Wen. tat Ji n 13 flntrkmlX Mj V uer mnnmmhhk MMit t: Mtt'AnKtzk. 00 Stück I» 2’/< Jahre* Stets wtrft 119 Lafler. itea, üfl* it-tt«, >rgel"' iph-n- «7 b»., v^> SV-S ^visvatca, ' Kl-teo, ’Ä.. Musik; Atiouvaor raturen* Nr. 255 Drittes Blatt.Sonntag den 30. October 18p8 Weit u*fu ■* lutnebirv » S Äentcga Xht •kfrnn »«■HltwHilUr •artow tf* Ijijttgn WlcheuUlch »irrmal 6d|riryt Gießener Anzeiger Wn*w«*« >tcrul|i^ctW. 1 Korf »0 > »OWMNlch 76 >■< ■il tlriBfcd«*« Brt MMh 1 Start 60 P*t vkneittMM- ■ eee|et Snjtigtn ,» kn NachmMa,s ftr kl WMnitf tq rr1<6ttnmbrn Ihmert M Bare II U>1. General-Anzeiger Sie lnjfigcn-Bcrwitttiun|lMcn toi I». web l^uaM nrbmrn Injngcn *Ax ben • ujmrt legrigrt —j ^~t Asnts- und Anzeigeblutt für den Urei« Gieren. Aalecato«, spffrttien web Inrfta: »4 tßTEtzß ». 1. Gratlsbeilage: Girtzener Familienblätter. ■brrflt ftr Dt>rf*tn: 4U|t<. Krrnsprkchcr Mr. 61. politische Wochenschau. Die Wrhlwännerwahlen In Preu Herr Hob am Donnerstag vollzogen worden, uni soweit man das Resultat heute schon äde,blicken kann, dürfte eine wesentliche Verschiebung der Stärke der einzelnen Parteien im preußischen Abgeordneten- Hause kaum stattfinden. Zwar Ist ein Zug nach links zu be* »erkeu, doch stellt fich derselbe nicht als allzuwesentlich her« aus. Menn auch die Betheiligung an den Laodtagswahlen diesmal vielfach etwas reger war, so ist doch Wiedern« eine große Gleichgültigkeit der Wühler zu constatireu; man hat scheinbar das Gesühl, daß das Geschick der Nation «ehr Im Reichstage liegt als in den einzelnen Landtagen. Das Kaiserpaar hat das Ziel seiner Reise erreicht. Koch immer hält dir Spannung über den Aufenthalt in Lonstautinopel an, und die Erörterungen über die Wirkungen, »eiche der Besuch im Gefolge Haden wird, bildete noch eine Händige Rubrik in der Prefie. Wir haben uns über diesen Segrustand bereits so aussührlich geäußert, daß wir nichts «ehr hiuzuzufügen haben und ruhig den Gang der Ereignisse Tbzuwarteu empfehlen. Hebet den Termin der Eköffnung des Reichstages find im Laufe dieser Woche bestimmtere Meldungen ver- breitet worden. Man nimmt an, daß der Reichstag am 28. November durch den Kaiser In Person eröffnet werden »Ird. Die Nachrichten über das gegen den Kaiser geplante Attentat find weiter ergänzt worden, und eS scheint, daß tatsächlich ein Anschlag deadfichtlgt war, wenn dies auch von ler focialdemokratischeu Puffe fortgesetzt abgeleugnet wird. Die Meldungen von den seitens der türkischen Behörden ge« rroffeneu Vorsichtsmaßregeln können demnach nur beruhigend »irken. Große! Interesse nehmen die Vorgänge in Frankreich in Anspruch: DaS Labinet Briffon ist gestürzt, und zwar unter so eigenthümlichen Umstäuden, daß die Lage recht Ichwierig erscheint. DaS Verhalten des Krtegsministers Lha- rroine findet nnr bei den Lhauvtnisteu Beifall, alle anderen 'Parteien verurtheilen dasselbe. Die Krtfis dürste die-mal üänzere Zeit dauern, schon jetzt ater nimmt mau als sicher •en, daß ein .Ltvllist" das AriegSportefeuille erhält. Auch Ivust erinnert tu Paris Alles daran, daß man am Vorabend großer Ereignisse steht, da die Erregung einen immer größeren Umfang annimmt. Hebet den Verlauf bet in bet ftanzöfischen Hauptstabt tagenden spanisch-amerikanischen Friebeusconferenz hört ■an nichts. Nur soviel scheint sicher, baß eine Einigung noch In weitem Felde liegt. Inzwischen kriselt es auch in Spanten, wo die Tage bei EadinetS Sagasta gezählt sein sollen. Wir haben schon bes Ocfteren ausgeführt, daß es ans einen Personenwechsel kaum ankommt, baß vielmehr bas ganze System geänbert werben mnß, soll Spanien einer glücklichen Zukunft entgegengehen. Die Faschoba-Angelegenheit hat noch keine Er- leblgung gesunden. Der Slrbar Kitchener Ist in England eingetroffen; vielleicht trägt dies zur schnelleren Förderung der Sache bei. vorläufig werden sowohl ans englischer wie auf französischer Seite die Rüstungen eistig fortgesetzt. In Oesterreich find die politischen verhältniffe insofern verworrener geworden, als zwischen den Deutschen Un» einigfeit ausgebrochen Ist. Graf Thun soll fich wieder mit der Absicht tragen, den Reichsrath neuerdings zu vertagen. Mehr als die Innerpolitische Situation interesfirt aber die Anwesenheit des Grasen Murawjew in Wien. Die ausgezeichnete Aufnahme, welche er daselbst gefunden hat, gilt als ein Beweis des völligen Einvernehmens zwischen Rußland und Oesterreich und als eine weitere Bürgschaft für den Weltfrieden. (xx) Locales und provinzielles. §§ Aus dem niederen Bogelßberg. 28. October. Daß man zu Ende October noch grüne Bohnen von blühenden Ranken brechen kann, wie im Garten des Einsenders dieses der Fall, muß wohl als eine Seltenheit bezeichnet werden. In ben geschützten Gärten fiub die Bohnen vor den ersten Frostnächten verschont geblieben, In Folge des sommerlichen HerdstwetterS blühen dieselben nun weiter nnb tragen auch Früchte, so daß man um diese Zett noch grünes Bohnengemüse frisch von den Ranken kochen kann. -4- Ortend er g, 28. Ociober. Alljährlich findet hier Anfangs November der weithin bekannte „Ralte Markt" statt, welcher zugleich als Kirchweih unseres Städtchens gilt und zu den belebtesten oberhessischen Jahrmärkten zahlt. Derselbe wird dieses Mal an den drei ersten Werktagen kommender Woche abgehalten, und zwar Montag Pferde- und Fohlen-, Dienstag Rindvieh- und Schweine-, Mittwoch KrLwermarkt, nebst den herkömmlichen vielseitigen Volksbelustigungen. O Hattenrod, 28. Ociober. In den Ruhestand versetzt wurde auf setu Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste der Lehrer au der Ge- «eindeschnle zu Angenrod August Braun, mit Wirkung vom 1. November d. I. an. Herr Braun war 33 Jahre lang in hiesiger Gemeinde thätig. § Aus de« Ohmthal, 28. Ociober. Eine ungewöhnlich warme Temperatur herrscht noch In dieser vorgerückten Jahreszeit, in der sonst nicht selten schon Flockenwirbel des WinterS sich eingestellt. Den ungemein verspäteten Feld- arbeiten kommt die linde Witterung sehr zu statten. Erst nach dem Eintreten des letzten Regenwetters war es be« Landrnann möglich, die Weizeusaat auf ben steinhart gewordenen Kleeäckern zu beendigen. Wie sehr der Erdboden aus- getrocknet, zeigt dal schwammartige Aufsaugen der letzten keinesfalls geringen Niederschläge. In ben auf sehr nted- rigem Wafferstanb stehenden Bächen nnb Mühlgräben merkt man noch kein Steigen bei Wasser!, ebensowenig auch in ben zurückgegangenen Brunnen. Der Wiesengrund sieht Infolge des warmen Wetters so frischgrün aus, als ständen wir vor de« Frühlinge. Dadurch Ist gute Hutweibe vorhanben, von der fleißig Gebrauch gemacht wirb. (?) Ruppertenrod, 28. October. Hnseren gestrigen ,Herdftmarkt" begünstigte befferes Welter, als man nach be« Tags vorher herrschenden Regenwetter erwartet hatte. Der Schweinemarkt war sehr stark befahren, aber der Handel zeigte trotz der hohen Preise keinen Fluß. Die Nachfrage war gegenüber dem Angebot zu schwach,- el fehlte also an Käufern. Der schlechte Ausfall der Kartoffelernte nnb der Erdgewächse überhaupt wirkt doch etwas hemmend auf die Kauflust. Bezahlt wurde für das Paar Ferkel erster Qualität bis zu 60 Mk, gewiß ein hoher Herbstpreis; geringerer Art galten 40 bis 45 Mk., geringster 35 bis 40 Mk. Bor zwei Jahren zahlte man auf diesem Markte nur 36 Mk. für das Paar bester Ferkel, für da- geringerer Art nut 16 bis 24 Mk. An! diesem vergleich erhellt die gegenwärtig hohe Preisstufe der Jungschwelne. Sie wird allerdings veranlaßt durch den hohen Preis der fetten Schweine, die mit 44 und 45 Pfg. für das Pfund Lebendgewicht fehr gesucht find. — Der Krämermarkt war mit verkaussständen recht gut besetzt, hätte aber in Anbetracht des Wetters befferen Besuch auf- weisen dürfen. R. Reichelsheim i. W., 28. October. Das wundervolle Herbstwetter kommt unseren Felberbestellungen trefflich zu statten. Die Zuckerrüben find ziemlich mühsam zu ernten, weil sie kleiner blieben, all in früheren Jahren, boch der Zuckergehalt Ist bedeutend. Die Winterfrüchte gehen schön auf nnb bie Aecker bauen sich gut. — Der Verkehr auf unsrer Bahnlinie wächst mit jebem Tage weiter. — Bel der Thierschau in Friedberg find vier Aulzeichnungen von hiesigen Bürgern mit chren schönen Zuchten errungen worden. Auch der Zuchtbulle der Gemeinde errang einen Prell von 150 Mk. Solche Ergebnisse find ehrenvoll für eine Gemeinde Feuilleton. ßs giht naui immer Hiesse. Bahl hunnert verrzig Jahr sinn'! her Daß die Gefchicht geschehe; Da zöge Gieffer irnwersch Meer Die Welt sich zu besehe. En Vadder warsch mit seine Sech' Däi'i da hott sortgedriwwe; — Säi dhate nach Ostindie geh Hnn sinn aach dortgebliwwe. Aul Wollluft schwerlich fein fe fort! — El hott fe waß verdrösse, Drum zöge fe von Ort je Ort Grad rnäi von Gott verloffe. In Breme dhat nach Indie hi E Schiff die Anker lichte, Gleich warn fe mit von de Bardie — Net schlächt war die Geschichte. So lang die Reil dorch Deutschland ging Da warn fe ziemlich wunder; Voll Baßgeihe ehr Himmel hing, Die Heimalh war en Blunder; — Doch wäi de Wind die Segel bläht Da dhail de Ahld verdrieße, Dann seekrank ward err unn err säht: El giht naut immer Giesse! Die Seeh, däi hatte schont mehr Muth, Hnn gawe Drost ehrm Ahle — Unn drahmte schont von Geld unn Gut Waß dort wer ze erhahle. So sinn nach miheooller Fahrt Se endlich hi gekomme Unn hawwe gleich nach Gieffer Art En Freudedrunk genomme. Es wollt en zwar net in die Köpp Deß sonnerbare Lewe; Grad wäi Dehaam, wollt Jeder Döpp Voll Doppelbäier hewe, Hnn weil! in dem Ostindie braue Nor Thee gab zum Genieße, Da riefe fe je Drill dann aus: El giht naut immer Giesse! Unn erscht die Drachl im Jndierland Bei bene roilbe Mensche! — Da stann en still saft be Verschtand: Kaa Hoffe unn kaa Hensche! Unn baß Gebiersch, maß all ba lebt, Unn keuche bhul unn fleuche! — Gezittert hunn se unn gebebt, Wann ebbte kam je keuche. Unn mit be Sprach, ba hielt e en schwer Verstänblich sich je mache — Unn brachte vor se ehr Begehr — Däi Indier dhate lache! De ahle Borjer ie geherrscht Unn wollt ganz Indie spieße Vor Zorn — unn krisch: Etz merk äich! erscht: Ee giht naut immer Giesse! So säße se im Jndierland Die arme Gieffer Kinner, Bei arger Hitz en große Brand, Viel Dorscht — unn nix dehinner. Die Zung hing en em Hall ertaui: Sie wollte sich erschieße, Da riefe fe minnanner aus. Es giht naut immer Giesse! Kern roern fe Widder Haarn geritscht Doch all ehr Geld war bleebe; .... Noch nie warn Gieffer so gebribscht, Noch nie in solche Neebhe. Wohl obber iwwel — wammer muß — Sinn se im Lanb gebliwwe; Doch von ehrm Unmuth unn Verbruß Hunn se nix haamgeschriwwe. Groß war ehr Sehnsucht, ahmal noch Ehr Vabberschtabt zu schaue, Ehr Hoffnung war von Doch je Woch De Himmel, ach! be blaue, Dheb sich erbarme iwwer Nacht Unn bhet nach haam se bringe; . . . Sie konnte von Ostindien! Pracht, Ja schont c Liedche finge. Fromm warn ehr Winsch; — sie blieroc dort Unn sinn aach dort gestorwe; — Im ferne Land, am fremde Ort, Sinn fe vor Dorscht verdorwe. Ehr letzt Wort galt de Vadderschtadt, Ehr Denke unn ehr Grieße; E Jeder noch geruffe halt: El giht naut immer Giesse! Carl Geißler. und feuere zu weiter?« Streben an, — Im (Setreibe* geschäft ist ei lebhaft geworden, die meisten Landwirthe haben jetzt ihre Halmfrüchte ganz, ober theilweise auSge« droschen, sie wissen was fie absrtzen können nnb brauchen auch Geld, weil MartinStag vor der Thüre ist, an welchem Termine, Pacht, Gras unb Holz bezahlt werben müssen. Die meisten Kirchweihen finb vorüber, darum lassen die 8er* gnügungkn vorderhand ein wenig nach. Laubach, 26. October. In den drei letzten TagmUaudeu im hlefigen städtischen und daran grenzenden Freienseener Walde die Herbsttreibjagden statt. Die Ergebnisse waren 13 Rehe, 29 Hasen, 1 Dachs und 4 Füchse. Bemerkt sei, daß im hiefigen Stadtwald nur Rehböcke geschossen werden durften. Die Hasen blieben infolge regnerischen Wetters vielfach „fitzen", infolge dessen die Strecke von diesen klein blieb. Daß der Dachs seinen Winterschlaf noch nicht angetreten, soll auf einen milden Vorwinter schließen lassen. — Auch an heiteren Episoden fehlte es auf der Jagd nicht,- so wurde ein -m An- schlag fitzender Jäger von einem Reh über den Haufen gerannt, und trotz der von dem zu Fall gebrachten Jäger ihm schleunigst nachgesandten zwei Ladungen entkam das Reh glück- lich der unternommenen Attacke. — Wie üblich, vollendete der als Amateurphotograph bekannte hiefige Waidmann tt. eine Aufnahme der gejammten Jagdgesellschaft, zu der fich außer Jägern ans hier und Umgegend ein halbes Dutzend rheinländischer Nimrode eingefunden hatten. X. Darmstadt, 28. October. Der Naturwissenschaftliche Verein hielt dieser Tage seine erste Sitzung im Wintersemester unter dem Vorsitz deS Herrn Professors Dr Ehelius unter einer Betheiligung von ca. 60 Mitgliedern ab; überhaupt ist das Interesse an den Bestrebungen oes Vereins in den letzten Jahren stetig im Wachsen begriffen. Ans einer geologischen Reise nach Thüringen berietet Herr Professor Dr. Klemm von verschiedenen in* tereffanteu geologischen Vorkommen daselbst, so dem Quarz- porphyr von Thale bei Eisenach, der eine ursprüngliche Parüllelstructur besitzt und grwiffen Gesteinen des Oben* waldeS (Ganggranite bei Großsachsen rc.) verwanbt erscheint- ferner von mit Schiefer an-gefüllten Graniten am Süb- rande des Gebirge» (bie Behschlag'sche Karte verzeichnet Gueihe), von Porphyraden in Earnbrischen Thonschiefern, in der Gegend von Lauscha u. s. w., die ächte Graphitgesteine darstellen, welche in daS Schiefergeftein injicirt find, u. dgl. mehr. — Herr Profeffor Dr. Schenck berichtet von Feigenbäumen be» tropischen Urwalbes mit sogen. Brettwurzeln, die bann unter Urnstänben große Nischen bilden unb sogen. Stützwurzeln, bie wieber zu völligen Holztheilm werben, so daß ganze Wälder manchmal ans einem Baume bestehen (bis zu 500 Meter Krone-Umsang und 20—30 Meter Höhe sind constatirt). Dann wurde der fich epiphyiisch auf anderen Wa'.dbänrnen entwickelnden Feigenbäume u. s. w. gedacht, der sogen. Banmwürger mit ihrem ganzen Netz von Wurzeln, die schließlich den Srützbaum zu Grunde richten. Bei unserem Epheu geschieht Aehnliches und zwar durch das Umschließen de» Stamme- mit stark entwickelten Stengeln. — Herr Professor Dr. Koch theilte Interessantes über parasitäre See- schnecken mit und wie- nach, daß durch fortgesetzten Para- fitismnS nach und nach die Organe der Schnecke bis auf die Fortpflanzung-Organe (die tm Gegentheil eine weitere Ent- Wickelung erfahren) verkümmern. — Der Verein beschloß die Anschaffung eines Projectwns-Apparates für lichtbildliche größere Darstellungen. Darmstadt, 27. October. Die für bie Neugestaltung der Technischen Mustersammlung deS Landesgewerb- verein- thätige Commisflou ist dieser Tage auf Veranlassung der Großh. Centralstelle für die Gewerbe zusammengetreten, um aus der Kunst- unb Gewerde-Ausstellung der „Freien Bereinigung Darmstäbter Künstler" im Hause beS Kunstvereins am Rheinthor endgültig über die in Aussicht genommenen Erwerbungen in kunstgewerblich neutfttr Achtung Beschluß zu fassen. Man kam überein, für die Abteilungen „Glas und Keramik"^ „Möbel nnb Schnitzerei", „Mrtalltechnik" unb „Textilstoffe" eine Reihe von Gegenständen zu erwerben, durch welche die Technische Mustersammlung in gedachter Richtung eine bemerkenSwerthe Bereicherung erfahren wird. W:r benutzen diese Gelegenheit, auf bie für den 1. November beabsichtigte Eröffnung dcr genannten Sammlung hinzuweisen unb bemerken noch, baß der in einigen hiesigen Blättern kürzlich gebrachte Aufruf an Private zur Beisteuerung von Geschenken unb Stiftungen nicht von der Großh. Centralstelle für die Gewerbe auSgrgangen ist. Urder die Etöffaung der Technischen Mustersammlung wird Nähere- noch dekannr gegeben werden. Mainz, 27. Ddober. Eine unter dem Vorfitz deS Oberbürgermeisters Dr. Baßaer berufene Versammlung bestimmte als Tag der Hauptfeier des Gutenbergjubi- läumS den 24. Juni 1900 und fttzte ein provisorisches Programm fest. Mainz. 27. October. Tausend Mark Belohnung. Die Staatsanwaltschaft in Berlin hat fich an daS hiefige Polizeiamt gewandt, damit letzteres daS AuSschreiben wegen deS Mörders Wegener möglichst viel hier verbreite. Auf die Ergreifung des Mörders, der fich in der hiefigen Gegend aufhalten soll (ein Feldschütze will ihn vor einigen Tagen zwischen Kempten nnb Bingen auf freiem Felde gestellt haben, Wegener sei ihm aber durchgegangen) find 1000 Mark Belohnung ausgesetzt. DaS Ausschreiben ist am Stadthause und an den Poltzeibezirken angeschlag n. — Vom Schöffengericht WorrnS wurde die Arbeiterfrau Cluiu auf bas Zeug' niß eines Schuljungen wegen FunddiebstahlS zu 25 Mk. Geldstrafe verunheilt. Sie sollte auf der Straße zwei Hutfedern gefunden unb für fich behalten haben. Der Junge hatte aber bie Unwahrheit gesagt unb zwar aus Angst. Bei seiner polizeilichen Vernehmung war so in ihn eingedrungen worben, baß er schließlich die Frau als Finderin bezeichnete. In der Berufungsinstanz an der hiefigen Strafkammer stellte fich die volle Unschuld der Frau heraus, worauf ihre Freisprechung erfolgte. Eine andere Frau aus Worms hatte die Federn gefunden und wohnte der SchöffengerichiSfitzung bei, ! tu welcher die Unschuldige verurtheilt wurde, ohne sich zu ' melden. 1 j Verwischtes. • Biedenkopf, 27. October. Man plant in forstlichen Kreisen die Einrichtung einer neuer Oberförsterei in unserem Kreise. Dieselbe soll dem Vernehmen nach au» den drei Gemarkungen Dautphe, Wolfgrunden und Stlberg der Oberförsterei Katzenbach und verschiedenen Gemeinde- Gemarkungen der Oberförsterei Gladenbach gebildet werden. Als Sitz dieser neuen Oberförsterei ist Friedensdorf in Aussicht genommen. • Petersburg, 25. October. Auf dem Dniepr stieß kürzlich, den Blättern zufolge, der Dampfer „T u r g e n i e w ," mit über 500 Passagieren von Krementfchug nach Jekateri- noSlaw" unterwegs, nm 10 Uhr Abends auf einen Felsen nnb toivbe leck. Das Wasser brang in die Cajüten und den Maschinenraum. Es gelang dem Capitän, der unter den Reisenden auSgebrochenen Panik Herr zu werden, die durch einen anderen Dampfer gerettet wurden. • Der älteste Obstbau« hö TauuuS. Der nachweislich älteste Obstbaum in unserer Umgegend dürfte der in Kelkheimer Gemarkung dem Gastwirth Steter gehörige Speier- baum (Speierling Sorbus domestica, auch Vogels-Eiche) fein. Derselbe steht an dem Weg nach LorSbach nahe beim Kelkheimer Turnplatz, und ist wegen seiner Höhe unb seinem Umfang schon von Weitem sichtbar. Der Umfang bes Stammes ist 2,60 Mtr., derjenige der Krone 50 Mtr. Im vergangenen Jahre trug der Baum 14 Malter Speierling. Bekanntlich gibt es zwei Spielarten von Speierling, Birnen und Aepfel, und gehört der hier erwähnte Baum zu der Birneaart. DaS Alter deS BaumeS, der früher tm Gimbacher Bezirk stand, wird auf über 400 Jahre geschätzt. In dem Gimbacher WeiSthum- oder GerichtSbezirk von 1522 wird der eben er- wähnte Baum folgendermaßen genannt: Uad gehet der Bezirk deS Gimbacher Gerichts wie folgt: Von der Käsebuche bis auf die krumme Eiche, von der Summen E che bis auf bie Braubach, von bet Braubach bis auf bie hohle Buche, von ber hohlen Buche bis auf den Sprierbaum, vom SPeierbaum ober Bogelseiche bis auf die Straße, btn Gimbacher Weg ! bis auf den Johannesboru (heute „Heilsbrünnchen"), vom j Johannesborn bis auf bie SperSbach, bann bie SperSbach linein bis auf bie Eppstetnerbach, dir Bach hinauf bis an den Hangenden Stein bei dem neuen See zu Eppstein." Interessant ist noch, so schreibt bie „TaunuS-Ztg.", daß der Baum heute, wie vor 400 Jahren, „Sprierdaum" genannt j würbe. M. A. I * Die Benutzung der Drache» zu meteorologische» Studie» in de» obere» Snfttegione» nimmt mehr und mehr zu. R o t ch, der Gründer und Letter deS Blue Hill Observatoriums in Nordamerika, wandte zuerst Drachen von besonderer Cou- struetion an und erzielte damit interessante Ergebn ssr, zumal in Bezug auf die Tewperaturverhältrnsse der höheren Luftschichten. Auch in Frankreich finb seit zwei Jahren ähnliche Versuche angeftellt worden auf dem meteorologischen Observatorium zu TrappeS. Bei einem solchen Drachenaussttess, der 18 Stunden dauerte, fand fich da- merkwürdige Ergebniß, daß in einer Hob- bi« zu 1300 Meter dir Lufttemperatur um 11 Grad stieg! Neuerdings hat Tacchini den Gedanken angeregt, solche Drachenaufstiege von den Hochwarten, die sich auf dem Monte Simone unb Aetna befinben, zu veranlassen, unb bie österreichische Meteorologische Gesellschaft in Wien hat bereits Vorbereitungen getroffen, um vom Sonnblick au» (3100 Meter Höhe) Drachenaufstiege anstellen zu lassen. Währenb ber Pariser Ausstellung tm Jahre 1900 wirb in Vincennes ein eigener Raum für Drachenversuche Vorbehalten bleiben. Solche Experimente werben sicherlich eine sehr werthvolle Ergänzung der internationalen aeronautischen Fahrten bilden, aber man barf sich, wie Dr. Erk f (München) richtig hervorhebr, bezüglich ber Mühen nnb Kosten dieser Experimente keiner Illusion hiugeben. • Die Beseitigung des Locomotivrauches soll nach einem im Berem für Eisenbahnkunde vom Eisenbahndirector Garbe gehaltenen Bortrage wirklich in Aussicht stehen. Was dieser Fortschritt zum Wohle der E senbahnreifenden bedeuten würde, braucht man Nternatn zu sagen, und wenn außerdem fich auch die neue Verbindung der Eisenbahnschienen, durch die daS Stoßen der Wagen gänzlich aufgehoben werden soll, bewährt, so wirb baS Eisenbahnfähren künftig in ber That der beiden Unannehmlichkeiten entkleidet sein, die fich am Lästigsten fühlbar wachen. Die Entwicklung von Rauch zeugte immer von unvollkommener Verbrennung, nnb eine unvollkommene Verbrennung hängt stet« zusammen mit einer unvollkommenen Luftzufuhr zu ber Feuerung. Bei bet Heizung der Locomotiven wirb bie Lust den brennenden Sohlen nur durch die Spalten deS Rostes von unten her zugeführt. Diese Luftzufuhr aber wirb burch bie Schlackenbilbnng stark beeinflußt, indem fich bie Spalten bes Rostes verstopfe», sodaß der Zmritt der Luft vielfach gestört unb vetminbert wirb. Bei den Locomotiven kommt außerbem noch die Saugwirkung des ausgestoßenen Dampfes hinzu Vor einiger Zeit bereits, wie wir auch damals rnitgetheilr haben, erfand der österreichische Ingenieur Langer eine Vorrichtung, die dem Loco- motivseuer zu dem Luftstrome von unten her noch eine er- ganzmde Oberluft derart zuführte, baß baS Feuer stets eine gleiche Menge von Luft erhält. Bei einer georbneten Bedienung bes Feuers kann auf biefe Weise jeder sichtbare Rauch vollständig vermieden werden. Ein Berliner Inge- neur, Namens Marcoth hat die ursprüngliche Erfindung Langer- noch wesentlich vereinfacht und durchgearbeitet. ES wurden daraufhin auf den deutschen Eisenbahnen bereits Ber* suche in ziemlich großem Umfange mit dieser neuen Art der Feuerung an Locomotiven gemacht und die Ergebnisse find so zufriedenstellend, daß wenigstens eine wesentliche Berminde- rung der Rauchplage Seitens der ßocomoltbc als ficher- gestellt betrachtet unb schon für bie nächste Zukunft erwartet werben kann. * Si» Mittel gegen bie MoSkitoS. Heber eine originelle Verwendung bei Calcium-Carbibs wird der „Franks. Zeitung" geschrieben: Die Moskitos, die man an der Riviera unb im ganzen Süden anhifft, find bekanntlich arge Peiniger ber Menschen. Legt man ein Stückchen Carbib in ein Haid mit Wasser gefülltes Glas unb hält man ein btcnnenbt» Streichholz einen Augenblick darauf, fo gibt eS einen kleinen Knall und einen starken Dunst. Letzterer wirkt sofort betäubend auf bie Moskitos,- man kann bann noch lange Zit daS Fenster offen lassen, ohne daß fich neue Thiere tne Zimmer wagen. Das Experiment, bas täglich einmal vor- genommen werden muß, ist an fich ganz harmlos, da ttne gefahrbringende Explosion ausgeschlossen ist. Der Geruch Ist für Menschen unschädlich, wenn sich auch nicht gerade behaupten läßt, baß er angenehm sei. Verbrannte Knoblauch- wurst riecht ähnlich. DaS ist wohl kein Parfüm für Jedermann) wer aber je schon den Moskitos eine höllische Nacht zu verdanken hatte, wird nicht tm Zweifel fein, welche- von beiden Hebeln daS kleinere ist. Univerfitäts - Nachrichten. — Berlin. Der Germanist an der hiefigen Universität, Geh. RegierungSrath Prof. Karl Weinhold, feierte diese Woche seinen 75. Geburtstag Jena, 25. October. Gestern Mittag wurde die neuerbante Universitäts-Augenklinik durch einen feierlichen Act ihrer Bestimmung übergeben. Zu der Feier waren als Regterungsoertreter aus Weimar erschienen die Herren Geh. Med.-Rath v. Conta. Regierungsrath Schmidt und o. Boyneburgk, ferner nahmen daran Theil die Herren Geh. Staatsratb Dr. Eggeling, Curator der Universität, Prorector Geh. Hofrath Piof. Eucken, die Herren Decane, die medicinische Facultät, Herr Stabsarzt Dr. Schultes, die hiesige» practischen Aerzte, Assistenten der Institute und Studirende. Der Director der Klinik He-r Prof. Dr. Wagenmann gab rach Begrüßung der Festgäste in der Eröffnungsrede kurz einen Ueberbl ck der Entwickelung der Augenheilkunde aus einem Nebenfach der Chirurgie zur selbstständigen Disziptin der allgemeinen Medictn, ferner einen geschichtlichen Ueberbl^ck über Einrichtung und Entwickelung eine? besonderen Lehrstuhles der Augenheilkunde hier in Jcno. Die Frequenz in den letzten Jahren bat, sowohl waL Patienten, als auch was die Studenten anlangt, bedeutend zugenommen. Daraus hat sich die Nothwendigkeit eines Neubaues der Augenklinik ergeben. Derselbe wurde von der weimarischen Regierung und dem Landlage in der liberalsten Weise bewilligt und entspricht, wie kurz daigetha» wurde, allen Anforderungen der Neuzeit. Der Redner sprach dem hohen Protector der Universität, S. K. H. dem Großherzog, der Regierung und allen Mitarbeitern am Neubau warmen Dank aus. Darauf entschuldigte Geh. Med.-Rath v. Conta das durch Krankheit herbetgeführte Fernbleiben des Herrn Staatsministers v Groß und wünschte dem Dtrector der Klinik viel Glück und Gelingen seiner Thät gkeit in derselben. Der Herr Prorector hob in seiner Ansprache hervor, daß durch den Neubau der Klinik die Gesammtuntversttät gewonnen und rief dem Humanitären Zwecken dienendm Institut ein Vivat, creacat, floreat zu. Es erfolgte alsdann eine Besichtigung aller Räume, die in ihrer gediegenen Ausführung und dem Zweck entsprechender Anlage allgemeinen Beifall fanden. Landwirthschaftttcher. Beschaffung guten Saatguts. So zweckmäßigi eS sein kann, Saatgut von auswärts zu beziehen, wenn dad felbngeoarue nicht genügt, eben so wichtig ist es aber, Vorsicht hierbei zu beobachten, denn Getreidevariäten, welche für gewisse Boden und Gegenden sich vortrefflich eignen, sind nicht immer für jede Wirthschafl passend. Der Landwtrth darf sich auch nicht auf Reklamen und sonstige Anpreisungen verlassen, sondern muß selbst untersuchen, welche Sorte für den Anbau auf der betreffenden OertliLkett geeignet sind und die höchsten Erträge abwerfen. Zu diesem Zwecke lege man Versuchsparzellen an, auf denen man jede neu einzufuhrenbe Sorte ein bis zwei Jahre baut, um zu ermitteln, ob die detreffeu« Sorte die einheimische Getretdeart sowobl an Quantität, als auch Qualität übertrifft. Niemals soll eine Sorte ohne vorherige ezakte Prüfung die ganze Anbaufläche einnehmen. Die Düngung und Pflege folcher Versuchsparzellen führe man in gleicher Weise aus, wie bei dem einheimischen Getreide. Hat sich die neue Sorte tm ersten Jahre bewährt, fo kann man derselben im zweiten und dritten Jahre schon eine größere Anbaufläche zuweisen, doch versäume m« dabei nie, die einheimische Sorte noch vier bis fünf Jahre lang mit» zubauen, bis sich herauSgestellt hat, ob die neue Sorte auch au, längere Zeitdauer und bei verschiedenen Witterungsverhaltnisfen ihre guten Eigenschaften behält. Zu erwägen ist auch, ob nicht das eigene Geireide, durch Aehrenwahl u. f. w. zu vervollkommnen ist. Wenn der erfolg der Annoncen ausbleibt so wird der Inserent die Gründe prüfen müssen, welche den fM" erfolg herbeigeführt haben. War die Ausstattung ber Annoncen unpracttfch und unaup* fällig? War Inhalt und Fassung des Texte« nicht geeignet dl-- ßefer zu tnterefsiren? War die Wahl der Zeitungen die richtig-, in denen die Annoncen erschienen sind? Waren die Zeiträuva zwischen ben Erscheinungstagen der Anzeigen richtig vertheüt < Diese und viele andere Beispiele zeigen die Fehler, welche le oft infolge mangelnder Fachkenntniß bei Aufgabe von Annonc« gemacht werden. Die Annoneen - Expedition Rudolf Moffe, Franl- futt a. M. Kaiserfiratze 1 übernimmt auf Grund reidjer sahrung die vollständige unb gewissenhafte Ausarbeitung von Plan» und Kostenanschlägen für eine wuksame Reclame und ertheilt derer.' willigst jede gewünschte Auskunft. In Gietzen vertreten durch Heinrich Wallach, Kaufmarm- Zweckmähige Anlage der Tennen. Zur Herstellung von Tennen wird empfohlen, dem Lehm, ie nach betzen Fettgehalt, r-afe flt* öihcnlofe Verläufer ein anderes, minderwcrlblges Fabrikat c.Iv ebcnsoLtii wie „Quäker Oats“ bcieidineii und her- laufen. SOT Verlanaen Cie ftets und ausdrücklich „Quäker Oats", echt in gelben Packclen mit der Cuäter- Echuvmarle. "WC Nur dann delommen Sie sicher die beste Haserspeise b«r Belt. 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