Sonntag den 30. Oktober 1898 Erstes Blatt Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts« und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. Gratisbeilage: Gießener Famllienblätter äzMäwo, nbigfeit sei. Sensationelle Enthüllungen kamen nicht vor. Loch verla« bet Berichterstatter be« Concept zu einem Brief, eortn Esterhazy einem General al« seinem Retter bankt. Kirnet wirb mügttheilt, bet Oberst Henry, bet burch Selbst- ■ nb endete, habe im verhör vor Cavaignac zugegeben, daß r mittel« eine« echten Briefumschläge« und eine« nichtS- c senden Briefe« eine« fremden Militärattache«, welcher mit ,aon eher ami* avfing, die Fälschung hergestellt habe. In )cn Berichte heißt e« unter Anderem, daß zwei Facta votieren, die Fälschung Henrys von 1896 und da« Gutachten 1*1 da« Bordereau von 1897. Die Fälschung Henry« sei ir-rigntt, die Unschuld von Dreyfu« festzustellen, denn au« der Zälschung gehe hervor, daß Henry die Beweise für die Schuld Dreyfu« für unzureichend erachtete. Der Fall Henry Gefunden: 1 Brosche, 1 Geldstück, 1 Spazierstock, Ledertäichchen, 1 Hettnrock, 2 Hemden, 1 Taschentuch, schwarzer Hut, 1 Bündel Kleidet, 1 Koppe, 1 Btodbeutel, Bücher, 1 Laterne und 1 HundehalSbaud. Zogeflogeu: 1 Huhn. Gießen, den 29. Octobet 1898. Großherzogliche« Polizeiamt Gießen. Muhl. Gegenstand ihrer Neigung wechseln, ist ja nicht ein dem menschlichen Wesen fremder Zauber thätig: Puck« magischer Saft wirkt ja nur im Großen bei den Personen de« Stücke«, dasselbe, wa» da« unberechenbare Spiel der Phantasie un- zähligemal vor unseren Augen im Kleinen wirkt. Nur durch die Einbildungskraft werden Benedikt und Beatrice zum Lieben bewogen, und ihren phantastisch grillenhaften Charakter offenbart die Liebe auch an den vier Hauptpersonen unsere« Stücke«, die immer da lieben, wo sie nicht hoffen können, Gegenliebe zu finden. Der Herzog liebt Olivia, die ihn beharrlich verschmäht, diese verliebt sich in den vermeinten Knaben Viola, die chre Liebe nie erwiedern kann, und Viola'« Schicksal ist efl, den Herzog zu lieben, bei dem sie auf keine Gegenliebe hofft. Zu diesen drei romantischen Schwärmern gesellt sich al« Vierter Malvolio, den die still genährte Meinung von seiner eigenen Trefflichkeit zum Opfer eine« ähnlichen Betrüge« macht, wie zwei andere kluge Leute, Benedict und Beatrice. E« ist merkwürdig, wie oft e« Shakespeare in seinen Lustspielen, namentlich in den früheren, liebt, die menschliche Schwäche und Hinfälliakeit bloßzustellen. Je lauter der Mensch die Stärke seine« Geiste«, die Festigkeit seiner Entschlüffe, die Beständigkeit seiner Gefühle verkündet, um so größere und beschämendere Niederlagen erleidet er. E« braucht hier nur an „Verlorene Liebesmüh'" erinnert zu werden. Gerade au« der menschlichen Schwäche entwickelt Shakespeare mit Vorliebe feine komischen Wirkungen. Aber während im „Sommr rnachtstraum" das Tolle, Ungereimte, den kühlen Verstand Belustigende de« Verhaltens blind Verliebter hervorgehobtn wird und auch in „Viel Lärm um Nicht»", wo zwei klare, prosaische Naturen sich ehrlich verlieben, bei beiden niemals wirkliche Gesühlstöne erklingen, werden in unserem Stück die von dem Liebesgott gestifteten Wirren von der Gefühlsseite genommen. Die weiche Atmo- sphäre, die unser Stück umwebt und in keinem anderen Werke unsere« Dichter« ähnlich wiederkehrt, verleiht ihm tinen eigenen lyrisch musikalischen Charakter. E« ist bedeutungsvoll, daß e« durch Musik eingeleitet wird, und daß auch in der Mitte de« Stücke« in einer hochpoetischen Scene wieder die Musik erklingt, die doch am besten geeignet ist, die schwebenden, unbestimmten, gegenstandslosen Gefühle auszudrücken. Die Komik, die hier nur gedämpfter erklingt, kommt dafür voller zu ihrem Rechte in den Scenen, wo da« lustige Kleeblatt und ihr nicht allzu beklagenswerthe« Opfer Malvolio vor uns treten. Vielleicht ist hier die Bemerkung verstattet, daß in Malvolio das Puritaner!hum angegriffen wird, von beffen Feindschaft schon damals da« Theater zu leiden hatte, und daß Orsino, besten Betheuerungen über die Tiefe seiner Liebe von dem Dichter mit einer leichten Ironie behandelt werden, ein Gegenstück zu Romeo bildet, der ebenfalls zuerst einer Phantasieleidenschast huldigt, die ein Bedürfniß seine« Gemüthe« anzeigt, ehe er die richtige Wahl trifft. Man sollte nicht vergesten. daß solche GemüthS- zustände, wie die Romeo's und Orfino's, damals viel natürlicher waren, als heutzutage. Der junge Laoafier braucht bei seinem Eintritt in die Welt eine Dame, an die er seine Verse richtet, mit deren Handschuh am Helm er in's Turnier reitet, und er wählt eine solche, ohne oft viel für ste zu empfinden. Man stand überdieß noch unter den Nachwirkungen Petrarca« und war gewohnt, seine echten und falschen Herzensnöthe mit sehr viel Wichtigkeit zu behandeln, liebet Viola ist aller Zauber der Poesie auSgegosten. Sie ist eine jener selbstlosen Frauengestalten Shakespeare'«, die ihr höchste« Glück darin erblicken, dem geliebten Manne nahe zu sein, ihm unerkannt zu dienen und zur Erfüllung jede« seiner Wünsche beizutragen, selbst wenn die« den völligen Verzicht auf eigene« Glück einschließen sollte. Die Gestalt des al« Page verkleideten liebenden Mädchen«, die schon dem Schäfer- roman vertraut war, ist im englischen Drama zur Zeit Shakespeare'« deshalb besonders häufig, weil die Frauen- rollen damals immer von Knaben gespielt wurden und so manche Unzuträglichkeiten wegfielen, die —- solche Künstlerinnen ausgenommen, wie die, die wir vorgestern begrüßen durften — bei Hosenrollen doch meist störend empfunden werden. Von der Kunst der Darstellerin der Viola waren die höchsten Ermattungen rege gemacht worden, die auch vollauf erfüllt wurden. Frau Prasch-Greven- derg, die fich in Rollen, wie Rora, auszeichntt, ist Meisterin de« scharf accentuirenden, pointirten Vortrag«, wie ihn das moderne Gesellschaftsstück fordert Daß Re, ohne ihre übrigen Vorzüge zu vetteugnen die Poefie einer Rolle wie die der Viola in ihrer ganzen Schönheit zur Geltung zu bringen vermag, bewies uns die meisterhafte Leistung de« gestrigen Abmd» und namentlich die Scene, in der sie die« rührende .Komm herbei, Tod" vortrug. Die Kunst, mit der Hausfrauen h schwindelhafte Reklame 're leiten zu lassen id Hausputz ’Jth’s CtcaUs und provinzielles. Gieße«, 29. Octobet 1898. •• Da» Zohreßfest bei Oderheffifchen »ereinl für taiere Miffio« ist nun auf den 16. und 16. November festgesetzt. Die Festpredigt in dem am 16. November, Abend« 6^, Uhr, la der Stadtklrche staUfindenden FestgotteSdienste« wird Herr Profeffot D. Flöring au« Friedberg halten. Vorher um 3 Uhr wird im Eonfirmandenfaale in der Neustadt eine vorstandsfitzung gehalten, zu der auch andere Mitglieder und Freunde Zutritt haben. SS wird dabei u. A. auch über „Evangelisation und GemeinschaftSpflege in Ober Helsen", ein Gegenstand, der gegenwärtig viele Ge- müther bewegt, berathen werden. Herr Pfatter Weber aus Lich wird die Beratungen einleiten. Am Abend wird wieder, wie alljährlich, eine Abendverfammlung in Stein« Gatten gehalten, bei bet bedeutsame Ansprachen vorgesehen find. Die am 16., Vormittag« 10 llht, im Eonfirmandensaale der JohanneSkitche tagende Jahresversammlung wirb fich mit der Frage: ,Wirth«hau« und Volksleben^ beschäftigen. Herr Pfarrer Fritsch von Ruppertsburg hat da» Referat übernommen. — Theater verein. Mit einer glänzenden Aufführung von Shakespeare's ,,Wa« Ihr wollt" hat vorgestern Abend der Theaterverein die Vorstellungen dieses Winter« eröffnet. Eine solche Aufführung wäre in früheren Jahren ein Wagniß gewesen, da« Gelingen, das doch zu einem guten Theile dem erfahrenen Mitwirken der einheimischen Kräfte zu danken war, bewies, welchen Fortschritt das Theaterwesen in unserer Stadt gemacht hat. Die Wiedergabe eines von der zartesten poe- tischen und malerischen S:immung ettüllten Luftsptel« wie „Was ihr wollt" stellt höhere Anforderungen an eine Truppe und namentlich an die Regie, als die der meisten Trauerspiele und besonders der auf die Charakterschilderung ausgehenden komischen oder ernsten Siltenstücke. Wir glauben, der Erfolg de- vorgestttgen Abend« dürfte den Theaterverein und die Direction Kruse-Helm ermuthigen, manche Stücke in das Rcpottoire aufzunehmen, die au« Gründen, wie fie einer früheren Aufführung von ,,Wa« ihr wollt" entgegenstandcn, bisher hier nicht gegeben wurden. — Shakespeare beschäftigt fich gern mit dem Phantafieelement in der Liebe, da» un- abhängig von Verstand und Willen und meist gegen die Entscheidungen beider die ra'che Entstehung und die leichte Uebertrogung der Neigung von einem Gegenstand zu einem andern bewii kt. — Im „SommernachtStraum", wo Lysander, Demetrius und Titania zweimal in wenig Stunden den Deutsches Reich. M.P.C. Berlin, 29. October. Wie wir au« bet Provinz «estpteußeu erfahren, gibt man fich in ihr sowie in der tznovinz Posen bet Hoffnung hin, baß e« gelingen werbe, für bl« Ansiedlung von Zweigstellen Großindustrieller- Unternehmungen be« Westen« in bet beutschen Ostmark «tdesoodete auch ba« Bankcapltal so zu intetesfiteo, baß ben ,c,üglichen Unternehmungen von vornherein eine weitgehende l igfiche auf Erfolg zur Seite steht. M.P.C. Berlin, 29 Octobet. wegen der Hypo- lhekenbankordnun g besteht, wie wir hören, hauptsächlich btt Schwierigkeit, baß auf Wunsch bet agrarischen kreise eine Wete veleihbarkeit bet ländlichen Grundstücke vorgesehen ift Die süddeutschen Hypothekenbanken erheben hiergegen Sidetsptuch. Die Hypothekenbanken, welche ländliche Grund- Hefe überhaupt beleihen, befindet; fich denen gegenüber, welche i|ne Geschäfte nur mit städtischen Grundstücken machen, ent- Weden in der Minderzahl. M.P.C. Berlin, 29. Oktober. Wenn mehrfach bezweifelt «erben ist, ob die zum Zwecke der Veranstaltung einer nm- sagenden Productiv uSstatiftik veranlaßten Erhebungen lütt die heimische Sütererzeuguvg auch in den Kreisen der kleinen Industrie so unterstützt werden würden, daß ein chhtige« Gesammtbild entstehen könne, so gibt die Bethei- Igang namentlich der kleinen Webereien an der wichtigen 8 tbett eine sichere Beruhigung in dieser Hinsicht. Gerade Ms den mittleren und kleineren Widerkreisen heran« sind Le Fragen, bis gestellt wurden, sehr prompt beantwortet oi irben. Dir •\r%ran Seetftr« IClttrr wr»ni «an InjngCT eiten. “ HeisM * MHpHute, 2 PCL JUU ”**' e*lt unb Wt jj , __ 8l‘ ffe MencM rch die von nne i Xcetylengas-XpP“^6- üfL T nni billigster Betrieb. x Laien zn handhaben. [aufr Apparate: ä 16 Normalkerzen Mt «•- ,ua jeder gewünschten Flai^ »rospecto kostenfrei. rankfurter „Gasgesellschaf,, , Vertreter gesucht w<>lle 11 L Sriiiiim Wt> 255 fie hier schlichte, innige Herzenstöne zu treffen wußte, erweckte, offengestanden unsere Bewunderung mehr als das Virtuosen- stückchen, das sie daneben den Sebastian spielte und in Ton, Haftung und Gang scharf von Viola unterschied. Die unverwüstliche Frische der Shakespeareschen Clowns hatten wir gestern Abend wieder Gelegenheit zu bewundern. Die trefflichen Leistungen der beiden Junker Tobias und Andreas (Herr Waller und Herr Werner), des Narren (Herr Wil- helmi) und des kecken Kammerkätzchens Maria (Frl. Pauli) wurden von dem Publikum beifällig ausgenommen. Der Malvolio des Herrn Liebscher war eine der besten Rollen, in denen wir diesen ausgezeichneten Darsteller sahen. Vielleicht wäre es doch gut, wenn er da, wo er seine Herrin anlächelt, das Meckern unterließe, das von den „Bocksprüngen" her einen üblen Beigeschmack hat. Die Rollen des Herzogs (Herr Dietzsch) und der Olivia (Frl. Würdig) waren gut vertreten und auch die kleineren wurden wacker gespielt. Die Regie und die sorgfältige Einstudirung verdienen volles Lob. Hier sei zum Schluß für eine etwaige Wiederholung noch eine Bemerkung verstauet. So meisterhaft die Wiedergabe der Viola durch unseren Gast war, die eine Durchführung der Rolle in demselben Geist, durch eine hiesige Künstlerin zur Unmöglichkeit machen würde, so ist doch unseres Erachtens eine abweichende Auffassung der Rolle möglich. In den Worten, die Viola zu sprechen hat, liegt ein solcher Wohllaut und eine so tiefe, reine Poesie, daß auch bei einem ganz schlichten Vortrag die Wirkung nicht ausbleiben kann. Wir glauben darum, daß bei einer Wiederholung wohl eine der hiesigen jüngeren Schauspielerinnen selbst ohne das sichere Können einer gereiften Künstlerin mit dieser Rolle betraut werden dürfte. Es wäre zu wünschen, daß dies herrliche Stück, auf besten Einstudirung so viel Liebe und Mühe verwandt wurde, nicht nach dieser einzigen Vorstellung vom Repertoire verschwände. * * Etadttheater. Unter Mitwirkung von Mitgliedern des Bauer'scheu Gesangvereins wird am Sonntag den 30. d. MtS. im Stadltheater die vieraetige Operetten- poffe ^Flotte Weiber" von Leon Treptow, Musik von Franz Roth, aufgeführt. — Frau Anna Führtng von Berlin, welche im vorigen Winter in einer TheatervereinS- Borstellung als „Medea" mit außerordentlichem Erfolge gasttrtr, ist von der Direktion Krufe-Helm für ein zwei Abende umfaffendeS Gastspiel gewonnen worden, welches am 8. und 9. November flattfinden wird. * * Kaiser Panorama. Die neueste Serie gelangt von Dienstag ab im Kaiser-Panorama zur Ausstellung: Die Reise des Präsidenten Faure nach Rußland. Wir neunen nur die Ankunft des Prästdeoten tu Kronstadt an Bord der Kaiserhacht ^Alexandria", dte Minister Hauotaux und Murawjew, Abschretlen der Ehreucowpaguie, dte große Revue in KraSnoje-velo, Kaiser und Kaiserin, Präsident Faure re. Der Feffelballon, Abschied des Präsidenten Faure an Bord de» „Pothuau". • • Der 7. hessische Städtetag findet Anfangs November in Offenbach statt. Zur Verhandlung gelaugt die Petition der Lehrer und Lehrerinnen der Volks- und Mittelschulen über dte Erhöhung ihres Gehaltes. Außerdem steht ein Antrag gegen dte Uebernahme und Ausführung von Privat- arbeiten durch städtische Betriebe und ein Antrag auf schleuniges Borgeheu zu Gunsten der Aushebung der Grenzsperre für eiuzuführendes Schlachtvieh aus der Tagesordnung. • • Geflügelzucht. Das Interesse für die Errichtung einer Geflügelzuchtftatton tn unserer Stadt regt fich auch tu privaten Kreisen. Herr August Gabriel hat die zu dem Bauwerk benöthigten Mauersteine gratis überlasten, Herr Lommerzienrath Gail schenkte dte entsprechende Anzahl Klinker, um dte Böden der Stallungen und den Winterlaufplatz damit zu belegen, Herr Braueretbefitzer Btchler lieferte gratis dte zu den Fundamenten der Anlage erforderlichen Bruchsteine, während die Herren August Schwau und Konrad Rübsameu ihre Gespanne kostenlos zur Verfügung stellen um die erforderlichen Baumaterialien zur Baustelle schaffen, zu können. Wenn die Witterung günstig bleibt, hofft der Verein für Vögel- und Geflügelzucht in 3 Wochen die ferttggestellle Anlage tn Benutzung nehmen zu können. • • Besitzwechsel. Dte katholische Kirchengemeinde kaufte von dem Gleßener Braunstein-Bergwerk (A. G.) deren au der Ltebigstraße gelegenes Haus tncl. Garten für den Preis von 68000 Mark. Die Käuferin verfügt nun längs der Ltebigstraße über einen zusammenhängenden, recht erheblichen Gruudbefitz. Mau hört, daß die katholische Gemeinde, welche das oeuerworbene Befitzthum am 1. April nächsten Jahres übernehmen will, beabsichtigt, an dieser Stelle ein monumentale- Gotteshaus zu erbauen, wetl sdie vorhandene alte Kirche für die täglich größer werdende Gemeinde zu eng sei. * * In Amerika verstorbene Heffen. Ja Blackhawk County, Ja., Heinrich Faust, 75 Jahre alt, aus Hessen- Darmstadt. — In Cosbh, Mo., Frau Anua Corauda, Wag euer, geborene Becker, 86 Jahre alt, aus dem Kreise Nidda. * * Wetterbericht. Central- und Süd-Europa gehöreu noch immer einem barometrischen Maximum au, deffen Keru über Siebenbürgen lagert. Den Norden bedeckt niederer Druck und auch über West-Europa ist das Barometer gefallen. Ein neues Minimum liegt vor dem Canal. Auf unserem Gebiete bleibt dte Witterung andauernd ruhig und, von localen Nebeln abgesehen, vorwiegend beiter. Die Hoch- staltouen erfreuen fich bet wolkenlosem Himmel äußerst milden Wetters. Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch keine wesentliche Aeuderung. Butzbach, 27. October. Wie durch den gestern hier anwesenden Ausseher Döring von Wehlheiden bei Kaffel und durch die in Straßburg wohnende Schwägerin desselben fest- gestellt wurde, ist der auf der Strecke Butzbach-Langgön» aus dem Nachtzug gestürzte und von den Zügen überfahrene Mann der Schrrtuermetster Wilhelm Kuhl, gebürtig aus Neustadt a. Hardt und wohnhaft zu Straßburg. Er wollte den Winter über bei feiner in Wehlheiden wohnenden Tochter, Frau Döring, da er fein Geschäft aufgegeben, bleiben. Der Verunglückte war Wittwer und hinterläßt fünf Kinder. In den Kleidern des Verunglückten war auch ein Btllet 4. Klaffe Fraukfurt-Caffel gefunden worden. Darmstadt, 28. October. Die hiesige Handelskammer beschloß heute, beim Reichskanzler wegen Aufhebung der Btehsperre vorstellig zu werden. A Mainz. 28. Oktober. Die schon in verschiedenen Arbeiterverbänden angeregte Frage der Arbeitslosenunterstützung beschäftigte heute auch die gegenwärtig hier tagende Generalversammlung der Maler und Lacktrer Deutschlands. In der Versammlung gingen die Meinungen über diese Frage sehr auseinander, und wurde schließlich ein Antrag auf Unterstützung der Arbeitslosen mit einer Stimme Majorität abgelehut. Die Gegner des Antrages begründeten ihre Ablehnung hauptsächlich mit dem Hinweis auf die hohen Geldanforderungen, welche man bet der Einführung der ArbeitSlosen-Uuterfiützung au dte Gewerkschaften stellen würde. — Die weithin bekannten Mainzer Lederwerke Actieu- Gesellschaft, vormals Mayer, Michel und Denuiugrr, feiern am 5. Decemder nächsthiu ihr Hundertjähriges Geschäfts- Jubiläum. Von kleinen Anfängen find dte Mainzer Lederwerke unter dem umsichtigen und thatkräftigeu Gründer und damaligen Letter zu einem sehr bedeutenden Geschäfte geworden, da- fich durch die Vorzüglichkeit feiner Fabrikate besonders des Kid- und Glanzleders einen Weltruf erworben hat. Nach der Leder-Fachpresse Plaut die Fabrikleitung, anläßlich des Jubiläums große Stiftungen für die Arbeiter und Beamten zu macken. A Mainz, 18. October. Für die im Jahre 1900 hier stattfindende 500jährige Gutenbergs-Gedenkfeier ist nunmehr das Programm vollständig fertiggestellt und gestern dem seither gebildeten provisorischen Comttv durch den Oberbürgermeister unterbreitet worden. Der Haupttag der Feier ist der 24. Juni 1900. Die Feier soll eine der Bedeutung Gutenbergs entsprechende und der Erfindungsstätte der Druckkunst würdige sein. Sie soll eine die weitesten Kreise interessirende, volksthümliche werden, zugleich aber einen wissenschaftlichen Charakter tragen und eine bleibende Bedeutung erhalten. Der Großherzog von Heffen wird gebeten werden, das Protectorat zu übernehmen. In dem Ehrenausschuß wird auch die deutsche Reichs- und hessische Regierung vertreten sein. Die Aufforderung zur Betheiligung an dem Feste soll eine allgemeine sein,- insbesondere werden die Buchdrucker und Buchhändler sowie die literarischen Kreise Deutschlands und des Auslandes für die Feier gewonnen. Auch die deutschen Staate und großen Städte, ausländischen Regierungen, die Universitäten und Akademien sollen zu ihrer Vertretung bei dem Feste eingeladen werden. Dte Feier soll in zwei Theile zerfallen und zwar in eine Festfeier und eine wissenschaftliche Feier. Bei der ersteren soll ein Feftact mit Festrede, Musik- und Gesangsaufführungen, Preiscantate, Empfang der Gäste u. s. w. den Mittelpunkt bilden. Daran wird sich ein historischer Festzug, Festcommers, Huldigungsfeier am Denkmal sowie eine Rheinfahrt reihen. Bezüglich der wissenschaftlichen Seite erscheint als Festgabe der Stadt Mainz eine Festschrift von dauerndem wissenschaftlichen Werthe über Gutenberg und dessen Erfindung, sowie ferner eine populäre Festschrift mit mehr localem Charakter. Die be- deutensten Gutenberg-Forscher des In- und des Auslandes sollen zu Beiträgen für die Festschrift aufgefordert werden. Aus Rheinhessen, 27. October. Der allgemeine Traubenherbst hat in diesen Tagen in den meisten Gemeinden begonnen. Da» Ergebniß ist bezüglich der Menge durchweg schlechter ausgefallen als man erwartete, stellenweise kommt t» noch nicht einem Sechstel-Herbst gleich. Die Qualität des Moste» ist befriedigend, die Auslese sogar ,gut*. Nach Mostgehalt und Säuregrad wird von vielen Winzern bei aus- gelesenrn Trauben dte Güte des 1897er Jahrganges nicht selten erreicht. Der Traubenabsatz ist dieses Jahr bedeutend stärker als tn den Vorjahren. Die Menge der geernteten Trauben ist aber so gering, daß vielen Landwirthen ein Einlegen des Mostes nicht rentabel ist. Dagegen zeigen fich die Käufer noch sehr zurückzaltcnd, weil man befürchtet, daß der Traubevpilz, der bekanntlich dte Ursache de» schlechten Herbstes tst, auf die Entwicklung und da» „Banen" des neuen Weines nachtheiltgen Einfluß haben könnte. Spaßvögel nennen denn auch den 1898er bereit» „Pilzener". Die Preise schweben je nack Lage zwischen 14 und 20 Mk. pr. Centner. Aus ber Seit tflr Seit» Vor 85 Jahren, am 30. October 1813, erfochten die Franzosen bei Hanau mit schweren Opfern nochmals einen Sieg über General Wrede, der den Rückziehenden mit einem aus frischen Truppen bestehenden Heere den Weg verlegt halte. Der für die Franzosen glückliche Ausgang der Schlacht eröffnete diesen den Weg über Frankfurt a. M. mit einer 70000 Mann starken Armee. Vor 87 Jahren, am 31. October 1811, starb zu Schnepfenthal der Pädagog und Volksschriftsteller Christian Gotthilf Salzmann, der sich durch Lehre in Worten und Werken um die deutsche Jugendbildung hoch verdient machte. Er gründete 1784 die Erziehungsanstalt Schnepfenthal, wo er im Pestalozzischen Geiste wirkte. Salzmann wurde am 1. Juni 1741 zu Sömmerda geboren. Vermischtes. • Rheydt, 26. October. Um dte vereinSsestlichkeiten, die am Niederrhein in den letzten Jahren außerordentlich zugenommen haben, etnzuschränken, beschloffen dte hiesigen Stadtverordneten, daß künftighin bet Verein-festen, die mehr al» einen Tag dauern, für den zwetten und jeden weiteren Tag die dreifache Lnstbarkeit-steuer zu zahlen fei. BereinSfest- ltchkeitrn, dte nur den Deckmantel für Tanzbelusttgungen bilden, sollen nur noch an den Tagen gestattet werden, wo nach der Düffeldorfer RegierungSpoltzetverordnung auch den Wtrthen die Abhaltung von Tanzlustbarketten gestattet ist. Ferner wurde die Steuer für die Abhaltung von Maskenbällen wesentlich erhöbt. • Kitchener und Marchand. Au» Kairo berichtet da» Journal Egyptien vom 26. bl.: „Als da» Kanonenbot mit Str Herbert Kitchener an Bord gerade daran war, von Faschoda abzudampfen, und schon da» Signal gegeben war, tauchte eine Schaar von senegalefischen Soldaten auf und gab dem Schiffe Zeichen, zu warten. Dann stiegen die Senegalesen an Bord. Sie brachten ein schweres Packet mit und ein Schreiben Major Marchand'S. In diesem hieß es: „Ich habe gerade erfahren, daß Sie eine Kiste Wein für uns zu- rückgelaffea haben. Ich bin höchst gerührt durch diese zarte Aufmerksamkeit, obgleich wir Alles, was wir brauchen, in Fülle haben. Als freundschaftliche Gegenleistung erlauben Sie mir, bitte, Ihnen einige bescheidene Erzeugniffe unserer Gärten anzubieten, die Sie wahrscheinlich tn Omdurman nicht haben. Der Ihrige: Marchand." (Das Packet enthielt Gemüse und Blumen.) • Ansichtspostkarten, auf denen das Berliner Thor der Festung Posen dargestellt war, find kürzlich polizeilich con- ftscirt worden. Außerdem verhängte das Amtsgericht Posen über zahlreiche Geschäftsleute, welche jene Postkarten verkaufen, Geldstrafen von je drei Mark. Jetzt find nun, wie ein Berichterstatter schreibt, auch im ganzen deutschen Reiche sämmtliche Ansichtspostkarten, auf denen Festungswerke ganz oder theilweise dargestellt waren, polizeilich confiscirt worden. Dte Confilcationen erfolgten tn dtesen Tagen in Preußen, Sachsen, Heffen u. s. w. Betroffen wurden unter Anderem Ansichtspostkarten von Spandau, Coblenz, Ehren- breitstetn, Magdeburg, Mainz, KönigSstetn an der Elbe u. f. w. u. f. w. Wissenschaft, Literatur und Aunst. Bon der Mode. In den Ateliers findet man auffallend viele Paletots, kurze und lange, zum großen Theile vorne abgerundet. Der Aufputz der Kleider besteht aus neuartigem Pelzbesatz, einfachen- Borden, Bändern und Blenden. Da« eben erschienene Heft 3 der „Wiener Mode" enthält eine reiche Auswahl solcher Toiletten und zahlreiche Confectionsstücke. Die Handarbeiten sind vielfach modern fiylistrt, ein „LehrcurS der italienischen Kleineisenarbeit" lehrt die Damen aus ganz einfache Weise die schönsten Gesäße und Zier- gegenstände anfertigen. Dem Hefte liegt .gratis ein Schnittmusterbogen, sowie die „Wiener Kinder-Mode" mit zahlreichen Garderoben und ConfectionSstückm bei. Preis des Heftes 45 Pfg., Abonnement 2 Mk. 60 Pf. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen oder direct durch die Administration der „Wiener Mode", Wien, IV., Wienstraße. Schiffsiruchrichterr. Norddeutscher Lloyd, tn Gießen vertreten durch die Agenten 6«rF Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 28. October. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Schnellpostdampfer Saale,. Capt. B. Blanke, vom Norddeutschen Lloyd tn Bremen, ist gestern 12 Uhr Mittags wohlbehalten tn Newyork angekommen. Bremen, 28. October. sPer transallanttschen Telegraph-! Der Doppelschrauben-Postdampfer Wetmar, Capt. F. Mentz, vom Norddeutscher, Lloyd tn Bremen, tft gestern 4 Uhr Nachmittag- wohlbehalten tn Newyork angekommen. Auszug aus den Stairdesarntsregifteim der Stadt Gietzeu. Aufgebote. September: 28. Carl Friedrich Adam Scherrer, pract. Thierarzt zu TauberbtfchofSheim, mit Johanna Elise Prell Hierselbst. October: 22. Karl Koch, Schmied zu Londorf, mit Katharine Magel von Beltershain. 24. Heinrich Fritzel, Metzger zu Ober-Eschbach, mit Julie Friederike Kester zu Nteder-Eschbach. 24. Friedrich Wilhelm Emil Ritter, Postschaffner zu Wetzlar, mit Pauline Koch, geb. Stahl, Wittwe von Metzger Gustav Koch zu Driedors. 26. Matthäus Heinrich Nuhn, Maurer zu Gießen, mit Johannette Schäser zu Königsberg, Kreis Biedenkopf. 26. Johannes Euler, Taglöhner dahier, mit Anna Marte Thamer Hierselbst. 26. Karl Reif, Sergeant dahier, mit Margarethe Roth zu Muschenheim. 26. Wilhelm Göbels, Kaufmann zu Frankfurt a. M., mit Juliane Moritzine Amalie Emilie Haustein hierselbst. 28. Adam Schröder, Bergmann dahier, mit Anna Katharina Völker hierselbst. 28. Ludwig Georg Babel, Schlosser dahier, mit Christine Rinn hierselbst. 28. Johannes Bär, Cementeur zu Düsseldorf, mit Antonie Wagner hierselbst. Eheschließungen. October: 22. Heinrich Philipp Justus Wagenbach, Schneider dahier, mit Anna Katharine Hahn hierselbst. Geborene. October: 18. Dem Kaufmann Julius Rothschild eine Tochter, Florence Antonie. 18. Dem Arbeiter Christoph Wetz eine Tochter, Margarethe. 21. Dem Metzger und Wirth Josef Brühl ein Sohn, Karl Wilhelm. 22. Dem Knecht Heinrich Böcher ein Sohn, JustuS. 23. Dem Maurer Philipp Peter ein Sohn. 24. Dem Schmied Theodor Stein ein Sohn, Wilhelm Heinrich Johann Karl. 25. Dem Schlosser Heinrich Förster ein todtgeboreneS Kind männlichen Geschlechts. 26. Dem Zahlmeister-ASpirant Georg Heinrich Lerch eine Tochter, Johanna. Gestorbene. October: 21. Johannes Schäfer, 59 Jahre alt, Obst- und Gemüsehändler dahier. 22. August Heinrich Kehl, 2 Monate alt, Sohn von Schreiner Heinrich Kehl dahier. 22. Heinrich Hammer, 26 Jahre alt, Braubursche von Seibelsdorf, Ober-Franken. 23. Friedrich Schnierle, 2 Jahre alt, Sohn von Taglöhner Friedrich Schnterle dahier. 23. Elisabeth Mulch, 1 Jahr alt, Tochter von Lehrer an der höheren Mädchenschule Karl Wilhelm Mulch dahier. 23. Marie Lina Müller, l8/< Jahre alt, Tochter von Schlosser Heinrich Müller II. dahier. 25. Karl Jost, 66 Jahre alt, RegierungSrath i. P. und Rechtsanwalt dahier. 27. Johann Georg Adami, 63 Jahre «ltr Kaufmann dahier. Auszug aus deir Aircheubüchesu der Stadt (Sieben. Evangelische Gemeinde. Getraute. JohanneSgemeinde. Den 23. October. Heinrich Philipp Justu» Wagenbach, Schneider zu Gießen, und Anna Katharine Hahn, Tochter deS Tag- löhnerS Johannes Hahn zu BernSfrld. Getaufte. MatthäuSgemeinde. , Dm 23. October. Dem Fabrikarbeiter Friedrich Wilhelm Keiner ein Sohn, Friedrich Wilhelm, geborm den 24, September. 5'iS’h^’•** t *Ä?5S an“* l«4%™'" Mrr, tsai ht1 Ol,it i«h Aq, j> MWbtnt S?“8 ktllllldtr lt«5'lin htttstlbst. SggseS S'«ZS.'K l Heinrich 21 Tem “ÖStSw«*** Df? Sohn ’Ö"1Ä S •^SSeSSS^J §K^ 7^^ :.s- *tS*e* gQgjtX |Ai** Dtnftlbm. Dem Kaufmann Johann Karl Eichmann ein Sohn, VUHelm Johann, geboren den 4, ocplanbcr. Markußgemeinde. Den 23. Oclober. Dem Schuhmacher Philipp Appel dn< lochter, Emilie Äaroltne Eltladelh, geboren den 20. .'tovernder. Denselben. Dem Fabrtkarbeirer Christian Becker ein Sohn, Wilhelm Friedrich, geboren den 29. September. Denselben. Dem Wirth Ludwig Flamme ein Sohn, Karl Ludwig, geboren dm 12. August. Luka-gemetnde. Dm 23. October. Dem Zahnarrt Eduard Jäger ein Sohn, Ervin Christian Ludwig Otto, geboten den 9. September. Denselben. Dem TaglShner Ludwig Rolmbaum eine Tochter, Henriette Elisabethe Magdalme, geboren den 21. August. JohanneSgemetnde. Dm 23. October. Dem Zeglibnet Johann Georg Eimer ein Sohn, Wilhelm, geboren den 24. Juli. Denselben Dem Maurer Ludwig Schneider eine Tochter, Katharine Luise, gedorm dm 18 September. Beerdigte. MarkuSgemeinde. Dm 24. Oclober. Johannes Schäler, Gemüsehändler, ein Wittwer, 58 Jahre alt, starb dm 21. Oktober. LukaSgemeind e Dm 22 October. JohaneS Hammer, Bierbrauer, Sohn deS Braumeisters Friedrich Hammer zu SeibertSdors, Ober fronten, M Jahre alt, starb dm 22. October.___________ Brodpreise vom 30. October bi» 13. November 1898. Der Didlgen BLA er. 1 Kg. (2 Pfd.) iafelbrob......28 Psg 2 Kg. (4 Pfd.) Iafelbrob......56 , 1 Kg. (2 Pfd.) Weißbrot»......26 , 2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrod......52 , 1 Kg. (2 Pfd.) Schwarzbrod......24 , 2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrod.....48 , 3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrod......72 , Der Kalbfleisch per Pfd. 64—66 Hammelfleisch per Pfd. 50—70 A, Kartoffeln per 100 Kilo 5.00 big 7.00 X, Weißkraut per 6L 10—20, Zwiebeln per Etr. X 5.00—5.50, Mrlch per Liter 16 A. Zwetschen per Etr. X 4.00—5.00. Dauer der Marktzett von 8 Uhr Morgen- bi- 2 Uhr Nach» mittag-. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehm nicht feilgeboten werden. Neueste Nachrichten. Depeschm bei Bureau .Herold*. Berlin, 29. October. Nach den bisher vorliegenden Resultaten der preußischen Wahlwävnerwahlen zu« Ab- geordnetenhause erscheinen die nachfolgenden gefichrrt: 20 geei'Lonservative, 63 Eonservative, 54 Nationalliberale, 45 Learruw, 9 freisinnige Vereinigung, 28 freisinnige Volks- Partei, 11 diverse Liberale, 1 Antisemit (in Her-feld) und 1 Däne (in Hadrr-leben). Gestern Abend stellten die Wahl- männer der freisinnigen Volk-Partei im ersten Berliner Landtag-Wahlkreise die Reich-tag-'Abgeordneten Kreitling und Träger, ferner den Dr. Max Hirsch und im zweiten Berliner Wahlkreise die Reich-tagS-Adgeordneten Dr. LangerhanS und Rector Sopsch al- Landidaten auf. Berlin, 29. October. Die gestern Abend von den Anarchisten einberufene öffentliche Protest-Versammlung mit der Tagesordnung: „Die internationale Anar- chistenhetze und der Kampf nm die Freiheit" wurde polizeilich inhibirt. Berlin, 29. October. Da- „Kleine Journal" meldet auS Paris: Die Entscheidung de- CaffationShofes soll, wie behauptet wird, bereit- feststehen. Der Eaffationshos wird die Auslieferung der Geheimacten mit den falschen Kaiserdriesen fordern. Der Generalstab soll entschloffru sein, die Auslieferung zu verweigern, was einem revolutionärem Acte gleich käme. Victor Napoleon und der Herzog von Orleans warten in Brüssel die weiteren Ereigniffe ab. Wien, 29. Oetober. Die „Neue Freie Presse" erhält folgende Mittheilung: Die Europäer in Peking müßten aus den Schutz ihrer Häuser bedacht sein. Die Unficherheit im Lande wird größer durch den Umstand, daß sich um Peking 15,000 Soldaten befinden, welche seit Monaten keine Löhnung erholten haben. Seit Eintritt der strengen Jahreszeit besteht bie Gefahr, daß diese uudiScipliuirten Schauren zu plündern anfangen. Wie», 29. October. Die Blätter drücken ihreGenug- thuung au- über die osficielle Petersburger Meldung von dem Fortbestehen des guten Einvernehmen- zwischen Oesterreich und Rußland In allen politischen Fragen. Wien, 29. October. Da- letzte Bulletin über da- Befinden der Wärterin Pecha lautet: Temperatur 88,6, Ath- mung mühsam röchelnd. RSihlicher An-wurf. Die Hoch- rgger befindet fich vollständig wohl. Proseffor Nothnagel wird am Montag seine Vorlesungen wieder oufnehmen. Graz, 29. Oetober. Im sogen. Mörderisch bei Telfs sand eiu coloffalrr Bergsturz statt. Die Landstraße wurde theilwetse verschüttet. Der Verkehr ist dadurch gehemmt. Pari-, 29. Oclober. Frau Dreyfu- erhielt einen Brief von der Hand chre- Mannes, der die Hoffnung auf seine Rehabilttirung ausspricht. Pari», 29. October. Sollte der Cassation-Hof eine Untersuchung beschließen, so wird eine Commission von drei Mitgliedern damit betraut w-rden. Diese Sommission wird sofort freien Verkehr mit Picquart verlangen. ES bleibt abzuwarten, wie General Zurlinden diese Forderung aufnimmt. Paris, 29. October. Dupup wird dem Präsidentm Faure die neue Ministerliste heute vorlegen können. Paris, 29. October. Die «ntifemiteu find mit den Ergedniffen der letzten Tage sehr zufrieden. Sie rühmen fich, da- Eabinet Briffon gestürzt und die vorläufige Frei- laffung de- Führers der Antisemiten bewirkt zu haben. Sie Haden volles vertrauen, den Eaffation-Hos gegen Drehsus nmzustimmen. Paris, 29. October. Die allgemeine Anficht geht dahin, daß der SassationShof am nächsten Montag die Revision des DrehfuS ProceffeS beschließen unb eine erneute Untersuchung einletten wird. Die Reden Bard-, Manau- und Mornarb- haben bet vielen eine Umstimmung bewirkt. Die Anhänger der Revision mehren fich mit jebem Tage. Pari-, 29. October. Seit gestern sind 500 Gruben- arbeit« in Mauvage auSstänbig. Die sozialistischen Redner befürworten eine Aufnahme der Arbeit. Die Ausständigen verlangen die Absetzung deS DirectorS. Man glaubt, daß der Ausstand von kurzer Dauer sein wird. Paris, 29. October. Die Nachricht über die Rückkehr Marchands nach Kairo wird verschiedenartig auSgelegt. Manche ersehen daraus die Absicht DelcaffSs, seinem Nach- folger im Ministerium deS Aeußern einen schlechten Streich zu spielen, Andere sagen, die Mckkehr Marchands bedeute, daß die Unterhandlungen zwischen England und Frankreich beginnen würden. Brnffel, 29. October. Herzog Philipp von Orleans ist gestern Abend ohne seine Gemahlin, aber in Begleitung deS Prästdenten deS royalistischen Jugendbunde- hier eingetroffen. Er wurde von mehreren Häuptern der Partei erwartet. Diese wird nunmehr von hier au- eine rege Thätig- teil entfalten. Der Herzog selbst erklärte, da- Aeußerste wagen zu wollen. Jaffa, 29. October. Sestern früh um 8 Uhr hat da- Saiserpaar die Weiterreise nach Latrum angetreten. Der Kaiser trug große Uniform, die Kaiserin eine gelbliche Reise- kleidung. Der Aufbruch erfolgte unter Kanonendonner und drm Jubel der Brvölkerung. Graf Wedel eröffnete den Zug, bann folgten die Leib-Gendarmen. In einigem Abstand davon ritt daS Kaisetpaar, dem fich da- Gefolge unmittelbar anschloß. l. maschine. Bor«, Gencktsvollzrebec. 2. 3. 4. VersteigeriniM Enipseillimgen b) von Vormittags 9 Uhr au Flur XXV Nr. 1058/10 = 2299 qm Acker auf der Warte für die Dienstag, btn LMoofmbtr i>. Is., Nachmittag- 2 Uhr versteigere ich Neustadl 55 gegen Baarzahlung: 2 Fahrräder, 1 Parlhie Hüte und Bucker (letztere diversen Inhalts , mehrere Oelgemälde, 2 vollst. Betten, 2 6ophaS,2 Tiscke, 2 Waschkommoden, lLerttkow,2ttleidersckränke,26piegel, 1 Commode, 3 Rohrstühle und 1 Näh« Flur XXV Nr. 49 mit 3213 qm Acker daselbst für dieselbe Zeit. 5. Flur XXIII Nr. 129 = 4375 qm Acker auf dem Aulweg hinter dem Weiher für die Zeit von 1899 bis 1904. 8. Flur XXIV Nr. 105 — 2819 qm Acker am halben Zehnten für die Zeit von 1899 bis 1901. 7. Flur XXIX Nr 114 — 9319 qm Acker am Ohleberg vor dem Rödenoeg für die Zeit von 1899 dis 1904. 8. Flur XXIX 9!r. 83 — 5824 qm Acker auf dem Crdkauterweg auf Bekanntmachung. Die nachfolgenden, dem städtischen Hospital und der Stadt gehörigen ehemals v. Rabenau'schen) Grundstücke, deren erstmalige Verpachtung am 5. September d. I. nicht genehmigt wurde, sollen in der nachfolgenden Whenfolge Montag den 7. November d. I. nctmale an Ort und Stelle meistbietend verpachtet werden und zwar: Feinster Cognac, ärztlich empfohlen, franiösischer Berschnttt, per Literflascke 2 Mk., sowie sonstige beste deutsche und französische Marken in Originalpackung, in diversen Preis- lagen empfiehlt 10782 E. Dort, Wallthorstratze 45. Zeit von 1899 bi- 1904. i Flur XXV Nr. 42, 43, 44 und 45 sowie 1025/lo Acker vor dem iQ8ii Weiher und Warte mit zusammen 13 256 qm in 20 Abtheilungen — etwa von je einem 'Piertel-Morgev von 1899 bi» 1901. Flur XXV Nr. 48 mit 3050 qm Acker vor dem Weiher von 1899 dieselbe Zeit. ... b) von Nachmittags 3 Uhr au Flur III Nr. 94 — 3306 qm Acker links des Ärofborfer Wegs für die Zeit von 1899 bi- 1904. LO. Flur IV Nr. 1, neue Bezeichnung Flur 30 Nr. 104 = 2937 qm Acker über dem Ärofborfer Weg für dieselbe Zett. 11. Flur IV Nr. 18 und Flur 5 Nr. 442 neue Bezeichnung Flur 31 Nr. 7 — 5313 qm Acker am Ärofborfer Weg für dieselbe Zett. c) von Nachmittags 41/, Uhr au U2. Flur XXXIX Nr. 239, 240 und 240a — 4512 qm Acker am Wieseckerweg, mittelste Gewann, für dieselbe Zett. Die Zusammenkunft ist befi Vormittags 9 Uhr auf der Frankmrter- fb:afee, am Eingang zur Klinttstraße, des Nachmittags 3 Uhr an der ehe- wls Gaü'fchm Wollspinnerei, und Nachmittags 4»/, Uhr auf dem Wiefecker- »