••Ul Im aus bei ent« W. !. IlM Kinder, aölage, SiNioi, ietnek, Iw. elin. Freitag den 3. Februar LASS Nr. 29 Zweites Blatt Gießener Anzeiger General-Anzeiger Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Kiivahme von Anzeigen zu der nachmittag» fir de» folgenden Lag erscheinenden Nummer bi» vorm. 10 Uhr. Alle Anzeigen-BermittlungSstellen dcü In- und Ausländer nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Erscheint täglich mit Ausnahme des MonlagS. Die Gießener Aamtkteuvtätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal deigelegt. ^.!e;>lgsl'> eir vterreijatirlicli ? Ml ! 2o Big monatlich 75 Pfg. niii Bringcrlohn. Amts- «nd Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen. rw ÄeHttion, Lxpvdition und Druckern: Schutgraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hefßsche Landwirt, Mütter für hessische DalbsKnnde. Adresse für Dcpcjchen: Anzeiger «Ließe», ^ern'vrecher -.Qr 5!. —-■ **■«- - 111IIIII M— Rußland und die Türkei. Eine ganze Zeit lang galt der „kranke Mann" am Bosporus als der Schützling des Zaren, und dieser Umstand ist der Pforte sehr zu statten gekommen, als es galt, die europäischen Großmächte bezüglich der in der Türkei einzu- sührenden Reformen zum Narren zu halten. Die Kretafrage hat in der Gesinnung des Zaren gegenüber dem Sultan einen Umschlag verursacht, da der griechische Staat und seine Dynastie dem russischen Selbstherrscher natürlich näher stand, als die Interessen der Muhammedaner. Rußland hat die Hohe Pforte noch immer insofern am Gängelbande, als die letztere mit der Kriegsentschädigung aus dem letzten türkisch-russischen Kriege stark im Rückstände ist, und in dieser Hinsicht ganz auf das Wohlwollen des Zaren angewiesen bleibt. Daraus resultieren denn auch die hin und wieder austretenden Nachrichten, daß Rußland auf Zahlung jener Kriegsentschädigung dringe. Das heißt dann jedesmal so viel, daß Rußland besondere Forderungen bei der Türkei durchsetzen will und zu diesem Zwecke letzterer die Kravatte enger schnürt. Der Sultan hat sich in der griechischen Frage dem Willen der Großmächte gefügt, und somit auf die Lorbeeren des Gregers verzichten müssen. Hierdurch hat er sich das Wohl- iv»llen Rußlands in hohem Grade erworben, sodaß dieses jetzt Gelegenheit nimmt, der Pforte in geeigneter Weise den Dank des Zaren abzustatten. Bekanntlich gährt es irgendwo im osmanischen Reiche zu jeder Zeit. Bald sind es die Armenier, bald die Albanesen oder ein sonstiger Volks- stomm, welcher nach größerer Selbständigkeit strebt und zu diesem Behufe eine mehr oder weniger blutige „Bewegung" inszeniert. Augenblicklich sollen die Mazedonier sich wieder einmal vorbereiten, dem Sultan die Treue zu brechen und die Autonomie zu erreichen. Ohne fremde Hilfe können die Mazedonier natürlich der Erfüllung ihrer Wünsche nicht näher kommen, und sie blicken deshalb erwartungs- und 'hoffnungsvoll nach Petersburg. Würde ihnen von dort irgendwie Hoffnung auf Unterstützung gemacht, so dürfte der Ausbruch der revolutionären Bewegung wohl nicht lange lauf sich warten lassen. Aber der Zar will dem Sultan augenblicklich kerne Verlegenheiten bereiten, und es würde ■mit der von ihm übernommenen Rolle als Friedensfürst auch schlecht übereinstimmen, wenn allzu offen der russische Nudel sich in den Dienst der mazedonischen Revolutionäre stellte. Deshalb ist von Petersburg aus eine unzweideutige Absage an die Mazedonier ergangen, die hoffentlich ihre Wirkung nicht verfehlen wird. Man braucht nun aber keineswegs zu denken, daß Rußland aus purer Uneigennützigkeit so korrekt handelt. Eingeweihte wollen vielmehr wissen, daß es lediglich den durch die Reise Kaiser Wilhelms mächtig gewachsenen Einfluß Deutschlands am Goldenen Horn paralysieren und zu diesem Zwecke gute Beziehungen zu der Türkei pflegen will. Diese Ansicht hat unseres Dafürhaltens sehr viel für sich, (xx) Deutsches Deich. Darmstadt, 1. Februar. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin sind mit der Prinzessin Elisabeth heute vormittag 7Va Uhr von Gotha hierher zurückgekehrt. Im Gefolge befanden sich die Hofdame Freiin v. Rotsmann und der Ordonnanzoffizier Leutnant v. Klipstein. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin werden sich nächsten Montag, 6. Februar, für längere Zeit nach Egypten begeben. Berlin, 1. Februar. Eine Meldung der „Frankfurter Zeitung", wonach das hiesige Hotel Bristol von einer englischen Gesellschaft für den Betrag von 10 Millionen Mark angekauft worden sei, entbehrt, wie die Direktion des Hotels mitteilt, der Begründung. Berlin, 1. Februar. Die regelmäßige Plenarsitzung des Bundesrals findet, da morgen katholischer Feiertag ist, bereits heute statt. Auf der Tagesordnung stehen außer kleinen Vorlagen das Hypotheken-Bankgesetz und die Novelle zur Civil- und Strafprozeß-Ordnung und zum Strafgesetzbuch (Bestrafung falscher uneidlicher Aussagen ?c.). — Die Grabstätte des Fürsten Bismarck ist jetzt im Aeußern fertig gestellt; im Innern werden die Handwerker noch längere Zeit zu thun haben, und die Ausschmückung des Platzes wird erst im Frühjahr erfolgen können. Den „Hamb. Nachr." wird darüber geschrieben: Die „Gruftkapelle" — wie sie von dem Bauherrn, dem Fürsten Herbert, benannt ist — gewährt mit dem dahinter liegenden Walde in ihren edlen romanischen Formen einen erhebenden Anblick. Eigen ist in diesen Wochen auch das Bild, welches sich nach Eintritt der Dunkelheit ergiebt: dann zeigen sich die Fenster der Kapelle und des Turmes in düsterem Rot erleuchtet durch die Glut der Oefen, welche im Gebäude aufgestellt sind und auch die Nacht hindurch geheizt werden, um das Austrocknen der Mauern zu beschleunigen. Letztere sind von ungewöhnlicher Stärke und Festigkeit, und das auch in allen Einzelheiten mit der größten Sorgfalt errichtete Gebäude gewährt den Anschein, Jahrtausenden Stand bieten zu können. Die bisherigen Abbildungen geben, zumal bei dem noch ganz unfertigen Zustande der Umgebung den harmonischen Eindruck, welchen der Bau in Wirklichkeit macht, leider nicht wieder; mit Rücksicht auf die starke perspektivische Verkürzung, die photographischen Bildern eigentümlich ist und besonders bei Wiedergabe von Gebäuden zur Geltung kommt, wird bei künftigen Aufnahmen der Platz vom Photographen mit besonderem Bedacht ausgewählt werden müssen, um die richtige Anschauung herbeizuführen. Die „Leipziger Jllustr. Ztg." brachte kürzlich neben der Reproduktion einer Photographie eine Mitteilung über den Kapellenbau, der einige unrichtige Angaben enthielt: Der Hügel, auf welchem das Gebäude steht, heißt nicht, wie dort gesagt wurde, der „Schneckenberg". Letzterer ist vielmehr eine kleine künstliche Anhöhe hinter der Anhaltiner Hirschgruppe, in früherer Zeit mit einem schneckenförmigen Wege und Flaggenstangen ausgestattet, später aber gesperrt und aufgeforstet, weil von dieser Höhe aus die Vorgänge im Fürstenhause mit Fernrohren und Spiegeln beobachtet wurden. Die Gruftkapelle liegt aber jenseits des tiefen Hohlwegs auf einer freien Fläche oben am Waldrande. An der verhältnismäßig weiten Aussicht, die sich von dort auf das Thal und den gegenüber hoch ansteigenden Wald bietet, hat Fürst Bismarck sich oft, auch noch in den letzten Jahren, erfreut und hervorgehoben, daß man von dort fast alle Wahrzeichen von Friedrichsruh sieht: das Fürstenhaus, die Parkbäume, Post, Bahn, Oberförsterei, Turmhaus, den Aue-Fluß und jenseits den hohen Eichenwald, der wie ein großer Kranz das Bild des Thales einfaßt und in dem der Fürst, wie er sich ausdrückte, jeden einzelnen Baum „persönlich kannte". Zu der Stelle, an der jetzt seine Ruhestätte mit liebevoller Sorge und in seinem Sinne bereitet wird, hat der Fürst vor vielen Jahren einen bequem ansteigenden Weg für seine Gemahlin anlegen und oben eine Bank anbringen lasien, die noch steht. Man würde, wenn er die Wahl dieser Grabstätte nicht selber getroffen, sondern freigestellt hätte, einen geeigneteren Platz in Friedrichsruh nicht gefunden haben als diesen, über den des Fürsten Wort bekannt geworden ist: „Dort erlebe ich noch etwas, da höre ich noch die Eisenbahn." Der Wort- etreie» * «l'h * GebbM4t er11" ^dwerü' ch6®^> auf« W * Feuilleton. ____ • Samoa. * Bon Dr. H. v. Osten. (Nachdruck verboten.) I Auf Samoa oder den Schifferinseln spielt der deutsche handel eine große Rolle, deshalb erregte es die Handels- velt, als vor kurzer Zeit die Nachricht vom Ausbruch neuer Vuruhen auf Samoa eintraf. Schon einmal, und zwar im ^ahre 1888, hat unsere deutsche Marine bei Unruhen auf earnoa eingreifen müssen. Es kam damals auf dem Lande I11 ernsten Kämpfen, die auf beiden Seiten viele Opfer sröerten. Samoa ist eine kleine Inselgruppe des mittleren Poly- «irens, in der Nähe der Freundschaftsinseln. Sie besteht vier großen und einer Anzahl kleiner Inseln. Die vier großen Inseln sind Savaii mit 15,000 Ein- vchnern, Upolu mit 7000, Tutuila mit 4000 und Manua nit kaum 2000 Einwohnern. Die Einwohnerzahl der gelten Fischerinseln beträgt heute keine 50,000, während £ sH ,in früheren Zeiten auf das Fünffache bezifferte. maAkheiten und Entartung dezimierten eine Zeitlang die Kernwohner, die zur polynesischen Rasse gehören. Gerade sie Ureinwohner von Samoa gehören zu den schönsten Menschen ihrer Rasse. Ihre Vertreter, die vor etwa zwei führen in den größeren Städten Europas gezeigt wurden, »regten Aufsehen und Enttäuschung zu gleicher Zeit. Sie «nnrtrten in ihrer ganzen Erscheinung au hübsche Spanier Italiener. Die Hautfarbe der Samoainsulaner ist in nicht dunkler als die der Spanier oder Italiener; an findet sogar Frauen, die weiß und hübsch sind, wie ir »Europäerinnen. Sehr viele Kinder der wohlhabenderen «ajlen kommen fast ganz weiß zur Welt und bräunen sich 8at Wer durch die Einwirkung der Sonne. Hervorragend schön sind die Zähne, Augen und Haare der Samoainsulanerinnen. Die Zähne sind beinahe weiß wie Schnee, das Haar ist schwarz wie Ebenholz, lang und weich. Trotzdem heute die Samoainsulaner durch den anhaltenden Verkehr mit den Europäern für kultivierte Mensche» gelten können, die größtenteils nach europäischer Sitte sich kleiden und ernähren, so trifft man doch vereinzelt Individuen, die sich tättowieren und ihre schönen Haare rot oder orange färben durch den Saft einer Pflanze Wahrscheinlich haben sie diesen Brauch von ihren Nachbarn, den Fidschi-Insulanern, gelernt, die ihn deshalb üben, um die massenhaften Schmarotzer in ihrem wüsten und dichten Haar zu zerstören. Die Tierwelt ist auf Samoa spärlich vertreten. Außer- Schweinen und Hunden kommen größere Säugetiere gar nicht vor. Desto schöner und üppiger ist dagegen die Flora, die ja auch den Haupthandel bedingt, der beispielsweise auf Upola mit dem Hafen Apia allein jährlich an 3 Millionen Mark Umsatz erzielt. Hier war es, wo das bekannte Hamburger Handelshaus Godeffroy den Grund zu seinem Emporblühen legte. Die Hauptausfuhrartikel sind: Kokosnüsse, Baumwolle, Tabak, Kaffee, Zucker, Thee, Ananas und Gewürze. Das Pflanzenleben zeigt eine seltene Ueppigkeit, bedingt durch das feucht-warme, angenehme Klima. Vor allen Dingen findet man die Kokospalme und den Brotfruchtbaum, dann eine Menge Gewächse mit eßbaren Knollen, ferner das Zuckerrohr und schöne Kasuarinen oder Streitkolbenbäume, deren Holz sehr hart und gesucht ist, das zu vielen technischen Zwecken Anwendung findet, und auch den Stoff liefert zu den gewaltigen Streitkolben der Südseeinsulaner. Die Samoainseln haben meist hohe, steile Küsten ohne Barriörenriffe. Sie sind, wie alle größeren Südsee-Jnseln, vulkanischer Natur, und noch im Jahre 1866 kamen Ausbrüche mit starkem Aschenregen vor. Die Samoainseln sind dieselben, welche der Holländer Roggeveen 1722 entdeckte, und Baumannsinseln nannte. Diesen Namen behielten sie bis 1768, wo der Franzose Bougainville dort landete und sie Schifferinsel» nannte, wegen der Geschicklichkeit, mit der die Ureinwohner ihre kleinen Seefahrzeuge regierten. Früher standen die Samoainsulaner sogar im Rufe der Anthropophagie, der Menschenfresserei. Ob diesem Laster jemals auf den Samoainseln gefröhnt worden ist, das konnte nicht bewiesen werden. Heute ist der Samoa-Insulaner ein gesitteter, höflicher, wenn auch leichtsinniger Mensch. Die herrschende Religion ist heute die christliche, vorwiegend die katholische. Früher lebten die Samoaner in Dörfern unter Häuptlingen, und bildeten kleine, unabhängige Staaten. Das ging so fort bis zum Jahre 1876, wo unter den Stämmen große und blutige Streitigkeiten ausbrachen. Die einen wandten sich an die Engländer, die anderen an die Amerikaner um Hilfe. Englische und amerikanische Konsulate existierten nämlich schon lange auf den Insel». Die Engländer und die Amerikaner mischten sich in die Händel der Eingeborenen, und die Folge davon war, daß am 25. Mai 1877 ganz Samoa von den Amerikanern förmlich in Besitz genommen wurde. Durch Handelsvertrag mit der Nordamerikanische» Union erhielt damals Deutschland den Hafen Saluafata auf Tutuila. Deutschland, England und Amerika haben jetzt Häfen bei und Konsulate auf Samoa. Diese drei Mächte üben gemeinsam eine Oberherrschaft aus. Die Ureinwohner waren nämlich mit der Annektierung durch die Nordamerikanische Union nicht zufrieden, und es fanden wieder Unruhen statt. Da beschlossen die drei genannten Großmächte, einen König über Samoa zu setzen. Sie wählten dazu den mächtigsten Häuptling, dem alle anderen unterthänig sein sollten, das heißt, nicht absolut, denn der neuerwählte König war ein konstitutioneller, nach europäischem Vorbild. Dem Herrscher laut seiner letztwilligen Verfügung ist, soweit sie stch aus de» Begräbnisplatz bezieht, nicht sogleich «ach dem Tode bekannt gegeben worden, um damals einem zu grosteu Andrange vorzubeugen; ihr voller Text lautet: «Letztwiüige Verfügung. Friedrichsruh, 15. Juni 1896. Für de« Fall meines Todes bestimme ich folgendes: Ich will auf der westlichen Seite des Hohlwegs jenseits der Eisenbahn, auf dem hohen Acker in der Ecke begraben sein. Als Grabschrift wünsche ich: „Fürst von Bismarck, geboren den 1. April 1815, gestorben den.....", und de» Zusatz: „Ein treuer deutscher Diener Kaiser Wilhelms I." von Bismarck." Ausland. Wien, 1. Februar. Der Ministerpräsident hat an die beiden Häuser des Reichsrates ein Schreiben gerichtet, in welchem die Vertagung des Reichstages auf Grund kaiserlichen Befehls ausgesprochen wird. Prerau, 1.Februar. Das hiesige Aktienbrauhaus ist abgebrannt. Paris, 1. Februar. Esterhazy hat gestern abend noch Paris verlassen, weil ihm mitgeteilt wurde, daß sein Geleitsbrief in 24 Stunden abgelaufen sei, und daß die Untersuchung, welche auf Antrag seines Vetters gegen ihn eingeleitet wurde, wieder aufgehoben werde. Esterhazy hat gestern abend 9% Uhr einen Zug auf dem Nordbahnhofe bestiegen. Man glaubt, daß er sich nach Belgien begeben hat. Paris, 1. Februar. Der Senat hat gestern den französisch-italienischen Handelsvertrag mit 248 gegen 40 Stimmen angenommen. Sofia, 1. Februar. Der Ministerpräsident Grekow und der Finanzminister Tenew erklären, die Vereinbarung über die Pachtung der Orientbahnen und über die Konversion der bulgarischen Rente vollinhaltlich zu acceptieren. M.P.C. Zur Lage auf der Balkan-Halbinsel. Ein Hauptgrund, warum Deutschland seiner Zeit sich dem Anschneiden der kretischen Frage widersetzte, war der, daß es sich sagte, sobald wieder ein Stück der orientalischen Frage gelöst sei, würde ein neues zum Vorschein kommen. Die orientalische Frage gleicht einigermaßen, so sagte Herr v. Bülow am 12. Dezember 1898 im Reichstage, der Seeschlange, von der ein Stück nach dem andern zum Vorschein kommt. Es wurde damals vielfach geglaubt, Rußland sei mitschuldig daran, daß der König von Griechenland sich nicht zurückhalten ließ, das Schwert gegen die Türkei zu ziehen; das ist aber nicht richtig. Der Vertreter des russischen Kaisers am griechischen Hofe wandte alle diplomatischen Hilfsmittel an, um den König Georg davon zurückzuhalten, daß er zu der ultima ratio der Könige seine Zuflucht nahm; er bat, beschwor, drohte sogar — es half alles nichts, der König erklärte, er laufe Gefahr, seinen Thron zu verlieren, wenn er der kriegerischen Bewegung seines Volkes sich widersetze — es war also absolut nichts zu machen. Die Voraussicht Deutschlands, daß nach Erledigung der kretischen ein neues Stück der orientalischen Frage zum Vorschein kommen werde, ist in der Folge durchaus bestätigt worden. Seit Wochen und Monaten fast droht die mazedonische Frage gefährliche Dimensionen anzunehmen und zum Frühjahr neue kriegerische Verwicklungen herbeizuführen. Da ist denn nicht wenig bemerkenswert, daß von Petersburg aus in autoritativster Form versichert wird, wenn es den politischen Agitatoren gelingen sollte, einen Aufruhr oder eine revolutionäre Bewegung in Mazedonien zu erregen, würde diese Bewegung in keinem Fall einen sympathischen Widerhall in Rußland oder in anderen europäischen Staaten finden. In der Wiener politischen Korrespondenz wird der Hoffnung auf Eindämmung der mazedonischen Bewegung um so unzweideutiger Ausdruck geliehen, als hierbei die andauernde Mitwirkung Oesterreich- Ungarns sicher sei. Thatsächlich liegen die Dinge auf der Balkanhalbinsel so, daß die Haltung Oesterreich-Ungarns sehr ins Gewicht fällt. Man darf gespannt sein, inwieweit die Negierung Kaiser Franz Josefs die auf ihm unter Umständen durch den Ernst der Lage gebotene Aktivität gesetzten Erwartungen rechtfertigen wird. Balkanstaaten. In den Tagen der heftigsten Angriffe der gesamten bulgarischen Opposition gegen die Negierung hat ein schwerer Schicksalsschlag das Familienleben des Fürsten Ferdinand betroffen. Die Fürstin Marie Luise von Bulgarien ist in der Nacht des 31. Januar an den Folgen der Entbindung gestorben, während die neugeborene Prinzessin Nadeschda am Leben ist. Die Fürstin war vor einigen Tagen nicht unbedenklich an Jn- fiuenza erkrankt, sodaß ein Wiener Arzt zur Behandlung steht nämlich eine gesetzgebende Versammlung zur Seite, gebildet von der Taimua oder Herrenhaus und der Faipule oder Abgeordnetenhaus. Die Mitglieder dieser beiden Häuser werden von den Provinzen und Distrikten gewählt. Ganz wie bei uns. Es überraschte daher vor zwei Jahren, als mau in Berlin und anderen Großstädten die vorgeführten Samoainsulaner eigentümliche, vorsintflutliche Arbeiten und Getränke verrichten und zubereiten sah. So bereitete beispielsweise eine der wirklich hübschen Samoainsulanerinnen einen sogenannten berauschenden Trank auf der Bühne vor den Zuschauern. Diesen Trank nannten sie Kawa und bereiteten ihn aus der Wurzel eines Pfefferstrauches, indem sie die Wurzel kauten, in eine hölzerne Schüffel spuckten und dann unter Umrühren Wasser zusetzten. Eigentlich mußte diese Mischung nun erst gähren, aber die Samoaner tranken sie gleich so auf der Bühne. Außerhalb derselben kannten sie diesen Trank nicht, da zogen sie europäische Weine und echte Biere vor. Es waren eben gebildete Wilde, die den Europäern eine Komödie vorspielten. berufen werden mußte. Die eingetreteue Befferung ward aber durch die vorzeitige Entbindung der Fürstin schwer unterbrochen, und diesem Zusammentreffen erlag bie junge Frau. — Die Heirat des Fürsten Ferdinand mit der gleichfalls römisch-katholischen Prinzessin Marre Luise von Parma (geboren am 17. Januar 1870) erfolgte 1893 in Villa Pianore in Italien, nachdem Ministerpräsident Stam- bulow alle Schwierigkeiten wegen der späteren Religion des Thronfolgers geebnet hatte. Er hatte mit der Einbuße seiner Volkstümlichkeit die Verfassungsänderung durchgesetzt, die erst die Vermählung des Fürsten ermöglichte. Daß später der erstgeborene Prinz Boris trotzdem orthodox getauft und in der griechischen Konfession erzogen wurde, gab der streng katholischen Fürstin einen harten Stoß, aber sie fügte sich dem bourbonischen Familien- und dem Staatsinteresse. Sie wurde, was man von dem Fürsten Ferdinand nicht sagen kann, der gute Engel Bulgariens. Ihre milde Hand wirkte überall helfend und Gutes thuend. Ihre Volkstümlichkeit war stets ein nicht zu unterschätzender Faktor angesichts der Gleichgiltigkeit, die man dem Fürsten entgegenbrachte. Es wird behauptet, die Fürstin habe vor der Entlassung Stambulows gewarnt, der ihr wohl persönlich wegen seiner nicht höfischen Manieren nicht sympathisch war, dem sie aber Dankbarkeit bewahrte, weil er mit Einsetzung seines Einflusses für die Heirat gewirkt hatte. Auf das politische Leben hat sie wenig Einfluß geübt. Während ihr Gemahl mehr außer- als innerhalb Bulgariens weilte, widmete sie sich daheim ihren Mutterpflichten. Außer dem Prinzen Boris, der am 30. Januar 1894 geboren wurde, schenkte sie ihrem Gatten auch den Prinzen Kyrill und die Prinzessin Eudoxia Augusta. Das jüngste Kind, Nadeschda, kostete der Mutter Leben. Mit der Verstorbenen ist von dem Fürsten Ferdinand der gute Engel gewichen, und wer weiß, ob dieser Tod nicht politische Folgen hat. Kairo, 1. Februar. Bisher haben den Kanal 3500 spanische Soldaten auf dem Transporte von den Philippinen nach Spanien passiert. Vereinigte Staaten. Während dem „Jmparcial" von London ausführliche Telegramme über die Drohungen der amerikanischen Presse gegen Deutschland zugehen, veröffentlicht die „Correspondencia de Espana" einen von New-York datierten Brief mit interessanten Angaben darüber, wie die öffentliche Meinung gemacht und in amerikanischem Interesse beeinflußt wird. „Seit einiger Zeit", heißt es da, „beginnt die Regierung Mc. Kinleys, da sie merkt, daß die Genehmigung des Friedensvertrages im Senat auf Schwierigkeiten stößt, Deutschland gegenüber dasselbe Verfahren einzuschlagen, dessen sie sich bediente, um auf die öffentliche Meinung in Amerika und England beim kubanischen Krieg einzuwirken. Seitdem dieser beendet ist, sind die 25 000 Freiwilligen von Santiago brotlos und in New- York, Boston, San Francisco, Chicago, Washington u. s. w. treiben sich Tausende, welche die „ruhmreichen Schlachten auf Cuba" mitgemacht haben wollen, herum und rufen die öffentliche Mildthätigkeit au, indem sie zerfetzte und sehr geschickt von spanischen Kugeln durchlöcherte Uniformen zur Schau tragen. Alle diese Bettlerbanden sind sehr anspruchsvoll geworden, und der einzige Ausweg, den Mc. Kinley sieht, um sich ihrer zu entledigen, besteht darin, sie nach den Philippinen zu senden. Um aber ein bedeutendes stehendes Heer zu schaffen, bedarf es eines Vorwandes, und den glauben die Politiker des Weißen Hauses dadurch zu erlangen, daß sie Verwickelungen mit Deutschland an die Wand malen bezw. heraufbeschwören. Um auf den Senat und die Wählermassen einzuwirken, hat die Presse daher einen Feldzug gegen Deutschland eröffnet, worauf die „Kölnische Zeitung" in energischer Weise antwortete, indem sie die englisch-amerikanische Presse anklagte, wissentlich ihre Leser zu betrügen und die Wahrheit zu fälschen. Was man aber vielleicht nicht weiß, ist, wie und mit welchen Mitteln die amerikanische Regierung vorgeht, und das sei daher hier berichtet. Seit Januar bis August 1898 hat Oberst Hay, der damals bekanntlich Botschafter in London war, über 15 Millionen Franken für die englische Presse verausgabt. Er verfügte über einen unbeschränkten Kredit in einer Zweigstelle eines amerikanischen Bankhauses in der City; die spanische Botschaft erfuhr äußerst interessante Daten darüber. Die Zeitungen wurden nicht direkt unterstützt, denn die englischen Blätter nehmen nur selten Geld an. Da sie aber unendliche Spalten füllen müssen, so übernehmen es die Telegraphenagenturen, ihnen diese Arbeit zu erleichtern. So erklärt es sich, daß während des kubanischen Krieges alle englischen Zeitungen täglich durchschnittlich 5000 bis 6000 Worte als Spezialtelegramme bringen konnten. Dieser Dienst kostete den Zeitungen nicht mehr als die gewöhnlichen Agenturtelegramme. Es wäre den Agenturen natürlich einfach unmöglich gewesen, derartige Kosten zu decken, wenn sie nicht mit den Unterstützungen der Washingtoner Regierung hätten rechnen können. Das erklärt den tendentiösen und Spanien systematisch feindlichen Charakter dieser Telegramme, womit die Amerikaner die Welt betrügen und die öffentliche Meinung in England für sich gewinnen konnten. Ohne Anwendung solcher Mittel würde es den Vereinigten Staaten angesichts der Haltung Europas nie gelungen sein, ihren Ausdehnungsinstinkten zu folgen und Spanien die Kolonieen zu entreißen. Genau dasselbe System beginnt nun von neuem in Bezug auf die Philippinen und gegen Deutschland. Die Vereinigten Staaten fangen an, Europa, und besonders London mit Depeschen zu überfluten, die vom Weißen Hause beeinflußt und dazu bestimmt sind, die öffentliche Meinung in England mit fortzureißen, um neue Appetite befriedigen und das Völkerrecht wieder auf den Kopf stellen zu können, iudem sie sich unter dem Vorwand, daß Deutschland nach dem Besitz des Archipels strebe und Aguinaldo ermutige, zunächst zu einem Vernichtungskrieg gegen die Philippiner anschicken. Es ist nötig, der zivilisierten Welt den Gebrauch solcher Mittel zu offenbaren, die es im Jahrhundert des Fortschritts und der Aufklärung einer demokratischen Republik M Hetressend: gestatten, sich in den Henker der schwächer» Völker zu verwandeln.- Die Rechru taity, sowie die keÜMtz di» C Vtt M Wl dr »werden. Kietzei 1043 Males und Provinzielles. Aus dem Vogelsberg, 1. Februar. Mit dem Heutigen hat für die Jagd die allgemeine Hegzeit begonnen, und auch Freund Lampe darf sich wieder der Sicherheit vor Jäger und Jagdhund eine Zeit lang freuen. Unsere Jäger blicken beim Schluß der Jagd auf kein besonders reiches Ergebnis zurück. Ein Hauptfaktor für den Waidmann ist gänzlich in diesem Winter ausgeblieben - der Schnee. Manchem Häslein, dessen Spuren und dessen Lager der Schnee sicher verraten hätte, wäre das Lebenslicht ausgeblasen worden, hätten wir Schnee gehabt; aber auch Meister Reinecke hätte gewiß in diesem Falle mehr seiner Zahl verloren. Heber* Haupt wäre die Jagd auf das Rauhwild, vor allem darunter auf Marder und Iltis, ergebnisreicher gewesen. Läßt sich das Ausbleiben des Schnees so für das Pelzwild beklagen, so darf das um so weniger ein echter Waidmann bezüglich der übrigen Jagd. Wer da weiß, wie auf gar vielen Feld- und Waldjagden von den Pächtern eine Raubjagd betrieben wird, so daß das Vorkommen eines einzigen Häsleins fast zur Seltenheit geworden ist, der wird den überaus milden Winter als eine sehr notwendige Hege bewillkommnen. Feldjagden, bei denen während eines Jahres oft bis zu 100 Hasen geschossen wurden, liefern heute kaum die Hälfte oder gar das Drittel. Allerdings sind die hohen Pachtpreise der früher so billigen Feldjagden hierbei mitsprechend. Viel besser als der Stand der Hasen ist derjenige der Rehe. Dieser muß als ein vortrefflicher bezeichnet werden. Die großen Waldungen, insonderheit aber auch die echt waid- männische Behandlung des Rehstandes in größeren Jagdbezirken, sorgen dafür, daß der Rehstand nicht so dezimiert wird, wie der der Hasen. Der überaus milde Winter ließ das Reh, wie überhaupt alles Wild, besonders feist werden. — Auffallend ist in diesem gelinden Winter die sehr geringe Zahl unserer Standvögel. Mag auch ein strengerer Winter die gefiederten Freunde mehr zusammentreiben und sie den Dörfern zuführen; allein auch im Felde und im Walde ist die Minderzahl der Vögel bemerkenswert. Fast keine Goldammern, keine Buchfinken, keine Edel- oder Tannenfinken bemerkt man. Wo halten sie sich diesen gelinden Winter mehr auf? Die Beantwortung dieser Frage wäre von Interesse. Auch die beerenfressenden Vögel, wie Krammets- vögel u. a., bemerkt man gar nicht in den Hecken, die doch voller Früchte hingen. Dagegen haben uns die Staate, die sonst im Winter nicht vorhanden waren, gar nicht verlassen. Lerchen, die bei gelindem Wetter in der Regel im Februar zurückkommen, zeigten sich schon in den letzten Wochen des vorigen Monats. §§ Vom Vogelsberg, 1. Februar. Die Industrie verschafft sich nach und nach auch in unserem oberen Gebirg Eingang. Vor einigen Jahren wurde eine Papierwaren* fabrik in Herchenhain gegründet, sodann eine Cigarrenfabrik von einer Hamburger Firma, die schon etwa 20 Pcr/snen beschäftigt und ihren Betrieb noch zu erweitern gedenkt. Ferner wurde im vorigen Jahr von einer Firma aus Fulda eine Molkerei in Ilbeshausen gegründet, und nun soll noch eine Genossenschafts-Molkerei in Grebenhain, Crainfeld oder Bermuthshain errichtet werden. Demnächst wird von einem Kaufmann aus Lichenroth eine Cigarrenfabrik in Birstein errichtet, mit einer Niederlage in Lichenroth. §§ Kaulstoß (Kreis Schotten), 31. Januar. Ein hiesiger Landwirt brachte in voriger Woche seine letzten Kartoffeln vom Felde yach Hause. Der Mann macht es jedes Jahr o. Auch hat er noch einige Fuhren Heu und Grummet draußen liegen und werden dieselben jedenfalls erst im ^riit)* ahr nach Haus gefahren werden._____________ _ °° ei' *" KMrung der tttMtÄtt alsBoifitzM? weife den» W Miedern W Für den F get)t die Dedin , »i|2 Vermischtes. • Hamburg, 29. Januar. In Hamburg wird demnächst die erste öffentliche Bücherhalle zur allgemeinen unentgeltlichen Benutzung eröffnet werden. Die „Patriotische Gesellschaft" und eine Anzahl von Privatleuten haben die notwendigen Mittel, der Staat das Gebäude, ein ehemalige» Leihhaus an den Kohlhöfen, zur Verfügung gestellt. Man plant nicht nur eine Benutzung der Werke innerhalb bet Hauser, sondern auch ein Ausleihen derselben, und zwar ohne Pfand und Bürgschaft. Erfahrungen auf diesem Gebiete werden erst aesammelt werden müffen. mr. München, 31. Januar. Deutsche Architekten be schloffen, anläßlich einer Versammlung in Berlin mit bet Ausführung von Glasmalereien, bei zahlreichen nw erstehenden Bauobjekten, insbesondere die kgl. bayr. Hofgla» Malerei von Franz Hav. Zettler hier zu beauftragen. Gewiß ein ehrendes Zeuanis für die Münchener Kunst! * Westerland Sylt, 1. Februar. Das Denkmal für ben verstorbenen Staatssekretär Exzellenz von Stephan, welcher lange Jahre hindurch unser ständiger Kurgast war und welchem Sylt durch die telephonische Verbindung nut Hamburg und Berlin und durch die Herstellung unser" sonstigen vorzüglichen Verkehrsverhältnisse zu Wasser uw zu Land so viel verdankt, wird am 1. Juli eingeweihi werden. Die in Marmor ausgeführte Portraitbüste md einem drei Meter hohem Postament wird einen würdig" Schmuck unseres Kurhausgartens bilden. — Für unse" verehrlichen Badegäste wird es von großem Jntereffe f"*' zu erfahren, daß der Strand sich fast um das dopM verbreitert hat und daß ferner das Netz unserer Radfah^ wege fast auf den gesamten bewohnten Teil der Insel o«*' gedehnt ist; nach dem Urteil von Kennern sollen die Rabl"' wege auf der Heide zu den besten dieser Art gehören-___ Verkehr, Kmd- und Volkswirtschaft. tiemM, 1. Februar. FruchrmarN. Stocher X 14,09,| weißer Wei,« X 00.00, ftoin X 11.15, Gerste X Hiser X 7.26. i» i6: Uts. '“"'i'.unbi V" ?* ^.Nger blidtt ^Mni! nn lft gänzliit I^nee sichti •Men ivorben Reinette W u°ren. lieber " allem darunter esen- Läßt sid lMild beklagen )mann bezüg^ gar vielen Feld abjagd betriebe! 1 Häskms fas Geraus milde! bewillkommnen N oft bis ji kaum die Hälft ohen Pachtpw!! sprechend. K 'ige der Rch werden. ®r die echt. W größeren Je licht so deziim nilde Winter bg ders feist weckn. ' bie sehr gtray engerer Wime en und sie do d m Watde ü ^^erveW ser Tannensito gelinden Wiiüs Zulage wäre d: , wie Stammt!! i Hecken, die b« ns die Staat i, gar nicht M in der Regel en letzten $r Industrie i oberen (M ic Papierwaic e Cigarrenfak toa 2U W ervntern Firma au? jjt und nun soll ö* [in, Crainfeld s ii't wird von eilt: Fabrik in W“ war. 6«* iten ftH’fK cht ««**si fM-rpmp olb l w(tb de«ii I alyrmW i U- .W* itttei« W ube, * « uns 9!R',i auf diese« •* Architekten ft« , tat *■ S, 'beauftt*' ” ”’,S Ä*-' =rfW, wird e« Ä 6°' fast 0(frcr D- OK 2lint5»rrli!iibißUtt8Sblatt für Kreis uni Stoi Netzen Keilage;um Gießener Anzeiger (General-Anzeiger). Gießen, den 81. Januar 1899. Betreffend: Die Regulierung der Gewerbesteuer. Das Hroßherzogkiche Kreisamt Hießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Nach Art. 27 des Gesetzes vom 8. Juli 1884, die gleichmäßige Besteuerung der Gewerbe betreffend, geschieht die Regulierung der Ge- werbeftener durch eine Kommission, welche aus dem Steuerkommiffär als Bo-fitzenden und drei von der Stadtverordnetenversammlung, beziehungs- weise dem Gemeinderat einer jeden Gemeinde auf drei Jahre gewählten Mitgliedern best ht. Für den Fall, daß gewählte Mitglieder mit Tod abgehen oder nicht «ehr die Bedingungen der Wählbarkeit besitzen, oder sonst dauernd außer Stande find, ihr Mandat zu erfüllen, werden in jeder Gemeinde weiter zwei Ersatzmänner gewählt, die in solchen Fällen an die Stelle von ursprünglich Gewählten zu treten haben. Zu Mitgliedern der Kommission und zu Ersatzmännern können nur solche gewählt werden, welche zur Zett der Wahl volle 30 Jahre alt find HtiD welche die passive Wahlfähigkeit als Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung, beziehungsweise als Gemeinderatsmitglied besitzen. Sie wollen durch die Stadtverordnetenversammlung, beziehungsweise den Gemrinderat, die Wahl der drei Mitglieder und zwei Ersatzmänner alsbald vornehmen lassen und uns das Ergebnis derselben binnen acht Tagen mitteilen. v. Bechtold. Bekanntmachung. Die Rechnung der Stadt Gießen pro 1897/98 nebst Verwaltungs- Bericht, sowie die R chnung des städtischen Gaß- unv Wasserwerkes und die Rechnung des Stadterweiterungsfonds pro 1897/98 liegen in Gemäßheit des Art. 87 der Städteordnung während 8 Tagen auf dem Bürger meisterei-Büreau — Zimmer No. 15 — zu jedermann- Einsicht offen. Bemerkungen zu denselben können in der angegebenen Frist daselbst erhoben werden. Gießen, den 31. Januar 1899. Großherzogtiche Bürgermeisterei Gießen. 1043 Gn auth. KckliNtllHmM Mailiche Aufforderung. Heinrich Daniel Panl von Mingen und dessen Ehefrau, Sultane geb. Reuter, haben in dem Testament vom 20. Januar 1876 ihre Kinder Elisabethe, Adam Grafs Vhefrau, Marie, Georg Diehls V. Ehefrau, und Juliane, Heinrich Jungs Ehefrau, sämmtlich zu Villingen, und Margarete, Henry Stephans Ehefrau, zurzeit mit unbekanntem Aufenthalt abwesend, zu Erben eingesetzt. Margarete, Henry Stephans Ehefrau, ist auf dlN Pfl chkteil beschränkt, welcher auf 900 Mk. festgesetzt ist und in Geld ausbezahlt werden muß, während der übrige Nachlaß ihren Mtterben zufällt. Auf Antrag der in Villingen anwesenden Erben wird die Margarethe Paul, verehelichte Henry Stepbon, und im Falle ihres Tod.s ihre Abkömmlinge aufgefordert, das Testament ihrer Eltern bezw. Großeltern bis ium 20. Mai 1899 anzufechten und die Anfechtung dem unterzeich- neleu Gericht nachzuweisen, and.rn falls Anerkennung des Testaments nlerstellt, und es vollzogen werden wirb. 1057 Laubach, den 30. Januar 1899. Grobherzogliches Amtsgericht. _____Zimm ermann. Nutz- und Werkholz- Versteigerung in Fürstlichen Walddistrikt Schwein- W und Klafterschlag bei j Langsdorf. Nlittwoch den 8. 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Op. 408 3. Frähiingsfahrt Op. 458 4 Der Knabe mit dem "Wunderhorn. Op. 301 Eintrittspreis r An der Kaffe: Kerrenkarten 1,20 Mk., AamenKarte« 50 Pfg. Im Vorverkauf: ,, 1,— „ „ 40 « Oasserle 25 Pfg., Aogenptah 50 Pfg. 957 Vorverkauf bei den Herren Fnieur Koch, Bahnhofstr., Friseur Mäht, Neustadt, Fnseur Aühf, W-ttergaffe, Friseur Nüger, Walllhorstr., Friseur Aff, Neuenbäue, Friseur Zvißner, Neuenweg, Friseur Stier, Sckulstr., Friseur Jutt, LudwigSstr., Friseur Aottma««, Ecke Kaplansgaffe und Bahnhofstr., Friseur Secheri, Grünbergerstr , Fnseur Jichy, Seltersweg, Kaufmann Hckek, Neustadt, Buckbinder Aourgeois, Marktplatz 1. — Damenkarten bei den Herren Salomon, Sckulstr., Heipel, Marktplatz, Loewenthal, Bahnhofstr. Eintritt der Mitglieder nur gegen Karten, welcke durck den Diener zirkulieren, oder beim 1. Vorsitzenden zu haben sind. Mitgliedskarten haben keine Gültigkeit. Kaffenöffnung 7 Uhr. Die Musik wird von der hies. Regimentskapelle ausgeführt. zur