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Alle Anzeigen-BermittlungSstellen be< In« und ÄuituM nehmen Anzeigen für den Giehener Anzeiger entfeye. ttßNch mit Aurmihse bei Montags Nie Gießener »erben dem Anzeiger »GchenNtch viermal briyk,t Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. Aedaktton, Expedition und Druckerei: Ichmtstraße Ar. 7. Gratisbeüagrn: Oießenrr Familienblätter, Der hessische Landwirt, Ktätter für hessische Ualkskunde. Adrefie für Depeschen: Anzeiger chießr». Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Feil. Nr. 34 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 27. d. M., enthält: Nr. 2608: Bekanntmachung des Textes des Jnvaliden- versicherungsgesetzeS vom 13. Juli 1899. Bom 19. Juli 1899. Nr. 35 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 25. d. M., enthält: Nr. 2609: Staatsvertrag zwischen dem Deutschen Reiche und Oesterreich-Ungarn wegen Herstellung der Eisenbahnverbindung von Tannwald nach Petersdorf. Vom 5. November 1898. Nr. 36 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 28. d. M., enthält: Nr. 2610: Allerhöchster Erlaß, betreffend die Erklärung des Schutzes über die Karolinen, Palau und Marianen. Vom 18. Juli 1899. Nr. 2611: Verordnung, betreffend die Rechtsverhältnisse im Jnselgebiete der Karolinen, Palau und Marianen. Vom 18. Juli 1899. Gießen, den 31. Juli 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Deutsches Keich. Berlin, 30. Juli. Der Kaiser hat an den Hamburger Senat folgendes Telegramm gelangen lassen: Bergen, 28. Juli 1899. Ich spreche dem Senat Hamburgs Mein aufrichtiges Beileid zu dem Verlust des Bürgermeisters Dr. Versmann aus, dessen Verdienste ihm für alle Zeit einen ehrenvollen Platz in der Geschichte seiner schönen Vaterstadt sichern. Ich selbst betrauere in dem Dahingeschiedenen einen hochgeschätzten Bekannten, an dessen Verkehr Ich Mich stets erfreute. Bitte der Familie des Verstorbenen Meine herzlichste Teilnahme übermitteln zu wollen. Wilhelm I. R. Der Präsident des Senats hat, zugleich im Namen der Familie des verewigten Bürgermeisters, in einem nach Bergen gerichteten Telegramm dem Kaiser für die bewiesene Teilnahme den Dank des Senats ausgesprochen. Berlin, 31. Juli. Wie aus Berchtesgaden gemeldet wird, ist infolge der guten Besserung im Befinden der Kaiserin die ursprünglich auf den5. August festgesetzte Uebersiedelung der kaiserlichen Familie auf Schloß Wilhelmshöhe nunmehr auf Donnerstag den 3. August verlegt worden. Der Kaiser wird nach der Rückkehr von seiner Nordlandreise voraussichtlich schon am 2. August auf Wilhelmshöhe eintreffen. — Der Prinz-Regent hat auf besonderen Wunsch der Kaiserin auf den in Aussicht genommenen Besuch in Berchtesgaden jetzt endgiltig verzichtet. Berlin, 31. Juli. Die Dienstboten-Bewegung wird nunmehr von sozialdemokratischer Seite in Angriff genommen. In den nächsten Tagen wird die Vertrauensperson der sozialistischen Frauen Deutschlands eine dahingehende Versammlung einberufen. Berlin, 31. Juli. Dem Bundesrat ist ein Entwurf von Abänderungen und Ergänzungen des amtlichen Waren-Verzeichnisses zum Zolltarif zugegangen. Berlin, 31. Juli. Die Berliner Kistenmacher haben eine allgemeine Lohnbewegung in Aussicht genommen. Dieselben wollen die Festlegung eines einheitlichen Lohn- tarifes erreichen. — Die Steinbildhauer Berlins haben sich mit den streikenden Steinmetzen solidarisch erklärt und beschlossen, keinerlei Arbeiten auf Bauten zu fertigen. — Der Bund der „Industriellen" und andere interessierte Kreise hatten eine Masseneingabe an Den Bundesrat gerichtet, um über den amerikanischen Dingley-Tarif und unsere gegenwärtigen handelspolitischen Beziehungen zur Union Klage zu führen. Graf Posadowsky hat dem Bunde mitteilen lassen, daß er das reichliche Material zur Kenntnis der weiter beteiligten Reichsverwaltungen bringen und demnächst dem Bundesrate vorlegen werde. „Von den Wünschen der einzelnen Industrie-Zweige", so schließt das Schreiben des Staatssekretärs, „habe ich für die künftigen wirtschaftlichen und handelspolitischen Maßnahmen Vormerkung nehmen lassen." -Zur Statistik der Genossenschaften. Infolge der Eintragung in das Genossenschaftsregister ist die Zahl der in Deutschland bestehenden Erwerbs- und Wirtschafts- genossenschasten ziemlich genau bekannt. Nach den von der Anwaltschaft des Allgemeinen Verbandes geführten Listen bestanden, wie sich aus dem Jahrbuch des Allgemeinen Verbandes für 1898 ergiebt, am 31. März 1899 10 850 Kreditgenossenschaften, 82 gewerbliche Rohstoffgenossenschaften, 1193 landwirtschaftliche Rohstoffgenossenschaften, 34 gewerbliche Werkgenossenschasten, 482 landwirtschaftliche Werkgenossenschaften, 67 gewerbliche Magazingenossenschaften, 106 landwirtschaftliche Magazingenossenschaften, 193 gewerbliche Produktivgenossenschaften, 2017 landwirtschaftliche Produktivgenossenschaften, 271 Genossenschaften verschiedener Art, 1373 Konsumvereine, 244 Bau-Genossenschaften. Gegen den 30. April 1898 hat sich die Zahl der Kreditgenossenschaften um 391, die Zahl der landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaften um 86, die Zahl der landwirtschaftlichen Rohstoffgenossenschaften um 26, die Zahl der Baugenossenschaften um 50 vermehrt, wogegen die Zahl der Konsumvereine von 1409 auf 1373 zurückgegangen ist. — Der bereits erwähnte Brief des Geheimen Kommerzienrats Krupp an das Hofmarschallamt lautet: „Ich bitte Ew. Exzellenz berichten zu dürfen, eine wie große Bedeutung der von Sr. Majestät geplante Besuch des bergischen Landes haben würde. Ich habe mich durch eigenen Augenschein überzeugen können, mit welchem Enthusiasmus man den bevorstehenden Besuch erwartete und welche tiefe Niedergeschlagenheit die Absage Sr. Majestät Besuchs hervorgerufen hat. Wenn es in meiner Macht liegt, durch Verzichtleistung auf die Freude des kaiserlichen Besuches bei mir auf Villa Hügel den Besuch des bergischen Landes zu ermöglichen, so bin ich gern bereit, das schwere Opfer zu bringen. Mil der Andeutung dieser Möglichkeit möchte ich den Beweis liefern, welches Interesse es hätte, wenn dieser Teil unseres Vaterlandes, in dem seit einem halben Jahrhundert kein Landesherr gewesen, des Kaisers Majestät die Ehre Sr. Allerhöchsten Anwesenheit und Damit dem vorzüglichen Geiste der Bevölkerung eine verdiente Anerkennung zu teil werden ließe. Ich wäre Ew. Exzellenz zu großem Danke verpflichtet, wenn der Inhalt dieses Briefes zur Kenntnis Sr. Majestät gelangen würde." Berlin,31. Juli. Gestern hat hier der 40. Genossenschaftstag des allgemeinen Verbandes der auf Selbsthilfe beruhenden deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften begonnen. Am Dienstag nehmen die Hauptverhandlungen ihren Anfang und steht hierzu sehr umfangreiches Material zur Verfügung. Berlin, 31. Juli. Der Zwischenfall mit Guatemala ist beigelegt, nachdem die dortige Regierung sich bereit erklärt hat, den deutschen Gläubigern gerecht zu werden. Der Kreuzer „Geier" ist bereits von San Joss weiter gegangen und hat einen zweiten Hafen in Guatemala angelaufen. Berlin, 31. Juli. Wie dem „Lokal-Anzeiger" aus Paris gemeldet wird, soll die Freilassung Paty de Elams unmittelbar bevorstehen. Berlin, 31. Juli, lieber die plötzliche Absage des Besuches des Kaisers in Westfalen wird dem „Lokal-Anzeiger" von geschätzter Seite geschrieben: Die eigentliche und einzige Ursache der Absage sei die tiefgehende Verstimmung über die Aufnahme gewesen, welche das gutgemeinte Bielefelder Telegramm des Kaisers in einem Teile der Presse gefunden habe. Der Kaiser habe auf hoher See den Wortlaut dieser Depesche festgestellt, der lediglich die Kanalvorlage und keineswegs das Zuchthausgesetz im Auge hatte. Berlin, 31. Juli. Wie die „Kreuzzeitung" mitteilt, ist gestern in Arolsen der Regierungs-Präsident a. D. v. Hepp e im Alter von 63 Jahren gestorben. Derselbe war bis Ende vorigen Jahres Negierungs-Präsident zu Trier. Berlin, 31. Juli. Wie dem „Lokal-Anzeiger" aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, hat die französische Regierung bezüglich der Zeugenschaft des Herrn Paleologue vom Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten und des der Botschaft in Berlin zugeteilten Botschafts-Sekretärs de la Roche- Vernet in dem Dreyfus-Prozeß angeordnet, daß sich letzterer unverzüglich nach Rennes zu begeben hat, wo er vor dem dortigen Kriegsgericht seine Aussage deponieren soll. Kiel, 31. Juli, Die Ausreise des großen Kreuzers „Hansa" nach Ostasien ist auf den 15. August verschoben worden, da die Ausrüstung nicht früher beendet ist. Voraussichtlich wird der Kaiser das Schiff auf Seeklarheit prüfen. Frankfurt a. M., 31. Juli. Ein Kabeltelegramm der „Frkftr. Ztg." meldet aus New-York: Der Bericht der Samoa-Kommission empfiehlt Abschaffung der Königswürde und die Einteilung in administrative Distrikte mit einzelnen Häuptlingen, die sich jährlich versammeln sollen. An der Spitze der Verwaltung soll ein von einer auswärtigen Macht, vorzugsweise dem Könige von Schweden, zu ernennender Administrator stehen. Ferner empfiehlt man die Abschaffung der Konsulargerichtsbarkeit. Der Oberrichter soll die absolute Jurisdiktion besitzen, dem Berliner Vertrag eine größere Elastizität zu verleihen. Weiter wünscht man schärfere Zollbestimmungen, hauptsächlich für die Einführung von Waffen. — lieber die Friedenskonferenz macht ein Wort des schweizerischen Obersten Künzli die Runde. Die schweizerische Regierung hat das Wort ableugnen lassen. Es soll gelautet haben: Der größte und dümmste Schwindel des Jahrhunderts! — Die Mikronesischen Inseln. S. M. S. „Jaguar" ist angewiesen, am 15. September in Matupi zu sein, dann mit dem Gouverneur von Kaiser-Wilhelmsland die Reise zur Uebernahme der Karolinen, Palaos-Jnseln und Marianen zu machen und sich dann nach Schanghai zu begeben. — Nach einem der „Kol. Korr." zur Verfügung gestellten Privatbriefe aus Ki aut schon herrscht in Tsintau und in Kiautschou, am schlimmsten aber in Tapatau der Flecktyphus. Der Gouverneur riet dem Briefschreiber dringend, diese Orte zu meiden und überhaupt mit den Chinesen so wenig wie möglich in Berührung zu kommen, kein Wasser zu trinken u. s. w. Ein Unteroffizier, der die Aufräumungsarbeiten in Tapatau zu beaufsichtigen hatte, ist bereits angesteckt und liegt schwerkrank darnieder. Die Chinesen sind vom Gouvernement außerhalb in Baracken untergebracht worden und diese Baracken sollen, sobald die Krankheit erloschen ist, niedergebrannt werden. Ausland. Wien, 31. Juli. In der Nähe von Klagenfurt ist der Triester Schnellzug entgleist. Eine Person wurde getötet, fünf schwer, sechs leichter verletzt. Wien, 31. Juli. Unter den Leichtverwundeten beim Klagenfurter Eisenbahnunglück befinden sich die Kaufleute Oskar Schulze und Hermann Mankiewicz aus Berlin. Wien, 31. Juli. Die Protestbewegung in Oesterreich geht unaufhaltsam weiter, in die Breite und in die Tiefe, und ohnmächtig sind alle Nittel, sie zum Stillstände zu bringen. Und diese Mittel? Lange Spalten der amtlichen „Wiener Zeitung", gefüllt mit Beschlagnahmen, Erkenntnissen gegen Zeitungen, die Sistierung von Gemeinderatsbeschlüssen, Versammlungsverbote, Auflösung von Ver« einen und Versammlungen, Straßentumulte, bei denen das Einschreiten, Einhauen und Einreiten der Polizei in Wien eine Hauptrolle spielt, in der Provinz das Aufgebot von Gendarmen bei jeder politischen Veranstaltung — dies sind die Regierungskünste eines Systems, das vom § 14 lebt. Wie verschwenderisch diese österreichischen Hausmittel jetzt angewendet werden, zeigt schon der Umstand, daß die „Wiener Zeitung" in den drei letzten Tagen huudertvierzehn Beschlagnahme Erkenntnisse gegen Zeitungen veröffentlichte!! — Nun bemerkt ein Wiener Drahtbericht vom Sonntage: „Die Voraussetzung eines Blattes, die Wiener Polizei und die Behörden in der Provinz hätten den Auftrag erhalten, gegen alle Kundgebungen auf das Schärfste vorzugehen, wird von zuständiger Seite als durchaus willkürlich bezeichnet. Der Ministerpräsident habe im Gegenteil erst kürzlich erklärt, er lege prinzipiell Wert darauf, daß die Behörden in ihrem gesetzlichen Wirkungskreise selbständig und unter eigener instanzenmäßiger Verantwortlichkeit vorgehen." Nun, daß diese Behörden mit ihrem Vorgehen ganz im Sinne des Herrn Ministerpräsidenten zu handeln glauben, werden dessen Halbamtliche aber doch wohl nicht leugnen wollen. Prag, 31. Juli. Der von den Zuckerbäckern gegen die geplante Erhöhung der Zuckersteuer beabsichtigte Demonstrations-Umzug sowie das Meeting wurden von der Polizei verboten. Budapest, 31. Juli. Der „Pester Lloyd" bezeichnet die bevorstehende Entrevue zwischen dem Grafen Golu- chowsky und dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe, trotzdem dieselbe keinen besonderen politischen Zweck verfolge, doch als ein Zeichen des ungeschwächten Fortbestehens des Dreibundes, was von der österreich-ungarischen Monarchie freudig begrüßt werde. Gleichzeitig teilt das Blatt mit, Hohenlohe und Goluchowsky hätten im Juli in Paris eine Zusammenkunft gehabt. Haag, 31. Juli. Der Schluß der Friedenskonferenz ist ohne viele Feierlichkeit erfolgt. Auf der in der Kuppel des Oranjesaales befindlichen Tribüne waren neben einem Kranz von Damen nur wenige Journalisten anwesend. Die Delegierten standen plaudernd in Gruppen zusammen oder waren damit beschäftigt, Fächer und Bilder, die herumgereicht wurden, mit ihren Namen zu versehen oder einen Spruch in Albums zu schreiben. Auf ein Glockenzeichen nahmen sie ihre Plätze ein, die einige Lücken aufwiesen. Zunächst wurde mitgeteilt, daß die Schlußakte von sämtlichen Staaten unterzeichnet sei. Sodann wurde ein Schreiben der Königin der Niederlande an den Papst verlesen, in welchem dieser um seine moralische Unterstützung des Werkes der Konferenz gebeten wird, sowie die in wohlwollenden Ausdrücken gehaltene Antwort des Papstes, in welcher dieser nicht allein seine moralische Unterstützung, sondern auch seine werkthätige Mitarbeit gemäß der Aufgabe seines hohen Amtes zusichert; der Papst weist dabei darauf hin, daß er mehrmals Schiedsrichter war und trotz der beständigen Hindernisic, die sich der Erfüllung seiner Aufgabe entgegenstellten, auf dem gleichen Wege für die Sache der christlichen Gesittung weiterschreiten werde. Danach ergriff der russische Vertreter Baron von Staal das Wort zu einer Abschieds- und Dankesrede. Er betonte, das vollbrachte Werk sei nicht vollkommen, aber aufrichtig, praktisch und weise. Es bemühe sich, die beiden Grundsätze, die die Grundlage des Völkerrechts sind, den Grundsatz der Suveränität der Staaten und den einer gerechten internationalen Gemeinbürgschaft, in dem beide gewahrt blieben, mit einander zu vereinen. Das Werk der Konferenz bekräftige, daß das, was in der neuen Zeit herrschen solle, jene Werke seien, die aus einem Bedürfnisse der Eintracht geboren und durch die Zusammenarbeit der Staaten befruchtet seien, welche die Verwirklichung ihrer berechtigten Interessen in einem durch die Gerechtigkeit fest geregelten Frieden verfolgten. Die Aufgabe der Konferenz sei wahrhaft verdienstlich und schön. (Lebhafter Beifall.) Hierauf sprach der deutsche Delegierte Graf Münster dem Präsidenten Baron Staal warmen Dank für die Mitarbeit an dem Werk der Konferenz aus und widmete ihm, wie dem Vizepräsidenten Jonkheer van Karnebek Worte hoher Anerkennung. Der französische Vertreter d'Estournelles gab sodann dem Wunsche Ausdruck, daß diese Versammlung nicht ein Ende, sondern ein Anfang sein möge im Interesse der Gesittung und des Friedens. — Der niederländische Minister des Aeußern de Beaufort hielt die Schlußansprache: Wenn die Konferenz nicht das Sehnen der Utopisten habe verwirklichen können, so habe sie doch die düsteren Voraussagungen der Pessimisten Lügen gestraft. Die moralische Wirkung ihrer Beratungen sei schon offenbar; sie werde sich mehr und mehr fühlbar machen und nicht verfehlen, sich in der öffentlichen Meinung in augenfälliger Weise kund zu thun. Sie werde den Negierungen eine mächtige Unterstützung bei ihren Bestrebungen gewähren, die Frage der Begrenzung der Rüstungen zu lösen, die die ernste und gerechte Sorge der Staatsmänner aller Länder bleiben werde. Nachdem der Redner der Hoffnung Ausdruck verliehen hatte, der Kaiser von Rußland möge in dem Einsetzen verdoppelter Thatkraft zur Fortführung des von ihm unternommenen großen Werkes den wirksamsten Trost für die schmerzliche Prüfung, die er durchgemacht habe, finden, wurde die Friedenskonferenz geschlossen. T. R. — Von dem engeren Ergebnisse der Friedenskonferenz wird noch bekannt, daß die drei von ihr beschlossenen Konventionen über die Schiedsgerichte, die Kriegsgebräuche im Landkrieg und die Anwendung der Genfer Konvention auf den Seekrieg nicht unterzeichnet sind von Deutschland, Oesterreich-Ungarn, China, Großbritannien, Italien, Japan, Luxemburg, Serbien, der Schweiz und der , Türkei. Die Vereinigten Staaten von Amerika unterzeichneten nur die Konvention über Schiedsgerichte, jedoch unter Vorbehalt, Rumänien unterzeichnete die Konvention Über die Schiedsgerichte unter Vorbehalt. Die drei Erklärungen Über das Verbot, Sprengkörper aus Ballons zu schleudern, Stickgase verbreitende Geschoffe sowie Kugeln in der Art der Dum-Dum-Kugeln zu verwenden, wurden nicht unterzeichnet von Deutschland, Oesterreich-Ungarn, China, Großbritannien, Italien, Japan, Luxemburg, Serbien und der Schweiz, während Amerika nur die Erklärung über die Ballons unterzeichnete. London, 31. Juli. Ein hiesiges Blatt meldet aus New-Iork: Die Beamten der Gesellschaft, welche die Finanzen der Neger-Republik San Domingo leiten, haben Schritte bei der nordamerikanischen Regierung unternommen, um diese zu ersuchen, die Angelegenheiten der Republik zu machen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Finanzleute einen Feldzug einleiten werden, um ein amerikanisches Protektorat oder die einfache Annexion dieser Republik zu erlangen. Der Konsul von San Domingo in New-Aork wird seine Kandidatur als Präsident der Republik aufstellen und dabei die Unterstützung der amerikanischen Regierung erhalten. Wenn derselbe gewählt wird, wird er die Interessen Amerikas nicht vergessen. Petersburg, 30. Juli Das Tagesereignis in Rußland bildet die plötzliche Auflösung der an der Moskauer Universität bestandenen Juridischen Gesellschaft, deren Thätigkeit das Rechtsleben im Zarenreiche vieles verdankt, und welche die hervorragendsten Professoren der Moskauer Universität zu Mitgliedern zählte. Nun hatte die Gesellschaft anläßlich der Jahrhundertfeier Puschkins eine Adresse verfaßt, in welcher der Dichter als Befreier der russischen Individualität von der Bevormundung der Obrigkeit gepriesen wurde. Diese vom Präsidenten der Gesellschaft, Professor Muronczew, verlesene Adresse erregte im Lager der Reaktionären große Erbitterung gegen die Vereinsmitglieder, welche man beschuldigte, die russische Intelligenz zum Ungehorsam gegen die Regierung auf- zuwiegeln und Unzufriedenheit mit den Maßnahmen der Regierung zu erzeugen. Darauf hat sich nun der Kultusminister Bogoljepow beeilt, die Juridische Gesellschaft auf. zulösen und den Universitätsfonds zu beauftragen, eine neue Gesellschaft zu bilden. — Die aus Petersburg kommende Nachricht, daß der Kaiser von Rußland der Notwendigkeit seine Aufmerksamkeit geschenkt habe, die f inländisch en Eisenbahnen mit dem allgemeinen russischen Eisenbahnnetz zu vereinigen, und daß in Zukunft bei der Errichtung neuer Verkehrswege hierauf Rücksicht genommen werden solle, bedeutet nichts weniger als die Ankündigung, daß die Selbständigkeit Finlands weiter um ein bedeutendes geschmälert werden soll. Das letzte Ziel ist die Verschmelzung Finlands mit Rußland. Wie das finländische Heer und die finländische Gesetzgebung durch den kaiserlichen Erlaß vom 15. Februar ihrer Selbständigkeit beraubt wurden, so nun auch der Verkehr, das Eisenbahnnetz. Auch die gleichzeitig gemeldete Einzelmaßregel läßt diesen Zug deutlich erkennen: die Linie Uleaberg-Tornea, die eine Verbindung nach der schwedischen Grenze geschaffen hätte und für die der finländische Senat schon 123/4 Millionen Mark bewilligt hatte, wird verboten und der Bau einer Newabrücke angeordnet, damit die russischen Eisenbahnen den Weg nach Finland bequem finden. Man hätte das eine thun und das andere nicht lassen sollen, dann hätten alle Kulturfreunde Gefallen daran gehabt. So ist dieser Maßregel ein ganz eigenartiger Stempel aufgedrückt, mag sie auch immerhin für den Verkehr zwischen Finland und Rußland von Segen sein. Afrika. In der südafrikanischen Frage spielt, so schreibt man der „Tägl. Rundsch.", Portugal eine Rolle. Der portugiesische „Seculo" schreibt: „Was über die Befugnisse der Engländer, mit Truppen durch unsere Besitzungen in Südafrika zu ziehen, gesagt wird, ist durchaus wahr; auch daß England ein großes Lager von Kriegsbedarf auf der Insel Jnyack hat. Das ist bereits der Anfang. Die „Volksstern" behandelt diese Frage folgendermaßen: „Von der ersten Berührung der Buren mit den Portugiesen an — 1842 schloß Kommandant Pot- pilter den ersten Freundschafts-Vertrag — waren die Beziehungen zwischen der Republik und der Provinz Mosambik befriedigend, ja selbst herzlich. Doch hat Portugal stets die Rolle des leidenden Faktors in Südafrika gespielt. Inzwischen ist es unzweifelhaft geworden, daß dynastische und andere Erwägungen die portugiesische Regierung in die Arme von Großbritannien treiben. Und obgleich, wie wir vernehmen, aus Laurenco Marques in amtlichen Berichten bestimmt behauptet wird, daß kein Vertrag mit England die portugiesische Regierung verpflichte, englische Truppen durch Mosambik ziehen zu lassen, so rechtfertigt der Ton der portugiesischen Zeitungen — mögen sie nun auf Seiten der Negierung stehen oder oppositionell sein, — daß zu Pretoria Zweifel entstehen über die Neutralität von Mosambik im Falle eines Krieges der Republik mit Großbritannien. Lokales und Provinzielles. Gießen, den 1. August 1899. • • Großherzogs Dank. Wie uns von dem Präsidenten der israelitischen Religions - Gesellschaft, Herrn Bankier Grünewald hier, mitgeteilt wird, ging auf das Huldigungstelegramm an Seine Königliche Hoheit den Großherzog folgendes Antwortstelegramm aus Jagdschloß Wolfsgarten ein: Großherzog dankt der israelitischen Religions- Gesellschaft vielmals für Huldigungsgruß. E. v. Röder, Flügeladjutant. * ♦ Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuer« wehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Sr. König!. Hoheit des Großherzogs vom 28. Juni ds. Js. dem Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Osthofen, Friedrich Weber III. * * Ordensverleihung. Seine Majestät der Kaiser haben dem Oberstleutnant a. D. Friese, bisher Kommandeur des Landwehrbezirks I Darmstadt, den Königlichen Kronenorden 3. Klaffe Allergnädigst zu verleihen geruht. Münzenberg, 1. August. Wie wir hören, findet hier am nächsten Sonntag, nachmittags 5 Uhr, wieder ein großes Kirchenkonzert statt. Für die Solopartien ist eine ausgebildete Oratoriensängerin gewonnen , welche eben zum Besuche hier weilt. Die Chöre wird der hiesige Kirchenchor übernehmen, sodaß eine ebenso interessante, wie genußreiche Darbietung zu erwarten ist. Das Programm ist mit besonderer Sorgfalt ausgewählt. -e. Neu Ulrichstein, 1. August. Monatsbericht der Arbeiter-Kolonie Neu-Ulrichstein für den Monat Juli 1899. Am 31. Juli 1899 befanden sich in der Kolonie 21 Mann. Dieselben verteilen sich: 1. Nach der Geburt: Großherzogtum Hessen 4, Großherzogtum Baden 2, Königreich Bayern 1, Regierungsbezirk Kassel 2, Negierungs- Bezirk Wiesbaden 4, Provinz Rheinland 1, Provinz Ostpreußen 2, Königreich Sachsen 2, Provinz Schlesien 1, Thüringen 1, Schweiz 1. 2. Nach dem Gewerbe: Arbeiter 7, Gärtner 1, Kaufleute 2, Baumwollspinner 1, Kürschner 1, Photograph 1, Schreiner 1, Schuster 3, Schneider 2, Vermessungsgehilfe 1, Weißgerber 1. Gearbeitet wurde 685 Tage. Verpflegt wurde' 796 Tage. Die Kolonie zählte im Monat Juli 38 Krankentage, 70 Sonntage und 3 Beurlaubte. Im Monat Juli wurden entlassen 15 Mann, und zwar in Stellung durch eigenes Bemühen 1, auf eigenen Wunsch 7, Requisition der Behörde 1, Trunk und schlechtes Betragen 4, arbeitsunfähig 2. Seit Bestehen der Kolonie wurden ausgenommen 3600, entlassen 3579, bleibt Bestand 21 Mann. □ Ulrichstein, 31. Juli. Ein Bild militärischen Lebens, wie es in unserem Vogelsberg noch nicht vorgekommen ist, wird sich in der Zeit vom kommenden 1. bis 7. September in unserer nächsten Umgebung abspielen. Das- hessische Artillerie-Regiment Nr. 25 wird in dieser Zeit eim Geländeschießen mit scharfer Munition abhalten. Der Scheibenstand soll am sogen. Köppel errichtet werden, die Aufstellung der Geschütze wird am Oberwald bei dem „Frühfeld- stattfinden. Wer da weiß, welch mächtiges Echo der Kanonendonner weckt und wie die ausgedehnten Waldbezirke des Oberwaldes hierzu eine selten günstige Gelegenheit geben, der kann sich ausmalen, welch imposante Schallwirkung unsere Vogelsberger Wälder wiedergeben werden. Da für den 14. September mit einiger Sicherheit die Anwesenheit des Divisions-Kommandeurs der in Oberhessen stattfindenden Manöver zu erwarten steht, so darf wohl daraus der Schluß gezogen werden, daß ein Teil der diesjährigen Manöver im oberen Vogelsberg und namentlich auch in unserer Gegend stattfinden wird. Unser Vogelsberg ist kein Feind,, sondern ein Freund militärischen Lebens und Treibens. Man. freut sich darum schon jetzt auf den Krieg int Frieden. § Aus dem vorderen Vogelsberg, 31. Juli. Die Kornernte ist in vollem Gang. Im Feld reihen sich in langen Zeilen die „Hausten." Ihre Zahl gibt ein klares Bild der reichen Roggenernte. In der Wetterau, ja selbst in unserem Vogelsberg noch künden die Strohhaufen das vorjährige Ergebnis. Damals allerdings war der Strohertrag in erster Linie überreich, in diesem Jahre läßt sich neben diesem auch noch ein viel besserer Körnerertrag erwarten. Dem Landmann wird nicht selten der Vorwurf gemacht, daß es ihm niemals schicke, sondern er immer zu klagen habe. In diesem Jahre hört man derlei Klagen wirklich nicht, vielmehr aber alle Bewunderung über den vollkommenen Stand aller Kulturgewächse. Es ist aber auch in der That ein seltener Segen des Feldes, daß die Hackfrüchte wie das Getreide und dieses wie das Grünfutter in gleicher Vollkommenheit wachsen und gedeihen. Die Dreschmaschinen werden jetzt schon gerüstet^ denn jedenfalls werden sie, wie im vorigen Jahre, noch vor Vollendung der Ernte in Thätigkeit gesetzt, damit der reiche Erntesegen geborgen werden kann. Die Drescher ziehen bereits in zahlreichen Trupps ins Unterland, um lohnende Arbeit und Verdienst, der heute keinem tüchtigen Arbeiter zu mangeln braucht, zu suchen und zu finden. K. Büdingen, 29. Juli. Zu der vom 6. bis inkl, 11. d. M. stattgehabten schriftlichen Reifeprüfung, am hiesigen Gymnasium waren sechs Abiturienten zugelassen, von denen heute in der mündlichen Prüfung vier bestanden; zwei waren vor der Prüfung zurück, resp. ausgetreten. Die Namen der bestandenen Prüflinge sind: 1. Bausch, Georg, Büdingen; 2. Clemm, Wilhelm, Büdingen; 3. Schaaf, Hugo, Gießen; 4. Schwind, Fritz, Cronan (Preußen). Bad-Nauheim, 29. Juli. Vom 21. bis 27. Juli 1899 angekommen 1180 Badegäste und verabfolgt 18307 bezahlte und 506 Freibäder. Vom 1. April bis 27. Juli 1899 angekommen 16119 Badegäste und verabfolgt 183133 bezahlte und 6963 Freibäder. Darmstadt, 31. Juli. Der Landes-Ausschuß der nationalliberalen Partei für das Großherzogtum Hessen trat gestern mittag 11 Uhr hier zu einer Sitzung zusammen, die bis gegen 3 Uhr dauerte. AuK allen Teilen des Großherzogtums waren Vertreter erschienen^ Zur Beratung kamen die bevorstehenden Landtagswahlen und andere Parteifragen. Offenbach, 29. Juli. Die ehemalige Haack'sche Eisfabrik, die von der Frankfurter Firma S. B. Goldschmidt als Fettlagerhalle verwendet wurde, ist gestern abgebrannt. Der Schaden beträgt etwa 60000 Mk. Der Brand wurde durch einige mit Zündhölzern spielende Jungen verursacht, A Mainz, 31. Juli. Die zweite Trajekt-Verbindung, die versuchsweise zwischen hier und Kastel unterhalb der Straßenbrücke errichtet wurde, stellte nach dreimonatlicher Probezeit in den besten Verkehrs- und Festesmonaten mit dem heutigen Abend ihre Fahrten wieder ein. Ein Fahrtausfall wegen Nebel ober Niederwasser, die auf der Kasteler Anfahrtsseite ohne ständige Baggerungen die Aufrechterhaltung der Fahrt fraglich machen, fand nicht statt. Das Defizit beträgt über 7500 Mk., die Einrichtungs- kosten nicht einbegriffen. A Mainz, 31. Juli. In der demnächst ftattfinbenberr Auss chu ß sitzung ber beutschen Turnerschaft wirb bie vereinigte Mainzer Turnerschaft in Uebereinftimmung mit ber Oberbürgermeisterei den Antrag stellen, bas nächste beutsche Turnfest im Jahre 1902 hier in Mainz abzuhalten. — Der verflossene Woche in ber Oelmühle ber Firma Vossen hier stattgehabte Brand hat allein einen Jmmobilar- Schaben von weit über 100000 Mark verursacht. Der Schaben an Del, Rohprobukten unb Maschinen übersteigt biegen Betrag um bas Doppelte. — Ein fahnenflüchtiger Solbat bes 87. Regiments ist am Samstag aus Furcht vor ber Strafe in den Rhein gesprungen. Obwohl sofort Schiffer zu seiner Rettung bei ber Stelle waren, ver- schwand berselbe alsbalb spurlos in ben Wellen. Gestern würbe bie Leiche bes Selbstmörders bei Kastel gelanbet. — In ber letzten Zeit würben hier wieder mehrfach falsche Einmarkstücke angehalten. Die Fälschung ist eine dem ächten Gelde täuschend ähnliche, und nur das leichtere Gewicht unb ber etwas matte Glanz lassen erkennen, baß man es mit Falsifikaten zu thun hat. Worms, 29. Juli. Beim Funbamentgraben eines Baues auf bem Wormatia-Platze würbe heute vormittag ein altertümlicher Stein burch Arbeiter bes Herrn Philipp Schmibt Sohn aufgefunben, ber etwa 2 Meter hoch, 70 Ctm. breit unb 30 Ctm. bick ist unb aus bem Jahre 75 n. Chr. stammt. Die obere Hälfte des Steines füllt ein Relief aus, darstellend einen zu Pferde sitzenden römischen Krieger, mit seiner Lanze einen auf dem Boden liegenden Feind bedrohend, der sich mit einem Schilde gegen den Stich zu decken sucht. Die untere Hälfte des Steines füllt laut „W. T." folgende Inschrift aus: 1. bis 27. Juli 189» verabfolgt 18307 tyril bis 27. Juli b verabfolgt 183133- f "Wien. 11 dieser ■ ”ti httbtn- d>° «Äft Ks äs;: yjeinM ^d Treibens. Man. kg m Frieden. ' ^uli. DieZvrn- -lhen sich in lan '»«am Adder JftWin unserem H11 dar vorjährige ötrojertrag in erster * diesem auch 3arttIL Dem Landet/ daß es ihm gen habe. In diesem vlcht, vielmehr aber l Stand aller Kultnr- lt ein seltener Segen ^Getteide und dieses menheit wachsen und , jetzt schon gerüstet- lgen Jahre, noch vor etzt, damit der reiche ie Drescher ziehen 'land, um lohnende n tüchtigen Arbeiter srnbeu. r vom 6. bis inlL en Reifeprüfung sechs Abitunenten zu- tdlichen Prüfung vier 19 zurück , resp. aus» men Prüflinge sind: Clemm, Wilhelm, ßen; 4. Schwind, eS-Ausschu^ber >aS Grv^erzog- 1 W hier zu einer 3 Uhr dauerte. Aus en Pertreter erschienen, n Landtagswahlen und ralige Haack'sche Eis- na S. B. Goldschmidt gestern abgebrannt. ßf Der Brand wurde !be Jungen verursacht, mite Trajekt-Ler^ ! hier und Kastel unter urde, Me nach Verkehrs- und Feste. 'S*; rar?- ««Sto rurnerschast _ IglU I**’ „ ctiirrt; 1 ®aiW au bli A jelfi1 liebet «**,„,» tt jjr. It«* 1 **A< Mr laut .«"• LEVBIVS. CLAVPI. F. EQ-.MISSICVS ALA. SEBOSIANA. AN. LXXV H. 8. E GRAT VS. F. MILES. EX. T. F. Aus der Zeit für die Zett. Vor 100 Jahren, am 2. August 1799, starb zu Serviers der Miterfinder des Luftballons Jacques Etienne Mont- golfier. In Gemeinschaft mit seinem Bruder wurde er durch Lektüre und eigene Beobachtung auf die Erfindung einer Art von Luftschiffen geführt, welche durch erwärmte Luft zum Steigen gebracht und nach ihm Montgolfieren genannt wurden. Er wurde am 7. Januar 1745 zu Vidaloules-Annonay geboren. Vermischtes. • D. Frankfurt a. M., 1. August. Eduard Strauß kommt auch in diesem Jahre wieder hierher und giebt zwei Konzerte im Zoologischen Garten am 14. und 15. August. ♦ Bacharach, 31. Juli. Am Samtag Abend brannten sieben der bekannten altertümlichen schönen Häuser „auf der Mauer" ab. * Hebet das Befinden der Kaiserin wird der „T. R." aus Berchtesgaden gemeldet, daß die Heilung in den letzten Tagen ganz bedeutend fortgeschritten ist. Die Kaiserin, welche am Sonntage wiederholt auf dem großen Balkon des „Grand Hotel" weilte, und von den Straßengängern jubelnd begrüßt wurde, fühlt sich zur Zeit außerordentlich wohl, verspürt bei den im Zimmer vorgenommenen Gehversuchen ohne jegliche Stütze nicht die geringsten Schmerzen und empfing u. A. auch Herrn Hessing, Direktor des Orthopädischen Instituts zu Göggingen, der den angelegten Verband prüfte. Der Befund war befriedigend. Infolge dieser so günstigen Wendung ist die ursprüngliche auf den 5. August festgesetzt gewesene Übersiedlung der kaiserlichen Familie von Berchtesgaden nach Schloß Wilhelmshöhe auf den 3. August verlegt worden, sodaß die Ankunft dort am 4. August erfolgt, während der am 1. August von seiner Nordlandreise in Kiel landende Kaiser bereits am 2. August im Schlosse zu Wilhelmshöhe eintrifft. Sollte sich bis zum Tage der Abreise von Berchtesgaden das Wetter derart ändern, daß die vom Regen aufgeweichten Wege einigermaßen austrocknen, so wird die hohe Frau noch einige Wagenausfahrten unternehmen und zwar voraussichtlich über Schellenberg-Drachenloch in der Richtung nach Salzburg zu, da nach dorthin die Wege am glattesten sind, und der kaiserliche Wagen fast gar keinen Stößen ausgesetzt ist. Der Leiter der Musikkapelle des 1. kgl. bayerischen Ulanenregiments Kaiser Wilhelm II., König von Preußen, zu Bamberg, Stabstrompeter Betz, ist von der Kaiserin für die vorzügliche Ausführung des Konzertes am Geburtstage des Prinzen Oskar durch persönliche Ueberreichung einer mit Brillanten besetzten und dem Namenszuge „A. V.“ geschmückten Kra- vattennadel geehrt worden. Ferner sandte die Kaiserin dem Verschönerungs Verein Berchtesgaden und der Sektion Berchtesgaden des Deutsch-österreichischen Alpenvereins ein Schreiben, in welchem die hohe Frau ihren Dank ausspricht für das von diesen Vereinen am Geburtstage des Prinzen Oskar veranstaltete großartige Feuerwerk. Wie bereits kurz mitgeteilt, werden die in Berchtesgaden zur Sommerfrische weilenden Künstler am 1. August im Rostwalde ein großartiges Fest veranstalten. Die kaiserlichen Kinder werden dem Vernehmen nach bei gutem Wetter diesem Feste beiwohnen und auch für die in Aussicht genommenen Waldspiele einige Ehrenpreise stiften. Der Prinz-Regent von Bayern, der gleich dem Kaiser und einigen anderen hohen Fürstlichkeiten fortlaufend Bericht über den Gesundheitszustand der Kaiserin erhält, hat anderweitiger Verfügungen halber und auf besonderen Wunsch der Kaiserin den in Aussicht genommenen Besuch in Berchtesgaden jetzt endgiltig aufgegeben und ist bereits in Begleitung des Prinzen Ludwig von Bayern zu den Hofjagden in die Vorderriß abgereist. Als Kuriosum verdient übrigens bemerkt zu werden, daß in die von den kaiserlichen Herrschaften bewohnten Räumlichkeiten des „Grand Hotel" einige Tage nach ihrer Abreise die Familie eines höheren französischen Adligen zum Sommer- aufenthalte einziehen wird. Falls das Wetter es gestattet, werden voraussichtlich die älteren Prinzen noch einen Ausflug nach dem bei Salzburg belegenen Lustschlosse Hellbrunn unternehmen. * Ein Unfall auf dem Rhein, dem ein Soldat zum Opfer gefallen ist, wird aus Köln gemeldet. Danach stürzte, als letzter Tage Abteilungen des Deutzer Pionier- Bataillons bei Düsseldorf auf dem Rhein Uebungen ausführten, ein Pionier beim Uebersetzen über den Strom aus dem Kahn, in dem sich noch ein Feldwebel und ein Gefreiter befanden, und ertrank alsbald, ohne daß beide Personen ihm Hilfe gebracht hätten. Die beiden noch im Kahn Befindlichen setzten vielmehr ihre Fahrt fort und landeten. Eine Menge von Menschen hatte jedoch vom Ufer aus den skandalösen Vorgang mit angesehen und bestürmte nun die Landenden um Aufklärung über ihr Verhalten. Der Feldwebel leugnete zunächst jeden Unglücksfall, worauf ihm die erregte Volksmenge bis zu dem in der Nähe befindlichen Pionier-Hauptmann folgte. Diesem meldete er alsdann, daß ein Manu ertrunken sei. Die Militärbehörde wird hoffentlich bald über das Vorkommnis und das empörende Verhalten der beiden Kahninsassen durch eine strenge Unter» suchung die nötige Aufklärung geben können. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Stadtkirche. Am nächsten Sonntag, dem 6. August, findet im Vormittagsgottesdienst in der Stadtkirche Beichte und heiliges Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam statt. Anmeldungen zuvor bei dem Pfarrer der Gemeinden erbeten. Die für die Markusgemeinde auf den 6. August angesetzte Kinderkirche fällt aus; eS beginnen mit diesem Sonntag die Ferien für die Kinderkirche______________________________________________________ Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemessen am 1. August, zwtfchen 11 u. 12 Uhr mittag«: Wasser 16°, Luft 16'/,°. Rübsamen'fche Badeanstalt. Verkehr, Kand- und Volkswirtschaft. Gießen, 1. August. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. 1.20—1.30, Hühnereier per St. 7—0 2 St. 13—14 Enteneier 1 St. 7—8 Gänse» eiet per St. 10—11 Käse 2 St. 6—6 H, Käsematte per St. 3 Erbsen per Liter 20 Linsen per Liter 32 Tauben per Paar X 0.76—0.90, Hühner per St. A 1.00—1.50, Hahnen per Stück JL 0.60—1.00, Enten per St. 1.90—2.40, Gänse per Pfund vtt 0.00—0.00, Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 4, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—64 H, Schweinefleisch per Pfd. 60—72 4, Schweine» fleisch, gesalzen, per Pfd. 76 Kalbfleisch per Pfd. 60—66 H, Hammelfleisch per Pfd. 60—70 H, Kartoffeln per 100 Kilo 6.50 bis 9.00 JL, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Ctr. X 7.00—8.00, Milch per Liter 16 H. Dauer der Marktzeit von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr nachmittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden. Neueste Meldungen. Depeschen des Bureau „Herold" Hamburg. 1. August. Der Kaiser ließ einen Kranz aus weißen Rosen und Palmen mit weißen Schleifen auf dem Sarge des Bürgermeisters Versmaun niederlegen. Wien, 1. August. Auch Bürgermeister Dr. Lueger scheint zu einer Kundgebung gegen die Notverordnung entschlossen zu sein. Für heute hat er eine außerordentliche Sitzung des Stadtrates einberufen, die voraussichtlich wegen Einberufung des Gemeinderates zu einer Sitzung zum Anschluß an die allgemeine Protestbewegung in Oesterreich schlüssig werden wird. Brüfiel, 1. August. In der Wahl-Reform-Kommission des Repräsentantenhauses wurden gestern die Wahl- Reform-Vorschläge der Regierung abgelehnt. Ebenso fielen alle übrigen in der Kommission erörterten Wahlvorschläge. Die Linke ist fest entschlossen, falls die Regierung etwa eine Überrumpelung plant, zur Straßeu-Agitatiou zu greifen. Der König setzt seine Bemühungen zu gunsten des Einzel- Bezirks-Wahl-Systems fort, welches nunmehr die meisten Aussichten hat. Antwerpen, 1. August. Die Polizei überwacht ununterbrochen die Bemannung eines hier eingetroffenen japanischen Dampfers, welche entschlossen ist, ihre vor einigen Wochen arg mitgenommenen Kameraden zu rächen. Die Polizei läßt keinen der japanischen Matrosen an Land. Paris, 1. August. Dem „Eclair" zufolge wird die Regierung infolge der zahlreichen Proteste die Entsetzung des Generals Negrier im heutigen Ministerrat beschließen. Paris, 1. August. Präsident Loubet beschloß, der Schluß-Revue der Loire-Armee beizuwohnen. — Der morgige Ministerrat wird bezüglich Dupaty de Elams Unschulds-Erklärungen weiter beschließen. Rennes, 1. August. Der Fremdenzufluß ist ungeheuer. Einzelne Zimmer werden mit 100 Frs. täglich bezahlt. Die Engländer überwiegen. Die Volksmenge bereitete Frau Dreyfus neuerlich Ovationen. London, 1. August. In einigen Kreisen ist man über das Zurückweichen Chamberlains in der Transvaal-Angelegenheit sehr mißgestimmt und beschuldigt ihn der Nachgiebigkeit. Der Vorschlag, einen Ausschuß von Engländern und Buren zur gemeinsamen Erörterung der streitigen Fragen einzusetzen, findet in gemäßigten Kreisen Anklang. Die Berichte aus Prätoria lassen voraussehen, daß Präsident Krüger sich diesem Anträge nicht widersetzen werde. London, 1. August. Im Parlament sind gestern zwei Blaubücher zur Verteilung gelangt. Das eine betrifft den Verkauf von Spiritus in Afrika, das zweite die kretensische Angelegenheit, besonders die Lage in der Provinz Kandia. Petersburg, 1. August. Die Abreise des Zaren und seiner Familie nach D a r m st a d t ist für Mitte August in Aussicht genommen. Zuvor soll noch ein Jagdabstecher nach Spala gemacht werden. Weder Kopenhagen noch England sind diesmal in das Reiseprogramm ausgenommen. Belgrad, 1. August. Die Verhandlungen des Standgerichts gegen den Attentäter beginnen am 7. August, sodann finden die Verhandlungen gegen Tauschanovic und Genossen statt. 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