. 128 Zweites Blatt Samstag den 3. Juni 1899 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Bei Postbezug R Mark 50 Pf^ ^rrteljährlich Aezugsprei« vienetjährlich 2 Mark 20 Psz. monatlich 75 PfA mit Brmgerloh». »»« Anzeigen zu der nachmittag- für den ' jchack« Tag erscheinenden 9himmrr bi- vorm. 10 Uhr. ttgNch V >L-nahme de- Montag-. Alle «nzeigen-BermlNlung-stellen de- In- und «u-lande- «ehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger cntgege«. die Gießener 3freW<*mtUr ■ Hirn dem Anzeiger Iinthemlich viermal beigelegt. Amts- nnd Anzeigeblcitt für den Ttreis Giefzen. R*«ftion, Espeditton und Druckerei: OchnkArntze Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblatter, Der hessische Landwirt, Kliitter für hessische DalKsKnnde. Adreste für Depeschen: Anzeiger chtetze«. ssernsprecher Nr. 51. Deutsches Reich. Nerlw, 1. Juni. Die sogenannte Zuchthaus-Do r- 'I ige ist heute int Reichstage eingegangen. Sie trägt den ' Kid: Gesetzentwurf zum Schutze des gewerblichen Arbeits- verhältniffes. Der Entwurf umfaßt 11 Paragraphen. In § 8 heißt es u. a. Ist infolge eines Arbeiter-Ausstandes »der t iner Arbeits-Aussperrung eine Gefährdung der Sicher- hnl ieS Reiches oder eines Bundesstaates eingetreten oder eine Gemeingefahr für Menschenleben oder Eigentum her- btigeftührt worden, so ist auf Zuchthaus bis zu drei Jahren, Mn die Rädelsführer auf Zuchthaus bis zu 5 Jahren zu erfeneen. Berlin, 29. Mai. Arbeitspensum des Reichstag e-S bis zur Vertagung. Die heute dem Reichstage Wlgrgangene (aber bis Montag abend im Druck noch nicht »rteilte) Vorlage wegen Verlängerung des handels- yvlitischen Provisoriums mit England erweitert Än »reis derjenigen Gesetze, die bis zur Vertagung un- •tbinyt erledigt werden müssen. Die Gegner der Handels- xtträge lassen sich zweifellos diese schöne Gelegenheit nicht «itgchen, noch einmal vor den langen Reichstagsferien ihr chrz durch heftige Angriffe gegen die Staatssekretäre ». T^ielmann und v. Bülow zu erleichtern. Hinsichtlich «iniger anderer Vorlagen, die durch ein mühevolles Ver- Wat in der Kommission das nächste Vorrecht beanspruchen Mtftm, noch vor der Vertagung die ersehnte Verabschiedung F erlangen, stehen die aus ein und derselben Quelle Menden Nachrichten über die Gewerbenovelle in sstarkt m Widerspruch zu einander. Wird die Parole aus- zrgeben: die Regierung rechne sicher auf die Erledigung Lieser Novelle, so bewegt sich diese Sicherheit durch die Müirung: der Mehrzahl der verbündeten Regierungen sei He Bestimmung des obligatorischen Ladenschlusses mvnehmbar — was thatsächlich zutrifft — doch auf sehr schwachen Füßen. Regierung und Reichstag darf zufrieden |(in und aufatmen, wenn es in den Junitagen gelingt, auch mt das allernotwendigste, was sozusagen auf den Nägeln trennt, in die Reihe der Reichsgesetze einzustellen-- «Iso das Jnvalidenversicherungsgesetz, jenes Handelsprovisorium mit England, den Nach- tragSctat und allenfalls noch die Vollmacht für die Ge- tühren-Erhebung auf dem Kaiser-Wilhelm-Kanal. Zeichen und Wunder müßten geschehen und der Staats- srkrrtär v. Podbielski müßte über eine Art hypnotischen Einflusses auf die lässigen Reichstagsmitglieder verfügen, sollten auch noch die Postgesetze vor der Vertagung ihrem noch immer ungewiffen Schicksal entriffen werden. Allerdings kann die Vertagung sich verhängnisvoll für diese Entwürfe gestalten, da ziemlich sicher anzunehmen ist, daß der in der Kommission leider eingeschläferte Widerstand gegen den Postzeitungstarif und die Erweiterung des Postregals im Herbst wieder erwacht zu stärkerer und nachhaltigerer Bethätigung. Für den Nachtragsetat stehen namentlich der Kolonialverwaltung heiße Debatten bevor. Die Angelegenheit der Gebrüder Denhardt kann so, wie der Nachtragsetat vorschlägt, nicht endgiltig geregelt bleiben; solch übel angebrachte Knauserigkeit der Regierung wird ihr selbst den größten Verdruß bringen und kann wahrlich koloniale Unternehmungen nicht ermutigen. Einen wahrscheinlichen Vorstoß der Sozialdemokratie gegen angeblich unerträgliche Verhältnisse der Eisenbahnarbeiter beim Bau der kleinen Bahn in Südwest-Afrika dürste die Kolonialverwaltung dagegen sehr leicht abzuwehren sich in der Lage fühlen. M. N. N. Berlin, 31. Mai. Der Kanal der zwei Meere. Man schreibt der „T. R." aus Paris: Der „Gaulois" nimmt heute die Gelegenheit wahr, von neuem auf die nationale Bedeutung des projektierten Zwei-Meer-Kanals hinzuweisen. Er zweifelt nicht daran, daß die Möglichkeit, auf kürzestem Wege, ohne Spanien umschiffen zu müssen vom Atlantischen Ozean zum Mittelmeer zu gelangen, stark ausgenützt werden wird, sodaß also die wirtschaftliche Rentabilität gesichert erscheint. Das ist durch die Berichte von einer ganzen Reihe technischer Kommissionen festgestellt worden. Das, was aber besonderes Interesse erregt, ist die Bedeutung des Kanals vom Gesichtspunkt der nationalen Verteidigung. Und hier ist den Verteidigern des Projekts ein starker Bundesgenosse in dem Admiral Fournier entstanden, der in seinem Buch „Flotte neceaaaire“ von den Mitteln spricht, die man hat, England an der Ausführung seiner Absicht, den größten Teil der französischen Flotte im Mittelmeer einzuschließen und von der Ozeanflotte abzuschneiden, zu hindern. Fournier schreibt: „Man erkennt leicht, wie sehr der Zwei-Meer-Kanal, den man zwischen Mittelmeer und Atlantischem Ozean zu bauen vorhat, diesem strategischen Plane zugute kommt. So wäre die furchtbare Barriere, von Gibraltar, die das französische Nord- und Südgeschwader trennen und England die Vorherrschaft zur See im Mittelmeer sichern und den direkten Seeweg nach Indien überwachen sollte, zum Vorteile Frankreichs gewandt. Obendrein immobilisiert die für das französische Geschwader vorhandene Möglichkeit, in diesen Kanal zu entschlüpfen, im Kriegfall einen großen Teil der englischen Flotte an der Küste des Atlantischen Ozeans und würde sie allem Ungemach und Sturm schutzlos preisgeben. Der Kanal wäre außerdem ein Gegengewicht gegen den Nordostseekanal." Diese Aeußerungen bekommen den Charakter des Aktuellen besonders durch die neueren von Madrid herüber gemeldeten Nachrichten von ganz außerordentlichen Anstrengungen, welche die Engländer in Gibraltar machen, das neue Schnellfeuerbatterien erhalten hat. Man sieht, die Franzosen find gar nicht beruhigt über die Absichten ihrer Nachbarn von jenseits des Kanals, und es begreift sich, weshalb von gewisser Seite auf die Kammer gedrückt wird, daß sie durch die Bewilligung des Projekts sich ein dauerndes Verdienst um die nationale Verteidigung erwerbe. — Aus Sachsen-Koburg und Gotha. In der Sitzung des gemeinschaftlichen Koburg-Gothaischen Landtages kam es zu einer bemerkenswerten Debatte. Bei der Haushaltsberatung führte der Abg. Liebetrau aus, daß die Frage der Thronfolge des Herzogtums Sachsen-Koburg- Gotha über die Grenzen desselben in weiten Kreisen eifrig und ernst besprochen werde, wozu nicht zum geringsten manche befremdliche Aeußerung der englischen Presse den Anlaß gegeben habe. Der Landtag weise das vorgeschlagene Eingreifen der Reichsinstanz zurück, lege jedoch dagegen Verwahrung ein, als könne Land und Volk von Koburg und Gotha als ein totes Familienerbstück betrachtet werden. Nach Paragraph 4 der Verfassung habe der Herzog seinen wesentlichen Aufenthalt im Staatsgebiete zu nehmen, um mit den Zuständen des Landes und den Bedürfnissen des Volkes vertraut zu sein. Dieser Gesichtspunkt sei auch für den Thronfolger geltend, der seinen wesentlichen Aufenthalt im Lande nehmen müsse. Nach dieser Richtung hätte die Staatsregierung längst eine beruhigende Erklärung erlaffen sollen. Redner glaubt im allgemeinen Einverständnis zu handeln, wenn er diese hochbedeutsame Frage hier anrege und der Staatsregierung Gelegenheit gebe zur Aeußerung, bevor dieser Angelegenheit an Wichtigkeit nachstehende Fragen bei der Etatsberatung besprochen werden. Hierauf bringt der Abg. Arnold folgenden Antrag ein: „Der gemeinsame Landtag wolle die herzogliche Staatsregierung ersuchen, an höchster Stelle darauf hinzuwirken, daß der nach menschlichem Ermessen dereinst zur Thronfolge berufene Prinz Feuilleton. Unser Harten im Juni. (Nachdruck verboten.) Der Monat der Rosen, der Erdbeeren und der Gemüse, foelisch veranlagte Menschen, Prosaiker und Feinschmecker, «lle bekommen ihr Teil. — Die Hausfrau ist sehr erfreut Iber die Menge der Gaben, die der Juni ihr bietet, denn jiht ist das Gemüse soweit gediehen, daß mit wenig Kosten liefe schmackhafte und gesunde Kost sich erwerben läßt. Im Juni ist dem Rasen viel Aufmerksamkeit zu widmen. l>Ls Gras wächst nun am raschesten und oft muß Sichel ick Sense oder die Rasenmähmaschine in Thätigkeit treten. - Früher war es eine gewaltige Summe, die für ein HIches Instrument angelegt werden mußte, aber die Massen- ^krikation hat dafür gesorgt, daß man für ein Goldstück sho n eine gute und dauerhafte Maschine bekommt, die unter liirn Namen „Victor" sich bereits in den meisten größeren Irrten befindet. Das Walzen oder Treten des Rasens uch dem Schnitt wird im allgemeinen noch viel zu wenig -Gewendet. Wenn man aber diese sammetartige, dichte mbi dicke Rasennarbe erreichen will, die wir an den Rasen- flackhen in England bewundern, so soll man diese Arbeit iifyt versäumen. — Rasen, der im Wachstum zurückbleibt, iiimtern wir mit einigen Gaben lose darüber gestreuten Wi-Salpeters wieder an. Dies darf aber nur bei Regen- Witter geschehen. Im Blumengarten schneiden wir die verblühten Blumen «b oder ziehen abgeblühte einjährige Pflanzen aus. Nichts is! nnsympatischer, als wenn die häßlichen Ueberbleibsel in« das Sterben der Natur schon im Sommer vor Augen sihue». Bei den Rosen ist daneben noch das Abschneiden irr sich dem Abblühen nähernden Blumen ein kräftiger Intlrieb, daß die Kräfte erhalten bleiben nnd sich der Vervollkommnung der übrigen Blüten und dem Neutrieb dienstbar machen. — Man schlägt also zwei Fliegen mit einer Klappe. Von Mitte des Monats ab beginnt die beste Zeit zum Vermehren der Pflanzen durch Ableger, Senker und Stecklinge. Gegen Ende des Monats werden Bohnen und Erbsen, Winterrettig und Möhren für den Herbstverbrauch ausgesäet. Nie laffe man ein abgeerntetes Gemüsebeet unbepflanzt liegen. Bei dem Gartenfreund muß es nicht allein heißen: Zeit ist Geld, sondern auch: Platz ist Geld. Wenn wir Gemüsepflanzen versetzen, so nehmen wir diese Arbeit am Abend vor. Spargel kann bis zum 20. Juni gestochen werden. Sticht man noch länger, so schadet man der nächsten Ernte. Was von den herauskommenden hübschen Bäumchen später gelb wird, schneidet man tief in der Erde ab und verbrennt es. Bei Gurken, Melonen und Kürbissen werden die Ranken gleichmäßig verteilt. Rechts und links von den Gurkenreihen steckt man Holzreisig mit einer leichten Neigung nach hinten. Die Gurkenranken klammern sich daran, und ihre Früchte sind der Fäulnis nicht so sehr ausgesetzt, die Ranken verteilen sich auch besser und tragen reichlicher. — Melonen- und Kürbisranken stutzt man über dem vierten und fünften Blatt, schneidet die männlichen Blüten aus und behält nur so viel davon, wie zum Befruchten nötig find. Die Fruchtranken stutzt man bei dem zweiten Blatt über der Frucht ein. Die Sonne steigt höher und höher, sie scheint über Gerechte und Ungerechte, letztere find für den Gartenfreund die Feinde seiner Lieblinge, die Insekten. Häufig kann man jetzt die Weidenbohrraupe (Coaana ligniperda) erwischen. Diese 8 bis 10 Ctm. lange, dunkelrote Raupe findet ein Vergnügen daran, in Weiden-, Obstund Laubbäumen fingerdicke Löcher zu bohren und Gänge auzulegen. Mehrere dieser Raupen können einem Baum den Tod bringen. Man träufelt in die Bohrlöcher etwas Schwefelkohlenstoff und verstreicht das Loch mit Lehm. Wenn man den Schmetterling erlangen kann, ist es noch besser. Er ist ein träges Tier, 4 Ctm. lang, braungrau und sitzt in halber Höhe des Stammes. Wir schütteln den Apfelblütenstecher von den Bäumen. Dieser Rüsselkäfer ist ein gefährlicher Feind der Obstzucht. Er ist nicht sicher auf den Beinen. Schlägt man ganz früh am Morgen mit einer oben mit Stroh umkleideten Stange an die Zweige, dann fällt er auf die untergelegten Tücher und wird vernichtet. Dabei finden auch noch verschiedene andere Schädlinge ihren verdienten Tod. Der Apfelwickler (Tortrix pomonana) hat eine Made, die sich nach dem Kernhaus durchfrißt. Die braune Masse in dem Gang ist etwa kein verdorbenes Apfelfleisch, sondern direkt Unrat der Made. Gegen die Raupen in unseren Gemüsegärten hat mau jetzt einen „Raupengreifer" erfunden, ein scherenartiges Instrument, das die Jagd auf die Raupen zum Sport macht. Am 21. beginnt der Sommer. Sommersonnenwende — das ist für den Gartenfreund der Tag, an dem er Bilanz zieht, sich Rechenschaft giebt über alles, was er zum Wohle seiner Pfleglinge gethan hat und — hätte thun können ... das weitere steht nicht in seiner Macht, die volle Reife, das Resultat muß höheren Gewalten überlassen werden. Wie gut und nötig wärs doch, wenn wir immer an den Tag dächten, an dem wir uns vor uns selbst über die Erfüllung unserer Pflichten verantworten müssen. Und wie nützlich, an der Sonnenwende unseres Lebens, wo noch gebessert werden kann, derlei Betrachtungen anzustellen. I. C. Schmidt in Erfurt. Fabriken 9 Stunden — Minuten. 20 H ff H ff Winter 15 - 8 „ 10 „ 20 lst ersichtlich, daß die durchnittliche Arbeitszeit ii Hieraus (Fortsetzung folgt.) 2. 3. 4. M ff 10 20 30 10 15 20 30 10 35 2 2 10 2 11 2 12 2 28 2 ff ff 9 10 10 10 10 10 9 9 9 9 10 10 im ff Knegsmmisters obliege«, arge Meinungsverschiedenheiten herrschen, so glaubt man, daß letzterer sich mit aller Macht einer Verlängerung des Kommandos widersetzen wird. Welches der Grund zu dem Zerwürfnis ist, weiß man nicht, ob Wolseley sich in die Geschäfte des Ministeriums gemischt hat, oder ob Lansdowne Einstuß auf die Truppenführung hat gewinnen wollen, jedenfalls ist es Thatsache, daß ein solches besteht. Dresden, 1. Juni. Die Dresdener Neuesten Nachrichten melden: In der vergangenen Nacht ermordete der Bauarbeiter Ludwig in seiner Wohnung im Vororte Strießen seine Ehefrau und sein halbjähriges Kind, steckte die Wohnung dann in Brand und entfloh. Frau und Kind wurden heute in den frühesten Morgenstunden entsetzlich verstümmelt und verbrannt aufgefunden. Der Mörder scheint in plötz- Ucher Geistesumnachtung gehandelt zu haben. Arthur von Connaught baldmöglichst seinen wesentlichen Aufenthalt in den Herzogtümern Koburg und Gotha nehme, Hierselbst eine deutsche Erziehung erhalte und sich mit den Verhältnissen seiner neuen Heimat aus eigenen Anschauungen vertraut mache." Diesen Antrag will Staatsminister Strenge an die Kommission verwiesen wissen, um dort Erklärungen abzugeben, die sich der Oeffentlichkeit entziehen sollen. Der Landtag beschließt jedoch sofortige Abstimmung und nimmt den Antrag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten an. .7" 8ur koburg-gothaischen Thronfolge, kl "Tügl. Rundsch." Es werden immer wieder, offenbar falsche Meldungen über diese Frage verbreitet. So meldete jetzt wieder der Berliner Vertreter der „Mor- mng Post", der Herzog von Connaught wolle auf seine Ansprüche zugunsten des Herzogs von Albany verzichten. Das ist natürlich falsch. Wir glauben die Quelle dieser Nach- richt zu kennen. Sie beruht augenscheinlich auf einem Mißverständnis. Vor einiger Zeit war nämlich in einem sonst ; gut unterrichteten und angesehenen deutschen Blatt eine i Notiz zu lesen, deren Verfasser den jungen Herzog von Albany für den Sohn des Herzogs von Connaught gehalten hatte. Bekanntlich ist aber der Herzog von Albany der nachgeborene Sohn des verstorbenen jüngsten Sohnes der Königin von England. Es ist immer nur von einem möglichen spätern Verzicht des Herzogs von Connaught zugunsten seines Sohnes die Rede gewesen, und jene Verwechselung hat dann die neueste Lesart daraus gemacht, auf die freilich I ber Korrespondent eines englischen Blattes nicht hinein- I fallen durfte. Drei Cigarrenfabriken beschäftigen Arbeiterinnen rn besonderen Räumen mit Bekleben der genagelten Kisten. Drei Waschanstalten beschäftigen Arbeiterinnen mit Mangeln, Bügeln und Legen der Wäsche, während männliche Arbeiter das eigentliche Waschen in an- deren Räumen besorge«. Eine große Möbelfabrik beschäftigt 10 Arbeiterinnen in einem besonderen Raum mit Polieren sertiaer Stühle. b m Straße a Aus dem Jahresbericht deS Großh. Hessische« Getverbe-JuspektorS der Gewerbe-Juspektioa Gießen für 1898 (die Provinz Oberhessen umfassend) (Fortsetzung). Art der Beschäftigung. Die Cigarrenindustrie hat einige Aenderungen erfahren. Einesteils sind in der Stadt Gießen 3 neue Fabriken entstanden, dafür aber eine von Gießen auf das Land verlegt und eine kleine eingegangen. Anderenteils sind auch auf dem Lande neue Fabriken entstanden und kleinere, ftüher | nicht gemeldete hinzugekommen. Ein Vergleich von Zusammenstellungen zeigt wiederum die Behauptung früherer Jahre bestätigt, daß die Cigarren- industrie sich mehr in den Landbezirken ausbreitet, als in der Stadt, indem sie den Arbeitskräften nachgeht. Zu begrüßen ist hierbei besonders der Umstand, daß die neuen Cigarrenfabriken auf dem Lande neue, geräumige, luftige den Anforderungen der Jetztzeit entsprechende Arbeitsräume beschaffen, während die älteren Fabriken in der Stadt teilweise ihre weniger guten und in Ausdehnung beschränkten Arbeitsräume verwenden müssen. Bezüglich der Cigarren- mdustrie sei noch erwähnt, daß in vorstehenden Tabellen emige Heine Cigarrenbetriebe mit ausgenommen wurden, welche direkt nicht als Fabriken zu bezeichnen sind. Die Wirkung der Bundesrat-Bekanntmachung vom 8. Juli 1893 erstreckt sich aber nicht nur auf Cigarrenfabriken, sondern, wie es im § 1 heißt: auf alle Anlagen, in welchen zur Herstellung von Cigarren erforderliche Verrichtungen vorgenommen werden, sofern in den Anlagen Personen beschäftigt werden, welche nicht zu den Familiengliedern des ' Unternehmers gehören. Ueber Heimarbeiten, speziell in der I Cigarrenindustrie, hat die letzte Erhebung folgendes Resultat M ' Die zur ' durchfahrt in ■ *nb Liefen«! litnstig 1 uachi im Gemeinde schriftlichen? krdarbeitev Ehaufsieruuk Kanalanlage Pflasterarbei bandiieferui Nfuhr von Voranschlä liegen im (j M Einsicht c Ntn, de An Glchhn der Ueber die sittlichen Zustände in Fabriken mit Arbeitern beiderlei Geschlechts ist dem Gewerbeinspektor nichts Nachteiliges bekannt geworden. Die Unternehmer und deren Vertreter scheinen in dieser Beziehung sehr wachsam zu sein. Die Bedürfnisanstalten jedoch, namentlich in älteren Cigarrenfabriken, entsprechen zum Teil nicht den Anforderungen, und sind außerdem vielfach in zu geringer Anzahl vorhanden. Die Cigarrenfabriken der Landorte haben vielfach bei den Aborten nur je eine Sitzgelegenheit für die männlichen Arbeiter und eine für die Arbeiterinnen. Angeblich ist diese Anzahl genügend, da fast sämtliche Arbeiter die Pausen in ihren Wohnungen verbringen. Erwähnt sei noch, daß 21 Fabriken gefunden wurden, deren Aborte nicht durch Aufschrift als solche für Männer und als solche für Frauen bezeichnet waren. 0. Arbeiter ’im allgemeinen. Im diesseitigen Bezirk ist die Gesamtzahl der erwachsenen männlichen Arbeiter einschließlich der Bergbetriebe, in 958 Anlagen 9838, gegen 1897 in 582 Anlagen 7519. In „Fabriken" allein wurden beschäftigt: 1898 in 611 Betrieben 9177 erwachsene männliche Arbeiter 1897 „ 376 .. 7178 „ In diesen Betrieben sind enthalten 18 (1897:" 17) betr.: Die bl i soll im Wegk : vtrgrben we I bis zum 1 ü geböte arrr 11 .. 52. Cigarrenfabriken des Kreises Gießen geben 12 Betriebe im ganzen angeblich 81 Arbeiterinnen, abends Arbeit mit nach Hause. Ob dieses Resultat der Wirklichkeit entspricht, läßt sich zur Zelt nicht beurteilen. Insgesamt werden in den erwähnten 52 Cigarrenfabriken 2000 Arbeiterinnen (einschließ- Uch der jugendlichen) beschäftigt, sodaß demnach von diesen Arbeiterinnen 4 Prozent Heimarbeit mitbekommen, und 12 Prozent der Fabriken des Kreises Gießen Heimarbeit mit- geben. Außerdem giebt es aber noch Familien, welche Clgarrenfabriken nicht besuchen, teils aber für eigene Rechnung, teils für Cigarrenfabriken Cigarren, namentlich Wickel, anfertigen. Eine Zahl solcher Familien läßt sich zur Zeit nicht angeben, weil darüber keine Erhebung besteht • jedenfalls werden es aber im ganzen Bezirk nicht 200 Familien sein. Eine Trennung der Geschlechter findet in den Fabriken rn der Regel nicht statt, und seien daher nachstehende Fälle erwähnt: 1. Eine Albumin- und Chlorsilberpapierfabric beschäftigt Arbeiterinnen mit Bestreichen und Trocknen des Papieres in besonderm Raum. Sitzung der Stadtverordneten am 1. Juni 1899. I Anwesend die Herren Oberbürgermeister Gnauth, I Beigeordneten Georgi,Grüneberg und Wolff,vo» selten I der Stadtverordneten die Herren Brück, Emmelius, Euler, Faber, Flett, Dr. Fuhr, Dr. Gaffky, Hanau, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Huhn, Jughardt, Keller, Kirch, Krumm, Leib, Löber, Loos, Orbig, Petri, vr. Schäfer, Schmal! und Wallenfels. — Entschuldigt die Herren Grünewald. Dr. Gutfleisch, Heyligenstaedt, S cheelund Schiele. Vor Eintritt in die Tagesordnung bringt Herr Oberbürgermeister Gnauth eine Einladung des Kriegervereins Gießen zu dessen am 3., 4. und 5. Juni stattfindenden 25jährigen Stiftungsfeste zur Kenntnis der Versammlung. Nach einem im Jahre 1897 von dem K. K. Hauptmann Friedrich Heyer von Rosenfeld in Wien errichteten Testament wurde die Stadt zum zehnten Teil seines Vermögens als Erbe eingesetzt mit der Maßgabe, daß der Zinsenertrag eines Fünftels jährlich am Sterbetage des Testators an bedürftige Arme verteilt wird, die übrigen vier Fünftel aber durch Zinsansammlung bis zu 20000 Mk. gebracht und dann das Zinserträgnis den in Gießen geborenen evangelischen Stadtarmen zu gute kommen soll. Der Testator ist inzwischen gestorben, und werden nach der vorliegenden Abrechnung des Testamentsvollstreckers ruxi 8500 Mk. der Stadt zufallen. Die Versammlung sprach sich für Annahme des Legates zu den Bedingungen bei Testaments aus. Ein nach Ausbau der Steinstraße an der Kreuzung derselben mit der Schottstraße frei gebliebenes Stück städtisches Gelände von 67 Quadratmeter soll zum Preise von 1000 Mk. an die Anlieger, Brüels Erben, abgetreten werden. Herrn Heinr. Tichy, welcher an Stelle seines Hauses Ecke des Selterswegs und der Goetheftraße einen Neubau errichten will, wird das in der Goetheftraße befindliche Gelände zum Preise von 100 Mk. pro Quadratmeter überlasten; betreffs des übrigen Geländes wird ein Tauschvertrag gutgeheißen. Die Herren Architekten Stein und Meyer bea>* sichtigen, vom Brandplatz nach der Ostanlage (JustizqebSude) Cigarrenfabriken 10 Stunden währt. Im Sommer lass» 16 dieser Betriebe länger als 10 Stunden arbeiten, um hinter 10 derselben. Eine regelmäßige llstündiae Arbeitszeit hält kein Betrieb. ZSÄ wj* 'J l'Ä i di- 5®* ' 101 Hf- Die N l i an d-c Zn der öSteintveg' »weshalb der -Die Setjamt i MWen § Herrn 1 Bewahrung v ! schule pachtn- DerLel ^Zink, laut iber Klassenzi »weise Gegen! gewiesene W> i gleichen nachl ivon Klasseuz «vordenen Scl Als Zus iversammlung melden 15(M j tdU mit Rück ! M unter Hi I be'Mm be gchivchm toi II. MS? N«t Die Betriebssicherheit auf den deutschen Eisenbahnen. In einer Besprechung der Statistik der im Etatsjahr 1898 vorgekommenen Zugunfälle hatte die ^Berl. Korr." festgestellt, daß bei den Zugunfällen drei Reisende getötet und 55 verletzt worden seien. Diese Angaben waren von anderer Seite mit dem Hinweise darauf bemängelt worden, daß die monatlich im „Reichsanzeiger" veröffentlichten Nachweisungen des Reichseisenbahnamtes allem für die Monate April bis einschließlich November 0. I- 44 getötete und 113 verletzte Reisende verzeichneten. Dazu bemerkt nun die amtliche Korrespondenz: Das Blatt hat übersehen, daß sich die Notiz lediglich auf die Entgleisungen und Zusammenstöße von Zügen, d. h. auf diejenigen Ereignisse bezog, die einen Schluß auf den Stand der Betriebssicherheit einer Bahn zulassen. Bei diesen Vor- kommmssen ist thatsächlich nicht mehr als die angegebene Anzahl von Reisenden zu Schaden gekommen. Die sonstigen auf den Eisenbahnen vorgekommenen Tötungen und Verletzungen von Reisenden (im Etatsjahr 1896 56 und 103) Jini) auf andere Ursachen, das Einsteigen in bereits im Gange befindliche Züge, das Abspringe« von solchen, den Aufenthalt auf den Plattformen der Wagen während der ' Fahrt, das unzeitige Ueberschreiten von Geleisen und der- I Zechen der Hauptsache nach also auf die Unvorsichtigkeit der Reisenden selbst zurückzuführen, und waren deshalb in die, die Betriebssicherheit betreffende Mitteilung nicht aufzunehmen. M.P.6. Das Herrenhaus hat die Karfreitagsvorlage in einer Form angenommen, die auf den Widerspruch des Fürstbischof Kopp stieß. Es ist schwerlich daran zu denken, daß die Regierung unter diesen Umständen Wert daraus legen werde, die Vorlage mit dem sogenannten Graf I Pfeilschen Amendement zustande kommen zu sehen. Vielleicht dürften aber diejenigen Recht haben, welche meinen, es er- I scheine dem Staatsministerium nicht als richtig, bei der I jetzigen Geschäftslage darauf zu bestehen, daß auch das Abgeordnetenhaus so schnell wie möglich über einen Gesetzentwurf befinde, welcher leicht zu einer Verschärfung der konfessionellen Gegensätze führen könnte. M.P.C. Dem Reichtage ist die von uns angekündigte I Vorlage wegen Verlängerung des Handelsprovi- sonums mit England zugegangen. Durch diesen Gesetzentwurf soll der Bundesrat ermächtigt werden, den Anae- I h^gen und den Erzeugnissen des bereinigten Königreichs I von Großbritannien und Irland sowie den Angehörigen und den Erzeugnissen britischer Kolonien und auswärtiger Besitzungen bis auf weiteres diejenigen Vorteile einzuräumen, d^e seitens des Reiches den Angehörigen oder den Erzeugnissen des meistbegünstigten Landes gewährt werden. In I ber Begrünung heißt es, bie über ben Abschluß eines neuen Handelsvertrages zwischen dem Reiche und Großbritannien, eingeleiteten Verhandlungen befänden sich noch in der Schwebe unb es stehe nicht zu erwarten, baß bis zum 30. Juli 1899 I eine enbgiltige Regelung erzielt werden könne. Deutscher- I £ltd nnd die Wünsche, die in unseren Industriellen- und Handelskreisen an den Abschluß eines neuen Handelsver- I trageö mit England geknüpft worden, schon lange in Downing- I Street zur Anmeldung gebracht worden. Die Prüfung der- | felben seitens der zuständigen Stellen in London hat Rück- I fragen der letzteren in Berlin veranlaßt. Auf diese ist stets prompt geantwortet worden. Wenn in den bezüglichen SBetfianblnngen neuerdings ein Stillstand eingetreten ist/so erflart sich dies einmal daraus, daß in England Zweifel beftegen, ob nicht ein gelegentlich des Regierungsjubiläums I unb °°" Söni9in von Großbritannien tobum grnthr,^38? 9ef?mmencr Plan zu schon gewesen ! ™ ?'““f em langes Leben zu haben und dann I batau«, daß in England die Furcht vor der deutschen Kon- I furrenj in handelspolitischer Beziehung derartige Dirnen- I Panen angenammen hat, daß überall der Argwohn auf der Schwelle lauert, man könne dem Rivalen durch Abschluß I e,ne« neuen Handelsvertrages die Möglichkeit, neue Vottcke zu gewinnen, tu die Hände spielen I _ — 3” Jahre 1900 läuft die auf 5 Jahre bemessene i «""sr-it des Lord Wolseley als Höchstkommandierender i der englischen Armee ab, unb es verlautet jetzt schon gerächt- I ' eine Verlängerung bieses Kommandos um 1 Jabr ' beabfidmat wirb. Da aber zwischen bem Lo.b Wolselev unb dem MarquiS of Lansdowne, dem bie Geschäfte eines | . MMen geben bis ISftünbige Arbeitszeit an, roähri.i Stembrüche unb Zimmerplätze je nach der Jahres>ei, L, 12 Stunden arbeiten lassen. Bemerkt sei noch, daß die jugendlichen Arbeiter Vor mittags- und Nachmittagspausen von je Ve Stunbe habr. wenn Nicht für kürzere Panse besondere Erlaubnis erteilt ift ®ie 6tgarrcnfa6rifc«, welche mit wenigen Ausnahme» sämtlich Arbeiterinnen beschäftigen, schließen Sonnabend! und an Tagen vor Festtagen abends */a6 Uhr. ?rJ^«utr.cine .nebcrtretung bezüglich der Bausen fir jugendliche Arbeiter tn Clgarrenfabriken gefunden worben Aus einer beigegebenen Tabelle ergiebt sich, hab m 6ö Clgarrenfabriken des Bezirks arbeiten lassen an gewöhn lichen Werktagen: ä 4 “ Sommer: 4 I Bergbetriebe mit 1005 (1897: 12241 Uchen Arbeitern, welche bet Bergbehörde unt?r»-^ ’4”' 3m Aufsichtsbezirk sind demnach be ann ' 1897 359 * 7 Sä - „ . Arbeitszeit. Im allgemeinen herrscht, außer in den Feld.i,.., im diesseitigen Bezirk eine geregelte und nicht $ S, ! lange Arbeitszeit. uoertneben ... . 9m Hochofenbetrieb find Sommer und Winter Zünd,ge Schichten m,t e.nstündigen MittagspauE *'S" Somm-r wahrt bie Frühstücks, unb Vesperpause le ,/ IM Winter je l/t Stunde. V IC '« Die Taglöhner haben außerbem im Sommer unb im Winter 9ftünbige Arbeitszeit. lu|tunbise ... 2-f den Fabriken, welche nur tagsüber arbeiten ist gewöhnlich im Sommer lOftünbige, im Winter 9N° ' i atbeiKjeit. Die Brauereien lassen in ber Regel 10 die Bnchdrnckereien 9 Stunden arbeiten. Besonder nahmen machen Ziegeleien, Mühlen, Steiubrüch, „ Zimmerplätze. und ... Di- Ziegeleien geben durchschnittlich eine 11- nnb „ stund-g- Arbeitszeit an. Einige Feldziegeleien hak 7 stunstige eine sogar ISstündige Arbeitszeit angefiibr bei werden vormittags und nachmittags je mittags 1 Stunde Pause gehalten. *** Im allgemeinen läßt sich behaupten, daß di- aSentbClttr 9Ünfti3Cm ®'“et "°ch Möglichkeit la»,. 21 in Straße anzulegen, welche neben der jetzigen Stall- wMNvohnung auf den Brandplatz münden soll. Die an ö.rn Straße selbst zu errichtenden Häuser sollen Vorgärten adp m und im Villenstil erbaut werden, während die für 2 «i Lrandplatz geplanten Häuser sich in ihrer Bauart den- ienijtn der Zeughauskaserne und des demnächst zu restau- r imiben Kanzleigebäudes anschließen sollen. Die von der ZZilcdt gestellten Bedingungen: Festsetzung des Kaufpreises di« alten Stallmeisterwohnung auf 8000 Mk., unentgeltliche IWjung des Geländes für die Straße zur Braugasse an di« Stadt, Leistung eines Zuschusses seitens der Stadt zum 65tiaf enbau, einschl. Trottoir und Arbeiten an der Heber» IfflUung des Schorgrabens, werden gutgeheißen. Auf Ersuchen des Kirchenvorstandes wird beschlossen, JH Hälfte der Kosten der Herrichtung von Wasser- idflilffen an der Stadtkirche im Betrage von M Mk. auf die Stadtkasse zu übernehmen. Die Kosten, welche aus der Herstellung einer Ein- ritieigung am Volksbad auf der Westanlage anteilig ni bie Stadt entfallen, werden bewilligt. In der Parallelstraße zur Grünbergerstraße, A m 8tei ntoeg, ist mit der Bebauung begonnen worden, mtShalb der Ausbau der genannten Straße geboten erscheint. ®e Versammlung genehmigt die auf 13500 Mk. ver- Lislhlogten Kosten. Herrn Gärtner Schmitz soll ein Keller zur Auf- bimtzrung von Dekorationspflanzen in der Stadtmädchen- We pachtweise überlassen werden. Der Vertrag zwischen der Stadt und dem Dienstmann Zink, laut welchem letzterem die Reinigung und Heizung lir Klassenzimmer im Schulhause in der Neustadt als teil- toife Gegenleistung für die ihm in genanntem Hause zu- grivicssene Wohnung übertragen wird, wird genehmigt, des- Aleichrn nachträglich die Vergebung der durch Einrichtung »on Klassenzimmern in demselben Hause notwendig ge- ttiorbi nen Schreinerarbeiten. Als Zuschuß zu den Kosten der Delegierten- und Haupt- vrrsammlung des Hessischen Landeslehrer-Vereins totrbt n 150 Mk. bewilligt, nachdem in der Debatte einesteils mit Rücksicht auf spätere ähnliche Ansprüche gegen, Ikils unter Hinweis auf die ernsten, das Schulinteresse im txionberen berührenden Arbeiten der Versammlung dafür Mrochen worden. Das Gesuch des Vereins hessischer Lehrerinnen zur Begründung eines Lehrerinnenheims um Bewilligung eines Jahresbeitrags bezw. Stiftung einer Freistelle wird abgelehnt in der Erwägung der Finanzdeputation, daß im Hinblick auf die Anstellungs- und Pensionsverhältnisie der in Gießen in Betracht kommenden Lehrerinnen ein Bedürfnis nicht vorliege. Dem Krieg er verein Gießen soll das auf dem Festplatz während der Feier seines 25jährigen Stiftungsfestes nötige Wirtschafts- und Sprengwasser unentgeltlich überlassen und gen. Verein nur die Kosten der Zuleitung in Anrechnung gebracht werden. Ferner wird beschloffen, die im Besitz der Stadt befindlichen Fahnen und Wimpel der Festleitung gegen Entrichtung einer der Abnutzung entsprechenden Gebühr zu überlasten. Betreffs der Ueberlassung des während des Schützenfestes auf dem Festplatz verbraucht werdenden Wassers beschließt die Versammlung ebenfalls die Gratisabgabe, dagegen Belastung der Festleitung mit den Kosten der Zuleitung und deren Ueberwachung. Das zur Füllung einer Luftballons erforderliche GaS soll dem Festausschuß zu 13Pfg. pr. Kubikmeter überlassen werden. Zur provisorischen Aufstellung dreier Glühlichtlaternen behufs Verbesserung der Beleuchtung an der Grünbergerstraße während der Dauer des Festes wird Genehmigung erteilt, desgleichen zur Ausdehnung des Rohrnetzes auf der Grünbergerstraße bis zum Schützenhaus, sofern der Schützenverein für die Dauer von zwölf Jahren eine jährliche Gasabnahme im Betrag von 175 Mk. garantiert. Nachdem die dreijährige Mandatsdauer des Vorsitzenden und der Stellvertreter des Gewerbegerichts abgelaufen, wurden zur Wiederwahl die Herren Beigeordneter Wolff (Vorsitzender) und Oberbürgermeister Gnauth und Stadtverordneter Keller (Stellvertreter) vorgeschlagen. Herr- Krumm bedauert, daß Herr Oberbürgermeister Gnauth nicht den Vorsitz wieder übernehme, da in der Arbeiterschaft nicht hinlänglich Vertrauen in die Unparteilichkeit des Herrn Wolff vorhanden sei. (Die Fälle, womit Herr Krumm seine diesbezüglichen Zweifel zu rechtfertigen sucht, betrafen die Ortskrankenkasse.) Herr Oberbürgermeister Gnauth erklärt, daß er, wenn er das Amt des Vorsitzenden wieder übernehmen würde, dann das Vertrauen der Arbeiter auch nicht haben werde, denn er würde gerade so gehandelt haben. wie Herr Wolff; er empfehle besten Wiederwahl, da er -ch durchaus eins mit Herrn Wolff wisse, auch die Rücksicht auf die Thätigkeit des Herrn Beigeordneten Wolff in sozial politischer Hinsicht und in seiner Eigenschaft als Jurist laste ihn für das Amt des Vorsitzenden besonders geeignet erscheinen.— Herr Kirch fühlt sich in feiner Eigenschaft als Beisitzer, wie als Kläger und Beklagter gegenüber den Aussagen des Herrn Krumm verpflichtet, Herrn Wolff das Zeugni- eines unparteiischen Vorsitzenden auszustellen; er bitte de» Danke für die Wirksamkeit des Herrn Beigeordneten zugleich als Zeichen allseitigen Vertrauens durch dessen Wiederwahl Ausdruck zu geben. — Herr Beigeordneter Wolff wendet sich gegen die Anschuldigungen des Herrn Krumm und bittet um Bekanntgabe der Gründe zu derselben. — Herr Haubach ersucht ebenfalls darzulegen, inwiefern die Partei des Herrn Krumm sich benachteiligt glaube. — Herr Leib nimmt, ebenfalls auf Grund seiner Erfahrungen als Beisitzer des Gewerbegerichts, Herrn Wolff entschieden in Schutz. — Herr Krumm legt hierauf die Gründe dar, die ihn bewogen, die Kandidatur des Herrn Beigeordneten Wolff z« bekämpfen. (Eine Wiedergabe der Erklärungen des Herrn Krumm ist ohne gleichzeitige Darlegung des Sachverhalt- bezüglich des Streites über die Krankenkasteangelegenheit, auf welchen wir nicht eingehen wollen, für die Unbeteiligten nicht verständlich.) — Nachdem noch die Herren Orbig, Oberbürgermeister Gnauth und Stadtverordneter Löber sich zur Sache geäußert, erfolgt gegen die Stimmen der Herren Orbig und Krumm die Wiederwahl des Herrn Beigeordneten Wolff, einstimmig die Wiederwahl der Herren Stadtverordneter Keller und Oberbürgermeister Gnauth. Von den vorliegenden Gesuchen um Erteilung der Wirtschaftskonzession, bezw. Erlaubnis zum Ausschank von Branntwein über die Straße werden diejenigen der Herren Ph. Hofmann (Wetzsteingaste 8), Ph. Gans (Dammstraße 34), Karb Orbig (Bahnhofstraße 31) und PH. Schäfer (Russischer Hof) durch Bejahung der Bedürfnisfrage hinsichtlich des Ausschanks von Branntwein befürwortet, die Bedürfnisfrage bezüglich des Gesuches des Herrn H. Carle für seine Wirtschaft, Leihgesterner Weg und Ebelstraße-Ecke, mit Rücksicht auf die geringe Bebauung dein Frage kommenden Stadtteils, verneint. Bekanntmachung, betr.: Verwertung des Grassameus im Gießener Stadtwald. Die diesjährige Grassameuerute im Gießener Ttadtwald ffoQ im Wege schriftlichen Angebots unter den bisher üblichen Bedingungen mrgtben werden. Angebote sind, mit entsprechender Aufschrift versehen, Lis zznm IO. Juni d. I. schriftlich einzureichen. Eröffnung der An- $tbofe am 11. Juni et., vormittags 11 Uhr. Gießen, den 30. Mat 1899. 4329 Großherzogltche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. (ii'liiinutimidjiiiujeii Vergebung - von Kauarbeiten. Dite zur Erweiterung der Orts- Äirch fahrt in Haufen nötigen Arbeiten md Lieferungen werden am Zmstllg btm 6. Inm d. Is., nachmittags 3 Uhr, fci Nemeindehause zu Hausen im Wege Mstlichen Angebots vergeben u. zwar: veranschlagt zu *■ ÄÄÄ“ÄÄÄ'I!!---E™*1 Fischbach. 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