Kskckes und Promuüeüer. Gießen, den 2. November 1899. ** Teuerungszulagen bei den Postunterbeamteu. Den Unterbeamten, die sich noch in den unteren Gehaltsklassen befinden und in teuren Orten etatsmäßig angestellt sind, soll durch Gewährung von Teuerungszulagen eine Aufbesserung des Diensteinkommens zuteil werden. Von der Reichspostverwaltung sind hierüber folgende Bestimmungen getroffen worden: Die Teuerungszulage wird jährlich betragen für Landbriefträger bei einem Gehaltssatz von 700 Mk. in teuren Orten 150 Mk„ 775 Mk. 125 Mk., 850 Mk. 100 Mk., 925 Mk. 75 Mk., 1000 Mk. 50 Mk., von 700 Mk. in ganz besonders teuren Orten 200 Mk., 775 Mk. 175 Mk., 850 Mk. 150 Mk., 925 Mk. 125 Mk., 1000 Mk. 100 Mk.; für Postschaffner, Briefträger, TelegraphenleitungS- aufseher u. s. w. bei den Verkehrsanstalten bei einem Gehaltssatz von 900 Mk. in teuren Orten 100 Mk., 1000 Mk. 70 Mk., 1100 Mk. 50 Mk., 1800 Mk. 20 Mk., von 900 Mk. in ganz besonders teuren Orten 150 Mk., 1000 Mk. 120 Mk., 1100 Mk. 70 Mk., 1800 Mk. 20 Mk.; für Postschaffner bei den Oberpostdirektionen bei einem Gehaltssätze von 1000 Mk. in teuren Orten 100 Mk., 1100 Mk. 70 Mk., von 1000 Mk. in ganz besonders teuren Orten 150 Mk., 1100 Mk. 100 Mk. Die Unterbeamten der höheren Gehaltsstufen und die gehobenen Unterbeamten erhalten keine Teuerungszulagen. Welche Orte als teuer und welche als ganz besonders teuer anzusehen sind, unterliegt der Bestimmung des Reichspostamtes. Die Teuerungszulagen sind widerruflich und nicht pensionsfähig. Sie werden gekürzt bei Versetzungen von einem ganz besonders teuren Ort nach einem teuren Ort sowie beim Aufrücken in ein höheres Gehalt, dem eine geringere Teuerungszulage entspricht; sie fallen ganz fort, wenn ein Unterbeamter von einem teuren Ort nach einem Ort versetzt wird, wo Teuerungszulagen nicht gewährt werden, oder beim Uebertritt in eine von der Bewilligung von Teuerungszulagen überhaupt ausgeschlossene Dienststelle. Für die Gewährung ist stets der dienstliche Wohnort maßgebend. Die einem Unterbeamten gewährte Teuerungszulage und die ihm etwa zustehende Stellenzulage dürfen zusammen den Betrag von 200 Mk. nicht übersteigen; gegebenenfalls ist die Stellenzulage zu kürzen oder ganz einzuziehen. Die Teuerungszulagen sind vom 1. April 1899 ab rückwirkend zu zahlen. •* 40jähriges Eiseubahujubiläum. Auf eine 40jährige Thätigkeit im Dienste der Eisenbahn blickt am 4. November d. I. der Königliche Güterexpeditionsvorsteher Herr Mentzel in Gießen zurück. Der Jubilar hat in Frankfurt a. M. die Leitung der Geschäfte des Hauptgüterbahnhofes, zu dessen Eröffnung er von Nordhausen seitens der Königlichen Eisenbahndirektionen berufen wurde, über zehn Jahre — bis 1. Juli 1898 — innegehabt und wird jedem, welcher mit ihm dienstlich oder außerdienstlich zu verkehren Gelegenheit hatte, noch in vorteilhaftester Erinnerung sein. (Frkf. G.-A.) •* Außer Kurs gesetzt. Nach der dem Bundesrate zugegangenen Münzen-Novelle werden die goldenen Fünfmarkstücke nach einem Jahre, die silbernen Zwanzigpfennigstücke mit dem 1. Januar 1902 außer Kurs gesetzt, während die Nickel-Zwanzigpfennigstücke als „eine ebenso überflüssige wie unbeliebte Münze" (so heißt es in der Novelle) nach und nach eingezogen werden und bis Ende 1904 von der Bildfläche verschwinden sollen. *• Emen traurigen Geburtstag haben die Postkartenbriefe der Reichspostverwaltung am 1. November gehabt. Sie wurden an diesem Tage im Jahre 1897 eingeführt und dann in der ersten Zeit als Kuriosität benutzt, aber 7193 entnchkaslen Plüsch. ofieln nlräger liehe izeichen kelseide «ßaWch rn "timmt. 'vember'. lonzerl m der aren-Regiments No. 13 on Italien) ^direktere Herrn E. Hecht Uhr. Entrie 50 kl? ammerjigtt ni*.____ S-E Li ** NK w w tu§ !anber tnitn“8 >«'"!' e*tein« Rr. S5S Zweites Blatt Freitag den 3. November 1809 Orlchetl t*eM crif Aulmchme de- Lir Gießener «rdea dem LnzeiZer »ictmel Gießener Anzeiger Metns-prew vierteljährlich 2 Mark 20 Pf* monatlich 75 Pf* mit Bringerloß». Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf* vierteljährlich. «an*>»r do« Anzeigen zu der nochmittazs für de« Ovtetültn Xef erscheinenden Rümmer Hl vor». 10 Uhr. Keilerat-Anzeiger He «nzelgen-Bermittlun,»stellen des In- und Bulle*» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger eutgoW». Aints- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren. Ktbehten, tzzvedMon und Druckerei: chch.lkroße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter sür hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieß«. Fernsprecher Nr. 51. —— Dem Kaiser. Wenn sonst, o Herr, zur Reise die Standarte Am Mast emporstieg auf dem Orlogschiff, Dann segnend, grüßend an dem Strande harrte Ein treues Volk — ob's ging zum Nordlandsriff, Ob Deine „Hohenzollern", wie ein Schwan Nach Süden flog, gehorchend dem Befehle Des Herrn durchfurcht den weiten Ozean; Es zog mit Dir des deutschen Volkes Seele. Doch geht Dein Weg ins Britenland hinein, Dann, kaiserlicher Herr, fährst Du allein. O höre, was Dein Volk jetzt bittend spricht: Nach England gehe nicht! Im Süden kämpft ein Volk, uns stammverwandt. Den furchtbar schweren Kampf um Haus und Ehre, Daß es der Tücke, die sein Vaterland Ihm oft geraubt, von neuem sich erwehre; Daß es das Land, vom Kaffer und vom Leu Mühsam erstritten, ferner sich bewahre — Ein Volk so fromm, so voll german'scher Treu, Als ob es sich um deutsche Fahnen schare. Voll Goldgier bricht der Brite dort hinein. Voll Lug und Trug, voll List und Heuchelschein; England, das niemals hält, was es verspricht: Zu ihm, Herr, gehe nicht! Im Herzen brennt uns noch Samoa's Schmach, Wir fühlen'S mit Erröten und Erbeben, Wie unsre „Falken"-Schar gefesselt lag, Und durfte nicht den Rächerarm erheben. (Selig die „Adler"-Mannschaft, die am Riff, Beim Taifun ihre Heldengrabstatt fand) Doch unseres Freundes, Englands, stolzes Schiff In stille Hütten warf den Mord und Brand. Das war für unsre Freundschaft Englands Lohn, Dazu ihr Hetzen, all ihr Spott und Hohn; Es flammt bei der Erinnerung das Gesicht: Nach England, Kaiser, gehe nicht! Herr, wenn wir Deutsche Großes uns erstritten, Es war, weil Fürst und Volk beisammen n?ar In Freud und Leid; gemeinsam ward gelitten, Gemeinsam gings den Weg, wo Friedrichs Aar, Wo uns Luisens Segen hat begleitet. Wo Blücher jauchzend führte übern Rhein, Wo Kaiser Wilhelm seine Scharen leitet Zum SiegeSzug ins Frankenland hinein. Es ist die Lieb' ein wunderbares Ding, O teurer Kaiser, acht' sie nicht gering; Hör', was Dein treues Volk in Liebe spricht: Nach England gehe nicht! (Ebel.) Politik des Stätischseius. Man schreibt uns aus unserem Leserkreise: Soeben erhält die „Voss. Ztg." eine Zuschrift aus den Kreisen des Kolonialrats, in welcher es für nötig erachtet wird, das bekannte Gutachten in der Samoafrage damit zu entschuldigen, daß die Engländer bereits Beschluß gefaßt haben, die Samoainseln in die britische Verwaltung der Südsee einzuverleiben und ans als Entschädigung die Gilbert-Inseln und den Rest der Salomonsinseln bieten. Es heißt dort ferner: „Gegenüber der jetzigen britischen Position nützt es nichts, einfach den deutschen Standpunkt zu wiederholen; deutsche Wünsche können auf die Dauer nicht vor realen Gesichtspunkten und vor einer Zwangslage bestehen." Man braucht nicht zu jenen Kreisen zu gehören, denen im der Politik eines Größerdeutschlands die Pferde durch- g ehen, die schon heute die Deutsch-Oesterreicher mit offenen Armen aufnehmen möchten, ohne die Bedenken eines Bismarck btafoei genügend zu berücksichtigen, daß nämlich dadurch die olhnehin schon vorhandene Centrumsmajorität eine über- Mltigende würde. Aber jetzt von Schnapphahnpolitik zu reden und damit den günstigen Moment, England hemmend in den Arm zu fallen im Verein mit Rußland und Frankreich verpassen, gleichzeitig die mögliche Vernichtung eines germanischen Stammes durch England zu begünstigen und dabei von Zwangslage gegenüber England zu reden, das ist doch ein trauriges Zeugnis, das sich unsere Diplomatie damit selbst ausstellt. Man mag von Bierbankpolitik und bedauerlicher Stellungnahme eines „Teils der deutschen Presse" gegen England reden, der übrigens nicht der kleinste und nicht der schlechteste Teil ist. Aber die Zeiten sind vorüber, wo man mit überlegener Miene auf die urteilslose Menge herniedersah. Die Thatsache, daß noch heute das deutsch englische Abkommen als dunkle Wolke an unserem politischen Horizont dräuend steht, daß man es für nötig gehalten, vor angelsächsischer Unverschämtheit in Samoa die Segel zu streichen und unser Kriegsschiff für seine vorzügliche Haltung noch zu beglückwünschen, die Thatsache, daß ganz Deutschland die ungeteilte Sympathie den Buren zuwendet, während unser Kaiser seinen englischen Dragonern Glückwünsche mit auf den Weg nach Afrika giebt und die englische Großmutter besucht, diese Thatsachen weisen mit zwingender Notwendigkeit darauf hin, daß zwischen Regierung und Volk ein Gegensatz besteht. Wehe den Beratern der Krone, die einst die Geschichte unrühmlich erwähnen wird, weil sie der Ausbreitung und Zusammenschließung des germanischen Volkstums in einer Zeit, in welcher im Osten drohend panslavistische Umtriebe sie zur dringenden Notwendigkeit machten, hindernd in den Weg traten, weil sie Deutschland als Kolonialmacht ein frühes Grab schufen und mit dem Pfand, das ihnen ein Bismarck anvertraut, schlecht gewuchert haben. — Aber Bismarck ist tot! Dr. 8. xx Das Reservatrecht der süddeutschen Postverwaltungen. Seitens einer größeren Anzahl kaufmännischer Korporationen soll eine Eingabe an den Reichstag gerichtet werden, in welcher auf Einführung einheitlicher Wertzeichen für das ganze Deutsche Reich hingewirkt wird. Der Gedanke an und für sich ist nicht neu, da er schon oft ventiliert worden ist, weil die verschiedenartigen Wertzeichen innerhalb Deutschlands zu mancherlei Unzüträglichkeiten Anlaß geben. Man muß heute noch immer unterscheiden zwischen dem deutschen Reichsgebiet und dem deutschen Reichspostgebiet, welch letzterem Bayern und Württemberg nicht angehören, da sie eigene Post- und Telegraphenverwaltungen haben und nur bezüglich ihrer Beziehungen zu anderen Ländern der Jurisdiktion des Reiches unterliegen. Die beiden Staaten leisten nur zu den Kosten der Berliner Centralverwaltung einen Zuschuß, sind aber sonst bezüglich ihrer Einnahmen und Ausgaben aus der Post- und Telegraphenverwaltung völlig selbständig. Demzufolge haben sie auch ihre besonderen Postwertzeichen, und ein in München oder Stuttgart aufgelieferter Brief darf nicht mit einer deutschen Reichspost- marke frankiert werden, ebenso nicht ein in den übrigen deutschen Staaten aufgelieferter mit einem bayerischen oder württembergischen Wertzeichen. Daß sich hieraus vielerlei Unzuträglichkeiten und Unbequemlichkeiten ergeben, liegt auf der Hand bei dem regen wechselseitigen Verkehr zwischen Nord und Süd, und mehrfach ist schon der Wunsch ausgesprochen worden, die Reichspost möge auch auf Bayern und Württemberg ausgedehnt werden. Den einzelnen deutschen Staaten sind nach der Gründung des Reichs eine ganze Reihe von Rechten genommen worden. So sind auch die verschiedenen Postverwaltungen auf das Reich übergegangen, und nur Bayern und Württemberg haben sich besondere Post- und Telegraphenverwaltungen als ein Reservatrecht Vorbehalten, das sie recht hoch schätzen, da bisher alle Versuche, sie zur freiwilligen Aufgabe dieses Rechtes zu veranlassen, ziemlich schroff zurückgewiesen worden sind. Deshalb dürfte auch die eingangs erwähnte Eingabe kaufmännischer Korporationen im Sande verlaufen, da der Reichstag kein Recht hat, in dem gewünschten Sinne einen Einfluß auszuüben. Die Postwertzeichen dienen zur Kontrolle der richtigen Vereinnahmung der Postgefälle, und die eigenen Postwertzeichen aufgeben, hieße für Bayern und Württemberg, sich des Rechtes der Kontrolle über die Einnahmen aus der Postverwaltung des Landes begeben. Und doch würde ein Weg zu finden sein, der es ermöglichte, ohne Antastung der süddeutschen Reservatrechte ein einheitliches Postwertzeichen ein- zusühren, wenn jeder Staat die von seinen Verkehrsanstalten abgesetzten Wertzeichen als eigene Einnahmequelle ansehen könnte, also ohne Rücksicht darauf, ob die verkauften Marken rc. auch wirklich innerhalb des betreffenden Landes zur Verwendung gelangen oder nicht. Schon jetzt fließen ja die Gebühren für unfrankierte Briefe der Verwaltung des Bestimmungslandes zu, selbst wenn der Aufgäbestaat einen noch so hohen Anteil an der Beförderung hat. Die Möglichkeit ist also vorhanden, um den Wünschen auf Einführung einheitlicher Postwertzeichen in Deutschland gerecht zu werden, es kommt nur auf den guten Willen Bayerns und Württembergs und auf weiteres Entgegenkommen der Reichspostverwaltung an. Ob diese vorhanden sind, wird die Erfahrung lehren, da die Anträge der erwähnten Korporationen im Reichstage zur Erörterung gelangen werden. cWzwoolaÄ Ui M Iwä^awkA. O •Ämax-w «=» .—> cübtxwx/-' Die Stellung um Kimberley. Auf dem westlichen Kriegsschauplatz haben die Buren Kimberley fast vollständig cerniert und General Baden« Powel kann nur noch nach Südosten sich einen Ausweg suchen, obwohl anzunehmen ist, daß die Buren auch hier den Kreis bald schließen. Die gegenwärtige Stellung um Kimberley ist die folgende: die Buren rücken von Station Windsorton und Riverton gegen die Station Macfarlang vor, woselbst die Engländer einen Panzerzug (auf unserer Skizze mit bezeichnet) aufgestellt haben, der an beiden Seiten durch größere Abteilungen gedeckt wird. Im Nordwesten stehen die Buren bei Barkly, ca. 25 englische — 6 deutsche Meilen von Kimberley entfernt, im Osten rücken sie auf dem Wege von Boshof vor, und im Süden stehen sie zwischen den Stationen Spytfontein und Wimbledon, nur ungefähr 10 Kilometer von Kimberley entfernt. sie lagern seitdem als Ladenhüter bei den Postanstalten, denen sie eine Masse Mühe bei der monatlichen Bestandsaufnahme verursachen. Der hohe Preis und die unpraktische Einrichtung der Kartenbriefe tragen die Schuld daran, daß eine so verschwindende Benutzung stattfand, während sie sich z. B. in Oesterreich wie die Postkarten eingebürgert haben. -o Neu-Ulrichstein, 1. November. Monatsbericht der Arbeiter-Kolonie Neu-Ulrichstein für den Monat Oktober 1899. Am 31. Oktober 1899 befanden sich auf der Kolonie 30 Mann. Dieselben verteilen sich: 1. Nach der Geburt: Großherzogtum Hessen 5, Großherzogtum Baden 1, Königreich Bayern 3, Regierungsbezirk Kassel 2, Regierungsbezirk Wiesbaden 6, Provinz Ostpreußen 2, Königr. Sachsen 3, Prov. Sachsen 1, Provinz Rheinland 3, Brovinz Brandenburg 1, Thüringen 1, Württemberg 1, Ausland: Oesterreich 1. 2. Nach dem Gewerbe: Apotheker- Lehrling 1, Arbeiter 12, Barbier 1, Bureau-Gehülfe 1, Gärtner 1, Hutmacher 1, Kaufleute 2, Kürschner 1, Schlosser 2, Schreiner 1, Schneider 4, Schuster 1, Tüncher 1, Weißgerber 1. Die Kolonie zählte im Oktober 1899: 871 Verpflegungstage, 7391/2 Arbeitstage, 80V2 Sonntagen, 46 Krankentage, 5 Beurlaubte. Abgang verteilt sich: Auf Wunsch 2, Arbeitsunfähig 1, Arbeitsweigerung 2. Seit Bestehen der Kolonie wurden ausgenommen 3626, entlassen 3596, bleibt Bestand 30 Mann. Vilbel, 31. Oktober. Der hier wohnhafte praktische Chemiker N. erfand ein Pulver, das nicht nur vollständig rauchlos ist, sondern auch beim Explodieren fast gar keinen Knall verursacht. Dabei ist die Wirkung dieses Pulvers sowohl in der Schußwaffe als beim Sprengen noch intensiver, als die des gewöhnlichen Pulvers. Mainz, 1. November. Dem am verflossenen Sonntag hier getagten alldeutschenVerband wurden seitens der hiesigen Bevölkerung vielfach antisemitische Tendenzen beigemessen, welche Ansicht ein Mainzer Lokalblatt auch laut zum Ausdruck brachte. In mündlichen und schriftlichen Mitteilungen an das betreffende Blatt verwahren sich eine große Anzahl Mitglieder der hiesigen Ortsgruppe des Verbandes entschieden gegen diese Anschauung und versichern, daß sie nicht nur jeder antisemitischen Tendenz fern ständen, sondern einer solchen auch absolut fern seien. Die betreffenden Verbandsmitglieder versichern ferner, daß sie dem Vorstande des Verbandes erklärt haben, sie würden sofort ihren Austritt nehmen, sobald sich nur die geringste antisemitische Strömung bemerkbar mache. Das Blatt, das dem alldeutschen Verband antisemitische Tendenzen vorgeworfen hatte, nimmt von diesen Erklärungen mit Genugthuung Notiz, verlangt aber entschieden die Beseitigung der an der Spitze der hiesigen Ortsgruppe des Verbandes stehenden Persönlichkeit, die sich bei jeder Gelegenheit offen zum Antisemitismus bekenne.— In Sachen der Eingemeindung vonMombach zu Mainz wurden am Sonntag in einer allgemeinen Versammlung die Bedingungen festgestellt, unter welchen die Gemeinde Mombach bereit ist, sich an Mainz einverleiben zu lassen. Bis auf das Verlangen, von dem städtischen Oktroi befreit zu sein, hat die Stadt Mainz gegen die Bedingungen der Gemeinde Mombach nichts einzuwenden. △ Mainz, 1. November. Von dem Kriegsministerium in Berlin wurde der Großhandlung Heister & Simon hier die Lieferung der für die hiesige Konservenfabrik während der diesmaligen Fabrikatsperiode benötigten Ochsen übertragen. Zu liefern sind etwa 3000 Ochsen. A Aus Rheinhessen, 1. November. Für das geringe Quantum, das im diesmaligen Herbst allgemein geerntet wird, werden bei uns in Rheinhessen die Weinbauern dadurch einigermaßen entschädigt, daß die Qualität durchgängig besser ist, als man erwartet hatte, und daß infolgedessen die Nachfrage nach Trauben und Most bei sehr ansehnlichen Preisen allgemein eine sehr lebhafte ist. Geringere Weine werden zu 400 bis 500 Mk. und mittlere Weine 500 bis 700 Mk. geschätzt. Für bessere Sorten werden selbstredend höhere Preise bezahlt. Wiesbaden, 1. November. In die hiesige Gemeinde- wähl kommt durch die schon erwähnte Beteiligung der Sozialdemokratie ein neues Moment. Es kann sich aber für die hiesigen Sozialdemokraten nur um eine Kraftprobe, um ein Farbebekennen handeln. Das ist ihr gutes Recht als Partei. Auf Durchbringen des einen ihrer drei Kandidaten rechnen sie wohl selbst nicht. — Die Konservativen scheinen auf ein selbständiges Auftreten diesmal ganz zu verzichten aus der verständigen Erwägung, daß Geschäfte für sie doch nicht zu machen sind. Die Nationalliberalen, welche in der ersten Klasse führen, gehen mit den Freisinnigen unter Anerkennung von deren gegenwärtigen Besitzstand in der zweiten und dritten Klasse vor. Die Kandidaten der von dem Freisinn beherrschten zweiten und dritten Wählerklasse ist beiderseits unter diesem Gesichtspunkt aufgestellt worden. Die Wahlen dürften somit einen ziemlich geschäftsmäßigen Verlauf nehmen. Gehen die Vorschläge durch, so wird in Zukunft das Stadtverordnetenkollegium aus drei Kaufleuten, drei ehemaligen Kaufleuten, sechs Rechtsanwälten und sonstigen Juristen, fünf Aerzten, sechs Architekten und drei Rentnern bestehen. Koblenz, 31. Oktober. Der hiesige Fabrikant Neuschäfer wurde gestern unter dem Verdacht, ein schweres Sittlichkeitsverbrechen begangen zu haben, verhaftet. Kirche und Schule. -r. Aus dem evangelischen Dekanat Alsfeld. Gestern, den 31. Oktober, dem Jahrestage der Reformation, fand die Synode des evangeltfchen Dekanats Alsfeld zu Alsfeld statt. Dieselbe wurde durch einen Gottesdienst in der DreifalttgkettSktrche eröffnet, bet welchem Herr Pfarrer Jäger-Alsfeld den Altardienst versah, wahrend Pfarrer Stock von Ober-Breidenbach die Predigt hielt. Nach dem Gottesdienste begannen im Saale der 1. Schulklasse die Verhandlungen, eingeleitet durch ein von Herrn Dekan Wörtß- hoffer gesprochenes Gebet. Sodann gedachte der Dekan in ehrenden Worten des kürzlich verstorbenen Mitgliedes des Dekanatsausschoffes, des Herrn Bürgermeisters Gcunewald-Brauerschwend, und die P-r sammlung ehrte das Andenken des Entschlafenen tn der üblichen Weise. Weil der Präsident des Grotzherzoglichen Ober - Konsistoriums, Herr Ober -Konsistorialrat D Buchner, an diesem Tage seinen 70. Geburtstag feierte, beschloß die Synode, ihn tele graphisch zu beglückwünschen. Darauf teilte der Vorsitzende der Synode mit, daß der seitherige weltliche Abgeordnete unseres Dekanats, Herr Ober-Amtsrichter Wahl-Schlitz, im Dekanat Lauterbach als Synodaler gewählt worden sei, und infolgedessen eine Wiederwahl für das diesseitige Dekanat abgelehnt habe. Nachdem sodann die Antwort Großh. Oberkonsistortums auf die Beschlüsse der vorjährigen Synode verlesen war, erstattete der Vorsitzende den üblichen Rechenschaftsbericht für das Jahr 1898. Daraus ist besonders der Bericht über die Dekanatskrankenpflege hervorzuheben, der auch eine kleine Diskussion veranlaßte, infolge deren auf Antrag deS Dekans die Vergütung für einen Pflegetag von 24 Stunden auf 1 Mk. herabgesetzt wurde. Die Krankenschwester deS Dekanats ist tn Großfelda stationiert und hat in der Zeit ihre« dortigen Aufenthaltes 32 Tage gepflegt. Eine ausgedehntere Verwendung derselben bet eingetretenen schweren Krankheitsfällen wäre tm Interesse der guten Sache sehr erwünscht, Arme werden von ihr umsonst gepflegt. In Bezug auf den religiös-sittlichen Zustand des Dekanats konnte der Vorsitzende eine Zunahme gegen früher konstatieren, die Opfer für kirchliche und sonstige christliche Zwecke haben um ein Beträchtliches zugenommen, ebenso der Kirchen- und Abendmahlsbesuch; auch der Besuch der KatechismuSlehre konnte als ein guter bezeichnet werden. Das Seklenwesen hat keine große Ausbreitung bet dem gesunden kirchlichen Sinn unserer Bevölkerung gefunden. Nach Beendtaung deS Rechenschaftsberichtes wurde von dem DekanatS- rechner die Rechnung der DekanatSkasse für daS abgelaufene Jahr verlesen, darauf schritt man zur Vornahme der Wahlen für die nächste LandeSsynode. Dabet wurde der setthertge Abgeordnete Pfarrer I a u d t tn Plantg mtt 28 von 40 abgegebenen Stimmen als geistlicher, KretSrat Dr. Melt 0 r dahier mtt 37 Stimmen als weltlicher Abgeordneter gewählt. Als Stellvertreter ging Pfarrer Sommerlad-Metches und Bürgermeister Maß-Wahlen aus der Urne hervor. An Stelle des oben genannten Herrn Grünewald-Brauer- schwend wurde als Stellvertreter für den weltlichen Abgeordneten tm Dekanats Ausschuß der Landwirt Heinrich Schmidt von Romrod mit 24 Stimmen gewählt. Die Wahlen hatten leider einen großen Teil der Zett weggenommen, sodaß das noch auf der Tagesordnung stehende Referat des Herrn Pfarrers Jäger-Alsfeld: „Was haben die Kirchenvorftände zur besseren Herstellung und Ausschmückung der Kirchen zu tbun?" nur zum Teil kurz verlesen werden konnte und sodann tn Rücksicht auf die Wichtigkeit der Ausführungen deS Referenten auf Antrag des Vorsitzenden abgebrochen und für die nächste Tagung verschoben wurde. Rach einem Schlußgebet von Pfarrer Sommerlad-Metches wurde die Synode gegen 2 Uhr geschlossen. — Bei dem im Hotel „Krone" stattfindenden Mittagessen toastete Herr Dekan Wörtßhoffer auf S. Kal. Hoheit den Großherzog Ernst Ludwig, Herr Pfarrer Dr. Hansult Lehrbach auf das heutige Geburtstagskind, die evangeltscheKtrche. Eine von ihm angeregte Tellersammlung zu Gunsten der deutsch-evangelischen Brüder tn Oesterreich ergab den schönen Betrag von Dreißig M»rk. Darmstadt, 1. November. Die gestrige Feier des 7 0. G e - burtstages des Präsidenten des Großh. Oberkonsistoriums, Herrn Adolf Buchner, nahm einen für den verdienten Jubilar überaus ehrenvollen und schönen Verlauf. Von früher Morgenstunde an trafen in seiner Wohnung telegraphische und briefliche Beglückwünschungen, sowie duftende Blumengrüße ein. Die Reihe der persönlichen Gratulanten eröffneten die Räte und Beamten des Oberkonsistoriums, die in corpore erschienen waren und in deren Namen deren Senior, Herr Prälat D. Habicht, in aus warmem Herzen kommenden Worten dem Präsidenten unserer obersten evangelischen Kirchenbehörde die herzlichsten Glückwünsche aussprach, gleichzeitig als Geschenk des Kollegs das große Christusbild „Der Heiland" von Heinrich Hofmann überreichend. Als Vertreter des Landessynodalausschuffes erschien sodann der erste Präsident der letzten Evangelischen Landessynode, Herr Geh. Justizrat Dr. Weber von Offenbach a. M., als Gratulant. Ihm folgte als Abordnung des Hessischen Landesvereins vom Roten Kreuz, zu dessen Vorstand Herr Präsident Buchner nun seit mehr als 30 Jahren gehört und dessen Vorsitzender er jetzt ist, dessen Gesamtvorstand, worunter die Herren Präsident Machenhauer, Geheimrat Mlchell, Ministerialrat Ewald und Oberbürgermeister Morneweg zu bemerken war^n, mit seinem Ehrenvorsitzenden, Herrn Finanzminister a. D. Weber Exz., an der Spitze; bi- Begrüßungsansprache wurde von dem stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins, Herrn Militäroberpfarrer a. D. Strack, gehalten. Es erschienen ferner nahezu vollzählig die gesamte evangelische Geistlichkeit von Darm« stadt und Bessungen, Abordnungen der Vorstände des Evangelischen Bundes, der Schillerstiftung, des Vereins „Feierabend", des Evangelischen Arbeiter- und Handwerkervereins und der Privatmädchen-Arbeitsanstalt. Herr Präsident Buchner wußte auf sämtliche Ansprachen in seiner herzlichen, gemütvollen Weise zu erwidern. Von den zahlreichen Einzelpersonen, die zur Beglückwünschung gekommen, feien Herr Staäts- minister Rothe Exz. und Herr Justizminister Dr. Dittmar Exz., der zugleich namens des Justizministeriums gratinierte, die Herren Ministerialräte Dr. Breidert und Braun -vom Ministerum des Innern, Ihre Exzellenzen Staatsminister a. D. Dr. Finger, Wirkliche Geheimräte D. Goldmann und D. Hallwachs, Oberpostdirektor Meier und Präsident Lorbacher genannt. Ferner überbrachten verschiedene evangelische Dekanate des Grobherzogtums ihre Glüchwünsche; soweit sie nicht persönlich erschienen waren, hatten sie teils schriftlich, teils telegraphisch für sich und die evangelische Geistlichkeit .ihrys Dekanats gratuliert. Von den gegen 100 schriftlichen unb telegraphischen Beglückwünschungen, die eingetroffen waren, möge hier nur das Glückwunschschreiben der Theologischen Fakultät deg: Landesuniversität Gießen mitgeteilt fein, dessen Wortlaut folgender ist: „Hochverehrter Herr Präsident! Wie die ganze Landeskirche, so naht sich auch die Theologische Fakultät der Landesuniversität, Ihnen zu dem heutigen 70. Geburtstage ihre herzlichsten und aufrichtigsten Glück- und Segenswünsche darzubringen. Es ist uns eine große Freude und Genugthuung, an der Spitze der Landeskirche einen Mann zu wissen, der schon vorher in verschiedenen Lebensstellungen, so namentlich als Mitglied der Landessynode, die Interessen der Kirche mit großer Treue und Hingebung wahrgenommen hat, und derselben nunmehr den Schatz seiner reichen Erfahrungen zu gute kommen läßt. Möge Sie Gott der Herr noch lange zum Segen der hessischen Landeskirche in dem verantwortungsvollen Amte erhalten und möge auch fernerhin ein vertrauensvolles Zusammenwirken der kirchlichen Oberbehörde mit der Theologischen Fakultät die gesunde Entwickelung des Protestantismus in unserem Großherzogtum befördern helfen." Weitere Beglückwünschungen trafen ein von dem Predigersemi- nar in Friedberg, von dem Vorstand der Anwaltskammer und vielen ehemaligen Kollegen des Gefeierten aus dem Anwaltsstande, von dem Vorstande des Diakonissenhauses Elisabethenstift, vielen Geistlichen rc. Möchten alle die treugemeinten guten Wünsche in reichem Maße in Erfüllung gehen I Berlin, 1. November. Im Kultusministerium finden gegenwärtig Verhandlungen statt betreffend die Herabsetzung der Zahl der obligatorischen Unterrichtsstunden der Lehrer an den höheren Schulen von wöchentlich 22 bis 24 auf 18 bis 20 Stunden Bonn, 30. Oktober. Ein bemerkenswertes Urteil in Bezug auf die Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes der Lehrer fällte die hiesige Strafkammer. Ein Lehrer aus Neukirchen hatte einem 11jährigen Schüler, der den linken Arm dreimal gebrochen hatte, gewaltsam diesen Arm behufs Erteilung von Schlägen auf die linke Hand herunter gerissen. Der Knabe hatte hierunter wochenlang zu leiden. Da der Vater des Knaben den Lehrer ausdrücklich auf das Gebrechen des Sohnes aufmerksam gemacht hatte, so erfolgte die Anklage wegen Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes. Der Staatsanwalt beantragte 200 Mk. Geldstrafe ; die Strafkammer, welche das Verfahren des Lehrers als brutal bezeichnete, kam indes zur Freisprechung, da der Lehrer wegen körperlicher und geistiger Ueberanstrengung die Folgen seiner Handlung nicht habe übersehen können. Dieser Freisprechung lag das Gutachten eines hiesigen Nervenarztes zu gründe, der bett Angeklagten als Patient behanbelt hatte. Der Arzt erklärte vor Gericht, bet Beschulbigte, ber 75 Schulkinder in seiner Masse habe, sei wegen Ueberarbeitung in seinem Berufe in hohem Grade Nervenleiden d. Dasselbe treffe auf eine ganze Anzahl Schullehrer, die er behandelt, zu, die auch wegen der zu großen Schülerzahl in bedenklicher Weise nervenleidend seien. Kunst und Wissenschaft. — Hügelgräber in Hessen. In den beiden letzten Wochen wurden auf B-fehl des Großherzog« von H.ssen in der Nahe deS Jagdschlosses Wolssgarten durch Hosrat Kofler Ausgrabungen von Hügelgräbern vorgenommen, bei denen sich auch der Kaiser und die Kaiserin von Rußland mehrmals eifrig beteiligten. Die Arbeiten verteilten sich über zwei Gruppen von Hügelgräbern, wovon die eine östlich von Wolfsgarten in dem Forstdeztik Koberstadt, die andere südwestlich vom Schlosse in der Sensfelder Tanne gelegen ist. Am ersteren Orte wurde u. a. ein Grab von hervorragender Bedeutung geöffnet. ES enthielt die Skelettreste einer Frau, die um den chalS eine Kette von 38—40 Bronzertngen trug, die sich von unten nach oben der Reihe nach verjüngten und deren untere und obere Paare von Endrtngen je durch kleine Koppelrtnge miteinander verbunden waren. Unter dem Kopfe lagen acht weitere Ringe, deren Bestimmung noch nicht erkannt ist, und tn der Nähe eines jeden Ohres sand sich ein Ohrgehänge, das auS einem übergreifenden, vorn zugespihten Ring auS Bronze bestand, tn den zwei andere dünne Bronzeringe eingehängt waren. Ueber der Schulter stand eine schön bemalte Urne, an der Sette und zu den Füßen der Leiche hatten einige fein gearbeitete Schalen aus grauem Thon Aufstellung gefunden. Das Grab gehört, wie fast alle Gräber, die bis jetzt tn der Koberstadt geöffnet wurden, der Hallstattzett an. Am anderen Orte erregte nut der eine der beiden Hügel, dte'geöffnet wurden, ein erhöteS Jnteresie. Er batte einen Umfang von beinahe 85 m bei einer Hohe von 2,35 m. In seinem Innern fand sich, kreisförmig um den Mittelpunkt gelagert, eine 175 qm messende, 20—34 cm hohe Schicht schwarzer, aschehaltiger Erde, vermischt mit zahllosen kleinen, im Feuer zerstörten Knochen. Auf dieser Schicht, in der Mitt« des Hügels, lagen die Reste einer stark verwesten Leiche, rechts.davon ein gut erhaltener Bronzedolch tn seiner Holz- und Lederschelde, eine große Pfeilspitze aus weißem Quarz, ein sog. Schaber und verschiedene Späne aus Feuerstein. Links von ber Leiche sowie auch teilweise unter berselben würbe eine große Anzahl von Knochen größerer unb kleinerer Vierfüßler unb kleinerer Vögel vorgefunben, bie man bem Toten, vielleicht als Wegzehrung, mit ins Grab gelegt hatte. Der eig ntümliche Funb giebt zu vielen Vermutungen Anlaß, bie noch Gegenstanb ber Forschung bleiben. Mit Gewißheit tarnt man nur sagen, baß bas Grab ber mittleren Bronzezeit angehört unb baß wohl beinahe 8500 Jahre vergangen fein mögen, als trauernbe Verwanbte unb Freunbe ober gehorsame Leibeigene ben mächtigen Hügel über hem Verblichenen wölbten. Ob bie Reste von zwei Leichen, bie sich entfernt voneinander auf gleicher Höhe, etwa 1 Meter über bet Branbschicht vorfanben, gleich« zeitige Bestattungen ober sog. Nachbestattungen waren, wirb sich, ba die Leichen ohne Beigaben waren, nicht Nachweisen taffen. Geriäflssaal. Elberfeld, 31. Oktober. Mit einem MilitärbefreiungS- versuck halte sich die hiesige Strafkammer zu befassen. Der frühere Posthilfsbote August Wirths von Remscheid hatte sich dadurch von feiner Dienstpflicht, der er im 173. Infanterie-Regiment genügte, zu befreien versucht, daß er sich ben Körper mit Krotonöl einrieb, das die Eigenschaft besitzt, Bläschen mit eitrigem Inhalt hervorzurufen. Er wurde ins Lazarett geschafft, wo man in seinem Brustbeutel ein Fläschchen mit dem genannten Oel entdeckte. Die wettere Untersuchung förderte einen Brief zu Tage, in dem Wirths ferne Mutter bat, ihm noch ein Fläschchen mit dem Oel zu beschaffen und ihm in Butter versteckt zu schicken. Zugleich wurde ermittelt, mW das Oel von einer „Naturheilkundigen" Namens Benner, ebenfalls von Remscheid, verschrieben worden war. Wirths wurde vom Kriegsgericht zu sieben Monaten Festung, sowie zur Versetzung in dw zweite Klasse deS Soldatenstandes verurteilt. Er halte sich dadurch 111/1 Liiei|la, i« i«,1 In das Asel unterfertigten Ger Üd) btt MriM W&W Mb rinMzen, bab AusWatr v, 1899 M g nütgliede), nebe Ernst Müller, 5 Charlottenburg worben ist, und der Krina ferne beiden Direktoi Er von einem iN mit einet von zwei Prokin Gießen, am < Großh. Die Eheleute ""d Clisabe b. Ä S «2'-681 Sitten, am 28 Eroßh. A Worbte“ gegenüber Merode» agilere JI bie » LAG *Sä**S fcobt dem yuiur «.papptr Der Ä9er W US -M Professor Knuth mr Lunba'nsetn MUilgel Bnschtidmcr btt «mchtitzunz-. An unb beä wegen W sind bie Herren H Md Pros. vr. Gum deren musikalische" Pros. Dr. Naumai rufung des Prof. ber medizinischen Pol innere Medizin in 3‘ Matthes Übertragen ist ber Fortbestand bi lalischm Seminars ni Orientalisten 5. Sed ptogtam sechs stra «persisch und aradisi indische Sprachen, erteilung sind aus Lehrkräfte, wie Pro gewonnen. Bon der Stubierender Haie setzt worden. Die 300, darunter eine 'owenrfarfer&C1- M.2,50 6 Sieber (fr. Net Dr.ÜJerr SlM Statuierte, §}■• der zu. a ’■ HallAch?"Z"' Wirk^ ^ner',-??°stdireklor *iÄ Äjy® vet- ®aten, hatten ^^etSeifÄ3 schriftlich glichen und Ä^^Ianats J* w°rm, ^ Wäschen “ Ä-7»ft'5 Am "■Hälft* mbesfitdit eitmaZ 'S"'4' SSyp^S SÄftfe »?eS''Ä E52? '"bem verant- mit der Theologischen Protestantismus in unserem Groß- °sen em von dem Predigersemi- ond der Anwaltskammer und netten aus dem Amvaltsstande, von auseS Elisabethenstist, vielen Jemeniten guten Wünsche in reichem Kultusministerium finden gegen: Herabsetzung derZahl lchtsftunden der Lehrer -ntlich 22 bis 24 auf 18 bis 20 .erknswertes Urteil in Bezug auf .srechtes der Lehrer füllte die i Neulirchen hatte einem UsühttW 1 gebrochen hatte, gewaltsam diesen i aus die linke Hand herunter gt wochenlang zu (eiben. Da der Baier lch aus das Gebrechen des Lohnes te die Anklage wegen Ueberschremn; tsanwalt beantragte 200 Mk. M s Aersahren des Lehrers als W ^echung, da der Lehrer wegen kär- itanstrengung die Folgm^arn nen. Dieser Freisprechung lag bas ;qte§ zu gründe, der deft-Mk- te. Der Arzt erklärte vor Gericht er in seiner filoffe t/abt, sei wegen uft in hohem iSrade neroenleu nie An/ahl b-hu5ehrer, die er be- grotzen Schülerzahl in bedenklich« VMM. denen sicd auch per Wl ™ [8 dfdg beteiligten. Tue Forstdrzilk Äoberftapt, Sensielbtr M Jedeutuci )tab wn htt igco tlug, J“ w obereP«ai und beren untere ww bunbt ScppW *"£fle, 5 ärtfÄH** iÄs 6 Srab peholt, ® ’itttMj® -KK * . ,tn 1754° mir zahllol-k 1,1 “IÄ*.1 .»«*Z « .•“»stä»** iN*.««X5 MWß flrtef £Jbetn^e f«*ÖJ sichln M' Än’SLthe^i^ sA''"' Universität und Hochschule Handel und Verkehr. Volkswirtschaft (»ach in Umtausch gegen fclterieWerke) sowie alle andern Bücher liefert gegen Teilzahlungen von monatl. 3 M. an H. 0. Sperling, Buchhandlung, Stuttgart VIL Taner, Engländer und Franzosen. Auch ein Vertreter der deutschen i Fürstlichkeiten Prinz Heinrich XXXII. von Reuß (ältester Sohn des Prinzen Heinrich VII., des früheren deutschen Botschafters in Wien) rst unter den neuen Bonner Studenten. Der Rektor, Konfiftorialrat I Sieffert, ermahnte bei dem ersten Jmmatrikulationsakt die Studierenden unter Hinweis auf den letzten großen Spielerprozeß zur weisen Be- | Nutzung der Erholungsstunden, wie sie ihrer Stellung, ihrem Bddungs- : grab und ihrem künftigen Beruf entspreche, und beklagte es ber der zweiten Immatrikulation, daß es den Einjährig-Freiwilligen infolge ihres angestrengten Dienstes unmöglich sei, den Aufgaben des Studiums zu genügen, was zur Folge habe, daß die Militärzeit nicht mehr oder nur noch zum geringen Teile in das akademische Triennium 'oder Qua- drienmunv eingerechnet werde. Den übrigen Studierenden wurde die Arbeit in echt wissenschaftlichem Geist und nach wissenschaftlicher Methode, nicht nach schulmäßigem Zwang ober aus Examenfurcht, bringenb empfohlen. — In der philosophischen Fakultät hat sich am 27. Oktober als Privatdozent für Physik, insbesondere für physikalische Chemie, Dr. Alfred Heinrich Bucherer, habilitiert. Dr. Bucherer ist 1863 in Köln geboten; er studierte, nachdem er das Realgymnasium in Köln absolviert, an deutschen und amerikanischen Universitäten Physik und physikalische Chemie. Von seinen experimentellen Arbeiten sind aus den einschlägigen Lehrbüchern seine elektrolytische Methode der Darstellung des Aluminiums aus Schwefelalumiuium und seine Entdeckungleiner neuen Darstellungsmethode der letztem Verbindung bekannt. Theoretisch und experimentell erforschte er das wichtige Problem ber bireHen Erzeugung von elektrischer Energie aus bem Oxybationsprozeß des Kohlenoxydgases. I Sein Hauptwerk auf theoretischem Gebiet ist „Thermodynamik elektrochemischer Kräfte." K. Z. Aus dem Geschästslekeu. — Höchste Auszeichnung für Tortl. Auf der Ausstellung der Gesellschaft vom Blauen Kreuz in Wien unter dem hohen Protektorate Ihrer kaiserl. und königl. Hoheit der Frau Erzherzogin Mana Josepha zugunsten eines Kaiser Jubiläums Greisenheimes ist dem Toril Fleisch- Extrakt dis höchste Auszeichnung (Ehren-Diplom mit der Berechtigung zur Führung der großen Medaille mit der Goldpalme) verliehen worden. Kunst-Ausstellung. ausstellung im Turmhaus am Brand ist täglich von 11 bis 1 Uhr mittags mit Ausnahme des Samstags geöffnet, Mittwochs auch noch von 3 bis 5 Uhr nachmittags, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen. Eintritt für Niohtmitglieder an Werktagen 50 Pfg., an Sonn- und Feiertagen 20 Pfg. herauszureden versucht, daß er angab, daS Del gegen eine Infektionskrankheit angewandt zu haben. Verschiedene Aeußerungen feinen Kameraden gegenüber ließen aber den wahren Zweck mit Sicherheit erkennen. 2)ie weitere Folge war, daß gegen die Mutter des Wirths wie auch gegen die „Naturheilkundige" Anklagen wegen Beihilfe zur versuchten Militärbefreiung erhoben wurde. Die Naturheilkundige behauptete vor der Strafkammer, daß sie Wirths das Mittel gegen «ine Infektionskrankheit, von der er angeblich befallen war, gegeben habe, ohne feine wirkliche Absicht gekannt zu haben. Ebenso erklärte die Mutter, von dem Vorhaben ihres Sohnes nichts gewußt zu haben. Da beiden das Gegenteil nicht bewiesen werden konnte, erfolgte Freisprechung. ____________________________ „Henneberg-Seide“ — nur echt, wenn direkt von mir bezogen — schwarz, weiß und farbig, von 75 Pfg. bis Mk 18,65 per Meter. An jedermann franko und verzollt ins Haus. Muster umgehend.. 7326 G. Henneberg, Seiden-Fabrikaot (k. u. k. Hofl.) Zürich. Verkehr. In Wöllstein, Gumbsheim und Siefersheim kaufte das Kommissionsgeschäft von Friedrich Kaufmann, Wöllstein, etwa 30000 Viertel (i 8 Liter) Trebennost, welche per Eisenbahn nach der bayerischen Pfalz Verladung fanden. Es wurde für gute Ware 2—2,40 Mk. per Viertel bezahlt.fi Frankfurter Börse vorn 1. November. Wechsel auf New-York zu 4.19>/r-20l/r. Prämien auf Kredit per ult. November 1.95'’/, do. per ult. Dez. 3.202/ , Diskonto Kommandit per ult. Nov. 1.40’/ , do. per ult. Dez. 2 5O1/o, Lombarden per ult. Nov. 0.75%, do. per ult. Dee. 1.10’Vo, Staatsbahn per ult. Dez —.—o/o. Notierungen: Kreditaktien 230.90-231.10, Diskonto-Kom- mandit 191.80-192, Staatsbahn 141.80-40, Gotthard 143.20, Lombarden 32.50, Ungar. Goldrente 97.50, Italiener 92 80, Gprozentige Mexikaner —.—, 3proz. Mexikaner 25.70, Gestern Coupons 84*/z, Amerik. Coupons 4.181/«, Privat-Diskont 55/16 /0 G. l>/< bis 23/4 Uhr: Kredit 231.10-60 Diskonto Kommandit 192-192.60, Staatsbahn 141.50-142, Lombarden 32.30-50, Cazo Hegenschiedt--, Gestern abend bis 6'/< Uhr sollten Berliner Handelsgesellschaft 165.60 bez., Elektr. - Gesellschaft Schuckert 230 bez. notiert sein. Ernannt: Der außerordentliche Professor Dr. H Ambronn von der Leipziger Universität zum außerordentlichen Profeffor an der Universität Jena. Ambronn, der das Fach der Mikroskopie vertritt, rst zugleich als wissenschaftlicher Mitarbeiter in die bekannte Firma Karl rseiß in Jena eiNgesreten. — Der Privat-Dozent der Theologie Dr. B. Doerholt in Müßsiel zum außerordentlichen Professor. — Der ehemalige Präsident d'^8 Reichsversicherungsamtes, Geh. Rat Dr. Boedrker, im Hinblick auf sestie Verdienste um die Durchführung der Arberter- Versicherung von der Universität Göttingen zum Doctor medicinae honoris causa. Dem Präsidenten Dr. Boediker wurde schon früher der Ehrendoktor der Rechte und von der Universität Leipzig der Ehrendoktor der Phllosophie verliehen. . Habilitiert: Dr. Bucherer als Pnvatdozent für Chemie an der Universität Bonn. — Herr Dr. Wilhelm Köhl aus St. Johann a. b. Saar als Privatdozent für Chemie in der mathematisch-natur- w>si-n,ch°Itlichm F°!ul»I d^Um°--sttll Str-chburg^ E 3^ I Q Gründers, > N°°,mb.r. Uns°r° j-d-n S°mA-g st°ttfi"d°nd-n I ............«... -.«»»»i- “ k?» cr Fortbestand des Anfangs d. I. in München gegründeten orten- I stützung bis setzt nicht gewährt wurde. — Wie alliährlich um dwse Zeit, talischkn Seminars nunmehr gesichert. Das von Dr. Knorr und dem I so ist auch diesmal wieder auf den Samstagemärkten viel Weißkraut Orientalisten S. Beck ins Leben gerufene Institut weist in seinem Lehr- I zum Verkaufe ausgeboten. Dass^be wird meistens von Landwirten der ( „ {„roHitirfip flrfitpiiHnnpn mit in beren ie zwei türkisch, I Gegend, besonders aus den mach der „Rabenau hin gelegenen Ort- Hnb^nrabiftb^ iKlefnt wird^ Projektiert sind Lehrgänge für ! schäften, zu Markt gebracht. Auffallenderweise werden die Häupter nicht indische Sprachen ^ChÄch unb^Sapa^ nach dem Gewicht, sondern per Hundert verkauft Die Preise sind ver- sind ^»Ub-r EiV°r°n°n be? bet-. Sinber h--°°r-°g7nbe MmSmSßig g--ing. D->s hundert loste, durch,chn.ttl.ch °..r b.s Lehrkräfte, wie Pro,, vr. A. Führer unb J-m-S §. Wiglesworth, fünf 3, $ie Witterung der letzten S-wonn-n^ Universität Soun. Die Einschreibungen neuer Oftoberwoche Hut die Trauben in ihrer Reife aub-rorb-ntftchg-fdrdert, nm 9R nftnbTr beaonnen 'unb sind am 25 sortge- so daß die Nachteile des naßkalten Septemberwetters wieder ausge- ^Die r^abl der Neuangemeldeten beläuft sich auf ungefähr glichen find. Die Weinlese geht, begünstigt von der überaus schonen 300, darunter eine größere Zahl Ausländer, namentlich Nusfeh, Ameri- | Witterung, rasch von statten. Im Mosttrebergeschäfte herrscht reger Gebackene Lahnfische Freitag Abend 6977 Schotts Weinstube. frankfurter WiirWu, Gothaer Cervelatwurst in neuer, feinster Ware empfiehlt 7004 Emil Fischbach. Feinsten Ltierflirai I in Flaschen I ä Mk. 0,40, 0,60, 1,— u. 1,40, I sowie ausgewogen I empfiehlt die 7480 I Löwen-Drogerie von W W. Kilbinger. Bester Mittagstisch ÜÄÄ! im cSowen. 7506 Täglich frisch: Has im Topf. Apfelmost empsiehlt 7621 Carl Reh, Wagengosse. Pkima Sptisekartoffklu zu haben bei 03895 Oekonom Kitz, Marburgerstraße. Pa. CoM-brkf feinstes ger. 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(Referent: Name wird noch bekannt gegeben, wahrscheinlich aber Herr Oberst Spohr.) Die Gemeindenutzungen an den Kreisstraßen. (Referent: Bürgermeister Meyer-Gcoßen Buseck.) Zutritt haben nur die Mitglieder und die vom Vorstand ein- Versteigerung: Eine große Partie Brennholz; ca. 400 P.'troleumfässer, die sich vorzüglich zu Waschbütten und Jauchefäsiern eignen; ca. 50 Thüren; eine große Anzahl eichene Gartenpfosten; eine große Anzahl alte Bretter und dergleichen. 7744 geladenen Gäste. Langsdorf, den 31. Oktober 1899. 7733 Der erste Sprecher: Köhler, Bürgermeister. Aürgermeifier Konferenz für den Kreis Gteste« am Samstag den 4. Movemöer, nachmittags 3 Mr, zu Gießen im Gasthaus zum Löwen kust). Versteigerung. Durch den Abbruch der Beuuer'fcheu Badeanstalt in Gießen (Lahnftraße) kommen am Freitag fern 3. November, van nachmittags 2 Uhr ab, Frankfurt a. SR., Kaisertr. 77. 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Hirzenhain und Lollar" zu Lollar eingetragen, daß durch Beschluß des AuisichtSratS vom 30. September 1899 zum Direktor (Vorstands- mitgliede), neben Dirrklor Steinecke, Ernst Müller, Techniker, zur Zeit in Charlottenburg wohnhaft, bestellt worden ist, und daß die Zeichnung der Firma fernerhin gültig nur von beiden Direktoren gemeinschaftlich oder von einem Direktor in Gemeinschaft mit einem Prokuristen, oder von zwei Prokuristen erfolgt. Gießen, am 30. Oktober 1899. Großh. Amtsgericht. Neuenhage n. 7755 Kekanntmachung. Die Eheleute Heinrich Karpf und Elifabetha geborene Wießner zu Gießen haben durch Vertrag vom 28. l. Ml», völlige Gütertrennung vereinbart. Gießen, am 28. Oktober 1899. Großh. Amtsgericht. Wiener. 7756 In drm Gehöfte des Gg. Müller zu Dutenhofen, Haus Nr. 141, ist die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden. Gehöftsperce ist angeordnet. L™ Krofdorfs den 1. November 1899. 7749 'm Der Bürgermeister. Bettfedern und 7344 Daunen in jeder Preislage billigst bei C. 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