1S99 Sonntag den 2. Zuli ie 17. Zlintr- und Anzeigeblatt für den Areis Gietzen *(#. iMW Alle Anzeigen-VermittlungSstkllen bt8 In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegm. SkLM tötxktt ^chmüäungen )t darauf nehmen rchgang der Straße sicher Prunkwagen tarsch des Zuges Redaktion, Expedition und Druckerei: Sch»kstraße Ar. 7. icher Eiuzel- schiren in der Msführendm die Beschlußfähigkeit des Hauses feststellen. Als sie aber einen zweiten Namensaufruf über das Protokoll verlangte, ignorierte der Präsident ungehörigerweise den Antrag ; dies führte zu großen Lärmscenen, da die zahlreich erschienene Rechte durch Beifallklatschen, Geschrei und Heulen die Redner der Obstruktion zu übertönen suchte. Der Radikale de Felice und seine Freunde stürzten zum Ministertisch, überhäuften den Präsidenten der Kammer mit Vorwürfen und verlangten den Namensaufruf. Der Präsident hob die Sitzung auf. Nachdem dieselbe wieder ausgenommen war, erklärte der Präsident sein Verhalten unter dem Protest der Sozialisten. Als der Präsident, während die Sozialisten den Namensaufruf verlangten, in die Tagesordnung eintrat und die Mehrheit sich zu der Urne begab, um eine geheime Abstimmung über eine kleine Vorlage zu beginnen, stürzte die extreme Linke in den Halbrund. Es folgte ein heftiger Faustkampf. Die Konservativen stürzten sich hauptsächlich auf de Felice, Costa und Bissolati, der niedergehauen wurde. Der Marineminister erhob den Sessel, um den Ministertisch zu schützen. Ueber 100 Abgeordnete beteiligten sich am Kampfe. Die Tribünen wurden geräumt. hl von Prunk lNAen enthalten ;e, Lindenplatz, k Westanlagc, h, Schulstraße, bngechraße — Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Luuahme von Anzeigen zu der nachmittag- für den folgenden Lag erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Kälter für hessische Volkskunde._________________ Nr. 153 Viertes Blatt. Bezugspreis vierleljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mir Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Ausland. Brüffel, 30. Juni. In der Kammer war die Obstruktion seitens der Linken bedeutend gemäßigter als in den vorausgegangenen Sitzungen. Gegen Ende der Sitzung gab der unabhängige Abgeordnete Theodore, der in Brüssel von den Katholiken und Liberalen in der Stichwahl gewählt wurde, folgende Erklärung ab: Ich spreche nicht nur im Namen der Katholiken, sondern auch der Liberalen der Stadt Brüssel und erkläre die Regierungsvorlage für unannehmbar. Ich fordere den Ministerpräsidenten auf, nachzudenken und die Vorlage entweder zu vertagen oder ganz zurückzuziehen. Nach dieser Rede erklärte der Ministerpräsident Van der Peereboom: Angesichts der friedlichen Dispositionen, welche ich heute seitens der Abgeordneten der Linken feststellen kann, schlage ich vor, die Sitzung zu unterbrechen, um den Abgeordneten der verschiedenen Parteien Zeit zu geben, sich untereinander zu verständigen und sich wieder auszusöhnen. Der Abgeordnete Lorant bittet den Vorsitzenden, die Sitzung nicht zu unterbrechen, sondern gänzlich aufzuheben. Van der Peereboom willigt hierin ein unter dem Beifall der gesamten Linken, worauf die Sitzung bis nächsten Dienstag vertagt wird. Brüffel, 30. Juni. Die heutige Haltung des Ministerpräsidenten wird in den Wandelgängen der Kammer dahin ausgelegt, daß die Regierungsvorlage vertagt werden wird. In diesem Falle würde die Ruhe in Brüssel sofort wieder hergestellt sein. Das Sozialistenblatt „Peuple" erscheint heute abend mit schwarzem Trauerrand und einem Leitartikel über die gestrigen Niedermetzelungen mit der Ueberschrift: „Die Mörder". M.P.C. Vereinigte Staaten. Auf Befehl des Marme- Departements sollen alle Leutnants zur See, die irgendwie abkömmlich sind, sobald wie möglich mit dem Torpedo- wesen und elektrischen Anlagen bekannt gemacht werden, um eventuell später die im Bau begriffenen Torpedoboote übernehmen zu können. Lokales und Provinzielles. Gießen, den 1. Juli 1899. •* Zum Schützenfest. Das erste Blatt der heutigen Nummer' 153 des Gießener Anzeigers haben wir al4 Festnummer erscheinen lassen. Wir glauben sowoh unseren verehrl. Abonnenten, wie den zahlreich erwarteten Gästen angesichts des Schützenfestes mit der besonderen Zugabe eine kleine Aufmerksamkeit aus Anlaß des 17. Verbandsschießens erweisen zu dürfen, und bitten um freundliche Aufnahme der Festnummer. — Für Nichtabonnenten ist die Nummer, soweit der Vorrat reicht, um 10 Pfg. käuflich. ... ~, r *. Aus dem Großh. Ministerium, Abteilung für Schul- anqelegenheiten. Seine Königl. Hoheit der Großherzoc, haben Allergnädigst geruht, am 30. Ium den Vortragenden Rat in der Abteilung für Schulangelegenhelten des Ministerium« des Innern, Geh. Oberschulrat Dr. Heinrich Eisenhuth, zum Ministerialrat in diesem Ministerium und Vorsitzenden von dessen Abteilung für Schulangelegenheiten, — den Direktor des Neuen Gymnasiums zu Darmstadt, Ludwig Nodnagel, zum Vortragenden Rat in der Abteilung sür Schulangelegenheiten des Ministeriums des Innern unter Verleihung des Charakters als „Geheimer Deutsches Deich. Berlin, 30. Juni. Während der heutigen Sitzung der Kanal-Kommission hatte Minister v. Miquel in einem Zimmer des Abgeordnetenhauses mit dem Chef des Civil- Kabinetts v. Lucanus eine Unterredung, die sich auf die Annahme der Kanal-Vorlage bezog. Zu dieser eingehenden Konferenz hatte Herr v. Lukanus sein Erscheinen vorher angesagt. Derselbe begab sich noch heute mittag nach Travemünde, wo er mit dem Kaiser Zusammentreffen wird. Berlin, 30. Juni. Die viel besprochene Korektur der Aeußerung des Reichstagspräsidenten gegenüber dem Abgeordneten Rösicke, welche der stenographische Bericht der Sitzung vom 21. Juni aufweist, rührt, wie festgestellt ist, von einem Beamten des Reichstages her, welcher inzwischen eine Rüge erhalten hat. M.P.C. Mit Spannung wird der innerpolitischen Entwickelung in den nächsten Wochen entgegengesehen. In weiten politischen Kreisen neigt man der Annahme zu, es werde sich ein Wechsel der Scenerie auf der Negierungsseite vollziehen. Bevor der Kaiser seine Nordlandsfahrt antritt, wird er, wie es scheint, eine Besprechung mit dem Fürsten Herbert Bismarck haben. In Anknüpfung an die bezüglichen telegraphischen Meldungen wird in den Blättern die Möglichkeit erörtert, daß Fürst Bismarck dazu ausersehen sei, preußischer Minister des Innern zu werden. Wir möchten dies nicht ohne weiteres glauben. Der älteste Sohn des ersten Reichskanzlers hat sich fast immer nur mit auswärtiger Politik beschäftigt, er würde sich im Ministerium des Innern kaum behaglich fühlen. Etwas anders aber ist es, ob er nicht dazu berufen sein könnte, das Reichsamt des Innern zu übernehmen, und daß Graf Posadowsky der unmittelbare Nachfolger des Herrn von Bötticher (Fürst Herbert Bismarck würde dann der zweite sein) Minister des Innern würde. Zu den wichtigsten Aufgaben der Reichsverwaltung in den nächsten Jahren gehört die Vorbereitung der Erneuerung der Handelsverträge. Hieran ist in gleicher Weise das Auswärtige Amt wie das Reichsamt des Innern beteiligt. Das Auswärtige Amt hat eine besondere handelspolitische Abteilung. Zwischen diesem und dem Reichsamt des Innern bestand von jeher eine gewisse Eifersucht. Wir wissen nicht, ob dieselbe in neuerer Zeit gewachsen ist, möchten es aber fast daraus entnehmen, daß der Staatssekretär des Innern Graf Posadowsky vor kurzem sicher nicht ohne Grund im Reichstag die Bemerkung machte, der Schwerpunkt für die regierungsseitige Vorbereitung handelspolitischer Maßnahmen liege im Reichsamt des Innern. Dadurch, daß Fürst Herbert Bismarck das letztere übernähme, ließen sich die Reibungsflächen zwischen den beiden Ressorts verkleinern. Fürst Herbert war früher selbst Staatssekretär des Aeußern und kennt Verhältnisie und Personen im Auswärtigen Amt sehr genau. Außerdem würde durch die Ueberuahme des Reichsamts des Innern durch ihn jeder Grund entfallen, noch weiter die Behauptung aufzustellen und zu fruktifizieren: es bestehe ein scharfer, handelspolitischer Gegensatz zwischen der Spitze des Auswärtigen Amtes und der des Reichsamts des Innern. Zur Zeit begegnet man nicht selten der Meinung, Graf Bülow sei ein Beschützer der antiagrarischen, Graf Posadowsky ein solcher, der agrarischen Bestrebungen. — Daß Graf Posadowsky für die Verwaltung des Ministeriums "des Innern der Befähigung nicht ermangele, werden auch seine Neider und Gegner nicht bestreiten können. Er hat selbst als Landeshauptmann der Provinz Posen eine geraume Zeit an der Spitze der Selbstverwaltung eines sehr wichtigen Teils des Ostens der Monarchie gestanden und ist bei aller seiner Geneigtheit, die deutsche Landwirtschaft zu heben, keineswegs das, was man unter einem einseitig konservativen reff), hyper- agrarischen Ostelbier versteht. Er würde in die Verwaltung . des außerordentlich wichtigen inneren preußischen Ministeriums einen frischen und stählernen Zug bringen. Die Blütezeit der Landräte freilich, welche ihren Verwaltungsbezirk auf mehrere Monate im Jahre verlassen, um in Berlin Parlamentarier zu sein und sich mit sonstigen Streben zu befassen, wäre dann voraussichtlich vorbei. M.P.C. Wie wir aus Rom erfahren, ist das Befinden des Papstes ein solches, daß die Aerzte beste Hoffnung haben, der jetzige Inhaber des Stuhles Petri werde seines hohen Amtes noch geraume Zeit walten können. Frankfurt a. M., 30. Juni. Die „Frankf. Ztg." meldet aus Rom: Nachdem ein Abgeordneter in der Kammer den Antrag eingebracht hatte, die Diskussion des Dekretes der politischen Maßnahmen auf 15 Sitzungen zu beschränken, begann oie extreme Linke heute mit der Obstruktion. Zuerst ließ sie durch namentliche Abstimmung Gießener Anzeiger General-Anzeiger Erscheint tigkich wir Ausnahme des Montags. Die Gießener 9f«ÄiKie«ir6tter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. unb Btgtüfeungäfeier- 5)1(6(11« W**' *u' cj. ibtnbi urnet^1 ‘eWen 999. ^kilnühlne üfn 0'.-? zugefagt M pünktlich n Bestimmungen k ab, Oberschulrat, — den Direktor des Gymnasiums zu Mainz, Georg Weihrich, unter Belassung in seiner gegenwärtigen Dienststelle zugleich zum außerordentlichen Mit- flied der Abteilung für Schulangelegenheiten des Ministeriums )es Innern, unter Verleihung des Charakters als „Ge- -eimer Oberschulrat", zu ernennen. — Mit Allerhöchster Genehmigung Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs ist der Rat bei der Provinzialdirektion Starkenburg, Regierungsrat Wilhelm Best zu Darmstadt, mit Wahrnehmung der Funktionen eines Vortragenden Rates in der Abteilung für Schulangelegenheiten des Ministeriums des Innern beauftragt worden. — Mit Allerhöchster Genehmigung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wurde das Referat über die Landesuniversität und die Technische Hochschule, soweit es nicht Seiner Exzellenz dem Staatsminister Rothe Vorbehalten ist, dem Ministerialrat im Ministerium des Innern und Geheimen Staatsrat im Staatsministerium Krug von Nidda übertragen. ** Kirchliche Dienstnachrichten. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 23. Juni dem Pfarrverwalter Lic. theol. Dr. Wilhelm Diehl zu Hirschhorn, Dekanat Erbach, die evangelische Pfarrstelle daselbst zu übertragen, und den evangelischen Pfarrer Wilhelm Eger zu Hainchen, Dekanat Büdingen, zurzeit in Darmstadt, bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in den Ruhestand zu versetzen. ** Ruhestandsversetzung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 28. Juni den Lehrer an dem Realgymnasium zu Darmstadt, Professor Dr. Hermann Vorhauer, auf fein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste, in den Ruhestand zu versetzen. •• Ordens Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, zum 10. Juni dem 1. evangelischen Pfarrer Otto Heinrichs in Gedern aus Anlaß der Feier seines 50jährigen Dienstjubiläums das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen. •• Auszeichnungen. Seine Königliche Hoheit der G r o ß- herzog haben Allergnädigst geruht, am 30. Mai den Arbeitern Johann Fischbach und Wilhelm Grävenbruck zu Mainz das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für treue Arbeit" zu verleihen. — Ernannt wurde am 23. Juni der Gardesergeant Martin Scherf aus Darmstadt zum Kanzleidiener an der Landes-Universität. ** 17. Verbands-Schießen des Badischen Landes-Schutzen- Vereins und des Pfälzischen und Mittelrheinischen Schutzen- bundes. Die gestern abend von der hiesigen Sängerver. einigung vorgetragenen Lieder in der Fe st Halle legten Zeugnis ab von einer vortrefflichen Schulung und Liebe zur Sache. Die Festspielgruppen konnten leider nicht alle gestellt werden, da die Kostüme erst abends spät zur Verfügung standen und zum Anprobieren derselben nur em Raum zur Verfügung stand, worin immer nur eine Gruppe, höchst erschwerend, ihre Kostüme finden konnte. Es werden nur noch Gruppierungen am Tage vorgenommen und die Kostüme alle in Ordnung gebracht werden, so daß am Dienstag Abend die Aufführungen in kürzester Zeit vor sich gehen können. — Die immerwährenden Anstellungen und die schließliche Lichtentziehung der Werkführer der Elektricitätsfirrna Buchner empfand man höchst unangenehm. * * 17. Verbands-Schießen des Badischen Landes Schützen- Vereins und des Pfälzischen und Miltelrheiuischen Schutzen- bundes. Bei den gestrigen Probeaufführungen benutzten einzelne im Publikum die Bänke zum Daraufstehen. Wenn solches schon mit Rücksicht auf die Hinternsitzenden vermieden werden sollte, so wolle man vollends während der Festtage, an welchen die Bänke mit Leinen überzogen sind, das Besteigen derselben unterlassen. Ehrengabe« zum Schützenfest. Man schreibt uns: Im gestrigen Blatte ist ein Fehler bezüglich der Fest-Ehrengaben unterlaufen. Nicht die Gießener KriegervereiNiguug, sondern die Kriegerkameradschaft Gießen hat eine Festgabe gestiftet. „ * * Ein besonderes Postamt ist auf dem Schutz enfe st- platze errichtet worden. Ueber die Schalterstunden und dienstlichen Verrichtungen erfahren die Leser des näheren aus der Bekanntmachung des Postamts 1 im zweiten Blatt der heutigen Nummer. .. * * Berichtigung. In dem Berichte über die Universitätsfeier in voriger Nummer wolle man unter den Namen der mit den akademischen Preisen ausgezeichneten Herren lesen : G. Sch mahl aus Worms, statt ^chmall. Äft ,r Art- euer iven- ■ «nd SbmrH e"b5 («1lU * W 5029 ßWl * • Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Wir machen auch an dieser Stelle darauf aufmerksam, daß am heutigen Sonntag lt. Bekanntmachung Großh. Polizeiamts es gestattet ist, die Läden von 7—9 Uhr vormittags und von 11 Uhr vormittags bis abends 7 Uhr offen zu halten. * * Neues Restaurant. Gestern abend wurde das Restaurant „Zum Perkeo" eröffnet. Zahlreiche Gäste hatten sich eingefunden, und ließen sich's beim Pilsener-Bier der Aktien-Brauerei Gießen, und bei dem Münchener Stoff Franziskaner Leist-Bräu wohl sein. Das neue Restaurant selbst, ist, was geschmackvolle Einrichtung anbetrifft, eine Sehenswürdigkeit. Besonders der vordere Raum, der nach dem Seltersweg gelegen, macht mit seinen Nischen, seinen in Blei gefaßten bunten Fenstern, den in Goldbronce ausgeführten Gasbeleuchtungskörpern, den lichten Farben bei der Wand- und Deckendekoration, einen der modernen Richtung entsprechenden, ungemein vornehmen Eindruck. * * Radsport. Studiosus Fedoroff von der kaiserlichen Universität zu Petersburg hat am 12./24. Juni mit seinem Rade Petersburg verlassen, um einen Rekord Petersburg—Paris zu machen. Derselbe trifft am 5. oder 6. Juli auf seiner Reise in Gießen ein, und ist die Gießener Nadfahr-Gesellschaft „Wanderer" beauftragt, Herrn Fedoroff zu kontrollieren. ♦* Große gewerkschaftliche Betriebe in Heffeu. Unserem gestrigen Bericht über „Große gewerbliche Betriebe in Hessen" tragen wir noch nach, daß Herr Fabrikant Kling- spohr hier in seinen Betrieben über 700 Arbeiter beschäftigt. — Ferner wird uns mitgeteilt, daß die ebenfalls nicht aufgeführte Firma Karl Emmelius hier 332 Ar. beiter beschäftigt. ** Beurkundung des Personenstandes. Im Auftrage des Großherzoglichen Ministeriums kommen seit kurzem durch Vermittelung der Amtsgerichte die von dem Reichsjustizamte zusammengestellten Vorschriften über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung in der vom 1. Januar 1900 ab geltenden Fassung nebst den vom Bundesrate hierzu beschlossenen Ausführungsbestimmungen und Formularien, sowie bezüglichen Erläuterungen, zur Verteilung an die Standesämter, damit sich dieselben schon von jetzt an mit den neuen Vorschriften über die Eheschließung bekannt machen können. *• Polizeibericht. Ein Unbekannter, welcher angab, Beamter bei einer hiesigen Direktion zu sein, besichtigte am 29. Juni bei einer Witwe in der Bleichstraße ein Logis, dasselbe zu mieten. Bei dem Verlassen des Zimmers e n t- wendete der Fremde ein auf dem Tische liegendes Portemonnaie mit 2 Mk. Inhalt. Der Fremde wird beschrieben wie folgt: Etwa 25 bis 30 Jahre alt, schlanke Statur, nobeles Auftreten, Kleidung schwarzer Anzug (Gehrock) und schwarzer? weicher Filzhut. — Gestern nachmittag gegen 4i/4 Uhr *" entstand in einer Familie in der Kaplansgaffe Streit, welcher sich bis auf die Straße ausdehnte wodurch ein großer Menschenauflauf entstand, sodaß die Polizei einschreiten mußte. O Darmstadt, 30. Juni. Eine durch Jahrzehnte wohlbewährte Kraft ist in dem soeben in den wohlverdienten Ruhestand getretenen Großh. Obermedizinalrat, jetzigen Geheimrat Hermann Pfeiffer, aus dem öffentlichen Dienste geschieden. Der allezeit bescheidene Mann genießt hier, und weit über unsere Stadt hinaus, nicht nur den Ruf eines sehr tüchtigen Arztes, und vorsichtigen Diagnostikers, (als welcher er, trotzdem er seit längerem seine Praxis nicht mehr ausübt, in schwierigen Fällen öfter herangezogen wurde), sondern auch eines umsichtigen und durchaus erfahrenen Beamten. Viel Interesse hat Pfeiffer von jeher der Statistik entgegengebracht, und wird derselbe auch das Amt des Vorsitzenden der Centralstelle für Landesstatistik Weilerführen. Aus der Zeit für die Zett. Vor 255 Jahren, am 2. Juli 1644, wurde zu Kreen- heinstetten (Baden) der Pater Abrahama Santa Clara (Ulrich Megerle) geboren. Wahrheitsliebend und freimütig, übte er durch seinen nie verletzenden Witz und seinen bilderreichen Humor ungemeine Anziehungskraft auf alle Kreise aus. Schiller verherrlichte ihn in „Wallensteins Lager" (Kapuzinerpredigt). Er starb als Oberer des Augustinerordens und Hofprediger zu Wien am 1. Dezember 1709. Vor 33 Jahren, am 3. Juli 1866, siegten in der Schlacht von Königgrätz die Preußen über die Oesterreicher, welche 44000 Mann verloren, darunter 22000 Mann Gefangene. Mit 9000 der Ihrigen, die tot oder verwundet das Schlachtfeld bedeckten, hatten die Preußen den gewaltigen Sieg erkämpft, der den Feldzug entschied. Gingesandt. Gießen, 30. Juni 1899. Hat sich in der Ludwigsstraße an der Unterführung der Ober- heffischen Eisenbahn der Mangel an genügenden Abflußkanälen schon bet weniger starkem Regen fühlbar gemacht, so trat derselbe aber am 29. ds. Mts. bei dem Niedergange des wolkenbrucharligen RegenS in erst recht drastischer Weise hervor. Die von der Mündung der Ltebigftraße und dem oberen und unteren Riegelpfad hrrabstürzenden Wassermasien stauten sich an der genannten Unterführung dermaßen, daß der Teil der Ludwtgsstraße von der Unterführung bis zur Mündung der Altcestraße, ja diese zum Teil selbst, nebst Büroer- steig und dem angrenzenden Garten des Herrn König einem Ser glichen. Hoffentlich werden endlich diese Zeilen dazu beitragen, unsere verebrltcbe Stadtbauverwaltung zu veranlassen, diesem Mangel baldmöglichst abzuhelsen. Mehrere Steuerzahler. Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemeßen am 1. Juli, zwischen 11 u. 12 Uhr mittags: Wasser 16°, Lust 13°. Rübsamrn'sche Badeanstalt. Auszug aus den Standesamtsregistern der Stadt Gießen. Aufgebote. Juni: 27. Friedrich Schltffer, Schutzmann zu Frankfurt a. M., mit Auguste Koch zu Alsfeld. 27. Johann Herrmann, Taglöhner dahier, mit Eltsabethe Hammel hterselbst. 27. Wilhelm Neuweiler, Spengler dahier, mit Wilhelmine Lehrmund Hierselbst. 27. Philipp Georg Schmidt, Schlosser dahier, mit Johanna Kümmel Hierselbst. 28. Ferdinand August Hellbach, Bureaugehilfe zu Homberg a. d. O., mit Eltsabethe Margolf zu Gießen. 29. Wilhelm Jullemann, Kaufmann dabier, mit Anna Margarethe Luise Friedel hterselbst. 29. Otto Föller, Wagnergeselle dahter, mtt Anna Schmalz zu Hungen. 29. Wilhelm Karl Kinkel, Kaufmann dahier, mtt Lina Schmidt hterselbst. 29. Ehrtstian Wilhelm Erle, Finanzaspirant dahier, mtt Marte Sophie Schäfer hterselbst. Eheschließungen. Juni: 24. Heinrich Adelheim Prieß, Bäckermeister dahier, mit Mathilde Katharine Friederike Loth hterselbst. 24. Andreas Johannes Braun, Htlfsbremser dahier, mit Eltsabethe Kaiser Hierselbst. 24. Ludwig Georg Wilhelm Best, Weißbinder und Lackierer dahier, mtt Margarethe Zeiß von Holzheim. 27. Ludwig Stetnmann, Inspektor zu Winnerod, mit Pauline Heß zu Bleichenbach. 30. Heinrich Becker, Schmied zu Gießen, mit Katharine Gambach zu Ruppertsberg. Geborene. Juni: 11. Dem Straßenwärter Ludwig Kreiling II. eine Tochter, Ella. 19. Dem Kaufmann Carl Bourgeois eine Tochter. 19. Dem Metzger Georg Müssing ein Sohn. 19. Dem Ofensetzer Albert Heß eine Tochter. 21. Dem Packmeister Heinrich Engelbach eine Tochter, Anna Katharine. 22. Dem Mechaniker Gotthold Hempel eine Tochter, Elise Martha. 24. Dem Taglöbner Friedrich Schupp ein Sohn, Heinrich. 24. Dem Assistent Dr. Wilhelm Seitz eine Tochter. Gestorbene. Juni: 24. Karl Walther, 60 Jahre alt, Kirchendiener von Biedenkopf. 24. Albrecht Max Heinrich Wagner, 2 Jahre alt, Sohn von Schubmachermeister Johannes Wagner dabier. 26. Conrad Drescher, 63 Jahre alt, Knecht von Kinzenbach, Kreis Wetzlar. 29. Marie Stein, 27« Jahre alt, Tochter von Bahnarbeiter Kaspar Stein zu Ettingshausen._________________________________________ Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute. MarkuSgemetnde. Den 25. Juni. Andreas Johannes Braun, Hilfsbremser zu Gießen, ein Witwer, und Eltsabethe Kaiser, Tochter des Maschinenwärters Heinrich Kaiser zu Lollar. LukaSgemeinde. Den 24. Juni. Heinrich Adelbeim Prieß, Bäckermeister zu Gießen, und Mathilde Katharine Friederike Loth, Tochter deS verstorbenen Rangierers Philipp Loth zu Gießen. Den 30. Juni. Heinrich Becker, Schmied zu Gießen, und Katharine Gambach zu Ruppertsburg. JohanneSgemetude. Den 24. Juni. Heinrich Stühler, Fabrikarbeiter zu Gießen, und Emma Volk, Tochter des LehrerS Adam Volk zu Harbach. Den 25. Juni. Ludwig Georg Wilhelm Best, Weißbinder und Lackierer zu Gießen, und Margarethe Zeiß, Tochter des Wagnermeisters Georg Heinrich Zeiß zu Holzheim. Den 27. Juni. Ludwig Stetnmann, Inspektor zu Wtnnerob, und Paultne Heß, Tochter des verstorbenen WagnermeisterS Philipp Heß II. zu Bleichenbach. Getaufte. MatthäuSgemeinde. Den 25. Juni. Dem Bremser Balthasar Dapper ein Sohn, Hans Adolf Ludwig Wilhelm, geboren den 8. Mai. Denselben. Dem Buchbtnbermetster Heinrich Schneider ein Sohn, Theodor Heinrich, geboren den 19. Mai. MarkuSgemetnde. Den 25. Juni. Dem Gärtner Friedrich Karl Georg Fenner eine Tochter, Paula Henriette Mtna Karoltne, geboren den 6. Juni. Johannesgemetnde. Den 25. Juni. Dem Taglöhner Johannes Becker eine Tochter, Susann« Frieda, geboren den 29. März._________________________ Unterhaltungen in Bad Nauheim vom 2. Juli bis 8. Juli. Sonntag den 2. Juli, nachmittags von 4*/e bis 7 und abends von 8 bis 10 Uhr auf der Terrasse: Konzert der Kapelle deS SchleSwig-Holsteintschen Ulanen-Regiments Nr. 15 aus Saarburg. Bei gutem Wetter spielt die Kurcapelle nachmittags von 6 bis 8 Uhr am Teichhause. Montag den 3. Juli, nachmittags von 4*/» bis 6‘/i und abends von 8 bis 10 Uhr auf der Terrasse: Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr: Theatervorstellung- In Behandlung. Dienstag den 4. Juli, nachmittags von 41,2 bis 6V2 und abends von 8« bis 10 Uhr auf der Terrasse: Konzert der Kurkapelle. Gegen 10 Uhr Feuerwerk am Fuße der Terraffe. Mittwoch den 5. Juli, nachmittags von 4 bis 6 Uhr auf der Terraffe: Doppel-Konzert des autz Mitgliedern des Kasseler Hoftheaters bestehenden Horn-Künstler- Ensembles und der Kurkapelle. Abends von 8 Uhr ab Künstler- Konzert des Kasseler Horn-Künstler-Ensembles. Abends 8 Uhr: Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle. Das verwunschene Schloß. Donnerstag den 6. Juli, nachmittags von 4Vi bis 7 Uhr: Konzert der Kurkapelle auf der Terrasse. Abends von 8 bis 10 Uhr im Saale: Tanz. Freitag den 7. Juli, nachmittags von 4'/i bis 67a Uhr Konzert und abends von 8 bis 9Va Uhr: Symphonie-Konzert der Kurkapelle auf der Terraffe. Abends 8 Uhr: Theatervorstellung. Goldfische. Samstag den 8. Juli, nachmittags von 41/, bis 67i und abends von 8 bis 10 Uhr: Konzert der Kurkapelle auf der Terrasse. Schisssnachrichten Der Postdampfer „Kensington" der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 28. Juui wohlbehalten in New- Pork angekommen. Der Postdampfer „Switzerland" der „Red Star Line" in Am werpen ist laut Telegramm am 28. Juni wohlbehalten in Phtla- delphta angenommen. Verkehr, Land und Volkswirtschaft. Gießen, 1. Juli. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. 0.80—0.95, Hühnereier per St. 0—0 H, 2 St. 11—13 H, Enteneier 2 St. 11—12 Gänse, eier per St. 10—11 H, Käse 2 St. 5—8 H, Käsematte per St. 3 Erbsen per Liter 22 4, Linsen per Liter 32 Tauben per Paar X 0.80—0.90, Hühner per St. JL 1.10—1.30, Hahnen per Stück vM 0.76—1.30, Enten per St. JL 1.80—2.00, Gänse per Pfund 0.00—0.00, Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 4, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—64 Schweinefleisch per Pfd. 60—72 Schweine« fleisch, gesalzen, per Pfd. 76 Kalbfleisch per Pfd. 60—66 \ Hammelfleisch per Pfd. 50—70 Kartoffeln per 100 Kilo 0.00 bis 6.00 JL, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Ctr. JL 8.50—9.00, Milch per Liter 16 H, Kirschen per Pfd. 30 bis 40 Pfg. Dauer der Marktzeit von 7 Uhr morgenS bis 1 Uhr nach- mittags. Während der ersten 8 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden. Neueste Meldungen. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 1. Juli. Die „Vossische Zeitung" erhält aus' London folgendes Telegramm: Globe meldet aus New- Jork. In Washingtoner amtlichen Kreisen werde geglaubt, der deutsche Botschafter in Washington, von Holleben, werde von seinem jetzigen Urlaub nur zurückkehren, um sein Abberufungsschreiben zu überreichen. Man erwartet, der neue Botschafter werde Fürst Herbert Bismarck sein, der im Herbst von Holleben ersetzen dürfte. In Washington glaubt man, von Holleben sei verantwortlich zu machen für viele unnötigen Reibereien zwischen den beiden Regierungen, und er habe die Schwierigkeiten in den Gegenseitigkeits-Vertrags- Verhandlungen und in anderen Fragen vergrößert. Das sei auch der deutschen Regierung wohl bekannt. Berlin, 1. Juli. Das „Kleine Journal" glaubt versichern zu können, daß die Absicht einer Auflösung des preußischen Abgeordnetenhauses nicht mehr besteht. Dasselbe wird in seiner jetzigen Zusammensetzung bestehen bleiben, aber andere Männer dürften durch das Vertrauen der Krone an das Ruder Kommen. Man steht vielleicht unmittelbar vor der Entscheidung. Berlin, 1. Juli. Das Berliner Tageblatt läßt sich aus Lübeck telegraphieren: Sonst gut unterrichtete Kreise wollen wissen, der Kaiser trage dem Fürsten Herbert Bismarck heute das Reichskanzleramt an. (?) Herne, 1. Juli. Seit heute früh 5 Uhr halten Kavallerie- und Infanterie-Patrouillen die Chausfee besetzt, um den Arbeitswilligen Schutz zu gewähren. Die erschossenen Bergleute wurden heute morgen um 5 Uhr beerdigt. Dem Zuge folgten nur die nächsten Anverwandten sowie einige Männer und Frauen. Zur Verhütung von Ruhestörungen waren im Krankenhause und auf dem Fried- Hofe zahlreiche Schutzleute aufgestellt, indessen kam es nirgends zu Ruhestörungen. Herne, 1. Juli. Die Lage im Ausstandsgebiet hat sich wieder mehr verschärft. Alle Posten sind verdoppelt. Zwei Kompagnien sind im Geschwindschritt nach den Zechen Blumenthal und König Ludwig ausgerückt. Die Hauptwache ist um einen Zug verstärkt worden, ebenso die Wachen und Patrouillen. Auf einen Posten bei der Zeche Schamrock wurde geschossen. Der Posten hat die Schüsse erwidert. Koburg, 1. Juli. Im gemeinschaftlichen Landtage wurden gestern vorgelegt die Verzichturkunden des Herzogs und des Prinzen von Connaught zu Gunsten des Herzogs von Albany. Ersterer verzichtet unbedingt, letzterer mit dem Vorbehalt seines Erbrechts, falls der Herzog von Albany vorzeitig sterben oder deffen Mannesstamm erlöschen sollte. Zum Vormund des Herzogs von Albany ist der Erbprinz von Hohenlohe-Langenburg ernannt. Der Herzog von Albany wird mit seiner Mutter sofort dauernden Aufenthalt in Koburg nehmen, eine deutsche Erziehung genießen, später eine deutsche Universität besuchen und in die deutsche Armee eintreten. Nom, 1. Juli. In politischen Kreisen hält man die Vertagung der Kammer nach den gestrigen Tumulten für ganz sicher. Der Regierung sind durch das Auftreten der Sozialisten alle Mittel in die Hand gegeben, die vorgelegten Maßnahmen ohne die Zustimmung der Kammer durchzusetzen. Nach Schluß der gestrigen Sitzung fand sofort ein Ministerrat statt, in welchem der Schluß der Session beschlossen wurde. Darauf hielt Pelloux dem König Vortrag. Rom, 1. Juli. Die Kammersession wurde infolge der gestrigen Skandalszenen geschlossen. Brüffel, 1. Juli. Unmittelbar nach Schluß der Kammer trat die gesamte Opposition zusammen und hat einstimmig beschlossen, in den Manifestationen fortzufahren, jedoch denselben einen friedlichen Charakter zu geben. Man will die Bewegung zu Gunsten des Widerstandes so lange in Kraft lassen, bis die Regierung der öffentlichen Meinung völlig gerecht worden ist. Die Opposition des Senats schloß sich diesem Votum an. — Heute abend finden in allen Vorstädten Volksversammlungen unter freiem Himmel statt, in welchen über die allgemeine Lage und über die Regierungsvorlage beraten werden soll. — Aus halbamtlicher Quelle verlautet, daß der Bürgermeister Buls mit den Stadträten aller größeren Städte Belgiens gestern eine geheime Konferenz hatte und mit diesen die zu ergreifenden Maßnahmen erwog. — Am Nordbahnhofe fand gestern abend ein Meeting unter freiem Himmel statt. Der Priester Dhäns hielt eine zündende Ansprache und erntete ungeheuren Beifall von den ca. 4000 Personen, welche sich eingefunden hatten. Rennes, 1. Juli. Dreyfus soll mit dem Spezialzuge 2 Uhr 40 Min. morgens von Bahnstation Redon hier ankommen und von einem Gendarm-Kapitän begleitet, vom Bahnhofe in einem Fiaker zum Gefängnis, das er in seiner alten Uniform betreten wird, gebracht werden. Es verlautet, für Dupaty de Clam sei im Gefängnis eine Zelle reserviert, in der Voraussicht wiederholter Konfrontationen mit Dreyfus. — 3 Uhr 50 Min. Wie in letzter Stunde gemeldet wird, hat der Spezialzug, welcher Dreyfus um 2 Uhr 40 Min. hierher bringen sollte, bedeutende Verspätung, da der Zug bereits in Redon mit Verspätung eingetroffen ist. Der Bahnverkehr zwischen Redon und Rennes ist ganz abgebrochen. Man weiß nicht, ob dies auf Befehl der Behörden oder infolge des Gewitters veranlaßt ist. Eme Gruppe von 300 Personen erwartete am Bahnhofe m Rennes die Ankunst des Spezialzuges. Die Menge läßt sich ourd) ben herabströmenden Regen nicht entmutigen. Die Präfektur hat den Journalisten ihr Versprechen wieder- holt, eine Viertelstunde nach der Internierung Dreyfus demselben em offizielles Kommunique zustellen zu lassen. — 4 Uhr 5 Min. Man ist noch immer ohne Nachricht über den Landungsort Dreyfus'. Man glaubt, daß der Spezialzug, welcher Dreyfus hierher bringt, aus Redon um 1 Uhr 11 Min. abgegangen ist. — 5 Uhr. Soeben trifft die Meldung ein, daß Dreyfus in Quiberon gegen 7 Uhr abends bei heftigem Sturme gelandet ist. Nachdem er in Begleitung der ihm zugeteilten Gendarmen die Stadt mittelst Wagen durchquert hatte, wurde Dreyfus an den Spezialzug gebracht, welcher ihn nach Bruz bringen wird. Von dieser Station soll Dreyfus mittelst Wagen nach Rennes gebracht werden. — 5 Uhr 30 Min. Gegenüber den vorangegangenen Mitteilungen ist beschlossen worden, Dreyfus im Spezialzuge hier eintreffen zu lassen und nicht per Wagen. Rennes, 1. Juli, 7 Uhr. Dreyfus ist um 4 Uhr 30 Min. von Redon abgefahren und um 6 Uhr 12 Min. hier eingetroffen. Rennes, 1. Juli. Dupaty de Clam wird als Gefangener hier eintreffen, um so die verschiedenen notwendigen Konfrontationen leichter zu ermöglichen. Rennes, 1. Juli. Die Journalisten belagern seit 24 Stunden alle Eingänge zum Gefängnis, um Dreyfus bei seiner Ankunft zu sehen. Dreyfus wird bei seinen Spaziergängen auf dem Gefängnishofe von einem Offizier begleitet sein. Darmstadt, 1. Juli, 2 Uhr nachmittags. (Privat- Telephonmeldung.) Bei der Beratung des Artikels 13 des Einkommensteuergesetzes in der Zweiten Kammer haben die Abgeordneten Osann und Friedrich einen Antrag auf Einführung einer Junggesellen st euer eingebracht. Der Antrag wurde hierauf mit 18 gegen 16 Stimmen angenommen. Ein Antrag des Abg. Ulrich, Festsetzung der Progression auf 6 Prozent des Einkommens, wurde mit 25 gegen 10 Stimmen abgelehnt, dagegen ein Antrag des Abg. Haas-Offenbach, die Progression auf 5 Prozent festzusetzen, gegen 2 Stimmen angenommen: Ein Antrag des Abg. Ulrich: Einführung der Progression bei der Vermögenssteuer, wurde hierauf mit 19 gegen 14 Stimmen angenommen. — Der Schluß des Landtages wurde auf den 15. Juli festgesetzt. Vorschriften bei Lösung der Fe st karten zum Schützenfest. Familienkarten mit 3 Beikarten zu Mk. 5.— gültig für alle Festlichkeiten. Die Beikarten werden auf die Namen der Inhaber ausgestellt und nicht durchweg auf den Namen des Familienoberhaupts. Diese Beikarten werden an a l l e M i t g l i e d e r e i n und d e s ° selben Hausstandes ausgegeben. Ausgeschlossen sind Söhne und männlicher Besuch über 18 Jahre. Zu diesen 3 Beikarten können noch weitere Beikarten zu Mk. 1,25 gelöst werden. Besitzer von Beikarten wollen sich von dem richtigen Eintrag ihres Namens vergewisiern, damit sie bei der Kontrolle auf dem Festplatz keine unangenehme Auseinandersetzung finden. Als Kinder unter 14 Jahren werden sämtliche schulpflichtigen Kinder verstanden. Alle Karten find sichtbar zu tragen. Antwerpen] Auskunft ertheilen 02355] Ungeniertes, schönmöbl.Parterrezimmer zu vermieten. Bleichstr. 12, I. 02352] Junger, verheirateter Mann, staatlich geprüft, sucht Stelle als Heizer oder Maschinenwärter. 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Ioßllnmxfer von Der Vorstand. 5065 Star Linie in Antwerpen, Red im griechischen Zauöersalon 5074 l/zll Uhr bei Peter König (Stadt Cassel). Tuchrock und Helm. 5075 Freiwillige Gail'sche Feuerwehr. Versammlung zur Aufstellung des Festzuges Sonntag früh 10 Uhr bei Kamerad Meyer. Diejenigen Kameraden, welche am 9. Juli den Feuerwehrtag Mainz besuchen, haben sich gelegentlich dieser Versammlung bet dem Kommando zu melden. auf dem Schützenfestplatz Mtte auf die Fahne zu achten mit der Aufschrift: „Kugelfeste Dame“. Joh. Fr. Schaaf in Giessen H. Klippsteiai in Langsdorf. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Bmgergcfellfchaft. Unsere verehrt. Mitglieder werden ersucht, sich morgen recht zahlreich am Festzug zu beteiligen. Zusammenkunft vormittags 10 Uhr im Frankfurter Hof. 5071 Der Vorstand. 17 llrrbnnösSdiifFifti, Bayerische Bierhalle. Montag den 3. Juli: Offizieller Frühschoppen Dir größte ZehmiMigkeit der Welt ist Die lmgelfklle Dame _____L. Spuck, Kaiserßof. Gießener Freiwillige Feuerwehr. Versammlung zum Festzuge früher Schnell £ übernommen habe. W Indem ich zum recht häufigen Besuch meines neurenovierten Lokals A @ ergebens! einlade, hoffe ich mir durch Verabreichung nur guter Speisen und £ Getränke die Zufriedenheit meiner werten Gäste zu erwerben. £ Hochachtungsvoll ® • 6036 G. E h m k e. § Guter Mittagstisch zu 60 und 80 Pfg. im Abonnement. 9 • Vereinszimmer. WA" Franz. Billard. • j Geschäfts-Ti ®b®rnahme. • Einem verehrl. Publikum von Giessen und Umgegend die ergebene Anzeige, Ä D dass ich das Restaurant Mühleissen g Kerslhiedenes (Offene Stellen (ihifffflihiiiiu'ii H Müeil-Gelilchk 5038 Äug. Kröll senior, Giessen, 30. Juni 1899. Hochachtend Giessen, 1. Juli 1899. Aug. Kröll junior Ludw. Kröll. weiterfuhren werden. Es soll unser Bestreben sein, uns das unserm Vater so reichlich entgegengebrachte Vertrauen und Wohlwollen durch reelle und sachgemässe Geschäftsführung zu erhalten und zu befestigen. meinen Söhnen .August und Ludwig übergeben habe. Die Regulierung der Aktiven und Passiven der Firma August Kröll bleibt in meinen Händen. Für das mir entgegengebrachte Wohlwollen und Vertrauen bestens dankend, bitte ich, dasselbe auch auf meine Sohne übertragen zu wollen und zeichne Hochachtend Hierdurch beehre ich mich, Ihnen mitzuteilen, dass ich heute mein seit 1864 bestehendes Eisen- und Eisenwaren-Geschäft Unter Bezugnahme auf obenstehende Mitteilung gestatten wir uns, Ihnen ergebenst anzuzeigen, dass wir mit heutigem das seither von unserem Vater, Herrn August Kröll senior betriebene Geschäft übernommen haben und unter der Firma A. Kröll Söhne Todes-Anzeige. Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, unseren innigstgeliebten Gatten, Vater, Bruder, Schwager, Schwiegervater und Grossvater, den Lehrer Johannes Habermann von seinem langen, in Geduld getragenen schweren Leiden in seinem 71. Lebensjahre heute vormittag IP/g Uhr zu erlösen. Die trauernden Hinterbliebenensteinbach bei Giessen und Frankfurt a. M., den 30. Juni 1899. 5035 Die Beerdigung findet Montag den 3. Juli, nachmittags 3*/a Uhr, zu Steinbach statt. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Die Beerdigung findet Montag den 3. Juli, mittags 12 Uhr, statt. Heuchelheim, den 30. Juni 1899. Todes-Anzeige. Heute abend verschied sanft nach kurzem Krankenlager unsere liebe Mutter, Grossmutter, Schwiegermutter und Tante Frau David Stein I. Wwe im Alter von 92 Jahren. Bernhard Stein, Heuchelheim. Simon Stein, Heuchelheim. David Wickert, Bockenheim. 5067 Kegelbahn. Die Kegelbahn im „Solmser ist nock für einige Abende zu ve 02356] 0T Eine Wiese- nahe Stadt gelegen, zu verpachten. Näheres Mäusburg 12. Pension für einen Schüler gesucht. Offerten mit Preisangabe unter B. 02351 an die Expedition dieses Blattes. ININ Aillft. IMF" Mihttid der WM- -W Verzapf Bibliotheken und einzelne gute Bücher werden stete zu guten Preisen angekauft. 1543 J. Ricker’sche Buchhdlg., Südanlage 5. des hier so beliebten Kraftbieres von I. K. Zhring, 5069 sowie täglich Frei-Konzert. Das Wohnungsbureau des Weröandsfchießens befindet sich bis Sonntag, den 2. Juli, 12 Uhr vormittags im Kokt Wma am Kahnhof, von da ab nur noch auf dem Jestplahe, wohin alle Wohnungsmeldungen zu richten sind. 505L Der Wohnungs-Ausschuss- Schützenverein Gießen. Wir bitten unsere verehelichen Mitglieder zwecks Abholung der Jahne, sich Sonntag vormittag präzis 1O‘|2 Uhr im Kose der Brauerei Friedel & Asprion zu versammeln. 506l Der Vorstand. KriegklKmelMift Gießen. Zum Festzuge am 2 Juli d. I. belieben die Herren Kameraden sich pünktlich 10 Uhr vormittags im Gießener Brauhaus — Nordanlage — bei Herrn Kamerad Schupp einzufinden. (5044) Der Vorstand. Lriegerverein Gießen. Sammlung znm Festzuge Sonntag morgen um IO Uhr bei Kamerad Meuser, Steinstr. 23. Tageskarten zum freien Ein- und Ausgang am Sonntag werden- zum Preise von 1 Mk vor Abgang des Zuges ausgegeben. Man bittet um zahlreiche Beteiligung. 5066 *—nein Gießen. Wir bitten unsere verehrt. Mitglieder, sich an dem Schützeusestzuge vollzählig zu beteiligen. Zusammenkunft VaH Uhr pünktlich im Kaiserhof. 5065 Der Vorstand. Verein Union. Von heute abend 7 Uhr ab: Kostüm - Probe 5064 im Cafe Leib. Rebattien: «. Vurlhardt, — Sred exb »erlag der Brühl'schni UmverfitätS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Lrben) iw Gieße«.