Nr 3 Erstes Blatt.Mittwoch den 4. Januar 1899 Gießener Anzeiger Heneral-Anzeiger Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu der nachmittag- für den f»lgevden Lag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Uivvrc;iäbi1f(f) 2 Dimf 20 Pjg. monatlich 75 Pfg. mir Bringerlohn. Alle Anzeigen-Bermittlungsstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Ifamilieuv kälter »»«den dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Amts» und 2lnzeigebl«tt für den Kreis Gieszen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnkstraße Mr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, Klätter für hessische Volkskunde. Adreffe für Depeschen: Anzeiger Gieße«. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Ml. Gießen, den 2. Januar 1899. Betreffend: Die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütr» beschäler in 1899. Das Großherzogliche Kreisamt Gleßeo e* die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche mit der Erledigung unserer Auflage vom 1. Dezember 1898 noch im Rückstände find, werden hieran erinnert. v. Bechtold. Deutsches Deich. Berlin, 1. Januar. Heute vormittag fand im Schlosse die übliche Neujahrsgratulationscour statt. Der Kaiser war jedoch wegen einer leichten Erkältung in Potsdam verblieben. Bei der Paroleausgabe im Zeughause erschien der Kronprinz mit dem Hauptquartier des Kaisers. Die Festlichkeiten am kaiserlichen Hofe anläßlich des Jahreswechsels fanden im übrigen in üblicher Weise statt. Nach dem Gottesdienste in der Kapelle des Königlichen Schlosses, dem die Kaiserin, geführt vom Prinzen Arnulf von Bayern, der Kronprinz, die Prinzen und Prinzessinnen beiwohnten, fand im Weißen Saale des Schlosses eine große Gratulationscour statt. Die Kaiserin stand unter einem Baldachin, seitlich vom Thron, hinter der Kaiserin der Kronprinz. Als erster ging Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe vorüber, mit dem die Kaiserin sich auf kurze Zeit unterhielt. Sodann folgten die Mitglieder des Bundesrats, die Generalfeldmarschälle, die Ritter vom Orden des Schwarzen Adlers, die Generalität, die Staatsminister, die Geheimeräte, die Präsidien des Reichstages und beider Häuser des Landtages ic. Nach der Cour empfing die Kaiserin die Botschafter. Mittags schritt der Kronprinz, gefolgt vom Kaiserlichen Hauptquartier, vom Schlosse über den Lustgarten nach dem Zeughaus, wo große Paroleausgabe erfolgte. Abends 6 Uhr fand im Kaiserlichen Schlosse für die hier anwesenden Prinzen und Prinzessinnen Familiendiner statt, hierauf Galavorstellung im Opernhause. Berlin, 2. Januar. Nach einer Meldung des „Lokal- Anzeiger" besteht die Krankheit des Kaisers in einer fieberhaften Grippe in Verbindung mit einem starken Auftreten seines alten Ohrenleidens. Berlin, 2. Januar. Ueber das heutige Befinden des Kaisers wird amtlich aus Potsdam berichtet, daß «ach einer sehr gut verbrachten Nacht das Fieber geschwunden ist und auch die sonstigen Beschwerden wesentlich gemindert sind. Ein für morgen beim Kaiserpaar anberaumtes Diner wurde abgesagt. Die Erkrankung des Kaisers hat keinerlei ernstliche Bedeutung. Berlin, 2. Januar. Der „Reichsanzeiger" meldet die Verleihung des Charakters als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Excellenz an den vortragenden Rat im Auswärtigen Amt, Wirklichen Geheimen Leqationsrat v. Holstein. Berlin, 2. Januar. Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung des Budget-Kommission des Reichstags, die am 11. Januar vormittags stattfinden wird, steht die Beratung des Marine-Etats. Januar. Gestern, am Neujahrstage, ist eine katsernche Ordre wegen Verdeutschung einzelner Fremdausdrücke der Armee zur Kenntnis gegeben worden. Darnach sind u. A. Ausdrücke: Offiziers-Aspirant tn Fahnenjunker, Portepee-Fähnrich in Fähnrich, Seconde- Lleutenant in Leutnant, Premier-Lieutenant in Ober-Leutnant, Oberst-Lieutenant in Oberst-Leutnant, General-Lieutenant in General-Leutnant, Charge in Dienstgrad, Funktion in Dienst- steuung, Avancement in Beförderung und Anciennetät in Dienstalter umgeändert. Berlin, 2. Januar. Professor vr. Otto Harnack von der Technischen Hochschule in Darmstadt, welcher seit acht Tagen zum Besuch feines Schwiegervaters in Berlin wem, wird seit dem 30. Dezember vermißt. Derselbe ging an dem genannten Tage spät Abends nach dem Tiergarten vnd ist in seinem Absteigequartier nicht wieder eingetroffen. Aus den Nachweis über den Verbleib des Professors ist eme Belohnung ausgesetzt. Berlin, 2. Januar. In der letzten Nacht wurde tn er Tegelerftraße Nr. 15 der Hausverwalter Haselow on iwei Einbrechern erftochen und zwar in dem Augenblicke, als er dieselben überraschte, wie sie die Thür eines in dem Hause befindlichen Kontors sprengen wollten. Einer der Einbrecher stach dem Haselow mit einer Feile in die rechte Schläfe, der andere versetzte ihm einen Stich in das rechte Auge. Die beiden Einbrecher sind entkommen. Berlin, 2. Januar. Kurz vor Jahresschluß wurde von vier Beamten der politischen Polizei in der Expedition des „Sozialist" eine sehr eingehende Haussuchung vorgenommen. Es wurde nach Beweismaterial in Sachen der in Hannover verhafteten und wegen Geheimbündelei angeklagten Anarchisten geforscht. Die Beamten suchten hiernach vergeblich, ebenso nach Exemplaren der in London erschienenen Broschüre „Worte eines Rebellen" von Peter Krapotkin. Die Haussuchung dauerte über eine Stunde. Beschlagnahmt wurden nur einige Aufzeichnungen, die das Verhältnis des „Sozialist" zu seinen Abnehmern betreffen. Berlin, 2. Januar. Zur zweijährigen Dienstzeit. Das „Mil.-Wochenbl." schreibt zum Jahreswechsel: „ Die Arbeit im Heere besteht hauptsächlich in dem Bemühen, durch erhöhte, intensivere Thätigkeit die Mängel der zweijährigen Dienstzeit auszugleichen. Die Ansichten im Heere, ob dies gelingen wird, gehen noch vielfach auseinander. Während die einen rundweg verneinen, daß es gelingen werde, bei der zweijährigen Dienstzeit die Schlagfertigkeit des Heeres auf derselben Höhe wie früher zu erhalten und besonders betonen, daß sich dies namentlich bei der Einziehung der Reserven und Landwehr von zweijähriger Dienstzeit zeigen werde, glauben wieder andere, daß bei richtiger Ausnutzung der zweijährigen Dienstzeit sich sehr wohl eine genügende Ausbildung der Führer und Mannschaften erreichen lasse. Ueber die folgenden Bedingungen, unter denen sich diese Ausbildung in zwei Jahren erreichen läßt, sind sich ziemlich alle einig: 1) Die Mannschaften müssen während ihrer zweijährigen Dienstzeit auch wirklich vollständig zur Verfügung der Truppe stehen. Also alle Abkommandierungen, die keinen Wert für die Ausbildung zum Kriege haben, müffen fortfallen. Die infolge von Abkommandierung mangelhaft Ausgebildeten fallen jetzt schon bei den Reserve- und Landwehrübungen unangenehm auf. Bei der zweijährigen Dienstzeit wird dies demnächst noch mehr hervortreten und die Zahl dieser mangelhaft Ausgebildeten wird so wachsen, daß die Schlagfertigkeit, namentlich der Reserve und Landwehr, empfindlich leidet. Deshalb ist bei der zweijährigen Dienstzeit das Aufhören der Abkommandierungen eine größere Notwendigkeit als bei der dreijährigen Dienstzeit. 1) Die Truppen müssen auf einen höheren Etat gebracht werden, wie er teils schon eingeführt ist, teils angebahnt wird. Dementsprechend muß auch ein höherer Etat von Vorgesetzten vorhanden sein und alles geschehen, um den Zudrang zur Unteroffiziercharge zu fördern. 3) Für jede Garnison müssen genügende Uebungs- Plätze zum Schießen und Gefecht zur Verfügung stehen. Die stets vermehrten und besser ausgestatteten größeren Uebungs- plätze haben nach dieser Richtung hin schon vorzügliches geleistet, aber vollständig genügen sie noch immer nicht. — Der ehemalige Unterstaatssekretär für Landwirtschaft im Ministerium für Elsaß-Lothringen und Kurator der Kaiser Wilhelm-Universität Dr. Ledderhose ist heute gestorben. — Auch in anderen Häfen als Hamburg ist bei den aus Amerika stammenden Obstsendungen das Vorhandensein der San Jos ö-Schildlaus festgestellt. So in Stettin bei getrockneten kalifornischen Birnen, in Hamburg bei einer Reihe von Sendungen getrockneter Birnen und Nektarinen, sowie frischer Newton-Pippins und Ben Davis-Aepfel; die Sendungen waren zum Teil stark mit ihr besetzt. Sie sind angehalten, und es ist ihre Wiederausfuhr nach dem Auslande unter amtlicher Kontrole angeordnet. Krefeld, 2. Januar. Der niederrheinische Verband der christlichen Textilarbeiter nahm am Freitag Abend in einer Versammlung einen Beschluß an, in welchem sämtliche Verbandsweber sich gegen den Ausstand, aber auch gegen die neue Lohnliste aussprechen und zur Prüfung derselben die Einsetzung einer gemischten Kommission, wie sie bei der Stoffbranche besteht, fordern. Dresden, 2. Januar. Wie die „Dresdener Neuesten Nachrichten" aus Cossebaude melden, erfolgte dort in der vergangenen Nacht in der Restauration des Gasthofbefitzers Wustlich eine große Acetylen-Gasexplosion dadurch, daß der Gasthofbesitzer mit einem offenen Licht einem Apparate zu nahe gekommen war. Wustlich und zwei andere Personen erlitten schwere, mehrere Personen leichtere Verletzungen. Ausland. Wien, 2. Januar. Die an der Börse verbreiteten Gerüchte, daß Graf Thun seine Demission eingereicht habe, sind unbegründet. PUsen, 2. Januar. Der Gemeinderat beschloß, !den Stadtrat zu beauftragen, daß die Gemeinde-Statuten dahin abgeändert werden, die Bekanntmachungen der Gemeinde und die Straßenbenennungen nunmehr in tschechischer Sprache erfolgen zu lassen. Paris, 2. Januar. „Libre Parole" dementirt die Meldung verschiedener Blätter, daß die Geliebte Esterhazys gestanden habe, die „Speranca" und Blan unterzeichneten, viel erwähnten Telegramme angefertigt zu haben. Paris, 2. Januar. Dem „Jntransigeant" zufolge habe der Kassationshof bereits vor 14 Tagen beschlossen, Dreyfus nach Paris zurückbringen zu lassen. Der Justizminister aber soll den Präsidenten Löw auf die Gefährlichkeit der Ausführung dieses Beschluffes hingewiesen haben, worauf der Kaffationshof von seinem Beschlüsse Abstand nahm. Dreyfus soll jetzt auf Guyana verhört werden. — Der zweite Akt der „Befreiung" der Philippinen, nämlich die Besitzergreifung, scheint den Amerikanern, wie vermutet, ganz besonders unangenehme Schwierigkeiten zu machen. Depeschen aus Manila zufolge ist Jlo-Jlo mit bewaffneten Eingeborenen gefüllt und rüsten die Aufständischen sich zum Widerstande gegen General Miller, falls derselbe versuchen sollte, die Stadt mit Gewalt zur Uebergabe zu bringen. General Miller verlangte nun neue Befehle aus Manila, bereitet inzwischen aber die Landung vor. — Der neue Präsident des Filipino-Kongresses und Minister für auswärtige Angelegenheiten, Senor Mabini, ist ein in Manila wohnender Notar. Bis jetzt war er der Ratgeber des Generals Aguinaldo. Er ist ein alter Mann, von indischer Herkunft, mit keinem spanischen Blut in seinen Adern, und teilweise gelähmt. Das neue Ministerium soll einiger sein, als das letzte, und wird sich deshalb wohl länger halten. Alle Mitglieder haben sich eidlich zur Wahrung der Unabhängigkeit der Philippinen verpflichten müffen. — Etwas wird es der schwierigen Regelung der Dinge auf Kreta zu gute kommen, daß der bisherige Vertreter der einheimischen Christen, Sphakianakis, sich durch den Prinzen Georg nun doch hat bewegen lassen, nach Kanea zurückzukehren, um die Leitung des Nationalrates zu übernehmen. Bisher war Sphakianakis bekanntlich Vorsitzender des nationalen Exekutiv-Ausschusses. Prinz Georg fucht inzwischen auch die Mohamedaner zu beruhigen, indem er mehreren Beys derselben, die er in Audienz empfing, die Gleichberechtigung ihrer Glaubensgenossen zusicherte, was sich in der Praxis allerdings nicht immer so ganz glatt wird ausführen laffen. Nicht ganz mit Unrecht bekundet die Pforte übrigens einige Eifersucht; sie soll einen Einspruch dagegen beabsichtigen, daß Prinz Georg in seinen bisherigen Amtskundgebungen den Souverän nicht erwähnt hat, und von den Großmächten die nachträgliche Verbesserung dieses Fehlers verlangen. Auch hat sie die Zulaffung von Photographien des Oberkommissärs von Kreta, Prinzen Georg, von photographischen oder sonstigen Abbildungen der griechischen Flotte, sowie der in Athen angefertigten Landkarten von Kreta in das Gebiet der Türkei untersagt. — Das erfolgreiche Streben der Kreter nach Autonomie macht auch in Mazedonien entsprechende Wünsche wieder rege. Im Februar beabsichtigen die mazedonischen Ausschüsse in Genf einen „mazedonischen Kongreß" zu veranstalten, zu welchem Vertreter aus allen Balkanländern zusammentreten sollen, um ihre Forderungen und die Ver- hältniffe Mazedoniens überhaupt einer eingehenden Beratung zu unterziehen und die Ergebnisse derselben den verschiedenen Regierungen zu unterbreiten. Der Zeitpunkt ist mit Rücksicht auf die im Frühjahr zu St. Petersburg zu- sammentrctende Abrüstungskonferenz gewählt worden, die man für die Ziele der mazedonischen Autonomisten gewinnen zu können sich einzureden scheint. Die Pforte habe übrigens neuerdings Maßnahmen zu Gunsten der christlichen Bevölkerung Mazedoniens versprochen; vielleicht wird der Grieche Karatheodory Pascha, der erste Uebersetzer des Sultans, au die Spitze der mazedonischen Verwaltung gestellt werden. — Eine besondere Beachtung verdient die neuerliche Bewegung abyssinischer Truppen nach dem Sudan zu. Vielleicht bekommt man dadurch einen Schlüffe! zu den unklaren und geheimnißvollen Plänen der Abyssinier seit einigen Monaten. Zuerst hieß es, der Ras Mangascha bereite einen Angriff auf den Negus Menelik vor, dann wurde angekündigt, Menelik rüste ein ganz großes Heer zur Niederwerfung Mangaschas aus; bald darauf wurde von einem Vergleiche zwischen Menelik und Mangascha berichtet. Aus allen Mitteilungen ging gleichmäßig hervor, daß Kriegsrüstungen in Abyssinien stattfanden. Wenn die Truppen jetzt den Marsch nach Westen einschlagen und Galabat besetzt haben, so stehen sie an der uralten Ausfallpforte Abyssiniens nach dem Sudan. Die Kämpfe der Mahdisten mit den Abyssiniern 1885 bis 1887 drehten sich fast ganz um Galabat oder Metemmeh; von dort aus gelangt mau nach der fruchtbaren Landschaft Gedaref. Galabat selbst, das mehrere Jahre von den Mahdisten beherrscht worden war, gehört jetzt wieder zu Abyssinien, seine Besetzung durch Truppen Meneliks wäre an sich nicht auffällig, doch macht das plötzliche Vorrücken nach der Westgrenze Aethio- Piens den Eindruck, als wollte Abyssinien in die Sudan- Angelegenheiten eingreifen. Diese Vermutung liegt um so näher, als von Adis Abbeba aus schon Ansprüche auf das ganze östliche Ufer des Nil vom 2. Grad bis zum 14. Grad nördl. Breite, also nur einen Grad südlich von Khartum, gemacht morden sind. So würde dort dem Festsetzen und Vorrücken der Engländer am oberen Nil ein neuer starker Gegner entgegenrücken. In verschiedenen Briefen aus Abyssinien wurde seit vorigen Sommer angegeben, daß die Abyssinier neuerdings den Briten mehr entgegenkämen und sich von den Franzosen zu entfremden begännen. Ein abyssinischer Einfall in den ägyptischen Sudan wäre wohl eine eigentümliche Erläuterung dazu. Bei der bekannten Hinterlist und Unzuverlässigkeit der Abyssinier läßt sich von ihnen Alles erwarten. Asien. Von Afrika hat sich der Gegensatz zwischen Frankreich und England für den Augenblick am stärksten wieder nach dem fernen Osten verpflanzt. Dadurch, daß die chinesische Regierung trotz des von dem britischen Gesandten erhobenen Einspruchs die Forderung einer ausschließlichen Erweiterung der französischen Niederlassung in Shanghai bewilligt hat, wäre diese Angelegenheit nach langem Schwanken endlich zu Gunsten der Forderung Frankreichs entschieden worden. Die Vergrößerung der Settlements in Shanghai ist für die nichtchinesischen Bewohner der großen Handelsstadt zwar von großer praktischer Bedeutung, ihre politische Bedeutung aber erhält sie erst durch die Gegnerschaft zwischen Frankreich und England in China. Sowohl der britische wie der amerikanische Generalkonsul in Shanghai hatten gegen die ausschließliche Erweiterung der französischen Niederlassung Einspruch erhoben, und der Erstere hatte diesen Einspruch sogar politisch mit der von China eingegangenen Verpflichtung begründet, im Gebiet des Jangtse ohne die Einwilligung Englands keinerlei Gebiete an eine fremde Macht abzutreten oder zu verpachten. Wenn trotzdem die chinesische Negierung über diesen Einspruch Englands hinweggegangen ist, so dürfte Rußland, der in China allmächtige Freund der Republik, in Peking eingegriffen haben, um dem Bundesgenossen einen Dienst zu leisten und zugleich die Behauptung eines Theiles der Pariser Presse zu entkräften, daß namentlich im fernen Osten das Bündnis mit Rußland nur dem letzteren Vortheil gebracht habe. Um so gespannter darf man darauf sein, ob England seinen Einspruch aufrechterhalten wird und welchen Nachdruck es ihm zu geben geneigt ist. Die „Times" erklären in dieser Beziehung: „Es wäre gut, von vornherein zu verstehen zu geben, daß wir nicht gesonnen sind, eine Behandlung dieser Art hinzunehmen. Deutschland, die Vereinigten Staaten und Japan sind nicht weniger als wir interessiert, zu verhindern, daß Frankreichs Neidhammelpolitik ihre Wirksamkeit äußere. Welchen Druck die Franzosen auch auf die Pekinger Regierung zur Wirkung bringen können, wir können unsere Stärke weit unmittelbarer und schärfer fühlen lassen." Lokales und Provinzielles. Gießen, den 3. Januar 1899. ** Diejenigen unserer verehrlichen auswärtigen Abonnenten, welche den Kalender für 1899 durch den Versand beschädigt erhielten, werden freundlichst gebeten, uns solches zu melden, damit wir Ihnen ein unversehrtes Exemplar zustellen können. ** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung, Donnerstag, den 5. Januar 1899, nachmittags 3y2 Uhr pünktlich. 1) Diensteinführuug und Verpflichtung der neugewählten Stadtverordneten. 2) Gesuch des Georg Koch um Erlaubnis zur Erbauung eines Gewächshauses an der Ludwigsstraße; hier: Dispens von §. 18 des Ortsbaustatuts. 3) Baugesuch der Gebrüder Horn am Kreuzplatz; hier: Dispens von §. 18 des Ortsbaustatuts. 4) Lieferung der zur laufenden Straßenunterhaltung erforderlichen kleingeschlagenen Basaltsteine pro 1899/1900. 5) Die Entwässerung der Marburgerstraße; hier: Arbeitsvergebung. 6) Ausbau der Liebigstraße; hier: Rechnungsdekretur für das Abwalzen derselben. 7) Desgleichen der • Ebelstraße. 8) Die Verwertung der Schweineborsten aus dem Schlachthause. 9) Entleeren der Senkgruben in den städtischen Gebäuden; hier: Gesuch des Heinrich Zölzer um Erhöhung der Vergütung. 10) Fortführung der Personenstandsregister; hier: Vergütung der Ratsdiener hierfür. 11) Gesuch des Bureaugehülfen Weidmann um Gewährung von Urlaub. 12) Gesuch des Forstwarten Arft um Erlaubnis zum Bewohnen des Versteigerungszimmers im Forsthaus am Lumpcnmannsbrunnen. 13) Erläuterung der Revisions- bemerkuugen zur Rechnung der Stadt Gießen pro 1896/97. 14) Ankauf der Neumühle; hier: a. Rechnung des Ingenieurs Leithäuser über eine Turbinen-Anlage; b. Her- stellung einer Uferbefestigung sowie Ausfüllung eines Kolkes am Mühlgraben. 15) Die Rechnung der Armenkaffe pro 1897/98. 16) Den Voranschlag der Armenkasse pro 1899/1900. 17) Neuwahl der Deputationen und Kommissionen. 18) Gesuch des Heinrich Möller um Konzession zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Nordanlage 1. 19) Desgleichen des Wilhelm Berndt im Hause Bahnhofstraße 34. 20) Desgleichen des Robert Schmidt tjn Hause Liebigstraße 64. ** Silberne Hochzeit. Heute feiert Herr Geheimerat Prof. Dr. Riegel und Frau Gemahlin das Fest der silbernen Hochzeit. Obgleich das Jubelpaar diesen Tag in aller Stille begehen wollte, wurde es doch im engeren Kreise bekannt und fanden dadurch alle Verehrer Gelegenheit, ihre Herzenswünsche darzubringen. Schon in aller Frühe wurden prachtvolle Blumenspenden und sinnige Geschenke dem hochverehrten Jubelpaare dargebracht. Hieran schlossen sich persönliche Gratulationen von Freunden, Bekannten sowie der Aerzte, Beamten und des klinischen Personals. Um i/2ll Uhr erschien die Regimentskapelle zu einem Ständchen. Möge es dem hochverehrten Jubelpaare vergönnt sein, auch das Fest der goldenen Hochzeit in Gesundheit und körperlicher Frische zum Segen seiner Familie und zum Wohl der Menschheit zu begehen. • • Wir berichteten über die Ehrung, welche den älteren kaufmännischen Beamten der Firma Gg. Phil. Gail hier- selbst zu teil geworden ist. Heute sind wir in der erfreulichen Lage, einen weiteren Fall anführen zu können, wo langjährige Dienste gebührende Würdigung gefunden haben. Die Firma Carl Emmelius dahier hat nämlich am 1. Januar ihren bewährten Mitarbeiter, Herrn Wilhelm Köser, ebenfalls zu ihrem Prokuristen ernannt. * • Zu den Jubiläen im Hause Gg. Phil. Gail tragen wir noch nach, daß jeder der beiden Jubilare mit einer ansehnlichen Ehrengabe vom Chef des Hauses bedacht wurde. '* Stadttheater. Die gestrige dritte Aufführung des „Erbe" von Felix Philippi war leider nur schwach besucht. Da bereits der Besuch der zweiten Aufführung zu wünschen übrig ließ, darf man wohl annehmen, daß das Gießener Publikum an dergleichen Sensationsstücken wenig Gefallen findet. * * Stadttheater. Es sei schon heute darauf aufmerksam gemacht, daß am nächsten Freitag den 6. ds. Mts. eine Novität von hervorragender Bedeutung im hiesigen Stadttheater gegeben wird, nämlich Goffredo Cognettis dreiaktiges Werk „A Basso Porto“, Szenen aus dem neapolitanischen Volksleben. Das interessante Werk wurde zuerst in Deutschland im Neuen Theater zu Berlin und zwar mit durchschlagendem Erfolge aufgeführt und ist alsdann auf einer großen Anzahl deutscher Bühnen in Szene gegangen. * * Theater Verein. Mittwoch den 11. Januar. Ein altes Sprichwort sagt, alle Sprichwörter und Gleichnisse hinken, wenn aber alle Sprichwörter hinken, so hinkt das soeben angeführte selbstredend kräftig mit. Ein besonders unzutreffendes Sprichwort ist nun aber „Der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande"; das mag für die falschen zutreffend sein, nicht aber für die, von welchen man das Gegenteil behaupten darf; die finden gerade in der Heimat die wärmste Anerkennung. Auch wir in Gießen haben unsere Propheten, die wir mit vollem Recht feiern, eine Wittich, einen Levi und einen Buff zählen wir mit berechtigtem Stolze zu unseren Stadtkindern. Dem Theater-Verein ist es nun gelungen, durch eine weitere Entdeckung das Gießener Künstler-Kleeblatt zu einem vierblätterigen zu gestalten, und zwar ist dieses Blatt ein ungemein kräftiger Trieb, das voll und ganz diesem Trifolium zugehört. Den gerade nicht übermäßig poetischen Namen Peppler trägt der neu entdeckte Stern, der, von Gießen ausgegangen, heute am Kunsthimmel zu Hannover hell strahlt. Peppler, der am Hoftheater zu Hannover wirkt, ist ein echtes Gießener Kind, unmittelbar an der Lahn, in der Obermühle, hat er sein absolut erstes Debüt gegeben und damals sofort den ungeteiltesten Beifall seiner Eltern gefunden. Dieser Erfolg ist ihm treu geblieben, als er sich von den Mühlbrettern auf die weltbedeutenden schwang, er steht an erster Stelle an einer ersten Bühne. Mit herzlicher Freude hat er den Engagementsbesuch als Gast seiner Heimatstadt angenommen, in der Hoffnung, von seinen engsten Landsleuten ebenso empfangen zu werden, die ihm sicher nicht zurufen werden: „Der Prophet gilt nichts in seinem Vater lande." -r ** Der diesjährige Winter scheint eben so mild verlaufen zu wollen, wie diejenigen der letzten Jahre. Statt der glänzenden weißen Schneedecke und der erfrischenden trockenen Kälte früherer Winter hatten wir seither nichts als naßkaltes Wetter mit all seinen unangenehmen Folgen für die Gesundheit. Freunden der Natur dürfte es daher willkommen sein, sich einmal — wenn auch nur für kurze Zeit — in diejenigen Gegenden zu versetzen, in welchen selbst während der Hundstage Schnee und Eis die Herrschaft behaupten, — in das Hochgebirg! Gelegenheit dazu bietet der seitens der Sektion Gießen des „Deutschen und Oester- reichischen Alpenvereins" für nächsten Donnerstag im „Cafs Ebel" angesetzte Vortrag über Die Gründe und Gletscher des Zillerthales und über dort ausgeführte Bergbesteigungen. (Siehe Anzeige.) Wir machen daher Freunde der Alpenwelt darauf aufmerksam, daß zu diesem Vortrag Gäste willkommen sind und durch Mitglieder der Sektion Gießen eingeführt werden können. ** Der allgemeine Verband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften veröffentlicht die Firmen von 1731 ländlichen Genossenschaften als Zugänge des Jahres 1898. Unter den neuen Genossenschaften sind über 1500 ländliche Spar- und Darlehenskassen, über 100 Molkereien und die Provinzial-Ein- und Verkaufsgenossenschaften für Schleswig-Holstein, Rheinpreußen uno Nassau. Der allgemeine Verband umschließt jetzt 6400 Genossenschaften, während in ganz Deutschland 12200 landwirtschaftliche Genossenschaften bis Ende Dezember 1898 ins Leben getreten sind. • • I« Amerika verstorbene Hesse». In Akron, O., Wilhelm Fink, 77 Jahre alt, aus Heppenheim a. d. W. — In Johnstown, Pa., Wilhelm Wilhelm, 77 Jahre alt, aus Inheiden. -e Neu-Ulrichstein, 2. Januar. Monatsbericht der Arbeiter-Kolonie pro Dezember 1898. Ende Dezember 1898 sind in der Kolonie stellen-, resp. arbeitslos 61 Mann. Dieselben verteilen sich auf das Großherzogtum Hessen 11; Regierungsbezirk Wiesbaden 10; Regierungsbezirk Kassel 4; Provinz Sachsen 2; Provinz Westfalen 5; Provinz Rheinlande 7; Provinz Brandenburg 1; Provinz Pommern 2; Thüringen 1; Provinz' Posen 1; Provinz Ostpreußen 1; Provinz Schleswig-Holstein 1; Provinz Schlesien 1; Reichslande 1; Königreich Baiern 5; Königreich Württemberg 1; Königreich Sachsen 4; Großherzogtum Baden 1; Großherzogtum Mecklenburg 1; Ausland : Oesterreich-Ungarn 1. Hiervon waren: Arbeiter 29, Bäcker 1, Barbiere 1, Bergmann 1, Dreher 1, Former 1, Gärtner 2, Kappenmacher 1, Kaufleute 6, Kellner 4, Klempner 1, Maschinen-Zeichner 1, Maurer 3, Photographen 1, Schlosser 2, Schreiner 2, Schuhmacher 2, Tuchmacher 1, Tüncher 1. Gearbeitet wurde an 1574 Tagen. Verpflegt wurde an 1865 Tagen. Die Kolonie zählte im Dezember 219 Sonn- und Feiertage, 71 Krankentage, beurlaubt wurde 1. Im Monat Dezember 1898 wurden entlassen auf eigenen Wunsch 4 Mann, in Arbeit 1, in die Familie zurück 1, wegen schlechten Betragens 2, gestorben 1. Abgewiesen wurde 1 Mann. Seit Bestehen der Kolonie sind ausgenommen worden im Ganzen 3525, dagegen abgegangen im Ganzen 3464, bleibt Bestand am 1. Dezember 1898: 61 Mann. An der äußersten Grenze unseres Landes, im hessischen Odenwalde, liegen im Sensbacher Thal die Orte Hebstahl und Untersensbach mit einer Einwohnerzahl von zusammen 1100 Seelen. Da beide Orte bis daher noch keine Kirche besitzen, so müssen sie, wollen sie die Wohl- thaten eines Gottesdienstes genießen, in das 2 Stunden entfernte Städtchen Beerfelden wandern, was mit großen Beschwerlichkeiten und Kosten verknüpft ist, da die 500 Meterhohe Sensbacher Höhe überschritten werden muß. Die Einwohner haben deshalb beschlossen, sich ein Kirchlein für ihre Verhältnisse zu bauen; da die Gemeinden aber sehr arm sind, so haben sie sich an das Ministerium gewandt und um die Erlaubnis zu einer Landes-Kollekte gebeten und ist dieselbe vom Ministerium des Innern unter dem 3. Oktober v. I. bereitwilligst erteilt worden. Hohes Oberkonsistorium hat ebenfalls eine Unterstützung zugesichert. Das Kirchenbau-Komitee wendet sich nun vertrauensvoll au die Mildthätigkeit ihrer evangelischen Glaubensgenossen mit der herzlichen Bitte, ihnen doch eine Unterstützung gewähren zu wollen und solche an den vom Kreisamte Erbach autorisierten Kolporteur zu übergeben. Da die Einwohner der genannten Orte sehr kirchlich gesinnt sind, so ist das Ersuchen der Gemeinde auf das Wärmste zu unterstützen. Worms, 1. Januar. Nach dem Beispiel anderer Städte hat die Eisenbahndirektion auch am hiesigen Platze eine Eisenbahnschule ins Leben gerufen, die nicht allein von hiesigen Beamten, sondern auch von vielen auswärtigen des Jnspektionsbezirkes Worms besucht wird. Leitung und Unterrichtsstunden sind an die Vorstände hiesiger Dienststellen verteilt, und als Lokal der Wartesaal für Nichtraucher bestimmt. Diese Einrichtung kommt namentlich allen Anfängern zu gute, die in der Vorbereitungszeit zum Examen stehen, da ihnen durch Leitfaden und nähere Erklärungen viele interessante Aufgaben klargestellt werden. Ebenso werden durch solche vortreffliche Neuerungen alle Teilnehmer schon von Anfang an in ein gemeinsames Ganze zusammengeführt. Aus der Zeit für die Zeit. Vor 50 Jahren, am 4. Januar 1849, starb in seiner Vaterstadt München Franz Xaver Gabelsberger, der Erfinder der Stenographie in Deutschland und Begründer des nach ihm benannten, am weitesten verbreiteten Systems. Die Gabelsbergersche Schule, die ihre Schrift jetzt mit Vorliebe „deutsches Einheitssystem" nennt, zählte am 1. Juli 1897 im deutschen Reiche, Oesterreich und der Schweiz 974 Vereine mit 33 571 Mitgliedern. Die gesamte deutsche Stenographen- wclt aber wird gerade am heutigen Tage pietätvoll des Begründers der Schnellschrift gedenken. Gabelsberger wurde am 9. Februar 1798 in München geboren, wo man ihm ein Denkmal errichtet hat. Statistik sämtlicher Hochschule« Deutschlands. Die akademische Jugend auf sämtlichen deutschen Universitäten, technischen Hochschulen, den tierärztlichen Hochschulen, den Berg-Akademten, den Forstakademien iu Eberswalde, Münden und Tharandt, sowie der Landwirtschaf t- lichen Hochschule zu Berlin besteht im laufenden Wintersemester aud 44 333 immatrikulierten Studenten und 8918 HSrern und Hospitanten, zusammen also aus 53 251 Personen. , ^An den 21 deutschen Universitäten (einschl. der Akademie in Munster) ftnb.32 697 Studenten immatrikuliert, hiervon entfallen auf die neun preußischen Universitäien 16 416, und zwar Berlin 6151, Bonn 1780, Breslau 1622, Köttingen 1191, Greifswald 858 balle 1605 Kiel 858, Königsberg 778, Marburg 1107 und Münster 566 — auf die beiden badischen Universitäten 2283, und zwar ?£?urgJ141 und Heidelberg 1142 - auf die drei bayrischen 6274, und zwar München 3905, Würzburg 1343 und Erlangen 1026 -°uf die würtembergischen Universitäten in Tübingen 1306 - Ä ßuPi<0M13 °uf die thüringische in KV 664 T die mecklenburgische in Rostock 449 - auf die im 700 Smdmttn." @ka6bUr0 1075 - °uf die hessische in Gießen erfter9fä^eT,ttetLbcr Studenten steht Berlin an fenÄft«ÄoToT“’,Ib “nb fild' «Wber0, @ie6en. Soan02104« Theologie studieren im Ganzen 2812, und 250r 7!L ®itlln8«n 136, Gtt«,Sw»U> ^ou, Haue dtto, Kiel 60, Königsberg 64, Marburg 126, Freiburg 199, Heidelberg 66, Erlangen 181, Tübingen 270, Gießen 59, Leipzig 317, Straßburg 72 Jena 36 und in Rostock 32. Katholische Tbeologte studieren 1297 Studenten, und zwar in Bonn 273, in Bieslau 211, München 167, Würzburg 152, Tübingen 169 und in Münster 325. In der jurtsttchen Fakultät sind im Ganzen 9294 Stu denten immatrikuliert. Hiervon in Berlin 2107, in Bonn 473, in Breslau 456, Güttingen 349, GretfSwatd 185, Halle 373, Kiel 202, Königsberg 227, Marburg 335, Freiburg 257, Heidelberg 345, Erlangen 200, München 1238, Würzburg 220, Tübingen 431, Gießen 195, L-tpzig 1089, Straßburg 330, Jena 184, Rostock 98. Die medizinische Fakultät (etnschl. der Zahnheilkunde) zählt 8106 Studenten, und zwar Berlin 1311. Bonn 252, Breslau 321, Göttingen 222, GretsSwald 318, Halle 241, Kiel 439, Königsberg 248, Marburg 273, Freiburg 394, Heidelberg 240, Erlangen 325, München 1102, Würzburg 667, Tübingen 261, Gießen 215, Leipzig 6*3, Straßburg 335, Jma 194 und Rostock 105. Die philosophische Fakultät (einschl. der an drei Universitäten bestehenden mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten) zählt im ganzen 11088 Studenten, und zwar Berlin 2321, Bonn 701, B'eSlau 458, Göttingen 484, Greifswald 105. Halle 606, Kiel 157, Königsberg 239, Marburg 373, Münster 241, Freiburg 291, Heidelberg 501, Erlangen 320, München 1398, Würzburg 304, Tübingen 175, Gießen 248, Leipzig 1364, Straßburg 338, Jena 250 und Rostock 214. Als Hörer bezw. Hospitanten sind zugelasien im ganzen 6104 Herren und 435 Damen, von letzteren in Berlin 234, Bonn 26, BreSlau 32, Göttingen 25, Halle 15, Kiel 21, Königsberg 34, Heidelberg 24, Erlangen 5 und Leipzig 19. An den deutschen Universitäten sind 2092 Ausländer, also etwa der sechszehnte Teil der ganzen Studentenschaft. Die meisten Ausländer zählt Berlin mit 564, es folgen Leipzig mit 305, München mit 202, Halle mit 148, Heidelberg mit 137, Straßburg mit 97, Freiburg mit 94, Göttingen mit 87, Jena mit 62, Marburg mit 58, Würzburg mit 56, Königsberg mit 55, Bonn mit 51, Breslau und Tübingen mit je 34, Erlangen mit 28, Kiel mit 24, Gießen mit 23, Greifswald mit 17, Rostock mit 12 und Münster mit 4 Ausländern. Von den Ausländern sind 440 Oesterreich er, 259 Schweizer, 552 Russen, 126 Engländer, 42 Franzosen, 22 Italiener, 26 Türken, 1 Spanier, 4 Dänen, 20 Norweger und Schweden, 30 Serben, 44 Bulgaren, 17 Griechen, 43 Holländer, 17 Luxemburger, 28 Belgier, 19 Rumänen, 305 Amerikaner, 81 Asiaten, 13 Afrikaner und 3 Australier. Die Russen bilden hiernach einen ganz außerordentlich hohen Prozentsatz aller Ausländer, und zwar nicht blos in der Gesamtzahl, sondern auch bezüglich jeder einzelnen Universität. Berlin zählt ihrer 195, Bonn 6, BreSlau 8, Göttingen 15, Greifswald 4, Halle 39, Kiel 2, Königsberg 51!!, Marburg 13, Freiburg 16, Heidelberg 43, Erlangen 5, München 35, Würzburg 8, Tübingen 6, Gießen 8, Leipzig 78, Straßburg 10 unb Jena 10. Als Sonderheit sei erwähnt, daß in Bonn 16 Belgier immatrikuliert sind, die sämtlich Jura studieren. An den deutschen technischen Hochschulen find im Ganzen 9380 Studierende immatrikuliert und 2536 Hospitanten und sonstigen Hörern das Hören der Vorlesungen gestattet. Die technische Hochschule in Berlin zählt 2425 Immatrikulierte und 1003 Nichlimmatrikulierte. Unter den letzteren befinden stch 37 R gierungsbaumeister, ferner 6 Studenten der Unt- verfität, 6 von der Bergakademie, 4 von der landwirtschaftlichen Hochschule und 1 von der Kunstakademie, sowie 45 Marine Offiziere, kommandiert zum Hören der Vorlesungen über Schiffsbau. Als zweitgrößte technische Hochschule folgt München mit 1839 immatrikulierten und 282 nicht immatrikulierten Studierenden, dann Darmstadt mit 1302 bezw. 141, Karlsruhe mit 889 bezw. 196, Hannover mit 858 bezw. 339, Stuttgart mit 767 bezw. 171, Dresden mit 684 bezw. 134, Aachen mit 340 bezw. 141 und endlich Braunschweig mit 276 bezw. 129 Studierenden bezw. Hospitanten und Hörern. Von den Immatrikulierten studieren 1385 Architektur, 1673 Jngenieurwesen, 4571 Maschinenbauwesen, Elektrotechnik und Elektrochemie, 955 Chemie, 379 allgemeine Wiffenschasten, 27 Forstwesen (in Karlsruhe), 37 Landwirtschaft (in München), 110 Berg- anb Hültenbau (in Aachen), 9 Handelswissenschaft in Aachen, 213 Schiffsbau und Schiffsmaschinendau in Berlin. Von den Immatrikulierten und Hospitanten gehören 1598 dem AuSlande an. Berlin zählt 273, Darmstadt 346, München 311, Dresden 176, Karlsruhe 150, Stuttgart 102, Aachen und Hannover je 98 und Braunschweig 44 Ausländer. Auch hier find mehr als der dritte Teil Ruffen, nämlich 540. Es folgen 263 Oesterreicker, 157 Schweizer, 142 Norweger und Schweden, 95 Ru- mänter, 77 Holländer, 76 Amerikaner, 64 Bulgaren, 40 Italiener, 34 Luxemburger, 26 Engländer, 23 Serben, 11 Asiaten, je 9 Dänen, Franzosen und Griechen, je 8 Türken und Belgier, 4 Afrikaner, 3 Spanier, 2 Australier, je 1 aus Montenegro und Portugal. Die meisten Russen sind in Darmstadt, nämlich 151, dann Berlin 110, München 77, Karlsruhe 74, Dresden 63, Braunschweig 27, Aachen 16, Hannover 12, Stuttgart 10 Russen Bei dem massenhaften Andrange der Russen zu den deutschen HochschuUn stebt zu befürchten, daß bei Eröffnung der technischen Hochschule in Danzig ein wahrer Sturmlauf auf dieselbe seitens unserer östlichen Nachbarn gemacht werden wird, das Beispiel giebt die Universität Königsberg mit 51 Russen unter 55 Ausländern. Auf den tierärztlichen Hochschulen find immatrikuliert 1206 Studierende und 160 stnd als Hörer zugelasien. Die Hochschule in Berlin zählt 395 immatrikulierte, ferner 133 Miltär- Roßarzt-Eleven als Hospitanten und 10 sonstige Hörer; Hannover 231 bezw. 12, Dresden 171 bezw. 4, München 341, Stuttgart 95 bezw. 1 immatrikulierten Studenten bezw. Hospitanten. Unter den 42 Ausländem sämtlicher Hochschulen nehmen wiederum die Russen die erste Stelle mit 24 ein, hiervon allein 16 in Dresden, 6 in Berlin, je 1 in Stuttgart und Hannover; ferner studieren 8 Oesterreicher, 6 Bulgaren, 2 Luxemburger und 1 Asiate. An den Bergakademien studieren in Berlin 189, in Clausthal 190 (181 immatrikulierte und 9 Hörer) und in Freiberg i. S. 268 (davon 232 immatrikulierte und 36 Hörer) im ganzen alw 602 Immatrikulierte uud 45 Hörer. — Von den Im matrikulierten gehören 201 dem AuSlande an und zwar 96 Russen (86 allein in Freiberg), 22 Rumänier (sämtlich in Freiberg), 14 Eng- länder (12 in Freiberg), 20 Holländer (16 in Clausthal). 11 Oesterreicher, 9 Amerikaner, 6 Afrikaner, je 4 Luxemburger, Asiaten und Australier, je 2 Schweden und Spanier und Schweizer, je 1 Däne, Grieche, Franzose, Bulgare und Türke. An den Forstakademten in Eberswalde, Münden und Tharandt find 201 immatrikuliert und 7 Hospitanten. Eberswalde zählt 68, Münden 45 bezw. 2, Tharandt 88 bezw. 5 Studierende bezw. Hörer. Unter den 85 Ausländern sind 43 Ruffen, davon 27 in Eberswalde, 10 in Tharandt und 6 in Münden; ferner 30 tester- reicher, 4 Norweger, 3 Holländer, je 2 Serben und Bulgaren und 1 Asiate. An der landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin studieren 347 immatrikulierte Studenten und 66 Hörer. Unter den 26 Ausländern bilden auch hier die Rusien mit 18 den größten Teil der Ausländer. Vermischtes. * Verkehrswesen. Aus Kiel, 31. Dezember schreibt man der „T. R.": Nach dem soeben erschienenen Kieler Handelskammer - bericht befuhren 1898 (nach vorläufigen Ermittelungen) den Kaiser Wilhelm-Kanal 25 000 Schiffe mit 3 000000 Reg.-« Tonnen (1 R T. — 2 833 Kubikm.) Netto Raumgehalt und 1500 000 Mark Einnahme gegen 21904 Schiffe mit 2 345 849 Reg.-T. (1 198 722 Mk. Einnahme) im Jahre 1897 und 20068 Schiffe mit 1 751065 Reg.-T. (903 132 Mark Einnahme) im Jahre 1896. ♦ Der Stettiner „Vulkan" unterhandelt mit dem Hamburger Senat wegen Erwerbung eines am Köhlbrand unmittelbar bei den in Bau begriffenen neuen Hafenanlagen belegenen 280000 Geviertmeter großen Geländes, auf dem der „Vulkan" eine großartige Schiffswerft errichten will. — * KommiffionSrat Franz Renz im Hamburg verkaufte fein Zirkus Grundstück in Breslau an Herrn Hoflieferanten Emil Zadek für 343000 Mark. * Der Norddeutsche Lloyd setzte die Fahrpreise für Zwischendeck nach New-York für Schnellpostdampfer auf 160 Mark, für Postdampser auf 140 Mark, nach Baltimore auf 140 Mark und 130 Mark und nach Galvrston auf 140 Mark fest. * Das reichste Schmuckkästchen Die „Revue des Revue»" gibt ein Verzeichnis der reichsten Schmuckkästchen, die sämtlich Amerikanerinnen oder Engländerinnen gehören. An der Spitze steht das der Mrs. John Astor, das auf 3 700000 Frank- geschätzt wird. Dann folgt Mrs. Olliver H. P. Belmont, die Eigentümerin dec Perlenschnur, die einst Marte Antoinette gehörte und unter Brüdern 900000 Franks wert ist. Mrs. H. Mc Twombly ist im Besitze eines Diamantkolliers im Werte von 1750000 Franks, und Mrs. Bradley Martins hat einen Rubinenschmuck von 2 Millionen aufzuweisen. Verkehr, Zand- und Volkswirtschaft. Gieße«, 3. Januar. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. JL 0.70—0.90, Hühnereier per St. 7—10 H, 2 St. 00—00 Enteneier 2 St. 00—00 H, Gänse, eier per St. 11—13 H, Käse 1 St. 5—8 H, Käsematte per St. 3 S>, Erbsen per Liter 20 H, Linsen per Liter 30 Tauben per Paar JL 0.00—0.60, Hühner per St. X 1.00—1,20, Hahnen per Stück 0.90—1.40, Enten per St. /z Ahr vormittags und 2 vis 3 Ahr nachmittags; an Sonntagen von 9'/» vis 10V, Ahr vormittags. Gießen, den 2. Januar 1899. 282 Der Vorstand. Kaiser-Ianorama Afrika. Macke meine geehrten Besucker auf die hochintereffante und wundervolle Serie, welcke nur bis Mittwoch Abend ausgestellt ist, nochmals auimerksam. 281 ■ln , r. i -a-■ ... rr. , Giessener Stadttheater. Mittwoch de« 4. Januar 1899t IX. Volksvorstellung: Der Wauö der Sabinerinnen. Schwank in 4 Akten von Franz und Pa«l von SchSnthan. Eintrittspreise 40 unb 20 Pfg Heute Dienstag: Singstunde, g ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ V, Frankstr. Hhp. Bk unk. b. 1906 99 00 3V, Hambrgr. Hup vk. unk. b. 1908 7i Frks.Hyp.Cred.B unk.b.1906 98.20 4 Preuß.Hyp.A.Bkunk.b. 1900 bto. unk. b. 1907 102.00 31/, P> * ---- Deutsche Grdsch.B. unk. b. 1904 101.50 4 F vermittelt reell Frau Waldner, Hanau, Nürnbergersttaße 24. — Offerten sind 30 Psg beizulegen.___________________050 Kaiser-Nanorama Neuen Baue 1. 185 Nur bis Mittwoch! xJjgjMF Afrika, Insel Malta, u. a. Maurische Bauten und Pa- lüfte, prachtvolle tropische Vegetation, hochintereffante, naturwahre Reise. Bon Donnerstag abr DaS Riefengedirge. Ortsgewerb» verein Gießen. 285 Lese-Abend (Auflegung der neuesten technischen und Fachblätter) Kaiserhof ». Stock. Section Giessen. D. Oe. A. V. IT) Donnerstag, den 5. Januar, abends 811 Uhr pünktlich: Erste MonatSversammlg. im CasS Ebel. Vortrag (Stadtbaumeister Schmandt): 1. Von den Gründen und Gletsckern des ZillerthaleS; 2. Hocktouren in den Zillerthaler Aloen und im Nieserferner-Gebiet