M'V Nr. 227l§rstes Blatt.Mittwoch den 28. September L8S8 mit% von S-9^ 5tiüa«, Bdwta, l®o^entajea ®«W Ilm». ■o-i nit, '««-1 Ult. Uhr, 9306 Erstand. inimann. Stober. Selehrt ibarbeiten, Brand, n erbitte möglichst ichstraße 14. ilweise Pension im 9038 ilter itft 13. siegel 9291 Co. ifienl^ntog. Bahnhöfen 40. illige und dauer' prompt uuißtfärt- Gießener Anzeiger ■tt 6nr.|trU#i General-Anzeiger ßotAn»«« tag td^rtntnboi ®ua*wr M tina. W B*t 2lnti»» unb Zlnzeigeblatt für den Kreis Gieren. Gratisbeilage: Gießener Familienblattcr ■***•*, trt**e* Mb DtUcad: M|fl4 ■ tt Wu*r.j|>«nr btl JlnM*MFV* WHrHlff KM 2 Warf 20 ■ttf Ic|flgai.8cvmittlungl|flm Hi In- trab ■- * at>mra Änötigen Hr ten «lirtcnrv la|rtgn Ibrrffc für Drprschn,: Frrnsprrchrr Ät. 01. Du •iffrntT HeeWieeirittcr iKfbfll bUB lnjfl|rT Biere al W! laSwahl wd en. ** M an. $tlWl9' SM^ LJllO.» Ml -" ' ^Ti ch>°-^z 10 -lbE° 10 ; Staalsb. ' ßadbahn jardbah"- ?6iNon cH-nrf- H ntDcetil* xh.lOv- ;kioo A«^ .Minden. -,.1860 Grasen und der Gräfin von Brandenburg einen Besuch ab« zustatten. Abend» gegen 11 Uhr reiste fie nach Berlin ab. Prinzeffin Heinrich war kurz vorher nach Ltvadia abgereist. — Wie der ,Xgl. Rdsch.* au» Rominten mitgetheilt wird, soll der Kaiser gelegentlich seine» jetzigen Jagdaufenthalte» daselbst gesichert haben, daß ihm da» etwa fiebeu Kilometer von Rominten entfernt liegende Jagdbude wegen seiner romantischen und idyllischen Lage an den Ufern der Rominte btffer gefalle, al» Theerbude. Au» diesem Grunde beabfichttgr der Kaiser, daselbst, also in der Nähe von Jagdbnbe, für seine Gemahlin und vielleicht auch für die kaiserlichen Prinzen eia Jagdschloß erbauen zu lassen. Die Kaiserin ist von der Romtnter Haide geradezu entzückt und hat geäußert, fie habe fich die Romtnter Gegend halb so herrlich vorgestellt, wie fie tu Wirklichkeit ist, und werde öfter nach Rominten kommen. — Da» deutsch-engltscheAbkommen wird leider auf deutscher Sette mit der größten Sorgfalt gehet« gehalten- e» heißt, daß Überhaupt nur drei Personen Kenntniß von dem Inhalte hätten. Dagegen find von England schon viele Angaben darüber gemacht worden, und immer kommen noch Einzelheiten dazu. Auö ihnen lafien fich immerhin einige Schlüffe ziehen. Nach Mittheilungen von verschiedenen Seiten handelt da» neue Abkommen an erster Stelle von einer Thetlung der Verwaltung der Provinz Mosambik zwischen Deutschland und England, sodaß der nördliche Thetl bi» zu« Sambefi den Deutschen, der südliche den Engländern über« lafien würde. Die Richtigkeit dieser Angabe läßt fich zwar nicht feststellen, doch sprechen manche Anzeichen für ihre Wahr- sche'nliwkrft. Ausland. Wien, 26. September. Die heutige erste Sitzung de» Abgeordnetenhaufe» verlief ruhig. Dieselbe be- schäftigte fich zunächst mit etnrr Trauer-Vetleidtkundgebung anläßlich de» Ableben» der «aisertn Elisabeth und nahm sodann die Präfidenteowahl vor. Dr. v. Fuchs wurde Wiedern« zum Präfidenten gewählt. Budapest, 26. September. I« Abgeordnetenhanse beantwortete heute Baron Banffy die Interpellation betreff» der von Rußland angeregten Friedens-Lonferenz. Banffy erklärte, die gemeinsamen Regierungen hätten diese bedenrung»- volle Jattiative der rusfischen Regierung mit besonderer Be« friedtgung und wärmster Sywpathie ausgenommen. Sie hätten die rusfische Regierung verständigt, daß Oesterreich- Ungarn bereit sei, an der Looferenz theilznnehmen und 6m rusfischen Vorschlag nach Möglichkeit zu unrerftützen, um dem Zustandekommen der Lonferenz keine Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Rom, 26. September. Der Zwischenfall mit Eolumbien ist betgelegt. Die Regierung von Eolumbttn hat fich telegraphisch entschuldigt und die ganze Angelegenheit al» rin Mißverständntß bezeichnet. — In Uebereinsttmmung mit dem bisherigen Au»we tsung»verfahren können die Au»gewiesenen ihr Anfenthalt»land frei wählen. Die Italiener dürften fich vor- nehmlich nach Frankreich und Belgien wenden. Man trug Bedenken, die italienischen Anarchisten an Italien abznschieben, weil zu besürchten stand, daß verschiedene, wenn fie In die Hände der italienischen Behörden geriethen, wegen politischer verbrechen bestraft würden. Ob die Eantone bet der Abschiebung der Italiener an dritte Staaten auf Schwierigkeiten stoßen, wird fich -eigen, von einer Strafverfolgung der Herau-geber und Verbreiter be» „Agitatore" wurde ab- gesehen, weil die betreffenden Handlungen nicht unter Art. 4 und 6 de» eidgenössischen Anarchtsteogesetze» fallen. Germavt und Genoffen kommen also mit der Ausweisung davon. Paris, 26. September. Sammtliche Minister beschlofien die Einleitung der Revision de» Dreyfu-pro« eesse». Präfident Fan re ist bereit» nach Pari» zurück« gekehrt. Pari», 26. September, vom Senegal trifft die Meldung von einem großen Erfolge gegen die Truppen de» Sultan» Samory ein. Lieutenant Wölfel errang einen vollständigen Sieg. Samory» Unterfeldherr und mehrere tausend Mann wurden gefangen genommen und große Beute gemacht. — Döroulöde hatte Sonntag in der DrrhfuSsache eine verfawmlung einbernfen und bei seinen Zuhörern wohl vielen Beifall gefunden, in der großen Bevölkerung aber FiaSco gemacht. Die Bonapartisten, welche das Haupt- contingent der Versammlung stellten,, verhalten fich in ihren BlSttern recht kleinlaut. 21mtlid?€t Th«il. Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur Kenntniß der Jntereffenten gebracht, daß die Königliche Verwaltung der Armee-Conferven« fabrif zu Mainz Angebote in Hülfen flüchten und zwar gelben (krbfeu, weiften Rund und Langbohneu, nnd Mittellinfeu au» der letzten Ernte bis auf Weitere» entgegennimmt. Etwaige Angebote der Producenten find entweder der Fabrik direct oder an da» dem Verkäufer zunächst gelegene Königliche Proviantamt zu richten, besten Mitwirkung auf Wunsch des Verkäufer» auch bei Abfertigung der Sendungen in Anspruch genommen werden kann. Die Angebote müsten Angaben über die Menge der verkäuflichen Hülsenfrüchte, die Preisforderung frei Fabrik Mainz und die Lieferzeit enthalten, auch von Kochmustern begleitet sein. Behuf» der Preisbemessung wird angeführt, daß die Abrollgebühren vom Bahnhof Mainz bis zur Fabrik 14 Pfennig für 100 Kgr. betragen und daß diese vom Verkäufer zu tragen find. Bei der Einlieferung frei nächstgelegenen Proviantamtes find die entstehenden Abroll« gebühren von diesem zu erfragen. Bei directer Einlieferung an die Fabrik ist die Königliche Verwaltung zur Vermittelung der Spedition in Mainz bereit; Bedingung ist in diesem Falle aber, daß sich der Verkäufer mit Kürzung seines Guthabens um die Fracht« und Rollgelder-Auslage einverstanden erklärt. Magazinsäcke werden dem Verkäufer, wenn verlangt, auf seine Kosten zur Verfügung gestellt. Die abzugebenoen Mengen müssen bi» spätestens den 81. Decembcr ds. Js. eingeliefert sein, da mit diesem Tage der Ankauf au» erster Hand eingestellt werden muß. Gießen, den 24. September 1898. Großherzogltche» KreiSamt Gießen, v. Bechtold. Die Entscheidung. DaS Ministerium Brisson hat den Muth gehabt, da» Gesuch um Revision de» Dreyfnß-Procesfe» dem obersten Gerichtshöfe br» Landes zu unterbreiten, obwohl ihm die Milttälpartei mit Auflehnung drohte, obschon Dörouläde und Rochefort fich anschicken, die , Straße* in Bewegung zu setzen, und der JusttzauSschuß ihm ans seine Frage, ob daS Gesuch juristisch begründet sei, die Antwort schuldig blieb. Wenn man fich au« der Vorgeschichte de» DreyfuShandel» erinnert, welch ein erbitterter Kampf länger als ein Jahr um diesen Entschluß getobt hat, wle alle versuche, L-cht in daS Dunkel zu bringen, an dem Bollwerk der ros judicata, hinter dem das Eabinet Möltne mit dem Scheine des Recht» fich verschanzt hatte, abprallten, wie General Billot sechs oder fieben Mal öffentlich versicherte, daß Dreyfu» nach Recht und Gesetz vernnheilt sei, wie in den Proceffen Esterhazy und Zola eben diese» Recht und diese» Gesetz geknebelt und einer Partei zum Zweck gelegt wurden, wie zwei weitere Krieg»mtnister die Flinte in» Korn warfen, wie der Chef de» Großen Generalstabe» sein Amt niederlegen mußte, weil unter seine« Commando der eine al» Verbrecher entlarvt und andern die MaSkr gelüstet wurde, wenn man daran denkt, welch schmählichen Handel die Militärpartei mit Pie- quart zu treiben wagte, und daß der Präfident der Republik selbst gegen sein Ministerium Stellung nahm, so wird man diese« Muthe seine Anerkennung nicht versagen können. Der Beschluß de» Mtnisterrath» geht zwar nur dahin, dem SaffationShof da» Gesuch um Wiederaufnahme des Verfahren» vorzulegen, in Wirklichkeit aber bedeutet er die Reoifion selbst und den versuch, die Dreyfu».Angelegenheit endlich dem (Betriebe der Parteien zu entlüden und auf da» Gebiet der richterlichen Beurteilung znrückzusühren, von de« sie fich wohl in keinem andern Cnltursiaate jemals entfernt haben würde. Da» Gesuch bedeutet nämlich insofern wenigstens den Anfang der Revision selbst, als der CaffationShof, um zu ermitteln, ob die in dem Gesuch angeführten Thalsachen nach Absatz 5 deS Artikels 443 — denn eS ist anzunehmen, daß er fich auf diesen Paragraphen stützen wird — solche find, die die Reviflon begründen, Einsicht in sämmtliche Acten nehmen und so die Sache von Grun^ auf klaren muß. Zu diesen Acten gehören aber nicht nur die deS ersten ProceffeS DreyfuS, sondern auch die der Proceffe Esterhazy und Zola und nicht zuletzt die Grundlagen der verschiedenen Klagen gegen Picquart, die deS Civilgericht» wegen des angeblichen Verstoßes gegen da» Spiouagegefetz sowohl wie die des Militärgericht» wegen Fälschung de» petit bleu. Bei dieser Untersuchung de» Caffatton»hofe» wird fich daher vermuthlich bald ausweisen, tote weit die Militärpartei ihren Widerstand gegen die bürgerliche Gewalt zu treiben wagt, ob fie auch fernerhin mit den Dunkelmännern der Gaffe gemeinsame Sache machen und in offenkundiger Mißachtung de» obersten Gerichtshöfe» de» Lande» den Proceß gegen Picquart auf eigene Faust weiterführen wird, statt achtungsvoll dessen Spruch abzuwarten. Die Befugniffe de» Caffationshofe» aber find, bi» auf die UrtheilSfällung, geradezu unbeschränkt, fall» er da» Revision»- geluch al» begründet anerkennt und die Angelegenheit, tote im Falle Dreyfu», nicht spruchreif ist. Dann hat er nämlich laut Artikel 445 „direct oder mittel» einer Commisfion alle Untersuchungen von Grund au», die Gegenüberstellung, da» verhör und alle Mittel, die geeignet find, die Wahrheit darzuthun, selbst vorzunehmen." ES ist daher eine schwierige Aufgabe, die den Richtern de» Caffationshofe» obliegt. Um- stürmt und nmbrandet von politischen Leidenschaften, die keine Schranke kennen, sollen fie nach dem Gesetz und ihrem Ge- toiffen allein den Weg suchen, der zu dem so lange verschleierten Bilde der Wahrhett führt- ja noch mehr, fie sollen diese» Bild enthüllen, ohne zu zucken und zu zaudern, selbst wenn ihnen darin da» verbrechen in noch ungeahnt schreckhaften Zügen entgegengrinsen sollte. Werden fie diese Probe bestehen? Und wenn fie ihr nicht erliegen, wird da» Volk ihnen glauben, daß fie fie bestanden haben? So wird zugleich der Spruch be» CaffationShof» zu einem Prüfstein bafür werben, ob Frankreich ba» durch die Vorgänge der letzten Jahre von Grund au» erschütterte vertrauen zu seinen Richtern wiederfindet ober ob bie Leidenschaften ber Politik auch vor ber höchsten richterlichen Stelle be» Laube» nicht Hakt machen, foabern über fie Hinwegschreiten werden zu neuen Kämpfen, vielleicht zum Bürgerkrieg und zur Selbst- Vernichtung.____________________________________(Kö'n. Ztg.) Deutsche» Reich. Berlin, 26. September. We»halb Reichskanzler Fürst Hohenlohe im Amt bleibt. Der „Münchener Allgem. Ztg." wird anscheinend officiö» ans Berlin geschrieben: „Erst die Zukunft wird vielleicht zeigen, welche großen Verdienste fich Fürst Hohenlohe in unserer Zeit der latenten Gegensätze erwirbt. Wer fich noch ein gerechte» .Unheil bewahrt hat, muß e» al» einen Act be» höchsten Patriotirmu» betrachten, baß ber Fürst Reichskanzler, welcher alle Süßeren Ehren errungen, die im deutschen Vaterlande ein Unterthan erringen kann, in seinem hohen Alter noch mit so seltener Pflichttreue dem Dienst be» Reiche» und Staate» seine Kräfte wibmet. Nur wahrhafter Patriotismus unb ein abgeklärte» Unheil über Menschen unb Verhältnisse können einen Mann in bieser äußeren Lage unb in solch hohem Alter zu einer derartigen persönlichen Opferfreudigkeit befähigen. Berlin, 26. September. Der Ernteertrag an Winterroggen im Deutschen Reiche ist nun vom Statistischen Amt auf Grund vorläufiger Schätzung berechnet worden. DaS Ergebniß ist 15,3 Doppelcentoer auf den Hectar, im verfloffenen Jahre waren e» nur 13,8 Doppelcentner. So hoch wie in diesem Jahre ist der Ertrag an Winterroggen, soweit nn» die Zahlen vorliegen, seit 20 Jahren nicht gewesen. — Palästinareise des Kaiser». Der „Aegypt. Ruder* schreibt: Zn Ehren de» Kaiser» werden bekanntlich auch zwei Galavorstellungen in der viceköuiglichen Oper zu Kairo gegeben werden. Zn diesem Zwecke werden bedeutende AuSbefferung»arbeiten innerhalb de» Theater- gebaude» in Angriff genommen. Die Feftvorstellungen sollen am 20. und 21. November statlfinden- gespielt wird „Othello* von Verdi und „La Bohöme* von Puccini. Außer zwei Festmahlen soll, wie verlautet, auch der alljährlich stattfindende Hofball diesmal während der Anwesenheit deS Kaiserpaares gegeben werden. Zn Ehren des Kaisers werden die diesjährigen Rennen des Alexandria Sporttng Club entsprechend verlegt werden, um dem hohen Besuch die Theinahme zu ermöglichen. ES ist der Vorschlag gemacht worden, bei der Gelegenheit auch durch tüchtige beduinische Reiter ein Kameel- rennen verbunden mit arabischer Phauiafia u. s. w. zu veranstalten. — Die Kaiserin Friedrich fuhr Sonntag Mittag in BreSlau bei dem Fürstbischof Cardinal Sopp vor, besuchte darauf in deffen Begleitung den Dom und nahm um 1 Uhr bei dem Cardinal da» Frühstück ein, an welchem auch der König von Sachsen, der Erbprinz und die Erbpriuzeffin und Prinz Emst von Sachsen-Meiningen, sswie der OberprSsident Fürst Hatzfeld und daS Domcapitel theilnahmen. Die Kaiserin Frieddch begab sich um 31/, Uhr nach Domauze, um de« London, 26. September. Wie ein hiesiges Blatt meldet, erklärte ein bekannter Diplomat, daß in dem englisch- deutschen vertrage beide Mächte über da« Vorkaufsrecht für ihre portugiesischen Besitzungen Übereingekommeu find. Der Vertrag bestatte die Jutereffen-Sphäre beider Bertragsmächte in diesen Colonien. London, 26. September. „Daily Mail" meldet au« Peking, daß Rußland allein für die jetzigen Unruhen der- antwortlich zu machen sei. Rußland habe immer die Kaiserin- Mutter zum Staatsstreich aufgesordert. Petersburg, 26. September. Der Zar beglückwünschte die Kaiserin-Mutter von China telegraphisch zur Uebernahme der Regentschaft. Ueber Einzelheiten des Regiwe- wechselS wird au« Peking berichtet, daß derselbe hauptsächlich infolge der Drohung der mongolischen Bannerherreu erfolgt sei. Diese drohten nämlich, ihre Stellen utederzulegen, fall« da« Bündoiß mit Japan zu Staude kommen sollte. — von der Palastum'wälzung in Peking befürchtet man in diplomatischen Kreisen eine ernste Krtfi« im äußersten Osten in Folge der Nebenbuhlerschaft zwischen England und Rußland. Eine englische Quelle in Shanghai berichtet über eine Unterredung mit dem flüchtigen Reformrathgeber de« Kaisers, Kang Ya-Wei, der fich au Bord eine« englischen Schiffe« gerettet hat. Er sagte, er habe Peking am Dienstag verlassen auf Grund einer geheimen Botschast des Kaisers, de.r ihn vor der ihm drohenden Gesahr warnte und ihm empfahl, den Beistand Jener zu erlangen, welche die Wohlfahrt China« iutereffirt. Die jüngsten Ereigniffe schreibt Kang dem Vorgehen der Mandschu Partei zu, au deren Spitze die Kaiserm-Wittwe, der Bceköaig Yung.tu und alle hochgestellten Mandschubeamteu stehen. Die Partei der Kaiserin stehe im Einvechäudniß mit den Ruffen, die fich gegen Förderung der russischen Jntereffeu verpflichteten, die Mandschu Herrschaft in China aufrecht zu erhaltru. Der Einfluß L.-Hung TschangS trete jetzt gegenüber demjenigen Yung-tus zurück und werde wahrscheinlich abuehmeu. Kang dringt auf britische Einmischung, um den Kaiser wieder auf den Thron zu setzen. Die Gesundheit des Kaiser« sei vorzüglich/ derselbe sei sür den Fortschritt eingenommen, doch überzeugt, daß e« unmöglich sei, den Widerstand ohne Englands Beistand zu unterdrücken. Wenn die Opfer des Staatsstreiches nicht geschützt würden, werde er in Zukunft für jeden Eingeborenen unmöglich sein, die englischen Jäter- effen zu unterstützen. — Au« diesen Darlegungen ergibt fich deutlich, daß Kang Ya-Wet tu englischen Diensten gestanden haben muß, deren Jntereffeu da« Mäntelchen der Reform- bestrebongeu umgehäugt ward. — Eine Meldung auS Peking besagt, etwa« abweichend von jener Darstellung, Tschang- Viu-Huan, der Nebenbuhler Li Hung-TschaugS in Kanton, sei verhastet worden unter der Anschuldigung, Kang-Uu-Wet beherbergt zu haben, und werde aller seiner Aemter entsetzt werden. Hierdurch wachse die Macht Li-Hnng-TschaugS. Die Beamten begrüßten die Rückkehr der Kaiserin-Mutter zur Herrschaft, da« Volk dagegen sei gleichgiltig gegen dieselbe. Konstantinopel, 26. September. Wie verlautet, willigte der Sultan nunmehr in die Abberufung der türkischen Truppen von Kreta. Die Einschiffung derselben soll Mitte October erfolgen. Cocates rind ^provinzielle». Gießen, 27. September 1898. • • Zwei erlauchte verwandte nufere« Großherzoglichen und de» russischen Kaiserhäuser werden in aller Kürze sür längere Zeit hier ihren Wohnsitz nehmen: Erb graf Alexander und Graf Victor von Erbach-Schön- berg, ersterer, nm Universität-Vorlesungen zu hören, letzterer, um fich unter Leitung von Herrn Dr. Roese für die Reifeprüfung des Gymuafium« vorzubereitrn. Bekanntlich ist die durchlauchtigste Frau Mutter der beiden Grafen, geb. Priu- zesfin von Battenberg, al« Tochter de« Prinzen Alexander von Heffen, eine leibliche Coufine de« hochsrligeu Großherzog« Ludwig IV., sowie de« verstorbenen Kaiser« Alexander III. von Rußland. • * Höhere« Schulamt. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 21. September den LehramtSaffeffor Philipp Bitsch zu Alzey zum Lehrer au der Realschule nud dem Progymnafium daselbst zu rruenneu. * * Au» dem Zustizdieust. Durch Entschließung Groß- herzoglichen Ministeriums der Justiz wurden dir Gerichts- affefforen Otto v. Pstster in Darmstadt und Dr. Ludwig Heß daselbst mit Wahrnehmung derDievstverrlchtungen eine« Amtsrichters bet den Amtsgerichten Darmstadt II, bezw. Darmstadt I beauftragt. • • Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Am 16. Sep- tember wurde dem GerichtSaffeflor Friedrich Lu gisch au« Darmstadt die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft am Landgericht der Provinz Oberheffen rrtheilt. * * Zum Srotzh. Xurniuspecto, an Stelle de« verstorbenen Herrn Marx wurde HerrReallehrrr E. Schmuck tu Bingen (früher in Gießen) ernannt. • • Da« städtische Freibad an der Lahn ist sür diese Saison geschlossen. Im Monat Mat wurde deS Hoch- waffer« wegen in demselben nur vereinzelt gebadet. Da« Bad zählte an Badegästen im Juni 3949, im Juli 5486, im August 7338 und im September 4008. Die stärkste TageSsrrqurnz hatte der 17. August, au welchem Tage daS Waffer 20, die Last 26 Grad R. hatte, eS badeten an diesem Tage 1600 Personen. — Während de« Sommer« hatte der Bademeister Weidmann 46 Schülern Schwimmunterricht ertheilt. Der Fall wegen Mord vor den Seschworeueu gegen die Wittwe Sänger ist um deßwillru ausgefallen, weil deren vertheidiger, Rechtsanwalt Men de Iso hu, die geistige Zu- rechnungSsShigkett der Angeschuldigten bezwetselt und dieser- halb deren Beobachtung bei Gericht beantragt hat. Da« Landgericht hat dem Anträge stattgegrbeu und wird die Sänger, welche vor etwa vier Jahren wegen KindeSmord schon einmal abgeurthetlt wurde, wahrscheinlich der psychiatrischen Klinik überwiesen werden. Radsport. Franz verhetzen fiegte am Sonntag in Zürich gegen italienische und Schweizer Concurrenteu im Haaptfahren mit großer Urberlegenheit. Derosst startete am Sonntag in Lüneburg, ebenso Boggio, wahrend Opel und Duill im Tandemfahren in Mainz gegen die Gebrüder Albert fich al« Erste behaupteten. Im Amateur-Hauptfahreu wurde Opel gegen Paul Albert Zweiter. Gestern (Montag) betheiligte fich verhetzen am Rennen in Mainz, um oou dort fich nach Prag zu begeben, wo am Mittwoch Radwettfahrten stattfi^den. Sicber aber wird verhetzen sowohl wie Opel am Sonntag auf unserer Bahn fahren. •» GerstenanSfiellnng. Für Mälzer, Brauer und Land- wirthe wird e« von großem Jutereffe sein, zu erfahren, daß gelegentlich der NachmittagSfitzung de« Club« für Laudwirthe zu Frankfurt a. M. im Restaurant „Taunus", große Bockeuheimerstraße, eine Ausstellung von einigen 20 au«- gewählten Proben verschiedener Gerfieusorten stattfiadrt. Sämmtliche Gerstensortrn find von hesfischen Landwirtheu gezogen und stellen Muster einer größeren Menge verkauss- bereiter Maare vor. ES ist Jedem gestattet, die Ausstellung von vormittags 9 Uhr ab zu besuchen. • • s. Hessische Pfarreien. SS besteht der Plan, eine Beschreibung der hessischen Pfarreien in einem Buche zu veröffentlichen. Der WohlfahrtS-Aurschuß der hesfischen Pfarrverein« wendet fich darum an die hesfischen Geistlichen und ersucht sie, Beschreibungen ihrer Pfarreien zu liefern. Der Preis de« Buches soll höchsten« 7 — 8 Mk. betragen, wird aber bei allgemeiner Betheiligung mäßiger werden. * •* Im Juni 1899 wird in Frankfurt a. M. eine große Ausstellung brr deutschen LandwirthschaftSgesellschast statt- finden, auf welcher sür da« Vogelsberger Rind etwa 61 Plätze Vorbehalten find. Die Ausstellung muß im Kreis Gießen durch den Zuchtverein Gießen erfolgen. Anmeldungen find bi« 16. Octoder d«. IS an den Dtrrctor diese» Zucht- Vereins oder an den Präsidenten des landwirthschafllichen Verein« der Provinz Oberheffen zu richten. ES ist zu hoffen, daß die Züchter und Besitzer schöner Thtrre der Vogelsberger Raffe fich die günstige Gelegenheit, in dem nahen Frankfurt Preise und Anerkennung zu holen, nicht entgehen laffen. ES werden von einer Commisfion die schönsten Exemplare der angemeldeten Thiere auSgewShlt und zufamwengestellt. Die Mitglieder de« Zuchtvereins genießen den Bortheil, in den Sammlungen der Vereine und zugleich als LiuzelauSsteller concucrireu zu können. — Dabei sei noch eine Bemerkung gemacht. ES ist mehrfach nach der VerbaudSauSstellung für Vogelsberger Vieh zu Gießen im Juli d«. Jahre« Unzufriedenheit über den Ausfall der Prämitrung geäußert und.bemerkt worden, die kleinen Besitzer könnten mit den Zuchtoiehhöfen, die alle großen Preise erhielten, nicht concurrtren. ES ist richtig, daß z. B. dem Zuchlviehhof Bingmühle (E. Zimmer) im Ganzen zehn Preise zuerkannt wurden. Davon find ihm aber nur zwei ausbezahlt worden, während die übrigen acht im Gesammtbetrag von 545 M^ dem Comitü zur ander- weiten Verfügung bei der Prämitrung verblieben find, weil nach der Prämi'rungSordnung nicht mehr als zwei Preise all einen Aussteller gezahlt werden durften. Andrerseits darf man nicht übersehen, daß viele kleinere Laudwirthe mit Preisen von bis zu 120,150 und 260 Mk. bedacht wurden. Em Mittel, fich günstigere AuSfichten bet PreiSvertheiluugen zu sichern, ist der Anschluß an den BezirkSzuchtvereiu bezw. locale Zuchtvereine. Dadurch hat z. B. Großeu-Ltudeu schöne Erfolge erzielt. In Verbindung damit steht die Ankörnng sür daS Herdbuch. Laudwirthe, die den Bortheil der Reiuzuchr erkennen und den Btehzuchrvereineu und der Herdbucheinrichtung beitreten, werden den Nutzen bald erfahren, der ihnen in der Berbefferung der Zucht und in der Thetluahme an der vom Staat dafür bewilligten Mitteln erwächst. ES wird z. B. beabsichtigt, Thierschauen ganz kleiner Bezirke von einem oder wenigen Gemeinden zu veranstalten und dabei Prämitrungen vorzunehmen, die gewiß nicht verfehlen werden, das Jutereffe an der Reiuzucht de« Vogelsberger Vieh« neu zu beleben. x Bon der Rabenau, 25. September. In Climbach fand heute die Einweihung de« neuen Schulhauses statt. Bon Großh. Kret« Schulcommisfiou waren erschienen Herr Provinzialdirector v. Bechtold und Herr KreiSschul- iuspector Dr. Luciu«, al« Vertreter der Baubehörde die Herrn KreiSbauinspector Stahl und Kretsstraßenmeister Förster. Gesang der Schulkinder und eine durch Herrn Lehrer Räder gehaltene längere Ansprache über die Wichtigkeit de« SchulhauseS und der Schularbeit dienten al« Abschied von dem alten, äußerst engen Schulstübchen. Unter Borantritt der Kret«. und Gemeindebehörden geleitete Glocken- geläute die Anwesenden an da« Prächtige neue Schulgebäude. Hier hielt Herr Psarrer Weber die Weiherede, betonend: „Schularbeit ist MtssionSarbett!" Nach Danke-worten des ersten Vertreter« der Baubehörde und Ueberreichung de« SchlüffelS von Seiten de« Vorsitzenden Großh. Krei,-Schul- commisfion hielt Herr Bürgermeister Stein eine Ansprache und öffnete das mue Hau«, worauf durch eine Rede de« technischen Mitglied« Großh. Kreis Schulcornm'.sfion und ein Hoch unter mehrstimmigem Gesang der Nationalhymne in dem geräumigen neuen Schulsaal die würdige Feier ihren Abschluß fand. — von den acht Orten der Rabenau haben seit der neuesten Schulgesetzgebung bereü« sechs Neubauten für Schulzwecke errichtet- in den beiden noch rückständigen sollen solche im nächsten Jahre entstehen und zwar in Lon- darf ein neue« Schulhan« mit zwei Schulsälen nebst zwei Lehrerwohnungen und in Allert«hausen ein neuer Schulsaal. In Keffelbach wird mit October d. I. da« vor mehreren Jahren durch Neubau ersetzte alte Schulzimmer wieder tu Gebrauch genommen, weil die Bildung einer zweiten Schul- klaffe fich als nothwendig erwiesen hat. n. Leidhecken, 25. September. Die von der Firma G. A. Jauch tu Leipzig hierher gelieferten neuen Kirchenglocken wurden heute eingeweiht. Ihr Geläute ist sehr schön, weich bei aller Tonfülle. Die große 381 Kilogramm schwere Glocke ist auf da« tiefe A, die kleine 187 Kilogramm schwere aus da« kleine Cis gestimmt. ? Groß-Felda, 26. Sepiember. Dem hiesigen Gall- Wirth F. wurde am Sam«tag von Leuten gesagt, daß fich auf der Straße nach feinem außerhalb de« Orte« gelegtetn Felsenkeller reichlich Cigarren verstreut befänden, die alttr- ding« durch die Straßenuäffe unbrauchbar geworden. E n sofortiger Besuch des Felscnkellers ergab, daß in demselben ein Einbruch stattgefunden. DaS Thllrschloß war gewaltsam geöffnet, mehrere Cigarrenkistchen fehlten und e n Faß Bier war angesteckt und daran« getrunken word-n. Der Krahnen befand fich noch im Faß. Der verdacht fiel sosort auf zwei Buben der zur Zeit fich hier aufhaltenden Krfiel- und Schienfl cker« Lenz. Diese Jungen im Alter von 12 bezw. 10 Jahre waren so voll bezecht nach Hause gekommen, daß ihre Eltern, die als ehrliche Leute bezeichnet werden, darüber erstaunten. Die Buben gaben auf Befragen an, fich den Dusel bet der Dreschmaschine, bei der fie geholfen, geholt zu haben. Dem von dem Einbruch benachrichtigten Gendarmen Dörr au« Ruppertenrod gelang es, die jugendlichen Diebe zu überführen und zum Geständviß zu bringen. Sie wurden von demselben verhaftet und in da« Gefängntß nach Ulrichstein gebracht. § Ruppertenrod, 26. September. Wie äußerst rentabel die Gemeinde-Obstbaumzucht ist, zeigt wieder einmal klar der Erlös, welcher hier aus Gemeindeobst erzielt wurde. Letzterer beziffert fich auf eine Summe von 200 Mk. Diese Summe muß um deßwillen als hoch bezeichnet werden, weil die Hauptanpflanzungen noch sehr jung find. Bor zwei Jahren wurde dieselbe Summe erzielt. Die Obstbäume rentiren somtt schon gleich einem Kapital von ca. 3000 Mk., wenn der JahreS- erlöS mit 100 Mk. beziffert wird. Auch an den früheren Staatsstraßen wurden au« den jungen Pflanzungen namhafte Beträge für Obst erzielt. In neuester Zeit scheint man auch auf dem Lande den hohen Werth deS ObstcS mehr zu schätz.u wie ehedem. Da« zeigen die Beträge, die man dafür a-s- gibt. DaS sollte nun aber auch Veranlassung sein, die Obst- baumzncht in den eigenen Gärten rationell zu betreiben. Bad Ranheim, 22. September, vom 16. bi« 22. September find angekommen 269 Badegäste, verabfolgt wurden 5191 bezahlte Bäder und 290 Freibäder. Die Zahl der vom 1. April bis 22. September angekommenen Badegäste beträgt 19,270, der verabfolgten Bäder: 239,616 bezahlte Bäder und 11,625 Freibäder. — Auf Anregung des Herrn BadecommiffärS, Obersten v. Hofmann, wird die Stadt Bad Nauheim an d:r Villa Kracht, in welcher Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich int Lause dieses Sommers sechs Wochen wohnte, eine Gedenktafel anbringen laffen. Aus Oberheffen, 24. Sepiember. Auf der am 1. Oktober zu eröffnenden Bahnstrecke Bad Salzschlirf—Schlitz wird an Stelle eine« schon veröffentlichten Fahrplan« ein neuer Fahrplan zur Anwendung kommen. Danach find sieben Züge täglich in jeder Richtung vorgesehen, davon je drei versuchsweise, d. h. dieselben werden bei ungenügender Benutzung wieder aufgehoben werden. Darmstadt, 26. September. Am SamStag war auf dem kleinen Exerzierplatz reges Leben, MufikcorpS spielten abwechselnd und der große Platz war ungewöhnlich dicht mit Soldaten und auch Civilisten, die fich die Abspeisung der Großh. Hrff. Regimenter Nr. 116, 117, 118, 168 und deS Hess. Pionier Bataillon- Nr. 11 anfthen wollten, bevölkert. Die Maffenspeisung anS der westlich vom Exrrzierhans stehenden Feldküche, wo große Reffei dampften und eine aus Fleisch, Gemüse und Kartoffeln zusammengesetzte sehr schmackhafte Suppe lieferten, ging in befriedigendster Weise vor fich - die Offiziere speisten im genannten Lxerzierhau«. Nach 4 Uhr wurden die Truppen mit Extrazügen in ihre Garnisonen zurückbefördert. △ Mainz, 26. September. Das hiesige Schwur- geeicht verurtheilte heute den 27jährigen Postgehülfen Heinrich Hummel von hier, zuletzt auf dem Postamt in Wöllstein beschäftigt, wegen Unterschlagung zu 2 Jahren und 3 Monate Zuchthaus. Hummel hat 8 Werthbriefe und 10 Postanweisungen im Gesammtbetrag von Mk. 10,900 unterschlagen. Der Defraudant war nach dem Elsaß entflohen, wurde aber alsbald in Mühlhausen verhaftet. Bi« auf Mk. 450 fand man noch die ganze unterschlagene Summe in seinem Besitz. — Auf dem Bahnhof in dem nahen Kastel stürzte verfloffene Nacht eine soeben von Frankfurt gekommene Locomotive eine« Schnellzuge« in Folge falscher Weichenstellung in den Unterbau der Centraldrehschetbe. Der Locomotivsührer und der Heizer konnten fich noch durch Abspringen retten und kamen mit dem Schrecken davon. Da die Locomotive unmittelbar vor der allgemeinen Maschinenhalle zu Fall kam und dieselbe wegen ihrer Schwere nur stückweise aus der Tiefe geschafft werden kann, so ist durch daS Borkowmniß eine große Verkehrsstörung entstanden, indem keine Locomotive weder nach noch ans der Halle kann. — Bon einem Lokalboot zwischen hier und Griesheim stürzte fich gestern Abend ein junger Mann nach einem vorhergegangenen Wortwechsel mit seiner ihn begleitenden Brant in den Rhein und verschwand für immer in den Wellen. Ar«» öet Kett für die -ett. Vor 39 Jahren, am 28. September 1859, starb al» Professor in Berlin der berühmte Geograph Karl Ritter, neben Humboldt der Schöpfer der allgemeinen vergleichenden Erdkunde. Von Humboldt angeregt, hat er durch seine Geographie von Asien die Wissenschaft der Erdkunde gänzlich umgestaltet; er war es auch, der die Geschichte des Menschengeschlechtes aus den natürlichen Bedingungen des Erdenleben« entwickelte. Ritter wurde am 7. August 1779 zu Quedlinburg geboren. 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Oktober As-Schii- tolib rptoal eia neuer ch find fiiben Zii.r u je bret mW' nttgtnbn vmtzouz imltag toax ans bte tkcorpl spltlti« °b' gewöhnlich dicht mit t Abspeisung der 118,168 und hl i wollten, bevölkn'. i Trerztirhaul ,K« w‘ mfiftl lt«** Ml-*' ®'V jitrjlfÖ«»1' 81,4 «,ta W»v n Postamt t° ®ia .ü 2 Mb ! »ÄS! Z**%J5 -r.gt rt®-* 54,,d“'ftb* l«l®‘ »M U «° w <* I w» M < V«.. d->5 • Wetzlar. 26. September. Heute Morgen wurde die Verkäuferin bei hiesigen Tonsumveretns, Frau Wittwe Wehl, bei der Wollspinnerei all Leiche oul der Lahn gezogen. Die unglückliche Frau, welche einer sehr achtbaren Familie entstammt, war eine etwal verzagte, kleivmüthige Natur, welche sich Unannehmlichkeiten, die sie betroffen hatten, so zu Herzen nah«, baß sie sreiwilltg den Tob suchte. • Gaffel 26. September. Die schon so oft gerügte Unsitte, Obstreste und Obststetne aus bte Bürgersteige zu werfen, hat anfl Neue eia Opfer geforbert. All am Samstag Nachmittag eine Dame bte vor einem Hause am Köuiglehore gelegenen Treppenstufen htnabstieg, trat sie auf eine daselbst liegeude angesaulte Birne, glitt aus und schlug mit dem Rückeo und Hioterkopfe so heftig auf die Kanten der Treppenstufen, daß sie bewußtlos aufgehoben und tu einer Droschke nach Hause gefahren werben mußte. Eingesandt. I®toten, 26. Septembr 1898. Wenn Jemand einen Privatwunsch hat, der ihm peksSnltch Angenehmes dringen soll, bann überredet er einige Freunde und der im Eingesandt so heimisch- anonyme .Einer für Stele* ist fertig. Dieser große Unbekannte hat nun auch bei der Theater- Dtrection mit Glück den 7*/t Uhr Anfang burdbfltbtücft; probeweise soll daS Theater also eine halbe Stunde früher beginnen. Hätte die Directton den Rath kundiger Thebaner eingeholt oder befolgt, würde sie sich dazu nicht verstanden haben, denn diese Probe kostet Geld, weil sie EinnahmeauSiälle bringen wird. Alle Gründe dafür anzuführen, verbietet der Raum, meiner Meinung nach verzichtet dal Etadttheater mit dem 71/« Uhr Anfang auf das Gros der Geschäftswelt, auf eine ganze Reihe Lehrer und Hörer der Universitär, die sehr häufig bis 8 Uhr in THStigkett find. Rüttele man doch nicht unnütz an bewährtem Althergebrachten; was einer Großstadt mit regem Fremdenverkehr woblthut, ist doch nicht maß» gebend für Gießen, welches ohne Zuschuß von Außen sein Theater erhalten soll. ____________Einer, dem wohl Diele zusiimmen werden. Dcrtri^r, Land- rrnd DolFttvirtbfcbafi. Gießen, 27. September. Marktbericht. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. X 0.90—1.20, Hübnereier per St. 7—8 2 St. 00-00 H, Enteneier 2 St. 00—00 H. Gänse« eiet per St. 00—00 Käse 1 St. 5—7 Käsematte per St. 3 4, Erbsen per Liter 18 4, Linsen per Liter 30 Tauben per Paar X 0.60—0.70, Hühner per St. X 1.00—1.20, Hahnen per Stück X 0.80—1.20, Enten per St. X 1.80—1.20, Gänse per Pfund X 0 48—0.54, Lchsenfleisch per Pfd. 66—74 Kub« und Rindfleisch per Pfd. 62—66 Schweinefleisch per Pfd. 68—76 H, Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 80 Kalbfleisch per Pfd. 62—64 H, Hammelfleisch per Pfd. 50—70 Kartoffeln per 100 Kilo 5.00 bis 6.50 X, Weißkraut per St. 8—16, Zwiebeln per Ctr. X 5.00—0.00, Milch per Liter 16 H, Zwetschen per Ctr. X 8.00—4.00. Dauer der Marktzeit von 8 Uhr Morgens bis 2 Uhr Nach« mittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nicht feilgcboten werden_______________________________ Neueste Nachrichten. Depesche» des Bureau .Herold*. Berlin, 27. September. Die unverehelichte 40jährige Marte Becker 'wurde gestern tu ihrer Wohnung, Weidenweg 6b, tobt aufgesundeu. Es konnte bisher noch nicht festgestellt werben, ob Mord oder Selbstmord vorliegt. Ein der verstorbenen nahestehender Mann ist vorläufig in Haft genommen worden. Budapest, 27. September. In de« Grauer Kohlenwerk fand ei» Wasser- Einbruch statt. Nähere Mit- theilungen über das Unglück fehlen noch. Paris, 27. September. Der gestrige Ministerrath, der bte Ueberweisuug der Dreyfus«Acten an den Eaffations- bof beschloß, dauerte vier Stunden. Sarrieu und viger stimmten erst nach langem Zureden seiteol ihrer Lallegen der Revision zu. Noch gestern sollten die Beton dem Eaffottaol- hofe eiugereicht werden. Der Befehl zur Einschiffung vorn Dreyfus für die Reise nach Frankreich soll bereits erthetlt sein. Briffou conferhte nach bem Ministerrath eine halbe Stunde mit dem Polizei-Präfekten Blanc. Später begab er sich ins Elh'se zum Präsidenten Faure. Dieser machte, wie verlautet, Briffou vorwürfe, die Revision in seiner Abwesen» heit beschloffen zu haben. Bor Anfang October wird der Präsident der Erimtnalkammer des CaffationshoseS keinerlei Vernehmung anorbntn. Jene drei Mitglieder des CaffaUons« Hofes, welche tu der Revtfions-Cammiffwn mit Nein gestimmt haben, gehören nicht der Criminalkammer an. Diese beg-nnt also vollkommen unbeeinflußt ihre Untersuchung. Der Laffationshof kann die Verweisung vor ein neues Kriegsgericht zwar nur mit einem Formfehler oder mit eine» neuen Factum, welches die Unschuld des Berurtheilteu bat* thut, begründen, hat aber auch die Macht, die Schuld- frage selbst zu prüfen und alle Zeugen zu vernehmen. Er kann also eine vollständige Untersuchung veranstalten und schließlich ein motivirtes Urtheil mit voller Klarlegung der Thatsachen publictren. Die Versammlung nationalistischer Abgeordneter, welche zuerst im Abgeorbneun- Haus stattfinden sollte, wo aber ein paffender Raum verweigert wurde, findet nunmehr heute in einem Hotel statt. Herr Eduard Wolff* im Alter von 83 Jahren. Giessen, Bahilang (Sumatra), Hofgüll, 27. September 1898. Die Beerdigung findet Donnerstag den 29. September, Nachmittags X\