Nr. 26L Zweites Blatt Sonntag den 5. November 1899 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblutt fite den Kreis Gietzen iard, is statt. Feuilleton 'L i« i* « Bei PostbejUH 2 Mark 50 Pf, vierteljährlich e »n Anzeigen zu bet nachmittag, für H* * ** t schlagenden Witz auszeichnen. Er starb am 25. J-musr 1576 in Nürnberg. — Vor 128 Jahren, am 6. November 1771, wurde zu Prag Alois Senefelder, der Erfinder der Lithographie, geboren. Durch dieses Verfahren stellt man brkanntltch mittels besonderer Tinte, fettiger Kreide ober Gravieren auf Stein Zeichnungen dar, die durch Druck vervielfältigt werden können. Die fettige Druckfarbe haftet dann nur auf der Zeichnung, nicht auf dem übrigen Stein. ** Zum Reformationsfest. Das Reformationsfest ist kein allgemeines christliches Fest, man könnte es als ein kirchliches Parteifest bezeichnen; denn die alte Kirche sieht nur mit Mißbehagen auf dasselbe. Hat doch einst ein hoher Kirchenfürst behauptet, durch die Reformation, die die von Bonifacius begründete Glaubenseinheit in Deutschland zerrissen, sei dem deutschen Volk das Gewissen abhanden gekommen. Die ultra-freisinnig Gerichteten legen der Reformation keine hohe Bedeutung bei; denn die Männer der Reformation sind ihnen nicht weit genug gegangen. Die wahrhaft Evangelischen aber schätzen das Reformationsfest hoch, als das Erinnerungsfest an eine Gottesthat. Hat doch unser Volk durch die Reformation sein Gewissen nicht verloren, sondern erst wieder gefunden; „denn", sagte Luther zu Worms, „es ist nicht geraten, etwas wider das Gewissen zu thun." Ist doch durch sie die wahre Freiheit erst wieder dem Volke geschenkt worden, d. h. die Freiheit von Menschenwort, nicht aber die Freiheit von dem in Gewissen und heiliger Schrift sich offenbarenden Gotteswort. Ist doch die kostbarste Errungenschaft, die die Reformation gebracht hat, die Freiheit des Denkens und Bekennens ohne daß man fürchten muß, weltliche oder kirchliche Gewalt tritt hindernd entgegen. Angenommen, die Unterdrückung des freien Gedankens und des freien Worts sei bis heute in der Weise früherer Jahrhunderte durch Feuer und Schwert, durch Folter und Scheiterhaufen weiter fortgesetzt worden — auf welcher Stufe stünde heute unser Volk? Kein Fortschritt wäre zu verzeichnen in irgend einer Hinlathilde Franke, ■-Instrumente der Königlichen nusikern Herren Oley (Oboe', m), Fedisch (Fagott). M. . W. L Mozart. . . A. Kiek . . F. Chopin. , . Fr. Liszt. . E. Paar. . . G. Mann. . L. t. Beethoren. , 2.50 (Sperrsitz Mir. 3.50) sind io ■n Ernst Challler (Rudolphs Nacb- nde nur im Vorverkauf auch bv igten Preisen zn haben. IW 0. Dezember statt. i (Gesang), Herr HW *W elloj. zertverein. onzert 899, abends 5 Uhr, Wschaftsvereins: k-Abend Karl William Müller. (Gast des Theatervereins am Mittwoch, dem 8. November.) Von alters her hat die Bühne einen Teil ihrer Aufgabe darin gesehen, den Menschen zu erheitern, ihm, nach des Tages Last und Mühe, einige vergnügte Stunden zu bereiten, und stets haben diejenigen Künstler, denen die Natur eine unwiderstehliche vis comica mitgab, zu den ganz besonderen Lieblingen des Publikums gezählt. Zu diesen gehört in erster Linie C. W. Büller. Seine Komik zu analysieren ist nicht gerade leicht: Ton, Gebcrde, Mienenspiel vereinigen sich bei ihm zu einem absolut zwerchfell- reizenden Ganzen. Wenn Büller die Empfindung der Verlegenheit, der Verblüffung oder der Ueberraschung zur Darstellung bringt, so lacht auch der ärgste Griesgram. Seinen Rollen hastet zudem niemals etwas Gemachtes an, er beherrscht sie alle so vollkommen, daß seine Komik stets natürlich und frisch ist. Sein Rollenkreis ist dabei ein ichier unbegrenzter, er verteilt sich über die ganze Skala i>e5 komischen Fachs. Fast unbegreiflich scheint es, daß der Künstler zwei so vollkommen verschiedene Rollen, wie es der ©triefe im „Raub der Sabinerinnen" und der Wehrhahn im „Biberpelz" sind, mit gleicher Virtuosität Welt, und zwar mit so vollkommener, daß seine Darstellungen dceser beiden Rollen typisch geworden sind. Den Striese hat Büller auf seinen zahlreichen Gastreisen, die sich über ganz Mittel- und Osteuropa erstrecken, über tausendmal gegeben, dem Hauptmannschen „Biberpelz" hat er durch seine Wiedergabe des Wehrhahn überhaupt erst zur Anerkennung verholfen. In Berlin fiel s. Z. der „Biberpelz" durch; al'S aber Büller in Wien mit seinem Wehrhahn einen so Politische Wochenschau. Die innerpolitische Situation wird gegenwärtig beherrscht durch die in Aussicht stehende neue Marinevorlage. Die letztere kommt also sicher; denn der Staatssekretär Tirpitz hat nun auch dem Bundesrat Mitteilung gemacht von dem Plane der Reichsregierung, nur über den Zeit-, punkt der Einbringung im Reichstage herrschen umsomehr Zweifel, als die Vorlage noch gar nicht ausgearbeitet worden, vielmehr erst im Entstehen begriffen ist. Vorläufig ist der Kampf um die Marineverstärkung in der Presse noch ein verhältnismäßig ruhiger; man ist noch zu sehr gespannt auf die Motive, welche die Regierung für ihre Forderung vorbringen wird. Natürlich bietet die Vorlage wieder ein günstiges Feld für alle möglichen „Kuhhändel", und es ist gar nicht lo unwahrscheinlich, daß Herr Dr. Lieber schon jetzt im Geiste kalkuliert, welche Vorteile das Zentrum dabei heraus- schlagen könne. Allzu billig wird ers diesmal nicht thun. Gar teuer wird der preußischen Regierung aber auch der Mittellandkanal zu stehen kommen, wenn es sich bestätigen sollte, was im Laufe der Woche gemeldet wurde, daß nämlich der gleiche Betrag, wie er für den Mittellandkanal ausgesetzt ist, für Kompensationswafferbauten im Norden und Osten der Monarchie ausgeworfen werden soll. Dabei ist die Regierung nicht einmal sicher, ob diese Zugeständnisse auch genügen, um eine Annahme der Kanalvorlage zu sichern. Wird der Kaiser nach England reifen oder nicht? Das ist heute die Frage, welche nicht nur in Deutschland, sondern auch im Auslande lebhaft behandelt wird. Etwas Bestimmtes scheint immer noch nicht festzustehen, trotzdem man in England bereits sicher mit dem Besuche rechnet. Dagegen dürfte die Ankunft des Zarenpaares in Potsdam zu Anfang der beginnenden Woche gewiß zu sein. Wenn wir auch weit davon entfernt sind, der Begegnung diejenige hochpolitische Bedeutung zuzugestehen, die ihr von gewisser Seite beigemessen wird, so erhärtet der Besuch doch neuerdings die zwischen Petersburg und Berlin bestehenden guten Beziehungen. Hoffentlich bewähren sich die letzteren auf internationalem Gebiete, wo cs anfängt, bunt bewegt zu werden. Der Krieg in Südafrika scheint weittragendere Folgen zu haben, als die Urheber desselben annahmen. Einen derartigen Mißerfolg der Engländer hat niemand vorausgesehen; es bestätigt sich eben wieder einmal das Wort: „Hochmut kommt vor dem Fall". Die Ereignisse auf dem Kriegsschauplatz sind ja bekannt, sodaß wir sie hier nicht aufzuzählen brauchen. Man darf gespannt sein, wie die sicht; denn wo man den Geist zu ertöten sucht, da wird auch das Leben ertötet werden, darum muß auch gerade das Reformationsfest uns mahnen, fest und unentwegt auf dieser Freiheit des Denkens und Bekennens zu bestehen. Nur einem ist man dabei Verantwortung schuldig — Gott und seinem in Gott gegründeten Gewissen. Die Reformation hat Leben gebracht, neues Leben auf allen Gebieten, besonders in Wissenschaft und Kunst. Und hat man versucht, moralische Verfehlungen, moralische Schäden am Volksleben der Reformation zuzuschreiben, hat man sich sogar dahin verstiegen, Reformation mit Revolution zu identifizieren — so kann das bei uns nur ein mitleidiges Lächeln Hervorrufen. Welches sind die Länder der Revolution? Die Geschichte gibt die Antwort: Spanien, Italien, Frankreich, Südamerika u. s. w. Und gehen wir noch ins praktische Leben. Wo ist Wohlstand zu finden? Dort wo der Geist ist, wo der Mensch sich nicht ängstlich an das verknöcherte Althergebrachte klammert, sondern dem Geist das Vorrecht zugesteht, neue Formen zu suchen, wo der Mensch die Errungenschaften der Neuzeit prüft und das Gute davon behält. Die Reformation gehört nicht der Vergangenheit allein an, auch Gegenwart und Zukunft müssen fort und fort unter ihrer Einwirkung stehen. * * * '* Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 10. Oktober dem Bürgermeister Jakob Zimmer in Offenthal das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen. *” Ernennung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den Ludwig Klöß zu Worms zum Kreisamtsgehilfen bei dem Kreisamte Worms zu ernennen. ** Dienstnachrichleu. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 14. Oktober dem seither widerruflich angestellten Stationsverwalter in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft, Christian Dörr, sowie dem seither widerruflich angestellten Lokomotivführer in der Hessisch Preußischen Eisenbahngemeinschaft, Heinrich Schmidt XXVI., dem seither widerruflich angestellten Packmeister in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft, Kaspar Göbel L, nunmehr die unkündbare Anstellung in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft zu verleihen. ** Ordensverleihung. Seine Majestät der Kaiser haben Allergnädigst geruht, dem Großh. Oberstleutnant Cullmann, Gendarmerie-Distrikts Kommandeur in Mainz, den Kronenorden 3 Klasse zu verleihen. *** d ist** *dcl Herren, $ inflicb rkeller. November: TanzWfl 0, Kruse. uiwass67 desi*'* , oblcr Lt°° * Igeruc^i am * • Sektion Gießen des Deutschen und Oesterr. Alpen- Vereins. Eine genuß- und lehrreiche Unterhaltung wurde uns am Donnerstagabend geboten durch einen Vortrag des Herrn Hch. Schaffstaedt über seine Orientreise. Redner führte uns über Wien, den Semmering, durch die Adelsberger Grotte nach Triest und von da nach Genua, wo Stangens Reisegesellschaft von der „Bohemia" ausgenommen wurde, die sie über Korfu zunächst nach dem Lande der Pyramiden trug. Redner verstand es, das Interesse in hohem Maße zu fesseln durch eine wohlgelungene Schilderung der großartigen Naturschönheiten sowohl, wie der historischen Sehenswürdigkeiten des alten Pharaonenlandes. Die Schönheit der dalmatischen Küste und der blauen Adria, die südliche Flora von Korfu, die Pyramiden von Gizeh, die Grabstätten von Memphis, die Stätten, wo MoseS ausgesetzt worden, und wo Maria mit dem Jesuskinde ausgeruht — alles zog in anschaulichen Bildern an uns vorüber und erweckte in manchem Erinnerungen an seine Schulzeit, wo sich die Phantasie jene Gegenden lebhaft ausmalte. Besonders fesselnd war die Schilderung der Bevölkerung und ihrer Lebensgewohnheiten, des Straßenlebens in Alexandrien und vor allem in der Weltstadt Kairo, ein Leben und Treiben, das für Europäer neu, eigenartig und interessant ist, aber gar bald lästig wird durch seinen Mangel an Reinlichkeit und die unglaubliche Zudringlichkeit von Verkäufern, Führern, Eselsjungen u. dgl., derart, daß der gute August (der bekannte deutsche Wirt in Kairo) seinen Gästen Peitschen zur Verfügung stellt, damit sie sich unverschämter Zudringlichkeit erwehren können. Nach sechstägigem Aufenthalt in Egypten geht die Fahrt von Kairo nach Port Said, den Suezkanal entlang. — Hier schloß der Redner seinen Vortrag mit dem Versprechen, daß er am Donnerstag den 16. November fortfahren will, uns zu erzählen von seiner weiteren Reise, die ihn durch das gelobte Land, über den Libanon, zum Schwarzen Meere, nach der türkischen Hauptstadt, nach den klassischen Stätten Griechenlands, nach Malta und Palermo führte. — Wir machen deshalb schon jetzt auf die Fortsetzung des Vortrags aufmerksam und bitten um recht zahlreichen Besuch. -dd.- • * Die siebente Konferenz süd-westdeutscher Detaillisten- Vereine in Frankfurt a. M. findet morgen Sonntag den 5. November, vormittags 10 Uhr, im kleinen Saale des Zoologischen Gartens statt. Die Tagesordnung lautet wie folgt. 1. Bericht über die Ausführung der Beschlüsse der 6. Konferenz. Referent: Herr E. Balser-Gießen. 2. Erfahrungen bett. das Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs. Referent: Herr I. M. Schaefer- Frankfurt a. M. Korreferenten: Delegierte der teilnehmenden Vereine. 3. Der Entwurf einer vom Bundesrat zu erlassenden Bestimmung über den Kleinhandel mit Garnen. Referent: Herr Wilh. Lotz-Mainz. Korreferent: Herr Ferd. Schmidt-Darmstadt. 4. Die Konkurrenz der Fabrik- und Engros-Geschäfte gegenüber den Detail Geschäften. Referent: Herr S. Greif-Hanau. 5. Die Besteuerung der Warenhäuser. Referent: Herr Ferd. Schmidt-Darmstadt. 6. Der gesetzliche Ladenschluß. Referent: Herr I. Müller Vl.-Mainz. * * Adreßbuch. Das alphabetische Namensverzeichnis für das in aller Kürze erscheinende Adreßbuch der Stadt Gießen liegt von heute bis zum 11. November d. I. zu jedermanns Einsicht in dem Meldebureau Großh. Polizeiamts auf. Etwaige Berichtigungen können in dieser Zeit vorgebracht und im Nachtrag gewahrt werden. * * Aus dem Theaterbureau. Für morgen (Sonntag) hat die Direktion das stets gern gesehene und beliebte L'Arronge'sche Lustspiel „Doktor Klaus" gewählt und glaubt damit den Wünschen des theaterfreundlichen Publikums entsprochen zu haben. Der echt deutsche Humor, welcher in „Dr. Klaus" herrscht, haben diesem Lustspiel längst einen festen Platz an allen Bühnen gesichert; es dürfte auch hier wieder seine Beliebtheit durch ein volles Haus beweisen. * * Am Dienstag tagte in Fankfurt die hessische Landeskonferenz der Freundinnen junger Mädchen unter dem Vorsitz Ihrer Durchlaucht der Gräfin Erbach-Schönberg. Die Nationalvorsteherin des Vereins Exzellenz von der Tann, sowie zahlreiche Freundinnen folgten den Berichten aus den verschiedenen hessischen Städten mit Interesse. In unserer Stadt wird zum Frühjahr ein Ladnerinnenheim eröffnet und an das schon bestehende Marthahcim eine Dienstbotenschule angeschlossen werden, welche uns tüchtige Dienstboten erziehen wird. Das Hauptthema der Konferenz, vom Verein aufgestellt, der ein internationaler ist und sein Liebesnetz überall hinspannt, war diesmal: „Wie kann für die schon jetzt für die Pariser Ausstellung engagierten 400 deutschen Mädchen dort Rat, Anschluß und Schutz geschaffen werden, etwa durch Empfehlung geeigneter Wohnungen, Mieten eines Bureaus unö gemeinsamen Versammlungslokals." Jede deutsche Frau, die ein Herz für die dort von vielen Gefahren bedrohten Mitschwestern hat, wird hiermit gebeten, eine Gabe zu diesem Zweck an die Lokalvorsteherin, Fräulein Wider, Hügelstraße 6, zu senden. Auch beabsichtigt der Verein, durch Petition an die betreffende Behörde sür die Ladnerinnen einzutreten, die durch späten Ladenschlnß oft überbürdet sind. Da das segensreiche Wirken des Vereins, der sich bis heute absichtlich im Stillen gehalten hat, noch wenig bekannt ist, wird derselbe Flugblätter über sein Wirken ausgeben. * • Turnerisches. Um die Turn- nnd Jugendspiele im Mittclrheinkreise zu größerer Blüte zu bringen, sind am vergangenen Sonntag in der Turnhalle des Frankfurter Turnvereins die Vertreter einer Anzahl von Turnvereinen des Mittelrheinkreises zusammengetreten und haben einen „mittelrheinischen Spielverband" gegründet, der unter strengster Wahrung der turnerischen Grundsätze eine größtmögliche Förderung der Turn- und Jugendspiele erstrebt. Denn gerade in unserer heutigen, schweren Zeit ist das frische, fröhliche Turnspiel ein vorzügliches Mittel zur Kräftigung und Erholung des Körpers, und wird auch sicher dazu beitragen, der Deutschen Turnsache weitere Kreise zuzuführen. Ein fünfgliedriger Ausschuß leitet die Geschäfte des Verbandes, der in der Schaffung von Spielplätzen, in der Anregung von Spielen innerhalb und unter den Vereinen und in der Veranstaltung von Spielen auf den Gau-, Kreis - und Bergfesten des Mittelrheinkreises sein vornehmstes Ziel erblickt. • • In Amerika verstorbene Heffen. In Woodsfield, Ohio: Witwe Heinr. Pfeifer, 91 Jahre alt, aus Lindenfels. In Pittsburg, Pa.: Witwe Anna Cath. Degenhardt, geb. Frey, 78 Jahre alt, aus Solz, Kurheffen. In Dayton, O.: Susanna Phillipps, geb. Krick, 66 Jahre alt, aus Bruchenbrücken. In Westminster, O.: Wilhelm Humerich, 49 Jahre alt, aus Hessen-Nassau. In New-Hamburg, Kan.: Georg Heinrich Ho hmeier, 75 Jahre alt, aus Berns- Hausen. In Johnstown, Pa.: Witwe Katharina Margaretha Fritz, 71 Jahre alt, aus dem Großherzogtum Hessen. In White st one, L. I.: Anton Odenweller, 78 Jahre alt, aus Frankfurt a. M. In Brooklyn, N.-A.: Philipp Butterfaß, 62 Jahre alt, aus Pfeddersheim. In New-Aork: John Vogler aus Babenhausen. Ebendaselbst: Frau Elisabeth a Wagner, 90 Jahre alt, aus Framersheim. In Newark, N. I.: Joseph Schmelz, 45 Jahre alt, aus Oberufhausen, Kurhessen. X Heuchelheim,4. November. (Kleinkinderschule.) Der Verein für Jugendfreunde hat in der gestrigen Generalversammlung beschlossen, die schon lange geplante Kleinkinderschule ins Leben zu rufen. Der Verein erfreut sich einer großen Mitgliederzahl und besitzt auch schon ein bedeutendes Stammkapital. Es wird nunmehr zunächst der Platzfrage näher zu treten zu fein und wäre hierzu die neue Straße, welche von der neuen Schule aus angelegt wird, der geeignetste Platz. Wir wollen hoffen, daß die Anstalt, welche schon lange ein Bedürfnis für unser volkreiches Dorf ist, mit dem nächsten Jahre gegründet wird. 4- Grünberg, 3. November. Nachdem nunmehr das neuerbaute Sparkassegebäude bezogen worden ist, hat der Vorstand des Spar- und Leihkassevereins Grünberg wöchentlich zwei Geschäftslage (Dienstag und Freitag) anberaumt, während früher nur ein Kassetag festgesetzt war. Voraussichtlich wird während des Monats Dezember wegen der dann vorzunehmenden Zinsbeischreibung und -Auszahlung noch ein weiterer Tag zur Erledigung der Kassegeschäfte bestimmt werden. △ Laubach, 2. November. Eine Anzahl von Geistlichen und Lehrern der Gegend haben sich vor einiger Zeit zu einer Religionslehrerkonferenz vereinigt, die alljährlich mehrmals, in der Regel auf dem „Hessenbrücker Hammer", tagt. Die letzte diesjährige Versammlung fand gestern nachmittag zu Wetterfeld statt. Derselben ging eine Unterrichtsprobe in der dortigen Schule voraus. — Den Standesbeamten zu Ruppertsburg und Villingen wurden seitens des Ministeriums belobende Anerkennungen erteilt. O Lauter, 3. November. Der jetzige Besitzer der in der Nähe unseres Ortes befindlichen Wollspinnerei Georgenhammer, Herr Albert Godosar, hat den Betrieb durch Aufstellung neuer und besserer Maschinen bedeutend erweitert und vervollkommnet. Die dort gefertigten Strickgarne werden auch gegen Lieferung von Wolle oder abgelegten gestrickten Gegenständen abgegeben, bezw. werden letztere in Zahlung genommen und entsprechend verrechnet. Büdingen, 3. November. In diesen Tagen werden die Herren Lehrer Weinel und Weidmann 25 Jahre an hiesiger Gemeindeschule thätig sein. Wie verlautet, wird nächste Woche zu Ehren dieser Herren eine Feier stattfinden. — Der Winterkursus an der hiesigen Gewerbeschule wurde heute in Gegenwart der Lehrer und Schüler durch den Vertreter des Aufsichtsrates, Herrn Kreisamtmann Sandmann eröffnet Die Tagesschule wird von 39 Schülern besucht, hiervon wurden 8 der I., 12 der II. und 19 der III. Klasse (Unterklasse) überwiesen. Darmstadt, 2. November. Heber den Besuch des russischen Kaiserpaares beim badischen Groß- herzogspaar wird unterm 31. Oktober aus Baden-Baden gemeldet: Die Bahnhofshalle war auf das Vornehmste geschmückt worden, im übrigen war der ganze Bahnhof streng abgesperrt. Punkt 12,30 Uhr fuhr der russische Hofzug ein. Ihm entflieg alsbald die Kaiserin Alexandra, eine blühende, stattliche Erscheinung, die auf die Großherzogin zueilte. Beide hohen Damen umarmten und küßten sich herzlich. Die gleiche Begrüßung wurde mit der Großherzogin von Hessen ausgetauscht, welche der Kaiserin gefolgt war und gleich ihrer Schwägerin noch Trauerkleider um den verstorbenen Groß- fürsten-Thronfolger trägt. Inzwischen war auch Kaiser Nikolaus ausgestiegen, von mittelgroßer Gestalt, mit frischem, blond- bärtigem Gesicht und treuherzigen Augen. Der Kaiser trug feine russische Obersten-Uniform mit den Abzeichen eines Flügeladjutanten, des Ranges bei feiner Thronbesteigung, und hatte das Band des badischen Hausordens der Treue angelegt. Der Großherzog war dem erlauchten Gaste ent gegengefahren und begrüßte ihn mit herzlichem Handschlag. Mit dem russischen Kaiserpaare waren ferner der Großherzog von Hessen in Generalsuniform und der Schwager unseres Großherzogs, Großfürst Michael Nikolajewitsch, gekommen, an Statur ein Ebenbild des ersten Nikolaus. Der Großfürst war seinem kaiserlichen Neffen bis nach Oos entgegengefahren. Der Großherzog von Baden trug die Uniform seines 1. badischen Leib - Grenadier - Regiments Nr. 109, der Erbgroßherzog diejenige seines Freiburger Infanterie-Regiments Nr. 113, Prinz Max war in Garde-Kürassier-Uniform erschienen. Alle deutschen Fürsten trugen das blaßblaue Band des russischen Andreas- Ordens, bis auf den Großherzog von Hessen, der gleich seinem Schwager das Band des badischen Ordens der Treue angelegt hatte. Nach der Begrüßung auf dem Bahnsteig durchschritten die hohen Herrschaften den fürstlichen Wartesaal und fuhren unter lebhaften Zurufen in offenen zwei- spännigen Wagen nach Schloß Baden, wo alsbald Familientafel und für das Gefolge Marschallstafel stattfanden. Nach der Tafel begaben sich die hohen Herrschaften nach der russischen Kapelle und sodann zum Russischen Hofe, woselbst Prinzessin Wilhelm wohnt. Von hier fuhren die hohen Herrschaften nach dem Bahnhofe. Die Verabschiedung war äußerst herzlich. Der Kaiser schüttelte dem Großherzog tie Hände und küßte der Großherzogin die Hand. A Mainz, 3. November, lieber die letzten Lebensstunden des gestern abend kurz nach 9 Uhr infolge eines Herzschlages plötzlich verschiedenen Bischofs Dr. Haffner wird mitgeteilt, daß der Bischof, der seit einigen Tagen von einer Erkältung befallen, sich noch einige Stunden vor seinem Tode in lebhafter Unterhaltung mit seiner Umgebung befand und sich über Tagesfragen unterhielt. Kurz vor 9 Uhr klagte der Bischof über großes Unbehagen, sodaß sich der anwesende Hauskaplan Pater Dr. Pesch veranlaßt sah, ihm die Sterbesakramente und die Absolution zu erteilen. Alsbald darauf trat der Herzschlag ein, der den sofortigen Tod zur Folge hatte. Das sofort benachrichtigte Domkapitel, wie der Hausarzt erschienen innerhalb weniger Minuten, konnten indes nur noch den Tod konstatieren. Gegen 10 Uhr in der Nacht erschien Provinzialdirektor von Gagern in dem bischöflichen Palais und verweilte längere Zeit im Sterbezimmer. Noch in der Nacht wurde Kardinal Kopp, die Bischöfe der oberrheinischen Kirchenprovinz, ferner die Bischöfe von Speyer und Würzburg, sowie der erwählte Erzbischof Dr. Simar telegraphisch von dem Ableben des Dr. Haffner verständigt. Zur Kon- dolenzbezeugung erschienen heute vormittag der Bürgermeister mit den Beigeordneten im bischöflichen Palais. Ob die Beisetzung den Montag oder erst Dienstag stattfindet, ist noch unbestimmt. Die Beisetzung erfolgt im Dorne. — Mit dem gestern verstorbenen Bischof Dr. Haffner, der in diesem Jahre schwerlich noch einen Nachfolger erhalten wird, ist der siebente der Bischöfe gestorben, welche in dem zur Neige gehenden 19. Jahrhundert den bischöflichen Stuhl von Mainz inne hatten. An der Wende des vorigen Jahrhunderts war Karl Josef v. Erthal Bischof von Mainz, der 28 Jahre lang, von 1774 bis 1802, die Bischofswürde in Mainz bekleidete. Ihm folgte der zu Straßburg geborene Bischof Josef Ludwig Kolmar, der von 1802 bis 1818 Bischof von Mainz war. Nächst diesem hat der von Offenburg stammende Dr. Josef Burg den bischöflichen Stuhl besetzt, jedoch nur für drei Jahre, von 1830 bis 1833. Noch kürzer war die Bischofszeit des Nachfolgers des Dr. Burg, des aus Straßburg gebürtigen Bischofs Dr. Johann Jak. Humann, der nur vom 20. Januar 1834 bis zum 19. August des gleichen Jahres die Bischofswürde von Mainz bekleidete. Nach dem Tode von Bischof Humann wählte das Domkapitel Domdekan Dr. Werner zum Bischof, der die Wahl aber wegen vorgerückten Alters ablehnte, und alsdann der in Mühlheim a. Main geborene Oberschulrat Dr. Leopold Kaiser die Bischofswürde von Mainz erhielt, die er von 1835 bis 1848 bekleidete. Nach Dr. Kaiser war der Universitätsprofessor Dr. Dr. Leopold Schmidt in Gießen zum Bischof ausersehen, doch fand derselbe nicht die Bestätigung. 1850 bestieg sodann der aus Münster stammende Bischof Dr. Wilhelm Emanuel Ketteler den Bischofsstuhl, auf dem er bis zu seinem im Jahre 1877 erfolgten Tode verweilte. Nach Ketteler war wegen des Kulturkampfes der Mainzer Bischofssitz 11 Jahre verwaist, und mit der Berufung des eben verstorbenen Dr. Haffner wurde derselbe im Jahre 1886 wieder besetzt. Mainz, 3. November. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurden gemäß den Anträgen der betreffenden Kommissionen die zwischen der städtischen Verwaltung und dem Militärfiskus wegen Austausch größerer Komplexe militärfiskalischen Geländes hier getroffenen Vereinbarungen mit großer Majorität gutgeheißen. Die Ausführung der Beschlüsse soll jetzt sehr beschleunigt werden 'und bereits heute morgen sind die Verträge zur Genehmigung an das Kriegsministerium und an das Kreisamt abgegangen. Bingen, 1. November. Der kürzlich in Mainz verstorbene Ehrenküster der hiesigen Rochuskapelle, Herr Hch. Jung, hat der genannten Kirche 10000 Mk. testamentarisch vermacht. ------------ □ Vetzberg, 4. November. Die hiesige Schulstelle ist am 1. November durch Herrn Lehrer H. Heinz aus Schürdt, Kreis Altenkirchen (Westerwald) neu besetzt worden. Somit ist der Wunsch der Gemeinde, einen verheirateten Lehrer zu besitzen, erfüllt worden. Bekanntlich gehört unser neu erbautes Schulhaus zu den schönsten Schulen des Kreises Wetzlar, und war es daher unser aller Wunsch, daß das schöne Gebäude auch bewohnt werde. Fronhausen, 3. November. Herr Lehrer Dörr in Bellnhausen trat mit dem 1. November d. I. nach mehr als 40jähriger Dienstzeit in den wohlverdienten Ruhestand. — Die hiesige israelitische Lehrerstelle ist einge- gangen. Durch das neue Lehrer-Besoldungs-Gesetz erwuchsen der verhältnismäßig kleinen Gemeinde so hohe Kosten, daß dieselbe darauf verzichten mußte, einen eigenen Lehrer zu unterhalten. Die Schülerzahl betrug in den letzten Jahren 5 bis 10. O. Ztg. - Frankfurt a. M., 2. November. Auf der Jagd nach Neuem und Unerhörtem kommen die Leute manchmal auf recht sonderbare Gedanken. So ist ein eigenartiges Unternehmen von zwei hiesigen jungen Kaufleuten, den Herrer Willi H. und Philipp D. beschlossen worden. Beide wollen nämlich sämtliche 26 deutsche Bundesstaaten durchreisen, indessen nicht mit der Eisenbahn oder einem Zwei-, Drer- ober einem Motorrabe, sonbern mit einem Einrabe, d. h> mittels einer Schubkarre, wobei einer stets ben anderen zu schieben hat. Am 1. Dezember soll die Fahrt losgehen. 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Koegler. — Druck und Verlag der Brühl'scheu UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben» in Gießen. A »ntm., W* Di' Der Hetzer Wir haben b ^exbinanb, brr ös schon amtommenb Gattin heimsühren seinen Abschluß fin' gesponnen Hah uni nun enthüllen voll Erzherzog Frc Anddreißigsten Lebe wie sein verstorben im einnnbzwanzigs pichen Lrbensrnn^ seinem Reziernntzt Monarchen eine Galtin verschrei ab: „Ich gestatte Dispositionen zu Ferdinand niema: seines Herzens zu denn seit sechs Jc Mit diesem Stefanie von £ Chotek, me/'l bi MM/chen Hufen regelmäßig von D Tramontana auf t ßtzen unb nach b( Deckrsuntz eines 5 staub, wie ein Ai Brüllen bes Mee an ben Felsen bi Sturmes, wenn - neben bet Villa t schauspiel betaust daß sie stundenla Seele in dem En gebannt sei. Unt tiefen Sinnen ftei stundenlang kein _ Kronptinzess Kronprinzen Rudl i^"en der Kaisets buchte plötzlich i W von Oesteti Stefanie vermähl einet ^richten der ' bestand, daß ” ‘ I Uaub fee ei"f=tubt,«= d-r , * war. ö?"thi ß «'*»« St *•* Aq' • h°ßg unter et bem snn ift L'? g“M nach .dein ( ivA.?? nla en«