Nr. S57 Erstes Blatt. Mittwoch den 1. November 1899 er Mittagstisch an Abonnement 7511 -freund. ' auch Heuer wieder die Bitte an men hiesigen Kindern ohne Ruch, bereiten, gütigst zu unterstützen, m mymrn gerne an unsere Lvr-. . Cendant Tonin-, BW« Otthatdl, Moä Or. tzru^rr, ldstckstz, Kaufmann 8. Roth IL iar-, Bordeaux- VOJasireitor Ausschank ron 'weissen und roten Tischww in vonlgüchet Qualität, 1615 üistÄ- n. kbendkarte amen und kalten Speisen aer MalossobCanar. . Ostender Austern ignacs, / za Worms a.M. tL.dl.Nov, *^'>5 i|ß|1 bis 200 j Gewerbe Gießener Anzeiger General-Anzeiger Bei Postbezug 2 Mark 50 Pjg. vierteljährlich. «uuahme von Anzeigen zu der nachmittag- für den felgtnbtn Tag erjcheinenden Nummer biS vorm. 10 Uhr. Alle Anzeigen-Dermittlungsstellen des In- und Auslandes nrhmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Erscheint täglich mit Ausnahme de» MontagS. ZZezugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg ntonallich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Di« Gießener Anmiltenötätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelrgt. Zlnrts- unb Anzergsbltttt fiiv den Tlvers Gieren. Redaktion, Expedition und Dnickerei: Kchnlstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kanbwirt, Klätter für hessische DalKsbunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51. IMP Abonnements "HW auf den Gießener Anzeiger für die Monate November und Dezember werden von allen Postanstalten, Zeitungsträgern und der Expedition, Schulstraße?, sowie den Zweig-und Abholestellen, jederzeit entgegengenommen. Amtlicher $eit Bekanntmachung. Nachdem in einer Schafherde zu Alten-Buseck die Maul- und Klauenseuche in großem Umfang festgestellt worden ist, haben wir die Sperre der Weide und der Gemarkung Alten-Buseck angeordnet. Das Durchtreiben von Llauenvieh durch die Gemarkung ist danach verboten. Gießen, den 30. Oktober 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Bekanntmachung. Nachdem die Maul- und Klauenseuche in der Gemarkung Bill in gen erloschen ist und die Desinfektion der verseuchten Stallungen stattgefunden hat, ordnen wir im Einvernehmen mit Großh. Kreisveterinäramt Grünberg die Aufhebung der getroffenen Sperrmaßregeln an. Gießen, den 31. Oktober 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Bekanntmachung. Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 19. September 1899, Gießener Anzeiger Nr. 223, geben wir bekannt, daß wir wegen der im Kreise Gießen sowohl als auch in den angrenzenden Kreisen noch stark verbreiteten Maul- und Klauenseuche genötigt sind, das Verbot des Hausierhandels mit Rindvieh, Schafen, Schweinen und Ziegen auf die Dauer von 4 Wochen vom 1. November l. I. ab zu verlängern. Gießen, den 31. Oktober 1899. Großh. Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Bekanntmachung. Unter dem Rindviehbestande des Karl Filsinger auf dem Rainhäuser Hofe bei Rabertshausen ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Gehöftsperre ist angeordnet. Gießen, den 31. Oktober 1899. Großh. Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Bekanntmachung. Nachdem in einer Schafherde zu Rödgen die Maul- und Klauenseuche in großem Umfange festgestellt worden ist, haben wir die Sperre der Weide und der Gemarkung Rödgen angeordnet. Das Durchtreiben von Klauenvieh durch die Gemarkung ist danach verboten. Gießen, den 30. Oktober 1899. Großh. Kreis amt Gießen. v. Bechtold. Bekanntmachung, betr.: Maul- und Klauenseuche. In Grüuberg ist in vier Gehöften die Maul- und Klauenseuche festgestellt und Sperre dieser Gehöfte sowie der Gemarkung verfügt worden. Danach unterliegt der Verkehr mit Rindvieh, Schweinen, Schufen und Ziegen folgenden Beschränkungen: Das Durchtreiben derselben von außerhalb durch Ort und Gemarkung ist verboten. Die Einfuhr von solchem Vieh über die Gemarkungsgrenze in dem gesperrten Ort ist nur zum Zweck sofortiger Abschlachtung gestattet oder für den Fall, daß es in der Gemarkung verbleibt. Die Ausfuhr ist ebenfalls nur zum Zwecke sofortiger Äbschlachtung mit schriftlicher Erlaubnis der Bürgermeisterei Grünberg auf Grund einer Aeußerung des Großh. Kreisveterinärarztes zulässig. Wer ein Stück Vieh an einen auswärtigen Metzger oder ein Schlachthaus liefern will, muß also zunächst die Untersuchung durch den Großh. Kreisveterinärarzt veranlassen, und wenn danach der Ausfuhr kein Hindernis im Wege steht, einen Erlaubnisschein der Großh. Bürgermeisterei lösen. Bei dem Transport muß er diesen Schein, der eine dreitägige Gültigkeit hat, mit sich führen und die vorgeschriebenen Transportbedingungen genau beobachten, auch der Polizeibehörde (Bürgermeisterei) des Empfangsorts Nachricht geben. Auf Antrag der Bürgermeisterei wird von uns im Bedürfnisfalle angeordnet, daß der Großh. Kreisveterinärarzt sich wegen Ausstellung solcher Bescheinigungen an einem bestimmten Lag wöchentlich, der ortsüblich bekannt zu machen ist, dienstlich einfindet. Die Sperrmaßregeln bezüglich verseuchter Gehöfte oder Weiden bleiben daneben bestehen. Im übrigen können Klauentiere aus nicht verseuchten Gehöften innerhalb der gesperrten Gemarkung zur Feldarbeit benutzt oder auf die Weide getrieben werden, nicht aber über die Gemarkungs- grenze hinaus. Ebenso können der Ansteckung verdächtige Tiere zur Feldarbeit innerhalb der Gemarkung benutzt werden; das sind solche Tiere, bei denen wegen des Zusammenstehens mit kranken Tieren im selben Gehöft oder Stall oder wegen Berührung mit krankem Vieh in irgend einer Weise die Vermutung besteht, daß sie angesteckt worden sind. Wer Grundstücke oder Anlagen in einer anderen Gemarkung besitzt, muß dieselben entweder durch Pferdegespanne oder aber durch Rindviehgespanne aus dieser anderen Gemarkung besorgen. Jede Weggabe von Milch aus der gesperrten Gemarkung darf nur nach vorheriger Abkochung erfolgen; ausgenommen, wenn die Abgabe an eine Molkerei erfolgt, welcher das Verbot der Abgabe ungekochter Milch zugegangen ist. Ausfuhr von Dünger, Rauhfutter und Stroh aus den Seucheställen des Sperrgebiets ist verboten. Gießen, den 30. Oktober 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. * Bom Kriegsschauplatz. In Südafrika drängen auf beiden Kriegsschauplätzen die Ereignisse zur Entscheidung. Ladysmith, wo die Generäle White und Aule sich vereinigt haben, wird von den Buren, nachdem die Oranjeleute den TranSvaalern die Hand gereicht, hart bedrängt. Die ersten Kämpfe um den Besitz der Stadt haben bereits stattgefunden, und die Engländer haben sich dabei nicht mit Ruhm bedeckt. Bald dürfte ihnen der Boden in Ladysmith zu heiß werden, zumal wenn es gelingt, ihnen die Wasserzufuhr abzuschneiden. Man berichtet uns: London, 29. Oktober. General Joubert stellte die Vereinigung mit den Oranjeburen her und bot Donnerstag den Engländern eine Schlacht an. Das Ergebnis ist unbekannt. Durban, 29. Oktober. Nach einer Depesche des „Natal Mercury" aus Ladysmith war dort gestern alles ruhig. Die Truppen halten Rast. Es wurde eine Abteilung Buren bemerkt, die schwere Geschütze bergaufwärts brachte. Nach einem heute in Durban eingegangenen späteren Telegramm sind die Buren näher auf Ladysmith vorgerückt und haben auf einem Kopje, das 2i/e englische Meilen gegen El and s- laagte zu von Ladysmith entfernt liegt, zwei schwere Geschütze aufgepflanzt. Ein Angriff wird stündlich erwartet; die Einwohnerschaft verhält sich ruhig. . London, 30. Oktober Den „Times" wird aus Ladysmith vom 29. d. M. gemeldet: Die Ballonabteilung hat einen Fesselballon über der Stadt aussteigen lassen, der die Stellung des Feindes und die Lage der Verschanzungen festgestellt hat. — Den „Times" wird aus Kapstadt vom 29. d. M. gemeldet: Nachrichten, die hier aus Ladysmith eingetroffen sind, zufolge, sind heute die britischen Vorposten mrt den Buren ins Gefecht geraten. General Joubert hat mit den Kommandos des Oranje-Freistaats Fühlung gewonnen. Die Gesamtmacht der Buren beträgt 16000 Mann, wenn nicht mehr, und hat nördlich von Ladysmith in einem Halbkreis mit einem Radius von 10 Meilen Aufstellung genommen. Eine Burenabteilung marschiert auch um die hintere Seite der Stadt, wahrscheinlich mit der Absicht, die Eisenbahn zwischen Ladysmith und Colenco abzuschneiden. Präsident Krüger soll jetzt in Glencoe sein. Kapstadt, 28. Oktober. (Meldung des Reutei'schen Bureaus.) Fünf Balatllone Jnfanlerte, drei Regimenter Kavalleite, eine Balterte Gebirgsartillerie, vier Feldbatterien und die Natal-Freiwilligen rückten aus Ladysmith gegen den Lombardfkop vor; eine Schwadron Husaren stellte d n Feind, welcher ein heftige» Geschütz- und Gewehrfeuer eröffnete. Zwei Pferde wurden getötet, ein Netter verwundet. Der Feind hatte eine starke Stellung bei DewalS Farm inne, der berittenen Infanterie gelang es nicht, ihn daraus zu vertreiben, und da durch einen Angriff am Nachmittag nichts erreicht werden konnte, bezog die Truppe ein Biwak. Bet Tagesanbiuch zog der Feind sich nach Rtelfontein zuiück. Ladysmith, 29. Oktober. (Reuters Bureau.) Die Buren schließen Ladysmith immer enger ein. Die nicht ortsansässigen Ctvtlpersonen erhielten Befehl, die Stadt zu oerlaffen. London, 29. Oktober. Eine Depesche de« Reutcr'schen Bureaus aus Ladysmith von heute abend 6 Uhr besagt: Heute war alles ruhig. Die W a s s e r z u f u h r, die unterbrochen worden ist, wird jetzt eben wiederhergestellt. Immer klarer wird es jetzt, daß der Rückzug des Generals Aule von Glencoe und Dundee in wilder Flucht sich vollzog, wie wir die Sache gleich von vornherein angesehen hatten. Es ist eine Mitteilung aus englischer Quelle, die besagt: General Aule ließ auf seinem nächtlichen Parforcemarsch in überstürzter Eile durch unwegsame Thäler fast seinen ganzen Train zurück, die Munitionswagen und alles schwereGe- schütz. Die Mannschaften warfen das Gepäck fort. Hunderte blieben zurück und wurden von den nachdringenden Buren gefangen. Aus einem von Samstag den 21. Oktober datierten „Central-News" Bericht aus Dundee geht hervor, daß dieser Ort schon in der Nacht vom (vorletzten) Freitag zum Samstag durch schwere Kanonenschüsse alarmiert wurde. Das Schießen hörte auf, fing aber um, 4 Uhr morgens wieder an, und um V25 Uhr fiel das erste Geschoß in das Lager und platzte in der Nähe des Lazaretts. Langsam und als ob nicht die geringste Eile erforderlich wäre, schossen die Buren ein Geschoß nach dem anderen hinüber, von denen verschiedene in der Nähe des Lazaretts einschlugen, andere in der Stadt und ihrer Umgebung. Als der Tag anbrach, sah man auf dem 3 engl. Meilen nördlich der Stadt gelegenen Umpati-Hügel eine große Zahl Buren, die auf dieser das Lager beherrschenden Anhöhe eine Batterie schwerer Geschütze aufgestellt hatten. Da die BurewKanoniere die Schußweite zum englischen Lager festgestellt hatten, mußte dasselbe etwas nach Süden, mehr in die Nähe des Jndumeni-Hügels verlegt werden. Gleich darauf ergoß sich ein schwerer Gewitterregen über Dundee, und das Schießen der Buren hörte infolgedessen eine zeitlang auf. Die britischen Truppen änderten dann wieder ihre Stellung, machten aber keinen Versuch, das Feuer der Buren zu erwidern. Sämtliche Truppen standen unter den Waffen bereit. Um halb sechs Uhr feuerten die englischen Geschütze einige Runden ab, aber ohne Resultat. Dann wartete man den ganzen Morgen hindurch ängstlich auf einen Angriff der ganzen Masse der Buren. In den ersten Nachmittagsstunden hörte man ein entferntes Schießen, wußte aber nicht, was es bedeutete. (Es muß der Kampf bei Elandslaagte gewesen sein.) Inzwischen hatte die Civilbevölkerung Befehl erhalten, Dundee zu verlassen. Später zog sich auch das Militär nach Glencoe zurück und nahm alles mit, was mitzunehmen war. Doch blieb genug für die Buren zurück. Die Kranken und Verwundeten wurden ebenfalls zurückgelassen, und einige englische Acrzte blieben bei ihnen. Der „Daily Mail" zufolge hatten die Einwohner von Dundee 40 englische Meilen weit bis zur nächsten Stadt zu Fuß zu gehen, woselbst sie in höchst bedauernswertem Zustande ankamen. Sie hatten außer der Kleidung, die sie an sich trugen, alles eingebüßt. Unter diesen Flüchtlingen befand sich auch der ehemalige Premierminister von Natal, Escombe. Einige dreißig Geschosse sollen die Buren in die Stadt und das Lager von Dundee geworfen haben. — Ueber die Verluste der Buren in der (ersten) Schlacht bei Glencoe am 20. d. M. meldet ein amtliches Telegramm des Generals Whites dieselben hätten 500 Tote und Verwundete betragen; auf dem Gipfel des Telanca-Hügels sind drei von den Buren in unbrauchbarem Zustände zurückgelassene Geschütze gefunden worden. Das letztere wird richtig sein; ob aber die englischen Angaben über die Verluste der Buren stimmen, entzieht sich noch ganz der Kontrolle. Selbstverständlich sind sie vorläufig stets bedeutend größer als die der Engländer! — Die Belagerung Mafekings auf dem westlichen Kriegsschauplatz scheint nach wiederholter Beschießung durch die Buren die Verteidiger doch nach und nach mürbe zu machen. Ein vierstündiges Bombardement am 21. Oktober soll resultatlos verlaufen sein, am 23. richteten dagegen die Geschosse der Buren arge Verwüstung im Innern der Stadt an, am 24. wurde die Wasserzufuhr abgeschnitten und unterm 27. ging, wie gemeldet, in Prätoria die Meldung ein, Mafeking stehe in Flammen. Kapituliert hat die Stadt indessen anscheinend noch nicht; die betreffenden Meldungen waren wohl verfrüht. — Auch Kimberley hält sich noch. Wir erhalten hierüber folgenden Bericht: London, 30. Oktober. Die „Times- melden aus De Aar vom 28. Oktober: Einem Spezialtelegramme aus Kimberley vom heutigen Tage zufolge herrscht dort eine äußerst zuversichtliche Stimmung. Die britischen Rekognoszrerungstruppen sind auf sieben Meilen vor die Stadt vorgeschoben. Die Hofräume sind mit Vorräten angefüllt, die, wie man annimmt, für neun Monate ausreichen. Die Meldung, nach der nur kleine Rationen zur Verteilung gelangen, ist völlig unrichtig. In den Bergwerken wird noch gearbeitet. Wie verlautet, werden von Kimberley belagernden Buren Verstärkungen durch die Abteilung Cronje's vom östlichen Kriegsschauplätze erwartet, worauf der Angriff auf die Stadt erfolgen soll. ♦ * * Berlin, 30. Oktober. In Wien und London war Heute das Gerücht verbreitet, daß die Engländer den befestigten Platz Mafeking bedingungslos übergeben hätten. Hierzu teilt uns die hiesige englische Botschaft mit, daß ihr von einer solchen Uebergabe nichts bekannt sei und daß sie daher die Richtigkeit des Gerüchts sehr in Zweifel ziehen müsse. Loudon, 30. Oktober. Von Privater Seite wird berichtet, daß bei dem G e f e ch t in der Nähe von R i e t f o n t e i n 8 Buren gelötet und 150 verwundet worden sind. London, 30. Oktober. Die „Times" veröffentlicht ein Telegramm aus Ladysmith, wonach dort gerüchtweise verlautet, daß sämtliche Munition für den General White, welche aus Durban nach Pietermaritzburg unterwegs war, von den Buren abgefangen worden ist. Pietermaritzburg ist vollständig abgeschnitten. London, 30. Oktober. Hier zirkulieren pessimistische Nachrichrichten über die Ereignisse in Natal. Das Stillschweigen des Kriegsamtes hierüber wird von der Bevölkerung übel ausgenommen. London, 30. Oktober. Aus Prätoria kommt die Meldung, das de utsche Korps ist re orga nisi ert unter dem Befehl des Hauptmannes von Albedyll. Das Regiment ist auf seine ursprüngliche Stärke von 600 Mann gebracht worden. London, 30. Oktober. Aus Pietermaritzburg meldet ein Telegramm, eine starke britische Truppen-Abteilung marschierte von Ladysmith aus, um den Feind abzuschneiden. Derselbe liegt in starker Anzahl nahe bei der Stadt. Bei einem Scharmützel mit den Vorposten verlor der Feind 20 Mann und mußte sich zurückziehen. London, 30. Oktober. Die Zeitungen melden, in Devonport verlaute, die Admiralität beabsichtige eine sofortige Mobilisierung der A.Division der Flotten- Reserven, bestehend aus 29 Kriegsschiffen in den Häfen Chatham, Portsmouth und Devonport. In militärischen Kreisen wird bezweifelt, daß alle 29 Schiffe mobilisiert werden, da dies eine enorme Belastung der Depots bewirken würde, und ein solcher Schritt nur bei ganz ernster Gefahr in Betracht zu kommen Pflege. Aus Portsmouth wird gemeldet: Aufsehen erregte gestern der für Sonntag ganz ungewöhnliche Zusammentritt einer Konferenz aller hoher Flotten.Offiziere unter dem Vorsitz des Admirals Pelham-Aldrich. Ueber das Resultat wird strengstes Geheimnis gewahrt. Kaiser Wilhelm au sein euglisches Dragoner-Regiment. London schwimmt in Freude. Allerdings liegt der Grund nicht in günstigen Nachrichten vom Kriegsschauplätze — diese sind vielmehr nicht so sehr erfreulich, da die Buren das wichtige Ladysmith cerniert haben — aber ein freundliches Telegramm des deutschen Kaisers stärkt die trüben Gemüter. Näheres sagt folgendes Telegramm: London, 30. Oktober. Kaiser Wilhelm telegraphierte an Oberst vurn Murdoch, Kommandeur seines Regiments der ersten königlichen Dragoner, welches gestern nach Südafrika absegeln sollte, folgendes: Bid my farewell to the regiment! May you all reture unecathed and well. William J. and R. (Entbieten Sie dem Regiments mein Lebewohl! Mögen Sie all? unbeschädigt und wohl zurückkebren. i Wilhelm I. R.) Die Veröffentlichung der Kaiserlichen Botschaft im Regimentsbefehl erregte die lebhafteste Freude beim ganzen Regiment. Die Blätter drücken ihre hohe Befriedigung darüber aus, da sie das Wohlwollen des Monarchen für England in dem gegenwärtigen Kampfe außer Zweifel setze. — Das Regiment konnte zu seiner Enttäuschung gestern nicht abgehen, da die Arrangements auf dem Transportschiff „Manchester Port", womit es von Tilbury absegeln sollte, nicht beendet waren. Man hebt hervor, daß das Kriegsministerium an dem Verzüge keinesfalls schuld sei, da die Admiralität für die Transport-Arrangements ver- I antwortlich sei. Eine große Menschenmenge hatte sich in den Docks eingefunden, um dem Abgang des Regiments Kaiser Wilhelms beizuwohnen, und es herrschte große Enttäuschung über den Aufschub desselben. Dennoch herrschte I eine gehobene Stimmung infolge der kaiserlichen Botschaft. Die Engländer haben Grund zu ihrer Freude. Handlungen, die bei Privatleuten als bloße Höflichkeiten gedeutet werden könnten, erhallen sofort eine hervorragende polnische Bedeutung, wenn sie von Herrschern mächtiger Staaten ausgehen. So wenig der Wortlaut des Telegramms an die First Royal Dragoons politischen Charakter hat, es wird in der ganzen Welt gedeutet werden als ein deutscher Sympathiebeweis für England. Deutsches Keich. Berlin, 30. Oktober. Der Kaiser hat für die in Wilhelmshaven und Kiautschou zu begründenden Seemanns- Häuser für Unteroffiziere und Mannschaften der kaiserlichen Marine ein Geschenk von'je 10 000 Mark, im ganzen also 20 000 Mark gemacht. - — Der Beschluß, (Die New-Iorker Lebens-Versicherungs-Gesellschaft in Preußen wieder zuzulassen, ist in der letzten Sitzung des Staatsministeriums gefaßt worden, nachdem die Gesellschaft sich bereit erklärt hat, sich denselben Bedingungen zu unterwerfen, denen die inländischen Gesellschaften unterliegen. — Zu den Blättermeldungen von der Zerstörung der Missions-Station Kripi und Bambua berichtet die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", daß nach nunmehr eingetroffenen amtlichen Berichten aus Kamerun die der Pallottiner Mission zugefügten bedauerlichen Verluste als im Zusammenhang mit einem bereits vor Wochen gemeldeten Angriff des Buli-Stammes auf Kribi bestätigt werden. Die Veröffentlichung des Inhaltes der amtlichen Berichte soll unmittelbar bevorstehen. — Der Staatssekretär des Reichsmarineamtes Kontre- Admiral Tirpitz ist für heute zum Jmmediatvortrage nach Liebenberg zum Kaiser befohlen. fr — Die Staatsmini st erial-Sitzung am Samstag dauerte fünf Stunden, und zwar von 3 bis 8 Uhr. Außer den' Ressortministern nahmen die Staatssekretäre Graf Bülow, Freiherr von Thielmann und von Podbielski an der Sitzung teil. Kontre-Admiral Tirpitz war nicht zugegen. — Ueber den Rücktritt desOberstkämmerers Christian Kraft zu Hohenlohe-Oehringen von seinem Hofamt wird der „Nord. Ztg." folgendes erzählt: Fürst Hohenlohe hatte als oberster Hofbeamter denjenigen Personen her Hofgesellschaft (Kammerhern u. s. w.), die als Landtagsabgeordnete gegen die Kanalvorlage gestimmt, das Schreiben zugehen lassen, daß auf ihr Erscheinen bei Hofe bts auf weiteres kein Wert gelegt werde. Fürst Hohenlohe ist bekanntlich Herrenhausmitglied und da er glaubt, daß er sich in seiner Abstimmung über die Kanalvorlage binden würde, wenn er weiter in seinem obersten Hofamt bleiben würde, so zog er es vor, aus demselben zu scheiden, um eben freie Hand im Herrenhause zu haben. Frankfurt a. M., 30. Oktober. Der Großherzog von Sachsen-Weimar ist gestern von hier nach Wiesbaden gereist und wird sich morgen vormittag von dort direkt nach Baden-Baden begeben. Ausland. Wien, 30. Oktober. Anläßlich der Feier des Reformationsfestes fand gestern in der evangelischen Stadtkirche der Uebertritt von 27 Personen vom katholischen zum evangelischen Glauben statt. Wien, 30. Oktober. Die Stellung der Jungtschechen ist in der Parlaments-Majorität unhaltbar geworden, sodaß ihr Austritt aus derselben bevorsteht. Budapest, 30. Oktober. Im Abgeordnetenhause brachte der Abgeordnete Barabas im Namen der unabhängigen Parteien eine Interpellation ein wegen der Vorgänge bei den Kontroll-Versammlungen. In derselben wurde der Kriegsminister heftig angegriffen, weil er die ungarischen Reservisten zwinge, sich deutsch zu melden. Kuttenberg, 30. Oktober. Der hiesige Gemeinderat beschloß, wegen der Aufhebung der Sprachen-Ver- ordnungen die Verhandlungen mit dem Justiz- mi nist er wegen Tausch des Bezirksgerichts Kuttenberg solange zu unterlassen, bis den Tschechen volle Genugthuung gewährt sei. Rom, 30. Oktober. Der gewesene Ministerpräsident Giolitti hielt gestern vor seinen Piemontesischen Wählern j eine Rede, in welcher er sich gänzlich von den Konservativen lossagte und erklärte, daß gewisse sozialistische Forderungen Beachtung verdienten und daß die von den Sozialisten betriebene Obstruktion gegenüber dem Verhalten der Regierung erklärlich sei. Rom, 30. Oktober. Die für heute anberaumte I Schwurgerichts-Verhandlung gegen die drei sozialistischen Abgeordneten, welche die Urnen in der Kammer umgestoßen hatten, wurde vertagt und die Abgeordneten I auf freien Fuß gesetzt. Paris, 30. Oktober. Das „Journal" berichtet, daß der Sohn der Königin Viktoria, der Herzog von Connaught, welcher an dem südafrikanischen Kriege teil- I nehmen wollte, auf Veranlassung des General Buller von seinem Vorhaben absehen mußte. Buller er- I klärte, er könne die Verantwortung für den Herzog nicht I übernehmen. Paris, 30. Oktober. Dem „Rappell" zufolge ist König Menelik mit 40,000 Mann Truppen nach dem I Nigergebiet unterwegs, angeblich, um dort sein Ansehen wieder zu heben. Paris, 30. Oktober. Der Staatsgerichtshof hat heute I einstimmig beschlossen, DoroulSde nicht wegen des Handstreiches gegen die Republik sondern nur wegen Komplottes zu verfolgen. Paris, 30. Oktober. Eine Delegation der französischen Afrika-Gesellschaft hatte heute bei dem Minister des Auswärtigen eine Audienz, um diesen zu ersuchen, die Initiative zu internationalen Verhandlungen zu ergreifen, I um die Neutralisation der Delagoa-Bai zu I sichern. fstarks Md PrsvinMer. Gießen, den 31, Oktober 1899. " Gtschichtskalender. (Nachdruck verboten.) Vor 22 Jahren »m11L9?ILDember 1877, starb zu Berlin der Genrralseldmai schall Friedrich Graf v. Wränget, eine der populärsten Erscheinungen tm preußischen Heere. „Papa Wränget" war beliebt, wie einst Ziethen und Blücher; an letzteren erinnert auch seine originelle Aus- brucksweise, eS kam ihm nicht auf „mk* und „mich" an. Die Dank- ba.k-tt setzte ihm ein D-nkmal auf dem Leipziger Platz zu Berlin. W. wurde am 13. April 1784 zu Stettin geboren. ** Der Oktober scheidet. Er hat sicher einen Abschiedsgruß verdient, denn herrliche Zeit hat uns in den Tagen semer Herrschaft erfreut und ein schöner Oktober hat deswegen doppelten Wert, weil er uns die Länge des rauhen Winters weniger fühlen läßt und die letzten Feldfrüchte noch mit Lust und Freude an den schönen Tagen geerntet werden können, ohne das oft eintretende leidige Händefrieren ! und Schütteln vor Näffe. Der diesjährige Oktober hat uns bis auf wenige Tage mit des Himmels Bläue, warmem Sonnenschein und der reinsten Luft gelächelt. Ihm sei Dank dafür! * e * ** Von der Universität. An der Landesuniversität haben am letzten Freitag die juristischen Sondervorlesungen der Professoren Dr. A. Schmidt und Bier mann für die Mitglieder der standesherrlichen Familien des Großherzogtums und die ersten Beamten der standesherrlichen Verwaltungen begonnen. Die Beteiligung war eine sehr starke. Anwesend waren der Fürst zu Ysenburg- Büdingen, der Fürst zu Solms-Lich, der Graf zn Solms-Rödelheim, die Erbgrasen zu Ysenburgf. Meerholz, zu Solms-Laubach, zu Erbach-Schön-- berg u. a. m. Mitte November werden wiederum an zwei aufeinander folgenden Tagen vier Vorlesungen gehalten. Das Gleiche ist für die weiteren Monate des Wintersemesters vorgesehen. •* Ordensverleihungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 16. September dem Schullehrer Nikolaus Kredel zu Petterweil aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums die Krone zum Silbernen Kreuz — am 20. September dem Schullehrer Heinrich Kling zu Watzenborn-Steinberg aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen. Oesfentliche Anerkennnng einer edlen That. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem Gym< nasiasten Felix Klip st ein zu Laubach, in Anerkennung der von demselben am 7. Juni d. I. mit Mut und Entschlossenheit, sowie unter eigener Lebensgefahr bewirkte» Rettung des Gymnasiasten Paul Kreß zu Laubach vom geruht des ®rtnnfcnd bie Rettungsmedaille zu verleihe» , "Aus dem Gerichtsdienst. Durch Entschließung Groß- herzoglichen Ministeriums der Justiz wurden beauftragt: mtt Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amts- richters bei dem Amtsgericht Herbstein der Gerichtsaffefsor N o a ck in Darmstadt, bei dem Amtsgericht Darmstadt I ber Gerichtsaffefsor Hanstein in Darmstadt, bei dem Amtsgericht Darmstadt II der Gerichtsassessor Dröll i» Zwingenberg, bei dem Amtsgericht Höchst der Gerichts- assessor Trautwein in Lorsch, bei dem Amtsgericht Beer- felden der Gerichtsassessor Dietz in Offenbach, bei dem Amtsgericht Offenbach der Gerichtsasseffor Strack in Offenbach, bei bem Amtsgericht Gernsheim ber Gerichtsassessor I Trapp in Offenbach; mit Wahrnehmung ber Dienst- verrichtungeneines Amtsanwalts bei ben Amtsgerichte« öffenbad) unb Seligenftabt ber Gerichtsasseffor Dr. Mabr «L-rarm,2abt . “ Errmnnt würbe am 25. Oktober der Philipp Stork zu Darmstadt zum Schreibgehilfen bei dem Amtsgericht Darmstadt II. Q " V°rw>g. Wie früher, so sind auch in diesem Jahre der „Kaufmännische Verein" sowie der „Orts- I gewerbe herein" wiederum bemüht gewesen, durch Gewinnung geeigneter Persönlichkeiten, die von beiden Vereinen veranstalteten Vortragsabende zu recht lehrreichen für die Allgemeinheit zu gestalten. Der erste, gestern abend i» «Steins Saalbau" stattgefundene Experimentalvortraq der Herren Physiker Clausen und v. Bronk aus Berlin über Telegraphie ohne Draht, hatte eine äußerst zahlreiche Zuhörerschaft herangezogen. Unterstützt durch die erforderlichen Apparate, wies Redner einleitend elektrische Ströme von geringer und hoher Spannung uiio die Wirkungen derselben nach. Rach Vorführung und Erklärung der Einwirkung des Stromes auf luftleere Röhren, der Röntgen-Strahlen rc., zeigte derselbe die Leucht Wirkung des noch sehr unbekannten Radium, sowie die Leuchterscheinungen ohne jede Draht- zuleitung. Uebergehend zu dem eigentlichen Thema, führte der Vortragende das Auffangen des Stromes durch eigens hierfür erfundene Apparate vor und wie ein mit diesen in Verbindung gebrachter Schreibapparat getreulich Striche und Punkte der Aufgabestation wiedergiebt. Wenngleich dies auch nur Anfangsversuche sind, führte Redner weiter aus, so ist hier doch der Weg für ein in Kriegsfällen nicht zu unterschätzendes, äußerst praktisches Benachrichtigungsverfahren angedeutet. Wohl bedarf es noch vieler Verbesserungen, damit vor allem ein unbefugtes Auffangen des Stromes ausgeschlossen wird. Doch wie alle große Erfindungen aus kleinen Anfängen hervorgegangen, so wird auch hier die Zukunft zeigen, was der menschliche Geist vermag. Reicher Beifall lohnte den Redner am Schluß seines ungefähr zweistündigen Vortrages. Den veranstaltenden beide» Vereinen aber sei auch an dieser Stelle für den lehrreichen Abend öffentlich gebankt. ** AvS bem Theaterbureau. Morgen Mittwoch findet die dritte und zugleich letzte Aufführung des Schwankes „Der Schlafwagen-Kontrolleur" statt. — Was die heutige Vorstellung von „Als ich wiederkam" betrifft, fo wird ganz besonders darauf aufmerksam gemacht, daß vorläufig nur diese eine Ausführung stattfinden kann, indem die Gestaltung des Repertoirs eine Wiederholung der Novität vorerst nicht zu läßt. ** Die Ortsgruppe Gießen des Alldeutschen Verbandes hielt gestern, Montag, in der Restauration Weidig eine von ca. 40 Personen besuchte Versammlung ab. In Er- . »nb H.11, 1 Honet Qitnt $etl Tage, ™ di«'?" Ü. 3tn Nende IriL N^M ' dirsjähn^ LCfTltte8 'ZSU NÄZS $Jn Familien des ®tS’ ,£* Ä W«u«v ””••»«<6, btt ©rat B N'" «” 91-nbutg* i« Stbaij.gig;, ^"«de° witbetum «» “inet $ot!e[intgen gehalten ®onate bs ®iitajetitftaj «-«gliche Mtjl b(r 'V.getch, am 16. Etp. ” ®“?,eI i« fcttalwil MechubilSiim die 20- September dem Schul- nborn-Steinberg aus Anlaß nb das Silberne Kreuz des roßmiitigen z« verleihen. tim edlen Thal. Seine erzog haben dem Tyr» Saubad), in Unttttnnnn) b. 5- mit M unb tznt- nti Lebensgefahr bewirkte» >qu1 Kreß zu Laubach vom üungsmdaille zu verleihen Durch Entschließung Groß- Justiz wurden beauftragt: Herrichtungen eines Amls- -erbstein der Gerichtsassessor m Amtsgericht Darmstadt I n in Darmstadt, bei de« Aerich/SaMor Dröll li trift fiöd)ft her ®ttid)M> bei dem Amtsgericht Benetz in Offenbach, bei denr MUvr Straäin Osfen- rntzheirn der Gerichtsassessor Wahrnehmung der Dienst- alts bei den Amtsgerichte» eGerichtSassessor vr. Mahr wurde am 25. Oktober der zum Schreibgehilfen bei de« r so sind auch m diesem herein" sowie der Mgernes^darch Gewinn- liW d-rl-'b" uno die «» 8 6r,,ära £&■*> t«. ‘“ÄW iugder mH W f/ xt-ht- an e,9e „ bnrj -'S"- en *,»2*6 mit diese, m web,.-6h te «einer W’* je find. 1»? erfüll' «# .8 ttO(6 vieler m bedarf e8 Auffangen em unbE g„ße Doch roie ?n fo wirb anch rrKs- *«* f . li findet Morgen ®^"©^wänM 1 [ (gt‘ l1111,;«» btlttfi1 tzstzs ?... ?S5S*y ledigung der Tagesordnung erstattete Gerichtsaccessist Prosch Erricht über den in Mainz am Sonntag stattgefundenen Rhein Main-Gautag, auf dem der Oesterreichische Reichsratsabgeordnete K. H. Wolf unter dem unglaublichsten Jubel der 4000 in der Stadthalle Erschienenen sprach. Richt des deutschen Schwerts und keiner reichsdeutschen Unterstützung in materieller Hinsicht bedürfen die Deutschen Oesterreichs, sondern er wünschte mit allen anderen Oesterreicher Deutschen nur die Liebe und Anteilnahme der reichsdeutschen Stammesbrüder zu erringen. „Wir wollen", rief er unter brausendem Jubel aus, „daß Deutschland nicht mehr mit dem dickblütigen Phlegma unserm Kampfe um Leben oder Tod unserer Nationalität zuschaut. Wir wollen Eure Liebe und Eure Herzen, die schlagen mögen für uns in unserm gewaltigen Kampf ums Deutschtum". — Nähere Angaben über den Tag werden an anderer Stelle dieses Blattes zu finden sein. Wir beschränken uns nur darauf hinzuweisen, daß die Herren Direktor Dr. Horn-Frankfurt und Kapitänleutnant Weyer für den kommenden Winter der Ortsgruppe Gießen Vorträge in Aussicht gestellt haben. Nach dem Bericht über den Verbandstag des Rhein-Main-Gauverbandes, dem die Ortsgruppe Gießen beitritt (ebenso wie Marburg und Kassel) wurde die nächste Thätigkeit der Ortsgruppe von dem Berichterstatter entworfen. Derselbe teilte mit, daß außer von Dr. Horn und Weyer auch noch verschiedene andere Redner Vorträge für diesen Winter zugesagt hätten und daß in der nächsten Woche ein Transvaalvortrag gehalten werden wird. Weiter wurde die Stellung der Ortsgruppe zu der Frage der Errichtung einer Bismarcksäule besprochen *nd für den 1. April nächsten Jahres die mit den anderen Vaterländischen Vereinigungen anzustrebende Ermöglichung der Abbrennung von Bismarckfeuern. — Neu hinzu- getreten sind außer einer größeren Anzahl Einzelmitglieder am gestrigen Abend als korporative Mitglieder: die Burschenschaft Alemannia und der Verein deutscher Studenten. — Bis zur definitiven Wahl eines Vorstandes hat Herr Gerichtsaccessist Prosch, Schillerstraße 14, die Geschäfte der Ortsgruppe unter deren Zustimmung noch weiter übernommen. •• Die Stenographengesellschaft Gabelsberger in Gießen, die während ihres erst zweijährigen Bestehens 12 Anfängerkurse mit dem besten Erfolge zu Ende geführt hat und deren Mitgliederzahl durch diesen Umstand von 7 auf nahezu 50 gestiegen ist, eröffnet, wie ans dem Inseratenteile ersichtlich, am Freitag dem 3. November einen Anfängerkurs in der Gabelsbergerschen Stenographie. Der noch so junge Verein kann während seiner bisherigen Thätigkeit auf eine recht segensreiche Arbeit zurückblicken. Hat doch der in Grünberg gegründete Verein unter bewährter Leitung nach kaum Jahresfrist die gleiche Mitgliederzahl erreicht und vor kurzem einen Damenkurs eröffnet, der vor einigen Tagen zur Gründung eines Damen-Stenographen-Vereins geführt hat. Die Klagen, die früher über die Teilnahm- losigkeit derer geführt wurden, welche die Stenographie schon seit Jahren hätten mit größtem Nutzen verwenden können, verstummen allmählich. Dank der Rührigkeit der Stenographenvereine ist man fast allenthalben zu der Einsicht gekommen, daß der Kaufmann, der Beamte oder was er sonst fei, Stenographie lernen muß, wenn er nicht weit zurückstehen will, ja es wird die Zeit nicht mehr allzufern sein, wo die Erlangung einer Stelle von der Kenntnis der Stenographie abhängig gemacht werden wird, wie es schon heute sehr oft geschieht. Die Leitung des Kursus liegt in bewährten Händen, so daß wir auch an dieser Stelle nicht verfehlen wollen, auf diesen Kurs hinzuweisen. ** Schlägerei in der Bleichstraße. Herr Gastwirt Gustav Schulze, Bleichstraße 5, ersucht uns, die in voriger Nummer enthaltene Notiz über eine Schlägerei dahin zu ergänzen, daß dieselbe nicht in seiner Wirtschaft stattgefunden. Eingesandt. Gießen, 31. Oktober 1899. Im Anschluß an das erste Konzert seien dem Konzert- • er ein folgende Wünsche dringend an« Herz gelegt: 1) Der Vorstand möge dafür forgen, daß der Klubsaa! in vernünftiger Weise geheizt wird; eine infernalische Hitze, wie sie am Samtztag herrschte, kann einem das beste Konzert verleiden. 2) Der Vorstand möge dasür sorgen, daß Leute, die zu spät kommen, nicht während eines VortrageS eingelassen werden. Da nicht alle Leute empfinden, wie sehr sie durch ihren verspäteten Eintritt stören, so ist in dieser Beziehung mit unerbittlicher Strenge zu verfahren. 3) Der Vorstand möge dafür sorgen, daß in dem Neben saal und in den Garderoberäumen während des Konzerts Ruhe herrscht. 4) Der Vorstand möge dasür sorgen, daß nach Beendigung der Konzern die Besucher in der Lage sind, das Klubgebäude so schnell wie möglich zu verlasst». Letzteres wird in der Regrl «ehr erschwert durch die Unsitte vieler junger Herren, nach dem Konzert (cf. Theater) sich im HauSgang -uszupfl anzen und Parade zu Athen. DieS sollte einfach polizeilich verboten fein Uebrigens bringen eS auch Besucher mitunter fertig, gerade öor betn Austritt auf die Straße sich in der gründlichsten SBeife ja be0Tü6en, resp Abschied von einander zu nehmen, roeS füglich an einem anderen Orte und zu anderer Zett geschehen sollte. Die Unzulänglichkeit der Raumverhältnifse im Gesellschaftsgebäude ist ja hinlänglich bekannt. Das Publikum sollte deshalb ebet auch selbst alles thun, um sie nicht noch unerträglicher zu machen. Die Vergeßlichen aber und Widersetzlichen sollten immer wieder zurechtgewiesen werden. ________________________ Dr. X. Daudet und Uerkchr. Volkswirtschaft. Gieße«, 31. Oktober. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. M 0.80—1.00, Hühnereier per St. 7—8 H, 2 St. 00—00 Enteneier 1 St. 0-0 Gänse- ekr per St. 0-00 H, Käse 2 St. 6-8 H, Küsematte 2 St. 6-6 H Erbsen per Lüer 18 H, Linsen per Liter 29 Tauben per Paar 0.70—0.80, Hühner per St. JL 1.00—1.10, Hahnen per Stück •* 0 60—1.00, Enten per St. M 1.80—2.00, Gänse per Pfund 0^-0 50, Ochsenfleisch per Pfd. 68-74 Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—64 H, Schweinefleisch per Pfd. 66—74 Ä, Schweine- steisch, gesalzen, per Pfd. 78 Kalbfleisch per Pfd. 64-66 Hammelfleisch per Pfd. 60—70 Kartoffeln per 100 Kilo 3.70 biS 4.00Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per (Str. M 6.00—6.00, Milch per Liter 16 H, Zwetschen per Ctr. 10,00—11,00, Aepfel per Str. 7,00—10,00 Mk. Frankfurter Börse vom 30. Oktober. Wechsel auf New-York zu 4.19i/2-201/2. Prämien auf Kredit per ult. November 2.06 / , do. per ult. Dez. 3.50°/ , Diskonto Kommandit per ult. Nov. 1.60V , do. per ult. Dez. 2.7OVo, Lombarden per ult. Nov. 0.70%) do. per ult. Dez. 1.05Vo, Staatsbahn per ult. Dez 3.10»/». Notierungen: Kreditaktien 232.20-50, Diskonto - Kommandit 192.10-192-129.10, Staatsbahn 141.90, Gotthard 143.20, Lombarden 31.90, Ungar. Goldrente 97.50, Italiener 92 90, 6prozentige Mexikaner —, 3proz. Mexikaner 25.80, Oesterr. Coupons 84Ve, Amerik. Coupons 4.18, Privat-Diskont 51/4 /0 G. 11/4 bis 23/< Uhr: Kredit 232.40-60. Diskonto Kommandit 192.—, Staatsbahn 141.90, Lombarden 31.90-32.60, Cazo liegen - schiedt 182-182.30. Stuttgart, 29. Oktober. (Allgemeiner Deutscher Verfiche- rungS-Verein.) Vom 1. Januar bis 30. September 1899 wurden 47 610 neue Versicherungen abgeschloffen und 9 976 Schadenfälle reguliert. Von letzteren entfallen auf die Haftpflichtversicherung 4742 Fälle und zwar 2808 wegen Körperverletzung und 1934 wegen Sachbeschädigung; auf die Unfallversicherung 4640 Fälle, von denen 18 den sofortigen Tod und 48 eine gänzliche oder teilweise Invalidität der Verletzten zur Folge hatten. Von den Mitgliedern der Kapttalveisicherung für den Todesfall find im gleichen Zeiträume 594 gestorben. Am 1. Oktober 1899 waren 315490 Policen über 2 236 255 versicherte Personen in Kraft. Paris, 30. Oktober. Neuerdings hat, wie man uns mitteilt' eine Pariser Gesellschaft mit dem Titel „Exposition Internationale en 1900" wiederholt versucht, mit einer Anzahl die deutsche Abteilang der Pariser Weltausstellung beschickender Firmen Beziehungen anzuknüpfen. Da die von der Gesellschaft verwendeten Couverts und Briefbogen die Aufschrift „lUpublique Fran^afse* und Ville de Paris- Neully“ tragen und im Ausdruck auch im übrigen den Publikationen der amtlichen französischen Ausstellungsleitung ähneln, kann bei Nichteingeweihten leicht der Eindruck hervorgerufen werden, als handele es sich bei dem Unternehmen um die von der französischen Regierung veranstaltete große Weltausstellung vom Jahre 1900. Nach den an amtlicher Stelle in Paris eingezogenen Erkundigungen steht diese Gesellschaft indes in keiner, sei es direkter, sei es in indirekter Beziehung zur Pariser Weltausstellung. Es kann daher den deutschen Firmen nur auf das dringendste geraten werden, von jeder Verbindung mit der genannten Gesellschaft abzusehen. Neueste Meldungen. Depeschen deS Bureau „Herolds Berlin, 31. Oktober. Das „Berliner Tageblatt" schreibt: Unseren Informationen zufolge hat sich allerdings der Bundesrat als solcher bis zur Stunde mit den Flottenplänen der obersten Reichsbehörden noch nicht befaßt. Dennoch glaubt man zu wissen, daß eine Anzahl Bundesfürsten, darunter der König von Württemberg und der Großherzog von Baden ihre Ueberein- stimmung mit dem Ensemble des Planes bereits ausgesprochen haben. Berlin, 31. Oktober. Zu der Nachricht, daß zwischen der Kolonial-Abteilung des Auswärtigen Amtes und Herrn Alfred Beit Verhandlungen über das bekannte Rhodes - Projekt stattfinden, schreiben die „Berliner Neuesten Nachrichten": Wir möchten noch bezweifeln, ob Herr Beit die geeignete Persönlichkeit für Unterhandlungen ist, bei denen hervorragende deutsche Interessen auf dem Spiele stehen. Creuzot, 31. Oktober. Das neue Arbeiter-Syndikat stellte gestern die Statuten auf. Dieselben wurden einstimmig von den etwa 2000 Anwesenden angenommen. I Den Statuten zufolge kann der Ausstand nur von einer brciotertel Mehrheit beschlossen und erst 10 Tage nach der Verkündigung desselben begonnen werden. Madrid, 31. Oktober. Die hiesige Presse hat einen heftigen Feldzug gegen das unmenschliche Ge- oayren der Amerikaner begonnen, welche sich der gwlQffung ber in den Händen der Philippiner befindlichen spanischen Gefangenen, deren Zahl sehr bedeutend sein soll, Ersetzen. Die Blätter fordern die Regierung auf, bei auen Großmächten zu intervenieren, damit diese in der Sache einschreiten. Vom Kriegsschauplatz. London, 31. Oktober. Nach einem Telegramm aus Durban hat das Bombardement von Ladysmith durch die Buren gestern früh begonnen. Die Granaten werden hauptsächlich auf den Bahnhof gerichtet, richten aber wenig Schaden an. In Londoner militärischen Kreisen wird geglaubt, daß die Telegraphen-Linie von Ladysmith unterbrochen ist, da ein Kommando der Oranje-Buren bis dicht an Pieters vorgedrungen sei. Man glaubt, General White werde versuchen, die Buren dort zurückzuwerfen. — General White sandte, wie er aus Ladysmith telegraphiert, gestern eine Berg-Batterie, ein Regiment Füsiliere und das Gloucester-Regiment aus, um die Buren von seiner linken Flanke zu vertreiben. Er hat noch keine Nachricht von diesem Truppen-Kommando erhalten. Ein zweites Detachement wurde bei seinem Vorrücken heftig von Jouberts Truppen angegriffen und zurückgeworfen. Die Verluste der Engländer betrugen 80 bis 100 Mann, die der Buren sollen viel bedeutender sein» Die Buren sind in großer Anzahl und haben Geschütze, die weiter reichen als die der Engländer. Der Gesandte Transvaals in Brüssel, vr. LeydS, glaubt, daß die Entscheidungsschlacht bei Ladysmith geschlagen wird und daß dieselbe unmittelbar bevorsteht. Die Buren konzentrieren sich an der Grenze Nhodesias. Major Mackenzie und Major Wilson, welche bei Rederstrup von den Buren sehr beunruhigt wurden, zogen sich nach Tuli zurück. Gestern war hier das Gerücht verbreitet, General Buller sei bei seiner Landung in Kapstadt erschossen worden. Dasselbe wird im Kriegsministerium und den großen Klubs eifrig besprochen. Näheres ist nicht zu erfahren. Loudon, 31. Oktober. „Daily Telegraph" veröffentlicht ein Interview mit dem Ober ft en Fung- Husband, dessen Kompetenz in strategischer Hinsicht allgemein bekannt ist. Derselbe giebt den Rat, die englischen Truppen müßten sich auf Ladysmith zurückziehen, weil dies das einzige Mittel sei, den General Joubert zu verhindern, Durban zu erreichen, bevor die englischen Verstärkungen eingetroffen seien. London, 31. Oktober. „Daily Telegraph" meldet aus Kapstadt, der Oberstkommandierende General Buller sei dort eingetroffen. (Vgl. Schluß obiger Depesche.) London, 31. Oktober. „Daily Mail" meldet aus Kapstadt, der Oberst Baden-Powell habe eine Eisenbahn um Maseking erbaut, auf welcher er täglich Vorstöße mit Panzerzügen unternimmt. London, 31. Oktober. General Cronje berichtet aus Lorenzo Marquez, daß die Garnison von Mafeking einen Ausfall gemacht hat. Die Engländer griffen die Buren mit gefälltem Bajonnet an, wurden aber zurückgeschlagen, nachdem sie 10 Tote und zahlreiche Verwundete zurückgelassen hatten. Am Samstag verlangte Oberst Baden Powell einen Waffenstillstand, um die Toten begraben zu können, was ihm auch gestattet wurde. Herren-, Knaben- und- Kinder-Garderobe. PF Spezialität: Kinder-Anzüge- Anfertigung nach Maaes in eigener Werkstätte. 7640 Markus Bauer 11 Kirchenplatz 11 gegenüber der Stadtkirche. gegenüber der Stadtkirche. Bekanntmachung. Das mit Herbst d. I. leihfällig werdende ftädische Gelände rmd zwar: 119 Triebviertel, 7 Stücke Land auf dem Seltersberg, an der Klinik« und Crednerstraße, 1 Stück Gelände am Wißrnarerweg und der Lahn, 1 „ „ „ Leihgesternerweg — 600 qm, 5 „ H „ Hamm, neben der Neumühle, Montag den 6. November d. I. an Ort und Stelle ander- weit verpachtet werden. Zusammenkunft ist vormittags 9 Uhr an der Landmannstraße mit Fertsetzung des nachmittags 31/, Uhr mit dem Stück Gelände am Leih- ge-sternerweg neben der Aktienbrauerei, während um 4 Uhr das Gelände aaf dem Seltersberg, alsdann das Gelände auf dem Hamm und sodann das Gelände am Wißrnarerweg zum Ausgebot kommt. Gießen, den 30. Oktober 1899. 7717 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Beuern für das Jahr 1900/1901 liegt vom 2. November 1899 an acht Tage lang zur Ein sich! auf unterzeichneter Bürgermeisterei offen. Beuern, den 80. Oktober 1899. Großherzogliche Bürgermeisterei Beuern. ______Otto.________________________7712 Ortskrankenkaffe Gießen. Die Sprechstunden, welche Herr Dr. Kipper auch in dirsem Winter wieder in Grossen-Linden abhalten wird, finden jeden Montag und Donnerstag nachmittags um 5 Uhr im 7700 Gasthaus zur Linde statt und zwar zum ersten Male am Donnerstag den 2. November. MMnWliM Kekamttmachung. Künftigen Mittwoch, als den 1. November l. Js., mittags um 1 Uhr, kommt im Pfarrhof dahier ein 6 Meter langer und 2*/z Meter breiter, in gutem Zustande befindlicher Schweine- und Holzstall auf den Abbruch zur Versteigerung. Beuern, den 30. Oktober 1899. Großh. Bürgermeisterei Beuern. Otto. 7711 Dillenburg. | Montag den 6. Novemberr Vieh- and Krammarkt. veranschlagt zu 107,60 7703 empfiehlt be- 231,- M Soeben wieder eingetroffen * Reichhaltige 7615 N guie Existenz geboten. 7715 740,- n Täglich frische Ostender Austern, 810- WoHnungs-Aeränderung n Ich wohne von heute ab 08935 772V, Gnauth. 7718 Haden. 6282 ««¥¥¥¥¥¥% SMVW Verbunden mit 7724 Gießen, Steinstraße 10 äi Verlegt habe. zu vernueten. 7729 Börje vom 30. Oktober 1899. Frankfurter Procent Zwei solide Arbeiter durch per sofort gesucht. 7702 4 bto. UNk. b. 1907 101.00 DeutscheVrdsch.B.unk.b.1904 101.00 4 Gildsorterrr Brief Katharinengasse 8. 03965 232 66 Darmfi. 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