1S0S Nr. M Erstes Blatt. Donnerstag den 28. April Erscheint iägki<ö mit Ailsnahmr deS MontagS. Dir Gießener M«mikte«»kätter werden dem Anzeiger wöchentlia) vierma beigelegt. Gießener Anzeiger Attjugsprels vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg.' monatlich 75 Pfg. mit Bringerloh». Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu vcr Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Norm. 10 Ubi Heneral-Anzeiger Alle Anzeigen-VermittlungSstcllen deS In- und AuSlaudeT nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Amt»- und An;eig«blatt für den K«i* Gieren. Redaction, Expedition und Druckerei: Schukstrahe Ar. 7. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. Adresse für Depeschen: Anzeiger chietze«. Fernsprecher Nr. 51. Deutsch«» U«id?»tag. 76. Sitzung vom Dienstag den 26. April 1898. Präsident Frhr. v. Buol heißt zunächst die (8r* schteueneu herzlich willkommen mb veritrst sodann ein Dank« telegramm drS Königs von Sachsen für die ihm vom Reichstag dargebrachte Gratulation. TagrSordnong: Erste Lesung deS Gesetzentwurfs betr. die elektrischen Maßeinheiten. Staatssekretär Graf PosadowSky empfiehlt die Borlage. z Nach ganz kurzer Debatte ist die erste Lesung beendet- die zweite Lesung findet demnächst gleich im Plenum statt. ES folgt die zweite Lesung der vom Abg. Prinz Aren« berg u. Gen. beantragten Novelle zum Strafgesetzbuch (lex Heintze). Beim 8180(Kuppeleiparagraph)empfiehltAbg. Schwär tze al» Referent die Beschlüffe der Commission. Abg. Schall (conf.) bittet ebenfalls, diese Beschlüffe unverändert anzunehmen und alle die vielen Abänderungsanträge abzulehnen. Abg. Jskraut (Antis.) bittet, den Absatz 2, wonach die WohnungSvermirthurig an gewerbsmäßig Unzucht treibenb« Frauenspersonen nur dann als Borschudleistung anzuseheu ist, wenn damit eine Ausbeutung des unsittlichen Erwerbes der Mtetherin verbunden ist, zu streichen bczw. den Absatz wie folgt aufoffen: „Die Verfolgung dervermiether von Wohnungen an Personen, welche erwerb-mäßig Unzucht treiben, tritt auf Antrag der Polizeibehörde ein." Adg. Stadthagen (Soc.) kann diesem Borschlage nicht zuftimmen, weil derselbe die Polizei zum Richter darüber wachen würde, was in dieser Beziehung sittlich, und waS unsittlich sei. Es sei überhaupt falsch, den Dirnen zu sagen: wegen Eure» Gewerbes wollen wir Euch nicht strafen, aber wohnen dürft ihr nirgends. Er bitte und beantrage, Absatz 2 so zu {offen, daß da» WohnungSvermiethen an weibliche Personen, welche gewerbsmäßig Unzucht treiben, nicht als vor- schnbletstung anzusehen sei. Abg. Pieschel (nt.) bezeichnet den Paragraphen, der sich auf die Arbeitgeber bezieht (Mißbrauch ihres verhält- »iffeS zum Arbeitnehmer) al» viel zu weitgehend. Ebenso seien die Bestimmungen bedenklich über die öffentliche Ausstellung von Schriften, Bildern rc. WaS § 180 anlange, so könnten feine Freunde demselben zustimmen, und zwar auch dem Absatz 2 in der Faffung der Commission,- dagegen müßten sie sowohl den Antrag J-kraut wie den Antrag Stadthagen ablehnen. Abg. Roer en (Sentr.) bittet um unveränderte Annahme des § 180 und um Ablehnung der Anträge der Ab- geordneten Jskraut und Stadthagen. Man könne unmöglich, wie es der Antrag Jskraut wolle, der Polizei ein solches Lrmeffen gewähren. Die Debatte wird geschloffen. Bor der Abstimmung erklärt Abg. Richter (srs. Bg.), seine Freunde seien nicht Gegner deS Entwurf» in allen feinen Punkten. Aber Angesichts der bereit» ausgeschriebenen ReichStag»wahlen seien sie der Ansicht, daß daS Pensum deS Reichstage» auf daS Allernothwendigste beschränkt werden müßte. Seine Freunde seien daher nicht geneigt, die ver- Handlungen über diese» Gesetz vor einem unbeschlußsähigen Hause vorzunehmen. Er (Redner) bezweifle die Beschluß- fähigkeit de» Hause». Die Auszahlung ergiebt die Anwesenheit von 132 Mitgliedern, das HauS ist also nicht beschlußfähig. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr: Nachtrag»etat, zweite Lesung der Novelle zur CoucurSordnung, Antrag Salisch betr. den Nachetd. Schluß 3«/. Uhr. Deutsches Reich» Berlin, 25. April. Der Kaiser besichtigte, wie au» «tttschdors telegraphirt wird, heute Bormittag die Andrea»- Hütte bei Klitschdorf. Die Auerhahnbalz findet in den Forst- revieren Zumm und Ober-Pechofen statt. öm 6. Mai wirb bte Abreise des Kaiserpaares von Homburg nach Urville erfolgen. Der Kaiser hat bestimmt, daß der Flügel des Schlöffe» nach dem Taunus zu ausgebaut wird. Auch da» unvollendete Jagdschloß „GothischeS Hau»" im Taunus soll wieder hergestellt werden. Im Herbst gedenkt der Kaiser inf einige Tage wieder nach Homburg zu kommen, um die Saalburg zu besichtigen. Berlin, 26. April. In Gegenwart de» Kaiser» wird am 4. Mai die unter dem Protektorate der Kaiserin er- Staate «rlöserkirche in Pot»dam feierlich etogeweiht. Berlin, 26. April. Der BundeSrath trat heute vormittag im ReichStagSgebäude zu einer Pleuarfitzung zusammen. Die Novelle zum GerichtSverfaffnugSgesetz, zur Strosproceßordnung, zur Civilproceßordnung und ConcurS- ordnung, sowie der Antrag Salisch und Genoffen betreffend die Form ber Vereidigung rc. werden in den nächsten Tagen der Reihe nach zur zweiten Berathung im Plenum de» Reichstage» gestellt werden. Berlin, 26. April. Da» Abgeordnetenhaus hat heute die Secundärbahn-Borlage an die Budget-Commission verwiesen. Morgen: Antrag Herold, betreffend die Kosten der thierärztlichen Untersuchung und Antrag v. Mendel, betreffen« Grenzsperre gegen Viehseuchen. Schluß 4 Uhr. Berlin, 26. April. Der König von Sachsen hat dem hiesigen .französischen Botschafter, welcher ihm die Glückwünsche der französischen Rrpublik überbrachte, da» Großkceuz de» Albrechtordens verliehen. Berlin, 26. April. Die „Nordd. Allgem. Zig." erklärt gegenüber einer Blättermeldung, daß man an maßgebender Stelle mit dem verkauf der Schnelldampfer der Hamburg-Amerika L nie an die vereinigten Staaten einverstanden gewesen sei. Homburg v. d. H., 26. April. Da» Befinden der Kaiserin hat sich derart gebeffert, daß die Aerzte ihr wiederum da» Reuen erlaubt haben. Frankfurt a. M., 26. Aplil. Der „Franks. Ztg " wird au» München gemeldet: Infolge der von den Arbeitgebern beabsichtigten Generalaussperrung sind in den letzten Tagen Hunderte von Arbeitern den Gewerkschaften beigetreten. Frankfurt a. M., 26. April. Der „Franks. Ztg." wird auS fernen gemeldet, daß dort infolge Mangels von Getreide eine Hungersnot h anlgebrodten fei. Frankfurt e. M, 26. April. Aus New-York wird der „Franks. Ztg." telegraphirt: Portugal erklärte Spanien, die fPanische Flotte müßte die Cap verdeschen Inseln verlaffeu. — Eine kleine Abtheilung amerikanischer Truppen landete an der Nordküfte Cuba» zu Recog- nofclrungsn. — Ueber Portorico ist der Belagerungszustand verhängt. Die dortige spanische Bank stellte ihre Zahlungen ein. — In Havanna kostet frische« Fleisch baß Pfund 2 Dollar». — Der Präsidentschaftskandidat Bryan hat fick als Freiwilliger gemeldet. Köln, 26. April. Die „Köln. Ztg." meldet aus Madrid: Depeschen aus Havanna zufolge ist dort der gestrige Tag ruhig verlaufen, vom Strande und von den Dächern betrachten die Einwohner die amerikanischen Schiffe, die sich außer Schußweite bewegen. Am Mittag erschien ein großer Dampfer, der vor den feindlichen Schiffen floh und von einem Kreuzer verfolgt wurde. Zwei amerikanische Schiffe liegen vor MananzaS. Köln, 26. April. Der „Köln. Zig." wirb au» New- York gemelbet: Nach einer Washingtoner Mittheilaug aus guter Quelle schweben thatsächlich Berhandlungen zwischen ben Bereinigten Staaten und England, die, soweit die Cabinette in Betracht kommen, in ihrem Verlaufe zu einem Bünduiffe führen wüßten. Wie verlautet, stehe Sherman» Rücktritt mit diesen Berhandlungen in einem gewiffen Zusammenhang. Leipzig, 26. April. Heute wurde die hiesige Handelshochschule, die erste im Deutschen Reiche, in feierlicher Weise eingeweiht.__________________ AusUrud. Bien, 26. April. DaS Abgeordnetenhaus nahm nach stürmischen ©eenen, veranlaßt durch eine Rede de» Abgeordneten v. Kramarz, den Antrag aus Versetzung deS früheren Ministerpräsidenten Badeni in den Anklagezustaud einem Ausschuß zu überweisen, mit einer Majorität von acht Stimmen an. Bien, 26. April. In der heutigen Abgeordneten- hauSsitzung brachten die Abgeordneten Funke und Genoffen etee Interpellation wegen der am Sonntag in Prag stattgehabten Exceffe ein. In der Interpellation wird die Regierung zum Schutze der Deutschen Prags, sowie zur sosortigen Abberufung de» Statthalter» von -Böhmen und zur Amts- entsetzung de» Prager Bürgermeister» aufgefordert. Bien, 26. April. In Klagesachen der auf Grund der lex Falkenhaiu im letzten Herbst von drei Sitzungen mit Diätenverlust auSgeschloffeuen Abgeordneten entschied heute da» KreiSgericht, die Regierung sei schuldig, den Klägern den Betrag von je 30 Gulden Diäten innerhalb 14 Tagen bei Vermeidung der Execution und die Kosten der K'age zu ‘ zahlen. Bien, 26. April. Die „Polit. Corresp." erhält au» London eine Zuschrift, derzufolge verlautet, daß England sofort nach dem ersten ernsten Kampfe im spanisch-amerikanischen Kriege die Initiative ergreifen werde, um eine Ber- mittelung»actton ben Mächten vorzuschlagen. Möge die erste Schlacht wie immer an»fallen, so dürste e», wie man meint, Spanien dann möglich sein, in dir Unabhängigkeit CubaS zu willigen. Prag, 26. April. Die tschechisch-nationale» Arbeiter von Prag werden in diesem Jahre zum erste» Male den ersten Mai ebenso wie die internationale Socialdemokratie feiern. Bern, 26. April. Der „Bund" erfährt: Der BundeSrath hatte bei Ablauf bei Spanien von den vereinigten Staaten von Amerika gestellten Ultimatum» gleichzeitig bei den Regierungen von Madrid und Washington Schritte ge- thau, um nun von ihnen die Ausdehnung der Bestimmungen der Genfer Convention auf den Sfkrteg zu erlangen. ES würden demnach während des gegenwärtigen Kriege» die Zafotzartikel der Genfer Convention al» modua vivendi zur Anwendung kommen. Man glaubt, daß die genannten Regierungen gegen den Borschlag de» BundeSrath» um so weniger Einwendungen machen, al» Spanien 1872 und die Bereinigten Staaten 1882 erklärten, die Zusatzartikel anzu- nehmen. Pari», 26. April. Der „Evennement" hält die Meldung von der Demission de» Staatsanwalt» de» Cassation» Hofe» aufrecht. Pari«, 26. April. Der heute im Elyläe abgehaltene Ministerrath nahm Kenntniß von den officiellen Mit- thciluugen der Bereinigten Staaten und Spanien, welche unter den gegenwärtigen Berhältniffen weder dem Handel der Neutralen, noch dem freien Transport von Waarcr,, ausgenommen KriegScontrebande, ein Hinderniß entgegenstellen. Der Ministerrath beschäftigte sich alsdann mit der Neutralitäts-Erklärung, welche im „Journal Offtciell" veröffentlicht werden wird und analog derjenigen ist, welche zur Zeit deS ruffisch-türkischen Kriege- im Jahre 1877 veröffentlicht wurde. DeS Weiteren gab Ministerpräsident Meline einen Bericht über die Lage deS französischen und deS ausländischen Getreidemarkte», aus dem hervorgeht, daß die Versorgung mit Lebensmitteln in keiner Weise bedroht ist. London, 26. April. Der Commodore Deweh ist mit sieben Schiffen de» amerikanischen Geschwader» im Stillen Oeean von MtrSbah nach Manilla abgefahren. London,26. April. Nach Meldungen au» Washington rief in der gestrigen Senat»fitzuug die Erklärung des Senator» Buttler große Sensation hervor, wonach die Panzerplatten der meisten amerikanischen Krieg»schifse mangelhaft seien. Mehrere Senatoren sprangen erregt auf und riesen, daß derlei Anklagen im gegenwärtigen Augenblick Hochverrath seien. Senator Buttler erwiderte, die wahre« verräther seien nicht Diejenigen, welche Betrügereien bei der nationalen Wehrkraft aufdeckten, sondern Diejenigen, welche sie duldeten. London, 26. April. Neuerding» wird der Plan, betreffend den Ankauf der griechischen Flotte feiten» der Bereinigten Staaten von Nordamerika für den Prei» von 45 Millionen Francs wieder in Erwägung gezogen. London, 26. April. Wie der Agent von Lloyds in New ysrk telegraphisch meldet, bedarf die Nachricht von der Freilassung der von den Amerikanern gekaperten spanischen Schiffe der Bestätigung. Gegenwärtig werde» die Schiffe al» Geißeln zurückbehalten. — Beim Einlaufen in den Hafen von New-Uork und beim Berlaffen desselben sei größte Vorsicht erforderlich, da in der Bai Torpedo» gelegt seien. London, 26. April. Eine Sonderausgabe der „Official Gazette" veröffentlicht die Erklärung stricter und unpar- teiischer Neutralität und gibt bekannt, daß die Behörden Indien» und der Colonien unter dem 23. b. Ml», angewiesen wurden, in ihren Häfen die NeutralitätSborschriften zur Durchführung zu bringen. Falmouth, 26. April. Dem amerikanischen Torpedoboot „Somere»" wurde die Erlaubniß zur Abfahrt ver- weigert. Dasselbe mußte seine Feuer löschen und die Mannschaft entlaffen. Newyork, 26. April. Eine Depesche der „World" au» Washington meldet, daß in einer heute Nacht abgehaltenen Sitzung de» strategischen AuSschuffe» der Marinesecretär Song ben Beschluß faßte, da» fliegende Geschwader sofort auSlaufen zu laffen, um die spanische Flotte, fall» sie gegen I die amerikanische Küste zusteuere, abzufangen. Deutsche Jationalfeste loige erstrebt wurde, haben bisher nicht den Absatz gefunden, den die Postderwalillug zu erwarte« berechtigt war. Washington. 26. April. In Illinois stellten sich 30000 ucb in Nebraska 10000 Freiwillige der Regierung zur Verfügung. In St. Paul verweigerten Offiziere mehrerer «reuzer und Dampfer die Ausfahrt, bis die Regierung ihueu höhere- Behalt zugebilligt habe. Havanna, 26. April. Das Torpedoboot „Porter" fuhr letzte Nacht au die Küste heran. Der Lommandaot deffelbev ging mit einer kleinen Anzahl Leute au Land, wo er sich werthvolle Informationen verschafft haben soll. ,a, Ellzey, 22. April. Dieser Tage fand in einer hiesigen h^ern Lehranstalt die erste Gesangsstunde der AVE. schützen statt. Der diesen Unterricht ertheileude Lehrer lieh sich von jedem seiner jungen Schüler zur Prüfung der Stimme ein Liedchen Vorsingen. Hiner der angehenden Studiosen begann nun auf freundliche- Zureden de- Lehrer» au- voller Kehle „Komm, Karltoe, wir wollen nach Seckbach gehn" zu fchmerteru, und al- darauf da« Söhnchen eine» Arzte- au die Reihe kam, stimmte diese-, mit den Armen gesttcultrend, an: „Seh'n Sie, da- ,st ein Geschäft, da- bringt noch wa- ein.* Selbst der Lehrer konnte sich bei diesen eigenartigen musikalischen Vorträgen nicht zurückhalten und stimmte mit den übrigen Schülern ob dieser gelungenen Liederwahl in ein herzhafte- Lachen ein. Cocales Mitt p*wht$ielUs» Eietz«, den 27. April. •* ttrnaint wurden am 21. April der Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Altenstadt Adam Kayser zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Lorsch mit Wirkung vom Tage des Dienstantritt» feines Nachfolgers an, und der «ezirksfeldwebel Franz Mang zu Heppenheim a. d. B. zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Altenstadt mit Wirkung vom Tage seiueS Dienstantritts au- der Gefangeuwärter an der Zellenstrafanstalt Butzbach Johannes Friedrich zum Gefangenanffeher au dtefer Anstalt mit Wirkung vom 6. Mat 1898 an. Wir haben die feste Zuversicht, dah unser deutsche» volk gern bereit fein wird, diese Mittel in zureichendem SRofee für ein solches Werk auszubringen. Denn wenn im Jahre 1900 das erste Deutsche Natiouatfcst gefeiert wird, dann muß eS ein würdige», ein stolze» Bild sein, das von den Höhen des RhtineS herab in die deutschen Lande schaut. Da» Fest muß Zeuguih dafür ablegen, daß wir Deutsche e» enölidj gelernt haben, mit großem Sinn uns zur Ausführung eine» großen nationalen Gedanken» zusommenzufinden. Denn ein Werk gilt e» zu fördern, mit dessen Vollendung deutsche Vaterlandsliebe, deutsche volkskrast und deutscher Bürgerfion zu neuer kräftiger Blü.he sich entfalten werden! Wir wenden uns an alle Deutschen im Reiche und im AuSlaude, auf daß jeder Einzelne sein Scherflein, fei e» al» einmalige, sei eß al» laufende Beihilfe hierzu beitrage. W,r wenden uns inSbefoudere au alle Vereine, die der Volksgesundheit und der Pflege der Leibesübungen dienen, wie auch an alle anderen Vereine Deutschland», die von nationalem Geiste und vo.i deutschem Bürgerfinne getragen werden, da- mit ihre Mitglieder in freiwtllkger Selbstdesteaerong wöchentliche oder monatliche, den verhä^nissen de» Einzelnen angepaßte größere, fle.neie oder auch ganz kleine Beiträge für dreseS vaterländische Werk opfern. Wir wenden un» endlich auch an die Wohlhabenden unsere» Volke», auf baß sie e» al« eine Ehrenpflicht erachten, für die minder Begüterte« einzutreten zur Förderung eine» Werke», da» dem ganzen Volke zum Segen gereichen soll. Und gelingt e» uns, wie tmr zuversichtlich hoffen, da» deutsche volksgemüth für unsere vaterländische Sache zu begeistern und zu tbätiger Mithilse anzuregen, so dürfen wir in einer späteren Entwicklung der Dinge mit vollem Recht auch an die Gemeinden, an bte deutschen Staaten und an das Reich herantreteo. Möchten jetzt zahlreiche freiwillige Sammelstellen in allen Landestheilen durch Einzelne, Gemeiuschasten und durch Zeitungen geschaffen werden und sich dem Dienst der guten ®cdje widmen. Ihre Sammelbetrüge, wie auch alle unmittelbar gespendeten Beihilfen werden angenommen von der Depofitrukasse der Deutschen Bank m Berlin W., Mauer, ftrafee, sowie von ihren Filialen in München, Franksurt a. M., Hamburg, Bremen, Dresden und London. Etue größere Reihe anderer Sammelstellen wird demnächst bekannt gegeben werden. Und nun mit frohem und festem Muth vorwärt»! An jedem Orte, wo deutscher Sinn wach ist, trete man zusammen unb nehme den Gedanken auf. In jedem Gaue unseres ge- A Bom Stabe, 26. April. Jetzt, während die Stachel- und Johannisbeersträucher In Blüthe stehen, bemerkt man recht deutlich, welch großen Schaden manche Vögel an diesen augerichtet haben. Schon im zeitigen Frühjahre, al» Fann die Kno»pen zu schwellen begannen, konnte man beob- adjten, daß Bluifinken, Buchfinken und ganz besonder» die Sperlinge «. a. emsig an den Zweigen der Sträucher pickten. Bogelliebhaber vermutheteu, die Thierchen seien auf der Jagd nach Schmarotzern. Wer jedoch genauer prüfte, sah banal» schon eine Menge abgefreffener Blüthenkoo-pen unter den von den ungebetenen Gästen besuchten Beerensträuchern am »oben liegen. Bei wem ober noch Zweifel über die Thätig- kett biefer Vögel bestanden, der kann sich nun an den Sträuchern selber durch die Thatsacheu belehren lassen, denn die wenigen Blüthen stehen nur an den Haben ber äußersten bönnen Zweigspitzeu, woran die Vögel sich nicht setzen konnten. Nach dem Innern ber Sträucher find fast alle Kno»pen ab- gepickt. Die KooSpenreste treiben von Neuem au», liefern aber keine Blüthen, sondern nur Blätter und Zweige. So ist die diesjährige Ernte größteutheil» Vernichter unb wirb kaum ein viertel ber vorjährigen betragen. Hoffentlich suchen bie gefiederten Sänger durch Unterstützung im Kampfe mit der schädlichen Jnsectenwelt den Schaden wieder ans- zuwetzen. Pohl'GöuS, 23. April. Bei der gestern dahier abge- I ualtenen Bürgermeisterwahl wurde ter seitherige Bürgermeister, Herr Schepp, von 109 abgegebenen Stimmen mit 104 Stimmen auf bie Dauer von 9 Jahren wieder- gewählt. -o Butzbach, 26. April. Erfreulicher Weise mehren sich | J'J Anmeldungen zur GewerbeauSftellung, die I bekanntlich vom 11. August bi» 7. September ds. Js. hier- I stattfinden wird. Die günstigen Bedingungen, die unsere I ®n "0" Hauptverkehrsader gelegenen Stadt bietet, die Nähe de» aufstrebenden Bad Nauheims, unb andere größere Ber- I kehrSpunkte, die mächtigen Zufluß an Fremden bringen werden, ,-d-u Ition heute Die «ütgfdtaft, ba6 die «ulstelluug »eit I ®cn Nahmen eines engbegrenzten Localunternehmens I hinauStreten wird. Das mag auch unsere Industriellen ver- anlaßt haben, Erzeugniffe in Aussicht zu stellen, wie man I ste fönst nur in Ausstellungen größeren Stil» zu sehen ge- I wohnt ist. ES wird also vortheilhaft sein, mit ber Anmeldung vorzuführender Gegenstände nicht allzulange mehr zu zögern. Die Vorarbeiten werden eifrigst gefördert. Demnächst wird daS künstlerisch auSgesührte Placat die Anfmerk- samkeit weiterer Kreise auf da» Unternehmen hinlenken. Darmstadt, 26. April. Die „N. Hess. vdl." schreiben: Bekanntlich hat fich infolge der eoblo» langen Debatten der । ö» eit en Kammer die Budgetberathung viele Wochen! lang hinau»gezogen, wodurch dem Lande sehr beträchtliche Kosten erwachsen find. Nur die persönlichen Ausgaben an bte Abgeordneten sollen im letzten Quartal durchschnittlich pro Monat 8« bi» 10 000 Mk. betragen haben, für Diäten und Reisespesen. Unseres Wissen» erhalten die auswärtigen Abgeordneten pro Tag 9 Mark Diäten, ferner 3 Mark für UebernaLten und Ersatz der wirklich aufgewendeten Reise- I kosten. Dabei soll e» vorgekommen fein, daß Abgeordnete, öle fich mit eigenem Fuhrwerk von und nach der Bahnstation bringen ließen, recht anfeholiche Beträge liquidirten. So soll z. B. ein zur antisemitischen Partei gehörender Abgeord- nctcJ' man erzählt, in einem Monat allein hierfür ca. 50 Mk. uugesetzt haben. ES wäre Interessant, wenn einmal authentisch mitgetheilt werden könnte, welche Summen bereit» In diesem Jahre die Kammerverhandlungen da» Land gekostet I qoben. Für die Einführung einjähriger Budgetperioden sprechen derartige Vorkommnisse nicht. Darmstadt, 26. April. Di« Falg-u d-« svauisch. I amerikanischen Kriege» machen fich bereit» im Hessen- bie,Darmft.Ztg." au« S,Ilgen- nabt schreiben, daß infolge der Preiserhöhung des amerikanischen Getreide» die Brodpreise bereit» merklich beeinflußt worden find. Die dortigen Bäcker haben da» 6 Pfund-Brod um 6 Pfg. aufgeschlagen. Für die dortige Perlenindustrie, bie 'hr Hauptabfatzgebiet In Spanien hat, fürchtet man eine be- trächtliche Geschäftsstockung. „r* Zu Anfang October d. I. wirb eine Prüfung für Hochbauaufseher, Straßenmelster unb ®ommmelfter in Darmstadt abgehalten werden. Die Gesuche find unter Anwendung de» gesetzlichen Stempel» Wache» tot 8c8lnnb,, Prüfung bet ber Ministerialabtheilung für Bauwesen einzureichen unb flnb demselben die nöthigen Papiere beizufügen. Elkademischea GcsangBerein» am 8. Mai, «beaM 7 Uhr. Wir haben in früheren Notizen der auSge- zeichneten Solisten gedacht, bie im Concert mitwirken werden und wollen heute nur einige Bemerkungen über bie Corn - Joniften der beiden Hauptwerke de» Abend» machen. Max Bruch Ist so allgemein bekannt, seine Verdienste so vollkommen gewürdigt, daß die Nennung feine» Namen- boflauf genügt, dagegen ist Hermann Goetz viel zu wenig bekannt und anerkannt. In Hermann Goetz, ber am 7. De- cember 1840 in Königsberg In Preußen geboren, und am ?'x^""ber 1876 zu Höttingen bei Zürich verstarb, ist ein frftftigeÄ schöne« Talent allzufrüh zu Grabe getragen. Nicht ju oft hat ihm da» Glück gelächelt- Goetz war ein stiller, ttemg mlttljellfamer Mann, der am liebsten seiner Kunst ! lebte, in dieser aber da» Höchste anstrebte. Zu den schönsten Stunden seine» Leben» zählte er die großen Erfolge, die ihm seine Oper „Der Widerspenstigen Zähmung- brachte. In Mannheim am 11. Oktober 1874 zum ersten Male zur Auf- sührung gebracht, eroberte sich die Oper von dort aus fast alle größeren Bühnen. Diesen Tagen ungetrübten Glücke» standen aber eine Reihe von Leiden und Prüfungen gegen- über, die bte Sonnenstrahlen be» Glücke» nur spärlich durch- I bra£cn. Trotz eine» stechen Körper- war seine Schaffens- kraft bi- zum letzten Augenblick eine ungebrochene, und so I Jat un- Goetz eine Anzahl Kunstwerke hinterlassen, deren Wiedergabe zu den schönsten Aufgaben zählt. In Geiste-- Verwandschaft mit Robert Schumann stehend, dabei ober ein I ganj eigenartige- Talent, ist namentlich fein Chorwerk „Neu!" I Gedicht von Fr. v. Schiller, eine seiner bedeutendsten I Schöpfungen. Nicht genug Dank können mir unserem un- "««blich schaffenden Unlverfität-Mustkdirector Trautmann und mit Ihm dem Akademischen Gesang-Verein sagen, daß er tock, bestehend aus 5 Zimmern nebst Zubehör, per 15. Mat oder 1. Juli d. I zu vermiethen Grünewald, Bankgeschäft, _______________Bahnbofstr. 50.________ 2610] Mansard -Wohnung 5 Zimmer per 1. Juli zu verm. Ludwigstr. 46. 229o] Dic Parterre-Wohnung meines Hauses ist per 1 Juli er. eoent- auch früher an ruhige Familie zu oermiethen. ____________________Liibigllratze »8. 3037] Ebelstr. 14 2. Stock, 5 Zimmer mit Zubehör, sowie ein Mansardenlogis, 4 Zimmer rc., per 1. Juli I. I zu vermischen. Näheres Ebelstraße 12, II._________ 3090] Wohnung, 5 Zimmer, mit Wasserleitung, per sofort zu vermiethen. __________________Kanzleiberg 9. 3123] In meinem neu erbauten, mit allem Comfort eingerichteten Hause, Rordanlage, sind per 1. 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