Rr. 124 Erstes Blatt. Sonntag den 28. Mai 1808 -rscheini täglich eit Ausnahme dcS Montags. Die Gießener »erden dem Anzeiger »Schentlich viermal beigelegt. Kießener Anzeiger „erteljährlich 2 Mark 20 Pf«, monatlich 75 Pfß. mit vringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg, vierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Benn. 10 Uhr. Heneral-Anzeiger Alle Anzelgen-LermittlungSstellen des In- und AuOlanbsA nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger eMgig«. Anrts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren. Nedaetton, Expedition und Druckerei: Jchntßrnt- Nr- 1. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. Adresse für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51. Pfingsten. „Romm’, heiliger Geist, Herre Gott!" So tönt heute ba» Gebet der Christenheit zn dem Himmel empor, aus dem -er scheidende Heiland seinen Jüngern den Tröster versprochru hat. Den Geist deS Trostes brauchen wir heute nöthtger denn je, und der Geist Christi muh helfen, wo Menscheu- htlse versagt. ES gehn durch unsre Zeit der finstern Geister viele, Geister aus dem Abgrund, die der Menschen Seelen in die Feffelu der Weltlust und der Hoffahrt, deS Trotze» und der Verzweiflung, der Gemeinheit und der Bosheit schlagen. Die edelsten Güter unserer Bildung, die heiligsten Schätze unsere» Volksleben» find mit Vernichtung bedroht, weil ebenso in die Reihen derer, die fie zu verwalten haben, der Geist deS Verderben» etngezogen ist, wie er die Gcwüther derer beherrscht, die fie un» entreißen wollen. Fürwahr, Pfingsttag muh ein Bußtag werden, wenn wir denken, wie viel wir von uvserm Gott empfangen haben an edelsten Gaben deS Geistes, au reichster Fülle christlicher Erkenutviß und Zucht, und wie wehrlos wir dastehen heute, wo die Schlammflath eines zuchtlosen und schamlosen FletscheSdienste» ia unserem öffentlichen Leben immer höher steigt und verpestend durch die Canäle einer unsauberen Litteratur bi» an den Herd de» deutschen Hause», dis in die Seelen der deutschen Jugend hiueiudringt. Warum kann fich der böse Geist der Welt gegenwärtig so breit machen in unserem Volke, warum wird ihm nicht, kräftiger Widerstand geleistet von denen, die sehen, wie schrecklich er die Zukunft unsere» Volke» gefährdet? Weil un» der rechte Pfingftgetst fehlt, der Much des Glaubens, der opferfreudige Sinn derer, die fich der Schmach des Kreuzes Christi gern unterziehen, und sich entschlossen und von ganzem Herzen der Welt und allem Eigennütze kreuzigen. Man erwartet heute alle» Heil vom Staat und von seinen Gesetzen. Gewiß, der Staat kann viel thun für äußere Ordnung und für Wahrung de» öffentlichen Anstandes. Aber was er nicht kann, das ist: den Seelen des Volke» einen neuen Geist grben, die Herzen freudig wachen zu einem Wandel in Gerechtigkeit und Reinig- keit, die Gemüther durchdringen mit dem hohen Entschluß, mcht fich selber sondern den großen Pflichten und heiligen Aufgaben de» LebenS tu Volk und Gemeinde selbstlos und htogebeud zu dienen. Dazu bedarf e» der Hilfe von oben- daun bedarf e» der christlichen Männer und Frauen, die tu weltüberwtndendem Glauben die kostbare Gabe des heiligen Geistes in fich pflegen und erhalten und in Kraft solchen Geistes die Häuser und die Herzen unsere» Volke», da» Leben de» Einzelnen und da» Lrbeu der Oeffentlichkeit mit dem Lichte der ewigen Wahrheit erhellen und mit Strömen deS LebeuSwaffer» träuken. Ach, daß un» Gott zu solcher Arbeit tüchtig machte und brauchen wollte zu Dienern seine» Geiste»! Ach komm, du Tröster, heiliger Geist! Deutsches Reich» Berlin, 27. Mai. Der Kronprinz von Griechenland gedenkt heute Abend einer Einladung de» Osfizter- corpS de» 2. Garde - Regiment» zum LiebeSmahle nachzukommen. München, 27. Mat. Die von der Regierung vor- gefchlageue Gehaltsaufbesserung der Geistlichkeit beider Coufesfioven wurde von der bayerischen Abgeordnetenkammer mit 77 gegen 70 Stimmen adgelehnt. Art-Ur«-. Wien, 27. Mai. Der heute früh hier eingetroffene Statthalter von Steiermark hatte tm Laufe de» Vormittag» mit dem Miuisterpräfidenten Grafen Thnn wegen der Vorgänge in Graz eine längere Unterredung. Prag, 27. Mai. Hier herrscht große Besorgniß, die Ernte könnte durch da» anhaltende Regenwetter vernichtet werden. Ganz beiondrr» leiden die Rüoen unter der Näss;. Prag, 27. Mat. Ja htefigen politischen Kreisen hegt man die Zaoerficht, Lippert zur Beibehaltung de» Mandat» zu bewegen. Es soll zu diesem Zwecke eine Kundgebung der drutsch'böhmischen VertronenSmäuuer für Lippert statlfinden. London, 27. Mai. Ja den leitenden amerikanischen Kreisen ist man der Anficht, daß daS Geschwader Cer- vera» al» Kampfflotte nicht mehr zu rechnen sei, weil e» in der Bucht von Santiago festgehalten werde. Die Vorbereitungen zu einer Landung auf Cuba werden daher mit größter Eile betrieben. Für Cuba find 30,000 Mann, für die Philippinen 26 000, für Portorico 10,000 bestimmt. In Tampa bleiben 18,000 Manu als Reserve. Mailand, 27. Mai. Der Kriegsminister beauftragte die Militärverwaltungen, allen Gemeindeverwaltungen auf ihr Verlangen von jetzt an Weizen zu 30 Lire pro D.-Ceutner und Mehl zu 37 Lire zu verkaufen. Wahlbewegttng. *X Darmstadt, 27. Mai. Die heutige, gut besuchte Wähler-Versammlung der nationalliberaleu Partei tm „Hanauer Hof" wurde in der Hauptsache damit auSgefüllt, die Verdächtigungen der Gegner zu widerlegen. Der Candidat, Herr Nodnagel protestirte gegenüber einer Auslassung der „Franks. Ztg.", die ihn, gleich einem Schmetterling, den man im Kasten mit einer bestimmten Bezeichnung | feststecke,behandle, dagegen, daß er „voll und ganz der Miqael'sche» agrarisch-bündlerischen Sammlung" angehöre und betonte, e» müsse dahin gearbeitet werden, daß die beiden großen productiven Stände der Landwirthschaft und Industrie miteinander auSkommru, daß die Partei ihr Bestreben dahin richte, immer mehr wirthschaftliche Mittelpartei zu werden. Herr Wolfrkchl wie» verschiedene unerfüllbare Versprechungen tm antisemitischen Programm nach, namentlich bezüglich der WährnugSfrage- die unvorherzuseheude starke Steigerung der Stlberproductton in außereuropäischen Ländern würde, wenn man in Deutschland vorher nicht zur Goldwährung übergegangen, noch viel fühlbarer gewesen sein; an einem Mangel an Gold sei angeficht» der Goldfelder in Südafrika nicht zu denken. Die Ausstreuung von antisemitischer Seite, wenn die Währung»verhältuiffe andere seien, werde der GetreidepreiS höher sein, sei ein unbeweisbare» Schlagwort. Herr Dr. Osann beleuchtet die Haltung der Antisemiten tm sorbeü verabschiedeten Beamtenbesoldungsgesetz, insbesondere die „Wendung", die dabei Abg. Köhler gemacht habe- er wie» sodann nach, waS es mit der anttsemitschen Forderung „Abtragung der Staatsschulden" auf sich habe. Heute gelte e» übrigen» nicht, neue Differenzpunkte aufzusuchen, sondern möglichst auSzusöhnen - wenn die bürgerlichen Parteien weiter existtreu wollten, wüßten fie dies bet der kommenden Wahl zum Au»druck bringen und die alte Lässigkeit aufgeben. Noch hätten diese Parteien die Mehrheit, aber e» fehle ihnen die Geschloffevheit. Die Partei, habe keine besonderen „Zugmittel" wie andere Parteien, sie könne nur an da« Pflichtgefühl und die Intelligenz der Bürger appelltren. — Die Rede machte großen Eindruck. Feuilleton. Kinnerspiele. Bon Carl Geißler. Wann Sich so zwische Licht nun Dunkel al» cmol an meine Fenster stth' nnn guck enaus uff die Gaff', wo fich die Rinnet im dollste Juwel bummele, daan fihl Sich mich Widder zcrickoersetzt in däi glickltche Zeide, wo merr fer e paar Stunn Gaflefreiheit selbst mit kaam Keenig net ge- bauscht hätt! Da komme ahm däi Erinnerunge haafeweir- mer versenkt fich in fc nun merr glaabt zeledst, mer hätt noch die Buwehose aa nun mißt erunner, um mitzespiele. Die scheene Spielblätz, all däi Ecke unn Wiukelcher, in bene merr mit besonverer Vorlieb erimgrkcoche iS, daage Widder vor etm uff unn viele läiwe Gesichter von ahle Spielkawerade komme zum Dorschei- an jed Gäßche unn an jeden Eckstaa kntppe sich danfenderlei freundliche nun aach driewe KindheitSerinnerunge, däi sich net so leicht verwische unn däi ahm begleite dorch» ganze Lewe. Währenddem äich mich an dem Kinnerdruwel da unne lnstir, ktmmt e Gefihl iwwer mich, wäi Sich» alü Bub oft hatt unn nameudlich dann, wann die rrschte FrihlingS- lifdercher dorchS Buseckerdahl nnn iwwer die Wisse geweht hawe: e Gefihl seliger Luft, nach'« lange, lange Minder endlich Widder ewol länger al» bt» fünf Uhr uff de Gaff' bleiwe ze derfe unn fich rächt auSdowe ze kenne! Daß war für un» vuwe doch die scheenst Zeid im ganze Jahr, wo merr im Freie spiele könnt unn de Uffficht von Vatter nnn Mutter genzlich entricht war. Wann de Ruf: „Husare, die wahre- au» Dutzende von «awekehle in alle Gasse erschölle iS, so war da» e haushoch Freud fer Jedermann, dann daß war daß ficherschte Zeiche, daß de» Frihjahr etz net mer weit sei könnt, e viel zuverlässiger Zeiche, al» die Aakunft vom Storch, der mehr wäi amol uff de ahle Bollezet erschiene iS, nm schleunigst Widder die Blatt ze butze, weil em däi Vugettberger Lufd net behage dhat. Wäi die wild Jagd gingS bei dem Husarnspiel in de Gaffe erum unn in de weidste Nachbarschaft iS kaa Haus unn kaa Barack gewese, wo uns net zum Berschdrckeiches gedient hätt. Net immer hawe mer un» bloS in de effend- liche Gebäulichkeide, wäi zum Beispiel am Zeughaus, am LeiderhäuSche uff'm Canzleiberg, tm Schulhaus in de Schul- gaff' oder tm Rathhau» bewegt, fonneru fiun aach in die Brivadbefitzunge inngedrunge, um unsere Spiele ze huldige. Die unglickUche HauSeigeudhiemer, die merr mit unsrrm Besuch beehrt hawe, wußte fich schließlich net annerscht vor un« ze schttze, als daß se sich hinner die Hausdihru oder htnnersch Hofthor stellte, etm uffgebaßt nnn abgefange unn korzer Hand mil’m stumbe Reiserbrsem dorchgeflappcht hawe. IS merr awer gar SamSdagS dorch en frisch gebutzde HauS- ehrn gelaafe, dann flog ahm gewiß en nasse Butziumbe nm die Ohrn, was ahm freilich als e bische abgekihlt hatt. Uff so e Art mußte die Spiele manchmal e unliebsam Unnerbrechung erleide, doch warn merr nie verlege nnn griffe gleich zu em nnnern Spiel, dann e jeder Bub i» ja uff derartige Zwischrfäll gefaßt unn hatt zur Vorsorg Doppch unn Beutsch bei fich, damit kaa Zeit verlorn giht und deß Spiel fortgesetzt wern kann. Wann merr am Doppchdanzelasse unn KnickercheSsplele kann Spaß mehr hatte, dann Word ewol Aff-Bauer« Clan» oder Kappches ze spiele aagefange unn wann daß aach net mehr ziehe wollt, dann mußte die Säukutte herhahle, wo merr KuttcheS damit gespielt hatt, unn könnt merr dem Vergniege aach kaan Geschmack abgewinne, so finge merr aa ze hickele oder Stelze ze laafe oder hawe Raaw gedriwwe dorch die halb Stadt. Reuterball nnn Schlagball hatt gar oft de Beschluß gemacht, awer mit große Vorlieb Hammer in de Demmerstunn al» noch gespielt: Warum trittst de merr auf mei beeS Fießche? — Weil Sich e arm Dhierche bin! — Waß fer ahn«? — En Gaul, en Esel n. s. w. — der kann so weit laafe, unn der so weit, unn der so weit, Da könnt merr häufig die Zeit net abwarte, bi«: Wieviel Uhr iS? bi» zu zwölf dorchgerufe war unn deß Hut, Hut, Hut! erteent iS, damit merr am ehrschte Widder uff'm Blatz unn mitzewirke berechdigt war, dem Zeletzdkommevde de Buckel vollzedromrnele unner dem scheene Gesang: Dixel, Daxel, Dommeri, Rath welcher steht? wobei mer dem Jwwergelrgle irgend en Finger uff de Ricke gesetzt, und wann er nicht de richtige Finger gerathe hatt, dann gings weider unner em ferchterliche Gedrommel uff fehl Buckel: Hast deß net gerathe, Krist kaan Sack voll Brate, Krist kaan Sack voll Herschebrei, Komme die Esel all ebbeil Hatt err awer richdig geradhe, dann krag er en Sack voll Brate und ehn voll Herschebrei — awer aach en Sack voll Aeppel, so gut wäi der, der net richdig geradhe hatt. Im Spiele warn viele von un» däi reinste Verrduose. So könnt mein Freund Heinrich e geschlage Verrdelstunu hickele, unn zwar von de Kihgaff' bi» an« kahle Loch und Widder zerick fast bi» an» Dreihäusergäßche, bi« em ernol erscht de Odhern auSging- en Annere war beim Schlagball be- wnnnerungrwerdig, dann der hatt fast niemals „verfaßt" unn schlug de Ball so hoch, daß err eme Gssebahner, der tm dritte Stock in» Hanitsche uffrn Kercheblatz gewohnt hatt upm grad beim Middageffe saß, direct en die Suppeschissel fiel. Wäi oft awer haw äich beim Reisdreiwe de Neid von all meine Kamerade erregt! Damals hatte nor ganz besonuersch gut sidewirde Bnwe deß Glick, en Reif an» Frohnhäusersch oder Fuhre ze besitze; die meiste wußte fich mit ahle, die zu sonst nix mehr ze braache warn, behelfe. Aich hatt awer immer funfetneue, heelzerne unn eiserne von alle Greeße, dann äich hab beim Kiefer Schwall in be Sinne* gaff' gewohnt. Holdselige Stunn warn'» aach, wäi die Schoos noch dagdäglich an» unsere wirdige Vatterstadt enanSgiuge in» Wallpörderfeld. De langgedehnte Scherferpiff vom Scheefer Lemb hott un« wäi Mufik in de Ohrn grklunge, dann etz gab'S e Vergniege: die Schoof worde erau» gelasie. Am Walldhor da warn die Schoof zahlreich verdrede unn mir Dom Aünsö erq. Jö. A Nicht neu ist der Gedanke, einen Aussichtsthurm auf dem uns so nahen Dünsberge, dem höchsten Berge unserer Gegend, zu errichten. Schon vor Jahren haben sich Männer gefunden, welche für die Durchführung dieses Planes sich interessirt haben und Mittel aufzubringen wußten, die diesem Zwecke dienen sollten. Durch die bevorstehende Inbetriebsetzung der Bieberthalbahn ist der Dünsberg uns so nahe gerückt, daß man die Zeit für gekommen hielt, das Project eines Aussichtsthurmes auf demselben seiner Verwirklichung näher zu bringen. E- hat sich ein au« Gießener und Wetz« larer Herren bestehender Ausschuß gebildet, der die Sache fördern wird. Um einen noch fehlenden Betrag von ca. 2500 Mark für diesen Thurmbau aufzubringen, wurden vor einigen Tagen Sammellisten in Umlauf gesetzt, und von der Opferwilligkeit der Bewohner unserer Gegend wird es abhängen, ob ein massives Bauwerk den Gipfel des vom Wald umkränzten Dünsberges zieren wird. Wir bemerken, daß Sammellisten vom Vorsitzenden des Ausschusses, Herrn Rentier E. Pistor Gießen erhältlich find. Wenn wir oben» stehend das zur Ausführung projectirte Bauwerk im Bilde unseren Lesern vorführen, so glauben wir, damit dem Unternehmen förderlich fein zu können. Der untere viereckige Basaltstein-Sockel des Bauwerks ist in einer Höhe von vier Meter gedacht und erhebt stch hierauf der 9 Meter hohe runde Thurm, welcher aus hellen Derblendern mit Glasursteinen durchsetzt, ausgeführt werden | soll und gewiß inmitten der grünen Umgebung vortheilhaft wirken wird. Zu dieser Höhe kommt noch die 1 Meter weiter ansteigende Brüstung, welche ebenfalls aus Verblend fleinen mit Sandsteindurchsetzung hergestellt wird. Der Thurm wird bestiegen mittelst einer Freitreppe bis Sockel- Höhe, woran im Innern sich eine Wendeltreppe entweder in Holz, ober beim Vorhandensein genügender Mittel, aus Lung- steinen hergestellt, anschließt. Zum Schutze des Baues soll ein al» Fahnenstange zu benutzender Blitzableiter angebracht werden. Der innere Sockelraum ist vorerst dazu bestimmt, dem Touristen Unterkunft und Schutz zu gewähren, wenn er vom Regen ober Unwetter auf der Spitze bes Berges überrascht wirb. Die auf bem Silbe neben betn Thurm sichtbare Schutzhütte, soll erst später ausgeführt werben. Wünschen unb hoffen wir, baß die Sammlung so reichlich ausfallen möge, baß der geplante Bau mitsammt ber Schutzhütte balb in Angriff genommen werben kann. Die Verstaatlichung der Reichsdank. (Fortsetzung.) Mit Recht bars barauf hingewiesen werben, baß im Falle eine» Krieges bie Reichsbankbestänbe sich eine» größeren völkerrechtlichen Schutzes erfreuen werben, fo lange die Reichsbank kein Staatsinstitut wirb, fonbetn ben Character bes Privateigentums behält. Nach wichtiger erscheint bie Frage, was aus ben übrigen beutschen Notenbanken werben tollte, wenn bas Privilegium ber Reichsbank nicht erneuert würbe. Die Gefahr liegt nahe, baß auch biese Banken ihre Privilegien verlieren würben. Wenn aber auch ihr Wirkungskreis ein onberer unb beschränkterer ist als berjenige der Reichsbank, fo wirkt doch eine jede dieser Notenbanken in ihrem Lande aufs segensreichste, und eine solche Lücke würbe von ben Bundesstaaten aufs schmerzlichste empfunben werben. Vor Allem aber barf bie Deutsche Reichsbank nicht zum Spielball ber politischen Parteien werben, bie, je nachdem sie zu Macht unb Ansehen gelangen, versucht sein würben, sie für ihre Sonberzwccke auszunutzen. (Sehr richtig!) England und Frankreich wissen recht wohl, weshalb sie ihren Notenbanken den Character von Privatbanken erhalten und sie nicht zu reinen Staatsbanken machen. Deutschland würde durch Verstaatlichung seiner Reichsbank einen Schritt zurück machen, unb ber baraus erwachsend Zustand würde nur noch mit demjenigen in Amerika zu vergleichen fein. Endlich würde noch die größte Gefahr darin bestehen, daß die Reichsbank aufhören würde, eine ErwerbSgefellfchaft zu fein unb nur zu leicht zu einem Wohlthätigkeitsinstitut herabsinken könnte. (Sehr richtig!) Es ist ein gar nicht genug zu schätzender Vortheil, daß bie Bankleitung boch jetzt ben Actionären gegenüber so viel Verantwortlichkeit hat, baß sie gehalten ist, Verluste nach Möglichkeit zu vermeiden. Nichts schärst ben Sinn für eine gefunbe unb rationelle Bankleitung fo sehr als baß es auf ben Erwerb eines gewissen Erträgnisses ankommt. Nichts lähmt bie Umsicht unb Thatkraft fo sehr, als das Gefühl, nur Staatsmittel in Verwaltung zu haben zu dem Zweck, Wohlthätigkeit damit üben zu sollen. (Sehr richtig!) Und wie würden wir un» denn eine verstaatlichte Reichsbank zu denken haben? Recht nahe liegt ber Vergleich mit ben verstaatlichten Eisenbahnen. Die hierbei gemachten, für ben Staatssäckel so erfreulichen Erfahrungen ermuthigen dennoch nicht zu einer Wiederholung bei ber Reichsbank. Sollte biefelbe jemals in fo fiscalifchem Sinne verwaltet werden, wie die Eisenbahnen, mit dem ausgesprochenen Zweck, recht hohe Einnahmen für das Reich zu erzielen, so würden stch wohl Diejenigen am meisten beklagen, die heute die Verstaatlichung herbeiwünschen. (Sehr richtig!) Es liegt mir fern, mir ein Urtheil darüber anmaßen zu wollen, ob die vielen Unglückssälle, die die Staatsbahnen zu beklagen haben, zu vermeiden sind oder nicht, aber das kann ich denn doch sagen, ein Bankinstitut wie die Reichsbank würde so viele Zusammenstöße und Entgleisungen nicht vertragen können, ohne in seinem Credit erschüttert zu werden. (Heiterkeit.) Ein vielleicht noch näher liegender Vergleich würde derjenige mit der Centralgenossenschaftskasse fein, wenn wir über deren Geschäftsergebnisse überhaupt etwas Nähere» wüßten. Es ist hier nicht der Ort und die Zeit, um ein» gehend über die Centralgenossenschaftskasse zu sprechen, aber da Herr Dr. Arendt, ebenfalls eine Autorität bei den Agrariern, schon den Wunsch ausgesprochen hat, daß der Geist der Centralgenossenschaftskasse auch in die Reichsbank einziehen möge, so muß ich doch sagen, daß, wenn die Kaffe fortfährt, ohne Realsicherheit zu 3 pCt. Geld auszuleihen, sie überhaupt keine geschäftliche Thätigkeit, sondern eine Wohlthätigkeit ausübt, und daß dann ihr Capital niemals ausreichend zu bemessen fein wird. Ich fürchte, daß diese» Institut früher oder später eine große Ueberraschung oder Enttäuschung bringen wird entweder dem preußischen Staate, falls derselbe das Capital nicht ä fonds perdu hergegeben haben will, ober ben Hunberttausenben von unterstützten Genossen, wenn bieselben zur Rückzahlung angehalten roerbeit sollten. Aber ich stehe längst auf bem Stanbpunkt, baß, wenn nur bie zahlreichen Unterstützten ihre Befriedigung barin fiuben, zu einem Zinsfuß, ber sonst für Darlehen gar nicht existirt, (Selb zu erhalten unb also gewissermaßen ein Geschenk anzunehmen, dieser Weg, die Unzufriedenen zu befriedigen, für einen so reichen Staat wie Preußen noch der allerbilligste ist, wenn dadurch nur erreicht werden könnte, daß die Unzufriedenen aufhören, den Handel, die Industrie und den Verkehr fortwährend von Neuem mit ihren großen und kleinen Mitteln zu beunruhigen und zu schädigen. (Sehr richtig!) Diese Beunruhigung und Unsicherheit auf wirth» schaftlichem Gebiete kostet der Allgemeinheit alljährlich Hunderte von Millionen. (Sehr richtig! Bravo!) Aber welchen vernichtenden Eindruck würde es machen, wenn die Deutsche Reichsbank nach ähnlichen Principien wie die Centralgenossenschaftskasse verwaltet werden sollte; wie würde das Vertrauen in den Statuts der Reichsbank erschüttert werden, wenn alljährlich auch für die Reichsbank neues Capital aus Reichsmitteln beantragt und eingezahlt werden müßte. Ich komme damit auf ein bisher noch nicht berührte» Thema. Wa» wird aus ber Reichsbank in kritischen Zeiten? In Zeiten der Gefahr verfügt bie Reichsbank über zwei große Aktiva, bie ihr über jebe Schwierigkeit hinweghelfen müssen. Zunächst über ihr starkes Wechsel-Portefeuille, welches fo einroanbßfrei unb liquibe sein muß, baß ihr aus bemselben täglich sichere Einnahmen zufließen. Sobann über ba» stärkste aller Activa^ über ein unbedingtes öffentliches Vertrauen. (Bravo!) (Fortsetzung folgt.) send prootasiiftifo ;? Gießen, 28. Mm 1898. * * Ernennung. Se. Kgl. Hoheit bet Großherzog haben Allergnädtgst geruht, ben Fmanzaspiranten Philipp Jünger au» Reiskirchen zum Rrgistraturaffistenten bei der Registratur de» Ministerium» der Finanzen zu ernennen. • • OrdeuSBerleihuugeu. Se. Kgl. Hoheit der Groß- Herzog haben Aüergnädigst geruht: am 6. April dem Schullehrer August Rau zu Lindenstruth an» Anlaß feiner Pensionirung da» silberne Kreuz be» Verdienstorden» Philipps br» Großmüthigen, am 7. Mai dem Schullehrer Peter Göckel zu Rodheim v. d. H. au» Anlaß feine» 50jährigen Dienstjubiläums das silberne Kreuz be» Verdienstorden» Philipps des Großmüthigen zu verleihen. • • Provinzial - biechenanyalt. In dem nicht-öffentlichen Theil der borgestrigen Sitzung der Stadtverordneten-Ver- fammlung wurde u. A. auch beschlossen, zur Erbauung einer Provinzial-Siechenanstalt für Oberheffeu da» städtische Gelände zwischen der Licherstraßc, der Fuldaer Bahn, bem alten Steinbacher Weg unb bem Niederdruckhaben immer be» Geleid be Stadt enau» gewe. Wann aach manchmal bie Böck bie Freunbschaft vollstennig verkannt unn Rippestimd anSgevhaalt hawe, so könnt un» be» wenig schinirn- am Oweub fein meern boq Widder vollzehlig engeje gange. Däi Knickernzeid, so gern merr aach Knickern gefpillt hott, war boch fer un» Buwwe e Leiben»zeid, benn ohne Dreckpoote i» en ordentliche Bub vom Kn ckerucheßspille net haamkomme unn ba hott» in be Regel wa» abgefetzt. In be Kleppernzeid war nix DerarbigeS ze beferchte, bagege aroet, wann wer be» Kleppern gar zu energisch bebriwe hott, kam» efdersch vor, baß merr von ungebilbte Mensche e paar au-gewischt oder e Deppe voll Wasser iwwern Kopp gefchiit krag. In bie mufigalifche Periob von de Ktnnerspiele fällt aach bie Fawrigazion von Weibepeife, nun ben Giesser Bub hält Sich seh meege, der net au Frihjahrfchwenbe uff irjend eme Gckstaa ober uffere Laadedrepp gefeffe, fein Färzer gekloppt unn dazu gefunge hält: »Saft, Saft, Weide......** Wäi manchen Mensche Hammer mit unsere Weideschalmeie zur Berzweifelung gebracht! Heut hahl äich» al» emal fer unmeeglich, baß wert so rickstcheSloS gege sei Mitmenschen fei könnt, unn boch hott merr heut noch sein Spaß braa, wann merr zerickdenkt an die Teene, däi merr bene Färzer entlockt hott, je schrecklicher die Teene, besto heeher bie Freud! Ach/ wann äich noch an frühere Ostern denk! Uff alle Füll en Glanzpunkt im Läwe von jedem Gicffer Bub! Do i» merr, sobahl be Haa» fei Uffwarbung gemacht hatt, mit feine Eier auSgrrickt zum Köppe nffs Kreuz, de Sinne-, Kerche-, ober Marktblatz. Da war awer noch was ze seh! Hunnerte von Bnwe, vom klaanste Hoselambe» bi» zum greeßte Elasfik, Alle» war vertrete, unn be Ruf: »Spitz nff Spitz unn......* (e Wort, baß sich heutzebag gar kann gebildter Giesser Bub mehr erlaawe dhnt) iß dorch bie Luft geschwerrt, baß merrsch uff'm Selderschberg geheerb hott. Da iß mehr wäi Aaner uffS Kreuz komme mit zwanzig Eier im Sack — unn hatt kaa Schaal wehr, wüt er haamging. Kaam warn bie Ostern voriwwer, fo hatte bäi Giesser Buwwe schont wibber braa ze benke, die Kläwernbix in Ordnung ze beenge. HeerdeweiS ging» da enau» ins Kläwerngäßche unn in be Wald, die Bodanifirbix umgehenkt, unnerm Arm en Sigarrnkaste unn in be Säck noch e halb Dutzend Schachbele mit Luftlöcher,- mit Kläwern unn ganze Aest von Laab belade, iß wer zerickgekehrt unn beß ganze Hauß worb zu erc Kläwern Menascherie umgewanbelt. »Für Hunnerb gibt» e Et!" so hieß frieher- ob» awer wahr gewese iß, kann ich net sage, bann aich hab fer mei Kläwern fast immer nix als Wix tritt. E gut bhaal von be fcheene Sommerzeid hott aach beß Solbätches spiele auSgrfillt. Dadran bedhaaligte sich damals net bloß die Hanne, sonnern aach äldere Buwwe, däi schont ttuß be Schul warn, unn eß war werklich e Bergntege, so e Knippelgard mit ihre Fahne, Drommete, blecherne Grosche- Prise, hölzerne Säwel unn Bohnestange oder Blasrohr als Gewehr» uff be Axel ausmarschirn ze seh. Da sinn viele Schlachte geschlnge worbe zwische Wolkegäffer unn Neustädter, FligrlSgäffer unn Linnegässer, Walldhörer unn Hinnergäffer, unn net immer sinn se uubludig verlaafe. Mir hatte bei unser Kompanie Docter unn Lazarethgehilfe, grab wäi beim richdige Milebär unn äich hatt beß Bergntege, bei em Reisemarsch iwern Felse unn be Galjrberg nach 'm Filesofewald be Blasterkafte ganz nllaa ze schleppe, bis äich selbst marob war. Wäi hoch hat uns beß Herz geschlnge, wenn deß Grummet behnnm war unn merr borst uff bie GänSäcker, be Drach steihe lnffr! Was hatt merr da um en Grosche fer e Drachleist gebettelt unn wo hott merr beß Köttel all uffgedriwwek En Bub ohne Drach unn e paar Punb Köttel war bazemal gar net gut denkbar unn von dem Umgang mit Drache scheint merrsch auch her ze komme, daß e so mancher Gießer Bud von damals in seim spedere Läwe eß so gut verstanne hott, sich mit setm HauSdrach abzefinue unn Köttel nachzegewwe. Uan an drollige Sache hattß beim Drachsteihe nie gefehlt. Wenn so Mancher da enauß gedappt iß, der mit LeiweSkläfte fein Drach gehahle unn be Himmel aageguckt hatt, err m em Waffergrawe oder in de Wiffeck lag, fo war da» fer nrß e unbezahlbar Bergniege. Wäi Alleß im Kinnerläwe net lang Stand hält, se könnt merr aach bie Zeit net erwarde, biß be Wtnber mit Schnee nun Ei» komme iß. Gab'ß emal en bichdige Schneefall, so käme au» alle Ecke unn Ende bie Bnwe ebbet* gefheemt, um sich bem Genuß be» Schiidbefahrnß zem erschte Mal ganz hizegewe. Jeb Miaut, wo merr sich dehaam ewrckstehle könnt, iß ba außgenutzt worbe, unn waß warsch ahm fo laab, wann» in bie Schul gekleppt Hot. Die Haapt« bummelblätz beim Schlidbefahrn warn da gewehnltch be Canzleiberg, be» Kreuz und die Sonn, de Junker'sch Garde, de Schulberg unn die Neuaalag, unn zwar zum Aerjer von de Bollezeidtener und sonstige Mensche, bäi kaan Sinn sersch Scheene hatte. Wann bie Wog zu war, ba worb sich nach uff be Lahn gebummelt, sonst awer nähme merr mit 'm Eis uff be Gänßäcker unn von be Backstaakaute in be Schwarzlach foxlieb. Aach deß Schneebällwerfe, war friher noch zu be Lustbarkeibe ze rechne, weil die Mensche noch net fo abfenat warn, wäi alleweil, unn ließe sich aach emol Widder die Köpp werfe, ohne gleich uff die Bollezei ze renne. Voriwwer sinn die sonnige Dage der Jugend, verrbei bie Spiele mit ehr'w unbeschreibliche Reiz, unn beß Läwc in seine nackte Werklichkeid hott schont gar Manche« von un» iwwel mitgespielt. Awer bie Erinnerung an die Kindheit unn ehr unschuldige Freude soll merr sich bewahrn, bann bäi kann uns in alle beese Stuune dreeste unn manchen Helle Strahl irc unser Läwe werfe. ßehälter und den Anlagen auf dem Lutherberg (ca. 20 Morgen) der Provinz unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. ** Dilettauteuvorstevuog zum Veste« deß ßaalbaufonbl. Die Vormerkungen für BilletS find, obwohl uns noch fast 14 Tage von der Vorstellung trennen, schon überaus zahlreich erfolgt. Den Mitgliedern de» TheaterveretnS bleiben ihre Plätze nur noch wenige Tage reservirt. Da die Ber- theilung der von den Mitgliedern nicht belegten, wie der nicht abonuirten Plätze streng nach der Reihenfolge der Vormerkungen geschehen soll, so empfehlen wir Denjenigen, welche auf den Besuch der interefianten Vorstellung reflectiren, baldmögltchste Anmeldung bet Herrn Challt er. Die historische Commission für Hesse« und Waldeck z« Marburg gab soeben ihren ersteuJahreSbericht heraus, welcher über die Bestrebungen der genannten Bereinigung bündige Auskunft gibt. Freunden vaterländischer Geschichtsforschung wird diese verdienstliche Anregung willkommen sein. •• Erledigte Lehrerstelle«. Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde- schule zu Nieder-Klingen, Kreis Dieburg, mit dem gesetzlichen, «ach dem Dieustalter sich bemeffeudeu Gehalt. Mit der Stelle ist Organtstendtenst verbunden. Dem Herrn Fürsten z« Löwenstein Wertheim Rosenberg steht da» Präsentation»- recht zu derselben zu ans bt» Ston»»i der Sterbt Sietze». Aufgebote. Mai: 21. Wilhelm Rabenau II., Landwtrth zu Alten-Buieck, mit Marie Seipp zu Großen Buseck. 23. Otto Lenz, Hütten- Jngenteur zu Duisburg-Hochfeld, mit Ida Luise Richter zu Barmen. 24. Johann Emil Koch, Friseur zu Gießen, mit Mathilde Elise Marie Weiset Hierselbst. 27. Wilhelm Müller, Locomottvhetzer zu Gießen, mit Auguste Franz zu Gedern Eheschließungen. Mai: 21. Carl Löttgen, Kaufmann zu Freudenberg, mit Sophie Christiane Georgine Laura Möser hterselbst. 21. Christian Becker, Fabrikarbeiter dahier, mit Maria Katharina Jungk hterselbst. 21. Ludwtg Benner, Buchbinder dahier, mit Minna Emilie Casper auS Wiehe. 21. Georg Hermann Reul, Briefträger dahier, mit Margarethe Musch hterselbst. 26. Adam Kneipp, Lehrer dabter, mit Auguste Kalbfleisch hterselbst. 27. Heinrich Wilhelm Zölzrr, Oeconom dahier, mit Anna Marte Daum von Brauerschwend. Geborene. Mai: 16. Dem Taglöhner Kaspar Spaar eine Tochter, Johanna Katharine. 16. Dem Packer Philipp Müller ein Sobn. 18. Dem Bahnwärter Georg Göbel ein Sohn, Georg. 18. Dem Schlosser Wilhelm Lemp eine Tochter. 21. Dem Hauptsteueramts-Praclikanl Karl Carl eine Tochter. 22. Dem Taglöhner Jacob Rtnderknecht eine Tochter. 23. Dem Schneider Johann Bohl eine Tochter, Margarethe Elisabethe Katharine. 25. Dem DerstcherungS-Jnspector Carl Theodor Henrich eine Tochter, Sophie Katharine Christiane. 26. Dem Schneider Peter Schuster zu Wetzlar ein todtgeborenes Kind weiblichen Geschlechts. Gestorbene. Mai: 20. Katharine Ltiette Pritz, geb. Ernst, 48 Jahre alt, Ehefrau von Christian Peter Pritz zu Anspach, Kreitz Usingen. 20. Katharine Schäfer, geb. Zick, 33 Jahre alt, Ehefrau von Laternen- «mstecker Friedrich Schäfer II. dahier. 21. Carl Georg Wilhelm Jacob, 1 Jahr alt, dahier. 22. Carl Schmidt, 59 Jahre alt, Schlofsermeister dahier. 24. M-rtc Sophie Jung, 15 Jahre alt, Tochter von Schlosser Georg Jung IL dahier. 24. Luise Kruse, geb. Herbst, 61 Jahre alt, Ehefrau von Restaurateur Christian Kruse hterselbst._________________________________________________________________________ 2lti»3ug ans den Uirchenbücheim der Stadt Gieße». «vaugelische Gemeinde. Getraute. MatthäuSgemeinde. Den 26. Mai. Adam Kneipp, Lehrer zu Gießen, und Auguste Kalbfleisch, Tochter des Lehrer« Friedrich Kalbfleisch zu Gießen. Markuvgemeinde. Den 27. Mai. Heinrich Wilhelm Zölzer, Oeconom zu Gießen, und Anna Marie Daum, Tochter deS Landwirths Konrad Daum zu Brauerschwend. LukaSgemeinde. Den 21. Mai. Georg Hermann Reul, Briefträger, und Margarethe Musch, Tochter des Zimmermanns Heinrich Musch zu WetterShatn. JohanneSgemeinde. Dm 21. Mai. Carl Löttgen, Kaufmann zu Freudenberg, und Sophie Christiane Georgine Laura Möser, Tochter deS Privatmanns Ernst Möser zu Gießen. Getaufte. Matthäutzgemeindr. Den 22. Mai. Dem Schmied Heinrich Becker eine Tochter, Kälha Marte Karoline, geboren den 30. April. Den 23. Mat. Dem Friseur Ludwig Zult ein Sohn, Friedrich Ludwtg, geboren den 4. März. . Den 25 Mat. Dem Wirth Heinrich Nau ein Sohn, Albin, geboren dm 12. April. MarkuSgemetnbe. Den 22. Mai. Dem Taglöhner Emil Kreiling eine Tochter, Anna Auguste Emilie, geboren den 29. April. LukaSgemeinde. Den 22. Mai. Dem Realgymnastallehrer Dr. Rudolf Erb eine Tochter, Emilie Margarethe Sophie, geboren den 3. April. Den 25. Mat. Dem Bostsecretär Gustav H-ubach ein Sohn, Walter Ludwig Carl Gustav, geboren den 21. März Mtlitärgemeinde. Den 25. Mai. Dem Offizier Rudolf Bufie ein Sohn, HanS Joachim Heinrich Rudolf, geboren den 11. Februar. Beerdigte. MarkuSgemetnde. Den 22. Mai. Katharine Schäfer, geb. Zick, Ehefrau des Tag- löhnerS Friedrich Schäfer, 33 Jahre alt, starb den 20. Mai. Den 24. Mai. Karl Schmidt, Schlossermeister, verheirathet, 59 Jahre alt, starb den 22. April. Den 26. Mat. Lutse Kruse, geb. Herbst, Ehefrau deS WtrthS Christian Kruse, 61 Jahre alt, starb den 24. Mai., Anzeigen der Stadt Gietzen. Cvangeltschr Bemeinve. Vereinigung der confirmirten männlichen Jugend der Matthäus- gemeinde. Zusammenkunft Dienstag den 31. Mai, Morgens 71/, Uhr, am Bahnhof. Brodpreife vom 29. Mai bis 12. Juni 1898. Der hiesige« Bäcker. 1 Kg. (2 Pfd.) Tafeldrod 2 Kg. (4 Pfd.) Tafelbrod 1 Kg. (2 Pfd.) Wetßbrod ..... 2 Kg. (4 Pfd.) Wetßbrod I Kg. (2 Pfd.) Schwarzbrot, 2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrot) .... 3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrod Der auswärtige« Bäcker. 1 Kg. (2 Pfd.) Wetßbrod bei L. Stetnmüller, Gr.-Linden L. Schmidt, Gr.-Lindm W. Weitzel von Lang-Göns C. Post von Wieseck 2 Kg. (4 Pfd ) Wetßbrod bet Job. Kd. Ve'te v. Kirch-Göns L. Steinmüller, Gr.-Linden L. Schmidt (Großen-Lindm) W. W-ttzel von Lang-Göns Wilh. Fabel von Wteseck T. Post von Wieseck 2 Kg. (4Pfd.)Schwarzbrod beiJoh. Kd. Veite v. Ktrch-GönS L. Steinmüller, Gr.-Linden W. Steinmüller, Lang-Göns C. Post von Wteseck G. Jacoby v. Alten-Buseck W. Weitzel von Lang-GönS L. Schmidt, Großm-Ltnden 3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrod bei C. Post von Wieseck G. Jacoby v. Altm-Buieck Fabel von Wieseck Ernst Christ von Wieseck Der vrodverkäufer. Dteselbm Preise wie bet den hiesigm Bäckern. Gießen, den 28. Mai 1898. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: Roth. 3t Pfg 62 , 29 „ 58 , 27 „ 64 „ 81 , 25 Pfg. 27 „ 27 „ 30 „ 48 „ 50 , 64 „ 54 , 66 „ 60 „ 44 „ 46 „ 46 „ 50 „ 50 , 50 , 50 „ 75 „ 75 „ 78 „ 78 „ Verkehr, Canfc« «nd volk-rvirthscbaft euere, 28. Mai. Marktbericht. Auf dem heutige» Wochvrmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. A 0,90—1,00, Hühnaeür pr. etC-ü A, 2 ©L 10—11 A, Enlmeier 1 St. 6-C0 4, Gänse- der pr. 6t 10—12 A, Käse 2 St. 9-15 Käsematte pr. 6L 3 Erbsen pr. Liter 20 A> Ltnsm pr. Liter 32 A. Taubm pr. Pa« X 0,75 bi« 0,90, Hühner pr. Stück 1,(0 bis 1,20, Hahnen pr. Stüä A 1,20—1,70, Entm pr. Stück A 1,8t—2,CO, Gänse pr. Pfund A 0,00—0,00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 68—76 H, Kuh- und Rindfleis 5 pr. Pfd. 62 -66 A, Schweinefleisch pr. Pfd. 64 bitz 72 A. Schweim- fleisch, gesalzm, pr. Pfd. 76 A, Kalbfleisch pr. Pfd. 62-64 A, Hamnrelfleisch pr. Psd. 60—70 A- Kartoffeln pr. 100 (Cito 6,BO bis 7,00 A, Weißkraut pr. Stück 0-00 A, Zwiebew pr. 10,00—12.00 A, Milch pr. Liter 16 A, Kirschen pr. Psd. 50—60 A- Dauer der Markizeit von 7 Uhr Morgens bis 1 Uhr Nachmittags. Während der ersten 8 Stunden der Marktzett darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden. Neueste Nachrichten». Depeschm deS Bureau „Herold". verli«, 28.Mai. Die revolutionäre Bewegung in Italien ist noch immer nicht zur Rahe gekommen. Dem .Local-Avzetger" zufolge erhielt die italienische Regierung von verschiedenen Präfrcten Mittheilungen, wonach die Landarbeiter namentlich in der Provinz Bologna MaffenstrlkS planen. Infolge besten ordnete da» Ministerium an, daß in allen Regimentern de» 4., 5, 6., 7. und 8. Eorp» Tom- pagnien gebildet werden, welche erforderlicheufall» die Tröte« arbeiten anrführen. Krakau, 28. Mai. Jn Kalwarya find antisemitische Bauernuuruhen auSgebrochen. Die dr» Juden gehörige« Häuser und Geschäfte wurden demolirt und geplündert. Die Gendarmerie schritt unter Gebrauch ihrer Feuerwaffen en. Zwei Bauern wurden getödtet, vierzig der Ausrührer find verwundet. Paris, 28. Mai. Gestern fand ein Degenduell zwischen Rochesort und Gerault-Richard statt, welche» ein wir der DreyfuS-Affaire verbundener Zwiespalt veranlaßt hatte. Die Forderung ging von Rochefort an», welcher in einem Artikel von Gerault Richard verhöhnt worden war. Rochefort erhielt bei dem Zweikampfe einen Stich in die rechte Seite und erlitt erheblichen Blutverlust. Rochefort erklärte, er werde Geraul,- Richard auf Pistolen unter den schwersten Bedingungen fordern, wenn derselbe seine Angriffe in der bisherigen Weise fortsetze. WB. Loudou, 28. Mai. Reuter» Bureau meldet auß Kingston: Hier ist das Gerücht verbreitet, die amerikanische Flotte sei aus der Höhe von Santiago de Cuba geschlagen worden. Admiral Sampson habe fich getödtet. Da» Gerücht bedarf noch der Bestätigung. WB. Havauua, 28. Mai. Da» Geschwader Cer» v era» liegt noch vor Santiago. Der Mehrzahl der Schiffe de» Sampson'fchen Geschwader» bloktrt Santiago. Admiral Schlry überwacht die Jucatanstraße, bi» die amerikanischen, vor Ctensueqo» ankernden Schiffe ausgelaufen find. Bor Havanna befinden fich noch vier amertkanifchen Schiffe. Bor CardenaS lagen gestern geqen 80 amerikanische Schiffe. Hermann Bingmann, Seilerei, Lieh. Fabrikation von Glocken-, Zug- und Treppenseilen, Flaschenseilen, Förderseilen aus Draht für Bergwerke, Wasch- und Ackerleinen, Packkordel und Bindsaden, Zug- und Rüst- stricken, Hanfiiderung für Gas-, Dampf- oder Wafferlertung. Lieferung von mechan. Bindfaden und Kordel zu Fabrikpreisen. Hängematten und Netze aller Art. Mäßige Preise. [5493] Reelle Bedienung. Wiederverkäuser gesucht und hoher Rabatt bewilligt. ____ Mck-u.HmfchßM Werteste amerik. GmsmlMschinkn, Kandschl'epprechen, Pferderechen, Heuwender, sowie alle anderen landwirthschaft- lickm Geräthe empfiehlt zu Fabrik' preisen 5517 M. Mchül, Lieöigstraße 13. Bekanntmachung. Infolge der in letzter Zeit sich erheblich mehrenden Inanspruchnahme unserer Versicherungskaffe bot der unterzeichnete Vorstand mit Genehmigung der Generalversammlung b-schlosscn, vom l.Juni ab die Bersichernugs- pramien für Schweine auf 2 Mark, für Mutter- und kaftrirte Eberfchweiue auf 6 Mark zu erhöhen. 5526 Der Vorstand des Vereins für Schlachtmeyverlichermg Gießen. Der am 17. März 1898 kinderlos verstorbene Ludwig Gaus von Großen-Buseck, zuletzt wohnhaft in Gießen, hat durch Testament vom 3. März 1880 seine gesetzlichen Erben als Erben eingesetzt, den Nießbrauch an seinem Vermögen aber seiner Ehefrau vermacht. Die mit unbekanntem Aufenthalt abwesenden Geschwister, nämlich: Heinrich, Konrad, Chrisi-an, Katharine und Margarethe Gans werden hierdurch aufgefordert, Erklärung über das Testament binnen 3 Monaten abzugeben, widrigenfalls angenommen wird, daß sie dasselbe als echt und rechtsbeständig anerkennen. Gießen, 26. Mai 1898. Großh. Amtsgericht. Wiener.5507 tr in pfc hin niien Prima Aepfelwein im Zapf. 5524 Wiener Hof. Mirna felöstgeketterten Aepfelwein ä. Liter 35 Pfg., prima felöstgeketterten Keidetbeer- und Iohannesöeerwein ä Liter 80 Pfg. empfiehlt 3655 Jobs. Seng, Metzger. Arant- und Privatleute! Gelegenheitskauf: Salon-, Wohn- und Schlafzimmer-, ferner einige einfache Einrichtungen, einz., gebr. Möbel, w. gut erhalt. sind, sonst alles neue und gut, wie nach ibjähriger Geschäftszeit bekannt ist. Wegen Aufgabe einer Brautschaft stehen auch noch versch. Möbel bei mir zum Verkauf, noch fünf sehr schöne Schlafzimmer, Gelegenh., sehr billig, dreitheil. Spiegelschrank 200 Mk., einthür., schön mit Muschel, Nußbaum-Crystallsckrank 65 Mk. an, Verticows zu allen Preisen, Kleider- scbränke, Garnituren, Div.,Bilder, Spiegel, Bücherschränke, Büffets, Schreibtische und I sonstiges mehr. Langeftr. 63, Htrhs., I l Frankfurt a. M. 55051 Aadewannen zu verleihen, sowie in allen Größen vorräthig. 5511 Wilh. Kohlermann, Neustadl 15. 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