Drittes Vermischtes. Alle Anzeigrn-DermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Hrturftion, Expedition und Druckerei: Kchulstraße Ar. 7. $ Winke beim Ankauf eines Fahrrades. Wir glauben unfern Lesern einen Gefallen zu erweisen, wenn mir denjenigen, die geneigt oder genötigt sind, sich ein Fahrrad, dieses durchaus moderne, überaus praktische und bequeme Verkehrsmittel, sei es zum Sport, sei es zum Dienst, mizu- schassen, einige Ratschläge erteilen über die sehr wichtige Frage: Was für eine Maschine soll ich kaufen. In den luta^tne von Anzeigen zu der nachmittag- für den h!zk, den Tag erscheinenden Nummer biS vorm. 10 Uhr. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. IZezugsprciL vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Bei Postbezi^ 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Gießener Anzeiger General-Anzeiger Aintr- und Anzeigeblatt für den Aveis Giefzen meisten Fällen lautet die Antwort, die man sich gibt: ein billiges Rad, und doch ist diese Antwort falsch; sie müßte nämlich heißen: ein gutes Rad. Denn em. gutes Rad ist immer ein billiges und das beste Rad ist stets das billigste. — Der Preis allein darf also nicht ausschlaggebend sein. Die zweite Frage: was für eine Marke ott ich kaufen? ist ebenso leicht zu beantworten. Unser Rat geht dahin: nur deutsches Fabrikat, niemals aber ein solches aus überseeischen Ländern. Es ist zwar bekannt, daß die amerikanischen Fahrräder sehr billig sind, aber ebenso bekannt ist auch die Thatsache, daß sie meistens em äußerst minderwertiges Fabrikat darstellen. Der Besitzer einer solchen Maschine riskiert bei jeder Tourenfahrt Leib und Leben. Das ist ein hartes Wort, aber es ist, nicht zuviel gesagt. Man vergegenwärtige sich stets, daß für ein Spottgeld niemals prima Ware geliefert werden kann, auch nicht von den Amerikanern. Das trifft Nicht allein in der Fahrrad-Industrie zu, sondern in allen Zweigen des Geschäftslebens. Aber auch in der Wahl des deutschen । Fabrikates sei man vorsichtig. Ein Fahrrad ist eme Pra- zisionsmaschine. Niemals wird daher ein noch so tüchtiger Schlosser in der Lage sein, eine solche aus allerhand Bestandteilen — auch gar manchmal von sehr zweifelhafter Güte — fo mathematisch genau zusammenzusetzen, wie das der Fall ist in einer angesehenen Fahrradfabrik, der alle vollendeten technischen Hilfsmittel zu Gebote stehen. Denn gerade diese sind alleinige Gewähr für em tadellos genaues I Fabrikat. Ferner bedenke man, daß ein fo billiges Rad I sehr bald recht teuer wird durch die häusig notwendig wer- I denden kostspieligen Reparaturen, und am Ende hat der I Besitzer eine dennoch teure, aber eine geflickte Maschine.— I Wie ganz anders und um vieles besser stellt man sich doch I beim Ankauf eines erstklassigen deutschen Rades! Schon das Ansehen der Fabrik, bezw. die Person des Händlers I bürgt für eine prima Ware. Ueberdies leistet eine reelle I Fabrik schriftliche Garantie, die jede wünschenswerte Sicher- I heit auf ein volles Jahr hinaus bietet. Endlich bedenke I man, daß der deutsche Fabrikant schon deswegen em hohes 1 Interesse an der Lieferung nur besten Fabrikates hat, weil er bestrebt ist, einen festen und stetig sich vermehrenden I Kundenkreis sich zu erhalten. Diese Erwägung fallt für I den Amerikaner ganz fort. Für ihn gilt nur, die Schund- I wäre um jeden Halbwegs annehmbaren Preis los zu werden. I Mittel und Wege, andere Dumme in neuen Gegenden zu sinden, gibt es ja genug. Wir hosten, daß unter unseren I geschätzten Lesern nicht solche sind, die leider nicht alle I werden. Schließlich beachte man auch mit ein wenig nationalem Ehrgefühl das geflügelte Wort: Dem deutschen I Fahrer ein deutsches Rad. I * Allen Vogelliebhaberu machen wir die erfreuliche Mtt- I teilung, daß die Geschäftsstelle der ältesten und bewährtesten Fachzeitschrift für Vogelfreunde, der „Gefiederten Welt", Wochenschrift für Vogelliebhaber, -Züchter und -Händler, I herausgegeben von Dr. Karl Ruß, sich entschlossen hat, dieser Zeitschrift von nun an jährlich vier Extrabeilagen beizugeben. Für das Jahr 1899 sind zwei farbige und I zwei Schwarzdrucktafeln vorgesehen, und zwar stellen die I farbigen die Meistersänger des europäischen Festlandes nach I Original-Aquarellen des bekannten Tiermalers Emil Schmidt- Leipzig dar. Probenummern stellt die Creutz'sche Verlagsbuchhandlung in Magdeburg allen Vogelliebhabern gern kostenlos und postfrei zur Verfügung. * Mark Twain über den Weltfrieden. Das „N. W. : Tagbl." berichtet: Nach fast zweijährigem Aufenthalte m - I Wien ist der amerikanische Humorist, dessen Werke em i I heiteres Gemeingut aller Nationen geworden sind, Freitag t nachmittags nach London abgereist. Dorthin hat er die ■ I schnurrige Lüge vorausgeschickt, daß er in Wien ein Buch über Persönlichkeiten der Gegenwart geschrieben habe, das erst 100 Jahre nach seinem Tode veröffentlicht werden dürfe. Sein Scheiden von Wien selbst geschah gleichfalls mit einem Scherz auf den Lippen, zu dem ihn offenbar der eben im Haag tagende Friedenskongreß angeregt hat. Mark Twain legte nämlich einem an unseren Kollegen Ed. Pötzl gerichteten Abschiedsbriefe nachstehende drollige Mitteilung bei: „Die New-Aorker Zeitungen fragen bei mir wegen der Audienz (beim Kaiser) an, und ich habe folgendes telegraphiert, das ich für ganz nett halte, weil es würdevoll ist, und keine Information giebt: Es war nur eine angenehme und ungezwungene private Konversation über Dinge, welche auf die Weltpolitik keinen Bezug haben. Ich wünschte sehr, meinen nun in den Händen des Staatssekretärs von Washington befindlichen Plan zur Sicherung des allgemeinen Friedens zu entwickeln, aber ich fürchtete, Se. Majesta AuÄmd. ' Afrika. Die mit Spannung erwartete Zusammenkunft I । lr» Präsidenten Krüger mit dem britischen Kap-Gouver- >rur Milner, deren Ergebnis für die politische Wetter- I pMcklung Südafrikas von größtem Einflnste sein durste, hat am Mittwoch ihren Anfang genommen. Bloemsontem, die Hauptstadt des Oranje-Freistaats, hatte dafür große I ßstlilche Vorbereitungen getroffen, und Krüger, der zuerst I tnlangle, ward auf dem Bahnhofe sehr feierlich empfangen. I ßine große Menschenmenge drängte sich in den Straßen Der Präsident Steijn, die Mitglieder der Regierung und I die Stadträte waren zum Empfange des Präsidenten der I bild'afrikanischen Republik erschienen. Dieser erwiderte auf eine Adresse des Stadtrats, er und seine Berater seren nach klvnmfontein gekommen, um für die Wohlfahrt von ganz I Südafrika zu wirken. Er werde alle — der Präsident I {utt: dreimal „alle" — Fragen, welche nicht dre Unab- hänmgkeit Transvaals berührten, erörtern. Spater ward Muer ebenso feierlich begrüßt, wobei die Menge Hochrufe I aus ibie Königin Viktoria ausbrachte. Ueber dre Wichtigkeit I bet Ibevorstehenden Konferenz ist man sich in Bloemsontem I Hat, Jeder wünscht, sie möge Erfolg haben, aber kerner I ist »llzu hoffnungsreich. Die Zusammenkunft ist lediglich bet .Initiative des Präsidenten Steijn vom Oranje-Frerstaat I ni verdanken. Dieser machte dem Präsidenten Krüger bet I einem Besuch in Pretoria vor vier Monaten freundschaftliche | Lorsstellungen. Erst willigte Präsident Krüger, dann Srr I «lst ed Milner ein, die Zusammenkunft abzuhalten. In alle» Fällen wird die Regierung des Oranje-Freistaates ihre besten Dienste bereit halten, um das gute Einvernehmen I jwisrhen Großbritannien und dem Transvaal zu fördern. I ft heißt, daß Präsident Krüger vor seiner Abreise aus Pretoria dem Raad erklärte, daß er allen Vorschlägen Srr «lfred Milners ohne Vorurteil Gehör schenken, aber brs auf? äußerste die Unabhängigkeit der Republrk verteidigen mürbe In Johannesburg werden in den Kirchen tägltch Gekete für den Erfolg der Besprechung abgehalten. Auch jn London steht man dem Ergebms natürlrch mtt großer : Zpunnung entgegen; die meisten erwarten davon eme end- oiltüae Entscheidung in der einen oder anderen Rtchtung. 8 Amerika. In der letzten Zeit hat das wüste Hetzen her nordamerikanischen Jingo-Presse gegen Deutschland doch m bedeutend nachgelassen. Dazu hat ohne Zweifel das energische Auftreten der Deutschen tm Westen, der Vereinigten Staaten sehr viel beigetragen. Nicht als ob bie Jingos plötzlich zur Deutschenliebe bekehrt worden waren, mdern^es ist ihnen vielmehr die in den westlichen Staaten Lutte noch ausschlaggebende politische Stimmenmacht der Deutschen recht eindringlich zu Gemute geführt worden. Die ernstere republikanische Presse würdigt den von den Mrern der deutschen Bewegung betonten Standpunkt, daß z sich keineswegs darum handle, die Vereinigten Staaten ,ii inem Bündnis mit Deutschland zu veranlassen, sondern L dem Lande die Gefahr eines Bündnisses mtt europäischen Mächten überhaupt, Deutschland nicht ausgenommen klar -cmacht werden solle. Zeitungen, welche die Politik der caenwärtigen Regierung vertreten, fangen an, die Not- vendiakeit einer Versöhnung nut den deutschen Burgern im Westen zu predigen, und singen das bei Herannahen einet Präsidentenwahl stets ertönende Loblied auf die großen Lorzüge der Bürger deutscher Abkunft. Es gibt aber auch Otter, die nicht auf diesem niedrigen parteipolitischen Ge- ILäftsstandpunkt stehen, sondern die vielmehr die Ansichten der gebildeten Amerikaner vertreten, denen die Deutschen m ihrer selbst willen lieb und wert sind. zeigt einen geräumigen, auf Kufen gesetzten halbgedeckten I Reisewagen. Damit ist das Dresdener Staymuseum um eine seiner berühmtesten Reliquien ärmer. \\ * Der Bart der Kellner. Ein Komitee, das sich aus I Vertretern der bedeutenderen Gastwirtsgehilfen-Vereinigungen I zusammensetzt, beabsichtigt, ein Rundschreiben an alle größeren Gasthöfe und Wirtschaften, besonders in vielbesuchten Badeorten, zu erlassen, in welchem gegen den Rasierzwang I der Kellner u. s. w. Stellung genommen werden soll. Man will darauf Hinweisen, daß schon'das Trmkgeldsystem das I Ehrgefühl der Kellner verletze, sie gewissermaßen degradiere I und daß ihnen deshalb wenigstens überflüssige Demütigung I in der Bartfrage erspart bleiben solle. Mehrere Gastwirts- I Vereinigungen sollen einer Lösung der Frage im Sinne der I Kellner nicht abgeneigt sein. c _ I * Vergrabenes Papiergeld. In dem Dorfe Seegefeld bei Spandau stieß in dem Garten einer kürzlich verstorbenen, I sehr wohlhabenden Witwe der jetzige Eigentümer beim Aus- qraben eines Fliederstrauches auf einen Blumentopf, der I mit einem stark vermoderten Holzdeckel zugedeckt war. Bei I näherer Besichtigung ergab es sich, daß der Blumentopf als I | Aufbewahrungsort für eine größere Menge Papiergeld ge- I dient hatte. Der ganze Inhalt war aber verfault und bis zur Unkenntlichkeit verdorben. Man nimmt an, daß die I frühere Besitzerin des Grundstücks bereits vor Jahren, wohl I aus Furcht vor Dieben, Kassenscheine in den Topf vergrub, I und später dies eigenartige Versteck selbst vergaß. I * Der Verband reisender Kaufleute Deutschlands, der I seinen Sitz in Leipzig hat, hielt in diesen Tagen in Hannover seine 14. General- (Wander.) Versammlung ab, welche wieder von dem energischen Leben und Streben des- I selben ein schönes Zeugnis ablegte. An den Beratungen I und Festlichkeiten nahmen die Behörden der Stadt Hannover I regen Anteil, und der Vorsitzende der Handelskammer I Hannover, Herr Kommerzienrat v. Cölln, trat dem Verbände | auch als außerordentliches Mitglied bei. Aus den Ver- | I Handlungen über den Geschäftsbericht pro 1898 heben wir Folgendes hervor: Das Vermögen belief sich auf, I 1358331 Mk. 68 Pfg., und hatte gegen das Vorjahr einen Mehrbetrag von 194200 Mk. 58 Pfg. aufzuweisen. Das I Vermögen dient nur wohlthätigen Kassen. Der allgemeine I Unterstützungsfonds (Kranken-, Begräbnis- und Notstandsunterstützung) weist 262490 Mk. 56 Pfg. auf. Aus ihm wurden seit Bestehen des Verbandes an Unterstutznngen 156779 Mk. 75 Pfg. gezahlt. Der Altersversorgungsfonds stieg auf 194143 Mk. 88 Pfg., der Witwen- und Waisen- onds auf 802025 Mk. 61 Pfg. Unterstützt wurden am Ende des Berichtsjahrs 181 Witwen und 5 Vollwaisen. I Auch der Kriegsreservefonds hatte eine Vermehrung aufzuweisen. Der Grundstücksfonds wurde laut Beschluß der I Generalversammlung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung zur Erbauung eines Verbandshauses tn Leipzig überwiesen. Die Mitgliederzahl stieg am Ende des Jahres I 1898 auf 8337. Der Verband ist in 69 Sektionen über qanz Deutschland verbreitet. Derselbe gewährt seinen Mit- I gliedern freie Stellenvermittlung, kostenlosen Rechtsrat, Vorteile bei Abschluß von Lebens- und Unfallversicherungen und giebt ein eigenes Organ, die „Post reisender Kaufleute Deutschlands" heraus. nz3 k * Mascagnis Vater. Aus Livorno, 26. Mai, wird der „Frankfurter Zeitung" berichtet: Gestern starb hier der I Bäckermeister Domenico Mascagni, der Vater des Kompo- nisten Pietro Mascagni. Signor Domenico Mascagni lebte , ftüher in sehr kümmerlichen Verhältnissen und nur mit i äußerster Anstrengung vermochte er die Mittel zur musikalischen Ausbildung seines Sohnes zu beschaffen. Nach dem . I Erfolge der „Cavalleria Rusticana“ begann auch für ihn 1 die Zeit des Wohlstandes, denn sein Sohn Pietro thctt für seine Eltern und seine beiden bis dahin als Handwerksgesellen thätigen Brüder, was nur irgend in seinen Kräften stand. Alle Mitglieder der Familie Mascagni wurden Grundbesitzer und „Signori“, während der Komponist der Cavalleria Rusticana“ als Konservatoriums-Direktor nach Pesaro ging und die Zurückgewinnung des verschenkten Geldes von einer neuen erfolgreichen Oper erhoffte. Diese Hoffnung ist freilich bis heute noch nicht in Erfüllung ge- * Aus Dresden, 30. Mai, wird der „Darmst. Ztg." «schri-ben: RatSarchivar Dr. Richter hat in der letzten ?I»mmer der „Dresdener Gcrichtsblätter" den Nachweis «führt daß der im Dresdener Stadtmufeum aufbewahrte ablitten Napoleons, in dem der Korf- auf der Flucht uä Rußland am 14. Dezember 1812 hier angekommen Irin soll, keine historische Echtheit beanspruchen kann. Dieser Mi tten ist ein offenes, leichtes Gefährt. Abgesehen davon, der Kaiser mitten im strengsten Winter schwerlich tn rin"m solchen von Rußland bis Dresden gereist s-m wird, to6tet ein Begleiter Napoleons aus der Flucht, der pol- «sche Ordonnanzoffizier Graf Dunin Wonfow.cz, daß in- Mtt bis Dresden in einer auf Schlittenkufen gesetzten »nannten Berline, d. h. einem viersitzigen geschlossene» «»s-wagen erfolgt fei. Auch eine gleichzeitige Lithographie Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt Klätter für hessische Volkskunde. fr. 129 rlfieint tägNch Hiii Ausnahme deS Montags. Die Gießener Knuilieuvkälter Wibcn dem Anzeiger titcuttid) viermal bekriegt. z. Kl. f. Mk. 1.50 e: 3641 in Urrsteigkimlileil (Lhnptf hliuuu'ii Araba Sommerstoff Niava-Sommerstoff Dollar-Carreaux 6 6 in "werde nun darüber lachen, oder ihn für gar zu radikal halten. — Alle Zeitungen in Amerika werden nun an den Staatssekretär telegraphieren, was das für ein Plan ist, dann werden sie erfahren, daß ich eine Methode erfunden habe, ganz plötzlich das Lebensprinzip der Atmosphäre zu erschöpfen, und so die ganze menschliche Rasse in vier Minuten umzubringen. Mark Twain." — Zu der oben erwähnten Audienz berichtet der „New-York Herald": „Ehe Mark Twain Wien verlassen hat, wurde ihm die hohe Ehre einer langen Privataudienz beim Kaiser Franz Josef zuteil. Einem Mitglied des „N. W. Tagbl." hat Mark Twain in humoristischer Weise sein Mißgeschick beschrieben, das er bei der Audienz gehabt. Er hatte vorher sorgfältig deutsche Redensarten einstudiert, war aber beim Eintritt in des Kaisers Arbeitszimmer so beklommen, daß er alles vergaß. Der Monarch empfing ihn in herzlicher Weise, und so fand I Twain bald seine Selbstbeherrschung wieder, und erzählte Sr. Majestät die Geschichte seiner vergessenen Reden. Der Kaiser lachte herzlich darüber und sagte: Beunruhigen ©ie sich nicht, wenn Sie auf deutsch nichts sagen können, sprechen Sie englisch, ich will für Sie übersetzen. Während I der 20 Minuten dauernden Audienz half der Kaiser mehrere I Male Mark Twain durch die Schwierigkeiten der deutschen I Sprache." | I Spül- und Waschbänke, die Färber- und Gerberschragen I und -Flöße, die im Wasser schwimmen, die spitzgiebligen, vom Rauch geschwärzten, bald mit ihren Grundmauern im Wasser stehenden, bald gar auf Pfahlwerkbrücken errichteten Warenspeicher mit den goldig gebräunten Holzplanken, das Grün der vereinzelten Bäume dazwischen, nicht mehr sein I werden, dann wird eben auch hier der Dampfkrahn seinen I gierigen Hals über die schwerbeladenen Schiffe ausrecken; I eine mit Fracht- und Laderampen versehene Straße mit hohen Elevatoren wird sich hinziehen, ein neues Stückchen „Amerika" in Berlin. Allerdings das Gewühl des Verkehrs, das brodelnde, sprühende Leben wird kaum verschwinden- eher wird es noch wachsen. Denn diese Stelle, wo sich die Wasserfläche zu beträchtlicher Breite ausdehnt, vor ihrer I Teilung in die beiden Arme, hat ihren Charakter des natürlichen Ladeplatzes für den Schiffsverkehr schon seit Jahrhunderten bewahrt. Gerade dieser günstige Platz hat ja sicher unsere Urväter, die niedersächsische Kaufleute waren, ! bewogen, hier ihre Ansiedelung anzulegen. Wie groß dieser Wasserverkehr nachgerade trotz Eisenbahn und aller modernen Transportmittel geworden ist, überrascht ganz besonders, wenn man die verhältnismäßige Winzigkeit der den Berlinern zur Verfügung stehenden Wasserfläche im Vergleich zu andern deutschen Strömen, der Elbe, des Rheins, der Oder in Betracht zieht. Es verkehrten 1895/96 innerhalb Berlins auf der Spree über 6000 Güterdampfer und über 71000 Segelschiffe, die bekannten „Zillen", dazu 12891 t Flößholz. Das Ladegewicht der gesamten in diesem Jahr die Berliner I Wasserfläche benutzenden Fahrzeuge war über fünf und eine I halbe Million Tonnen; und diese Zahlen sind in stetigem Steigen begriffen. Ausserordentliche Gelegenheitskäufe modernsten Kleider- und Blousen-Stoffen zu extra reduzierten Preisen Zounku- und Agknschjrmkll empfiehlt D. Abraham, Bahnhofstraße 2. 1.80 2.10 2.70 extra Rabatt auf alle schon reduzierten Preise wegen vorgerück.Saison. Muster auf Verlangen franco ins Haus. Modebilder gratis. versenden in einzelnenMetem bei Aufträgen von 20 Mark an franko. Oettinger * Co., Frankfurts. M., Vereandha Modernste Herrenstoffe z. ganz. Anzug L M. 8.60 9 Cheviotstoffe » , » » „ 4.35 MO, Dreher, Haarrrhrketterr, Torrp^S, Scheitel und Perrücken werden billigst angefertigt, Spezialität in weißen und grauen Haaren, bei 798 H. Tichy, ZeltttSMg 43. Schisssnachrichteu „Noorblanb" der „Reb Star ßtni* in lat« *2 laut Telegramm am 31. Mai wohlbehalten in Nao- Nork angekommen. . * Eine alte plattdeutsche Anekdote bringt ein märkisches 1 Blatt m Erinnerung: Zur Zeit einer Feldmäuseplage hatte | ein Bauerndorf einen Preis für das Einfangen von Mäusen I ausgesetzt. Nun kam eines Tages ein Bäuerlein aus ganz I anderer Gegend, der hatte einen großen Wagen voll le- I bender Feldmäuse — 50 Körbe — in jedem tausend Stück, I wohlgezählt. „Na, Se wulln ja wohl Feldmüse köpen? Ick bring hier wecke, fufzig Düsend." — „Aber Menschens- I und, wo sind Sie denn her?" — „Ick komm' ut Pommeransdorp, da achter (hinter) de Oder. Morgen kriegen Se noch ne Ladung!" - „Sind Sie denn des Teufels, I wir werden Ihnen doch Ihre Mäuse nicht abkaufen!" — I "Na, mitnehmen dhu ick se ok nich weder, denn tönen Se | se ümsünst hier behollen (Umsonst hier behalten)." — I Sprach's und schnitt die Körbe auf. I * Was mitunter geraucht wird. Unter dieser Spitzmarke I legt das „Neue Wiener Tagblatt" für die österreichische I Monopolcigarre eine Lanze ein, deren Spitze sich gegen I die Clgarrenfabrikation in Deutschland richtet. Das genannte Blatt schreibt nämlich: „Eine Mitteilung, welche gewiß auch außerhalb Deutschlands großes Interesse er- i I regen wird, finden wir im „Erfurter Anz.". Dieses Blatt I berichtet, daß die Preußischen Steuerbehörden gegenwärtig sehr ausgedehnte Cigarrenstudien machen, behufs Ermitte- I lung jener Cigarrenfabriken, welche, ohne dies bei der Be- I ^örde anzumelden, Tabaksurrogate zur Anfertigung von I I Cigarren benutzen und damit die Tabak-Steuer umgehen I Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, daß verschiedene süddeutsche Fabriken die ausgesuchten und entsprechend I präparierten Blätter einer Rübenart zu Cigarreneinlaqen I verwenden. So weit die Mitteilungen des deutschen Blattes. I Wir, und mit uns viele unserer Leser werden mit grauen- I | vollem Vergnügen die Erinnerung der schönen Zeit bewahrt I haben, wo wir Cigarren aus gar nicht ausgesuchten, und I noch weniger präparierten Rübenblättern geraucht haben. I Bon den Fehlern dieser „Cigarren" wollen wir rücksichtsvoll I schweigen; sicher ist es aber, daß sie wenigstens zwei Vor- I ^ge besaßen: sie befriedigten die Phantasie des jugendlichen Rauchers und kosteten gar nichts. So billig nun auch I ow süddeutsche Rübenblättercigarre sein mag, so ist der I zweifelhafte Genuß einer solchen schon mit den paar Pfen- I "igb" vielfach überzahlt. Allerdings erfreuen sich in Berlin I rum Beispiel die „Teltower Rübchen" großer Beliebtheit • I ob jedoch ein Berliner, nachdem er den Lieblingsgenüssen zugesprochen, sehr entzückt ist, wenn er die Rübchen beim I schwarzen Kaffee wieder — diesmal in Form einer Cigarre I serviert bekommt, ist wohl mehr als fraglich. Es ist eher I zu erwarten, daß er über den „Glimmstengel" zu schimpfen ' beginnt, wohl mH mehr Recht, als z. B. der Wiener, der I fofort mit abfälligem Urteil über die heimatlichen Cigarren I bei der Hand ist, wenn von hundert „Trabuko" einmal ein ober zwei Stück nicht ganz tadellos sind. Wie wäre es erst bekäme er einmal solches „Kraut" und - „Rüben", wie I Montags, Mittwochs und »tei« tags von 9 Uhr ab: 4248 techeZmieltahBii W. Amend, Bahnhofstraße 62. Guten dörgeriilhku Mittagstisch _ von 65 Pfennig au mpfiehlt 4321 I u. zaT Kunstwort. Herausgeber gerb. Aveaariu« n, I A München (vierteljährlich M, 250 u MO Heft 16 enthält: „Natmalistich«LM' I An Paul Schultze-Naumburg. — Von der jünastrn brn beshalb zum Unhelle war. Diese» Zuviel, vielfach dem Kneipp'schen Heilverfahren anklebte, erkannt und osten zum Ausdrucke gebracht zu haben, ist daS Verdienst Dr. Tbiel- unh1!» cäntB Anhängers von Kneipp, der aber nicht Fanatiker ist und n feiner reichen Erfahrung als Arzt und Direktor von Kur« erprobt hat, was gut und was schlimm ist. DaS sagt er ln '^""Einleitung. Im übrigen gtebt sein Buch ein Verzeichnis r e £n' Zeichen, an denen sie erkannt werben und der Behandlung, der sich der Kranke unterziehen muß, sodaß jeder sein Ä«" « S1? der Arzt seiner Familie sein kann. DaS Buch ist hübsch ausgestattet und der Ankauf durch den billigen Preis jedermann Versteigerung. N"5"A^ven 7. Juni, nach- mittag 2 Uhr, versteigere ich gegen Barzahlung im Pfandlokal Seltersweg 11: 1 Kuh, 2 Kassaschränke, 2 Nähmaschinen, 1 Glassckrank, Sofas, Kommode, Kleiderschränke, 1 Regulator und 1 Spiegel. Gießen, am 27. Mai 1899. 4211 Mulch, Vollziehungsbeamter. 6 Mir. solid. Mester-Zephir Wilhelm Hehner, Z-imser Hof. 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Dem Berliner kommt es gar nicht so zum Bewußtsein, wie feine Stadt wächst und ihr Antlitz verändert. Er lebt eben mitten in all der Entwickelung und dem stetigen Umbau und achtet, soweit es sich nicht um Monumentalbauten und staatliche und städtische Anlagen großartigen Stils handelt, kaum darauf. Diese Entwickelung im „Geschwindschritt" dauert aber nun schon beinahe dreißig Jahre. Sie datiert seit dem Kriege und der Erhebung der Stadt zur Hauptstadt des neugegründeten deutschen Reiches und Residenzstadt des deutschen Kaisers. Wo die Grenzen des Weichbildes der Stadt erreicht sind, hat sie längst auf die „Vororte" übergegriffen und aus den vor dreißig Jahren unbedeutenden Städtchen und Dörfern eigene Gemeinwesen mit hunderttausenden von Einwohnern gemacht. Oft und viel ist erörtert worden und wird erörtert, ob diese Entwickelung dauernd bleiben wird, noch mehr, ob sie „gesund" ist für das Staatswesen, wie für die Stadt selbst. Das flache Land wie die zurückbleibenden Provinzialstädte klagen über Entvölkerung durch die Anziehungskraft, die Berlin ganz besonders auf die besitzlosen Klassen, die Arbeiter- bevolkerung, ausübt. Selbst im Parlament sind liebens- wfl-dige Ehrentitel, wie „der Wasserkopf der Monarchie," , gt raucht worden. Auch neuerdings ist im Reichstag in langen Debatten über die Leutenot im Osten der Monarchie geklagt worden, und Maßregeln zur Erschwerung der Aus- 'vanderung wurden gefordert. Trotz all dem bleibt die Bevölkerungszunahme, die Entwickelung, ganz stetig. Wohl oder übel, ob man sie nun für gesund oder ungesund hält, wird man sich also doch wohl allenthalben gewöhnen müssen, mit ihr zu rechnen. Vielleicht sind gerade die vielen Schwierig- I Je*. - ein Agens, das die Kräfte stählt und vor Erschlaffung I bewahrt. Daß sich nun das Bild der Stadt durch das rapide Weiterwachsen an der Peripherie fortwährend ver- I ändert, kann nicht wunder nehmen. Viel überraschender ist's I auch im Herzen Berlins nur der Wechsel Dauer zu haben scheint. Man erinnere sich, wie sah vor wenigen Jahren der Werdersche Markt, der Hausvoigteiplatz, der Spittelmarkt aus, und wie heute! Man denke an die Umgestaltung des Mühlendammes. Aber immer noch schien I eine Scheu vor der Ehrwürde des Alters, den Fleck der I ursprünglichen Ansiedelung unserer Altvordern, den Molken- I markt und seine Umgebung, die Nikolaikirche und die I ™ muc,r.ftra&c ZU schützen. An der Nikolaikirche ist nun ^Alt-Berlin" seit wenigen Wochen auch dahin. Riesige Warenhäuser im modernsten Sinne find im Entstehen begriffen. Und nun soll es auch über die Stralauerstraße hergehen. Wenigstens über deren Hinterfronten. Eine neue 9ro|artige Uferstraße ist projektiert von der Mühlendamm- Schleuse bis zur Waisenbrücke. Damit wird dann gll das malerische, vermooste, bunte Häuser- und Speicherwerk fallen, das da die Spree einsäumt und schon gar nicht mehr in die monumentale Umgebung passen will, die ihm von allen Seiten zuwinkt. Wird das nun zu bedauern sein? Für das Aussehen der Stadt gewiß. Ein Stück ihrer Individualität wird wieder damit verschwinden. Wenn all die Neuheiten in Kinderkonfektion wie Knaben-, Mädchen- rmd Baby-Kleidchen, Jäckchen, Mäntel, Hüte «vd Mützen, Knabenanzngenfyjacs in geschmackvoller Auswahl zu soliden Preisen find eingetroffen. A. Fangmann, 2447 Bahnhofstr. 2» Für Krieger-Vereine! Vrdkll, ShrkUjkichkll «.Hisssa-Ahkichk, ind zu haben bei 4246 W. f, Sonnenstraße V. Zurückgesetzte Sommerstoffe. ---- 10 Prozent " *" Große Flasche 3,50 Mk. Garantier Anstandslose Rückzahlung des Betrages, wenn kein Erfolg. Näheres und Versandt durch Robert Cansemarru, Köln. OF Große Auswahl Sehen und Staunen! Ober-, Unterbett und Kiffen nur 12V, Mk. Prachtvolle Hotelbetten 17V, Mk. 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Vor einer inner™ C Wertung“ der Cigarren und Nübenblätter oder £5° SteHBertretern des Tabaks haben uns bisher Finanz aller Parteischattlerungen, böse und gute, glücklich bew ?^ Wir gönnen den Wienern gerne ihre „Trabuko“ ” Ä und wie sonst noch ihre schönen Sorten hei^n w s Dies- sind freilich immer noch besser als die MeÄ unb französischen Cigarren, von denen man in kürzerer - ' magenkrank werden kann. Aber auch die öfteneM iF E'garren sind imstande, einem Reichsdeutschen der r ^,m.!^.c®19arrcn über die Grenze gebracht hat, das Rae^ allmählich abzugewöhnen. Meratur, Wissenschaft Md Kun» «i a 23 ber »Jugend", Münchener illustrierte Mockens, für Kunst und Lebm (G. Htrths Verlag in München Prtt« Ä r pro Monat-xn. Porto), -nIMÜntnand^ Tttewlatt von Max Hagen. - „Die Glocken- von Fritz von ?^ — „Mangel an Setbftvertrauen" von Rudolf Wilke. - 1. „Der balzende Hirsch" von E. L. Hoest — pnr» : »■*1« Scharf. - „Auszug zur ©roBi-ffelob« Stht®Tn S-ldb«u-r. - „Der Muller. G-fchIftSrei,-nd<" . H-d-nftjerna. - „Tulpen“ von Phil. Frank. - „Der EitMtte,» äBolio§,en- "Sreudtge, Ereignis“ von Hnm 8 ^Aktsaal von A. v. Kubtnyt. — ,@cbenfcn* von Peter fsm, — Kleine Geschichten. — Humor beS Auslandes Quelle Beilage mthält u a.: „Einer Derer von Frege wird 2t blaß- - „Im Zeichen beS VollbartS." - „Der neue Plu,arl — „WaS willst benn John? Die Thür ist ja offen!* _ da^pdrieströgerstreir.^ - „Der Aufruhr in Vallickolid^- „Zola als Reformator." — Lustige Nachrichten. ich«. "NnV Otoltn* t» r bei Ski? tttW r ? 1« r ,ruhr Uten. 8»d. 8: 'tchShM ' ,8?dur. der ji. HenWc iM: Jb fe Blüiiu a-: 6h ct ISpbidn).-' idllM -jj sifn. - z.: jur SSiMk erMtgee: h >1, @rcMhck i Kaffttlxtk. pqidla Ihm nWigfa fr 1 Hfl Di A Berlin 8W. 6: . W w I, N ui t om. M b anlltblt, ric btiMr.' aber düi? utibücfc- bliniE ä > eite'- Q Olf 1 Ä« bWtec fe! nerst* " •j“* nersm , • merftoi f, > BtfÄ- B jgD Ki« he«, e ast' *8? NuLE i t* Wer bauen will versäume nickt. 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