I»»t erein. N ’eittber 1899: ma. acs, n /feiger Wfli6» UMChauk ^s- u. Abendkarte'5 Wossol-Caviar, igen von • Max Dreyer, m Büller. !k<>Watigk«ts-Zmm Kich»,) d-°dS 8'/, Uhr: ^eU-Änzert 112t igen und Tanz. Der Vorstand. Schulkinder bestimmt. össmng. nein Geschäft vsn Hkadenöach nat Katze 10 -SM-Ms 98.11 9716 25« 42.« 4186 100.00 00 ö« *•£* len« etit* ZSM X grollt »icb,t ia** mtzm nach Matz M «uckschaft Herstellen laste. n Prinzip M, nur M W°m bringen. rünstetoj °ße 10. iev für gtotte Wege. n* L Zinn |J mit neben; | C° | to?ÄtaEW*6bte'.,Ä» ^zssigung. ■(ft ffritf g0(! 5180 isij issr test» SuderuS D6L icO W ___ finii®fiUn ’MftOO V10.811 pambl^bOp tzsunk^-2 iW.li Prellst-^ tLMun.V19Ü0 -8.st Mt. 257 Zweites Blatt Mittwoch de« t. Novcmbck LS»» Gießener Anzeiger General-Anzeiger Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf,, vierteljährlich. Alle Lnzeigen'BermiNluugdstegen des In» und Auslvod«! nehmen Anjcigen für den Gießener Lnjeiger eutetftn linHat »•■ An-eigen -u der nachmittags für de« ftifOttai Si| erscheinenden Nummer dis vor». 16 Uhr. Ae-ugsprei« vierteljährlich 2 Mark 20 Pl^ monatlich 75 Pfß. mit Bringerloh«. ftffctat tt.Nch mit XulnetxK des Kmtql. Wk Gießener »««HfteeMitUr werden dem Anzeiger »schenMch Viermol dei gelegt. Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieszen. Rdeltiro, Expedition und Druckerei: Fch»rßr«ße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Kälter für hessische Volkskunde. Adreffe für Depeschen: Anzeiger -letzs». Fernsprecher Nr. 51. xx Die internationale Lage. Das vor einigen Tagen veröffentlichte Flottenprogramm lenkt naturgemäß den Blick auf die Gründe, welche die Regierung zur Verteidigung der weiteren Verstärkung der Marine dem Reichstage anführen wird. Man darf wohl annehmen, daß gleichzeitig mit der entsprechenden Gesetzesvorlage eine Denkschrift ausgearbeitet wird, welche bis ins einzelne Detail darthut, daß eS im Interesse des Reiches liegt, ja daß es eine unbedingte Notwendigkeit ist, den Flottenbestand in raschem Tempo zu erhöhen. Diese Gründe werden sich in der Hauptsache auf zweierlei beschränken: auf die Darlegung der erhöhten Ansprüche, welche unser sich immer weiter ausdehnender Handel und Verkehr an den Schutz macht, den ihnen unsere Marine gewähren soll, und auf den Hinweis auf die internationale Lage. Zu verkennen ist nicht, daß unser überseeischer Verkehr unter allen Umständen eines Schutzes bedarf, und je größere Ausdehnung dieser Verkehr annimmt, auf je weitere Länder- gebiete er sich erstreckt, desto umfangreicher muß sich auch der Schutz gestalten, den die Flotte bieten soll. Und daß unser überseeischer Verkehr von Jahr zu Jahr zunimmt, das brauchen wir hier nicht zu beweisen, darüber giebt die Statistik deutlichen Aufschluß. Aber dies allein würde immer noch kein genügender Grund sein für eine so erhebliche Vermehrung unserer Marine, wie sie anscheinend geplant ist. Man muß deshalb auch die Rücksicht auf die internationale Lage ins Feld führen. Ist denn die letztere jetzt wirklich so unsicher, daß Deutschland gezwungen ist, seine Wehrkraft zur See zu verdoppeln? Oder aber ist der Ausblick in die Zukunft so trübe, daß wir genötigt sind, außerordentliche Anstrengungen zu machen, um allen Eventualitäten begegnen zu können? Wie lieblich klang noch vor einem Jahre der Gesang vom ewigen Völkerfriedcn, von Abrüstung und schiedsgerichtlicher Beilegung aller Differenzen! Hoffnungsvoll blickten Millionen in die Zukunft und sahen erwartungsvoll der Zeit entgegen, wo es vorbei sein würde mit Zank, Streit und Krieg. Und erst wenige Monde sind verflossen, seitdem in dem stillen Schlosse im Haag Protokolle über Protokolle gefertigt wurden, welche dem Ueberhandnehmen der Ausgaben für Kriegszwecke ein Ende machen sollten. Hat sich seitdem die internationale Lage so arg verschlimmert? Es ist leider nicht zu leugnen, daß die ganzen Verhältnisse gespannter geworden sind, daß man heute nicht mehr ohne Vorbehalt voller Vertrauen den kommenden Dingen entgegensetzen kann. Wenn wir auch allen Nachrichten von einer neuen Mächtegruppierung gegenüber England keinen Glauben beimessen können, so darf man doch nicht übersehen, daß durch den Krieg, welchen England in Südafrika heraufbeschworen hat, Fragen aufgeworfen werden, welche der gespanntesten Aufmerksamkeit der Diplomatie bedürfen. Ist der Krieg sür England erfolgreich, so kommt es vielleicht in Konflikt mit den Interessen anderer Länder, unterliegt es, so wird voraussichtlich von seinen Feinden die Gelegenheit benutzt werden, um dem meergebietenden Jnselreiche seine Weltherrschaft streitig zu machen. Es geht augenblicklich wohl manches hinter den Kulissen vor, das zu einer Beunruhigung Anlaß geben könnte. Ob das alles aber genügt, um die Marineforderung der Regierung zu begründen, muß die Zeit lehren. Schwer genug — wir betonen das nochmals — wird der Stand der Regierung werden, wenn sie thatsächlich mit ihren Forderungen hervortritt, verantwortungsvoll wird aber auch die Stellung der Volksvertreter sein, welche abwägen sollen, was zu des Landes Nutz und Frommen ist. Der hessische Provinzialausschutz des dent- schen FlottenvereinS. ' (Schluß.) Ich komme sodann zu den nautischen Arbeiten der Marine Was allein nur von diesen für Nutzen zur Forderung des Schifffahrts-Be- triebes und der Wissenschaft ausqeht! Die nautische Abteilung zerfällt in vier Unterabteilungen: die erste beschäftigt sich mit den Vermessungen. Was wird hier alles für Geographie und Kartographie geleistet! Die Resultate wissenschaftlich genauer Messungen werden in verlässigen Karten medergelegt und dienen der Handelssch'ffsahrt als wesentliche Behelfe. Die zweite Unterabteilung leistet dem Handel durch die Beobachtung der Witterung hervorragende Dienste: 30,000 Telegramme melden jährlich »ie Stürme, die im Anzuge sind. Alle Wrtterungsbeobachtungen auf allen Meeren werden genau verzeichnet und dienen der Handelsflotte zur wesentlichen Erleichterung in fremden Meeren. Ein Ersnachrrchtendrenst meldet den nahenden Schiffen im Winter, ob die Emfahrt in den anzu- Caufenben Hafen frei ist, oder ob ein anderer eisfreier Hafen aufzusuchen ßei. Verzeichnisse der Leuchtfeuer und der Untiefen aller Meere, von der Marine zusammengestellt, warnen die Handelsschiffe vor den drohenden Gefahren. Die dritte Abteilung beschäfttgt sich mit dem Seezeichenwesen, »er strengen Kontrolle der Seezeichen und der Aufstellung von Semaphoren. Tausende von Menschenleben, insbesondere die so gefährdeten Hochseesischer, rettet die rechtzeitige Nachricht vom drohenden Sturme. Die Bemannung der Fischerkreuzcr wird hauptsächlich aus den Wehr- pflichttgen des Fischerstandes genommen. Auf den Schiffen sind für sie besondere Fischereischulen eingerichtet, wodurch diesem Gewerbezweig die wesentlichsten Dienste geleistet werden. Es Hal sich auch thatsächlich die Hochseefischerei in der erfreulichsten W-ise gehoben. Die jährliche Ausbeute beträgt über 20,000,000 Mk. und schafft dem Lande ein ausgezeichnetes Nahrungsmittel. Die vierte Abteilung ist eine rein nautische. Von ihr hat die Instrumentenkunde den Nutzen und ganz besonders das Kompaßwesen. Beständig wird an der Vervollkommnung der Jnstru- men e gearbeitet, und wer wollte da leugnen, welche großen Vorteile besonders die physikalischen Wissenschaften daraus schöpfen? Neben diesen Tagesarbeiten haben die Herren der Marine aber immer auch noch Zeit gefunden, sich mit Tiefseeforschungen, mit der Erdmessung und sogar mit der Ausrüstung bedeutender wissenschaftlicher Expeditionen zu beschäftigen. Nur die schreiendste Unkenntnis dieser umfassenden Kulturarbeiten, die die Marine auf sich genommen hat, kann es wagen, von einer Paradeflotte zu sprechen, und so dps hohe Ansehen, in dem Deutschland infolge seiner erfolgreichen maritimen Bestrebungen bei allen seefahrenden Nationen steht, in den Augen der eigenen Landsleute herunterzusetzen. Es bleibe dahingestellt, ob der Handel der Flagge, oder die Flagge dem Handel zu folgen habe. Aber der Handel muß doch jedenfalls geschützt werden. Es ist richtig, daß der Schutz immer noch gewährt werden konnte, aber nicht immer prompt genug. Die Hamburger Handelskammer, die doch gewiß ein Urteil in dieser Sache hat, sagt, durch nichts werde das Ansehen einer Macht mehr geschädigt, als wenn die Hilfe, wo sie nötig wird, nicht sofort da ist. Man spricht da oft von Uebergriffen; aber das Vorgehen der Kommandanten wird gewöhnlich falsch ausgelegt; die deutschen Offsziere traten überall mit unerschütterlicher Ruhe und Energie auf, und das ist notwendig. Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre gab es schon einmal Disfirenzen mit Haiti. Damals wurden wir lange mit leeren Versprechungen hingehalten. Als aber unsere Kanonen auf die Forts von Haiti gerichtet waren, wurden noch in derselben Nacht unsere Forderungen erfüllt. So war dies auch 1878 in Nicaragua, 1883 in Rio de Janeiro und in neuerer Zeit in Haiti und in China der Fall. Bei allen diesen Gelegenheiten erregte Deutschlands Flotte die Bewunderung der übrigen Staaten. In den verschiedensten Ländern sind Milliarden deutschen Kapitals teils niedergelegt, teils beschäftigt; dieses Kapital ist aber nur so lange sicher, als die starke Hand des Mutterlandes im Hintergründe ist, eine Hand, die sich, wo es nölig wird, auch zur Faust ballen kann; das ist aber einzig und allein nur durch die Flotte möglich." Sehr treffend bemerkte zu seiner hochinteressanten Schilderung einer modernen Seeschlacht der Herr Vortragende: „Es wäre nicht Leichtsinn, sondern Grausamkeit von einer Nation, wollte sie ihre Söhne auf anderen als erstklassigen Fahrzeugen in einen solchen Kampf schicken." Es würde zu weit führen, hier alle die eingehenden Erklärungen wiederzugeben, die der Herr Vortragende bis in die Einzelheiten gehend einflocht. Nur zu den in Deutschland gebauten Torpedobooten möge bemerkt sein, daß sie als ungemein seetüchtig bekannt sind, bei den ungünstigsten Verhältnissen die weitesten Reisen machen und vom Auslande viel gekauft werden. Zum Schluffe sagte der Redner: „Die Flotte hat noch stets im vollsten Maße ihre Pflichten erfüllt. Wir dürfen überzeugt sein, wenn einmal die gekränkte Ehre des Vaterlandes uns das Schwert in die Hand drückt, dann werden die Jungens in der dunkelblauen Jacke mit der gleichen Tapferkeit sich schlagen, mit der auch unsere tapfere Armee sich auf den französischen Schlachtfeldern unvergeßliche Ehren erworben hat. Hierzu bemerkt der „Deutsche Flottenverein" in seiner 12. Broschüre: „Wir ivürden uns der Undankbarkeit schuldig machen, wenn wir nicht an dieser Stelle anerkennen wollten, daß durch die gewaltigen Errungenschaften unseres Vaterlandes in dem letzten Vierteljahrhundert die Stellung der Deutschen an kben überseeischen Plätzen eine ganz anbere unb bessere geworden ist. Mit welcher Geringschätzung wurden früher die Deutschen oft im Auslande behandelt, als noch keine starke Macht hinter den brutschen Konsuln stand. Wer das mit erlebt, selbst mit durchgemacht hat, hat es gewiß mit Freuden begrüßt, als 1867 die deutschen Schiffe endlich unter eine einheitliche Flagge gebracht und die verschiedenen Flaggen der deutschen Küstenstaaten beseitigt wurden. Mit Staunen wurde man überall gewahr, daß .Deutschland, nach seiner Handelsflotte zu urteilen, ein gar großes Reich sei, und in China z. B. komtte man es kaum begreifen, wie es möglich war, daß die hamburgischen Schiffe, von denen eine zahlreiche und von den eingeborenen Kaufleuten sehr bevorzugte Flotte in der chinesischen Küstenschtffahrt beschäftigt war, plötzlich eine andere Flagge aufzogen und dennoch nach wie vor sich hamburgische Schiffe nannten. Als dann aber die gewaltigen weltgeschichtlichen Ereignisse von 1870/71 eintraten, als Deutschland unter der Führung des Kaisers Wilhelm I. zu einem der mächtigsten Reiche erblühte, da verwandelte sich die Verwunderung im überseeischen Auslande in Achtung, und als bann auch bie beutsche Neichs- flagge stolz von ber Gaffel beutscher Kriegsschiffe wehte, bie junge Neichsslotte sich mehr unb mehr vergrößerte, da schlug man im Auslande den Deutschen gegenüber einen anderen Ton an; man hatte Respekt vor Deutschland bekommen. Wenn Deutschlands transatlantischer Handel, Deutschlands Seeschiffahrt ferner blühen und gedeihen sollen, dann ist der ausgedehnteste Schutz einer stark en Flotte unabweisbar. Wir können aber sich er sein, daß die Neichsregierung diesen für das Gedeihen so hochwichtigen Punkt immer im Auge behalten und beherzigen wird, umsomehr, als jetzt in Kaiser Wilhelm II. ein Herrscher an Deutschlands Spitze steht, welcher volles Verständnis für Deutschlands Schisfahrtsinteressen hat, und sich für die deutsche Kriegsmarine sowohl, wie für Deutschlands Handelsflotte ganz besonders interessiert". Für die Verbreitung des nationalen Gedankens der Notwendigkeit einer starken Kriegsflotte einzutreten, das ist eine der schönsten Aufgaben des „Deutschen FlottenvereinS". In ihm mögen sich alle Parteien brüderlich die Hände reichen, im Interesse der Wohlfahrt der ganzen Nation und unseres schönen deutschen Vaterlandes. Lokales und Vrovinffelles. ♦ Gießen, den 31. Oktober. •• Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Groß- h erzog haben Allergnädigst geruht, am 21. Oktober den Dr. Ferdinand Meisel zu Darmstadt zum Direktor der Gewerbe- und Handw^rkerschule in Darmstadt, den Pro- feffor Karl Kübel zu Mainz zum Direktor der Kunstgewerbe- und Handwerkerschnle zu Mainz, den Professor Hermann Schurig zu Offenbach zum Direktor der Kunstgewerbe und gewerblichen Fachschule zu Offenbach, die Ingenieure Karl Brockmann und Franz Etzel, den Bildhauer Ernst Bollhaber und den Architekten Alois Beck zu Offenbach zu Hauptlehrern an der Kunstgewerbe- und gewerblichen Fachschule zu Offenbach, den Kunstgewerbezeichner Anton Pley er, den Möbelzeichner Anton Huber und den Dekorationsmaler Franz Mitterbauer zu Mainz zu Hauptlehrern an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule zu Mainz — sämtlich mit Wirkung vom 1. August l. Js. an — zu ernennen. ** Aus dem Verwaltungsdienst. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern ist der Regierungsassessor vr. Bernbeck in Erbach bis auf weiteres mit Wahrnehmung des Dienstes eines Kreisamtmannes bei dem Kreisamt Erbach beauftragt worden. •* Dienstnachrichten. Am 13. September wurde dem Geometergehilfen Philipp Zimmermann aus Oppenheim das Patent als Geometer 1. Klasse für den Kreis Oppenheim erteilt; am 16. September wurde der Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Mainz Ludwig Neundörfer zum Rheinschiffahrtsrichter ernannt; an demselben Tage wurde dem Schullehrer Wilhelm Schäfer zu Selters die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bieben, Kreis Alsfeld, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Philipp Bender zu Wettsaasen die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Stangenrod, Kreis Gießen, übertragen; an demselben Tage wurde der Schulverwalter an der Vorschule der Gymnasien zu Darmstadt Wilhelm Hamm zum Lehrer an dieser Schule, unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer, ernannt; an demselben Tage wurde der Schulamtsaspirantin Anna Reck er t aus Groß-Zimmern eine Lehrerinnenstelle au der katholischen Schule zu Bingen übertragen; am 20. September wurde dem Geometergehilfen Philipp Eisen Hardt aus Königstädten das Patent als Geometer 2. Klasse für den Kreis Groß Gerau, an demselben Tage wurde dem Geometergehilfen Jakob Greiner aus Gau-Odernheim das Patent als Geometer 2. Klasse für den Kreis Alzey erteilt; an demselben Tage wurde dem Schullehrer Ludwig Maußer zu Weiskirchen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Obertshausen, Kreis Offenbach, an demselben Tage wurden den Schulamtsaspiranten Wilhelm Grimm aus Dornheim, Johannes Hartleb aus, Birkenau, Georg Müller aus Götzenhain, Wilhelm Pickert aus Michelstadt und Heinrich Vonderschmidt aus Spachbrücken Lehrerstellen an der Volksschule zu Darmstadt, an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Koch aus Nonnenroth die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Göbelnrod, Kreis Gießen, am 23 September wurde dem Schullehrer Friedrich Braun zu Unter- Mossau eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rumpen- heim, Kreis Offenbach, an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Ludwig Gebhard aus Partenheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Worfelden, Kr. Groß-Gerau, übertragen; am 27. September wurde den Geometergehilfen Georg Ritz er t aus Groß Umstadt und Ludwig Boltz aus Richen das Patent als Geometer 1. Klasse für den Kreis Dieburg erteilt; am 29. September wurde dem Schullehrer Johannes G or r zu Bleidenrod die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Effolderbach, Kreis Büdingen, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Johann Diehl zu Oppenheim die 2. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Weiskirchen, Kreis Offenbach, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Adam Maurer zu Groß Umstadt eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Oppenheim übertragen ** Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende dritte Lehrerstelle an der Gemeinbeschule zu R eich en b ach, Kr. Bensheim; die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Kainsbach (Kr. Erbach); dem Herrn Grafen zu Erbach-Erbach steht das Präsentationsrecht zu derselben zu; die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende erste und zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zuKirch- Brombach, Kr. Erbach; dem Herrn Fürsten zu Löwenstein- Wertheim-Rosenberg und dem Herrn Grafen zu Erbach- Schönberg steht das Präsentationsrecht zu denselben zu; mit der ersten Stelle ist Organistendienst verbunden; die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Tiefenthal, Kr. Alzey; mit der Stelle ist zeitweilig zu versehender Organistendienst verbunden; eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ulfa, Kr. Schottin; mit der Stelle kann Organistendienst verbunden werden; die mit einem «vangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde« schule zu Erzbach, Kreis Erbach; dem Herren Grafen zu Vrbach-Erbach steht das Präsentationsrecht zu derselben zu; eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dreieichenhain, Kr. Offenbach; »it der Stelle ist ein Teil des Organistendienstes verbunden, — sämtlich mit dem gesetzlichen, nach dem Dienstalter zu Lemessenden Gehalt. -r. Grebenau, 30. Oktober. Gestern, Sonntag, nachmittag fand in der Wirtschaft von Reibt dahier eine von Freunden des Obstbaues aus der ganzen Umgegend zahlreich besuchten Versammlung des Oberhessischen Obstbauvereins statt, in welcher Herr Obstbautechniker Metz aus Friedberg einen etwa einstündigen, sehr anregenden und belehrenden Vortrag über Obstbau hielt. Der Vortragende verbreitete sich in seiner bekannten kernigen, packenden Redeweise über die wichtige Pflanzung der Obstbäume, ihre Pflege, Schnitt rc. und ermunterte unter Hinweis auf die Rentabilität des Obstbaues, die aus früherer Zeit auch in den Orten des „Gründchens" noch in gutem Gedanken steht, zur Wiederanpflanzung von Obstbäumen, natürlich nur von für den Boden geeigneten Sorten, unter denen er ganz besonders neben den Parmänen und Reinetten den Grafen- fteiner Apfel empfahl. Er bekämpfte besonders in seinem Vortrag — und das mit vollem Recht — das in hiesiger Gegend allgemeine unsinnige Vorurteil, daß hier Obst nicht gedeihe, am allerwenigsten Kernobst. Er führte aus, daß es doch früher vor 20—30 Jahren stets reiche Obsternten im „Gründchen" gegeben habe, jetzt könne es freilich nicht viel Obst geben, weil man versäumt habe, die eingegangenen Bäume wieder zur rechten Zeit durch neue zu ersetzen. Wo keine Bäume gepflanzt werden, kann es natürlich auch kein Obst geben. Als Beweis dafür, daß besonders Aepfel dahier gut gedeihen, legte er der Versammlung einige Prachtexemplare verschiedener Aepfelsorten vor, die in diesem Jahre in hiesiger Gemarkuug gewachsen waren. Hoffentlich findet der Vortrag sehr viele, die den gegebenen Anregungen folgen und mit dem oben genannten Vorurteil brechen. Auch wäre im Interesse der Sache sehr zu wünschen, daß solche Vorträge recht oft in hiesiger Gegend gehalten würden, damit mehr Aufklärung über den Obstbau in unser Landvolk eindringe. Dem einen, der von weither kommt, folgt es eher, als dem Eingesessenen, den es über etwaige Belehrungen in dieser Hinsicht nur verspottet. Nach Beendigung des Vortrags veranstaltete Herr Metz als praktische Anregung »och eine Verlosung von 8 Obstbäumen unter den anwesenden Mitgliedern des Oberhessischen Obstbauvereins aus dem „Gründchen". Friedberg, 30. Oktober. Nachmittags um 3 Uhr fand die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau der Augustinerschule statt. Eine zahlreiche Festversammlung hatte der Einladung des Stadlvorstandes Folge geleistet, zumal da nach dem regnerischen Wetter der letzten Tage die Sonne wieder durch die Wolken gedrungen war und die Welt mit freundlichen und warmen Strahlen beschien. Neben den Veranstaltern der Feier selbst waren die Spitzen der Behörden, sowohl des Staates als auch der Stadt, ferner der Vorsitzende des Bezirkskommandos von Friedberg, fast das ganze Lehrerkollegium der Augustinerschule, die Geistlichkeit der Stadt, der Gemeinderat, die Leiter und Lehrer der hiesigen Schulen und mancher andere erschienen, die aufzuzählen zu weit führen würde. Man sah so recht, daß alle Kreise unserer Bevölkerung an diesem Ereignis Anteil »ahmen und ihr Interesse für die aufblühenden höheren . Schulen Friedbergs dadurch zu bekunden suchten. Ganz besonders verschönt wurde die Feier durch die Gesänge des Schülerchors der Augustinerschule, der trotz der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit und trotz der ungünstigen Verhältnisse Tüchtiges leistete und mit seinen erhebenden Gesängen die Teilnehmer erfreute. Nach einigen einleitenden Worten des Herrn Beigeordneten Hieronymus, der an Stelle des erkrankten Herrn Bürgermeister Steinhäußer die Stadt repräsentierte, ergriff Herr Direktor Löbell das Wort und wies in tief empfundenen, von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Ausführungen auf die hohe Bedeutung dieses Augenblickes hin. Er zeigte, daß wir allen Grund haben, in froher, aber besonders in ernster Stimmung den Grundstein des neuen Gebäudes zu legen; welche Gedanken werden die Welt bewegen, so führte er aus, welche Bestrebungen herrschen, wenn spätere Geschlechter auch diese Schule verlassen, weil sie ihnen zu klein und zu eng geworden ist, wie auch das alte Gebäude, so anheimelnd es auch sein mag, uns aus der Enge der Gassen vor die Stadt in die freie Natur zu wandern zwingt. Einst wird auch das neue Schulhaus zu enge werden, und neue Geschlechter werden neu bauen; wohl wird dann vieles auf der Welt anders geworden fein, und der Winterstein und die Stadtkirche, die beiden gewaltigsten Vertreter von Natur und Kunst in Fnedberg, werden auf eine Stadt herabschauen, die vielleicht Nichts mehr mit dem alten Friedberg von heute gemein hat. Aber wie unsere Nachkommen das Recht haben, einzureißen, so haben wir das Recht zu bauen, auf unseren Werken erst baut sich die Nachwelt auf, und so ist die Gegenwart mit der Zukunft verknüpft. Nach ihm führte Herr Thyriot in kurzen Worten aus, wie der Bau bis jetzt unter seiner Leitung geworden und gewachsen sei, und verlas alsdann die Pergamenturkunde, die im Inneren des Steins geborgen werden sollte. Darauf folgte die eigentliche Grundsteinlegung; die Kupferkapsel mit der Urkunde wurde verlötet und zusammen mit anderen Gegenständen, Münzen der Jetztzeit, Zeitungen u. s. w. im Innern des Steines geborgen. Nachdem dann der obere Teil des Steines mit der unteren Hälfte, der die Höhlung enthält, fest verbunden war, folgte die lange Reihe der weihenden Hammerschläge. Ernst und mahnend klangen die kurzen, aber inhaltschweren Sprüche, es war wohl niemand, der nicht zu ernstem Sinnen angeregt wurde. Diesem Gefühl lieh der letzte Redner, der evangelische Neligionslehrer der Augustinerschule und Pfarrer Lampas Ausdruck. Er wies auf das hohe Alter der Friedberger Lateinschule hin und erflehte Gottes Segen für den Bau und alle, die daran arbeiten. Mit den segnenden Worten, „Das walte Gott Amen" schloß die Feier. * Später versammelte sich eine Anzahl der Festteilnehmer noch einmal, um in stillem Gespräch die Festimmung verklingen zu laffen, während die Handwerker des Baues in verschiedenen Wirtschaften bewirtet wurden. Möge der Neubau, das ist auch unser herzlicher Wunsch, ohne Unglück und Leid zu Ende geführt werden! Büdingen, 29. Oktober. Heute nachmittag entwickelte Herr Landgerichtsrat Seeger im Rathaussaale dahier vor einer zahlreichen, aus Angehörigen verschiedener Parteien bestehenden Versammlung, der Herr Kammerdirektor Korell präsidierte, das Programm, welches er im Fall seiner Wahl zum Landtagsabgeordneten für den Bezirk Büdingen-Altenstadt zur Durchführung zu bringen suchen wird. Es sei erwähnt, daß Herr Seeger erklärte, durchaus nicht auf eine bestimmte Partei eingeschworen zu sein; er wolle vor allem die Interessen des Mittelstandes, der Landwirte, Handwerker und kleinen Kaufleute sowohl im allgemeinen als im besonderen des hiesigen Bezirks vertreten und hoffe um deswillen auf die Unterstützung und Stimmen der Mitglieder aller Parteischattierungen. Nach lebhafter Diskussion, an der sich außer dem Vortragenden die Herren Bürgermeister Nos-Wolf und Kammerdirektor Korell beteiligten, brachte Herr Seeger ein Hoch auf Kaiser und Grvßherzog, die Träger unserer staatlichen Ordnung, aus, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Mit einer für den Redner von Herrn Molkereidirektor Fendt angeregten Ovation endete die Versammlung, welche eine Herrn Landgerichtsrat Seeger als Kandidaten zur Landtagswahl proklamierende Resolution nahezu einstimmig annahm. Darmstadt, 30. Oktober. Der Prinz und die Prinzessin Friedrich Karl und die Prinzessin Adolf von Schaumburg-Lippe fuhren gestern mittag nach Schloß Wolfsgarten, um dem Zarenpaare ihren Abschiedsbesuch abzustatten. Mainz, 30. Oktober. Von dem Personenzug Lud- wigshafen-Maiz, der um 75< vormittags in Worms eintrifft, entgleisten heute kurz vor der Einfahrt in Worms vier Wagen und die Lokomotive. Es entstand nur bedeutender Materialschaden. Ein anderer Personenzug mußte eingeschoben werden, der mit einer Verspätung von einer Stunde hier anlangte. Fronhausen, 28. Oktober. Altertumsfreunde seien auf die Ausgrabungen des Herrn Archivrates von Schenk in Darmstadt auf dem Altenberge bei Odenhausen, Station Friedelhausen aufmerksam gemacht. Durch diese Ausgrabungen sind die Fundamente einer Ringmauer blosgelegt, die ein Gebiet von etwa 4 Morgen umspannt. Diese Mauer hat eine durchschnittliche Stärke von 2 Meter. Nach den Forschungen des genannten Herrn hat nur eine Ringmauer bestanden. Es findet sich kein Anhalt, daß noch andere Anlagen sich dort befanden. Aus welchen Gründen solche unterblieben, läßt sich mit Sicherheit nicht mehr feststellen. Der Berg wäre wie geschaffen zur Anlage einer Burg gewesen. Uebrigens ist der Ausblick von genanntem Berge in die jetzige Herbstlandschaft geradezu entzückend und kann jedem Touristen also in doppelter Hinsicht empfohlen werden, zumal man von da aus in einer Tagestour ganz bequem zum neuen Turm auf den Dünsberg gelangen kann. — Der untere Teil des durch seine Naturschönheiten bekannten Salzbödethales soll reguliert werden. Zu den immerhin bedeutenden Meliorationskosten will die Staatskasse die größere Hälfte tragen. „Obh. Ztg." Wiesbaden, 30. Oktober. Die hiesigen Sozialdemokraten haben ihre Beteiligung an den demnächstigen Stadtverordnetenwahlen beschlossen. Der Alldeutsche Verbandstag in Mainz. Am vergangenen Sonntag fand, wie schon kurz erwähnt, in der Stadthalle zu Mainz eine Versammlung des Rhein-Main-Gaues des Alldeutschen Verbandes unter ungeheuer zahlreicher Beteiligung von Damen und Herren — es waren ca. 4000 Personen anwesend — statt. Die Darmstädter Burschenschaften waren in corpore erschienen. Herr Rechtsanwalt El aß-Mainz begrüßte die Ver- ammlung, indem er hervorhob, daß man heute zusammengekommen sei, um wichtige Tagesfragen zu beraten, die Entwickelung der Völker sei noch lange nicht abgeschlossen, denn das Jahr 1870 sei nicht das Endziel der nationalen Einigkeit, sondern erst der Ausgangspunkt derselben. Die heutige Versammlung soll im Zeichen des Kaisers stehen, >er dem Volke eine Wehrkraft zur See schaffen wolle. Mit ireifachen Heilrufen auf Kaiser und Großherzog wurde darauf die Versammlung eröffnet. Redner teilte noch mit, eine Aenderung der Tagesordnung notwendig geworden sei, Herr Reichstagsabgeordneter Prof. Dr. Hasse-Leipzig werde über Samoa und Direktor Horn-Frankfurt über Transvaal sprechen und dann würde erst Herr Neichstags- abgeordneter Wolf zum Wort kommen. Weiler teilte der Vorsitzende mit, daß in der heute vormittag stattgehabten Ausschußsitzung des Gauverbandes eine Zuschrift an den Kaiser beschlossen worden sei, in welcher der Ausschuß des Alldeutschen Verbandes aus Anlaß der von dem Kaiser genehmigten weiteren Vermehrung der deutschen Kriegsmacht demselben seine ehrfurchtsvolle Zustimmung und dankbare Huldigung darbringt. Unter lebhaftem Beifall wurde nunmehr dem Herrn Kapitänleutnant Weyer aus Koblenz das Wort zu einem Vortrag über „deutsche Seegewalt und die Notwendigkeit ihrer Verstärkung" erteilt. Redner verbreitete sich nach dem„M.A"über dieNotwendigkeit einerFlottenvermehrung und schloß mit der Hoffnung, daß es noch gelingen werde, dem deutschen Volke eine wichtige deutsche Flotte zu schaffen, damit Deutschland auch zur See werde, was es bereits auf dem Lande sei. (Stürmisches Bravo und Heil.) Der Vor- sitzende verliest hierauf ein Telegramm, welches an den Kaiser abgesandt werden soll. Dasselbe hat folgenden Wortlaut: „Ew. Majestät bringt der heute in Mainz tagende geschäfts- führeirde Ausschuß des Alldeutschen Verbandes aus Anlaß der von Ew. Majestät genehmigten weiteren Vermehrung brr Deutschen Seekriegs- macht seine ehrfurchtsvolle Zustimmung und dankbare Huldigung dar. Der Alldeutsche Verband hat seit 4 Jahren [bie Forberung einer starken Vermehrung ber beutschen Seemacht in ber Oeffentlichkeit vertreten unb bie Flottenvorlage b. I. 1898 lediglich als eine Abschlagszahlung betrachtet. Nachdem die Ereignisse der 2 letzten Jahre die Unzulänglichkeit des gegenwärtigen Flottenbauplanes weiter dargethan, hat unser Verband unbekümmert um Anfeindungen und Verspottungen von neuem den Kampf für weitere Flottenverstärkungen ausgenommen. In diesem Bestreben hat am (30. August der Alldeutsche Verbandstag zu Hamburg eine „beschleunigte Durchführung des bestehenden Flottenplanes und eine neue auf die Schaffung einer den steigenden Seeinterefsen jdes Reiches entsprechenden Flotte gerichteten Vorlage" gefordert. So begrüßen wir Alldeutschen die weitaus schauenden Worte, die Ew. Majestät zu Hamburg am 18. Oktober gesprochen, und in deren Erfüllung die neue Flottenvorlage. Wir geloben Ew. Majestät, unsere ganze Kraft für das große von Ew. Majestät begonnene Werk einzusetzen. Wir vertrauen, daß das deutsche Volk an dem Ziele Ew. Majestät Mitarbeiten wird: der Schöpfung des ersten deutschen Kaisers, unferm ruhmreichen Landherren eine große deutsche Flotte an die Seite m stellen". Herr Reichstagsabgeordneter Proffessor Dr. Hasse- Leipzig verbreitete sich nun noch in kurzen Worten über Samoa, er hob hervor, daß das deutsche Interesse weit größer sei in Samoa als dasjenige der Engländer und Amerikaner, aber wie die Verhältnisse heute einmal lägen, so müßte über kurz oder lang eine Aenderung bei Samoa eintreten. Von seinem Standpunkte aus wäre er natürlich dafür, daß Deutschland Samoa behalte, aber dazu würde es wohl nicht kommen und deshalb spreche er sich für einen Austausch aus, der aber einer vollen Entschädigung für Deutschland entsprechen müsse. Er sei dafür, daß Deutschland Sansibar und die Walfischbai erhalte, obwohl die letztere keine» großen Wert habe. Kapitän Weyer ist dafür, daß man Samoa behalte, dorten sei deutsches Blut geflossen unb zwei stolze deutsche Schiffe lägen auf dem Grund des Meeres und mit ihnen viele tapfere Offiziere und Soldaten. Direktor Horn-Frankfurt a. M. sprach nunmehr über Transvaal. Redner bezeichnet England als den entarteste» Sohn der Mutter Germania, der sich soeben anschicke, in Transvaal die Freiheit zu erdrosseln, man sage wohl in England, man wolle die Zivilisation nach Südafrika tragen, das sei aber nicht richtig, der Kampf gegen die Buren sei weiter nichts als das Werk habgieriger Spekulanten. Seien aber die Buren geschlagen, dann würde auch Deutschland seinen teuer erkauften Besitzstand in Afrika an England verlieren, dies habe man bereits offen verkündigt, aber der Tag der Abrechnung werde auch einst für England kommen, den deutschen Stammesgenossen in Transvaal aber rufe man zu, daß ihnen der Sieg werde, den ihnen jeder gute Deutsche von Herzen wünsche. Herr Rechtsanwalt El aß schlägt nun vor, an den Staatssekretär Leyds in Amsterdam ein Telegramm abzusenden, in welchem der Buren - Republik die Sympathie der Versammlung ausgesprochen und denselben Sieg und Freiheit gewünscht werden soll. Die Versammlung spricht sich einstimmig für ne Absendung der Depesche aus. Von ungeheuerem Jubel begrüßt besteigt nunmehr Reichsratsabgeordneter Wolf von Wien die Tribüne. Vor 5 Jahren, so hob Wolf hervor, war ein solcher Empfang noch nicht möglich gewesen, )enn damals hätte man noch gesagt, was gehen uns Eure österreichischen Verhältnisse an. Besonders habe es ihn gefreut, daß man ihn zu der heutigen Versammlung ein- ;eladen habe, er sei nicht ohne Aufforderung gekommen, )enn wenn das der Fall gewesen wäre, dann würden die böhmischen Blätter wieder gesagt haben, wir hätten uns den Deutschen wieder einmal an den Hals geworfen und wären in Deutschland jammern gegangen. Der Alldeutsche Verband ist politisch reif und das ist es, was wir in Oesterreich auch notwendig haben. Wir Deutschen in Oesterreich gehören zu Deutschland, wir ind ebenso gute Deutsche wie die Bayern, Sachsen, Hessen, Preußen u. s. w. Rhein und Donau gehören zu Deutsch- !and und laffen sich nicht von einander trennen, deutsche Kraft hat den Boden in Oesterreich deutsch erhalten und man wäre verloren gewesen, wenn es anders gewesen wäre. Wenn man 1866- auch einen politischen Schnitt erhalte» jätte, aber die Zusammenfassung alldeutschen Landes sei )och nur eine Frage der Zeit; er hofft, daß man ihn im Auslande verstehen würde, er fühle es aber aus den leuchtenden Augen, daß man ihn hier verstehe, er fühle sich nicht im Auslande und danke Gott dafür, daß er diese Er- tenntnis über Oesterreich gebracht habe. Wenn sämtliche Staatsanwälte Oesterreichs hier beisammen wären, würde er dasselbe sagen, denn man wolle doch nichts Anderes, als das gute Recht auf staatserhaltender Grundlage, das wollte» aber die Tschechen und Klerikalen nicht. In den lebhaften Beifall, der hier ertönte, mischte sich nun ein Pfeifen von >er Gallerie, ein Mann begann furchtbar zu toben und L»« di- A ®.ft ber »iwrfor « in Oesterreich ,U in O-MM-l L biit-"d am Can!, anbei« 8™ ihn.« ba« i« rnechtmg («en 1' d-Mand unb n temege. Da« d° tüchtig unb arM gejep, «E« nmM m d Das schöne, herrl dürfe nicht verlor Tschechen und j ausgekämpftwi vollen Recht ge ständigkeit trn nun über Tschechen seine Sprache mar ttdl er direkt von habe den Harnisch Vertreter des österr in Oesterreich wie man nur den Mii bie Deutschen hätte, Verordnung habe t das habe die Deuts nun habe sich auch Deutschtum und S werde so lange d« dem Boden liegen soll es wenigstens der Redner über Slaventum sei. nicht möglich, und würde selbst ein Oesterreich nicht den Dreibund i Kämpfe der Deutsc die Verfassung ge Füßen weggezoge habe in Deutsch/ nommen unb man sagen, bafj bei bei Men auf 40 [teige Deutschen wie im R die Zeit werde noch Oesterreich nur ei' »en Worten und d Uns w Uns u Trotz Gebal Steif _. Stürmisches, Seiten des Vorsitz d«Deutschnationi »elcher derselben ^eni Absingen des »irb bie M Wo noch eine N N M bei •bgtorbneten SW feinen ' SW r foulte in , ""feenommenej r, rönnen9 '""en Sitz ein nS' äO.Qt an Ä« 4 !i^ Ätlb Mafct be bet hl/er h ' ^rrt *«tben /chÜtti > ,w- ei j« * As 2- ei&liat N"$,Oa“,ei Nnbe>le6?‘ L- & «°" f.?, >e । L «nb Sx-TKr 'S??-"**" aöi* Wfc?“**iw :tt«ilt.^.9r?Q!t ?"d bit ^einerFigj. E^Eitetes^ 1 k t6 "vch nelin t,IleS - deutschr 8en >verbr rüöo unb i. btre,tö aui ®M eI6t tt dn w Mgtibti t6rteä*"'Ä' W* ■Ate"«* *SäÄ5 Unb Verspottungen von neu™ un9en ausgenommen. der Alldeutsche fo ^-Durchführung des bestehenden .Schaffung einer den steigenden 'den Flotte gerichteten Vorlage- 16 weitaus schauenden Worte, die Stober gesprochen, und in deren e Kraft für daS große von en. Toff an dem Ziele 6ro. Majestät * deutschen MsrrS, unserin utsche Ftvtte an die Stile /« l« PrvM vr. h^r- ch in furpBiltn übir M deutsche Jntnchr lvei! N innige der Engländer unb lltffisie heute einmal lägen, si inderung bei Samoa eintreten. oäre er natürlich bajür, daß aber dazu würde es woh! t er sich für einen Austausch ntschädigung für Deutschland t, daß Deutschland Sansibar obwohl bit ledere kein» leyer ist dafür, daß man ulsches Blut geflossen mb , gen aus bem des ; im OMne uni) Soldaten. M. sprach nunmehr Über England als den entartestei der sich soeben anschicke, m -drosseln, man sage wohl ii sation nach Südafrika tragen, Sampf gegen die Buren sei ’ t W* Spekulanten. dann würde auch Deutsch- jifttflanb in M- «« * an bereit® oft™ »'*’* »erbt °«ch '«f f81*?* esgenofien W«* 9«°^ SU®«« «■ J«1 taw ** tWf“ ®a tfctn, * W» «m ; r--- «r einmal a» .„angt». t^lanb 5 W ist ft «ich ««* jeulfil»«6'* ,Ä*Ä ;S?"S,S KM KM iÄ »Li -l- zu schreien, er blieb aber im Saal ganz unverständlich, er drohte dem Redner Wolf, worauf ein ohrenbetäubender Lärm mit dem fortwährenden Rufe: Hinaus, hinaus, entstand. Ein Polizeirevierkommissär mit mehreren Schutzleuten mußte sich auf die Gallerie begeben und diese setzten dann den Schreier, der sich als ein Tscheche entpuppte, an die Luft. Als sich die Aufregung wieder gelegt hatte, fuhr der Redner fort und bemerkte, daß derartige Vorfälle auch in Oesterreich nichts Neues seien. DaS deutsche Volk habe stets in Oesterreich alles über sich ergehen lassen, er habe stets bittend am Wege gestanden, das sei aber, Gott sei Dank, anders geworden, jetzt forderten die Deutschen, ihnen das zu geben, was ihnen gebühre; die Zeiten der Knechtung seien jetzt vorbei, man fühle sich einig mit Alldeutschland und mit den großen Fragen, welche die Nation bewege. DaS deutsche Volk sei in Oesterreich immer ebenso tüchtig und arbeitsam gewesen, es habe ihm aber an Kräften gefehlt, an Kräften, welche die Leitung des Volkes übernommen hätten, damit es hätte aufwärts streben können. Das schöne, herrliche, deutsche Volk in Oesterreich, das dürfe nicht verloren gehen, der Riesenkampf gegen Tschechen und Klerikalen müsse in Oesterreich ausgekämpftwerden, bisdieDeutschen zu ihrem vollen Recht gelangten und wieder ihre Selbständigkeit errungen hätten. Redner verbreitete sich nun über Tschechentum in Deuschland, entschuldigt sich, wenn seine Sprache manchesmal erregt sei, das käme aber daher, weil er direkt vom österreichischen Kampfplatz komme, er habe den Harnisch noch nicht abgelegt, und dann sei er auch Vertreter des österreichischen Radikalismus. Daß die Deutschen in Oesterreich wieder sich selbst gefunden hätten, das hatte man nur den Ministern Taaffe, Badeni usw. zu verdanken, die Deutschen hätten sich immer nur geduckt, aber die Sprachenverordnung habe endlich dem Faß den Boden ausgeschlagen, das habe die Deutschen endlich zur Besinnung gebracht, und nun habe sich auch ein Kampf auf Leben und Tod zwischen Deutschtum und Slaventum entspannen, und dieser Kampf werde so lange dauern, bis einer der beiden Gegner auf dem Boden liegen bleibe; wenn dies aber so sein müsse, so soll es wenigstens der Tscheche sein. Weiter verbreitete sich der Redner über den Dreibund, dessen größter Gegner das Slaventum sei. Mit diesem sei ein Zusammenwirken gar nicht möglich, und mit einer Armee von Slaven und Slowaken würde selbst ein Moltke nichts fertig bringen, und wenn in Oesterreich nicht reichstreue Politik getrieben würde, sei auf den Dreibund kein Verlaß. Redner schildert nun die Kämpfe der Deutschen in Oesterreich, in einem Staat, in welchem die Verfassung gebrochen und der Rechtsboden ihnen unter den Füßen weggezogen worden sei. Die nationale Bewegung habe in Deutschland einen ungeheueren Aufschwung genommen und man brauche kein Prophet zu sein, um zu sagen, daß bei der nächsten Wahl die Zahl der Abgeordneten auf 40 steigen werde. Auch in Oesterreich seien die Deutschen wie im Reich in einzelne Parteien gespalten, aber die Zeit werde noch kommen, wo es in Deutschland wie in Oesterreich nur eine Reichspartei gäbe. Er schließe mit den Worten und dem Wahlspruch der Deutschradikalen: Uns macht man nicht irre, Uns macht man nicht kirre, Trotz Adel, Pfaffen und Polacken Geballt die Faust, Steif den Nacken. Stürmisches, lang anhaltende/ Heil und Bravo. Von Seiten des Vorsitzenden wurde nun noch eine Depesche an die Deutschnationale Partei in Oesterreich abgefaßt, in welcher derselben Glück und Sieg gewunschen wird. Mit dem Absingen des Liedes: „Deutschland, Deutschland über Alles" wird die erregte Versammlung geschlossen. Abends fand noch eine Nachversammlung inter pocula im „Köther Hof" statt, bei welcher Rechtsanwalt Claß dem Reichsratsabgeordneten Wolf nochmals den Dank des Verbandes für sein Erscheinen und seine Thätigkeit, sowie die Versicherung Unverbrüchlicher Treue aussprach. Reichsratsabgeordneter Wolf dankte in längeren humoristisch gefärbten Worten, worauf Prof. Nover auf die alldeutsche Sache ein begeistert aufgenommenes Hoch ausbrachte. Ein Chargierter der Darmstädter Burschenschaften feierte Wolf als alten Burschenschafter, worauf Wolf in herzlichen Worten erwiderte. Der. Unermüdliche Vorkämpfer des Deutschtums in Oesterreich reiste Nachts noch nach Wien zurück, um bereits gestern Mittag seinen Sitz im Parlament wieder einnehmen zu können. Vermischtes. * Köln, 30. Oktober. In der verflossenen Nacht wurde ein 17jähriger Bursche im Streite mit vier Personen bei> «rt mißhandelt, daß der Tod alsbald eintrat. Sämtliche am Morde beteiligten Burschen wurden heute morgen verhaftet. • Würzburg, 29. Oktober. In Krautheim, Bez. A. Gerolshofen, stürzte vorgestern ein neu gegrabener Eiskeller der Düll'schen Brauerei ein. Fünf Arbeiter wurden verschüttet. Zwei Arbeiter, beide unverheiratet, waren sofort tot, einer ist schwer, die zwei übrigen leichter verletzt. • Heidelberg 29. Oktober. Heute abend erschoß sich ein dem Arbeiterstande angehöriger 30jähriger Mann im Keller eines Eckhauses an der Plöckstraße. Er hatte vorher int „Prokoner" eine Zechschuld von 1,65 Mk. kontrahiert und entfernte sich, ohne zu zahlen. Von zwei Kellnerinnen und einem Schutzmanne verfolgt, flüchtete er in das bezeichnete Haus und erschoß sich. Vorher soll er mehrere Schüsse auf seine Verfolger abgegeben haben, ohne zu treffen. Berlin, 30. Oktober. Die Mitteilung Berliner Blätter über eine Revolte in der städtischen Irren anstatt in Dalldorf, und zwar in der Abteilung für irrsinnige Verbrecher, find der „National-Zeitung" zufolge völlig unbegründet. • M. Gladbach, 30. Oktober. Der in Konkurs geratene Seidenfarikant Schiffers in Viersen ist auf Antrag des eigenen Vaters wegen schwerer Urkundenfälschung verhaftet worden. • Schweidnitz, 30. Oktober. Hier fand die Enthüllung des von dem Bildhauer Seger geschaffenen Moltke-Denkmals statt. Der Feier wohnten bei: der Oberpräsident Fürst von Hatzfeldt-Trachenberg, die Mitglieder der Familie Moltke, Abordnungen des Großen Generalstabes, sowie des Füsilier-Regiments General-Feldmarschall Graf Moltke (Schlesischen) Nr. 38, die Spitzen der Behörden, das Offizierkorps der hiesigen Garnison und zahlreiche Vereine. * Dachau, 30. Oktober. In dem nahe gelegenen Schönbrunn brach heute nacht zwischen 12 und 1 Uhr Feuer aus, welches mit rapider Schnelligkeit um sich griff und in kurzer Zeit sieben Gebäude, darunter zwei Wohnhäuser, vollständig einäscherte. Der Kirchturm ist ausgebrannt und die Kirche selbst erheblich beschädigt. 20 Feuerwehren, darunter eine Münchener Abteilung, waren am Brandplatze erschienen. 13 Stück Vieh fanden den Tod in den Flammen. Es liegt Brandstiftung vor. Gingesandt. Gießen, den 28. Oktober 1899. Geehrter Herr Redakteur! Durch die Jubiläumsfeierlichkeiten der technischen Hochschule in Berlin ist die Titelfrage der akademischen Techniker auch außerhalb der Fachpresse Gegenstand lebhafter Erörterungen geworden und auch Sie haben vor einiger Zeit in dankenswerter Würdigung dieser Frage die Ansicht eines in der Praxis stehenden Akademikers in Ihrem geschätzten Blatte veröffentlicht. Es scheint allerdings Ihrer Aufforderung an die akademischen Kreise unserer Stadt, sich über das Thema öffentlich auszusprechen, bisher keine Folge geleistet worden zu sein. Auch der Unterzeichnete hätte keine Veranlassung genommen, in der Sache um's Wort zu bitten, wenn nicht dieser Tage eine Notiz des Berliner Lokalanzeigers Aufnahme gefunden hätte, die seinen und seiner Standesgenoffen Interessen direkt zuwiderläuft. Ein Direktor einer der größten „Aktiengesellschaften" stellt da fest, daß nur die „nächstbeteiligten Kreise" sich mit dem Promotionsrecht der technischen Hochschulen gefreut hätten, während die Kenner der Praxis „kühl bis an's Herz hinan" blieben. Das mag bis zu einem gewissen Grade stimmen, aber es dürste doch notwendig sein, das Publikum über die Größe dieser „nächstbeteiligten Kreise" etwas aufzuklären. Sie bestehen in erster Linie aus der gesamten Studentenschaft der deutschen technischen Hochschulen und Bergakademien, welche im verflossenen Semester sich auf weit über 11 000 Köpfe belief. Die Universitäten wurden während derselben Epoche von etwa 33000 Leuten besucht; also stellen die technischen Hochschulen gerade */, der gesamten Studentenkontingents. Das Verhältnis verschiebt sich aber seit etwa 10 Jahren andauernd zu Ungunsten des Universitäten, und es ist kein Grund einzuseheu, daß sich dies in absehbarer Zeit ändern sollte. Die Ursache dieser Entwicklung liegt in der enormen kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung, welche die technischen Hochschulen in immer größerem Maße gewinnen. Nur ein Blinder, oder einer, der nicht sehen will, kann sich der Erkenntnis verschließen, daß die Fortschritte der Technik' in den letzten Jahrzehnten es gewesen sind, welche Deutschland immer mehr zu einem Industriestaat gemacht haben und so unsere ganze innere und äußere Politik, unsere ganze verbesserte Lebenshaltung beeinflussen. Ein Faktor von solchem Gewicht erfordert aber naturgemäß die sorgsamste Pflege und ist ein würdiges Objekt für die gesamte Intelligenz. Mit der rapiden Entwickelung der Technik ist die Schwierigkeit ihres Studiums beständig gewachsen. Es kassiert heute auf einer eingehenden Kenntnis der Naturwissenschaften und Mathematik, und hat auf dieser Grundlage schon die schönsten Früchte gezeitigt. Alle Fortschritte dieses Jahrhunderts sind dadurch gemacht worden, daß man die Erkenntnisse der Studierstube und des Laboratoriums praktisch zu verwerten suchte. Theorie und Praxis mußten sich vereinen, um das Wunder des neunzehnten Jahrhunderts zu zeitigen. Wenn der Herr „Direktor einer der größten Aktiengesellschaften" stolz behauptet, weder Siemens noch Krupp hätten eine technische Hochschule besucht, so braucht man ihm nur zu sagen, daß es damals leider noch keine solchen Anstalten gab. Wenn eine dagewesen wäre, hätten sie sicher studiert, denn sowohl Siemens wie Krupp erkannten die Bedeutung desselben dadurch an, daß sie in ihrem späteren Leben viel positives für sie gethan haben. Jedenfalls aber haben beide durch eingehendes Studium auf privatem Wege sich erst die theoretischen Kenntnisse verschafft, ehe sie Früchte geerntet haben. Gerade Werner v. Siemens liefert hier das schönste Beispiel eines Autodidakten. Es wird absolut nicht bestritten, daß ein geweckter Mechaniker durch fleißiges Studium ein tüchtiger Ingenieur werden kann, ebensowenig wie man daran zweifelt, daß ein tüchtiger Jurist sich aus einem Gerichtsschreiber entpuppen kann. Aber lernen muß der Mechaniker und der Gerichtsschreiber noch sehr viel, bis er dieses Ziel erreicht. Manuelle Fertigkeit genügt heute nicht, um eine Dampfmaschine zu bauen, elektrische Energie von Lauffen nach Frankfurt zu transportieren oder das Schiffshebewerk in Henrichenburg zu entwerfen. Dazu gehören nun einmal eingehende theoretische Kenntnisse! Der Herr Direktor einer .... mag ein sehr tüchtiger Mann sein und man kann die größte Achtung vor seinen Leistungen haben, ebenso wie vor denen der sogenannten Mittelschultechniker, welche durch zweijährigen Besuch einer technischen Mittelschule, wie Mittweida, Bingen usw. sich eine gewisse Fertigkeit im Konstruieren angeeignet haben der diplomierte Ingenieur, der nach Absolvierung einer humanistischen oder realen Mittelschule 4 bis 5 Jahre eine Hochschule besucht hat, ist zweifellos eher dazu berufen, die deutsche Industrie konkurrenzfähig zu erhalten durch fortwährende Anwendung neuer naturwissenschaftlicher Erkenntnisse ! Hinter die Behauptung, bei Krupp sei kein diplomierter Ingenieur beschäftigt, wollen wir doch ein großes Fragezeichen machen! Gestatten Sie nun noch einiges über die „Männer der Praxis", die der Doktor-Ingenieur so kühl gelassen hat: es sind zweifellos eben diese Mittelschultechniker, die an die Trauben nicht heran können. Der akademische Techniker, selbst derjenige, der schon längst in Praxis ist, wird sich mit dem jüngsten Füchslein freuen, daß seiner Bildung die längst ersehnte Anerkennung zuteil geworden ist und fein Stand mit den übrigen akademischen Berufsarten gleichgestellt ist. Ob der Titel nun Dr. ing. heißt oder sonstwie, thut nichts zur Sache; die Hauptsache bleibt, daß der Kaiser die kulturelle Bedeutung des Standes anerkannt hat. Dafür muß ihm jeder denkende Mensch Dank wissen! S. Kunst und Wissenschaft. — Eine neue Version über den Untergang AndrLes. Man schreibt aus London vom 27. Oktober: In der heutigen „Times" veröffentlicht der Kontreadmiral H. Campion einen Abschnitt aus einem Briefe aus Fort Churchill, dem nördlichsten Posten der Hudson Bai- Gesellschaft, worin vielleicht Nachricht vom Schicksale Andröe s enthalten ist. Der Brief ist vom 1. August datiert und von einem Neffen des Admiral Campion, A. D. Alston, der Fort Churchill seit fünf Jahren verwaltet und die Sprache der Eskimos versieht, verfaßt. Die mitgeteilte Stelle lautet: „Sie werden vielleicht sehr erstaunt sein, zu hören, daß die Andröe'sche Expedition im hiesigen Norden untergegangen ist. Zu Anfang dieses Frühjahrs kam ein Eskimo Namens Old Donalds Son mit einigen anderen Eskimos in unser Magazin, um Einkäufe zu machen. Nachdem sie damit fertig waren, gingen sie alle aus dem Magazin hinaus mit Ausnahme von Old Donalds Son, welcher fragte, ob der Ballon aufgestiegen sei, da letzten Sommer im Norden zwei weiße Männer getötet worden seien, und man glaubte, daß diese von dem Ballon kämen. Ich schenkte dieser Geschichte nicht viel Beachtung, berichtete sie aber pflichtgemäß an Dr. Milne im Fort Dork. Später jedoch kamen zwei andere Eskimos, Stockby und sein Bruder, und diese brachten Nachrichten, welche sehr wenig Zweifel darüber obwalten lassen, daß die Andrse'sche Expedition hier im Norden zugrunde gegangen ist. Stockbys Bruder begegnete, als er vergangenen Sommer auf Moschusochsen jagte, vier weißen Männern, welche Hirsche schossen. Einige Eskimos, welche hinzukamen, sahen die Hirsche nicht und glaubten, die weißen Männer schössen auf sie. Darauf nahmen sie ihre Pfeile und Bogen und erschaffen zwei der Weißen, wobei sie den einen sofort töteten. Die anderen beiden liefen fort und wurden von den Eskimos verfolgt, ob sie entkommen sind, oder nicht, weiß man nicht. Stockbys Bruder sah die beiden armen Menschen daliegen, die Pfeile steckten in ihnen. Der eine war ein Mann in mittlerem Lebensalter, der kurz, breit und stämmig war. Dcr andere war ein junger Mann. Der ältere trug einen Knickerboker-Anzug mit gestreiften Strümpfen, der andere hatte einen Tuchanzug an, und beide trugen Mützen mit Blechmarken. Die Eskimos wollten haben, daß Stockbys Bruder mit ihnen zurückgehe, da ein großes rundes Ding, voll von Tabak, Kleidungsstücken, Munition u. s. w. im Norden läge, er ging aber nicht mit. Er brachte jedoch zwei Wolssfell-Teppiche mit und einen Teil eines Eskimoanzuges, wie er im hohen Norden getragen wird, nur um zu zeigen, daß er soweit gewesen war, wie er sagte. Ich habe dies dem Kommissar gemeldet. Unioersttät und Hochschule. Ernannt: Dr. Albano Brand von der Technischen Hochschule in Charlottenburg zum Professor daselbst. Sein Arbeitsgebiet ist die Metallurgie und Eisenhüttenkunde. — Der bisherige außerordentliche Prof. Dr. Krehl in Jena zum ordentlichen Professor der medizinischen Fakultät an der Universität Marburg. Verschiedenes: An Stelle des verstorbenen Dr. jur. A. Gille, der bisher die Präsidentschaft über das akademische Konzertinstitut in Jena innehatte, ist jetzt in gleicher Eigenschaft der bisherige Dirigent der akademischen Konzerte in Jena Dr. V. Naumann, getreten. — Einer Anregung des Kultusministers folgend, hat die philosophische Fakultät der Berliner Universität beschlossen, den Chemikern die Semester an preußischen technischen Hochschulen bei der Doktorpromotion künftig auf das akademische Triennium anzurechnen; doch sollen mindestens zwei Semester an einer deutschen Universität nachgewiesen werden. — Der neue Rektor der Berliner Universität, Professor Fuchs, hat einen Vortrag verboten, den die bekannte Sozialistin Frau Braun-Gizycki im sozial-wissenschaftlichen Studentenverein über das Thema: „Frauenarbeit in Deutschland" halten wollte. Nach der Begründung ist das Verbot erfolgt, weil die litterarischen Leistungen der Frau Braun einen mehr agitatorischen Charakter tragen und keinen wissenschaftlichen Wert besitzen. — Die Universität Marburg, bezw. ihre philosophische Fakultät, hat Sr. Excellenz Professor Dr. Eduard Zeller zu seinem 50jährigen Professorenjubiläum ofsizrell nicht gratuliert. Sie durste diesmal von einer Kundgebung dieser Art absehen, nachdem sie bei früheren Gelegenheiten wiederholt ihre Verehrung und tiefe Dankbarkeit dem ausgezeichneten Gelehrten bezeugt hatte; es fei hier nur an die Ernennung Zellers zum Ehrendoktor seitens der Marburger medizinischen Fakultät erinnert. Aber zu wünschen wäre, daß die Erinnerung an Eduard Zellers Marburger Wirken, das seine wissenschaftliche Bedeutung einleitete, auch in der Stadt festgehalten würde. Wir sind stolz auf unsere Sybelstraße. Eine Zellerstraße würde die Stadt mehr nach als den einstigen Marburger Gelehrten und Universitätslehrer ehren. (Oberh. Ztg.) — In der Aula der Marburger Universität führte man am Sonntag mittag in feierlicher Weise den neuen Rektor der Universität, Prof. Hans Meyer, ein. Nachdem die Chargierten der einzelnen Korporationen mit ihren Fahnen an den Seiten Ausstellung genommen, sang ein akademischer Chor, worauf der seitherige Rektor, Prof. Frhr. von der Ropp, einen Bericht über das velfiossene Jahr gab. Entsprechend der zunehmenden Zahl der Studierenden seien auch die Institute vergrößert und neue Lehrkräfte herangezogen worden. Hiernach sprach der neue Rektor über das Thema: „Entwickelung der Pharmakologie, wie sie früher war und wie sie sich jetzt gestaltet hat." — Frau K. ß. v. Schwartz in London vermachte der Regierung des Kantons Zürich ein Legat von 100 Pfund St. (2500 Fr.) zugunsten der Profesiorschast für internationales Privatrecht an der Universität Zürich — Professor Dr. Mendel, der ausgezeichnete Forscher und Universitätslehrer auf dem Gebiete der Psychiatrie und Nervenkrankheiten, feierte am 27. Oktober den 60. Geburtstag. — In Gent findet am 1 November eine große Versammlung der Vlamenführer statt, um die Umgestaltung der Staatsuniversität Gent in eine vlämische Universität einzrüeiten. foiilarii=Sriii.=|olifMk.i3,8o und höher — 14 Meter I — porto- und zollfrei zugesandt I Muster umgehend; ebenso von schwarzer, weißer und farbiger „Henneberg-Seide" von 75 Pfg. bis 18,65 per Meter. 7326 G. Henneberg, SeideR-Fabrikant (k. u. k. Hofi.) Zürich. fIL Sammet 8 Bahnhofstrasse 8. Giessern. 8 Bahnhofstrasse 8. Erimmer-Kragen in eleganten Ausführungen, von Mk. L.4O an. Golf-Capes prachtvolle Neuheiten, von Mk. 5.00 an. 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