Nr. 154 Zweites Blatt Dienstag dm t 1S»9 $nni>me »en Anzeigen zu der nachmittag- für kn senden $h erscheinenden Nummer bi- vor». 10 Uhr. Alle Anzeigen-Bermittlung-stellen de- In- und Au-land«- nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgehn« Bei Postbezug t Mark 50 Pf^ vierteljährlich ggepflsyrtis vierteljährlich 2 Mar! 20 Pf,, monatlich 75 Pfg« mit Bringcrlohn. Orfchetnl ttgNch mit Ausnahme de- MontagS. Li« Gießener MnndM-nAtttter »erden dem Anzeiger »dcheutlich viermal beigelegt. Gießener A nzeiger General-Anzeiger Anrts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren. «edaktton, Lxpeditton und Druckerei: SchnkSrahe Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Kälter für hessische Volkskunde._________________ Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51. Die maritime Vertretung des deutschen Reiches auf den Karolinen. Nach den nunmehr getroffenen Dispositionen ist das neue deutsche Kanonenboot „Jaguar", das erst am 1. Juni, nachdem der Kaiser ihm einen Besuch abgestattet hatte, in Dienst gestellt wurde und sich nun auf der Fahrt von Lissabon nach Gibraltar befindet, zur Vertretung des Reichs auf den Karolinen bestimmt. Er ist ein Schwesterschiff des „Iltis" und hat eine Länge von 62, eine Breite von 9,10, eine Tiefe von 3,25 Metern und eine Besatzung von 120 Mann. Das Boot führt vier Schnellfeuergeschütze, sechs Revolverkanonen und zwei Maschinengewehre. Drei Maschinen von zusammen 1300 Pferdekräften geben ihm eine Geschwindigkeit von 13 Knoten die Stunde. Volksbildung und Volkswohlstand. Für die nächste allgemeine deutsche Lehrerversammlung ist u. a. das Thema in Aussicht genommen: „Die Bedeutung einer gesteigerten Volksbildung für die wirtschaftliche Entwickelung unseres Volkes". Zur Lösung der hiermit gestellten Aufgabe wollen u. a. zwei kürzlich veröffentlichte Abhandlungen des vr. Keferstein beitragen. Die eine erschien in der Sammlung „Pädagogischer Abhandlungen", herausgegeben von Bartolomäus in Hamm, Verlag von Helmich, Bielefeld, die andere unter dem Titel „Volksbildung und Volksbildner" in dem von Friedrich Mann herausgegebenen „Pädagogischen Magazin", Verlag von H. Beyer u. Söhne, Langensalza. Der Verfasser geht von der Forderung aus, daß die Volksbildung sich nach religiös-sittlicher, ästhetischer, intellektueller, physischer bezw. hygienischer und technisch-manueller Seite in den Dienst wirtschaftlicher Entwickelung, damit aber zugleich in denjenigen der allgemeinen Förderung der öffentlichen sozial-politischen Wohlfahrt zu stellen habe. Mit reichem Wissen und erfinderischem Geiste läßt sich freilich in allen möglichen Gebieten menschlicher Thätigkeit vieles und großes erreichen, indessen bei weitem nicht alles. Zum Wissen und Können im industriellen Gebiete muß u. a. Geschmack, zu dauernden Erfolgen in Handel und Verkehr, zur Brauchbarkeit in den mannigfachen gesellschaftlichen Verhältnissen müssen moralische Eigenschaften, wie Zuverlässigkeit, Gewissenhaftigkeit, Fleiß, Sparjamkeit, Mäßigkeit, Ordnungsliebe, Pünktlichkeit, Liebe zur Sache das Ihrige beitragen. Dergleichen Eigenschaften sind ganz besonders zur rechten Erfüllung der Familien- und staatsbürgerlichen Pflichten unerläßlich, die ja doch auch als eine Kardinalbedingung der Staats- und Volkswohlfahrt zu betrachten ist. Die Vernachlässigung oder doch Geringschätzung der sittlichen Güter des Volkes gegenüber den Faktoren der Intelligenz, des Kapitals und glücklicher Spekulation wird sich nur zu rasch am gesamten Volkskörper rächen. Richtiges sittliches Urteil und Handeln wird sich u. a. bei den Arbeitgebern als Hauptvoraussetzung eines dauernden friedlichen'Verhältnisses zu ihren Arbeitern Herausstellen; bei den Arbeitnehmern wird nicht allein die Höhe des Lohnes, sondern auch der weise geordnete Gebrauch desselben, die gediegene Haushaltung als Bedingung des Wohlergehens und befriedigenden Daseins gelten. Allerdings sind keineswegs nur von den wirtschaftlich sich unmittelbar Beteiligenden sittliche Eigenschaften zu fordern, sondern es müssen auch seitens der Gesetzgebung und der obrigkeitlich Bevollmächtigten die entsprechenden Schutzmittel für eine ordnungsmäßige private wie öffentliche Wirtschaftsführung geboten sein. Dahin rechnen wir u. a. Verhinderung aller die Verlieder- lichung des Volkes herbeiführenden zahlreichen öffentlichen Vergnügungen und Feste, dahin eine strenge gesetzliche Ahndung aller unredlichen Produktions- und Vertriebsmittel. Gegenüber der u. a. auch in der modernen Frauenbewegung stark betonten Erhöhung intellektueller Bildung der weiblichen Jugend wäre mit gutem Grund die erhöhte persönlichsittliche sowie die wirtschaftliche Schulung geltend zu machen. Wenn doch alles nationale wie staatliche Gedeihen in letztem Grunde auf allgemein verbreitetes gesundes, gediegenes Familienleben zurückzuführen sein wird, als die Seele des Hauses, als die Hüterin häuslichen Glückes aber die Frau gelten muß, wie sollte man da nicht auch den weiblichen Schulunterricht solchen bevorzugten Lebensaufgaben entsprechend gestalten! Eine besonders hohe Mission fällt im Interesse der wirtschaftlichen Entwickelung des Volkes der obligatorisch zu besuchenden männlichen wie weiblichen Fortbildungsschule zu. Wenn doch die Lern- und Bildungsfähigkeit, aber wohl auch das Lernbedürfnis mit den reiferen Jahren zunimmt, liegt die Aufgabe nahe, dem entgegen zu kommen und der reiferen Jugend möglichst reiche Gelegenheit zur Entfaltung ihrer edleren Kräfte zu bieten. Dabei hat man einerseits den besonderen, vielleicht auf gewisse Erwerbszweige angewiesenen Oertlichkeiten, andererseits den natürlichen Lebensaufgaben der beiden Geschlechter gerecht zu werden. Die ländliche Fortbildungsschule hat ihren Schülern alles auf rationellen Betrieb der Landwirtschaft mit den ihr nahestehenden Arbeits- und Produktionsgebieten bezügliche theoretisch und so weit thunlich auch praktisch nahe zu bringen; die weibliche Jugend ist hier insbesondere mit allen Hauptzweigcn einer geordneten Hauswirtschaft bekannt zu machen. Was in Küche und Keller, in den verschiedenen Wirtschaftsgebieten zu schaffen und zu beobachten ist, aber auch was zur regelrechten Finanzverwaltung sowie zu einer vernünftigen häuslichen Erziehung zu wissen nötig erscheint, soll die weibliche Fortbildungsschule lehren. Diese Aufgabe drängt sich um so mehr auf, als die Flucht vor dem landwirtschaftlichen Beruf und dem Leben aus dem Lande in Besorgnis erregender Weise zunimmt uiiö man demnach alle Mittel ergreifen muß, um solcher Flucht entgegenzuwirken. Auch dazu können hauswirtschaftlich tüchtig vorgebildete Frauen ihr gut Teil beitragen. Den städtischen Fortbildungsschulen mögen im Interesse gewerblicher Arbeiten besondere unterrichtliche Aufgaben zufallen; beiden gemeinsam muß das Ziel vorschweben, nicht nur die Fachbildung, sondern zugleich jene allgemeine Bildung zu fördern, die dem künftigen Staatsbürger, Gemeinde- und Familiengliede un» erläßlich ist. Der fortschreitende Ausbau der auf Berufs- wie allgemeine Bildung abzielenden, von Jünglingen und Jungfrauen obligatorisch zu besuchenden Fortbildungsschule darf als eine Hauptvoraussetzung wirtschaftlichen und zugleich sozial-politischen, damit aber allgemein kulturellen Fortschritts betrachtet werden.____________________I. Z. Hessischer Landtag. Zweite Kammer der Stände. nn. Darmstadt, 2. Juli 1899. Die Beratungen werden um Uhr eröffnet. Bei Eröffnung der Sitzung macht der Präsident dem Hause die Mitteilung, daß sich das Büreau ohne Rücksicht auf die Feuilleton. Der Harten im Juki. (Nachdruck verboten.) Es wird nun endlich Zeit, daß der Wettergott ein Einsehen gebraucht. Hat er uns bis jetzt auch hier und da kleinere Serien schöner Tage gebracht, so kann der Mensch vom Frühling und vom Sommer eigentlich etwas mehr verlangen, als ihm bis jetzt zugebilligt wurde. Die Signatur im allgemeinen bildeten kalte, regenreiche Tage und noch kältere Nächte. Trotzdem läßt sich der Drang der Natur nicht aufhallen. Durchschnittlich stehen Saaten gut, Bäume und Sträucher haben saftiges Laub, und die Rose zeigt ihre herrlichsten Blüten, — nur daß man nicht zum Vollgenuß dieser Herrlichkeiten kommen kann. Mit dem Obst wird es sehr hapern. Die kalte Witterung, der Regen, das Fehlen der Insekten während der Blüte ließen die Bäume zu keinem Fruchtansatz kommen, und Obst wird zum Herbst und Winter ein rarer Artikel werden. Für den Juli wäre eine Aendernng erwünscht, wenn auch Herr Falb eine böse Prophezeiung herausgesteckt hat. Doch Herr Falb hat sich auch schon geirrt, und so wollen wir auch für den Juli auf einen error in calculo seinerseits hoffen. Die herrliche Erdbeere reist jetzt. Man versäume nicht, auf den Beeten die Ranken wiederholt abzuschneiden, d. h. wenn man nicht Vermehrung heranziehen will, denn nächsten Monat beginnt schon wieder die Anlage neuer Beete. Als beachtenswerte neue Sorten merke man sich vor: „Delicata“ und „ Million air", die ihrem Namen alle Ehre machen, erstere wegen ihres prachtvollen Geschmackes und Aromas, letztere wegen einer kaum glaublichen Fülle der Früchte. — Erdbeerbeete lasse man nicht länger als vier Jahre stehen, dann ist ihre Tragfähigkeit erschöpft. Von Früchten reifen außerdem im Juli Kirschen, Johannis-, Stachel- und Himbeeren, und für die Hausfrau beginnt die Zeit des Einmachens, der Säfte- und Marmeladenbereitung. Die Industrie, die unermüdlich im Erfinden ist, geht mit neuen, von Jahr zu Jahr verbefferten Instrumenten dabei zur Hand. Ein sehr zu empfehlendes Einmache-Glas ist ein Glas mit Selbstkontrolle. Eine über den Glasstöpsel gezogene Gummikappe läßt als tröstende Inschrift das Wort „Luftdicht" in großen Lettern erscheinen, wenn die Sache recht und gut geraten ist, und die Hausfrau kann beruhigt die Gläser in den Vorratsschrank schieben, es wird ihr nichts verderben. — Um den Saft den Beeren- früchten zu entziehen, bietet eine Presse, die man merkwürdiger Weise mit dem italienischen Namen „Tutti Frutti“ belegt hat, wohl bis jetzt das Beste und Praktischste. Saft und Fleisch verteilen sich gesondert. Im Obstgarten habe man im übrigen acht auf die räuberische Jnsektenwelt. Alles zu früh abgefallene Laub wird verbrannt. Fallobst wird sofort aufgesammelt. Die Eierschwämme des Goldafters werden zerdrückt oder abgenommen. Die Stachelbeerraupen klopft man ab oder überstäubt die Sträucher mit frischem Ofenruß. Auch ein Uebersprühen mit Seifenwaffer soll dienlich sein. — Gegen die Schnecken streut man zwischen die Kulturpflanzen Weizenkleie, um sie anzulocken, und sie dann abzunehmen. Der böse Engerling findet an dem Maulwurf seinen grimmigsten Feind. Schonen wir den Maulwurf, mit Ausnahme, wo er sonst durch sein Wühlen zu großen Schaden anrichtet, wie z. B. im Ziergarten und auf Rasenflächen. Im Gemüsegarten macht man nun die letzten Aussaaten von Erbsen und Buschbohnen. Auf leere Beete werden Winterkohl, Rosenkohl, Kohlrabi, Kopfsalat, Winterendivien und Porree ausgepflanzt. Sodann säet man: Herbstrüben, Spinat, Teltower Rüben, Salat, Rettich. — Auch kann man noch für den Verbrauch im Oktober von Möhren eine Aussaat machen. Im Blumengarten genießen wir im Juli so recht die Farbenpracht und den Schmelz und Duft der vielgestaltigen Florakinder. Doch sorgen wir immer wieder für die Zukunft vor. Wir vermehren durch Teilung und Ncu- verpflanzung unsere Aurikel, Gartenprimel, Feder- und Pechnelken. Ferner beginnen wir mit dem Okulieren der Rosen, auch lassen sich diese jetzt durch Stecklinge vermehren; die Stecklinge schneiden wir nach der ersten Blüte. — Wir beschneiden die Buxbaumeinfassungen. Von zweijährigen Pflanzen, wie Calceolarien, Cinerarien, Vergißmeinnicht (eilte neue reizende Sorte ist Liebesstern), Stiefmütterchen, Silenen rc., werden Aussaaten gemacht. — Die Georginen bereiten sich zur Blüte vor. Diese Pflanzen werden von Ohrwürmern sehr heimgesucht. Zu ihrem Fang nimmt man noch zurückstehenden Regierungs-Vorlagen und Interpellationen geeinigt habe, daß der Schluß des Landtages am 15. Juli stattfinden solle. Er bittet das Plenum um eine positive Erklärung des Einverständnisses. Abg. Ulrich bittet den Präsidenten, das Gesetz über die widerruflich angestellten Beamten, sowie die Vorlage wegen der Gehaltsregulierung der Forstwarte noch zur Beratung stellen zu wollen. Es wird zur Tagesordnung „Beratung des Artikel 13 des Einkommen st euer - Gesetzes" geschritten. Abg. Friedrich bemerkt. Die Regierung habe mit einem Federstrich vier Millionen Steuern gestrichen, und nun komme sie mit allen möglichen kleinlichen Mitteln, um diesen Ausfall zu decken. Mit dem gleichen Scharfsinn, mit dem sich die Regierung gegen die Besteuerung der Luxuswagen gewendet habe, hätte sie sich auch gegen eine Fahrradsteuer wenden müssen. — Abg. Osann ist ebenfalls für eine erhöhte Progression bis zu 5 Prozent, und wird dem Antrag Reinhard zustlmmen. Der Standpunkt der Negierung in der Fahrradbesteuerung sei nur der gewesen „Geld her", mithin nicht geeignet, sich Sympathien zu erwerben. — Die Abg. Osann und Friedrich stellen hierbei den Antrag, daß großjährige unverheiratete Einkommensteuerpflichtige bis zu V4 höher zur Einkommensteuer herangezogen werden können. Katholische Geistliche sind von dieser Steuer ausgeschlossen. — Abg. Schmeel ist gegen den Antrag Reinhardt, weil ihm der Ertrag zu minimal ist. Dagegen wird er für Einführung einer Junggesellensteuer stimmen. Dem Antrag Haas—Schmitt kann er nur bedingungsweise zustimmen. — Abg. Haas-Offenbach begründet seinen Antrag und bestreitet die Ansicht der Regierung, als werde bei jeder Budgetberatung über diesen Punkt debattiert werden. — Geh. Staatsrat Krug würde es als ein Unikum bezeichnen müssen, wenn die Kammer auf Streichung der unteren Klassen bestehen werde. Die Regierung könne einem dahingehenden Beschluß nicht zustimmen. — Abg. David plaidiert für den Antrag seiner Partei, d. h. auf eine Erhöhung der Progression von 4 Prozent bis auf 6 Prozent. Die Einführung einer Jung- gesellensteuer hält er für schwer durchführbar. Die Bekämpfung dieser neuen Steuer überlasse er den Fachleuten. Die ablehnende Stellung der Regierung zur Progression von 6 Prozent verstehe er nicht, da doch die Grundsteuer und Einkommensteuer seither 8 Prozent betrug. Gegen die Bemerkung der Regierung, als gehe durch die gesamte Steuer-Reform ein roter Faden, müsse er feierlichst protestieren. Wäre man aber im Hause diesem Faden gefolgt, so würde man nicht so wehmütig von der Reform Abschied nehmen, wie dies jetzt geschehen müsse. Es sprechen noch die Abg. vr. Schröder, welcher für eine Progression von 5 Prozent eintritt. Bei der nun folgenden Abstimmung wird der Antrag Ulrich auf 6 Prozent Progression mit 25 gegen 10 Stimmen abgelehnt und der Antrag Haas- Offenbach, eine Progression von 5 Prozent einzuführen, wird gegen 2 Stimmen angenommen. Der Antrag Osann auf Einführung einer Junggesellensteuer wird mit 18 gegen 16 Stimmen angenommen. Zur Beratung des Art. 49 des Einkommensteuergesetzes übergehend hat der Abg. Reinhardt beantragt, die drei unteren Steuerklassen zu entlasten. Es sprechen zu dem Antrag die Abg. Weidner und Ulrich. Der Antrag Reinhardt wird mit 17 gegen 16 Stimmen abgelehnt. Zu der Regierungsvorlage die Vermögenssteuer betr. haben die Abg. Ulrich und Genossen eine höhere Progression beantragt. — Abg. David begründet den Antrag und hebt hervor, daß nach der Regierungsvorlage der Großgrundbesitzer entlastet und der Kleinbauer belastet worden. Die Progression treffe aber jeden nach seiner Leistungsfähigkeit. Geh. Staatsrat Krug warnt nochmals, an der Regierungsvorlage etwas zu ändern, da dieselbe geeignet sei, Ungleichheiten auszugleichen. — Auch der Abg. Ulrich begründet den Progressionsantrag seiner Partei. ganz kleine Blumentöpfe, in die man zur Hälfte Moos stopft und sie auf die Pfähle stülpt. Die Ohrwürmer kriechen in diese warme Schlafmütze hinein und werden mit dem Moose herausgenommen. Eine ständige Arbeit bildet im Monat Juli das Bespritzen des Rasens. Je feuchter man ihn hält und je häufiger man ihn mit der Rasenmähmaschine schneidet, desto schöner, sattgrüner und sammetartiger wird er. Alles sich im Rasen zeigende Unkraut muß sofort, ehe es sich weiter ausbreitet, mit einem spitzen Messer ausgestochen werden. Dies gilt besonders vom Gänseblümchen und vom Löwenzahn, den schlimmsten Unkräutern des Rasens. Bei größeren Flächen, auf denen sich die Gänseblümchen gar zu breit machen, bedient man sich zu ihrer Vernichtung einer besonders konstruierten Rasenharke. In diesem Monat erscheinen auch schon überall neue einheimische Kartoffeln, viel wohlschmeckender als die Kartoffeln aus dem Süden, die schon im Mai in den Schaufenstern der Delicateß-Handlungen lagen Neue Kartoffeln sind eine große Delicatesse, doch muß man bei ihrem Genuß vorsichtig sein, denn sie sind schwer verdaulich, erzeugen leicht Leibschmerzen und Diarrhöe. Am besten ist es, diesen noch nicht ganz reifen Kartoffeln eine Schnellreife dadurch zu geben, daß man sie einige Tage in trockenen Sand legt, der den Sonnenstrahlen ausgesetzt ist, so, daß sie ganz davon bedeckt sind. Abends werden sie in einem trockenen Raum aufbewahrt, um sie dem Tau zu entziehen. Dadurch bekommt man dann reife, mehlreiche Kartoffeln, die nicht nur dienlicher, sondern auch zarter von Geschmack sind. Die früheste und wohlschmeckendste Freilandkartoffel ist die „Perle". — Für eine Kartoffel klingt der Name etwas poetisch, aber Poesie verbindet sich hier mit Prosa zu einer guten Harmonie. I. C. Schmidt in Erfurt. Von einer Konfiskation des Vermögens könne nicht die Rede sein. Die Steuer soll nur von denjenigen getragen werden, die es vertragen können. Bei der Abstimmung wird der Antrag Ulrich'auf Einführung der Progression bei der Vermögenssteuer mit 19 gegen 14 Stimmen angenommen. Ein Antrag des Abg. David, den Art. 13 des Gesetzes betr. wird abgelehnt. Die Sitzung wird hier abgebrochen. Nächste Sitzung am Dienstag vormittag um 9 Uhr. Deutsches Reich. Berlin, 1. Juli. Der Kaiser wird auf der Nord- lau d s r e i s e von folgenden Herren begleitet: Prinz Christian von Schleswig-Holstein, Generaladjutant v. Kessel, Chef des Marine-Kabinetts Kontre-Admiralv. Senden-Bibran, Generalmajor Graf Hülsen-Haeseler, den Flügeladjutanten Graf Klinckowström, Mackensen, Major Boehn, Major Berg, dem Inspekteur der Marine-Infanterie Oberst v. Hoepfner, Generalarzt Professor Dr. Leuthold, Hausmarschall v. Lyncker, dem Botschafter Grafen Eulenburg, dem Grafen Schlitz- Görtz, dem Theaterintendanten v. Hülsen, dem Professor Güßfeld und dem Marinemaler Saltzmann. Berlin, 2. Juli. Bei dem gestrigen Frühstück des Lübecker Jachtklubs dankte der Kaiser für die Begrüßung durch den Bürgermeister, und begrüßte gleichzeitig den neu begründeten Lübecker Jachtklub. Der Kaiser sprach die Hoffnung aus, daß dies ein Zeichen sei für den Zug der Nation, die Zukunft immer mehr auf dem Master zu suchen. Er hoffe, daß das Aufblühen des Segelsports dazu beitragen werde, das Interesse für die deutschen Unternehmungen im Auslande zu stärken. Alsdann trank der Kaiser auf das Wohl der Stadt Lübeck und des neuen Jachtklubs. Berlin, 2. Juli. In parlamentarischen Kreisen wird der „Deutschen Tageszeitnug" zufolge das Gerücht verbreitet, der preußische Finanzminister habe Herrn Lucas den Rat gegeben, auf den Kaiser dahin einzuwirken, daß die Kanal-Vorlage wegen ihrer zweifelhaften Aussichten auf einen späteren günstigen Zeitpunkt verschoben werde. Berlin, 1. Juli. Das Staatsmini st erium trat heute nachmittag 2 Uhr unter dem Vorsitz des Fürsten Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen. Berlin, 2. Juli. Die gestrige Sitzung des Staatsministeriums währte von 3 Uhr nachmittags bis 6 Uhr abends. Auf der Tagesordnung standen nur zwei Punkte, darunter die Frage wegen Regelung der Verhältnisse der Witwen von Staatsbeamten. Berlin, 1. Juli. Die Kanal-Kommission des Abgeordnetenhauses hat heute vormittag ihre Aufgabe beendet. Die Petitionen und der Rest der Kompensations-Forderungen wurden der Negierung als Material überwiesen. Die erste Plenarsitzung nach der Vertagung wird am 7. August stattfinden und die Kanal-Vorlage sogleich auf die Tagesordnung gesetzt werden. Berlin, 1. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht )ie Ernennung des Oberpräsidialrates vr. v. Bethmann- Hollweg zu Potsdam zum Regierungs-Präsidenten in Bromberg. Berlin, 1. Juli. Von glaubwürdiger Seite wird der „Kreuz-Zeitung" die Nachricht von der Erkrankung des Erbprinzen Danilo von Montenegro und von der Verschiebung der Hochzeit als böswillige Erfindung bezeichnet. Der Erbprinz sei kräftig und gesund und es liege nichts vor, was der auf den 27. ds. anberaumten Hochzeit in Cettinje hindernd in den Weg treten könnte. Berlin, 1. Juli. Wie aus Travemünde gemeldet wird, ist als erste der bei der Wettfahrt von Kiel nach Travemünde beteiligt gewesenen Jachten gestern abend 91/2 Uhr die Jacht des Kaisers, „Meteor", eingetroffen. Heute vormittag hörte der Kaiser an Bord der „Hohen- zollern" den Vortrag des Chefs des Civil-Kabinetts v. Lucanus und empfing darauf den Fürsten zu Wied. Heute mittag legab sich der Kaiser nach Lübeck, um an einem Frühstück )es Lübecker Jacht-Klubs teilzunehmen. Berlin, 1. Juli. In der heutigen Sitzung des gemein- chaftlichen Landtages erklärte der Staatsminister v. Strenge, daß der Herzog von Connaught für sich unbedingt zugunsten des Herzogs von Albany verzichtet, der Prinz von Connaught nur bedingt verzichtet, indem er sich das Erbrecht vorbehält ür den Fall, daß der Herzog von Albany vorzeitig stirbt oder dessen Mannesstamm erlischt. Der Vormund des Herzogs von Albany ist der Erbprinz von Hohenlohe- Langenburg. Außerdem ist dem Hause heute das Regent- chaftsgesetz zugegangen. Es verlangt, daß der Vormund auch Regierungs-Verweser sein soll, falls der Herzog von Albany etwa in minderjährigem Alter zur Regierung ge- angen sollte. Die bezüglichen Vorlagen werden an die Verfassungs-Kommission überwiesen, welche morgen vormittag 10 Uhr eine Sitzung abhält. Am nächsten Montag findet Plenar-Sitzung statt, in welcher die bezüglichen Vorlagen zur Verhandlung gelangen sollen. Weiter wird noch aus Ko bürg gemeldet: Der Minister v. Strenge erklärte im Landtag, der Herzog von Connaught verzichte, weil er sich von seinem einzigen Sohne nicht trennen könne und durch eine Stellung genötigt sei, in England seinen Wohnsitz zu behalten, aber die Berechtigung einer deutschen Erziehung des Koburger Thronerben anerkenne. Der Minister hat bei allen Mitgliedern der englischen Königsfamilie, insbesondere bei der Königin, volles Verständnis und Entgegenkommen gegenüber Koburger Interessen und Wünschen gefunden. — Prinz Heinrich von Preußen wurde in Jokohama vom Prinzen Kanin empfangen und nahm in dem kaiserlichen Palais Wohnung. Die kaiserlichen Majestäten gaben am Samstag zu Ehren des hohen Gastes em Mahl. y ?uIL .9™ Herner Bezirk ist alles ruhig. Im Recklinghäuser Revier sind auf der Zeche „König Ludwig" von tausend nur hundert Bergleute angefahren. Die Lage dort ist sehr bedrohlich. Die Aus ständigen bedrohten den Direktor. Bei der Zeche Blumenthal I und II wurde eine Versammlung von etwa tausend Streikenden unter freiem Himmel abgehalten. Dieselbe wurde durch Infanterie gesprengt. Die Gebäude der Kraftstation der elektrischen Bahn bei Bruch wurden nachts mit Steinen bombardiert. Von der Zeche „Ludwig" wurden Kürassiere herbeigeholt, welche die Menge auseinandertrieben. — Aus Kiautschou. Es sind Nachrichten aus Kiautschou eingetroffen, daß die Unruhen fast völlig beendigt sind. Der chinesische Provinz-Gouverneur hat Beamte mit der völligen Wiederherstellung der Ordnung in Kaomi beauftragt. Der Erfolg der deutschen Expedition kann also als gesichert gelten. — Ueber die Verkehrsbeziehungen zuOstasien finden sich jetzt schon manchmal Aeußerungen in den Handelskammerberichten. So stellt der neueste Bericht der Handelskammer Breslau fest, daß es einer bedeutenden Breslauer Lederwaren-Firma gelungen ist, sich ein Absatzgebiet ihrer Fabrikate in China zu erringen. Von der Firma ist eine Filiale mit eigener Werkstatt in Schanghai gegründet. Die technische und kaufmännische Leitung dieser Zweigniederlassung liegt in den Händen einiger Europäer. Die Arbeiter sind Chinesen. Von Schanghai aus sind auch verschiedene Verbindungen nach anderen chinesischen Häfen, wie Hunkow, Nanking, Chefow, Tsintau u. s. w., wie auch nach Sibirien angebahnt. Samoa. Der „Köln. Ztg." wird aus Apia vom 16. v. M. gemeldet: Der Arbeit der Kommission ist es zu danken, daß die Entwaffnung beider Parteien rasch durchgeführt worden ist. Bisher sind 1878 Gewehre von Mataafa und 1300 von Malietoa Tanu nebst 700 von dem englischen Kreuzer „Porpoise" ausgeteilten eingeliefert worden. Die Krieger sind unter der Mitwirkung der Kriegsschiffe „Falke" und „Porpoise" nach der Heimat zurückbefördert worden. Angesichts der Unzufriedenheit Mataafas wird der Königssitz Mulinuu endlich geräumt. Tann wird demnächst auf eine der Fidschi-Inseln deportiert werden. Der deutsche Konsul Rose und der britische Konsul Maxse reifen heute ab. Oberrichter Chambers soll ihnen folgen. Ausland. Wien, 1. Juli. Bei einem nachts hier ausgebrochenen Hausbrande sind ein Mann und eine Frau in den Flammen umgekommen. Ein Kind erlitt schwere Brandwunden. Mehrere Hausbewohner konnten sich durch Sprung aus dem Fenster retten, trugen jedoch ebenfalls schwere Verletzungen davon. Budapest, 1. Juli. Der Sozialist Eduard Barn wird den Grafen Alada Zichy zum Duell fordern, angeblich weil letzterer ihn in einer Volks-Versammlung beleidigt hat. Budapest, 1. Juli. Die sozialistische Partei beschloß, am 16. Juli hier und in der Provinz Straßen-Umzüge für das allgemeine Wahlrecht zu veranstalten. Budapest, 2. Juli. Der Graf Szirmay erstattete gegen einen höheren hiesigen Beamten Strafantrag wegen Betrugs, Erpressung und versuchten Kinderraubes, begangen an der fünfjährigen Tochter des Grafen. Paris, 2. Juli. Frau Dreyfus erhielt die Erlaubnis, ihren Gatten täglich zu besuchen, sowie dessen Speisen selbst zuzubereiten und ihm zu bringen. Brüffel, 1. Juli. Gestern abend bewegte sich ein Zug von ungefähr 10000 Personen vom Volkshause zu dem Rathhause, ohne von der Polizei belästigt zu werden. Am Rathause angelangt, begrüßte die Menge den Oberbürgermeister. Van der Velde hielt eine Ansprache, worin er dem Oberbürgermeister den Dank der Arbeiterpartei aussprach für die Zurückziehung der Verfügung betreffs Verbot der Versammlung von mehr als fünf Personen auf der Straße. Van der Velde dankte gleichfalls für die Nachsicht, welche die Polizei während der letzten Ereignisse an den Tag gelegt hatte. Oberbürgermeister Buls erwiderte in kurzen Worten und dankte für die ihm dargebrachten Ovationen und drückte )ie Hoffnung aus, daß zukünftige Kundgebungen friedfertiger verlaufen möchten. Dies wurde auch von Van der Velde versprochen, und der Umzug kehrte kurz nach Mitternacht nach dem Volkshause zurück. Konstantinopel, 30. Juni. Nach den in Konstantinopel eingetroffenen Berichten befindet sich Smyrna in einem Zustande großer Beunruhigung, infolge der Unbotmäßigkeiten der kretischen mohammedanischen Flüchtlinge, deren gegenwärtig etwa 23,000 vor den Thoren der Stadt kampieren. Die erwähnten Berichte bezeichnen die Lage als sehr ernst, da die Kretenser jeder Kontrolle spotteten, stürmisch und drohend Unterhalt von den Behörden forderten und um so gefährlicher würden, da sie selbst thatsächlich gänzlich mittellos und rein gar nichts vorgesehen sei, für sie zu sorgen. Auf der Pforte haben wiederholt Zusammenkünfte stattstattgefunden, um die Lage zu erwägen, diese resultierten in wiederholten Anweisungen an die Smyrnaer Behörden, )ie Emigranten auf das Innere zu verteilen und sie durch Ueberredung zum Abgang nach den ihnen zugewiesenen Landstrichen zu bewegen. Die diesbezüglichen Versuche aber blieben erfolglos und der Mali wie der dortige Platzkommandant erklären sich ohnmächtia, die ihnen erteilten Instruktionen auszuführen, da die Äretenfer sich abzuziehen weigerten; einige, welche wirklich nach dem Innern gegangen bezw. fortgeschickt worden seien, feien bald wieder zurück- gekehrt. Da die Flüchtlinge wohl bewaffnet und unter ihren Führern diszipliniert und organisiert, sowie zum gemeinsamen Handeln entschlossen seien, nütze aller moralischer Druck nichts. Lokales und Provinzielles. -e. Neu-Ulrichstein, 1. Juli. Monatsbericht der Arbeiter-Kolonie „Neu-Ulrichstein für den Monat Juni 1899. Am 30. Juni 1899 befanden sich in der Kolonie 26 Mann. Dieselben verteilen sich: 1. Nach der Geburt: Großherzogtum Hessen 5, Negierungs-Bezirk Kassel 2, Regierungs-Bezirk Wiesbaden 5, Provinz Rheinland 3, Provinz Sachsen 1, Königreich Bayern 1, Königreich Sachsen 3, Großherzogtum Baden 1, Provinz Ostpreußen 2, Provinz Brandenburg 2, Luxemburg 1. 2. Nach den Gewerbe: Arbeiter 11, Gärtner 1, Kaufmann 3, Kürschner 1, Maschinenzeichner 1, Photograph 1, Schlosser 1, Schneider 1, Schriftsetzer 1, Schreiner 1, Schuster 3, Weißgerber 1. Gearbeitet wurde 893 Tage. Verpflegt wurde 989 Tage. Im Monat Juni wurden entlassen 18 Mann, und zwar in Stellung, auf Wunsch 14, Kontraktbruch 2, Trunk und schlechtes Betragen 2. Seit Bestehen der Kolonie wurden ausgenommen 3590, entlassen 3564, bleibt Bestand 26 Mann. x Vom Lande, 2. Juli. Haben schon die schweren Unwetter im vorigen Monat in vielen Gemarkungen der Gegend bedeutenden Schaden angerichtet, so ist das anhaltende Regenwetter der letzten Tage nicht minder nachteilig. Das Getreide, namentlich das Korn, welches sich bei sonnigem Wetter zum großen Teil vielleicht wieder erhoben hätte, wird nun völlig niedergehalten, wodurch natürlich die Körnerbildung erheblich beeinträchtigt wird. Das auf den Wiesen liegende Heu ist vollständig ausgelaugt und infolgedessen minderwertig, und es ist zu befürchten, daß das noch stehende Gras infolge der andauernden Feuchtigkeit auf dem Stand verfault. Den bereits abgeernteten Wiesen dagegen kommt der Regen gut zu statten, indem er das Wachstum des Grummetgrases bedeutend sördert. Auch dem Klee und den Hackfrüchten ist die feuchte Witterung sehr dienlich. Doch wäre es unseren Landwirten lieber, wenn recht bald beständiges, trockenes Wetter ein- treten würde, damit die Heuernte beendigt und die nötigen sonstigen Feldarbeiten, wie Hacken und Häufeln der Kartoffeln usw. vorgenommen werden könne. + Laubach, 2. Juli. Hauptsächlich der Thätigkeit des hiesigen Zweigvereins des Vogelsberger Höhenklubs ist es zu danken, daß unsere Stadt immer mehr von Erholungsbedürftigen zum mehrwöchentlichen Sommeraufenthalt aufgesucht wird. Schon im vorigen Sommer hatte sich eine stattliche Zahl von S ommerfr is ch lern hier eingefunden, und auch für dieses Jahr steht noch — bei Eintritt besserer Witterung — zahlreicher Besuch in Aussicht. Bietet doch unser freundliches Städtchen mit seiner reizvollen Umgebung und seiner ausgedehnten, herrlichen Waldungen, so viele Annehmlichkeiten, daß es den Vergleich mit den besuchtesten Luftkurorten des Odenwaldes nicht zu scheuen braucht. Es -ist deshalb zu hoffen, daß es in nicht allzuserner Zeit eine der ersten Stellen in der Reihe der „Sommerfrischen" einnehmen wird. H Alsfeld, 1. Juli. Der Fuhrmann Heinrich ScheerIV. von Romrod wollte hier einen nach dem Heimweg fahrenden Wagen eines Zeller Fuhrmanns besteigen, fiel aber dabei unglücklich und zog sich schwere Verletzungen zu. 'Er wurde in die Klinik nach Gießen verbracht. Zell, 1. Juli. Ein schwerer Unglücks fall forderte heute em Menschenleben. Der Landwirt Kornmann hatte Klee auf dem Felde geholt. Auf der Rückfahrt scheuten die Pferde und gingen durch. Die Schwiegertochter versuchte, vom Wagen zu springen, stürzte kopfüber und brach das Genick, sodaß der Tod alsbald eintrat. Das tragische Geschick der so jäh dem Leben entrissenen braven Frau erregt allgemeine Teilnahme. M UHeppenheim a. B., 30. Juni. Bei dem Gewitter, bas gestern gegen abend die Bergstraße entlang zog und überall großen Schaden anrichtete, wurden zwei Männer von hier, die im Felde nach Lorsch zu arbeiteten und die sich in ein dort befindliches Schutzhaus geflüchtet hatten, vom Blitz erschlagen. Noch andere Personen, die sich auch daselbst befanden, fielen betäubt zu Boden, erlitten aber nur geringe Beschädigungen. Auch ein Pferd, das vor der Schutzhütte stand, wurde zu Boden geworfen. Der eine der Getödteten ist ledig, der andere hinterläßt Frau und Kinder. Worms, 30. Juni. Zum Stadtbaumeister wurde gestern einstimmig Herr Bauinspektor Metzler in Alsfeld gewählt. Für die Stelle hatten sich 15 Bewerber gemeldet. Von der Mainspitze, 2. Juli. Aus Anlaß der Vereinigung der Maschinenbau - Aktiengesellschaft Nürnberg (Filiale auf der Gustavsburg) und der Maschinenfabrik Augsburg, hat der Reichsrat Freiherr vonCramer-Klett eine Stiftung von 500000 Mk. gemacht, wovon die Jahreszinsen zur Gewährung von Ruhelohn für arbeitsunfähige Angestellte der vereinigten Fabriken wie auch zu Unterhaltsbeiträgen an die Hinterbliebenen verstorbener dienstälterer Arbeiter verwendet werden sollen. Zu gleichen Zwecken hat Freiherr von Cramer-Klett bereits im Jahr 1895 200000 Mk. gestiftet. Aus Nheinhesien, 2. Juli. Durch das seit zwei Tage eingetretene kalte, regnerische Wetter ist die T r a u b e n b l ü t e in unliebsamer Weise unterbrochen, und schon beginnen die Hoffnungen der Winzer auf eine gute Ernte sehr zu schwinden. Der Zustand ist bei dem trostlosen Wetter um so schlimmer, da sich vielfach schon der Heuwurm zeigt, dem nur eine rasche Blütezeit seinem Vermchlungswerke Einhalt gebieten kann. Vermischtes. * Hof. und Offizier Adreßbuch für Heffen und Heffen Naffau (XVIII. Armeekorps.) Frühjahrausgabe 1899. Preis Mk.2.— brosch. Verlag von Alfred Dieterich in Stuttgart und München. Dieses Adreßbuch bringt eine übersichtliche Zusammenstellung der in den Bereich des XVIII. Armeekorps fallenden Höfe mit ihren Angehörigen und Hofstaaten, und der diesem Armeekorps zugehörigen Behörden, Truppenteile 2C. mit ihren sämtlichen Offizieren und Beamten. Die Adressen enthalten Rang- und Zuname, genaue Wohnungsangabe, sowie Vermerk, ob verheiratet. Die Adreßbücher werden an sämtliche darin genannten Adressen gratis verschickt, (die Kosten der Herausgabe werden durch Inserate gedeckt) und bilden für die Empfänger ein brauchbares und sehr zweckmäßiges Handbuch, eine willkommene Ergänzung der bestehenden Ranglisten. Auch für den Geschäftsmann werden diese Adreßbücher bald unentbehrlich sein. * Der älteste Journalist der Welt. In Wien ist Leopold Ritter v. Blumencron, 96 Jahre alt, gestorben. Er war jedenfalls der älteste Journalist der Welt. Bis vor etwa drei Wochen versah er noch die Thätigkeit des verantwortlichen Redakteurs des „Wiener Fremdenbatts". In seiner Jugend Offizier, diente er noch unter Benedek, dann wandte er sich dem journalistischen Berufe zu. Leopold von Blumencron wurde geboren am 21. Februar 1804. In der aufregenden Thätigkeit des Journalismus hat er jedenfalls ein ungewöhnlich hohes Alter erreicht. Mteratur, Wissenschaft und Kunst. — Mit der soeben erschienenen Nummer 27 beginnt die „Jugend", Münchener illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leven (G. Hirths Verlag in München, Preis Mk. 3 pro Quartal, da« dritte Quartal ihres vierten Jahrgang«. Aus dem reichen Inhalt der Nummer heben wir das folgende hervor: Titelblatt von Ludwig von Zumbufch. — «Das Buch im Tischkasten" von Paul Lindau, mit Zeichnungen von Arpad Schmtdhammer. — „Das Recht aus Selbstmord" von Fritz von Ostini, mit Zeichnung von Walther Püttner. — „Da8 ist der Herr Hauptmann von Dünkelsbühl . . ." von Walther Georgi. — „Im Schnellzug" von Ludw. Fulda. — „Ein Wellensang" von Rudyard Kichling. — „Eine „rührende" Person" von A. v. Kubinyi. — „Aus Serenissimi Jugendzeit." — Witze. — Humor detz Auslandes. — Aktuelles: „Auch eine Störung Arbeitswilliger." — „Nach dem Thun Kaizl'ichen AuSgletchr-Sündensall." — „Die russisch-badischen Beziehungen." — „Gotthold Ephraim Lessing" von Pfarrer Lueginsland. — „Der neue Plutarch." — „AuS der Kindheit berühmter Männer." — „Heinrich Raspe." — Lustige Nachrichten u. a. m. — „Amerikanische Geistkuren" nennt G. W. Geßmann einen intereffanten Aufsatz in Heft 21 der illustrierten Famtlienzeitschrift Fels zum Meer" (Stuttgart, Union Deutsche Verlags- gesellschast). Darin giebt der Verfasser Ausschlüsse über eine in Amerika seit 20 Jahren blühende Schule ärztlicher Denker, die, ausgehend von der okkultistischen Ansicht, daß der menschliche Geist über den von ihm gewissermaßen als Bekleidung für sich geschaffenen Körper die Herrschaft auSübe, alles Kranksein aus ebensolche Geisteszustände zurückführen und mit der hierauf basierten Heilmethode große Erfolge erzielen. Richard March führt uns in einem illustrierten Artikel „Gezeichnete (d. h. tätowierte) Menschen" vor; Georg Gronau macht uns mit den „Neuerwerbungen der Berliner Gallerte" bekannt und Arnold Fromann bespricht an der Hand von siebzehn charakteristisch gewählten Illustrationen „die Kunst im Buchdruck". Wilh. Brandt plaudert, unterstützt durch 24 photographische Ansichten, vom „Mikadolande", während uns Philipp Kniest nach der alten mecklenburgischen Seestadt Wismar und Rhenanus nach Boppard geleitet. Neben dem ebenso prächtigen als ungemein reichen Bildschmuck, welcher im „Sammler" zumal von höchstem aktuellen Reiz ist und von dem die Wiedergabe der „Prellschen Fresken im Palazzo Caffarelli zu Rom", „Ein Strandsest am Bosporus", „Der kultur- bistortsche Festzug in St. Gallen" rc. genannt sein mögen, fesseln die Romane und Novellen von Wilhelm Wolters, Hermann Stegemann und Marie von Bunsen den Leser in besonders hohem Grade. 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Juli: Abends 87, Uhr: Großes Monftre-Konzert der vereinigten Musikkapellen in der Festhalle. , Freitag deu 7. Juli: Abends 87g Uhr: Großes Brillant-Feuerwerk. Samstag deu 8. Juli: Nachmittags iya Uhr: Ausstellung des Jugendfestzuges und Abmarsch dw ch die Stadt nach dem Festplatz. Nachmittags von 3 Uhr an: Gießener Jugendfeft. Abends 87, Uhr: Wiederholung der Festspiele. Sonntag den 9. Juli: von 3 Uhr an: Konzert auf dem Festplatz und in der Fest Halle. Nachmittags 6 Uhr: Verteilung der 10 ersten Preise auf sämtliche Scherben, Konzert und Tanz auf dem Festplatze und Schluß des offiziellen Festes. 5029 Im 1 ®hejni*ches 4891 lechmkum Bingen •ür UHu nud Bletlrolethoii. Programme kostenlos. 20 Franken-St. Gngl. Sovereigns Dollars in Gold 00.00 20.40 4.21 Adeudeourfer 162 00 l Oesterr. Eredit-Actien Kursbericht m J. Kcnz & Co.s chießen, MoHMr 63. Frankfurter Börse vom 1. Juli 1899. dlo. unk. b. 1907 101.40 4 DeutsckeGrdsch.B.unk.b.1904 101.50 4 Meinen cft'dzeiaen deren Aufg*eber un^ekannt bleiben wollen , yjie beispielsweise bei: Stellengesuchen u. Angeboten jp.- ^ind Verkäufen Vermiethungen Verpachtungen Capitalgesuchen u.Angeboten etc. etc. übernimmt unter strengster Dis- er et ton zum billigsten Preis in die für die betreffenden Zwecke jeweils bestgeeignetstenZeitungen die Centr.-Annoncen-Expedition von G-. l. Daube & Co.*) Die unter Chiffre G. L.Daube & Co. einlaufenden Offertbriefe werden am Tage des Eingangs den Inserenten zugesandt. Centralbureau in Frankfurt a. M.l Kaiserstr. 8, IO u. IO a. Hemn-Hkmden nach Maß in billigster und bester Ausführung, sowie große Auswahl in allen Weiten von Mr. 2.50 an. 4523 JOS. Mark, Schutstraße 5, ___________________Wäsche-Ausftattuugs-Gefchäft. Inhaber: Peter Herr. Seltersweg* IVr. 31. 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Banknoten Brief Geld 81 05 20.36 Oesterr. dto. _________________________ . 169.30 4.17 Americ. 4.16 1 WUT' _____________________| 24./6. $ vorn 1./7. 1 wottrfe vom 24./6.| l,/7.|g Tourse vom 24./6. j 1./7. i «r 5 n> I Toarfe vom 24-/6. 1 1./7. 3 I 24 /6 f< vom I Z «o«rse vom 8V 2 8 »Vr 8 87. 872 4 81/j 8 8V 5 Starteffiliert. D,utfch-. D. Reichs-Anl. do...... Preuß ConsolS do...... Badische v. 86 Boyr.St.-Obl. a.Heff.S>.-Obl. do. ..... do...... Württemberg. « slSndlsch«. Grtech.E.B.v. 1890 .... Griech.Monop. Italiener Rte. do...... Oest.Goldrte.. Oest. Silberrte. Portug. Staat do...... Rum. am. Rte. Russen v. 80 . Schwedens 80 Serben v. 95 . Spanier . . . Türk.Zoll-Obl. 99.80 90.30 99.35 89.90 96.80 101.70 97.- 86.50 97 — 42.50 50.50 59*10 101.35 99.65 38.60 26 55 100 35 99.60 98.40 62.40 62.40 99 60 90.50 99.35 90.40 97*60 102.30 97.10 86.60 97.40 42.50 50.55 50*- 101.- 99.75 38 75 26.05 100.80 99.40 98.10 62.60 4 8 4 47, 5 47, 5 4 6 5 3 4 37- 37, 37, 4 37, 4 4 87. 4 4 47, 4 87, Ung. Goldrte.. do. Anl. do.Staatsrte. do. E.B.Gold v. 89 . . . . Arg. hm. Anl. do. äuß. v. 88 ChinesischeAnl. Egypt. unific.. Mexico v. 90 . do. Eisenb. . do. Silber. . Etr-Sbl. Darmstädter . do...... 99.80 85.30 95.80 101.30 74*95 98.10 106.35 100.50 27.90 100.20 96*20 101.10 88.30 75.20 98.40 106.10 100.30 99.80 28 50 4 4 4 4 4 4 3 4 8 3 Askllb.'Artorit. Deutsch,. Heff. Ludwigs- bahn 0.68/69 do. v. 75/78 . Allg.dt.Kleinb. «uOlüudtsch,. Elisab.-B.strfr. Kasch au- Oderberger v. 91 Lombarden. . do...... Oest. Staatsb. do. I-VIII . do. v. 85 . . 100*90 99.75 100*20 89.25 86.10 100*90 100.- 96*50 72.- 99.85 89.50 86.30 80.90 78.— 75.40 100,50 59.45 62.05 97.75 99.60 4 4 4 37, 4 37. 37, 4 4 37, 37, 4 4 37, 37, 4 37, 4 4 4 Ifoiüj trieft. Gothaer unkb. 1903 .... Grundschbk. Ser. V—VI do. I—II do. unk. 1906 Frkft. Hypbk. XIV..... bo.xn-xni do. XV. . . Frkft. Hyp.- Creditverein do. Ser. 27 . do. Ser. 28, 30, 33 . . . do. Ser. 29 . Ldw.Cred.-Bk. Hambg.Hypbk. Ser.141—250 do. 46—190 Meining. Hyp. do. neue . . do. unk. 1907 Pomm. Hypbk. Preuß. Hypbk. VIII-XII do. neue. . . 101.50 101.50 100.— 96.70 101— 95.80 96.80 99.45 101.— 100.50 101.50 100.— 96.70 101.— 95.80 96.80 99.50 101.— 87, 4 4 4 47, Westdeutsche Bodencredit in Cöln . . Ung. Lds.-Ctr. Shitrft. Buderus . . . Eisenb. Rtbk. . Hirzh. u. Lollar ßauk-Altitt. Dtsch.Reichsbk. Berliner Hand. Darmstädt. Bk. Deutsche Bk. . Dt. Genossbk.. Dtsct.-Comm. Dresdener . . Mitteldt. . . . Nationalbk. . . Oest.Cred.-Act. SnbHfkie-SrtitB Kleyer Fahrrad Henninger Brauerei. . Farbw. Höchst. Nordd. Lloyd . Bochumer Guß Gelsenk. Brgw. 97.50 95.50 100*20 154.80 171.30 J J-/<- l> 97.30 95.— 100.20 154.- 171.40 7 — — 4 1_______________________________________________________ Ber. Königs- u. Laura . . . Eife-d.«)rtiei. Oest. Staatsb. do. Südbahn Gotthardbahn. Jura«Simplon Princ Henry . Losse in Procente«. Bad. Th. 100 . Bayer. Th. 100 Donau-Regul. /, Cöln-Minden. Madrider. . . Mein. Th. 100 Oesterr.v.1860 Oldenb. Th. 40 /, Raab-Grazer . 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