reges Leben. Die wichtigsten Untersuchungen wurden an- gestellt , die wichtigsten Fragen beantwortet. Theodor v. Saussure (1767 bis 1845) bewies (1804), daß bei der Ernährung der Pflanzen die Lichtstrahlen eine Hauptrolle spielen, und zeigte den Ursprung der Nährstoffe der Pflanzen. Justus v. Liebig (1803 bis 1873) baute dann die Lehre von der chemischen Ernährung der Pflanzen weiter aus und machte sie zur Grundlage einer rationellen Landwirtschaft. Das Geheimnis der Pflanzenbefruchtung und der Entwickelung der Keimlinge suchten Koelreuter, Sprengel und Schleiden (1804 bis 1881) darzulegen. Hugo v. Mohls (1805 bis 1872) entdeckte die Teilbarkeit der Pflanzenzelle, der Engländer R. Brown das runde Zellkörperchen; Schwann (1810 bis 1882) stellte die Zellentwickelung als das gemein» same Entwickelungsprinzip aller Organismen dar; Nägeli (1817 bis 1891) begründete im Verein mit Mohl und Schleiden die moderne Anatomie der Pflanzen. Von deutschen Forschern nennen wir ferner W. Hofmeister, Cohn, Sachs, Schwendener u. s. w., von ausländischen Darwin (England), Thuret (Frankreich), Delpino (Italien), Warming (Dänemark). Die Pflanzenphysiologie erhob sich in neuester Zeit zum Range einer eigenen Wiffenschaft und übte auf unsere gesamte Naturanschauung den nachhaltigsten Einfluß aus. Mineralogie und Geologie entwickelten sich zu derselben Blüte, letztere nachdem sie von G. A. Werner (1750 bis 1817) zu Freiberg zuerst als selbständige Wissenschaft gelehrt worden war. Hervorragende Männer wie Charles Lyell, Leopold v. Buch (1774 bis 1853), Roderik Murchison, Elie de Beaumont und viele andere sichern der neuen Wissenschaft bald die ihr gebührende außerordentliche Bedeutung. Hat auch die Neuzeit die Theorien Humboldts und Buchs verlassen, so bleiben ihre Verdienste doch unangetastet. Von den neueren Geologen mögen hier Dana, Süß. Neumayer u. s. w. erwähnt sein, auch Falb hat mit seiner Erdbebentheorie in weiten Kreisen Beachtung gefunden. Zum Schluß sei noch der Anthropologie gedacht, die, obzwar erst eine Schöpfung der letzten Jahrzehnte, sich bereits zu einer der populärsten Wissenschaften ausgestaltet hat. Nachdem Darwins Entwickelungslehre ‘bie allmähliche Entwickelung der höheren Pflanzen und Tiere aus niederen Formen behauptet hatte, mußte naturnotwendig die Frage auftauchen, ob dies Gesetz der Entwickelung auch für den Menschen seine Giltigkeit bewähre. Bedeutsame Funde, wie die der skandinavischen Kjökenmöddinger und der zuerst im Züricher See 1853/54 aufgefundenen Pfahlbauten, erwiesen sich als von ungeheurer Wichtigkeit für die Lösung der Frage nach dem Alter und dem ehemaligen Zustande des Menschengeschlechts. Gelehrte wie Heer, Keller, Rütinmeyer, Boucher de Perthes, Quatrefages, Broca, Falkoner, Ramsay, Lubbock, Ranke, Fraas u. s. w. förderten die neue Wissenschaft; vor allem zwei Männer, Schliemann und Virchow, verliehen der deutschen anthropologischen Forschung einen ganz besonderen Nimbus. In Deutschland wurde 1870 eine besondere Anthropologische Gesellschaft begründet, welche mehrere tausend Mitglieder und eine beträchtliche Anzahl von Lokalvereinen zählt. Mit den hier erwähnten Wiffenschaften hängen noch zahlreiche andere zusammen, die auch nur aufzuzählen und in ihrer Bedeutung zu erklären einen besonderen Artikel beanspruchen würde. Noch viel weniger wäre ein näheres Eingehen auf die Ergebnisse der Forschung selbst möglich. Nur wollen wir nicht versäumen, am Ende noch der nach Hunderten zählenden wissenschaftlichen Vereinigungen zu gedenken, deren Aufgabe in der Förderung all der angedeuteten Bestrebungen besteht. Naturwissenschaftliche Gesellschaften, Museen und Institute entstanden allenthalben und Berlin, 31. Mai. Wie der „Kreuzzeitung" aus Rom geschrieben wird, ist der Urlaub des russischen Gesandten beim Vatikan keineswegs auf eine Spannung zwischen der Kurie und Rußland zurückzuführen, vielmehr seien die russisch-vatikanischen Beziehungen, dadurch, daß Leo XIII. auf der Friedens-Konferenz nicht vertreten ist, in keiner Weise getrübt worden. Berlin, 31. Mai. In Witzenhausen bei Kassel wurde am 28. d. M. die erste deutsche Kolonialschule in Gegenwart des Herzog-Regenten von Mecklenburg, des Kolonialdirektors v. Buchka und des Oberpräsidenten von Zedlitz-Trützschler feierlich eröffnet. Herr Oberbergrat Dr. Busse-Koblenz eröffnete die Anstalt im Namen ihres Protektors, des Fürsten von Wied, und übergab sie ihrer Bestimmung „Pioniere deutscher Sitte, deutscher Arbeit «nd deutscher Wissenschaft in unsere Kolonien hinauszusenden". Direktor Fabarius gab einen Ueberblick über das Entstehen der Anstalt, die keine Universität oder Akademie, sondern eine Stätte zur Pflege von Wiffenschaft und Thatkraft sein solle. Nachdem der Herzog-Regent der Anstalt ein günstiges Gedeihen gewünscht, erwähnte Kolonialdirektor v. Buchka, daß diese Schule zwar nur die moralische Unterstützung der Reichsregierung habe, daß er ihr aber das größte Interesse entgegenbringe und das gelegentlich auch durch die Thal beweisen werde. Kiel, 31. Mai. Der technische Direktor der Kruppschen Germania-Werft, Hagen, glitt bei Besichtigung der für den Stapellauf des Panzerschiffes „Ersatz König Wilhelm" hergerichteten Taufkanzel beim Besteigen der frisch gestrichenen Umfassung aus und stürzte herab. Er brach das Rückgrat und war sofort tot. — Der Maschinenbauer Kranich wurde bei der Montage durch einen herabstürzenden Fahrstuhl getötet. Ausland. Wien, 31. Mai. Der „Polit. Korresp." geht von kompetenter französischer Seite eine Mitteilung zu, welche kategorisch die Blättermeldung dementiert, daß der französische Delegierte mit Hintergedanken zur Friedens- Konferenz gekommen sei, um die Verhandlungen zu hemmen und womöglich definitive Resultate zu erschweren. Frankreich habe die ehrliche Absicht, zur Erzielung friedlicher Beschlüsse mitzuwirken. Paris, 31. Mai. Im Revisions-Prozeß wies heute der Prokurator Manau aus dem Inhalt der auf Pauspapier geschriebenen Briefe Esterhazys nach, daß die Vermutung des Generals Roget, diese Briefe könnten nachträglich im Auftrage der Verteidigung des Dreyfus angefertigt sein, eine völlig grundlose Beleidigung bedeute. — Im Prozeß Dsroulöde wurde heute auf die Vernehmung weiterer Zeugen verzichtet. Der General-Staatsanwalt Lombard begann alsdann seine Rede mit der Schilderung der früheren Rolle Düroulebes, besonders während der Boulanger-Epoche. Das gegen Deroulöbe zu fällende Urteil wird heute noch erwartet. — Die Nationalisten haben in der Erwartung der Freisprechung Dsrou- lodes und Haberts für abends ein Meeting einberufen, um die Freisprechung zu feiern. Paris, 31. Mai. Unter dem Vorsitz des Präsidenten Loubet fand gestern abend spät im Elysee ein Mini st errat statt, in welchem von dem Kriegs- sowie dem Justizminister der Vorschlag gemacht wurde, erst nach der Veröffentlichung des Urteils über die Revision am Samstag telegraphisch Weisung an den Gouverneur von Cayenne abgehen zu lassen, damit Dreyfus unverzüglich eingeschifft werde. Auf das persönliche Eingreifen des Präsidenten Loubet wurde beschlossen, sofort telegraphisch Weisung an den Gouverneur von Cayenne abgehen zu lassen, damit am Samstag alles in Bereitschaft gehalten werde für die Einschiffung des Exkapitäns nach Frankreich. Es ist dies ein Beweis dafür, daß alle Meldungen, Dreyfus sei bereits nach Frankreich unterwegs, unrichtig sind. Niederlande. Von der Friedenskonferenz im Haag weiß der Draht heute doch etwas mehr aus guter Quelle zu melden. Bekanntlich zog Herr v. Staal jüngst in der betreffenden Kommission Schriftstücke aus der Tasche, welche bestimmte Vorschläge Rußlands in der Schiedsgerichtsfrage enthalten. Diese werden in ihren Grundzügen jetzt wie folgt veröffentlicht: „Im Falle ernster Meinungsverschiedenheiten oder eines Zerwürfnisses sollen die Signatar- Mächte, bevor sie zu den Waffen greifen, so weit die Umstände es gestatten, die guten Dienste oder die Vermittelung einer oder mehrerer befreundeten Mächte in Anspruch nehmen. Wenn die Zerwürfnisse Fragen von Politischer Bedeutung betreffen, bieten die bei dem Streite nicht beteiligten Mächte aus eigenem Antrieb den streitenden Mächten ihre guten Dienste zur Herbeiführung einer freundschaftlichen Lösung an, welche die Interessen der übrigen Staaten nicht verletzt. Vermittelung und gute Dienste haben einzig und allein den Charakter eines freundschaftlichen Rates und nicht etwa den eines bindenden Zwanges. Falls sich der Streit auf Rechtsfragen bezieht, findet zunächst eine Auslegung der bestehenden Verträge statt. Das Schiedsgericht wird als Freitag dm 2. Juni Erstes Blatt. 1899 Meßmer Anzeiger Heneral-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Giefzen III itzbach M Feuilleton ,11» istigerllftn napparat 38eing»prcii vierlcljährliS 2 Mark 20 Pf,, monatlich 75 Pfß. mit Bringerlohn. douilpac »•« Anzeigen zu der nachmittag- für den erscheinenden Rümmer bis vorm. 10 Uhr. Alle Anzrigen.BermittlungSstelleu de. In- und AuSlandrS nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen, Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Or Fab ’irmi Tia. k® omllvSnahme deS Montags. )tM * 1 und L itlofhoit, Expedition und Druckerei: Schukßraße Ar. 7. Gießener »ßudtteu» kälter iMKta dem Anzeiger «Mchmkch viermal brigekgt iiieiii tttti Adresse für Depeschen: Anjdgrr chietze». Fernsprecher Rr. 51. 00* Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde. Aste, frazeii,; tdaÄHtz R ta w !«l. Bekanntmachung. Der Hamburg-Bremer Feuerversicherungs-Gesellschaft uuJjaajburg ist durch Entschließung des Großherzoglichen ÄMstev iums des Innern die Ausdehnung des GeschäftS- bü£riebe«3 auf die Versicherung gegen Einbruchsdiebstahl im Eeßhrczogtum Heffen gestattet worden. Gießen, am 30. Mai 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. W jf >«3* ar»««" * E ise gllM - petV'. M. He i verar I Amtlicher Heil. Bekanntmachung, ittreffcnb: Maul- unb Klauenseuche zu Geilshausen. Rnchbem weitere Seuchenfälle außerhalb ber ersten urrlir Sperre gestellten Schafherbe in ber Gemarkung Geils- ;iam|en nicht festgestellt worben finb, heben wir bie Ge- w»«rkv agSsperre hiermit auf. Dagegen bleibt die Äbperre der Weide jener verseuchten Schafherbe zwischen dncStnaße Geilshausen-Beltershain unb Geilshausen-Beuern avgßrtchl erhalten. Wieberkäuer unb Schweine dürfen diese Wieide nicht betreten. Gießen, den 31. Mai 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Mr-M oenbung Hock iiitf* witztil jmact» unsere M ,a Deutsches Reich. Berlin,31. Mai. Erzherzog Franz Ferdinand »»ivOesterreich stattete heute vor der Parade den hier atJhtbiticrten Botschaftern sowie dem Staatssekretär v. Bülow B 4 siche ab. Berlin, 31. Mai. Staatssekretär v. Bülow hat sich üciHKiel begeben. Berlin, 31. Mai. Wie aus Schwerin gemeldet wird, hczlt sch die älteste Tochter des Erbgroßherzogs von Mecklen- bmmg-Strelitz, Prinzessin Elisabeth, in London mit deM Grafen Cametel verlobt. Die Hochzeit wird im Ihm ftattfinden. Berlin,31. Mai. Prinz Max von Baden, dessen Witllung ä la suite des Garde-Kürassier-Regiments neulich geMlbkt wurde, hat dem „Berliner Tageblatt" zufolge einen sc Hmo-natlichen Urlaub erhalten. Bekanntlich vermählt sich ber Prinz im August d. I. in Petersburg. Nach Ablauf bei® Urlaubs beabsichtigt er seine militärische Thätigkeit errietet aufzunehmen. 3>fls 19. Iaßrßundert. Unter Mitwirkung hervorragender Fachgelehrter herauSgegeben von Friedrich Thieme. (Nachdruck oder Auszug verboten.) X. Naturwissenschaften. II. (Schluß.) Auf die Gestaltung der Z o o l o g i e übte zunächst Cuvier (lm?69 bis 1832) den größten Einfluß, obgleich er gerade biturf) die Größe seines Ansehens mit der Zeit ein Hindernis f £jfc öent Fortschritt wurde. Der große Forscher, Systematik Lehrer, Redner und Staatsmann berücksichtigte zuerst diAni gesamten inneren Bau der Tiere, unterschied innerhalb dmiOrdnungen natürliche Familien, erhob die von Haller b'ikgiunldete vergleichende Anatomie zur Wiffenschaft im rmckmen Sinne, und leistete ferner den Naturwissenschaften g^tch Dienste durch die wissenschaftliche Begründung der Wersleänerungskunde, speziell der Paläozoologie, d. h. der Licht von den ausgestorbenen Tieren. Karl Ernst Baer muche sich um die Embryologie verdient, welche mit der G»!wit«n« das wirksamste und gerechteste Ausgleichsmittel anerkannt. Die Mächte verpflichten sich, sich an das Schiedsgericht zu wenden, sofern die strittigen Fragen nicht die Lebensintereffen oder die nationale Ehre der streitenden Parteien berühren. Das Schiedsgericht ist dagegen pflichtweise vorgeschrieben, wenn sich die Zwistigkeiten auf Geld-Entschädigungen beziehen oder falls die Meinungsverschiedenheiten auf die Auslegung der in den russischen Vorschlägen einzeln aufgeführten Verträge und Abkommen Bezug haben. Die Zahl der angeführten Verträge wird noch durch Ueberein- kommen der Signatar-Mächte erhöht werden können. Jede einzelne Macht wird außerdem noch mit einer anderen Macht ein besonderes Abkommen treffen können, um das Schiedsgericht pflichtweise zu machen. Für alle übrigen nicht erwähnten Fälle ist das Schiedsgericht rein wahlweise. Ein internationaler Untersuchungsausschuß wird die Umstände feststellen, welche das betreffende Zerwürfnis herbeigeführt haben, und über die Ursachen Aufschluß geben durch eine unparteiische Prüfung der Thatsachen. Jede der beiden beteiligten Regierungen ernennt zwei Mitglieder, und diese vier wählen einen fünften, welcher zugleich Präsident der Kommission ist und einen Bericht zu erstatten hat, der in keiner Weise einen Schiedsspruch bedeutet, sondern die Möglichkeit gewährt, ein Abkommen zu schließen oder sich an das Schiedsgericht zu wenden." Den Vorschlägen ist ein vollständiger Kodex für das Schiedsgericht beigefügt. Nach einer Meldung des „Standard" aus dem Haag sind die Vertreter Englands, Amerikas und Rußlands zu einer Verständigung über die Schiedsgerichtsfrage gelangt, wonach der russische Vermittelungsplan, der britische Plan über die Einsetzung eines ständigenSchiedsgerichts und die amerikanischen Schiedsgerichtsvorschläge verschmolzen werden sollen. Rußland. Endlich bringt ein russisches Blatt, und zwar die „St. Petersburger Ztg.", nähere Mitteilungen über die Arbeiterunrühen in Riga. Danach richteten sich bis zum 20. Mai die Angriffe des Volkes nur gegen öffentliche Häuser und Kneipen niedrigster Art in der Moskauer und der Petersburger Vorstadt, wo 15 derartige Häuser verwüstet und zum Teil angezündet wurden. Vom 22. ab begannen die Arbeiter auch die Fabriken anzuzünden und zu zerstören. Das Feld der Thätigkeit wurde nun auf die Mitauer Vorstadt, auf dem linken Dünaufer verlegt, wo viele Fabriken stehen und militärische Hilfe schwer zu erlangen ist. Dort haben die Fabriken seit dem 22. d. M. Tag für Tag unter der Zerstörungswut der Arbeiter und ihrer Anstifter zu leiden gehabt, wobei es zu einer kleinen Schlacht kam. Die Kosaken sollen energisch vorgegangen sein. Die Hauptwaffe der Angreifenden waren Pflastersteine, die in der Mitauer Vorstadt im Gang befindlicher Pflasterungen halber jetzt bequem zu haben sind. Man lebt in Riga augenblicklich in einem Zustand der Anarchie. Das ständige Militär ist vor einigen Tagen ins Lager ausgerückt und die vorhandenen paar hundert Mann Kosaken können die weit ausgedehnte Stadt unmöglich überall vor heimtückischen Angriffen und Brandstiftungen schützen. Auch die tüchtige Berufs- und freiwillige Feuerwehr kann nicht leisten, was sie sonst könnte, weil sie bei ihrer Löschthätigkeit durch kleine Jungen gehindert wird, welche, wie das in diesen Tagen vorkam, den Spritzenschlauch zerschneiden und dann spurlos unter der sie schützenden Menge verschwinden. — Allem Anschein nach, so wird jenem Blatt weiter geschrieben, handelt es sich in Riga um sozialistische und anarchistische Anstiftungen. In Arbeiterkleidern steckende Personen beteiligen sich an den Unruhen. Die Leiter der Bewegung, die mit rein anarchistischem Charakter zu tage tritt, sind bisher nicht ermittelt. Wahrscheinlich kamen sie aus anderen Städten des Reiches, von woher bekannte Wühler nach Riga ausgesandt wurden; vor einigen Tagen wurde ein mit Arbeitern stark besetzter Zug (es sollen einige hundert Mann gewesen sein) angehalten, so daß diese Leute Riga nicht erreichen konnten. Es scheint, daß der Plan der ganzen Bewegung darauf hinausläuft, Unzufriedenheit unter den Arbeitern zu erregen und sie zur Verwüstung von Fabriken anzustacheln. Konstantinopel, 31. Mai. Das Gerücht von einem Einfall bulgarischer Banden in Macedonien wird amtlich dementiert. Kairo, 31. Mai. Bei dem ins Spital überführten für alle Zweige der Naturwissenschaften, zoologische und botanische Gärten schlossen sich an, eine schier unübersehbare Litteratur widmete allen Einzelgebieten und Einzelfragen die eingehendste Erörterung oder stellte sich die dankenswerte Aufgabe der Popularisierung der naturwissenschaftlichen Errungenschaften. Eine Wissenschaft ergänzte dabei die andere, befruchtete die andere, aus einer unendlichen Menge kleiner Bausteine entstand das gigantische Gebäude, das wir am Schluffe des Jahrhunderts bewundern. Und gerade jetzt, fin de siöcle, künden eine Anzahl neuer erstaunlicher Erfindungen und Entdeckungen, daß die Aera der natur- wiffenschaftlichen Wunder noch nicht zu Ende ist. Wir erinnern nur an die Röntgenstrahlen und die Erfindung des Fernsehers. Wenn von manchen Pessimisten daher die Behauptung aufgestellt worden ist, daß wir nunmehr der Natur so ziemlich alles abgelauscht haben, was sie an für unsere Erkenntnis lösbaren Geheimnissen besitzt, so dürften die letzterwähnten Erfolge das Gegenteil beweisen. Wer kann z. B. sagen, was alles die Entdeckung der Röntgenstrahlen noch im Gefolge haben wird? Möglich, daß das Tempo ein langsameres wird, möglich aber auch, daß wir nach der alten Wahrheit, daß eine Erfindung stets zehn neue gebiert, noch rascher vorwärts schreiten! Jedenfalls giebt es keinen Stillstand — auch im 20. Jahrhundert werden die Natur- wiffenschaften ihren stolzen Rang behaupten. Läßt doch unser Jahrhundert schon Fragen genug zurück, deren Beantwortung dem nächsten Säkulum zum herrlichsten Triumph gereichen würde! Hessischer Landtag. Zweite Kammer der Stände. nn. Darmstadt, 31. Mai 1899. Präsident Haas eröffnet die Sitzung um 9 Uhr 15 Min. Am Ministertisch: Geh. Staatsrat Krug von Nidda, Ministerialrat Deißler, Geh. Obersteuerrat Bittel, Regierungsrat Rohde, Oberfinanzassessor Becker. Abg. David hat ein Ersuchen an die Regierung gerichtet, das Gutachten des Direktors Schiller in Gießen in der Affaire Dettweiler-Ahlheim im Druck den Mitgliedern des Hauses zu unterbreiten. Abg. Häusel u. Gen. ersuchen die Regierung, den Direktoren und Lehrern an den höheren Schulen das Halten von Pensionären und Erteilen von Privatunterricht gegen Entgelt zu verbieten, sofern die Pensionäre bezw. Privatschüler die Schule besuchen, an der die inbetracht kommenden Lehrer unterrichten. (Bereits in vor. Nummer mitgeteilt. Red.) In der Beratung des Einkommensteuergesetzes wird fortgefahren. Art. 13, der die Einkommenskalen enthält, wird von der Beratung abgesetzt. — Bei Art. 15 verweist Oberfinanzaffeffor Becker auf Schwierigkeiten, die sich ergeben, nachdem gestern der Antrag Osann zu Art. la (Besteuerung von Konsumvereinen rc.) angenommen wurde. Es wird nachgewiesen, daß darnach u. a. Turnvereine, Gesangvereine u. s. f. die Mitgliederbeiträge, die von den einzelnen Mitgliedern schon besteuert sind, nochmals zu versteuern haben, weil dieselben das einzige Vermögen jener Vereine bilden. — Abg. v. Köth ist gleicher Ansicht und bedauert, daß man auch das Einkommen frommer Stiftungen u. dgl. besteuere. Der Ausschußantrag zu Art. 15 wird angenommen. Zu Art. 25, der die Bestimmungen über die Selbstdeklaration enthält, rügt Abg. Molthau die Praxis der Steuerbehörden, wonach von vornherein jeder Deklarant mit Mißtrauen angesehen werde; einzelner Fälle von Hinterziehung wegen solle man nicht die Allgemeinheit leiden lassen; die jungen Assessoren schienen wohl allzu eifrig vorzugehen. — Geh. Staatsrat Krug v. Nidda verweist darauf, daß haarsträubende Fälle vorgekommen seien; u. a. habe jemand, der früher mit 6000 Mk. Einkommen besteuert gewesen, bei der Selbstdeklaration sein Einkommen mit Null angegeben, heute versteuere er 8000 Mk. Redner schützt wiederholt die Steuerbeamten gegen Angriffe, worauf Abg. Joutz meint, man solle diesen doch etwas mehr auf die Finger sehen. — Abg. Graf Orio la erklärt nochmals, daß er weit entfernt sei, einem besonderen Beamten ein Vorwurf zu machen; er nenne auch prinzipiell keinen Namen. Es sei ihm lediglich darum zu thun gewesen, Mißstände, die er auf Grund thatsächlichen Materials erkannt habe, hier in der Kammer objektiv zu rügen. — Bei der Abstimmung finden die Ausschußanträge bei Artikel 25 fg. im wesentlichen Annahme. Zu Artikel 49, der Bestimmungen über die Steuer der 2. Abteilung (Niedere Einkommen) enthält, beantragt Abg. Reinhart in Kl. 1 (500 bis 600 Mk. Einkommen) nicht 4 Mk. sondern 3 Mk., in Klasse 2 (600 bis 750) statt 6,50 Mk. 5,50 Mk., in der 3. Klasse (750 bis 900 Mk.) statt 9 Mk. 8,50 Mk., erhoben werden. Diese Ermäßigungen betragen ca. 128,000 Mk., die man durch die Progression nach dem Antrag Schmitt und Genossen einholen könne. Zu Artikel 43 hatte Abg. Jöckel beantragt, daß die Verpflichtung zur Nachzahlung der defraudierten Steuern in ihrem doppelten Betrag auf die Erben des Defraudanten übergehen, einerlei, ob die Verkürzung vor oder nach dem Tode des Pflichtigen entdeckt worden ist. Dieser Antrag, der nach einer Pause zur Abstimmung gelangt, findet einstimmig Annahme. Im übrigen findet der Entwurf den Ausschußanträgen entsprechend, die sich mit der Regierungsvorlage im wesentlichen decken, einstimmige Annahme. Es folgt die Beratung des Vermögenssteuergesetzentwurfs. — Zu Art. 3 beantragt Abg. David, auch die juristischen Personen zu besteuern. Man solle das Vermögen nach Abzug des ^1-I>sri-Wertes belasten. — Geh. Staatsrat Krug v. Nidda giebt zu, daß die Regierung zu Beginn des Reformwerks an die Besteuerung der juristischen Personen gedacht habe; allein, mit Rücksicht darauf, daß Preußen diese Besteuerung nicht habe, und daß bei einer Heranziehung der juristischen Personen zur Vermögenssteuer diese aus Hessen Weggehen, habe man den Gedanken fallen lassen. — Abg. Ulrich spricht für den Antrag David; es sei nicht zu verantworten, wenn man reiche juristische Personen zur Vermögenssteuer nicht heranziehe. — Abg. v. Köth könnte sich für den Antrag David schon erwärmen, wenn nicht die „frommen Stiftungen" auch davon betroffen würden. — Abg. Köhler (Darmstadt) bittet, den Antrag David abzulehnen; die berührten Gesellschaften rechneten sehr mit der Steuerfrage und würden sich in Hessen nicht mehr niederlassen, bezw. von da Weggehen, wenn sie hier in anderer Art und stärker als in den Nachbarstaaten herangezogen würden. — Abg. Jö ckel spricht sehr energisch gegen den Antrag David; die Gesellschaften würden weniger der Steuer als der Vermeidung der Deklarierung ihres Vermögens wegen sich von Hessen fern halten. — Abg. v. Brentano findet einen richtigen Kern in dem Antrag David, meint aber, er schieße über das Ziel hinaus, und erklärt fich gegen ihn. — Abg. Weidner stimmt, wenn nicht anders möglich, für den Antrag David, sieht aber primär lieber, wenn man Schulen, Kirchen und milde Stiftungen ausschließe. — Der Antrag David-Ulrich nimmt übrigens nach seiner schriftlichen Fassung staatliche und kommunale juristische Personen von der Vermögenssteuer aus. — Abg. v. Brentano beantragt ZuKranken wurde die Pest konstatiert. Die Regierung wies behufs energischer Bekämpfung der Pest 500000 Francs an. Die beiden Doktoren Bitter und Roger find zu den Pestkranken nach Mexandrien abgereist. rückverweisung des Art. 3 mit dem Antrag David-Ulrick — Abg. David meint, sein Vorredner könne eii Amendement stellen, wonach auch die frommen Stiftunae» ausgenommen sind. Er selbst könne seines prinzipiellen Standpunktes wegen diesen Weg nicht gehen. — £,t Antrag von Brentano auf Zurückverweisung wird indes abgelehnt. — Abg. Reinhart ist gegen den Antrag David weil die größeren Gesellschaften mit juristischer Persönlichkett von Hessen abgelenkt würden. — Oberfinanzaffeffor Becker wendet sich in sehr ausführlicher Weise gegen den Antrag David. Von den Aktiengesellschaften könne man höchstens den Reservefonds mit Vermögenssteuer belegen; die Kasinos u. dgl. würden in Zukunft als Konsumvereine schon mit Einkommensteuer belegt. — Abg. Frenay erklärte sich im Prinzip für den Antrag David, hält ihn aber für zu weitgehend und ist deshalb Gegner desselben. — M Friedrich hält es für konsequent, daß man die juristischen Personen wie zur Einkommen- so auch zur Vermögenssteuer heranziehe; auf den Zuruf, daß das Haus gestern der Antrag Osann auf Einkommensteuer der juristischen Personen lediglich aus Irrtum zugestimmt habe, erwidert er, dah r heute noch auf seinem gestrigen Standpunkte stehe, daß aber daraus, daß man anderer Ansicht gemäß die Einkommen, steuer der juristischen Personen verwerfe, noch lange nicht zu schließen sei, daß man sie auch vermögenssteuerfrei be. lasse. Mit dem Jöckel'schen Gesichtspunkt, daß bei be: Vermögensbesteuerung der juristischen Personen nichts heraus springe, dürfe man nicht rechnen; er sei geradeso von be: Ertragsfähigkeit dieser Steuer überzeugt, als der Abg. Jöckel das Gegenteil für unwiderleglich halte. — Abg. David empfiehlt wiederholt seinen Antrag. — Geh. Stame rat Krug v. Nidda setzt die Gründe auseinander, dieben Ausschuß von der Vermögensbesteuerung der juristischen Personen abhielten, und resümiert diese kurz dahin: 1) Man solle die erwerbthätige Bevölkerung Hessens nicht schlechter stellen als anderwärts, und 2) man solle die Grundsteuer nicht durch eine Hinterthür wieder einlaffen, was man lhue, wenn man Vereine mit Häusern besteuere. — Schluß br Sitzung P/4 Uhr. Nächste Sitzung: Freitag, vormittags 9 Uhr. Auf der Tagesordnung steht: Fortsetzung der Steuer- beratung. Lokales und UrovinMes. Gießen, 1. Juni 1899. * * Kirchliche Dieustnachrichten Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 23. Mai dem Pfarrer Gustav Naumann zu Heidelbach, derzeit Pfarrverwalter zu Gelnhaar, die evangelische Pfarrstelle zu Gelnhaar mit Bergheim, Dekanat Büdingen, zu über« tragen. * • Ordensverleihung. Se. Majestät der Kaiser habe« Allergnädigst geruht, dem Rechtsanwalt und Notar a. D., Justizrat Fenner zu Darmstadt, bisher in Dortmund, de« Roten Adlerorden 4. Klaffe zu verleihen. • * Der erste Vortrag von Frl. Dr. E. Mensch über „Ibsen und seine Weltanschauung" hatte am Mittwoch in der Aula des Gymnasiums einen außergewöhnlich zahlreichen Hörerkreis versammelt, der mit großem Interesse den Gesichtspunkten des Vortrages folgte. Auf diesen selbst kommen wir noch zurück. * * Schützenfest. Der Festzug, der sich am ersten Tag des großen Schützenfestes, am'2. Juli, durch die Hauptstraßen Gießens bewegen wird, verspricht eine Glanznummer im Programm des Festes zu werden. Zahlreiche hiesige Vereine haben schon in dankenswerter, liebenswürdiger Weise ihre Unterstützung zugesagt und werden durch kunstreich ausgebaute Prunkwagen den Zug verschönen helfen. Mit Freuden zu begrüßen wäre es, wenn auch Gewerbe und Industrie Gießens (etwa Eisen- oder Tabaksindustrie) sich mit Festwagen am Zuge beteiligen würden. ES würde dadurch nicht nur auf die hohe Bedeutung von Industrie und Gewerbe in unserer Vaterstadt hingewiesen, sondern diese Wagen würden auch dem Ganzen einen frischen, belebenden Charakter, ein wahrhaft originelles Gepräge ver leihen. Hoffen wir also, daß die Bemühungen des Zug- und Ordnungsausschusses nach dieser Seite hin von Erfolg gekrönt sind, eines Ausschusses, der mit dem nötigen Material versehen, schon Zug und Ordnung in die Sache bringen wird. • • Radfahrerinnen und Radfahrer seien darauf aufmerksam gemacht, daß sie beim Gebrauche ihrer Fahrräder die von Großh. Polizeiamt ausgestellte Radfahrkartc stets bei sich zu führen und auf Verlangen den Polizei- beamten vorzuzeigen haben. Wer daher seine Radfahrkarte verlegt oder verloren hat, thut gut, sich eine neue Karte ausstellen zu laffen, um sich vor einer Polizeistrase schützen. — Seit Erlaß der Gemeindeordnungen von 1874 haben sich die Gemeinden bedeutend entwickelt. Die Bewohner haben sich auch gewöhnt, eine größere Bequemlichkeit in vielen Dingen zu erlangen. Die Frage der Beleuchtung, Kanalisation, des Straßenbaues, der Wasserversorgung uno dergleichen ist in vielen Gemeinden mit teilweise bedeutenden Kosten zur allgemeinen Befriedigung gelöst worden. manchen Orten würde man sich gerne zur Einführung von solchen Verbesserungen entschließen, wenn man genauer über Größe der Kosten, Art der Anlage und Rentabilität derselben Bescheid wüßte. Um hierin, was die Frage der Wasserversorgung betrifft, Aufklärung zu schänd läßt der Landwirtschaftliche Bezirksverein Gießen einen. Vortrag durch einen Sachverständigen, Herrn Regierung - baumeister Schmick, am nächsten Samstag, vormittag 11 Uhr, im Lenz'schen Felsenkeller halten, zu dem jedermann freien Zutritt hat. Wir wollen nicht verfehlen, hieraus ve sonders aufmerksam zu machen. T l Srueralversa ,-rtschaftl'ch' ® großen Saal Uber die Neuwc ieceits eine kurz' »ichchMuM Mn W M ft atten; bit Aah enwa 110. An bcei diesmaligen tnrat und die foirbialer Weise 0: 9W u T-mM Agende W\ Leer angebliche^ ^genstand einer irtt) noch sch^ irifc, so haben« iwon Kenntnis HM des Berfa i sichte, mich o später alles« «Ann- % k ^iA-rzogwui V . kben 1/ ' %.3, Me" 4»r>' 3^*1 $ KZI SfeW «kS Ät2'aei vouhergegangen Wiurben, eines \ freie Hand ge Verhandlungen SSttie in andere ßummlung. $oi iiber das 15. A Fi r ben ßänbtn »hgesehen. Bilan □nn dem Aussicht xruehmigt und d Teilung einer Di' tzÄ kommt aus Hauptsache ist ! (Sämereien, Koh biche Gerätschaft Ic ich volle Einsti bett.: Ve Die dies «soll im Wege s »ergeben werd ichis zum 10 s geböte am 11. Gießen otbenfl ' ZM uni I Imtii i(1 Tage» ®Me r°i Ne« Ulrichstein, 1. Juni. Monatsbericht der F^i-r.-llagt, 13 Krankentage. Im Monat Mai wurden ent* laff^i 10 Mann, und zwar in Stellung durch eigenes Be- Bemühen 2, auf Wunsch 8. Seit Bestehen der Kolonie rouisibtii ausgenommen 3586, entlassen 3546, bleibst Bestand 40 Mann. Ttnmstadl, 30. Mai. Die „Franks. Ztg." erhielt folcljadk Zuschrift: „Da in Ihrem Blatte fortgesetzt Artikel übe« avg.ebliche Verfehlungen meinerseits erscheinen, welche Genyenstand einer von mir vor geraumer Zeit beantragten und! noch schwebenden Disziplinar-Untersuchung finüil., so haben Sie vielleicht die Güte, Ihren Lesern auch baü»| Kenntnis zu geben, daß ich bis zum gesetzlichen Ab- ichl^ij des Verfahrens nach wie vor grundsätzlich darauf venzichte, mich öffentlich zur Sache zu äußern, mir jedoch fürn späleir alles weitere Vorbehalte. Prof. Dr. Dettweiler, OBhtryilrat.“ •D, Darmstadt, 31. Mai. Die XV. ordentliche Gb! icrLlversammlung der Aktionäre der land- ürrlsch aftlichen Genossenschaftsbank fand gestern imn großen Saale des „Darmstädter Hofes" dahier statt. Heärt die Neuwahl des Direktors habe ich Ihnen gestern betnitö eine kurze Nachricht zugehen lassen, die durch die .rchsolgenden Mitteilungen ergänzt werden sollen. Es waren nbter 1000 Aktien vertreten, die 489 Stimmen abzugeben mißen 1, Provinz Schlesien 1, Provinz Schleswig 1, ibncg 1, Braunschweig 1. 2. Nach dem Gewerbe: Arö'vier 16, Bureaugehilfe 1, Former 1, Gärtner 3, Kauf - leutieo, Äeönet 1, Krankenwärter 1, Kürschner 1, Maschinen- zeichM 1, Photograph 1, Schlosser 1, Schreiber 1, Schuster 2, Scheider 1, Schreiner 1, Seiler 1, Weißgerber 1, Schriftsetzer 1. Gearbeitet wurde 1039 Tage. Verpflegt wurde 121'4 Toge. Die Kolonie zählte im Mai 162 Sonn- und ttags 9 schling V Mlt L- K*. Mm gtl Km ■jtbtrt t, ■W ■B die M noch [3) >nkl, ■onennidy. Igerchs. M - MH ■Wemflür Mg btt;- Mrz dH »ns ni:: De die h ssen, Wi -re.-k < Re«Ulrichstein, 1. Juni. Monatsbericht der Ar veiler - Kolonie Neu-Ulrich st ein für den Monat Mai« WS. Am 31. Mai 1899 befanden sich in der Kolonie r - ■ 40 i Diwii. Dieselben verteilen sich: 1. Nach der Geburt: L® Gro-ß^tzogtum Hesien 5, Provinz Sachsen 1, Großherzog- Lw,; tum r Baben 1, Königreich Bayern 1, Regierungs-Bezirk K KassHk.'l 3, Regierungs Bezirk Wiesbaden 5, Provinz Rhein- FWt. lantae 5, Provinz Ostpreußen 3, Königreich Sachsen 5, Prottchj Hannover 4, Provinz Brandenburg 2, Provinz H «C.ÄV» 1 (B.nH.K. T ff w* inrtj die n SWS Bekanntmachung, bttr.: Verwertung des Grassamens im Gießener Stadtwald. Die diesjährige Grassameuerute im Gießener Etadtwald soW im Wege schrifUichen Angebots unter den bisher üblichen Bedingungen v'siztben werden. Angebote find, mit entsprechender Aufschrift versehen, frfiM frum 10. Juni d. I schriftlich einzureichen. Eröffnung der An- g-Mte am 11. Juni er., vormittag» 11 Uhr. Gießen, den 30. Mai 1899. 4329 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _____________Gnauth._____________________ Die ordentliche Heneral-Iersamrnlung des Spar- und Vorschußvereins Aktiengesellschaft zu Hroßen-Linden findet statt: !Hui ij den 19. Isai, nachmittags 3 Uhr, aas dr« Ermeindehavs dahier. Tages»Ordnung: 1. Vorlage der Rechnung pro 1898. 2. Verwendung des Reingewinne». 8. Ergänzungswahl des Aufsichtsrats. Greßen-Linden, am 30. Mai 1899. 4348 Der Vorstand. Mt. SchlllWM. Freibank. 4296 Heule und morgen: Rindfleisch 54 M W Frische Schellfische u. Cablian fcnfftn heute ein 4838 bei <6. Dort, Wallthorstraße 46. Heute frische Schellfische, Kabttau, Zander, Schollen, Stütz. hechte, tedende Karpfen, Schleie, Forellen eingetroffen. 310 Prompter Versandt nach auswärts. I. M. Schalhof, V Kolonialwaren- und Deiikateffengesckäft. Lebende Krebse empfiehlt 3903 I. M. Schulhof. Vergebung von ZMarbeiten. Die zur Erweiterung der Ortsdurchfahrt in Hausen nötigen Arbeüen und Lieferungen werden am Dinstag dem 6. Iuai d. Is., nachmittags 3 Uhr, im Gemeindehause zu Hausen im Wege schriftlichen Angebots vergeben u. zwar: veranschlagt zu Erdarbeiten 71,50 v*. ChausfierungSarbeiten 226,— „ Kanalanlage 82,41 „ Pflasterarbeiten 326,40 a Sandtteferung 89,10 „ Abfuhr von Bauschutt 15,— „ Voranschläge und Bedingungen liegen im Gemeindehause dortselbst zur Einsicht offen. Gießen, den 31. Mai 1899. Der Großherzogl. Kreisbauinspettor des Kreises Gießen. Stahl. 4343 Schreiber, zuverlässig und gewandt, sucht drr Geschäftsfühelnde Ausschuß de» XVII. Verbandsschießen, 4394_______Löberstraße 7.________ 4350] Tüchtiges, braves, ältere- Dienstmädchen für angenehme Stellung und hohen Lohn gesucht. Nur bestempfohleue wollen sich melden Schulstrasse 10. IW* Eine Waggontadung (Kork und Patent-Flaschen) frischer Füllung ♦ Taunus-Brunnen ♦ Groß-Karben Natürliches kohtertsaures Winerakwaffer ersten Wanges KN57* mehrfach preisgekrönt 4340 wieder eingetroffen bei dem Geueral-Bertreter: J. K. Spies, Mittklwkg 7. „@i Toni!" spricht Grethchen, „Lackstiefel trägst Du Am Werktag?" — Antonie entgegnet darauf in Ruh: „Die Stiefel, Grethchen, die Du hier erblickst, Sind meine ganz alten, ick hab' sie gewickst mit Gentner's Wichse in roten Dosen die rasch und leicht einen brillanten Glanz erzeugt, dabei kostet die Dose nur 10 Pfg. 346 MerKurat 5eim Einkauf: Schutzmarke Kaminfeger. Fabrikant: Karl Gentner in Göppingen. Tüchtige Schlosser auf dauernde Arbeit gesucht. Bevorzugt diejenigen, die schon auf Rohrverlegen gearbeitet haben. 4326 H. Tchaffstaedt. Eine unabhängige Iran oder Mädchen tagsüber sofort gesucht. 4347 Näheres in der Expedition d. BI. Gin junges Mrschchen zum Kegelaufstellen und leichter Hausarbeit und ein V* Kellnerlehrling gesucht. 4336 Cafe Ebel. Mrmietnngen 43391 Eine 3 - Zimmerwohnung mit Wafferleitung und Zubehör alSbald zu vermieten._________Wolkengasse 24. 4327] Fein möbl. Wohn- und Schlafzimmer zu vermieten. Lubwigstr. 80. Kmfergarten. Keule, Donnerstag aömd: Grosses Konzert der hiesigen Wegiments-Kapesse. ®«ttee 20 Pfg. Entree 20 »<„ Anfang 8 Uhr. Sonntag den 4. Juni er? mk TmfteWm bet CHmrt Bill in Naunheim. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. Zu zahlreichem Besuche ladet ergebenst ein 43^ __Der Festwirt. Ionlngisher Gurten tu Frankfurt aj. BV Bis zum 12. Juni: Schaustellung von W. Möllers Bischari-Dort 42 Männer, 12 Arane«, 4 Kinder. 7 Sudanesische Handwerker. Flechter, Töpfer, Lederarbeiter, Goldschmied, Röster. Bei der Truppe: Signor Kuzzi, langjähriger Gefangener des Wchi mit seinem 4jährigen schwarzen Töchterchen. Täglich von 8 bis 12 und 2 bis 7‘/s Uhr geöffnet. Vorstellungen um 9, 10, 11, 3, 4*/g, 6 und 7 Ayr. Eintrittsbedingungen für den Zoologischen Garten wie gewöhnlich. Besonderes Eintrittsgeld zur Schaustellung 20 Pfg. Aefervierte Sitzplätze 20 Afg. tritt. 4338 Sonntag den 4. Juni, von 6 bis 12 Uhr vormittags: Kintrittspreis für den Zoologischen Harten 20 M (Aquarium ebenfalls 20 Pfg.) äDV Nachmittags und abends: Doppel - Konzert. Musik des Acld-Krtillerke-Negiments Ar. 27. — Hartenkapelle. Irankfurter Khpothekenöank. Ausgabe 4%t g e r 'Ifandbriefe Serie XVI, nicht rückzahlbar vor 1910. — Wir haben mit der Ausgabe einer neuen Serie (XVI) 4%iger Pfandbriefe, zunächst im Betrage bis zu 30 Millionen Mark, begonnen, bei welcher Rückzahlung vor dem Jahre 1910 ausgeschlossen und dies durch Aufdruck auf den Stücken ersichtlich gemacht ist. Die Coupons sind per 1. Januar und 1. Juli. Im Uebrigen gilt bezüglich dieser Serie das Gleiche, wie bezüglich der früher ausgegebenen Pfandbriefe unserer Bank. Insbesondere werdm die Pfandbriefe in Stücken von Mark 6000 (Lit H), 2000 (Lit. N), 1000 (Lit. 0), 500 (Lit. P), 300 (Lit R) und 200 (Lit Q), alle mit No. 120001 an- fangend, ausgefertigt, lauten auf den Inhaber, werden aber auf Verlangen kostenfrei auf Namen umgeschrieben. Sie sind seitens des Inhaber» unkündbar, und müssen seitens der Bank längstens innerhalb 56 Jahren vom Tage der Ausgabe getilgt werden. Zahlung von Coupons und gekündigten. Stücken erfolgt in Frankfurt a. M. an unserer Kaffe, auswärts bei den jeweils bekannt zu gebenden Stellen. Die Bank wurde im Jahre 1863 mit der Befugnis zur Pfandbriefausgabe gegründet; ihre Statuten sind in jetziger Fassung durch Allerhöchsten Erlaß vom 21. Oktober 1885 genehmigt. Die Summe der Pfandbriefe darf den 20 fachen Betrag des etngezahlten Attienkapttal» einerseits und dm Betrag erworbener Hypotheken andererseits nicht übersteigen. Die Ausleihung von Hypotheken erfolgt nur zur ersten Stelle, bis höchstens zwei Drittel des Taxattonswertes; am Ende de» vorigm Jahres betrug sie durchschnittlich 55,39% dieses Wertes. Bei Feststellung desselben werden, dem Entwurf des neuen Hypothekenbankgesetzes entsprechend, nur die dauernden Eigenschaften des Grundstücks und der Ertrag berücksichtigt, welchen das Grundstück bet ordnungsmäßiger Wirtschaft jedem Besitzer nachhaltig gewähren kann. Die Taxatoren ernennt der Aufsichtsrat. Die Gesellschaft steht nach § 42 der Statuten! unter der, von der Königlichen Regierung ausgeübten Oberaufsicht des Staates. Die Staatsregierung kann jederzeit über dm Stand de» Geschäft» Austtmft erheben, und von den Protokollen, Büchern u. f. w. Einsicht nehmen. Beschlüsse über Statutenänderung bedürfen ihrer Genehmigung. • Am Schlüsse des letzten Kalendervierteljahres betrug da» einbezahlte Aktienkapital Mk. 15,000,000, die Reserven Mk. 6,638,069,88, der Hypothekenbestand Mk. 287,608,824,26, der Pfandbriefnmlauf Mk. 270,046,400,—. An Dividende find für die letzten 5 Jahre 7, 7%, 7%, 8, 8% verteilt worden. Die Pfandbriefe der Bank sind im Großherzogtum Heffm zur Anlage von vormundschaftlichen und pflegschaftlichen Geldern, sowie von Gemeinde-, Kirchen- und Stiftungskapitalien zugelassen. Dieselben werdm von der Reichsbank und ihren Zweiganstaltm im Lombardverkehr beliehen. Bilanz und Gewinn- und Berlustrechnung per 31. Dezember 1898 waren in Rr. 81 dieses Blattes abgedruckt. Die Pfandbriefe sind zum Handel an der Frankfurter Börse zugelaffen und gelangen durch uns und durch unsere Verkaufsstellen zur Ausgabe. 4335 Zlranftfurl a. M., im Juni 1899. Irankfurter Kypsthekenöank. 43491 Ein Familienlogis, 4 Zimmer mit allem Zubehör, per 1. Juli zu vermieten.______________Asterweg 6. 02020] Neubau Bruchstraße 11 ist eine Parterrewohnung mit all. Zub.per 1. Juli a- ruh. Leute zu verm. Zu ersr. Bleichstr.3l 4841] 4-Zimmerwohnung im Hinterhaus im Garten zu vermieten. Bahnhofstr. 56. Näheres Bahnhofstraße 58 II. Mietgelüche Wohnungen gesucht. 5 Zimmer, möglichst Nordanlage. 5 Zimmer, eventuell mit Pferdestall. 2 und 3 Zimmer in größerer Anzahl. Gießener Wohnungsnachweis, 02025] Bahnhofstraße 41.__________ £it verkaufen Fahrräder, zu verkaufen. 4351___________, Hammstraße 14. Gebrauchter, gut erhaltener Restaurationsherd billigst abzugebeu. 4332 Näheres in der Exp. d. Bl. Ein schwerer Wagen von 80 Ztr. Tragkraft, noch sehr gut erhalten, wegen Aufgabe des Fuhrwerks billig zu verkaufen. 02019 Näheres in der Expedition d. Bl. Der schiedenes Einige Kegelabende frei. 4337 ____________Caf6 Ebel. 02021] Es ist ein Kind von 5 Jahren in gute Pflege zu geben. Näheres Neuen Bäue 6._________ Wäsche -um Glanzbügeln wird angenommen bei billiger, sowie tadelloser Ausführung. Hemden 8 Pfg., Kragen 2 Stück 5 Pfg. Frau Balser, Neuen-Bäue 11. Vereine Bauer’scher 4344- Gesangverein. Freitag abend: wichtige Besprechung. Der Vorstand. von 4345 4352 Die Beerdigung findet Freitag den 2. Juni, nachmittags 2 Uhr, statt. Concordia, Allendorf a. d. L. Lollar, den 31. Mai 1899. Die trauernden Hinterbliebenen: Ludwig Hofmann IV., mit Familie, Lollar. Rein, Großh. Bürgermeister, mit Famllie, Georg Schmidt, Neuenweg 28. Gießen, den 31. Mai 1899. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unser innigst geliebtes Kind Karoline Margaretha nach langem, schweren Leiden heute mittag 3* 1/» Uhr zu sich zu rufen. Um stilles Beileid bitten: Die liestrauernden ßttern und Geschwister. Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere innigstgeliebte Gattin und Mutter Elis« Jakob, 1* Kott), nach langem, schwerem Leiden im 37. Lebensjahr zu sich zu rufen. Um stille» Beileid bitten Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Heute nacht 2J/i Uhr entschlief sanft nach langem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater §m Christoph Hofmann i Landwirt im 90. Lebensjahre, was wir Verwandten, Fceundrn und Bekannten mit der Bitte um stille Teilnahme hierdurch mitteUen. I Jacob und Kinder. Gießen, den 31. Mai 1899. 02023 Die Beerdigung findet Samstag den 3. Juni, vormittags 11 Uhr, den neuen Kliniken aus statt. Die Mitglieder wollen sich am Sonntag nachmittag 1 Uhr jur Beteiligung am Festzng des Kriegervereius im Bereins- lokal emsinden. Vereins-Abzeichen sind anzulegen. 4331 ___ Der Borstand. ••••••eeeeeeoeeeeeeeeewe Rübsamen’sche Bi* niiil ScliwiiiiitinslÄ ist^vou heute ab in allen ihren Teilen eröffnet. Geöffnet ist die Anstalt von morgens 6 bis abends 8 Uhr, an Sonntagen nur vormittags von 6 bis 12 Uhr. 4044 Unterrichtsstunden und Badezeit für die Schuljugend find an den Wochentagen vormittags von 10 bis 12 Uhr, nachmittags 3 bis 7 Uhr. In diesen Stunden wird gute Aufsicht geführt, sodaß die verehrlichen Ellern in jeder Beziehung beruhigt sein können. Her Schroimm-Ilrtterricht wird von tüchtige« Kräften gekettet. Für Herren Studierende Preisermäßigung: für die ganze Saison 4 Mk-, mit Wäsche 6 Mk. Alles Nähere ist in oer Anstalt zu ersahren. 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