1,5 Niim 98/99). WÄ? »■ rt L rct* 1899. jjiL* tf* ght-Seife. ght-Seife. ght-Seife. ght-Seife. ]ht-Seife. cht. >bln Leittzürch unb Brem- per Stück 35 unb 40 Psg. ! 75 Pfg. ne, Chliuder etc., sowie t D. R. P. änbig ausgeschlossen.------- ig. Faber. erWf 'M S*"e -nS? s&g; ttifä.**- 7894 ,er’ Der Freischatz. itrnlhe 3 Mio «i'na • j eafltn^ rff- * -— BWtbJ— ■ OltHRUTül )O Uh3 20 PF€NNll.t| Do«/*- heriinMM I Aeorganislert M- ■ 'm, aOstl iÄfe-SSl LV--- rS>/M\ Rr. 259 Erstes Blatt. Freilag den 3 November 18f>9 Erscheint täglich mit Ausnahme bt8 Montag«. Die Gießener Aamillenotätter werden dem Anzeiger »vchentlich viermal beigelegt. Meßmer Anzeiger AZt)ugspreks vierteljährlich 2 Mark 20 Psi, monatlich 75 Ps^. mit Bringerlohn Bei Postbezug ' 2 Mark 50 Psg. vierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu der nachmittag« für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« vorm. 10 Uhr. Heneral-AnMer Alle Anzeigen-BermittlungSstellen de« In- und Auslande» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Amts- und Anzeigeblntt für den Tireis Giefzen. Redaktion, Expedition und Drttckerei: Schnkstraße Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klütter für hessische UolbsKunde. Adresse für Depeschen: Nnzelger chieße«. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Eetl. Gießen, den 1. November 1899. Betr.: Feier des Geburtstages Seiner König!. Hoheit des Großherzogs und Ihrer König!. Hoheit der Großherzogin. Die Grotzh. Kreis-Schulcommission Gießen au die Gchulvorftävde des Kreises. Wir beauftragen Sie, rubr. Feier am 25. ds. Mts. in der seither üblichen Weise in den Ihnen unterstehenden Schulen feiern zu lassen. v. Bechtold. Bekanntmachung. betr.: Maul- und Klauenseuche. In Annerod ist in sechs Gehöften die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Sperre dieser Gehöfte sowie der Gemarkung verfügt worden. Danach unterliegt der Verkehr mit Rindvieh, Schweinen, Schafen und Ziegen folgenden Beschränkungen: Das Durchtreiben derselben von außerhalb durch Ort und Gemarkung ist verboten. Die Einfuhr von solchem Vieh über die Gemarkungs- grenze in dem gesperrten Ort ist nur zum Zweck sofortiger Abschlachtung gestattet oder für den Fall, daß es in der Gemarkung verbleibt. Die Ausfuhr ist ebenfalls nur zum Zwecke sofortiger Abschlachtung mit schriftlicher Erlaubnis der Bürgermeisterei Annerod auf Grund einer Aeußerung des Großh. Kreisveterinärarztes zulässig. Wer ein Stück Vieh an einen auswärtigen Metzger oder ein Schlachthaus liefern will, muß also zunächst die Untersuchung durch den Großh. Kreisveterinärarzt veranlassen, und wenn danach der Ausfuhr kein Hindernis im Wege steht, einen Erlaubnisschein der Großh. Bürgermeisterei lösen. Bei dem Transport muß er diesen Schein, der eine dreitägige Gültigkeit hat, mit sich führen und die vorgeschriebencn Transportbedingungen genau beobachten, auch der Polizeibehörde (Bürgermeisterei) des Empfangsorts Nachricht geben. Auf Antrag der Bürgermeisterei wird von uns im Bedürfnisfalle angeordnet, daß der Großh. Kreisveterinär- arzt sich wegen Ausstellung solcher Bescheinigungen an einem bestimmten Lag wöchentlich, der ortsüblich bekannt zu machen ist, dienstlich einfindet. Die Sperrmaßregeln bezüglich verseuchter Gehöfte oder Weiden bleiben daneben bestehen. Im übrigen können Klauentiere aus nicht verseuchten Gehöften innerhalb der gesperrten Gemarkung zur Feldarbeit benutzt oder auf die Weide getrieben werden, nicht aber über die Gemarkungsgrenze hinaus. Ebenso können der Ansteckung verdächtige Tiere zur Feldarbeit innerhalb der Gemarkung benutzt werden; das sind solche Tiere, bei denen wegen des Zusammenstehens mit kranken Tieren im selben Gehöft oder Stall oder wegen Berührung mit krankem Vieh in irgend einer Weise die Vermutung besteht, daß sie angesteckt worden sind. Wer Grundstücke oder Anlagen in einer anderen Gemarkung besitzt, muß dieselben entweder durch Pferdegespanne oder aber durch Rindviehgespanne aus dieser anderen Gemarkung besorgen. Jede Weggabe von Milch aus der gesperrten Gemarkung darf nur nach vorheriger Abkochung erfolgen; ausgenommen, wenn die Abgabe an eine Molkerei erfolgt, welcher das Verbot der Abgabe ungekochter Milch zugegangen ist. Ausfuhr von Dünger, Rauhfutter und Stroh aus den Seucheställen des Sperrgebiets ist verboten. Gießen, den 2. November 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. * Burenstreiche. Fast wie eine Siegesdepesche vom 1870er Kriegsschauplatz hat die amtliche Nachricht aus Ladysmith, mit der General White nach London melden mußte, daß dieBuren 4=2 Offiziere und 2000 Mann der englischen Besatzung bei deren erstem Ausfall zu Gefangenen gemacht haben, in deutschen Landen gewirkt; sie hat ehr- lüche, beinahe enthusiastische Freude geweckt. Das ift ein Handstreich, wie ihn die Geschichte der Strategik nicht oft -M verzeichnen hat. General White sah sich mit samt den zersprengten Resten der Brigade des Generals Aule so eng in Ladysmith umschnürt, daß er alles auf die eine Karte eines verzweifelten nächtlichen Vorstoßes zu setzen und die Buren in einer, wie er selbst zugiebt, unhaltbaren Stellung anzugreifen gezwungen war. Die Niederlage, die er sich geholt, ist eine schwere und gründliche. Außer den 2000 Gefangenen haben die Engländer noch einen beträchtlichen Teil ihrer Geschütze verloren, mit denen angeblich die Maultiere, 1500 an Zahl, durchgingen, die aber, wenn man den White'schen Euphemismus in gewöhnliches Deutsch übersetzt, wahrscheinlich von den Buren erobert worden sind. Merkwürdig ist es zum mindesten, daß die Engländer die Esel nicht von den Geschützen abschirren, wenn diese feuern, und von einer feuernden Batterie spricht doch der Telegraph. Was der Kampf vor Ladysmith den Engländern außerdem an Toten und Verwundeten gekostet hat, darüber schweigt das Bulletin White'S oder die Vorsicht des Londoner Kriegsamtes vorläufig noch. Sie werden gewiß keine geringen gewesen sein. Private Meldungen schätzen sie auf mindestens tausend Mann. Auch der ganze Wagenpark ist verloren. Wir müssen gestehen, daß wir mit der gesamten deutschen Presse auf Grund der lediglich aus englischer Quelle stammenden Nachrichten vom Kriegsschauplatz bisher nicht geglaubt hatten, daß die Buren vor Ladysmith so rasche Erfolge erzielen würden; ja man hatte sich schon mit dem wenig erhebenden Gedanken vertraut gemacht, daß die angeblich weit überlegene Artillerie der Engländer und die musterhafte Verproviantierung der Stadt Ladysmith die Buren so lange in Schach hallen würde, bis das noch auf dem Ozean schwimmende englische Armeekorps den Fuß auf den afrikanischen Boden gesetzt haben würde. Nunmehr hat es allen Anschein, daß der kühne Wagemut und die energische, aus dem Vertrauen auf eine gerechte Sache unversiegliche Kraft schöpfende Initiative der Buren über Ladysmith, General White und Aule rasch zur Tagesordnung übergehen, d. h. den Weg nach Durban und der Küste sich freimachen werden. „Wir wollen den Engländern zeigen, wie rasch wir sie ins Meer treiben", sagte ein Burenführer, als der erste Schuß in Natal gefallen war. Er kann recht gehabt haben. Hat Ladysmith einmal kapituliert, oder hat seine Besatzung sich nach Durban „rückwärts konzentrieren" müssen — wenn das überhaupt noch möglich ist —, dann kommt das englische Armeekorps, von dem man Wunderdinge erhofft, zu spät; denn dann findet es den Schienenweg Durban- Prätoria zerstört, dann muß es mühsam, unter dem Feuer der Buren rechts und links, in unwegsamer Gegend sich vorwärts winden, dann wird ihm erschreckend rasch der Proviant ausgehen, dann werden Mafeking und Kimberley gefallen sein, und dann werden aller Voraussicht nach auch die Holländer der Kapkolonie sich unter dem Eindruck der buri- schen Siege erhoben haben. Es kann ja — das Kriegsglück ist schwankend und ungewiß — auch anders kommen, aber selbst wenn der Krieg mit der Erdrückung des kleinen Burenvolkes enden sollte, er wird doch so viele Helden- thaten des um seine Freiheit kämpfenden deutschen Bruderstammes zu verzeichnen haben, daß der Untergang der beiden südafrikanischen Republiken noch manches Dichters Mund zu verherrlichender Epopöe begeistern wird. Was den letzten, den genialen Handstrich von Ladysmith anlangt, der die strategischen Fähigkeiten des Generals White in nichts weniger als glänzendem Lichte gezeigt hat, so liegen uns noch folgende Meldungen vor: London, 31. Oktober. Die Abendblätter veröffentlichen folgende Drahtnachricht aus Ladysmith: Gestern abend vor Dunkelheit nahmen die Buren ihre alte Stellung wieder ein. Ihre schweren Geschütze, von denen man angenommen hatte, sie wären zum Schweigen gebracht, eröffneten wiederum das Feuer auf die Stadt. Der Feind umschließt wieder die englische Stellung. Der gestrige Rückzug der Buren war lediglich eine List, um General White vom Lager ab in die hügelige Gegend zu ziehen. Die Lage flößt Besorgnis ein. London, 31, Oktober. Die Abendblätter geben ihrem Schmerze über das unerhörte Unglück in Südafrika Ausdruck, wollen jedoch bis zum Eintreffen genauerer Mitteilungen mit ihrem Urteil über dasselbe zurückhalten. Obwohl sie ^die Größe des Unglücks einsehen, suchten sie jede ungebührliche Aufregung über die Wirkung desselben abzuwenden und meinen, daß der Verlust von 2000 Mann das Endergebnis nicht beeinflussen könne. Die Engländer seien entschlossen, koste cs, was es wolle, ihre Suprematie tatsächlich aufzurichten. Aus Kap stadt wird gemeldet, daß der höchstkommandierende General Sir Redvers Buller, auf den man nunmehr alle Hoffnung setzt, dort den Gegenstand großer Ovationen gebildet hat. Bei seiner Ankunft bewegten sich riesige Volksmengen in den Straßen und am Hafen. Der Empfang war die großartigste Demonstration, welche je in Kapstadt stattgefunden hat. Wildes Geschrei der Volksmenge begann, als Buller landete und das dauerte fort, bis er im Negierungsgebäude angekommen war. Er fuhr in offenem Wagen schnell durch die Straßen. Unterdessen schließen sich auf dem westlichen Kriegsschauplatz verschiedene holländische Einwohner von Betschuanaland jetzt offen den Buren an. Als die transvaalische Fahne in Vryburg gehißt wurde und 1300 Buren offiziell von Vryburg Besitz nahmen, sagte der Kommandant Delarev in einer Rede: Die Fahne der Republik wehe jetzt über dem ganzen Gebiete nördlich des Oranjeflusses, und die englische Fahne werde dort nicht eher wieder wehen, als bis sie über den Leichen der Buren gehißt sei. « ♦ * London, 1. November. Aus Durban wird telegraphiert, daß auch der zweite Angriff der Buren bei Lady - smith mit der Zu rückwerf ung der Engländer endete. Deren Verluste sollen ungeheuere sein, da sie von den Buren durch einen scheinbaren Rückzug in ungünstiges, mit Hügeln durchsetztes Gelände gelockt worden waren. Die schweren Geschütze der Buren verwüsten jetzt die Stadt, sowie das englische Lager durch wohlgezielte Granatschüfse. Die Stellung des Generals White soll unhaltbar sein. — Wie weiter gemeldet wird, dauerte der Artilleriekampf am Dienstag Abend noch fort. Rach einem Telegramm des Generals White beläuft sich die Stärke der gefangenen Bataillone auf nur 1000 Mann. Diese ergaben sich, weil sie ihre Munition ganz verschossen hatten. — Die plötzliche Unterbrechung der östlichen Kabclverbindung zwischen der Delagoabai und Mozambique wird von sachkundiger Seite auf die Zerstörung des Kabels durch die Buren zurückgeführt. Um den Verkehr auf de« westlichen Kabel bewältigen zu können, soll die Wortzahl, die jeder der Kriegskorrespondenten expediert, beschränkt werden. London, 1. November. Aus Ladysmith wird die Ankunft der Marinetruppen vom Kreuzer „Powerful" mit zwei weiteren sechszölligen Schiffsgeschützen gemeldet, mit denen alsbald ein wirksames Feuer auf die Buren eröffnet wurde. Loudon, 1. November. Ueber die Schlacht bei Ladysmith wird noch berichtet, daß dieselbe mit der Zu - rückwerfung des Generals White nach Ladysmith endigte. Die Verluste der Engländer sind sehr bedeutend, da sie von den Buren durch einen scheinbaren Rückzug in ein mit Hügeln durchsetztes Gelände gelockt worden waren, wo sie dem Feuer der in gedeckter Stellung befindlichen Buren ausgesetzt waren. Loudon, 1. November. Aus Ladysmith liegen keiner lei Nachrichten vor. Der Telegraph schweigt vollständig; nicht einmal Verlustlisten sind bekannt geworden. Die Eensur arbeitet mit verdoppelter Kraft. Brüssel. 1. November. Dr. Leyds hat den englischen Kriegsmini st er gebeten, ein Telegramm na ch Prä 1 oria durchzulassen, worin er Auskunft über die Verluste der Buren verlangt. Er hat eine zusagende Antwort erhalten. (Siehe weiteres unter „Ausland" und „Neueste Meldungen".) Loudon, 1. November. Heute wurde ein Kabinetts- rat einberufen, um über die Lage infolge der Katastrophe bei Ladysmith zu beraten. Einer Dubliner Meldung zufolge, ist der Vizekönig von Irland dazu hierher berufen. In Anbetracht der in Irland herrschenden (Währung infolge der Gesängennahme der irischen Füsiliere ist die Ankunst des Vizekönigs nicht ohne Bedeutung. Deutsches Weich. Berlin, 1. November. Der Kaiser hörte heute vormittag den Vortrag des Chefs des Civilkabinetts, v. LukanuS, und wohnte um 11 Uhr mit der Kaiserin der Grundsteinlegung der Kapelle des großen Militär-Waisenhauses zu Potsdam bei. — Ueber den bevorstehenden Besuch des Zarenpaares in Potsdam verlautet heute in amtlichen Kreisen, daß die Ankunft des Zarenpaares voraussichtlich Samstag erfolgen wird. Auf Wunsch des Zaren unterbleibt jeder offizielle Empfang, wie überhaupt der ganze Besuch einen lediglich privaten Charakter tragen soll. Der Aufenthalt der russischen Gäste dürfte nur von kürzester Dauer sein, vielleicht nicht viel länger als eine Stunde. Dann erfolgt die Weiterreise nach Skiernewice. — Nach dem „Reichs-Anzeiger" wird der Kolonialrat bereits am 9. November, vormittags 10 Uhr, im Reichstagsgebäude zu einer Sitzung zusammentreten. — Wie offiziell bestimmt ist, wird Ende November oder Anfang Dezember die Kommission für Arbeiterstatistik zu einer neuen Sitzung unter dem Vorsitz des Nnterstaatssekretärs Fleck zusammentreten. — Gegenüber anders lautenden Meldungen teilt die „Post" mit, daß der Militär-Attache bei der deutschen Botschaft, Hauptmann Freiherr v. Lüttich sich in den nächsten Tagen gleichzeitig mit den Bevollmächtigten anderer Staaten nach dem südafrikanischen Kriegsschauplätze begeben wird. — Wie die „Post" von unterrichteter Stelle hört, ist dort von der Absicht des Staatssekretärs v. Podbielski, in Stuttgart und München Besprechungen zwecks Einführung einheitlicher Po st Wertzeichen für das Deutsche Reich abzuhalten, nichts bekannt. Freiherr v. Podbielski begiebt sich nur zur Eröffnung der Fernsprech- Linie Berlin-Stuttgart nach Stuttgart. — Der Etat der Reichs-Post- und Tele- graphen-Berwaltung für 1900 ist fertiggestellt und dem Reichsschatzamt übermittelt worden. — Die vom Verein zum Roten Kreuz zur Unterstützung für Transvaal ausgerüstete Sanitäts-Kolonne wird unter Führung des Stabsarztes Dr. Matthiolius am 8. November von Neapel abgehen. — Die Sozialdemokraten Weimars wollten am 4. November Massenversammlungen im ganzen Großherzogtum abhalten mit der Tagesordnung: „Was erwarten wir vom Landtag?" Der Lavdesausschuß der Partei erklärt aber heute, er nehme davon Abstand, weil die Versammlungen nach dem neuen geheimen Ministerialerlaß doch verboten werden würden. Der Zweck der Versammlungen werde trotzdem, also durch stille Agitation, erreicht werden. Der angebliche neue Erlaß an die Bezirksdirektoren soll dahin lauten, daß die Sozialdemokratie in entschiedener Weise bekämpft werden solle. In letzter Zeit durften jedoch wieder sozialdemokratische Versammlnngen stattfinden. Dresden, 1. November. Die heutigen Berichte über das Befinden des Prinzen Friedrich August lauten verhältnismäßig günstig. Es wird wohl noch einige Zeit vergehen, bis die Uebersiedelung des Patienten von Kalkreuth nach dem hiesigen Taschenberg- Palais erfolgen kann. In letzterem nimmt morgen seine Gemahlin Wohnung. — Aus Württemberg wird der „Frankfurter Zeitung" geschrieben: In der Tübinger Wanderversammlung der Deutschen Partei sprach erst Professor Knapp-Tübingen über die allgemeine politische Lage, dann hielt Reichstagsabgeordneler Hieb er einen anderthalbstündigen Vortrag über die letzte Tagung des Reichstages. Der Redner war sichtlich bemüht, den liberalen Standpunkt seiner Partei hervorzukehren; er betonte gleich im Anfang seiner Ausführungen, daß diese „von der Reaktion nichts wissen wolle". Der größte Teil seines Vortrages war der Sozialpoltik gewidmet. Hieber ließ sich namentlich über die Zuchthausvorlage in einer Weise vernehmen, die wohl nicht bei allen Nationalliberalen Beifall finden wird. Er erwähnte die vernichtende Kritik, die der Entwurf erfahre, und stellte sich ausdrücklich auf den Boden Basser- mannS. Nach der Denkschrift sollte man meinen, wir hätten geradezu gesetz- und kulturwidrige Zustände, aber die jetzt üblichen Ausschreitungen könnten schon nach dem gemeinen Recht gehörig bestraft werden. Das Streikpostenstehen sei nicht schlimmer, als die Führung schwarzer Listen, und es hieße eine Rechtsungleichheit schaffen, wenn man jenes bestrafen und diese straflos laffen wollte. Der Streik sei wohl ein wirtschaftliches Uebel, aber es gebe auch berechtigte Streiks. Bismarck habe sich nach seiner Entlassung selbst gegen ein Eingreifen des Staates ausgesprochen. Die Vorlage mit ihren Kautschukbestimmungen sei geradezu schädlich und würde das Rechtsgefühl der Arbeiter zerstören. Redner verwies darauf, daß auch alle nichtsozialdemokratischen Arbeiter der Vorlage schroff ablehnend gegenüberstehen. Ihnen werde durch ein solches Gesetz der Kampf gegen die Sozialdemokratie geradezu unmöglich gemacht. Sie wollen sich gegen den Terrorismus selbst wehren — wo sind denn die Arbeitswilligen, die den Schutz der Zuchthausvorlage verlangt haben? Man könne eine große Politik nach außen nicht treiben, wenn im Innern das Vertrauen untergraben werde. „Sie sehen", erklärte der Redner nach dem Bericht des „Schw. M.", „ich stehe durchaus auf Bassermanns Standpunkt aus innerster Ueberzeugung. Und wenn eine gewisse Presse seit Monaten geradezu eine Hetze gegen B. treibt und neuestens gar davon redet, wir haben beim Wiederzusammentritt des Reichstages in 14 Tagen nichts eiligeres zu thun, als dieses Mannes uns zu entledigen, so werden wir diesen Wunsch nicht erfüllen; ich achte es für viel dringlicher, diese Presse, die sich an die Nockschöße der nationalliberalen Partei hängt und einen unerhörten Terrorismus ausübt gegen Arbeitswillige, d. h. gegen diejenigen, die an dem Werk positiver Sozialreform mit- und weiterarbeiten wollen, diesePresse von uns abzuschütteln. Was ist denn der Hintergrund des Gegensatzes? Es giebt Leute, für die die ganze soziale Bewegung nichts weiter ist als die frivole Anmaßung und Ausschreitung böser Buben, die man mit der Rute zur Ordnung bringen muß, für die die soziale Frage lediglich eine Macht- und Kriegsfrage ist, die mit eiserner Faust entschieden wird. Sie sind erst dann zufrieden, wenn ein neues Sozialistengesetz auf Zerstörung der Organisationen der Arbeiter hinarbeitet. Das sind die Scharfmacher: ein trefflicher Name, und eine sehr reale Größe. Die andern sehen in der sozialen Bewegung einen großen geschichtlichen Prozeß und Fortschritt, den Staat-Polizei nicht hemmen kann, und in den Arbeiter- Organisationen eine Notwendigkeit." Die soziale Frage sei nicht nur eine Macht-, sondern auch eine Rechts- und eine sittliche Frage; eine große Partei müsse entweder Sozialreform treiben oder sie werde untergehen. — Nach diesen Ausführungen Hiebers, die nach den Mitteilungen der Parteiblätter großen Beifall fanden, und gegen die niemand auftrat, sprach noch der Landtagsabgeordnete Gunßer über die Landtagsgeschäfte. AsslMd. Wie», 1. November. Heute mittag wurden Graf Goluchowski und der Ministerpräsident Graf Clary vom Kaiser Franz Josef in Audienz empfangen. Nachmittags hatte der Berliner Botschafter Szechenyi eine längere Konferenz mit dem Grafen Goluchowski, angeblich in der Angelegenheit der bevorstehenden Ankunft des Zaren und des Grafen Murawiew in Potsdam. Nachmittags 4 Uhr fand unter dem Vorsitze des Grafen Clary ein Ministerrat statt. Loudon, 1. November. Die gesamte Presse bespricht die Niederlage derEngländer beiLady- smith und ermahnt die Bevölkerung, den Mut nicht sinken zu lassen. Das englische Volk werde bereit sein, alle Opfer zu bringen, um sich einen endgültigen Sieg zu sichern. — Die „Times" sagen, jedes Opfer müsse gebracht werden. Wenn England sich in einen Krieg einlasse, so müsse es sich auf Niederlagen gefaßt machen. Es müsse kaltblütig bleiben und den Thäter in Frage ziehen, den es verantwortlich zu machen habe. Die liberalen und Transvaal-Blätter erklären, daß ihre Vermutung sich bestätigt hätte und daß, wenn die Buren augenblicklich Vorschläge zu Friedens-Unterhandlungen machen würden, diese auch in England kräftige Unterstützung fänden. London, 1. November. Der „Standard" richtet einen scharfen Augriff gegen die russische Regierung, indem er schreibt: „Daß es zu einer Verständigung der Kontinentalmächte behufs Intervention in der Transvaalkrise nicht gekommen ist, haben wir jedenfalls dem Petersburger Kabinett zu danken. Graf Murawiew ist weder müßig noch stumm gewesen. Er ist ein zu geschickter Diplomat, um sich auf schlüpfrigem Boden zu weit vorzuwagen. Aber es ist eine unbestreitbare Thatsache, daß er Schritte gethan hat, um verschiedene Staaten auf ihre Geneigtheit zu einem derartigen antienglischen Vorgehen zu sondieren." Paris, 1. November. Gestern abend verließen drei junge Leute aus Transvaal, welche sich zum Studium hier aufhielten, Paris, um sich in Marseille nach Südafrika einzuschiffen. Unter denselben befindet sich auch der Sohn des Staatssekretärs vr. Leyds. Beider Abfahrt wurden ihnen große Ovationen seitens der Studenten und der Bevölkerung dargebracht. Paris, 1. November. Die hiesigen Blätter beglückwünschen die Buren zu ihrem großenSiege bei Ladysmith. Der „Figaro" sagt, wir können über den Buren-Sieg nur befriedigt sein, nachdem wir die hochprahlende Rede Chamberlains gelesen haben. Die Buren siegten durch ihre Schlauheit und Ueberlegenheit, aber wir glauben trotzdem, daß sie auf die Dauer nicht werden widerstehen können. „Matin" beglückwünscht den General White wegen seines überaus ritterlichen Verhallens, in dem er die gesamte Verantwortung auf sich nahm, im Gegensatz zu französischen Generalen, welche bei Niederlagen andere Offiziere des Verrats beschuldigten. „Echo de Paris" schreibt, die Niederlage sei nur der Beginn großer Schlappen Englands. Wenn solch' ausgewählte Soldaten den Buren unterlagen, wie werde es dann erst denReserve- trupp en ergehen. Paris, 1. November. Unter dem Vorfitz des Afrika- Reisenden Dr. Monteil hat sich ein Ausschuß der Pariser Journalisten gebildet, um eine europäische Vermittelung zur Beilegung des afrikanischen Streites herbeizuführen. Paris, 1. November. Das „Echo de Paris" schreibt über den Aufenthalt des Grafen Murawiew in Paris, derselbe habe mit seiner Reise nach Frankreich bezweckt, dasselbe zu veranlassen, mit Deutschland und Rußland sich zu verständigen, um die Beilegung der südafrikanischen Schwierigkeiten zu erzwingen. Delcassv habe dies aber abgelehnt. Males und UroonyieUes. * Gießen, den 2. November. ♦* GeschichtSkalenVer. (Nachdruck verboten.) Vor 105 Jahren, am 3. November 1794, wurde zu Cummington der amerikanische Dichter William Cullen Bryant geboren, der fich den Dichtern des Mutterlandes würdig anretht. Er ist der Dichter des Stilllebens in der Natur und im Menschen („the agee“) und fand selbst In der eilten Welt wohlverdiente Anerkennung. B. starb am 12. Juni 1878 auf Long-Jsland. _______ ♦* November, der düsterste und darum der recht unbeliebte Monat des Jahres, hat begonnen. Die ihm durchschnittlich eigenen heftigen Winde, welche vielfach Regen- und Schneewolken bringen, bedingen eine unbeständige Witterung. Wenn er auch gestern freundlich und hell wie ein Sommertag begonnen, und auch heute die Natur im Sonnenglanze liegt, es kommen die Tage, an denen die Sonne nur selten ihre freundlichen Grüße zur Erde sendet. Der ganze Tag gleicht dann eigentlich einer großen Dämmerstunde, zumal in den Städten, wo vielstöckige Häuser de» Ausblick hindern. Die Novemberstimmung der Natur wird durch nichts verklärt. Was der Oktober begonnen, das setzt der November fort. Mit dem Rest der welken Blätter und den morschen Aesten und Zweigen räumt der November auf. In Garten und Wald sind die Wege dicht vom Laub bedeckt. Die mit Macht heranziehenden Wintergeister brause» im Windmonate, wie ihn Karl der Große nannte, durch die Lüfte. Kalte Regenschauer peitschen sie vor sich her, und in die dumpfen Akkorde mischt sich des Hifthorns Klang, der an die ftöhliche Jagd gemahnt. Nicht selten schüttelt gegen Ende des Monats schon „der Winter die greise» Locken, und Schnee fällt nieder in leichten Flocken. Wohl jedem dann, den eine kleidende Hülle und Wohlsein laben in frischer Fülle!" Armut und Krankheit empfinden dan» um so mehr ihre schlimme Lage. Doch neben diesem düstere» Bilde erstrahlt in dieser Zeit auch ein überaus glänzendes. Je dunkler die Tage draußen werden, umso verschwenderischer entfaltet der Mensch seine Zauberlichter in den prunkenden Konzert- und Ballsälen. Die Flut der Vergnügungen er- reicht in diesem Monat ihren ersten Höhepunkt im Winterhalbjahr, bis Todtenfestglocken uns wieder an den Ernst des Lebens gemahnen. Einen verklärenden Schimmer wirft auf diese trübe Zeit aber auch schon die Hoffnung auf baldiges Weihnachten. Unbewußt treten wir mit dem November ein in den offiziellen Beginn der Weihnachtssaison und ihres geheimnisvollen Treibens. Jetzt werden unbemerkt die Wünsche und Bedürfniffe von Vater und Mutter und sonstigen lieben Angehörigen ausgekundschaftet, die Inserate kluger Geschäftsleute, welche dem kauflustigen Publikum bei Zeiten ihre Waren anpreisen, aufmerksam durchgelesen, und dann geht es mit Lust und Liebe an die Weihnachtsarbeit, die unsere junge Mädchenwelt nun Tag für Tag bis hart an das Weihnachtsfest beschäftigt. So rauscht bei fröhlichem Thun auch die trübe Novemberzeit dahin, bis ein heller, schneereicher Dezember die traurigen, nebeligen Tage ablöst. * * * •• Militärdienstnachrichten. Winkelmann, Flath, Studierende der Kaiser Wilhelms-Akademie für das militär- ärztliche Bildungswesen, vom 1. Oktober d. I. ab zu Unterärzten des aktiven Dienststandes ernannt und ersterer beim 1. Großh. Feld-Artillerie-Regiment Nr. 25 (Großh. Art.- Korps), letzterer beim Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 angestellt. *♦ Gießener Volksbad. Der Besuch des Bades im abgelaufenen Monat Oktober hat gegenüber dem Vormonat wieder eine Zunahme aufzuweisen. Insgesamt wurden abgegeben 7682 Bäder gegen 6481 im Monat September, oder im Durchschnitt pro ganzen Badetag 270 Bäder gegen 231 im Monat vorher. — Der Besuch im einzelnen hat sich verteilt, wie folgt: Schwimmbad 4381 Männer, darunter 809 zu 10 Pf., 911 Frauen, „ 246 „ 10 „ Wannenbäder 1. Klaffe 169 Männer, 46 Frauen, „ 2. „ 509 „ 317 „ Dampf- und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 97 Männer, 5 Frauen, Brausebäder zusammen 1247. Die Personenwage wurde von 140 Personen benützt, dar Bad von 45 Personen besichtigt. ** Konzert in Steins Garten. Nächsten Sonntag nachmittag werden die durch ihre Leistungen hierorts bereits rühmlichst bekannten „Bockenheimer Husaren" (1. Hess. Husaren-Regiment Nr. 13) unter Leitung des Musikdirigenten Herrn E. Hecht, ein Konzert geben, auf das wir im Hinblick auf die früheren Erfolge auch an dieser Stelle (vgl. Inserat) empfehlend aufmerksam machen. ** Aus dem Theaterbureau. Das seit Wochen als ix Vorbereitung angesetzte Shakespearesche Schauspiel: „Ein Sommernachtstraum" kommt nunmehr in sorgfältiger Einstudierung und auSgestattet mit neuen Kostümen, neuen Dekorationen und prachtvollen Beleuchtungseffekten, morgen Freitag zur Erstaufführung. Die zu dem Stück geschriebene Musik von Mendelssohn-Bartholdy wird von verstärktem Orchester ausgeführt. Die Vorstellung findet trotz der hohen Ansstattungskosten doch im Abonnement und ohne Preiserhöhung statt. *» Polizeibericht. In der Nacht vom 31. Oktober auf 1. November wurden dem Fellhändler Simon Nußbaum dahier von ruchloser Hand 6 Bienen st öcke, welche derselbe in seiner Trockenhalle in dem Neustädter Feld aufgestellt hatte, vollständig demoliert. Auch das Bienenhaus wurde erheblich beschädigt. Teile der Bienenstöcke wurden auf dem angrenzenden Acker aufgesunden. Die Thäter konnten bis jetzt nicht ermittelt werden. Kassel, 31. Oktober. In Hedemünden an der Werra ist vorgestern ein mit vier französischen Lustschiffern besetzter Ballon gelandet. Wie die Herren, Mitglieder des Aöro-Klubs in Paris, erzählten, wären sie am Samstag nachmittag gegen 5 Uhr in Paris aufgestiegen, erreichten bald eine Höhe von 3000 Meter, wurden aber vom Sturm mit solcher Geschwindigkeit ostwärts getrieben, daß sie sich nicht mehr orientieren konnten. Da außerdem eine dichte Nebelschicht die Erde bedeckte und der Sturm ein unbeschreibliches Getöse verursachte, glaubte» sie sich über dem Meere zu befinden. Sie wollten sich darüber vergewissern, gingen tiefer und beschlossen, als sie festen Boden unter sich sahen, zu landen. Die Herren waren von dem Entgegenkommen der Landleute in Hedemünden, die ihnen beim Verpacken des Ballons halfen, angenehm überrascht. Nachdem sie sich vom Ortsvorstand ihre Landung hatten bescheinigen lassen, fuhren sie am selben Abend nach Paris zurück. - ß6t<> 11 f tu dkl v ’ x d< »«"drri- ver SÄ s» rrsr biirfl «'N'** toeftot m «R iigung1” A* SA» Ew. H StrotoitlW’ la -machen Techmi 4 )u versichern, N neüj absurd erschien; Spitze abzubrechen, h>e geboten. Indem ich 6 diesem Schreiben den habe ich die Ehre J Steifensand, Polizeid» Eine begreif! der Berliner Ste hier und da aufget die Beschädigung di Racheakt deutscher lirnischer Arbei heute eine wGng W An * Berlin, l.A ist gegen eine! suchungshast ent * Muchen, können wir noch Verhaftungen, mi Leute handelt. Zommerzienri gleichfalls verhaft • Peters-iilg, Schachf-k'e/er ( goM iß wahn Hmnhaus ilberfiih • Boston, 3.3 Deutscher, dem er dittndvse hier Seldstmvr' durch den Rotf Grvlman. Eir ist den näheren s Grolman war 3! aus einer bekannt und Leipzig Jura >m Auswärtigen l *>** Sat ÜJortomi fanb et , Farbenfabrik. & y: »Vergeßt ^verwandten in $ ? ’<«»« mein j Groß SÄ1*' h»«tu«g d bei Woher btn? ^tUt toitb ? ,a««i Ä ? der @tot. »Mr brach» peitschen JttwJ durch t M beiL ot W hn im ®ft* «•* ÄÜ ^^biefembüftS n tanzendes. ÄVe««X ,„ ”’W|n n. «® »®«= t,Ä k'"®t"fl btl 'Men schimer wirft auf Hoffmnij auf baldige, tomtbitn^oDembereii MMUfnifon mb ihre, «t »eiben unbemerkt die 7°ter und Mutter und geknndschastet, die Inserate ^kauflustigen Publikum bei Merksam durchgelesen, und oe an die Weihnachtsarbeit, mn Tag für Tag bis hart st. So rauscht bei früh« ovembetzeit dahin, bis ein traurigen, nebeligen Tage * Dunkelmann, Flath, S-Nademie für das Militär- . Oktober d. I. ab zu Unter» - ernannt und ersterer heia lent Nr. 25 (Großh. 2rL- cie-Regiment Kaiser Wilhkla gestellt. Der Besuch des Bades ii r hat gegenüber dem &• e auszuweisen. JnsgrM Der gegen 6481 im Wal initt pro ganzen Subitaj >at oocher. - Der W l'e folgt: darunter 809 zu 10 M 246 „ 10 Mnnn, 40 ^tautn, n 611 , sowie Massage zusmm chmiW V üOÖ < % S^Ä *1 [1. on 140 Personen benützt, das te Stiftungen tarn* B°Le°h-i°>» W'“l ..13) u»t«W "Jg in Sonjert geben, erfolge (efpea«We AsngfiW t mit ntuen;Aen morg» Ie,eachli«S^ .chaekv Die » Sir«.» «h°^ btt* 01 Oktober m , »#• SStiS * in be® ba9$’rt 5$äT AMtzrK' S >.“■& «e Vermischtes. • Bon«, 1. November. Der Holzbildhauer Wilhelm Nou» aus Mainz, wurde hier unter dem Verdacht verhaftet, im Oktober 1898 die Elise Günther in der Hasenhaide zuBerlin ermordetzu haben. Nonn war nach dem Morde nach dem Auslande auSge- «andert. Er hat sich durch Erzählung von Einzelheiten Iber den Mord verdächtig gemacht. * Berli», 1. November. Von denDenkmälern der Siegesallee, welche bübische Hände verstümmelt haben, wurden einzelne abgeschlagene Teile gesunden. Frauen, die mit dem Zusammenkehren des Laubes beschästigt waren, entdeckten hinter dem Denkmal Friedrichs des Großen, also hart an der Charlottenburger Chaussee, einen Finger und einen Schwertgriff, Zeugen des Zerstörungswerkes, welche von den Vandalen hier weggeworfen wurden. — Der Rektor der Technischen Hochschule in Charlotten- burg versendet die Abschrift eines ihm von dem Polizeidirektor von Charlottenburg zugegangenen, die Beschädigungen an denDenkmälern in der Siegesallee betreffenden Schreibens mit dem Ersuchen, es zu veröffentlichen. Das Schreiben lautet: Charlottenburg, den 28. Oktober 1899. Ew. Hochwohlgeboren beehre ich mich unter Bezugnahme auf die mit meinem Vertreter gepflogene Rücksprache sehr ergebenst mitzuteilen, daß die von mir veranlaßten Ermittelungen in keiner Weife die Beteiligung von Studierenden der Königlichen Technischen Hochschule ergeben haben. Ich brauche nicht erst zu versichern, daß mir von vorne herein die diesbezügliche Preß- uotiz absurd erschien; um aber diesen grundlosen Verdächtigungen die Spitze abzubrechen, hielt ich eine amtliche Untersuchung des Vorfalls für geboten. Indem ich Euer Hochwohlgeboren ergebenst anheimstelle, von diesem Schreiben den Ihnen geeignet erscheinenden Gebrauch zu machen, habe ich die Ehre zu sein Euer Hochwohlgeboren ergebenster gez. Steifensand, Polizeidirektor. Eine begreifliche Erregung hat auch in den Kreisen der Berliner Steinmetzen und Steinbildhauer die hier und da aufgetauchte Vermutung hervorgerufen, als sei die Beschädigung der Denkmäler in der Siegesalle auf einen Racheakt deutscher Steinarbeiter wegen Bevorzugung italienischer Arbeiter zurückzuführen. Sie veranstalteten deshalb heute eine öffentliche Protestkundgebung zur Zurückweisung dieser Anschuldigungen. * Berlin, 1. November. Der bekannte SpielerWolff ist gegen eine Kaution von 15000 Mk. aus der Untersuchungshaft entlassen. • München, 31. Oktober. Zu unserer letzten Notiz können wir noch ergänzend mitteilen, daß es sich bei den Verhaftungen, mit Ausnahme einer Hebamme, nur um junge Leute handelt. Die Mitteilung anderer Blätter, daß ein Kommerzienrat und ein Buchdruckereibesitzer gleichfalls verhaftet worden seien, ist unrichtig. * Petersburg, 1. November. Der berühmte russische Schachspieler Eduard Schiffers, der Lehrer Tschi- gorinS, ist wahnsinnig geworden. Er wurde ins Irrenhaus überführt. * Boston, 3. November. Ein geistreicher junger Deutscher, dem eine schöne Existenz gesichert war, nachdem er bitterböse Erfahrungen in Amerika gemacht hatte, hat hier Selbstmord begangen, indem er sich eine Kugel durch den Kopf jagte. Der Selbstmörder war Hugo von Grolman. Ein direktes Motiv für die verzweifelte That ist den näheren Freunden des Verstorbenen nicht bekannt. Grolman war 35 Jahre alt und stammte aus Westfalen aus einer bekannten Familie. Er studierte in Göttingen und Leipzig Jura, machte seinen Doktor und war in Berlin im Auswärtigen Amt angestellt. Er bereitete sich für eine diplomatische Karriere vor, mußte aber wegen verschiedener mißlicher Vorkommnisse in der Familie auswandern. In Boston fand er endlich Stellung als Buchhalter in einer Farbenfabrik. Er hinterließ ein Schreiben, in welchem er sagte: „Vergeßt mich. Haltet die Nachricht vor meinen Verwandten in Deutschland geheim, falls möglich. Adieu, ich kann mein Leiden nicht länger ertragen." — Leider konnte die traurige That nicht geheim gehalten werden. Gingesandt. Großen-Buseck, 31. Oktober 1899. Geehrte Redaktion! Unter Bezugnahme auf das in Ihrer werten Zeitung vor mehreren Wochen veröffentlichte „Eingesandt", den Leichenwagen in der Gemeinde «roßen-Buseck betreffend, erlaube ich mir heute höflichst, Ihnen folgenden Sachverhalt, den Sie gefälligst zum Abdruck in Ihrem geschätzten Blatt bringen wollen, zu unterbreiten: Vor einiger Zeit faßte der hiesige Ortsvorstand den Beschluß, einen Leichenwagen für die Gemeinde anzuschaffen und sogleich wurde mit einem hiesigen Wagenbauer abgeschloffen. Der evangelische Geistliche bedauerte, daß in diesem Falle auch die Israeliten auf Benutzung des Wagens Anspruch erheben könnten. Er berief daher den Kirchenvorstand jur Sitzung, in der er fein Bedauern über die zu befürchtenden Unzuträglichkeiten aussprach. Man gelangte zu dem Schluffe, daß die Kirchenkaffe die Kosten des Wagens tragen werde. Diese Kaffe aber leidet, wie es heißt an einem nicht unbedeutenden Defizit; deshalb tagten sowohl seitens des Kirchenvorstandes als auch des Gemeinderates noch mehrere Versammlungen. Auf Ladung Großherzoglicher Bürgermeisterei erschien nun zweimal der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde, dem das erste Mal gesagt wurde, die Särge israelitischer Leichen seien bei Benützung des Wagens durch einen Schreiner vorschriftsmäßig anzufertigen, was auch gerne und willig angem mmen wurde. Beim zweiten Erscheinen wurde dem Vorstände folgende Bedingung zur Unterschrift vorgelegt: , „Der Leichenwagen wird nur bann von der politischen Gemeinde Übernommen, wenn die israelitische Gemeinde auf den alljährlichen Beitrag zur Bestreitung der Kosten des israelitischen Religionsunterrichts seitens der politischen Gemeinde verzichtet." Siefetp Ansinnen konnte jedoch nicht entsprochen werden. Es wurde deshalb der Wagen an eine hiesige Spar- und Leihkaffe abgetreten, obwohl aus der politischen Gemeindekaffe eine größere Zahlung für denselben an den Wagenbauer geleistet war. Die Spar- und Leihkaffe beschloß, den Leichenwagen, der sogar in einem Gemeindegebäude untergebracht wurde, zur Benützung in der israelitischen Gemeinde nicht herzugeben. Ist nun das Verhalten des Geistlichen, gerechtfertigt? Hat der Ortsvorstand, der zur Zeit auch bei den jüdischen Mitbürgern um Wahlstimmen anhielt und solche erhielt, der infolgedessen die Interessen der Juden auch zu wahren hat, nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt? Sind solche Vorgänge nicht anzufechten? Wie verlautet, soll diese geschilderte Thatsache Großherzoglichem Kreisamte bereits mitgeteilt worden sein. X. Arbeiterbewegung. M.-Kladbach, 30. Oktober. In der gestrigen Hauptversammlung des Christltchen Texttlarbeiterverbandes richtete der Vorsitzende die dringende Bitte an die Versammlung, keine neuen Forderungen zu stellen, bis die jetzigen Ausstände erledigt seien. Die Unterstützungskasse des Verbandes ist nämlich arg zusammengeschmolzen, sodatz die Beiträge erhöht werden mußten. Hieraus wurden folgende Beschluzanträge angenommen: „Die Versammlung beauftragt den Vorstand, Schritte zu thun zur Einsetzung einer Ver- mitilungskommission, die bei den ausbrechenden Ausständen als Ver- mittlungsinstanz angerufen werden tarn In derselben sollen die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter und die Arbeitgeber gleichmäßig vertreten sein. Ferner wird der Vorstand beauftragt, in Laufe des Winters durch Fragebogen eine Erhebung Über den Lohn und ArbeitSverbältnisse in M.-Gladbach und Umgegend zu veranstalten, sowie durch außerordentliche Beiträge, an denen sich die Mitglieder gleichmäßig zu beteiligen haben, einen Unterstützungssonds zu bilden." Aus einer mitgeteilten Statistik ging hervor, daß 19 Webereien die Löhne freiwillig aufgebessert haben, bei 13 Firmen trat eine Lohnaufbesserung erst nach erfolgter Kündigung fämtlicher Arbeiter ein, und in 5 Webereien kam es zu Ausständen. Schließlich teilte der Verbandsvorsitzende, der Wcber Decaat, noch mit, daß ihm gekündigt worden sei, weil er zu oft freie Zeit für die Verbandsarbeiten beansprucht habe; er wird jetzt vom Verbände unterhalten. Der Verband will die geg-nroärtlg in drei Webereien ausständifchen Arbeiter solange unterstützen, bis sie ih'.e Forderungen durchgesetzt haben. — In Viersen ist in drei Webereien, Korty u. Co., F W. Greeff und E. Keffelburg, der Zehnstundentag eingeführt worden. Mailand, 1. November. Die Angestellten des hiesigen Edifongefchäfts beschlossen heute nacht den Ausstand, da die Direktion sich weigerte, einen bei dem Personal unbeliebten Inspektor zu entlassen. Infolgedessen ruht gegenwärtig der g-samte Straßen- bahn-Verkebr in Mailand. Elberfeld, 31. Oktober. Der Zimmerer-Ausstand, der hier am 8. August ds. I. ausgebrochen ist, hat erst jetzt sein Ende erreicht. Die weitaus meisten Zimmerer hatten die Arbeit indes bereits vor längerer Zeit wieder aufgenomm-n. Die meisten haben die Forderungen der Gesellen, zehnstündige Arbeitszeit, Stundenlohn von 46 Pfg. und 100 Prozent Lohnzuschlag für Sonntags- und Nachtarbeit, bewilligt. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Freitag den 3. November, abends 8 Uhr, in der Stadtkircher Vortrag des Herrn Mrssionar Bohner aus Kamerun über die deutsche Kolonie Kamerun und die Ausgabe der Mission daselbst. Für die Baseler Mission werden freiwillige Gaben beim Ausgang aus der Kirche entgegengenommen. Die Mitglieder des Mrssionsnähvereins werden gebeten, nach dem Vortrag zu einer Besprechung in der Kirche zu bleiben. Gottesdienst -er israelitischen Keligiourgrsrüschast. Sabbathfeier am 4. November 1899. Freitag abend 4» Uhr, Samstaa vormittag seo Uhr, nach: mittag 8 Uhr, Sabbathausgang 6« Uhr. WochengotteSdienst morgens 7 Uhr, abends 4«> Uhr. Neueste Meldungen. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 2. November. Die Ankunft des Prinzen Heinrich in Kiel wird, wie von dort gemeldet wird, nach den neuesten Dispositionen am 3. April nächsten Jahres erfolgen. Berlin, 2. November. Nach einem den „Berl. Neuest. Nachrichten" aus London zugegangenen Telegramm verlautet in dortigen Hofkreisen, die Königin Viktoria werde am 21 November zn Ehren Kaiser Wilhelms bei dessen Anwesenheit in Windsor ein Kapitel der Ritter des Hosenband-Ordens ab halt en. Das letzte Kapitel fand im Jahre 1855 zu Ehren Kaiser Napoleons statt unter dem Vorsitz der Königin. Auch wird Kaiser Wilhelm nicht in Portsmouth, sondern am 20. November in Sheerneß em- treffen und sich von dort direkt nach Windsor begeben. DaS Blatt schreibt dazu: Wir geben obige Meldung wieder, ohne im Augenblick ihre Richtigkeit kontrollieren zu können. Kiel, 2. November. Auf Befehl des Kaisers wird der Stapellauf des Kreuzers A. auf der Kruppschen Germania-Werft am Geburtstage der Kaiserin Friedrich am 21. November stattfinden. Die Taufe vollzieht Senator Dr. Klug aus Lübeck. Wien, 2. November. Wie nunmehr bestimmt verlautet, sollen die Delegationen am 28. November einberufen werden. Innsbruck, 2. November. Wie verlautet, soll die Ernennung des früheren Ministers Baron Dipauli zum Statthalter von Tirol unmittelbar bevorstehen. Vom Kriegsschauplatz. London, 2. November. „Daily Telegraph" geht aus Ladysmith die Meldung zu, wonach die Buren in der Schlacht bei Glencoe 1300 Tote und Verwundete gehabt haben sollen. Dasselbe Blatt berichtet aus New-Aork, daß nur einige Blätter die Engländer wegen ihrer schweren Niederlage bedauern, während die übrigen mit ihrer Schadenfreude nicht zurückhalten. Loudon, 2. November. Aus Aldershot wird dem „Standard" telegraphiert: Eine vollständige weitere Division soll nach Afrika gesandt werden. DaS unterwegs befindliche Armeekorps umfaßt drei Divisionen, die je ungefähr 17,500 Mann stark sind. — Eine Meldung aus Portsmouth besagt, die ganze Reserveflotte soll mobil gemacht werden. Die Kreuzer „Sybill", „Latona", „Najad" und „Gladiator" seien bereit, binnen kurzem auszulaufen. Zwei andere Kreuzer sollen in der nächsten Woche ebenfalls in See gehen. Die Zahl der bei Glencoe gefangenen Husaren wird auf 88 angegeben. Um die Truppen möglichst früh in Afrika zu landen, ist mehreren Transportschiffen der Befehl zugegangen, nirgend anzulaufen, sondern direkt nach Kapstadt zu fahren, wo sie Befehle vorfinden würden. Hierdurch wird mindestens ein Reisetag gespart. Drei Regimenter sollen schon am 6. November am Kap eintreffen. Davon sollen drei Bataillone sofort nach Natal gehen. London, 2. November. „Daily Telegraph" ist der Ansicht, daß die erste Verstärkung für den General White inLadysmith nicht vor dem 15.November eintreffen wird. Wenn diese Truppen angekommen sein werden, wird der Oberst-Kommandierende General Buller genügend Mannschaften haben, um über Bloemfontein nach Prätoria vorzugehen. London, 2. November. Der Kriegsminister hat den Obersten Herbert zum Leiter der auswärtigen Militür- Attachös, welche die Ereignisse in Südafrika verfolgen wollen, ernannt. Die Attaches werden sich wahrscheinlich am nächsten Sonntag über Liverpool nach Süd- a frika einschiffen. Loudon, 2. November. Nach dem gestrigen Kabinettsrat fand eine Sitzung des Landesverteidigungskomitees statt, an der u. a. Lord Salisbury, Balfour und Lord Wolseley teilnahmen. London, 2. November. Lord Roseberry hielt in Edinburg vor den Offizieren eines Regimentes, welches sich nach Südafrika einschiffen sollte, eine Ansprache, in welcher er auf bie Lage der Engländer bei Ladysmith zu sprechen kam. Solche Ereignisse seien nicht dazu angethan, sagte Lord Rosebery, um die Engländer außer Fassung zu bringen. Der Krieg, den die Buren begonnen haben, kann uns noch mehr Offiziere und Mannschaften kosten, aber eins steht fest, daß der endgiltige Triumph unseren Waffen bleiben wird. London, 2. November. Das Kriegsamt erklärt, daß weitere Divisionen sich nach Südafrika einschiffen werden, um die gefallenen Engländer im Kriege zu ersetzen. Belgrad, 2. November. Hier wollten ehemalige Soldaten ein serbisches Freiwilligen-,Korps gegen Transvaal bilden und boten England ihre Dienste an, welche jedoch ab gelehnt wurden. Herren-, Knaben- und- Kinder-Garderobe. UtF Spezialität: Kinder-Anzüge. Anfertigung nach Maa#» in eigener Werketätte. 7640 Markus Bauer 11 Kirchenplatz 11 gegenüber der Stadtkirche. gegenüber der Stadtkirche. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Großen-Linden pro 1900/1901 liegt vom 4. d. Mts. einschließlich an während acht Tagen )ur Ein ficht und Entgegennahme etwaiger Einwendungen bei uns offen. Großen-Linden, den 2. November 1899. Großherzogliche Bürgermeisterei Großen-Linden. Leun. 7765 (hiptflilmiiKii Äsdt. .WchchNs. Freibank. 7699 Heute und morgen: Kllhßkisch 45 Psg. Frisch eingetroffen! la. Kieler Bücklinge per Stück 6 Pfennig empfiehlt 7746 Ph9 Herrmann, Seltersweg 33. □CÖCöPODOOaJQDöaOD Wildschweinbraten Freitagabend 7752 Schotts Weinstube, Bahnhofstraße. 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