•nur l?en. ~- sse 9. :ei: 100.000 Liter. LT'“1*®» Kindermell Wehpuher) ZS?“ ""■*>* ist das v^äa - «e Nahnmgsnitid für fcJ öd Kruke. ündemahrui^ ' ree:’-« ScbweuennM ! iindernahnmg Um end stets amrüsig. ? ündernahnni rdaihd, verhütt Ertraka 3 rrlodttert da Entwöhia. lindemata n ftre pnoemtn, ist scod 1 beisse Jiteesat, ii der jed ' NlhxrtleJ ftr klebe tic. \ HJXK-HAKDIAJEML > ckerei ei ligong tod iller Art Bedienung- m. 150 Erstes Blatt. Donnerstag den 30. Juni 18»S Erscheint ILgNch mit Ausnahme brS Montags. Die Gießener AnmitienötStter »erben dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt. Gießener Anzeiger Aerngsprei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerloh«. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Annahme von Anzeige» zu der Nachmittags für bett Hßlgeubeu Tag erscheinenbeu Nummer bis Borm. 10 Uhr. General -Anzeiger Alle Anzeigen-BermittlungSstellen beS In- unb AuSlanbeV nehmen Anzeigen für ben Gießener Angeiger entgegen. Amts- imb Anzeigeblatt für den Tireis Giefzen. Rebaelion, Expebition unb Druckerei: SchnkSraße Zlr. 7. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. Abreffe für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 5L Uvonnements - Einladung. Zum Bezug des „Gietzener Anzeiger" für ws 3. Vierteljahr 1898 laden wir hiermit ergebenst ent. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten zuverlässiger telegraphischer Nachrich en- Vureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben aus dem Lausenden. Unterstützt durch umsichtige Berichterstatter in allen Orten Oberhessens und in den bedeutenden Städten der anderen hessischen Provinzen, ist der .Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge innerhalb unseres engeren Vaterlandes und der Nachbargebiete so frühzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- ioerthen aus dem Gebiete derselben besondere Berück- ^slchtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch * die Beobachtungen und Erfahrungen in Kunst und Wissenschaft, Litteratur, Hauswirthschaft, handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis jetner Besprechungen ziehen. Ein ge negenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten llnterhaltungsstoff bieten. Die „Gietzerrer Familienblätter" Werden dem Anzeiger wöchentlich 4mal -^Dienstags, Donnerstags, Samstags und Sonntags) beigelegt und neben den Erzählungen, Romanen und Novellen beliebter Schriftsteller anziehenden Unter- hrltungsstoff aus dem Gebiete des Familienlebens und der Hauswirthschaft bringen, und somit namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten. Wir ersuchen nun namentlich auswärttge Leser, chre Bestellung bei der Post baldgefl. ausgeben zu wollen. Neuhinzuttetende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. Juli den Anzeiger kostenfrei zu- gestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswätts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt. Hochachtungsvoll Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch- u. Steindruckerei _____________________(Pietsch Erben).___________ Die Reichstagswahlen. Noch immer w.rkt die Spannung, in welche schließlich weite Kreise durch die Wahlen zum deutschen Reichstage versetzt worden waren, nach, und besonder» die Stichwahlen haben eine Erregung hervorgerufen, die mau angesichts des fast gleichgiltig aufgenommenen Resultat» der Hauptwahleu kaum erwarten durfte. Jetzt find die Parteien dabet, die Häupter ihrer Lieben zu zählen und die Rethen zu fichten. Dabet fallt daun manch böses Wort auf Süten derer, denen manch theuere» Haupt feblt, und unaufhörlich lassen fie ihren Zorn sich ergreßen über dir Treu./ .'u, welche die Erwartungen nicht erfüllt und die Hoffnungen nicht verwirklicht haben. Wie el immer bei Beginn einer neuen Legislaturperiode geht, wenn eine größere Anzahl neuer Männer tu da» Parlament etnzieht, so ist man sich über die Stärke der einzelnen Parteien nicht völlig einig, und manche Gewählten werden von mehreren Seiten in Anspruch genommen. Erst wenn nach der ersten Session eine Klärung über die politischen Aaschauungeu der Reugewählteu eingetreteo ist, wird erkannt werden können, weß' politischen Geistes Kinder die neuen Männer find. Besondere Ausmerksamkett hat man den Berliner Wahlen entgegengebracht. Die deutsche ReichShauptstadt war im ver- floffenen Reichstage durch ein Mitglied der freisinnigen VolkSpariet und durch fünf Socialdemokraten vertreten, und die Aussichten, daß e» anders werden würde, waren nur sehr gering, besonder» da sich die recht» stehenden Parteien in diesem Falle nur sehr ungern dem Rufe «gegen die Social- demokratte!" fügten. Aber fie haben schließlich doch allen Parteihader bei Seite gesetzt und den Freisinnigen tu drei Bezirken zum Stege verhalfen. Wie ungemein uuficher aber der AuSgang de» Wahlkampfe» war, dafür zeugen die Resultate der Stichwahlen- tat zweiten Berliner Wahlkreise ist der fretfinuige Eandtdat mit nur 3 Stimmen gewählt worden und tm fünften Wahlkreise mit 58 Stimmen Majorität. Diese Thatfache ist um so hervorstechender, als tn beiden Wahlkreisen weit über 20000 Stimmen abgegeben wurden. Bei dieser Gelegenheit wollen wir darauf Hinweisen, daß allein in Berlin 42 000 Wähler der Stichwahl ferngebltebeu waren, trotzdem auzunehmen ist, daß auf Seiten beider Parteien die gewaltigsten Anstrengungen gemacht worden find, die Wähler heranzuzieheu. Daraus geht zur Evidenz hervor, daß die politische Gleichgiltigkeit groß ist, und man darf leider anoehmen, daß fie weiter au Umfang gewinnen wird. Hält mau, soweit die» bis jetzt möglich ist, Heerschau über die Gewählten, so kommt man zu dem Schluß, daß Alle» hübsch beim Alten bleiben wird. Wenn auch eine kleine Verschiebung in dem Stärkeverhältniß der Parteien eiutritt, so ist dieselbe doch zu unwesentlich, al» daß fie von weit- gehendem Einfluß sein könnte. DaS Ceutrum, welche» au Mttgliederzahl noch etwa» zugenommeu hat, wird auch küuftig wieder bei allen Beschlüffen ausschlaggebend fein, da eine unbedingte Majorität für Die Regierung nicht vorhanden ist. Schon jetzt wird die Frage in der Preffe lebhaft eröttert, welche Compensatioueu da» Eeutrum verlangen werde, wenn e» küuftig die Regierung wirksam unterstützt, aber diese Frage erscheint vorläufig müßig, um so mehr, als dir Re- gteruug bisher in der Hauptsache deu Forderungen de» Een- trum» noch immer widerstanden har. Biel haben die urugewählteu Mitglieder de» Reichstage» ihren Wählern versprochen- hoffentlich entsprechen nun auch die Thaten deu Worten. xx Deutsches Reich. Berlin, 28. Juni. Ueber den Erlaß des Staat»- seeretärS v. PodbielSki ist die soeialdemokratifche Preffe natürlich sehr entrüstet. Der „Vorwärt»" schreibt: Die Beamten und Uuterbeamten werden diese Warnung in Feuilleton. Wrstein und die neue ßisenbayn im Wogelsöerg. tOriatnalbericht für den „Gießener Steiget*.) B M (Nachdruck verboten.) M. Bereit» vor fünf Jahren waren Ingenieure tu Vßrsteiu erschienen, um eine Terraiu-RecognoSctrung vorzu- mimen und das Gelände für die geplante Eisenbahn abzu- flrfen. Daun ruhte da» Project eine Weile, um jetzt im Sommer 1898 seiner Verwirklichung entgegenzugeheu und live bi» dahin noch ziemlich isolirt gelegene Gruppe von zrißereu und kleineren Ortschaften in stärkere Fühlung mit een Nachbarstädten zu sehen und andererseits wiederum der öevölkerung dieser einen neuen und iutereffanten Touristeuweg .in das Innere de» Vogelsbergs zu erschließen. Wohl hat schon seit lange zwischen Wächtersbach und Vir st ein eine viel begangene und befahrene BerkehrSstraße st Landen. Die Post ging von Wächtersbach zweimal am (Mi herauf und ebenso oft von Birstetn herunter. In der Sommerzeit und auch tat Winter bei mildem Frostwetter ist Mr einen halbweg» rüstigen Fußgänger der Marsch von MchterSbach bi» «irstein, 13 Kilometer, keine besondere Ästung. Obwohl man mmer auf der Chaussee bleibt, ist rr r Weg doch reich an Abwechslung. Nachdem trott bat 'leine unscheinbare Hesseldorf, dessen auf da. Vor- Mdeusein von Haseluußfträuchern deutet, pasfirt A. komm uen zunächst nach Schlierbach, welche» seinen Namen mit Mt führt — Schlierbach heißt so wie Glanzebach, ikm eS ist ein hübscher, sauberer Ort, der in ständiger b ariffen ist. Die Fürstlich WSchter-bach'sche »»rzellanfabrtk/ deren Fabrikate ein ausgezeichnetes Absatz- ge biet haben und bi» in die Türkei htnetu verschick w„de auch hier praktisches Leben gewonnen haben. Die schmucken Häuschen der Beamten ziehen fich fast bi» zu dem benachbarten Neuenschmidten hin, mit welchem Ort Schlierbach wohl in Bälde zusammenwachseu dürfte. Von Neuenschmidten geht» in allmählicher Steigung aufwärts. Am Eingang des schönen Walde», der nun zu beiden Seiten die Staatsstraße begleitet, ist ein freier, mit Stetnbäuken garntrter Platz, „Die schöne Aussicht" genannt, von welchem wir noch einen weiten und imposanten Fernblick auf Rhön und Speffart genießen, bevor das WaldeSdunkel un» aufnimmt. Nach einer halben Stunde etwa kommt man an ein tobte» Sägewerk, da» unterhalb der Chauffee rechts liegt und da», wie so viele» im Umkreis von Birstein, von mißlungenen Projecten und getäuschten Hoffnungen erzählt. Ursprünglich war eS eine Elfigfabrtk, die, al» sie den erwünschten Ertrag nicht brachte, in ein Holzschneidewerk umgewandelt wurde. Anfänglich schien diese Metamorpyose von Glück begünstigt. Aber ein große», zur Nachtzeit ausbrechende» Schadenfeuer, da» u. A. eine stattliche Ladung fertiger Parkettböden, die am folgenden Tage hatten spedirr werden sollen, verzehrte, legte die sanguinischen Hoffnungen tn Asche, und bald feierte da» Werk für immer. Unweit der etogegangeuen Fabrik, aber von der Chauffee au» nicht sichtbar, liegen der „Neuhäuser Weiher- und der vom Volk-mund so genannte „Todtenweiher", stehende, theil- weise vom Schlamm übersponnene Gewäffer, die dazu beitragen, da» melancholische Bild zu vervollständigen. In früheren Tagen war der „Todtenweiher" durch eine kleine Brücke aus Baumstämmen, Ruhebank usw. zu einem traumschönen Plätzchen eingerichtet worden. Der BandaliSmu» hat diese kleinen Schönheiten zerstört, und zu einer Erneuerung hat man bi» jetzt nicht die Luft gefunden. Von dem Sägewerk an ist'S etwa noch 20 Minuten bi» Birstetn, da» durch seine natürliche Lage in einen Ober- und Unter berg zerfällt. Dem Ankommenden zeigt fich zunächst link» da» hochgelegene Schloß, welche» da» Bild der Landschaft beherrscht und ihr den aparten Character gibt. Archttectonisch iotereffant ist da» Schloß Wetter vtcht, aber in seinem festen, massiven Aufbau weckt e» Stimmung. Der Schloßgarten erfreute sich einst sorgsamster Pflege. Eine Menge geschmackvoller Rondel» und wohlgeschottteue Hecken zeugten von gärtnerischer Kunst. Jetzt hat man der frei schaltenden Natur wohl oder Übel ihr Recht laffen müssen. An die Stelle der sauberen Rabatten ist die grüne Rasenfläche getreten. Biegt man um die große Schloßterraffe recht», so Mrt der Weg läng» der Schloßmauer in kleinen Krümmungen zur sogenannten „Scharfen Ecke-, einet vorspringenden Kante de» Schloßberge», von der aus der Blick in die Regionen de» Unterberge» dringt. Hier wohnen hauptsächlich die Handwerker und kleinen Gewerbtreibenden, welchen die neue Eisenbahn in erster Linie zum Vortheil gereichen dürfte. Nach dieser Richtung liegen auch die Fenster der Schloßzimmer, welche „Johann Orth" (Erzherzog Salvator von Oesterreich) bet seinem letzten Besuch tn Birstein bewohnt hat. Die Zeitungen durchlief damal» eine Notiz, daß dem fürstlichen Sonderling hier ein Manuscript, welche» verschiedene werthvolle Aufzeichnungen enthielt, durch die Fluthen de» unter dem Schloß sich hinziehenden reißenden Bach» entführt worden seien. Wer da» Terrain kennt, sagt fich sofort, daß die» nicht gut möglich sei, denn da» kleine Gewäffer, der „Pulverweiher" läuft tn beträchtlicher Entfernung vom Schloß. Wenn man den Schloßberg hinabsteigt unb die recht» der Wächtersbacher Chauffee führenden Waldpfade einschlägt, so kommt man an die Trümmer einer altgermanischen Cultu»- stätte, welcher der VolkSmund die Bezeichnung „Wilde» Weibsbild" gegeben hat. Der Wald, welcher auf der anderen Sette der Chaussee liegt, da, wo jetzt der Schieuenstraug läuft, hat wieder verschiedene Anlagen anfzuweisen, welche da« einst Über der Gegend waltende fürstliche Protectorat bekundeten. Zuerst da» reizende kleine „Tanuenwäldchen", an seinem äußeren Rande von einem plätschernden Wiesenbach begleitet, da» erholungsbedürftigen Lungen einen höchst er- i GemüthSruhe zum „Anerkenntniß" nehmen und im Uebrigen lebhaft bedauern, daß der Herr StaatSsecretär gegen die niedrige Entlohnung und überaus starke Ausnutzung der Arbeitskräfte in seinem Reffort, die weit mehr noch al» die Toctaldemokratje geeignet ist, „die Eivmüthigkeit vertrauens- vollen Zusammenarbeiten« und die Arbeitsfreudigkeit tu der Beamtenschaft" zu untergraben, immer noch keinen Erlaß von ähnlicher Eindringlichkeit herausgegebeu hat. ES bleibt wirklich unerfindlich, welchen Zweck die soctaltstenfeindlichen Publikationen unserer höchsten Staatsbeamten anders haben sollten, al« daß bisher indifferente Personen auf die Social- demokratie aufmerksam gemacht werden und dann deren Lehren mit immer wachsendem Eifer in sich aufnehmen. Oder glaubt der Herr StaatSseeretär wirklich, daß e« ihm gelingen wird, auch nur einen Mann aufzufischen, dem durch seine Warnungen ein nachhaltige« Gruseln vor un« beigebracht wäre? Berlin, 28. Juni. Coloniale Eisenbahnen. Bon den zahlreichen, theil« fertiggestellten, theil« in Angriff genommenen afrikanischen Bahnen werden unzweifelhaft zwei in schädlicher Weise auf Deutsch-Ostafrika etnwirken, zunächst die schon fertige Congodahn. Bekannt ist, daß die Belgier seit Jahren bereits aus Manyema, von wo früher der gelammte Handelsverkehr nach der dentsch-oftafrikanischen Küste ging, diesen zum größten Theil nach dem Congo abgelenkt haben - das muß sich jetzt verstärken. In zweiter Linie wird die Bahn, welche E. Rhodes unter Zinsgarantie Englands von Maschonalaud bi« zum Tanganjika bauen will, nach Süden den Handel von unserem Schutzgebiet abziehen. Seit Jahren bemühen sich bereit- die Engländer, den Verkehr vom Tanganjika nach dem Nhaffa htnzulenken. Dieser Plan würde mit Herstellung der Bahn vollkommen gelingen, wenn nicht zu gleicher Zeit im deutschen Schutzgebiet auch Eisenbahnen in Angriff genommen werden. Schon aus practischen Gründen ist e« unumgänglich, daß deutscherseit« grundlegende Beschlüffe über den Bau von Eisenbahnen in den Colonien gefaßt werden. Dem Reichstag werden in seiner nächsten Tagung wahrscheinlich zwei Vorlagen über Eisenbahnbauten in Usam- bara und Südwestafrika zug?hen, wobei man Gelegenheit zur eingehendsten Erörterung dieser Fragen hat. Im Jahre 1895 schon betheiligte sich das Reich mit einem Betrag von 100000 Mk. au den Vorarbeiten für eine Centralbahn in Ostafrtka, man gab jedoch den Plan auf, weil nach Erklärungen von Sachverständigen der Verkehr nicht einmal die Betriebskosten decken würde. Den Ausschlag kann das heute nicht wehr geben. Der Bau von Bahnen ist geradezu eine Lebensfrage für die Colonien geworden. Berlin, 28. Juni. Da» Befinden de« Fürsten Bismarck ist nach Mttrheilungen der „AugSb. Abeudztg." aus Frtedrtchsruh in den letzten Tagen wieder bester gewesen und gibt der Hoffnung Raum, daß sich der Fürst auch wieder in absehbarer Zeit von feinem Rollstuhl, an den er seit Wochen gefeffelt war, wird trennen können. BewundernSwerth ist die Gednld, mit der der Fürst die fürchterlichen Schmerzen zu ertragen versteht, wie er bet Ttfch fich über alle Tage«, fragen äußert und nicht selten den alten Humor durchbltcken läßt. Gepflegt wird der Fürst von seiner Tochter, Gräfin Rantzau, dann von seinem Arzt, Dr. Chrhsander, der ständig in Frtedrtchsruh verweilt, und von einem alten, treuen Kammerdiener, der jetzt schon an 20 Jahre dem Fürsten dient. Geheimrath Schweninger kommt jede Woche nach Frtedrtchsruh, um fich über das Befinden seines hohen Patienten zu erkundigen und die nöthigen Anordnungen zu treffen. Berlin, 28. Juni. Das Rothe Kreuz. Man wird fich erinnern, wie segensreich für die Pflege der Verwundeten vnd Kranken schon in dem deutsch.franzöfischen Krieg und sodann in den verschiedenen kriegerischen Wirren im Orient, zuletzt in dem türktsch.griechischen Krieg, fich die Institution deS Rothen Kreuzes erwiesen hat. ES mag daher befremden, qutckenden Aufenthalt bietet und sodann da» oberhalb der WaldeShöhe über der Kälberwtese gelegene „Schweizer- häuSchen", da» leider im Laufe der Jahre so viel muth- willige Beschädigungen erlitten Hai, daß eS zur Zett recht restauration-bedürftig dreinschaut. Nach dem großen finanziellen Zusammenbruch, der da» Birstetner Fürstenhaus betroffen und tu den selbstverständlich auch eine Menge bürgerlicher Existenzen mit htueingezogen worden find, ist eine Aufbefferung von „oben" her für den Ort und seine Umgebung nicht mehr zu erwarten, wenigstens nicht tu absehbarer Zeit. Aber vielleicht nimmt fich der Vogelsberger Höheuclub der Gegend an! Btrsteiu har seinem äußeren Anstrich nach den Character eines wohlhabenden Marktfleckens, aber wer nur einige Tage daselbst verweilte, wurde sehr bald gewahr, in einer kleinen Beamtenstadt zu weilen, die ihr Gepräge vom Hofe aus empfing. Das ist nun schon seit Jahr und Tag ander» geworden. Von der reichen Hofhaltung merkt man nichts mehr, und das Heer der Beamten ist auf einen kleinen unentbehrlichen Grundstock beschrankt worden. Von der neuen Eisenbahn kann man mit Recht für die ganze Gegend einen erfreulichen wirthschaftlichen Aufschwung erwarten. Der refidenzltche Character wird vermuthlich ver- lvren gehen, aber au Stelle de» „Verfalls" und traurigen ^Zurückgang»", den man in den letzten Jahren allenthalben beobachten konnte, wird fich durch den neuen Schienenweg für den Ort ein befferer und leichterer Personen- und Maaren- detkehr entwickeln und ihn möglicherweise zur Bedeutung eines Luftkurortes erheben. Au Sonntagen fah man schon immer in Btrsteiu einige Fremde, Gäste von auSwärt», deren Besuch dann Haupt- sächlich dem Dorfe Ftschborn und seinen großartigen Galerien der Frankfurter Wafferleitung gilt, die wirklich sehens- Werth find. Wenn nun erst die Bahn htnaufführt, wird der Verkehr ein noch stärkerer sein. (Schluß folgt.) I daß von einer Thätigk-it der Gesellschaft in dem spanisch- amerikanischen Krieg bisher noch Nichts verlautete. Der tsrund liegt aber darin, daß auf spanischer Seite eine solche Mitwirkung nicht gewünscht ist. Inzwischen dürfte sich trotzdem bald Gelegenheit zu einer Humanitären Betätigung des Rothen Kreuzes finden, denn im Gegensatz zu den Spaniern haben die Amerikaner die Unterstützung des Rothen Kreuzes für die Pflege ihrer Verwundeten und Kranken erbeten. Berlin, 28. Juni. Nachträgliches aus dem Wahlkampf. Aus Oesterreich wird geschrieben: DaS Hauptorgan der österreichischen Socialdemokratie, die „Arbeiterzeitung" stellt selbst mit ganz besonderer Befriedigung fest, daß bei den Wahlen im Königreiche Sachsen die österreichische Socialdemokratie aus den nordböhmischen Bezirken in hervorragender Weise betheiligt war. An den Wahltagen zogen ganze Schaareu „Genoffen" über dte Grenze, um bei der Vertheilung der Flugblätter und Stimmzettel mttzuwtrken. Bet der engeren Wahl im Zittauer Kreise wurden dann einige österreichische Socialdemokraten verhaftet und ausgewiesen. Die Wahlarbeit, weint die „Arbeiterzeitung" höhnisch, sei dadurch aber nicht gestört worden, denn die AuSgewieienerr seien sofort durch andere ersetzt werdrn. DaS socialdemokrattsche Wahlcomit« habe gegen die Verhaftung und Ausweisung Verwahrung eingelegt. Die „Arbeiter-Zeitung", welche von der Thetlnahme österreichischer Socialdemokraten so sehr befriedigt ist, konnte f. Z. nicht genug höhnen und schmähen, als österreichische Abgeordnete in Leipzig und Dresden aufklärende Reden über die österreichischen Verhältnisse hielten. — Die „Deutsch-soctalen Blätter" sprechen fich über die geringen Erfolge derAntisemiten aus: Verlust an Mandaten und Wahlstimmen, statt des gehofften Zuwachses für unsere Partei. DaS ist das wenig erfreuliche Ergebniß der diesmaligen RetchStagSwahl. Das Eine kann schon heute gesagt werden: Wir haben unsere Kräfte weit überschätzt und haben unS nicht als Meister in der Beschränkung auf Erreichbares gezeigt. Da» Endergebniß der diesjährigen Wahlen wird jedem einsichtigen und vaterlandsliebenden Manne und hoffentlich auch der Regierung die Augen darüber öffnen, daß e» nur ein Mittel gtbt zur E-ndämmung de» wetteren AnschwellenS der Umfturzpartei, nämlich Erweiterung de» all- geminen, geheimen und directen Wahlrecht» zur Wrhlpflcht. Andernfalls wird die Wahlflucht bei den staat-treuen Elementen immer mehr zunehmen. Da- Ende vom Liede muß dann die Revolution oder der Staatsstreich sein! Locale- unt j-rovlnzleUes. Gießen, 29. Juni 1898. HaußhaltungSschnle. Am 28. lfd. MtS. wurde der achtwöchentliche FrühjahrscursuS der hiesigen HauS- haltungSfchule im Beisein des Herrn KceiSschulinspectors Dr. Luciu», des Herrn Oberbürgermeister- Gnauth, sowie einiger Mitglieder de- Schul- und Stadtvorstandes mit einer Prüfung der Schülerinnen geschloffen. Es war erfreulich, daß auch einige Damen erschienen waren, denn diese können über die Leistungen der Schule doch da» beste Urtheil abgeben. Der Cursu» war von 24 Schülerinnen besucht, die höchste Zahl, welche nach den bestehenden Einrichtungen angenommen werden kann. Den Handarbeitsunterricht hatte Frl. Wallmuth geleitet. Die aurgelegten Sachen, welche größtentheils auf der Maschine genäht worden waren, zeugten von viel Fleiß und guten Fortschritten, ebenso dir gebügelten Gegenstände. In der Kochschule wurde von Frl. Lyncker über NahrungSmittellehre und Reinhaltung von Hau» und Küche geprüft. Die Antworten der Schülerinnen bekundeten Verständniß, weil da- Geprüfte in der Schule praktisch geübt worden war. Bet der Bereitung eines Mittagsmahles nahm man mit Befriedigung wahr, daß die Mädchen die ihnen übertragenen Arbeiten recht gewandt auSführten, womit sie bewiesen, daß sie etwa» Tüchtiges fürs Leben gelernt haben. Die stete Zunahme de» Besuche» der Haushaltungsschule liefert wohl den besten Beweis, daß eine nothwendtge und nützliche Einrichtung hier geschaffen worden ist, die ihren guten Einfluß auf Hau» und Familie ausüben wird. Der Herbstcursus beginnt im October- die Anmeldungen hierzu werden im Schulhause der Stadtmädchenschule entgegengenommen. * * Oeffentliche Anerkennung edler Thalen. Seine König- liche Hohen der Großherzog haben dem Wallmeister KaSp ar in Mainz in Anerkennung des von ihm bei der Rettung des Heinrich Schweitzer daselbst und dem Küfergesellen Friedrich Ftltzinger zu Mainz in Anerkennung deS von ihm bei der Rettung des vierjährigen Hermann Lehmann daselbst vom Tode de» Ertrinken- bewiesenen besonnenen und muthvollen Verhaltens, eine Geldprämie zu verleihen geruht. • • Zustizpersoualien. Seine Königliche Hoheit der G r o ß - Herzog haben Allerguädtgst geruht, zum 28. Juni den Präsidenten Großherzoglichen OberlandeSgerichts Ludwig Knorr au» Anlaß seine» fünfzigjährigen Dtenstjubiläum» zum Wirklichen Geheimeurath mit dem Prädicat „Excellenz" zu ernennen. * * Der Universitätsbibliothek ist vor Kurzem als Geschenk de» bekannten MäcenS der auf die Erforschung der ältesten Cultur Amerikas gerichteten Studien, des Duc de Loubat in Paris, eine kostbare photochromographische Nachbildung einer der wichtigsten altmexicantschen Bilder- Handschriften zugegangen. Den Inhalt derselben bilden au» der Zett vor der Entdeckung Mexicos herrührende astro- logisch-kalendarische Aufzeichnungen der aztekischen Auguren (Tonalpouhquß — Sonnenzähler). Diese Aufzeichnungen haben im Wesentlichen die Eiutheilung de» Jahres in glückbringende und unglückbringende Abschnitte und astrologische Berechnungen über den glückverheißenden oder ungünstigen Character größerer Zrtiperioden zum Gegenstände und gewinnen durch die langen Rethen von Darstellungen aztekischer ! Gottheiten auch eine nicht geringe religion-geschichtliche Be- ! deutuog. DaS intereffante Werk ist auf kurze Zeit der i Ausstellung des KunftoereinS im Thurmhaus am Brand überwiesen worden. • • Koschat Concert, Donnerstag den 30. Juni in Steins Garten. Auch heute find wir in der angenehmen Lage, einen schönen Erfolg deS Koschat-Quartett» mitthetlen zu können. Der „Mannheimer Anzeiger" bringt über ein am vorigen SamStag stattgefundene» Coucert nachfolgenden Bericht: Einen seltenen Genuß bereitete am SamStag Abend der Meister üe» Kärntener Liede», dem seine herrlichen Melodien Weltberühmtheit verschafft haben, Thomas Koschat, seinen Zuhörern im Concertsaal deS Hoftheaters. Es lieg! ein eigener Zauber in Koschat» Liedern, sie treffen stets, mögen sie von Liebrslnst und LiebeSschmerz oder von der Heimath und der Sehnsucht nach ihren Bergen fiogen, b>u warmen innigen HerzenSton. Kein Wunder, daß gerade des- halb so manche» Lied de» Meisters, wir nennen nur das bekannteste „Verlassen bin t", nach kurzer Zett Gemeingut des deutschen Volke» geworden ist und tn allen deutschen Zangen gesungen wird. Wenn nun ein stimmbegabtes und gut ge- schulteS Mäanerqaartett unter des Componisteu persönlicher Leitung und Mitwirkung diese prächtigen Weisen im heimath- ltchen Dtalect zu Gehör bringt, dann ist der Erfolg unausbleiblich. Und in der That fanden denn auch am Samstag Abend die Wiener Sänger eine freundliche Aufnahme und ernteten rauschenden Beifall. Außer dem schon erwähnten „Verlassen" kamen von Koschat'schen Compofitionen noch za Gehör „Geknickte Bleamerln", das neckische Tanzltedchen „Der Diab", „Met Freud", der Walzer „Ans den Karawanken", da- Scherzquartett „Aus der Schualstuden" und das herzige „Glückliche Leut'". Abwechselung brachten die Solovorträge des Herrn (EL Foch ler, der über einen aus- gtedtgen Bariton verfügt und mit einigen humoristischen Liedern^ außerordentlichen Beifall sand, sowie de« Tenortfien Herrn R. Traxler, der ebenfalls sehr gefiel. Alt vor- zügltchen Klavierspieler lernten wir Herrn Dr. Tomasek kennen, dec durch den Vortrag zweier ungarischer Tänze und einer wetteren Ptäce Proben einer außerordentlichen Technik und warmer Empfindung ablegte. Auch ein von ihm com- pontrte- Lied, da» Herr Traxler sang, wurde mit lebhaftem Beifall aufgeuommen. Emen ganz vorzüglichen Bassisten befitzt daS Quartett in Herrn Georg HLän, der in btm Kromer- scheu Chor „Grüße an die Heimath" besonder» excelltrte. Meister Koschat selbst sah recht gut au», die schwere Krank- hett, die er kürzlich überstand, ist anscheinend ohne nach- theilige Folgen geblieben. Unsere besten Wünsche begleiten ihn auf seiner diesjährigen Tournöe. Möge er bald wieder mit seinen tüchtigen Sängern in Mannheim fich hören lassen! * • Neber die Fürsorge für die Ladutrtuueu berichtete gelegentlich der sechsten Jahres Conferenz der evangelischen Juvgfrauenvereine Herr Pastor M ätz old von Dresden. In dem Bericht heißt es: Die 90000 weiblichen Angehörigen de» Kaufmannsstandes finden leider noch wenig theilnehmende Liebe, obwohl ihnen große Gefahren drohen. Dieser Beruf erfordert keine besonderen Borkenntnisse, mau verdient bald und erniedrigt sich nicht zum Dienstmädchen herab: man kann der Eitelkeit und Putzsucht fröhnen und erfreut sich eine» freieren Lebens. Welche Gefahren bringt der regelmäßige Weg tnS Geschäft und nach Hause mit fich, zumal Abend» spät! Weder den Eltern, noch dem gutgesinnten Principal ist viel Gelegenheit zu erziehlicher Einwirkung gegeben, vollständig vernachlässigt wirb die Ausbildung der Ladnerin zur zukünftigen Hausfrau. Nun die großen gesundheitlichen Gefahren: die lange Arbeitszeit (12—14 Stunden), die kurzen Eßpausen, körperliche Ueberanstrengung mit einer Reihe von Krankheiten im Gefolge- ferner die geringe Bezahlung wegen de» Ueberflusse» an Arbeitskräften, armselige Wohnungen, die mit vielen Mißständen verbundene Stellenvermittelung usw., — Grund genug, etwas für die Ladnerinnen zu thun uud nicht zu warten, bi» sie sich als Fachverein der Socialdemo- kratie angeschlossen haben. Z.el der Fürsorge ist bessere Er> ziehung unb Ausbildung der jungen Mädchen, auch Erziehung zu rechter Erholung, besonder- am Sonntag, wo Gelegeohett zu edler Geselligkeit gegeben werden muß, daun Errichtung von „Ladnerinnen Heimen" oder doch wenigsten- die Darbietung nahrhafter billiger Beköstigung, wenn auch die Beschaffung anständiger Wohnungen fast ebenso wichtig ist. C» ist hier noch ein reiche» Arbeitsfeld für christliche Frauen, sie müßten fich mehr um die Ladnertnnea bekümmern und ihnen zu helfen suchen. In der Di-cuffton überbrachte Herr Oberconsistortalrath D. Walz-Darmstadt zunächst einen Gruß und Segenswunsch der hessischen obersten Kirchenbehörde, die fich die Fürsorge für die weibliche Jugend recht angelegen fein lasse unb die hessischen Geistlichen in diesem Sinne schon mehrfach angewiesen habe. Im Anichluß an den Vortrag Mätzold- wurde dann von dem Darmstädter Lydia-Verein berichtet, der auf religiöser Grundlage edle Grielligkeit pflegt und durch persönliche Thetlnahme einer Reihe von Damen der gebildeten Stände prächtig gedeiht- freilich zur Eröffnung eines Ladnerinnen-Heim» hat e» bis jetzt noch nicht kommen können. * • Einen wundervolle» Anblick gewährt der am Schiffw- bergerweg angelegte Rofenflor deS Gärtners Carl Becker. Derselbe hat bort zwei Aecker mit in allen Farben blühenoerr Rosen bepflanzt. • * * Die elektrische Beleuchtung für die Ausstellung von Rindvieh Vogelsberger Raffe, welche im kommenden Monat auf Oswald- Garten stattfindet, wurde dem Elektrotechniker Max Weißbäcker hierfelbst, dem Vertreter der Firma Siemen« und Halske übertragen. * * Zum deutschen Turnfest in Homburg. Dem „Darmst- Tgl. Anz." wird geschrieben: Nachdem in Bezug auf Ler- kehr-erletchterungen fetten* des Hamburger Verkehrs- auSschuffe« die weitestgehenden Zugrständuiffe erreicht worden waren, hat nunmehr die Eisenbahndirection Frankfurt a. M für den Sonderzug des Mittelrhein-KreiseS wesentliche Beschränkungen etntreten lassen. Selbstverständlich ist von de* Kreisleitung hiergegen sofort Einwand erhoben und nm Zubilligung aller durch Verhandlung mit den Eisenbahn-Ver- ,ÜK®«‘e 8i. t>'* dir, ®eDa 7 t 10 «t «»i-- «dien -lh° Sei ietnaje 2’/<' häufe d» 3» s5 ZL- Buflhft ku, ft | .■‘»Sft't |n 8<« s2tk ■'S*'-!? WBponinnj ” *» " wWubZ: «ftHe tonj-is ^aalftübn-, [ biajto;, n» ön fibn tlItt.^ K“ lö:fltn «kJorte bti itönia 11 sehr |(juL hm» Dr. Iinid j uti unianiltrl^.i s^notblM^ M ein von “8/ ®nrbt nm lä|n *Wita SoWtch ^a> bn in btn Ihn-.. ia§4 btionbtii eM r .: aul, bit Item Sm! i *'ntnb ohv! v» t bchu VWe itjir: »t Köjt n bilb wi: tim fii Pm Ich! ht Sthunuu btrini irfnecj ba ttuftirk Ltzolb von Detfbffl Z:. 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Bet dieser Firma ist nach langwierigen Verhandlungen, die beinahe 29/4 Jahre gedauert haben, in einem vom Geschäfts- Hause der Firma an die Postverwaltung abgetretenen Raume eine Packet-Annahmestelle geschaffen worden, in welcher die Poft die Packete der Firma annimmt, um fie direct zum Bahnhofe zu befördern. Die Gegenleistungen sind allerdings nicht unbedeutend. Außer der Hergabe des Raumes muß die Firma die sämmtlichen Bureau^ und Materialkosten tragen, sowie als Entschädigung für Beamte und Transportkosten eine Gebühr von U/a Pfg. für das Packet entrichten, was bei einem Verkehr von 800,000 Packeten jährlich 4500 Mk. auSmacht. «Bl Oberheffeu, 27. Juni. Ein so nasses Frühjahr, wie dasjenige des 1898er Jahrganges, haben wir se t Menschengedenken nicht mehr gehabt. Vom 22. März bis 21. Juni kommen bet uns auf einen Tag mit Sonnenschein zwei bis drei Regentage. Landregen wechselten mit kleinen Wolkenbrüchen und Gewittern ab, glücklicherweise blieben wir von Hagel verschont. Die Halmfrüchte sind überaus üppig, seit e uigen Tagen lagern fie fich, und daS ist sehr schade, denn Welzen, Gerste und Hafer haben noch nicht verblüht, wodurch eine schlechte Körnerernte erwartet werden muß. GraS und Klee giebt es massenhaft, aber das Trocknen ist sehr mühsam. Dickwurzelu, Zuckerrüben und Kartoffeln sehen prächtig auS- ihre Bearbeitung ist um deswillen erschwert, weil der Ackerboden durch die schweren Regeugüffe hart und fest geworden ist, wie eine Scheuerteune. DaS Obst hat durch die anhaltenden Regengüsse bedeutend gelitten, es zeigen sich auch schädliche Raupen an den Bäumru. Am Besten find noch die Zwetschen davon gekommen. — Die Viehpreise haben fich nach dem „Darmst. Tgl. Anz." gut gehalten. Milchferkel find sehr gesucht und werden gut bezahlt, da- Schwetnemäftru ist besonders da lohnend, wo Molkereien bestehen, die die Magermilch billig abgeben. Für die Imker kann eS einem leid thun, sie haben viel unter ber anhaltenden Näffe zu leiden- dagegen sind die Jagdaussichten recht gut. Wenn wir endlich warme trockene Witterung bekämen, würden die 1898er landwirthschaftlicheu Ergebnisse immer noch recht besrtedigeud auSfallen. Die neuen Bahnlinien haben nach wie vor einen lebhaften Verkehr, der fich gegen den Herbst hin noch bedeutend heben wird. K. Bad-Rauheim, 28. Juni. Ein künstlerisch werthvolleS WohlthätigkettScoucert veranstaltete am vergangenen SamSlag Frau Sauitätsrath Emma Müller, die bekannte Leiterin des „Emma-Heim" in Bad-Nauheim im großen Theatersaal des Kurhauses, den eine stattliche Zahl von Kunstfiunigen uad zum Wohlthun bereiten Badegästen (circa 250 Personen) füllte. Der Zweck des schönen Unternehmens war einerseits die Unterstützung des BaufonbS der Bad- Nauheimer DankeSkirche, andererseits die Ermöglichung der Gründung eines KcankevpflegeheimS für Arme aller Eon- fesfionen. Doppelt dankbar tft unter diesem GefichtSpunkt sowohl die Thatkraft der Veranstalterin, als die Liebenswürdigkeit der Künstlerschaar anzuerkennen, welche fich, mit trefflichem Gelingen, in den Dienst der guten Sache gestellt hatte. DaS stimmungsvolle Fest wurde durch eine von Frl. Life Waldau mit Wärme gesprochenen Prolog eingeleirrt dem fich die Darstellung eines lebenden Bildes und nach dem bekannten Eichstädt'schen Gemälde „Frühlings-Erwachen" anschloß. DaS Bild war noch etwas erweitert worden durch die Einfügung der Gestalten pflegender Schwestern, welche dem die HoffnungSluft der Genesung athmenden Krieger noch eine ganz besonders paffende Folie gaben. Als wirklich werthvoll ist, wie oben gesagt, der musikalische Theil der Veranstaltung zu bezeichnen. Die Hauptstücke deS Programms bot der 40 Damen starke dreistimmige Frauenchoc aus Hanau, durchweg Schülerinnen der reuommirten Hanauer GesangS- lehrerin und Künstlerin Frau Balser-Landmann. Mit diesen Damen, deren anmuthige Gestalten schon die Sympathien der Zuhörer für sich in Anspruch nahmen, legte Frau Balser Landmanu wirklich Ehre ein. Der Rhetnbergrr'iche auS fünf Piecen bestehende Chor „Maitag" ging nach Ueberwiadung der ersten BefaagenheitSschwierigkeiten sehr flott und schön von statten und erregte ebenso, wie die Walzer-Idylle von Koschat stürmischen Bei,all. Wie Frau Balser-Landmann fich al» Lehrerin bewährte, zeigte fie fich auch vortheilhaft vis mit schöner modulationSfähiger und wohlgeschulter Stimme begabte Sängerin in einer Reihe prächtig gesungener Lieder und dem leider so selten gehörten Duett au» „Die Jahres- gelten" von Haydn. In dem letzteren asfistirte ihr der Tenorist deS Staditheaterl in Freiburg, Herr Gygrr, der al« Operettensäager am Bad-Nauheimer Großh. Kurtheater wirkt. Herr Gyger ist bei den Curgästeu mit Recht sehr beliebt. Sein sympathischer Tenor kam besoncerl in dem erwähnten 7 aett, wie auch in der Covatine aus demselben Haydn',chen herrlichen Werke zu vollster Geltung. Der B^jazo Prolog — eigentlich eine Baryton Partie — lag dem Sänger wohl ein klein wenig zu tief. UebrigenS verdient die dlserete verftändnißvolle Clavierbegleitung des Herrn CaprllmeisterS Boche anerkennende Erwähnung. Der Instrumentale Theil deS ConcertS wurde von der Kurkapelle unter Leitung deS Herrn MachiS treffltck auSgrführt, dessen eigener Compofition, der Othello-Ouverture auf daS Lebhafteste applaudirt wurde. Zum Schluß sei erwähnt, daß der Ertrag deS wohlgeluugeneu Festes, für das wir Frau Sauitä'.Srath Dr. Müller und allen Mitwirkenden aufrichtigen Dank schulden, fich auf 865 Mk. nach Abzug aller Kosten bez'ffert, wovon die Hälfte auf dea Baufonds der DankeSkirche, die andere Hälfte auf den Verein für Krankenpflege entfällt. Darmstadt, 27. Juni. Der große Senat der Technischen Hochschule hat kürzlich beschloffen, daß Honorar-Erlasse, Stipendien und sonstige Beneftcien nur noch an solche Studtreude vergeben werden sollen, die ihr w'ffenschaftlicheS Streben durch Betheiligung an den Sewestralprüfungen oder Vorprüfungen, bezw. durch Lösung von PrrtSaufgaben bethä- tigt haben, und daß diejenigen Herren, welche im Besitz derartiger Vergünstigungen find, fernerhin nur Aussicht auf Weitergewährung haben, wenn fie sich in der vorgenannten Weise bethäiigen. Gleichzeitig werden auch die Hospitanten an der Anstalt auf die Ablegung von Sewestralprüfungen aufmerksam gemacht mit dem Htnzufügen, daß neben der Er- fülluug der sonstigen Vorbedingungen dieselben nur dann Aussicht auf Aufnahme als Studirende haben, wenn fie fich au den Semestralprüfungen dethetligen. Seligenstadt, 27. Juni. »Rasch tritt der Tod den Menschen an." Der auch in weiteren Kreisen bekannte und geachtete Herr OberamtSrichier Carl Tasche dahier, ist während vrrwichener Nacht infolge eine« Herzschlages im Alter von 43 Jahren verschieden. Der Verstorbene,der Sproffe einer hochangesehenen Familie in Gießen, wirkte als Richter zu Lorsch, Herbstein und Butzbach. Im Juli 1894 wurde er zum Odrramtsrichter am hiesigen Amtsgerichte befördert, nachdem er schon wiederholt hier aushilfsweisr thätig war. Die Leiche wird nach der Heimath Gießen überführt und daselbst bestattet. Der Verstorbene war unverheirathet. Arrr der Zeit für Me Seit Vor 91 Jahren, am 30. Juni 1807, wurde zu Ludwigs- bürg der berühmteste Aesthetiker Deutschlands Friedrich Theodor Vischer geboren. Er betrachtet das Naturschöne als objective, die Phantasie als subjective Existenz des Schönen. Vischer ist selbst da, wo man nicht mit ihm übereinzustimmen vermag, anregend und interessant. Er starb am 14. September 1887 in Gmunden. Vermischtes. • Eisenbahn-Unfall. Der Montag Abend um 11 Uhr 10 Min. von Essen (Hauptbahnhof) nach Berlin abgegangene Nachtschnellzug D 5 stieß beim Durchfahren de» Güterbahnhofes Essen auf drei über die Geleise gelegte Eisenbahnschwellen. Durch den Zusammenstoß wurden die Bahn- räamer der Locomotive abgebrochen uad die Schwellen über 100 Meter weit sortgeschleudert. Sonstige Beschädigungen an Locomotive uad Geleisen sind nicht vorgekommen. Nach dem Thäler wird eifrig geforscht- die Eisenbahn-Verwaltung hät auf seine Ergreifung eine Belohnung von 3000 Mark auSgesrtzt. • Von einem italienischen Grünenthal w.rd berichtet: Em gewisser Salvatore Grim al di schockte aus Catania an fr-ne in Neapel wohnende Gattin Teresa ein Poftpacket, da- er auf der Begleitadieffe als eine „Schachtel mit Süßigkeiten" declarirte. Auf der Zollstattou in '-eapel wurde das Packet jedoch geöffnet, und man fand, daß es anstatt der Süßigkeiten ein Paar Schuhe enthielt, in welchen 103 gefälschte Huudertlireschetkie lagen. Die Scheine find so vorzüglich nal-geahmt, daß fie von vier erfahrenen BankterS für echt erklärt wurden. Die Fälschung wurde erst von dem Kasfirer der Banca d'Jralia constattrt. Grimaldi und seine Gattin wurden verhaftet. _____ Universität- - Nachrichten. Jena. Die fortwährend steigende Zahl der Theilnehmer und Theilnehmerinnen an den von der hiesigen Universität (vom 3. bis 23. August d. I.) veranstaUeten Feriencursen hat eine Erweiterung des Programms veranlaßt. ES werden folgende Eurse zu halten beabsichtigt: A) Allgemeine Fortbtldungscurse für Damen und Herren. 1. Allgemeine Pdysiolog e, exakte Naturlehre, Geologie, Physiologische Psychologie, Pilofophie, Religionsgeschichte, CuUur- gefchichte. 2. Pädagogik: Schulhygiene, Allg. Didacttk, Spez. Dtdacttk, Theorie des Arbettsunterrichts, Methodik des geographischen Unterrichts, Pädag. Patbologte. 3. Sprachcurse und Ltteratur- aeschtchte für Ausländer. B) Besondere Fortbildungscurse für Lehrer der Naturwissenschaften an höheren Lehranstalten: Astronomie, Botanik, Mineralogie, Physiologie, Physik, Zoologie. WöcheMliche UeberstchL der TodeSsälle tu Gieße». 26. Woche. Vom 19. Juni bis 25. Juni 1898. Einwohnerzahl: angenommen zu 24 100 (tncl. 1600 Mann Militär) SlerSttchkettSziffer: 17,26, nach Abzug der Ortsfremden 12,95 9/ro. Kinder Ei» starben an: Safe«»«; Erwachsene: im vo» 1.Lebensjahr: 2.—Id.Jahrr Krebs 1 (1) 1 (1) — — Zuckerruhr 1 1 — — Lungenschwindsucht 1 1 — — Furunkulose 1 — 1 — Brechdurchfall 1 — 1 — Krämpfen t — 1 — Lebensschwäche 1 (1) — 1 (1) — Verbrühmig 1 — — 1 Summe: 8 (2) 3 (1) 4 (1) 1 A n m. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel« ber Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gieße» gebrachte Kranke kommen. VerLehr, Cawb* ««d Vottswirthschaft» Gießen, 29. Juni. Vtehmarkt. Der gestrige Kuhmarkt hatte einen nach jeder Richtung hin befriedigenden Auftrieb. Käufer vom Main, Rhein und von der Steg machten den Markt lebhaft, wozu noch die guten Futterausstchten dieses Jahre» kommen, welche bewirken, daß sich die Preise für Zuchtvieh in der alten Höhe halten. Aufgetrteben waren 1100 Stück Rindvieh, darunter etwas mehr als ein Driittheil Kälber. Gesucht für die Taunusbäder waren schwere Milchkühe, welche durchgängig mit 550 Mk. pro Stück bezahlt wurden, leichtere Waare wurde mit 350—400 Mk. und ältere sogen. Abmelkkühe wurden mit 200-250 Mk. gehandelt. Schwere Kälber, die stark für Bad Nauheim gekauft wurden, kosteten 63—67 Mk., Mtttelwaare 57-60 Mk., leichte Waare 50-54 Mk. pro 100 Pfd. Schlachtgewicht. Fette Rinder waren nur vereinzelt am Markt und wurden für den localen Bedarf angekauft. Temperatur der Lahu und Luft nach Reaumur gemessen am 28. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags 5 Wasser 14'/,°, Luft 15'/,". Rübsamen'scke Badeanstalt. Had?ricbtie gesagt, Minister achniehr als Kamme lchuin für dieselben I iabfatW schwierig m «richt In Frankreich t Die Sammer ha «ttlavge, baß ein ar l'bdeteS Ministerim stea bie Combination Krochen haben, da ^bicalen angehört) \ l^kllde Zngeständnifst tif Sojialiften und Machen hatte, so t 91* hat nun ein t Mod, den Auftrag i ^Kmn Kn B r Man wieder ke W an ien ^'-Mschütteln nu Me J""“ wahrlich i , 11 «den, eintbeii, [Jl'toen? j|!Q * tert? Bl Ssfr