Nr. 96 Erstes Blatt.Dienstag den 26. April 1S9S Erscheint täglich mit Ausnahme dcS Montags. Die Vießkncr Aamitienb tatter wrrdcn dem Anzeiger wöchentlict) viermal beigelrgt. Siebener Anzeiger AZcjugsprei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu ter Nachmittags für den folgenden Tag erfcheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr. Henerat-Änzeiger 9111t Anzeigen-Vermittlungsstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Giebencr Anzeiger entgegen. Amts- und Zlnzeigeblntt füv ben Tiveis Gietzeir. Redaction, Expedition und Dritckerci: 5»chutfkrah< Wr. 7. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. | ..... Deutßche» Leich. Darmstadt, 23. April. Der Rechtsanwalt Metz, der die ihm angetragene ReichStagßcaodidatur angenommen hatte, ist nachträglich au» GesandheitSrückstchten endgültig zurück- getreten. Die Nationalltberalen stellen nun den Gymnasial, director Nodnagel auf, der sich bereit erklärt har. Berlin, 23. April. Der „RetchSanzeiger" bringt au« läßlich der Jubiläumsfeier des Königs Albert von Sachs en einen in den wärmsten Ausdrücken gehaltenen Slückwunschartikel, in welchem e- u. A. heißt: Wie Sachsens Volk in dankbarster Liebe zu seinem Könige ausschaut, unter besten gesegneter und weiser Regierung sein Land einen so glänzenden Ausschwung genommen hat, so ehrt die gesummte Ration in ihm den Fürsten, der in den Tagen der Begründung deS Deutschen Reich» einer der Ersten war, der im Rathe und bet der That hervorragend mttwtrkte und der fich alle Zett als treuer Freund Kaiser Wilhelms deS Großen, Kaiser Friedrich» und Kaiser Wilhelms II. erwiesen hat. Köln, 23. April. Die „Köln. Ztg." wendet fich gegen die Behauptung, daß in zehn Tagen an verschiedenen Punkten die vollständige Zusammenziehung der amertkaniichen Armee vollendet sei und sagt, tu den einzelnen militärischen Lagern seien noch nicht einmal 12000 Mann zusammengebracht, wobei e» keineswegs den Anschein habe, al» besäße man die Transportmittel, um die Armee an einem gegebenen Punkte zusammenzuzteheu. ES stehe fest, daß irgendwelche amerikanische Operation auf Euba vor einem Monat kaum beginnen könne und dann noch nicht in großem Umfange. Kola, 28. April. Der „Äölu. Ztg." wird au» New- Hork trlegraphirt: Ueber die Abfichten der Regierung verlautet, Mac Kinley wünsche, daß der Krieg sofortige Er- gebn ffe habe, wobei jedoch wenig mit entehrenden Mitteln vorgegangeu werden soll. Man hofft, daß daS Geschwader von Ktywest mehr leisten wird, als die Blokade durchzufahren, und nimmt an, daß der Operationsplan darauf hinzielt, die Blokade so lange aufrecht zu erhalten, bis die Vorbere'tungen de» Einfälle» und die Besetzung der Insel vollendet seien. Dresden, 23. April. Um 5 Uhr empfing der König eine Deputation de» Bunde»rathS unter Führun, des Reichskanzler» Fürsten zu Hohenlohe.Schilling»fürst und bestehend au» dem Staatssecretär Grasen Posadowsky, dem bayerischen BundeSbevollmächtigten und Gesandten Grafen v. Lerchenfeld-Köfering und dem Wirklichen Geheimen Rath Dr v. Heerwart im Marmorsaale de» Schlöffe». Hierbei hielt der Reichskanzler solgende Ansprache: „Euere Majestät wolle mir gestatten, im Namen de» BundeSrath» unsere ehrfurchtsvollen Glückwünsche zur heutigen Jubelfeier darzubringen. Mit ganz Deutschland geben wir Ausdruck dem Gefühl der Verehrung für Euere Majestät, den siegreichen Feldherro, drffen kraftvoller Mitwirkung wir die Errichtung des Deutschen Reiche» verdanken, den weisen Monarchen, der allzeit bundestreu mitarbeitet an der Ausgestaltung und Festigung des Reiches. Möge die göttliche Vorsehung Eure Majestät noch lange Jahre erhalten zum Segen Ihrer treuen Unterthanrn und zum Heile deS deutschen Vaterlandes". Arrstarr-. Rom, 23. April. Sämmtltche Schüler der hiesigen spanischen Akademie beschlossen, al» Freiwillige in da» spanische Heer, bezw. die Marine einzutreten. Brüssel, 23. April. Don Carlos unterhandelt mit der belgischen Regierung über den Ankauf dreier, der belgischen Marine gehörigen Aviso», welche der Prätendent auf eigene Kosten in Spitalschiffe umwandeln und der spanischen Regierung zur Verfügung stellen will. Ob Belgien auf das Geschäft etngrht, ist noch ungewiß. Brüssel, 24. April. Hier verlautet, drei spanische Kreuzer hätten im Aermelcanal einen großen amerikanischen Dampfer, „Saint Louis", gekapert. Falls die Nachricht fich be- stätigt, wäre der Fang sehr wichtig, da die „Saint LouiS" eine Ladung von 5 Millionen Dollar» führt. Patt», 24. April. In einem Schreiben an den amerikanischen Senator Morgan erklärte Rochefort, alle Republikaner Frankreichs seien mir den Cubanern und deren Befreiung. London, 23. April. Wie auS New-Kork gemeldet wird, hat mau dort entdeckt, daß die zu den den Hafen vertheidigrndev submarinen Minen führenden Kabel von spanischen Spionen nahe der Küste abgeschnttten find. Loudon, 23. April. Der Lommandant des amerikanischen Keywest-GeschwaderS, Admiral Sampson, hat die Blokade von Havanna in» Werk gesetzt. Madrid, 24. April. Auf Veranlassung des Finanz- Minister» hielten die bedeutendsten Bankiers von Madrid gestern Abend eine Versammlung ab. Der Minister hielt I1 e ne Ansprache an die Bankiers und ersuchte fie um ihre Unterstützung zu dem Zweck, die Panik der Börse zum Stillstand zu bringen, da weder die Lage des Staatsschatzes, noch die politischen verhältniffe die Baiffe der Werthe rechtfertigten. Die Bankiers sprachen fich in ihren Erwiderungen mit größtem Patriotismus aus und schloffen fich den Ausführungen des Ministers an. Madrid, 23. April. Der allgemeine Verth ei- digungsplan wurde in Havanna den drei Hafenforts übermittelt. Im Arsenal und in allen Marinestationen Havannas herrscht fieberhafte Thätigkeit. Dabei platzte im Arsenal der Kessel einer Dynamomaschine, wodurch zwei Arbeiter getvdtet und zehn verwundet wurden. Washington, 23. April. Dänemark hat dem Staatsdepartement mitgetheilt, daß cS strikte Neutralität beobachten werde. Washington, 23. April. Der „Post" zufolge Übermittelt Prästvent Mac Kinley heute dem Congreß eine Bot- schäft, in welcher er Vorschläge, die Kriegserklärung zu votiren. Diese Maßregel sei durch die Beschlagnahme de» spanischen Kauffahrteischiffe» „Buenaventura" und durch den Wunsch veranlaßt, etwaige Verwickelungen zu vermeiden. Washington, 24. April. Präfident Mac Kinley wird morgen dem Congreß die Botschaft zugehen lassen, t* welchem der Erlaß einer formellen Kriegserklärung gefordert wird. Ein Grund für diese» verlangen sei, daß Spanten durch sein Vorgehen thatsächlich den Krieg erklärt habe. Der Congreß wird schon am Dten»tag hierüber berathen und beschließen. RevDork, 24. April. Der britische Gesandte in Washington besuchte gestern mit dem Secretär den Präfi- deuten, um auf Abschluß eine» Bündnisse» mit England zu drängen, da» alle Differenzen entscheiden und gleichzeitig einen Defenfivcharacter tragen soll. Die englischen Diplomaten erklärten, daß der Prinz von Wales, Lord Salisbury und Chamberlain einem solchen Allianzvertrag sehr günstig gegrnüberstehen. Sie versichern gleichzeitig, daß England beiden Krieg führenden Parteien die Kohleoliefernugen abschneiden werde. Key West, 24. April. Der spanische Schooner „Mathilde" ist gestern von einem amerikanischen Torpedoboot aufgebracht worden. — Die amerikanische Flotte vor Cuba hat fich getheilt: zwei Kanonenboote find gestern früh nach Westen, zwei Monitor», ein Kreuzer und ein Kanonenboot fiad nach Osten gesegelt. Der Übrige Theil der Flotte bloktrt Havanna. Feuilleton. Was ist des Deutschen Watersand? Statistische Plauderei von Ernst Liebmann -Karlsruhe. Das deutsche Reich ist ein constitutioneller Bundesstaat und besteht aus vier Königreichen, 6 Großherzogthümern, b Herzogthümern, 7 Fürftenthümern, 3 freien Reichsstädten, und einem Reichsland. Im Bundesrath nimmt Preußen die Präfidialstellung ein. Sämmtliche deutsche Staaten zusammengenommen bedecken einen Flächeninhalt von 540 483 Quadrat- Kilometer. Die Einwohnerzahl des deutschen Reiches betrug nach der Volkszählung vom 2.December 1895:52 279 901. Die unter Verwaltung des Reiches stehenden sechs Schutzgebiete Kamerun, Togo, Südwest-Afrika, Ost-Afrika, Reu Guinea und Marschall- Inseln sind zusammengenommen ca. viermal so groß al» Deutschland, dagegen beträgt ihre Einwohnerzahl nur ca. Vs derjenigen des deutsches Reiches. Nach der Reichsverfaffung soll die gesammte Militärmacht ein einheitliches Heer bilden, das im Krieg wie Frieden unter dem Befehl Sr. Majestät des Kaisers als Bundesfeld' Herrn steht. Dagegen behalten die einzelnen Staaten die Mlitäroberheit für sich allein. Das bayerische Heer ist ein in sich geschloffener Beftand- theil de» Bundesheeres mit selbstständiger Verwaltung unter Oberhoheit des Königs von Bayern. (Jetzt natürlich des Prinzregenten Luitpold.) Im Kriege, und zwar mit Beginn der Mobilmachung steht das bayerische Heer unter dem Ober- befehl des deutschen Kaisers. Jeder Deutsche ist wehrpflichtig. Die Wehrpflicht besinnt mit dem vollendeten siebzehnten und dauert bis zum vollendeten fünfundvierzigsten Lebensjahre. Das deutsche Reichs he er besteht aus 20 Armeecorps. Jedes Armeecorps setzt sich aus zwei Divisionen mit je zwei Infanterie- und eine Cavalleriebrigade zu je zwei Regimentern zusammen. ** Außerdem gehört zu jedem Armeecorps in der Regel: eine Feldartilleriebrigade zu zwei Regimentern, ein Fuß- artillerie-Regiment, ein Jäger-, ein Pionier- und ein Train- Bataillon. Die Dienstzeit der unter dem directen Oberbefehl des Kaisers stehenden Kaiserlichen Marine beträgt zwölf Jahre, und zwar dauert die aclive Dienstzeit drei Jahre, die Reservepflicht vier Jahre. Rach dieser Zeit treten die Seeleute in die Seewehr 1. Klaffe. Diejenigen Dienstpflichtigen, die nicht auf der Flotte dienen, gehören bis zum 31. Lebensjahre der Seewehr 2. Klaffe an, und dienen bei einem Kriege zur Complettirung der Marine. Die deutsche Kriegsflotte zählt 91 Schiffe und Fahrzeuge mit einem Tonnengehalt von zusammen 276014, ferner 637 größere und ca. 900 kleinere Geschütze mit einer Bemannung von 24 206. Ferner verfügt die Marine über 123 Torpedos mit je 15 bis 30 Mann Besatzung und 557 Kanonen. Die höchsten Bodenerhebungen über dem Spiegel der Nord- und Ostsee besinden sich im Riesengebirge; daselbst erhebt sich der höchste deutsche Berg, die Schneekoppe mit 1603 Meter. Der längste, in Deutschland entspringende Fluß ist die Donau, die ein Gebiet von 2860 Kilometer durchläuft. Unter den zahlreichen Landseen ist der Bodensee mit einem Flächeninhalt von 539 Quadratkilometer der bedeutendste. An Schulen besinden sich in Deutschland: 56 600 Volksschulen mit 120100 Lehrpersonen und 7930000 schulbesuchenden Kindern, ferner höhere Töchterschulen: 481, Mittelschulen : 1024, Lehrerbildungsanstalten und Seminare: 229 und 22 Universitäten. Die litterarische Production in den Jahren 1891 bis 1896 erstreckte sich, in Bücherzahlen ausgedrückt, auf: Philosophische Werke: 1134; Handel und Gewerbe: 5746; Kunst: 6441; Geographie: 5284; Geschichte: 4792; Heil- wiffenschaft: 8441; Volksschriften: 8131; schöne Litteratur: 9033; Theologie: 10797. Die höchste Zahl von Werken umfaßte das Gebiet der Jugenderziehung und des Unterricht» mit 14 127 Publikationen. Die verschiedenen Berussarten der Bevölkerung de» deutschen Reiches setzten sich wie folgt zusammen: Landwirth- schast und verwandte Fächer: 34,8 pCt. Handel, Verkehr und Versicherung: 11,5 pCt.; Baugewerbe: 7,3 pCt.; Maschinen- und Metall - Industrie: 6,3 pCt.; BekleidungS - Industrie: 5,8 pCt.; Künstler, Geistliche und Beamte: 4,1 pCt.; Nahrungsmittel Branche: 4,1 pCt.; Textil-Industrie: 4 pCt.; Bergbau- und Hüttenwesen: 3,7 pCt. Das active Militär beträgt 1,4 pCt. der Bevölkerung. Personen ohne Beruf, Rentner, Pensionäre gibt es in unserem lieben deutschen Vaterland nicht weniger als 6,5 pCt, also ungefähr 2Vi Millionen. Die Anzahl der Geschäftsbetriebe beträgt 357 733 mit 7 447 900 Arbeitern. Man nennt Deutschland mit Recht das Land der Biertrinker, wurde doch im Jahre 1896 das schöne Quantum vo« 55 243 900 Hectoliter Bier consumirt, dies macht per Kopf der Bevölkerung 105 Liter. Der Weinverbrauch betrug 2 500000 Hectoliter, während sich der Consum an Alkohol auf nahezu 3 Millionen Hectoliter belief. Es ist intereffant, einen Blick auf das deutsche Po stund Telegraphenwesen zu werfen. Im Jahre 1896 wurden durch die deutsche Reichspost insgesammt ca. zwei Milliarden Briessendungen befördert. Die Anzahl der Packele betrug 131 Millionen, an Zeitungen beförderte die Post etwas über eine Milliarde, und Telegramme wurden circa 58 Millionen aufgegeben. Die deutschen Telegraphenlinien hatten im ÜMlM tuet ptMriHjietU«. •ieftii, des 25. April. • • Die alte Klinik. Die Jsterpellatiov, welche der Abgeordnete Metz-Gießen betr. des Neubaues einer ophthal- mologtscheu uud chirurgischen Klinik an Großh. Regierung gerichtet hat, hat folgenden Wortlaut: Bekanntlich ist daS UniverfitätSgebLude zu Gießen, tu welchem zur Zeit now die ophthalmologtsche uud chirurgische Klinik uurergebracht find, tm zweiten Deceovtum dieses Jahrhunderts als Kaserne ge- baut, und erst später in ein Krankenhaus umgewaudelt wordeu. Als die Regteruug im April 1885 den Stauden Vorlage wegen Errichtung neuer Gebäude für die mediciuische und die gynäkologische Klinik machte, wurde in der betreffenden Vorlage von der Regteruug auSgesührt, eS fet klar, daß eint vor etwa 70 Jahren erbaute Kaserne den heutzutage au ein Krankenhaus zu stellenden Anforderuugeu nicht eutsprecheu könne, und dies in noch höherem Maße von einem Kranken- hause gelte, daS zugleich als Lehranstalt für junge Aerzte dienen sollte. — Es wurde in jener Vorlage weiter anerkannt, daß daS fragliche Gebäude allen deu Anforderuugeu nicht entspreche, welche an jedes Krankenhaus bezüglich der Lage des Gebäudes, der Bodenverhältnisse, der Ventilationen re. gemacht werden müßten, und es wurde schon damals als in hohem Grade wünschenSwerth bezeichnet, daß an Stelle der im akademischen Hospital (eben dem fraglichen Gebäude) untergebrachten drei Kliniken, wie dies an den meisten Hochschulen geschehen sei, drei neue den Anforderungen der Neuzeit vollständig entsprechende Kliniken errichtet würden, und lediglich, um die Mittel des Staates nicht allzusehr in Anspruch zu nehmen, wurde zunächst nur der Neubau der iunereu Klinik als das dringendste Bedürfniß ins Auge gefaßt. Im Einzelnen wurde als eine, die Verwendbarkeit des Gebäudes zu einer jeden Krankenheilanstalt schwer beeinträchtigende Eigenschaft die feuchte Beschaffenheit deS Gebäudes angeführt, die im Wesentlichen in der mangelnden Unterkellerung des Gebäudes ihren Grund habe. Als ein zweiter dem gesammten Krankenhause anhaftender Mangel wurde die unmittelbare Nähe deS RangirbahuhofS der oberhesfischen Eisenbahn erwähnt, welcher die Kranken in hohem Maße belästige, während neben verschiedenen weiteren Fehlern, in dritter Linie ein Mangel an genügender Ventilation behauptet und geltend gemacht wurde. ES war hiernach bereits bei der Vorlage, betr. den Neubau einer inneren Klinik, auch der Neubau einer ophtalmologischru und chirurgischen Klinik in Aussicht genommen; wie auch in den damals dem Landtag vorgelegten Plänen bereits das Gelände sür die Gebäude der chirurgischen und ophthalmologischen Klinik vorgemerkt (xmr, wenn auch später von dem Erwerb dieses Geländes abgesehen und an den betreffenden Stellen die psychiatrische Klinik errichtet wurde. Nun hat aber neuerdings der oben erwähnte Mißstand der Nähe drS RangirbahuhofS in Folge des UebergangS des Betriebs der Oderheffischen Eisenbahnen auf die preußisch- hefftsche Gemeinschaft und die dadurch herbeigeführte Vermehrung deS Personen- namentlich aber deS Güterverkehrs ganz außerordentlich zugenommen. Durch daS ständige Rangiren in unmittelbarster Nähe des Krankenhauses ist der durch die Eisenbahn verursachte Lärm, daS permanente Pfeifen und Qualmen der Lokomotiven so stark geworden, daß die Behandlung und Untersuchung der Kranken, die operative Thätigkeit und der klinische Unterricht in sichtbarem Grade Noth leiden. Hierzu kommt, daß die Zahl der Kranken, welche in der ophthalmologischen Klinik Unterkunft suchen, in den letzten Jahren außerordentlich zugenommen hat, indem z. B. 1890/91 61 Betten, 1896/97 dagegen 84 Betten vor- Händen waren. Die Krankenzahl hat in dem gleichen Zeit- ranm fich von 773 auf 847 vermehrt, die Summe der Einnahme an VerpflegungSgeldern von 16598 Mk. auf 21 641 Mk. vermehrt. Im Jahr 1897/98 find sogar in Folge der weiter gestiegenen Frequenz 93 Betten ersorderlich gewesen, 1017 Kranken verpflegt und 24323 Mk. BerpflegungSgelder vereinnahmt worden. Die Zimmer, welche für diese Kranken bestimmt find, find mit kaum 170 Cubikmeter Luftinhalt zu klein, um für die Dauer neun bis elf Kranke zu faffeu, und eS ist die Luft in den Krankenzimmern eine geradezu gesundheitsschädliche. Hierzu kommt, daß eS nicht möglich ist, die Fenster derjenigen OperationS- und Krankenfäle, welche nach der Rückseite drS Gebäudes zu liegen, zu öffnen, weil die Jahre 1895 eine Länge von 127 240 Kilometer. Mitgerechnet sind hierbei 9745 Kilometer für unterirdische und unterseeische Kabel. Die deutsche Handelsflotte zählte im Jahre 1895: 1043 Dampfschiffe mit einer Besatzung von 25000 Mann, und 2622 Segelschiffe mit 16000 Mann Besatzung. Die Länge der gesammten Eisenbahnlinien betrug im Jahre 1895: 46000 Kilometer, die Fahrbetriebsmittel setzten sich zusammen aus 16129 Lokomotiven, 31132 Personenwagen und 328023 Gepäckwagen und Güterwagen. Der Personenverkehr aus den Eisenbahnen ergiebt da» nette Sümmchen von 180 Millionen. Während nur 0,4 pCt. aller Passagiere die erste Wagenklaffe benutzte, stellt sich bei der zweiten Klasse der Verkehr schon aus 10,6 pCt. Die dritte Klasse mit 62 pCt. ist die am meisten frequentirte, während die vierte Wagenklasse nur von 27 pCt der Passagiere befahren wurde. Hierbei muß jedoch berücksichtigt «erden, daß in Süddeutschland eine vierte Wagenklaffe überhaupt nicht eingeführt ist. Deutschland besitzt 30 Großstädte, d. h. Städte mit über 100000 Einwohner. Dieselben sind nach ihrer Größe genannt: Berlin, Hamburg, München, Leipzig, Breslau, Dresden, Köln, Frankfurt a. M., Magdeburg, Hannover, Düsseldorf, Königsberg i. Pr., Nürnberg, Chemnitz, Stuttgart, Altona, Bremen, Stettin, Elberfeld, Straßburg, Char- lottenburg, Barmen, Danzig, Halle, Braunschweig, Dortmund, Aachen, Crefeld, Essen und Mannheim. zwei bis drei zur Kohlen- und Dafferaufnahme ständig auffahrenden Locomotiven neben den Raugirmaschinen die Last mit Qualm uud Ruß geradezu unerträglich machen. ES find ferner in der Augenklinik die Unterrichts- und ArdeitS- räume völlig unzureichend geworden, indem die Zuhörerzahl von 21 und 22 Zuhörern in 1891/92 auf 33 uud 38 in der klinischen Vorlesung und dezw. dem Augen- spiegelkurS gestiegen find, sodaß ein ordnungsmäßiger klinischer Unterricht, welcher durch Demonstrationen von Apparaten, microscopischen Präparaten möglichst anschaulich zu gestalten ist, gar nicht wehr möglich ist. Endlich fehlen Räumlichkeiten für die Unterbringung der Bibliothek und der werth- vollen optischen Apparate, und können nothwendige Instrumente, die man in Privatkliniken hat, und die zur Eatser- nung von Fremdkörpern auS demAugeinnern unbedingt noth- wendig find, wie z. B. ein größerer Elektromagnet auS Mangel an Raum gar nicht beschafft werden. Sehnliche Zustände sollen auch in der chirurgischen Klinik herrschen, sodaß in beiden Kliniken ein Nothstand eingetreten ist, der nur durch einen Neubau beseitigt werden kann. Wenn dieLandeSuniverfität,dieseit einigen Jahren in stetem Aufschwung begriffen ist, in diesem erfreulichen Zustand und mit den Nachbarhochschulen coneur- reuzfähig erhalten werden soll, so ist eS unbedingt uothwendig, daß den einzelnen Unterrichtsanstalten die erforderliche Aufmerksamkeit gewidmet wird und dieselben in den Bedürfnissen der heutigen Zeit und den Institutionen der übrigen deutschen Hochschulen entsprechender Weife eingerichtet werden. Unterzeichneter erlaubt fich nun, gestützt aus die vorstehenden AuSsührungeu, an Großh. StaatSregieruug die Anfrage zu richten: Sind der Großh. Staatsregierung die vorstehend gerügten Mißstände in der ophthalmologischen und chirurgischen Klinik der LandeS-Univerfität bekannt, und beabsichtigt dieselbe nicht, baldigst den Ständen Vorlage wegen eines Neubaues dieser Kliniken, eventuell, salls wegen der zu großen Belastung der Staatskaffe der gleichzeitige Bau beider Kliniken nicht auSsührbar erscheinen sollte, wenigstens zunächst der kleineren und einen geringeren Kostenaufwand erfordernden ophthalmologischen, zu machen und insbesondere sofort die erforderlichen Schritte wegen Beschaffung eine» geeigneten Bauplatzes und wegen Ausarbeitung der Bauplätze zu thun? Soucert der Akademischen Gesangverein» am 3. Mai, Abends 7 Uhr, im Clubsaal. Neben der bedeutenden Sängerin Frau Wilhelmj, über die wir vor Kurzem berichteten, wird eine liebenswürdige junge Geigerin Mitwirken. Fräulein Mina Rode ist uns längst keine Fremde mehr, auch ist fie heute nicht mehr die begabte Anfängerin, als die fie uns vor wenigen Jahren gegenübertrat. ES war ein eifig kalter Tag, als wir ihre Bekanntschaft machten, eifig auf den Straßen, eisig im Cor.certsaal und eifig die Hörer. Hatte doch ein böser Stern Über die Vorbereitungen zum Coucert geschwebt. Zwei namhafter Geiger, Professor Barth und Profeffor Heermann, hatten krankheitshalber nach einander absagen müffen, und, als Ersatz hierfür, ein kleines, zartes Dämchen fröstelnd das Podium betrat, da glaubte keiner der Anwesenden, daß ihr in wenigen Minuten alle Herzen zufliegen würden. Mit markigen Strichen und doch so süßem Ton feffelte fie Alles bis zum Schluß, stürmischer Beifall wurde ihr gespendet, daS Eis war gebrochen. Noch auf dem Podium erhielt fie eine freudig acceptirte Einladung des Coucert- Vereins-Vorstandes für einen der nächsten Abende. Seitdem hat Mina Rode wacker weiter gearbeitet, und aus der jungen Geigenfee ist eine auSgereifte Künstlerin geworden, die, wenn wir un» so deplacirt auSdrücken dürfen, mit der Geige „ihren Mann steht". In dem vornehmsten Soncertsaal Berlins, in der Singakademie, hat fie den Beweis ihrer wahren Künstlerschaft geliefert, und mit Freude bringen wir nachstehend den Bericht eines vornehmen Blattes. Die „National-Zritung" schreibt: Die junge hier bereits Vortheilhaft bekannte Violin- virtuosin Mina Rode auS Frankfurt a. M. gab Donnerstag den 11. März ein Concert in der Singakademie mit dem Philharmonischen Orchester. Weibliche Zartheit ist der Grundcharakter ihres Spieles. Ihr süßer, anmnthvoller Ton, ganz im Einklang mit der jungfräulichen Bescheidenheit ihres Auftretens, schmeichelt sich freundlich in das Gemüth des Hörers. In SporS D-moll-Soncext, op. 55, mit der gediegenen Virtuosität ihrer Allegros und der schmachtenden Cantilene deS Adagios fühlte fich thr feiner mufikalischer Sinn so recht zu Hause. Ihr Vortrag voll Leben und Wärme ward im Adagio zum Gesang, im Allegro zur leidenschaftlichen Sprache. G-moll- Concert, op. 52, von Gustav Holländer stellte ihr eine verwandte Aufgabe. Auch darin fand im Adagio die sanfte Schweraeath, im Allegro bie lebendige Sprache ihres Künstlernaturells Gelegenheit zu wirkungsvollem AuSdrück. In Saint-SaenS Introduction et Rondo capriccioso zeigte fich die junge Künstlerin in der luftigen Technik deS modernen ViolinsatzeS vollkommen bewandert. Bet ihrer zarten Persönlichkeit muß man staunen, daß sie auf diese großen Aufgaben noch eine Anzahl kleinerer Virtuosenstücke setzte. • • Wir machen auch an dieser Stelle auf die nächsten Mittwoch vormittag auf einige Stunden erfolgende Absperrung der Wasserleitung auf dem Selterßweg usw. aufmerksam. (S. Inserat.) • • Cine neue Serie Postkarten eie Gießen hat die v. Münchow'fche Hof- und UniverfitätSdrnckerei (O. Kindt) hier herauSgegeden. Die Karten zeichnen fich durch klare Farbenwirkung aus und find in allen hiefigeu Buchhandlungen zu haben. • • Fnßporthien. Zu den beiden dankenSwerthen Artikeln über Ausflüge in den Krofd orferwald wäre wohl noch für Freunde schöner Waldwege einiges Weitere hinzu- zufügen. Der Weg von Krofdorf zum WaldhauS auf der Chaussee ist etwas einförmig, auch hübsch. DaS Fehbachthal bietet mehr Abwechslung, nur ist dies im Sommer nicht sehr schattig. Wer einen ruhigen Gang durch schönen Salb machen will, der gehe den markirren Weg Über LaunSbach, den schwarzen Punkten nach. Will «an daS Gleiberger Forst- hauS besuchen, so verläßt «an die Markirung do, wo fie dre Straße Wißmar—Gleiberger ForsthavS, Crumbach überschreitet und folgt dieser chansfirten Straße- nahe bet dem Gleiberger ForsthavS stößt dieser Weg aus die Chaussee von Krofdorf, auf welcher «an in */i Stunde daS ForsthauS erreicht. Bom ForsthauS führt die Wegmark,rung „rotheS Kreuz" durch schöne Waldwege am Altenberg vordet nach Ruttershausen, von wo Staufenberg und Lollar leicht erreichbar find. Den Altenberg versäume man nicht zu besteigen, er bietet sowohl in die Nähe wie weit hinein inS Land eine der schönsten Aussichten unserer Umgebung. Die durch rohe Menschen zerstörte Markirung in dem Wald zwischen ForsthauS—Altevberg wird in nächster Zeit durch bie Section Gießen deS deutsch-österreichischen Alpen-vereinS wieder neu hergestellt werden. Doch kann man auch jetzt noch der Markirung mit einiger Aufmerksamkeit ganz gut folgen, da die Ueberreste der zerstörten Zeichen deutlich Überall bemerkbar find, ebenso empfiehlt eS fich aber auch den schwarzen Punkten weiter zu folgen und den Weg bis zur Schmelz in dem idylischen Salzbödethal fortzusetzen, um von dort weiter nach Frohnhausen zu wandern, oder Über Salzböden inS Lahnthal zu maschireu. Die steile Stelle an diesem Weg, die in daS kleine Bechthal hinabführt, hat früher vielleicht manchen Wanderer einige Schweißtropfen gekostet. Die Section Gießen hat in diesem Frühjahr einen hübschen und leicht ersteigbaren Fußpfad dort anlegen lassen, welcher Dank dem freundlichen Entgegenkommen der Oberförsterei Krofdorf und der guten Unterstützung des Försters Schulz zu Salzböden bereits fertiggestellt ist und nun auch hoffentlich recht bald benutzt wird. Der ganze Weg von den sieben Hügeln dis Frohnhausen führt durch den großen Krofdorfer Wald und erinnert mit seinen schönen Beständen in seiner manigfachen Abwechselung vielfach an den Speffart. Anzurathen ist jetzt, wo die Lust zum Wandern sich wieder regt, die Anschaffung einer Karte der mit Farbenzeichen versehenen Wege in der Umgegend von Gießen, Wetzlar und Weilburg. Die Kosten find nur geringe und au Hand der Karte lasten fich die schönsten Touren ausführen. Der aus dem verkauf fich ergebende kleine Nutzen wird zur Erhaltung und Verbesserung der Weg- markirung verwandt. • • Bellersheim—Obbornhofen oder Obbornhofen—Bellersheim. Der Streit um die Bezeichnung der zwischen dm beiden obengenannten Gemeinden gelegenen Stationen der Bahnlinie Friedberg—Hungen scheint noch nicht beigelegt zu sein, denn der Ortsvorstand zu Bellersheim hat fich mit einer neuerlichen Eingabe an die zweite Kammer gewendet wie folgt: In einer am heutigen, den 30. März l. I. abgehaltenen Gemeinderathssitzung wurde von einem der anwesenden Mitglieder des Gemeinderaths auf einen Artikel im Gießener Anzeiger Nr. 74 zweites Blatt aufmerksam gemacht, nach welchem von dem Ortsvorstande zu Obbornhofen an die hohe zweite Kammer eine Eingabe eingereicht, nach welcher bte BellerSheimer beschuldigt werden, „Unwahrheiten und Uebertreibungen" in der an hohe Kammer eingereichten Eingabe vorgebracht zu haben. Gegen eine solche Beschuldigung müffen wir unS im Namen der Gemeinde Bellersheim ausdrücklich verwahren und weifen den Vorwurf ent- schieden zurück. Obgleich die erste Eingabe nur von einem Theile des GerneinderathS und die zweite von keinem Mit- gliche desselben unterzeichnet war und wir nur durch uns im Druck zugekommene vom Wortlaut derselben Kenntniß erhalten, so können wir nicht umhin, der Wahrheit zu Ehren, Folgendes zu erklären: „Die Verhältnisse sind ganz richtig vorgetragen. Der über die Abänderung des Wortlauts an dem Bahnhofsgebäude befindlichen Aufschrift befragte Bürgermeister Bopp erklärte, daß er am 28. September 1897 bei seiner Rückkehr als GeländeerwerbScommisfionSmitglied zur Nebenbahn Friedberg—Hungen von noch rückständigen zu erledigenden Taxirungen auf der Strecke Friedberg—Berstadt, noch am Bahnhofsgebäude die Aufschrift „Bellersheim —Obbornhofen" gesehen habe, und er aber während seines kurzen Aufenthaltes auf der Station gesehen habe, daß ein Arbeiter, wahrscheinlich ein Weibbindergeselle, die Aufschrift mit Bimstein wegradirt habe. Der Arbeiter, hierüber befragt, konnte keinen näheren Aufschluß geben, wer dieses veranlaßt habe. Andern Tags war zu lesen „Obbornhofen —Bellersheim", wovon fich der Bürgermeister Bopp ebenfalls überzeugte. Derselbe war über diese Abänderung verblüfft. Weshalb diese Abänderung, ober der Grund hierfür ist un» unbekannt. Die sämmtlichen Bahnhof»gebäude stehen in der Gemarkung Bellersheim, nur die Rangirgeleise erstrecken fich in die Gemarkung Obbornhofen. Die Bahnhofsgebäude find im Brandcataster der Gemarkung Bellersheim eingetragen. Der Bahnhof ist in administrativer Beziehung der Gemeinde Bellersheim zugetheilt. Die hiesige Gemeinde hätte sonach, was bei de« derzeitigen Inhaber der Bahn- Vorsteherstelle nach unserer Ansicht nicht Vorkommen kann, müßte aber bei später vorkommenden UnterstützungSwohafitz- Snsorderuugcn auch für diese aufkommen. Bellersheim bezahlt von Geländeerwerbskosten einen weit höheren Beitrag als Obbornhofen, Bellersheim hat eine größere Einwohnerzahl als Obbornhofen und einen bedeutend größeren Bohn- verkehr, was Bahnvorsteher Schmidt, wenn aufgefordert, würde nachweisen können. Bei anderen Stationen ist der größere Ort immer vorangestellt worden, und hier daS Umgekehrte. Wenn die Aufschrift nach dem Alphabet erfolgt wäre, so wäre „Bellersheim" ebenfalls vorn hingekommen. Da nunmehr die Sache soweit gekommen ist, so glauben auch wir, daß Bellersheim gewiffermaßeu berechtigt ist, für Abänderung einzutreten. Auch wir richten deshalb an hochverehrte Kammer die ganz ergebenste Bitte, dahin hoch- geneigtest Mitwirken zu wollen, daß bie Aufschrift vom Bahnhof „Obbornhofen—Bellersheim" in „Bellersheim—Obborn- Hofen" umgeänbert werde, und zeichnen in dieser Hoffnung hochachtungsvoll Die Semeinderäthe." (Folgen die Unterschriften.) hN, btn ’Mfc die M übtr. ? bet btm 1* 6oö 'lsthaur ti. 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Ä'S > (l »!->«' I, s,rs ge° btt e» rsetterbeercht lieber bem Süden bei Erdtheils besteht Hieberet Drnck fort nnb erstreckt sich fein Einfluß weit nach Tentral'Guropa herein. Der hohe Drnck hat habet etwas an Intensität verloren. Im Norbwesten ber britifchen Jllfelll fünbigt sich bie Annäherung einer Depression an. Die Wttternng ist ans unserem Gebiete trüb geblieben nnb wirb biefer Lharacter vorerst noch anbaueen. — Borans- sichtlich e Witternng: Znnächst noch meist trübes Wetter mit Niederschlägen, bann vorübergehend Bessernng. Neueste Nach richte«. Depefchm bes Bureau „^crolb*. Berlin, 25. April. Dem „Berl. Tagebl." wirb ans Lonbon telegraphirt: Die Amerikaner ergriffen Besitz von ber Hawaii Gruppe nnb zwar im Einverfiändniß mit ber Regierung von Hawaii, um sich eine Kohlenstation zn sichern. Die Fort'ficationen lämmtlicher Häfen an ber atlantischen Küste sinb mit Washington telegraphisch oerbnnben worben. Die Indianer sind nach Abzug bes Militärs in ihren Nieder- laffnngen sehr unruhig unb benehmen sich, als ob sie sich auf ben Kriegspfad begeben wollten. Berlin, 25. April. Aus Breslau melden die Blatter: Wegen Beleidigung des CultuSministers Dr* Bosse ist gegen den Stadtverordneten Rechtsanwalt Heil berg ein Strafverfahren eingeleitet worden. Die Beleidigung wird in einer Rebe gefunben, bie Heilberg in ber Stadtverorbneten. sitznng gehalten hat, nachbem ber Stadtrath mitgetheilt hatte, daß ber Cultusminister feine Genehmigung zur Errichtung eines Mädcheu-Gymnafiums ohne Angabe von Grünbeu versagt habe. Berlin, 24. April. Aus Prag meldet das „Kleine Journal". Eine hundertköpfige Rotte, geschmückt mit der slavischen Tricolore und mit der Nationalkappe, durchzog g-stern Nachmittag die Stadt. Auf da» Schlaraffia-Gebäude, baS im December bemolirt worben war, begann ein Stein- Bombarbement, fobaß in der Restauration die Mittagsgäste in Heller Panik flüchteten. Sämmtliche Fenster wurden zertrümmert unb mußten zum Schutze des Publikums mit Brettern vernagelt werden. Die Polizei erschien nach dem Bombardement unb vertagte ben Rest ber Rotte unb nah« bie Schlarasfia in polizeilichen Schutz. Berlin, 25. April. Aus Tilsit melden die Morgenblätter: Der Sohn eines an ber russischen Grenze wohnenden Besitzers ging Nacht» nach Hause unb gerieih in ber Dunkelheit über bie Grenze, wo er von einem russischen Grenzsoldaten angehalten würbe. Der junge Mann, welcher der russischen Sprache nicht mächtig ist, bat den Soldaten kniefällig um Schonung seines Leben». Der Soldat achtete jedoch auf biefe Bitte nicht, sondern trat einige Schritte zurück und schoß auf den vor ihm Knieenden, welchen er schwer verwundete. Derselbe wurde in da» Tilsiter Lazareth gebracht. Wie», 25. April. Bei den gestrigen Wahlen sind die Ehr ist lich-Socialen mit 3614 gegen 4416 socialistische Stimmen unterlegen. Lonbon, 25. April. „Daily Mail" melbet au» Kehwest, ein Theil de» amerikanischen Geschwaders werde in ben Hafen von Harigot einfahren, um auf biefe Weise den General Bianco zum Angriff zu zwingen. London, 25. April. Bon dem Schiffe „New-York" aus wurde telegraphirt, daß am Freitag Abend zehn Schüffe auf baS amerikanische Geschwader abgegeben wurden, welche da» amerikanische Geschwader nicht erwiderte. Schaden wurde nicht angerichtet. Brnffel, 25. April. Dem „Soir" zufolge verschlimmerte sich ber Zustand der Königin. Mehrere Specialisten wurden in den Palast berufen. Madrid, 25. April. Da» „Amt»blatt" publizirt den Kriegszustand mit Amerika und macht bekannt, daß Spanien sich de» Rechte», Kaperbriefe auszustellen, nicht be- giebt, jedoch da» Völkerrecht und da» internationale Se recht achten wird. Neutrale Waare mit Au»nahme von Krieg«» Eontrebande darf unter neutraler Flagge nicht beschlagnahmt werden. Die Blocade ist nur giltig, wenn sie effektiv von genügenden Kräften durchgeführt wirb. New Pirk, 25. April. Al» Wahlspruch für die amerikanische Flotte und da» amerikanische Landheer find die Worte: „Gedenket der Maine" gewählt worden. Washington, 25. April. Eine Armee regulärer Truppen soll unverzüglich auf Enda landen, um fich mit ben 16,000 Mann zählenben Insurgenten zu verbinben. WB Madrid, 24. April. Blanco telegraphiric, die amerikanische Flotte vor Euba fei verschwunden. Spanien versüge über genügende Kohlenvorräthe. Allen amerikanischen Eonsuln in Spanien ist da» Exequatur ent« zogen worden. Der Jnsurgentenführer Delgado ist gefallen. Ueber ben Kriegsrath der Admirale ist Stillschweigen be» wahrt. Wie verlautet, handelte eS sich um einen Seekriegs- plan. Drei verdächtige Schiffe zeigten sich bei Einbruch der Nacht vor Habanna. In Manilla fanden große Kund- gedungen statt. Es verlautet, die Freibeuter auf ben Philippinen stehen in Berbinbung mit dem amerikanischen Geschwader. Nach Artikel 7 ber in bem gestrigen Amts- blatte veröffentlichten Decrete werben Sapitäne unb Offiziere bie Feinbfeligkeiten gegen Spanien unternehmende Schiffe al» Seeräuber ansehen, wenn sie selbst und zwei Drittel ihrer Mannschaft nicht Amerikaner find. 3,itlpla ter «trrMgtai jrntforta 3t*Mt|tdn. Optmbau». DienSiag ben 26. April: Der Halling. Mittwoch ben 27. April: Bajazzo. Hieraus: Der HeirathSautomat. Donnerstag ben 28. April: Lustige Weiber Freitag ben 29. April: Die FlebermauS. SamSiag ben 30. April: Lohen« grin. Sonntag den 1. Mai, Nachmittag« 3«/i Mr. Orpheus In ber Unterwelt. Abend« 7 llbr: Mignon. Montag ben 2. Mai: Boccaccio. Dienstag ben 3. Mai: Ingo. Dienstag ben 26^IprohHalm. Mittwoch ben 27. April: Strohhalm. Donnerstag den 28 April: Bartet turafer. Freitag ben 29. April: Der Rentier. SamStag ben 30. Avril: Hagar« Liebe. Sonntag ben 1. Mai. Nachmittags 3Vs Uhr: tiogenbrüber. Adenb« 7 Uhr: Hagars L|iebe. Montag ben 2. Mai: Baumeister Solneh. Cftanlage 0, IV 4359 8655 4338 des Adam Heft Privalklägers, Angeklagten, zu -PkrstttsimmM llrluinntiniuljuniuui Ju verstauten llrrmicthmuji'u. Osten e ikrlotrn 1) 2) 3) 4) 5) 6) 7) 8) 9) 10) Glaferarbeit sollen im Wege schriftlichen Angebots einzeln oder zusammen vergeben werden. Diesbezügliche Unterlagen, wie Zeichnungen, Kostenanschlag, Bedingungen 2c. liegen bei dem Vorsitzenden der israelitischen Religionsgesellschaft Herrn Bankier I. (Hrüuewald, Bahnhofstraße, hier offen, auch er- theilt Herr Architect L. Seuling, Wallthorstraße 7, nähere Auskunft. R-flectanten werden gebeten , ihre Offerte mit entsprechender und auf den Bau bezüglicher Aufschrift versehen portofrei bis zum Donnerstag den 12. Mai d. I, Abends 6 Uhr, bei Herrn Bankier I. G r ü n e- Krösenreiser verkaufen. (tz. Host, Nahrungsbcrg 9. Maurerarbeit, Steinhauerarbeit, Zimmerarbeit, Spenglerarbeit, Dachdeckerarbeit, Schreinerarbeit, Lieferung eiserner J Träger rc., Schlvfferarbeit, Tüncher, und Anstreicherarbeit, Mittwoch ben 27. April l. Naä-rnütags 2 Uhr, werden im Bieker'scken Saale versteigert: 1 Secretär, 2 Verlicow, 1 Sopha in rotbbrauneni Plüsch, 1 Sopha- lisch, 6 Stühle, 1 Trumeauz nut Spiegel, 1 Herrenschreibtisch (nußb.) 1 Sopha, 1 Glasschrank, 1 Sopha mit 2 Sesseln unb 6 Stühlen, ein zlleiberschrank unb 1 Nähmaschine. Versteigerung voraussichtlich bestimmt. 4935 Geißler, Gerichtsvollzieher Vergebung der beim Neubau einer Synagoge für die „Israelitische Religtvnsgesell schäft zu Gießen" vorkvmmenden Lieferungen und Arbeitsaus« sühruugeu. Die bei vorstehendem Neubau vor« kommenden Lieferungen und Arbeit«, ausführungen als: Gießen, am 16. April 1898. Grobherzogliches Amtsgericht. Neuenhagen. wegen Beleidigung, hat das Großh. Schöffengericht zu Gießen in der Sitzung vom 4. Januar 1898 für Recht erkannt: Der Angeklagte wird auf Grund der §8 185, 186, 200 St.-K.-B. zu einer Geldstrafe von 40 Mk. Vierzig Mark — eventuell 8 Tage Gefangnitz, sowie in die Kosten de« Verfahrens einschließlich der dem Privatkläger erwachsenennothwendigen Auslagen verurthetlt. Gleichzeitig wird dem Privatkläger die Befugniß ertheilt, da« Urtheil in seinem entscheidenden Theile einmal innerhalb acht Tagen nach Zu Rettung einer vollstreckbaren Ausfertigung auf Kosten des Angeklagten im „Gießener Anzeiger" zu veröffentlichen. Die Richtigkeit vorstehender » schüft der Urtheilsformel wird be- glaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urtheil« bescheinigt. Gießen, den 21. April 1898. (L8.) gez. Orth, 4337 Gerichtsschreiber des Gr. Amtsgericht«. Namens des Privatklägers: Dr. Jung, Rechtsanwalt. Mma felbstgeketterten Aepfekwein a Liter 35 Pfg-, prima selvstgekelterten Keibeköeer- unb Iohannesöeerwein ä Liter 80 Psg. empfiehlt Johs. Seng Metzger. Bekanntmachung. Zum Genoffenschastsregister wurde eingetragen: Laut Statut vom 29. März 1898 hat sich mit dem Sitze zu Oppenrod unter der Firma „Landwirthschaftlicher Consumverem, eingetragene Genoffenschast mit unbeschränkter Haftpflicht" eine Genoffenschaft gebildet. Gegenstand des Unternehmen« ist 1) gemeinschaftlicher Einkauf von Verbrauchsstvffen und Gegenständen de« landwirthschaftlichen Betriebe«, 2) gemeinschaftlicher Verkauf landwirthschaftlicher Erzeugnisse. Die von der Genoffenschast ausgehenden öffentlichen Bekanntmachungen erfolgen unter der Firma derselben, gezeichnet von zwei Vorstandsmitgliedern, int „Gießener Anzeiger". Die Willenserklärung und Zeichnung für die Genoffenschaft muß durch zwei Vorstandsmitglieder erfolgen, wenn sie Dritten gegenüber Rechtsverbindlichkeit haben sott. Die Zeichnung geschieht in der Weise, daß die Zeichnenden zu der Firma der Genossenschaft ihre Namensunterschrift beifügen. Der Vorstand besteht aus: 1. Heinrich Balser VII., Director. 2. H. Schmidt V., Stellvertreter. 3. Johannes Balser VI., Lagerhalter. Die Einsicht der Liste der Genoffen ist während der gewöhnlichen Dienftstunden Jedermann gestattet. 2 Mk. können Auszüge über die einzelnen Arbeiten und von 6 Mk. ür die gesammten Ausführungen abgegeben werden. Gießen, den 21. April 1898. 4355 Der Vorstand der Israelitischen ReligionSgefellschaft. gegen Peter Walter in Gießen, Worsteclumdel mit 8 Perlen verloren. Gegen gute Belohnung abzugeben 4868 Ulicestratze Itt, 1. 43451 Eine feine, fast neue Plüsch' gnriiiiitr wegen Platzmangel billig ar • zugeben. Näh. in ber Exped. b.J8£ In der PrivaiKlagesathe in Gießen, Von Fräulein Charlotte Seebach aus Erefeld wurde un« eine au- gerichtlicher Entscheidung herrührende, nach Abzug der Unkosten betragende Summe von Mk. 3055, in Worten: dreitausend fünfundfünfzig Mark, überwiesen. Herzlichen Dank der Spenderin: „ Gießen, den 25. April 1898. Für den Vorstand de« Allgemeinen Verein» für Armen« und Krankenpflege: Schlosser. 4868 Flaschenbier, aus der Brauerei Bichler, hell und dunkel, empfiehlt Carl Retter, Lindenplatz, Ecke Wallthorstraße. Lieferung jeden Quantums fre ins Haus.___________________4361 43431 Schlachtete heute eine ganze Ausnahme von jungen Merden, empfehle bas Psunb zu 25 Psg. Keßler, Pferbemetzger. C*iii tüchtiger Fuhrknecht gegen hohen Lohn gesucht von 4886 C. Marx, Neuutühlc bet Dorlar, Mivi ' 'A'cl'Jai 43641 Einen jüngeren Burschen sucht 2. Reitel. 4360] Ich suche für meine Buch binberet einen Lehrling. Gewissen baftefte AuSbilbung bei freier Station unb 3jähriger Lehrzeit. «Sans Adler, Buchhändler, ______________Grosi'Lichterselbe Ul. 4358] Ein zuverlässiges, nicht zu junges Stinbcrmäbdicn gesucht. ____________Frauksurterstr. <10, 11. Lanfmäbchen gesucht. 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Bl. 4368] Ein Kellner unb ein Kellnerlehrling gesucht. e Absicht gel «brr die Äflif sttnleh n (I_6at am 18. hffa, in meld lesvrdrn wirt, isrrcheu wird, ein bann mH 3”ttili bon hl als einzig bewährt und ächt die unter ständiger chem. Controle stehenden und mehrfach analysirten Günther’s Alenronat-Gebäcke Erste medicinische Autoritäten empfehlen Zuckerkranken -rschei-itti mit kijdrgt. Raum ' H^chvurn. brr am «‘■Bl *ag nnb 6,D jte’ 2* He f aS» leine, ÄIetl ■rS Ml Herr Hermann Seherff Glasermeister. Die Beerdigung findet Dienstag den 26. April, Nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Löwengasse 5, aus statt. Heute Nacht 12 Uhr verschied nach kurzem, aber qualvollem Leiden unser" lieber, guter, JunvergesslicheriGatte, V ater, Sohn, Bruder, Schwager, Onkel und Schwiegersohn Kriegerkameradschaft Giessen Wir erfüllen hierdurch die traurige Pflicht, die Mitglieder davon in Kenntnis zu setzen, dass unser Kamerad Hermann Scherff gestern verschieden ist. Die Beerdigung findet Dienstag den 26. d. Mts., Nachmittags 4 Uhr, statt Bekanntmachung, betreffend: Absperrung der Wasserleitung. Wegen Ausführung des Wasseranschlusses sür das Bolks- sind wir genöthigt, nächsten Mittwoch den 27. April, Pietsch & Zcheyda) in Gießen. Die heutige Äummer umfaßt 10 Leiten Zlnentöehrttch für Z3 ruchleidende. 2)ie unzweifelhaft beste Hülfe und größte Schonung bieten, ohne schmerz haften Druck und dock sicherster Wirkung, meine von ärztlicher Seite und Dielen Leidenden als vorzüglich anerkannten 433* 1W* Gürtelbruchbänder ohne Kedern. EMI Bei fortgesetztem Tragen Verkleinerung, auch Heilung möglich. Veib und Vorfall dulden. In Gießen am Lamotag den 30. April, 8 biä 12 Uhr, im Aeftaur. Riegelmann, werden Bestellungen entgegengenommen. L. Bogiech. Ntntt- gart. Reuchlinstraße 6. von 7 Uhr bis voraussichtlich gegen 10 Uhr Vormittag«, hie Wasserleitung aus dem Eelterswcg (vom Kreuzplatz bi» zum SelterSthor), in der Maigasse und in der Plockstraße abzusperren, war wir hiermit zur gefl. Kenntnißnahme der betreffenden Anwohner bringen. Gießen, den 25. April 1898. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. Turnverein Hlermit erfüllen wir die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem erfolgten Ableben unferefl Mitgliedes und früheren Vorstandsmitgliedes Herrn GlasemMer Scherff in Äenrdnife zu setzest. Die Beerdigung findet am Dienstag Nachmittag 4 Uhr vom Trauerhause aus statt. 4367 Der Vorstand. Ph. Lang nach langem, schweren Leiden im Alter von 27 Jahren heute Morgen V»3 Uhr dem Herrn sanft entschlafen ist. Um stille Theilnahme bitten 4346 Die trauernden Hinterbliebenen. Grossenlinden, den 25. April 1898. Die Beerdigung findet Mittwoch Nachmittag 3% Uhr statt. I* reunden und Bekannten hiermit die schmerzliche Mittheilung, dass unser innigst geliebter Sohn, Enkel, Bruder und Schwager