Nr. 99 Zweites Blatt._______Freitag den 29 April_______________________L8S8 erscheint ILgNch mit Ausnahme des MontagS. Die Gießener As«milie«vkätter werden dem Anzeiger wtcheotlich viermal beigrlegt. Gießener Anzeiger Aezugrpreta vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den falzende» Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. General-Anzeiger Alle Anzeigen'BermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis (Sieben. Rcdartion, Expedition und Druckerei: Schnkgraße Ar. 7. ^Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Das Handelsvertragsprovisorium mit England. ES kam der britischen Regierung jedenfalls nicht so un« erwartet und ungelegen, al» im vorigen Jahre die Regierung »oa Sanaba ihren neue» Zolltarif mit seinen Vorzugszollsätzen für englische Maaren bekannt machte. widersprach überhaupt jeder Vernunft, anzunehmen, daß baß Ministerium in Ottawa solch tiefgreifende und neuartige Zollmaßnahmeo getroffen haben könnte, ohne vorher mit der Levtralregierung in London stch in» Einvernehmen gesetzt zu haben, in welcher Weise man dem unaußdleiblichen Proteste Deutschland» begegnen könnte. Der ganze Plan trug den Stempel Chamberlain'scher Spitzfindigkeit an der Stirn und die Kündigung de» Handel»- vertrag» mit Deutschland war beschlossene Sache, ehe die kanadische Regierung jenen Beschluß faßte. So ganz überraschend war für Deutschland da» Vorgehen England», denn daß wir zu denselben Zollsätzen wie da» Mutterland nnsere Maaren den britischen Lolouien zusühren kovnien, war den EoglLndern schon längst ein Doru im Auge, insbesondere seitdem unsere Industrie einen so mächtigen Aufschwung genommen und unser Handel seine Fittiche auszudehnen be- gönnen hat. Wir haben schon wiederholt darauf hingewiesen, daß die Differenzen, welche in den letzten Jahren -wischen England *nb dem Deutschen Reiche hervorgetreten waren, weniger auf politische Gründe zurück,»führen find, sondern hauptsächlich auf Mißgunst darüber, daß wir England auf dem Weltmärkte fo starke Coaeurreuz machen- daß deutscher Fleiß und deutsche Intelligenz iwm:r mehr Anerkennung finden auf Gebieten, die bi»her al» ausschließliche Domäne England» galten. Der Handelsvertrag war am 31. Juli v. I. zu dem- selben Tage diese» jetzt laufenden Jahres gekündigt worden. Daß die gegenseitigen wirthschaftSpolitischen Beziehungen einer Neuregelung unterzogen werden mußten, erschien ganz selbstverständlich, und sosort gaben beide Regierungen ihre Geneigtheit kund, in Verhandlungen über neue Abmachungen einzutreten. Diese bedürfen aber reiflichster Erwäguagen und langer Vorbereitungen, sodaß die Gefahr einer vertrag-losen Zeit vorlag, der man nun durch ein Provisorium zuvorkommen will. Dem Reichstage ist nämlich am Montag ein Gesetzentwurf zngegangen, durch welchen der Buride»rath ermochiigt werden soll, den Angehörigen und den Erzeuquifien Großbritannien», seiner Solontrn vnd auswärtigen Besitzungen für die Zeit bi» zum 31. Juli 1899 diejenigen Bortheile zu ge- währen, welche Seiten» de» Reich» den meistbegünstigten Fettilleton. Berliner FrLhlingsbriese. Originalbericht für den „Gießener Anzeigers (Nachdruck verboten.) IV. Die Jbsen-Aera in den Theater«. Dr. M. Man hat eigentlich Ibsen in diesem Monat in der deutschen Reich»hanptstadt, wo sein Stern früher als irgendwo aufgegangen ist, zu vorübergehendem Aufenthalt erwartet. Zum Anfeiern ist der Mann wenig geschaffen. An den Tafeln, die ihm zu Ehren gerüstet werden, fitzt er, ein stiller, schweigsamer Gast, der sehr höflich, mit tiefer Verneigung auf die Toaste dankt, die man ihm widmet, der fich aber nur in Ausnahmefällen geneigt fühlt, selbst da» Dort zu ergreifen. Bon der grandiosen Grobheit eine» R chard Magner und Gottfried Keller trägt er nicht» an sich. Dir Fremden, die zu ihm kommen, behandelt er freund- lich, läßt fich auch bereitfinden, sein Autograph zu geben, aber schwerlich wird fich Einer rühmen können, der große Räthseldichter habe ihm so gleichsam im Vorübergthrn sein Allerheiligste» ausgeschloffen. Und doch ist kein Dichter mehr als Ibsen aus die intime Wirkung, auf daS Entgegenkommen Einzelner angewiesen. Da» zeigt fich besonder» auch bei den Dramen, die man eben jetzt dem Verständntß von der Bühne au» 'näherrücken möchte, bei den gewaltigen Ideen- dxamen .Kaiser und Galiläer" und „Branb". Ibsen bittet niemals die Menge zu Gast, deßhalb tcnn er auch vie durch fie gerichtet werden. Mit einigen Wenigen zieht er in die Einsamkeit seiner Gedankenwelt. Eß will also etwas heißen, wenn ,nBerlin das „Belle- Alliance-Theater", da» eigentlich ein ganz andere» Genre cultivirt und deffen Publikum fich beim leichten Schwank Kemtsches Reich. Berlin, 27. April. Heute früh um 8 Uhr traf der Kaiser hier ein und fuhr gegen 10 Uhr zum StaatSsecretär v. Bülow. Alsdann kehrte er ins Schloß zurück und hörte die Vorträge de» StaatSsecretär» Tirpitz und de» Sontre- Admiral» Freiherrn v. Senden-Bibran. Berlin. 27. April. Da» Herreuhaut begann heute mit der Etatberathung. Nach längerer Berathung wurde der Eisenbahnrtat genehmigt. Morgen Fortsetzung. Berlin. 27. April. Im Abgeordnetenhause wurde heute nach Erledigung beß Bericht» der Agrar Lommisfiou über den Antrag Herold, betreffend die Ueberrahme der Kosten thierärztlicher Untersuchung auf die Staatskasse, der Antrag Mrndel und Ring, betreffend Maßregeln gegen Viehseuchen, sowie Einführung der odligator'.schen Fleischschau rc. berathen. Im Laufe der Debatte erklärte Mwisterpräfideut Fürst Hohenlohe, daß beabfichtigt werde, dem Bundeßrath einen Gesetzentwurf detr. dieEivführung der obligatorischen Fleischschau im ganzen Reiche zur Beschlußfassung vorzulegen. Minister v. Hammerstein erklärte, die Regierung sei bereit, in eine erneute Prüfung de» Seuchengesetzes einzutreten. Freitag: Fortsetzung der Debatte und zweite Lesung der Privardocenten- Vorlage. Berlin, 27. April. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht da» Gesetz betreffend die Bewilligung von Staat»- Mitteln zur Beseitigung der durch daß Hochwaffer im Jahre 1897 herbeigeführteu Beschädigungen. Berlin, 27. April. Die dritte Berathung der Militär- Strafproceß-Reform wird voraussichtlich verschoben Ländern zuerkannt werden. Dem Entwürfe ist eine kurze I Begründung betgesügt, welche der Nothwendigkeit Rechnung trägt, an den Handelsbeziehungen beider Länder keine Unter- I brechuug eiutreten zu taffen. In der Begründung heißt eß aber ausdrücklich, daß von der Ermächtigung nur insoweit Gebrauch gemacht werden soll, al» auch in den britischen Befitzungeu und (Kolonien die Erzeugnisse Deutschland» nicht ungünstiger behandelt werden al» diejenigen Englands. Man darf wohl annehmen, daß in dieser Htuficht bereit» bündige Erklärungen der britischen Regierung vorliegen und nicht ein fortwährender kleiner Zollkrieg die Folge de» jetzigen Ueber« einkommen» sein wird. Da» letztere gilt ja übrigen» nur für ein Jahr- bi» dahin dürfte der neue Handelsvertrag mit England frrtiggestellt sein, wenn auch der Schwierigkeiten, die sich gerade jetzt einem solchen entgrgensttllen, viele sein und heftige Debatten In den Parlamenten beider Länder veranlaßt werden dürften. (xx) werden, weil, wie man in Reichstagskreisen annimmt, eine Verständigung mit Bayern noch nicht endgültig herbei- geführt ist. Wie», 27. April. Die in den beiden lrtzteu Sitzungen de» infolge heftiger Ausfälle und Zwischenrufe entstandenen Duellfordernngen find heute gütlich beigelegt worden. London, 27. April. Noch New-Yorker Meldungen herrscht in den amerikanischen Küstenstädteu eine panikartige Furcht vor einer Ueberrumpelung des spanischen Geschwader». London,27. April. Au» Keywest kommt die Nachricht, die Einwohner von Havanna seien nicht in einer so kritischen Lage, wie man hier a nimmt, obgleich ein großer Theil derselben fich in das Innere der Insel zurückgezogen hat. Was fie vor 50 Jahren wollten. Nachstehend theileu wir den Wortlaut eine» Aufrus» mit, welchen der Ausschuß de» Vaterländischen Vereins zu Giegeu (der sich nach der unterm 28. April 1848 im „Gießener Anzeigeblatt" veröffentlichten Satzung auch „vaterländischer, constitutionell demokratischer Verein- nannte) am 26. April 1848 erlassen hat. Der Aufruf tautet: Au unsere Mitbürger von Gießen und Umgegend. Ohne Gesetz keine Freiheit! Ohne Ordnung kein Recht! Am heutigen Tage hat sich hier ein Bürgerverein im Sinne des vaterländischen Vereine» zu Darmstadt gebildet, der fich zu folgenden Grundsätzen bekennt: vorwärts! nicht Stillstand, noch weniger Rückgang, aber vorwärts nur auf der Bahn des Gesetze»! Alle» ganz, nicht» halb, aber ganz nur da» VolkSgemäße, also die Fortentwicklung auf dem Grunde deutscher Eigenthümlichkeit. Al» ächte Baterlandssreuude wollen wir ein einige», große» freie» Deutschland, stark und geachtet nach Außen, ge- fichert, glücklich und zufrieden nach Innen. Und diese Segnungen im neuen Deutschland sollen nicht etwa blo» einzelnen Ständen zu gute kommen, fie sollen ein gleiche» Gemeingut sein Aller, die thätig und schaffend, ein Jeder in seinem Kreise, durch Fleiß, Betriebsamkeit und Ordnungsliebe mit» wirken am gemeinschaftlichen Wohl. Wir wollen, daß Deutschland» neue Gestaltung unter Mitwirkung seiner Fürsten, fich entwickele auf demokratischer Grundlage. Zu dem Ende wollen wir ein gemeinsame» Oberhaupt für Deutschland, ein deutsche» Parlament, bestehend au» dem Senat der Einzelstaaten und einer Volkskammer, durch welche am wohlsten fühlt, die Einstudirung von „Kaiser und Galiläer" rt-ktrt. Im Unterschied zu den übrigen Ibsen- Stücken bewegt fich diese» Werk ja noch in einer Aufeinander- folge äußerer «ctioaen, die eine gewiffe scenische Wirkung auskommen taffen. Aber da», wa» im Bühnenfinne feffeit, ist gerade da» Schwächste und minder Wichtige der Dichtung. Diese in ihrem vollen Umfange vorzuführen, erwie» fich al» ein Ding der Unmöglichkeit. Bei den Kürzungen, die statt- finden mußten, hat die Regie Georg Droescher jedenfalls Geschmack bewiesen, indem eS ihr bei allem Zusammenrücken der Sceuen doch möglich gewesen ist, einen gewissen Zusammenhang zu wahren. Der seelische Eonflict de» Helden, sein Schwanken zwischen Schönheit und Wahrheit und seine glühende Sehnsucht nach dem dritten Reich, in welchem die beiden versöhnt nebeneinander walten, wurde jedenfall» durch die Gruppirung der Sceuen und die warme Hingabe, welche Conrad L'Allemand dem Julian angedeihen ließ, zum klaren Ausdruck gebracht. Bei Weitem weniger scharf hob sich die Stellung der anderen Personen heran». Nicht weniger al» neununddreißig Sprechrollen führt der Spielzettel auf! Den größten Eindruck, vom rein theatralischen GefichtS- punkte aus, erzielte die Scene, in welcher der Apollotempel zusammenkracht, die Geisterbeschwörungsscene und der Tod JulianS. Eine große künstlerische Ausgabe hat fich da» Schiller- Theater mit der Einstudirung deS „Brand" gestellt. In den kleinen Theaterjourvalen, die am Eingänge verkauft wurden, fand fich neben Jbsen-Vildern und Jbseu-Betrach- tnngeu ein ganz kleiner (Kommentar zur Dichtung in der Auffassung Ernst Brausewetter», der fich um die Uebersetznng und Verdolmetschung der nordischen Litteratnr überhaupt große Verdienste erworben hat. Weine» WiffenS ist Profeffor Jerusalem jedoch der erste deutsche Litterarhistoriker, welcher die Nebeneinanderstellung von Faust — Manfred unb Brand gewagt hat. Alle brel stimmen barin überein, baß fie über bte Grenze be» menschlichen Können» hinan» wollen. Bei bem Pfarrer Brand kehrt ohnehin ein Grunbzng Jbsen'icher Helden wieder: der Kampf gegen Halbheit und Feigheit. Aber e» wird Niemand gekrönt, er kämpfe denn recht! Brand muß mit seinem Wahlspruch: „Wenn Du Deinem Gott nicht alle» gibst, hast Du ihm nicht» gegeben," doch den falschen Weg gewählt haben, der wohl auf die Höhe führt, aber in die steile, unwirthliche Felsenwildniß, wo alle» warme Leben gefriert. Dieser Aufstieg zu immer einsameren Gipfeln, bei welchem schließlich selbst die treueste Gefährtin, die fich au» freier Wahl an Brand geschloffen, bte Gattin Agne», nicht mehr mükommen kann — ist eine große Menschtntragödie, welche bte Mittel bet Bühne nur annähernd bewältigen können. Der Hundertste im Theater versteht z. B. die Bedeutung der Figur des wahnfinnigen Gerd, die allemal erscheint, wenn Brand an einem Scheidewege steht, um ihn in seinen starren Fanati»mu» zurückzupeitschen. Wie Wenige fassen die Sym- bolik de» Finale», wenn die einsame Kirche in den Gletscher- bergen plötzlich durch einen Lawinensturz in den Abgrund gerissen wird — da» Sinnbild der Wahngedanken de» Helden — in dem Augenblick, da Brand seine UnsShigkeit empfindet, eine Kirche auf Erden zu gründen! Hingegen erschließt fich die tiefernste Stimmung de» Weihnachtsabend» (3. Act) jedem einigermaßen fühlenden Menschen. E» ist zu loben, baß die Regie be» Schiller-Theater» von ben lateinischen Schlußworten be» Original» abfieht unb fie burch deutsche ersetzt. Ibsen hat fich zum ganz unmottvirten Latein an dieser Stelle (bewegen wir un» doch durchau» auf protestantischem Boden) vermuthltch burch bte Rrminiscenzen an „Faust" verleiten taffen. — In Herrn v. Win ter st ein besitzt ba» „Schiller- Theater" einen vorzüglichen Vertreter de» „Brand". der Wille des Volkes in derfaffungsmäßiger Weise sich kund rhue und Geltung verschaffe. Wir wollen politische Freiheit, d. h. daS Recht der freien Mittheilung und der Besprechung unserer Angelegenheiten in Rede und Schrift, und das Recht der freien Bereinigung. Wir wollen religiöse Freiheit, d. h. für einen Jeden das Recht, seiner eigenen religiösen Ueberzrugung zu leben, und dieselbe auch öffentlich zu bekennen- und gleiche bürgerliche und politische Rechte aller Confesfionen. Wir wollen Trennung der Kirche vom Staate und eine volk-thümliche Erziehung und Bildung der Jagend. Wir wollen Gleichheit vor dem Gesetze und Sicherheit der Person und des EigenthumS, verbunden mit Oeffentlich- keit des Gerichtsverfahrens und Schwurgerichten. Wir wollen ein allgemeines Gesetzbuch für Deutschland und einen höchsten Gerichtshof für ganz Deutschland. Wir wollen Einheit des Münz-, Maß- und Gerichtswesens. Wir wollen ein allgemeines deutsches Staatsbürgerthum. Wir wollen ein deutsches Volksheer und eine deutsche Flotte, mit deutschem Banner und deutscher Flagge. Wir wollen eine wohlfeilere und volkSthümliche ver- waltung. Wir wollen Fürsorge für den Gewerbs- und Arbeiterstand, sowohl in den Städten als auf dem Lande, Steuern nach dem Einkommen u. f. w. Wie nun dies Alles zu verwirklichen und in unserem Deutschland in da» Leben einzuführen ist, das ist die Auf- gäbe der in Frankfurt zusawmentretenden constituirendeu Versammlung, zu welcher Deutschland jetzt feine Abgeordneten zu wählen hat. In der Hand dieser Versammlung liegt unsere Zukunft. Kürzer können wir uns glücklicher Weise in Bezug auf Dasjenige faffeu, was unser Großherzogthum Heffen insbesondere angeht. Wir wollen, daß Alles DaS, waS unser Erbgroßherzog Mitregent, beim Antritte seiner Regierung unS, unter eines Sägern Mitwirkung, so bereitwillig und gewiß aus innerster Ueberzeugung dargeboten hat, zur vollen Wirklichkeit werde. Wir erklären hiermit als freie constitutionelle deutsche Männer frei und offen unsere entschiedene Ueberzeugung, daß keine Berfaffung mehr und größere Rechte und Freiheiten des Volkes gewähren kann, als die im vorstehenden bezeich- nete. Wir erklären danach aber auch als freie constitutionelle deutsche Männer frei und offen: 1. wir wollen mit aller Kraft dafür eintreten, daß jene Freiheiten und Rechte des Volkes, wie fie keine Berfaffung größer gewähren kann, zur Wahrheit werden. 2. wir wollen aber in keinem Falle eine Republik: hat der Erbgroßherzog zuerst und freiwillig die Rechte und Freiheiten des Volkes gewährt, und uns vertraut so soll er sich auch auf uns verlassen können. DaS erklären wir als freie Hesfische Bürger, und fordern alle Hessischen Bürger auf, daS Gleiche zu thun. 3. Wir wollen auf gesetzlichem Wege dafür wirken, daß nur ein solcher Mann in die constituirende Versammlung nach Frankfurt gesendet wird, der sich entschieden für cou- stitutionelle Monarchie ausgesprochen hat. Wer mit einverstanden ist, der schließe sich unS an!! Gießen, den 26. April 1848. Der Ausschuß des vaterländischen Vereins zu Gießen. Dr. Lredner, Prof. Rosenberg, Hofgerichtsadv. W. DickorL, Reallehrer. Ploch, Landrichter, Fulda, Fabrikant. Welker, Hofgerichtsadv. v. Haber, sind. jur. Lorbacher, stud. cam. »urckhardt, Schlossermeister. Dr. Köhler, Gymnasiallehrer. Helmolt, Schreinermeister. Brawm, Wirth. Conrad Wetdta, Metzger. vdt Dr. Eckstein, Secretär. teceUt *n6 prwhQWUf» Gießen, 28. April 1898. * rrhebtw, von Pl ah karten gebL-ren. vom 1. Mai l. I. ab werden in den D Zügen Berlin-Basel über Frankfurt- Heidelberg und umgekehrt (M^N.-B.-Schnellzüge Nr. I anb 12) die Platzkartengebühren auch auf den Strecken südlich Frankfurt erhoben. Diese Gebühr, welche auch von den In- Habern der zu Schnellzügen giltigen, bezw. mit dem Auf- druck „giltig für alle Züge"' versehenen Fahrtausweise zu entrichten ist, beträgt in 1. und 2. Klasse für Entfernungen bis einschließlich 150 Kilometer 1 Mk., für höhere Entfernungen 2 Mk. Kinder, für welche Fahrkarten gelöst werden müssen, haben den vollen Zuschlag zu bezahlen. Durch Be- legen eines numerirten Platzes wird ein Anspruch auf den- selben nicht erworben. Bei freiwilliger Unterbrechung der Fahrt verliert die Platzkarte ihre Gültigkeit. Der verkauf der Platzkarten erfolgt durch den ZugSschaffuer, sowie an den Fahrkartenschaltern der Stationen Frankfurt a. M.- Hauptbahnhof (für Zug 1), Darmstadt M.-N.-v. (für Zug 1 unb 12) nnb Heibelberg (für Zug 12.) Schotte», 25. April. ES ist gewiß als ein Fortschritt unserer Stabt zu bezeichnen, wenn wir berichten, daß sich Herr SreiSamtmann Welcker zur Ausübung feiner Fahrten einen Benzin-Motorwagen angeschafft hat. u. Bon der Ridba, 27. April. Gestern hatten wir bei niebriger Temperatur bcn ersten starken Maikäferflugabend. — Der amerikanisch-spanische Krieg macht sich be- reitS bei uns auf unangenehme Weife bemerkbar, da die in- folge des Ausbruchs desselben in die Höhe geschnellten Frucht- preise einen bedeutenden Brotaufschlag gebracht haben. Der Preis des vierpfündigen Laibes Schwarzbrot ist in einzelnen Orten von 40 auf 48 Pfg. in die Höhe gegangen. Hier und da haben sich indessen dir Bäcker auch mit einem Aufschlag von 2 oder 4 Pfg begnügt. B Bübingen, 27. April. Unserer erweiterten Hand- werkerschule ist ber namhafte Betrag von 750 Mk. als außerorbentlicher Zuschuß ans der GewerbevereiuSkasse be- willigt worden. u. Leidhecken, 27. April. Gestern Abend wurde bei Staden die Leiche eines hiesigen Einwohner», der schon seit Ostern fehlte, au» der Nidda geläudet. Allem Anschein nach hat er in einem Anfalle von Geistesstörung den Tod gesucht. H. Aus de» Horloffthale, 27. April. Wir find durch einen Brotaufschlag von 5 Pfg. auf den Laib überrascht worden. Der vierpfündige Laib Brot kostet jetzt 45 Pfg., das war lange nicht dagewrsen. — Die Frühjahrssaaten stad gut ausgestellt worden, der Boden ist mild, obgleich wir im vergangenen Winter weder Frost noch Schnee hatten. Gerste und Hafer gingen schön auf und gedeihen zusehends. Wiesen und Kleeäcker sehen recht gut auS, das Legeu der Zuckerrüben geht gut von Statten und mit dem Setzen der Kartoffeln hat man begonnen. Die Bäume treten langsam in Blüthe, seit zwei Tagen zeigen sich die Maikäfer in großer Anzahl, es scheint ein starkes Flugjahr bevor zu stehen unb darum wäre eine allgemeine, energische Vertilgung sehr erwünscht. △ Stumpertenrod, 27. April. Als sich kürzlich in unserem Orte die Kunde verbreitete, unser Herr Pfarrer Schwabe kommt nach Rödgen, da wurden alle Herzen der Gemeinde voll tiefster Wehmuth erfaßt, ob des Scheidens eine» Mannes, der es mit seltener Hingabe und Liebe verstanden, sowohl in als außerhalb seines Berufes alle Glieder der Gemeinde zu gewinnen. Was der Scheidende während seiner sechseinhalb Jahre langen Thätigkeit in unserer Ge- nuinbe geschaffen, wie er mit aufopfernden Hingabe bestrebt, überall Gutes zu wirken und das Beste zu pflanzen, baS wirb Stumpertenrob nie unb nimmer vergessen. Welch einer I ®uame geistiger und körperlicher Anstrengung bedurfte nicht | bs< in vorigen Jahre hier gefeierte ErinnerungSsest en bir Breitung deS Dorfe» vor 101 Jahren in solch glänzender, erhebender »etfe zu gestatten! «er diese» Fest «itgefeierr, dem wird e» nicht bloß unvergeßlich sein, nein, er wird auch, ohne überhebend zu sprechen, ein ähnliche» Fest auf einen Dorfe noch nicht gefunden haben. Nicht nut zu diese» Glanzpunkte hat Herr Pfarrer Schwabe unfern Kriegerverein geführt, der ihm seine Gründung verdankte, er hat ihm auch bi» zu seine« Scheiden seine treueste Hingabe gewidmet. Durch lehrreiche Vorträge, durch «ilttärische Spiele n. a. suchte er in jeder Hinsicht da» Interesse für den Verein wach zu erhatteu und dessen verein»thätigkeit zur Blüthe zu bringen. Im verflossenen Herbste gründete der verstorbene einen Posaunenchor, der e» unter der au»gezeichneren Führung seine» Gründer» in dieser kurzen Zeit zu sehr anerkennen»werthen Leistungen gebracht hat. Allen, dem Wohl der Gemeinde blentnben Bestrebungen wibmete Herr Pfarrer Schwabe nicht nur sein Augenmerk, sonbern auch seine thatkräfttge Unterstützung. Sie umfaßte alle ©hebet bet Gemeinde, auch die Kinder, deren einzig schöne» WeihnachtSspiel ein würdiger Vorgänger unsere» 100 jährigen Erinnerung-feste» gewesen. So war Herr Pfarrer Schwabe ein Seelsorger unserer Gemeinde in de» Worte» vollster BedeutMg. — Am Freitag öor dem Weggange de» Scheidenden hielt der Kriegerverein eine ehrenvolle Abschied»feier und am Vorabend der Trennung brachte er seine« verdienstvollen, vielverehrten, geistigen Führer einen prächtigen Lamptonßzug. Die ganze Ge«einde hatte sich hierzu i« Pfarrhofe versammelt. Der Posaunen- chor leitete stimmungsvoll die Abschied»feier ein, herzliche Worre de» Danke» und der Liebe und der Verehrung wurden laut und tief ergriffen dankte der Scheidende, den der Krieger- verein zu seinem Ehrenmitglied ernannte, für die dargebrachte Ovation. Die besten Segen»wünsche unserer Ge«einde geleiten den verdienstvollen Seelsorger in seinen ntien Wtrkung»krei». • Kur die Unterstützung junger deutscher Mädchen, die Zwecks Heirath nach Südwestafrika reisen wollen, hat der Kaiser dem früheren Landeshauptmann jetzigen Gouverneur Major Leutwein sein lebhafte- Interesse au-gesprochen, damit eine gesunde deutsche Bvölkerung sich in der (Solonit anfiedele. Dadurch werde da- Aufkonimen einer entarteten Mischraffe verhütet, die in den spanischen (Kolonien sich jetzt als ein Strafgericht für da- Mutterland infolge Nichtbeachtung diese- wichtigen Colonisation-punkte- fühlbar «oche. — Bon privater Seite erhiett Major Leutwein 1600 Mark fflt die erste Auswanderin nach Südwestafrika. Er begiebt sich Ende Mai wieder auf feinen Posten zurück. Hauswirthschaftliches. — Wohl nur selten dürfte ein haußwirthschaftlicher Artikel sich ester in die Gunst der Hausfrauen aller Stände ctnflebürgert haben, al« die von Max Elb in Dresden fabricirte (fh. «. Paßeu»- Gsfig-Essenz. Die Originalflaschen, welche diese Essenz enthalte», ind Durd) einen Mahstab abgethetli, ber die zur Bereitung einer Weinflasche Tafelessig ober zuverlässigen Früchte-Etnmache Essig en orberliche Menge Essenz aufs Genaueste anzeigt. Während früher daß Laufen ber Dienstboten nach Essig gar nicht aufhörle, hat man etzt in dieser Form 10 Liter Essig im Haus unb bereitet sich eine Flasche bei Bedarf im Augenblick durch verdünnen mit Wasser. Dieser selbstbereitete Essig hat den Wohlgeschmack und das Aroma fluten Weinesstas, bleibt spiegelblank unb wird von ärztlichen Autart- täten wegen feiner Reinheit alS ber gesünbeste Essig empfohlen. Ganz besonders eignet er sich zum Etnmachen und Conservire», weil durch die Maßtheilung ber bazu unbedingt erforderliche Stirke- grad genau unb gleichmäßig getroffen wirb und weil tr gänzlich rei von Fäulniß Keimen und GährungSftossen ist, die den Grund zur Verderdniß der Früchte bilden. Hier liegt eine in praktischer und gesundheitlicher Beziehung gleich gediegene Neuerung vor; n»r wolle man beim Einkauf der seit über 20 Jahren rühmlich bekannte« Originalflaschen von Max Elb, Dresden, darauf achten, daß man die echte, auf Etikette, HalSstreifen und Kapsel mit dessen Firma bezeichnete Waare unb nicht etwa eine in ähnliche» Gewand gekleidete Nachahmung erhält. Z)er Schöpfer des Henossenschaflswesens. (Zum 15. Todestage Schulze-Delitzsch'S.) t 29. April 1883. Bon Dr. A. Weif e (Nachdruck verboten.) KO. Es hat einmal Jemand gesagt, daß zur Unfterb- lichkeit eines großen Geistes auch viel der Name beitrage, den fein Inhaber besessen hätte. Hätte z. B. der Dichter des Faust statt Johann Wolfgang von Göthe etwa Gottfried August Schummrigkeit und der Sänger des Tell etwa, statt Schiller, Willutzki geheißen, so wäre es sehr fraglich gewesen, ob Schummrigkeit und Willutzki unsterblich geworden wären, falls sie es nicht bei Zeiten vorgezogen hätten, den Sack- drillich ihrer Namen mit der Seide eines wohlklingenden Pseudonl)ms zu umhüllen, wie man es heute so gut zu machen versteht. Mag nun auch ein Körnlein Wahres in jener Behaup- tung stecken, so muß sie sich doch, wie alle menschlichen Regeln, Ausnahmen gefallen lassen. Wenn fie das nicht thun wollte, fo würde doch die Geschichte entschieden darüber zur Tagesordnung übergehen und ihre Lorbeeren denen zuerthellen, die sie verdienen. Eine solche Ausnahme von obiger Regel bildet z. B. der Mann, dessen Name nüchtern und trocken Franz Hermann Schulze heißt. Trotz der vielen Tausende von „Schulz", „Schulze", .Schultz", .Schultze", „Schults", .Schulte" u.s.w., dre die deutsche Bevölkerung aufzuweistn hat, ist doch dieser »Schulze" eine Berühmtheit ersten Ranges geworden. Trotz der Notwendigkeit, ihn „Schulze-Delitzsch" zum Unterschiede von den anderen „Schulzen" zn nennen, wird die Nachwelt fernen "Namen und wenn sie sich die Zunge daran zerbrechen sollte, doch mit Ehrfurcht und Achtung nennen müssen. Ich sage müssen, weil es Biele nicht gerne thun werden, denn — Hermann Schulze-Delitzsch ist ein Mann gewesen, der ein Herz gehabt hat für die damalige Noth der mittleren und niederen Klassen und dies gilt, namentlich heutzutage, als keine sehr verheißungsvolle Empfehlung. Hermann Schulze-Delitzsch, der Begründer des deutschen Genossenschaftswesens, wurde am 29. Aug. 1808 in Delitzsch, einer kleinen Kreisstadt der heutigen Provinz Sachfen, geboren. Was feinen Namen der Nachwelt überliefert und der Unsterblichkeit weiht, ist schon kurz erwähnt worden. Er verdient es, daß man sich feiner rühmend und ehrend erinnert, ohne dabei nöthig zu haben, feinem eigenen politischen Gewissen irgendwelchen Zwang anzuthun. „SDem Verdienste feine Krone!" „Suum cuique!“ wird der Wahlspruch des Deutschen sein und bleiben müssen, wenn er dem Weltrufe feiner Nation, die edelste und am tiefsten angelegte zu fein, nicht an feinem Theile schaden soll. Ausgewachsen in den kleinstädtischen Verhältnissen von Delitzsch mit seiner, vornehmlich Handwerk treibenden Be- völkerung, in steter Berührung mit diesen Klassen, lernte er besonders ihre Klagen und Wünsche kennen. Er erkannte die Gefahren richtig, die dem kleinen Mann durch die immense Entwickelung der Großindustrie drohten. Er glaubte, daß sie beseitigt werden könnten, wenn den Gewerbetreibenden die Mittel gewährt würden, sich die günstigen Bedingungen der Großindustrie zu verschaffen. War dies in der Hauptsache die Aufgabe der Rohstoff, und Magozingenossenschasten, so sollten die Vorschußvereine den Handwerkern den nöthigen Credit verschaffen und verbilligen. Die Handwerker sollten durch Aufbringung eines kleinen eigenen Vereinsvermögen- und durch solidarische Haftung sich selbst creditfähig machen; dazu sollten sie, durch Gewährung eines höheren Zinsfußes als die Sparkassen, fremde Capi- talien, frellich nicht in zu großem Umfange, anziehen und dadurch ihre eigenen Mittel verstärken. Den Mitgliedern des Vereins sollte zu diesen Capitalien nach genauer Erwägung ihrer persönlichen Eigenschaften und ihrer Geschäftsverhältnisse, kurzfristiger Credü in verschiedener Form und zu solchen Zinsen gewährt werden, daß die Vereine noch eine erhebliche Dividende zahlen und durch sie zum Beitritt anloden konnten. Credit hatten früher nur die durch Stand und Vermögen bevorzugten Klassen genossen. Den Handwerkern hatte man entweder überhaupt keinen oder doch nur zu solch hohe« Zinsfüße gewährt, daß er mehr einer systematischen Ausbeutung al» einer Hilfe glich. Da» große Verdienst Schulzes ist e», daß er eine Diffusion be» Credit» durch alle Klassen bis zu den niederen zu Wege brachte. Daher fanden feine Genossenschaften auch über ganz Deutschland die mächtigste Ausbreitung. Schulze hat es verstanden, den unteren unb mittleren Schichten des Volkes solide Creditorgane zu geben, sie zum richtigen Gebrauch ber modernen Creditformen zn erziehen. Im Jahre 1865 konnte er die logen. „Genossenschaftsbank" mit einem Capital von 275000 Thalern gründen. Daher hatte da» System seiner Genossenschaften auch die erforderliche Lebensfähigkeit. Schulze hat sich auch nicht, wie andere Socralpolitiker vor ihm und nach ihm, mit bloßen literarischen Hinweisen und theorettschen Belehrungen begnügt, sondern mit warmer Begeisterung für die Sache die practische Anleitung gegeben unb mit Arbeit im Kleinen begonnen. Seine burchdringenbe, gründliche Kenntniß des practischen Leben» in jenen Kreisen, für welche seine Organisation bestimmt war, wurde auf'» Glücklichste ergänzt durch seine umfassenden Kenntnisse im positiven Recht unb in ben Formen be» Creditwesen» und ber kaufmännischen Geschäft»- unb Buchführung. Daß ihm dabei viele Schwierigkeiten erwuch'en, daß et vielfach selbst von denen, für die er sorgte, unb dachte, oft mißverstanden und verkannt wurde, daß er al» Demagog verschrieen und seiner Zeit in den Witzblättern weidlich durch- gehechett und verspottet wurde, kann man sich ja wohl denken; doch ließ er sich durch alle Hindernisse nicht abschrecken. Bis zu seine» Tode blieb er der Mittelpunkt der zahlreichen Verbindungen, die in den Ländern und Provinzen sich befanden und war alltäglich in Angelegenheiten der Genoffen- Hafte# bei ihm in Form von Anfragen, Anträgen und Mittheilungen einging, da» reichte aus, die rüstigste Kraft ausschließlich in Anspruch zu nehmen und aufzureiben. Den« noch bezog Schulze für alle seine ungeheuere Mübe und Arbeit nur eine bescheidene Vergütung von durchschnittlich 2600 Thaler jährlich, die wieder zum größten Theil im Interesse seiner Sache darauf gingen. Der Erfolg entsprach mehr als geahnt, seinen Bemühungen. In dem letzten Jahresbericht vor seinem Tode, datirt vom Jahre 1882, um die späteren ganz zu übergehen, sind schon 905 Vereine aufgeführt; vielleicht mehr als noch einmal so viele waren thatsächlich vorhanden. Das Genossen- schaftsvermögen soll über 700 000 Mark gezählt haben und hatte jährlich ungefähr an 2 Milliarden Mark in kleinen kurzfristigen Vorschüssen gewährt. Die im Jahre 1865 ge» gründete „Genoffenschaftsbank" mußte zu Anfang der achtziger Jahre ihr Capital nahezu verzehnfachen. Daß bei einem so gigantischen Unternehmen auch Vieles „menschelte", soll nicht geleugnet werden, trotzdem bleibt es eine Thatfache, die unumstöstlich feststeht, daß Schulze Delitzsch durch seine Genossenschaften den Credit democcatifirt, Tausende »on kleinen Meistern und Geschäftsleitern kreditfähig gemacht und in der Hauptsache auf die Erhaltung und Hebung der in ihrem Bestände schwer bedrohten Mittelklassen auf das vorteilhafteste eingewirkt hat. Man wird diese» große Der« dienst noch bereitwilliger anerkennen, wenn man berücksichtigt, daß zu der Zeit als Schulze starb, neben den oben erwähnten Credltgenoffenschaften, noch 954 Rohstoff-, Magazin-, Werk« und Productivgenoffenschaften, 621 Consumvereine und 35 Baugenossenschaften vorhanden waren, die alle den Anregungen Schulzes ihre Entstehung verdankten. Mögen seinen Eifer nun auch namentlich in der letzten Zeit vielfach politische Motive, und nicht immer die gesundesten, geschürt haben, so bleibt seine gewaltige Leistung doch nichtsdestoweniger dauernder und überzeugter Anerkennung sicher. Seine allgemeine wirthschastliche und politische Anschauung stand nicht auf der Höhe feiner practischen Thätigkeit. Die übermäßige Ausbildung des Polizeistaates in Preußen, der sich umsonst bemühte, Zustände und Einrichtungen festzu- halten, die in das moderne Wirthschaftsleben nicht mehr hineinpaßten, forderten ihn zur Bekämpfung desselben heraus. Doch was er hierin gesündigt, hat er aus Treue gegen sein Prtncip gethan und wir wollen das dem großen Todten gerne Nachsehen und vergeben. Werfen wir schließlich noch einen Blick auf die Person Schulzes, so können wir uns die große Beliebtheit und Achtung, in welcher er selbst bei seinen Gegnern oftmals stand, daraus erklären, daß er alle feine Lehren auch selbst geübt hat. Sein ganzes Leben lebte er getreu den Principien, die er verkündigte. Al- am 4. October 1863 ihm in Potsdam ein Ehrengeschenk von 50000 Thalern angeboten wurde, benutzte er davon nur ss viel Zinsen, um sich ein beschei- deues Wohnhaus zu erbauen und feine Bureaukosten zu decken. Persönlichen VortheU zog er keinen weiter daraus, sondern bestimmte das Capital zu einer Stiftung, deren Erträge nach seinem Rücktritte zur Besoldung solcher Männer verwendet werden sollten, deren Wirken und Thatkraft man in der öffentlichen Sache „zum Besten des gesammten Vater- lande»" in Anspruch nimmt. Seine Ehrlichkeit war ohne Makel. Er war ein beliebter Redner. Seine breitschulterige Gestalt, kraftvolle Erscheinung und sympathische Stimme unterstützten die Macht seiner Werke. Er war ein echter Patriot. Al» er 1867 zu einem Frtedens- congreß nach Genf, den einige französische Politiker veran- staltet hatten, geladen wurde, nahm er nicht Theil daran, sondern antwortete brieflich: „Soweit ist der nationale Geist bei uns erstarkt, daß wir die Einmischung der Ausländer in unsere inneren Angelegenheiten unter keinen Umständen dulden werden!" Da» waren nicht Worte eines „Vatrrlandslosen", nein, wahrhaftig nicht! Am 29. April 1883 trug man ihn zu Grabe; doch die Nachwelt wird die Schwächen der politischen Nationalöconomie Schulzes übersehend, die Stärke seiner Gesinnung achten und ihn mit Recht anerkennen als den Wohlthäter der kleineren Geschäftsleute und als den großen Schöpfer des deutschen Genoffenschaftswesens. Erste medicinische Autoritäten empfehlen Zuckerkranken als einzig bewährt und ächt die unter ständiger ehe in. Controle stehenden und mehrfach analysirten Günther’s Aleuronat-Gebäcke und Präparate, (In Blechdosen-Packung.) 4339 J. M. Schulhof, Marktstr. 4. 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Pflasterarbeiten 400,25 „ Voranschlag III Chanssirnngsarbeiten des Triebweges veranschlagt zu: A. Maurerarbeit 512,— JC. B. Fuhrlohn 435,— „ C. Steinsetzerlohn 58,— „ D. Kleinschlaglieferung 539,40 „ E. Sandlieferung 90,— „ Voranschlag IV Erneuerung einer Gosse veranschlagt zu: Pflasterarbeit 304,— JL Voranschlag V Jvsta-dsetzuog der Schul- aborte veranschlagt zu: A. Maurerarbeit 177,02 B. Zimmerarbeit 30,— „ C. Schreinerarbeit 80,— „ D. Glaserarbeit 66,— „ E. Weißbinderarbeit 40,— „ F. Schlofferarbeit 39,50 „ G. Eisenwaarenlieferg. 83,— „ sollen Montag den 2. Ma, I. I., Vormittags nm 10 Uhr, bei Großh. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lumda öffentlich versteigert werden, woselbst die Pläne, Voranschläge und Bedingungen offen liegen. Allendorf a.d.Lda.,27.April 1898. Gr. Bürgermeisterei Allendorf a.d.Lda. Rein. 4443 Die Unterzeichneten sind beauftragt, die Kinzenbacher Mühle freiwillig öffentlich zu versteigern. Dieselbe liegt zwischen Gießen und Wetzlar, an der Eisenbahn, ist auf das Beste neu eingerichtet, Wohn-, Müllerei- und Wirtschaftsgebäude sind in tadellosem Zustand, die Mühle ist mit 3 Mahlgängen, 1 Schrotwalzenstuhl, Sichtmaschinen, Griesputzer und guter Reinigungsanlage versehen. Die Wafferkraft ist gut und beständig, in der Ausnutzung noch erheblich steigerungsfähig, Kundschaft solid und groß. Zur Mühle gehören ca. 210 Ar gutes, bebautes Acker- und Wiesenland, mit einem Taxwerth von 13000 Mk. Der sehr lehmreiche Boden würde sich auch zu Ziegeleibetrieb gut eignen. Der Verkauf erfolgt lediglich wegen Behinderung des Eigenthümers am eigenen Betrieb. Einem tüchtigen Fachmann ist günstige Gelegenheit zur Gründung dauernder, lohnender Existenz geboten. Die Versteigerung findet auf der Mühle selbst — Bahnstation Kinzenbach — am Mittwoch den 1. Juni 1898, Nachmittags 372 Uhr, statt. Zu jeder Auskunft sind wir gerne bereit, auch nehmen wir freihändige Angebote entgegen. Wetzlar, den 20. 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