1890 Freitag den 1 Dezember Amts- und Anzersedlutt fflt den "Kreis Gieszen SeneNM »nz«»«en zu btt na**trt8ermitt(U£4«lttonr Erpetzitian und »rudkrei: --Ntßrntze Ar. 7. Orsttsdeitagek: GreKearr FsmilltMMer, Drr hesirfchr Landwirt, Kiisiter für heische UolkskunSe. «drrffe für Depeschen: Anzeiger fttoftta« Fernsprecher Nr. 51. Gewerbevereins Grünberg statt, wozu stch viele Mitglieder, auch aus den umliegenden Ortschaften, eingefunden hatten. Hauptgegenstand der Tagesordnung bildeten die Vorstandswahlen. Herr Vorschußkasserechner Dippel, welcher seither als Vorsitzender den Verein leitete, lehnte eine Wiederwahl ab, und wurde an Stelle desselben Herr Spenglermeister Heinrich Kaiser einstimmig gewählt. Zum Stellvertreter des Vorsitzenden ernannte die Versammlung Herrn Steinmetz A. Leonhard, zum Rechner Herrn Friedrich Ritter und als weitere VoestandSmitglieder Herrn Wasserwerksverwalter Walther zu Queckborn und einen Herrn aus Weitershain. Im Verlaufe der Verhandlungen wurde die Abhaltung von Monatsversammlungen angeregt, und es sollen solche künftig zur Abwechslung in verschiedenen Orten des Bezirkes tagen. Wie früher, so ist auch für diesen Winter die Veranstaltung von Vortragsabenden geplant. x Grüuberg, 29. November. Herr Gerichtsvollzieher Hefner hier wurde in den Amtsgerichtsbezirk Mainz ver- setzt und wird in Kürze unsere Stadt verlassen. Derselbe hat sich durch die Art und Weise der Ausführung seiner Dienstobliegenheiten in hohem Maße die Achtung der Bevölkerung des Bezirkes erworben, und man sieht den tüchtigen, liebenswürdigen Beamten nur ungern von hier scheiden. Lauterbach, 29. November. Der „Lauterb. Anzeig." schreibt: Es ist uns in dankenswerter Weise der nachstehende Privatbrief einer deutschen Dame in Prätoria zur Verfügung gestellt worden, welcher von allgemeinem: Interesse sein dürfte, da er u. a. die erbitterte Stimmung selbst der eingewanderten Fremden gegen die Engländer widerspiegelt und die Schlacht bei Elandslaagte, wo Oberst Schiel verwundet wurde, erwähnt: „Prätoria, 26. Oktober 1899. Lieber Onkel und Tante! Soeben höre ich, daß heute nachmittag wieder einmal Briefe nach Europa geschickt werden, und so will ich Euch doch auch noch ent kleines Lebenszeichen zukommen lassen. Ich bin seit vier Wochen mit Louischen in Prätoria und wir sitzen mitte» im Krieg. Ihr habt jedenfalls schon alles aus den Zeitunge» gelesen. Vorige Woche sind alle englischen Einwohner, Frauen und Kinder, über die Grenze gebracht worden, sie mußten ihre Geschäfte, Häuser und alles stehen lassen, den» verkaufen kann man in so einer Zeit ja nichts mehr, und nur schnell machen, daß sie wegkamen. Einzelne habe» auch ihr Vaterland abgeschworen, und sie durften natürlich bleiben. Vorigen Samstag war eine furchtbare Schlacht; 600 Buren haben zehn Stunden gekämpft gegen 6000 Briten, da die Buren auf Hilfe warteten und diese nicht kam, mußten sie sich zuletzt übergeben. Aber im allgemeinen ist bis jetzt der Sieg auf unserer Seite; die Buren haben schon drei englische Festungen eingenommen. Hier vom Onkel sind auch drei Söhne im Krieg und der Onkel (der Schwager der Briefschreiberin) selbst ist auch dort beim Roten Kreuz und zugleich Feldprediger. Gestern bekamen wir eine Depesche, daß alles noch gesund ist. Willem (der Ehemann der Briefschreiberin) ist noch in Johannesburg; er wollte nicht haben, daß ich dort blieb, da er hier in Prätoria sicherer ist, denn Prätoria ist von acht Festungen (Forts) umgeben. Es kommen jetzt täglich englische Kriegsgefangene und Verwundete. Vorigen Sonntag kamen 243 Gefangene hier an; man kann sie jetzt täglich sehen die Heuchler und Betrüger, aber jetzt sind sie zahm, sie fressen aus der Hand. Wie lange der Krieg noch dauert, weiß man ja noch nicht. Wenn wieder Gelegenheit ist, werde ich Euch wieder schreiben; wir bekommen jetzt keine Briefe mehr von Enropa, denn die Engländer haben in Kapstadt alles festgehalten. Dieser Brief geht mit einem französischen Schiff über Delagoa- Bai. Mit der Kleinen geht es recht gut, sie ist voller Dummheiten, ebenso geht es mir gut. Angst kennen wir hier nicht, so lange wir nur noch was zu esien bekomme» können, ist's gut." Laubach, 27. November. Gutem Vernehmen nach wird gegenwärtig der Plan zur Gründung eines Alumnates in Laubach wieder eifrig betrieben. Es soll eine in streng christlichem Sinne geleitete Heimstätte für Schüler des hiesigen Gymnasiums gegründet werden. Wie die „N. H. V." hören, begegnet der Plan vielfachem Widerspruche aus de» Kreisen der hiesigen Bürgerschaft, die ihre Interessen durch die Errichtung einer solchen Anstalt gefährdet sieht. Man bezweifelt das Bedürfnis eines solchen Konvikt s, da a» guten und sorgfältig geführten Pensionen in Familien kein Mangel ist. Auch in der lokalen Presie ist der Plan des Alumnates schon eifrig bekämpft worden. m. 283 Zweites Blatt Dezn,rpreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf«, monatlich 76 PfA mit vringerlotza. Bei Poftbezu« 2 Mark 50 Pf* vierteljährlich. Meßmer Anzeiger Mnerat-Anzeiger tMM «ft Knlntaw M ■Uatei». IKwAtHwtUtUt jMrttn bee Nnzei^r -SchrsMch nUctnel »HytoiL Bei den Verwundeten von Elandslaagte. Bon großem Interesse für die Verurteilung der modernen Kriegswaffen müssen natürlich die Erfahrungen sein, die in dem gegenwärtigen Kriege auf beiden Seiten mit den Verwundungen gemacht werden. Der auf den Kriegsschauplatz entsandte Spezial-Berichterstatter des „B. L.-A." konnte hierüber bereits auf Grund eigener Wahrnehmungen in den englischen Hospitälern einige Feststellungen treffen, die er in dem nachstehenden, über Kapstadt gekommenen Briefe näher beschreibt. Der Brief hat folgenden Wortlaut: Eigentümlich ist es, wie rasch die Verwundeten von den Schußwunden genesen. Teils wird dies der vorzüglichen Pflege, zum großen Teile jedoch den neuen Magazingewehren zuzuschreiben sein. Oberst Schiel, der durch das linke Oberbein geschossen war und die ganze Nacht unter einem Mantel, den einer der Gordon Hi.hlanders über ihn geworfen hatte, auf dem Schlachtfelde bei Elandslaagte liegend, zugebracht hat, ist jetzt, nach 14 Tagen, ziemlich fähig, ohne Krücken zu gehen. Er klagte mir gegenüber nur über Schmerzen im unverletzten Unterschenkel, speziell in den Sehnen. Der Mann ist ganz ergraut. Graf Zeppelin ist leider durch einen Schuß in den Kopf sofort getötet worden; Leutnant von Albedyll schwer durch die Brust getroffen, soll im Burenlazareth bei Dundee liegen, von Wichmann ist nach Prätoria vor dem Kampfe zurückberufen worden. Ich kabelte Ihnen diese Vorgänge, die jedoch alle aus meinen Depeschen gestrichen wurden. Man ist englischerseits sehr erbittert, so viele Deutsche und speziell frühere Offiziere auf der Burens, ite anzutreffen. Ich fürchte, daß es manch einem schlecht ergehen wird, der gefangen wird, der deutschen Armee angehörte und für den, nachdem er nun auf der Burenseite angerroffen wurde, diplomatische Intervention unmöglich erscheint. Jin englischen Hospital in Wynberg habe ich einen braven Gordon Highlander gesehen; er mar durch den fiopf in der Augenhöhe geschossen. Man wollte ihn bereits begraben; nach drei Tagen knm er jedoch zu sich und fängt nun an, sich zu erholen. Alle Verwundeten behaupten, keinen Schmerz bei Verwundungen verspürt zu haben, außer vielleicht das Gefühl eines scharfen Nadelstiches. Manche sollen noch bis 400 Meter weitergestürmt sein, bis sie plötzlich ein Gefühl der Müdigkeit überkam, das sich infolge starken, zunächst nicht zum Bewußtsein kommenden Blutverlustes einstellte. Dies sind die Verwundungen durch die von den Buren verwendeten Mausermagazingewehre. Der Eintritt der Wunde ist nicht viel größer als ein Zwanzigpfennigstück (alte Silbermünze), der Austritt der Kugel — denn sie dringt beinahe immer durch fleischige Teile — läßt eine kaum erbsengroße Wunde zurück. Die Dum-Dum-Kugel ist angeblich bisher nicht von England verwendet worden. In Wirklichkeit ist die hierfür ausgegebene Patrone die gewöhnliche Lee Metford-Patrone, an der Spitze mit dünnen Nickel- plättchen bedeckt, durch welche das Blei des Mantels dringt, so eine schwere Wunde erzeugend. Der englische Soldat schneidet nun — was bisher gegen Weiße nie geschah — vor der Schlacht mit seinem Messer einen scharfen Einschnitt in Kreuzform in die Spitze des Bleimantels, die dann beim Eindringen die Wirkung eines Widerhakens hat Jetzt wird nur die einfache Lee Metford-Patrone mit gehärteter Spitze verwendet. Ebenso, obwohl neulich probeweise verwendet, sind die explosiven Liddite-Granate und -Shrapnels bisher noch nicht reglementsmäßig, sollen aber nun in Gebrauch kommen. Wenn ich mich nicht täusche, ist Corditt das Sprengmittel, mit dem sie gefüllt sind. Es wird von englischen Zeitungen behauptet, daß die Buren trotz Unterstützung durch deutsche Artilleristen — denn diese sollen überall spuken — schlecht scbießen. Die unmöglichsten Berechnungen und Statistiken werden aufgestellt, die alle auf falscher Voraussetzung beruhen. Nimmt man als Grundlage einen der neulichen Kämpfe, in dem zirka «000 Buren im Gefechte waren, und nimmt man einen Durchschnitt von 50 Schuß innerhalb sechs Gefechtsstunden für jeden Mann an, so giebt dies 800000 Schüsse. Natürlich sollen einige ,der Buren ihre gesamten 100 Patronen verschossen, andere vielleicht nur wenige Schüsse abgefeuert haben, manche sind überhaupt nicht ins Treffen gerückt. Die Artillerie ist hierbei nicht in Rechnung gezogen. Verwundete und Tote auf englischer Seite waren auf 80 Mann angegeben. Es bedurfte also zirka 4000 Schüsse von feiten der Buren, um einen Mann auf englischer Seite kampfunfähig zu machen- Diese Berechnung läßt zur Genüge erkennen, was von jenen Behauptungen der englischen Blätter zu halten ist. _____________________________________________________ Males und Provinzielles. Gießen, 30. November 1899. ** GeschichtSkalerider. (Nachdruck verboten.) Dor 190 Jahren, am 1. Dezember 1709, starb zu Wien Abraham v. Santa Clara. Originell als Kanzelredner und Schriftsteller, wahrheitsliebend, freimütig und unerschrocken, übte er durch feinen stets treffenden, nie verletz mden Witz und feinen bilderreichen Humor ungemeine Anziehungskraft auf alle ©länbe aus. Schiller verherrlichte ihn in »Wallensteins Lager" (Kapuztnerpredigt). •• Empfang. Se. Königl. Hoheit der Großherzog empfingen am 29. November u. a. den Direktor des Lud- wigs Georg Gymnasiums zu Darmstadt Dr. Mangold, den Polizeiassessor Kraemer, den Kreisrat von Heppenheim Dr. Göttelmann, den Präsidenten deS Ober. Konsistoriums Dr. Buchner. . '* Ruhestaudsversetzung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 29. November den Landgerichtsdirektor bei dem Landgericht der Provinz Oberheffen, Karl Wiener, auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen, treuen und ersprießlichen Dienste mit Wirkung vom 1. Januar 1900 an m den Ruhestand zu versetzen. • • Ernennung. Seine Königliche Hoheit der Groß- Herzog haben Allergnädigst geruht, am 29. November den Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen, Wilhelm Bücking, zum Landgerichtsdirektor bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen mit Wirkung vom 1. Januar 1900 zu ernennen. * * Der Sprechverkehr zwischen Gießen und Hofgeismar ist eröffnet worden. • • Stadttheater. Emil Richard, der am gestrigen Abend mit seinem „Lebrecht" in „Unser Doctor" einen womöglich noch größeren Erfolg hatte wie am Abend vorher als „Bräsig", wurde vor einigen Tagen von Sr. Majestät dem König von Sachsen für den 6. Dezember ds. Js. zu einer Privat-SoirLe nach Dresden eingeladen, in welcher Herr Richard außer Reuter-Interpretationen auch einige Kouplets singen wird, u. a. eines, welches Herr Richard in der morgigen Posse „Ehrliche Arbeit" einzulegen beabsichtigt. Einen ganz beispiellosen Erfolg hatte Herr Richard gestern abend als Lebrecht mit seiner Kouplet-Einlage, in welcher der Künstler mehrere Verse infolge des frenetischen Beifalles improvisierte. Es dürfte also auch in dieser Hinsicht das morgige letzte Gastspiel des Herrn Hofschauspielers Emil Richard von größtim Interesse sein, und ist zu hoffen, daß dasselbe dem trefflichen Künstler und der Direktion noch einmal ein vollbesetztes Haus bringe. Bose Aussichten. Wir haben in letzter Zeit mehrfach Mitteilungen machen müssen, daß die Preise für Waren — zuerst Petroleum, dann der Reihe nach Kohlen, Lederwaren, Uhren — aufschlagen. Jetzt kommt eine neue diesbezügliche Nachricht, nämlich daß infolge Rückganges der Wollschafzucht Wollen und Garne nach und nach um 80 Prozent gestiegen sind. Welcher Artikel wird nun an die Reihe kommen. *♦ Von hessischen Behörden werden steckbrieflich ver- folgtr Bernhard Barkowskt, angeblich aus Bad Ktfsingen, zuletzt tn Mainz, wegen V-rbrrchens bezw. Vergehens gegen SS 267, 26fr 263, 47, 73 des Neichsstrafgefetzes vom Großh. Untersuchungsrichter I zu Mainz; Arbeiter Jakob Braden aus Büdesheim wegen Unterschlagung vom Großh. Amtsanwalt zu Gießen; Schreinergeselle OSkar Christensen aus Kopenhagen wegen Hausfriedensbruchs und Schreiner Johannes Heiser aus KriegShetm wegen Stttlichkettsver- brechens, sämtlich von Großb. Staatsanwaltschaft Mainz; Metzgergeselle Heinrich Dewald aus Weisenau wegen Straf Vollstreckung vom Großh. Amtsgericht Wöllstein; Johann Lucka aus Ober-Roden wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Wald-Michelbach; Fuhrknecht Ernst Fechner aus Jüritz wegen Diebstahls von der Polizeiverwaltung Bingen; Maurer Philipp Fröhlich aus Nieder- wiesm wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Alzey; Schmiedgeselle Michael Hauch auS Ilvesheim aus gleichem Anlaß vom Großh. Amtsgericht Lorfch; Maurer Josef Kreß auS Niederöder- Hohrn und Artist Robert August Psydyz aus Frankfurt a. M., beide wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Offenbach; Hausbursche Johann Meter ans Borkendorf wegen Strafvollstreckung vom Großh. Polizeiamt Bad-Nauheim; Schreiner Johann Meyer aus Ltchtenau wegen Strafvollstreckung vom Großb. Amtsgericht Offenbach; Bäckergeselle Karl Möser auS Ludwigshafen wegen Strafvollstreckung von Großh. Amtsgericht Bingen; Fabrikant Richard Pacharzewsky aus Magdeburg wegen Urkundenfälschung von Großh. Untersuchungsrichter II zu Da.mstadt; Handlungsretsender Georg Pollack, angeblich aus Stuttgart, wegen Betrugs und Schneidergeselle Friedrich Streik aus Mössingen wegen Unterschlagung von der Polizeiverwaltung Worms; Schuhmacher Johann Reitenspteß aus Kleinschwarzenlohe wegen Diebstahls von Großh. Staatsanwaltschaft Mainz; Taglöhner und Erdarbeiter Stanislaus RogalSkt aus Hannover wegen Diebstahls von Goßh. Staatsanwaltschaft Gießm; Fritz Schneider aus St pshausen wegen Unterschlagung von Großh. Amtsanwalt zu Büdingen; Gärtner Otto Giegerich aus Oberrad, Schausteller Philipp Reich ar dt aus Hanau, Schausteller Paul Jakob Unrath aus Heidenheim und Tag- löhner Theodor Vogeler aus Neckarsulm, sämtlich wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Offenbach; Taglöhner Wilhelm Schnürtng aus Gustaosburg wegen Strafvollstreckung von Großh. Amtsgericht Darmstadt I; Dienstknecht Ernst Seidler aus Stolzenfels und Dienftknecht Friedrich Seidler von da, beide wegen Straf- Vollstreckung von Großh. Amtsgericht Oppenheim; Seifensieder Alfred Waller Stengert aus Danzig wegen Betrugs und Dienstknecht Philipp Weber aus Asselhetm wegen Betrugs, beide vom Großh. Amtsanwalt zu Alzey; Dienstmagd Anna Weiß aus Saalstadt wegen Strafvollstreckung von Großh. Amtsgericht Wörrstadt; Metzger und Taglöhner Nikolaus Rüddel aus Mallstadt-Burdach wegen Unterschlagung, Marie Oberle, Ehefrau von Wilhelm Bender aus Griesheim wegen Diebstahls, Hausbursche Richard Ebe aus Grüntngen wegen Diebstahls und Hausdiener und Kondiior Franz Williams aus London wegen Betrugs, sämllich von Großh. Amtsanwalt zu Worms; Dienstmagd Pbilipptne Goller aus Würtingen wegen Diebstahls und Gärtner Hermann Paul Wenzel aus Schleitz wegen Betrugs, beide vom Polizeiamt Mainz; Dirne Heinrich Schmidt Ehefrau Elisabeth geb. Dengler aus Sparneck, Taglöhner Heinrich Groß aus Worms, Dienstknecht Friedrich Reinhard aus Glens- dorf, Fahrbursche Johann Heinrich Cr oll mann aus Gau-Bickelheim und Zimmermann Anton Heinrich Wilhelm Schmitt auS Seifeld, sämtlich wegen Strafvollstreckung von Großh. Amtsgericht Mainz. x Grünberg, Ende November. Im Gasthaus „Zum englischen Hof" hier fand am oerfloffenen Sonntag Nachmittag die diesjährige Generalversammlung des * Darmstadt, 29. November. Die „Nordd. Allg. Z." erfährt, der preußische Gesandte Graf von der Goltz trete unter Verleihung des Charakters eines Wirkliches Geheimrats mit dem Prädikat Exzellenz in den Ruhestand: er soll für eine hohe Hofcharge in Aussicht genommen sein. Zum Nachfolger wurde der Kaiserliche Generalkonsul in Pest, Legationsrat Prinz von HohenloheOeh- ringen, designiert. Laugen, 27. November. Dasausgesperrte junge Ehepaar. Ein junges Ehepaar aus einem Nachbarorte kam dieser Tage spät abends von der Hochzeitsreise zurück und wollte nun in das neue Heim Einzug halten. Aber, o Schreck, Thor und Thür waren fest verschlossen. Alles Probiereu mit dem Schlüssel half nichts, und hätte beinahe das junge Paar auf der Straße die erste Nacht zubringen müssen, wenn nicht der hilfsbereite Schwiegervater mit der Axt beigesprungen und mittelst kräftiger Hiebe auf Thor und Thüre dem jungen Paare Eingang verschafft hätte. Bei näherer Untersuchung fand man, daß ein Spaßvogel die Schlüssellöcher mit Gyps ausgegossen und dem Schlüssel den Weg versperrt hatte. Bieber,29. November. Heber einen aufregenden Vorgang schreibt man der „Offenb. Ztg." von hier: Eine aus drei Herren und drei Damen bestehende Gesellschaft kehrte am letzten Sonntag abend etwa um 8 Uhr vom Felsenkeller nach Bieber zurück und benutzte das linksseitige Trottoir. Zwischen dem Felsenkcller und dem neuen Schießhaus kamen im rasenden Tempo drei Radfahrer auf demselben Fußweg entgegen. Nur noch wenige Meter trennten die Heimkehrenden und die Radler, die alle Zurufe der geängstigten Leute unbeachtet ließen. Die drei Damen sprangen im letzten Augenblicke in den Graben und auf die Fahrstraße, den drei wie toll rasenden Radlern den Fußpfad überlassend. Von den drei Herren, die hinter den Damen gingen, gelang es zweien, durch rasche Drehung einem Zusammenstoß zu entgehen, dem dritten aber, einem auf Urlaub befindlichen Unteroffizier, ging das vordere (erste) Rad über den linken Fuß und streifte das rechte Bein, wobei der Radler zu Fall kam und die Maschine Schaden nahm. Und nun drohte eine umfangreiche Schlägerei. Der zweite, nachstürmende Radler warf sein Rad zu den Trümmern des ersteren, und gab den Befehl, „anzugreifen", was der erste, der ohne Laterne angeraset war, sich nicht zweimal sagen ließ. Er zog den Revolver und hielt ihn einem der Herren, dem Lehrer B., dicht vor die Brust. Die beiden anderen Herren sprangen dem Lehrer helfend zur Seite, und so ging der Revolverheld rückwärts, die Schußwaffe vor sich hinhaltend. Unterdessen gelang es dem Lehrer mit Hilfe seines Sohnes, den zweiten Radler in das neue Schießhaus zu bringen behufs Fest, stellung der Personalien. Der dritte Radler entkam. Hier, in dem beleuchteten Hausflur des Schießhauses, gelang es unter schwierigen Umständen dem zufällig anwesenden Polizeidiener Blümel von Bieber und dem auf Polizeidienst verpflichteten Nachtwächter Kunz, ebenfalls von hier, die Personalien des zweiten Radfahrers festzustellen, ebenso diejenigen des Revolverhelden. Letzterer erschien »och zweimal auf der Bildfläche, und jagte, den Revolver in der Hand, die unterdessen groß gewordene Schar Neugieriger vor sich her, in den Garten des neuen Schießhauses; offenbar wollte der Held mit seiner Schußwaffe seinen unterdessen für verhaftet erklärten Kollegen befreien. Doch genug der Schilderung dieses Vorfalles und ein kurzes Schlußwort. Wenn man bedenkt, daß der Vorfall und Heberfall auf dem Trottoir sich im Dunkeln abspielte, so ist man wohl zu der Frage berechtigt: Welch namenloses Elend hätte durch eine Schlägerei, verbunden mit Gebrauch einer Schußwaffe entstehen können? Zu bedauern ist es, daß ruhig spazierende friedliche Menschen in einer solch empörenden Weise belästigt werden konnten. Die zuständige Behörde müßte unbedingt einen stark benutzten Weg den Radfahrern verbieten. (Das Befahren des linksseitigen Trottoirs ist verboten. Red.) Gerade dieser Weg ist wohl der belebteste im ganzen Kreise. Vor drei Wochen wurde auf demselben Wege ein 12 jähriger Junge von einem Radler überfahren, der ebenfalls keine Laterne hatte. Das Gesicht dieses Knaben dürfte noch lange Spuren des Vorfalles zeigen. Einern 48 jährigen anderen Herrn ging es auf demselben Pfade noch schlimmer, und er hatte obendrein noch alle Mühe, den Kollegen des betreffenden Radlers vor Thätlichkeiten abzuhalten. — Der vorstehend geschilderte Fall wird ein gerichtliches Nachspiel haben. Bingen, 28. November. Zu dem Brande der deutschen Weinkellereien in Büdesheim ist noch folgendes zu erwähnen : Das Feuer soll durch Hm fall en einer mit Benzin gefüllten Kanne entstanden sein; es griff mit großer Schnelligkeit um sich, sodaß das ganze Anwesen im Zeitraum von einer Stunde ein Trümmerhaufen war. Drei Lagerfässer von ea. 120 Stück Wein sind ausgelaufen, die Fässer verbrannt, ebenso ein Rollwagen, ein Landauer und das Mobiliar des Kellermeisters. Die Pferde und sonstige Wagen waren auswärts. Es ist alles versichert, jedoch verursacht die Betriebsstörung großen Schaden. * Biebrich, 28. November. Nach Ausweis der letzten Personenstands-Aufnahme beträgt die Einwohnerzahl z. Zt. einschließlich Militär 14064, ist also im letzten Jahre um zirka 500 gestiegen. Ein rapideres Steigen der Bevölkerungsziffer ist für die Folge zu erwarten, da die Bau- thätigkeit gegenwärtigAeine äußerst rege ist und eine ganze Anzahl von einem eingesessenen Architekten ausgeführte prächtige Bauten teils schon fertiggestellt, teils noch im Entstehen begriffen sind. Kassel, 29. November. Für den erledigten Oberbürgermeister-Posten werden hier besonders folgende Herren als Kandidaten genannt: Rechtsanwalt Harnier und Landesrat, Beigeordneter Knorz. — Ein Wettbewerb um Entwürfe für Arbeiter-Wohnhäuser in Kirchen- ditmold bei Kassel ist von dem Arbeiter-Bauverein in Kassel unter den im Deutschen Reiche ansässigen Architekten mit Frist bis zum 1. März 1900 ausgeschrieben worden. Für die besten Entwürfe sind 5 Preise (800—200 Mark) ausgesetzt. Köln,28. November. Nichtsnutzige Bubenhände versuchten zweimal einen Anschlag auf oberrhei- nifche Züge. Vor Mühlheim legte man den Schlagbaum quer über ein Geleise, wodurch die Maschine eines Eilgüterzuges erheblich beschädigt wurde. Auf der Strecke nach Troisdorf überraschte das Streckenpersonal eine Anzahl Burschen, welche kurz vor der Durchfahrt eines Personen- zuges das Geleise mit Schienenstücken und Holzschwellen verrammelten, in der entschiedenen Absicht, eine Entgleisung des NachtzugeS herbeizuführen. Das Geleise war vollständig versperrt, sodaß ein großes Hnglück geschehen wäre, wenn die Beamten den Anschlag nicht entdeckt und rechtzeitig verhütet hätten. Leider entkamen die Hebelthäter. Von der Behörde ist das Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Erndtebrück, 28. November. Gestern abend gegen 9 Hhr ereignete sich auf hiesigem Bahnhofe ein recht beklagenswerter Hnglücksfall. Dec Maschinenputzer Herling war nämlich im Begriffe, neben dem Bahnmeisterbureau das Geleise zu überschreiten, als die Maschine des nach Raumland fahrenden Zuges herankam. Herling bemerkte dies in dem dichten Nebel nicht und so wurde er von den Rädern erfaßt. Er verlor beide Beine. Der Hnglückliche ist Vater von vier Kindern. Kirche und Schule. Hausen. Am 25. Oktober tagte in der Johannes- kirche zu Gießen die diesjährige Dekanatssynode, zu der fast sämtliche Abgeordnete erschienen waren. Nach dem Gottesdienst, in welchem Pfarrer Eckstein aus Allendorf a. d. Lumda über Psalm 51, 20 predigte, wurden durch den Dekan die Verhandlungen mit Ansprache und Gebet eröffnet. Der alsbald verlesene Rechenschaftsbericht konnte manche erfreuliche Mitteilung machen. Neben den Schatten- fehlen auch nicht die Lichtseiten in unseren Gemeinden, neben der verhängnisvollen Gleichgiltigkeit gegen alles Höhere, gegen Gottes Wort und die h. Sakramente findet sich bei vielen treue Liebe zu Gottes Wort und Gottes Haus. Neben der Religions- und Chriftusfeindschaft, der schreckenerregenden Genußsucht, der Verwilderung und Um botmäßigkeit vieler Jünglinge und Jungfrauen findet sich auch bei vielen ein für die ewigen Wahrheiten aufgeschlossener Sinn, ein frommer, kindlicher, an die in Gottes Wort ge- offenbarten Verheißungen sich feftUammernber Glaube. Ein Volksbuch wie kein anderes ist die Bibel. In ihm sind reiche Lebenskräfte auch für unser deutsch-evangelisches Volk enthalten. Nach dem Vermächtnis des großen frommen Kaisers Wilhelm I. muß unferm Volke die Religion erhalten werden. Ohne sie kann es nicht bestehen. Gott helfe den Irregeleiteten, daß sie wieder zu besserer Erkenntnis gelangen. Das Andenken irn letzten Jahre verstorbener Lehrer und Kirchenvorsteher wurde in Üblicher Weise geehrt. Auf einigen Pfarrstellen kamen durch Versetzungen von Geistlichen Veränderungen vor. Einem Pfarrer mußte wegen seiner angegriffenen Gesundheit ein Vikar beigegeben werden. Zwei Jahresfeste von Zweigvereinen der Gustav Adolf-Stiftung wurden im Dekanate Gießen am 26. Juni v. I. gefeiert, für unseren Gießener Zweigverein in Leihgestern und für den Butzbacher in Kirch-Göns. Beide Feste waren trotz des höchst ungünstigen Wetters sehr gut besucht, die Kollekten wurden für die Diasporagemeinde in Bürgel von den Kirchenvor- ständen bestimmt, die Kollekte in Kirch-Göns betrug 61 Mk., die in Leihgestern erhobene 88 Mk. 70 Pfg. — Drei Missionsfeste wurden in 1898 in Gemeinden des Dekanats Gießen gehalten, in Hausen, in Oppenrod und in Allendorf a. d. Lda. Die Kollekten dieser Feste für die äußere Mission betrugen zusammen 255 Mk. Im November 1898 sand in Gießen das Jahresfest des oberhessischen Vereins für innere Mission statt, bei dem auf Grund eines Referates von Pfarrer Fritsch in Ruppertsburg über „die Gefahren des Wirtshauses" verhandelt wurde. Am Abend des ersten Tages fand starkbesuchter Gottesdienst in der Stadtkirche statt, nach demselben wurden in Steins dichtbesetzem Gartensaal höchst interessante, fesselnde Ansprachen von Professor D. Stamm, dem Vorsitzenden dieses oberhessischen Vereins für innere Mission, und Pfarrer Alberts aus Frankfurt a. M. gehalten. (Fortsetzung folgt.) Alzey, 25. November. Lehrerversammlung. (Verspätet.) Die Thronrede bei Schluß des letzten hessischen Landtages hat der Gehaltsbewegung der hessischen Volksschullehrer neues Leben eingehaucht. Nachdem das Beamtenbesoldungsgesetz den Staatsbeamten, die Gehaltsregulative der Städte den kommunalen Beamten und städtischen Volksschullehrern eine zeitgemäße Gestaltung ihrer Gehaltsverhältnisse gebracht hat, kann eine entsprechende Regulierung der Landlehrergehalte nicht ausbleiben. Die hessische Lehrerschaft ist denn auch an der Arbeit, die baldige Lösung dieser ihrer sozialen Frage zu fördern. So tagte heute dahier im Römerschen Saalbau eine Versammlung rheinhessischer Lehrer. Es waren über 50G Lehrer aus Rheinhessen, auch einige aus den beiden anderen Provinzen Heffens erschienen. Auch die Vorsitzenden der beiden hessischen Lehrervereine — Herr Oberlehrer Backes-Darmstadt und Herr Lehrer Schorn-Mainz — hatten sich eingefunden. Die Versammlung zeigte ein festliches Gepräge: Feier des Geburtstages des Großherzogs und der Großherzogin und in Verbindung damit eine Vertrauenskundgebung zur Großherzoglichen Staatsregierung im Hinblick auf die zu hoffende Gehaltsregulierung. Zum Vorsitzenden der Versammlung wurde Herr Oberlehrer Backes-Alzey, zum Schriftführer Herr Jost-Weisenau gewählt. Herr Backes eröffnete die Versammlung mit einer zündenden patriotischen Ansprache. Er gedachte der warmen Fürsorge unseres Fürsten für sein Volk, wie auch besonders für Schule und Lehrer, wie dies in der Thronrede so hofsnungsfreudigen Ausdruck finde. In das auf unser Fürstenpaar ausgebrachte Hoch stimmte die Versammlung voll Begeisterung ein. Das Referat über die Gehaltsfrage erstattete Herr Lehrer Trau-Weisenau. Derselbe gab in großen Zügen ein Bild der sozialen Lage der Landlehrer Heffens in der Gegenwart. Die Ausführungen. objektiv, sachlich und würdig gehalten, lasten sich kurz so zusammenfassen: Die in der Thronrede angekündigte und durch die Lebeusverhältniffe der Gegenwart notwendig bedingte Gehaltsausbesterung der Volksschullehrer Heffens möge recht bald nach den Grundsätze» deS Beamten-Besoldungs-Gesetzes (gleiche Bildung und Arbeit auch gleiche Bezahlung) entsprechend der Besoldung der seminaristisch gebildeten Lehrer von höheren Schulen, wie auch der der städtischen Volksschullehrer HestenS, erfolgen. Diese Wünsche wurden in der nachfolgenden Resolution niedergelegt, die einstimmig Annahme fand: „Die heute in Alzey versammelten Lehrer Rheinhessens, Seiner Königlichen Hoheit, unserem erhabene» Landesfürsten, für die in der Thronrede beim Schluffe des letzten Landtages so gnädig zugesagte Bestergestaltung der Besoldungsverhältniffe der Volksschullehrer unterthänigst dankend, sprechen Großherzoglicher Staatsregierung ihr unbedingtes Vertrauen aus, in der sicheren Hoffnung, daß hohe Staatsregierung mit den beiden hohen Ständekammern wie bisher für die gedeihliche Entwickelung der hessischen Volksschule eintrete» und die materielle Lage der Volksschullehrer Hessens nach Maßgabe des Beamtenbesoldungsgesetzes und entsprechend den Eingaben der hessische» Lehrervereine regeln werde." Diese Resolution soll der hohen Staatsregierung, sowie den beiden Ständekammern eingereicht werden. Nachdem aus der Versammlung noch einige Mitteilungen und Vorschläge kurz gemacht worden waren, wurde die Besprechung geschloffen. Wohl- thuend waren die Ruhe und Nobleste, mit der die Verhandlungen geleitet und die einzelnen Materien besprochen wurden. Alle Redner, so namentlich auch die beiden oben genannten Vorsitzenden der hessischen Lehrervereine — Herr Backes und Herr Schorn — mahnten zur Würde und zielbewußten Besonnenheit in der bevorstehenden Angelegenheit Alle- dies machte sichtlichen Eindruck auf die Versammlung, so daß dieselbe würdig des hohen Tages, würdig der heiligen Sache der Schule und Lehrerschaft verlief. Rheinhessens Lehrer können stolz sein auf diesen Tag und Erfolg. Universität und Hochschule. Keine Frauen im Männer Kolleg! Der vielgenannten Hörerin des Professors Behrendt, jener Berliner Schulvorsteherin, der von dem genannten Dozenten die Erlaubnis zum Besuch seines Kolleg- über die Prostitution erteilt worden war, haben sich die Pforten des Hörsaals wieder verschloffen. Die Zurückziehung der Genehmigung ist in Rücksicht auf die durch das Erscheinen der Dame im Kolleg, wie ausführlich von uns berichtet, fortgesetzt hervorgerufenen Kundgebungen erfolgt. Professor Behrendt hat bekannt gegeben, er bekenne sich nunmehr zu der Ansicht des Profeffors Waldeyer, daß gewiffe Dinge nicht gemeinsam vor Studentinnen und Studenten erörtert werden könnten. (Er erkenne jedoch das Interesse, welches die Dame in fein Kolleg geführt, ausdrücklich als berechtigt an und beabsichtige, im nächsten Semester über das jetzt von ihm behandelte Thema ausschließlich für Damen zu lesen. Die Erklärung befl Prof. Behrend, durch welche der im Hinblick auf die Entwickelung der deutschen Frauenbewegung zweifellos keineswegs bedeutungslose Fall einstweilen feinen Abschluß gefunden hat, hatte etwa folgenden Inhalt: Ec habe — so erklärte P of. Behrendt vor überfülltem Auditorium zu Beginn seiner letzten Vorlesung, der ersten, welcher die Hörerin nicht detwohnte — den Hörern eine Mitteilung zu machen; vorher müffe er aber dringend bitten, ihn nicht durch Äeußerungm deS Beifalls oder Mißfallens zu unterbrechen, da er sonst sofort seinen Vortrag beenden und den Saal verlassen müffe. Da sich für und gegen die Dame ein so gewaltiger und lärmender Streit erhoben habe, wäre es nicht angängig gewesen, ihr die Erlaubnis zum Hören auch weiterhin zu geben. Sie sei entzogen worden, weil sich herausgestellt habe, daß die feineren, zarteren Gemüter unter den Studenten sich dagegen sträubten, einen Vortrag wie den seinigen gemeinsam mit einer Frau zu hören. Er könne ihnen das nicht verübeln. Wenn er Srudent wäre, würde ihm die Sache wahrscheinlich auch peinlich sein. Diese Szenen hätten nur von neuem den Beweis geliefert, daß Waldeyers Anficht richtig sei: DaS Frauevstudtum sei nur bei getrennten Vorlesungen möglich. Doch nun sei die Sache erledigt, und er würde gar nicht daraus zurückgekommen sein, wenn die Angelegenheit nicht noch ein heiteres Nachspiel gehabt hätte: Er habe von einer anderen Dame, einer Lehrerin W., einen sehr entrüsteten Brief erhalten, auS dem er einige Stellen vorlesen wolle. Zunächst sei ihm darin .Pflichtverletzung" vorgeworfen, weil er der Dame die Erlaubnis zum Hören gegeben habe. Er über- lasse es den Studenten, darüber sich selber ein Urteil zu bilden. Ferner sei von einer „Dtszipltnaruntersuchung" in dem Briefe die Rede, und es werde bemerkt, „e6 sei nicht schicklich für Damen, in den Schmutz des Lebens einzutauchen." Eine solche Bemerkung müffe entschieden zurückgewiesen werden, da in diesen Räumen nur reine Wissenschaft gelehrt werde und kein Schmutz. Auch sei in dem Briefe das Ansinnen gestellt, er solle dafür sorgen, daß die Dame in der Vorlesung keinen sittlichen Schaden nehme. Die Schreiberin behaupte, die betreffende Hörerin habe sicher kein wissenschaftliches Interesse gehabt. Woher sie das wisse, sei ihm schleierhaft. Er selbst habe die entgegengesetzte Ansicht gewonnen; denn alle Vorlesungen, welchen die Dame beigewohnt habe, hätten sich mit sozialwissenschaftlichen Fragen beschäftigt. Seiner Meinung nach wären die Damen nicht nur berechtigt, sich mit der Frage der Prostitution zu beschäftigen, sondern sie hätten auch ein großes Interesse daran. Ihre Thätigkeit in dieser Sache hätte schon vielen Segen gestiftet. Er erwähne nur die Bestrebungen der Vereine „Frauenwohl" und „Jugendschutz", sowie die Heilsarmee, deren soziale Thätigkeit sehr hoch angeschlagen werden müsse. Damit sei nun der Fall erledigt. Der Brief „möge an seinen Ort wandern", und es werde nun hoffentlich auch der Friede wieder in den Hörsaal einkehren. Im nächsten Somm.rsemester aber werde er seine Vorlesungen über Prostitution vor Damen wiederholen und sich freuen, wenn die Hörerinnen der Universität recht zahlreich dazu erscheinen würden. Zur Beurteilung der Sachlage fei im Anschluß an die Mitteilungen des Herrn Professor Behrendt noch erwähnt, daß die für jetzt aus dem Hörsaal entfernte Hörerin sich so eingehend mit sozialwissenschaftlichen Fragen beschäftigt hat, daß sie im vorigen Semester im Seminar des Professor- Wagner einen Vortrag über die Lage der Fabrikarbeiterinnen halten durfte. Epnantttr Der außerordentliche Profeffor in der philosophischen Fakultät zu Kiel Dr. Säckel zum ordentlichen Professor derselben Fakultät. — Der Bibliothekar und Profeffor der Klausenburger Universität, Dr. Zoltän Ferenczy, zum Direktor der Budapester Universitätsbibliothek. — Zum Nachfolger von Lord Kelvin (William Thomson), der »ach SOjähriger Lehrthätigkeit von der Professur für Nataral- Philosophy an der Glasgower Universität vor kurzem zurückgetreten, Prof. Andrew Gray. Berkin, 29. November. Der Geheime Medizinalrat Profeffor Dr. Liebreich, Vorsteher des hiesigen Pharmakologischen Instituts, ist schwer erkrankt. Berkirr, 29. November. Der Wahlkampf um das Direktorium der akademischen Lesehalle ist mit einer polizeilichen Beschlagnahme eingeleitet worden. Die national-antisemitische Part« ließ ein Flugblatt verteilen, das keine Angabe über den Drucker enthiett und daher beschlagnahmt wurde Die Antisemiten stellen 7 Kandidaten auf, darunter 2 Mitglieder des Vereins deutscher Studenten, einen Vertreter der V.-E.-Turnerschaft, je einen Vertreter vom „Wingolf" und vom nationalen Verbände wissenschaftlicher Vereme, sowie zwei „nicht- inkorporierte" Herren. Die Fmkenschaft will eine eigene Kandidatenliste aufstellen. Die Wahl wird am 8., 9 , 11. und 12 Dezember stattfinden. Leipzig, 29 November. Von Paris aus sind jetzt die Einladungen für den im kommenden August dort stattsindenden Intern rarostadt/29, im Sinne der SM®5',1 daher in eine Geldstraf' A Tagen Haft zu ° ,-rurteilt. GleichM" den Meldenden TeN schirm tw, ta $u weMWn EM hält das W den?! nete Mager ihMchirch Stadtverordneten-Lersc Der erste Gelindelauf Aussage des Zeugen € §s,tholog SW tun LIH(l,rrtn sind n,?L(6tiauT9@em WverMi wOtben .MS°S'7/ZahresS° an der W® werden 1W ö @e fl[| WK-» SÄS ge*»> u 611 aer sofoi KAK6 ii ai, &•>». &e6ilb4s^ 1 S beä [eÄneM fyn Stoh'^^nifje »^h; ÄrS «j^ts ® D°L IeMntr ?ßtWtet L^b 1 1 ’ein aus biefen Willi. Kolleg' LV’MlM «™, btt em ‘RiwÄoltfli «. hab« s,ch Ze I«. Die Znrij. «I die durch das ^lührlich öon i^g ^gtbungen erfolgt. nt gegeben, et Mejfotf Wcheyer, Studeutinuen und ‘Menne jedoch das leg fltf^r/, M, Uge, im nächsten ;he Thema auö- TtNtMg tu Mck aus die tzni- ivüsellvtz keineswegs i Abschluß gefunden wr überfülltem Sndt- >u elften, welcher die Ililtetlung zu michm; hi durch Äeuhnimgm 3, da er sonst sosort n müsse. Da sich für nnenbet Streit erhoben Erlaubnis zum Hören irten, weil sich herauS- r unter ben ßtubmltn 3 Idnigtn gemeinsam daS nicht verübeln. )t wahrscheinlich auch wm den Beweis -e- atz Hrauevstudium sei >ch nun sei die Sache jgefommm sein, wenn ifpiel gehabt hätte: Er r SB, einen sehr ent- Stellen vorlesen wolle, oorgeworfrn, weil et eben habe. Er überein Urteil ,u bilde», ana" in dem Briese 6 sei nicht schicklich uchen." Eine solche Le- i da in diesen Räume* ; Echaich. «uch !-> « r sorgen, daß dir Dam ie Die Schreibmn W | T'Ä*? 1 SSStf ! LmennichiMbeeech b-schältig-o, f°n.bcIlL tätigtet in bl£25 ,/mu die Bestrebung , 2*3. roexbt « iE »°r- !-8Z- . ifl ber tä&sst ÄSsZS ,i> (**>•*- i I ..*21*. X**' -M üier den v «ewbflWl Ä ÄS»1.....1 jta! bringt die Dresdener Bank 165 bz. per November, 165.60-50 br. per Doeembor notiert sein. Limburg «. d. Lahtt, 29. November. Fruchtmarkt. Durchschnittspreis pro Malter. Roter Weizen 12.99 3JH-, Weißer Weizen 12.80 Mk., Korn 11.33 Mk, Gerste 9.57 jM., Hafer 6.71 Mk., Erbsm —.— M., Kartoffeln —Mk. Wechsel auf New-York zu 4.201/a~211/2- Prämien auf Kredit per ult. Januar 3.30%, do. per ult. Dez. 1.80%, Diskonto Kommandit per ult. Nov. 0.00?/ , do. per ult. Dez. 1.50%, per ult. Jan. 2.70, Lombarden per ult. Jan. 1.10% do. per ult. Dez. 0.70%, Staatsbahn per ult. Dez — Notierungen: Kreditaktien 235.90-80-00, Diskonto-Kommandit 195.50-20-00, Staatsbahn 141.70-00, Gotthard 144.00 0000, Lombarden 32.10, Ungar. Goldrente 97.80, Italiener 94 00-00, 6prozentisch Mexikaner 00.00, 3proz. Mexikaner 25.70-00, Oesterr. Coupons 84% Amerik. Coupons 4.19%, Privat-Diskont 5% G. 1% bis 2% Uhr: Kredit 286.20-0.0000, Diskonto Kommandit 194.90-195.10, Staatsbahn 141.70-, Lombarden 32.30, Türken C 00.0 (Bank Ottoman sollten gestern 112.70-90 notiert sein.) Gestern abend bis 6% Uhr sollten Laura- 258—258 60 bez. nationalen Psychologenkongreß versendet worden. Auch du I Universität Leipzig wird auf diesem Kongreffe vertreten fein: gehören | doch auf diesem wiffenschaftlichen Spezialgebiete hervorragende Leipziger Gelehrte dem Organisationskomitee zu jenem Psychologenkongreffe an. tzs sind dies die Herren Geh. Medizinalrat Profeffor Dr. Flechsig, Direktor der psychiatrischen und Nervenklinik, Geh. Hofrat Profeffor Dr Mundt, Direktor des Instituts für experimentelle Psychologie, und Geh. Medizinalrat Profeffor Dr. Hering, Direktor des psychologischen | Institutes unserer Universität. 1 Göttinger», 29. November. Die hiesige Universität zahlt in diesem Semester 1238 Studierende und 87 nichtimmatrikulierte Hörer und Hörerinnen, die höchste Winterfrequenz der letzten 70 Jahre. verschiedene-: Man schreibt aus der Schweiz: Die Gehalte der ordentlichen Professoren an den verschiedenen kantonalen Hochschulen sind nicht sonderlich hoch, ein Umstand, der bei dem Mangel einer Pensionsberechtigung Gelehrte oft abhält, einem Rufe an eme schweizerische Universität zu folgen. Dem Genfer Großen Rate ist nun eine Spezial- Vorlage gemacht worden von Seiten der Regierung, welche sich nut ber Festsetzung deS Jahresgehaltes für das Profefforat der klinischen Medizin an der Universität Genf befaßt, welches zurzeit unbesetzt ist, und zwar werden 15,000 Franken als Jahresbesoldung verlangt. Von der Genehmigung dieses Gehaltes, welcher in dieser Höhe an kemer fchwe'rer- ischen Hochschule gezahlt wird, dürfte es abhängen, ob der zurj Besetzung des vakanten Lehrstuhles vom Staatsrat tn Vorschlag gebrachte Kliniker Bard zurzeit Arzt der Hospitäler in Lyon, dem an ihn ergangenen 9lufe Folae leistet. — Der a. o. Profeffor für rabbinische Litteratur Dr. Adolf Neubauer hat nach 30jähriger Thätigkeit infolge geschwächter Sehkraft seine Stellung als Unterbiblwthekar an der Bo<^ei^'£ Oxford niedergelegt. — Die Engländer werden nach dem Muster der British School of Athens auch eine British School at Rome gründen. Klassische Archäologie wird ihr Hauptzweck sem, doch wird auch christliche Archäologie, Palaeographic, mittelalterliche Geschichte und Kunst in ben Rahmen ihrer Studien fallen. - Aus Paris wird der Tod des Pro- seffors A. Giry gemeldet, eine der ersten Grützen an der Ecole nationale des chartes, an der „diplomatische Urkunden" fern Hauptlehrgegenstand waren. Von seiner Geschichte der Karolinger war der erste Band jetzt gerade erschienen. GerWssaal. Darmstadt, 29. November. Das schon in der Hauptsache erwähnte schöffengerichtliche Urteil vom 28. dss. Mts. der Privat- klagesache des Stadtverordneten Mayer gegen ben^Schneibermelster Wittmer von Beffungen lautet nach dem „Tagl. Anz. wie folgt: Der Privatbeklagte Wittmer ist der Beleidigung des Stadtverordneten Mayer im Sinne der §§ 185, 186 des Straf-Gesetz,Buches .schuldig und wird daher in eine Geldstrafe von 30 Mk., die im UnembrmgUchkeitsfalle mit 6 Tagen Haft zu verbüßen ist, und in d,e Kosten des Verfahrens verurteilt. Gleichzeitig wird dem Beleidigten die Befugnis zugesprochen, den entscheidenden Teil des Urteils 14 Tage nach Rechtskraft auf Kosten des Angeklagten an gleicher Stelle, an der der inkrimmierte Artikel erschienen war, in den „Neuen Hessischen Volksblättern , zu veröffentlichen. Die wesentlichsten Entscheidungsgründe sind: zu Punkt 1 der Anklage hält das Gericht den Nachweis dafür erbracht, daß der Stadtverordnete Mayer thatsächlich zur Förderung seines eigenen Interesses an den Stadtverordneten-Nersammlungen teilgenommen und mltberaten habe. Der erste Geländekauf habe im Januar 1896 stattgefunden-, aus der Aussage des Zeugen Saam, an dessen Glaubwürdigkeit nicht zu zweifeln Berstadt hin'wird über dal massenhafte Auftieten des Ungeziefers geklagt. - Bei den Wintergetreidearten Weizen und Roggen zeigt sich die Erscheinung, daß die Frühsaaten schlechter stehen, als die Spät- saaten, was auch eine Folge der zu guten Witterung ist. ’ M. Aus der mittleren Wetterau, 28 November. Als ein überaus seltenes Vorkommnis darf es betrachtet werden datz m unserer Gegend, die sich bekanntlich durch eine treffliche Gänsezucht aus- zeichnet, schon jetzt, Ende November, junge Gänschen ausgebrütet rootbe* sind. Während in anderen Gegenden nach der Bauernregel »Paulr Bekehr (25. Januar) gibt die Gans ein Ei her die Gänse erst Ende Januar das Legegeschäft zu beginnen pflegen, hat man bei uns schon zwei Monate vorher junge Gänse. So früh hatte man sie auch h noch nicht. Zu Ostern sind diese jungen Martinsvdgel vollständig flügge unb ausgemästet und werden in Frankfurt, besonders von den Israeliten, um den doppelten Preis gegen jetzt bezahlt. sei gebe hervor, daß Mayer mit der fertigen Kaufnotul zu Wittmer ge- I kommen sei, und daß dies nicht nur eine Gefälligkeit S-we en bezeuge die Thatsache, daß Mayer den Wittmer gebeten habe, seinen Test des i. i Kausschillings vorzulegen. Daher bestand |bie Teilnehmerschaft May rs | I schon bei den ersten Ankäufen. Was die Anzahl der „geretteten Qua- I - I bratmeter“ anlangt, fo ist bas Gericht ber Ansicht, baß allerbmgs, | ' 1 wenn auch projektierte Straßen unb Vorgärten nach bem neuen Plan Mayers nun in bebaubares Geiänbe gefallen seien, andrerseits aber auch bebaubares Geiänbe in Straßen unb Vorgärten verwandelt worben sei, die Anzahl ber bebaubaren Quadratmeter sich dadurch aus- geglichen habe; jedenfalls sei bem ganzen Gelänbe aber durch den neuen Blan ein ganz anderer Charakter und zweifellos ein höherer Wert verliehen worden. Der gegen Mayer erhobene Vorwurf sei daher ge= rechtfertigt- denn Mayer habe, wenn er auch die öffentlichen Interessen | mch außeracht gelassen habe, doch vornehmlich zur Forderung seines eiaenen pekuniären Vorteils gehandelt. Bezüglich der Angelegenheit bet dem Ankauf des Chauffeehauses set der Beweis ^ ^ ^eußerung des Mayer, wie sie Wittmer ihm vorgeworfen habe, nicht erbracht, es set vielmehr anzunehmen, daß Mayer vielleicht eine ähnliche Aeußerung ge- than habe, die sich aber nicht direkt auf sein Amt als Stadtverordneter bezogt Was die Steuerangelegenheit anlangt, so sei es ähnlich wie mit ber Trigen Aeußerung. Die Beteiligten hatten sich bezüglich ©teuer, fraae im Unklaren befunben unb fei es baher wahrscheinlich, baß Mayer einen Vorschlag gemacht habe, den Wittmer so auffaßte, rote er es bem Mayer nachsagte. Ein Beweis für ein Verschulben Mayers sei auch tn dieser Hinsicht nicht erbracht, umsomehr als burch bie Zeugntsverwetger« ung bes Reqierungsrat Krick, bas bie sachbienlichste Auskunft hätte geben können, volle Klarheit in dieser Sache nicht geschaffen werden konnte. Der vom Verteidiger geforderte Schutz des § 193 sei nicht zu gewähren da eine Wahrung berechtigter Jetereffen int Sinne des Gesetzes auf Seiten Wittmers nicht vorliegen konnte, was schon aus den hämischen Redewendungen in dem betreffenden Artikel hervorgehe. Da die von dem Angeklagten dem Privatkläger nachgesagten Beschuldigungen zum Teil erwiesen worden seien, zum anderen Teile aber Mißverständnisse | Vorlagen halte das Gericht eine Geldstrafe von 30 Mk. für angemessen. Landwirtschaft. ? Gießen, 28. November. Nach dem letzten Nachweis de« landwirtschaftlichen Provinzialvereins beträgt die 2)1»« gliederzahl desselben nahe am Ende des Jahres 1839, während sie zu Anfang 1392 betrug Es sind also im Laufe des Jahres 447 Mitglieder beigetreten. So ansehnlich und erfreulich dieser Zuwachs auch erscheint, so entspricht er doch kaum den Erwartungen, wenn man berücksichtigt, daß der Mitgliederbeitrag im vorigen Jahre von 5.20 Mk. auf 3.— Mk. herabgefetzt worden ist. Viele Landwirte wollen aber auch diesen Betrag noch sparen, sie übersehen daber aber, daß sie sich selbst am meisten schaden. Woher sollen sie Anregung zur Verbefferung ihres Betriebes erhallen, wie soll ihnen Kenntnis und Verständnis von der großen Zahl nützlicher Einrichtungen werden, wenn sie nicht die Vereinsieitung lesen und so die Arbeiten bei Vereins verfolgen! Dem Schreiber dieser Zeilen ist es passiert, daß in einer Versammlung über den landwirtschaftlichen Verein rai omert wurde, der das und das und jenes nicht gethan hatte. Als ihm darauf von einer Seite entgegengehalten wurde, daß die meisten der von den Herren Kritiker gewünschten Einrichtungen thatsachlich schon beständen, mußte er gestehen, daß ihm das nicht bekannt sei. Viele Landwirte kümmern sich eben noch gar nickt um die Thätigkeit des j landwirtschaftlichen Vereins, sie ist vielen noch ganz glewbgulhg. 50te Vorträge, die abgehalten werden, laffen sie sich zwar gefallen, aber damit ist auch ihr Jntereffe erscköpft. Sollen die großen vom landwirtschaftlichen Verein aufgewendeten Mittel für die S^te Land wirtschaft zweckentsprechend verwendet werden, so muß die Mehrzahl _______ „ <Än‘ M « Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. ,u SÄ’" "E * bCibCt3t* I KÄMSÄS? Frankfurter Börse vom 29. November. Jteu! 8312 GESELLSCHAFT, Berlin W. 57, äusser ihrer altbekannten vorzüglichen Suppenwürze in allen Delikatess- und Kolonialwaren-Geschäften folgende Neuheiten zum Verkauf: unter Ihrer geschützten Fabrikmarke Pfg. Pfg. Pfg. fflAGGl’s Gluten-Kakao in Ohne weiteren Zusatz, nur mit Wasser, sofort herstellbar! 1. Gelbes Band (Vanille). 9. Rotes Band (Anis). 3. Grünes Band (Kola). 4. Blaues Band (Special). IflAGGl’s Bouillon-Kapseln sind durch einen Parafßnüberzug geschützt. Jede Kapsel für Fleischbrühe enthält 2 Port, konzentrierten Auszug von bestem mitGemüse abgekochtem Fleisch nebst dem nötigen Kochsalz. MftGGl’s Bouillon-Kapseln für Kraftbrühe enthalten extra stark konzentrierten entfetteten Fleischsaft von feinstem Auszug und sind äusser für körperlich und geistig stark Angestrengte besonders wertvoll auch für Kranke und Genesende. zum Würzen. Probe-Fläschchen für MftGGl’s Gemüse- und Kraftsuppen sind nur mit Wasser in wenigen Minuten herstellbar. In 25 verschiedenen Sorten der beliebtesten Suppen erhältlich. Gemüse-Kraft- Suppen in Würfeln zur sofortigen Herstellung von 2 PORTIONEN vorzüglicher SUPPE für verbindet seltenen Wohlgeschmack mit grösstem Nährwerte und ist folgenden Sorten erhältlich: Bouillon-Kapseln zur sofortigen Herstellung von 2 PORTIONEN feinster KRAFTBRÜHE — entfettet, extra stark — Gluten-Kakao in Würfeln anr sofortigen Herstellung eines ausgezeichneten KAKAO-FRÜHSTÜCKS für Bouillon-Kapseln zur sofortigen Herstellung von 2 PORTIONEN kräftiger FLEISCHBBÜEE — fett — für Wenigs Tropfen genügen, um augenblicklich jede Suppe eid jede schwache Bouillon gut und kräftig zu machen. Fläschchen: No. I. No. 2. Original; 65 Pf. 110 Pf. Nachgefüllt: 46 „ 70 „ Aufruf! Klein-Linden. In dem zwischen England und den südafrikanischen Buren-Republiken entbrannt?« Krieg hat das Zentral-Komitee der Deutschen Vereine vom Roten Krenz nicht gesäumt, die Hilfe des Deutschen Roten Kreuze» dem Britischen Zentral-Komitee und der Regierung von Transvaal anzubieten. England hat dankeud abgelehut; Transvaal dagegen dankend angenommen. Es sind Vorbereitungen getroffen, in diesen Tagen schon von Hamburg aus eine vollständig ausgerüstete Kolonne von Aerzteu, Kraukenpstegeru und -Pflegerinnen mit Krankenpflege- Material re. in größerem Umfange nach dem Kriegsschauplätze zu eritjenbtn. Weitere Sendungen, namentlich an Pflegematerial, können nicht ausbleiben. Die naturgemäß hierfür aufzuwendenden bedeutenden Geldmittel erfordern eine umfangreiche werkthätige Hilfe, die in Deutschland umsomehr erwartet werden darf, als es sich um uns stammverwandte Völkerschaften handelt. Als Vertreter des Roten Kreuzes in Hessen wenden wir uns an unsere Mitbürger, deren lebhafte Teilnahme an der tragischen Entwickelung des entstandenen Konflikts wir voraussetzen dürfen, und fordern sie zur werktätigen Hilfe auf. Die uns zufließenden Mittel werden dem Zentral-Komitee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz in Berlin übermittelt werden. Meinen neu erbauten, ca. 300 Personen fassenden Saal, der Neuzeit entsprechend, sowie daran anschließende Zimmer, empfehle Gesellschaften und Vereinen zu den bevorstehenden Feiertagen zur gefälligen Benutzung. ff. Pilsener aus der Gambrinus-Brauerei Butzbach (C.J. Melchiors Weine Weine. Hute Küche. Aufmerksame Bedienung. 19^* Sorausöestellnngen öitte rechtzeitig an mich zu richten. 8182 Hochachtungsvoll Heinrich Bernhardt, _______________________Beruhardtshäuserhof._______ Große Auswahl angekleideter Puppen Darmstadt, den 7. November 1899. Der Vorstand des Hessischen Landesvereins vom Roten Kreuz. A. Weber, Finanzmintster a. D. Ehrenvorsitzender. Dr. Weber, Ministerial-Sckretär Schriftführer. Bachner, Oberkonsistorial-Präsident Vorsitzender. Bezugnehmend auf vorstehenden Aufruf bitten wir die Mitglieder des hiesigen Zweigvereins vom Roten Kreuz und alle unsere Mitbürger um Zuwendung von Beiträgen zu den nach Transvaal zu sendenden Unterstützungen des Deutschen Roten Kreuzes, indem wir auf die stets bewährte Opfersceudtgkeit der Gießener Bevölkerung rechnen. Beiträge, über welche demnächst öffenllich quittiert werden wird, nehmen zur Weiterbeförderung gerne entgegen außer dem unterzeichneten Vorsitzenden des httsigen Zweigvereins, dessen Rechner, Staats- auwaltssekretär Manu dahier, sowie die Expedition des Gießener Anzeigers. Gießen, den 17. November 1899. Der Zweigverein vom Roten Krenz. Jockel, Landgertchts-Direktor, 8153 Vorsitzender. Zu Weihnachtsgeschenken besonders geeignet empfehle Familien-Nithmaschinen aus den renommierten Fabriken 8084 Seidel & Kaumann in Aresden und Kritzner in Aurlach. Die Maschinen find hinsichtlich Material und Arbeit unübertroffen und mit den neuesten Verbesserungen versehen. Geringste Abnutzung. Größte Leistungsfähigkeit. Wuhiger und leichter Gang. — Weesse Garantie 3 Jahre. - Willigst gestellte Preise. - Th. Haubach, KchnhofßrrHe 40. Vermietungen 7604] Liebigstr. 64 ist der 3. Stock, vier Zimmer mit Zubehör, zu vermieten. ___________Joh. Häuser, Klein-Linden. Der 3. Stock im Hause Grünbergerftr. 12, best. aus 5 Zimmern n. Zubeh. sof. z verm. 7014 Näheres Wallthorftratze 4. 7723] 3-Zimmerwohnung sofort zu vermieten._________Marktsiratze 32. 7858] Mansardenwohnung, 3 freundl. Zimmer, Küche, Wasserleitung nebst allem Zubehör, per sofort zu vermieten. __________________Rordarrlage 11. Zu vermieten Gtephanstratze 15 Parterre und 1. Stock, je 6 große Zimmer mit all. Zubeh., Gas- u. Wasser!., Klosetts, Gartenanteil; ferner Mansarde, 3 schöne Zimmer u. Küche. Näh. Alicestr. 19,1. 8813] Lahnstratze 10 ist em kleines Logis zu vermieten. Zu erfragen bei Frau Klein daselbst.___________________ 04280] Schöne Mansardenwohnung per sofort oder später an ruhige Leute zu vermieten.___________Edersiratze 1. Kanzleiöerg 9 eine Wohnung von 5 Zimmern mit Zubehör per 1. Dezember zu vermieten. Zu erfragen in der Expedition dieses Blattes von 10 bis 2 Uhr._____________________ 6595] Westanlage 51, 2 Tr. hoch, schöne 6—7 Zimmer-Wohnung mit allem Zube- hör sofort zu vermieten.__________________ 7561] Ein Zimmer mit Kabinett, eine Treppe hoch, an ruhige Person zu vermieten___Asterweg 47. 8115] Möbl. Zimmer zu vermieten. ____________Bahnhofstraße 28, I. 8189] Freundl. möbl. Zimmer zu Vermietern__________»ruchstratze 5, H. 04289] Anständiger Arbeiter kann schöne Schlafstelle erhalten. _____________Asterweg S, Hof links. 7462] Laden mit Wohnung zu vermieten Reuen-Bäue 1. Mietgeluche VartkMWhnuug -der erste Etage per Januar zu mieten gesucht. Offerten an die Gewerkschaft Elisenburg, Bahnhofstraße 61. 04300 empfiehlt in solider Arbeit za billigsten Preisen Kinder-Bettstellen Feder-Deckbetten and Feder-Kissen in Jeder Preislage. Patent-Matratzen vieler bewährter Systeme Rosshaar-Matratzen »OOOOOOO9OOOOOOQC Betten- und Wäsche-Geschäft Bettstellen in Holz und Eisen Patent-Bettstellen 8298] 4-Zimmerwohnung zu mieten gesucht. Offerten unter W. 8298 an die Expedition dieses Blattes._________________ B0** Möbliertes Zimmer, "HUK eventuell mit Pension, per 1. Januar zu mieten gesucht. Offerten unter 04299 an die Expedition dieses Blattes. 04307] Gesucht werden Mädchen für Küche und Hausarbeit für gleich und Weihnachten. Zu erfragen bei Frau Müller, Teufelslustgärtchen 26. 3it Verkäufen (Offene Stellen 04283] Pferdeknecht gesucht. I. Kahl, Frankfurlerstraße 151. Hausvursche i auf sofort für eine Schreinerei gesucht. Wilh. Weigel, Löberstraße 9. 8284J Junger, tüchtiger, solider Hausbursche wird auf 6. Dezember gesucht. _____________________«aiserhof. Wirtschafterin ältere Person, sofort von Arzt in der Umgegend gesucht. Gute Behandlung. Dauernde Stellung. Offerten mit Lohnangabe unter 8335 an die Expedition dieses Blattes. Grüble zuWeusoktikttrinnkn für dauernde Beschäftigung gesucht. 8136 Hermann Heß. Jeder lesen! Streng reell! ear Weltberühmt! -w Polardaunen (Gesetzlich geschützt.) Nur Z Mark per Pfund. Weltberühmte Spejlalltäl ersten RanaeS I Ueber» trifft an dauernder Füll kraft, Weichheit ».Halt- barkeit alle anderen Sorten Daunen zu gleichen Preisen! In Farbe den Slderdauncn ghnlich! Garantirtneui Beste Reinigung! Vollständig ge- brauchssertigl Für bürgerl. u. fein sie Ausstattung., ebenso für HStel- u. AnstallS-Linrichtungen aan» vorzügl. geeignet I Jede» belieb.Quantum zollfrei gegen Nachnahme! NichtgesallendeS bereltwilligft aus »usere Kosten zurückgenommen. PeCher&Co.tn Herford -Nr.40i.WeMl. WT Vrotzeu (auch Muster geeigneter vettototr«) . nmfoMft und vortofteik Harzer Kanarienvögel, gute Sänger, zu haben. 04143 ________________Tonrrerrstratze 1». 7605] Ladeneinrichtung für Kolonialwaren billig zu verkaufen. Klinikstraße 22, Ecke Frankfurterstraße. Kimarikuvögel?n verkaufen. 8213 «irchenplatz 11, II. von den billigsten bis zu den feinsten. W* Puppen-Köpfe und -Gestelle Gelenk-Puppen in allen Grützen sowie alle Puppeuteile, PuPpeuWäsche, -Kleider, -Schuhe, -Strümpfe* Auppen-Keitanstatt. Reparatnren an Puppen werden schnellstens ausgeführt. 807< J, H. Fuhr, Sllnnkllstraße 25. Fleisch ohne Knochen chöne, magere Stücke, zu Cervelatwurst besser geeignet, wie Bullen- und Rindfleisch a Pfund 30 Pfg. Bei Abnahme von 100 Pfund ä Pfund 2S Pfg. 8329 Kessler, Mferdemeßger. MrellWe Kenten-Dttfichkrungs-Anstalt Gegründet 1838. Vermögen r Besondere Staatsaufsicht. edvllUI. 108 Millionen Mark. Versicherung von sofort beginnenden und aufgeschobenen Renten mit Gewinnbeteiligung zur Erhöhung des Einkommens und Altersversorgung. Kapitalversicherung auf den Erlebensfall. Geschäftspläne und Auskunft bei 31 Heinrich Hochreuther in Gießen, Südanlage 5. Gothaer Nbensverficherungsbank. Versicherungsbestand am 1. September 1899: . 766^ Millionen Mark. Bankfonds am 1. September 1899 .... 5847V5 „ „ Dividende im Jahre 1899: 30 bis 187 Prozent der Jahres-Rormal- 60 Prämie — je nach dem Alter der Versicherung. Heinrich Hochreuther, Südanlage 5. Visitkarten in jeder beliebigen Schriftart and Kirtonsorte werden tu mässigen Preisen angefertigt in der BröhTschen üniv.-Drnckerei (Pietsch Erben) Sohulstrasee 7. KoMussiioüö-KUsr für Ultimo Uovembrr 1899. Mitgetheilt von J. Kurs & Co., Giessen, Aatzrrtzofstraße 63. 3<>/o Deutsche ReichSanl. 30/0 Preußische Consols 4% Egyptische untfic. 40/0 Griechen von 1887 50/0 , „ 1890 3% Italiener Rente 5% w 3J/o Mexikaner Berliner Hanbelsgef. Darmst. Bank Deutsche Bank Disconto Comm. Dresdner Bank Oester. Länderbank Hess. Ludwigsbahn Lübeck-Büchen Gotthard Nordd. Lloyd Hamb. Amer. Packs. 89.50 5 /o Mexicaner 42.50 89.50 47,0/0 Oesterr. SUberrente 99.- 105.50 3% Portugiesen 24 50 48.- 4% Rumänier 84.- 39.50 3V8°/o Russen —— —» 58.- 50/0 Zoll-Türken 100.— 93.50 40/0 Spanische Rente 66.50 25 50 5% Chinesm 97.— 170 — Mitleid. Creditb. —- 149.— Nationalbank f. D. 146.— 209.— Oesterr. Credit 233 — 193.- Wiener Bankverein 137.— 165.- Banque Ottomane 112.50 119.— Ungar. Creditbank —.— —.— Prince Henri 115.50 161.— Italien. Mtttelmeer 101.— 143.- Jtal. Meridional 134.50 126.- Veloce 63 — 130.— Türk. Tabak Kursbericht er« J. Kurz & Co., chießm, Kahshssstrap 63. Frankfurter Börse vom 29. Novmeber 1899. Stflttot 87, Dmtsche ReichSanl. 98.85 8 Preuß. SonsolS 89.50 81/, Sr. Hessische Obl. 96.66 4 Stadt Darmstadt v. 1891 C 00.00 4 Stadt WormS unk. b. 1901 100.30 3 Oesterr. StaatSbabn v. 1885 84.70 3 Jta!. staatSgar. Sisenb. 67.55 Proreut 47» Oesterr. SUberrente 98.75 4 Ung. Gold-Rente 97.80 8 Portugiesen 24 80 6 Mexikaner amort. S. LIM 42 10 4 Monopol-Griechen von 1887 48.20 4 Eisenb. Rentenb. Obl. 99 60 4 BuderuS Obl. 00 00 B1/» Frankstr. Hyp. Bk unk. b. 1906 96.45 81/» Frkf.Hyp.