Nr. 232 Erstes Blatt. Dicnsta« den 3. Ociober 1899 Gießener Anzeiger General-Anzeiger ÄSe Sftnj4ittn»9rnnci*6»|iTeia viertkljährlich U»«ach«e »•* Rn-eizen >u der nsch»rNs,K fit de» X*< erscheinenden Wammer Hf wer*. lt H*r. Bei Postbezug t Mark 50 vierteljährlich ertt tu8o*Nm< Montußs. ®*e »etzeaer morden dem »nzeigec »AchenNich »iermol teifcfeft Anrts- und Anzeigrblcrtt für den Ureis Gietzen. »Kresse für Depeschen: Anzeißer Fernsprecher Nr. 51. ■tUBte, »Spedition und Druckerei: Ach»tßr«»< Mr. 7. Grattrdeitage«: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, Klätter für hessische Volkskunde._________________ Amtlicher Wl. Bekanntmachung. Unter dem Rindviehbestande des Landwirts und Schmieds Schäfer zu Heskem, Kreis Marburg, ist die Maul- xnb Klauenseuche ausgebrochen und Ortssperre angeordnet worden. In Bergen, Usenborn, Dauern he im, Heegheim und Ober-Mockstadt, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftesperren angeordnet worden. In Gedern, Kreis Schotten, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die angeordnete Sperre aufgehoben worden. Gießen, den 30. September 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ______________ v. Bechtold. Bekanntmachung. Am Samstag dem 14. Oktober d. Js. findet bei dem Fasel stalle zu Großen-Linden eine Orts- scha« für die beide« Ortszuchtvereiue Großes- Liudeu und Allendorf a. d. Lahn statt. Der Auftrieb der Tiere beginnt um 8 Uhr und muß spätestens um 9 Uhr vollendet sein. Jedes Tier wird beim Auftrieb vom Großh. Kreisveterinärarzt von Gießen untersucht. Bullen müssen mit Nasenring versehen oder an den Vorderfüßen mit Fallseilen gefesselt sein. Es werden nur Herdbuchtiere zugelassen, die im Eigentum von Mitgliedern der beiden Zuchtvereine Großen-Linden und Allendorf stehen, eingeführte Tiere nur dann, wenn sie nach Bescheinigung der Großh. Bürgermeisterei bereits 6 Monate in der Wirtschaft des Ausstellers zur Zucht gehalten worden sind. Die Anmeldungen sind beim Vorsitzenden des betr. Zuchtvereins zu erstatten. Die Preisrichter sind vom Ausschuß des Zuchtvereins gewählt worden. Es sind nachstehende Preise ausgesetzt. In geeigneten Fällen können aus Mitteln des Kreiszuchtvereins kleine Wegvergütungen gewährt werden. Besucher aus verseuchten Orten und Viehhändler werden nicht zugelaffen. 1. Für Bullen: Ein 1. Preis ... 40 Mk. Ein 2. „ ... 25 „ Ein 3. „ ... 15 80 Mk. 2. Für Kühe mit höchstens 2 Kälbern: Ein 1. Preis ... 30 Mk. Zwei 2. Preise ä 20 Mk. . 40 „ Zwei 3. „ ä 10 „ . 20 90 Mk. 3. Für Kühe mit 3 und 4 Kälbern: Ein 1. Preis ... 30 Mk. Zwei 2. Preise ä 20 Mk. . 40 „ Zwei 3. „ L 10 „ . 20 „ 90 Mk. 4. Kalbinnen, erkennbar tragend: Ein 1. Preis ... 25 Mk. Drei 2. Preise L 15 Mk. . 45 „ Drei 3. L 10 „ - 30 „ 100 Mk. Außerdem können im ganze« «och 10 Anerkennungen mit ä 5 Mk. Aufmunterungsprämie vergeben werden . 50 Mk. Sa. 410 Mk. Gießen, den 30. September 1899. Der Direktor des Kreiszuchtvereins. Boeckmann._______________ * Vor dem Ausbruch des TrauSvaalkrieges. Gießen, den 2. Oktober 1899. Wie wir bereits am Samstag mitteilten, ist die Antwort der Transvaalregierung auf die letzten Depeschen des Lolonialministers Chamberlain bereits abgegangen; sie besagt kurz und klar, daß Transvaal auf dem Boden der Konvention von 1884 verharre und nichts weiter verlange; Sie Suzeränetätsfrage wird nicht berührt. Gleichzeitig hat Chamberlain im gestrigen Kabinettsrate Forderungen an die südafrikanische Republik vorgelegt, welche deren durch die erwähnte Konvention garantierte Selbständigkeit thatsächlich aufheben würden. Zwar scheint der Kabinettsrat diese Forderungen noch nicht definitiv gebilligt zu haben; er hat sich auf Dienstag vertagt und auch die Frage der Einberufung des Parlaments noch nicht entschieden. Dagegen verlautet mit Bestimmtheit, daß der Kabinettsrat die sofortige Absendung eines kriegsstarken Armeekorps nach Südafrika beschlossen hat. Sonach erscheint, wie wir schon in unserem letzten Berichte betonten, der baldige Ausbruch des Krieges zwischen England und Transvaal leider als unvermeidlich. Die von Chamberlain formulierten Forderungen haben wir gleichfalls schon telegraphisch mitgeteilt. Wir fügen nur noch die bis heute eingelaufenen Nachrichten hinzu, welche den Ernst der Lage deutlich charakterisieren: Loudon, 1. Oktober. Die Abreise des designierten Oberstkommandierenden General Buller (siehe Bild.) nach Südafrika ist abermals und zwar vorläufig auf den 14. Oktober verschoben worden. Nach allen aus der Kap- kolonie, Natal und den beiden Burenstaaten einlaufenden Depeschen gilt dort überall ebenso wie hier jede Hoffnung auf Erhaltung des Friedens als ausgeschlossen. London, 1. Oktober. Gestern abend bis zehn Uhr hatte der Kolonialminister Chamberlain noch keine Antwort von Transvaal auf sein letztes Telegramm erhalten. Seit heute nacht 1 Uhr sind die telegraphischen Verbindungen mitTransvaal gestört. Das Kabel ist zwar nicht zerschnitten, aber der Teil des Kabels, der auf dem Festlande zwischen Durban und Prätoria liegt, funkioniert nicht. London, 1. Oktober. Ein Telegramm aus Kapstadt meldet, daß die Feindseligkeiten als wirklich begonnen betrachtet werd en können. Der größte Teil der Transvaalarmee habe bereits mobil gemacht. London, 1. Oktober. Nach Meldungen aus Prätoria geht die großartige Mobilisation der Buren mit staunenswerter Präzision vor sich. Bis morgen werden 50000 Mann unter den Waffen erwartet. Prätoria, 1. Oktober. Gestern morgen war kein einziger Arbeiter in den Goldgruben erschienen. Die Mehrzahl derselben reift ab. Berlin, 1. Oktober. Das „Kl. Journ." meldet aus dem Haag: Der hiesige Vertreter des Transvaal st aates, Dr. Leijas, bezeichnete den kommenden Dienstag als den Tag der offiziellen Kriegserklärung. Königin Wilhelmina erhielt ein Schreiben der Königin Viktoria, worin diese die Wendung in der Transvaalkrise tief beklagt und versichert, sie habe bis zur Grenze ihrer konstitutionellen Rechte ihren Einfluß zu gunsten einer friedlichen Lösung aufgeboten. (Siehe letzte Mitteilungen.) * * * Heber das deutsche Freiwilligenkorps, das sich in Prä- toria gebildet, um den Buren im Kriegsfall Hilfe zu leisten, sind jetzt auch Mitteilungen in englischen Blättern zu finden. Es soll ans 4000 Leuten bestehen, die alle in der deutschen Armee gedient haben. Heber Adolph Schiel, den Offizier, der mit der Bildung des Korps betraut wurde, weiß die Daily Chronicle folgendes zu berichten: „Vor ungefähr 30 Jahren verließ Schiel — damals deutscher Husaren-Leutnant — den preußischen Dienst und wanderte nach Südafrika aus. Da er sich hier aller Mittel entblößt sah, trat er als Kutscher eines Ochsenwagens in den Dienst eines Kolonisten in Natal. Nach einiger Zeit schon gelang es ihm, durch Thatkraft und Fleiß so viel zu erwerben, daß er Fuhrmann auf eigene Rechnung werden konnte. Er durchkreuzte mit seinem Wagen und einem Gespann von zwölf bis zwanzig Ochsen ganz Südafrika. Nachdem er dann als Verwalter auf einem Landgute lhätig gewesen war, wurde er eine Art Sekretär bei Dinizulu, dem Sohne Ceiewayos. Damals brachte er den Haufen von Buren zusammen, mit dessen Hilfe Dinizulu seine Hauptgegner unter den Zulus besiegte. Lukas Meyer, einer der Führer dieser Buren, John Prctorius, ihr oberster Kommandant, und Adolph Schiel empfingen nach dem Siege Dinizulus Geschenke und Landstriche, die fich bis zur Küste der Santa Lucia-Bai erstreckten. Im Jahre 1885 sandte Dinizulu Schiel nach Berlin, um Bismarck zu veranlasien, dieses Eingangsthor zum Zululand zu besetzen und so indirekt den Buren den Zugang zur See, den sie so sehr für sich erstrebten, zugänglich zu machen. Inwieweit dieser Plan den Wünschen der deutschen Regierung entgegenkam, ist nicht ganz klar. Sicher ist, daß damals von jcite» Englands ältere Ansprüche geltend gemacht wurden, die Bismarck veranlaßten, sich nicht weiter mit der Sache abzugeben. Die Santa Lucia-Bai und mit ihr das Zululand wurden damals mit einer gewissen Hast von den Engländern annektiert. Im Hinterland wurde den Buren erlaubt, sich auf einem Gebiet niederzulassen, auf dem Lucas Meyer und Pretorias die „Neue Republik" gründeten, die 1886 von England anerkannt, aber schon 1887, ebenfalls mit Englands Zustimmung, Transvaal einverleibt wurde. Die Regierung in Pratona war mittlerweile auf Schiel aufmerksam geworden und hatte ihn zum Negierungsbevollmächtigteu für die Eingeborenen im nördlichen Teil ihres Gebietes ernannt. Hier ließ er sich auf einer Farm nieder, die er — zur Erinnerung an den preußischen Sieg — Roßbach nannte und zeichnete fich in dem wilden Kriege, den die Buren gegen die BasutoS führten, mehrfach aus. Er wurde in der Folgezeit Adjutant des Ge- nerals Joubert. Später wurde er nach Prätoria berufen und mit der Oberleitung des gesamten Gefängniswesens in Transvaal betraut. Diese Stellung hatte er durch lange Zeit inne. Nach der Ernennung des Dr. Jameson zu seinem Nachfolger wurde er znm Artillerie-Hauptmann befördert und dann auf Staatskosten nach Preußen geschickt, um hier die neuen Handelsverhältnisse zu studieren. So kehrte er znm zweiten Male nach Berlin zurück, an welche Stadt ihn noch immer zahlreiche persönliche Beziehungen knüpfen. Auf ihn ist die Erbauung der Jo- hannesburger Forts zurückzuführen, die imstande sein sollen, die Stadt innerhalb weniger Stunden einznäschern. Er leitete den Bau dieser Forts und war ihr Kommandant bis zum Beginne dieses Jahres, wo das Kommando auf Leutnant Eloff, den Schwiegersohn des Präsidenten Krüger, überging. Im Jahre 1897 sollte Schiel wieder nach Berlin gehen, diesmal in Verbindung mit einer Ausstellung, die in Charlotten- burg veranstaltet werden sollte; aber Krüger, der damals vermutete, daß England im Begriffe sei, die Delagoa-Bai zu annektieren, ließ ihn nicht ziehen, indem er erklärte, daß Schiel ihm bei der Erbauung der Forts unentbehrlich sei." Deutsches Reich. Berlin, 30. September. Der Kaiser begab sich, wie aus Rominten gemeldet wird, heute vormittag nach dem Frühstück bei regnerischem Wetter zur Pürsche, kehrte jedoch bald mit negativem Ergebnis nach dem Jagdschloß zurück und nahm hierauf den Vortrag des Admirals Freiherrn v. Senden-Bibran entgegen. Berlin, 1. Oktober. Die Prinzessin Therese von Bayern begab sich gestern früh nach dem Mausoleum in Charlottenburg und legte am Sarge der Kaiserin Augusta einen Kranz aus Rosen und Veilchen mit der Inschrift nieder: In dankbarer Verehrung und Liebe. Therese, Prinzessin von Bayern. — Nach einer Meldung aus Danzig ließ der Kaiser vor der Inspizierung des Panzerkreuzers „Kaiser" die Besatzung an Deck antreten und sagte in einer Ansprache: „Ich habe das Schiff hierher befohlen, um Euch persönlich Meinen Kaiserlichen Dank auszusprechen für Euer Verhalten bei der Einnahme von Kiautschou; besonderen Dank und Anerkennung verdient auch das Vorgehen des Admirals v. Diederichs vor Manila. — Der auf dem Vertrage vom 21. Juni 1845 beruhende Auslieferungsverkehr zwischen Preußen einerseits und Frankreich andererseits hat im Laufe der Zeit durch Austausch von Gegenseitigkeitserklärungen und in anderer Weise Erweiterungen und Ergänzungen erfahren, welche heute im „Reichsanzeiger" veröffentlicht werden. — Zu der Ablehnung der Uebernahme des Protektorats über das Bismarckhaus in Stendal durch den Kaiser wird noch mitgeteilt: Der Kaiser lehnte ab, weil gewisse Wünsche, die er in Bezug auf das Bismarckhaus äußerte, nicht erfüllt wurden. Angeblich konnten sie nicht erfüllt werden. Der Kaiser sieht nun das Unternehmen in der Form, die man demselben zu geben beabsichtigt, nicht gern und lehnte deshalb das Protektorat ab. Stuttgart, 29. September. Wie der „Beobachter" mitteilt, hat der Vorstand des Ettlinger Gewerbevereins, Werkmeister und Gemeinderat Brinzinger die demokratische Kandidatur für den 5. württembergischen Reichstagswahlkreis angenommen. Der seitherige Abgeordnete Brodbeck hatte zuvor mündlich und schriftlich erklärt, er sei nicht in der Lage, das Opfer einer Kandidatur nochmals zu bringen. Konstauz, 30. September. Der Großherzog von Baden ist heute auf Mainau angekommen. Ausland. Brüssel, 1. Oktober. Gestern abend fand hier ei» antimilttärischer Umzug statt, welcher von den Sozialisten organisiert war. Mehrere hundert Personen durchzogen die Stadt. Ruhestörungen sind nicht vorgekomme». Paris, 1. Oktober. Die Sammlung für Scheurer- Kestner beträgt bereits 16,000 Frks. Paris, 1. Oktober. Der Herzog von Orleans hat wegen der Gefangennahme seiner Vertrauensmänner ein neues Komitee zusammengestellt und zwar Labelin als Präsident, Graf Gramont, den Herzog Lugues, Herzog de Sorge und de Frevenic. Paris, 1. Oktober. Der Kriegsminister hat drei Offiziere der Garnison ChLteauroux strafweise versetzt. Diese Offiziere bildeten den Mittelpunkt der revolutionären Gesellschaft, welche gegen die Republik und gegen denPräsidentenLoubet konspirierten. Die betreffenden Offiziere begaben sich jeden Tag in auffallender Weise in die Redaktion eines royalistischen Blattes und weigerten sich, mit den übrigen Offizieren zu verkehren. Paris, 1. Oktober. Derouläde weigerte sich ausdrücklich, die Fragen des Präsidenten der Unter- ^uchungskommission BLrenger zu beantworten. Er diktierte einen Protest des Inhalts, er betrachte sich als Kriegsgefangenen und wisse im voraus, daß er verurteilt werde. Er behalte sich Erklärungen für die Plenarsitzung des Staatsgcrichtshofes vor. Madrid, 1. Oktober. Aus San Sebastian ist die Nachricht eingetroffen, daß die Krisis gelöst sei, die Königin habe Silvela ihr Vertrauen bestätigt, und dieser sofort eine Liste neuer Minister überreicht. Die Namen der Minister sind noch nicht bekannt. Bukarest, 1. Oktober. Es wurde die Aufnahme einer Anleihe im Betrage von 4,246,110 Lei für die notleidende Bevölkerung bewilligt. Belgrad, 1. Oktober. Der König wird die Skup- fchtina mit einer Thronrede eröffnen. Die Regierung bereitet wichtige Vorlagen finanziellen und ökonomischen Inhalts vor. Belgrad, 1. Oktober. Das Standgericht verurteilte den Erzpriester Barjaktarovic wegen Hochverrats zu fünf Jahren Haft. Konstantinopel. 1. Oktober. Sämtliche Botschafter Protestierten in einer Kollektivnote gegen die von der Pforte verfügte Entziehung der Zollfreiheit europäischer geistlicher Anstalten. New-York, 1. Oktober. Admiral Dewey erhielt einen Ehrenbecher und führte dann hunderttausend Mann in Parade durch die von gewaltigen Volksmassen besetzten Straßen. Mairs und Uroomstekrs. Gießen, 2, Oktober 1899. ** GeschichtSkalender. Vor 283 Jahren, am 2. Oktober 1616, wurde zu Groß-Glogau der Dichter Andreas GryphiuS geboren. Er ist der eigentliche Begründer des deutschen Dramas, und ragt in seinen Tragödien wett über seine Zeit hinaus. G. verstand 14 Sprachen, war Mitglied der fruchtbringenden Gesellschaft und führte darin den Namen „Der Unsterbliche". Er starb am 16. Juli 1664 zu Glogau. Vor 15 Jahren, am 3. Oktober 1884, starb zu Wien der Maler Hans Makart, der großartigste Kolorist unter den Malern, an Farbenpracht alle übertreffend. Von seinen Werken erwähnen wir „Die fieben Todsünden", „Kleopatra", „Einzug Karls V. in Antwerpen" und „Jagd der Diana". Der Vorwurf zu großer Sinnlichkeit und Verherrlichung des Fleisches trifft Makart nicht mit Unrecht. Er wurde am 29. Mat 1840 zu Salzburg geboren. ** Das militärische Interregnum. Das alte militärische Jahr hat mit der in unseren Regimentern erfolgten Entlassung der Reservisten seinen Abschluß gefunden. Das neue militärische Jahr beginnt mit dem Eintreten der neuen Mannschaften. Die dazwischen liegende Zeit, in der wir jetzt leben, könnte man füglich als das militärische Interregnum bezeichnen. Wenn auch die Disziplin in keiner Weise darunter leidet, so ist dennoch der thatsächliche Bestand des Militärs in den Garnisonorten zusammengeschrumpft. Die Offiziere, welche das ganze Frühjahr und den Sommer hindurch andauernde Arbeit gehabt haben, treten zum Teil ihren Urlaub an. Auch Unteroffiziere und diejenigen Mannschaften, welche sich gut geführt, und namentlich im Manöver tüchtig erwiesen haben, werden unter Umständen beurlaubt. Die nun zurückbleiben, dürfen indessen keineswegs der Muße pflegen. Der allgemeine Dienst ist freilich beschränkt. Aber im Innern der Kasernen herrscht geschäftiges Leben. Die Bekleidungs- und Montierungsstücke haben in den Manövern arg gelitten, da gilt es vor allem, den dreiwöchigen Staub bis auf die Atome hinauszutreiben, und die „Mottenjäger", mit Klopfpeitschen, Rohrstöcken und Bürsten ausgerüstet, haben von früh bis abends vollauf Beschäftigung. Es ist dies die sogenannte Kammerarbeit, welche eigentlich niemals ein Ende nimmt. Ebenso haben die Schuhmacher und Schneider alle Hände voll zu thun, desgleichen die Sattler und die Büchsenmacher. • ** Au unsere Leser. Der morgen (Dienstag) erscheinenden Nummer unseres Blattes wird für Gießen und Umgegend der Nachtrag zum Gießener Taschenbuch 18 99 — die Winterfahrpläne enthaltend — beigclegt. Die nächste erweiterte Ausgabe dieses überall mit Beifall aufgenommenen Verkehrshestes erscheint am 1. Mai 1900. Diejenigen verehrlichen Postabonnenten und auswärtigen Leser, welchen an dem Empfang des Nachtrages gelegen ist, wollen solches uns freundlichst wissen lassen. *♦ Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den Oberförster der Oberförsterei Babenhausen Gustav Schneider zu Babenhausen in gleicher Diensteigenschaft in die Oberförsterei Treis a. L., den Revisionskontrolleur bei dem Hauptsteueramt Darmstadt Karl Bauer in gleicher Diensteigenschaft an das Hauptstcueramt Worms zu versetzen; den Hauptfteueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramt Darmstadt Georg Bolbach zum Revisionskontrolleur bei dem Hauptsteueramt Darmstadt zu ernennen. ** Milit'ärpersonaluachrichten. DieRoßärzte: Schneider vom 2. Großh. Drag.-Regt. (Leib-Drag.-Reg.) Nr. 24, unter Versetzung zum 2. Großh. Feld - Art. - Regt. Nr. 61, Thomann vom Großh. Train-Bat. Nr. 25, unter Versetzung zum Feldart.-Negt. Nr. 72, zu Oberroßärztcn ernannt. Ripke, Unterroßarzt vom Drag.-Regt. von Bredow (1. Schles.) Nr. 4, unter Versetzung zum 2. Großh. Drag.- Regt. (Leib-Drag.-Regt.) Nr. 24, zum Roßarzt ernannt. Die Roßärzte: Hamann vom 1. Großh. Feldart.-Regt. Nr. 25 (Großh. Art.-Korps), zum 2. Großh. Feld Art.-Regt. Nr. 61, Rehfeld vom 2. Bad. Drag.-Regt. Nr. 21, zum Großh. Train-Bat. Nr. 25 versetzt. Schwank, Proviantamtsaspirant, als Proviantamtsassistent in Darmstadt zum 1. Oktober 1899 angestellt. *♦ Fran H. Wigand, welche, wie aus dem Inseratenteil der Sonntag-Nummer ersichtlich, hierorts Klavier- und Gesangunterricht zu erteilen beabsichtigt, hat, wie uns mitgeteilt wird, vier Jahre das Kölner Konservatorium, das bekanntlich über ganz hervorragende Lehrkräfte verfügt, besucht. Ferdinand von Hiller, ein in der gesamten Musikwelt hochgeachteter Lehrer, hat sich eingehend für die künstlerische Entwickelung der Dame interessiert und sie in einer Weise ausgestattet, daß Frau Wigand auf eine lange Reihe glänzender Erfolge im Konzertgeben sowie als Lehrerin zurückblicken kann. Zur Beurteilung der letzteren Thätigkeit namentlich, bieten ihre alljährlich im großen Festhaussaale zu Worms abgehaltenen Prüfungen ihrer Schüler das beste Material. •* Unser Stadttheater eröffnete am gestrigen Sonntagabend die Reihe seiner Darstellung«..! mit Sardous vieraktigem Lustspiel Madame Sans-Gßne. Das Theater war, wie bei einer Anfangsvorstellung nicht anders zu erwarten, sehr gut besetzt, wir fügen aber, vorgreifend, sofort hinzu, daß der Wert des Dargebotenen den guten Besuch vollauf verdiente. Mit diesem Urteil über diese Premiere verbinden wir auch gleich Eingangs unserer Referate die Hoffnung, daß alle künftigen Vorstellungen der gestrigen gleichen möchten, dann wird auch das Gießener Publikum sich in gleichem Maße wie gestern erkenntlich erweisen. Auf das Sardou'sche Lustspiel, dessen Inhalt wir bei seinem ungemein häufigen Erscheinen auf allen größeren wie kleineren Bühnen bei dem Theaterpublikum als hinlänglich bekannt voraussetzen, — der Faden ist ja so ungeheuer einfach gezogen — näher einzugehen, halten wir aus genannten Gründen für unnötig. Was die Aufführung selbst sowie die Regie anlangt, so dürfen wir im Nahmen der gegebenen Verhältnisse wohl zufrieden sein. Einige kleine szenische Unebenheiten sind ja, namentlich beim ersten Ensemblespiel einer Truppe an einem neuen Ort nicht zu vermeiden; auch einige kleine historische Schnitzer in der Regie wollen wir auf dieses Konto buchen. Nehmen wir aber, wie gesagt, alles in allem, so dürfen wir unserer bewährten Direktion, auch hinsichtlich seiner neuen Engagements die besten Auspizien stellen. Besondere Anerkennung verdienen die sauberen und historisch meist korrekten Kostüme; auch die szenische Ausstattung war lobenswert. Ueber die Leistungen der schauspielerischen Kräfte selbst heute ein abschließendes Urteil abzugeben, ist natürlich nach einer Erstaufführung nicht möglich. Von den neugewonnenen Mitgliedern, die hervorragend beschäftigt waren, ist ohne Zweifel Frl. Agnes Hammer die beste Aquisition. Sie spielt natürlich, mit guter Mimik und seltenem Feuer; sie würde bei etwas weniger schnellem Sprechen — der Souffleurkasten scheint für sie ein überflüssiges Institut zu sein — allen Anforderungen genügen. Ihre Leistungen scheinen allerdings etwas unter ihrer offenbar stark entwickelten Soubrettennatur zu stehen, ein Umstand, der ihr bei anderen Rollen vielleicht von Vorteil sein kann. Fräulein Hammer, als Trägerin der Titelrolle, löste aber sonst ihre gestrige Aufgabe in einer Weise, die den reichen Beifall des Hauses wohl rechtfertigte. Einen tüchtigen Kollegen und Partner hat sie an dem hier gleichfalls noch fremden Herrn Paul Paren (Leföbre) gefunden, der neben einer guten Figur offenbar viel tüchtiges Können besitzt; eine gute, deutliche Aussprache, maßvolle Bühnenallüren sind, soviel wir gestern bemerken konnten, seine besten Eigenschaften. Der Dritte, der gestern abend hervorragend in Aktion getretenen Neulinge war Herr Rolau. Wir wollen uns über die gestrige Leistung, die offenbar stark unter der wenig glücklichen Maske litt, heute nicht verbreiten und eine andere Gelegenheit abwarten. Sicher ist, daß Herr Rolan vortrefflich memoriert hatte und offenbar im Vollbewußtsein der Sicherheit in Gesten und Sprache sich sehr überhastete. Ein fleißiger Künstler ist aber meist auch ein guter und so dürfen wir wohl auch ihm eine freundliche Zukunft für die begonnene Saison in Aussicht stellen. Auf die anderen bewährten Kräfte kommen wir bei anderer Gelegenheit eingehend zurück. ** Goethefeier im Stadttheater. Dem Beispiel anderer Städte folgend, wird nun auch Gießen seine Goethefeier haben. Das Stadltheater veranstaltet am Mittwoch, dem 4. Oktober einen Goethe-Festabend. Die Direktion hat für diese besondere Feier den Prolog von Alfred Bock erworben, der am 28. August in Dresden mit großem Beifall zum Vortrag gelangt ist. Auf den Prolog folgt eine Aufführung des „Egmont" mit der Musik mit Beethoven. Die Titelrolle spielt als Gast Herr Oscar Bohnöe von Köln. Man darf also einem sehr genußreichen Abend ent- gegenschen. Arbeits Jubiläum. Am 1. Oktober waren es dreißig Jahre, daß der dienstülteste Retorten-Heizer des hiesigen Gaswerkes, Herr Heinrich Hammel, mit Geschick und in Pflichttreue seines Amtes gewaltet. Aus diesem Anlaß wurden demselben von dem Direktor, den Beamten und Mitarbeitern herzliche Glückwünsche ausgesprochen. — Möge es dem Jubilar noch lange Jahre vergönnt sein, in guter Gesundheit an ihm liebgewordener Stelle zu wirken. -n. ** Männerturnverein. Für Freunde des Turnspiels ist es gewiß von Interesse, die trefflichen Leistungen der Spielriege des Männerturnvereins kennen zu lernen. Gelegenheit hierzu hat sich im Laufe dieses Sommers reichlich geboten, da die Riege fast an jedem Sonntag nachmitt- tag auf dem Trieb gespielt hat. So hatte auch das gestrige Spiel eine Menge Spaziergänger angezogen, die mit lebhafter Teilnahme die Leistungen der Mannschaft verfolgten. Im Schleuderballweitwurf wurden mit einem Ball von 41/2 Psd. öfters Bälle von 40-43 Mtr. Wurfweite gemacht. Ein besonderes Vergnügen für die Zuschauer war das Vexierballspielen im Kreise, wobei der Ball mitunter mit einer verblüffenden Gewandtheit geworfen wurde. Stellenweise kam man nicht aus dem Lachen heraus. Den Schluß bildete ein Dauerwettlauf über 500 Mtr., die von dem ersten in 1 Min. 20 Sek., von dem zweiten in 1 Min. 28 Sek und von dem dritten in 1 Min. 35 Sek. gelaufen wurden. Gewiß sind dies recht tüchtige Resultate seitens der noch sehr jungen Mannschaft der Riege, der wir ein kräftiges „Gut Heil!" zurufen. —1. □ Wieseck, 2. Oktober. Hier hat sich eine Theatergesellschaft (de Nolte) niedergelassen, welche ihre Vorstellungen gestern abend bei überfülltem "Hause eröffnete. Soweit sich nach dem in der ersten Vorstellung Gebotenen beurteile» läßt, steht der Direktion ein ganz gut geschultes Personal zur Verfügung; besonders gefielen Frau Direktor de Nolte und Fräulein Radewald. Wir sind überzeugt, daß die Einwohnerschaft Wiesecks es an der nötigen Unterstützung dieses „Vorstadt-Theaters" nicht fehlen läßt. + Nidda, 1. Oktober. Aus der stammweise versteigerten Ernte unserer städtischen Aepfelbäume wurde» nahezu 2000 Mark erlöst. — In der gestern abgelaufene» diesjährigen Saison zu Bad-Salzhausen wurden über 7000 Bäder verabreicht. In 1898 betrug die Frequenz 4783 und in 1897 nur 2796 Bäder. Gegenwärtig ist mau mit Herstellung einer elektrischen Beleuchtungsanlage für den^Kurort beschäftigt. Darmstadt, 30. September. Heute mittag treffen Seine Durchlaucht der Prinz und Ihre Großherzogliche Hoheit die Prinzessin Ludwig von Battenberg nebst Prinzessinnen-Töchtern und dem Prinzen Georg, sowie Ihre Königl. Hoheit Prinzessin Aribert von Anhalt, Höchstwelche zum Besuch auf Schloß Heiligenberg weilte, auf Jagdschloß Wolfsgarten zu längerem Besuche der Allerhöchsten Herrschaften ein. Ihre Königl. Hoheit Prinzessin Christian von Schleswig-Holstein treffen morgen auf Jagdschloß Wolfsgarten ein, nehmen das Luncheon mit den Allerhöchsten Herrschaften und werden im Laufe des Tages nebst Prinzessin-Tochter Victoria, Höchstwelche sich in Wolfsgarten befand, wieder abreisen. Mainz, 30. September. Die städtische Verwaltung beabsichtigt ein viertes Volksbad im stüdöstlichen Bezirk der Stadt zu errichten. — Die Firma Disch hat die Ueber- fahrtspreise mit dem Trajektboote nach Kastel von morgen ab von 6 auf 8 Pfennig erhöht. Das Publikum ist darüber sehr ungehalten. 0 Mainz, 1. Oktober. Vorige Woche tagte dahier das Weinsteuer-Landes-Komitee für das Großherzogtum Hessen und beschloß nach längerer Beratung einstimmig folgende Resolution zu den bevorstehenden Landtagswahlen: Das heute hier versammelte Landes-Komitee zur Bekämpfung der Weinsteuer spricht den Abgeordneten der II. Hess. Kammer, welche durch ihr entschiedenes Auftreten gegen die Hessische Wein st euer deren Beseitigung bewirkten und dadurch den gesamten vaterländischen Weinbau, Weinhandel und Weinverkehr vor der drückendsten Feffel, sowie das ganze Land vor ständiger, tiefgehender Erregung bewahrten, de« wärmsten und aufrichtigsten Dank aus. Der gleiche verbindliche Dank sei allen die Hess. Wcinsteucr bekämpfenden Gemeinden und Korporationen ausgesprochen. Besonderen Dank gebührt auch der Presse für ihre lebhafte und zielbewußte Unterstützung der auf die Ablehnung der Wcinsteuer gerichteten Bestrebungen. DaS Landes-Komitee konstatiert mit besonderer Genugthnung, daß es gelungen ist, die Steuer-Reform ohne eine Weinsteucr durchzuführcn. Da« LandeS-Komitee weist den ihm von verschiedener Seite gemachten Borwurf einer „maßlosen Agitation" auf das Entschiedenste zurück und erblickt in dem ihm aufgedruugenen Kampfe gegen die Weinsteucr lediglich ein Gebot der Notwehr und der Selbsterhaltung. DaS LandeS- Komitee empfiehlt energisches Eintreten in die bevorstehende« Landtagöwahlen Das Landes-Komitee erblickt in jeder einseitigen Belastung eines einzelnen Erwerbsstandcs, also namentlich in einer Wcinsteucr, eine Ungerechtigkeit und eine nie versiegende Quelle steter Verbitterung. Das Landes-Komitee befürwortet deshalb entschiedenste Unterstützung derjenigen Landtags- Kandidaten, welche die ausdrückliche und unzweideutige Zusicherung geben, stets nnb unter allen Umständen gegen jede Weinpener, in welcher Form sie auch vorgeschlagen werde, sowie für Aufhebung des Tranksteuer-Gesetzes von 1876 za stimmen. Da das Komitee über das ganze Großherzogtum verbreitet ist und, wie die verflossene Agitation gezeigt, cs verstanden, eine Bc- stcucrung des Weines — weil sowohl den vaterländischen Weinbau als die betreffenben Gewerbetreibenben schwer schäbigenb — vom Großher- zogtum fernzuhalten, so dürfte wohl auch diese Resolution die weiteste Beachtung finden. Kassel, 30. September. Dem Vorsitzenden deS Hessische» Kriegerverbandes Herrn Postdirektor, Hauptmann der Landwehr, Schlüter zu Kassel wurde von Sr. Durchlaucht dem Fürsten von Waldeck und Pyrmont das Fürstlich-Waldecksche Verdienstkreuz IV. Klasse und dem Kassierer des Hessischen Kriegerverbandes Herrn Kaufmann Ludwig Wentzell von Höch'stdemselben das Fürstlich-Waldecksche Ehrenkreuz verliehen. Vermischtes. " Hofgeismar, 30. September. Gestern vormittag fand vor der Kaserne des Dragoner-Regiments hier die öffentliche Versteigerung von 34 ausrangierten Dienstpferden statt. Der Andrang von Kauflustigen war sehr lebhaft. Die erzielten Preise bewegten sich zwischen 60 Mark und 261 Mark. Ein Käufer hatte 7 Stück allein erstanden. * Fritzlar, 30. September. Die Uebergabe des neu errichteten städtischen Wasser- und Elektricitäts- werkes an die Stadt hat stattgefunden, worauf das Werk in vollen Betrieb gesetzt wurde. Köln, 30. September. Wie die „Köln. Volkszeitung" aus Boppard berichtet, stürzte in dem Dorfe Salzig der Neubau der katholischen Kirche ein. Mehrere Arbeiter sind verunglückt. Osnabrück, 30. September. Der Arbeiter Brockhaus wird als der Täterschaft an dem im vorigen Jahre in Lechtingen verübten Kindermorde verdächtig verfolgt. * Münnerstadt, 30. September. Der Augustinerpater S. Metzger von Würzburg wurde verhaftet; er hat sich sittliche Verfehlungen an seinen Schülern zu Schulden kommen lassen. Wie es heißt, war Metzger im Beichtstuhl sehr streng — gegen andere! • Jena, 30. September. Der Gemeinderat hat btt Anstellung eines berufsmäßigen zweiten Bürgermeisters beschlossen. Derselbe muß das erste juristische ,-sL S'jJS* -'M? 0■ «nd 5000 S1*« -» »./chnen 30 Weifenden v‘m ®‘ y C?s>ch - 'Mt d » Kolumbien WZ •*Ä!» btt 6it käftifi« !*%&*«* Ie £r®fett s?l??n9t* 9 ^kbvlene?^£" sich !« ®ite(t” f«l»W N°ll- läßt. dieses h‘WS>*... der 71^7- Wrbe, «Sä •• ^'leuchtungsanlage Ä9 Vn Seine :> Ls,»8 UrrS A'SSftX omgl. Hoheit Prinzessin Elftem treffen morgen Ä\ba* $un^eon mit w »erben im Lause des ^'£toria, Höchfimelche »abreisen. städtische Verwaltung dad m stüdöftlichen Bezirk rma Disch die Ueber- ktboote nach Aastet von erhöht. Das Publikum • tige Woche tagte dahier utee sür da- Groß, otz nach lLngnn Beratung i den bevorstehenden Land- be§K*rg n>«t« i' lie es selbe Examen bestanden und sich bereits in der Praxis bewährt haben. Weiterhin hat der Gemeinderat sich für Errichtung eines städtischeu Schlachthofes nebst Einführung des Schlachthofzwanges erklärt. Zurzeit besitzt Jena nur em Innungsschlachch iu«^ September. Der Dienstknecht Hoffmann, Mörder der Familie Müller, erhängte sich im Gefängnis. Der Mörder hatte vorher dem Gerichtsdiener Müller gegenüber geäußert, er habe am Morgen nach der Mordthat die leere Kassette und unter ihr em Portemonnaie mit Geld gefunden. Als diese Aussage zu Protokoll genommen und Hoffmann deswegen vorgeführt werden sollte, legte er auf eindringliches Vorhallen des genannten Ge- nchtsdieners auf dem Wege zum Gerichtssaale em offenes Geständnis ab, das er vor dem Richter wiederholte. Darnach hat Hoffmann die Mordthaten allein ausgeführt und zwar hat er erst seinen Dienstherrn, dann bte Frau und als ihn das älteste Kind erkannte, dieses und dann auch das kleine Kind mit dem Beile erschlagen. Dann erst hat er den fingierten Angriff vom Fenster aus gemacht und das Geld (400 bis 500 Mark) geraubt, um sich nach den Mordthaten ruhig schlafen zu legen. In dem Brunnen im Müller'schen Gehöft wurde das von Hoffmann zur Ausführung seiner Mordthat benutzte Beil gefunden. * Kahla, 30. September. Der in Konkurs geratene und seit dem 29. August vermißte Landwirt Schmidt aus Altenberga ist im Waldesdickicht bei Kahla erhängt aufgefunden worden. Schmidt ist ein weiteres Opfer des verkrachten Spar- und Vorschußvereins. * Buttstädt, 30. September. Auf dem hiesigen Roßmarkte gingen die scheu gewordenen Pferde eines Geschirrs durch und überrannten die Bücklingshändlerin Schröder aus Großneuhausen. Die Aermste wurde so schwer verletzt, daß sie bald darauf starb. • Hamburg, 30. September. Heute nachmittag fand die feierliche Eröffnung der in 2J/2 Jahren mit einem Kostenaufwande von Mk. 1,800,000 erbauten neuen Fahrdrücke über die Südelbe zwischen Harburg und Wilhelmsburg statt. Durch die Brücke wird eine feste Verbindung zwischen Hamburg und Harburg geschaffen. ♦ Bremerhaven, 30. September. Der hiesige Fisch- dampfer „Karl" ist mit 10 Mann Besatzung in der Nordsee untergegangen. • Breslau, 30.September. Die beiden Individuen, welche in Haynau sich als Mitglieder einer Sängergesell- fchaft ausgaben und auf die die in dem Steckbriefe der Mörder Valentinis angegebene Beschreibung paßt, sind heute abend hier verhaftet worden. • Leipzig, 30. September. Dem aus dem Amte scheibenden Oberbürgermeister Dr. Georgi wurde das Ehrenbürgerrecht der Stadt Leipzig verliehen. Ferner wurde ihm zu Ehren die hiesige Bahnhofstraße in Georgr- Ning umgetauft. Eine Büste des Jubilars wird im künftigen'Rathause aufgestellt. Das Ratskollegium und verschiedene andere Körperschaften ließen dem Gefeierten wertvolle Ehrengeschenke überreichen. Geheimrat Georgi dankte auf die Ansprache mit herzlichen Worten. * Halle a. S., 30. September. Der Generaldirektor der Werschen-Weißenfelser Braunkohlengesellschaft, Bergassessor Vollert, erschoß sich, nach hinterlassener schriftlicher Angabe, wegen Nervenleidens. * Weißensee, 30. September. Eine ganze Reihe von „Liebeödramen" scheint sich hier abgespielt zu haben, wenn man der „Weißenseer Ztg." (!) vom 26. September Glauben schenken darf. Das genannte Blatt meldet nämlich unter der Rubrik „Sterbefälle folgendes: „Der Maurer Gustav Schulz mit Bertha Moder" — „Der Arbeiter Joseph Kopanski mit Maria Krüger" .... und so weiter noch fünf Paare, die, wie das Wort „mit" andeutet, anscheinend gemeinsam den Tod gefunden haben. * Zürich, 30. September. In der Heimatlischlucht am Pilatus wurde die stark verweste Leiche des seit dem 1. September vermißten 19jährigen Apothekers Ludwig Rikl aus München von einem Bahnwärter aufgefunden. Rikl hatte beim Abstieg den Weg verfehlt und war von einer hohen Felswand herabgestürzt. Die Leiche wurde geborgen. — Hier fallierte der Banquier Grob, Inhaber, der Bankfirma Grob u. Comp. Es sind Verhandlungen im Gange, den dem hiesigen Börsenplatz drohenden Schlag abzuwenden. — Die in der Neuß zwischen Urnerloch und Teufelsbrücke aufgefundene Leiche ist als die des seit einigen Monaten aus Freiburg im Breisgau abgängigen Professors LudwigKirn agnosziert worden. Der Verlebte war bis vor einem Jahre Psychiatrieprofessor an der Freiburger Universität. Ein Gemütsleiden zwang ihn, seine Lehrtätigkeit einzuftelleu. Kirn stand im 60 Lebensjahre. * Konstantinopel, 1. Oktober. Nach den letzten aus Kleinasien eingetroffenen Nachrichten sind bei den Erdbeben im Vilajet Aidin 11 000 Wohnungen zerstört worden und 5000 Personen ohne Obdach. * Panama, 30. September. Der Dampfer Mon- toyn ist auf dem Magdalenenstrom verbrannt. Von 30 Reisenden, die sich an Bord befanden, sind nur 20 gerettet worden. Unter den Opfern befindet sich der Schatz- ftkretär von Columbien. * Tiflis, 30- September. Gestern abend entgleiste bei der Station Naftleg ein gemischter Zug. Sechs Per- s onenroagen wurden zertrümmert, vier Personen getötet und 39 schwer verletzt. • New-York, 1. Oktober. Nachdem der Dampfer „Scotsman" bei Belle Jsle auf gefahren war, wobei L5 Frauen ertranken, plünderte die aus Engländern be- stiehende Mannschaft das Gepäck der Passagiere, insultierte d«ie Frauen und zog ihnen die Ringe von den Fingern. Universitäts-Nachrichten. — Wien. Der hier verstorbene Professor der Geschichte der Wedizin, Dr. Theodor Puschmann, war 1844 iu Lbwenberg in Schlesien geboren worden. 1878 habilitierte sich Puschmann als Privatdozent für Geschichte der Medizin an der Universität Leipzig und wurde 1880 an die Wiener Universität berufen. Er »eröffentlichte zahlreiche Arbeiten über die Geschichte der Medizin und der Kranlheiten sowie über medizinisches Unterrichtswesen; ferner publizierte er eine Schrift: „Die Medizin in Wien während der letzten hundert Jahre-. Viel Aufsehen machte eine Schrift, die er 1873 veröffentlichte, und bte den Xitel trägt: .Richard Wagner, eine psychiatrische Studie.* — Prag. Dr. Karl v. Holzinger hat die vor einigen Wochen erfolgte Berufung an die Wiener Universität als Nachfolger des Hofrates Prof. Karl Schenkt (klassische Philologie) abgelehnt. Kunst und Wissenschaft. Frankfurt a. M., 29. September. Auf eine Einladung des Magistrats der Stadt Frankfurt kamen heute vormittag gegen 12 Uhr etwa 60Mitglieder des inHcidclberg tagenden Kongresses des Association littäraire et artistique internationale hier an. Am Bahnhofe wurden die Gäste von einigen Herren empfangen und nach dem Palm en gart en geleitet, wo nach einem kurzen Rundgange durch den Garten die Stadt Frankfurt den Gästen, zu denen sich noch etwa 30 Geladene der hiesigen Stadt gesellten, ein solennes Frühstück gab. Nach einer glänzenden Ansprache des Oberbürgermeisters Ad ick es erwiderte der Vorsitzende der Association litt6raire et artistique internationale, Poniller, in längerer, von rauschendem Beifall aufgenommenen Ansprache. Es folgten noch einige Toaste und um 3 Uhr begab sich die Gesellschaft nach der Stadt, um die Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Abends findet eine Festvorstellung der Meistersänger statt und um 11 Uhr werden die Gäste wieder unsere Stadt verlassen, um nach Heidelberg zurückzukehren. Dort wird morgen ein offizielles Bankett und eine Schloßbeleuchtung die diesjährige Tagung beschließen. Berlin, 30. September. Der Ornithologe Dr. Karl Ruß ist am Herzschlage gestorben. Karl Ruß, geb. 14. Januar 1833 zu Baldenburg in Preußen, war zuerst Pharmazeut. Erst später wandte er sich dem Studium der Ornithologie zu, in der er schriftstellerisch Hervorragendes leistete. Er schrieb eine stattliche Reihe von bemerkenswerten ornithologischen Monographien. Seit 1872 gab er auch die Zeitschrift „Die gefiederte Welt" heraus. Theater. Gießen, 29. September. In der letzten Nummer der „Dramaturgischen Blätter" finden wir einen die heutigen Theaterverhältnisse eingehend beleuchtenden Artikel, der viel bemerkenswertes enthält, und jeden, der es mit Bühne und Kunst ehrlich meint, zu ernstlichem Nachdenken anregen dürfte. Indem der Verfasser auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gegenwart zu sprechen tomlnt, welche den Theaterbetrieb nicht mehr in der althergebrachten Form gestatteten, sagt er wörtlich weiter: „Belehrend für diesen Zustand ist ein Vorkommnis am Berliner Opernhause, das gewissermaßen den Bankerott der gegenwärtigen Theaterverhältnisse offiziell erklärte. DaS Berliner Opernhaus veranstaltete in seinen Räumen ein Gastspiel des Schweriner Hoftheaters, um auf diese Weise eine deutsche Oper seinem Pilblikum zum Gehör zn bringen. Gleichzeitig mit diesem überraschenden Gastspiel meldete eine Zeitungsnotiz, daß das Königs. Opernhaus fortan prinzipiell einen Teil der neu erscheinenden Opern durch Gesamt-Gastspiele auswärtiger Hostheater zur Aufführung bringen lassen wolle. Der Grund für diese Maßregel liegt auf der Hand; das Opernhails sieht sich finanziell außer stände, Opern auzukaufen, auszustatten und einzuüben, die keine „Zugstücke" zu werden versprechen, und kann nur solche Opern aus eigenen Mitteln aufführen, die durch eine große Zahl schnell aufeinanderfolgender Wiederholungen die Ausgaben wieder einbringen." — Verfasser kommt nun zu der allerdings sehr angebrachten Schlußfolgerung: „Wenn ein königliches, reich subventioniertes Theater zu dieser Rücksicht gebracht wird, wie muß cs da um die Privattheater bestellt sein?" — Versicherung gegen Unfall im Theater. Der Direktor des Lübecker Stadttheaters, Herr Heinrich, hat für die kommende Saison nicht nur sein gesamtes künstlerisches und technisches Personal gegen jeden Unfall, der sich im Theater ereignen sollte, versichert, sondern auch sämtlicher Theaterbesucher. (Nun müßten nur noch die Autoren gegen Durchfälle versichert werden.) _______________________ Spitlplan der Dfrtiuigttn frankfurter SMthkattt. Opernhaus. Dtentztag den 3. Oklober: „Lustige Weiber." Mittwoch den 4. Oklober: „Hansel und Gretel"; hierauf: „Coppelta" (2. Akt). Donnerstag den b. Oktober! „Waffenschmied". Freitag den 6. Oktober: „Iris". Samstag den 7. Oktober: „Tristan und Isolde" Sonntag den 8. Oktober: nachmittags 3'/, Uhr: „Lumpaci Dagabundus"; abends 7 Uhr: „Der Maskenball". Montag den 9. Oktober: „Fledermaus" Schauspteihaus. Dienstag den 3. Oktober: „Madame Sans GSne". Mittwoch den 4. Oktober: „Wallepftetns Lager". „Piccolomini." Donnerstag den 5. Oktober: „Im weihen Rößl". Freitag den 6. Oktober: „Wallensteins Tod". Samstag dm 7. Oktober: „Fuhrmann Henschel". Sonntag den 8. Oktober, nachmittags 3?» Uhr: „Zaza"; abends 7 Uhr: Neu etnstudiert: „Narziß". Momag den 9. Oktober: „Madame Sans Gene". Neueste Meldungen. Depeschen des Bureau „Herold'. Darmstadt, 2. Oktober, nachm. 12.10 Uhr. (Telephonmeldung.) Se. Majestät Zar Nikolaus von Rußland nebst hoher Gemahlin, joroie die Großfürsten Boris und Cyrill nebst Gefolge begeben sich heute nachmittag 1.40 Uhr mittelst Extrazuges zum Besuch Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrick nach Kronberg. Die hohen Herrschaften treffen mit demselben Extrazuge 4.30 Uhr wieder in Egelsbach ein. Berlin, 2. Oktober. Auf der Radrennbahn auf dem Kurfürstendamm wurde gestern die Meisterschaft von Europa ausgefahren. Als erster passierte die Bahn der Engländer Chase. Zweiter war der Engländer Walters. Dritter derFranzose Bou- hours. Vierter Nobl aus München. Berlin, 2. Oklober. Unter dem Verdacht, zu wieder- holt en malen an seiner Frau und seinem dreijährigen Töchterchen einen Vergiftungsversuch gemacht zu haben, wurde vorgestern auf Anzeige seines Vaters der Kaufmann Fritz Knobel verhaftet. Weimar, 2. Oktober. Hier und in mehreren anderen Orten des Großherzogtums wurden für gestern anberaumte sozialistische Versammlungen verboten, in denen über das Thema: „Ist die Sozialdemokratie im Großherzogtum politisch rechtlos?" gesprochen werden sollte. Wien, 2. Oktober. Bei dem Kreisgericht in Eger war infolge der Ereignisse vom 20. August in Graslitz der dortige Hotelier Tuzar des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit und der Beleidigung der Wache angeklagt. Durch die Zeugen Aussagen wurde bewiesen, das Tuzar der Aufforderung des Bezirks-Kommissars Folge geleistet und sein Hotel geschlossen habe. Er wurde daher nur wegen Einmischung in eine Amtshandlung zu 10 Gulden Geldstrafe verurteilt und sofort aus der Haft entlassen. Lublin, 2. Oktober. Ein furchtbares Gewitter verbunden mit Wolkenbruch entlud sich in der Nacht von Samstag zu Sonntag über der Stadt Hrubieffow und der Umgegend. 10 Menschen wurden vom Blitze erschlagen. In der benachbarten Ortschaft Lemiessewo brach durch Blitzschlag Feuer aus, welches die Hälfte aller Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Ortes einäscherte. Prag, 2. Oktober. Der Redakteur der „Narodni Listy", Konstantin Sjek, welcher als Reserve- Wachtmeister bei der letzten Kontrollversammlung statt mit „hier" sich mir dem tschechischen Worte „Zde" meldete, wurde wegen Insubordination zur Degradation und zu zwei Monate» Arrest verurteilt. Rom, 2. Oktober. Die Regierung hat den Gebrauch der Automobilwagen zum Transport von Verwundeten und Proviant und Munition eingeführt. Paris, 2. Oktober. Panizzardi ist in Paris eingetroffen, angeblich, um mit dem Leiter der Dreyfus- Partei zu konferieren. Madrid, 2. Oktober. Gestern fand eine große Kundgebung zu gunsten der Revision des Prozesses von Montjuich statt. Mehr als 700 Personen nahmen an dem Umzuge teil. Belgrad, 2. Oktober. Der Belagerungszustand wurde aufgehoben. Warschau, 2. Oktober. In der Eisenhütte Hutaban- kowa in Dombrowo, nahe der schlesischen Grenze hat durch die Unvorsichtigkeit eines Arbeiters eine furchtbareEx- plosion stattgefunden. Vier Arbeiter wurden getödtet, 16 sind lebensgefährlich verletzt. Die österreichische Kabinettskrise. Wien, 2. Oktober. Der Kaiser wird sich morgen zu den Jagden nach Steiermark begeben. Man schließt daraus, daß die Schwierigkeiten bei der Kabinettsbildung heute behoben werden dürften. Wien, 2. Oktober. Die Kabinettsbildung ist wider Erwarten auch gestern noch nicht beendet. Unbesetzt sind noch das Finanz-Portefeuille und das für Galizien. Letzteren Posten will kein Parlamentarier übernehmen. Die Lage ist mithin immer noch zweifelhaft. Lemberg, 2. Oktober. Der frühere Minister Ritter v. L ö b l wurde telegraphisch nach Wien berufen. Er wird wahrscheinlich Minister von Galizien werden. Zu de« Kriegsvorbereituuge«. Berlin, 2. Oktober. Das „Kleine Journal" meldet aus dem Haag: vr. Leyds, der hiesige Gesandte von Transvaal, wird heute den Kabinetten den Beginn der Feindseligkeiten notifizieren. Nach Meldungen, die aus Johannesburg einlaufen, gleicht die Stadt einem großen Lager. Zahlreiche Familien flüchten. 17 Goldbergwerke sind bereits geschlossen. Loudon, 2. Oktober. Gestern wurde hier ein Meeting zu Gunsten des Friedens abgehalten. Zahlreiche Redner ergriffen das Wort und traten für die Aufrechterhaltung des Friedens ein. London, 2. Oktober. Die Blätter melden, das Parlamentsmitglied Poase habe vor seinen Wählern in Cleveland erklärt, daß, wenn die Feindseligkeiten mit Transvaal beginnen sollten, es unmöglich sei, den Krieg nur auf Transvaal zu beschränken. Ganz Afrika würde alsdann in den Krieg hineingezogen werden. Der Redner sagte ferner, Tansvaal habe die Absicht, den Goldminen ihre Unabhängigkeit zu bewahren und das Bewußtsein, die Engländer bereits in einer Feldschlacht geschlagen zu haben. London, 2. Oktober. Nach einer Meldung aus Dundee verlautet daselbst, daß 5000 Mann an der Grenze aufgestellt sind. Es wird ferner versichert, daß die Buren die Feindseligkeiten beginnen werden. Kapstadt, 2. Oktober. Aus Ladysmith wird berichtet, daß die Stadtgarde ein berufen ist, um kriegsmäßig ausgebildet zu werden. Die Regierung des Freistaates hat eine Cirkularnote an alle Eisenbahn-Angestellten, welche Engländer sind, gerichtet, in welcher sie erklärt, daß im Falle eines Angriffes Englands gegen Transvaal der Freistaat gemeinschaftliche Sache mit Transvaal macht und daß infolgedessen sämtliche Angestellte verabschiedet und ausgezahlt werden. Diejenigen, welche bleiben wollen, werden, falls sie strenge Neutralität bewahren und das Land auf loyale Weise bedienen, hierzu die Erlaubnis erhalten. London, 2. Oktober. Die Telegraphen-Verbin- dungen mit Prätoria sind wieder hergestellt. Wetterbericht vom 2. Oktober 1899, Das gestern über Irland gelegene neue Minimum ist südostwärts weiter gewandert, hat sich dabei bedeutend vertieft und dabei zugleich erheblich an Raum gewonnen. Von feinem Zentrum, das über England liegt, zieht sich ein Ausläufer südwärts bis zur französischen Mittelmeerlüste. Aus diese Weise bedeckt niederer Druck den ganzen Westen Europas. Der Kern des hohen Druckes erstreckt sich von der mittleren Ostsee nach Rußland hinein. Das Wetter ist bei uns der Druckverteilung entsprechend vorwiegend heiter und unter tags warm. Die Depression dürste aber der Hauptsache nach ostwärts wandern und für uns Abkühlung und Niederschläge im Gefolge haben. Voraussichtliche Witterung: Meist trübes, ziemlich kühles und zeitweise unruhigss Wetter mit Niederschiägen. A eidenstoffe, % Sammte von Eiten Sc Keussen Ma« drrl. nnfetf ulittfodimtM. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Sohnes, Bruders, Schwagers und Onkels August Schleuning insbesondere für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Dr. Heußel, sowie für die zahlreichen Blumenspenden sagen innigsten Dank Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 2. Oktober 1899. 7081 Seipell, Gmchtmlhichtt. Berintwsrtlichcr Rkdaklrur: H. Roe (er. — Druck und «erlag der Briihl'schrn UniversitütS-Buch. und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen. Ä 3>ie heutige Wummer umfaßt 12 Seite». Ein jiingrr Fortmier weiß mit gelben Ohren, entlaufen Tüchtiger Frismgkhilse gesucht. Hermann Kuhl, Friseur, 7078 Wallthorstraße 11. BauteohrdBoho Fachschulen Arnstadt 1.7h. 1.Bangewerk-, 2.Eisen bahn-Teehnlker- u. Bahnmeister- u. 3. Strassen u. Tiefbau-Schule. J Lehrgang 4 Semester. Staatsaufsicht durch Staatskommissar. Wohne sitzt Fichrrstratze 7. Daselbst wird Wäsche nur zum Bügeln (Glanzbügeltt) angenommen. 03457 Fian K. Pich Witwe. 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KeKanntmachung. Johann Heinrich Kehr Witwe, ge'. Ka> ber, und Genoffen zu Trei» a. Lda. haben beantragt, das in der G markung Mainzlar gelegene Grundstück Flur VI Nr. 93 - 52075 m Acker obig dem Seilbacher Weg im Grundbuch der „Herrschaft Äur* Hessen- ohne Erwerbtitel zugeschrieben, auf ihre Namen in einzelnen Teil stücken nach vorgelegtem Meßkrie mit dem Erwerbtitel „Ersitzung" zu überschreiben. Es ist bescheinigt, daß dies Grund stuck zu dem früheren Erbleihgut der Herrschaft Kurheffen, dem sog. „Acht- höfegut" in der Gemarkung Treis und Mainzlar, gehörte, welches durch Ab^ösungsvertrag vom 10. Februar 1849 von dem Erbleihverband befreit wurde, und daß die Antragsteller und ihre Nechtsvorgänger dasselbe bezw. die beanspruchten Teilstücke seit Jahren ungestört besessen haben. Es werden hiermit alle dritte Personen, welche Ansprüche an dies bezeichnete Grundstück bilden und Einwendungen gegen die beantragte Ueberschreibung erheben, aufgefordert, solche binnen sechs Wochen bei dem unterzeichneten Gericht geltend zu machen, widrigenfalls dir beantragte Ueberfchreibung bewirkt werden wird Der Antrag mit Anlagen liegt bei uns zur Einsicht offen. Gießen, 26. September 1899. Großh. Amtsgericht. __________Schmidt. 7071 Vergebung von Bauarbeiten und Lieferungen. Samstag deu 7. 1. Mts., Nachmittags 5 Uhr, sollen in dem Gemeindehause zu Wieseck nachstehende Arbeiten und Lieferungen öffentlich in den Akkord gegeben werden: veranschlagt zu Mmr-Hn, :lopf dunkel, ohne Halsband, am Mittwoch entlaufen. Gegen gute Belohnung abzureben bei 03452 Friseur Stier, Schulstraße. 03464] 'Kleines Hündchen mit Schelle am Halsband zugelaufen. Gandgasse 17. 7076] 3-Znnmerwohnung an ruhige Leute zu vermieten. Näheres Bahnhofstraße »4, r. 03460| Neuenweg 9 im 3. 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