Samstag den 1. Juli Nr. 152 Zweites Blatt 1899 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts- unb Anzeigeblatt für den Areis Gieren. Feuilleton Älnllahmr een Anzeigen zu der nachmittag- für de» Agende« Tag erscheinenden Nummer dis vorm. 10 Uhr. Alle Anzeigen-BermittlungSstellen des In- und Äuitaabtl nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger enr-«G«. Grfchetml tigkich mit Ausnahme bei Montags. Die Gießener M«»tt1e»ßtttter «»erden dem Anzeiger «sehentlich viermal beigelegt. ßtedaktion, Lxveditton und Druckerei: >4*f6re|< Ar. 7. der Deutschen, und es würde ein kühnes Unterfangen sein, wenn Hessen hier reformierend vorgehen wolle. Die Beamtenschaft auch noch hier hereinzuziehen, werde Unzuträglichkeiten zur Folge haben. Das deutsche Beamtentum wird ausgezeichnet für seine Arbeit und seine Last, und der Titel ist ein Teil dieser Auszeichnung. Diese Tradition zu schmälern, sei bedenklich und für die Beamten kränkend. Mit der Streichung des Hoheitsrechtes des Großherzogs werde sich die Regierung nicht einverstanden erklären. Der Regierungsentwurf treffe das richtige, und sei die Annahme zu empfehlen. — Abg. Weidner will gleiches Recht für alle hier eingeführt wissen. Die Beamten, auch die kleinen, möchten zum Stempel herangezogen werden. — Abg. Reichardt will die untere Klasse der Beamten vom Stempel befreit wissen. — Abg. Friedrich glaubt, daß im Hause die Absicht bestehe, die Beamten in verschiedener Weise zu behandeln. Dies werde aber böses Blut bei denselben machen. Er wünscht dem Staat charaktervolle Beamte, für gestempelte Beamte könne er nicht eintreten. Die Sache sei anders zu behandeln, als wenn man Fahrräder besteuere. Es müsse hier doch auch noch etwas Idealismus in Frage kommen, und der Dank des Staates für einen alten treuen Staatsdiener dürfe nicht noch mit einer Steuer belegt werden. — Abg. Frenay wird für Strich der ganzen Position stimmen. Werde dieser Antrag nicht angenommen, so möge man für jede Charakterteilung einen Stempel erheben. — Abg. Schröder betont, daß die ganze Sache so minimal sei, daß man ohne weiteres darüber hinweggehen könne. Was die Sache selbst betreffe, so habe die Regierung das richtige getroffen, und der Herr Justizminister habe mit Recht darauf hingewiesen, daß sie für ihre Thätigkeit etwas haben müsse. Die Titelsucht sei in Deutschland besonders eingerissen. Sehr oft müsse man sich, wenn man einen Beamten besuchen wolle, im Adreßbuch über seinen Titel informieren, damit man nicht ihn oder seine Frau vor den Kopf stoße. — Er bittet die Regierungsvorlage zu acceptieren. Abg. Mol- than stellt den Antrag, die ganze Pos. 44 abzulehnen. Bei der nun folgenden Abstimmung wird die Regierungsvorlage mit dem Satz 50—300 Mk. vorbehaltlich der Genehmigung des Antrages Zinser mit allen gegen 7 Stimmen angenommen. Absatz 1 und 2 der Position 44 Befreiung der im Staatsdienst angestellten Personen und Erlaß des Stempels an solche Personen, welche vom Großherzog hierzu bestimmt werden, wurde gegen 8 Stimmen abgelehnt. Pos. 45, Kauf- und Tauschverträge wird angenommen. Bei Pos. 46, Legitimationskarte soll für Handlungsreisende aus dem Neichsinland und den gleichgestellten Vertragsstaaten 5 Mk., für Handlungsreisende aus anderen reichsausländischen Staaten 25 Mk. Stempel erhoben werden. — Abg. Reinhardt will es überhaupt nicht gefallen, daß die einzelnen Staaten befugt sein sollen, eine besondere Steuer für Handlungsreisende zu nehmen. Etwas anderes sei es mit den Handlungsreisenden des Auslandes, und er verweist dabei auf Schweden und Rußland. Er ist der Ansicht, daß man im Deutschen Reiche solche Schranken nicht ziehen dürfe und aus persönlichen Gründen werde er gegen jede Steuer Auffassung eine wunderbare Weichheit in der Wiedergabe des Fleisches. Von Hugo v. Habermann gefielen mir sehr einige seiner flotten Studienköpfe, und herzlich lachen mußte ich über das humoristische Gemälde „Der Kirchgang im Spreewald" von Brandenburg, bei dem der Einfluß der Japaner unverkennbar ist. Besser als in der großen Ausstellung ist in der Sezession die Plastik vertreten, besonders unter den kleinen Bronzen findet sich manches Reizvolle und Interessante. Aber die Notwendigkeit einer Trennung zwischen „Jungen" und „Alten" ist mir durch diese Sezession nicht klar geworden. Es ist gewiß dankenswert, daß die Unternehmer keine Mühe gescheut haben, um trotz all der gleichzeitigen Ausstellungen in Dresden, München, Wien und Venedig auch hier eine Reihe trefflicher Kunstwerke zusammenzubringen; wäre aber die Notwendigkeit einer Sezession hier wirklich vorhanden, so würde doch wohl die Mehrzahl der ausstellenden Künstler Berliner sein. Das Beste wäre schon, wenn der Künstler ohne alles Cliquenwesen in ernstem Ringen seinen eigenen Weg gehen und dann darauf zählen dürfte, für wirklich Großes volles Verständnis und die nötige Opferfreudigkeit beim Publikum zu finden. Gratisbeilagen: Gießener Familienblatter, Der hessische Landwirt, Matter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger chtehe». Fernsprecher Nr. 51. sprochene, wetteifert in seinem „Bachantenzug" mit Rubens an derber, brutaler Sinnenlust, erreicht ihn auch in seinem prächtigen, leuchtenden Kolorit. Eine ebenso vorzügliche Technik nebst tollem Uebermut verrät sein „Faunenkampf". Thoma, Trübner, Hans am Ende, Karl Vinnen, Volckmann, Leistikow sind mit poesievollen, feinsinnigen Landschaften vertreten. Individuelle Auffassung und tüchtiges Können sind allen diesen Künstlern eigen, aber so sehr man sich ihrer Werke erfreut, habe ich doch selbst von ihnen schon Großartigeres bei früheren Gelegenheiten gesehen. Dem Altmeister Böcklin ist man durch die Auswahl seiner Gemälde wenig gerecht geworden. Seine „Nymphe" und eine herrliche Landschaft wirken freilich auch hier; „Nessus und Daianeira" hätte man aber lieber fortlassen sollen. Böcklins Ruhm steht ja zu hoch, als daß er unter einer solchen vereinzelten Verirrung leiden könnte; wer aber dem Meister etwa hier zum erstenmale begegnete, würde ein durchaus falsches, verschobenes Bild von ihm gewinnen. Sehr frisch und ansprechend gemalt sind „Meine Töchter" von Fritz v. Uhde, ein Gemüsegarten von Orin Pick, und alle die prächtigen Skizzen, Studien, Bildnisie und Gemälde von Leibl. Letzterer vereint mit großer in dieser Form stimmen. Die Pos. wird hierauf angenommen. Pos. 47 Legitimationsschein, 48 Erbliche und Land- siedeleien, 49 Musikwerke, 50 Namensänderungen, 51 Naturalisations-Urkunden, 52 Pässe, 53 Patente, 54 Personenstandsangelegenheiten und 55 Prüfung für den Staatsdienst im Medizinal- und Veterinärfach, sowie Pos. 56 a Antrag des Abg. Reinhardt und Oriola auf Einführung eines Stempels von 20 Mk. für Luxuswagen wird einstimmig angenommen. — Abg. Haas-Mainz hält es nicht für zweckmäßig, als ein Verkehrsmittel des Volkes zu besteuern. Die Fahrrad st euer solle für die Regierung Ersatz der in Wegfall gekommenen Gewerbesteuer dienen. Nicht nur der Staat, sondern auch die Gemeinden würden sich sehr bald dieser Steuer bemächtigen. Hessen nehme sich doch immer gern Preußen zum Vorbild. Dort denke man an eine Fahrradsteuer nicht, trotzdem Finanzminister Miquel in Steuerobjekten so findig sei. Das Radfahren der Frauen höher besteuern zu wollen, sei bedauerlich, denn gerade bei den Frauen sei mit dem Rad das Genießen frischer Luft verbunden. Auch den Landbewohnern bringe das Radfahren pekuniären Nutzen und Vorteil. Die Steuerreform habe überhaupt kleinliche Momente gezeitigt, und besonders beweise dies die Fahrradsteuer. Zum mindesten möge man die Steuer nicht jährlich erheben, sondern sich mit einer einmaligen Erhebung (Antrag David) begnügen. Im übrigen bittet er das Haus, den Antrag abzulehnen. — Abg. v. Brentano ist gegen jede Besteuerung des Fahrrades und kann den Ausführungen des Abg. Haas- Mainz nur zustimmen. Die Ansicht, daß das Fahrrad ein Luxusartikel sei, halte er nicht für richtig. Dasselbe sei nur dem Verkehr insbesondere aber der Gesundheit dienlich. Obwohl durch das Fahrrad der Eisenbahnverkehr entlastet und verringert werde, seien auch die Straßenbaumeister der Ansicht, daß der Fahrradverkehr außer den Staatsstraßen, denselben nur zum Vorteil gereiche. Den Verlust durch Fallenlassen der Fahrradsteuer könne man leicht durch eine Luxussteuer auf Pferde und Wagen u. s. w. wieder einbringen. Er beantragt eventuell nur einen Stempel von 2,50 Mk. pro Rad zu erheben. Im übrigen sei er aber für eine gänzliche Ablehnung eines Stempels. — Auch der Abg. Friedrich ist gegen eine Besteuerung der Fahrräder, weil der Ausfall der Weinsteuer noch auf andere Weise gedeckt werden könne. Die Hoffnung der Regierung, mit der Einführung einer Steuer auf Fahrräder, die Ausdehnung des Radsports zu verhindern, wie beispielsweise bei der Hundesteuer, sei jedenfalls illusorisch. Auch die höhere Besteuerung der Damenräder erscheine ihm unsympathisch, trotzdem er für diese Art des Radsports nichts übrig habe weil ihm die Damen nicht graziös genug auf dem Rad sitzen. (Allgemeine Heiterkeit.) Mit demselben Recht, wie man das Rad besteuere, könne man auch die Spazierstöcke, Schirme und vielleicht auch noch die Hüte insbesondere die Cylinderhüte mit einer Stempelsteuer belegen. Aus Gründen der Konsequenz bittet er, die Fahrradsteuer abzulehnen. — Geheimer Staatsrat Krug v. Nidda teilt dem Hause den Standpunkt des Finanzministers Küchler in 3te|nfl*preto vierteljährlich 2 Mark 20 Pf,, monatlich 75 Pfg. mit Bringerloh». Bei Postbezug t Mark 50 Pf,, ^erleljährlich. Die Berliner Sezession. lieber die Berliner Sezession ist viel geredet und geschrieben worden. „Sie übertreffe alles, was je die Münchener Sezession dem Beschauer geboten habe," hieß rs in einem Blatte. Voller Erwartung, mit einer gewissen Vorfreude, betrat ich daher den kleinen Kunsttempel neben dem Theater des Westens. Aber ich kann nicht sagen, daß sich meine Erwartungen erfüllten, und von einem Vergleich mit den herrlichen Ausstellungen der ersten Jahre in München kann schon garnicht die Rede sein. Gewiß berührt die Sezession viel einheitlicher, als die große Ausstellung am Lehrter Bahnhofe. Dies hat schon seinen Grund in der weit kleineren Anzahl der Gemälde und in der intimeren Ausstattung der Räume; im übrigen aber gilt von beiden Ausstellungen dasselbe: unter manchem Mittelmäßigem finden sich eine geringere Anzahl wirklich bedeutender Kunstwerke. Viele unserer besten Namen glänzen auch hier durch ihre Abwesenheit, und das meiste, was sich als bedeutend hervorheben läßt, sah ich schon auf früheren Ausstellungen. Franz Stuck, der in letzterer Zeit so viel beHessischer Landtag. Zweite Kammer der Stände. nn. Darmstadt, 29. Juni 1899. Die Sitzung wird um J/49 Uhr eröffnet. Am Ministertisch: Justizminister Dittmar, Geh. Staatsrat Krug, t)ie Ministerialräte Deißler,Breidert und Sittel, sowie die Regierungsräte Lorbacher, Rohde und Becker. Vor Eintritt in die Tagesordnung richtet Präsident Haas angesichts des nahe bevorstehenden Schlusses des Landtages an die Kammer die Bitte, auf allzu lange Reden jetzt zu verzichten. Es sei sicher, daß nicht alle Gegenstände erledigt werden könnten. Man müsse sich daher nur auf die Erledigung der wichtigsten Gegenstände beschränken. Die Beratungen werden hierauf mit Pos. 36 des Tarifs: Gesellschaftsverträge fortgesetzt. Ohne Debatte werden angenommen die Pos. 37. Gewerbescheine, 38. Grundbuch, 39. Grundschuld, 40. Hausierbetrieb, 41. Heimatscheine und Staatsangehörigkeitsausweis bei Dienstboten und Arbeitern, 42. Hypotheken und 43. Inventare, Vermögensverzeichnisse und Verzeichnisse über Vermögensbestandteile. Abg. Weidner und Genossen beantragen als Zusatz zu Pos. 43. „Jagdpächter zahlen pro Jahr 1. für Jagden im Pachtwert bis 500 Mk. — 1 Proz. Stempel. 2. Von 500 bis 1000 Mk. — 2 Proz. Stempel und so fortlaufend von je 500 Mk. 1 Proz mehr. Die unter 43a normierten Stempelsätze gelten nur für Hessische Staatsangehörige; Nichthessen bezahlen den doppelten Betrag." Für den Antrag treten ein die Abg. David, Bähr, v. Köth, Brunner und Reinhardt. Eine ungleiche Besteuerung der Hessen und Nichthessen halten alle Redner für nicht opportun. — Abg. Weidner schildert in eingehender Weise das sehr oft rigorose Vorgehen der ausländischen Jagdpächter bei Steigerungen einheimischer Jagden. Hier liege es im Interesse der Gemeinde, daß ein doppelter Stempelsatz eingeführt werde. — Abg. Reinhardt hält den Antrag Weidner für annehmbar, da er geeignet fei, gewisse Ungleichheiten zu beseitigen. Früher sei er der Meinung gewesen, daß durch die Einführung des Wildschadengesetzes die Gemeinden in Vorteil gekommen seien. Jetzt habe er hierüber eine andere Ansicht erhalten. Er beantragt, daß Jagdpächter bei einem Pachtwert von 500 bis 1000 Mk. zahlen sollen, für jede 500 Mk. 2 Proz. mehr, jedoch nicht über eine Gesamtbesteuerung von 5 Proz. des Gesamtjagdwertes. Bei der Abstimmung wird der Antrag Weidner gegen 8 Stimmen angenommen, nachdem derselbe den Antrag, die Doppelbesteuerung für Nichthessen betr., zurückgezogen hatte. — Zur Position 44 Charaktererteilungen, stellen die Abg. Zinser und Genossen den Antrag, daß bei Charaktererteilungen niemand mehr durch Se. Königliche Hoheit den Großherzog vom Stempel befreit werden kann, und daß für jeden der Stempelsatz 5 bis 300 Mark betragen soll. — Justizminister Dittmar kann sich für diesen Antrag nicht erwärmen, da hiermit in die Rechte des Großherzogs eingegriffen werde. Das Titelwesen sei eine Eigentümlichkeit 9 r n t i ) t > c : ) c dieser Sache mit, dem nur der finanzielle Gesichtspunkt hierin maßgebend gewesen sei. Die Position sei in der Steuer- resorm enthalten, werde sie abgelehnt, so müsse Ersatz geschaffen werden, da die Regierung sie nicht entbehren könne. — Abg. Erk wird ebenfalls für Ablehnung der Steuer stimmen. Eine ganze Reihe von Anträgen sind zu der Position gestellt. Wegen vorgerückter Stunde wird die Sitzung um Vz2 abgebrochen. Morgen früh 9 Uhr Fortsetzung der Beratungen. Deutsches Keich. Berlin, 29. Juni. Wie aus Kiel gemeldet wird, erwiderte der Kaiser bei dem gestrigen Festessen in der Marine-Akademie auf eine Ansprache des Admirals Köster, in welcher er der Fortschritte des Wassersportes gedachte, die Anwesenheit deutscher Fürsten, speziell des Prinzen Rupprecht von Bayern dankbar erwähnte und über die Teilnahme ausländischer Aachtbesitzer, besonders der Engländer und Schweden, seine Freude aussprach. Schließlich leerte der Kaiser sein Glas auf alle Freunde des Segel- und Wassersports. Heute vormittag besichtigte das Kaiserpaar in Begleitung der Prinzessin Heinrich und der in Kiel anwesenden Fürstlichkeiten den Neubau des „Fürst Bismarck". Später wurde die Arbeiter-Kolonie und das Arbeiter- Erholungshaus in Augenschein genommen. Um 11*/, Uhr begab sich das Kaiserpaar zur Regatta. Berlin, 29. Juni. Das Herrenhaus wird am nächsten Samstag seine Plenarsitzungen wieder aufnehmen. Am selben Tage tritt auch die verstärkte Justiz-Kommission zusammen, um sich Über den Arbeitsplan zur Erledigung der Justizgesetze schlüssig zu machen. Berlin, 29. Juni. Die „Nordd. Allgem. Ztg." bestätigt die kürzlich gemeldeten Unruhen in Kiautschou. Berlin, 29. Juni. Der Reichstags-Präsident Graf Ballestrem veröffentlicht eine Berichtigung, worin er erklärt, daß er in der Reichstagssitzung vom 21. Juni die Worte: „vorausgesetzt, daß es im amtlichen Teile des Blattes war" weder gesprochen, noch später in den stenographischen Bericht eingefügt, noch deren Hinzufügung direkt oder indirekt veranlaßt habe. Dieselbe sei ohne sein Wissen unbefugter Weise im Bureau des Reichstages hinzugefügt worden. Berlin, 29. Juni. Dem KönigAlbertvonSachsen hat der Kaiser zum 21. Juli eine ganz außergewöhnliche ehrende Auszeichnung zugedacht. An diesem Tage sind es fünfzig Jahre, daß der König, der im Jahre 1849 als Hauptmann der Artillerie unter dem Reichsoberbefehl des preußischen Generals v. Prittwitz mit den sächsischen Truppen nach Schleswig-Holstein zog, wo er sich beim Sturm auf die Düppeler Schanzen am 13. April hervorthat, den Orden pour le merite erhielt, neben dem ihm damals noch der sächsische Militär-St. Heinrichs-Orden verliehen wurde. In dem Feldzuge gegen Frankreich verlieh König Wilhelm I. ihm 1870 auch noch das Eichenlaub zum Orden pour le merite Der Kaiser hat nun beschlossen, um dem Könige Albert von Sachsen erneut einen Beweis seiner Hochschätzung und Dankbarkeit zu geben, ihn an diesem Tage dadurch ganz besonders zu ehren, daß er eine Abordnung von Rittern des Ordens pour le merite, welche aus den hervorragendsten Generalen der preußischen Armee besteht, nach Schloß Pillnitz entsenden wird, um durch diese dem König Albert seine Glückwünsche zu diesem einzig in seiner Art dastehenden Jubiläum überbringen zu lassen. Die Deputation wird geführt vom Generalfeldmarschall Prinzen Albrecht von Preußen, Regenten von Braunschweig, dem sich der kommandierende General des 16. Armeekorps, General der Kavallerie, Graf von Haeseler, der kommandierende General des 8. Armeekorps, General der Infanterie v. Liegnitz, und der Inspekteur der 3. Kavallerie-Inspektion, Generalmajor Freiherr von Schele, anschließen werden. Prinz Albrecht erhielt den Orden pour le merite für den österreichischen Feldzug am 20. September 1866, General der Kavallerie Graf von Haeseler am 19. Januar 1873, General der Infanterie v. Lignitz am 25. September 1877 für die Teilnahme am russisch-türkischen Kriege in seiner Eigenschaft als Militär-Attaschee, und Generalmajor Frhr. v. Schele am 26. November 1894 für den Feldzug gegen die Wahehe in Ostafrika. König Albert von Sachsen ist überhaupt der älteste Ritter des Ordens pour le merite und außerdem der noch einzige lebende Ritter des Großkreuzes des Eisernen Kreuzes. Berlin, 29. Juni. Die feierliche Eröffnung des Dortmund-Ems-Kanals, die in Anwesenheit des Kaisers stattfinden wird, ist für den 3. August in Aussicht genommen. — Oberbürgermeister Dr. Ditlrich aus Plauen wurde zum Bürgermeister von Leipzig gewählt. — Die Eröffnungssitzung des internationalen Frauenkongresses, die am 26. ftattfand, gestaltete sich als feierlicher Empfang der Vertreterinnen, die aus allen Teilen der Welt zusammengeströmt sind. In ihrer Ansprache als Präsidentin wies die Gräfin v. Aberdeen daraus hin, daß die Organisation auf eine elfjährige Vorbereitung zurückblicke, und daß jetzt die Vertreter von neun nationalen Ausschüssen, sowie die Delegierten acht anderer Länder begrüßt würden. Lady Aberdeen verbreitete sich über die Verfassung des internationalen Kongresses und hoffte, daß die gegenwärtige Versammlung „nicht allein in einer Erweiterung unserer Gesichtspunkte, sondern auch in einem gegenseitigen Verständnis, einer gegenseitigen Würdigung der gethanen Arbeit und einer Einsicht in die besonderen Schwierigkeiten enden werde, die die vereinigenden Bande der Liebe und des Vertrauens stärken, sodaß der internationale Kongreß eine sehr wirksame Förderung alles guten wird. Wir mögen viel aus Büchern und Berichten über einander wissen, aber einander ins Antlitz zu schauen, und von unseren verschiedenen Gesichtspunkten aus die schwerwiegenden Fragen zu erörtern, muß uns für alle Folgezeit in ganz neuartige, engere Beziehungen bringen." Lady Aberdeen hatte als wichtigstes zu förderndes Ideal die Hebung der Häuslichkeit vor Augen. Die folgenden Rednerinnen hielten sich in zumteil sehr ausgedehnten Ansprachen ebenfalls hauptsächlich auf dem Gebiete der allgemeinen Ideale der Frauenbewegung. Man fand, daß gerade dieser erste, eigentlich blos der Vorstellung der Delegierten gewidmete Tag unbedingt mit weniger Weitschweifigkeit der einzelnen Reden, wie des gesamten rednerischen Programmes hätte erledigt werden müssen. Die fast unerträgliche Hitze erforderte von den Teilnehmern am späteren Teile der Verhandlungen eine fast heroische Anstrengung. Ausland. Wien, 29. Juni. Heute mittag fand unter dem Vorsitz des Kaisers ein gemeinsamer Minifterrat fiatt. Nachmittags kehrten die ungarischen Minister nach Budapest zurück. Wien, 29. Juni. Im Befinden des Nuntius Taliani ist eine wesentliche Besserung eingetreten. Prag, 29. Juni. Vom deutsch en Kaiser ist beim Metropolitan-Kapitel wegen des Ablebens des Kardinals Schönborn eine Beileidsdepesche eingetroffen, welche sofort dankend erwidert wurde. Niederlande. Nach den Mitteilungen der Londoner „Daily News", welche als einziges Blatt darüber ausführlich zu berichten scheint, hat auf der Friedenskonferenz im Haag, und zwar in der Kommission für den russischen Entwaffnungs-Vorschlag, der deutsche Delegierte Oberst Schwarzhoff eine Rede gegen den Vorschlag gehalten. Die Rede habe eine halbe Stunde gedauert und einen starken Eindruck gemacht. Er habe mit überwältigender Offenheit gesprochen, feine Rede werde für bewundernswert gehalten. Der Oberst führte aus, daß eine Herabsetzung des Friedensbestandes gar nicht mit einer entsprechenden Herabsetzung der Wehrkraft eins sei; der Friedensstand könne bleiben, und die Wehrkraft eines Landes könne doch wachsen. Die Länge der militärischen Dienstzeit, der Dienst durch einen Ersatzmann, die Eisenbahnen, die Schnelligkeit der Mobilmachung und die ökonomischen Bedingungen — das alles seien Faktoren, welche die militärische Stärke eines Landes ausmachen. Wenn man nur einen Teil des Problems herausgreife und behaupte, daß durch Herabsetzung des Friedensbestandes allein die Wehrkraft jedes Landes allgemein und in gleicher Weise vermindert werde, so könne das einem Laien wohl plausibel erscheinen, dem militärischen Sachverständigen aber erscheine das als eine offenbare Absurdität, daß er sich wundern müsse, wie man einen solchen Vorschlag überhaupt im Ernste habe vorbringen können. Die Russen bezeichneten Sibirien als eine Kolonie, aber im Falle eines europäischen Krieges werde Rußland jedes sibirische Regiment mit der Eisenbahn nach Europa bringen. Schwarzhoffs Ausspruch, Deutschland sei nicht ruiniert, im Gegenteile fein Reichtum, feine Zufriedenheit und seine Lebenshaltung wüchsen täglich, hätten einen gewaltigen Ein- )ruck gemacht. Diese Rede sei die größte Sensation der bisherigen Konferenz gewesen. „Was werden nun die armen Russen sagen'?" habe wohl jeder gedacht, nachdem Schwarzhoff gesprochen hatte. Die Antwort des russischen Obersten Gilinski auf Schwarzhoffs Rede sei sehr matt gewesen. Man muß abwarten, ob die „Daily News" die Rede richtig wiedergegeben hat, und ob auch der Auszug ohne gehässige Nebenabsicht angefertigt ist. Wie es heißt, wurden am Schluß die Anträge den beiden Unterkommissionen; überwiesen diese ernannten zwei Prüfungsausschüsse. Auch die „Köln. Ztg." bringt die kurze Mitteilung, daß die Rede )es Obersten v. Groß gen. v. Schwarzhoff einen überwältigenden Eindruck gemacht habe; lautlose Stille habe geherrscht, als er geendet, und die Versammlung wäre auch , u sofortiger Abstimmung bereit gewesen, wenn nicht Staal )urch ein geschicktes Manöver Beernaert zur Ernennung einer Kommission veranlaßt hätte. Die Abrüstungsfrage dürfe als begraben betrachtet werden. Paris, 29. Juni. Einer Meldung der „Agence Havas" zufolge, wird das Kriegsgericht inRennes zusammen- gesetzt sein aus dem Genieoberst Jouaust (Vorsitzender), den Artillerie-Kommandanten Perougniart, Breon, Profilet, Merle und den Hauptleuten Parfait und Bauvais. Lokales und PrsvinMes. Gießen, 30. Juni 1899. ** Deutscher Anwaltstag in Mainz. Für den vom 7. bis 10. September in Mainz stattfindenden deutschen Anwaltstag ist folgendes Programm festgestellt: Donnerstag den 7. September, abends 8 Uhr: Begrüßung der Teilnehmer in den Räumen des Konzerthauses der Mainzer Liedertafel. Freitag den 8. September, vormittags 9 Uhr: Hauptversammlung des deutschen Anwaltsvereins im großen Saale des Konzerthauses; nachmittags 3 Uhr: Gemeinsames Mittagessen im Kasino „Hof zum Gutenberg"; abends 7-/z Uhr: Nachtfest im Garten der neuen Anlage. Samstag den 9. September, vormittags 9 Uhr: 15. Hauptversammlung der Hilfskasse für deutsche Rechtsanwälte. Um 11 Uhr Besichtigung der Sekt Kellereien von Ehr. Ad. Kupferberg, nachmittags 3 Uhr: Ausflug auf den Niederwald, Uferbeleuchtung auf der Rückfahrt. Sonntag den 10. September, vormittags 9l/8 Uhr: Zusammenkunft im Konzerthause zu gemeinschaftlichem Nundgang durch die Stadt. Um 11V2 Uhr: Musikalischer Frühschoppen auf der Terrasse der Stadthalle. Nachmittags 3 Uhr: Ausflug mit Schiff nach Biebnch, Wanderung durch den Park, sodann Fahrt nach Wiesbaden, wo am Abend zu Ehren des Anwaltstages ein Gartenfest mit Feuerwerk im Kurgarten stattfiudet. 0 Grünberg, 29. Juni. Eine sehr betrübende Trauerkunde durcheilte heute vormittag unsere Stadt. Der etwa zwanzigjährige Sohn einer hiesigen Familie leistete mit seinen Pferden einem Mobeitransporteur, welcher einen beladenen Möbelwagen von Gießen hierher zu befördern hatte, Vorspann. Nicht weit von Gießen geriet der junge Mann, auf bis jetzt unerklärliche Weise, unter die Räder des Wagens, wurde überfahren und starb demzufolge kurz darauf. Die ganze Stadt nimmt aufrichtigen Anteil an dem schweren Schicksalsschlage, der die Familie des so unerwartet dahingeschiedenen braven Sohnes betroffen. Erft vor wenigen Wochen trug man den Vater desselben zu Grabe, sodaß nun zwei Glieder derselben Familie auf unserem Friedhöfe nebeneinander ihre letzte Ruhestätte haben werden. 4- Grimberg, 29. Juni. Der diesjährige Verbandstag der Gabelsberger Stenographen-Verbandes für Hessen und Nassau wird am 12. und 13. August l. Ihrs, in der hiesigen Turnhalle abgehalten werden. — Die Wirtschaft in der Turnhalle wird nunmehr vom Turnverein bezw. dessen Vorstand auf eingene Rechnung betrieben werden, da sich kein Wirt zur Uebernahme der Restauration gemeldet hat. F. Von der Feldkruckerhöhe, 29. Juni. Wie wertvoll und gesucht unsere Vogelsberger Hölzer sind, geht daraus hervor, daß sie nach Schwetzingen verfrachtet werden, wo bekanntlich starker Hopfenbau betrieben wird. Hierzu braucht man schlanke, starke Fichtenstangeu, an denen sich der Hopfen hinaufrankt. Den Schwetzinger Hopfenbauern liegen nun der Odenwald und der Schwarzwald vor der Thüre, und in beiden Gebirgen wachsen reichlich Nadelhölzer. Trotz der wesentlich höheren Fracht beziehen Schwetzinger Firmen größere Posten Fichtenstangen aus dem Vogelsberge, woraus geschlossen werden darf, daß diese Stangen wertvolle Eigenschaften besitzen. N. Nidda, 29. Juni. Die Herren Forstleute sind auch bei uns eifrig im Besuchen von interessanten Waldanlagen, nicht blos die ausländischen, wie Ihre Zeitung gestern von der Forstakademie Aschaffenburg, die sich im Vogelsberge umsah, berichtet hat. Heute machten etwa 12 bis 15 Oberförster aus der Provinz Oberhessen eine Exkursion in die Waldungen, welche zwischen Salzhausen, Geiß-Nidda und Echzell liegen, und die für den Forstmann vieles Interessante bieten. In diesen Waldungen sind wieder sehr hübsche Spazierwege und Ruhebänke, die früher eingepflanzt waren, angelegt worden. An der heutigen Excur- sion beteiligten sich auch mehrere Damen. Darmstadt, 28. Juni. Die hiesige Burschenschaft „Teutonia" ist suspendiert worden, weil die Mitglieder in demonstrativer Weise mit ihrem ehemaligen ersten Chargierten Kopf, der unlängst wegen Mißhandlung zu acht Monaten Gefängnis verurteilt wurde, nach seiner vorläufigen Haftentlassung in der Stadt herumgezogen sind. Darmstadt, 29. Juni. Wie die „Darmst. Ztg." erfährt, ist die Angelegenheit Dettweiler dem Verwaltungsgerichtshof als Disziplinarhof zur Verhandlung und Entscheidung überwiesen worden. D. Darmstadt, 29. Juni. Der zweite Verwaltungsbericht über die „Oeffentliche Lese- und Bücher-» Halle in Darmstadt für das Jahr 1898 ist erschienen, und von Herrn Bibliothekar K. Noack, dem Leiter des Institutes erstattet worden. Es ist eine überaus interessante Arbeit, auf die mit einigen Worten hingewiesen werden soll. Sie zeigt deutlich: der Beweis ist erbracht, daß ein solches Institut ein Bedürfnis ist; der Schwerpunkt der Einrichtung liegt in der Bücherhalle; diese wird viermal mehr benutzt, als die Lesehalle. Der Besuch ist ständig gewachsen, mehrere Damen und Herren führen seit Mitte April l. Js. freiwillig )ie Aufsicht und unterstützen dadurch den Bibliothekar in lankenswertestcr Weise. Die Zahl aller aufliegenden Blätter beträgt 131. Im abgelaufenen Jahre konnten neue Werke aus eigenen Mitteln angeschafft werden. Beherzigenswert ist, was der Herr Bibliothekar über die wichtigen Dienste agt, die eine sorgfältig ausgewählte Handbibliothek leistet. Das Ausleihen von Büchern ist gegen das Vorjahr um einen bedeutenden Prozentsatz gestiegen. Von der schönen ßitteratur (Unterhaltungsschriften) wurden am meisten gelesen : Karl May, Reiseromane; F. Dahn „Ein Kampf um Rom"; G. Schäfer, „Die silbernen Glocken von Mörlenbach", (Verfasser von „Die Hexe von Bingenheim", „Der wilden Frauen Gestühl"); G. Freytag, „Soll und Haben", „Ahnen", „Verlorne Handschrift". Von wissenschaftlichen und belehrenden Werken wurden geschichtliche, geographische und naturwissenschaftliche bevorzugt; auch nach religiöses Büchern war große Nachfrage. Der Bericht sagt zum Schluß: Die Anstalt soll ein Mittel sein, sich durch die Gedanken und Empfindungen hervorragender Geister aller Zeiten zu eigenem Nachdenken anregen zu lassen. Nur so verdient sie die Bezeichnung einer Volksbildungsanftalt im weitesten Sinne des Wortes, als „eine Schule der erwach- enen Leute." Bingen, 26. Juni. Ein sicherlich viele Sicherheits- lehorden im lieben deutschen Vaterlande interessierender Fang glückte gestern unserer hiesigen Polizeibehörde, nämlich der einer Hochstaplerin, die zweifelsohne in ungezählten Orten „im Betrieb" gewesen ist. Dieselbe, eine etwa 25—26jährige gut gekleidete Frauensperson, hatte sich vor einigen Tagen in einem hiesigen Privathause einlogiert, dabei unter der Vorspiegelung, sie sei per 1. Juli als Lehrerin in ein hiesiges Institut engagiert, bei Hotels, Schuh- und Manufakturwarenhanoiungen Bestellungen nobelster Art ausführen lassen, „selbstverständlich" ohne Kasse, und im übrigen sorg- und kummerlos gelebt. Als die Polizei infolge verschiedener Umstände sich für das „Fräulein" zu interessieren begann, da stellte sich heraus, daß man es mit einer gesuchten Nummer erster Güte zu thun hatte, die icherlich noch mit mancher Sicherheitsbehorde in „angenehme" Berührung kommen dürfte; soweit bis dato „Anmeldungen" in diesem Sinne vorliegen, interessieren sich einige benach- barte Behörden für die Sistierte, die, einesteils als Frau v. Stein, anderenteils als Rtttergutsbesitzerin v. Brügge auftretend, recht respektable Hochstapeleien auf dem Gewissen hat. Als besonderes Merkmal der Raffiniertheit des Dämchens mag es dienen, daß sie ihr hiesiges Heim bei einer älteren alleinstehenden Dame aufgeschlagen hat, die als Mieterin — — beim Chef der hiesigen Polizeibehörde wohnt. Vermischtes. * Reichs-Wohnungsgesetz. Dieser Tage lief durch die Presse die (auch von uns gebrachte) Mitteilung, daß die Petitionskommission des Reichstags beschlossen habe, über eine an Reichstag und Bundesrat gerichtete Petition betr. Einführung eines Reichs-Wohnungsgesetzes, nach einer ablehnenden Erklärung des Regierungsvertreters, zur Tagesordnung überzugehen. Hierzu ist zu bemerken, daß diese von Bielefeld ausgehende Petition in keiner Weise mit dem vor Jahresfrist in Frankfurt a. M. gegründeten „Verein Reichs-Wohnungsgesetz", dem Männer aller Parteien angehören, zusammenhängt, sondern von Vertretern einer politisch-konfessionell einseitigen Richtung herrührt. Die in letzterer Petition enthaltenen Punkte sind aus den Programmforderungen des „Vereins Reichs-Wohnungsgesetz" herausgegriffen; außerdem könnte dieser Verein sich auch 'M deren Begründung -nicht einverstanden erklären. Der „Verein Reichs-Wohnungsgesetz" sieht seine Hauptaufgabe überhaupt nicht in der Abfassung von Petitionen, sondern in der Einwirkung auf die Wähler, und dadurch auf die politischen Parteien, damit au§ letzteren selbst Initiativanträge für gesetzliche Regelung der Wohnungsfrage an die gesetzgebenden Körperschaften gelangen. Auch haben bereits namhafte Parlamentarier der bedeutendsten Parteien durch ihren Beitritt als Mitglieder des Vereins seinen Zielen zugestimmt. Der in obiger Petition gebrauchte Name „Reichs- Wohnungsgesetz" ist in Frankfurt a. M. zuerst geprägt worben. So dürfte denn der diesen Namen von Anfang an tragende Verein sich trotz Ablehnung der Bielefelder Petition, die nach Obigem unausbleiblich war, in seinen Bestrebungen um eine reichsgesetzliche Lösung der Wohnungs- srage in keiner Weise beirren lassen, und die Hoffnungen erfüllen, zu denen seine bisherige Entwicklung vollauf berechtigt. * Durch den Wirbelsturm ist die Stadt New Richmond arg mitgenommen worden. Von 500 Häusern sind 300 vollständig vom Sturm und Feuer zerstört worden. Als ein Beweis für die ungeheuere Gewalt des Tornado wird in einem Bericht der „New-Aorker Staatsztg." erwähnt, daß zwei mächtige eiserne Geldschränke aufgehoben und einen ganzen Block weit mitgeführt wurden. Innerhalb weniger Häusergevierte lagen dutzende von Leichen, die meisten ohne Beine und Arme. Von einer Leiche war der Kopf wie mit einem scharfen Instrument abgetrennt. Alle, die in Kellern Zuflucht suchten, entkamen. In verschiedenen Fällen stürzten die Häuser über ihnen zusammen und sie wurden so begraben und gelangten in die Gefahr, zu verbrennen, da durch die umgestürzten Feuerstellen und Oefen die Ruinen in Brand geraten waren. Ein großer Haufe Menschen, die gerade aus dem Gallmann'schen Zirkus gekommen waren, suchten in einem massiven Gebäude Schutz. Das Gebäude stürzte unter dem Anprall des Sturmes um und begrub sämtliche in ihm befindliche Personen. — Der Geistliche Dr. Degnan von der Kirche der Unbefleckten Empfängnis beschreibt das Toben des Wirbelsturmes wie folgt: „Ich stand um halb 7 Uhr mit meinem kleinen Neffen in der Veranda meines Hauses, das etwa drei Häusergevierte vom Omaha-Bahnhof entfernt ist, als ich auf Wolken am Horizont deutele, die auf einen nahen Cyklon deuteten. Im gleichen Augenblick hörte ich ein fürchterliches Getöse, als wenn 50 Lokomotiven zu gleicher Zeit einem Abhang hinaufkeuchten. Im Südwesten tauchte eine schwarze, mit der Spitze auf der Erde befindliche kegelförmige Wolke auf, und schon sah man in der Luft Bretter, Bettzeug rc. Herumwirbeln. Ich befahl dem Jungen, schleunigst die Anwohner am Geleise der Bahn zu warnen, und schon rannte, rettete, flüchtete alles, was sich zu retten vermochte. Ich nahm sie und andere Leute meiner Gemeinde im Schulhause auf ober brachte sie in ben Keller meines Hauses. Sie flehten um Absolution, unb ich kniete nieber unb erteilte sie ihnen, während Haus um Haus rings um uns zusammenstürzte. Dann eilte ich hinaus unb würbe noch zweimal von herum- tyÄelnben Bretterstücken getroffen; bann war ber Sturm vorüber, ber alle Häuser an ber Hauptstraße zertrümmert hatte. Ich machte mich sofort an bas Rettungswerk. Es war schrecklich. Gott bewahre mich, wieber etwas Aehn- liches mitanzusehen, solchen Jammer, solche Hilferufe, solches Schmerzensgestöhn mitanzuhören! Die Verletzten schrien nach Absolution, unb ich erteilte sie ihnen, währenb ich mit ben Rettungsarbeiten beschäftigt war. Katholiken unb Protestanten beteten für sie." — Ein Hanblungsreisenber Namens I. A. Carroll erzählt, vor bem Sturm sei bie Hitze so brückenb gewesen, baß man kaum atmen konnte unb es herrschte eine gerabezu beängstigenbe Stille. Auch nicht ein Gebäude an ber Hauptstraße sei stehen geblieben, obwohl sämtlich solib aus Stein erbaut waren. Der Pfab, ben ber Sturm in seiner Vernichtung nahm, sei wohl eine halbe englische Meile breit gewesen. * Die im Jahre 1864 in Weimar gegrünbete Deutsche Shakespeare-Gesellschaft, bie sich seitdem burch ihre gebiegenen Veröffentlichungen einen Weltruf erworben, bereitet eben Lien 35. Banb ihres Jahrbuches vor. Aus bem reichen Inhalte dieses Bandes, der von Prof. A. Brandl und Dr. Keller redigiert wird, ist als bemerkenswert hervorzuheben: Ausgabe des verschollenen Dramas von Richard II., das neben dem Shakespeareschen Stück gleichen Titels bestand; neue Forschungen über Shakespeare und seine Zeitgenossen von Prof. Köppel in Straßburg, Prof. Saraziu in Kiel, Prof. Schick in München, Prof. Schröer in Freiburg, Prof. Stiesel in München, Dr. v. Wurzbach in Wien u. a.; Berichte über die Shakespeare-Leistungen ber Bühnen, besonbers ber deutschen, im Jahre 1898; Besprechung aller unser Wissen von Shakespeare förbernben Bücher unb Aufsätze bes Jahres 1898. — Das Jahrbuch ist im Laufe der Jahre zum Zentrum der Shakespeare-Studien in Deutschland geworden, und daher das unentbehrlichste Organ für jeden Shakespeare-Freund, -Darsteller und -Forscher. Die Mitglieder der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft erhalten das Jahrbuch gegen Entrichtung des 10 Mk. betragenden Jahresbeitrages als Vereinspublikation portofrei geliefert. Der Eintritt in die Gesellschaft erfolgt ohne weiteres durch Beitrittserklärung, zu deren Entgegennahme der Verlag des Jahrbuches, die bekannte Langenscheidtsche Verlags-Buchhandlung (Prof. G. Langenscheidt), Berlin SW. 46, befugt ist. * Jede Vermehrung der Spannung der Haut an den Händen und Füßen oder an irgend welchen anderen Körperstellen wird sofort durch die erschwerte Beweglichkeit empfunden. Ein Klavierspieler, dessen Hände aufspringen oder rauh werden, empfindet sofort und dauernd hierdurch eine Verminderung in der Beweglichkeit der Finger. Der Artist, der Akrobat, ber Gymnastiker, ber Kunstreiter werben bei Sprödigkeit ober Rauhheit ber Haut an Füßen unb Hänben bie gleiche Beobachtung wie ber Klavierspieler machen; solche Personen, benen es auf eine feine Beweglichkeit ber Finger unb Gliebmaßen ankommt, sollten deshalb fort- währenb bie größte Sorgfalt auf Erhaltung ber Elastizität der Haut verwenden. Zu solchem Zweck ist kein Mittel so geeignet, als Lanolin-Toilette-Cream-Lanolin, welches in allen denjenigen Fällen, wo die Haut trocken und spröde geworden ist, die natürliche Geschmeidigkeit derselben wieder herstellt. Man findet das Lanolin Toilette- Cream-Lanolin, welches das beliebteste Schönheitsmittel ist, in allen Apotheken und Drogerien. Beim Einkauf achte man darauf, daß jede Tube oder Dose zur Garantie der Echtheit die Marke „Pfeilring" trägt. * Die deutsche Kolonialschule Wilhelmshos zu Witzenhausen ist ein in kolonialer und pädagogischer Hinsicht interessantes Unternehmen. Das Lehrziel geht dahin, in erster Linie praktische Wirtschafts- und Pflanzungsbeamte, Pflanzer, Landwirte, Viehzüchter und Kaufleute für die deutschen Kolonieen und überseeischen Ansiedlungsgebiete tüchtig und vielseitig vorzubereiten, damit sie möglichst in allen Sätteln gerecht werden. Mit der äußern technischen Ausbildung soll eine, den innern Menschen anfassende christlich - edle Erziehung Hand in Hand gehen, um den Schülern ein festes moralisches Rückgrat gegenüber den Gefahren der Fremde und besonders der Tropen zu verleihen. Dem Doppelzweck entspricht die getroffene Einrichtung der Anstalt; sie erhält ihren Charakter durch die Verbindung mit einem Gutshof und das Zusammenleben im Internat. Nachdem anfänglich an die Gegend des Mittelrheins gedacht worden war, ist nun bas recht günstig in ber Mitte Deutschlands, in ber Nähe bes Schnittpunkts ber Eisenbahnlinien Kassel-Berlin und Hamburg-Frankfurt gelegene hessische Städtchen Witzen hausen (3300 Einwohner) der Sitz der Schule geworden. Hier boten die Räume eines frühem Klosters der Lehr- und Verpflegungsanstalt eine Unterkunft, während eine unmittelbar daneben liegende Domäne als Gutshof gepachtet werden konnte. Günstige Boden- und Klimaverhältnisse, die einen vielseitigen Anbau auch von Wein, gestatten, die Nähe von Kassel mit Wilhelms- Höhe, Münden und Göttingen empfehlen das von den Bergen und Forsten des Kaufunger Waldes umrahmte Werrastädtchen aufs beste, abgesehen davon, daß bie Stadtgemeinbe viel Entgegenkommen zeigte. Jnbem bie Kolonialschule bie Gebäudereste eines gewesenen Klosters bezog, tritt sie in ben Kreis jener Kloster- unb Fürstenschulen, bie, wie in Schwaben unb Sachsen, ben alten Kulturbemf ber Klöster in neuer Weise fortsetzen. Im Jahre 1424, also in ganz später Zeit, war bas Kloster des hl. Wilhelm zu Witzenhausen gegründet worden, um schon 1530 vom Landgrafen Philipp aufgehoben zu werden. Der Grundriß der Anlage zeigt eckige Hufeisenform, die eine, südliche Langseite, einst bie Kirche, aber schon in früher Zeit verbaut, war bisher Sitz fürstlicher unb staatlicher Aemter, zuletzt ber Oberförsterei unb ber Kreiskasse. Dieser Flügel ist wenig oeränbert unb enthält jetzt unten Geschäftszimmer, Bibliothek, chemisches Laboratorium, oben bie Wohnung bes Direktors. Der schmälere Ouerbau wirb eingenommen von ber Küche und ben Zimmern ber jüngern Lehrer; ber zweite Langflügel mit kurzem Oueransatz an einem Enbe erfuhr beim Umbau die größte Veränderung. Die Gelasse zu ebener Erde, früher Refektorium und Kapitelsaal, mit gotischen Kreuzgewölben und einfacher Säulendurchstellung waren zum Schafstall geworden, während in ben verübelen Räumen baritber Natten unb Mäuse ihr Wesen hatten. Nun ist bas Refektorium wieberhergestellt unb bient als Speisesaal mit anstoßenbem Gesellschaftszimmer; ber Kapitelfaal ist in ben Hörsaal umgewanbelt Einstimmig ist bas Urteil, baß biefe Säle, mit ihren Säulen, Gewölben unb ber betoratioen Bemalung ber Nippen, Schlußsteine unb Nischen sich recht vorteilhaft ausnehmen. In ber Thai machen sie einen vornehm-wohnlichen Eindruck, dem sich bie Insassen gern hingeben. Es ist auf bie Wiederherstellung biefer Räume viel Gelb verwandt worden, unb man möchte wünschen, baß ber Staat, ber für bie gehäufte Kunst in ben Großstäbten (Monumentalbauten, Museen) soviel übrig hat, für einzelne Kunstwerke in ber Provinz, bie oft viel wirksamer unb vvlksbilbenber, namentlich in Lehranstalten, sind, auch etwas thun möchte — durch einen unterstützenden Beitrag. In der ganzen Ausstattung (Schränke, Tische, Stühle, Thüren usw.) ist der gotische Stil eingehalten; dadurch erhalten die Zimmer der Schüler im obern Stock einen dem Ganzen entsprechenden Charakter. Es gibt 16 Schülerzimmer, von 1 bis 3 Schülern, je nach Pensionspreis, belegt. Die Zimmer sind den neueren Anforderungen entsprechend einge- rrchtet und gut gelüftet. Centralheizung, Linoleumbelaq und Riemenböden, später vielleicht elektrisches Licht ober Acetylen, finb weitere Zeugen ber Neuzeit in ben alten Mauern. Der Schule gegenüber liegt ber Gutshof mit Betrieb von 137 ha, mit Obstanlagen unb Weinbergen; zwischen Schule unb Werra behnt sich ein großer Garten, in bem eine meteorologische Station eingerichtet ist. In den Hofgebäuden befinben sich auch bie Haubwerksstätten. Die Schule ist augenblicklich von 15 Schülern besucht; noch einige Aufnahmen stehen bevor; 30 Zöglinge können angenommen werben (Pension 1000—1200^); sie stehen in völliger Verpflegung ber Anstalt. Der Stunbenplan bieses Semesters ist so eingeteilt, baß von 7 bis 9 ober 10 Uhr jeben Tag Vorlesungen gehalten werben, zweimal in ber Woche von 9 bis 12 Uhr Unterweisung burch Hanbwerks- meister (Schmied, Schlosser, Schreiner, Zimmermann, Sattler) erfolgt. Tie Nachmittage sind im wesentlichen praktischer Arbeit in Feld und Garten oder botanischen, forstlichen, geologischen und landwirtschaftlichen Ausflügen gewidmet. Der Lehrkörper ber Anstalt besteht aus fünf Lehrern: Direktor Fabarins (liest in biefem Semester Kultur- unb Colonialgeschichte), Dr. Thiele, lanbwirtschaftlicher Verwalter (Pflanzenbau), Dr. Spieker (Chemie, Botanik), Dr. Albinger, Bücherwart (Volkswirtschaft, Sprachen, Turnen), Sonnenberg, Gartenmeister. Von ben Nachbaranstalten sind beigezogen die Herren: Oberforstmeister Weise-Münden, Geheimrat Professor Dr. v. Könen (Geologie), Geheimrat Professor Dr. Esser (Tierarzneckunde), Stabsarzt Arning (Tropen- hygieine), alle von Göttingen. Die Professoren Dr. Wohlt- mann-Bonn und Dr. Fesca-Berlin werden im August Kurse über Tropenkultur und -pflanzen halten. Die also eingerichtete und betriebene Kolonialschule hat zum Wahlspruch: „Mit Gott für Deutschlands Ehr', Daheim und überm Meer!" Eigenartig, groß, vielseitig ist ihre Aufgabe; schwierig und doch wieder reizvoll für Lehrer und Schüler. Mögen die guten Wünsche, die ihr bei der Einweihung mitgegeben wurden, in Erfüllung gehen! Sie wird dann dem Vaterlande und seinen Kolonien zu Segen und Ehre gereichen. * Ein ganzes Dorf in Brand geschoffcn. Ein interessantes, militärisches S ch a u s p i e l entrollte sich dieser Tage bei bem Dorfe Ridders. Zur Vergrößerung bes Lockstedter Lagers hat bekanntlich der Militärfiskus größere Strecken Landes, zum Teil noch mit Gebäuden besetzt, angekauft; hierzu gehört auch das obengenannte Dorf Ridders, das jetzt bereits von den Bewohnern verlassen ist. Um dieses Dorf dem Erdboden gleich zu machen, rückten die Feld-Artillerie-Regimenter Nr. 9 und 24 aus dem Lockstedter Lager aus. Es begann eine Kanonade auf das willkommene Zielobjekt, die eine ehrende Probe von der Trefflichkeit unserer Artillerie ablegte. Mit dem fünften Schuß standen mehrere Häuser in Flammen, und als nun gar Schnellfeuer kommandiert wurde, brannte das ganze Dorf in wenigen Minuten lichterloh. UmversMs Nachrichten. — Berlin. In der mediziniichen Fakultät der hiesigen Unt- verfität hat sich Dr. Ludwig Pick als Privatdozent für das Fach der Frauenheilkunde habilitiert. — Berlin. Vor einigen Tagen wurde hier ein Student der Medizin aus Guatemala zum Dr. med. promoviert. AlS Opponent« traten drei Doktoren aus Peru, Ch'le und Nicaragua auf Die Dissertation war ein Beitrag zur Theorie des Nervenprtnzips; der junge Doktor erhielt das Prädikat magna cum laude. — Heidelberg. Von hier wird der „Allg. Ztg." berichtet: Die Baulichkeiten der hiesigen Universität haben sich schon längst alS zu klein erwiesen; namentlich fchlt es auch an einem wirklich großen Saal für öffentliche oder aus anderen Gründen sehr stark besuchte Kollegs. So mußte Kuno Fischer in diesem Semester seine Vorlesungen in die Aula verlegen, weil das größte Auditorienzimmer die Hörer bei weitem nicht fassen konnte. Jetzt nun hat die Universität ein in der Nähe liegendes Privatgebäude gepachtet, um darin neue Auditorienzimmer zu schaffen. Ob man mit diesem Notbehelf lange autzkommen wird, ist eine andere Frage; vi-lmehr dürfte der Staat über kurz oder lang daran gehen müssen, ein ganz neues allgemeines Kollegiengebäude zu errichten, umsomehr als das bisherige den Anforderungen der Neuzeit nicht gerecht wird. — Straßburg. An der hiesigen Universität wurde der Privatdozent Dr. W. Sptegelberg zum außerordentlichen Profesior mit dem Lehrauftrag für Egypliologte beauftragt. — München. Bet dem am 26. ds. staltgehabten Stiftungsfest unserer Universität wurde verkündet, daß den Preis für die Lösung der Aufgabe in der staatswirtschaftlichen Fakultät Oberst a. D. Ritter v. Renault aus München erhalten habe. — Leipzig. An der hiesigen Universität wurden der Privat« dozent der Rechte Dr. H. Triepel, der Privatdozent der Geschichte Dr. E. Brandenburg und der Privatdozent der Astronomie Dr. B. Peter zu außerordentlichen Professoren ernannt, Dr. Peter wurde auch die Stellvertretung des Direktors der Sternwarte übertragen. — Leipzig. Heber den hier verstorbenen Orientalisten Albert Socin wird folgendes mitgeteilt: Socin, der in Basel 1844 geboren war, studierte in feiner Vaterstadt, dann in Genf, Göttingen und Leipzig orientalische Sprachen und promovierte 1867 in Halle. Von 1868 vis 1870 lebte er im Orient, wo er wichtige Forschungen über arabische Dialekte, über datz lebende Syrische, sowie über kurdische Sprache machte. 1871 habilitierte er sich aq ber Universität Basel und wurde daselbst 1873 zum außerordentlichen Professor ernannt. In diesem Jahre unternahm er eine zweite wissenschaftliche Reife nach Syrien und Palästina, 1876 wurde er als ordentlicher Professor nach Tübingen, 1890 nach Leipzig berufen. Socin war der Gründer des „Deutschen Palästinavereins", in besten Zeitschrift er Aufsätze veröffentlichte. Von ihm sind zahlreiche fachwissenschaftliche Schrift« erschien«. Todesfall ----- eines Teilhabers im vorigen Jahre und die dadurchveranlasste Uebernahme des Lagers, welches nunmehr geräumt werden muss, nötigt uns zu einem wirklichen totalen Aasverkauf mit einem Extra-Rabatt von 20 Prozent auf sämtliche Stoffe einschliesslich der neuhinzugekommenen und offerieren wir beispielsweise: 6 Mtr. solid. Som.- u. Herbstst. z. Kl. f. Mk. 1.80 6 „ , Winterstoff „ , „ „ 2.10 3 „ Buxkinst z. ganz, Herrnanz. „ „ 3.60 sowie schönste Kleider- und Blousenstoffe versenden in einzelnenMetern bei Aufträgen von 20 Mark an franko. Oettinger & Co., Frankfurt a. M., Versandhs 80 Prozent extra Rabatt während des Ausverkaufs. Muster auf Verlangen franko. 4995 0 4996 0 brauche man: 2664 bei und 4041 uirlanden in 34 Vorrat reicht, 4957 empfiehlt 4921 4328 Zwiebelkuchen in Ringen und geschnitten, äÄ«, Donners.-« und Sams.ag *“ ’ebCt ^tei6lo«C Wn‘»*» be 1 von 9 Uhr ab. 4872 M » XK« JP— _ Kacker Schomber, Watlthorßraße. | JKOM1? 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Die Lieferung von Weißzeug, Bett- werk, Krankenkleidern, Stoff zu Stores, neuen Roßhaarmatrazen und das Auf. arbeiten von Roßhaarmatrazen für die neuen Kliniken in Gießen soll auf dem öffentlichen Submiffionswege für das Rechnungsjahr 1899/1900 vergeben werden. Bezüglich der Lieferungsbedingungen ist der Erlaß der Großh. Ministerien vom 16. Juni 1893, dasVerdingungs- wefen betr., und dessen Anlage A maßgebend. Die Lieferungsbedingungen und Musterstücke find auf dem Verwaltung-, büreau genannter Anstalt an den Wochentagen nachmittags von 3 bis 6 Uhr einzusehen. Offerten mit der Aufschrift „Lieferung von Weißzeug rc." sind verschlossen bis zum Montag dem 3. Juli 1899, mittags 12 Uhr, unter Beifügung von Stoffmustern an die Großh. Verwaltung der neuen Kliniken einzureichen. ZuschlagSfrtst bis zum lO.Juli 1899. Die Lieferung kann auch verteilt vergeben werden. Gießen, den 17. Juni 1899. Großherzogl. Verwaltungs * Direktion der neuen Kliniken. 4797 4952 H. E. Jughardt. pr. Fl. o. Gl. • 50 Pfg. - 70 „ . 90 „ . 100 „ • 60 „ . 75 „ - ioo „ • 60 „ ■ 90 „ kaiserlich Deutsche Posr M Tägliche fahrten vo" Hamburg Gießen, den 29. Juni 1899. Großherzogltche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff. Per Pfund 80 Pfg. H.F. Nassauer Neuenw-g 15. Zur Saison empfiehlt in großer Auswahl zu billigsten Preisen Croquets, Criquets Gothaer Nbensversicherungsbank. Verficherungsbeftand am 1. Juni 1899: . . 792 Vz Millionen Mark. Bankfonds am 1. März 1899 ...... 244l/s „ „ Dividende im Jahre 1899: 30 bis 137 Prozent der Jahres-Normal- 60 Prämie — je nach dem Alter der Verficherung. Heinrich Hochreuther, Südanlage 5. Bekanntmachung, betr.: Oeffentliche Impfung in der Stadt Gießen. Der letzte öffentliche Impftermin findet im Jmpflokal (alles Rathaus) am Mittwoch dem 5. Juli, vormittags 9 bis 10 Uhr, und der zugehörige Revisionstermin Mittwoch den 12. Juli statt. Es wird empfohlen, auch Kinder, welche wegen Kränklichkeit von der Impfung zurückgestellt werden wollen, dem Jmpfarzte, der jede Auskunft über das Impfwesen zu erteilen bereit ist, in diesen Terminen vorzustellen. Frische Vogklsbttllkr Kutter zum Einkochen von 5 Pfd. an per Pfd. 80 Pfg Boccia-Spiele, Hurn-Apparate, Schaukeln u. Hängematten Kchmetterliugs-Nehe u. -Kasten, Spaunbretter, Gartengeräte in Holz und Eisen, ZSotanister- und Brotbüchsen, Frühstückskörbcheu rc. J. H. Fuhr, 25 Sonnenstrasie 25. Neue Italien. Kartoffeln 50 Kilo ab Frankfurt a M. 8 Mk., neue egyptisihe Nickeln 50 Kilo 6,50 Mk. ab Frankfurt a. M. versendet unter Nachnahme Jacob Stern Simon. Friedberg bei Frankfurt a. M. la. Landbutter zum Backen und Einkochen, so lange Mim null LUiwHiiit H. Kettler empfiehlt stets vorrätig: Kaffee- und Thee-Gebäck Kuchen und Horten etc. Gefrorenes in verschiedenen Lorten und anerkannter Tüte. Ausschank von 3912 la. echt Pilsener und Münchener Bier. Franz Siegler Bildhauer GrotzewLiudeu Leihgestern empfiehlt sich zur Anfertigung von Grabdenkmälern Die ersten, wirklich neuen Aoll. Superior MoHeringe sind eingetroffen bei Eberh. Metzger, dto. 10 „ 28 „ 100 bto. 10 „ 32 „ 100 Mo. 10 „ 40 „ 100 nnb höher. Bekanntmachung. Für die diesjährige Vergebung der Ebel-Stiftung werden u. A. erforderlich und sollen auf dem Submissionswege bezogen werden: ca. 25 fertige Anzüge für Knaben, ca. 60 bis 80 Meter Stoff zu Winterkleidern für Mädchen, ca. 150 Meter Baumwollflanell bezw. Halbleinen zu Hemden. Ferner soll die Anfertigung von ca. 20 Mädchenkleidern und von ca. 45 Knaben- und Mädchenhemden vergeben werden. Angebote auf Lieferung der Anzüge und Stoffe, sowie Anfertigung der Mädchen-Kleider und .Hemden sind bis spätestens 10. Juli d. I bei dem Armenamte einzureichen, woselbst auch Stoffmuster eingesehen werden können. Gießen, den 29. Juni 1899. Kölner Konsum Anstalt C F. 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