Nr 4 Erstes Blatt Donnerstag den 5. Januar 1899 Gießener Anzeiger I ZZezustspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Psg. monatlich 75 Pfg. mii Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. General-Mutiger AZnts- und Zlnzeigeblntt für den ICrek Grefzen. Annahme von Anzeigen zu der nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Alle Anzeigen-vermittlungSstellen deS In- und AuSlande« nehmen Anzeigen für den Sießener Anzeiger entgegen. Hrscheinl fnflfuü mir Ausnahme de MontagS. Die Gießener AnmirienvtLtler Werden dem Anzeige» Wöchentlich viermal beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: -chnkßratze Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener FamilienblMer, Der hestifche Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Feil. Gießen, 31. Dezember 1898. Betr.: Die Kranken-, Jnvaliditäts- und Alters-Versicherung der Kreisstraßenwarte. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzherzogl. Bürgermeistereien der Landgemeinde« des Kreises. Sie wollen den Gemeinde-Einnehmer anweisen, bezüglich der bis Ende Dezember lfd. Jrs. für die Kreisstraßenwarte vorlagsweise gezahlten Beiträge zu den Kosten der Gemeinde-Krankenversicherung, sowie derjenigen für Jnvaliditäts- und Alters-Versicherung mit der Kreiskasse abzurechnen und die Vorlagen gegen Abgabe der Quittungen hierüber, zu welchen besondere von der Kreiskasse erhältliche Formu- larien zu benutzen sind, in Empfang zu nehmen. Wir sehen Ihrem Bericht darüber, daß die Abrechnungen stattgefunden haben, bis spätestens 1. Februar 1899 entgegen. v. Bechtold. Äelmrntmachung, betreffend das Ersatz-Geschäft für 1899. Mit Bezug auf die Bestimmungen der Deutschen Wehr- Ordnung werden: 1) alle im Jahre 1879 geborenen Militärpflichtigen, sowie 2) die in früheren Jahren geborenen, welche sich noch nicht zur Musterung gestellt haben, oder 3) welche hinsichtlich ihrer Beipflichtung zum Eintritt oder ihrer Befreiung vom Militärdienste noch keine definitive Entscheidung erhalten, und entweder im Kreise Gießen ihren dauernde« Aufenthalt haben, oder in demselben als Studenten, Gymnasiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirtschaftsbeamte, Handlungsdtener, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Lehrburschen, Dienstboten, Fabrik- arbeüer oder in ähnlicher Eigenschaft sich aufhalten, hiermit aufgefordert, sich behufs Eintragung ihrer Namen in die Stammrolle in der Zeit vom 5. Januar bis zum 15. Januar l. I. bei der Bürgermeisterei ihres Wohnortes, beziehungsweise ihres dauernden Aufenthalts' ortes zu melden und dabei, wenn sie an diesem Orte rächt geboren sind, ihren Geburtsschein, welcher nunmehr von dem betreffende» Standesamt zu erwirken ist, «nd wenn sie sich bereits bei einer früheren Musterung gestellt haben, ihren Losungs-Schein vorzulegen. Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß Die jenigen, welche die Anmeldung unterlaßen, zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Strafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Teilnahme an der Losung ausgeschlossen und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zurückstellung ic. verlustig erklärt werden. Bezüglich derjenigen Militärpflichtigen, welche zur Zeit abwesend find, find deren Eltern, Vormünder, Lchr-, Brod- und Fabrikherren zu diesen Anmeldungen verpflichtet. Die Groß herzoglichen Bürgermeistereien des Kreises «erden beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen. Gießen, am 2. Januar 1899. Der Civilvorsitzende ter Großherzoglichen Ersatz-Commission Gießen. Boeckmann. Zur Lage in Oesterreich. Allem Anscheine nach haben die maßgebenden Kreise Oesterreichs jede Hoffnung auf eine Wiederherstellung des Parlamentarischen Lebens verloren. Und fürwahr, seitdem dre Obstruktion im Wiener Abgeordnetenhause das Scepter fuhrt, haben die Staatsgeschäfte nicht die geringste Förderung erfahren, und die Maschine müßte still stehen, wenn — der I Paragraph 14 nicht wäre. Dieser ist jetzt bezüglich des Verhältnisses Oesterreichs zu Ungarn neuerdings zur An- wendung gekommen. Ein kaiserliches Handschreiben bestimmt «amlich, daß die Quote, d. h. die von Oesterreich und von Ungarn für die gemeinsamen Angelegenheiten aufzubringenden «osten, unverändert bleibt. Gerade diese Quote ist die Veranlassung gewesen, daß bisher die Frage des Ausgleichs Unerledigt geblieben ist. Oesterreichischerseits verlangte man, atz Ungarn einen gegen stüher höheren Beitrag zahle, ogegen man sich aber in Budapest heftig sträubte. Die byuss einer Verständigung eingesetzten Quotendeputationen sind bisher noch stets resultatlos auseinandergegangen, und aller Voraussetzung nach wird eine Einigung kaum jemals erzielt werden können. Auch die Verlängerung des Zoll- und Handelsbündnisses sowie des Verhältnisses zur österreichisch-ungarischen Bank ist durch das kaiserliche Handschreiben ausgesprochen worden. Man trug sich bekanntlich in Ungarn schon mit dem Plane, das Zoll- und Handelsbündnis mit Oesterreich zu lösen, wie man denn in Budapest nicht übel Lust hat, den Wienern zu zeigen, daß zwei selbständige, voneinander völlig unabhängige Reiche das Scepter Franz Josefs vereinigt. Ueberhaupt ist in letzter Zeit die Stimmung in Ungarn gegenüber Oesterreich nicht besser geworden; war schon früher eine gewisse Animosität vorhanden, so hat dieselbe im Laufe der letzten Jahre noch weitere Fortschritte gemacht. Das kann immerhin verhängnisvoll für die Gesamtmonarchie und insbesondere auch für Oesterreich allein werden, da der Schwerpunkt des ganzen Staates immer mehr nach Budapest verlegt wird. Dem Ansehen des ganzen Reiches schaden unter allen Umständen die Differenzen, welche zwischen Wien und Budapest sich bemerkbar machen. Recht pessimistisch beurteilt der Präsident des österreichischen Abgeordnetenhauses die Lage. Er spricht dem Parlamentarismus in Oesterreich jede fernere Existenzberechtigung ab. Und wenn wir heute sehen, daß die Obstruktion des Reichsrats jede Mitwirkung des Parlaments an der Gesetzgebung illusorisch macht und der Inanspruchnahme des vielberufenen Paragraphen 14 die Wege ebnet, so ist die Ueberzeugung berechtigt, daß man in Oesterreich dem Absolutismus zutreibt. Welche Kämpfe bis dahin noch ausgefochten werden müssen, darüber wird kein Einsichtiger im Zweifel sein können. (xx) Deutsches Reich. Darmstadt, 4. Januar. Die „Darrnst. Ztg." schreibt: Ende dieses Monats, am 31., wird Herr Finanzminister i. P. August Weber, Exzellenz, seinen 7 0. Geburtstag feiern. Der Genannte blickt auf ein an Mühen und Arbeit, aber auch Erfolgen und Segen reiches Wirken im Dienste des Staates zurück, nicht minder hat er sich durch die lebhafte Anteilnahme an gemeinnützigen Bestrebungen, insbesondere auf dem Gebiete edler Menschenliebe, unvergeßliche Verdienste erworben. Wir sind überzeugt, daß sich der 31. Januar zu einem hohen Ehrentage des verdienten Mannes gestalten wird. Berlin, 3. Januar, Die „Nordd. Allgem. Ztg." bestätigt, daß der Entwurf einer Abänderung des Bankgesetzes vom 14. März 1875 seitens des Reichskanzlers den Mitgliedern des Bundesrats zugegangen ist. Nähere Mitteilungen über den Inhalt sind zur Zeit ausgeschlossen. Indessen ist von einer Verstaatlichung der Reichsbank in dem Entwürfe nicht die Rede. Der „National-Zeitung" zufolge ist es richtig, daß der Entwurf die Erhöhung des Grundkapitals, die Steigerung des steuerfreien Noten-Con- tingents vorschlägt. — Neue Neichsbanknoten. Die neuartigen 100 und 1000 Markscheine, deren Fertigstellung wir bereits vor einiger Zeit meldeten, sind jetzt von den amtlichen Kassen bei Gelegenheit der Gehalts- und Pensionsauszahlung dem Verkehre übergeben worden. Die neuen Scheine haben in Länge und Breite dieselbe Größe wie die alten, auch ist der Druck genau wie bei den letzteren ausgeführt. Während jedoch bei den alten Scheinen der Faserstreifen sich auf der rechten Seite in einer Breite von etwa 31/* Zentimeter befindet, ist bei den neuen Scheinen die ganze linke Hälfte mit den Fasern versehen, und zwar bei den 100 Markscheinen auf rotem, bei den 1000 Markscheinen aus grünem Untergründe. Die 100 Markscheine sind also rot-blau, die 1000 Markscheine grün-braun. Des weiteren weisen die neuen Banknoten noch ein drittes Wasserzeichen auf. Dieses steht links von dem in der rechten oberen Ecke angebrachten roten Rundstempel des Reichsbank-Direktoriums und stellt sich dar abwechselnd als ein Buchstabe des lateinischen Alphabetes von 1 y3 Zentimeter Höhe. Sämtliche neuen Scheine sind „Berlin, den 1. Juli 1898" signiert. Die Rückseiten der alten und neuen Scheine sind einander vollkommen gleich mit Ausnahme des durchschimmernden roten resp. grünen Faserstreifenuntergrundes. — Koloniales. Gouverneur Leutwein hat soeben über seinen letzten Zug in den Süden des Schutzgebietes amtlich Bericht erstattet. Wir entnehmen dem Bericht olgendes: „Der Zweck der nach dem Süden unternommenen Expedition ist erreicht und der Frieden in diesem Teile des Schutzgebietes wieder hergestellt. Die beiden schuldigen Kapitäne sind vor ein Gericht der nichtbcteiligten übrigen Kapitäne des Namalandes gestellt und von diesem zur Tragung der Kosten der Expedition zu gleichen Teilen, der Kapitän von Bethanien außerdem zur Abtretung eines Stück Landes verurtheilt. Die Größe des letzteren sollte der Gouverneur im Verein mit den vier als Richter fungierenden Kapitänen bestimmen. Die Richter bestanden aus den Kapitänen: Hendrik Witboi von Gibeon, Christian Goliath von Berseba, Simon Cooper von Gokhas, Hans Hendrik von den Veld- schoendragern. Den Vorsitz führte Regierungsrat v. Linde- quist, und hatte ich diese Zusammensetzung des Gerichts aus politischen Gründen gewählt. Im Verlauf der Untersuchung hatte sich ergeben, daß doch der Kapitän Paul Fredriks von Bethanien der Schuldigere gewesen war, daher die härtere Strafe für diesen. Die auf Verletzung der Schutzverträge lautende Anklage wurde einstimmig bejaht. Die Kapitäne waren sehr eifrig bei der Sache, und machte die Stellung ihrer Standesgenossen vor das Gericht der Kapitäne auf die Letzteren sichtlich den besten Eindruck; eine gute Grundlage für Schlichtung der Streitigkeiten in der Zukunft. Nach gefälltem Urteil wurde in einer öffentlichen Versammlung, in welcher etwa 700 Eingeborene mit allen Kapitänen des Namalandes teilnahmen, die nunmehr geschaffene Sachlage auseinandergesetzt, sowie das Verhältnis zwischen Schutzmacht und den Eingeborenen genau klargelegt. Nach diesen Darlegungen, die von meiner Seite gegeben waren, nahm Kapitän Witboi zu einer Ansprache das Wort, welche im allgemeinen sich meinen Ausführungen anschloß, dem Dank für die Wiederherstellung des Friedens Ausdruck gab, und die Anwesenden ermahnte, stets der Obrigkeit gehorsam zu sein, hinzufügend, daß unter Letzterer der Stammeskapitän und die gemeinsame Negierung zu verstehen seien. Schließlich trennte sich Alles in Frieden und Freundschaft. Die Frage der Stempelung der Gewehre ist dadurch erledigt worden, daß die beiden aufsässigen Kapitäne mit der Stempelung bereits begonnen haben." — Aus Kiautschou. Den Privatbriefen eines Maschinisten an Bord des Kriegsschiffes „Deutschland" entnimmt die „Voss. Ztg." folgende Angaben: Die durch einen Teil der deutschen Presse gegangenen Nachrichten von der schlechten Verpflegung der Matrosen haben vielen Angehörigen Veranlassung gegeben, sich danach zu erkundigen. Es sei richtig, daß in der ersten Zeit einige Mißgriffe in der Verpflegung vorgekommen seien, trotzdem habe die Nachricht alle Mann an Bord belustigt. Sie erhielten hauptsächlich Cornedbeef, gedörrtes Gemüse und frisches Ochsenfleisch, wenn solches aufzutreiben sei. Die gesunden dicken Backen hätten sie nicht von der angeblichen „fünfzehnstündigen Arbeitszeit" und „dem Essen, bei dem ein kleines Kind verhungern müßte". In Tsintau, wo sie Schießübungen abgehalten haben, sei noch nicht viel los, doch würde allerwärts flott gearbeitet. Auf der Fahrt nach Sachalin (Sibirien), heißt es weiter, habe die „Deutschland" 14,7 Knoten gemacht, also mehr, als die Maschine zu leisten habe; hierfür sei eine Belobung des Kaisers eingetroffen und vor versammelter Mannschaft in Tsintau verlesen worden. Das Maschinenpersonal habe sich vorzüglich eingearbeitet. Bei der Parade in Shanghai habe die „Deutschland" wie ein Schmuckkasten ausgesehen. Prinz Heinrich sei beauftragt, den Besuch des Königs von Siam in Berlin zu erwidern. Im Juli würden sie jedenfalls ab- gelöst und dann im September in der Heimat eintreffen. An Bord sei Alles wohl. Dresden, 1. Januar. Der sächsische Militärbevollmächtigte beim Bundesrat, Graf Vitzthum von Eckst äd t, verlaßt im Frühjahr Berlin, um die Führung eines Regiments zu übernehmen. An seine Stelle tritt Major- Krug von Nidda. Halle, 31. Dezember. Der hiesige Magistrat hat nach dem Vorgänge anderer deutscher Städte dem Herrn Reichskanzler eine Bittschrift zugehen lassen, welche die Erleichterung der Schlack) tvieheinfnhr bezweckt. Der Preis für 50 Kgr. Lebendgewicht in Halle hat nach der Bittschrift 1897/98 bei den Rindern eine Steigerung um 31,3 Proz., bei den Kälbern um 9,1 Proz., bei den Schafen um 4,5^Proz., bei den Schweinen um 26,6 Proz. erfahren. Im Kleinhandel ist der Preis für 1 Kgr. Fleisch bei Rindern um 1,5 Proz., bei Schweinen um 9,9, bei Schafen um 7,4 Proz. gestiegen. Den unteren Klassen wird durch die Preissteigerung nicht nur das Fleisch verteuert, sondern sie werden hierdurch auch genötigt, weniger und schlechteres Fleisch zu genießen Der Fleischverbrauch ist vom Jahre 1893 bis 1897 pro Kopf der Bevölkerung von 70,76 Kgr. heute wieder hierher zurückgekehrt. Rom, 3. Januar. Infolge ungünstiger Depeschen aus tzrithrea wurde über die zu ergreifenden Maßnahmen | ein Kriegsrat abgehalten. Rom, 3. Januar. Aus Sizilien wurden Ruhestörungen gemeldet. In Misceny demonstrierten mehrere lausend Bauern gegen die Verzehrungssteuern, sie griffen die Zollabnahmestellen an und brannten dieselben nieder. Paris, 3. 'Januar. „Echo" berichtet, das Marine- Departement habe die Zurückziehung von zwölf Torpedobooten aus dem aktiven Dienst zwecks Bereit- Haltung für alle Eventualitäten verfügt. Paris, 4. Januar. Infolge des leidenschaftlichen Hasses der Nationalisten gegen Dreyfus und seine Partei sieht sich, wie man jetzt wahrnehmen kann, doch auch der Kassationshof in der Ausführung seiner Entschlüsse gehemmt. Nationalistischen Blättern zufolge hatte der Kassationshof vor vierzehn Tagen die Rückkehr des Dreyfus beschlosieu. Males und PravinMes. Gießen, den 4. Januar 1899. Pfreimbtner-Offenbach. ** Fraueukoupees in Schnellzügen. Da in den Durchgangswagen der Schnellzüge die Frauen ko u pees ost weite Strecken leer laufen, so wurde auf der Wagenbestellungs - Konferenz, welche die europäischen Bayn- verwaltungen in Haag abhielten, beschlossen, die Frauenabteilungen auf den Stammteil der Schnellzüge, soweit nur irgend thunlich, zu beschränken und, wenn mehr als em Durchgangswagen im Schnellzuge sei, ein Frauenkoupee nur in jenem Wagen einzurichten, welcher die weiteste Strecke z» durchlaufen habe. Es wird sich daher künftig nicht mehr m allen Durchgangswagen ein Frauenkoupee befinden, un lediglich Nachtschnellzüge werden solche Frauenkoupees m jedem direkten Wagen führen. ** Ein übereinstimmendes Verbot wurde von den Eisenbahnen erlassen, wonach es strengstens untersagt ist, daß Reisende in den Zügen auf mitgebrachtem Spirituskocher Thee oder andere warme Getränke bereiten. Das Zugpersonal ist angewiesen worden, dergleichen Manipulationen zu verhindern, weil durch diese nicht nur sehr leicht Feuer entstehen kann, sondern auch die Mitreisenden belästigt werden. Sodann ist das Lokomotivpersonal angewiesen worden, das Qualmen der Maschinen auf den Stationen und an Bahnsteigen nach Möglichkeit zu verhindern. Das Oeffnen der Bläser, das Dampfablassen soll an Uebergängen, bei der Fahrt durch Ortschaften, an Bahnsteigen und überall dort, wo es zu Belästigungen des Publikums oder zum Scheuwerden von Tieren Veranlassung geben könnte, unterbleiben. Ebenso ist der Mißbrauch der Dampfpfeife verboten. ** Erledigte Stellen im Bezirk des 11. A r m e e c o r p s. Bankenhain, Kaiser!. Postamt, Landbriefträger, 700 bis 900 Mk. Gehalt und 60 Mk. Wohnungsgeldzuschuß jährlich. Braunfels, Bürgermeisteramt, Sekretär, 800 bis 1000 Mk. Gehalt jährlich. Eisenach, Großh. Steuerrevision, Expedient und Schreibgehilfe, 14 Mk. Wochengeld. Eisenach, Kaiser!. Bahnpostamt VI, Postschaffner, 800 bis 1500 Mk. und 144 Mk. Wohnungsgeldzuschuß jährlich. Darmstadt, I Oberpostdirektion, ein Landbriefträger und ein Postschaffner, Ersterer 700 Mk., Letzterer 800 Mk. Gehalt und der gesetzliche Wohnungsgeldzuschuß. Wenigenjena, Kaiser!. Postamt, Landbriefträger, 700 Mk. Gehakt und 60 Mk. Wohnungs- qeldznschuß Wiesbaden, Polizeidirection, zwei Schutzleute, 1000 bis 1500 Mk. jährlich. - Im Bezirk der Großh. Hessischen (25.) Direction: Direction der Mam-Neckarbahn, Anwärter für den Stations- und Abfertigungsdienst, 1000 bis 1600 Mk. » Wetterbericht. Niederer Druck beherrscht fortgesetzt I ganz Europa mit Ansnahme des äußersten Norden und ist I seit gestern namentlich auch im Süden der Alpen das Baro- I meter stärker gefallen. Die am Vortage im Nordwesten I befindliche Depression bedeckt heute Oesterreich-Ungarn und I Deutschland. Sein Centrum liegt an der ostdeutschen Küste, I ein zweites ist über der serbisch-ungarischen Küste zu er- I kennen. Die Witterung ist auf unserem Gebiete trübe und I regnerisch. — Voraussichtliche Witterung: Zunächst I noch trübes Wetter mit zeitweisen Schneefällen. O Altenbuskck, 2. Jauuar. Der hier seit kurzer Zeit I bestehenden Kleinkinder - Bewahranstalt wurde von I hochherziger Seite eine schöne Neujahrsgabe zuteil. Die Inhaber der Firma Karl Emmelius, Gießen, die Herren I Louis und Heinrich Emmelius, deren humaner Sinn allgemein bekannt ist, haben genannter Anstalt Mk. 1000 überwiesen. Diese hochherzige Spende verdient umsomehr Anerkennung, als diese Herren unfern Pfarrer, Herrn Scriba, bei seinen Bemühungen um Errichtung dieser Anstalt bereit- I mit einem gleichen Betrage von Mk. 1000 unterstützt hatten. ! Es freut uns, von solchen Akten berichten zu können, und I wir wollen hoffen, daß diese gemeinnützige Bethätigung nicht Ausland. Wien, 3. Januar. Maßgebende Kreise versichern, es I liege bisher keinerlei Nachricht vor, daß der deutsche oder russische Kaiser im Laufe dieses Jahres hierher- I kommen. , . . . . Wien, 3. Januar. Das Wiener „Vaterland" dementiert die Prager Meldung, Kardinal Schönborn würde sem Amt niederlegen, da er in ein italienisches Kloster einzu- I treten beabsichtige. Wien, 3. Januar. Wie verlautet, sollen die diesjährigen Kaisermanöver längs der bayrischen Grenze in Ober-Oesterreich und Salzburg abgehalten werden. Wien, 4. Januar. Ein völliger Stillstand in der Steuereinhebung, der Rekrutenstellung und sonstiger, von der Bewilligung der Volksvertretung abhängiger Wirksamkeit der Staatsbehörden ist mit dem Neujahrstage in Ungarn eingetreten. Dieses Land hat nämlich keinen | §. 14 in seiner Verfassung, und die Regierung weiß, daß dort das Volk bezüglich Staatsstreichsgeschichten keinen Spaß versteht. Der Finanzminister hat angesichts der mangelnden verfassungsmäßigen Steuerbewilligung sämmtliche Steuerbeitreibungen eingestellt. Der Magistrat der Hauptstadt beschloß im Zusammenhänge mit dem finanzministeriellen Erlaß vorläufig nicht einmal Steuerermahnungen verschicken zu lassen. Auch die Rekrutierungen sind für die Dauer des Ex Isx-Zustandes eingestellt. Doch wurden am letzten Tage | des Jahres 1898 im ganzen Lande alle jene Stellungs- ! pflichtigen, welche im März 1899 zur Abstellung kommen sollten, zur Aushebungskommission einberufen und zu ihrer nicht eben freudigen Ueberraschung regelrecht ausgehoben, jedoch bis 1. Oktober 1899 sofort wieder beurlaubt. Um die Regierung vor einer etwaigen Geldklemme zu bewahren, haben angeblich die regierungsfreundlichen Großgrundbesitzer beschlossen, ihre ganze Steuer für das Jahr 1899 bereits im Monate Januar zu erlegen. Wenns nur auch geschieht! Denn beschlossen ist bekanntlich leichter, als wirklich gezahlt. Die Regierung und die Opposition erklären, sie seien entschlossen, auszuharren. Doch klingen, wie schon erwähnt, die Erklärungen der Regierung und ihrer Partei minder entschieden, da darin schon von „Kompromissen" die Rede ist, während die Opposition dabei bleibt, daß Banffys Rücktritt unerläßlich sei. Gorz, 3. Januar. Wegen der slowenenfreundlichen Haltung des Fürsterzbischofs Missia sind bereits 45 Personen italienischer Nationalität zum Protestantismus übergetreten. Budapest, 3. Januar. Das Duell zwischen Horanszki und Banffy hat heute Vormittag um 11 Uhr stattgefunden. Nach zweimaligem Kugelwechsel, wobei niemand verletzt wurde, schieden die Gegner unversöhnt. Budapest, 3. Januar. Die heutige Sitzung im Ab- geordnetenhause vollzieht sich wider Erwarten ruhig, aber mit ausgesprochener Obstruktion. Die Opposition verlangt bei jedem Anträge namentliche Abstimmung. Budapest, 3. Januar. Ministerpräsident Banffy ist Der Justizminister, von der Entscheidung verständigt, hob indeß hervor, die Rückkehr würde große Ruhestörungen veranlassen, und es würde geradezu unmöglich sein, Dreyfus vor den Ausbrüchen der Wut zu schützen. Darauf hat denn der Kassationshof die Bekanntgabe der Entscheidung vertagt - Auch wird berichtet, daß seit der Entscheidung des Kassationshofs zu Gunsten der Revision tn der Behandlung des Hauptmanns Dreyfus keine Aenderung oder Milderung eingetreten sei. . London, 3. Januar. Die „Birmmgham-Post" will wisien, daß der Staatssekretär v. Bülow in diesem Frühjahre London besuchen werde. Petersburg, 3. Januar. Der Zustand der Kaiserin, welche leidend war, hat sich erheblich gebessert. nuf 60,64 Kgr. gesunken, im Jahre 1897/98 auf 62,o2 Kgr. gelegen. ®ie Zunahme des Fleischverbrauchs xm Iah 1897/98 ist nur eine scheinbare, denn seit 1893 bis dahm 1898 ist der Verbrauch von anderem als Pserdeflei,ch siir den Kops der Bevölkerung von 68,35 Sgr. aus o7,51 Kgr. gejunten. , $eccm6cr. Herzog Albrecht hat heute das silberne Jubiläum seiner Zugehörigkeit zur preumichen Armee gefeiert: er ist seit dem 24. Dezember 1863 als Oberst ä la suite des 6. thüring. Infanterie-Regiments Nr. 95 geführt worden. Im Jahre 1879 erfolgte jeme Ernennung zum Generalmajor, 1883 zum Generallieutenant und 1888 diejenige zum General der Infanterie ^m Jahre 1893, bald nach seiner Thronbesteigung, wurde der Herzog zum Chef des genannten Regiments ernannt, das außer' ihm auch den Herzog von Sachsen-Memmgen zum Chef hat. Herzog Albrecht ist bekanntlich außerdem Chef des 2. rhein. Husarenregiments Nr. 9 zu Straßburg und Admiral ä la suite der deutschen Marine. Am 23. Januar 1899 wird der Herzog das Fest seiner silbernen Hochzeit mit der Großfürstin Maria von Rußland, einer Tante des Zaren, begehen können. Aus Thüringen, 1. Januar. Der 1898er Jahresbericht der Handels- und Gewerbekammer von Sonneberg, dem Hauptindustrieort von Spielwaren, fordert bei der Neuabfassung des Zolltarifs für die Handelsvertrags- Verhandlungen: 1) daß die Scheidung der Spielwaren nach dem sie zusammensetzenden Material in Wegfall kommt und 2) daß für die zu schaffende einheitliche Position Spielwaren ein mäßiger 10 Prozent vom Wert oder 20 Mk. für 100 Ko. nicht übersteigender Einfuhrzoll festgesetzt werde. Nur bei Erfüllung dieser Forderungen sei etwas Ersprießliches für die deutsche Spielwarenindustrie zu erwarten. •• Von der Universität. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 31. Dezember den Privatdozenten an der Landes-Universität, Dr. Georg Sticker, zum außerordentlichen Professor bei der medizinischen Fakultät, den Privatdozenten Dr. Heinrich Walther zum außerordentlichen Professor bei derselben Fakultät der Landes-Universität zu ernennen. ♦* Die gestern Abend veröffentlichte Jmmobilien-Der- steigern«- der Peter Worch Eheleute in Gießen wurde zurückgezogen, was wir hiermit auf Wunsch der Beteiligten zur Kenntniß bringen. ** Stadttheater. Bereits gestern wiesen wir darauf hin, daß am kommenden Freitag, den 6. d. M., die Novität „A Basso Porto" zur erstmaligen Aufführung im hiesigen Stadttheater gelangen soll. Das effektvolle Werk Cognettis, welches uns in drei Akten Szenen aus dem neapolitanischen Volksleben vorführt, ist in der Emil Dürerschen Uebersetzung über die Mehrzahl der deutschen Bühnen gegangen und hat überall den tiefsten, nachhaltigsten Eindruck hinterlassen. Der hochinteressante Inhalt des Cognettischen Werkes hat bekanntlich den Komponisten Spinelli zu seinem Musikdrama gleichen Namens begeistert, welches ebenfalls auf den meisten deutschen Opernbühnen mit größtem Erfolge gegeben wurde. Man darf auf die Aufführung des Cognettischen Dramas „A Basso Porto" mit Recht gespannt sein. ** Panorama Photoplastik. Die im Panorama Neuen Bäue avisierte Serie des Riesen geb irges stellt sich den vorangegangenen würdig zur Seite, wenigstens scheint es uns, als ob die Aufnahmen nicht nur neuer und nut sehr vollkommenen Apparaten hergestellt seien, auch das ganze Arrangement der Staffage in den Landschaftsbildern ist äußerst geschickt. In einigen Bildern ist dank der zarten Kolorierung und dem kräftigen, detaillierten Hervortreten der im Hintergrund befindlichen Bäume, Pflanzen oder Felsen eine prächtige Perspektive erzielt. Aus den 50 dem Riesengebirge entnommenen Bildern fanden wir hervorragend I schön: Schloß Erdmannsdorf mit seinem wundervoll spiegelnden See, dann die folgende Kaskade, den Kynast, die Bismarck-Höhe mit dem Restaurant, den Kochelfall mit Baude, Zackelfall, die Klamm, den Elbfall mit Baude, den Eingang zum grünen Grunde, die Schneekoppe, den Riesen- qrund, den kleinen Teich, ebenfalls von wunderbarer Wirkung, die Prinz Heinrich-Baude im Winter, sowie die letzte Hörner- I I schlittenfahrt der Prinzessin von Meiningen, eine überraschende Abwechselung bei den vielen Landschaftsbildern, den Mittagsstein, die große Aupa u. s. w. Man sreht eine Fülle von prächtigen Ansichten, die den Besuch des Panoramas auch in dieser Woche zu einem lohnenden gestalten. Wir möchten daher das Publikum und die Herren Lehrer mit ihren Schülern auch von außerhalb darauf aufmerksam machen. ** Zuwendungen. Aus mehreren Dörfern in der Um- | qebung Gießens sind seither in diesem Blatte Mitteilungen erschienen, in denen dankend hervorgehoben wurde, welche bedeutenden Geldbeträge Herr Direktor Pascoe von dem Gießener Braunsteinbergwerk den verschiedensten Wohlthatig- keitsaustalten und einzelnen Armen zu Weihnachten gespendet hatte Da eine ähnliche Mitteilung ans Gießen selbst bis iebt nicht erfolgt ist, so lönnte die Meinung entstehen, daß fierr Direktor Pascoe sein Wohlwollen nur dem Lande, nicht auch der Stad, zngewendet hätte. Dies wäre aber ein großer Jrrtnm. Um ihn z» beseitigen, fei deshalb hier imt- geteilt daß Herr Direktor Pascoe zu Weihnachten auch G.eßen freundlichst bedacht hatte, indem er den Herren Pfarrer Dr. Naumann und Pfarrer Schlosser zur Chrlst- beiiberuna für die von ihnen geleiteten Vereine und Anstalten und für Arme den Betrag von 250 Mk., beziehmigsweife 150 Mk überbringen ließ. Wie demnach Herr Direktor Pascoe ebenso stenndlich an die Stadt Gießen wie an di- umliegenden Ortschaften gedacht hat, so wurde und wird I demselben auch ebenso aufrichtig von hier aus der herzlichste | D°nk^entgegengebracht.^^ Vorstand des Reichsausschusses für die Deutfchen Nationalfeste ist kürzlich in Berlin einmütig zu dem wichtigen Beschlüsse gelangt, die Organisatton de« Reichsausschusses zn erweitern, und zwar in der Weife, daß sich mit einer ähnlichen Verfassung nm etwa der Dentsch-Oest-rreichische Alpenverem, em großer Deutsch er Bereit! für vaterländische Festspiele bildet, dem örtliche Zweigvereine im ganzen Reiche als felbstandM Glieder anaehöreu. Diese örtlichen Vereine soNeu zunächst ^e großen Gedanken der Deutschen Na,ionalseste ,m Klemen verwirklichen, d. h. sie sollen den Besttebungen, an allen Orten unsere Volksfeste zu veredeln, mdem sie die Pflege der Körperzucht in ihren Mittelpunkt stellen und dadurch diele zu einer Bolkssitte machen, Ausdruck geben. Hand in Hand mit diesen örtlichen Bestrebungen setzt der Verein feind Bemühungen fort, die Deutfchen National feste aus I dem Niederwald- zustande zu bringen. Auf diese Weise wird das ganze deutsche Volk allmählich ans das wirksamste in den Kreis der Gedanken eingefuhrt, d'° den Deutschem Nationalfesten zugrunde liegen, und die auf eme torper liche, wie sittliche und künstlerische Ge undung unseres Volkes hinauslaufen. Die Berliner Beschlüsse werden im Januar kommenden Jahres dem Reichsausschuß »orgeleg^ und zweifellos von diesem angenommen werden. Es wird dann möglich sein, alle Freunde des Deutschen Nattonal- sestgedankeiis, sei es unmittelbar IN den®eiit dien »erent für vaterländische Festspiele oder mittelbar durch °rtl'che Vereine, die ähnliche Zwecke verfolgen, sich “"51'91’e6=r"; Damit ist ein bedeutsamer Schritt zur p^tis-hen wirklichung des schönen vaterläiidische» Unternehmens gethan. •• VorttagsknrS für praktische Landwirte zu «i-»-»' Mittwoch den 4. Januar wurde der vom Wirtschaftsrat veranstaltete Vortragskurs durch den Vize Präsidenten des Landwirtschaftsrats, Herrn Gutsbesch» C. S ch lenke - Hardthos bei Gießen, >n D°rhmderunz des Präsidenten Herrn Geh. Regierungsrat Haas-Ostenva-y, durch eine kurze Begrüßung eröffnet. Im Namen Großh. Regierung nahm ferner Herr Landesökonomierat^v Darmstadt, im Namen des landwirtschaftlichen Provinzm^ Vereins zu Oberhessen Seine Erlaucht Graf Friedrich zu Solms-Laubach, im Namen der Stadt Gießen Herr Oberbürgermeister G n auth- Gießen: da» Wort zu kurzen Ansprachen. Der Kurs ist außerordentl zahlreich besucht; es wurden 246 löst. Als erster Vortragender sprach Herr Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Märcker-Halle über „Neue Erfahrungen aus dem Gebiete des Zuckerrübenbaus und der Zuckerruben- industrie." Hierauf trug Herr Landeskulturrat Dr. Klaas- Darmstadt über „Landeskulturaufgaben' vor. £>e» letzten Vortrag hielt wiederum Herr Geh. Regierungs- rat Professor Dr. Märcker-Halle und zwar über „Neu- Erfahrungen auf dem Gebiete des Kartoffelbaues und des Brennereibetriebes". Nachmittags folgen die Diskussion stunden. Morgen Donnerstag sprechen die Herren Gey. Hofrat Dr. Thaer-Gieß-u und Dr. K i r st e > n-Berlin, ferner Bürgermeister Leun-Großen-Linden und Juliii Kutschen ' körper, unseres rden im ^gelegt wird National« n Verein । örtliche gliedern, chen Verls gethan. 1 ließen» en Land- >en Vize- Usbesitzer )inderung )frnbaä), n Großh. Kuller« rovinzial- riedrich c Stadt eßen da» rordentlich karten ge- Reg.-M ungen aus lckerrüben- . §laas- ir. Den egierungs- bcr „Neue s und des 'iskusstons- irren Geh. n-Berlin, Julius tn Durch- lpees ost ir jüngste« chen Bahnte Frauen- \orotit nur ittyt a\% di lentoupee nur ijte Strecke zi nicht mehr ii. lefinden, und entoupttä in den Gift «• agt ist, datz pmtuÄvcher , ^tzye^vnal men zu ver- cht Feuer ent- litstigt werden, n morden, das und an Bahn- s Oessnen der ingen, bei der ö überall dort, ’i zum Scheu- ,, unterbleiben, »erboten. :rmeec®r ?■ !«r, 700 b» jjufiuS är 800 bis gtmetteiM rKZ D»lB" tunh d-r S" Staiftd N. ffioinuiO8’ bet ®r* sd'-B. E M en. !-itwKÄ 'li wu? Sk de ^ .Verti» ß-". S aner M. 100T i Ä «ter?«f „» .« tön»"' « &äti9“n9fl allein die gebührende Würdigung, sondern auch vielseitige Nachahmung ftndet. -|- Nidda, 3. Januar. Gestern und heute wurde durch den für unseren Bezirk neu ernannten Kontrollbeamten der Jnvaliditäts- und Altersversicherung, Herrn K. F. Meiski zu Schotten, in mehreren Nachbarorten und an hiesigem Platze eine unvermutete Revision der Versicherungs- karten unständiger Arbeiter vorgenommen, die jedoch keine wesentlichen Beanstandungen ergeben haben sollen. — In dem nahen Dorfe Wallernhausen ist in zwei Fällen Diphtherie-Erkrankung bei Kindern festgestellt worden. Lauterbach, 2. Januar. Die 18 Jahre alte Marie Ehret wurde, als sie am Sylvesterabend zum Fenster hinausschaute, von einem Schuß getroffen und sank ohnmächtig zu Boden. Der Schuß hatte das linke Auge gestreift und den Vorderschädel zertrümmert, so daß das Mädchen hoffnungslos darniederliegt. Der Schuß war von dem 18Jahre alten Adam Leib aus einem alten Militär- gewehr abgefeuert, der das neue Jahr anschießen wollte. Er wurde sofort verhaftet. Darmstadt, 3. Januar. Professor Dr. Harnack, der, wie aus Berlin berichtet wurde, dorten so plötzlich verschwunden ist, war ausersehen, für den Bismarck-Gedächtnisakt, den die Technische Hochschule für den 18. Januar vorbereitet, die Gedenkrede zu halten. Der Gelehrte scheint verunglückt zu sein; da er jetzt schon vier Tage fehlt, kann man an eine günstige Lösung der dunklen Sache leider kaum noch glauben. Professor Harnacks Verlust wäre ein großer Schlag für unsere emporblühende Hochschule, an der er zahlreiche Zuhörer in seinen Literatur- und Geschichtskollegien vereinigte. Im vorigen Jahre hatte H. ein großes Werk über Schiller vollendet. Mainz, 2 Januar. Am 30. Dezember starb nach längerem Leiden Herr Großhändler Joh. Koch auf seinem Gut in Laubenheim im Alter von 56 Jahren. Mit seltenem Fleiß und weitem Blick ausgerüstet, hat sich der Verblichene geschäftlich emporgeschwungen und nahm in der Handelswelt, was den deutschen Viehhandel betrifft, einen hervorragenden Platz ein. — Ein hiesiger Kaufmann hat auf seiner Hochzeitsreise nach Monaco die ganze Mitgift seiner Frau im Betrag von 30000 Mk. verspielt und seine Frau dort sitzen lassen. — Beim Ausbaggern im Rhein fand ein Kastel er Sandfärcher am Samstag 44 Goldstücke aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts. Der Mann lieferte seinen Fuld auf dem hiesigen Museum ab und erhielt dort vorläufig den Goldwerth mit 12 Mk. für das Stück ausbezahlt. Die Münzen sind die gleichen, wie sie vor einigen Jahren in der Bretzenheimer Gemarkung gefunden wurden. Aus der Zeit für die Zeit. Vor 350 Jahren, am 5. Januar 1549, starb zu Blois die Königin von Frankreich, Katharina von Medici, auf deren schuldvolles Haupt alles Elend jener Verhängnis« vollen Zeit zurückfällt. Katharina besaß einen fast unumschränkten, aber durch Falschheit, Grausamkeit und Verschwendungssucht höchst nachteiligen Einfluß auf die Regierung. Die Angst über die Folgen der Ermordung des Herzogs von Gutse und seines Bruders, des Cardinals Ludwig, beschleunigte ihren Tod.____________________________________________________ Vermischtes. G. Fronhausen, 2. Januar. Gelegentlich der bei uns herrschenden Unsitte, daß am dritten Weihnachtstage beim Ausgehen der Mägde aus ihrem Dienste diesen von den jungen Burschen des Ortes Ovationen dargebracht werden, die im Peitschenknall bestehen, hat sich ein Unfall ereignet. Das siebenjährige Söhnchen eines hiesigen Einwohners wurde von einem hiesigen Knechte mit der Peitsche derart ins Gesicht geschlagen, daß der Arzt die Ueberführung in die Marburger Klinik anordnete. Herr Prof. Hesse operierte das schwerverletzte Auge; die rohe That dürfte ein Einbüßen des Augenlichtes zur Folge haben. * lieber das Verschwinden des Profestors Harnack hat die Berliner Polizei noch keine weitere Mitteilung versendet. Die Zeitungsnachrichten widersprechen sich. Der „Lokal- Anzeiger" schreibt: „Professor Otto Harnack ist wieder zu den Seinen zurückgekehrt; die an die Entfernung des Gelehrten geknüpften Besorgnisse haben sich also als gegenstandslos erwiesen. Der Herr Professor, der sehr nervös ist, hat sich bereits nach dem Süden begeben." Leider steht diese erfreuliche Meldung im Gegensatz zu anderen. So heißt es in der „Voss. Zig.": „Der seit dem 30. Dezember vermißte Prof. Otto Harnack war, wie. jetzt bekannt wird, durch vieles Arbeiten etwas nervös geworden. Er hat sich Abends 11 Uhr von seinen Begleitern am Potsdamer Platz getrennt, um auf dem Wege durch den Tiergarten seine Wohnung in Charlottenburg aufzusuchen. Aus bestimmten Aeußerungen des Professors nehmen jetzt seine Angehörigen und Freunde an, daß er, einer plötzlichen Eingebung folgend, nach dem Süden, nach München oder Rom, wo er sich früher schon längere Zeit aufgehalten hat, abgereist sein. kann. Die örtlichen Nachforschungen nach rhm sind hier ohne Erfolg geblieben. Der Tiergarten ist mehrere Male genau durchsucht, alle Gräben und Seen sowie der Kanal sind von Schiffern genau abgefischt worden. Auch die Nachforschungen in Krankenhäusern und Heilstätten haben kein Ergebnis gehabt. In Darmstadt, seinem ständigen Wohnsitz, ist Prof. Harnack nicht eingetroffen." — Im M©erl. Tagebl." heißt es: „Das Verschwinden des Prof. Otto Harnack ist noch nicht aufgeklärt. Die Familie des Vermißten macht fortgesetzt die größten Anstrengungen. So ließ sie mit Schleppankern und Netzen die in der Nähe des Tiergartens und im Tiergarten selbst belegenen Strecken des Kanals abfischen und den Tiergarten Quadratmeter für Quadratmeter von zehn Detektives genau untersuchen. Der neue See wurde im Auftrage des Polizeireviers in der Kuxhavenerstraße abgesucht — alles blieb ohne Erfolg. — Wenn die Familie nun auch hofft, daß der Vermißte uoch am Leben ist, so besteht doch die Befürchtung, daß Prof. Harnack einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Er trug über 1000 Mark bei sich, die er aus Darmstadt mitgebracht hatte, um hier ein Klavier zu kaufen. Bei seiner kräftigen Statur und seinem energischen Charakter würde er bei einem etwaigen Ueberfall sich keineswegs haben widerstandslos berauben lassen, sondern dürfte sich sehr kräftig zur Wehr gesetzt haben. Die geradezu unerträglichen Zustände im Tiergarten werden durch diese mysteriöse Angelegenheit wieder so recht vor Augen geführt. Namentlich um den Bahnhof „Zoologischer Garten" und auch in der Nähe der Station „Tiergarten" lungert lichtscheues Gesindel in ganzen Schaaren herum, und beim Zusammenstoß mit einer solchen Rotte würde Prof. Harnack trotz seiner Körperstärke und seines persönlichen Mutes doch den Kürzeren gezogen haben." „Tägl. Rundsch." * Unter Leitung des Museumsassistenten Ebertz hat die Museumsverwaltung zu Trier zehn keltische Gräber bei Hüttigweiler öffnen lassen. Die Ausbeute war nach der „Saar- und Blies-Zeitung" eine sehr reiche. Die Innenwände der Gräber waren kreisförmig mit Steinen eingefaßt. In den Gräbern fand man neben Knochenresten zahlreiche Gefäße, Urnen, Krüge, Schüsseln, Schalen, Vasen u. s. w. Alle Gegenstände sind aus Thon auf der Drehscheibe hergestellt und meistens gut erhalten. In einem Grabe fand man auch zwei bronzene Kleiderspangen von schöner Arbeit, eine metallene Lanzenspitze und ein ebensolches Schwert. Das letztere war in drei Stücke zerbrochen. Die Funde wurden in das Provinzialmuseum zu Trier gebracht. * Von deutschen Kreisen in Havana wird die Bitte ausgesprochen, unbemittelte Leute dringend davor zu warnen, sich nach Kuba zu begeben. Der dortige deutsche Konsul und der deutsche Hilfsverein werden bereits von Leuten überlaufen, die mit geringen oder gar keinen Mitteln nach Havana gereist sind, weil sie hofften, dort lohnende Beschäftigung zu finden, jetzt aber bittere Not leiden. Für Leute ohne große Kapitalien ist vorderhand auf Kuba nicht die geringste Aussicht, ihren Lebensunterhalt zu erwerben. Jeder, der jetzt nach Kuba reist, rennt mutwillig ins Verderben. * Deutsche Ausgrabungen in Aegypten. Im dieswöchent- lichen Aegyptischen Kurier, der in Kairo erscheint, lesen wir: Bei der nördlichen Pyramide von Abusir (Totenfeld von Sakkara) finden unter Leitung des Dr. Schäfer vom Berliner Museum für egyptische Alterthümer Ausgrabungen statt, welche, trotzdem sie erst seit anderthalb Monaten im Gange sind, doch bereits bemerkenswerte Resultate ergeben haben. So ist ein in den alten Inschriften häufig erwähntes Sonnenheiligtum der N. Dynastie, bestehend aus einer kleinen Pyramide, die von einer großen Tempelanlage umgeben ist, aufgefunden worden. Der Erbauer ist der König Ra-n-woser, der sein Grab in der sogenannten mittleren Pyramide von Abusir hat. Im Innern des Sonnenheiligtums befindet sich ein zu Opferzwecken aufgestellter Altar, der aus Alabasterbrocken von 6 Meter Länge besteht. Das Heiligtum wird eine Sehenswürdigkeit werden, während in Abusir bisher uichts Sehenswertes vorhanden war; Herr Loret, der französische Generaldirektor der egyptischen Ausgrabungen, Pflegt diese Ausgrabungen in Abusir stets als mustergiltig und vorbildlich darzustellen und bei jeder Gelegenheit darauf aufmerksam zu machen, indem er hervorhebt, daß die Uneigennützigkeit, die deutscherseits hier an den Tag gelegt wird — die Ausgrabungen geschehen lediglich im Dienste der Wissenschaft, ohne daß Deutschland irgend einen Vorteil davon hat — auch von den anderen Nationen befolgt werden sollte. Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gießen. 53. Woche. Vom 25. Dezember ms 31. Dezember 1898. (Einwohnerzahl: angenommen zu 24 100 (tncl. 1600 Mann Militär). SterblichkeitSztffer: 10,79, nach Abzug der Ortsfremden 8.53"/«». Kinder ES ftatbtn an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr i Altersschwäche 11 — — KrebS 1 (1) 1 (1) - - Herzleiden 11 _ _ Knochentuberkulose 1 — — 1 LebenSschwäche_______1__________—__________1___________— L»umma: 5 (1) 3 (1) 1 1 Anm. Die in Klammern gesetzten Z ffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Meratur, Wissenschaft und Kunst. — Die alte Wochenschrift »Der Sät* erscheint zum beginnenden Jahrgang in neuem Gewände. Neben der traditionellen Pflege der Geschichte der Mark Brandenburg wirb sich der „Bär", der nunmehr im Verlag von Friedrich Schirmer, Berlin 8W., Neuen burgerstrahe 14a erscheint, auch mit den modernen Erscheinungen auf den Gebieten des gesellschaftlichen LebenS, der Kunst, deS Kunstgewerbes, der Industrie rc. beschäftigen. Der „93äi* soll, wie sein neuer Titel besagt, in Wahrheit eine Illustrierte Wochenschrift für Geschichte und modernes Lehen werden. In Nr. 1, die am 6. Januar 1899 ausgegeben wird und den 25. (Jubiläums-) Jahrgang einleitet, beginnt die Veröffentlichung des humoristischen RomanS vockFedor v. Zabeltitz, „Das Heiratsjahr"; ferner wird die reich auSgestattete Jubtläumrnummer Beiträge von Stadtrat Ernst Friedel, von Ludwig Pietsch und anderen bedeutenden Autoren bringen. »Der Bär, Illustrierte Wochenschrift für Geschichte und modernes Leben," ist zum bisherigen Preise von Mk. 2,50 vierteljährlich durch die Poft und alle Buchhandlungen zu beziehen. — »Deutscher Soldatenhort*, Jllustrirte Zeitschrift für daS deutsche Heer und Volk. H-rauSgeber: General-Lieutenant z. D. H. o. Below. Preis pro Quartal Mk. 1.80. Verlag von Karl Siegtsmund, Berlin SW., Dessauerstraße 13. 10. Jahrgang. Nr. 10, erschien soeben und enthält: Neujahrsgruß. Von Pastor R. Reichhardt. — Haß und Liebe. Novelle von Antonie H:tdfieck. — Tsingtau aus der Bogelpelspckt've. (Btldertext.) — Nach dem Dienst Von General der Inf. z. D. Kretschmann. — Torpedoboote Reinhold Werner, Vize-Admiral a. D. (Mit Abbildung.) — Der Raubmord. Humoreske von K. Langenbucher. — Alte Freunde. (Btldertext.) — Syloesterbiäuche. Von Pastor R. Reichhardt. — Sylvester Erinnerung. Aus der Mappe eines alten Korporals von K. Schultts. — Prinz Heinrich V'ktor zu Wted. Von Br. Emil König. — Spiüche. — Vaterländische Gedevktage. — Neue Bücher. — Eine Ertnnnernng an die verkrachte Berliner Revolution von 1818. — Splitter und Funken. — Briefkasten. — Inserate. — Mit Pritfchenschlag und Schellengeläut hält nun Prinz Karneval seinen Einzug ins Land und sammelt seine getreuen Vasallen um sich, um mit ihnen auch einmal des „LebenS Unverstand" bis zur Neige auszukosten. Alle diejenigen, weichen daran gelegen ist, den hoben wast in würdiger Weise btt sich auszunehmen und sich sein Wohlwollen zu erwerben leien auf die bun oristtscken Hefte von »FamoS! Der neue Familien, und VereinShumorist*, herausgegeben von dem könrgl. Hosichaufpteler Paul Rüthling (Verlag von Levy & Müller in Stuttgart) hingewiefrn. Das erste halbe Hundert Hefte des „Famos!" ist das glänzendste Zeugnis seiner wohlverdienten Beliebtheit und Brauchbarkeit. DaS soeben erschienene 51. Heft (Preis 90 Psg., im Abonnement 75 Pfg.) enthält wie die vorhergehenden Lieferungen eine große Anzahl vortrefflicher, zur Aufführung und zum Vortrage in Vereinen und Privatgesellschaften vorzüglich geeigneter Stücke. Wir erwähnen nur: Der Apfel des Paris, oder: Die SchönhettS Konkurrenz (Scherzlptel in 1 Akt für 8 Herren und 4 Damen). — Das Ohr. (Eine Humor, wissenschaftliche Vorlesung.) — Professor Konfustus und seine Examinanden. (Gesellschafttzaufführuvg.) — DaS liederliche Kleeblait. (Posse mit Gesang für 7 Herren.) — Gambrinus-Hymne. (Chorlied) u. s. w. Auch dieles Heft läßt wieder den Wunsch gerechtfertigt erscheinen, daß „FamoS!" in immer weiteren Kreisen Eingang finden möge. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Im Coufirmaudeusaal, Neustadt 61: DonnerStag den 5. Januar, Abends 8 Uhr: Bibelstunde. Phil. 3,12 ff. Pfarrer Dr. Grein. Neueste Meldungen. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 4. Januar. Die Nachricht, daß Professor Or. Otto Harnack zu den Seinen wieder zurückgekehrt sei, wird von der Familie des Vermißten als völlig nn- begründet bezeichnet. Die Nachforschungen nach dem Verbleib des Professors werden fortgesetzt. Berlin, 4. Januar. Aus Flensburg wird dem „Berliner Lokal-Anzeiger" telegraphirt: Der dänische Gesellschafts-Verein in Apenrade ist von der Polizeibehörde für politisch erklärt und auf Grund des § 8 des Vereinsgesetzes geschlossen worden. — Aus Hadersleben wird dem „Vorwärts" berichtet, daß wiederum 24 Personen, deren Dienstherren bei einer Versammlung des dänischen Kommunal-Vereins anwesend waren, in welcher Abgeordneter Hansen über die Ausweisungen sprach, ihre Ausweisung angekündigt wurde für den Fall, daß sie nicht in den Dienst Deutscher treten würden. Berlin, 4. Janpar. Nach einem Pariser Telegramm des „Lokal-Anzeiger" soll der Kassationshof in den Geheimakten eine neue Fälschung entdeckt und zur Aufklärung den früheren Generalstabs-Offizier Laut vorgeladen haben. Der Untersuchungsrichter in Versailles, Großjean, behauptet, schwerwiegendes Material zur Belastung Picquarts zu besitzen, er will es aber nur im Gerichtssaal bekannt geben. Dem „Kleinen Journal" zufolge beabsichtigt der Socialist Breton, eine Interpellation betr. die geheimen Akten in der Kammer anzumelden. Berlin, 4. Januar. Die sämtlichen als Anarchisten bekannten Personen in Magdeburg wurden, dem „Berl. Tagebl." zufolge dort auf die Polizei beschieden, wo die Aufnahme ihrer Personalien erfolgte. Die beabsichtigte Körpermessung unterblieb infolge energischen Protestes der Betreffenden. Die Sozialdemokraten wollen im Reichstage wegen dieses Vorganges die Regierung interpellieren. Der Herausgeber der wissenschaftlichen Zeitschrift für Okkultismus, „Der Eigene", Adolf Brand in Neu-Rahnsdorf bei Berlin, teilt dem „Berl. Tagebl." mit, daß er auf die Oberförsterei Köpenik sistirt und dort trotz seines Sträubens einer Körpermessung unterzogen worden sei. Wien, 4. Januar. Der niederösterreichische Schulrat hat das Gesuch um Errichtung von vier tschechischen Privatschulen in Wien abgelehnt. Nizza, 4. Januar. Das Unwetter dauert fort. In den Straßen herrscht starker Schneefall. Die Verbindungen sind unterbrochen. Zahlreiche französische und italienische Posten sind eingeschneit. Mehrere Personen werden vermißt. Rom, 4. Januar. Das Steigen der Adria in Süd- Italien hält an. Es werden viele Schiffsunfälle gemeldet und auch auf dem Lande richtete der Sturm großen Schaden an. London, 4. Januar. Die französische Regierung hat thatsächlich den Antrag auf Auslieferung Zolas gestellt. Paris, 4. Januar. Mehrere Provinzblätter versichern, daß bei den kommenden Senatswahlen im Departement Seine die Kandidatur des Obersten Picquart von dessen Freunden aufgestellt werden wird. Paris, 4. Januar. Heute wird im Auftrage des Kassationshofes der Präsident des Appelhoses in Cayenne Dreyfus vernehmen und darüber befragen, ob er sich seines Gesprächs mit dem Hauptmann Lebrun Renault vor seiner Degradierung erinnere. New-Nork, 4. Januar. Die Aufregung über die letzten Meldungen von den Philippinen ist eine ganz bedeutende. Die Thatsache, daß in Washington nichts über den Inhalt der letzten Telegramme bekannt geworden ist, läßt auf sehr wichtige Ereignisse schließen. Es scheint sich zu bestätigen, daß Aguinaldo die Offensive gegen die amerikanischen Truppen ergriffen hat. Ein reger Depeschenwechsel findet zwischen dem Marineamt und dem Kommandanten der Armee statt. Man erwartet jeden Augenblick den Befehl zur Einschiffung weiterer Regimenter nach Manila. 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