J* ,p<*i bi« <99: ltpÄ® 8 60 Ffg, !i Herr» Challier 1 lm Saale statt. 67« i Preisen 5730 Ijt HWInty Lüdanlage 5. Wms rt gesunde Frau zum s KindeS yesuedl. PloSstrahe 2. ■ Intel«, sie Kräfte, on AceinUy-ÄvVnM ^rvndrrvMn tzünsiige« iu6)t W 5736 Äera“ rtoren "ss-ä! ir -cetuleu-Aeseuchtmiz ing Mannheim ?r L Co., Manohet«. iche Angestellte und Be- önnen bequemen Neben- it haben durch gelegen!- 'ertretung. bezw. Nach- , von Käufern einer ersten Schreibmaschine. ter F, G. 940 befördern e G ehen bei einem lebtet M MCftemnunt. tu Sipebition bJb— .nnglacnes-—— W Jlmenau rzsst&s tskomrnlaa^. ■©X' g $ßffln> Rr. 181 Zweites Blatt Freitag de« 4. August IS!>9 Meßmer Anzeiger Heneral-An^eiger Snn0«e Ute >o,eigen zu her nachmittaz» für bai z»tg«nh« tag erscheinenden Nummer W norm. 10 Uhr. ztezng-prei« vierteljährlich 2 Marl 20 Pfg. monatlich 75 Pfg, mit vringerlsh«. ASe Nnzeigeu-vermiNllmgSstellen del In- und AnllontzeS nehmen Anzeigen für den Eichener Anzeiger at|if, Bei Postbezug t Mark 50 Vfg. >äer1«ljährlich chrscheint täglich mit Ausnahme bei Mantas». Die Eichener HewWHwMIrtttx »erden dem Anzeiger »dchentlich viermal bdgdegt Amts- uitb Anzeigeblatt für den Areis Giefzen. RtbaftUtt, Expedition und Druckerei: Achntstrahe Ar. 7. ..... " ..'T!'.1 " '}..... H ■■■! —..........J.. J .. 1,41 ÜJL ....... Gratisbeilagen: Gießener FamilienblSIter, Der hessische Landwirt, Ktätter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Eich«. Fernsprecher Nr. 51. Die Kabinettskrisis in Belgien. Schon bei Besprechung der letzten Unruhen in Brüssel haben wir einen baldigen Ministerwechsel in Belgien als unvermeidlich angekündigt, und die Ereignisse haben wieder einmal unsere Voraussage bestätigt: Das Kabinett Vanden- peereboom hat seine Demission gegeben, die auch vom König Leopold acceptiert wurde. Wenn die Krisis erst jetzt eintrat, so liegt das daran, daß der Monarch zu dem bisherigen Kabinettschef ein großes Vertrauen hatte und überhaupt nicht gern zu einem Wechsel in der Leitung der Staatsgeschäfte seine Einwilligung giebt. Den Grund für die jetzige Krisis gab bekanntlich die Einbringung der Wahlreformvorlage, durch welche den Klerikalen, der jetzigen Majorität in der Kammer, die Herrschaft für immer gesichert werden sollte. Regierung und Kammermehrheit waren ursprünglich einig über die Zweckmäßigkeit des Gesetzentwurfs, und der letztere wäre auch durchgeführt worden, wenn nicht die Opposition den Kampf um das Wahlrecht zu einem Kampf der Massen gegen die Regierung umgestaltet hätte. Die Szenen in der Kammer, die blutigen Vorgänge auf den Straßen Brüssels und anderer Orte sind noch in frischer Erinnerung, und wenn auch schließlich die Gemüter sich wieder beruhigt hatten, so waren doch einzelne der Urheber des Gesetzentwurfs entsetzt ob der Geister, welche sie gerufen hatten und die nur so schwer zu bannen gewesen waren. Es trat eine Spaltung innerhalb der klerikalen Partei bezüglich der Stellungnahme zum Entwurf ein, und in der zur Vorberatung eingesetzten Kammerkommission wurde die Vorlage am Montag abgelehnt. Da Minister Vandenpeere- boom an dem Gesetz festhält, so lag für ihn die Notwendigkeit vor, sein Portefeuille in die Hände des Königs zurückzulegen. Es darf als ausgemacht gelten, daß mit der Erneuerung des Kabinetts ein Wechsel in der inneren Politik desselben nicht eintritt. Da die Klerikalen nach wie vor die Majorität im Parlament haben, so ist es auch selbstverständlich, daß wieder ein Kabinett der Rechten ans Ruder kommt. Die meisten Chancen scheint der frühere Ministerpräsident Smet de Nayer zu haben, doch kann in dem Augenblick, da wir dieses schreiben, noch nichts definitives gesagt werden, da auch noch andere Männer, insbesondere Herr Beernaert, in Frage kommen können. Vielleicht wird bei dieser Gelegen- —■ Feuilleton. Das 19. Jahrhundert. Unter Mitwirkung hervorragender Fachgelehrter herausgegeben von Friedrich Thieme. (Nachdruck oder AuSzug verboten. Chronologische Uebersicht VI. Naturwissenschaften. (Als Ergänzung siehe Uebersicht VII: Technik.) 1800 — — Zersetzung des Wassers durch den galvanischen Strom. 31. 7. Friedrich Wöhler, berühmter Chemiker, Entdecker des Aluminiums, *. 1801 1. 1. Piazzi findet die Ceres, die erste der Asteroiden. 21. 9. Moritz Hermann von Jacobi, berühmter Physiker und Techniker, Erfinder der Galvanoplastik, *. 12. 10. K. A. Steinheil, Physiker und Astronom, Erfinder des Schreibtelegraphen, ». 1803 8. 4. Justus v. Liebig, berühmter Chemiker, *. 19. 7. Franz v. Kobell, Mineraloge, *. 1804 5. 4. M. I. Schleiden, berühmter Botaniker, *. 1805 3. 3. E. A. Roßmäßler, Naturforscher, *. 1808 — — Entdeckung der Polarisation des Lichts. 1809 12. 2. Charles Darwin * 1810 26. 6. I. M. Montgolfier, Erfinder des Luftballons, f. 1811 ii Z. u. I. I. Leverrier, berühmter Astronom, *. (Vorausberechner des Neptun.) 31. 3. R. W. Bunsen, berühmter Chemiker, *. 1812 9. 6. I. G. Galle, berühmter Astronom, •. 1814 25. 11. Robert Mayer, berühmter Physiker, Entdecker des Gesetzes der Aequivalenz zwischen Wärme und mechanischer Arbeit, *. 1815 5. 3. F. A. Mesmer, Begründer der Lehre vom tierischen Magnetismus, f. heit auch das Kriegsportefeuille wieder mit einem Militär besetzt, da ja heute kein Grund mehr für die höheren Offiziere vorliegt, den Eintritt in ein Kabinett zu verweigern. Jedenfalls läge die Uebernahme des Kriegsressorts durch einen hervorragenden Offizier im Interesse der Disziplin, die in Belgien gar leicht gelockert wird und gerade angesichts der unsicheren politischen Situation um so sttenger aufrecht erhalten müßte. Denn man darf sich nicht verhehlen, daß der Geist des Aufruhrs und der Auflehnung gegen die bestehende Weltordnung nirgends mehr genährt wird, als in Belgien, und alle Staaten werden gut thun, die dortigen Verhältnisse stets mit Aufmerksamkeit zu verfolgen, damit nicht jener Geist die Grenzen überschreitet. Mag das Kabinet nun bilden, wer da will, jedenfalls findet der neue Ministerpräsident eine schwierige Aufgabe vor, umsomehr da die Wahlreformvorlage nicht fallen gelassen, sondern höchstens mit einigen Modifikationen durchgeführt werden soll. Und auch sonst sind noch eine Reihe von Fragen zu lösen, die die Gemüter stark zu erregen geeignet sind, und unter denen die Reorganisation des Heeres- wesens keine der geringsten ist. (xx) Transvaal als Gegner. Die Aussichten für eine ftiedliche Erledigung der Transvaalfrage schwinden immer mehr, scheint man doch in England förmlich darauf zu brennen, einen Krieg heraufzubeschwören. Es fragt sich nun, ob bei einem Kriege die siegesgewisse Behauptung Lord Greys, es werde genügen, eine Verstärkung von 10 000 Mann nach Südafrika zu schicken (ebensoviel sind ständig dort stationiert), um die Jungens Ohm Krügers zur Raison zu bringen, sich bewahrheiten würde. Nachdem die Boeren, alte, holländische Kapkolonisten, sich zum erstenmale der englischen Herrschaft entzogen hatten, indem sie an den Ufern des Oranjeflusses den „Freistaat" gründeten, wanderten sie zum zweitenmale unter Adrian Prätorius aus und konstituierten mit Hintansetzung der britischen Oberhoheit jenseits des Fluffes Vaal die neue „südafrikanische Republik." England hatte bis dahin ruhig zugesehen und es lag offenbar nicht in seiner Absicht, einzugreifen, bis im Jahre 1877 dem Faß der Boden ausgeschlagen wurde, dadurch, daß sich die Boeren, um sich den Zugang zum Meere zu öffnen, nicht an England, sondern — — 1817 30. 6. 5. 7. 1818 7. 9. 1820 21. 7. 1821 31. 8. 13. 10. _ 1822 9. 8. 25. 8. 18. 9. 1824 11. 3. 1825 — — 1826 7. 6. 1827 5. 4. 1828 22. 5. 22. 8. 1829 2. 2. 26. 4. 20. 12. 1830 2. 3. 23. 11. 1831 1. 6. Entdeckung der Spektrallinien durch Fraunhofer in München. A. G. Werner, Begründer der Geognosie, f- Karl Vogt, bedeutender Naturforscher, ♦. Emil Dubois-Reymond, berühmter Physiologe, *. Der Elektromagnetismus durch Oerstedt entdeckt. Hermann Helmholtz, berühmter Physiker, *. Rudolf Virchow, berühmter Anthropologe und Pathologe, *. (Begründer der Cellular- Pathologie.) Thermo-Elektrizität von Seebeck entdeckt. Jakob Moleschott, Physiolog, *. Fr. W. Herschel, berühmter Astronom, f. Erste deutsche Naturforscher - Versammlung tagt in Leipzig. Gustav Robert Kirchhoff, Mitentdecker der Spektralanalyse, *. E. H. Weber und W. E. Weber begründen die Wellenlehre, die Grundlage der gesamten neueren Optik und Akustik. Joseph v. Fraunhofer, berühmter Optiker, *. Sir Joseph Lister, engl. Chirurg, Erfinder der antiseptischen Berbandsmethode, •. Albrecht v. Gräfe, bedeutender Augenarzt, •. Franz Joseph Gall, Begründer der Schädellehre, f. Alfred Brehm, Naturforscher, Verfaffer von „Brehms Tierleben", *. Th. Billroth, bedeutender Chirurg, •. Lamarck, Vorläufer Darwins, f. Th. von Sömmering, Erfinder des Telegraphen, f. A. K. Gräfe, berühmter Augenarzt, •. Entdeckung des magnetischen Nordpols. M. Faraday entdeckt die magnet-elektrische Induktion. an Portugal wandten und eine Bahn nach Laurenzo Marques und nicht nach Natal bauen wollten. Eiin englischer Kommissar wurde mit einem Truppendetachement von Kapstadt nach Prätoria beordert und erklärte ganz einfach Transvaal als britische Annexion. Anstatt, daß sich nun, wie man hätte annehmen sollen, die Boeren „wie ein Mann" gegen diese Vergewaltigung erhoben, leisteten sie den Eindringlingen keinen Widerstand, sondern verhielten sich ruhig, weil sie, durch innere Streitigkeiten und schlechte Finanzverhältnifie geschwächt, einen erfolgreichen Kampf nicht hätten aufnehmen können, bis die Engländer schließlich so weit gingen, das mit großen Kosten beschaffte Eisenmaterial für die neue Linie nach Laurenzo Marques verschleudern zu wollen. Da riß den Bedrängten die Geduld, sie erhoben sich, proklamierten am 16. Dezember ihre Unabhängigkeit und rüsteten sich unter der Leitung des Präsidenten Krüger und des Generals Joubert zum Kampfe für die Freiheit. Der englische Gouverneur von Transvaal hatte geglaubt, mit seinen 3 Bataillonen Infanterie und 1 Batterie den Aufstand unterdrücken zu können, wurde aber bald so hart bedrängt, daß er das im Zululand befindliche 94. Regiment zu seiner Unterstützung herbeirufen mußte, dasselbe war jedoch bei Middelburg von den Boeren vollständig aufgerieben worden und hatte die Waffen strecken müffen. Jetzt erst glaubte man an den Ernst der Sache und sandte Hilfstruppen unter dem Oberbefehl von Sir Pomeroy Colley, der sich 1873 gegen die Aschantis als Generalstabschef Wolfeleys ausgezeichnet hatte. Dieser ging sofort von Newcastle (im Nordwesten Natals) zum Angriff vor, hatte aber die Stärke der Boeren unterschätzt, welche ihn am Eingänge des Passes von Laings' Neck erwarteten und die Vorzüge ihrer Stellung so geschickt auszunützen verstanden, daß Colley nach einem mörderischen Kampfe zum Rückzug gezwungen wurde, den ihm die Gegner aber abzuschneiden versuchten, sodaß er von neuem sich genötigt sah, aggressiv zu werden und daraufhin bei Schains-Hoogte eine derartige Niederlage erlitt, daß die durch Sir Evelyn Wood herzugeführten Verstärkungstruppen aus Indien gerade zur rechten Zeit kamen, um einer gänzlichen Vernichtung der Okkupationsarmee vorzubeugen. Colley ging nun zum dritten Angriff über und, obwohl numerisch den Boeren weit überlegen, wurde er aber- 1832 13. 5. 1833 3. 7. 1834 7. 1. 16. 2. — — 1836 14. 2. 16. 12. 1838 13. 4. —• — 1839 — — 1840 30. 11. 1841 — — 1842 — — 1843 2. 7. — — 11. 12. 1844 — — 19. 6. 1845 27. 3. 1845 — — 1846 — — 17, 3. 1848 _ Gouthrie in Amerika findet das Chloroform. Cuvier, bedeutender Zoologe, f. Niepce, Erfinder der Photographie, f. Phil. Reis, Erfinder des Telephons, *. Ernst Häckel, Naturforscher, *. (bis 1836) Mädler und Beer geben ihre berühmte große Mondkarte heraus. Oskar Liebreich, Erfinder der Pepsinessenz, *. Ernst v. Bergemann, berühmter Chirurg, *. Rudolf Falb, bekannter Meteorologe, *. Befiel bestimmt die erste Fixsternparallaxe. Schönbein in Basel macht zuerst auf das Ozon aufmerksam. Josef v. Littrow, berühmter Astronom, f. Robert Wilhelm Freiherr v. Bunsen erfindet die galvanische Zinkkohlenbatterie. Mayer entdeckt das Gesetz der Aequivalenz zwischen Wärme und mechanischer Arbeit (das Gesetz von der Erhaltung der Kraft). Hahnemann, Erfinder der Homöopathie, f. Schwabe erkennt die elfjährige Periode der Sonnenflecken. Professor Robert Koch, Entdecker der Tuberkelbazillen, *. Erfindung des Stereoskops. Etienne Geoffroy St. Hilaire, Vorläufer Darwins, f. Professor Röntgen, Entdecker der Röntgenstrahlen, •. Beginn der zweiten großen Entdeckungsperiode der Asteroiden. I. G. Galle entdeckt den von Leverrier voraus durch Berechnung gefundenen Planeten Neptun. F. W. Befiel, Begründer der modernen astronomischen Beobachtungskunst, f. Entdeckung der Goldlager in Kalifornien. (Schluß folgt.) mals bei Majonba-Hill aufs Haupt geschlagen, diesmal zum letztenmale, denn er fiel in der Schlacht. Wood übernahm den Oberbefehl, hielt es aber für das Beste, einen Waffenstillstand zu schließen und auf neue Instruktionen aus London zu warten. Dort schwur man anfangs den Boeren blutige Rache und sandte den berühmten Sieger in Afghanistan, General Roberts, an der Spitze einer neugebildeten südafrikanischen Armee gegen die „Aufrührer", aber noch ehe es zum Zusammenstoß kam, hatte man in den Kabinetten an der Themse mit ruhigem Blut die Bilanz gezogen und es ergab sich ein so bedeutender Saldo 'zu gunsten der Boeren, daß man weiteres Blutvergießen für nutzlos erachtete und Frieden schloß. Die Autonomie Transvaals wurde zunächst unter „britischer Suzeränität" und am 27. Februar 1884 die absolute Unabhängigkeit der südafrikanischen Republik erklärt. Während des kurzen, für die Boeren so glänzenden Feldzuges des Jahres 1881 hatte sich ihre Kriegstüchtigkeit im hellsten Lichte gezeigt. Heute ist es mit den Streitkräften der Boeren, wie folgt, bestellt: Wehrpflichtig sind alle gesunden Männer von 18—60 Jahren. Das stehende Heer setzt sich lediglich aus einem Polizeikorps und aus einem 7—8 Batterien bestehenden Artillerieregiment zusammen. Im Kriegsfälle werden u. a. Feldtelegraphen- und Radfahrerdetachements gebildet. Bei einem Aufgebote würden sofort 30000 Mann regulärer Truppen unter Waffen stehen, die in äußerster Not noch durch 50000 bis 60 000 Zulu-Hilfstruppen verstärkt werden können. Dank der vorzüglichen Mobilisierungseinteilung in 17 Distrikte und 64 Kreise ist jede feindliche „Ueberrum- pelung" ausgeschlossen, das zeigte sich bei dem Uitlander- aufstand im Jahre 1890 und dem Einfall Jamesons im Jahre 1895, der sehr erstaunt war, als ihm der Marsch nach Krügersdorp durch 2000 wie aus der Erde gestampfter Waffenträger versperrt wurde, obwohl er überzeugt war, daß man in Pretoria noch gar nichts von seinem Geniestreich wußte. Dieser „Eintagsfeldzug" legte das beste Zeugnis von dem prompten Funkionieren des Krüger'schen Verteidigungsapparates ab, und die Engländer werden sich manchen Zahn ausbeißen, ehe sie sich zu alleinigen Herren Südafrikas gemacht haben. „M. A." Deutsches Keich. Berlin, 2. August. Nach einer Meldung aus Kiel empfing der Kaiser heute vormittag auf der „Hohen- zollern" zum Vortrage den Chef des Generalstabes, v. S ch l i e f f e n, den Chef des Militär-Kabinetts, v. H a h n k e, den stellvertretenden Chef des Reichs-Marineamtes, Kontre- Admiral Büchsel, sowie den stellvertretenden Chef des Civil-Kabinetts, v. Valentini. Die Vorträge währten bis zur Mittagstafel, zu welcher die Vortragenden geladen waren. Berlin, 2. August. Nach einer dem „Lokal-Anzeiger" aus Petersburg zugehenden halbamtlichen Mitteilung hat die russische Regierung in Uebereinstimmung mit den drei übrigen Schutzmächten für Kreta in Berlin und Wien das Ersuchen stellen lassen, die neu geschaffene Regierung in Kreta amtlich anzuerkennen. Bisher hatten es die Regierungen Deutschlands und Oesterreichs vermieden, ihre Konsuln in amtliche Beziehungen zu dem Prinzen Georg treten zu lassen. Berlin, 2. August. Der Präsident des Abgeordnetenhauses, v. Kröcher, hat die nächste Plenarsitzung auf Mittwoch den 16. August, vormittags 11 Uhr, anberaumt. Auf der Tagesordnung stehen die zweite Lesung der Kanal-Vorlage und die Staatsverträge mit Bremen und Lippe betreffend die Kanalisierung der Weser. Berlin, 2. August. Die Putzer haben ebenso wie die Bauarbeiter die Vorschläge des Arbeitgeberbundes abgelehnt und für den kommenden Monat einen allgemeinen Streik in Aussicht genommen. — Die Bautischler Berlins haben einen Ausstand für diesen Herbst in Aussicht genommen. Die Lohn-Kommission hat bereits einen Akkordlohntarif ausgearbeitet, welcher als Hauptforderung aufgestellt werden soll. Des Weiteren wird die Garantierung des Minimal-Wochenlohnes und des Neunstundentages verlangt. — Die Rückkehr des Prinzen Heinrich soll, wie die „Danz. Zig." wissen will, im Frühjahr 1900 erfolgen, nachdem der Prinz ein Jahr lang das Kreuzergeschwader geführt hat. — Die kaiserlichen Prinzen unternahmen dieser Tage, wie bereits gemeldet, einen Tagesausflug auf die Gotzenalpe und das hohe Laafeld. In ihrer Begleitung befanden sich der militärische Gouverneur, Hauptmann von Gontard, und zwei erprobte Bergführer. Die 1685 Meter hohe Gotzenalpe ist vom Königssee aus in etwa drei Stunden Wanderung zu erreichen. Die Prinzen verließen Berchtesgaden um 6 Uhr früh und landeten auf der Gotzenalpe bereits um 11 Uhr Vormittag, um nach einer etwa einstündigen Frühstücksrast zur Jagdhütte am sogenannten Regen und von dort zu dem in einer Höhe von 2070 Meter be- legcnen Laafeld emporzusteigen. Auf dem Laafelde konnten die Prinzen eigenhändig Edelweiß pflücken. Dies thaten sie denn auch unter Aufsicht der Führer, schmückten ihre Hüte mit dieser Blume und nahmen noch Sträußchen für die kaiserliche Mutter und die jüngern Geschwister mit. Der Abstieg ging wie der Aufstieg von statten. Von Schiffern wurden die Prinzen zunächst nach St. Bartholomae gefahren, wo sie einen kurzen Imbiß einnahmen, dann kehrten sie zu Schiff nach Königssee zurück, wo Wagen für die Heimfahrt bereit standen. Erst spät abends gelangten sie im Grand Hotel wieder an. — Das Schloß zu Schwedt a. O., von dessen Herstellung als Wohnung für einen Sohn des Kaisers vor Wochen die Rede war, soll nach einer Meldung der „Schw. Z." zur Residenz des Kronprinzen ausersehen sein. — Nach der Uebersicht der Ergebnisse des Heeresergänzungsgeschäfts für das Jahr 1898 wurden in den alphabetischen und Restantenlisten überhaupt geführt 1638222 Personen. Davon blieben unermittelt 47 411, ohne Entschuldigung blieben aus 100652, anderwärts wurden gestellungspflichtig 423 738. Zurückgestellt wurden 574883, ausgeschlossen 1212, ausgemustert 41639, dem Landsturm ersten Aufgebots überwiesen 109953, der Ersatzreserve 86752, der Marineersatzreserve 1012. Ausgehoben wurden 221674. Ueberzählig blieben 5987, freiwillig eingetreten in das Heer sind 21940, in die Marine 1369. Es sind ferner vor Beginn des militärpflichtigen Alters freiwillig eingetreten in das Heer 21503, in die Marine 29750. Wegen unerlaubter Auswanderung sind verurteilt von der Landbevölkerung 29 750, von der seemännischen Bevölkerung 258; noch in Untersuchung 14039 bezw. 221 Personen. — Deutschland und Frankreich. Wie die deutschen Annäherungsversuche in Frankreich vielfach aufgefaßt werden, zeigt ein Artikel des in Saigon erscheinenden Blattes „Le Mokong" über den Besuch unseres Kreuzers „Prinzeß Wilhelm": Wenn die Stellung eines Offiziers oder Beamten oft Vorteile gewährt, so legt sie auch zuweilen recht peinliche Verpflichtungen auf, und wir beklagen von ganzem Herzen alle, die gezwungen waren, diesem Diner beizuwohnen. Wir wissen wohl, daß einige Neigung zu einer Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich vorhanden ist, aber das alles ist mehr oder weniger unbestimmt, während die soeben veranstalteten Besuche und Diners etwas wirkliches sind; wir meinen daher, daß das Eintreffen eines deutschen Kriegsschiffes in Saigon von jedem Gesichtspunkte aus ein bedauerlicher diplomatischer Fehler war . . Wenn Wilhelm II. den Frieden mit Frankreich will, so mache er Vorschläge, so regle man die elsaß-lothringische Frage, und dann wird man ja sehen. Aber so lange dies nicht geschehen ist, betrachten wir solche Besuche als inkorrekt, weil sie zwischen feindlichen Nationen stattfinden; als gefährlich, weil man hier zu Lande sehr empfindliche Nerven hat, und ein Nichts genügen würde, um ein gut begonnenes Diner übel ausgehen zu lassen, und als jedenfalls nutzlos, weil der deutsche Kaiser, wenn er von ihnen eine Annäherung zwischen den beiden Völkern erwartet, sich in einem seltsamen Irrtum befindet. Aus allen diesen Gründen wäre es uns lieber gewesen, wenn die „Prinzeß Wilhelm" nicht nach Saigon gekommen wäre, wohin sie nicht eingeladen war und wo sie nichts zu suchen hatte. Hierzu wird noch gemeldet: Es ist noch zu bemerken, daß französischerseits, um Reibereien vorzubeugen, einigen Truppenteilen für die Zeit, wo unsere blauen Jungen an Land waren, jegliches Verlassen der Kasernements aufs strengste verboten war. Das tadellose Benehmen unserer Matrosen fiel um so mehr auf, als viele französische Troupiers, auch Unteroffiziere, fast jeden'Abend betrunken waren, und sich dementsprechend in den Straßen und Kaffeehäusern benahmen. — Samoa. Ein Telegramm aus Apia vom 26. Juli des „Reuterschen Bureaus" meldet die Unterzeichnung des Abkommens über Samoa: In einer Versammlung der Kommissare und der beiden Parteien wurde das Abkommen unterzeichnet, nach welchem das Königtum und der Posten eines Präsidenten des Munizipalrates abgeschafft werden: ferner wurde dem Vorschläge zugestimmt, daß ein Verwalter ernannt werden und ihm ein aus drei Mitgliedern, von denen jede Macht eines zu ernennen hat, bestehender gesetzgebender Rat zur Seite stehen soll. Die Malietoa-Partei erklärte, sie wünsche die Annexion als beste Lösung, gab aber nicht an, von welcher Macht. Der amerikanische Generalkonsul Osborne hat auf Ersuchen der Kommissare vorläufig die Geschäfte des Oberrichters von Samoa übernommen. Weswegen Dr. Solf weichen und sein Amt als Leiter der Stadtverwaltung aufgeben muß, ist zunächst nicht recht erklärlich. In deutschen Kreisen Apias wird dieser Verzicht als eine unverzeihliche Aufgebung des deutschen Standpunktes betrachtet, da man den Beschluß durch den Widerspruch des britischen Kommissars Elliot und die Rücksicht Amerikas auf England nicht für genügend gerechtfertigt hält. Aufklärung bleibt abzuwarten: doch will es scheinen, als ob wir dem völligen Verzichte auf Samoa einen Schritt näher gekommen wären. Ausland. Wien, 2. August. Graf Thun begiebt sich am 7. August an das kaiserliche Hoflager nach Ischl. Wien, 2. August. Der Kampf gegen den § 14. Außer in Wien regt es sich in allen Provinzen des buntscheckigen Reiches. Von allen Parteien werden Flugblätter in stattlicher Zahl und in allen erdenklichen Sprachen und Idiomen verschickt, und Protestversammlungen werden in den größeren Städten abgehalten und meistenteils polizeilich aufgelöst. Die Regierung erklärt, die Verordnungen seien unabänderlich; es müsse gehorcht werden. — Die Verpflichtung zur Nachversteuerung führt zu den sonderbarsten juristischen Kunststücken, zum Beispiel bei Versteuerung des in Automaten vorhandenen Zuckerwerks. Das Saazer Gremium der Kaufleute und Industriellen hat allen seinen in dieser Frage interessierten Mitgliedern empfohlen, bei Anmeldung des der Nachsteuer unterliegenden Warenvorrats bezw. bei Entrichtung der auf Grund des § 14 hierfür verordneten Steuern der Finanzbehörde eine Protestkundgebung abzugeben. Dieselbe schließt: „Ich begehre die Rückerstattung der mir auf Grund dieser Verordnung abgeforderten Abgaben und behalte mir ausdrücklich wegen dieses meines Rückersatzanspruchs alle Rechtsmittel vor." — Die Prager Statthalterei hat den Verband deutschnationaler Burschenschafter „Wartburg" wegen Ueber- schreitung seines statuarischen Wirkungskreises aufgelöst. So ist in einigen Tagen die Prager „Wartburg" der Wiener gefolgt! — Ferner wird aus Prag gemeldet, daß der ultratschechische Bischof Riha von Budweis zum Erzbischof von Prag ausersehen sei, dem die kaiserliche Bestätigung nicht versagt werden würde. Man erkennt darin ein völliges Einschwenken Thuns in die tschechische Politik, das die Enk rüstung und Erbitterung der deutschen Kreise steigern muß. Fiume, 2. August. Ein von vier Marine-Unteroffizieren und zwei Matrosen besetztes Boot schlug infolge hochgehender See um. Drei Unteroffiziere und ein Matrose ertranken; die anderen beiden konnten sich retten. Paris, 2. August. In hiesigen politischen Kreisen will man wissen, daß die französische Regierung Delcasss hauptsächlich darum nach Petersburg sende, um den Zaren vor seiner in Darmstadt erfolgenden Zusammenkunft mit dem deutschen Kaiser Aufklärung über die angeblich in letzter Zeit erfolgte freundschaftliche Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland zu geben. (?) Paris, 2. August. Der „Figaro" veröffentlicht heute einen längeren Brief, welchen General Gonse an den Präsi- denten des Kassationshofes bezüglich des Verhörs b e<8 Obersten Dupaty de Clam geschrieben hat. Paris, 2. August. Der Minister des Auswärtigen, Delcasse, der nach Petersburg berufen ist, soll, wie es heißt, mit dem Grafen Murawiew die nötigen Vorbereitungen für die Reise des Zaren Nikolaus nach Paris treffen. Paris, 2. August. Wie die „Agence Nationale" meldet, ist der Gesundheitszustand des Senators Scheurer- Kestner ein derartiger, daß er zu großen Besorgnissen Anlaß giebt. Petersburg, 2. August. In hiesigen Regierungskreisen wird entschieden bestritten, daß zwischen Japan und China ein Allianz-Vertrag abgeschlossen worden ist. Diesbezügliche Verhandlungen seien bereits vor einem Jahre gescheitert und seitdem nicht wieder ausgenommen worden. Vermischtes. * Deutschland aus der Pariser Weltausstellung. Deutschland wird außer den nötigen Räumen in den Gallerien der Ausstellungspaläste auch ein besonderes Gebäude (Pavillon) im Ausstellungspark benutzen. Dieses wird nach den preisgekrönten Entwürfen des Professors Thiersch im altdeutschen Stil ausgeführt. Darüber berichtet der Pariser „Moniteur" folgendes: „Die meisten Pavillons der fremden Aussteller werden an dem Ufer der Seine entlang, am Quai d'Orsay, errichtet. Dieses Gelände wird entschieden der interessanteste Teil in den Ausstellungsanlagen, vorausgesetzt, daß die übrigen Architekten ebenso glücklich inspiriert sein werden, wie dieses der Fall bei dem Architekten der deutschen Sektion war. Dieser hat sich als Mann von vielem Geschmack gezeigt, und wir hatten Gelegenheit, im Saale des Herrn Chardon (Generalsekretär der Ausstellung) die prächtigen Skizzen für den deutschen Pavillon zu betrachten. Der Eindruck ist prachtvoll. Diese gefällige, frische und lachende Architektur aus den Zeiten eines Faust und der Meistersinger, belebt durch Balkone, Erker, Türmchen und eine herrlich gewählte, bunte Keramik! Alles dieses bildet ein reizendes Ensemble und eine sehr glückliche Idee. Man denke sich diesen charmanten Effekt, den das schöne Bauwerk bildet, wenn es sich in der Seine wiederspiegeln wird! • Das große Loos in der Ehelotterie hat auf sonderbare Weise eine junge, hübsche Berlinerin gezogen. In einem Berliner Exportgeschäft war die 20jährige Cäcilie B. als Buchhalterin und Korrespondentin angestellt, welche mit ihrem Gehalt ihre Mutter und eine jüngere Schwester ernährte. Fräulein B. führte fast ausschließlich den Briefwechsel mit den amerikanischen Geschäftsfreunden des Hauses, so auch mit einer großen Konfektionsfirma in St. Francisko. Zwischen dieser Firma und dem hiesigen Hause schwebte seit längerer Zeit eine Differenz, zu deren Begleichung in den letzten drei Monaten ein reger Briefwechsel nötig war, der namentlich seitens der Korrespondentin Fräulein B. mit großem Eifer und Geschick geführt wurde. Ihr war es auch zu verdanken, daß schließlich die Aankeefirma nachgab und mitteilte, daß ihr Mitinhaber Herr James S. anfangs Juli in Berlin eintreffen werde, um die Angelegenheit end- giltig zu erledigen. Vor etwa 14 Tagen sprach auch der junge Amerikaner bei dem Chef des Berliner Exporthauses vor und in einer kurzen Konferenz hatte man sich geeinigt. Der Geschäftsfreund aus St. Francisko sprach nun den Wunsch aus, den schneidigen Korrespondenten kennen zu lernen, der mit so vieler Verve und Energie den Kampf mit der Feder geführt habe; wenn es ginge, wolle er denselben für drüben engagieren. Mit eigentümlichem Lächeln bemerkte der Berliner Geschäftsfreund, daß dies wohl schwerlich angehen werde, da sein Buchhalter für Mutter und Schwester zu sorgen habe. „Das sei kein Hinderungsgrund", meinte der Amerikaner, denn er bezahle solche Leute vorzüglich. Wiederum lächelte der Berliner, drückte auf den Knopf der elektrischen Klingel, und im selben Augenblick stand vor dem verblüfften Yankee eine zierliche Mädchenerscheinung, der Korrespondent, der ihm das Leben so sauer gemacht hatte. Geschäftlich hatte er den Kürzeren ziehen müssen und nun geschah es auch noch, daß die kleine Korrespondentin ihn durch Amors Macht besiegte, denn vor wenigen Tagen hielt Mr. I. bei Frau B. um die Hand ihrer Tochter an. In wenigen Wochen wird die ehemalige Korrespondentin ihrem Gatten nach St. Francisko folgen. * Von den ärztlichen Verhältnissen in Johannesburg (Transvaal) entwirft der dortige Arzt Dr. Adolf Mangold in der „Deutschen Med. Wochenschrift" ein interessantes Bild. In Johannesburg giebt es Gesellschaften mit beschränkter Haftpflicht, die das ärztliche Gewerbe genau so wie jedes andere Geschäft rein käufmännisch ausüben. An der Spitze steht als „Managing Direktor" ein Arzt, Amerikaner, angeblich im Besitz der höchsten Würden und tbarh. KL «,',*>** Ä-" Äfe« « ben ? W 'S™* 8* |tbe«.(?)itt,^t" °«°ff-Ech, tat. * «n ta $täfi, kl?™ >« Auswärtigen, J?» i°Ö, wie es Aff Vorbneit- Jhf°hu§ nach e Nationale" meldet ütors Scheurcr- 9wßen Bchrgchen Regierungskreisen 1 xJQpan und China worden ist. Dies- vor einem Jahre lgenommen worden. usstelluog. Deutsch- o den Gallerien der Wubt (NM) ®iib nach den preis- Thiers ch im altberichtet der Pariser avillons der fremden Seine entlang, am mde wird entschieden ingsanlagen, voraus- tso glücklich inspiriert dem Architekten der sich als Mann von :tten Gelegenheit, im Mär der Ausstellung) hen Pavillon zu bell. Diese gefällige, n Zeiten eines Faust >ne, Erker, Türrnchen wamik! MeS dieses sehr glückliche Idee, iett, den das schöne Seine wiederspiegeln rie hat auf sonderbare gezogen. In einem ährige Cäcilie B. als stellt, welche mit ihrem e Schwester ernährte, den Briefwechsel mit des Hauses, so auch in St. Francs, esigen Hause Mbte deren Begleichung 'N riefwechsel notig war, >entin Fräukeln B. m't vurde. Ihr . Pnkeefirma nachgav rr James S. M» bitwf^e£ W- islo H ” jU -«d-I-I-N t wt« ’ Snerg« t>« •«SS £&15 -ine i,er ln so sauer i* .r den Karre- i, 41 b<"" °°l h> ftt bk M* frau jrl) die ehe- W A Francis^ n ««» ® w. i« Ä’WÖ* sHs * Diplome, Spezialist usw. Die Geldgeschäfte erledigt ein Sektretär. Die Medizinen werden selbst angefertigt, „damit sie in jedem einzelnen Falle genau den Bedürfnissen der Kranken entsprechen." Besitzt die Gesellschaft eine Apotheke mit öffentlichem Ladengeschäft, so ist auch noch ein Apothekergehilfe vorhanden. Die Geschäftsweise dieser amerikanischen Kurpfuscher ist natürlich der erbärmlichste und blödeste Schwindel. Durch Zeitungsanzeigen der schamlosesten Art werden die Dummen herangezogen und dann ausgeplündert. Bevor einer dieser Spezialisten den Mund aufthut, muß der Kranke 25 bis 50 Lstr. (500 bis 1000 Mk.) bar bezahlen. In einem Fall bezahlte ein Bur für sich, seine Frau und Tochter 150 Lstr. (3000 Mk.) Die Frau bekam dafür eine Flasche Medizin für die Leber, die Tochter Pillen für die Blutarmut, der Mann Medizin für die Nerven. Es wird den Kranken für obige Summe völlige Genesung in Aussicht gestellt, und eine Monate lange „unentgeltliche" Behandlung versprochen. Alles wird kuriert, Natürlich auch brieflich. Bei der Neigung der Burenbevölkerung, selbst der sogen, gebildeten, für Kurpfuscher blühen diese Gesellschaften vorzüglich, und 10 bis 12,000 Lstrl. Reingewinn das Jahr gehören nicht zu den Seltenheiten! * lieber die neue Edison'sche Glühlampe dringen jetzt die ersten genaueren Nachrichten an die Oeffentlichkeit. Unter dem Datum des 6. Juni erhielt Edison ein Patent für einen „verbesserten Glühfaden von hohem Widerstande zur Benutzung von hochgespannten Strömen." Der Glühfaden besteht aus einer besonderen Mischung von Oxyden seltener Erdmetalle, sie ist nicht leitend, porös und außerordentlich widerstandsfähig. Ihr sind vereinzelte Kohlenpartikelchen einverleibt, zwischen denen sich die elektrischen Funken bilden, die durch den hochgespannten Strom erzeugt werden. Der Strom geht von Kohlenteilchen zu Kohlenteilchen und bringt die Faser rasch zum Glühen. Das Uebrige besorgt die Einwirkung des luftleeren Raumes in der Kugel der Glühlampe, die den Durchgang des Stromes durch die Kohlenteilchen unterstützt. Als Material für die eigentlichen Bestandteile des Glühfadens dienen, wie gesagt, die Sauerstoffverbindungen von seltenen Erden, z. B. das Thorium. Damit die äußerliche Oberfläche der Faser ein festes, intensives Licht liefert, wird sie einen Augenblick in ein Salz getaucht, z. B. in die essigsaure Verbindung des benutzten Oxyds; dieser Ueberzug vermittelt die Entstehung eines Hellen, weißen Lichtes. Die Glühfaser wird in der Weise hergestellt, daß zunächst eine Lösung von Zucker, Asphalt oder der weinsauren Verbindung des Erdmetalles mit dem Oxyd desselben gemischt wird; der entstandene Teig wird einem starken Druck unterworfen, und durch eine kleine Oeffnung hindurch gepreßt, worauf der Glühfaden in der gewünschten Stärke auf der anderen Seite austritt. Er braucht dann nur noch getrocknet, und mit Kohle imprägniert zu werden. In Anbetracht des starken Widerstandes, den die Glühfaser dem Durchgänge des elektrischen Stromes darbietet, bedarf es einer Spannung von mehreren hundert Volt, um die Lampe in die richtige Glut zu bringen. Uebrigens kann öer Glühfaden auch in der Weise hergestellt werden, daß man einen Baumwollfaden mit dem Oxd einer seltenen Erde tränkt, und ihn dann verkohlen läßt, dann wieder eintaucht, und von neuem erhitzt, bis sich die gewünschte Menge Oxyd niedergeschlagen hat. Alsdann wird die Faser in eine kohlenstoffhaltige Substanz getaucht, und nach dem Trocknen noch in eine Salzlösung, die den erwähnten, einen gleichmäßig weißes Licht erzeugenden Ueberzug gewährt. * Ein Baumeister in Berlin hatte mehrere Häuser erbaut, die einen Hellen Anstrich hatten. Einige Personen erhoben gegen diesen Anstrich Beschwerde bei der Polizeibehörde und machten geltend, sie würden durch den fraglichen Anstrich belästigt und in ihren Arbeiten gestört. Dem Baumeister wurde darauf voll der Polizeibehörde auf Grund einet Regierungspolizeiverordnung aufgegeben, seinen Häusern einen Anstrich zu geben, der nicht blendend sei. Der Baumeister erachtete die polizeiliche Verfügung nicht für gerechtfertigt und erhob Klage beim Bezirksausschuß; die Polizeibehörde überschreite ihre Befugnisse, auch sei nicht anzunehmen, daß der angefochtene Anstrich Personen belästigen könne. Die Häuser seien mit Mörtel abgeputzt und mit vermengtem Gips überzogen. Der Bezirksausschuß wies jedoch die Klage als nicht begründet ab und führte aus, die angezogene Bestimmung der Regierungspolizeiverordnung erscheine rechtsgiltig und die polizeiliche Verfügung zutreffend. Auf die Berufung des Baumeisters wurde die Vorentscheidung vom Oberverwaltungsgericht als zutreffend bestätigt. * Vorbeugende Armenpflege. Ein sächsischer Ortsarmenverband hatte bei einer Streitigkeit geltend gemacht, daß jemand, der im Besitze eines Sparkassenguthabens sei (im gegebenen Falle betrug es 200 Mark), nicht hilfsbedürftig im armenrechtlichen Sinne sei. Dem gegenüber hat das sächsische Ministerium des Innern in einer Verordnung erklärt, die Ansicht, ein Eingreifen der Armenbehörde sei erst dann notwendig, wenn der um Unterstützung Nachsuchende von allen Mitteln völlig entblößt sei, flehe mit den Grundsätzen einer sachgemäßen Armenpflege nicht im Einklang. Diese habe vielmehr zu erstreben, daß der vollständigen Verarmung nach Möglichkeit vorgebeugt werde. — Es wäre zu wünschen, daß sich diese Auffassung auch andere Verwaltungsbehörden zu eigen machten. * Das Alter des Niagarafalls. Herr Dr. W. Kobelt- Schwanheim schreibt im „Globus": „Eine neue Methode, «n das Alter des Niagarafalls zu berechnen, wendet der amerikanische Geologe Frederick Wright in einem in Appletons Science Monthly, Vol. 58, Nr. 2 enthaltenen Artikel an. Alle Versuche, den Zeitraum, welcher zur Bildung der Niagaraschlucht nötig war, durch Beobachtung d«er jährlichen Verlängerung derselben, resp. des Rück- sahreitens der Fälle zu bestimmen, mußten schon aus dem Grunde erfolglos bleiben, weil, wie Wright selbst früher u-achgewiesen, zwischen dem Ende der Eiszeit und heute der Niagara nicht immer dieselbe Wafferrnenge geführt hat. Für eine geraume Zeit strömte das Wasser der großen Seen dem Ottawa zu und häufte in diesem, an der Einmündung des Mattawathales, ein ungeheures Delta auf. So lange wir den Zeitraum nicht kennen, welchen dieser Vorgang erforderte, bleiben alle Messungen am Falle nutzlos. Wright versucht nun, den Zeitraum zu bestimmen, welchen die Verwitterung gebraucht hat, um die Ausgangsstelle der Niagaraschlucht bei Lewistou am Ontario auf ihre heutige Weite zu bringen. Diese Schlucht ist im Anfang natürlich nicht wesentlich breiter gewesen als der Fluß, also etwa 770 Fuß. Seit der Zeit haben an der Verbreiterung nur die atmosphärischen Einflüsse gearbeitet, also ein im ganzen sich gleichbleibender, von der Wassermenge unabhängiger Faktor. Heute sind nur die obersten aus Niagarakalk bestehenden Schichten von einer am Ufer des Flusses errichteten Senkrechten um 388 Fuß zurückgewichen. Einen approximativen Maßstab für die Schnelligkeit, mit welcher die Verwitterung arbeitet, giebt die 1854 den Abhang entlang geführte Bahnlinie. Durch genaue Messungen und Berechnungen kommt Wright zu dem Ergebnis, daß jährlich mindestens eine Schicht von einem viertel Zoll Dicke von dem Abhang weggefressen wird resp. herabstürzt. Es ist das ein Minimum, wahrscheinlich ist der durchschnittliche Absturz viel stärker. Aber auch bei dieser niederen Schätzung würden weniger als zehntausend Jahre genügt haben, um die Schlucht auf ihre heutige Weite zu bringen. Für die Schätzung der Zeit, welche seit dem Ende der Eiszeit verflossen ist, giebt diese Ziffer einen sehr bedeutsamen Anhalt." * Der „Verein für Handlungs-Kommis von 1858 (Kaufmännischer Verein) in Hamburg" veröffentlicht soeben den Bericht über das erste Halbjahr 1899 und ist in der erfreulichen Lage, wiederum einen guten Fortschritt während dieses Zeitraums aufweisen zu können. Es traten dem Vereine vom 1. Januar bis 30. Juni d. I. 5300 neue Mitglieder und Lehrlinge bei, gegen 5219 in der gleichen Zeit des Vorjahres ; nach Abzug aller erforderlichen Streichungen stellte sich die Zahl der Vereinsangehörigen auf über 58000 Mitglieder und Lehrlinge. Durch die kostenfreie Stellenvermittelung des Vereins wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 3113 kaufmännische Posten besetzt, gegen 2965 im ersten Halbjahr 1898. Die Pensions-Kasse (Invaliden-, Witwen-, Alters- und Waisenversorgung) hatte eine Vermehrung ihrer Angehörigen von 7355 auf 7525 zu verzeichnen, während sich das Kaffenvermögen auf etwa Mk. 5200000 erhöhte. Ende Juni erhielten 104 Kassenangehörige Pensionen im Gesamtbeträge von jährlich Mk. 58228.08, wofür an Beiträgen insgesamt nur Mk. 19317.50 entrichtet worden sind. In die Kranken- und Begräbnis-Kasse, c. H., traten in den ersten 6 Monaten 481 Mitglieder ein, so daß sich deren Gesamtzahl am Schluffe des Halbjahres auf 7137 belief. Die Gesamtzahl der Bezirksgeschäftsstellen stellte sich am 30. Juni auf 307, von denen sich 25 im europäischen Auslande und 38 über See befinden; auch hat der Verein 79 Vereinbarungen mit anderen deutschen kaufmännischen Vereinen zum Vorteile der beiderseitigen Mitglieder abgeschlossen. Nicht nur die Fürsorge für die Handlungsgehilfen ließ sich der Verein von jeher angelegen fein, sondern er richtete sie auch auf den kaufmännischen Nachwuchs. Schon 1874 gründete er eine „Abteilung für Lehrlinge". Diese zählt jetzt etwa 2500 Angehörige und bietet den ihr Beitretenden für den einmaligen Beitrag von Mk. 6 während der ganzen Dauer der Lehrzeit vielerlei Vorteile. Seit Bestehen der Abteilung besetzte der Verein bis Ende Juni d. I. 4093 Lehrlingsstellen. * Ein Bergwerk unter dem Meere. Eins der wichtigsten Eisenbergwerke ganz Englands liegt bei der Hafenstadt Borrow-in-Furneß in der Grafschaft Lancashire auf der nördlichen Seite der Morecambebay an der irischen See. Die Lager wurden im Jahre 1840 entdeckt und haben zu einer außerordentlichen Entwickelung der Industrie Veranlassung gegeben. Die „Borrow Haematit Eisen- und Stahlgesellschaft" ist eines der größten derartigen Etablissements des Vereinigten Königreichs. Sie liefert jährlich über 600 000 Tonnen Eisen, Stahl und Bessemer Stahl. Aber auch dort sind die Bodenschätze nicht unerschöpflich, mindestens mußte man allmählich auf ihre möglichst gründliche Ausnutzung bedacht sein. Demzufolge wird voraussichtlich an ihrer Stelle ein großartiges technisches Werk entstehen, das auf nichts geringeres anzielt, als den Eisenbergbau unter dem Meeresgrund hinaus fortzusetzen. Es ist bereits beschlossen, daß ein Meeresdamm in Barrow errichtet werden soll, und diese Gelegenheit wird dazu benutzt werden, den Bergwerksbetrieb in der beschriebenen Weise auszudehnen. Die Eisenerzlager, die von erster Qualität sind, setzen unter dem Meeresboden fort, und schon vor etwa 10 Jahren wurde Damm aufgeworfen, um die See von den Minen fernzuhalten. Jetzt soll ein weiterer Damm in einer Länge von 6750 Ellen errichtet werden, um eine Fläche von 170 Acres vom Meere abzuschließen, damit auch hier der Bergbau aufgenommen werden kann. Die Kosten des Werkes sind auf rund 10 Millionen Mark veranschlagt, aber die reiche Bergbaugesellschaft wird auch vor dieser Summe nicht zurückschrecken, wenn es sich um ihre weitere Entwickelung oder gar um ihre Existenz handelt.__________________________ Universitäts-Nachrichten. — Marburg. Dr. phil. Johannes Meisenheimer habilitierte sich an der hiesigen Universität als Prioatdozent mit einer Antrittsvorlesung über die Entwicklung der Ketmblätterlehre. — Göttingen. Zum Prorektor der Universität ist der Pro- fesior in der juristischen Fakultät Dr. Johannes Merkel gewählt worden. — Die hiesige philosophische Fakultät hat folgende Prets- aufgabe gestellt: „@in Geschichte der Bücherpreise in Deutschland seit Erfindung der Buchdruckerkunst, besonders seit dem Anfang dev 18. Jahrhunderts." BewerbungSschristen sind bis 31. August 1901 einzusenden; der erste Preis beträgt 1700 Mk., der zweite Preis 680 Mark. — Bonn. Am 28. Juli wurde auf dem an der Humboldt- straße gelegenen Bauplatze der Grundstein zum neuen evangelischtheologischen Stifte feierlich gelegt. Außer den Mitgliedern der Fakultät waren u. a. erschienen UntversttätSkurator Dr. v. Rotten- durg und Untoersitätsrektor Dr. Köster. In der Einweihungsrede hob der Dekan der evangelisch-theologischen Fakultät Konsistorialrat Professor D. Sachsse die Bedeutung des Stifte« als einer Stätte der Wissenschaft hervor. In dem Hause solle immer eine Theologie gepflegt werden, die, aufgebaut auf dem weltüberwtndenden Glauben und der weltbeherrschenden Wissenschaft, sich kräftig erweise, tüchtige Diener der Kirche heranzubilden. Des weiteren dankte er allen denen, die dem neuen Werk ihre Förderung angedeihen lassen, dem Rektor und dem Senate, dem Herrn Minister und seinem Vertreter u. s. w. Die darauf verlesene Urkunde der Grundsteinlegung enthielt einige Angaben über das an der Universität bestehende evangelisch-theologische Stift. Danach wurde das erste, am Alten Zoll gelegene, 1854 eröffnet, jedoch 1876 in das jetzige Haus, Weberstraße 46, verlegt. Da sich aber auch hier die Räumlichkeiten als ungenügend erwiesen, mußte der Bau eines neuen HauseS vorgesehen werden, ein Plan, der baut auch jetzt zur Ausführung gekommen ist. Nachdem nun noch der Leiter des Stifts, Professor A. Meyer, betont hatte, daß dieser Tag ein Tag der Freude sür die Hochschule, die evangelischtheologische Fakultät, und für die ganze rheinisch-westfälische Kirche sei, und er ferner als die Ziele deS Stiftes Pflege von Gottesfurcht, Arbeit und Geselligkeit hervorgehoben hatte, fanden nach Versenkung der Urkunde in den Stein die üblichen drei Hammerschläge statt, womit die in ihrem Verlaufe schlichte und doch ergreifende Feier schloß. — BreSlau. Der Privatdozent an der hiesigen Universität, Dr. BronislauS Kader, wurde zum ordentlichen Professor der Chirurgie an der Universität Krakau ernannt. — Leipzig. Die chirurgische Klinik der hiesigen Universität wird im Oktober ihr lOOjäbrigeS Bestehen seiern. AuS diesem Anlaß soll die Büste deS Professor Thiersch, deS einstigen hochverdienten Leiter« der Klinik, im Garten des städtischen Krankenhauses aufgestellt werden. — London. Nach der eben veröffentlichten Prüfungsliste der hiesigen Universität befinden sich unter 18 Personen, die die Würde eines M. A. (Magister Artium) erhielten, nicht weniger als acht Angehörige des weiblichen Geschlechts. Im Englischen, Französisch« und in den klassischen Sprachen erzielten die Damen ausgezeichnete Erfolge. Kandwirtschastliches. 0. Aus Oberhesseu, 2. August. Vor einem Monate wurde in Gießen eine Konferenz abgehalten, in welcher über die Hebung der Nutzgeflügelzucht beraten wurde. Der „Gießener Anzeiger" wirkt fett zehn Jahren für diese wichtige Sache, wie aus jedem Jahrgang nachgewtesen werden kann. Doch nur langsam pflegen solche Neuerungen bet den kleinen Landwirten, die es am allernotwenigsten hätten, Eingang zu finden, weil die Bequemlichkeit und Trägheit zu groß ist und der Unverstand auch noch den Hemmschuh einzusetzen pflegt. Dies muß immer und immer wieder gesagt werden, wenn eS auch manchem nicht ichmeckt. Zu Anfang der 90er Jahre führte ich eine bessere Sorte Gänse ein. Die Tiere werden, wenn sie richtig gepflegt und gefüttert werden, 18 bis 20 Pfund, also nahezu doppelt so schwer, al« die gewöhnliche Landrasse und haben doch kein besseres und teureres Futter nötig, als die Landgänse. Der Gewinn liegt also förmlich auf der Hand, aber--! Doch davon ein andermal, heute möchte ich von der Entenzucht reden, die noch viel mehr im Argen liegt, als die übrige Geflügelzucht, die aber ganz besondere Förderung verdient. Die Ente frißt, wie daS Schwein, so zu sagen alles, was vor sie kommt und wird auch häufig da« Schwein unter den Vögeln genannt. Vielfach ist man der Ansicht, weil die Ente ein Wasservogel ist, man könne nur da Entenzucht treiben, wo reichlich Wasser vorhanden sei. Ich habe selbst nur ganz unbedeutendes Wasser, in trocknen Sommern gar kein- und trotzdem war die Zucht erfolgreich. Diele Züchter werden mir bestätigen, daß Entenzucht auch ohne große Wasserflächen durchführbar ist, schon ein kleiner Tümpel reicht vollständig aus. — Ein anderes Vorurteil bei den Leuten ist: man glaubt, die Ent« wären schwer aufzuziehen. WaS man nicht versteht, ist schwer. Wer die Gänse«, Hühner-, Schweine-, Rindvieh- und Pferdezucht nicht versteht, der lasse die Finger davon, sonst kann er sich klemmen. Em Schneider kann keine Uhr und ein Schuhmacher kann keine Perrücke machen, wohl aber das, was er gelernt hat. Die Entenzucht ist sonach nicht schwerer, wie jede andere Zucht, man muß sie nur gründlich lernen und sorgfältig treiben- Ich habe nicht die Absicht, große Verhaltungimaß- regeln über Entenzucht zu erteilen, das würde zuviel Raum beanspruchen, nur Vorurteile möchte ich zurückweisen und auf Vorteile aufmerksam machen. Die Enteneier sind in den Städten sehr gesucht, während vielfach die Ansicht besteht, diese Eier wären schwer zu verwerten. Allerdings bekommen die Eier leicht einen Beigeschmack nach Thran, wenn die Enten in Sümpfen ober auf fischreichen Gewässern leben unb sich bort vorzugsweise ernähren. Ein solcher Fall dürfte in der ganzen Provinz Oberhessen kaum Vorkommen unb wenn doch, so lassen sich die Enten leicht von derartigen Stellen wegbringen. Eierkenner behaupten, die Enteneier wären saftiger, feiner unb ausgiebiger als bte Hühnereier, eö wirb deshalb niemals an Abnehmern fehlen unb man zahlt sehr oft noch einmal soviel, als für ein Hühnerei. Hiermit ist der Beweis geliefert, daß eine gute Legente, die ihre 100 Eier bringt, einträglicher ist, als daS beste Huhn, denn der Entenbraten wird bester bezahlt, als der Hühnerbraten. Hiermit sind die Vorteile indesten noch lange nicht erfchöpft, wie nachfolgende Punkte beweisen. Die Federn der Enten sind bei den weißen Rasten fast ebenso gut, wie die Gänsefedern, ja eS kommt häufig vor, daß mit Entenfedern gemogelt wird, was selbstverständlich strafbar ist. Man muß entweder sagen, daß man Enten- und nicht Gänsefedern verkauft, oder man verwendet sie in der eigenen Haushaltung. Im Sommer kann man die Enten all: 8 biS 10 Wochen einmal rupfen. Mit dem Mästen dieses trefflichen Vogels hat man gar keine Mühe, denn die Ente mästet sich durch ihre unbesiegbare Freßlust selber, man braucht ihr nur 10 bis 14 Tage lang bester Futter zuzusetze» unb bann macht sich alles von selbst. Küchenabfälle in gekochtem Zustande, Kartoffeln, Kleien, Maisschrot, Hafer sind Leckerbisten für die Schnatterin, frisches Master darf nicht fehlen. AlS Ungeziefer- vertilgerin leistet sie große« im Garten unb oerbkbt mit ihren breiten Tatschen bie Beete nicht, sie gewöhnt sich aber halb an Salat unb Gemüse unb kann dadurch schädlich werden. — Soviel für heute, unb nur noch einige Bemerkungen aus der Praxis. Mein Nachbar zieht, mästet unb verkauft alljährlich etwa 150 Enten, bie ausnahmslos nach Frankfurt geh«. Er ist zufrieben mit seinem Geschäfte unb wirb e8 immer mehr, weil er bessere Sorten einführt. Ich kann, da ich selbst oft gezüchtet habe und die Ergebniste meines Nachbars kenne, nur sagen: Mißachtet bei Hebung des Nutz- geslügels die Entenzucht nicht. Wöchentliche Ueberfichl der Todesfälle in Gießen. 30. Woche. Vom 23. Juli bis 29. Juli 1899. (Einwohnerzahl: angenommen zu 24 500 (incl. 1600 Mann Militär). SterblichkeitSziffer: 14,86, nach Abzug der Ortsfremden 6,36<>/w. Kinder ES starben an: Zusammen: Erwachs««: hn vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: Lungmschwtndsucht 1 (1) 1 (1) — — Lungenentzündung 11 — — Schlagfluß 11 — — Herzleiden 1 (1) 1 (1) — Blinddarmentzündung 1 (1) 1 (1) — 1 Nierenentzündung 1 (1) 1 (1) — — Unbekannte Krcmkh. 1 — 1 — Summa: 7 (4) 6 (4) l Anm. Die in Klammern gesetzt« Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. tiiiuiiintiiuiiijiiiiijfii Kohte«- md Sohlieftrullg. Die Lieferung der für das Großh. Provinzial - Arresthaus dahier pro 1899/1900 erforderlichen Steinkohlen und des Brennholzes, und zwar: ca. 600 Centner reine Stückkohlen, „ 800 Centner gewaschene Nußkohlen, 30 bis 50 mm Durchmesser, beide aus der Grube Mansfeld, und „ 30 rm Tannen-Scheitholz, soll im Wege des öffentlichen Angebots unter den in Anlage A zu dem Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 enthaltenen allgemeinen und den von dem Unterzeichneten aufgestellten besonderen Bedingungen, welche auf der Kanzlei Großh. Staatsanwaltschaft zur Einsicht offen liegen und gegen Erstattung der Schreibgebühren bezogen werden können, vergeben werden. Versiegelte Angebote sind kosten, frei bi» zum Eröffnungstermin Mittwoch den 9. August 1899, vormittags 16 Uhr, auf der Kanzlei Großh. .Staats- anwaltschaft dahier, Justizgebäude, niederzulegen. Der Zuschlag bleibt 3 Tage vor- behalten. 5465 Gießen, den 20. Juli 1899. Der Großh. Oberstaatsanwalt beim Landgericht derProvinzOberheffen ______Dr. Güngerich.______ Submission. Für die psychiatrische Klinik soll die Lieferung von: 30 rm Tannen-Scheitholz und 400 Zentner melierten Kohlen -auf dem Wege der öffentlichen Sub- mtffion vergeben werden. Die für diese Lieferung gütigen allgemeinen Bedingungen (Erlaß der Großh. Ministerien vom 16. Juni 1893) und die speziellen Bedingungen liegen an den Wochentagen nachmittags von 3 bis 5 Uhr auf dem Verwaltungsbüreau offen. Offerten sind versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum 14. August 1899, vormittags 11 Uhr, auf dem erwähnten Büreau abzugeben. Der Zuschlag erfolgt bis 21. August 1899. 5598 Gießen, am 27. Juli 1899. Großh. Verwaltungs-Direktion der psychiatrischen Klinik. ________Sommer.________ Vergebung von Erdarbeiten. Die Herstellung von 21000 lfd. Meter Draiugrabeu für die Entwäfferung von Ackergelände auf dem fiskalischen Hofgute Merlau bei Grünberg soll Montag dkn 7. August b. I., vormittags Vs12 Uhr, in der Baist'schen Wirtschaft bei Station Mücke öffentlich losweise, eventl. auch zusammen, vergeben werden. 5689 Lauterbach, den 31. Juli 1899. Kunz, Kreiskulturtechniker. Imbckuchen Montag, Mittwoch und Freitag von S Uhr ab. 4743 Friede. Noll, Kofbackkr. Neues Grünkorn eingetroffen. 5486 I M. Schulhof. 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