Rr. 120 Zweites Blatt. Mittwoch den 25. Mai 1898 Erscheint tägNch mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Aamikieubtätter werden dem Anzeiger wöchentlich vierm beigelrgt. Meßmer Anzeiger AezugspreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohu. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu t»er Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr. Heneral -Anzeiger Alle Anzeigen-VermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gietzen. Redaction, Expedition und Druckerei: Schukgraße Ar. 7. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietzen. Fernsprecher Nr. 51. Anttlücher Tyeil. Bekanntmachung. Die Maul« und Klauenseuche in der Gemeinde Breiten- dach, Kreis Wetzlar, ist erlösche» und find die Sperr- maßregeln wieder aufgehoben worden. Gießen, den 21. Mai 1898. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. 93.: Dr. Wagner. Englische Politik. In diesen Tagen ist anläßlich deS Ablebens Gladstones die englische Politik des letzten halben Jahrhundert- mancher Kritik unterzogen worden. Insbesondere hat man behauptet, daß der Verstorbene einen großen Theil der Schuld daran trüge, daß England fich mit allen Großmächten verfeindet hat, daß eS heute so vollständig isolirt dastrht. Wir können hier nicht untersuchen, inwieweit Gladstone hierzu beigetragen hat, die Thatsache selbst ist nicht zu leugnen, und daß fie bitter genug von den Engländern selbst empfunden wird, geht aus der letzten Rede Chamberlains deutlich hervor, die noch heute in der Presie lebhaft commeutirt wird und auch Anlaß zu einer Interpellation im englischen Parlamente gab. Nur gestehen die Engländer nicht ein, daß ihre Politik nicht in den Rahmen derjenigen der übrigen Großmächte paßt, da fie stets Sonderintereffen verfolgt, die weit ab liegen von denjenigen, welche für die Allgemeinheit erforderlich find. Das hat fich auch während des letzten DecenniuwS in allen Phasen der orientalischen Frage bewahrheitet- stets stand England abseits von den übrigen Großmächten und hat insolgedeffen nicht wenig dazu beige« tragen, daß eS noch immer eine orientalische Frage giebt. Insbesondere als eS galt, Griechenland von unbesonnenen Schritten der Türkei gegenüber zurückzuhalten, da hat England so lange gezögert, fich den übrigen Großmächten anzu« schließen, bis er zu spät war. Was hat England heule für ein Jntereffe daran, sich so offen auf die Seite der Bereinigten Staaten zu stellen. Ist eS allein die Sprachen- und Namensverwandtschaft, welche die englische Regierung veranlaßt, den YankeeS ihre Sympathien zuzuwenden? Wir glauben kaum. Alle europäischen Mächte find in dem Eonfiicte zwischen Spanien und Nordamerika auf der Seite der Spanier zu finden, da bei ihnen da- Recht liegt. Denn Niemand kann leugnen, daß der Angriff der Amerikaner ein unberechtigter ist, mag man auch noch so sehr betonen, daß die spanische Wirthschaft auf den Antillen den Insurgenten die Waffen in die Hand gedrückt hat. Bekanntlich hat man schon gleich bei Beginn deS Krieges von einem Bündniß zwischen England und den Bereinigten Staaten gemunkelt. Bisher hat fich die Nachricht freilich noch nicht bestätigt, aber daß eine Allianz von England angestrebt wird, geht auS den Worten Chamberlains deutlich hervor. Ohne Bundesgenoffen können heute selbst die größten Staaten nicht den erwünschten Einfluß im Rathe der Völker aurüben, und England hat eben den richtigen Zeitpunkt verpaßt, einen Anschluß an eine andere Macht herzustellen. Ob eS in den Dreibund ausgenommen worden wäre, können wir natürlich nicht mehr festftellen, jedenfalls hätte eS aber dann seiner Politik eine ganz neue Bafis geben müssen, da der Dreibund keine Sonderinteressen der einzelnen Länder verfolgt, sondern zur Erhaltung der europäischen Friedens gegründet ist. Eine Aufnahme in den Zwetbund ist für England vollständig ausgeschlossen, da sowohl die Bestrebungen Rußlands wie diejenigen Frankreichs den Zielen der englischen Politik zuwiderlaufen. Da die Türkei und Spanien für England bei einem Bündniß nicht in Frage kommen können, so bleiben ihm thatsächlich nur die Bereinigten Staaten übrig, aber allgemein nimmt man an, daß England auch beim Verkauf der Bärenfells, d. h. beim Erwerb der spanischen Besitzungen zu profitiren gedachte. Ob es fich hierbei nicht verrechnet hat, kommt auf das spanische KriegSglück an. (xx) Deutsches Reich. Berlin, 23. Mai. Im Palais Kaiser Wilhelms I. fand heute Vormittag die Feier des heiligen Abendmahles statt, an welcher das Kaiserpaar, der Kronprinz und I Prinz Eitel Friedrich theilnahmen. — Die Kaiserin Friedrich ist gestern Abend von hier wieder abgereist. Berlin, 23. Mai. Am Mittwoch Nachmittag werden hier zum Besuche de» Kaiserpaares der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland eintreffen. Dieselben werden auf dem Bahnhofe osficiell mit einer Ehrenwache empfangen und im Schlosse Wohnung nehmen. Arr-tav-» Loudon, 21. Mai. Die Diagnose des Leidens Gladstones (Krebs) wurde von den behandelnden Aerzten zuerst während seines Aufenthaltes in Cannes gemuthmaßt. In Bournemouth wurde fie zur Gewißheit. Dort theilte man dem Leidenden die volle Wahrheit mit. Er empfing fie mit der Ergebung und Unerschütterlichkeit, die fich bei einem Mann von dem Character Gladstones erwarten ließ. Sein einziger Wunsch war, nach Hawarden gebracht zu werden und dort zu sterben. Bor seiner Abreise flehte Gladstone, wie erinnerlich, den Segen deS Höchsten auf die Bewohner von Bournemouth herab. ES war die Bitte eines Menschen, der mit dem Leben abgeschlossen hat und fich mit seinem Schöpfer vereinigt weiß. Die Ueberfiedelung nach Hawarden that dem Kranken einstweilen gut und er konnte fast täglich wieder in den Anlagen deS Schlosses kleine Spaziergänge unternehmen. Aber die Besserung war nur scheinbar. Das Leiden machte Fortschritte. ES mußten Betäubungsmittel ge- reicht werden, upr die furchtbaren Schmerzen zu lindern, die sonst nicht zu ertragen gewesen wären. Am Anfang dieses Monats erklärten die Aerztr auf Wunsch des Kranken, daß das Ende nur eine Frage von Wochen sein könne. Da entschloß er sich denn, von seinen Freunden, die ihm am nächsten standen, Abschied zu nehmen. Aus den Wunsch Gladstones pilgerten John Morley und Lord Rosebery nach Hawarden. — Der Monat Mai scheint verhängnißvoll für englische Staatsmänner zu sein. Am 11. Mai 1778 starb der ältere Pitt, der große Earl von Chatham. Am 11. Mai 1812 wurde der Premier - Minister Spencer «Percival von John Bellingham im Wandelgange des Unterhauses ermordet und am 6. Mai wurde der eben erst ernannte Obersecretär für Feuilleton. 5>te verhängnisvolle Maibowle. Humoreske von Friedrich Thieme. (Fortsetzung.) „g bewahre — entsinnst Dich denn nicht mehr?" entgegnete der Kutscher. „Wir fuhren durch Krippendorf, da wolltest Du mit aller Gewalt noch mal einkehren, obgleich Du schon geladen genug warst. Ich mußte mit in den Gasthof. Dort warst Du ganz gut und zärtlich zu mir, ich mußte Dir in einem fort Bescheid thun. Zuletzt sollt' ich Brüderschaft mit Dir trinken. Ich wollte nicht wegen deS StandeSunterschiedeS. Da wurdest Du ganz eklig, sagtest, das sei alles dumme- Zeug. Mensch fei Mensch, Tugend und Intelligenz bedeute mehr al- alles Geld und aller äußere Firlefanz. So mußte ich wohl oder übel nachgeben. Wenn ich Sie sagte unterwegs, wurdest Du grob — so fügte ich mich endlich drein. Weißt Du denn das nicht mehr?" „Wissen? Natürlich, alles weiß ich," brauste Döllinger auf und kratzte sich verlegen am Kopfe. Endlich fiel ihm ein Ausweg ein. Er zog Johann auf die Seite, drückte ihm ein Zwauzigrnarkstück in die alle Zeit offene biedere Rechte und flüsterte ihm zu: „Johann, ich hab mir gestern nur einen Scherz mit Ihnen gemacht, verstanden? Ein solches Berhältniß -wischen uns würde fich doch nicht recht schicken, — lassen wir es beim Alten." „Mir soll'S recht sein, gnädiger Herr," brummte der Kutscher vergnügt. „Ich hab mir» gleich gedacht, daß — daß eS nur ein Scherz war von dem gnädigen Herrn." „Gut — spannen Sie au." „Zu Befehl, gnädiger Herr!" Johann stürmte hinaus, und der Bürgermeister lachte, daß ihm die Kehle zu bersten drohte. Papa Döllinger aber rannte wüthend hin und her. Da stehst Du eS nun — Bomben und Granaten, davon wußte" ich kein Wort mehr. Mag der Himmel wissen, was ich alles noch auSgefreffen habe." In diesem Augenblicke klopfte eS. Auf Döllinger- „Herein" erschien sein Secretär, ein junger Mann in etwa- fadenscheinigem schwarzen Anzuge. „Sie sprachen gestern früh von einem nothwendigen Briefe, Herr Döllinger. Soll ich ihn jetzt schreiben?" „Nein, nein — ich — ich bin heute nicht recht wohl. Wir wollen e- bis morgen früh lassen." „Haben Sie außerdem noch Aufträge? Sonst würde ich nach Hause gehen." „Gehen Sie nur.*4 Trotzdem blieb der Secretär noch stehen. „Nun, was giebt es noch?" „Ich wollte mir nur noch einmal erlauben, Ihnen meinen innigsten Dank für mich und auch im Namen meiner Mutter auszusprechen." „Wofür denn?" fragte Döllinger erstaunt. „Für die Erhöhung meines Salär-, Herr Döllinger." Döllinger warf einen unruhigen Blick auf feinen Freund. „Ihre- SalärS? Ach ja — hm — wie hoch hatte ich gesagt?" „Monatlich hundertundfünfzig Mark —" „Gegen bisher achtzig? Heiliges —" Döllinger besann sich plötzlich, trat an das Fenster und trommelte einen Augenblick an den Scheiben. „Ganz recht — so sagte ich. Ihr Fleiß hatte schon lang; eine solche Anerkennung verdient. Sie — wann hatten Sie mir Ihr Anliegen vorgetragen.?" „Gestern Abend, al- Sie zurückkehrten, Herr Döllinger. Ich hatte extra auf Ihre Rückkehr gewartet, um noch vor dem Ersten Ihre Entscheidung zu haben. Freilich hätte ich nie erwartet, daß Sie so generös —" „Schon gut, schon gut," winkte Döllinger den dankbaren Menschen ab, der fich hieraus zufrieden empfahl. Der Rittergutsbesitzer schien weniger erbaut, denn er schlug fich wüthend vor den Kopf. „Alle Götter deS Olymp, da- ist zum Rasendwerden! Verdoppele ich dem ohne Weiteres das Salär — was will ich nun machen? Ich kann mich doch unmöglich so blamiien, meine Bewilligung zurückzunehmen mit der Entschuldigung, ich fei „DaS geht allerdings nicht gut." „Der Kerl trüge mich in der ganzen Gegend herum. Ja, wenn die LandtagS-Candidatur nicht wäre — aber meinen Gegnern würde das ein gefundener Braten fein." „Da hast Du Recht. So mache gute Miene zum bösen Spiel, Du bist ja reich und, der arme Teufel kann da- Geld brauchen." Mit diesen Worten nahm der Bürgermeister Abschied, mit dem Wunsche baldiger völliger Genesung, wie er lachend hinzusügte. Der Rittergutsbesitzer gedachte eben, ihm zu folgen, um die beabsichtigte Ausfahrt anzutreten, als zwei Cavaliere gemeldet wurden. Verblüfft guckte er die Karten an: Hauptmann von Moosbach, Baron von Soden. „Kenne ich nicht," murmelte er, da traten fie schon herein und baten unter höflichen Verbeugungen um Entschuldigung wegen der Störung. „Bitte, bitte, nehmen die Herren Platz — womit kann ich dienen?" „Wir kommen im Auftrage des Barons von Wolf," nahm der Hauptmann erklärend das Wort. „Des Baron» von Wolf?" Döllinger kam der Name bekannt vor, er entsann fich jedoch nicht, wo er ihn schon gehört hatte. „Was will der Herr Baron von mir?" „ES handelt fich um da» Rencontre von gestern Nachmittag." Der Rittergutsbesitzer horchte betroffen auf. „DaS Rencontre mit — mit —" „Mit Herrn von Wolf. Der Baron fordert SatiS- faction — wir find feine Sekundanten und kommen, Sie zu bitten, uns Ihrerseits ein paar Herren zu bezeichnen, mit denen wir das Erforderliche besprechen." Döllinger sank entsetzt auf einen Stuhl. Nun sollte er fich gar noch schlagen — und er wußte nicht einmal warum. Aber fragen durfte er nicht, um fich nicht zu blamiien. Vielleicht hätten ihm die Cavaliere nicht einmal geglaubt, sondern ihn für feig gehalten. Vermaledeite Maibowle, wa» hast du gethan! Doch was half eS, die Herren mußten Bescheid erhalten. „Wenn der Herr Baron Genugthuung wünscht," Hub er kleinlaut an. „Jawohl," bestätigte der Hauptmann. „Er will fich mit Ihnen auf Leben und Tod schlagen — einer müffe auf dem Platze bleiben," erklärte er. (Schluß folgt.) Irland, Lord Frederick Cavendish, im Phönixpark in Dublin ermordet. Petersburg, 23. Mat. Die vor einiger Zeit durch kaiserlichen UkaS zur Vergrößerung der Flotte bewilligten 90 Millionen Rubel find nicht, wie jetzt bekannt wird, ein Zuschuß zu den laufenden Au-gaben, sondern zu einer vorauf- gegaugenen Spectalsumme, deren Höhe nie genannt worden ist. TS ist in Rußland nicht üblich, derartige Vorgänge an die Oeffeutlichkeit zu bringen, und daß dies bei dem letzten UkaS geschehen ist, hat seinen besonderen politischen Zweck. Mau nimmt an, daß die Sonderanweisung einer Summe aus Staatsmitteln für Kriegsschiffbauten 120 bis 130 Mill. Rubel beträgt. Natürlich wird die Ausgabe derselben auf eine Reihe von Jahren vertheilt, und zwar entfällt ein Theil ausschließlich auf Neubauten, der andere Theil auf Erweiterung und Berbefferuug der Staatswerften und Beschaffung von Hilfsmitteln für den Kriegsschiffbau im Allgemeinen, da eine starke Abneigung gegen Bestellungen im Auslande, besonders aber gegen englische Werften vorhanden ist. Augenblicklich im Bau befindlich find sechs große Schlachtschiffe, ein KüstenvertheidigungSpauzer, der Panzerkreuzer „Gromoboi", vier kleine geschützte Kreuzer, drei Kanonenboote und etwa siebzehn Torpedobootzerstörer und zehn Torpedoboote. In diesem Jahre soll noch auf den Hellingen der baltischen, der Admiralität-- und der Werft in Galeruh, die zur Zeit von der „Oßlabya", der „Perefwjet" und dem Kreuzer „Pallada" besetzt find, der Kiel zu drei Schlachtschiffen gestreckt werden, so daß auf der baltischen Werft in Petersburg nur noch der Panzerkreuzer „Gromoboi", auf der AdmiralitatSwerft und in Galerny nur die Schwesterschiffe der „Pallada", die beiden Kreuzer „Diana" und „Aurora" verbleiben. Der Küsten- vertheidiguugSpanzer „Admiral Apraxin" wird au der Newa ferttggestellt. Die neuen Panzerschiffe find Schwesterschtffe der „OZlabya" von 12675 Tonnen und erhalten als Haupt- armiruug vier 25 Centimer-Geschütze von der Länge des 40fachen Kalibers, dagegen keine Kupferung, da sie für die baltische Flotte bestimmt sind. Bon den fertiggestellten Schlacht- schiffen werden die „Poltawa" und „Sebastopol" noch in diesem Sommer Probefahrt machen, während die „Petro- pawloSk" noch etwas hinter ihren Schwesterschtffeu zurück ist. In Nikolajew befindet fich der „Fürst Potemkiu", ein Schwesterschiff des „Tri Sokatitelia", im Bau, und zu einem neuen Panzerkreuzer von 8000 Tonnen soll der Kiel auf der neuen baltischen Werst gelegt werden. In Sebastopol wird der „Rostislaw" fertiggestellt. Die in dem neuen Programm enthaltenen kleineren Neubauten find zwölf Schwesterschtffe des Torpedobootzerstörers „Sokol" und mehrere Torpedoboote, die theils auf der Jjorawerft, theils auf den Newsky- Werften gebaut werden sollen. Die Torpedobootzerstörer und Torpedoboote find für die Marinestationen Wladiwostok und Port Arthur in Ostafien bestimmt. Auf der baltischen Werft soll außerdem der Kiel zu einem Minenschiff von 2500 Tonnen und 5000 Pferdekräften gelegt werden. Diese im Bau befindlichen und int Laufe deS Jahres auf Stapel zu legenden Schiffe bilden einen Theil eines großen Flottenbauprogramms, dessen volle Einzelheiten nicht bekannt find, aber eine ungewöhnliche Thätigkeit der Mariueverwaltuug erkennen lassen. ES heißt jedoch, daß in das Programm noch drei Schlachtschiffe von 13000 Tonnen und eine Anzahl von Torpedobootzerstörern fallen, die man auf der Werft von Cramp & Co. in Philadelphia in Auftrag zu geben beabfichtigt. ■————■M Die Verstaatlichung der Reichsbank. (Fortsetzung.) Diese Organisation erscheint wahrlich schon so staatlich, daß man sie sich selbst im Falle einer Verstaatlichung der Reichsbank kaum noch staatlicher denken kann. Und dennoch scheint gerade der Centralausschuß vielen Gegnern ein Dorn im Auge zu sein. Manche glauben, daß der Centralausschuß einen großen, und weil von der haute finance ausgehenden, ihnen verhaßten Einfluß auf die Geschäftsleitung ausübe. Manche haben das Gefühl, daß der Centralausschuß ein den Präsidenten schützend umgebender Mantel sei, nach dessen Beseitigung sie auch dem von ihnen nicht gerade ebenso wie von uns geliebten Präsidenten besser zu Leibe gehen könnten. (Heiterkeit.) Die meisten hoffen, daß, wenn durch eine Verstaatlichung der Centralausschuß in Wegfall kommt, doch wiederum irgend ein Bankbeirath aus parlamentarischen Kreisen gebildet werden würde, in welchen dann die politischen Wortführer hereinzukommen hoffen, um ihrerseits Einfluß auf die Bankleitung zu nehmen. Was nun den vermeintlichen Einfluß des jetzigen Centralausschusses anbetrifft, so habe ich selbst während einer Reihe von Jahren die Ehre gehabt, dem Ausschuß anzugehören. Ich kann, ohne indiscret zu sein, Ihnen verrathen, daß der Centralausschuß — um mich eines vulgären Ausdrucks zu bedienen — gar nichts zu sagen hat. (Heiterkeit.) Es ist nach dem Gesetz dem Bank-Directorium ziemlich freigestellt, inwieweit es Gutachten des Centralausschusses einholen will, und es steht ihm ganz frei, ob es sich nach diesem Gutachten richten will. Ich habe es in meiner Praxis nur ein einziges Mal erlebt, daß ein Gutachten durch förmliche Abstimmung eingeholt wurde. Mit einer allerdings ganz geringfügigen Majorität entschied sich der Centralausschuß für eine Hinauf- oder Herabsetzung des Discont-Satzes, und in diesem für den Centralausschuß höchst interessanten Fall beschloß das Reichsbank-Directorium das gerade Gegen- theil. (Heiterkeit.) Ich will damit nicht sagen, daß, wenn es sich um eine starke Majorität gehandelt hätte, das Direc- torium sich nicht doch dem Centralausschuß angeschlossen hätte, wie ich überhaupt nur sagen kann, daß von beiden Seiten dem Sinne des Bankgesetzes auf das Loyalste nachgelebt wird. Aber ein tüchtiges und zielbewußtes Directorium, wie wir es bisher immer gehabt haben, weiß eben in der Regel auch schon ohne förmliche Begutachtung des Ausschusses, was es will und was den Ansichten des Ausschusses nicht widerspricht. Dennoch lege ich den allergrößten Werth auf die Beibehaltung des Centralausschusses gerade in seiner | jetzigen Gestalt. Er muß für ein jedes Reichsbank-Directorium von dem größten Nutzen sein, Fühlung mit einem so durch und durch sachverständigen Organ zu behalten, welches sich zwar der eigenen Einmischung enthält, welches aber jeder Zeit, wenn das Directorim es wünscht, mit seinem sachverständigen Gutachten zur Verfügung steht und die in ernsten Lagen sonst allzu große Verantwortlichkeit des Präsidenten auch dem Reichskanzler gegenüber deckt. Wie gerade umgekehrt ein politischen Einflüssen unterliegender Beirath hemmend und desorganisirend dem Directorium in die Zügel fallen könnte, brauche ich nicht näher auszuführen. Ich komme jetzt zur Geschäftsgebahrung der Reichsbank. Wie schon Eingangs erwähnt, übernahm die neue Reichsbank die frühere Preußische Bank. Letztere hatte für 60 Millionen Mark Antheilseigner, denen 60 Millionen Mark ReichSbank- Antheile im Austausch überwiesen wurden. Außerdem war der Preußische Staat mit einer Capitaleinlage von 5 720 400 Mk. an der Preußischen Bank betheiligt. Diese Einlage wurde aus dem neugebildeten Capital der Reichsbank zurückgezahlt. Es wurden 60 Millionen Mark Reichsbank' antheile zum Curse von 130 pCt. an das Publikum begeben. Aus dem von den neuen Actionären eingezahlten Agio von 30 pCt. ergab sich ein Reservefonds von 18 Millionen Mark für die neue Bank. Außerdem fand die Reichsbank in der Preußischen Bank einen Reservefonds von 18 Millionen Mark vor. Von demselben war die Hälfte mit 9 Millionen Mark an Preußen auszuzahlen; die andere Hälfte floß mit 9 Millionen Mark zunächst in den Reservefonds der neuen Reichsbank und erhöhte denselben auf 27 Millionen Mark. Hieraus aber war die einmalige Abfindung an Preußen mit 15 Millionen Mark zu zahlen, so daß der Reichsbank aus dem von ihren Actionären eingezahlten Agio von 18 Millionen Mark nur ein Reservefonds von 12 Millionen Mark verblieb. — Diesen Reservefonds hat die Reichsbank aus ihren Erträgnissen in den Jahren 1876 bis 1891 auf die statutenmäßige Höhe von 30 Millionen Mark aufgefüllt. Außerdem wurden sehr erhebliche Gewinnantheile an das Deutsche Reich ausgezahlt. Dieselben hoben sich von 1954000 Mark im Jahre 1876 auf ca. 10 Millionen Mark im Jahre 1897. Ein für das Reich sicherlich glänzendes Resultat, welches von einer verstaatlichten Reichsbank wohl kaum erreicht und wohl sicher nicht übertroffen werden würde; denn man muß bedenken, daß das Reich mit keinerlei Capitaleinlage in der Reichsbank betheiligt ist. Für die Actionäre erzielte die Reichsbank in den 22 Jahren ihres Bestehens eine durchschnittliche Dividende von 6,54 pCt. p. a. Da die Actionäre ihre Actien mit 130 pCt. eingezahlt haben, so ergiebt das für sie eine Verzinsung von 5 pCt. pro anno für das angelegte Geld. Gewiß ein befriedigendes Resultat auch für die Actionäre, aber andererseits auch sicherlich nicht mehr, als ihnen gerechterweise zukommt, wenn man bedenkt, daß die Actionäre es sind, die allein das ganze Risico des Unternehmens getragen haben. Käme es zu einer Verstaatlichung der Reichsbank, so würde nur die Hälfte des Reservefonds an die Actionäre fallen; sie würden also nur 1121 /a pCt. für die Actien erhalten, die sie mit baaren 130 pCt. bezahlt haben. (Fortsetzung folgt.) itoenles trnb provinzielles. Gießen, den 24. Mai 1898. •* ZuvungS Statistische». Da» in voriger Woche aus- gegebene „Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen" bringt einen interessanten Artikel „Die deutschen Innungen, eine statistische Studie von Paul Voigt." Wir entnehmen daraus, daß die Innungsmeister im Regierungsbezirk Posen 61 Procent aller Handwerksmeister bilden, im Regierungsbezirk Königsberg 51,6 Proc,, im Regierungsbezirk Schleswig 24,8 Proc., im Regierungsbezirk Erfurt 19,3 Proc., im Regierungsbezirk Cassel 8,5 Proc., im Regierungsbezirk Wiesbaden 5,3 Proc., im Königreich Sachsen 42,3 Proc., in Mecklenburg-Schwerin 50,2 Proc., in Bayern 6,6 Proc., in Württemberg 1,7 Proc., in Baden 2,1 Proc., in Hamburg 35 Proc. und in Elsaß-Lothringen 1 Proc. Für da- Großherzogthum Heffen ist die Zahl der Handwerksmeister mit 30562 angenommen, die der Jnnungsmeister mit 1177, wonach der Prozentsatz 3,9 beträgt. Und da sage Einer noch, daß unsere HandwerkSmeifier in Heffen, Baden, Bayern, Württemberg, Elsaß-Lothringen, sowie in Hessen-Nassau und Heffen-Kassel Anhänger von Innungen find. *• BeherzigeuSwerthe Mahnung. Verschiedene Blätter bringen folgende zeitgemäße Mahnung, welche wir auch unserer Bevölkerung ans Herz legen: Schonet die Saaten! Jetzt, wo das Frühlingswetter mächtig hinauslockt und Tausende in Gottes freier Natur Erholung suchen, ist wohl die Mahnung am Platze, das grüne Eigenthum des Anderen pflichtgemäß zu schonen. Es ist kein Zweifel, daß man dem ländlichen Eigenthum nicht gleiches Recht mit anderem Befitz- thum zugestehen will. Da tritt man, statt auf dem guten Fußpfad zu bleiben, oft daneben auf den hohen Saatrand. Dorr bricht man hin und wieder Zweige, dort pflückt man leichthin und ohne besonderen Zweck ganze Sträuße Feld- und Wiesenblumen, um sie bald wieder halbverwelkt wegzuwerfen. Der Landmann erlaubt ja verständnißvollen Sammlern sehr gern eine Freiheit, aber deßhalb mahne ein Jeder Unbefugten gegenüber zum Maßhalten. Freiheit ist eine schöne Sache, aber keine Freiheit ohne Gerechtigkeit! + Nidda, 21. Mai. Kaum hatten wir Thalbewohner unS von dem Schrecken der letzten Ueberschwemmung erholt, al» eine neue da» Niddagebiet heimsuchte. Gestern Nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr stellte fich ein mehrstündige», erst von Hagel begleitetes Unwetter ein; der ohne- dieß durch die vorherigen Niederschläge in langsamem Wachsen begriffene Fluß stieg rapider, und bald nach der, gegen 6 Uhr hier eingetroffenen Kunde von dem Nirdergehrn eines Wolkenbruches bei Eichelsachsen wälzten fich ungestüme Waffermaffen längs der an mehreren Stellen über das Flußbett getretenen Nidda und über die den Ufern nächst gelegenen Gärten, Aecker und Wiesen hin, viele herrenlose Sachen mit fich sühreud, sowie Straßen und Plätze in den tiefer liegenden OrtStheilen über- fluthend. WaS von dem Hochwaffer in den Fluren der abermals heimgesuchten Eichel- und NiddathaleS verschont blieb resp. fich wieder erholt hatte, wurde durch die gestern Abend eingetretenen Wetter ganz oder theilweise zu Grunde gerichtet; obwohl die Finthen über Nacht gefallen find, steht in vielen Kellern Niddas, hie und da noch von der vorigen Ueberschwemmung her da» Waffer, und steigt darin sogar langsam. Abgesehen davon, daß schon seither die Feldarbeit still stand, muß solche ferner einige Tage ruhen resp. die frühere Bestellung meist wiederholt werden, soweit letztereS überhaupt noch möglich ist. Sehr viel Gras wurde über- schlämmt, sodaß die Ernte-Au-fichten namentlich für die Kleinbauern recht trostlos sind. Auch Gewitterschäden leichterer Art in der Umgegend wurden heute bekannt, z. B. Entzündung von Telegraphenstangen und Bäumezersplitterung re. durch Blitzstrahlen. + RuddiugShause», 22. Mai. Am Freitag find wir wieder von argem Hagelwetter heimgesucht worden; daS Korn ist vernichtet, der Schaden also bedeutend. ES ist dies für unsere Gemeinde um so empfindlicher, als hier in den letzten Jahren wiederholt Hagelschäden zu vvschmerzen waren. ES ist zu beklagen, daß nicht durch eine allgemeine Laude»-' Versicherung gegen Hagelschlag analog der Braudverficherung die wirthschastlich Schwachen durch gesetzlich geregelte Beisteuer der in vieler Beziehung günstiger Gestellten unterstützt werden können. lH Romrod, 21. Mai. Ein schlimmer Tag war für unsere Gegend der 20. Mai, nach Falb ein kritischer Tag zweiter Ordnung. Kurz nach 5 Uhr Nachmittag» entlüde» fich mehrere furchtbare Gewitter, unter fortwährenden heftigen Blitzschlägen fielen nahezu drei Stunden lang wolkenbruch- artig die Regenmassen, untermischt mit Hagel. Vom Blitz getroffen, brannte die Hofraithe de» Konrad Schneider 4. in Groß-Felda bi» auf den Grund nieder, mehrere Blitzschläge wurden heute im Jägerthal festgestellt, daselbst (am alten See) ist u. A. eine Eiche total zersplittert, auch schlug der Blitz mehrere Mal im Walde nach Alsfeld zu ein. Die Antrift stieg rapid und überfluthete bereits um 7 Uhr weite Strecken, in Romrod mußte viel Vieh in Sicherheit gebracht werden. Eine gerade hier im Quartier liegende Batterie dell. Artillerie-Regiment- au- Caffel mußte eine große Zahl Pferde au- den Ställen schaffen und anderwärts einstellen. Um 10 Uhr Abends erreichte das Waffer den höchsten Stand, der Steinweg und andere Ortsstraßen waren hoch überschwemmt, die schmutzig gelben Fluthen umspülten sogar die Hohmann'sche Wirthschaft, auch die Kreisstraße nach Zell war theilweise unter Waffer gesetzt. Der vom Hochwaffer in dm Wiesen «^gerichtete Schaden ist groß. Wochenlang ist nun Regen gefallen, die Felder find ganz versumpft, es find nur wenige Kartoffeln gelegt, auch ist theilweise noch Hafer und Gerste auSzuftellen; möchte die Witterung endlich eine bessere werden. — Die Maikäferpläge ist hier so stark wie selten zuvor, zu Tausenden find die Bäume und Hecken mit dem Jnsect übersät. § Groß-Felda, 23. Mai. Der drückenden Schwüle, welche vorgestern herrschte, folgte Nachmittags ein Gewitter. Hierbei fuhr ein Blitzstrahl in die Hofraithe des K. Schneider IV., er traf die Scheuer und zündete. Sofort stand das Gebäude in Flammen und zündete auch das damit zusammenhängende Wohnhan» an sowie die Stallungen. Sämmtliche Gebäude, sanken in Asche, doch vermochte man daS Vieh und theilweise daS Mobiliar zu retten. Der Brandschaden, welcher durch Versicherungen gedeckt ist, wird auf 25 000 Mk. geschätzt. § Von der Ohm, 23. Mai. Die Maikäfer, welche man durch daS langdauernde Regenwetter Vernichter glaubte, kommen jetzt doch noch beim Eintritt besseren Wetter» zum Vorschein. Wohl vermögen fie weder im Walde, noch im Garten einen solchen Schaden anzurichten, als beim Beginn de» Mai; da sie aber wegen ihrer Eier, aus welchen bit- Engerlinge fich bilden, keinesfalls als unschädlich angesehen- werden dürfen, so ist der überall geplante Vernichtungskrieg« auch bei dem verspäteten Maikäferflug zu beginnen und fortzusetzen. §§ Bom höhere» Vogelsberg, 17. Mai. Infolge anhaltender Regengüsse konnte in hiefiger Gegend da- Aussäen des Hafer» noch nicht beendet und auch die sonstige Feldbestellung kaum vorgenommen werden. DaS Aussetzen der Kartoffeln z. B. ist erst zur Hälfte beendet. Mit dem Umpflügen zur Gerstensaat konnte gleichfalls noch nicht begonnen werden. Die Wiesengründe find überschwemmt, an höher liegenden Aeckern hat da» Wasser die gesetzten Kartoffeln abgeschwemmt. Die Wintersaat steht indeß prächtig und reiche Ernte versprechend da. Die Wiesen zeigen einen üppiger. GraSwuch». Weil das Heu in letzter Zeit sehr zur Neige gegangen ist, wird daS Jungvieh schon feü einigen Tagen auf die Gemeinde-Hutweiden getrieben. Mainz, 21. Mai. Bei der dieser Tage stattgehabten Submission zur Plauirung und Herstellung deS vor dem Neuthor gelegenen Terrain- der ehemaligen Hessischen Lud- wigSbahn, um dadurch Bahngelände zu gewinnen, ergaben fich wieder ganz erhebliche Preisunterschiede. Im Ganzen waren vier Firmen in engerer Submission zugelassen; der Höchstfordernde verlangte einen Betrag von rund 34000Mk. für die Arbeiten und der Mindestfordernde von 20 000 Mk., mithin zrigt fich die bedeutende Differenz von 14000 Mk. bei einem Object, für welches nur 20000 Mk. verlangt werden. Vermischtes. • Marburg, 21. Mai. Wolkenbrüche find am gestrigen Abende, wo auch hier schwere Gewitter mit starken Regengüffen niedergingen (der Blitz schlug wiederholt ein und hat in dem nahen Dorfe Marbach im Herbener'schen Stall mehrere Kühe getödtet), in der Nähe von Gladenbach und bei Rauschenberg niedergegangen. Da durch den vielen vorherigen Regen der Boden schon stark übersättigt war, so nahmen die Waffermafsen unvermindert ihren Lauf, das Alluathal, da» Ohmthal und da» Lahuthal vielfach überschwemmend und gar vielen Schaden anrichtend. Bei Kirchhain drang Vormittag» die Fluth schon tu die Stadt ein. Bon Goßfelden führten die anstürmenden Fluthen Cadaver von Schafen mit fich, das Vieh war vielfach nur unter großer Mühe zu retten. Ganze Thalstrecken gleichen See'u. Ohm und Lahn sind rapid gestiegen. Am Wehrdaer Weg riß die Strömung die Mögenburg'sche Badeanstalt in fünfter Morgenstunde fort, ebenso die Kähne mit sich. Ein Theil der Badeanstalt ward beim großen Wehr an» Land geworfen, da» Uebrige ist verloren, die Kähne suchte man bet Roth vergeben» aufzuhalten. — Vom oberen Lahnthal wird noch Folgende» gemeldet: Da» ganze Lahuthal bi» hinauf nach Laa-phe steht vollständig unter Wasser. Von LaaSPHe bis Leimstruth sieht e» noch viel schlimmer aus. In Feudingen kam die Hochfluth so schnell, daß e» den Leuten kaum mög- ltch war, da» Bteh au» den Ställen zu retten- die Wohnungen in den unteren Stockwerken mußten vollständig geräumt werden. In der Gegend von Erndtebrück ging ein schwerer Wolkenbruch nieder, tnfolgedeffen trat die Banfe bald aus ihren Ufern und überschwemmte den unteren Theil der Stadt. Die Einwohner konnten fich nur mit Mühe retten, da da» Waffer bis au den zweiten Stock reichte. Viel Bteh ist ertrunken. Wagen, Schlitten, Holz und Alles, wa» nicht sehr fest war, nahmen die Wafiermengeu mit- bei der Tele- grapheustangeu-ZubereituugSanstalt der Station Friedrichs- Hütte schwamm sämmtliche» Holz fort. In Laasphe soll ein Kind in den Wellen umgekommen sein. Der Schaden in den Feldern und Wiesen ist nicht zu berechnen- ganze bestellte Getreidefelder find weggeschwemmt. Die ältesten Leute erinnern fich nicht, je ein solches Hochwaffer erlebt zu haben. Oberh. Ztg. • Bom Kaifeebesuch im Elsaß. Ueber den Besuch de- Kaisers im Masmünfterthal werden noch manche Einzelheiten bekannt und besprochen. Man erzählt der „Straßb. Post" u. A.: Vielfach aufgefallen ist e», wie ernst und gemessen der Kaiser bet der Hinfahrt aussah und wie freundlich und geradezu herzlich er bei der Rückfahrt war. Dazu mögen der über jeden Begriff begeisterte und herzliche Empfang, wie auch die herrliche Gegend und da» prachtvolle Wetter viel beigetrageu haben. Boa den wichtigsten Einzelheiten mögen noch folgende Erwähnung finden. Als der Kaiser am Stauweiher kein Publikum sah, sagte er gutgelaunt: „Aber laffen Sie die Leute doch herbei- sie sollen mich ja sehen!" Ein Bote theilte die» dem unten harrenden Volke mit, welche» sogleich herbetetlte, um den Kaiser zu begrüßen- Viele kamen leider zu spät. Einem hohen Würdenträger sagte der Kaiser scherzend: „Wie können Sie nur mit Ihrer Uniform die schöne Natur hier verschäuden?" Za einem Bürgermeister im Thale sagte der Kaiser, als einige vereinzelte Regentropfen fielen: „Diesen Regen muß ich Ihnen auf» Conto schreiben!" „Ja wohl, Herr Kaiser", entgegnete treuherzig der biedere Gemeindevorsteher. Eine ältere Jungfer, welche sonst durch „Sparsamkeit" bekannt ist, hatte fich einen theuereu Blumenstrauß verschafft, um ihn dem Kaiser zu überreichen. Als bei der Rückfahrt der Kaiser in langsamstem Schritt durch die Straßen fuhr, gelang es ihr auch wirklich, den Strauß zu überreichen, welchen der Kaiser huldvollst anuahm. Die gute Dame weinte Freuden- thräneu. Wie wohlgelaunt der Kaiser infolge des herzlichen Empfanges war, zeigte fich, abgesehen von seinen lebhaften DaukeSbezeugungen, auch beim Besteigen de» Zuge». Nachdem der Kaiser den Wagen bestiegen hatte, reichte er unter allerlei Scherzworten den älteren Herren seines Gefolges die Hand, um ihnen den Aufstieg zu erleichtern. • Die verkleinerte Nase. In der letzten Sitzung der „Berliner medictnischen Gesellschaft" zeigte Dr. Jaque» Joseph einen Fall, an dem zum ersten Mal die operative Verkleinerung der Nase zum Zwecke ihrer Verschönerung vorgenommen worden ist. ES handelt fich um einen Herrn, der unter der dauernden Mißstimmung, die ihm seine überaus große und unschön geformte Nase bereitete, fast schwermüthig geworden war. Da hatte er eines Tages gehört, daß es gelungen sei, zu große Ohren auf das normale Maß zu bringen, und nun dachte er fich, waS den Ohren recht, müsse der Nase billig sein. Die Operation gelang aufs Beste, der Operirte ward von seinem „abscheulichen Rüffel", wie er eS nannte, befreit und gelangte zu seiner größten Freude in den Besitz einer Nase, der man ihre Antecedentieu in keiner Weise anmerkt. (tterahtt ernt Ar-mßt, — Die Unternehmer-Cartelle und der Weg zum wirth- schaftlichen Frieden von W. Berdow. Verlag von Meuster, Messer & Co., Berlin W. 35. Die Frage der modernen Unternehmer- Cartelle in der Industrie, im Verkehr und Handel wird um so brennender, je größer die bereits bestehenden Verbände dieser Art werden. Der Verfasser der vorliegenden Broschüre möchte, wie das Vorwort ausspricht, ohne neueS Quellenmaterial erschließen zu wollen, nur die zuverlässigsten Resultate der vorhandenen, dem großen Publikum mehr oder weniger unzugänglichen Untersuchungen unserer Frage weitesten Kreisen bekannt geben. Nach einer kurzen Studie über die Entstehung der Cartelle oder Trusts, die überzeugend darlegt, daß Gründe wirthschaftlicher Nothwendtgkeit, nicht Uebermutb oder Profitsucht in den weitaus meisten Fällen die Bildung der Unternehmer- Coalition veranlaßt haben, wird die Erscheinung der Cartelle in ihren Hauptgebieten in einer Reihe einzelner, in sich abgeschlossener Essays an uns vorübergeführt. Außer Deutschland, Oesterreich, Frankreich, England sind es besonders die Vereinigten Staaten, in denen die hier bis zu einem scheinbar nicht mehr zu überbietenden Höhepunkt gediehme Cartellwtrtbschaft eingehend geschildert wird. Auf Grund dieses reichhaltigen Materials tritt Verf. dann in die Frage über die Nützlichkeit oder Schädlichkeit der Cartelle ein, und wenn auch sein Urtheil unter Berücksichtigung aller Gründe für und wider wesentlich anders ausfällt, als man in den breiten Volksschichten gewöhnlich über die Cartelle und ihre monopolistischen Tendenzen denkt, so ist doch die Objectivttät nach jeder Seite bin gewahrt. Gerade die Gefahren, die in der zunehmenden Machtentfaltung großer, kapitalistischer Interessengruppen für das Volk, für die Arbeiterschaft und die Industrie selbst schlummern oder zum Theil bereits hervortreten, find eingehend gewürdigt. — Auf Cuba, die heiß umstrittene Perle der Antillen, richtet sich gegenwärtig das allgemeine Augenmerk, ebenso auf die Streitkräfte, welche die kämpfenden Parteien einander entgegenstellen können. Nach beiden Richtungen bieten darum die neuesten Nummern von „Ueber Land und Meer" (vierteljährlich 3,50 Mk., jedes vierzehn- lägtge Heft 60 Pfg.) ein hohes Interesse. In einer stattlichen Reihe von Darstellungen führt Adolf Wald, der rühmlichst bekannte Milttär- maler, die Typen der spanischen und nordamerikanischen Land- und Seetruppen vor Augen, und zwar nicht in steifen Figuren, sondern in Form lebhaft bewegter Genrebilder. Eine weitere Reihenfolge von Illustrationen bringt Ansichten von den vielgenannten Hauptstädten der Insel: Havanna, Santiago und MatanzaS, auf welch letztere Stadl zuerst das Feuer der nordamerikanischen Panzer sich richtete. Ein Artikel aus fachkundiger Feder schildert des Näheren die auf Cuba bestehenden Verhältnisse. — Don Griebens Retsebüchern, Verlag von Albert Goldschmidt, Berlin erschien soeben Band II „Baden-Baden und Umgebungen" in neuer Auflage zum Preise von 1 Mk. Zuverlässige Angaben, Übersichtliche Anordnung, handliches Format, gefällige Ausstattung bet wohlfeilem Preise, machen die Grieben'schm Reisebücher mit Recht empfehlenswerth. UttbcrfUäb - Nachrichten. — Der bisherige Prtoatdocent Dr. Adtckes zu Kiel wurde zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der dortigen Universität ernannt. — Der bisherige Prosector am Anatomischen Institut der Universität zu Tübingen Dr. Disselhorst ist zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der Universität Halle-Wittenberg ernannt worden. Landwirthschaftliches. Der Stall, in dem junge Pferde eingestellt sind, soll hell sein. Ist der Stall zu dunkel, Dann ist der Uebergang, wenn die Pferde ins Freie kommen, von dem dunklen Stalle zu dem Hellen Tageslicht viel zu schroff, und die Pferde erkranken dann gerne an Augenentzündungen. Man soll aber auch dafür sorgen, daß das Licht nicht dtrect den Kopf oder die Augen des Pferdes trifft. Man sollte deßhalb immer die Fenster im Rücken der Pferde anbringen. Sollte das Licht von der Seite einfallen und den Kopf der Pferde treffen, bann könnte man auch die betr. Fensterscheiben mit Kalk oder einer weißen Oelfarbe anstretchen. Es kann dann wohl noch it-vaS Licht einfallen, es blendet aber nicht mehr. Sind die Hufe spröde oder brüchig, wachsen sie schlecht, und ragt die Sohle fast über den Tragrand vor, wie es bet dem Flachhuf der Fall tst, dann reibe man sie in der Woche dreimal mit Lorbeeröl, etwa in Menge einer Bohne oder Haselnuß, ein. Dadurch wird ein größerer Blutreichthum an der Krone und eine energische Production von Horn heroorgerufen. Das neu gebildete Horn erscheint auch viel dunkler als das alte. In 4—6 Wochen kann ein ganz neuer Huf d. b. eine neue Hornwand nachwachsen. Das ? ngenschlagen des Rindviehes läßt sich nicht mehr oder nur ' mer abgewöhnen. Manchmal hilft ein engmaschiger MauU ,as Einschmieren des Maules mit Kreolin. Unsinnig tst s eiben bes Bändchens unter ber Zunge, denn die Thtere oen Wurm unter derselben, wie viele Leute irrthümltch ibern bas Zungenwetzen ist vielmehr eine recht üble An- . fit. Pract. Wrgw. Würzburg. Nochmals verbessert. Durch Zusatz von wirkungsvollen Ingredienzien, wie sie unS von ersten mebicintschen Autoritäten neuerbtnos an bie Hanb gegeben worben sind, ist bte Doerings Seife mit der Eule, bekannt unter ber Devise: „Die beste der Welt“, abermals verbessert und durch diese Verbesserung in ihrem Einflüsse auf die Erhaltung der Schönheit der Haut wesentlich erhöht worden, so daß sich keine Seife zur Toilette mehr eignen dürfte als die in ihrer Art unübertreffliche Doerings Seife mit der Eule. Wir ersuchen alle Damen, Mütter, wie Jedermann, dem die Pflege ber Haut ernst ist, um erneute Versuche. Der Preis ist nicht erhöht worben, für 40 Pfg. überall erhältlich. 2532 WAWirÄfiAK r- Notiz, daß m. Kuren g. Zwangs- JN gedanken, Angst, Schlafiosigk., Asthma, Herzerreg.,Schwäche, Magenverstimm- ung, Darmträgh., des Gicht rc. wieder v. April—Oct. in Auerbach, Hess. Bergstr., stattfinden. Prospecte üb. Eigenart u. Wirkung gratis. 2133 Dr. Borcherdt. tlcliinuitiiuiiljiniijen Verdingung von Schlosserarbeit. Das Anfertigen, Liefern und Befestigen von 263 Stück Bauw- schuykörben aus Flacheisen soll Freitag dea 27. Mai d. I., Borm. 11 Uhr, öffentlich verdungen werden. Die Bedingungen, sowie ein Musterkorb liegen während der Dienststunden zur Einsicht der Interessenten bei uns offen. Angebote auf Vordruck können sowohl auf sämmtliche Schutzkörbe, wie auch nur für einzelne Straßen erfolgen und sind bis zum genannten Termin einzureichen. Zuschlagsfrist 10 Tage. Gießen, 21. Mai 1898. Das Stadtbauamt. Schmandt. 5320 Gutsverkauf Das zur Zeit im Concurse befindliche Oeconomiegut des Chr. Nebe in Gießen, bestehend aus 84 Normal- Morgen Acker und Wiesen nebst Hofraithe und Feldscheuer, soll mit vollständiger Ernte freihändig verkauft werden. Anzahlung 20000 Mk. Auf dem Gute, mit dem noch 40 Morgen Pachtland verbunden sind, wurde seither Milchwirthschaft mit 25 Kühen betrieben, ebenso durch Vermiethen entbehrlicher Theile der sehr geräumigen Hofraithe und durch Latrinenfuhrwerk ansehnliche Nebeneinnahmen erzielt. Angebote sind bis zum 15. Juni l. I. an den Concursverwalter F. Helfrich hier einzusenden, der auf Wunsch auch nähere Auskunft ertheilt. 5345 -Vrrstelgl'rmliunl Mittwoch den 8. Ami, Nachmittags 2 Uhr, soll auf dem hiesigen Ortsgericht bie ber Thomas Moser Wittwe und ihres Sohnes Otto Max Armin Hebstreit in Gießen gemeinschaftlich gehörige Hofraithe: Flur 1 Nr. 826 — 44 qm in ber Schloßgasse öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 26. April 1898. Großh. Ortsgericht Gießen. ___________I. A.: Vogt._______4394 Lomstog Len 28. Mai I. I., Nachmittags 2 Uhr, soll auf dem hiesigen Ortsgericht das vor den Namen des Fritz Lony nnb Ehefrau geb. Löber stehende Grundstück der Gemarkung Gießen Flur l/984*i/io — 427 qm Hofraithe in der Wallthorstraße nochmals öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 20. Mai 1898. Großh. Ortsgericht Gießen 5266 Gros. (ihiipfehliiiiflen Neue Matjesheringe Neue Zwiebeln Neue Kartoffeln empfiehlt billigst 5240 Jacob Häuser, ^irdwigstraße 36. fikve itoL ßartojfklu, Matjes-Häringe, Egypt. Zwiebeln frisch eingetroffen bei 5267 J. M. Schulhof, Marktstraße 4____________Telepbon 119. A WummMe § per Pfd. 30 Pfg.— 10-Pfd.-Eimer 2,50Mk. Gnft. Walter, Mäusburg 13. la. Sachsenhäuser Export-Äepfelwem, la. Aepfelmiu-Chanipagner in Qualität einem billigen Traubenwein- Champagner ziemlich gleichkommend, empfiehlt billigst 5289 L. Kalkhof. Specialitätr Rohe und gebr. Kaffees __________in allen Preislagen.__________ Prima Acchlmm zapft 5319 Restauration Mühleitzen, Brandgasse 3. 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