2066 ihnhofstr. i. 2062 mall ® M 2) Ujr üon ^erm Seihen unsere etha schieden ist Lenz. iche ich hiermit die gen 6*/| Uhr meine Sitte nm stille Theil- Hinterbliebenen. 2u67 ifl 3 Uhr von ben neuen 2061 ■SW*«*' Mck i»n ®9‘Ä 8 tt»ti ÄJSJ »üL: Nr. 49 Zweites Blatt. Sonntag den 27. Februar L8S8 Erscheint täglich mit Ausnahme dcS MontagS. Die Gießener Wamittenb kälter »erden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt. Gießener Anzeiger NezugspreiA vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg- monatlich 75 Pfg. mit Bringerloh». Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. >«««hme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr. Heneral-Anzeiger Alle Anzeigen-VermittlungSstellen deS 3n» und AuSlcmbeA nehmen Anzeigen für dm Gießener Anzeiger ertt^g«. 2lmts* unb Anzeigeblatt für den "Kreis Gießen. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchnlstratze Kr. 7. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. Adresse für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Lheil. Bekanntmachung, da- Ersatzgeschäft pro 1898 betreffend. Die Musterung und Loosziehung der Militärpflichtigen des Kreises Gießen für das Jahr 1898 findet an den nachbenannten Tagen statt und zwar: I. Zu Lich im Rathhaussaale. Mittwoch den 2. März, Vormittags von 9 Uhr an: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Albach, Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen und Holzheim; Donnerstag den 3. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Hausen, Hungen, Inheiden, Langd, Lang-Göns und Langsdorf; Freitag den 4. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Leihgestern, Lich, Muschenheim, Münster, Nieder-Bessingen, Nonnenroth, Obbornhofen, Ober- Bessingen, Ober-Hörgern, Rabertshausen und Rodheim; Samstag den 5. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Röthges, Steinbach, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen und Watzenborn mit Steinberg. Montag den 7. März, Vormittags von 9 Uhr an: Loosziehung. II. Zu Gießen in der Restauration „Zum Lonys Bierkeller", Schanzenstraße 18. Dienstag den 8. März, Vormittags von 8 Uhr an: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Allendorf an der Lahn, Allendorf a. d. Lda., Alten - Buseck, Annerod, Bersrod mit Winnerod, Beuern, Burkhardsfelden, Daubringen, Großen- Buseck, Hattenrod und Heuchelheim; Mittwoch den 9. März, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Stadt Gießen der beiden ältesten Jahrgänge (1896 und 1897) und dec Gemeinde Großen-Lindcn; Donnerstag den 10. März, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen des jüngsten Jahrgangs (1898) der Stadt Gießen und derjenigen der Gemeinde Klein-Linden; Freitag den 11. März, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Lollar, Mainzlar, Oppenrod, Reiskirchen, Rödgen,Ruttershausen, Staufenberg, Treis a. d. Lda., Trohe und Wieseck; Samstag den 12. März, Vormittags von 9 Uhr an: Loosziehung. in. Zu Grimberg im Gasthaus zum Rappen. Montag den 14. März, Vormittags von 9 Uhr au: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Allertshausen, Beltershain, Climbach, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Kesselbach, und Lauter; Dienstag den 15. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Lindenstruth, Londorf, Lumda, Odenhausen, Queckborn, Reinhardshain, Rüddingshausen, Saasen, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain und Weitershain. Mittwoch den 16. März, Vormittag von 9 Uhr an : . Loosziehung. Besondere Bestimmungen. 1) Zur Musterung haben sich, bei Meldung der gesetzlichen Strafen, zu stellen: Diejenigen, dem Großherzogthum Heffen oder einem andern Staate des deutschen Reiches angehörigen Militärpflichtigen, welche a) in einer Gemeinde des Kreises Gießen ihr gesetzliches Domicil — ihre Heimath oder ihren ständigen Wohnsitz — haben und sich nicht in einem andern Theil? des Großherzogthums Heffen oder einem andern Staate in einer der nachstehend unter b) angegebenen Eigenschaften aufhalten; b) in einer Gemeinde des Kreises Gießen sich als Dienstboten, Haus- oder Wirthschaftsbeamte, Handlungsdiener und Lehrlinge, Handwerksgesellen und Lehrburschen, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft aufhalten, oder die Universität Gießen oder das Gymnasium daselbst oder eine sonstige Lehranstalt in einer Gemeinde des Kreises Gießen besuchen; c) in einer Gemeinde des Kreises Gießen, oder mährend ihre Eltern einer solchen angehörten, im Auslande geboren sind, und weder im Großherzogthum Heffen, noch in einem andern deutschen Staate Domicil besitzen oder sich aufhalten; und im Jahre 1878 geboren sind; ferner Sämmtliche Militärpflichtige, welche im Jahre 1896 bezw. 1897 zurückgeftellt worden, oder nach ihrer gezogenen Nummer disponibel geblieben, d. h. nicht einberufen worden sind. Entbunden von der persönlichen Gestellung sind Diejenigen, welchen Ausstand bewilligt, oder Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst ertheilt worden ist. 2) Diejenigen Militärpflichtigen, welche zum zweiten- oder drittenmale erscheinen, habenihreLoosungsscheine mitzubringen. 3) Wenn von einem Militärpflichtigen, oder für einen solchen von seinem Vater, oder seiner Mutter Zurückstellung in Anspruch genommen wird, so ist für Vorlage der zur Beurkundung der behaupteten Thatsachen erforderlichen Nachweise und Zeugniffe vor dem zur Musterung an- Feuilleton. Hnmoristischks Allerlei aus'm Giesser Anzeiger. Don Car! Geißlrr. E Frag, däi schont oft dischkerirt unn aach kerzlich — unn zwar in ere sehr anregende Weis — im Aazeiger widder aageregt worde is, werd sich in neechfler Zeit so kurzer Hand net leese lasse; äich maane: die Saalbaufrag. De Herr Eisender von dem Eigesandt hält de Bau von em Saal- unn Theaterbau abselutt fer nodwennig unn dringlich unn liest unsere wohlhawende unn reiche Börjer emal geheerig die Levitte, daß se net schont längst ehr mild Hand uffgedha unn greeßere Summe fer en Sualban gespendt hawe. Daß Verlange is net so ganz unberechttgt, jedoch war des leuchtende Beispiel der Hansestadt Breme, das de Herr Eisender uns vor Aage gefihrt, seidher häi noch net bekannt, er hott deshalb nor derr Aaregung bedorft unn mer kann iwwerzeugt sei, daß sich's däi Reiche hinner die Ohrn schreiwe unn mache so verschiedene Dausende fer den edle Zweck mobil, daß bei uns mit de zwaa malhunnert dausend Mark nor so um sich geschmiffe werd, wäi in Breme, glaaw äich zwar net, degege hahl äichr so gut wäi sicher, daß sich unser reiche Leud jetz sehr beeile werrn, rächt dies in ehrn Geldbeudel ze greife unn meeglichst viel Goldfichs erauszehohle, well Jeder gern de Erscht sei meecht, sein Name in goldne Buschdawe in de Annale von Giesse prange ze seh. Unn Eil dhut in dem Fall merklich noch, sonst ersteht ehnder e zwaad Synagog als en Saalbau. — In de Annale von Giesse geheert aach eigezeichend ze werrn de Beschluß vom Dedalljisteverein, die Lade Aweuds um 9 Uhr ze schließe unn außerdem druff hizearweite, daß vom neechste Neujahr aa, die im heechste Grad unsittliche Neujährcher net mehr verabfolgt werrn. Mit'm letzte Punkt wer en Zankappel mehr aus de Welt geschafft unn beim erschte iS de D dalljiste e Wohldhat erwiese, däi gar net ze schätze iS. Awer aach Wohldhate hawe ehr Schadde- ftide, dann von jetzt aa kenne die Ladebesitzer, däi gern e bische die Feierawendsiunn iwwerdredc unn ze lang im Werds- haus hocke, sich net mehr druff berufe, se hätte erscht um elf oder halb zwölf zugemacht. Kemmt das immer noch vor, so kemmt en die Bollezei uff die Belz unn se wärrn gestraft, jedoch hawwe se dann Widder den Trost, daß se enschädigt sinn dorch de Wegfall von de Neujährcher, die doch aach immer in's Geld gerisse sinn. Kinfdig hi werds also net meeglich sei, daß des „raachende Dienstmädche", das in Berlin bereits uffgedaagt is unn in Giesse unzweifelhaft bald Nachahmung sinne werd, vom Ladsbesitzer als Neujährche e Päckche Sigarette oder e Kistche Sigarrillos tritt; awwer aach gar manch arm Fraa werd deß Pindche Kaffee oder e paar Pund Saafe vermisse, die sonst als Neujährche in ehrn Korb ge- wanncrt sinn. Is erscht de Dedallfisteverein mit seine Mit- unn Net- rnitglieder immer den Punkt vom Neujährche vollstennig aanig, dann is des Schmerzenskind der Colonialwaarnhändler bis uff Weiteres von seine Schmerze erleest. — So häti' bet Sttnnchs ac.ch geschlage, N^ujädrLe! — das seit ahler Zeit Die Giesser in ehrm Herz gedrage, Das Jung unn Ahld hat lang erfreut. So sterzt merr heutzedag deß Ahle! Ob das, maß nachkemmt, brsser is? Fer sicher kann merrsch noch net hahle — E Schmerzenskind iS ganz gewiß..... Daß en neue Hans Sachs in Schotte erstaune is, kann ahm nur aogenehm berihrn unn besonnersch deshalb, rneil ja die Poesie aus'm Läwe der Geschäftsleud fast genzlich ver- schwinne dhut. Vielleicht iS merr der Schotter Schuh- — macher unn Poet dezu — dankbar, mann äich em emfehle, sei Schuflerhandwerk an Nagel ze henke unn sich an die poedisch golden Hunnertvierunnoerrzig in Frankfort ze roenne, däi em in Aabedracht seiner poedische Begawung gerniß gern en Poste als Hausdichter gibbt. — Kaan bessere Zeidpunkt, als mäi de Faßnachtsfonndag hält sich de Herr Rekdor Ahlrnardt za feim Vortrag: Die Juddeftag unn de Fall Dreyfus, gar net rneehle kenne. Die Gemiedher sinn in bene carnevalistisch aagehauchde Dage net besonnersch emfenglich fer bollidische unn sociale Dinge unn die Zuheerer vom Ahlrnardt harnwe darum aach sein Vordrag net so ernst genomme, was ja iwwerhaapt schont de Name Ahlrnardt voraussetzt. Die Juddefrag unn die Affähr Dreyfus-Esterhazy-Zola unn was sonst noch fer Affährn drom unn dran henke, sinn schont so braat gedrede morde, dass'es ahm bahl owe eraus- kemmt; da braucht merr grad noch de Herr Ahlwardt, um aach fein Senft dezuzegewwe unn deß leer Stroh noch emal ze dresche! Weil deß Uffdrede vom Herr Rector Ahlwardt fer die Mensche immer maß Belustigendes hott unn ahm unwillkirlich an die Faßnacht erinnert, so mitt äich de dießjährige Faßnacht aach noch e paar Morde widme. Maß merr am beste von de ganze Fassenacht gefalle hott, war e Begeweheid von der äich persenulich Aage- unn Ohrnzeuge war. Da kam äich vor e paar Dag Aweuds de Selterschweg erunner unn bin an's Wattdhor gange. Vor merr her ginge zwaa Dame, die maskirt warn unn ehrm Gespreech haw äichs aageheert, daß se uff de Maskeball im Cafo Leib wollte unn zwar haamlicher Weis, daun die Ah schien merr e Braut unn die Auuer e jung verheurad Fraa ze sei, unn allem Aaschei nach sollt wedder de Bräudigam, noch de Ehemann waß von bere Maskerabe w.sse. Frauezimmer kenne ja net gut waß uff'm Herze behahle unn nor bem Umstaub Ham äichs ze verbanke, baß äich beß All in Erfahrung gebracht unn aach bie verschiebene Freudeausbrich babrimmer Der» nomme habb, baß eß noch in be letzt Stuun gelunge mar, beß schmauebelzbesetzte Boliuuekostim, mas bie Braut aahatt, ferdig ze stelle unn bie meiße Glasseehänniche so tabellos sauwer ze mäsche. Unnerm lebhafbeste Meinungsausdausch mar beß Päärche bis an Leibs Saal komme unn wäis im Begriff stanu in diese Heilge Halle eizedrede, ba stolwert bie Boliun unn schmeißt be lange Weg in Dreck. Aeich wollt er gleich hilfreich beisteh, es war awer net neebig in Action ze brebe, bann wäi be Blitz war se widber uff be Bah, alla beß Kostim halt be Deuwel geholt unn bie frisch gewäschene Glasseehäuusche hatte uff be Hanofläch kaan weiße Fleck mehr! Aeich wollt be Dame mei Beileid immer den bebriemenbe Unglicksfall ausspreche, könnt awer kaa Worb aabringe, weil se in ahm fort ausgerufe hawe: Ei du großer Gott, ei bu großer Gott! Unn weil be Fluch be beese Dhab uff'm Fuß gefolgt is, hawe sich bie Zwaa roibber uff bie Fieß gemacht unn sinn, diesmal awer, um net geseh ze roern, dorch bie Branbgaß, iroroern Branb unn be Kanzleiberg higange, wo se herkomme warn. — So sehr mich die Bolln unn ehr Begleidern aach ahnes- dhaals gedauert hott, daß fe uff ehr Sergniege, wo fe sich so arg druff gefreub hatte, verzichte mußte, so könnt äich annerndhaals roibber beß Lache net verbeiße immer die Dabbichkeit von bere Botin unn von Grunb meines Herzens haw äichs err gegennt, bann bie Weiwer berfe net ungestraft ehr Männer hiunergeh! beraumten Termine zu sorgen. Die Zeugnisse müssen amtlich ausgestellt oder beglaubigt sein. Wenn die Zurückstellung auf die Arbeitsunfähige feit eines Familienangehörigen gegründet wird, so hat der betreffende Farnilienangehörige sich selbst persönlich im Termin vor der Ersatz-Commisston einzufinden. 4) Wenn ein Militärpflichtiger an Gebrechen leidet, die äußerlich nicht wahrnehmbar find, z. B-. Taubheit, Harthörigkeit, Kurzsichtigkeit, Geistesschwäche u. s. w., so ist dies durch amtlich ausgestellte oder beglaubigte Zeugnisse des Arztes, sowie des Bürgermeisters, Geistlichen, Lehrers u. s. w. nachzuweisen. DaS Vorhandensein von Gpilepfle ist durch die eidliche Erklärung von mindesten» drei glaubwürdigen Zeugen zu erhärten. 5) An der Loosziehung persönlich Theil zu nehmen, steht jedem Militärpflichtigen frei; für Diejenigen, welche bei dem Aufrufe nicht anwesend sind, zieht ein Mitglied der Ersatz-Commission das Loos. 6) Die Großherzoglichen Bürgermeistereien haben sämwtliche ihrer Gemeinde angehörigen oder in ihrer Gemeinde gestellungspflichtigen Militärpflichtige auf Grund der ihnen bereit- zugegangenen Stammrollen zu der Musterung vorzuladen.. Bemerkt wird hierbei, daß Milb tärpflichtige, welche fich au-wärt- aufhalten, »ur Musterung nicht geladen werden dürfen, da solche nur au ihrem Aufenthaltsort ge» stellungspflichtig find. Die Großherzoglichen Bürgermeister oder Beigeordneten haben mit den Militärpflichtigen ihrer Gemeinde im Musterungstermin rechtzeitig anwesend zu sein und sich darum zu bemühen, daß die Letzteren 1j2 Stunde vor der bestimmten Zeit zur Stelle sind, nüchtern und reinlich gekleidet erscheinen und während des Musterungsgeschäftes ein anständiges und ruhiges Verhalten beobachten. Wenn ein Militärpflichtiger wegen Gebrechen oder Krankheit persönlich zu erscheinen nicht im Stande ist, oder wenn er sich in gerichtlicher Haft befindet, so ist darüber ein auf persönlicher Anschauung beruhendes Zeugniß des Arztes und der Bürgermeisterei, bezw. eine Bescheinigung des Gerichts vorzulegen. Den Großherzoglichen Bürgermeistereien liegt es ob, darauf aufmerksam zu machen, daß ein Militärpflichtiger wegen gerichtlicher Bestrafung des Militärdienstes unwürdig ist, und find deshalb die erforderlichen Nachweise amtlich zu erwirken und vorzulegen. Im Anschluß an das Ersatz-Geschäft findet Samstag den 5. März im Rathhaus zu Lich, Freitag den 11. März in der Restauration „Zum Lonys Bierkeller, Schanzenstraße 18, zu Gießen, Dienstag den 15. März im Gasthaus zum Rappen zu Grünberg, die Clasfifieirung der Mannschaften der Reserve, der Landwehr ersten und zweiten Aufgebots und der Ersatz-Reserve rücksichtlich ihrer häuslichen und gewerblichen Verhältnisse statt. Es haben daher diejenigen Reservisten und Landwehrmänner ersten und zweiten Aufgebots, sowie die Ersatz- Reservisten, welche im Falle einer Einberufung auf Zurückstellung wegen häuslicher Verhältnisse einen Anspruch machen zu können glauben, an den bezeichneten Tagen, Morgens 11 Uhr, zu erscheinen und ihre Gesuche zu begründen. Gießen, den 12. Februar 1898. Der Civil-Vorsitzende der Ersatz-Commission des Kreises Gießen. Dr. Wallau. Zur Lage in Oesterreich. Der Herrscher der uns so eng befreundeten Nachbar- Nation Oesterreich Ungarn begeht in diesem Jahre sein 60jährige» Regierungtjubtläum, nnd aller Orten beginnt es fich zu regen in der Monarchie zu Vorbereitungen, um den denkwürdigen Tag würdig zu begehen. Auch die Einzel- landtage nehmen bereit» Stellung zu dem Ereignisse und berathen Huldigungkadreffen und die Absendung von Depu- tationen an den Jubilar. Allgemein aber wird der Wunsch laut, daß an dem Gedenktage der innere Friede wiederhergestellt sein möge, der nun schon seit so langer Zett gestört ist. Freilich find die Aussichten hierzu nur sehr gering, denn eine wesentliche Aenderung in der innerpolitischen Situation ist nicht eingetreten. Noch immer find die Leidenschaften nicht beruhigt, sodaß an ein gedeihliche» Wirken im Parlament nicht gedacht werden kann. Der Strike der Hochschüler dauert an und dürfte auch nicht beendet werden, bevor nicht da» Verbot de» Farben- tragen» für die deutschen Studenten Prag» aufgehoben sein wird. Daß die Regierung die» noch nicht gethan hat, ist ein Zeichen dasür, daß sie sich über ihr Vorgehen noch nicht schlüssig wachen konnte, daß sie immer noch zu viele Rück- sichten auf die Czechen nimmt. In diesen Tagen war davon die Rede, daß Freiherr v. Gautsch regierungSmüde sei. Zu verwundern wäre daS ja freilich nicht, und hinwiederum muß die Frage aufgeworfen werden, ob nicht sein Rücktritt der Sache deS Ausgleich» dienlich sein würde. Denn darüber ist fich Jedermann klar, daß er bisher nur wenig geleistet hat, daß er eine Politik de» HinauSzögern» verfolgt, welche die Lage nicht bessert. An die Spitze der österreichischen Regierung gehört ein Mann voll Thatkrast, Energie und Entschlossenheit, der nicht lange zaudert in setvem Vorgehen und den Nagel auf den Kopf zu tr.ffm versteht. Freiherr v. Gautsch mag ein äußerst tüchtiger Beamter gewesen fein; ob er aber jetzt der rechte Mann am rechten Platze ist, die österreichische Regierung zu leiten, erscheint doch fraglich. Man fragt sich, weshalb denn der böhmische Statthalter Graf Coudenhove noch immer auf seinem Posten fich befinde», trotzdem doch erwiesen ist, daß er für seine böhmischen Landsleute mehr Partei genommen hat, al» e» fich mit der Gerechtigkeit und mir seinen Pflichten al» Chef der Lande»oerwaltung vertrug. E» verlauter neuerdings, daß Graf Coudenhove zum Statthalter von Tirol ausersehen sei. Wie weit diese Meldung begründet ist, läßt fich natürlich heute noch nicht feststellen, aber man darf doch Zweifel hegen, ob daS Wirken de» Grafen in der echt deutschen Provinz dieser zum Segeu gereichen kann, denn Jedermann würde ihm doch mit einer berechtigten Voreingenommenheit entgegenkomweu. DaS Beste würde jedenfalls sein, Graf Coudenhove würde durch etnfbche Penfiomruug unschädlich gemacht und zwar sobald wie möglich. Bekanntlich ist die österreichische Regierung nun doch entschlossen, den Reichsrath in allernächster Zett wieder ein- zuberuseu. Jedenfalls dürfte mau fich bi» dahin einig darüber geworden fein, was mit den Badeni'schen Sprachenverordnungen werden soll und wie man überhaupt die Sprachenfrage zu lösen gedenkt. Denn irgend etwas muß geschehen, da» ist klar. Freilich wird die Regierung, wenn sie den Deutschen allzu wett entgegenkommt, vor dtr Alternattve gestellt, es mit den Czechen zu verderben, aber sie sollte e» einmal darauf ankommen lassen. Sie würde die Sympathien auch aller Reichsdeutschen erwerben, wenn fie auf dem Wege, den Badeni geschritten ist, nicht wetterging. Daß die Wiederherstellung parlamentarischer Verhältnisse ein dringend:- Bedürfniß ist, liegt aus der Hand. Bisher ist vom Reich-rathe noch nichts zu Stande gebracht worden, weshalb in verschiedenen Zweigen der Verwaltung eine Stockung im Geschäftsgänge eingetreten ist. Es find noch eine Reihe nothwendiger Vorlagen zu erledigen, mit denen man gerechnet hatte. Wie sich die Wahl des Präfi- diumS im Abgeordnetenhause gestalten wird, steht noch nicht fest, nur soviel darf als sicher angenommen werden, daß das bisherige Präsidium Abrahamowitsch die Geschäfte nicht wieder leiten wird. Es wäre gut, wenn eine weniger i» Getriebe der Parteien stehende, nach keiner Sette htn verpflichtete Persönlichkeit zum Präsidenten berufen wird; nur so ist zu hoffen, daß die Verhandlungen sachlich geführt werden und zum Sepen deS Lande» auSsollen. (xx) Dtrmifdytes. * Der Bauschwindel in Berlin. So lautet das Thema einer vor Kurzem abgehaltenen Volksversammlung. Der Referent, Redacteur Wilberg, gab an der Hand früherer Veröffentlichungen eine Darstellung der Vorkommnisse bei Errichtung mancher Berliner Neubauten. Die Praxis der Bauschwindler Berlins ist wesentlich folgende: Ein sogenannter „Baugeldgeber" verkauft einem sogenannten „Bauunternehmer" (meist mittellosen Handwerker) ein Grund, stück. Der Bauunternehmer engagirt die zur Errichtung des Baues nothwendigen Handwerker. Die letzteren, froh, etwas verdienen zu können, greifen mit beiden.Händen nach der Arbeit und der Bau beginnt. Etwaige Bedenken zerstreut der Hinweis des „Bauunternehmers" auf den reichen „Baugeldgeber". Eine Zeit lang schreitet der Bau rüstig fort, die Handwerker creditiren so lange sie können. Endlich aber kommt der Moment, wo sie Geld sehen wollen und müssen. In diesem Augenblicke hält es der „Bauunternehmer" für gerathen zu verduften, denn entweder hat er überhaupt kein „Baugeld" gehabt oder er hat solches längst für sich verbraucht. Nun tritt der „Baugeldgeber" in Action. Er sucht die geängstigten Handwerker mit allerhand ohne Zeugen ab- gegebenen Erklärungen zu beschwichtigen und zur Weiterarbeit zu bewegen. Gelingt ihm dies nicht mit Güte, so braucht er Gewalt, d. h. er erklärt: „Entweder die Handwerker stellen den Bau fertig, oder ich als Gläubiger des „Bauunternehmers" bringe das Grundstück zur Subhastation, dann erhalten die Bauhandwerker gar nichts." — Die Lage der Handwerker ist kritisch, um das bereits Geleistete zu retten, entschließen sie sich vielfach zur Fortsetzung der Arbeit — und darauf hat der saubere „Baugeldgeber" gerade gerechnet, um seinen Opfern auch das letzte abzunehmen. Die Hand- werter stellen den Bau fertig, dann kommt die unvermeidlich-, bereits lange vorher geplante Subhastation, der Baugeldgeber erwirbt billig ein schöne» Haus, und die Handwerker verlieren ihre Forderungen. — So oder ähnlich spielt sich das Drama vom betrogenen Bauhandwerker in Berlin alle Tage ab. Die Verluste, welche dasselbe dem Volkswohlstand zufügt, gehen in die Millionen. Nicht immer haben die Handwerker Lust und Muth, vor die Ocffentlichkeit hinzutreten und ihren Würger anzuklagen, viele schweigen, um sich nicht um den Credit zu bringen und so finden gewissenlose „Baugeldgeber" immer wieder Opfer. Gerade deshalb war es interessant, daß in jener Versammlung geschädigte Bauhandwerker selbst das Wort ergriffen und it)re_ Erlebnisse in schlichter Sprache erzählten. Was die Schlossermeister Müller, Malermeister Siegner, Töpfermeister Burkhards und andere von ihren Verlusten bei Neubauten und ihrem Kampf ums Recht berichteten, das ist Tausenden der Handwerker passirt. Es läßt sich wohl begreifen, wenn der Glaube an die Gerechtigkeit bei ehrlich arbeitenden Männern, die von gewissenlosen Menschen um Hab und Gut gebracht werden, erschüttert ist. Eben deshalb darf eine Gesetzgebung, welche die Ansprüche der Bauhandwerker sicher stellt, nicht lange mehr auf sich warten lassen. Gewiß ist die Vertrauensseligkeit einzelner Handwerker oft zu groß, das ist aber kein Grund, ihre be- reltigten Forderungen zu ignonren. Jrn Gegentheil! Gerade deshalb muß die Gesetzgebung eingreifen, damit Treue und \ Glaube erhalten werde. — Zum Schluß der sehr animirten : Versammlung wurde eine Resolution angenommen, welche i ihre Entrüstung über das Gebühren der Baugeldgeber aus- j sprach und zugleich erwartete, daß Staatsanwaltschaft und ' Anwaltökaimner der Sache ihre Aufmerksamkeit widmen ' würden. In einem Schlußwort machte der Vorsitzende noch bekannt, daß in Balde weitere und größere Versammlungen gegen den Bauschwindel in Berlin stattfinden sollen. * Die Mannschaft des Norddeutschen LloyddompferS „Aller" hat bei hochgehender See unter großen Schwierigkeiten 23 Seeleute von dem schon finkenden englischen Dampfer ^Dago" gerettet und nach Nr ebarof I tat'4'' ’■ | **«> d-r in d-, *• tat yfog,!, I N« « j!tot “ Mb n fta( oiit bti 6t, «tatiito SittUtm. ‘" 8hIu» W giijia n ‘W »Oibtn. Il W(N t^ätig »ar, hm CD^n in HLvkr m| °'-bt 8R 69 Jahn, ,tta W er als Lrrtreln il °od Les Uaterrlsajskt ir n, oaLfotlilh »fg« MtstanMii Srfisf »urbt vor rmitzn^lt ed in brr fiauzSsilcha fit trat MnWnng an nbtw. Auch hin »ar» lhirn bal Mittel gtatftD, nnfahbigin Nahrnvgi- tue giohi MrhMsemf Mehl zu zwei günfttl hauptiWch auf Slt’tl sicher hatte fit in biefen abgegeben, zumal iS fij bette, meljer Tausevtt tt. Vit Xiqtt fprafya lite Gesetzgebung Unteren für po^txt W e.MvnnNi-eAtteutt: 1 mchw. üetu wacht ble „ßbniglt mheilnagen. Daß 3n(.' rburg'Ettelitz (6. DPpl) DorseWberitz 14 G tont Rrgiwent Karl 6al> beutete bei dieser Selezt°> t -uke, die von ein» be; biesn öfinreichsstk Transport der nbeuttttr ,rot tnM> M® ta °»ch Ittai «i-Ü" , «tobe ck S°I>°» »J zLutch unltiaanber, btii eine SerpflegmtS ®« “ I, .- -- i"« e" btt W ?. «-1,18. fit i* Zrirr» M 6nn gut hrote noch i°li " HK) Kä* - ti Ksarttlhti - M* ,. jjrtKlion in ff 6"«^ Leitet 10 rioooow« 3* S Merfir-bO, b. ^ÄUmarbdtuni .1 roßüatiiiflj fug, C,OTÄW”’!"1 ctn und dien' £Su|tTn ntlier den de , . Krtggti sn^teas? w / V n" ■ ■ ^*2 (ihii|ifchlnmicn Zur Citronenknr! empfehle Postkolli (10 Pfd. 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