Nr. 153 Sonntag -en 2. 3uli 1899 Meßmer Anzeiger General - Unzeiger Anrts- unb 2lit5eiacblatt fiw beit Kveii Oieszen Bezugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Diork 50 Pfg. vierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erichcincndcn Nummer bis vorm. 10 Uhr. Alle Anzeigeu-Bermittlungsstclleu des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Erscheint täßfidj nut Ausnahme des Montags. Die Gießener Kamikicnbtatter werden dem Anzeiger- wöchentlich viermal beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schukstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Matter für hessische UotKsKunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51. Mimnen in Gießen! liegt die Zeit, da noch in starren Banden And nun mm Feste! ^eigt im frohen -Bingen, Daß frisch das Herr, und fest die Hand, Wir heischen nur von Eurer Festesfreude: Freundlich Gedenken unsrer Stadt allein! Biel tausend Herren heißbewegt Euch grüßen, Die Zhr rum schönen Feste hergeeilt; Zst's doch rum ersten Male, daß in Gießen Solch' große Schar der deutschen Schützen weilt! Willkommen Alle! ob die Pfair, ob Baden, Bb (Auch der Main, ob Euch der Bhein gesandt, Zei es auf nahen oder fernen Pfaden, Seid uns gegrüßt! im schönen Hessenland! K V $ r 3 r e * V $ 4 2 V $ $ V $ l 3 r $ r f r i V $ 2 And sollte je ein Feind es wieder wagen, Die Hand ru recken nach dem deutschen Herd, Zhr werdet furchtlos, wie in früher« Tagen Gewappnet sein, wie einst, mit Büchs und Schwert. Zhr seid ja noch die alten, treuen Schützen, Die felsenfest ru uuserm Bolke steh'n, So lang die Äugen noch und Eure -Bohre blitzen Wird deutsche Zchützentreue nie vergeh'«! And Des Biel Ein klar der Blick rum fröhlichen Bollbringen Meisterschusses auf dem Scheibenstand! gute Wünsche geben Euch Keleite, jeder Tag soll Stift nur für Buch sein! Machtlos das deutsche Bolk gefesselt lag; oii neuer -Herrlichkeit ist unser Bolk erstanden, Es hat geschaut der Einheit großen Tag! -3ljr war't es, Schützen, die mit ernstem Streben Dem Baterlande gaben Schutz und Wehr; Zhr standet ein gar oft mit Blut und Sehen Für Deutschlands Einheit, seines Bolkes Ehr'. neigt der Tag sich mild im Sonnenglanre, And tausend fleiß'ge Hände ruhen aus. Bollbracht das Werk! nun fügt rum schmucken Siranre Ei« jedes Gäßchen sich, ein jedes Hans. Biel tausend Fahnen wehen Euch Willkommen! Euch, wack're Schützen, festlich ru empfah'u, Die frohgemut Zhr habt den Weg genommen Zur Musenftadt am Strand der muntren Sahn! M» M (Surf Heißier. UM UM UM UM UM UM UM UM UM US US schießen ist uns Deutschen 58i| Nun einmal eine Lust, I Gilt es, etwas zu zeigen, e Zu schützen unsre Brust. ? Wenn s auch im Reich nicht allen 9 Nach ihren Wünschen geht, Kommt schließlich es zum Knallen, haha, der Deutsche steht. Des Jünglings höchste Wonne, Des Jägers größte Lust, Wenn laut die Büchsen knallen, schwillt freudig seine Brust. Gott schütze Deutschlands Ehre Und deutscher Schützen Brauch, Dem Vaterland zu Ehren Gilt dieses Liedchen auch.*) $ was in der Feststadt und ihrer herrlichen Umgebung die Natur mit ihren Reizen $ nicht schon überreich ausgestattet, haben fleißige Hände ausgebaut und geschmückt; K über den in seiner Lage wie Anlage gleich anmutig erscheinenden Festplatz haben sich $ in ihrem Urteil beachtenswerte Besucher auswärtiger Schützenfeste ebenso anerkennend K ausgesprochen, wie berufene und erprobte Schützen über die Anlage der eigentlichen £ Schieß-Ginrichtungen. Ebenso hat allgemeine und verdiente Anerkennung gefunden das reichhaltige $ Fe st program m. Die mit Aufstellung desselben betrauten, im Einblick auf das bei früheren Festen Geleistete als besonders befähigt zum all- unser Vaterland! Was die, Entgegenkommen angesehenen Nlänner waren von Anfang an darüber einig, daß nicht übermäßiger Aufwand einem Feste das richtige Gepräge verleiht, son dern daß in erster Linie das Bestreben, ein echt volkstümliches Fest vorzubereiten, zu Tage treten muß. Die Festleitung berücksichtigte, soweit der Gharakter des Festes dies gestattete, bei Ausarbeitung des Programms die Wünsche und die An- schauungen der Einwohner der Feststadt und der Provinz, sie wertete nicht nur in sachverständiger Weise die Fähigkeiten aller an der Verschönerung des Festes mitwirkenden Personen und Vereinigungen, sondern sie ließ sich vor allem auch von dem Grundsatz leiten, daß ein Fest, wie das bevorstehende Schützenfest, Rechnung tragen muß der pekuniären unö sozialen Stellung jedes einzelnen, — daß alle teilnehmcn können, ob mit Glücksgütern gesegnet oder in bescheidenen Verhältnisseli lebend, ob jung oder alt. Dabei soll jeder seine Rechnung finden, ob er des Schießens, des Kunstgenusses oder des Vergnügens wegen den Festplatz betritt. der Groß Herzog von liessen, gemeinen Bedauern infolge Krankheit verhindert, dem Feste den ihm zugedachten Besuch abzustatten. Wir sind überzeugt, daß sein Erscheinen nicht nur die hessischen Schützen und alle, während der Festtage zahlreich in der Feststadt Gießen versammelten An- j gehörigen unseres engeren Vaterlandes, sondern auch die mit gleicher Liebe zu ihm und ihren Landesfürsten cmpor- durch das allseits anerkannte der staatlichen und städtischen Behörden, der Verkehrsanstal ten, der handel und Gewerbetreibenden und der gesamten Einwohnerschaft Gießens zu freudiger Arbeit angeregten Einzelausschüsse durch ziel bewußtes handinhandgehen mit dem geschäftsführenden Ausschüsse geschaffen, das wird sich in der Hauptsache erst zeigen, wenn das unter Zugrundelegung eines reichen, wohldurchdachten Programms ls im vorigen Jahre der Schützentag in Landau zufolge eines im 2Hai gestellten v Antrages des Gießener Schützenvereins ein stimmig beschloß, sein |7. Verbandzschiehen in Gießen zu halten, und dieser Beschluß zunächst hocherfreut Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog wie unserem Herrn Oberbürgermeister telegraphisch mitgeteilt wurde, waren die Vertreter unserer Vaterstadt wie die Einwohnerschaft gleich freudig bewegt. War ihnen doch wiederum Ge legenhcit geboten, liebe Gäste zu begrüßen, liebe Gäste, zum großen Teil aus deutschen Gauen, die bisher hier noch nicht bei uns cingekehrt, aus dem fernsten Süden unseres deutschen Vaterlandes, wie aus der sonnigen Pfalz, während von den Ufern des Rheins schon aus Anlaß früherer Feste Tausende nach der alten 2Uuscnstadt Gießen gewandert und hier mit Jubel empfangen waren. Zn den Freudenbecher, der den lieben Gästen wie der Einwohnerschaft Gießens in diesen Tagen dargeboten werden soll, ist leider wider Erwar ten ein Wermutstropfen gefallen. Der hohe Protektor des Festes, Seine Königliche Hoheit schauenden Schützen aus Preußen, Bauern und Baden hock>- erfreut hätte; sie sind gewiß mit uns einig in dem Wunsche, daß die eingetretene Wendung zum Bessern zu baldiger völliger Genesung unseres Großherzogs führen möchte. Sroße Feste erfordern lange und umfassende Vorbereitungen, und in dieser Erwägung traten bald nach Bekanntwerden des auf dem Landauer Schützentag gefaßten Beschlusses Hunderte von Gießener Bürgern jeden Standes, unbeeinflußt von der politischen, religiösen und sozialen Anschauung des einzelnen, und nur eingedenk der Thatsache, daß es sich um ein vaterländisches Fest handelt, zusammen, um zunächst unter dem Beistand einer Anzahl im Anordnen von Festlichkeiten bewährter 2Nänner zu raten und zu thaten, um dem Feste einen guten Anfang, einen durch keinen 2Nißtou gestörten Fortgang und einen hoffentlich glänzenden Abschluß zu sichern. Daß durch die umfassenden Vorbereitungen die Gpferfreudigkeit aller Ausschußmitglieder, besonders der mit besonderen Aemtern A innerhalb der Ausschüsse betrauten Herren, auf eine nicht zu unterschätzende Probe K gestellt wurde, davon geben glänzendes Zeugnis die bisher getroffenen, hoffentlich alle K Festteilnehmer befriedigenden Anordnungen. ch eingeleitete und sicher manche angenehme Ileberraschnng bringende Fest sich in feinem Glanze, aber auch in seiner, den schönen Ländergebieten, aus denen die Gäste zu uns eilen, eigenen Volkstümlichkeit voll entwickelt haben wird. Die altehrwürdige 2Nusenstadt Gießen ist bereit, die in den Tagen vom 2. bis 9. Juli bei ihr einkehrenden Gäste würdig zu empfangen; es geschieht dies, des sind wir sicher, mit derselben Herzlichkeit, die ihr bei früheren festlichen Anlässen den Dank aller, die ihre Gastfreundschaft genossen, eintrug. Wenn das allzeit eilige Dampfroß der Feststadt die aus Nord und Süd, Ost und West kommenden Schützengäste zugeführt, wenn ihnen unter klingendem Spiel ihre Brüder die Hände zur Begrüßung entgegenstrecken, wenn ihnen auf dem von fleißigen Händen wie von der Natur herrlich geschmückten Wege zum Festplatze tausendfache freudige Zurufe begeisterter 2Hänner und Jünglinge entgegenschallen, und wenn ihnen endlich holde Frauen und Jungfrauen entgegenlächeln und ihre Grüße mit duftenden Blumenspenden begleiten, dann können auch wir nicht umhin, freudig einzustimmen in den Ruf: herzlich willkommen in der Zeststadt Gießen! *) Tert 311m Schützenmarsch, gedichtet vcn Trust kotz. vom 5chiltzenwesen. eutc, wo wir uns anschicken, ein Schützenfest in großem Stile, bas 17. Verbandsschießen des Badischen Landesschützenvereins, des pfälzischen und Ulittelrheinischen Schützen bundes in unserer Vaterstadt Gießen zu begehen, dürfte es den Lesern unseres Blattes erwünscht sein, über Berechtigung und Hern unserer Schützengesellschaften kurz unterrichtet zu werden. Unsere heutigen Schützengesellschaften bilden den letzten Rest jener einst dem deutschen Bürger zustehenden allgemeinen Waffenfähigkeit, die mit der hohen Blüte und Ulachtentwickelung der Städte aufs engste zusammenhing. Als häufige Lin- und Übergriffe des Adels und der Fürsten die Städte zu beständiger Aampf- bereitschaft nötigten, ordnete sich auch ihr Kriegswesen. Die patrizischen Geschlechter nahmen Waffen und Rüstung der Ritter an, die übrigen Bürger aber, nach Zünften oder Stadtvierteln geordnet, rüsteten sich mit verschiedenen Waffen, meist mit der Armbrust, weil aber erfolgreiche Führung der Armbrust eine nur durch lange Übung zu gewinnende Fertigkeit voraussetzte, bildeten sich bald Schützenvereine in der damals allgemein üblichen Form von Gilden, als deren Schutzheiliger gewöhnlich der durch Pfeilschüsse gemarterte St. Sebastian galt. Schützenhäuser, Schießbahnen auf freien Plätzen oder in Zwingern, eine durch Beiträge und Vermächtnisse bereicherte Vereinskasse und zahlreiche Schützenfeste waren die notwendige Folge, und die städtischen Behörden begünstigten solche Linrichtungen natürlich aufs kräftigste. Namentlich gediehen die Schützenfeste, die den Bürgern dasselbe wurden, was den Rittern die Turniere gewesen waren, zu großer Ausdehnung und hoher, selbst politischer Bedeutung. Wit besonderem Glanze wurden fie im 15. und 16., ja bis ins 17. Zahrhuudert hinein gefeiert. Als die Bürger gelernt hatten, das Feuergewehr zu handhaben, bildeten sich auch schon frühzeitig Schützen gesellschaften für Wallbüchse und Standrohr. Durch veränderte Kriegführung und Linbuße städtischer Freiheit verloren die Schützengilden allmählich ihre frühere Bedeutung und sanken zu Vergnügungsgesellschaften herab, dje nur in besonderen Notfällen zum Zwecke des Gemeinwohls herangezogen wurden. Lrst mit dem nationalen Aufschwünge der neueren Zeit erhoben sie sich wieder zu höherer patriotischer Bedeutung. Nach Vorgang der großen schweizerischen Schützenfeste, die alljährlich den Drt wechseln, hielten die deutschen Schützen 1861 in Gotha ein allgemeines deutsches Schützen und Turnfest und gründeten einen deutschen Schützenbund, der sein zweites Bundesschießen 1865 zu Frankfurt a. 2TL, dann solche 1865 zu Bremen, 1872 zu Hannover, 1875 zu Stuttgart, 1878 zu Düsseldorf, 1881 in Ulünchen, 188H in Leipzig, 1887 in Frankfurt a. 211., 1890 in Berlin, 189^ in Ulainz abhielt. 1897 wurde es in Nürnberg abgehalten. Der Bund verfolgt als Ziel: Verbrüderung aller deutschen Schützen, Vervollkommnung der Kunst des Büchsenschießens und Hebung der IDehrfähigkeit des deutschen Volks. Auch die jetzt in unseren Alauern weilenden Vereine sind Glieder des großen Bundes und als solche berufen und bemüht, dessen Ziele zu verwirklichen. Freuen wir uns mit Zhnen des unserem Volke innewohnenden Kraftbewußtseins, das versteht, zu rechter Zeit zu arbeiten und zu feiern, und hoffen wir, daß sie der erfahrenen Gießener Gastfreundschaft ein bleibendes Gedächtnis bewahren. Der Festplatz. lüjpin ungefähres Bild von der herrlichen Lage des Schützenfestplatzes erhält der Besucher desselben schon beim 2lustritt aus der Stadt. Die nach der höhe führende Grünberger Straße bildet vom Ludwigs platze ab mit ihren großen Kastanienbäumen einen schönen Laubengang, eine natürliche via triumphalis, mit hübschen Vorgärten auf beiden Seiten, hier wird sich der Verkehr nach und von dem Festplatz am lebhaftesten entwickeln. Das erste, was der Besucher nach Ankunft auf der höhe erblickt, ist die ehrenpfortenartig angelegte, zierliche Straßenüberbrückung, welche den Verkehr zwischen dem Festplatz und dem Schützenhaus mit der dahinter errichteten, ebenso schön wie praktisch angelegten Schießhalle und ihren verschiedenen Zwecken dienenden Anbauten vermitteln soll, hier ist den Schützen auf ungefähr 50 Ständen Gelegenheit gegeben, ihre Kunst zu zeigen. — Betritt man den Festplatz, so fällt beim Ausblick nach rechts sofort die imposante, 66 Dieter lange Festhalle mit ihren Fenstermalereien und dem hohen Bogen des Giebelbaues auf, in dem auch die Büste des hohen Protektors zur Aufstellung kommen soll. Die Halle bietet zu ebener Lrde und auf den sie umgebenden Galerien 2000 lllenschen bequem Platz. Zn ihr werden die Glanznummern des Festes, . die Ulonstre- Konzerte unserer hessischen Nlilitärkapellen, die Gesangsvorträge, das eigens für das Fest vorbereitete Festspiel, die turnerischen Aufführungen u. s. w., die Besucher entzücken. Der innere Schmuck der Halle ist ein vornehmer. An den Gallerien entlang sind die mit Fahnen umgebenen Wappen der zum Verbände gehörigen Städte angebracht. Die Giebelseiten werden in ihrer ganzen Ausdehnung von ZHalcreien eingenommen, die Weister Scheichs Künstler- Hand geschaffen; für den nördlichen Giebel gaben unser Gleiberg sowie das Nationaldenkmal am Niederwald herrliche wotive. Der südliche Giebel bildet den malerischen Hintergrund der großen Schaubühne für die Hauptaufführungen. Daß die große Halle ferner Diensträume für verschiedene Zwecke, eine große Wusikbühne und eine noch größere — Küche mit zahlreichen Unterabteilungen enthält, ist selbstverständlich. Der nach der Stadt zu liegende Teil des Trieb wurde zum Zuxplatz eingerichtet; hier wird sich während der Festtage reges Leben entfalten, da reichlich für allerlei Kurzweil gesorgt ist. — Bierhallen von großem Umfange, hallen für (Safes, Konditorei, IDeinausschank, Zigarren-, Postkarten-, Zeitungsverkauf u. s. w. u. s. w. umgeben den weiten Raum zwischen Festhalle und Zuxplatz. Vor der Festhalle erhebt sich ein zierlicher Bau, dazu bestimmt, all die jedes Schützenherz erfreuenden Schätze zu bergen — der Gabentempel. Angesichts der hier aufgestapelten Kostbarkeiten muß — für die Dauer des Festes wenigstens — der Ruf. „Die Waffen nieder" verstummen. Die Witte des Festplatzes nimmt der wusiktempel ein; von dort aus werden unsere wackeren wusiker unter Leitung der bewährten 211usikmeister nicht nur dem kunst- und musikliebenden Publikum mit ihren 217elodieen aufwarten, sondern auch denen, die nun einmal das Bedürfnis haben, das Tanzbein zu schwingen. Zwei große Tanzböden laden die Besitzer, noch mehr aber die schönen Besitzerinnen glatter Stiefelsohlen dazu ein. Allen Besuchern des Festplatzes wünschen wir, mögen sie nun am Knallen der Büchsen oder der Flaschen, am kühlen Gerstensaft oder am Tanze Gefallen finden - viel Vergnügen! Die Gießer Zchitzekombame. (Giessener Mundart.) foo flaa aach unser Städtche war, So hatt's doch schont fer hunnert Zahr Ihm länger, in de frühste Frih' L stattlich Schitzekornbanie. Die Borjer nun Gernaaneräthe warn bei de Schitze meist verdrede; Wersch iiucns dhat e biffi kenne, wollt sich mit Stolz en Schitz aach nenne. Ihm nowel ging derr der sch da her! — Als wann deß Geld rein gar nix wer, Ihm Speis unn Trank nix koste dhet, — So schlemmte se oft früh unn speed. Ls hott derr so en Schitzemage Schon damals strawaziöse Dage, Vorab wann so c Ritterschieße hielt Schitzeleutnant Schwalb in Giesse. Da käme her von weit unn breit Die Schitze zu der Lustbarkeit, Von Frankford unn von Worms sogar L mancher Schitz zu sehe war. Die Kunde hatte se vernomme: Sie feilte all nach Giesse komme, Zu em sechsdäg'ge Ritterschieße Der Schitzekornbanie in Giesse. Fimfhunnert (Sille als Gewinn! — Däi stäke manchem still im Sinn, 2hm hunnert (Sille warn net wenig, - Geminzt allaa fer’n Schitzekenig! werr sieht, daß sich net lumbe ließe, Die Schitze dazemal in Giesse, Unn wäi se's friher hunn gedriwwe, So sinn se aach bis heut gebliwwe. Zn mancher stormbewegte Zeit 2Darn unser Schitze kampfbereit, Zn Reih' un Glied, mit Herz unn Hand, So schosse se fersch Vadderland. Se dhate stets in’s Schwarze treffe Unn's Bolwer net umsonst verbleffe, Se hawe selbst bei Scherz unn Spiele Vergesse net ehr hohe Ziele! Ihm als nachher in driewer Zeit Verschwand die Schitzeherrlichkeit Ihm Alles, Alles schien verrbei Da bliewe doch die Schitze treu. Unn als verrbei die große Needhe, Da sinn se widder aagetrete Uff ehre Schießständ, in de Halle Ihn widder monder fort ze knalle. Fest steht die Schitzescbaar noch heut, Lhr Fahn' aach, wäi in frihrer Zeit, Wit Stolz sich immer noch erhebt (Obgleich se manchen Storm erlebt, heul', wo viel fremde Schitze lenke Lhr Schritt zu uns, muß merr gedenke Aach dene, die in unferm Giesse Die Schitzefahn net sinke ließe! ver Zeftzug wird am Sonntag den 2. Juli um 10 Uhr vormittags aufgestellt, und zwar für die erste Abteilung in der Ular- burgerstraße vom wallthor ab, für die zweite Abteilung in der (Dftanlage vom wallthor ab und für die dritte Abteilung in der Nordanlage vom wallthor ab, für die Festwagen und die Vereine in der Schott- und Steinstraße. Der Festzug setzt sich punkt 1/212 Uhr in Bewegung und bewegt sich durch die wallthorstraße über den Lindenplatz, Kirchplatz, Ularktplatz, durch die Ularktstraße, Bahnhofstraße , Westanlage, den Seltersweg, Krenzplatz, die Iltäusburg, den Ularktplatz, die Schulstraße, Neuenbäue, Gartenstraße, den Ludwigsplatz, die Grünberger Straße nach dem Festplatz. Dort nehmen die erste und zweite Abteilung Ausstellung zum Vorbeimarsch der dritten Abteilung. Die Anordnung des Festzuges ist auf der folgenden Seite abgedruckt. 5. Abteilung: 15. Nachmittags: 8* 16. Sonntag -en 2. Jnli Donnerstag -en 6. Jnli 19- 4 4'/. 8 8*A Montag -en 5. Juli Freitag -en 7. Juli 3 4 in der 8 4 87; 8 87. Dienstag -en 4. Juli öer der 8 Sonntag -en <). Juli 8 Uhr: Frühschoppenkonzert ans dem Fcstplatz. 87, Mittwoch -en 5. Juli 6 8 Abends 12 Den musikalischen Teil übernehmen die Kapellen de; Mk. für Donnerstag den 6. Jnli Erwachsene . 1- Kinder mit. 14 Jahr. 0,20 . 0,50 für Freitag den 7. Juli Erwachsene Kinder nnt. 14 Jahr. 0,10 unter 14 Jahren werden sämtliche schulpflichtigen Kinder verstanden. Als Kinder Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Berlag der Brühl'schcn Univcrsitäls.Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Mk. Mk. für Montag den 3. Juli für Dienstag den 4. Juli für Mittwoch den 5. Juli für Samstag den 8. Juli für Sonntag den 9. Juli 17. 18. 1’, 3 0,20 0,50 8. 9- io. • i,— . 0,20 . 0,50 . 0,10 Becher am Gabciitempcl. Bankett in der Festhalle. Beginn des Schießens. Konzert auf dem Festplatz und Festhalle abwechselnd. Schluß des Schießens. Uebcrreichung Becher am Gabcntempcl. Bankett in der Festhalle. Beginn des Schießens. Konzert auf dem Fcstplatz und in Festhalle. Jugcudspicle und Volksfest. Lchlußbankett. Konzert auf dem Festplatz und in der Festhalle. Verteilung der 10 ersten Preise aus sämtliche Scheiben. Konzert in der Festhalle. Tanz auf dem Fcstplatz. Schluß des offiziellen Festes. Grotzherzoglich Hess. 3nft= 2. Mnfittorps. 5. Zugleitung, 4;. Feuerwehrkorps: <0. F F 5. Drei Herolde (Bavaria). ' 6. Zieler und Scheibenträger. 7. Fünf Hellebardiere (Bavaria). Uhr: Beginn des Schießens. „ Frühschoppenkonzert auf dem Festplatz. „ Schluß des Schießens. Uebcrreichung der Becher am Gabentcmpel. Vormittags 7 10 Nachmittags 1 Bormittags 7 11 Nachmittags 1 Vormittags 7 11 Nachmittags 1 107, li Nachmittags 1 rkuiptfcier: Samstag -en 1. Juli I Nachmittags l1/, 3 Bankett in der Festhallc. Beginn des Schießens. Konzert aus dem Festplatz. Ballonfahrt des Fräulein Paulus- Frankfnrt a. M. mit Doppel-Fall- schirmabfturz. Schluß des Schießens. Ucberreichung der Becher am Gabcntempcl. Turnerische Aufführungen der Gießener Turncrschaft und Konzert in der Festhallc. Tanz auf dem Fcstplatz. Vormittags 7 11 Nachmittags 1 Vormittags 6 11 H7, Vormittags 7 11 Nachmittags 1 Empfang der angekommenen Schützcn auf dem Bahnhofe. Uhr: Konzert in der Festhallc, Eröffnung des Festes, Begrüßungsfeier. amstag -en S. Juli Uhr: Beginn des Schießens. „ Frühschoppenkonzert auf dem Festplatz. Vormittags 7 9 Militärverein: Ariegerkamerad- schast. Musikkorps. Radfahrer: Wanderer, Gießener Radfahrverein mit Festwagen. Verein: Zithcrklub. Verein : Bauer'scher Gesangverein. Feftwagen: Tabak Utld Zigarrenfabrikanlen. Schluß des Schießens. Ucbcrrcichung der Becher am Gabentcmpel. Hierauf Wiederholung des Festspiels. Tanz auf dem Festplatz. 20. Militärverein: Marineverein. 21. Militärverein: Artillerieverein. 22. Verein: Gießener Turnerschaft. Mnfittorps. 25. Autscherverein. 24. Festwagen: Gießener Schützenverein. 25. Zieler uild Scheibenträger. 26. Feuerwehrkorps: F. G. F. Verkaufsstellen bei den Herren: Hr. Rubel, Ernst Balser, Nicbar- Bueb- acker, Daniel Heil, F. £. Äenzerling, L Metzger, Heinrich Noll, C. Netter, wilh. Semmler, Jos. Strautz, pb. Weiler. Threnpräsidiuin. verbandspräsidiuni. Geschäftsführender Ausschuß. 2. Abteilung: Schützenvereine aus Baden, Musikkorps. Bayern und Mittelrhein. Schluß dcs Schießens. Ucbcrrcichung der Bcchcr am Gabciitcmpel. Großes Brillantfeuerwerk, aus- geführt von der Firma Wilh. Weifenbach- Stuttgart. Konzert und Tanz auf dem Fcstplatz. 3 4 für Erwachsene . . . „ Kinder um. 14 Jahr, „ Erwachsene . . . „ Kinder mit. 14 Jahr. „ Erwachsene . . . „ Kinder mit. 14 Jahr. „ Erwachsene . . . Uhr: Beginn dcs Schicßcus. „ Frühschoppeukonzert auf dem Fcstplatz. „ Schluß dcs Schießens. Ueberrcichnng der für Sonntag den 2. Jnli Regiments (Leib-Garde-Regiment) Rr. R5 und des 2. Znst.-Regiments (Kaiser Wilhelm) Nr. 116, sowie zwei Zivilkapellen. prüf« der Eintrittskarten: ec* Für die ganze Dauer des Festes giltig. Familienkarte mit 3 Beikarten, auf Namen lautend, 5,00 Mk., Beikarte zur Familicnkarte, auf Namen lautend, 1,25 Mk., Kinderkarte zur Familienkarte, auf Namen lautend, für Kinder unter 14 Jahren, 50 Pfg. Familienkarten sind nicht übertragbar, nut) die dazu gehörigen Beikarten mir für Angehörige eines und desselben Haushaltes giltig. Mißbrauch dieser Bestimmung zieht den Verlust der Karte nach sich. Söhne über 18 Jahre haben besondere Karten zu lösen. Einzcl-Danerkartc, auf Namen lautend, 3 Mk. Für den einmaligen (Eintritt giftige Karten sind nur an den Tageskassen erhältlich und zwar: Zur Oanptseier Vie vrühl sche Univ.-Ruch- u. Steindruckerei (pietsch Erben) Gießen, Schulstrahe 7 Buch- und Kunstdruckerei, Stereotypie, Galvanoplastik, Gravieranstalt, Buchbinderei, eine der ältesten Druckereien (Biegens und zurzeit größte in Oberhessen, liefert in kürzester Frist: Drucksachen aller Art in jeder gewünschten Ausstattung stilrein und preiswert. Muster, Uostenanschläge und verechnungen jederzeit bereitwilligst. ^tus wuuscb künstlerische Entwürfe. Der Zestzug marschiert in nachstehender Reihenfolge: Abteilung: 1. Städtischer Vorreiter und zwei Begleiter (Bavaria). Uhr: Beginn dcs Schicßcus. „ Frühschoppcukonzert auf dem Festplatz. „ Schluß dcs Schicßcus. Ucberreichung der Bcchcr am Gabciitcmpel. „ Bankett in der Festhallc. „ Beginn des Schießens. „ Konzert auf dem Fcstplatz und iu der Fcsthalle. „ Schluß dcs Schießens. Ueberrcichnng der Bcchcr am Gabcntempcl. „ Großes Monftre-Konzert der vereinigten Musikkapellen in der Festhallc. Uhr: Weckruf und Empfang am Bahnhose. „ Ansstellnng dcS Fcstzngcs am Wallthor. „ Abmarsch des Fcstzngcs durch die Stadt nach dem Festplatz. „ Großes Festbankett iu der Fcsthalle. „ Doppelkonzert auf dem Fcstplatz rnid iu der Festhallc. „ Beginn des Konknrrenz-Tchietzens. Hierauf Beginn dcs allgemeinen Schießens. „ Konzert und Tanz ans dem Fcstplatz, Doppclkonzcrt in dcr Fcsthalle. Uhr: Beginn dcs Schießens. „ Frühschoppenkonzert ans dem Fcstplatz. „ Schluß dcs Schießens und Ucbcrrcichung der Becher am Gabentcmpel. „ Bankett in der Festhalle. „ Beginn dcs Schießens. Umzug dcr Kapelle dcs 2. Groß. Hess. Jnf.-Regks. „Kaiser Wilhelm" Nr. 116 durch die Stadt nach dem Festplatz. „ Konzert auf dem Festplatz und in dcr Fcsthalle. „ Schluß dcS Schießens und Ucbcrreichling der Becher am Gabcntempcl. „ Großes Festkonzert der vereinigten Gießener Männerchöre. Konzert und Tanz auf dem Fcstplatz. Vormittags 11 I Nachmittags 1'/. Abcnds 8 Abcnds 8 Uhr: Beginn des Schießens. „ Tchützentag des Mittelrheinischcn Lchützenbundes inLteinsLaalbau „ Sitzung dcs Verbandsschützenlags. „ Frühschoppenkonzert auf dem Festplatz. „ Schluß des Schießens. Ucberreichrnig dcr Bcchcr am Gabentcmpel. „ Bankett in der Festhallc. „ Beginn dcs Schießens. „ Konzert auf dem Fcstplatz und iu dcr Fcsthalle. „ Schluß dcs Schießens. Ueberrcichnng der Becher am Gabciitcmpel. „ Konzert und Aufführung des Fest- spiets. Tanz auf dem Fcstplatz. Mnfittorps. \. Radfahrer: Radfahrverein 1885 mit Festwagen. 2. Festwagen: verein Frühauf. 5. verein: Liederkranz. Verein: Gesellschaft Toncordia. 5. Verein: Gesangv. Harmonie. 6. Festwagen: Brauereien. 7. Verein: Gesangverein Heiterkeit. 8. Verein: Gießener Bürgergesellschaft. 9- Verein: Gießener Männergesangverein. 10. Festwagen: Metzger-Gewerbe. Mnfittorps. 11. Union (historische Gruppe). 12. Militärverein: Ariegerverein. 13. Militärverein: Veteranenverein. 1^. Verein: Sängerkranz. Kindcr mit. 14 Jahr. 0,10 Erwachsene . . . 0,20 Kindcr Eintritt frei Erwachsene . . . 0,50 Kinder mit. 14 Jahr. 0,10 Nachmittags V/8 Uhr: 3 „ 4 „ Unter dem Protektorat $r. Königl. Hoheit des Grohherzogs (Ernst Ludwig von Hessen nnd bei Rhein. Fest-pvogvaiiriir für das 17. Verbands-Schiehen der Badischen tandes-5chützenvereins, der pfälzischen und Mittelrheinischen Zchntzenbundes zu Gieszen vom 2. bis 9. Juli (899. UW S® Ml ! V'-ia . M