«r. <22 Grftcs Blatt. M-itag den 27. Mai 3808 frf^dnt litgNch mit Ausnahme des MontagS. Die Gietzener JomttienSkätter »erden dem Anzeiger »Scheutlich viermal beigelegt. Gießener Anzeiger ytvwtds merteljährttch 2 Mark 20 Pf«, monatlich 75 Pfg. mit vringerloh». Bei Postbezug 2 Mark 50 Wt* vierteljährlich. Mitnahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Lag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr. General-Anzeiger Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und A»Ol«ch«ß nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entfafM. Amts- und Anzeigeblutt für den Ttveis Gieren. NedacNon, Expedition und Druckerei: Nr. 7. Gratisbellage: Gießener Familienblätter. Wbrrfie für Depeschen: Anzeiger chtetzen. Fernsprecher Nr. 51. Vom spanisch amerikanischen Kriege. Weun man den vom westindischen Kriegsschauplätze kommenden Meldungen Glauben schenken wollte, so wüßte die Entscheidungsschlacht zur Tee längst staitgefuvdeu haben. ^Heute oder morgen wird eine Schlacht erwartet," so lautet eine säst täglich wtederkehreude Meldung, und der Gehörsinn der Bewohner der den Antillen bezw. der uordamerikantschen Küste benachbarten Inseln muß besonders geschärft sein, da fie immer Kanonendonuer hören, obgleich nirgends Schüsse gelüst find. Der Krieg in seinem bisherigen verlaufe hat übrigens eine ganze Reihe von intereffanten Umständen zu Tage gefördert. Da tritt z. B. recht grell in die Erscheinung die heillose Wirthfchaft innerhalb der amerikanischen Krieg-Verwaltung. Hörte man die Uaukees noch vor einigen Wochen sprechen oder la» mau ihre Presse, so war bei thneo bezüglich der militärischen Ausrüstung Alle» wohl bestellt, und t» konnte gar nicht fehlen, daß die spanische Flotte sowohl wie auch die spanische Landmacht von den Amerikanern schier erdrückt werden würde. Tine Million Soldaten wollte mau mindestens auf die Beine bringen, da e» ja an Mitteln nicht fehlte. Aber diese letzten Wochen haben gezeigt, daß e» der volle Geldsack allein nicht thut, daß ganz andere Faktoren mitsprecheu bei Aufstellung einer kriegStüchtigen Armee. An der Million fehlen voch viele, viele Soldaten- eS hält sogar sehr schwer, die paar Huuderttausevde auf die Beine zu bringen, welche unumgänglich uothwendig find für eine Occupation der Auttllen und der Philippinen. Und auS welchen Elementen besteht denn heute die stolze amertkanische Armee? Zumeist ist es hergelaufenes Gefindel, von den Straßen ausgelesen, mit trübster Bergaugeuheit, ohne Begeisterung für die Sache, nur um den Dollar dienend, den ihnen die Regierung zahlt. Manneszucht ist dieser „Armee" ein unbekannter Begriff, was die vielen Ausschreitungen beweisen, welche tu den Lagern Vorkommen. Daneben scheint auch die amerikanische Heeresverwaltung wunderbare Anschauungen gehabt zu haben über das, wa» zu einem Kriege vöthtg ist. Die Berproviantirung der zu- sawmengezogeneu Massen macht schon jetzt Schwierigkeiten und läßt Alle» zu wünschen übrig- außerdem ist für genügende Bekleidung der Mannschaften nur wenig gesorgt. Wie e» mit den Lommaudostellen auSfieht, wird man daran ermesien können, daß die Osfizterchargeu nicht nach Verdienst und Brauchbarkeit besetzt, sondern an Mitglieder reicher und angesehener Familien vergeben werden. Bisher ist eine Entscheidung noch nicht gefallen, und wir wollen deshalb mit einem Urthetl über da» spanische Kriegsmaterial noch zurückhalten. Auch auf dieser Sette mag viel gesündigt uud manche» versäumt worden sein- aber das wäre immerhin zu verzeihen, umsomehr als Spanien in keiner Weise provocireud aufgetreten ist und nicht in das große Horn gestoßen hat. Noch konnte es aber jeden Angriff der Amerikaner auf Cuba zurückweisen und auch verhindern, daß die Landung auf den Philippinen erfolgte. Das ist immerhin ein nicht zu unterschätzender Erfolg, der den Spaniern uoch einige AuSficht giebt, mit allen Ehren aus dem ihnen aufgedrungeneu Kampfe hervorzugehen. (xx) Aus den Verhandlungen der Zweiten Kammer der hessischen Stände. nn. Darmstadt, 25. Mai 1898. Die Sitzung beginnt um 10 Uhr. Die Tribünen find von der Beamtenschaft des Landes dicht besetzt. Nach Verkündigung neuer Einläufe de» ersten Ausschüsse» fragt Adg. Reinhardt nach dem Stand seiner Interpellation über die von der Stadt Mannheim geplante Abführung der Fäcalien tu den Rhein. Der Ttn- fpruchtermiu sei von Baden auf den Monat Juli festgesetzt. Die Sache sei eilig uud er bitte die Regierung um möglichste Beschleunigung der für die gelammte Rheioproviuz so wichtigen Angelegenheit. — StaatSmiuister Finger erwidert, die Regierung werde thun, was möglich sei, um die Gefahr der Verseuchung unseres schönsten deutschen Stromes abzu- wendeu. Die bestehende Rhein-Comwisfiou sei aber nicht die entscheidende Behörde, fie sei nur ihr Gutachten abzugebeu aufgefordert worden. Er könne nur rathen, daß die Stadt Worms alle gesetzlichen Mittel auwenden möge, um beim Bezirk-rath durchzudringen. Genüge dieses nicht, dann sei da» RetchSgesuudheitSamt aozurufeu. — Abg. Hirsch be- stätigt die AuSsühruugeu de» Abg. Reinhardt und bittet ebenfalls die Regierung, den Rhein gegen die drohende Verseuchung zu schützen. DaS Hau» tritt hierauf in die Berathuug de» Be- amten-BesolduugSgesetze». StaatSmintster Finger erklärt, er werde zu dem Gesetz selbst nicht viele Worte machen, denn e» wäre eine Versündigung, wolle er an dem Wohlwollen, da» die Kammer den Beamten de» Lande» rntgegenbringe, zweifeln. Die Kammer sei es gewesen, welche den Gesetzentwurf eivgcbracht und befürwortet habe. Die Regierung habe wegen finanzieller Schwierigkeiten daS Gesetz nicht früher vorlegen können, da mit dem Vorrücken im Altersverhältniß auch eine Gehaltsaufbesserung stattfiudeu mußte. Er ersucht die Kammer, möglichst einstimmig den Beamten de» Landes da» zu bewilligen, wonach diese sich schon längst sehnen. Dem Finanzausschuß uud seinem Berichterstatter gebühre Dank für die rasche und vorzügliche Erledigung de» Gesetze», uud die Kammer möge durch Annahme de» Gesetzes sich die ewige Dankbarkeit der Beamten sichern. — Nach Eintritt in die Generaldebatte ergreift Abg. Schmitt da» Wort. Er freue sich, daß endlich der Tag gekommen sei, wo ein für unseren Beamtenstaud so wichtige» und lauge ersehnte» Gesetz seiner Erledigung ent- gegeugesührt werde. Um jedoch die uöthigen Mittel zur Durchführung de» Gesetzrs zu beschaffen, müffe außer der Steuer-Reform endlich auch die Einführung der Klaffen- Lotterie geregelt werden. Der Herr Finanzminister möge doch seinen Widerstand in dieser Beziehung aufgeben. An den Aufbesserungen der hohen Gehalte zu streichen, hält er für ein dtrecteS Unrecht, nachdem die unteren Gehalte in angemessener Weise aufgebeffert worden seien. Auch die Frage de» WohnungKgeldzuschusseS müffe geregelt werden, und die Nebeugebühreubezüge der Beamten müßten in Wegfall kommen, eventuell von der StaatSkaffe vereioahmt werden. Es sei dahin zu streben, daß diese von ihm angeführten Gesichtspunkte uoch geregelt würden. — Abg. David ist ebenfalls kein Gegner der Besolduug»- ordnuog, glaubt aber, daß die Regierung mit der GehaltS- scala nicht da» richtige Maß getroffen hat. Die Unzufriedenheit sei bei den Beamte« uoch nicht geschwunden. — Abg. Schröder ist ebenfalls für da» Besoldungsgesetz, kann sich aber für eine Aufbesserung der hohen uud höchsten Gehalte nicht so aussprechen, wie die» von der Regierung geplant ist. Diese Art der Aufbesserung scheine ihm sehr bedenklich und die Frage der FuvcttooSzulage der hohen Beamten, welche Bezüge von 300 bis 1200 Mk. hätten, müsse geregelt werden. Ganz besonders aber die WohnuagSgeldfrage lasse eine baldige Regelung wünschenSwerth erscheinen. Bei vielen Beamten sei die Dtenstfreudigkeit geschwunden, uud unter den Augen der Regierung werde sehr häufig von hohen und niederen Beamten gegen die Einhaltung der Dienststunden verstoßen, so daß hier Abhilfe geschaffen werden müffe. Die schon heute wieder ausgetretene Agitation einzelner Beamtenkaregorien gegen die vorliegende Besolduugsordnung beweise, daß nicht alle Wünsche Brsriedigung gesunden. Mit der Aufbefferuug der 20 ältesten Richter um 500 Mk. sei er einverstanden, glaube aber, daß die» der Nagel sei, au den später eine ganze Reihe von Wünschen au» Beamtenkreiseu gehängt werden. — Abg. Joutz betont, die jetzige Vorlage sei wohl die wichtigste, die dem Hause vorgelegt worden sei. Aus diesem Grunde sei e» auch bedauerlich, daß man da» ganze Gesetz in Bausch und Bogen durchberathen wolle. Daß die Regierung daS Besoldungsgesetz jetzt vor den Wahlen durchzudrücken suche, werde im Lande, und ganz besonders in den Kreisen de» Handwerks und der Landwtrthschast keine gute Stimmung Hervorrufen. Die oberen Stellen habe die Regierung natürlich mehr begünstigt, wir die unteren. So betrage die Aufbesserung bet einzelnen Stellen 1500 uud 1700 Mk., während bet den Gensdarmen, Forstwarteu, Steueraufseheru usw. nur 100 Mk. al» Zulage vorgesehen seien. DaS könne daS HauS nicht gutheißen. Er verlange noch Regelung de» Steuer- Wesen», erst daun könne er für eine Aufbesserung fämmt- licher Gehalte etutreten. — Abg. Metz-Gießen hätte gewünscht, daß die Regierung erst die kleinen Beamten auf- gebeffert hätte, uud nicht die hohen, wie die» der Fall sei. Es sei ja richtig, daß die Beamten in den Städten mehr Ausgaben Härten, wie die auf dem Laude, allein die Art der jetzigen GehaltSscala sei viel zu hoch. Er stellt einen Antrag in AuSficht, wonach die Beamten mit über 6000 Mk. Gehalt von der Aufbesserung ausgeschlossen werden, ferner soll die für die 20 ältesten Richter vorgesehene Zulage von 500 Mk. in Wegfall kommen. Schluß der Sitzung um 1 Uhr. Deotsch«» »«ich Darmstadt, 25. Mai. Se. König!. Hoheit der Groß- Herzog ivohuten gestern der Befichtiguag deS 5. Großh. Jafanterie-Reglments Nr. 168 durch den cowmaodtreuden General auf dem Truppen UebungSplatz bei. Zu Ehren de» commandirenden Generals, General der Infanterie v. Wittich Exc., fand der „Darmst. Ztg." zufolge Nachmittag» l*/a Uljr im Neuen Palai» Militärtafel statt, woran Se. König!. Hoheit der Großherzog und Se. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm theilnahmeu. Die Generale und RegimentScowmaudeure nebst Adjutanten hatten Einladungen erhalten- im Ganzen waren 22 Gedecke aufgelegt. Die Capelle deS 1. Großh Infanterie- Regiments Nr. 115 coocertirte während der Tafel. Berlin,25. Mai. Der Kaiferpaar wird am 6. Juni in WilhelmShöbe eintreffen.# Berlin, 25 Mai. Der Kaiser hat bet Empfang der Nachricht von dem Brandunglück auf der Zeche „Zollern" den HaudelSwintster beauftragt, allen Betheiligteu feine Thetluahme auSzufprechkN. Berlin, 25. Mai. Der Kaiser empfing heute Mittag 1 Uhr deu neuernannten japanischen Gesandten tu besonderer Audienz zur Entgegennahme seine» Beglaubigungsschreiben» uud de» Abberusungsschretbeu» von dem bisherigen Gesandten. Berlin, 25. Mai. Gouverneur Leutwein begab fich heute nach Hamburg, um mit dem morgen früh von dort abgehenden Dampfer auf seinen Posten nach Wtudhöck zurück- zukehren. Berlin, 25. Mai. Ueber den Aufenthalt deS Prinzen Heinrich io Peking wird dem „Local-Anzeiger" gemeldet, der Kaiser von China sei eigen» von seiner Sommer- refidenz nach Peking gekommen, um vom Prinzen Heinrich die Mittheilung entgegenzunehmen, daß ihm der Kaiser deu Schwarzen Adler-Orden verliehen habe. Prinz Heinrich wird iu den nächsten Tagen nach Tientsin Weiterreisen. Berlin, 25. Mat. Der „RetchSanzeiger" veröffeutltcht daS Gesetz vom 20. Mat 1898 betreffend dte Trwetterung und Vervollständigung deS Staatseisenbahn- netze» und dte Betheiliguug de» Staate» an dem Bau von Kleinbahnen. Berlin, 25. Mai. Auf Befehl de» Kaiser» findet anläßlich de» Jubiläum» der Berliner Schutzmanasch a ft am 13. Juni ein großer feierlicher Gottesdienst auf dem Schloßhofe statt, mit deffen Abhaltung der Garnisonpfarrer Goeu» beauftragt ist. Der Kaiser wird mit der Königlichen Familie dem Gottesdienst beiwohnen. Berlin 25. Mai. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Der Pariser „Matin" hat dte Wirkung seiner Berichte über deu jüngsten Aufenthalt de» Kaiser» tu den Reichslandeu für dte französischen Leser dadurch erhöhen zu sollen geglaubt, daß er dieser Reise etueu militärischen Zweck beilegte. U. A. weiß da» Blatt eingehend über einen Vortrag zu berichten, den der Kaiser im Thale von Ma» Münster durch einen GeneralstabSofstzier über dte strategische Ber- werthuug diese» Gelände» in einem künftigen Feldzuge gegen Frankreich habe halten lassen. Wir finden e» nicht hübsch, daß der „Matin" seine Phantafie zu Attentaten auf die Nerven der Pariser benutzt uud wollen zur Beruhigung mtt- theilen, daß der Kaiser bet dem Ausfluge tu da» Thal von MaS-Münster auch nicht von einem einzigen Generalstabs- osfizier begleitet war. Berlin, 25. Mai. Wie wir hören, legt da» Auswärtige Amt Werth auf dte Feststellung, daß Deutschland entschieden Widerspruch erheben werde gegen eine Abtretung der Philippinen an Frankreich, Seiten» Spanten». Nach Ansicht der ReichSregterung würde eine Vertheilung der Philippinen au die in Frage kommenden Mächte vorzuzieheu fein. Deutschland» Handel»-Jvteressen stehen im Vordergründe. Dte vorjährige deutsche Einfuhr von den Philippinen betrug fast eine Million Mark, die Ausfuhr dahin 3,1 Millionen Mark. Berlin, 25. Mai. Betriebssicherheit der deutschen Eisenbahnen. Vor einigen Monaten fand im RetchS-Etsenbahnamt eine Berathuug von Vertretern der meist betheiligten Bundesregierungen und der Militär- verwaltung über Maßregeln zur Erhöhung der Betriebssicherheit auf den deutschen Eisenbahnen statt. DaS Ergebniß dieser Couferenz liegt nun in einer Denkschrift vor. In ihr wird vorgeschlagen, die Betriebsordnung für die Haupteifenbahnen Deutschlands, die Bestimmungen über dte Befähigung von Eiseubahn-BetriebSbeamteu, die Signalordnung, die Normen für den Bau uud die Ausrüstung der Haupt- I erhobenen Protest vollständig anschließen. Man will geger diese neue Verseuchung des Rheine« sowohl bet der hessischen wie auch bet der Reichsregierung Schutz suchen. Mainz, 25. Mai. In Folge der Regengüsse steigt der Rhetu und seine Nebrnflüffe und wurde der telegraphische Wafferstaudnachrichtendienst wieder ausgenommen. Die neueste» Depeschen lauten: Rhein: Mannheim 5,53, steigt: Neckar: Wimpfen 7,42, steigt langsam. △ An» Rheinhessen, 25. Mai. Mit Rücksicht darauf, daß das Steigen der Brodpretse in den meisten rhein- hessischen Orten in keinem Verhältuiß zu der Preissteigerung der Frucht steht und viele Bäcker die gegenwärtige Cou- juuctur nur zu einer Erhöhung des BrodpretseS benutzen, haben in vielen Orten der diesseitigen Provinz die land- wtrthschaftlichen Consumveretne sich gegen dieses unberechtigte Vorgehen der Bäcker tuS Mittel gelegt. Sie kaufen das Korn ihrer Mitglieder auf, laffrn »S zu Mehl verarbeiten und verabfolgen das in eigenen Bäckereien hergestellte Brod zum Selbstkostenpreise. Ein bereits gemachter Versuch hat ergeben, daß der Laib Brod (6 Pfund) bet den jetzigen Korupreiseu im Selbstkostenpreise höchstens 56 bis 58 Pfg. kostet, während sich die Bäcker für das gleiche Quantum fast allenthalben 70 bis 72 Pfg. bezahlen lassen. i vorstellig zu werden wegen Befferuvg des Weges von der Linde nach Gießen zu. Herr F. Kühn-Gießen wies auf I den Mangel an Wegweisern auf der Gießener Seite hin I und bezeichnete die Stellen, wo solche vorhanden sein müßten. I Die Versammlung beschloß, sich dieserhalb an die Bürger- I meisteret Gießen zu wenden. Herr Bürgermeister Kleine- I Krofdorf bat, dafür besorgt zu fein, daß die Kiloweterzahl der Wege nach dem Gleiberg auf hessischer Seite richtig au den Wegweisern angegeben werde. * • Strafkammer. Am SamStag den 28. dS. MtS. kommt der P o st d t e b st a h l in Groß-Linden zur Verhandlung. Rechtsanwalt Katz wird den Angeklagten Weigandt bei» thetdigen. Zu dieser Verhandlung sind 28 Zeugen geladen. * * Sport. Ruma Cisotti aus Padua, der am Sonntag auf der Rennbahn an der Hardt gegen Opel unterlag, erläßt durch das Organ des D.-R.-B. eine Herausforderung ' an seinen Besieger. Ort: eine deutsche Bahn nach Wahl OpelS. Ctsotti erklärt sich ferner bereit, mit seinem Landsmann Carlo Derosfi'Turtu auf Tandem gegen Opel-Duill zu fahren. • • Befitzwechsel. Durch Kauf ging daS Haus der Frau Johanna Schneider Wittwe, Wallthorstraße, zum Preise von 14,000 Mk. in den Besitz des SpeuglermeisterS Rud. Rüdiger über. • * Zu Amerika verstorbene Hessen. Post Oak, bei MaScoutah, Jll., Anton Bischoff, 66 Jahre alt, aus Groß-Umstadt. — CohoeS bei Troy, N.Y., Carl Moll, 85 Jahre alt, aus Alzey, — Parker» Settlement, Posey Goumy, Jnd., Math. Gchweikhard, 63 Jahre alt, aus Niedei Ingelheim. — Berlin, Outario, Georg Hachborn, 78 Jahre alt, aus Lehrbach. — Hecker, Jll., Wilhelm Kammler, 70 Jahre alt, aus Seehetm. — Allen County, O., Wilhelm Miller, 67 Jahre alt, aus König. — Monroe Township, O., Adam Rummel, 79 Jahre alt, aus König. — Elgin, Jll., Frau Louise Platt, 41 Jahre alt, aus Rodheim a. d. Horloff. § Bom Laude, 24. Mai. „Alles schon dagewesen" — sagt Rabbi Ben Joseph Akiba, und auch solch regnerische Jahrgänge, wie der heurige, entbehren nicht ihrer Vorgänger. So regnete es Anno 1316 von Mitte Mai bis zum Jahresende jeden Tag. 1401 regnete eS von Mitte März ! bis Ende September. 1405 regnete es von Anfang August I bis Neujahr 1406. 1468 fiel in der Erntezeit so viel Regen, I daß das Korn ungemäht auf den Feldern stehen blieb. 1528 war von Ende Juli bis Mitte November nur vier Tage hindurch trockenes Wetter. 1579 war ein so naffeS Jahr, daß die unfahrbaren Marschwege mit Balken au-gelegt werden mußten, um nur die Ernte einfahren zu köuuen. 1585 war ein fo naffer Herbst, daß man vielerwärtS daS in Haufen gefetzte Korn erst im Winter mit Schlitten vom Felde holen konnte. 1588 regnete es tm Sommer und Herbst ununter- brocheu. 1617 fiel nach einem anhaltenden Sturm so viel Regen, daß niedrige Gegenden in Teiche verwandelt waren. 1660 fiel von Pfingsten bis spät in den Herbst ein fort- I währender Regen, so daß die Feldfrüchte verdarben. 1752 I regnete und stürmte er den ganzen Sommer und Herbst, nur I während des ganzen OctobermouatS herrschte die schönste I Witterung. 1790 war von Mitte Juni bis Anfang Sep. I eisenbahnen, sowie die Bahnordnung für die Neben-Eisen- dahoen zu andern und zu ergänzen. Kreuznach, 25. Mai. Dte kaiserlichen Prinzen Oskar und August treffen Anfangs Juni zum Kur- pebrauch hier ein und werden im Hotel du Nord Wohnung nehmen. tember ein unaufhörliches Regenwetter. Ein besonders regnerischer Sommer war derjenige von 1888. Daß die erste Hälfte des jetzigen Jahres zu den regenreichsteu des Jahrhunderts gehört, erhellt aus der Thatsache, daß seit Januar in nicht einer einzigen Woche anhaltend gutes Wetter gewesen ist, und daß seit März das Regenwetter höchstens zwei Tage aussetzte. Behält aber Falb recht, so bleibt auch der Sommer bis in den Herbst hinein durchaus regnerisch. Wir hoffen indeß, daß das Wetter einer alten Beobachtung zufolge im Sommer beffer wird, da auf naffe Frühjahre meist trockne Sommer folgen. Schotten, 23. Mai. Am Mittwoch den 25. d. M. sind es 30 Jahre, daß der hiesige Kreisstraßenmeister Herr Ho heu adel in den Dienst des Kreises Schotten eintrat und mit seltenem Diensteifer und Erfolg trotz mehrerer schwerer Unfälle seinen Dienst noch versieht. Möge es de« Jubilar, der sich großer Beliebtheit erfreut, noch lauge vergönnt sein, bei guter Gesundheit auch ferner seinem Berufe obliegen zu können. Hungen, 24. Mai. Die hiesige Molkerei beabsichtigt, für ihre GeuoffenschaftSmitglieder eine Eierverkaufsstelle zu errichten. Dte Lieferanten erhalten einen Stempel ihres Namens, sowie einen solchen, mit welchem das Datum, an dem das Ti gelegt wurde, auf letzterem vermerkt werden kann. Solche mit Namen und Datum versehene Eier können dann jeden Morgen an die BerwerthuugSstelle abgeliefert werden. Die Verwaltung glaubt, den Lieferanten einen Erlös von 8—10 Pfennig pro Stück garantiren zn können. Eine ähnliche Einrichtung soll in Fulda bestehen und sich bereits ausgezeichnet bewährt haben. — In dem nahen Obbornhofen kam ein alter Taglöhner, der schon viele Jahre in eintm dortigen Hofe Beschäftigung und Unterkommen gefunden hatte, auf tragische Weise umS Leben. Derselbe stürzte Abends, vielleicht weil er des Guten wieder einmal etwas zu viel gethan hatte, von einem Stall und blieb auf dem darunter befindlichen Pflaster tobt liegen. Erst am folgenden Morgen fand ihn daselbst das Dienstmädchen. + Vad-Salzhaufen, 26. Mai. Am Pfingstmontag findet zur Eröffnung der Saison in dem geräumigen Saale des Kurhauses ein großer Ball statt, deffeu Besuch auch für Fremde durch directe Bahnverbindung sehr erleichtert ist. H- BorSdorf bei Ridda, 25. Mai. Berwichene Nacht erhängte sich der Ende der 50erJahre stehende htefige Einwohner JohS. Hrch. Reuter auf dem Boden seiner Behausung. Die That soll in abnormem Geisteszustand geschehen sein. △ Mainz, 25. Mai. Seitens der htefigeu städtischen Verwaltung wird man fich dem in einer Extrafitzung der Stadt Worms letzter Tage gegen daS von der Stadt Mannheim gefaßte Projekt, die Fäkalien in den Rhein einzuleiten, _ ffoewits rnrd provinzielles- Gießen, 26. Mai 1898. * • Empfang. Seine Königliche Hoheit der Groß- Herzog empfingen am 25. Mai u. A. die Gymnafiallehrer Dr. Messer und Dr. Neßling von Gießen. * • Haffia. Seine Königliche Hoheit der Großerzog haben in Uebereinsttmmung mit den Wünschen des Präsidiums den Oberstlieutenant a. D. Cramolini zum Präsidenten der Kriegerkomeradschaft „Hassta" zu ernennen geruht. * * Haffia. Nach Erfüllung der satzungSmäßigen Pflichten ist der Kriegervereiu Rtnderbügen mit 43 Mit- gliedern tu den Landesverband der Kriegeikameradschaft „Hasfia" ausgenommen und dem Bezirk Büdingen zugetheilt worden. * • Eine botanische Excurfiou an die oberitalienifcheu Seen unternehmen zehn Studirende der hiesigen Universität während der Pfingstferien unter Führung von Herrn Professor Hansen. Wie wir hören, find die Herren bereits heute Morgen nach Luzern abgereist. ♦♦ Der Bau der neues Synagoge der Israelitischen ReligionSgefellschaft au der Stetustiaße wurde mit sämmtltchen inneren und äußeren Ausstattungen dem Bauunternehmer Herrn A. Scheppelmann hier übertragen. Auf dem Gleiberg wurde gestern Nachmittag die Generalversamluug des Ges elligkeitöv ereins Gleiberg abgehalten. Bedauerlicher Weise war die Versammlung schwach besucht. Der Vorsitzende, Geheimrath Freiherr v. Gagern, eröffnete die Versammlung und erstattete den Jahresbericht. Die Einnahme in 1897/98 be- kkug 1743 Mk. einschließlich des Erlöses von acht neu aus- gegebenen Antheilscheiuen L 20 Mk. AuSgegebeu wurden 1573 Mk. darunter 400 Mk. Jahreszinsen und eine Rück- Inge von co. 900 Mk. Das Baarve,mögen des Vereins beträgt 2212 Mk. 50 Pfg. Im abgelaufenen Geschäftsjahr find dem Verein von ehemaligen Schülern des Professor vr. Buchner 207 Mk. 50 Pfg. geschenkt worden. Der Vogelsberger Höhenclub Sectiou Gießen hat weitere 50 Mk. zu geben fich bereit erklärt, wenn der Verein zu Ehren des verblichenen Prof. Buchner deffeu eigensten Wunsch erfüllen würde, nämlich den Phtltpp-thurm wieder zu errichten. Baninspector Stahl hat in Aussicht gestellt, Plan und «ostenvoranschlag hierzu sowohl wie auch zur Fertigstellung des Luxemburger Raumes in Bälde vorzulegen. Ebenso hat fich die AuSfugung des Burgfriede nach der Wetterseite hin als nothwendig herauSgestellt. ES wurde beschloffen, dem Gosdorf zu gestatten, am Sonntag, den 12. Juni auf dem Gleiberg ein Fest zu veranstalten und dabei ein Eintrittsgeld zu erheben, doch darf hierbei nur der innere Burghof und dte Wirthschaftsräumlichkeit für die nicht Eintritt zahlenden Besucher des Gleibergs abgeschloffen: werden. Die Versammlung ehrte das Andenken deS im | vergangenen Jahre in Kairo verstorbenen Dr. Klewitz, welcher große Verdienste um den Gleiberg hat, durch Erheben von I ien Plätzen. Auf Anregung des Herrn Fell er-Lollar beschloß die Versammlung, bei der Bürgermeisterei Krofdorf j Ve*urischt Ausland. Lemberg, 25. Mal. Infolge bei Brodtheuerung und be» Mangel» an Arbeit siab in Przemysl große Tumulte vorgekommen. Die Bäcker- unb Kaufläden würben geplündert unb erst m>t Hilfe von Militär konnten die Unruhen unterdrückt werben. Loudon, 25. Mai. Einer Erörterung der aus- wSrt-tgen Politik im Parlament weicht die Regierung zunächst noch aus. Als der Schatzkanzler Hick» Beach am Dienstag im Uaterhaufe deffeu Vertagung bi» zum 6. Juni beantragte, verlangte der Radikale Dilke Auskunft, wann das HauS die auswärtige Politik berathen könne. Denn eine Politik von Bündnissen sei von verschiedenen Ministern an* gedeutet worden. Dies sei aber eine wichtige Veränderung der auswärtigen Politik, welche das Haus doch erörtern sollte - man habe von einem deutschen Bündniß und anderen Allianzen gesprochen. Hick» Beach erklärte, e» sei vereinbart worden, daß heute keine Erörterung über die auswärtige Politik statt- finden solle- wenn also die Opposition die auswärtige Polttik berathen wolle, so möge sie einen Tadels-Beschluß beantragen. Hierauf wurde der Antrag auf Vertagung angenommen, so daß die Regierung bi» nach Pfingsten von unbequemen Fragen verschont bleibt. Loudou, 25. Mai. Nach einer Meldung an» Washington erhielt die Admiralität die Nachricht, daß die Flotte Cervera» in Santiago de Cuba eingeschloffeu fei, die vereinigten Flotten Sampfon» unb Schley» bewachten ben Au»gang des Hafens. Loudou, 25. Mai. „Financial News" veröffentlicht ein sensationelle» Telegramm au» Port de Palx, wonach die spanische Flotte einen Zusammenstoß mit dem amerikanischen Geschwader gehabt habe. Die spanischen Kriegsschiffe „Biscaya" und „AlfonS XII." sollen zerstört worden sein. — Ein anderes einer privaten Quelle ent- ' nommeneS Telegramm besagt, da» spanische Geschwader fei in der Bay von Santiago vollständig zerstört worden. Die i Amerikaner hätten 700 Mann verloren und zwei Schiffe ein- gebüßt. — In Washington war bi» heute Mittag von einem | Zusammenstoß der beiden Geschwader nichts bekannt. Madrid, 25. Mai. Der „Jmpercial" meldet ans Havanna, daß die Amerikaner neuerdings den Hafen von Nueoita» bombardirt haben. Nach 30 Schüssen, die I keinen Schaden anrichteten, zogen sie sich zurück. i Corr- I. Lebensjahr: 2.— 2 2 (1) 1 16-3*3 2 erscheint der daneben gezeichnete erwachsene Mann als winzige Puppe und man muß staunen, daß der Geist des kleinen Menschenwesens einen solchen Coloß, dessen Macht seinem ^rieffaften* Rach Gambach. Der Thurm der Gießener Johannesktrche ist bis zur äußersten Spitze 72 Meter hoch. Auw. Die tu Klammern gesetzten Ziffern ßtb« «w, wie viel» der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von «uSwärt» nach «testen a«brachte Kranke fonreey in der Syrra-iw Freitag den 27. und Samstag den 28. Mai 1898: Wochenfest. 1. Tag. Vorabend 7“ Uhr, Morgens 8»o Uhr titeraiur mnd ICnnft. — P. K. Roseggers Schriften. Volks-Ausgabe. Zweite Serie. Ausgabe erfolgt in 100 Lieferungen ä 35 Pfg. (A. Hartlebens Verlag in Wien.) Es sind hiervon bisher 20 Lieferungen ausgegeben; wir verfehlen nicht, unseren Lesern die Pränumeration auf diese wohlfeile Sammlung wärmstens zu empfehlen. Wer nach des Tages Last und Sorge sich erfrischen und erheitern will, der greife nach P. K. Roseggers Schriften, in denen sich gesunder Humor mit Herzinnigkeit des Gemüthes paart. Kaum einem zweiten Schriftsteller unserer Tage gelingt es, so seine Leser zu feffeln, zu unterhalten, zu belehren, für das Edle und Schöne zu begeistern, wie P. K. Rosegger, und wir wissen es der Verlagsbuchhandlung zu danken, daß sie dessen Schriften in so würdiger und wohlfeiler Form nunmehr den weitesten Kreisen zugänglich macht. Die zweite Serie der wohlfeilen Volks-Ausgabe der besten früheren Schöpfungen P. K. Roseggers hat folgenden Inhalt: Höhenfeuer. — Allerlei Menschliches. — Das Geschichlenbuch des Wanderers, 2 Bde. — Die Aelpler. — Martin der Mann. — Spaziergänge in der Heimalh. — Sonntagsruhe. — Feierabende. — Sonderlinge. — Bergpredigten. — Am Wanderstabe. — Der Schelm aus den Alpen, 2 Bde. — Meine Ferien. Zusammen 15 Bände, in einhundert Lieferungen Hnittcrfifäis - Nachrichten. — Das Prädicat „Professor" ist den langjährigen Assistentrn am Koch'schen Institut für Jnfeclionskravkheiten Dr. Kassel und Dr. Wassermann verliehen worden; ebenso den Privatdocenten der Bonner medicinischen Facultät Dr. Albert Peters, Dr. Adolf Schmidt und Dr. Leonhard Jores. Der Privatdocent der Bonner philosophischen Facultät und Conservator der Kunstdenkmäler der Rheinprovinz Dr. Paul Clemen ist zum e.-o. Professor ernannt worden. Der bisherige Director der Landwirthschaftsschule zu Dahme tMark) Dr. Gisevius ist zum a»o. Professor in der philosophischen Facultät der Universität Königsberg i. Pr. ernannt worden. — Heidelberg. Der Privatdocent bei der philosophischen Facultät unserer Hochschule, Dr. phil, et jur. Kindermann ist beauftragt worden, die Vorlesungen über Nationalöconomie und Finanzwiffenschast an der technischen Hochschule in Karlsruhe in diesem Semester zu halten. — Göttingen. Am 18. ds. feierte Prof. Dr. Esser das 25jährige Jubiläum als Universitätslehrer und Director des hiesigen Thierarzneitnstituts. — Der frühere Professor an der Universität Freiburg in der Schweiz, Dr. Josef Sturm, ist zum Profeffor am humanistischen Gymnasium in Eichstätt ernannt worden. — Bonn. Hier starb am Montag im Alter von 85 Jahren der ehemalig? Docent an der landwirthschaftlichen Akademie Poppelsdorf Dr. phil. August Pollmann. Lungenentzündung 2 Lungenschwindsucht 2 (1) Lungenerweiterung 1 Grhtrnbauttuberkulose 1 Lebensschwäche_______2 Summa: 8 (1) 3 (1) laxe DiSciplin sehr zu Statten kommt. * Der zweite Hauptgewinn der preußts cheu Staats, lotterte, welcher in eine Berliner Collecte gefallen ist, bat ein junges Paar glücklich gemacht. Mit einem Viertel ist ein Beamter de» königlichen Marstall» beglückt worden, drsftn Tochter mit einem Arzt verlobt ist. Lrtzterem erlaubte leine Praxi» bisher nicht eine Bereinigung mit der Geliebten. Nun ist dem jungen Doctor von seinem Schwiegervater der Gewinn al» Mitgift gewährt worden. DaS Aufgebot hat bereit» stattgefuuden und zu Pfingsten giebt e» ein glückliche» Paar mehr. ♦ Treue Dienste. Kürzlich wurde auf dem dem Ritter- gutlbefitzer Böhm gehörigen Gute Glaubitten ein seltene» Fest gefeiert. Fünf GutSarbeiter erhielten für 50jährige treu geleistete Dienste im genannten Gute daS vom Kaiser verliehene allgemeine Ehrenzeichen, da» einem sechsten in nächster Zeit ia Aussicht steht. Im Anschluffe daran wurde mehreren Arbeitern, welche die letzten Kriege mitgemacht haben, bei dieser Gelegenheit unter feierlicher Ansprache deS Gutsherrn die Kaiser Wilhelm Gedächtnißmüuze überreicht und avgrheftet. ♦ «ul den Straßburger Kaifertageu wird den Lesern auch heute noch folgendes Augenblicksbildchen willkommen sein. AlS die Kaiserliche Familie sich zur Abfahrt aui der „wunderschönen Stadt" rüstete, hatten sich in der Luxhofgaffe, ziemlich dem engsten Theile der via triumphalia, wo mau möglichst nahe herantreten konnte und von der schaulustigen Menscheufluth auch nicht allzu sehr bedrängt wurde, zwei kleine, niedlich gekleidete Mädchen aufgestellt, mit Sträußchen in den Händen, die sie den Kaiserlichen Kindern zum Abschiede verehren wollten. Auf der anderen Seite ein munterer, etwas naseweiser Junge, zu allerhand Schabernack aufgelegt. Al» der Wagen der Kaiserin vorbeifuhr, bemühten sich die kleinen Mädchen vergeblich, ihre hübschen Sträußchen anzubringen. Da» kleine Prtuzrßchen haschte darnach mit den Händchen- sie fielen aber in den nassen Straßeusaud. Der Junge springt sofort auf den Damm and bemächtigt sich der etwa» beschmutzten Sträußchen. Dann macht er Anstalten, fh in den bald darauf folgenden Kaiserwagen zu werfen. Ein älterer Herr droht ihm: „91mm Dich in Acht, Junge, wenn Du mit den dreckigen Blumen den Kaiser triffst, wirst Du wegen Majestätsbeleidigung eingesperrt." Der hat aber schon kühn gezielt und geworfen und trifft — den Helm des Kaisers, und zwar mit einer solchen Wucht, daß derselbe etwas verschoben wurde. Lächelnd schob der Kaiser den Helm wieder zurecht, drohte dem kecken A'B-CSchützen mit dem Finger und richtete an den neben ihm sitzruden Statt- Halter eine joviale Bemerkung. Der Junge hatte sich rasch von seinem Schrecken erholt und trabte mit. den an den alten Herrn gerichteten Worten: „Sieh'sch, i bin aber doch vet i-gsperrt worre", wohlgemuth hinter dem Kaiserlichen Gefolge her. ♦ Der junge König von Spanieu, der kürzlich seinen zwölften Geburtstag gefeiert hat, wird in Religion, Latein, Gtschichte, Geographie, Algebra, Geometrie und Naturwiffeu- schaften unterrichtet. Zu diesen'Gegenstänben, die in spanischer Sprache gelehrt werden, kommt noch der Unterricht in der deutschen, französischen nnd englischen Sprache, sowie in Musik. Der Unterricht beginnt zwischen 8 und 9 Uhr Vormittag» und dauert 3 Stunden, daran schließt sich eine ReitÜbuug. Der Nachmittag beginnt mit einem laugen Spaziergange, wobei die Königin mit ihren drei Kindern gewöhnlich in einem mit vier Maulthiereu bespannten Landauer, der von vier Berittenen umgeben ist, weit hinaus auf das Land fährt, wo dann spazieren gegangen wird. Darauf folgt eine Erholung, und daun wird der Unterricht, dem sich gewöhnlich noch eine Turnstunde anschließt, zwei bi» drei Stunden hindurch fort- gesetzt. Zu den Lieblingsbeschäftigungen des Königs, der sich äußerst lebhaft und aufgeweckt zeigt, gehört da» Lesen von Reisebeschreibungen und Kriegsgeschichten- besonderes Jntereffe hat er für das Militär, wobei er großes Personengedächtuiß zeigt. In einem eigens eingerichteten Zimmer stellt er auf vier bis fünf großen Tischen unter Leitung der Offiziere Militärfiguren in Schlachtordnung auf und mauövrirt damit. Die» geschieht besonder» an Regentagen. Um 10 Uhr Bor» mittag» wird die Schloßwachr täglich mit Musik abgelöst, wobei der König schon au» weiter Ferne die Nummer des Regiment» erkennt. Er ist stet» bei fröhlicher Laune, besitzt Talent für Sprachen, erlernt sie mit Leichtigkeit und zeigt in ihnen große Fertigkeit. • Zeder Stammgast del Ferusprecherl weiß, wie unau- genehm e» zuweilen ist, sich den Strom der Rede urplötzlich durch die Zwischenfrage der holden Fernsprechfee abschnetden lasten zu wüsten: „Sprechen Sie immer noch?" Da» führt -u unnützem Zeitverlust und zur Zerreißung, wenn nicht de» rlectrischen, so doch de» Rede» und Gedankenfadens. Man hat daher neuerdings Versuche mit kleinen, rlectrischen Glühlämpchen gemacht, die sich selbstthätig durch Strom- zuleitung entzünden, sobald die Redethä-igkeit beginnt, um cann gleich wieder zu verlöschen, wenn das Gespräch beendet ist. Diese nützlichen Dinger sollen dicht über den Nummern angebracht werden, sodaß eß keiner weiteren Anfrage Seitens der Damen bedürfte, um in Erfahrung zu bringen, ob die betreffende Linie noch in Benutzung ist oder nicht. Vorerst beschränkt sich die Einführung dieser zweckmäßigen, wenn auch ckaum für alle Wechselfalle des Fernsprechverkehr» ausreichenden Neuerung aber nur auf — Paris. • Die größte Locomotive der Welt. Als wahre Spielzeuge erscheinen, nach einem Bericht des Patentbureaus von firmattonsfeier, Abends 7»s Uhr. 2. Tag. Morgens 8» Uhr, Nachmittags 4 Uhr, Festesausgang 9“ Uhr. GotteMm- der israelitische« ReligiouSgesrllschast Freitag den 27. und Samstag den 28. Mai 1898: Wochenfest. 1. Tag. Vorabend 8 Uhr, Freitag Vormittag 8 Uhr Predigt. 2. Tag. Vorabend 8 Uhr, Samstag Vormittag 8 Uyr, Nachmittag 4 Uhr, Sabbathausgang 9" Uhr. Nachmittag 3°° Uhr Schrifterklärung in der Synagoge. Wochengottesdienst Morgens 6»o Uhr, Abends 8 Uhr. 1 2 3 Wöchentliche Neberficht der Todesfälle tr Gieße«. 21. Woche. Vom 15. Mai bis 21. Mai 1898. Einwohnerzahl: «ngenommen zu 24 100 (incl. 1600 Marm Militär). SterbttchkeitS-iffer: 17,26, nach Aozug der Ortsfremden 15,10°/«,. Kinder Es ftrrben e»: Zusammen: Erwachsene: iw vom Umfange entspricht, zu lenken vermag. Die Cylinder der zwölftäderigen Ungeheuer find 21x34 Zoll groß und haben den längsten Kolbenhub, der je in der Locomotiven-Praxis gebraucht wurde. Der Kestel mißt in seinem weitesten Durch« i Messer 87’/ö, im kleinsten 78 Zoll und übt einen Druck von 210 Pfund. Die Radbasis ist folgende: fest und fahrend ! 15 Fuß 10 Zoll; ganze Maschine 26 Fuß 8 Zoll; Maschine und Tender 54 Fuß 31/4 Zoll. Die Höhe des Schornsteins vom Radkranze beträgt l 5 Fuß 6 Zoll, die Höhe der Kessel» mitte vom Radkranze 9 Fuß 5 Zoll, die Höhe der oberen Kesselwand vom Radkranze 14 Fuß 3 Zoll und die Gesammt- länge 64 Fuß l1/» Zoll. Die ungeheueren Räder sind mit 8 Treibern von 55 Zoll Durchmester und in der Mitte mit Gußstahl-Speichen versehen. Der Durchmester der Cylinder beträgt 21 Zoll, der Kolbenhub 34 Zoll, der der Kolbenstange 4l/4 Zoll, die Länge des Hauptgestänges von Mitte zu Mitte 8 Fuß 10 Zoll. Der große Wasterbehälter faßt 4670 Gallonen Master und der Tender kann 10 Tonnen Kohlen tragen. Die Länge des Wasterbehälters ist 19 Fuß 6 Zoll, die Weite destelben 8 Fuß 8 Zoll. Das Gesammt- gewicht des Kessels und Tenders beträgt 308 750 Pfund. Trotz ihrer riesenhaften Größe sind diese Locomotiven streng symmetrisch gebaut und geben dem Beschauer ein deutliches Bild ihrer Conftruction und Kraftleistung. Ihre Thätigkeit an der Great Northern Eisenbahn wird nicht nur für Fachleute und die Amerikaner, sondern für die ganze gebildete Welt den Gegenstand eines lebhaften Interesses bilden. fällen ergiebt. Bei solchen Ueberfällen wurden in den letzten , H. L W. Pataky in Berlin unsere Locomotiven im 93er* acht Jahren insgesammt 68 Personen getödtet und 67 ver- gleich zu denen, die seit wenigen Wochen an der Great mundet. Dieses Geschäft blüht augenscheinlich und scheint i Northern Eisenbahn, Nordamerika, in Betrieb sind. Auf noch großer Entwickelung fähig zu sein, besonders wenn die ! einer dem erwähnten Bureau vorliegenden Photographie Freiwilligen - Regimenter nach Beendigung des Krieges erst wieder aus Cuba heimgekehrt fein werden; liefern diese doch schon jetzt in den Feldlagern den Beweis, wie vortrefflich sie sich auf Aneignung des den umliegenden Farmern gehörenden beweglichen Gutes verstehen, wobei ihnen die dort herrschende Verkehr, Ctmb* tmb Votkrwrrthfchast» , 26. Mai. Marktbericht. Auf cen-. heutig« Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. x 0,85—1,05, Hühnereier pr.St.k—UH, 2 St. 10—11 A» Enteneier 1 St. 6—C-0 A. Gänse« der pr. St. 10—12 A, Käse 2 St. 9-15 A, Käsematt* pr. St. 3 Erbsen vr. Liter 20 A, Linsen pr. Liter 32 A. Tauben pr. Paar X 0,60 btS 0,75, Hühner pr. Stück 1,20 bi» 1,40, Hahnen pr. Stück X 1,40—1,80, Enten pr. Stück X 1,80—2,20, Gänse pr. PfunL X 0,00-0,00, Ochsenfieisch pr. Pfd. 68-74 A, Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 62—66 A. Schweinefleisch pr. Pfd. 64 bi» 72 A, Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfd. 76 A. Kalbfleisch pr. Vfd. 62 - 64 A Hammelfleisch pr. Pfd. 60—70 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 7,00 btt 8,00 X, Weißkraut pr. Stück ß—00 A. Zwiebeln pr. Eentn« 10,00—12,00 X, Milch pr. Liter 16 A, Kirschen pr. Pfd. 70 A- Dauer der Marktzeit von 7 Uhr Morgens bis 1 Uhr Nachmittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden. IBtiafrasg, 25 Mai. Frachtmarkt. Rother Weizen X 21,09, weißer Weizen X 00.00, Korn X 14.09, Gerste X 00.00, Hafer X 8.46. — Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindusttieller belief sich die Rohetferrprodrrettoir des Deutschen Reiches (einschließlich Luxemburgs) im Monat April 1898 auf 583 418 Tonnen, darunter Puddelrohetsen und Spiegeletsen 127 403 Tonnen, Bestemerroheisen 40 594 Tonnen, Thomasroheisen 319544 Tonnen und Gießereiroheisen 95877 Tonnen. Die Production im Mär, 1898 betrug 625130 Tonnen, im April 1897 560 343 Tonnen. Vom 1. Januar bis 30. April 1898 wurden producirt 2 392 943 Tonnen gegen 2219899 Tonnen im gleichen Zeiträume des Vorjahres. Neueste Nachricht««. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 26)» Mil. Nach mtvrtägft.em Aufenthalt in Tientfin trat Prinz Heinrich gestern Abend die Weiter- rrise nach Taku an. Berlin, 26. Mai. Der Fall de» deutschen Missionar» Hom eher, der in (Santon verwundet und beraubt worden ist, wurde auf befriedigende Weise erledigt. Die Thäter werden bestraft. Eine namhafte Summe wurde als Entschädigung angewiesen. Berlin, 26. Mai. Wie dem „Berl. Tageblatt" aus Madrid gemeldet wird, ist der Llohddampser „Havel" von einer Hamburger Firma nach Spanten weiterverkauft worden. Hamburg, 26. Mai. Bei Borkum hat gestern früh im Nebel der Petroleum-Tank-Dampfer Washington da» englische Fischerfahrzeug Triumph ia dev Grund gebohrt. Drei Mann von dem finkenden Schiff, alle aus U«rmouth, find ertrunken, die übrigen wurden gerettet. Czernowitz, 26. Mai. Infolge eme» heftigen Wolken- bruche» stürzte die Brandmauer eine» Baues ein und -ödtete vier Arbeiter. Biele wurden schwer verwundet. TemeSvar, 26. Mai. Ein Abiturient feuerte auf seinen Professor, welcher ihm eine schlechte Note im Lateinischen gegeben hatte, einen Revolverschuß ab. Der Professor wurde lebensgefährlich verwundet. Paris, 26. Mai. In der hiesigen spanischen Botschaft wird erklärt, daß die Bevölkerung der Philippinen aus politischen wie religiösen Motiven lebhaft gegen die Anmaßung protestirt, daß fie die Amerikaner al» Erlöser erwarten. Pari», 26. Mai. In den dem Präsidenten nahestehenden Kreisen verlautet mir Bestimmthe.:, daß Meline am letzten Montag, als die Wahlergebnisse bekannt wurden, dem Präfiderrteu der Republik nicht nur die Demission Lebon», sondern diejenige de» ganzen Cabinet» augeboten hat. Faure habe ihm jedoch zugeredet, im Amte zu verbleiben. MonS, 26. Mai. In Folge einer Explosion schlagender Wetter in der Kohlengrube „Crachet und Piuerh" wurden Über 20 Mann getödtet. Madrid, 26. Mai. AmtlicherseitS werden die Meld- dungen über eine Abtretung der Philippinen an Deutschland oder Frankreich dementirt. Madrid, 26. Mai. Ein Kabeltelegramm au» Havanna meldet, daß da» amerikanische Blokade Geschwader in lebhafter Bewegung ist, wo» auf einen bevorstehenden Angriff schließen lasse. Die Amerikaner hoffen, daß ihnen die Landung bei Santa Erpirita gelingen werde. Madrid, 26. Mai. Gestern Nachmittag hatten die Botschafter von Deutschland, Rußland und Frankreich eine längere Couferenz mit dem Minister deS Aeußern und Sagasta. Man glaubt, eS handle sich um daS baldige Eingreifen der drei genannten Mächte in die Streitigkeiten zwischen Spanien und Amerika. Besonder» sollen in der Cenferenz die letzten Vorgänge in Manila lebhaft erörtert worden fein. Washington, 26. Mai. Ein Decret de» Präsidenten derief 75000 Mann Freiwillige unter dir Waffen, soduß sich die Zahl der Freiwilligen auf 208000 erhöht. Di- Freiwilligen wurden auf zwei Jahre einberufen. Ein großer Theil derselben wird mit der Bewachung der Küsten betraut werden. Key West, 26. Mai. Vorgestern Abend wurde hier ein »panischer Spion verhaftet. Mau erkannte in ihm ren früheren spanischen Militär-Attachö in Washingtou, L ruleuant F ab ran- derselbe wird wahrscheinlich erschoff.n w-rden. 'M-. flarantirt solide, ö3lu@HSiO!t8 Berkin? Muster mit Angabe d. (Sewünschten. e” Man —** von Elten & Keussen, 'h^uS4 Crefeld Bei Todesfällen übernimmt die Buchdruckerei des Giessener Anzeigers, Schnlatraeee 7, die schnellste Anfertigung von Trauerbriefen und Danksagungskarten, welche auf Wunsch couvertirt geliefert werden. Reichstagswahl. Donnerstag den 26. Mai, Aöends 83k Ahr, in SteinsMarten (Kaatöau): Wähler-Versammlung Herr Dr, Georg Frau!: aus Engels, Candidat der vereinigten liberalen Parteien, wird sein Wahlprogramm entwickeln. Unsere Parteigenossen und Freunde laden wir hierdurch ergebenst ein. 687e. Der liberale Wahlausschuss. zu verkaufen. 5364 zu verkaufen. 5417 zu verkaufen. A. Kilbinger, Zrltersmg 19 Willy Arend auf 1910 Continental 5096 Pneumatic treffen heute ein bei 581 Marktplatz 21. - Fernsprech-Nr. 46. 4975 5441] Stube, Cabinet und Küche im Stock mverm. Gq Unverzagt, Kaplg. 5. Vertreter: Carl KraiMng. 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