Kammer beliebt wird. Die italienische Verfassung schreibt vor, daß bie Kammer , ns fünf Jahre gewählt werbe, ermächtigt jeboch bie Krone, i i e j,eb errett aufzulösen. Von biesem Vorrecht pflegt ber ^vnig Gebrauch zu machen, enttoeber im Falle eines zwischen liMnicht auflösbaren Senat unb ber Kammer ausgebrochenen StonfliffteS ober im Falle einer Reibung zwischen Kammer i »d Regierung. Die gegenwärtige Volksvertretung ist unter Robinet Rubini gewählt worden, und hat eigentlich noch einige Jahre zu leben. Es ist aber nur zu wahrscheinlich, fclaß „idas Land wieder einmal Über die Politik der Regierung entscheiden soll." Dann dürfte es sich aber empfehlen, öpj d»ie Regierung eine entschiedene, zielbewußte Politik eiuischlLgt, denn die Italiener beten, noch mehr als andere 9Hiomen, den Erfolg an. Es heißt denn auch schon, daß Jjvlien auf die Erwerbung der Sanmunbai nicht verzichten, fibjbtm Deren Ueberlassung von China erzwingen wolle. 7)Ämsalls ist die Lösung der Krisis diesmal nicht so leicht, u iind sie bedarf der sorgfältigsten Erwägung der maßgebenden Kimise. (xx) Politische Wochenschau. In unserer inneren Politik wird gegenwärtig stark hinter den Conlissen gearbeitet. Vieles harrt der Klärung und einer unzweideutigen Stellungnahme der Regierung. Wir denken dabei insbesondere an die preußische Kanalvorlage, von der man nach dec ersten Lesung nicht weiß, ob sie von den in Betracht kommenden Ministern wirklich thatkräftig unterstützt wird, ober ob bie letzteren — ihnen voran Herr v. Miquel — gar nicht ungerne sähen, wenn bas Privatkapital sich bes Kanalprojektes annähme. Die Kommission bes Abgeorbnetenhauses hat zusammen eine Informationsreise in ber Kanalangelegenheit angetreten; hoffentlich kommt bei bieser Fahrt etwas gutes heraus. Man spricht bereits von einem Kuhhandel, den Konservative unb kanalfeinbliche Centrumsleute abschließen wollen. Danach soll ber Dortrnunb Rheinkanal bewilligt, ber eigentliche Mittellanbkanal aber abgelehnt werben. Die Zeil wirb lehren, was richtig ist an bieser Melbung. Im übrigen wirb noch fortgesetzt unsere innere Politik burch ben Verlauf der Parlamentsverhanblungen gekennzeichnet. Sonst trübt keine Wolke den politischen Horizont, und nirgends ist eine Spur einer noch so kleinen Krisis zu entdecken. In dieser Beziehung sind wir besser daran, als unsere Alliierten. Von der Kabinettskrisis in Italien haben wir bereits ausführlich gesprochen, und all das dort gesagte, gilt einstweilen noch, da eine Entscheidung nach der einen oder ber anberen Richtung hin bisher nicht gefallen ist. Rach wie vor hält man baran fest, daß Pelloux die Leitung der Geschäfte neuerdings übernimmt, sich aber von den meisten seiner Ministerkollegen trennt. Von unserem zweiten Verbündeten — Oesterreich — brauchen wir nicht weiter zu reden. Dort ist alles beim alten, und das sagt genug. Nicht ohne Interesse ist der Empfang des deutschen Kontreadmirals v. Bodenhausen durch den Präsidenten der französischen Republick. Auch hieraus ersieht man wieder, wie freundlich sich die Beziehungen zwischen den beiden „Erbfeinden" gestaltet haben. In der Südsee herrscht wieder Ruhe. Schon vor einigen Tagen lag die Nachricht vor, daß die englische Regierung Befehl erteilt habe, bis zur Ankunft der internationalen Kommission, die Feindseligkeiten auf Samoa einzustellen. Jetzt haben nun die dortigen englischen und amerikanischen Kommandanten dem Häuptling M a t a a f a einen Waffenstillstand angeboten, der auch angenommen worden ist. Run wird also die Samoafrage vom grünen Tisch aus erledigt werden. Die letzten Ereignisse haben hoffentlich die beteiligten Mächte belehrt, daß mit halber Arbeit nichts gethan ist. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika beginnen bereits, die Jahrestage ihrer vorjährigen Siege zu feiern. Ob sie dazu berechtigten Grund haben, ist um so mehr zu bezweifeln, als es bekanntlich mit der Macht der Amerikaner auf den Philippinen noch sehr windig aussieht, (xx) Deutsches Reich. Berlin, 5. Mai. In ber W ahlprüfun gs-Kom- mission des Reichstages sind die Wahlen der Abgeordneten v. Staudy (kons.), Harrichausen (Bund d. L.), Hilbeck (natl.) und Pauly (Reichsp.) beanstandet worden. Berlin, 5. Mai. Die Kommission des Abgeordnetenhauses für die Kanalbau-Vorlage ist nach Besichtigung der Anlagen der Dortmunder Union heute vormittag 10 Uhr von Dortmund über Essen nach Hochfeld abgereist. Berlin, 5. Mai. Die „Kreuzzeitung" vernimmt, daß im Reichspostamt der Entwurf einer Check-Ordnung ausgearbeitet werde und dem Bundesrat in den nächsten Tagen zugehen dürfte. Berlin, 5. Mai. Infolge der Neugliederung des Reichs-Marineamts wird beabsichtigt, die Stelle eines dritten Direktors bei dieser Reichsbehörde zu schaffen. Berlin, 5. Mai. Der Reichstag wird vom 10. Mai bis zum 6. Juni die Pfingstferien eintreten lassen. Berlin, 5. Mai. Wie die „Nordd. Allgem. Ztg." hört, wird Freiherr v. Soden, welcher von Anfang Juni bis September mit den Geschäften des Kabinettschefs in Stuttgart betraut ist, im September nach Kamerun gehen, wo er bekanntlich an mehreren Plantagen beteiligt ist. Berlin, 5 Mai. Wie das „Berliner Tageblatt" erfährt, bestätigt es sich, daß Bayern die militärischen Beisitzer beim Senat am obersten Gerichtshof möglichst aus dem Personal seiner Berliner Gesandtschaft wählen wird, um neue Abkommandierungen zu vermeiden. Auf eine besonders umfangreiche Thätigkeit des Senats scheint die bayrische Militär-Verwaltung sich also nicht einzurichten. Berlin, 5. Mai. In der Wohnung des verstorbenen früheren Neichstags Präsidenten v. Simson sind Beileids- Feuilleton. Mai. Von Carl Geißler. Da is err jetz glicklich aagekomme, der wannerscheene Munal Mai, de Wonnemonat, uff den merr sich e ganz IM lang gefreut hott unn von dem merr net annerschter wH, als daß err die scheenst Zeit im Jahr sei soll. In frsthie Zeide hatte die Dichder rächt, die den Mai als en HM unn liebliche Knawe, der bliedhestreuend iwer die Erd zisch, ehr Lob gezollt unn em ehr scheenste Lieder gewidmet hciim, awer jetz is en scheene Mai schont mehr zu de Nadur- fe lDd)eibe ze rechne. Das Hammer schont efdersch unn nc'Miidlich schon beim vorge Mai konstadierd unn de heurige fd'jaint nach dem, waß merr bis jetzt von em ze seh tritt hc'M, sein vorjährige Bruder au Unfreundlichkeit dorchaus nün er raus gerne ze wolle. Unn so lang net die drei beese KÄ.M, die Pankratius, Servaz- unn Bonifaziusse glicklich ooMinwr sinn, so lang sinn merr berechdigt, dem wunner- scksme Monat Mai mit heechstem Mißtraue ze begegne. Dorch die ungebihrlich Uffsihrung von unferm Frihling hcni:l murr deshalb im aögemaane bis jetz noch wenig Freud an:i de Nadur erlebt: de Wahld is noch gar ze öd unn buijlir unn not bie Birke schimmere grie aus'm braune Saab eurt't Unn ba bie Nabur sich so ere große Zerickhalbung beijliißiigt, so hawe bie Mensche aach wenig Veraalassung, ehk üoffi Frihlingssehnsucht an be Buse ze sinke, weil merr sich« da bebei leicht bie Nasespitz üerfriern ober sich sonst e bett s L erkältung zuziehe kann. Unglicklicherweis fällt bann aoliH dükS Jahr be Himmelfahrtbag grab uff Mamertus, ber inu filme schlechte Rennemee steht, wäi bie brei nachfolgenbe FH.licht, unn ba kann's leicht bassiern, baß bie Giesser ehr aUchsskrmmliche Walbausflüg am Himmelfahrtbag in Belz- Bezeugungen eingegangen u. a. vom König von Sachsen, vom Herzog Ernst Günther von Schleswig Holstein, vom Fürsten Herbert Bismarck, vom Finanzminister Miquel. Auch prachtvolle Kranzspenden sind im Trauerhause abgegeben worden. Zu der morgigen offiziellen Feier trifft der Reichsgerichts-Präsident Dr. v. Oelschläger, der Senats- Präsident Dr. Löwenstein mit mehreren Räten vom Reichsgericht hier ein. Auch der Berliner Magistrat entsendet zur Beerdigung eine Deputation. Berlin, 5. Mai. Mit Vorschlägen zum Erlaß eines Neichswohnungsgesetzes sollen nach der „Post" Bundesrat und Reichstag demnächst befaßt werden. Das Blatt stützt sich bei dieser Annahme auf die Mitteilungen, die der Kommissar des Ministers des Innern am Mittwoch im Abgeordnetenhause über den Abschluß von Verhandlungen zwischen den beteiligten Ressorts des Reichs und Preußens in Bezug auf die Wohnungsfrage und die Beseitigung des Schlafstellenwesens machte. Danach haben die Lerhand- lungen über diese Materie auf der ganzen Linie zu einem Ergebnis geführt. Man hat sich sowohl über ein Vorgehen im Wege der Gesetzgebung, als über die Maßregeln geeinigt, die namentlich gegen das Schlafstellenunwesen auf polizeilichem Wege, insbesondere durch Erlasse von Polizeiverordnungen zu treffen fein werden. Berlin, 5. Mai. Samoa. Aus Washington meldet heute das „R. B": In der deutschen Botschaft wird amt* lich erklärt, daß an den deutschen Generalkonsul Rose die bestimmte Weisung gegeben worden sei, sich mit dem amerikanischen und dem englischen Konsul über die Proklamation betreffend die Einstellung der Feindseligkeiten bis zum Eintreffen der Kommission auf Samoa zu verständigen. Inzwischen weiß das Reuter-Bureau von den letzten Gefechten um Apia wieder in gewohntem Stil allerlei zu erzählen, wobei namentlich die Heldenrolle des „berühmten" Leutnants Gaunt und die Schlechtigkeit der Deutschen in erster Linie stehen. Es heißt da: Nach Ankunft der Weisung aus der Heimat, daß bis zum Eintreffen der Kommission Frieden gehalten werden solle, hatten die drei Konsuln eine Konferenz, kamen aber zu keinem Beschluß, da der deutsche Konsul den von den britischen und amerikanischen Vertretern vorgeschlagenen Maßregeln nicht beistimmte. Kautz und Kapitän Stuart schrieben nun an Mataafa, teilten ihm die Einsetzung der Kommission mit und trugen ihm auf, sich mit feinen Leuten bis außerhalb einer zehn englische Meilen langen und sechs Meilen breiten Linie zurückzuziehen. Mataafa sandte eine trotzige Antwort. Er verweigerte den Rückzug, außer wenn der deutsche Konsul und der Kapitän des „Falke" beistimmten. Darauf sandten Kautz und Stuart ein Ultimatum, mit der Erzwingung des Rückzuges drohend. Ein Aktionsplan wurde entworfen, Gaunts Brigade wurde verstärkt, ein schweres Geschütz bei Mulinuu gelandet und Kriegsraketen bereit gemacht. Mataafa erwiderte jetzt, er sei bereit, sich sofort zurückzuziehen. Am 25. April wurde eine wichtige Versammlung abgehalten, wobei der „König" und seine Häuptlinge über die von Den Engländern und Amerikanern ergriffenen Maßregeln unterrichtet wurden, welche sie im allgemeinen billigten. Gaunts Brigade patrouilliert jetzt das umschriebene Gebiet ab. Malietoa- Tanu machte Kautz und Stuart einen Besuch, er wurde bei der Ankunft und Abfahrt von den britischen und amerikanischen Kriegsschiffen salutiert. Hufnagel wird noch auf dem „Falke" detiniert. Es fehlt auch sonst nicht an Klagen über den Befehl zur Einstellung der Feindseligkeiten, der alle schönen Pläne der Engländer und Amerikaner unbarmherzig durchkreuzt. — Das neuePostgesetz enthält nach den Beschlüssen der Kommission in der ersten Lesung im Wesentlichen folgende neue Bestimmungen. Das Porto beträgt für den gewöhnlichen Brief bis znm Gewicht von 20 Gr. 10 Pfg. Der Reichskanzler ist ermächtigt, den Geltungsbereich der Ortstaxe auf Nachbarorte auszudehnen. Die Gebühren für Zeitungsbeförderung sind nach dem Prinzip der Regierungsvorlage, jedoch mit veränderten Sätzen geregelt worden. Das Postregal wird auf geschlossene Briefe ausgedehnt, die innerhalb der Gemeindegrenzen ihres Ursprungsorts verbleiben. Anstalten zur gewerbsmäßigen Beförderung von Briefen, Karten, Drucksachen und Warenproben dürfen vom 1. April 1900 ab nicht weiter betrieben werden. Den Besitzern von Privatbriefbeförderungsanftalten wird eine Entschädigung gewährt, die bis auf das achtfache des durchschnittlichen Reingewinnes der letzten drei Geschäftsjahre vor dem 1. April 1898 steigen kann. Den Angestellten solcher Anstalten wird, falls sie länger als drei Monate in ihrem Berufe waren, eine Entschädigung gewährt, die mit einem einfachen Monatsgehalt beginnt und nach 11 Dienstjahren bis auf den doppelten Jahresgehalt steigt. Das Gesetz soll am 1. April 1900, die Bestimmungen über die Zeitungsbeförderungsgebühr aber erst am 1. Januar 1901 in Kraft treten. — Eine postalische Neuerung unterliegt gegenwärtig der Begutachtung im Reichspostamt. Sie betrifft bie Bezeichnung der Telegramme mit dem Aufgabeort auf der Außenseite (Adressenklappe). Dieser Vorschlag ist dem Reichspostamt unter der Verwaltung des Staatssekretärs v. Stephan schon wiederholt unterbreitet worden, doch gelangte er wegen entgegenstehender Bedenken bisher nicht zur Durchführung. Staatssekretär v. Podbielski ist dem Gedanken wieder näher getreten, da es in den meisten Fllen im Interesse des Empfängers liegt, sofort den Aufgabeort des Telegramms zu erkennen. — Der Koblenzer Zweikampf. Der Leutnant Doering vom 68. Infanterie-Regiment, der im Zweikampf den Studenten Kloevekorn erschoß, wurde, der „K. Z." zufolge, vom Kriegsgericht zu 2»/s Jahren Festungshaft verurteilt. Der Kartellträger erhielt vierzehn Tage Festungshaft. — Ein seltsamer Vorfall. In Kiel hat man gleich nach dem Eintreffen der Nachricht von einem Morde auf dem Kieler Dreirnastschuner „Spekulant" in Livorno begründete Zweifel gehegt, daß eine Meuterei an Bord stattgefunden hat. Die Matrosen des Schiffes stammen meist aus Kiel und Eckenförde und der eine von ihnen ist sogar mit dem toten Steuermann verwandt. Nun ist ein Schreiben des Kapitäns Backson bei der Nhederei eingetroffen, das den mysteriösen Vorfall wie folgt schildert: „Am 2. April, nachmittags 2 Uhr, ging ich mit dem Steuermann Hanson und Max Schneider zur Verklarung an Land, Steuermann Schütze hatte bis 9 Uhr abends die Wache. Dann begab er sich in seine Koje mit der Bemerkung zum Koch: „Lassen Sie die Lampe nur brennen." Am Treppenniedergang war der Wachhund festgelegt. Da der Koch Brot zu backen hatte, ging er in seine Arbeitsräume. Die Wache führte ein Vetter des zweiten Steuermanns Bartels. Als der Koch sich um ll,/2 Uhr in seine Koje begeben wollte, fand er die Thür zur Kammer fest verschlossen, worauf er schnell die Besatzung weckte. Den vereinten Anstrengungen aller gelang es, die verriegelte Thür aufzubrechen und zu dem Steuermann zu gelangen. Völlig entkleidet, die Füße und Hände mittelst Schnürbändern auf dem Rücken zufammengebunden, lag der Steuermann als Leiche auf dem Boden. Der Körper hatte an dem Kleiderhaken an der Thür gehangen, war aber infolge seiner Schwere herabgerissen. Der ganze Körper zeigte eine blaue Farbe. Die gerichtliche Untersuchung ergab außer Strangulierung keine weiteren Merkzeichen. Die Mannschaft wurde verhört und abgeführt, Steuermann Hanson und ich wurden von Kriminalbeamten bewacht. Während ich zuerst an ein Verbrechen glaubte, kam ich nach reiflicher Ueberlegung zu dem Resultat, daß Schütze sich selbst das Leben genommen, denn es ist sehr wohl möglich, sich auf diese Weise zu fesseln. Der Steuermann hat jedenfalls befürchtet, daß, wenn er die Hände freiließe, er sich dann noch am Ende aus der Schlinge befreien würde." Dresden, 5. Mai. Heute früh wurde in einem Haufe der Königstraße in Dresden-N. der Kontorist Bernhard verhaftet unter dem Verdachte, ein Attentat auf den Geldbriefträger geplant zu haben. Er hatte, wie die „Dresdener Neuesten Nachrichten" melden, einen fingierten Geldbrief, mit feiner Adresse versehen, gestern bei der Post aufgegeben und erwartete heute den Geldbriefträger. Der Post war aber bereits gestern ein Verdacht gekommen und man postierte heute früh Kriminal-Schutzleute in der Nähe des betreffenden Hauses, welche Bernhard festnahmen. In seiner Tasche fand mau ein schweres eisernes Instrument, mit welchem er vermutlich das Attentat hatte ausführen wollen. Ausland. Lemberg, 5. Mai. Der flüchtige Amtsanwalt Dr. Kratter wurde in New-Dark, als er in einem Bankhause 15 000 Dollar erheben wollte, festgenommen. Prag, 5. Mai. Der „Narodny Listi" zufolge ist die Majorität des Reichstages für das Sprachengesetz gesichert. Außer der gesamten Rechten sind auch die Antisemiten für dasselbe gewonnen. Triest, 5. Mai. Seit voriger Nacht herrschte hier ein heftiger Schneefall. Die Temperaturen betragen 2 Grad. Mailand, 5. Mai. Wie „Perseveranza" meldet, soll die Besetzung der Sanmun-Bai am 12. ds. erfolgen. Brüssel, 5. Mai. Aus La Louvier wird gemeldet: Gestern abend entdeckte eine Gendarmerie-Patrouille auf der Fensterbrüstung der Wohnung eines Arbeiters, welcher die Arbeit wieder ausgenommen hat, eine Flasche mit Pulver gefüllt und mit einer Lunte versehen. Die Patrouille überbrachte die Flasche der Polizei, welche eine sofortige Untersuchung anordnete. Belgrad, 5. Mai. Der russische Geschäftsträger Mansurow wird die Könige Alexander und Milan auf ihrer Reise in das Innere des Landes begleiten. Odessa, 5. Mai. Infolge der antifemitifchen Unruhen wurde über die Stadt der Belagerungszustand verhängt. Der Pöbel hat zahlreiche Branntweingeschäfte geplündert. Madrid, 4. Mai. Spanien macht nach Verlust seiner hauptsächlichsten Kolonien endlich Anstrengungen, sich durch militärische Verteidigungsmaßregelu besser als vorher gegen solche Einbußen zu schützen. So hat der Kriegsminister Polavieja erklärt, daß das Kriegsbudget um 28 Millionen erhöht worden sei, wovon 12 Millionen auf den Sold für die aus den Kolonien zurückkehrenden Offiziere entfallen. Ferner erklärte Polavieja, er werde ein außerordentliches Budget vorlegen zur Erneuerung der Bewaffnung und zum Ankauf von Schnellfeuer-Geschützen, denn es sei unerläßlich, daß Spanien die Verteidigung der Kanarischen Inseln und der Balearen organisiere und daß es genügend Streitkräfte besitze, um die Verteidigung der Küsten zu sichern, ohne das Innere der Halbinsel zu entblößen. Bereits hat die Königin-Regentin einen Kredit von fünf Millionen Pesetas zum Zweck der Verteidigung der Kanarischen Inseln unterzeichet. Konstantinopel, 4. Mai. Die schwierige armenische Frage wird von der Pforte nicht außer Acht gelassen. Zu den behufs Beruhigung der Armenier ergriffenen Maßregeln gehört auch, daß den Behörden in Wan größere Strenge gegenüber den Kurden aufgetragen worden ist. Die Vorrechte der Kurden sollen überhaupt eingeschränkt werden. — Mit großer Wachsamkeit werden übrigens gleichzeitig die Vorgänge im jungtürkischen Lager beobachtet, weil man glaubt, daß zwischen den Armeniern und Jungtürken gewisse Fäden laufen. Im Iildiz-Kiosk sind in der letzten Zeit wieder viele Drohbriefe und Angebereien eingelaufen, weshalb anläßlich der Ausfahrt des Sultans zum Beiramfeste ungewöhnliche Vorsichtsmaßregeln getroffen wurden. Males und NrovinMes. t* Generalversammlung des Mittelrheinifchen Zweiave- bandes deutscher Müller in Gießen vom 16. April. D- ordentliche Generalversammlung nahm einen glänzende Verlauf; über 100 Mitglieder aus allen Gauen des Bezirke waren dazu erschienen, ein Beweis dafür, welches Jnteresl die Bestrebungen des Zweigverbandes allgemein sinder Nach dem Berichte des Vorsitzenden Schäfer, Mainz, <- die Mitgliederzahl auf 557, also um 301 seit der vor jährigen Generalversammlung gestiegen. Diese bedeutend Zunahme ist hauptsächlich auf die Bildung von Kreisvereiner zurückzuführen. Die Einnahmen haben im ajgelaufenr Jahre 2 518.60 Mk., die Ausgaben 2376.68 Mk. betraqen das Gesammtvermögen bezifferte sich am Schlüsse des Rechnungsjahres auf 4190.00 Mk. Die bisherigen Rech nungsrevisoren wurden einstimmig wiedergewählt. BeziiM der Kreisvereine berichtet der Vorsitzende, daß sich bis jeu • 10 Vereine gebildet haben, weitere 4 Versammlungen m dem gleichen Zwecke seien für die nächsten Wochen angefetr und in den noch fehlenden 6 Bezirken — für den ganzen Zweigverbandsbezirk seien 20 Kreisvereine in Au-sichi genommen — seien die Verhandlungen soweit dem Abschluß« nahe, daß die ganze Organisation bis Ende Juni durchgeführt sein dürfte. Die Versammlung nahm mit lebhaften-. Beifall von diesen Mitteilungen Kenntnis und erklärte qu: Antrag des Vorsitzenden mit allen gegen 3 Stimmen sich ander bisherigen Bildung von Kreisvereinen und der voll ständigen Durchführung dieser Organisation einverstanden. Des weiteren wurde der Entwurf des vorgelegten neuen Statuts, welches als Verwaltungsorgane einen Vorstand aus 9 Mitgliedern, der von einem aus Vertretern der Kreisvereine sich zusammensetzenden Ausschuß gewählt wird, und die Generalversammlung (ähnlich wie bei dem Verbände deutscher Müller) vorsieht, in seinen Grundzügen angenommen und zu dessen redaktionellen Ausarbeitung ein Ausschuß, bestehend aus den Herren Fritz Schäfer in Mainz, Ludwig Zeh in Niederramstadt, Heinrich Brauer in Ober-Ofleiden H. K. Zimmer in Grünberg und Phil. Ferd. Wagner in Hof-Gnadenthal gewählt. Herr Jof. I. van den Wyngaei' hielt sodann einen Vortrag über das heutige Treiben im Mühlengewerbe und fand mit seinen Ausführungen all festigen Beifall. Auf Antrag des Herrn Brauer erhält: sich die Versammlung einstimmig mit dem Beschlüsse der 2. hessischen Kammer einverstanden, der die Regierung ersuchte, zu veranlassen, daß der hessische Regierungsverttetn im Bundesrat für die Aufhebung der Zollkredite und Transit läger stimmt. Weiter wurden noch die Zeitverkäufe und die verschiedene Verfrachtung von Getreide und Mehl und das Ueberhandnehmen der Schrotmühlen durch Nichtmüllc: erörtert. Die Aussprachen verliefen trotz der melfeitigcr. Beteiligung ruhig und fachlich, und wenn man daraus uni aus der Einmütigkeit einen Schluß ziehen darf, so werden sich die Bestrebungen des Zweigverbandes bald so öei- allgemeinern, daß auch das gesteckte Ziel, Hebung des Gewerbes, erreicht werden dürfte. Dem Vorsitzenden des Hauptverbandes, ebenso dem Vorsitzenden des Zweigverbandes, sowie dem Geschäftsführer des letzteren wurde für ihre Thätigkeit der Dank der Versammlung ausgesprochen. Ein gemeinschaftliches Mittagsmahl hielt die Theilnehmer. die in dem ziemlich großen Saale nicht alle Platz fanden noch lange in fröhlicher Stimmung zusammen. Darmstadt, 4. Mai. Gestern nachmittag fand unter sehr großer Beteiligung auf dem hiesigen Friedhöfe das Leichenbegängnis für den verstorbenen Gelehrten und Schriftsteller Prof. Dr. Ludwig Büchner statt. Äem Leichenwagen voraus marschierte ein Zug Turner mit umflorter Fahne. Die Trauerfeier auf dem Friedhöfe gestaltete sich dem Charakter und der Persönlichkeit des Verstorbenen durchaus entsprechend. Am Grabe hatte die Singmanu schäft der „Turngemeinde" Aufstellung genommen und sang vor und nach der Feierlichkeit Strophen des Chores: „lieber allen Wipfeln ist Ruh". In längeren Ausführungen gedachte Herr Professor Friedrich der Verdienste des Verewigten nm die hiesige „Turngemeinde", deren Bestrebungen in Ludwig Büchner allezeit einen eifrigen Förderer fanden. Unter herzlichen Worten legte er einen Lorbeerkranz anr Grabe nieder. Gleiches that im Namen des freisinnigen Vereins Herr Rechtsanwalt Dr. Gullus. Herr Rektor G. Lang-Frankfurt a. M. widmete im Auftrag des deutschen Schriftsteller-Verbandes einen Lorbeerkranz, indem er nament lich die Verdienste des Verstorbenen um diese Bereinigung mit beredten Worten hervorhob. Der deutsche Freidenker bunb hatte einen Sprecher entsandt, ebenso der Cheniiupcr, Wiesbadener und Rheinisch-Westphälische Freidenkerbmid. Im Sterbehause hatte Herr Oberstlieutenant Gad Namens des Vereins für Kunst, Wissenschaft und ßitteratur, dessen M begrünber Büchner gewesen war, einen Kranz niedergeleg^ Meratur, Wissenschaft und Kunst. — Goldene Millionen. Ein geheimnisvoller 9L‘U 6flt " aller Herren Ländern von jeher die Münze umgeben, jenen Ort,» dem aus der allgewaltige, unser gesamtes Kulturleben von der Huus bis zum Palast omchflulende Strom deS glitzernden Metalls sein Ausgang nimmt. „Nach Golde drSnat, am Golde hängt doch «un sagt der Dichter nicht mit Unrecht; wie nun aber jene kleinen T«1!**1 stücke der Graveur- und Piägekunst wirklich entstehen, denn lli - sächlich bandelt es sich da um Er,eugn>sse vollendeter Technik u» hochrntwtck lter kunstgewerblicher Bethättgung, daS ist wohl o- meisten unbekannt. Von großem Interesse erscheint daher eft 21 der beltev Familien Zeitschrift „Für Alle Welt" (Deutsche- Verl"Sv->» Bong & Co., Berlin, W'en, Stuttga't, Preis deS Heftes 40 der sich anläßlich der Einführung des Hartgeldes in der ölle'rrta' ungarischen Monarchie mit bm Einrichtungen und verschno Funklionen in der kaiserlichen Münze zu Wien beschäftigt unv Beehrenden ungemein viel bietet. 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Bk.'Sctim auf Dichtigkeit peinlich vor Versand geprüft wird. 2282 Redaktion: U. Burkhardt. — Druck und Berlag der Brühl'scheu UniverfitätS-Buch. und Strmdruckerei (Pietsch Erben) in Siehe«. MAGGI 1111 V: —PneumaHc A 4 4 4 100.75 91.95 98.80 000.00 00.00 20.36 4.17 ft *• M 100.16 100.40 27 50 101.00 50.10 100/ ooxo 102.00 100X0 101X0 99X0 Brief 16.23 20.40 4.21 Herd 3785 Red Storline AR Rothes) Stern Linie gjjMdamijfer uon nlwerpeiL «deudeourser 154.30 I Oesterr Lredit-Actien Der Reinertrag dieser Schrift ist zu gemeinnützigen Zwecken bestimmt. Eintrittspreis 25 Pfg. Es ladet ergebenst ein 8 3 81, 81, 4 4 1885 87.55 4 60.20 4 Alles nähere durch Plakate. Der Vorstand. Um die Ausgiebigkeit der vorhandenen Fleischbrühe außerordeni lich zu vergrößern, setzt man Wasser zu und einige Tropfen in Londorf. Es ladet freundlichst ein Anfang 3 Uhr nachmittags. Turnverein. Sonntag den 7. Wai b. I,; Anturnen in der Turnhalle, Mittags von 4 Uhr ab: Konzert. Abends: Tanz. 3178 Das Comite* Bambrar. 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