Nr. 97 frftitint täflCld) mit AuSnahinc beß Montags. Dir Gießener Ismikienbkätter werben drin Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Zweites Blatt. Mittwoch den 27. April______________________ Gießener Anzeiger ISO» Aezugsprel» vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pig. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Psg. vierteljährlich Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Sorin. 10 Uhr. General-Anzeiger Alle AuzeigeN'Bermitllnngsstellen de» In. und Auslande« nehmen Anzeigen für den Wiefottter Anzeiger entgegen. Amts- und Anzergeblatt für den Ureis Giefzen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schutstrahe Ar. 7. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. Adreste für Depeschen: Anzeiger Ließen. Fernsprecher Nr. 51. Hmtlid?er Tbeil. Bekanntmachung. Mit Allerhöchster Genehmigung Seiner Königlichen Hoheit bei Großherzogs ist dem Müntterbanoerein in Frei bürg i. B. die Grlaubniß ertheilt worden, die Loose der zum Zwecke btr Wtederh rstellung deS dortigen Münsters zu veranstaltenden PrSmtenlotterieen vorläufig bis zum Jahre 1901 einschließlich innerhalb des GroßherzogthumS zu vertreiben. Indem wir dies zur öffentlichen Kenntuiß bringen, be- merken wir, daß nach de« von der zuständigen Behörde ge- vehmtaten verloosungSplan für jede Ziehung 260,000 Loose zu 3 Mark au-gegeben werden dürfen und 322,000 Mark zu Prämien verwendet werden müsien. Gießen, den 23. April 1898. GroßherzogltcheS Kretsamt Gieße«. v. Gagern. Zu den bevorstehenden Reichstagswahlen. Am DtenStag ist der Reichstag zu seiner vorausfichtltch letzten Tagungsperlode zusammrngetretev, um die noch restireu- den Vorlagen zu erledigen. Daß el mit der Srffion zur Rüste geht, ersteht man auch aus der Publikation des Termini für die Neuwahlen zum Reichstag, die am 16. Juni stattfindeu sollen. Mit großen Hoffnungen steht mau dem künftigen Reichs« tage entgegen, dem freilich weniger wichtige Aufgaben obliegen werden, all ste der nun kurz vor der Verabschiedung stehende Reichstag zu erledigen hotte. Schon die drei vor- lagen: Bürgerliches Gesetzbuch, Flottengesetz und Militär« strafproceßreform erheben die verfloffene ParlamentSsession »der daS DurchschnittSuiveau und wachen es den folgenden schwer, bezüglich der Wichtigkeit der BerhandluogSgegenstävde mit derselben zu concurriren. Es könnte eigentlich müßig erscheinen, schon jetzt Be« trachtungen anzustellen über daS vorauSstchtliche Ergebniß her künftigen RetchStagSwahlen, insbesondere weil darüber noch niemals so völlige Unklarheit geherrscht hat, wie dies« «al. Der gegenwärtige Reichstag ist bekanntlich unter dem Eindruck del Kampfes um die HeereSverstärkuug gewählt worden, aber es machten stch doch schon die wirthschaftlichen Gegensätze in hohem Grade bemerkbar. Dies wird noch mehr der Fall sein bei den bevorstehenden Reichstagswahlea, und man darf mit Recht behaupten, daß die WirthschaftS- politik das Feld vollständig beherrschen uud alle! ändere in den Hintergrund drängen wird. Noch gar nicht lange ist es her, all der Mtquel'sche Ruf zur Sammlung erging. Noch konnte die Probe nicht auf da- Exempel gemacht werden, und die Frage, ob die Politik der Sammlung Erfolg haben werde, beschäftigt unausgesetzt alle Parteien. ES gab eine Zett, da man stch frohen Hoffnungen hingab und glaubte, der Erfolg könnte nicht aul- bleiben, aber die zweifelnden Stimmen haben zugenommen, während die zuversichtlichen sich schon jetzt In der Minderheit befinden. Die Gegensätze haben sich aber so thurwhoch aufgehäuft, daß eS eine Riesenarbeit sein würde, dieselben rasch uud gründlich auS dem Wege zu räumen. Sehen wir uns um im Kreise der Parteien, an welche vornehmlich der Ruf zur Sammlung erging. Können wir da einen uenvenswerthen Erfolg verzeichnen, dürfen wir hoffen, daß bet den nächsten RetchStagSwahlen dtese Parteien sich zusammenschlteßeu werden zur Bekämpfung des gemeinsamen Feindes? SS müßten Zeichen und Wunder geschehen, wenn ein solche! Resultat einträte. Aber wer offene Augen hatte, der rechnete auch wohl kaum auf einen schnellen Erfolg, der mußte fich auf eine lange Vorarbeit gefaßt machen, und Alle, denen eS mit einer wirklichen Sammlung ernst ist, werden sich nur doppelt angespornt fühlen, daS Werk der Einigung weiter zu betreiben. Wie schon oben gesagt, werden bet den nächsten Wahlen die wirthschaftlichen Rücksichten ausschließlich maßgebend sein, aber um so härter dürfte der Kamps werden. Wir sehen schon jetzt, daß die Gegensätze wirthscktastlicher Natur Gpal- tungen innerhalb der regierungstreuen Parteien hervorbrtugeo, die diesen letzteren gefährlich werden können. Hoffentlich kommt noch tu letzter Stunde dte Einsicht, daß, wo zwei sich streiten, der Dritte lacht, und dieser Dritte in den weitaus meisten Fällen der erbttterste Feind der beiden ist. Deshalb fei hiermit zur Borficht in dem bevorstehenden Wahlkampfe ermahnt. (XX) Dcutfdpe* tUid?« Berlin, 25. April. Das StaatSmtnisterium trat heute Nachmittag 3 Uhr tu (einem Dtenstgebäude unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen. Berit*. 25. April. Dal Abgeordnetenhaus haß heute in dritter Lesung das Eomptabilttätsgesetz definitiv angenommen und iodaun dte erste Lesung der Secundärbahn-- Vorlage begonnen, deren Fortsetzung auf morgen 11 Uhr vertagt wurde. Bertt*, 25. April. Die deutsch« chinesische Gesellschaft tst nunmehr tnS Leben getreten. Zahlreiche hervorragende Mitglieder der hohen Aristokratie haben fich an be« Btlbung bteser Gesellschaft bethetligt. In bcn leitenden Ausschuß wurden gewählt: daS Mitglied des Herrenhauses^ ReichStagsabgeordueter Graf Dönhoff-Frtebrtchstein, be« chinesische General v. Hanneken, der Präsident Heuttg-Donau- Eschtngen, der Generalbevollmächtigte der Fürstlich Fürste*- bergischen Güter Graf Ttele Winkler, der bekannte Groß- Grundbesitzer und Groß-Industrielle in Oberschlesteu, und Andere. Berlin, 25. April. Liner Bekanntmachung bei Ministers beS Innern zufolge hat bte Auslegung be« Wählerlisten für die RetchStagSwahlen am 18. Mat b. I. zu beginnen. Berlin, 25. April. Der Gefetzentwnrf betreffend bte Handelsbeziehungen zum britischen Reiche ist heute bem Reichstage zugegangen. Derselbe lautet: De« Bundesrath wird ermächtigt, den Angehörigen und den Er- zeugniffen deS vereinigten KöntgretcheS von Großbritannien und Irland sowie den Angehörigen und Erzeugntffen britischer Colonien und auswärtiger Besitzungen für die Zett btS zu« 80. Jult 1899 dtejentgen vorthetle etnzuräumen, bte SetteoS be« Reiche« ben Angehörigen oder ben Erzeugnissen bet meistbegünstigten Länder gewährt werben. Berlin, 25. April. Der „Post" zufolge wirb eine Reurralerklärung von Seiten DeutschlanbS Angesicht« be« spantsch-amertkantschen Kriege« nicht erlassen werben und zwar weil sich Deutschlaub burch irgend eine Form die Hände nicht binden taffen wolle. HusUrab» »er*, 25. April. Die spanische Regierung hat bem Bunb e«rath ein Memoranbum zugestellt, tn welche« sie bte Auffassung vertritt, Nordamerika habe da« Richt verletzt, indem e« eine gewaltsame Lösung beS spanisch-amerikanischen CovfltcteS herbetführte. Venedig, 25. April. An Bord de« Kriegsschiffe« „Amphitrite- trafen der griechische Kronprinz mit Feuilleton. In Macht und in — Wacht! Zar 50. Wleeerkehr bc« GrburtSrage« de« König« £)-to I. von Bayern. Don Dr. L. Müller. (Schluß.) Prinz Otto fehlte auch hier nicht. Mit Genehmigung feine« königlichen Bruder« und tn Vertretung deffelben begab er fich mtt dem Hauptquartier be« König« Wilhelm I über die französische Grenze unb war namentlich bei Seban am 1. September Augenzeuge ber unüberwindlichen Tapferkeit seiner Bayern, welche vor vazetlle« über die Hälfte ihrer Mannschaft in erbittertstem, todte«muthigstem, wiederholtem Ansturm und darauf folgende« mörderischem Straßeukawpf auf bem Dchlachtfelde ließen. Ganz im Beobachten ber Helbeothaten seiner Truppen verloren, sah mau ben jungen Prinzen Otto in ber Nähe be« preußischen König« auf ber Höhe von Frönot« stehen unb mit seinem Krtmstecher ben Gang ber einzigen Schlachr der Weltgeschichte versolgen. Seine Augen lenchteten auf, al« dte weiße Fahne auf beo Wällen bet Festung ben Sieg bet Deutschen verkündigte, unb herzlich erwiderte er den Händedruck de« alten Preußen- köntg«, bet dem Waffenmuthe bet Bayern vollste Gerechtigkeit widerfahren ließ. Al« bann ber große 18. Januar 1871, der Tag ber Kaiserkrönung tu Versailles, die Fürsten unb Abordnungen ber Truppen im Sptegelsaale vereinigte, da erscholl de« Prinzen Otto kräftiges Hurrah mtt bem grandiosen Choru« durch bte wetten Räume des Schlaffes htn und weckte selbst rin Echo im Bayerolande am Throne Ludwigs II., der den Antrag zur Krönung gestellt hatte. Dann kam der glorreiche Friede im März uud später unter nicht enden wollendem, frenetischen, an Raserei streifenden Jubel unb Beifallsjauchzeu der Einzug der sieg- reichen Boyern in München. Prinz Otto ward von Kränzen und Sträußen förmlich überschüttet und ganz Bayern hätte sich für ihn und seinen König in Stücke reißen lassen, so enthufiaSmirt war man allerorten. Höher uud höher schlug da« Herz deS Prinzen und er fühlte „die hohe Wonne ganz", einem Volke anzugehörea, au bet Spitze eines Volke« zu stehen, das ihn vergötterte. Doch: Noch Niemand sah ich fröhlich enden, Auf den mtt immer vollen Händen Die Götter ihre Gaben streu'n! Die Vorsehung hatte e« ander« beschlossen. Aus da« Jauchzen der Freude sollte gar bald die tiefe Wehmuth, die Todteustille be« Schmerze« folgen. Durch die Straßen der Städte, vom Jammer gefolget, Schreitet daS Unglück. Bald an dieser Thüre Pocht eS, Bald an jener, Aber noch Keinen hat es verschont'. Auch an die Thüre des Münchener Schlosse« pochte da« Unglück. Durch die Straßen der Stadt schlich e« ungesehen dahin, bi« e« vor dem Sitze be« Prinzen Halt machte unb mtt seiner knöchernen Faust ben ehernen Thürklopfer hob. E« war Zett. DaS Glück war zu groß gewesen, ber Schmerz mußte e« dämpfen, ach, und für immer kämpfen! Wa« war denn geschehen? — Prtuz Otto von Bayern, ber schöne, herrliche Heldenjüngltng, war im Jahre 1872 als Wahnsinniger nach Schloß Rymphenburg bei München gebracht worben und wurde dort unter strenge ärztliche Aufsicht gethav. Dort saß er in Pracht uud doch tn — Nacht! O, schrecklicher, entsetzlicher Absturz! — König Ludwig II. war aufs Tiesste erschüttert von der unglückseligen Kunde, eilte herbei, um seinen Bruder, seinen unglücklichen, armen, in der Nacht, in der fürchterlichsten, de« Wahnsinne«, da- fitzenden Bruder zu sehen. Er sah iHv, umarmte ihn und eilte, stumm vor Schmerz, verfolgt vom wirren Gelächter de« Irren, hinfort, um sich und sein Weh vor ber Menschheit zu verbergen tn ber Einsamkeit, wo baS Herz, auch da« eine« König«, sich auswetuen und au«schreieu kann. Sech« langt Jahre vergingen, nie sahen sich bte betben Brüder tn btt Zwischenzeit wieder, da brachte man ben inzwischen von ben Aerzten für unheilbar erklärten Wahnsinnigen nach Schloß Schleihhei«, etwa« übet 14 Km. von München. Diese« Schloß, eine« ber schönsten und prächtigsten tn ganz Europa, umfing mit seiner Pracht einen tn ewiger Nacht de« Geiste« Dahinwandelnden und gab ihn kurze Zeit darauf an Schloß Fürstenried ab, wo der Unglückliche noch heute weilt. Da kam da« Jahr 1880 unb am 24. und 25. August bte 700jährige Jubelfeier bet Regierung be« WittelSbach scheu Hause« unb würbe in München unb tm ganzen Lanbe festlich begangen. Welch eine bittere Ironie be« Schicksal«! Vor 700 Jahren war e« ein Otto von WtttelSbach, der bte Herr schäft be« bayerischen Köuig«hause« begründete, und jetzt ist e« ein Otto, der sie, wenigsten« tn der Hauptlinie, de- enden wird. Doch e« war da« Maß noch nicht voll. Im Jahre 188t ergriff auch ben regierenden König der Wahnsinn. Wenige lege nach ärztlicher Feststellung der Unheilbarkeit der Geistesstörung gab er sich ben Tod in den Fluthen be« Stareuberger See« am 13. Juni. Prinz Luitpold, bet jüngere Brnber be« König« Maximilian II., hatte schon am 9. Juni btt Regentschaft für ihn übernommen unb führt nun dieselbe bi« auf ben heutigen Tag für ben tn Pracht unb doch in — Nacht dasitzendea König Otto I. Mehrfache Anregungen, ba« Königthum von be« als hoffnungslos erklärten Geistes- kranken auf den Regenten zu übertragen, scheiterten bisher an ben Bestimmungen der bayerischen verfaffung. Die Geschichte Bayerns enthält nichts Tragischere«, al« ba« Schicksal bteser betben herrlichen, tbeal angelegten, ewig unsterblichen, auch in ihrem Elende noch der Bewunderung wertheu WittelSbachet Ludwig II. unb Otto I. In Pracht und — und — — — in-- --Nacht! Gemahlin und Prinz Georg ein. Dieselbe» reisen heute nach Homburg ab. Load»», 2b. April. Präfideut Mac Kinley hat eine« englischen Torrespoudeuteu eine Botschaft für England mttgegebeu, tu welcher eS heißt, daß nicht nmr die Negierung sondern die ganze amerikanische Natiou zu tiefe« Danke für die Sympathien England- verpflichtet sei. Madrid, 25. April. Infolge der Unthätigkeit der Flotte beginnt sich die Situation für die Regierung wesentlich zu verschlechtern. Wenn nicht bald ein bedeutender Erfolg der Flotte zu verzeichnen ist, dürfte es zu kritischen Ereiguiffeu kommen. General Wryler hat der Königin den Rath ertheilt, Maßregeln bei Zetten zu treffen, u« ein MilitSr-Eabinet zu ernenne». PHUadelphia, 25. April. Ein hiesiges Blatt weist auf die Gefahr hin, die der amerikanischen Armee dadurch entsteht, daß die Truppen nicht mit gleichmäßigen Gewehren bewaffnet find, sondern mit alten Modellen, deren Tragweite «eist hinter der der spanischen Gewehre zurückbleibt. Man glaubt hier allgemein, daß da- amerikanische Heer nicht vor dem 1. Juni kampfbereit sein kann. 4- Ullendorf a. d Lda., 25. April. Gestern fand hier die Einweihung der neu errichteten Kletnkiuderfchule statt. Die Lehrerin ist eine Schwester aus Baden, welcher 47 Studer auvertraut wurden. Herr Pfarrer Eckstein hielt eine herzliche Ansprache, und der Kircheuchor verherrlichte die einfache Feier durch zwei Lieder. 8 Bo« Laude, 25. April. Mit Freuden begrüßt es der wahre Menschenfreund, daß die Presse in neuester Zett sich angelegeutlichst um das Wohl der aus der Schule entlassenen und theilweise schon jetzt oder zu Pfingsten conftrmirten Jugend bekümmert. Sehr beherzigeuSwerthe Worte und Mahnungen werden laut, und es ist nur den Eltern dringend zu rathen, fie zu befolgen. Wenn u. A. gesagt wird, daß in neuester Zett vielfach auf dem Lande die Sitte sich einbürgert, die Jünglinge nach ihrer Eonfirmation, statt ein Geschäft erlerne» zu lassen, nur zum Geldverdteuen anzuhalten und daß diese Art der Ausbeutung oft ein Krebs» schaden sei, so ist das nur zu sehr wahr. Was Häuschen nicht lernt, lernt Haus nimmermehr. Sind die ersten Jugend» jahre im Einerlei der Fabrikarbeit oder des Tagwerks einer anderen bloßen Arbeit um Lohn zugebracht, dann ist es zu spät zur Erlernung eines Geschäfte-, und der junge Tage» arbeüer ist in vielen Fällen de- Bodens eines späteren gesegneten Fortkommens beraubt. Allerdings sprechen die Verhältnisse der Familien hier mit. In mancher Familie ist mau der jungen Arbeitskraft zur Erlangung eines Verdienstes eben »ehr als beuöthigt. Wenn man aber derarttge Familien Revue paffireu läßt, so find eS meist solche — Ausnahmen gewiß zugestauden — in denen eben durch Nichterlernung eines Geschäftes und Nichtbeachtung der Forderungen unserer Zett au jeden Handwerker, die Zustände der Art geworden find, daß der au- der Schule entlassene Sohn statt ein Handwerk z» erlernen, bloß der Arbeit um Lohn nachgehen muß. Handwerk hat heute noch so gut eineu goldenen Boden, al- zur Zett der Großväter, ja heute oft noch einen goldeneren; aber geradeso wie damals gehört zur tüchtigen Geschäfts kenntntß und regem Fleiß da- brave, sittsame Betragen de« jungen Menschen. Höflichkeit und Ehrbarkeit find aber etu Schlüssel, der nicht bloß die Thüren, sondern auch die Herzen aufschließt. Gerade tu unserer Zeit, in welcher die geistige Ausbildung nicht mehr einzelnen befähigten Köpfen zukommt, sondern Allgemeingut geworden ist, wird allseits das größte Gewicht auf das Betragen des jungen Menschen gelegt. Ju ihm liegt der wirksamste Hebel zum Werden eines tüchtigen Mannes. Diesen Hebel aber zur rechten Zett aufzubauen, muß der Eltern vornehmste Sorge sein, fie müssen hierin vor allem Hand in Hand gehen mit der Schule, die nicht bloß unterrichten sondern auch erziehen will. * Frankfurt. 24. April. Das heutige Rennen war auf allen Plätzen außerordentlich zahlreich besucht und nahm bei dem herrlichen Wetter einen durchaus gelungenen Verlauf. I. Preis des Landwirthschaftlichen Vereins Frankfurt a. M. Flachrennen. 1500 Mark. 1400 Meter. Erster Lt. v. Fritzsches „Leuchtkugel" (Reiter: Besitzer); Zweiter Lt. ». Lilienthals „La Gitana II." (8t. v Kayser L); Dritter Weinbergs „Rothkäppchen" (Bes.). Sechs liefen. Leicht um Halslänge gewonnen. — II. Altkönig-Hürdenreunen. Clubpreis 1500 Mk. 2400 Meter. Erster H. Suermonds „Quästor" (Lt. Suermondt); Zweiter Lt.v. Bradsky.Labouns „Huby Born" (Bef.); Dritter Lt. Völcker» „Master of the Mint" (Bes.). Neun liefen. Siegte leicht mit zwei Längen. — III. Mirabelle Steeplechase. Ehrenpreis und «ubpreis 2000 Mk. 3000 Meter. Erster Lt. Jäneckes „Hauptkerl" (Rittmeister Eschborn); Zweiter Lt. o. Lilienthals „Eanada" (Lt. v. Kayser I.); Dritter Lt. v. Grävenitz „Burnt Mill" (Bes.). Sechs liefen. Nach Kampf mit zwei Längen gewonnen. — IV. Main-Flachrennen. Clubpreis 1500 Mk. 1800 Meter. Erster H. Suermondts „Jngvelde" (Lt. Suermondt); Zweiter Lt. Abels „Robur" (Lt. o. Tautphön-)- Dritter Lt. Schröns „Reflex" (Bef.). Siegte nach Kampf mit einer Länge. — V. Taunus- Hürdenrennen. Ehrenpreis und 'Clubpreis 1500 Mark. 2400 Meter. Erster Lt. Willmers „Pakington" (Lieutenant v. Kayser I.); Zweiter Lt. Wolffs „Freude II." (Bes.); Dritter Gestüt Zieverichs „Luby Lad" (Lt. Suermondt). Neun liefen. Nach schärfstem Kampf um Halslänge heraus- geritten. — VI. Johannisberg. Steeplechase. Ehren» preis und Clubpreis 3000 Mk. 4000 Meter. Erster Runges „Leibgardist II." (Rittmeister Eschborn); Zweiter Lt. von Grävenitz „Thyme" (Bes.); Dritter Lüttichs „Hermrtine" (Lt. v. Oertzen); Vierter Lt. v. Bradsky-Labouns „Varus" (Bef.). Sechs liefen. Nach Kampf mit einer Länge gewonnen. Dar dritte Pferd 30 Langen zurück. • Frankfurt, a. M, 25. April. Große Rosenaus- stellung 189 8 an der Forsthausstraße Juni bis September. Der Kaiser von Rußland hat dem Sontite der großen Rosenausstellung auf Anttag seine- Minister- für Ackerbau und Staat-domänen die große goldene Staat-» »edaille nebst Diplom zur Verfügung gestellt mit der Maßgabe, daß dieselbe „für die hervorragendste Leistung auf dem Gebiete bee Rosencultur" verliehen werden soll. Da- Kaiserlich russische Geueralconsulat in Frankfurt a. M. hat die Medaille und da- Diplom nebst den Berleihung--Be» ftimmungen de- Zaren de« (Somite übermittelt. Diele hohe Au-zeichnung liefert einen Beweis für da- Interesse, mit de» man auch im Au-lande die Bestrebungen des Ausstell» uugscomitvs unterstützt. • Kolo, 25. April. Bei einem Nachmittags ausge- brochenen Stubenbrand ist ein zweijähriges Kind buchstäblich verbrannt. Die Eltern waren abwesend. Da» Feuer ist durch Spielen der Kinder mit Feuerzeug entstanden. * Kiel, 25. April. Die Prinzessin Heinrich, die Prinzen Waldemar und Sigismund find nach Darmstadt abgereist. • Wien, 25. April. Die hiesige „Abendpost" meldet: Der in Hörnstein bei Baden schwer erkrankte Erzherzog Leopold ist gestern Nachmittag mit den Sterbesacramenten versehen worden. Die au-gegebenen Bulletin- verzeichnen anhaltende Schwäche bei eintretendem Verfall. • Sydney, 21. März. AIS vor einem Jahre die Tochter einer sehr begüterten Melbourner Familie, Douglas, Hochzeit machen wollte, mußte die Feier wegen de- plötzlichen Todes ihrer Schwester verschoben werden. Die Feier sollte nun an vorigen Dienstag stattfinden. In der Kirche warteten bereits die Gäste, der Wagen, der die Braut zur feierlichen Handlung führen sollte, stand schon vor der Thür, als plötzlich der einzige Sohn der Familie, ein junger Mann von achtzehn Jahren, vermißt wurde. Man stellte Nachforschungen an und fand den Unglücklichen in seinem Schlafzimmer auf dem Bette liegen, bewußtlos und mit einer Kugel in der Stirn. Er hatte in der Frühe in den Garten gehen und dort ein paar Vögel schießen wollen und man nimmt an, daß sich sein Gewehr dabei entladen, er selbst aber noch Kraft und Be- finnung genug gehabt habe, um fich in sein Zimmer zu schleppen. Die Hochzeit-feier hat natürlich sofort abgesagt werden müssen, und gestern ist der junge Mann, der bei seiner Mündigkeit ein Vermögen von 2 Millionen Mark zu erwarten gehabt hätte, seiner Verletzung erlegen. * Fleiß der Studenten. Da- 150. Heft de- amtlichen Quellenwerkes „Preußische Statistik" bringt u. A. auch eine Ueberficht über den Kollegien besuch bei den medi cinischen Facultäten aller preußischen Hochschulen für das Studienjahr S. S. 96/7. Aus den trockenen Zahlenangaben kann man den Fleiß der AeSkulap»Jünger Peinlich genau verfolgen. 943 medicinische Privatvorlesungen der preußischen Univerfitäten wurden von 33010 Zuhörern während des angegebenen Zeitraumes besucht, im Durchschnitt also ein Colleg von 35 Hörern. Zum bummeligsten Besuch fühlten fich die jungen Medtciner in Göttingen (26), Halle (26) und Königsberg (28) veranlaßt. Ueberschrttten haben die Durchschnittszahl der Collegftequeuz nur Kiel (37), Bonn (47) und Greifswald (58). Der Besuch der medicinsichen Privat Vorlesungen in Greifswald von durchschnittlich 58 Köpfen ist die überhaupt höchste Leistung. Und dabei erfreut sich Greife Wald gar nicht so großartiger medicinischer Uuiverfität-institute und Kliniken wie Berlin, Halle, Königsberg. Auch ihr Besuch ist nicht bedeutend, er bleibt hinter den meisten preußischen Hochschulen sogar erheblich zurück. Es ist also nichts Audrre- möglich, als daß dieses kleine vorpommersche Greifswald, wo doch daS Bier und der Tabak gar nicht besonders schlecht verzapft werden, wo Fuchsenthuw und Burscheufreihrit gar nicht weniger üppig floriren al- anderwärt-, die «r- fleißigsten Mediciner hat. Heiliger Aeskulap! Deine Wunder find ja geradezu bandgreifswaldlichl * Die Bukowina ist ein Oesterreich im Kleinen: Ruthe- nen, Rumänen, Juden (meistentheil- deutscher Muttersprache), katholische und evangelische Deutsche bilden die Hauptmasse der Bevölkerung, dazu kommen noch Polen, Magyaren. Armenier und andere. Während ringsumher, in Galizien, Ungarn, Rumänien und Rußland fremde Sprachen herrschen, hat in der Bukowina bisher das Deutsche die Oberherrschaft gehabt. Aber wie im großen Oesterreich, so ist auch in der Bukowina das Deutschthum durch die anderen Nationen immer heftiger bedroht. Da haben sich denn endlich, nachdem schon längst die Ruthenen. Rumänen, Juden und Polen die Wohl- thaten nationaler Vereine genossen hatten, auch die Deutschen zur Gründung eines deutschen Vereines aufgerafft. Im April 1897 ist der „Verein der christlichen Deutschen in der Bukowina" ins Leben getreten, und noch bevor ein Jahr abgelaufen ist, zählt er mehr als 1700 Mitglieder — ein Beweis, wie groß das Bedürfniß nach einer solchen Vereinigung war und wie viel Anerkennung schon die im Anfänge naturgemäß noch bescheidene Verein«- thätigkeit bei den Landsleuten gefunden hat. Der Verein nimmt sich besonders der Landwirthe an, inoem er ihnen Belehrung ertheilt und für Beschaffung guter Sämereien sorgt, er richtet auch auf das Schulwesen und die Forl- bildung, auf das Kleingewerbe, auf Stellenvermittlung und vieles Andere sein Augenmerk und bietet seinen Mitgliedern unentgeltlich eine Monatsschrift, den „Bukowiner Boten", der alle Stände zu belehren und anzuregen sucht. Eine» der größten Bedürfnisse des Vereines ist das nach einem eigenen Heim, einem deutschen Ver- einshaus in Czernowitz, das den erforderlichen Raum darbietet für die Vereinskanzlei, für ' Sitzungen und Versammlungen, für deutsche Schüler vom Lande, für ein Lehrlingsheim usw. Die meisten Deutschen hier sind aber unbemittelt, so daß । ihre Opferwilligkeit nicht hinreicht, um die Erfüllung dieses Planes in absehbarer Zeit erwarten zu lassen. Der Vor" stand de» Vereins wendet sich daher an alle Stammesgenossen mit der Bitte um Beiträge zum Hausbaufond. Auch die geringste Gabe wird mit bestem Dank angenommen und im „Bukowiner Boten" nach» gewiesen. Geldsendungen übernimmt der Säckelwart bei Hausbau. Ausschüsse»: Herr Marian Rudolf Streit (Czernowitz, Landesregierung).___________ —' * 1 ~~ Citaratw Mtrt — Justus PertheS' Deutscher Mariue-AttaS. Be«rdeitet von Paul Langhan«. Mtt Begleitworten von Capttän- lieutenent a. D. Bruno Weyer Gotha, Justu» PertheS. Prei» 1 Mk. Der Streit um die Floltenvorlage rote die neuen Unternehmungen deS Reiches in Ostasien haben die Aufmnksamkril der weitesten VolkSkrcise auf dl« Einrichtungen und die Thätigkeit unterer Kriegsmarine gelenkt. Zur Beuttheilung der einschlägigen Fragen fehtte eS bisher vollständig an einer kartographischen Grundlage, welche die Vielseitigkeit und die räumliche Ausdehnung der unterer Kriegsmarine obliegenden Arbeit unmittelbar veranschaulichte. Diese Lücke tüHt der soeben neu erschienene „Deutsche Marine, Atlas" in glücklichster Weise durch Vereinigung von Karte und Text au». Don besonder- interessanten Einzelheiten deS Texte- heben wir noch eine Zusammenstellung der gejammten politischen Thätigkeit unserer Marine seit ihrem Bestehen, die SchiffSliste unterer Flotte am 1. April 1898 (nach Tonnengehalt, Schnelligkeit, Beroassnung, Panzerung, Pserde- kräften, Schraudenzahl, Besatzung, Stapellauf usw. jede» einzelnen Schiffe-!) und die Wiedergabe der endgilligen Fasiung de» neue» Flottengesttze» hervor.___________________________________________________ Universität» • Nachrichten. — Der bekannte Philologe Geh.'Ratb Ribbeck in Leipzig hat sich zwar von seiner schweren Erkrankung erholt, maß aber die Vorlesungen auch für dieses ganze Sommer-Semester noch auSsetzen. — Professor Grimm in Berlin hat einen Anschlag aat Schwarzen Brett erlassen, aus dem steht: .Zuhörerinnen haben keine» Zutritt". — An der Universität Würzburg soll ein Lehrstuhl für Hydrotherapie errichtet werden. — Unter den vier Gruppen, welche die Potsdamer Brücke i» Berlin schmücken sollen, ist auch eine, die Professor Röntgen und feine große Entdeckung veranschaulichen soll. Die Ausführung ist de» BUdhauer Felderhoff anoertraut. Der Künstler hat sich kürzlich nach Würzburg begeben und dort al» Studie für sein Werk eine Büste des berühmten Physiker» nach der 9tatur geschaffen. — Al» Nachfolger de» jüngst verstorbenen Professor» Schneider ist Privatdocent Dr. O-kar ©amter zu Königsberg zum leitende» Chirurgen deS städtischen Krankenhauses zu Königsberg i. Pr. gewählt worden. — Dem bisherigen Prioaldoccnten an der Universität Münche», Dr. Güttler, wurde eine neu errichtete außerordentliche Prosessar für Philosophie, insbesondere Geschichte bet Philosophie, an der dortigen Universität übertrage». itandwirthscbaftliche». Kolik der Pferde.") Heber diese Krankheit und ihre Heilung könnte man ein ga»ze- Buch schreiben. ES soll hier nur kurz eine Art der Behandlung angegeben werden, welche jeder Landwirth bis zur Ankunft de» Thiev- arzteS selbst ausführen kann. Dieselbe besteht in: 1) Bewegung im Freien oder bei schlechtem Wetter bi eine» luftigen, geräumigen Stalle oder Tenne ufro. 2) Einreiben der Nierenparthie, der Flanken und de» vanche» mit einer Mischung au6 3 Iheilen Terpentinöl, 3 Th Spiritu» und 1 Th. Salmiakgeist (vor dem Gebranch gnt durchgeschütteU). 3) Reiben der genannten Körpertheile mit Strohwische» 4) Eingabe von 360 g Glaubersalz und 40 g Alo-» (mit Wetzenmeol und Wasser zur Latwerge zu machen, '/»stündlich rote ein Hühnerei dick zu geben). Bei Windkolik setzt man dieser Latwerge 120 $ gestoßenen Kümmel zu. Bei Harnverhaltung dagegen gibt man dieselbe I» Wechsel mit Petersilien Abkochung (stündlich eine Weinflasche voll, gut durchgeseiht, lauwarm). 5) Klystiere von lauwarmem Seifenwasser mit etwa» Kochsalz nach vorhergehendem AuSräumen de» Mastdarms mit Der Hand und leichtem Druck auf die gefüllte Blate. Die Klysttere sind stündlich zu wiederholen, bi» genügend« Kothablatz erfolgt ist. Meist wird schon durch diese Behandlung die Kolik beseitigt. In hartnäckigen Fällen ersetzt man die Seifenwasser-Klystiere durch Tabakrauch'Klystiere und verwendet als Eingabe 360 g Glaubersalz und 8 g Brechweinstein (mit Weizenmehl und Wasser zur Latwerge zu madjen; stündlich wie ein Hühnerei dick zu geben). Dabei ist ad« sorgfältig auf die Bewegung und da» Geräusch im Magen und Dar»» kanal zu achten. Sobald beide» wieder genügend ein getreten ist, hat man mit Etngeben von Brechroeinstein und mit den Tabakrauch- Klystieren auszubören, um nicht zu stark zu reizen und Znreißunge» zu vermeiden Wasser darf erst zwei Stunden nach ber letzten Eingabe gereicht werden. Da» sogen. Werfen der Pferde ist bei reichlich« Einstreu unbedenklich zu gestatten, sobald keine Beschädigung d« Ibiete a» Krippen, Bäumen und anderen Gegenständen erfolgen kann. Bet Beweguna besondnS im Freien lindern fich die Leibschmerzen ee» selbst, und wird deßhalb wenig« da» Bedürfniß de» Werfens vorhanden sein. Ob daS Pferd zu bedecken ist oder nicht, richtet sich ganz nach der Temp«atur des Stalle» und der äuß«en KörpertheUe. Neuer- dingS wendet man bei niedrig« Temperatur der Haut, um da» Thier »um Schwitzen zu bringen, Prießnitz'sche Umschläge an, die bei gut« Bedeckung mit wollenen Decken und Stroh stündlich zu erneuern sind. Bei aQen schweren und hartnäckigen Kolik Fällen ziehe man sobald als möglich den Thi«arzt hinzu, um je nach Bedürfniß krampf- still. nde Mittel anzuwendm, Einspritzungen, den Darmstich usw. z» machen. *) Aus dem „Praktischen Wegweiser", Würzburg, ein« vielseitigen Familien,eitschrfft, die Jedermann zu einem Probe-Abonnement (30 Pfg. vierteljährlich) empfohlen ro«ben kann- 6 Meter soliden Wasch-Stoff zum Kleid für Mk. 1.68. Hunter auf Verlangen franco ins Haus. Modebilder gratis. 6 Mtr. solid. Sommer-Stoff t. Kleid für M. 1.80 6 „ Sommer-Nouveaute B „ „ , 2.10 8 „ Loden, vora. 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