Sonntag den 2. April 1899 Erstes Blatt. HmtilcherWi nnsil uz, w preise» Alle Anzeigen.8krmitttung»stkIIev M 3n- enl HuÜotM nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeeak 111 Männer, 28 Frauen. Itkflion, Lrpedition und Druckerei: S4»kßr«tze Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener FamilienblStter, Der heWhe Landwirt, Klätter für hessische Docksknnde.__________________ Adresse für Depeschen: Anzeiger chteß«. Fernsprecher Nr. 51. Stampfe. G ießen, am 1. April 1899. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Muhl. Mezng.prei- vicrleltährlich 2 Star! 20 Pf«- monatlich 75 Psg. mit Vnngeriohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Ostern. De Minder will sei Renommee Sich doch net nemme lasse Ann halt zum Abschied drum noch Schnee Gestreut uff Feld unn Gaste; De Frihlingswind hatt sich noch nie Go unverschämt bedrage? — Er piff e garschdig Mellodie Dorch Hawlok uns unn Krage. Statt Bliedheschnee unn Knospe gut Aff Au unn Flur ze streue. Da dhat de Frihling uff de Hut Ans erschdens dichdig schneie, Unn zweitens, statt mit Blummepracht Err kam in's Land gefloge, Halt err die Fenster iwer Nacht Mit Eis schee iwerzoge. Zwar hielt de Schnee de Sonn' net stand, — Dann's regt sich aller Orte Unn ringserum im weide Land Js langsam Frihling worde; — Die Vögel zwitschern's laut unn hell, Die Blimmcher dhun erblihe! — Etz muß de Minder uff de Stell Ann gleich von banne ziehe. Bekanntmachung. 8ttr.: Erlaß einer Polizeiverordnung über das Ve- fahren der Kaplansgaste zu Gießen. ric nachstehende Polizeiverordnung für bic Stadt OHM bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis. H-eßen, den 27. März 1899. Großherzogliches Polizeiamt. Gießener Anzeiger General-Anzeiger U|04 m»ilv»aahme do» Jlentagl. fit •iefenet Mstiictenßtktter Beeile txm Anzeiger WEchilltrch viermal iti gelegt. Mm £ ' , -K«n in Schritt fahren. 8 WW Gstern. Nach Leben verlangt jedermann und zwar nach einem I tief gegründeten und darum in sich gesicherten Leben. Und diese Allgemeinheit der Sehnsucht nach Leben zeigt | uns, daß sie in unserer innersten Natur begründet sein I muß. Wir Menschen haben ein angeborenes Recht zum Leben. Im schneidendsten Gegensatz dazu steht aber, was I wir alle Tage vor Augen sehen. Der Tod umlauert uns I von allen Seiten. Und dies empfindet nicht nur der, welcher vorwiegend an sich und seine nächste Umgebung denkt, sondern in erhöhtem Maße derjenige, welcher zugleich seinen Blick auf das Allgemeine richtet. Viele Leser dieses Blattes werden sich noch des tiefgehenden Eindruckes erinnern, den die Nachricht von dem Tode des greifen Kaisers Wilhelm I. machte. Wohl sagte sich jeder: Es mußte so kommen, er hatte sein Leben voll ausgelebt. Aber zugleich ging doch der Gedanke durchs Herz: Ach, warum mußte uns auch dieser genommen werden! Der Tod macht I feinen Unterschied, er wirft den Edelsten ebenso erbarmungslos in das Grab wie den ärgsten Bösewicht. Alles Irdische zerbricht er mit kalter Faust. Daher sind denn auch ganze Völker, mochte ihre Macht und der Glanz ihrer Lebenshaltung noch so groß sein, jedesmal zu Grunde gegangen, wenn sie die Nahrung für ihr Leben nur aus dieser Welt schöpften. Auch die großartigsten und schönsten Schöpfungen des Menschengeistes in Kunst und Wissenschaft konnten sie vor dem Verderben nicht retten. Daher ist das der beste Freund für die Einzelnen wie für ganze Völker, der ihnen eine unerschöpfliche Quelle des Lebens bietet. Ostern verkündet uns den Fürsten des Lebens. Aus wessen Munde wären je verheißungsvollere und größere Worte gekommen, als aus dem Munde dessen, welcher spricht: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Ich bin gekommen, daß sie das Leben und volle Genüge haben sollen!" Das bedeutet für uns nicht nur, daß wir in Jesu Christo die sichere Hoffnung eines himmlischen Lebens haben dürfen, sondern, indem hier einer mit den Lebensschätzen einer andern Welt an uns herantritt, tragen wir die Last des irdischen Daseins dem drohenden Tode zum Trotz mit frohem Lebensmut und lasten uns schon auf Erden durchwirken von unsterblichen Lebenskräften. Es wird von Luther erzählt, daß er einst, als trübe Gedanken schwer auf ihm lasteten, ein Stück Kreide ergriff und auf Tische, Stühle und Bänke seines Zimmers geschrieben habe: Vivit! Vivit! Er lebt! Er lebt! Wohlan, so mögen an diesem Feste auch alle trüben Todesgedanken aus unserm Herzen verscheucht werden durch die Worte unseres Heilandes: „Ich lebe und ihr sollt auch leben!" Don Kinner wimmelts iwerall; Js daß e Lust, e Lewe! Dehaam ze bleiwe — uff kaa« Fall! — In's Freie geht ehr Strewe. Doch net allaa is Frihlingsscherz Blos bei dem klaa Gezäppel, Dann aach de Ahle geht deß Herz Etz uff als wäi e Kreppel. Unn wo e Herz mit Hoffe heiß Dem Frihling schlug engege. Da dhut sich wie beim grienend Reis Aach neues Lewe rege. Unn wer in langer Winderschpein Krank in de Stubb geseste, Der dhut beim Frihlingssonueschem Sei Leide ganz vergesse. Unn wo des Wintersch diese Nacht Die Lieb' zerickgehalte. Da dhut sich jetz in aller Pracht Die Knospe voll enfaltc. — Nor Sonneschei, nor Bliedhebraxm Unn Luft uff alle Wege, — Daß is im ganze Erderaum De scheenste Oftersege! Karl Geißler. 2' Stoeiiko, Kochrz ^"gegeben, w. Irinnen monot JO. v«n «-»eigen ,u der nachmittag» für den erscheinenden Nummer bi« vorm. 10 Uhr. ;nb w Siefjen, den 27. März 1899. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. ____________ Muhl.__ G efunden . 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Geldstück, 1 0 laschenmesser, 2 Paar Militärhandschuhe und 1 Paar Bür«’ 'Arbeiten; Mittelung t 41 e* 0 »"st,! itteri«' &! '«#’,x, Dampf- und Heißluftbäder, | sowie Massagen j -usamen . . Brausebäder, zusammen 866 (der höchste seitherige Stand). Die Personenwage wurde von 80 Personen benutzt, das Bad von 35 Personen besichtigt. ♦* Omuibilsverkehr—Schiffeubergerwald. Um geäußerten Wünschen zu entsprechen, werden die Sommerwagen der Omnibusgesellschaft an den drei Osterfeiertagen, günstige Witterung vorausgesetzt, die Fahrten von und nach dem Wald wieder aufnehmen. Die Wagen fahren ab Markt- platz 23<>, 2*5, 300 Uhr nachmittags und zurück ab Wald 60», 615, 630 Uhr abends. Die Stadtfahrten werben gegebenenfalls eingeschränkt, unb fallen bie Fahrten nach bewt Bahnhofe 3", 4«, 61* Uhr unb zurück, aus. Lokales und Provinzielles. Gießen, ben 1. April 1899. •• Ordensverleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem Großherzoglichen Hauptmamr L la suite Zernin das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen geruht. •• Aus dem Gerichtsdienst. Seine Königliche Hoheit der G r 0 ß h e r z 0 g haben Allergnädigst geruht, am 28. Mär» den Oberlandesgerichtsrat Ernst Rohde, auf fern Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen, treuen und ersprießlichen Dienste, mit Wirkung vorn 1. April 1899 m den Ruhestand zu versetzen, und den Landgerichtsrat bet dem Landgericht der Provinz Rheinhesten, Dr. Philipp Hangen, zum Oberlandesgerichtsrat bei dem OberlandeS- aericht mit Wirkung vom 1. April 1899 zu ernennen. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums der Justiz vom 29. März l. Js. wurde der mit Wirkung vo» 1. April zum Oberlandesgerichtsrat ernannte Landgerichtsrat Dr. Hangen mit weiterer Aushilfeleistung bei dem Ministerium der Justiz, der Gerichtsassessor Rau zu Mainz mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines dienstaufsichtführenden Amtsrichters bei dem Amtsgericht Nieder-Olm beauftragt. •• Aus dem Finauzdienst. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 28. März den Hauptsteueramtsafsistenten bei dem Hauptsteueramt Offenbach, Martin Jung, auf sein Nachsuchen, unter Ax- ertennung seiner treu geleisteten Dienste, mit Wirkung vo« 1. April d. I. ab in ben Ruhestanb zu versetzen. *• Aus dem Gerichtssdienst. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums der Justiz würben beauftragt : 1) mit Wahrnehmung ber Dienstverrichtungen eines Amtsrichters : a. bei bem Amtsgericht Beerfelben ber Gerichts- I affeffor Wachtel in Groß-Umstabt vom 5. April ax, I b. bei dem Amtsgericht Michelstadt der Gerichtsassessvr Noack in Darmstadt vom 1. April an, c. bei dem Amtsgericht Alsfeld der Gerichtsassefsor Schnitzspahn daselbst vom 2. April an, d. bei dem Amtsgericht Gießen der Gerichtsassessor Klietsch daselbst vom 4. April an; — 2) mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amts- anwalts: a. bei den Amtsgerichten Groß-Umstadt, Höchst, Michelstadt und Reinheim der Gerichtsassessor Dr. Jäger in Darmstadt vom 5. April an, b. bei den Amtsgerichte« Fürth, Beerfelden, Hirschhorn und Wald-Michelbach der I Gerichtsassessor Hamburger in Offenbach vom 4. April an, c. bei den Amtsgerichten Alsfeld, Grünberg, Homberg und Laubach ber Gerichtsassessor Dr. Maurer in Dar«- stabt vom 2. April an, d. bei ben Amtsgerichten Büdingex, Altenstabt, Nibba, Ortenberg unb Schotten der GerichtS- I affeffor Mahr in Darmstadt vom 4. April au; — 3) mit I Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Hilfsgerichts. I schreibers: a. bei dem Landgericht der Provinz Starkexburg die Gerichtsassefsoren Dr. Heyer in Darmstadt uib Hof in Groß-Umstadt vom 1.. bezw. 4. April an, b. bei I dem Landgericht ber Provinz Oberhefsen ber Gerichtsassefsor I Jost in Schotten vom 4. April an, c. bei bem Lanbgericht I bet Provinz Rheinhessen bie Gerichtsassessoren Mann in I Alzey unb Hausman in Mainz vom 6., bezw. 5. April an. ** Gießener Bolksbab. Ungeachtet des unerwartetex i Nachwinters hat der Besuch des Bades im abgelaufenex I Monat März doch wieder etwas zugenommen: es wurden I insgesamt abgegeben 6414 Bäder gegen 5838 im Februar, I oder — die Sonntage nur halb gerechnet — 229 gegen I 225 Bäder pro Badetag. Der Besuch im einzelnen hat I sich verteilt wie folgt: Schwimmbad: 3745 Männer, darunter 730 j , 605 Frauen, 209 \ *u 10 Wfl- I Wannenbäder 1. Klasse: 178 Männer, 2. Klasse 561 Männer, 55 Frauen 265 Frauen, Amts- unb Anzeigeblutt für den Areis Gietzen I ------- 'enninghch, hechtend Pfeifier toller § 3. । n kkifiui Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Bestimmungen huellvvdbch 366 pos. 10 des Reichsstrafgesetzes mit „ Estrase bis zu 60 Rtark oder mit Haft bis zu vierzehn Tto|.n ibeftvaft. In blefem« |h. 11 des Reichsgesetzblattes, ausgegeben den 27. d. Mts., eniHli: Ach- Nr. 2560. Gesetz, betreffend die Friedenspräsenzstärke öe»a deutschen Heeres. Vom 25. März 1899. M Ät. 2561. Gesetz, betreffend Aenderungen des Reichs- , ^MÄiläccjesetzes vom 2. Mai 1874. Vom 25. März 1899. —---L Nr. 2562. Bekanntmachung, betreffend die dem inter- I nafionakn Übereinkommen über den Eifenbahnfrachtverkehr laillpieii.yfüflMe Liste. Vom 15. März 1899. ■Willi ' Hießen, den 31. März 1899. ik Großh°rz°gUch^ @ieBen. -- —------- e befonbers ein Muhl. Btitr.: wie oben. Polizei-Verordnung. Itff Grund des Art. 56 der Städteordnung wird nach X lutoruiiig der Stadtverordnetenversammlung mit Genehmigung ^«arzoglichen Ministeriums des Innern vom 16. März jx Wr. M. d. I. 7375 für die Provinztalhauptstadt Iss.M verordnet wie folgt: § 1. Düs Befahren der Kaplansgasse mit Fuhrwerken ist hierin ber Richtung von der Bahnhofstraße nach dem Kreuz W geltet. 2 IQe durch Die Kaplansgasse gehenden Fuhrwerke dürfen ** Feuerwache. Vom 2. Osterfeiertag an, bezieht die Gießener freiwillige Feuerwehr jeden Sonntag nachmittag Brandwache im Turmhaus am Brand von nachmittags 3 bis abends 8 Uhr. *• Auszeichnung. Auf der im März d. Js. in Berlin stattgefundenen großen Ausstellung für Nahrungsmittel, Gastwirtschafts- und Hotelwesen erhielt die Firma H. Schlink u. Co. in Mannheim die höchste Auszeichnung: „Goldene Medaille" für ihre Palmin-Ausstellung zuerkannt. ** Hundeseuche. Die seit Monaten in Süddeutschland grassierende Hundeseuche scheint auch in Gießen eingeschleppt worden zu sein und hat bereits eine Reihe zum Teil wertvoller Jagd- und Luxushunde hinweggerafft. In der Regel erkranken die Hunde unter den Anzeichen von Mattigkeit, verminderter Freßlust und gehen in wenigen Tagen zu Grunde. Nach den Sektionsbefunden der hiesigen Veterinäranstalt ist der Erreger der Krankheit ein Bazillus, der in den Eingeweiden seinen Sitz hat, und einmal im Körper, kaum zu beseitigen ist. Da jeder Verkehr zwischen den Vierfüßlern zur Weiterverbreitung der Seuche beiträgt, dürfte das beste Vorbeugungsmittel darin bestehen, daß die Hundebesitzer ihre Tiere nicht umherlaufen lassen. ** Für Huudebefitzer. Das in Feld und Wald spazieren gehende Publikum möge gerade zur gegenwärtigen Frühjahrszeit aufmerksam gemacht sein auf die Klagen, die allerorten seitens der Jagdpächter über den Unfug, die Hunde frei laufen zu lassen, erhoben werden. Während der Wildstand in unserer Gegend sich in den letzten Jahren durch Schonung und Pflege in erfreulicher Weise gehoben hat, und der Spaziergänger mehr als früher die Natur am Wild belebt sieht, giebt es immer noch Leute, die auch in der Satz- und Nistzeit rücksichtslos ihre Hunde umherlaufen lassen und hierdurch die Reviere beunruhigen, gar manches Junghäschen aber auch auf's Gewissen nehmen. — Wir verweisen auf die dahingehende Bekanntmachung Groß- herzogl. Kreisamts, welche die gesetzlichen Vorschriften in Erinnerung bringt. In einem Falle, in dem vor einiger Zeit ein Jagdpächter einen revierenden Hund tötete, hat die Staatsbehörde die Strafverfolgung abgelehnt, weil derselbe mit Recht sich des Jagdschädlings erwehrt habe. Es sei noch bemerkt, daß Feldwege und Waldschneisen nicht zu den „öffentlichen" (ausgesteinten) Verbindungswegen gehören, auf denen Hunde unangeleint geführt werden dürfen. •* Militärsahrkarken. Vom 1. April gilt nach der neuen „Militär-Transport-Ordnung" auch für beurlaubte Einjährig-Freiwillige der Tarifsatz von 1,5 Pfg. für das Kilometer 3. Wagenklasse. Für dienstlich reisende Militärpersonen mit Ofsiziersrang ist das Personenkilometer von 5 aus 3 Pfg., für Mannschaften vom Feldwebel abwärts (3. Wagenklasse) von 1,5 auf 1 Pfg. herabgesetzt. Für beurlaubte Mannschaften bleibt der bisherige Satz von 1,5 Pfg. per Kilometer 3. Wagenklasse bestehen. Pr. Steinbach bei Gießen, 30. März. Am zweiten Ostertage 1839 suhr zum erstenmale das Postwägelchen von Gießen nach Nidda, und im Hause des damaligen Ortseinnehmers Johann Kaspar Gerhard, im späteren Gasthaus „zur Post" in Steinbach, ward eine Posthaltestelle errichtet. Seit den verflossenen 60 Jahren ist die Postverwaltung in demselben Hause und derselben Familie geblieben, und der jetzige Postagent Herr Georg Gerhard, der im Jahre 1867 als Postbeamter vereidigt wurde, verwaltet nunmehr seit 32 Jahren in Treue und in Ehren sein Amt. _________________________________________ Aus der Zeit für die Zett. Vor 259 Jahren, am 2. April 1640, starb zu Hamburg der beste Lyriker des 17. Jahrhunderts Paul Flemming, als geistlicher Sänger am bekanntesten durch das Lied: „In allen meinen Thaten", das er vor seiner persischen Reise schrieb, die er als junger Arzt im Gefolge einer Gesandtschaft unternahm, welche der Herzog von Holstein nach Persien gehen ließ, um Handelsverbindungen anzuknüpfen. Der Dichter wurde am 5. Oktober 1609 zu Hartenstein im Vogtland geboren. Vor 50 Jahren, am 3. April 1849, wurde dem König Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone angetragen. Es war ein großer geschichtlicher Moment, als 30 Mitglieder der Frankfurter Nationalversammlung als Ueberbringer einer Gabe erschienen, die Deutschlands Einheit, Macht und Größe begründen sollte. Der König gab jedoch eine ausweichende Antwort und lehnte kurz darauf die angetragene Krone ganz ab, weil sie ihren Ursprung in einer revolutionären Bewegung hatte. Vor 20 Jahren am 4. April 1879, starb zu Berlin Heinrich Wilhelm Dove, einer der größten Physiker der Neuzeit, im Volke genannt „Der Wettermacher". Er ist von hervorragender Bedeutung für die Elektrizitätslehre und Optik, sowie epochemachend auf dem Gebiete der Meteorologie. Eines seiner berühmtesten Werke „Das Gesetz der Stürme" wurde vielfach übersetzt. Dove hielt die Gedächtnisrede auf Alexander von Humboldt, deffen Orden pour le merite fortan seine Brust zierte. Er wurde am 6. Oktober 1803 zu Liegnitz geboren. Auszug aus den Standesamtsregistern der Stadt Gießen. Alnfgebote. März: 28. Dr. Franz Volvard, Assistenzarzt zu Gießen, mit AgneS Ida Elisabeth TönnieS zu Schöneberg bet Berlin. 30. Wilhelm Heinrich Ernst Dogi, GaSwerk-Dtrektor zu Bad-Nauheim, mit Henriette Karoline Bergen hterselbst. Eheschließungen. März: 25. Johann Heinrich Stein, Schuhmacher dahier, mit Luise Schneider hterselbst. 25. Friedrich Earl Christian Marx, Lackierer dahier, mit Katharine Hainer hterselbst. 25. Hetnrtch Philipp Julius Junker, Bauschretber dahier, mit Margaretha Gürnblein Hierselbst. 29. Ludwig Schäfer, LaboratoriurnSdtener dahier, mit Katharine Bodenroder zu Oppershofen. 29. Georg NicolauS Lettner, Schneider dahier, mit Margarethe Philippine Mohr hterselbst. Geborene. März: 20. Dem Hauptsteueram's-Assistent Georg Hanstetn eine Tochter, Emma Elise Antonte. 23. Dem Milchhändler Naftali Charak ein Sohn, Leon, und eine Tochter, Hedwig. 23. Dem Trichinenschauer Wilhelm Schmitz ein Sohn. 25. Dem Vorarbeiter Leo Hügel eine Tochter, Josefine Marie. 25. Dem Packmeister Malbäus AlthauS eine Tochter, Minna Katharine Anna Dorothea. 25. Dem Taglohner Kaspar Christ eine Tochter, Marie Franziska. 26. Dem Taglöhner Ludwig Pfeiffer ein Sohn. 27. Dem Schreiner Heinrich Flach eine Tochter. Gestorbene. März: 25. Wilhelm Michel. 3 Jahre alt, Sohn von Lokomotivheizer Johannes Michel dahier. 25. Georgine Hirschfeld, geb. Lony, 67 Jabre alt, Wittwe von Schloffermeister Pdilipp Hirschfeld dahier. 25. Margarethe Katharine Marie Hofmann, 2 Monate alt, Tochter von Taglöhner Johannes Hofmann dahier. 26 Hermann Schwalb, 77 Jahre alt, Rentner dahier. 26. Sufanne Wilhelmine Lindenstruth, 4 Jahre alt, Tochter von Oekonom Wilhelm Ltnden- struth dahier. 27. Karoline Schmidt, geb. Euler, 66 Jahre alt, Wittwe von Schuhmacher Friedrich Schmidt dahier. 28. Johanna Noll, geb. Vössing, 32 Jahre alt, Ehefrau von Packmeister Johannes Noll dahier. 28. Margarethe Ramstock, 5 Jahre alt, Tochter von Uhrmacher Carl Ramstock dahier. 29. Sophie Seifert, geh. Schmidt, 72 Jahre alt, Ehefrau von Lokomotivführer a. D. Karl Seifert dahier. 29. Peter Ott, 69 Jahre alt, Lackierer dahier. 29. Martin John, 69 Jahre alt, Knecht von Beienheim. 29. Anna Maria Hamel, geb. Schubert, 52 Jahre alt, Ehefrau von Installateur Wilhelm Hamel dahier. 30. Johannes AlthauS, 59 Jahre alt, Spengler von Altenschlirf. Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute. Matthäus gemeinde. Den 25. März. Johann Heinrich Stein, Schuhmacher zu Gießen, und Luise Schneider, Tochter des NagelschmtedS Friedrich Schneider zu Reddighausen. Denselben. Friedrich Karl Christian Marx, Lackierer zu Gießen, und Katharine Hainer, Tochter des verstorbenen Glaser« Johannes Hainer III. zu Storndorf. JohanneSgemetnde. Den 25. März. Hetnrtch Philipp Julius Junker, Bauschreiber zu Gießen, und Margaretha Gümbletn, Tochter des Amtsgertchts- dienerS Heinrich Gümbletn zu Gteßen. Getaufte. MarkuSgemetnde. Den 25. März. Dem Brauer und Wtrt Jakob Müller ein Sohn, Ludwig Wilhelm, geboren den 8. Februar. Den 26. März. Dem Schreiner Philipp Haun eine Tochter, Wilhelmine Luise, geboren den 8. Januar. Den 31. März. Dem Taglöhner Heinrich Borschel ein Sohn, Julius WUhelm, geboren den 4. Januar. LukaSgemetnde. Den 26. März. Dem Unternehmer Heinrich Weimer ein Sohn, Otto Ignaz, geboren den 2. März. Denselben. Dem Lokomotivheizer Josef Sauer eine Tochter, Elise Kunigunde, geboren dm 3. März. Neueste Meldungen. Depeschen deS Bureau „Herold". Köln, 1. April. Der Kölnischen Zeitung wird al London gemeldet: Der Southamptoner Vergnügung: dampfer Bella mit 185 Passagieren und 35 Mar- Besatzung an Bord ist am Donnerstag nachmittag uniti gegangen, 10 Minuten nachdem er auf die Casquets-Felin nördlich der Insel Iuerscy im Nebel aufgefahren war Etwa 100 Personen, darunter sämtliche Frauen und Äinbn wurden gerettet. Man befürchtet, daß die übrigen Personen ertrunken sind. London, 1. April. Die bis jetzt bekannten Einzelheit^ über den Untergang des englischen Dampfers Bella stimmen alle darin überein, daß der Dampfer mit großer Schnelligkeit gefahren ist, nämlich mit 18 Knoten in der Stunde und daß der Dampfer kurze Zeit nach dem Vuf stoßen auf den Felsen gesunken ist. Mehrere Gerettete tx klärten, viele Passagiere hätten sich auf einen 'SRb'otVroayn gerettet, der sich an Bord befand und der sich auf dem Wasser gehalten hatte. Der Kapitän ist auf feinem Posten gestorben. Seine Frau forderte ihn vergebens auf, sich zu retten. E: erwiderte ihr, dies sei unmöglich. Man fuhr während 10 Minuten in dichtem Nebel, ohne daß der Kapitän Befehl,gab, die Schnelligkeit zu vermindern. Er glaubte vielmehr, n»i einige Minuten im Nebel zu bleiben und war eben in Begriff, Befehl zu geben, als die Katastrophe ftattfank. Die Panik war nicht sehr groß. Die Frauen und Kinvv wurden sofort in Boote gebracht und dann erst rief be: Kapitän, rette sich wer kann. In diesem Augenblick erfolgt aber schon die Explosion der Kessel, und einige Sekundei später war der Dampfer verschwunden. Der Dampfer halt meistenteils Bewohner von London an Bord. Es ist jtß festgestellt, daß die Zahl der Vermißten 89 betrüg! 90 Personen wurden gerettet. Der Kapitän und beinah alle Offiziere sind mit untergegangen. Wien, 1. April. In Hofkreisen hat das von einen süddeutschen Blatte verbreitete Gerücht von der angeblicher Wiedervermählung des Kaisers von Oesterreich einen pein lichen Eindruck gemacht. Es wird erklärt, daß eszva mindesten als taktlos zu bezeichnen sei, dem Kaiser vorilk» lauf des Trauerjahres für die verstorbene Kaiserin tue solche Absicht unterzuschieben. JohaoneSgemeinde. Den 26. März. Dem Station« assistenten Carl Borchers Tochter, Karoline Elise Johanna Henriette, geboren den 17. Den 31. März. Ein unehelicher Sohn, Fran, Alkert QefJz- den 24. März. Beerdigte. MartuSgemeinde. Den 28. März. Georgine Htrfchfeld, geb. Lony, Wit»« l, verstorbenen Schloffermeister- Philipp Htrfchfeld, 67 Jahre all «2 den 25. März. Denselben. Hermann Schwalb, Rentner, ein Witwer, 78 alt, starb den 26. März. Denselben. Karoline Schmidt, geb. Euler, Witwe bd »- storbeven Schuhmachers Friedrich Schmidt, 63 Jahre aU, stark L 27. März. Den 31. März. Johanna Noll, geb. Dösfing, Ehefrau U Packmeisters Johanrns Noll. 32 Jahre alt, starb dm 28. Mir» Denselben. Sophie Seifert, geb. Schneider, Ehefrau dr-üok». motioführerS i. P. Karl Seifert, 72 Jahre alt, starb dm 29. LukaSgemeinde. Dm 31. März. Peter Ott, Lackierer, 70 Jahre alt, stnl> h» 30. März. JohanneSgemetnde. Den 26. März. Rostne Größer, geb. Lang, Eheste u Rentners Philipp Größer, 66 Jahre alt, starb dm 24 März Verkehr, Land und Volkswirtschaft. Gieße«, 1. April. Marktbericht. Auf dem Heun-« Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. 0.90—1.10, Hühnern, per St. 6—7 4, 2 St. 10—11 Enteneier per St. 6—7 eier per St. 11—12 Käse 1 St. 6—8 H, Käsematte per tzl. 34 Erbsen per Liter 20 H, Linsen per Liter 30 H, Tauben per && X 0.90—1.20, Hühner per St. X 1.20—1.80, Hahnen per X 1.30—2.00, Enten per St. X 1.90—2.40, Gänse per X 0.00—0.00, Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 H, Kuh- und Rindflr^ per Pfd. 62—64 3v, Schweinefleisch per Pfd. 60—72 Schwn» fleisch, gesalzen, per Pfd. 76 Kalbfleisch per Pfd. 60-«s 4 Hammelfleisch ver Pfd. 60—70 H, Kartoffeln per 100 Kilo 5.60 hi 6.50 vN., Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Etr. X 8.00-,« Milch per Liter 16 Dauer der Marktzeit von 8 Uhr Morgen« biS 2 Uhr M mittags. Während der ersten 8 Stunden der Marktzeit darf a Umherziehen nicht feilgeboten werden. (ihiipfelihiiirtcu Statt. Schlachthaus. Freibank. 2720 Dienstag den 4. April: Kuhfleisch. Vermietungen Mansardenstock 01099 per 1. Mai oder später zu vermieten. ______Phil. Schaefer, Diezstraße 13. 2871] Kleine Wohnung tu vermieten. ____________________Diezstraße 7. Seltersweg 81, II, i zwei Wohnungen, je 4 Zimmer ic., und eine Wohnung zu 5 Zimmern, alle mit Mansarden zu vermieten per 1. Juli. 2890] Eine kleine Wohnung mit zwei Zimmern und Küche sofort zu vermieten. __________________SelterSweg 6. 01098] Stube mit Küche sofort zu vermieten. Kaplanogaffc 5. 2893] Die Parterrewohnung Grünbergerftraße 12, bestehend aus 5 Zimm, nebst Zubehör, ist sofort oder später zu vermieten. Näheres Wallthorstraße 4. 2863] Liebigstraße 66 der zweite Stock, 6 Zimmer, 1 Mädckenkammer, Gartenanteil rc., per l.Juli l. I. zu vermieten. Näheres Ebelftratze 12, II,_________ 01076] Sandgaffe 46 Logis zu ver- mieten. 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