anbesohlenen Feierlichkeiten die Vermahlung des nachmaligen Kaisers Friedrich mit der Prinzeß Royal statt und zwar in der kleinen königlichen Capelle de- historischen St. James- Palastes. Der Bräutigam trug heute zum ersten Male die große preußische GeneralSuntform, da er am Morgen dieses wichtigen Tages erst zum General-Major ernannt worden war. Seine Erscheinung gewann ihm die Herzen aller Anwesenden. Die Prinzeß Royal war weiß gekleidet, daS blonde Haar mit dem Myrthenkrauz und dem wallenden Schleier geschmückt. Alle Brantjuugfraueu waren weiß ge- kleidet, mit Kränzen von rothen Rosen im Haar und Sträußen von rothen Rosen in den Händen. Die Begleiter deS Bräutigams trugen preußische Uniformen, die der Braut englische FeldmarschallS-Untformen. Die Trauung wurde vollzogen durch den Erzbischof von Canterbury, unterstützt durch die Bischöfe von London, Oxford und Chester. Nachdem der Erzbischof nach dem Ritual die einleitenden Worte gelesen hatte, richtete er au den hohen Bräutigam die Frage, ob, er die anwesende Braut zu seinem ehelichen Weibe nach GotteS Gebot nehmen wolle, und der Prinz antwortete mit klangvoller Stimme: „Ich will." Ebenso antwortete die hohe Braut. Dann frug der Erzbischof: „Wer giebt diese» Weib, daß fie mit diesem Marine verheirathet werde?" Da führte der Prinz Gemahl seine Tochter dem Priester zu, und dieser legte die rechte Hand des Bräutigams in die rechte Hand der Braut- dann nahm er erst jenem, dann jener enz »Iß. *5 fe* Anlder, Big., 513*«, jfej. O. Sauer * bei dem Hin, Großmutter 'Ommttlai 854 rtib Müller. Men«, ben 5(km, 864 ^omesius. ediisctem Boden. K io Alt-Hellas. nte ä W. p* tchen Buchhandlung, nitit M Irrrm. rag: cnds 8' 2 W' Aüller. i, in toiW* ■ lltb ioir: W”"' . ' aefentlüa Gebiete lind-W- toet «##*** sKss 1SO8 Nr. 20 Zweites Blatt. Dienstag den 25. Januar Gießener Anzeiger Hmeral-Anzeiger Bri Postbezug Mark 50 Pfg. ierteljährlich. Aezugspreis vierteljährlich , 2 Mark 20 Pfg. monatlich 76 Pfg. mit Bringerlohä. All« Anzeigen-BermittlungSstellm der In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den felgtnbm Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. »glich mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Mckmilienblätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Amts- und Anzügeblatt fnv den Ttreis Gieren. Redaction, Expedition und Druckerei: Schnlstraße Ar. 7. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hieße». Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Theil. Gießen, den 22. Januar 1898. Betr.: Die Ausführung des Reichsgesetzes vom 1. Juni 1891, die Abänderung der Gewerbeordnung; insbesondere die Sonntagsruhe im Gewerbebetrieb. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« die Grostherzoglichen Bürgermeistereien und Ortspolizeibehördeu des Kreises. Wir erinnern Sie daran, daß nach unsere« Amtsblatt Nr. 8 vom 7. August 1896 die von Ihnen über die auf Grund der 105 c Abs. 4 und 105 f der Gewerbeordnung gestatteten Ausnahmen von dem Verbote der SonntagSarbeit geführten beiden Verzeichnisse bis längstens 15. Januar jeden Jahre- in Urschrift oder beglaubigter Abschrift bei unS ein- zureichen find. Falls keine Ausnahmen gestattet worden find, ist dies zu berichten. v. Gagern. Deutscher Reich. Darmstadt. 22. Januar. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin werden sich am 26. d. MtS. zur Thetlnahme an der Feier de» Allerhöchsten GeburrSfesteS Seiner Majestät des Kaisers nach Berlin begeben. Berlin, 22. Januar. Die große Cour beim Kaiser- Paar findet am 1. Februar Abend» statt. Berlin, 22. Januar. Das StaatSmiuisterium hielt heute im ReichStagSgebäude eine Sitzung ab. Berlin, 22. Januar. Die Budget-Commission des Reichstages erledigte heute den Postetat. Am Montag wird der Etat der Au»wärtigen Amtes berathev. Berlin, 22. Januar. Zu Ehren des .gegenwärtig hier weilenden deutschen Botschafters in Parts, Graf Münster, hatte der französische Botschafter, Mar gut» de Noatlles, gestern Abend eine Festtafel veranstaltet. Berlin, 22. Januar. Gegenüber den sensationellen Meldungen aus Japan über die Entsendung japanischer Kriegsschiffe nach den chinesischen Gewäffern bemerkt die „Post", daß jedes Bemühen einer solchen kriegerischen Maßregel als gegen Deutschland gerichtet hinzustellen, angeficht» der Niemand verborgenen friedlichen Besetzung von Kiao-Tschau in sich selbst zurückfalle. Berlin, 22. Januar. Die Mandate der Abgeordneten Win term eh er-Wiesbaden (Bolksp.) und O er tel-Nürnberg (Soc.) wurden von den Abtheiluugen des Reichstages für gültig erklärt. daß diese Maßregel lediglich im Jutereffe der Deutschen verfügt worden sei, da man befürchtete, daß eS zu Unruhen kommen würde. DaS Verbot werde nicht lauge dauern. Hierauf hielt der Jungtscheche Dr. ColdiuSki eine förmliche Brandrede gegen die Deutschen. Allseitig wird angenommen, daß die deutschen Abgeordneten noch heute den Landtag verlaffeu. Pari», 22.Januar. „Aurora" veröffentlicht den Brief ZolaS an den Kriegsmiuister, in dem Zola auf dir tu der ihm zugegaugenen Vorladung erhobene Anklage antwortet. Er wiederholt, daß zwei Kriegsgerichte w fscntltch einen Unschuldtgen verurtheilt haben und sagt: Ich habe meine Anklage gegen die Kriegsgerichte dadurch vervollständigt, daß ich auch die Generale Mercier und BoiSdeffre, sowie Ravary und de Clam augrklagt habe. Ich habe mit offenem Vtfir angegriffen. Mau antwortet mir mit Injurien und gehässigen Kundgebungen. Ich nehme an, daß diese Herren Finsteruiß walten laffen wollen, aber sie haben vergeffev, daß der Asstseuhof mir erlaubte, sämmtliche Franzosen als Richter anzurufen und ihnen Beweise meiner Anklage zu machen. Diese Beweise fordert daS Gesetz von mir und ich we«de fie beibringen. Prag, 23. Januar. Rector und akademischer Senat, sowie die Deeave aller vier Facnltäten der hiesigen deutschen Untverfirät haben heute in corpore refignirt, da fie ^durch daSTragen von BereiuSabszeichen ver Studentenschaft, die fich auf ihre Intervention den geforderten Gin- fchränkangen willig gefügt hatten, in der schmählichsten Weise bloSgestellt werden. Die Studentenschaft Hat den Beschloß gefaßt, bis auf Weitere» die Eollegleu nicht mehr zu besuchen. total«» uti» proeiniien«». »letzen, den 24. Januar. •• «esäugnitzarbeit. Ju Hessen soll, wie der „Franks. Zig." mitgetheilt wird, dir Gesäugnißarbeit nun ebenfalls reformtrt werden und zwar derart, daß dir Jutereffen de» PrioatgewerbeS möglichst geschont werden. Insbesondere soll darauf Bedacht genommen werden, daß die Zutheiluog von Arbeitskraft an die einzelnen Arbeitgeber möglichst ein- geschränkt werde. Der ArbettSbetrieb soll auf zahlretche Ge- werbSzwetge vertheilt werden und fich auf Lieferungen für die Staatsverwaltung erstrecken. Unter allen Umständen soll eine Unterbietung der freien Arbeit vermieden werden. ** In Amerika verstorbene Hesien. Albany, N. Y., Philipp Schäfer, 66 Jahre alr, aus Hungen. — Lake Mills, Wt»., Georg Joeckel, 76 Jahre alt, aus Lanzen- Hain. — Crab Creek, Ohio, Margaretha Gerwtg, geb. Lappe, 77 Jahre alt, aus Groß-Umstadt. — Newyork, John Roßboch, 43 Jahre alt, aus Wimpfen. Prag, .22. Januar. In der heutigen Landtags- fttzung beantwortete der Statthalter die Interpellation betreffend daS polizeiliche Verbot deS FarbeutragenS dahin, I A Dauernheim, 19. Januar. Ein sehr geachteter Land- Wirth von hier ist von einer WirthShauStreppe abgestürz't. Die Verletzungen, die er hierbei erlitten, haben seinen Tod zur Folge gehabt. 4- Büdingen, 23. Januar. Anläßlich der Verlobungsfeier in der htefigeu Fürstlichen Familie wurde gestern Abend Seitens der Stadtvertrrtuvg, der sämmlicheu Vereine und der Schüler des Gymnasiums ein Lampionzug veranstaltet. Die Thetluehmer nahmen vor dem Gymnaftum Aufstellung und zogen sodann unter Vorantritt der Musik tu den Schloßhof. Dort angekommeo, trug ber Gesangverein ein Lied vor, worauf Namens der Stadt Herr Stadtraih Hinkel in einer Ansprache die Glückwünsche der Einwohner der fürstlichen Familie darbrachte, dabet der Anhänglichkeit und Verehrung der Büdinger zum Fürstenhause AuSdrvck verlieh und mit einem Hoch auf das hohe Brautpaar schloß. NamenS des Letzteren dankte der Bräutigam, S. E. Erbgraf Otto von Laubach, und drückte seine große Freude Über die Ovation aus. S. D. Fürst Bruno schloß sich dem Davke in schlichten Worten an. Nach der Veranstaltung begaben fich die einzelnen Vereine in die WirthSlocale, wo ihnen auf Rechnung des Fürstenhauses ein „Freitrunk" verabreicht wurde. — Die htefige Bürgerschaft hatte vor einiger Zeit in einer Versammlung beschloffen, an der maßgebenden Stelle Schritte thun zu laffen, daß der Regierungsvorlage wegen Umwandlung de» Progymnosiurns zuFriedberg in ein Bollgymnafium die Genehmigung versagt werde. Eine gewählte Deputation sollte dieserhalb bei dem Lande-Herrn mündlich vorstellig werden. Dem vernehmen nach ist nun der hiesigen Bürgermeisterei auf eine diesbezügliche Anfrage von der CabinetSdireetion die Mittheilung zugegangen, daß die Audienz bei Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog nicht eher gewährt werden könne, bi» die Anträge, welche die Deputation vorzutragen beabsichtige, schriftlich formulirt nud eingereicht seien. Die Stadtvertretung glaubt, daß bei Genehmigung der oben erwähnten Regierungsvorlage die Frequenz de- hiesigen Gymnasiums geringer und die Sladt dadurch geschädigt würde. — Zum Vorsteher der hiesigen israelitischen Reltgion-gemeinde wurde Herr Gumb Gumb, der schon eine Reihe von Jahren in diesem Amte segen-reich gewirkt hat, wiedergewählt. Homberg a. d. O., 18. Januar. Letzten Sonntag er« öffnete der hiesige Gewerbeverein einen neuen Cursu- in der SonntagSzeichenschule. Der Vorsitzende deS Berein- hielt eine Ansprache, in der er zunächst dem seitherigen Leiter der Schule, Herrn Clemm, den Dank deS Vereins aussprach, daun aber die Schüler aufforderte, durch Fleiß und Arbeit fich eine gute Grundlage für die Berufsbildung zu legen. Mit dem Wunsche, daß die Schule immer mehr gedeihen möge, übergab er fie dem nunmehrigen Leiter, Herrn Schaffner. An dem Unterricht nehmen bis jetzt 21 Schüler Theil. Die Mitgliederzahl des Vereins ist auf 29 gestiegen. Gewiß ein gutes Zeichen. Gründers, 22.Jan. Fruchtpreise. WeizenX 19,24—00,00, Korn X 14,80—15,00, Gerste X 16,68-17,00, Hafers 14,20—14,30, Erbsen X 15-00, Linsen X 28,00, Wicken X 00,00, Lein X 00,00, Kartoffeln X 0.00, Samen X, 00,00. Feuilleton. Kaiser Friedrichs Vermählung am 25. Januar 1858. Ein Gedächtnißblatt von Dr. Emil Schott. K. 0. Am 19. Januar 1858 meldete der „Regie-* rungSanzriger" lakonisch: „Seine Königliche Hoheit der Prinz von Preußen ist heute in London eiugetroffen." Bescheiden und ohne großen Empfang fuhr der nachmalige Kaiser Wilhelm I. zum Refidenzschloß der englischen Könige, dem düsteren St. James Palast, um wenige Tage später seinen Erstgeborenen, den Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, mit der erstgeborenen Tochter der englischen Königin, mit der Prinzeß Royal, zu vermählen. So düster der Königliche Palast von außen, so hochzeitlich sah er innen au-: Tischler, Maler und Vergolder hatten ihr Möglichstes gethan. Am Abend de» 19. Januar begannen die Feierlichkeiten und -war mit einer glänzenden Aufführung im Königlichen Theater, in welchem fich die vornehmsten Vertreter Großbritanniens versammelt hatten. SS herrschte eine gehobene, festliche Stimmung, und als die Nationalhymne ertönte, erhob fich da» ganze HanS und mit ihm die fürstliche Versammlung in der großen Königlichen Loge und Alle sangen stehend die schönen Worte deS Liedes mit. Am 20. Januar war Hofball in den StaatSzimmern de» Buckingham Palaste», zu welchem glänzenden Feste mehr als tausend Einladungen ergangen waren. Der Gegenstand der allgemeinen Aufmerksamkeit war daS hohe Brautpaar. Die reizende Frische der Prinzeß Royal, ihre anmuthige und geistig belebte Erscheinung war für Alle ein lieblicher Anblick, während der hohe Bräutigam durch sein leutseliges Wesen, seine ritterliche Erscheinung die Bewunderung aller Anwesenden erregte. ES war ein herrliches Bild, welches der große Festsaal bot. Die preußischen Uniformen, die in reicher Auswahl vertreten waren, trugen dazu bei, daS Bild des Reichthnm» und der Mannigfaltigkeit noch mehr zu beleben, das gerade am englischen KönigShofe durch daS Element nationaler Tracht, in welcher die Edelleute der schottischen Hochlande je in den Farben und der besonderen Kleidung ihrer Clan» erschienen waren, einen ganz besonderen Reiz erhielt. Bon den vier Quadrillen tanzte die Königin Victoria die erste mit dem Prinzen von Preußen, dir zweite mit dem Prinzen Friedrich Carl und die vierte mit dem Prinzen Albrecht von Preußen. AlS am Vorabend des Hochzeitstages Prinz Friedrich Wilhelm mit seiner Braut im Theater fichtbar wurde, erhob fich während der Vorstellung ein solcher Jubel, daß der Vorhang fallen und das hohe Paar wiederholt fich an der Brüstung der Königlichen Loge zeigen mußte. Am anderen Tage, am 25. Januar 1858, 121/, Uhr Nachmittag», fand unter den von Ihrer Majestät der Königin das eheliche Gelöbniß ab. lieber das lebhafte Treiben auf den Straßen schrieben damals die „Times": Eine Million Menschen ist gestern von früh bis Abends auf den Beinen gewesen, um sich an dem Königlichen Hochzeitsschauspiel zu erlusttgen. Unsere Engländer find in diesem Punkte sehr leicht zu befriedigen. Nenne man es Einfalt und Beständig« keit, oder halte man es für GeschmackSarmuth, gewiß ist eß, daß das, was ihnen genügt, anderswo für armseliges Spektakel un) langweilige Heiterkeit gelten würde. Die Gabe, über Dinge ohne allen Glanz in Erstaunen zu gerathen und über fich mit Sachen, denen aller Reiz der Neuheit fehlt, zu unterhalten, scheint unseren Insulanern angeboren. Mau rede nur heute mit einem unserer müde gelaufenen Londoner- er oder fie beklagt fich vielleicht, daß eS da ober dort einen Haken hatte, aber nach einer Woche, wenn die guten Leute das Ding beschrieben lesen oder in einem illustrirten Blatt abgebtldet sehen, erklären fie, daß die Sache wunderschön gewesen sei. Diese leichte Befriedigung muß die Folge einer gesunden Eonstitution und jener stillvergnügten Luft am bloßen Dasein fein, welche die Begleiterin einer kräftigen Gesundheit ist. Bon den ersten Stauden dieses kalten Januartages an nahmen die Volksmassen ihre Plätze längs der Procesfions- ltnte ein und zahlten gern und freigebig für ihre elenden Bänke und anderen Stehplätze. Sie waren ehrlich begeistert und hurrahten kräftig. Sie ließen die Königin hochleben, und al» das wirklich herrliche, jugendliche Paar erschien, da begrüßten sie es aus vollem Herzen und gaben ihm ihren schlichten Segen. Das war ein schöner und erhebender Augenblick. — Sonst aber haben diese Huuderttausende wenig von dem englischen Nationalfefte zu sehen bekommen. UnS dünkt, daß öffentliche Ceremonteu recht eigentlich für das Volk, für die unteren Klaffen bestimmt sein sollten. Aber die Trauung fand in einer Capelle statt, gerade groß genug für eine gewöhnliche Hochzeitsgesellschaft- die ProcesfionSlinte war die möglichst kürzeste. In der That, das lebhafte Jntereffe des Volkes war einfach seinem loyalen Gefühl und der verdienten Beliebtheit der Königin und des hohen Brautpaares zuzu- fchretben." Heber den dritten Februar schreiben die „Times" beim Abschied de- jungen fürstlichen Ehepaare- von Loudon: „Gestern waren wir Zeugen eines Schauspieles, welches fich dem Gemüthe eines Jeden, von der Hütte bis zum Throne, tief einprägte. Wir sahen die erstgeborene Prinzesfin eines sehr großen Reiche- an der Seite de- herrlichen, guten und treuherzigen Prinzen, der fie, nachdem er schon früh seinen Blick auf ihre sich erschließende Aamuth und Tugend geworfen hatte, htnwegsührte, um seinen zukünftigen Thron zu theilen. Niemal- erscholl in den Straßen Loudon- ein lautere-, ehrlichere- uud herzlichere-Lebewohl! An dieser überaus warmen Huldigung hatte ohne Zweifel der Gedanke au die Jugend und Unschuld des hohen Paare- einen gewissen Antheil. Die männliche uud ritterliche Erscheinung de- Prinzen, die sanfte und vertrauensvolle Anmuth der Prinzessin und die Vorstellung von alle dem, woran man bei der Vermählung junger und glücklicher Menschen denkt, verfehlten ihre- Eindrücke- nicht. Man fühlte eß, daß liebe, sehr liebe Angehörige das Elternhau- — daS Heimathland verließen." Der „RegterungSanzeiger" meldete am 4. Februar 1858: „Ihre Königlichen Hoheiten, der Prinz Friedrich Wilhelm und die Frau Prinzessin Friedrich Wilhelm von Preußen haben England gestern Nachmittag an Bord der Aacht Victoria und Albert verlaffen." Wie in London selbst, so war auch in der Provinz die Begrüßung des jungen Paares eine sehr herzliche. In GraoeSend, dem letzten Ort, wo sic AlbtonS Boden betraten, bildeten auf der festlich geschmückten Landungsbrücke Tausende von Menschen Spalier. Die Scheidenden wurden von den lauten Jubelrufen der begeisterten Menge begrüßt. Die Tochter de- Mayors von Gravesend überreichte einen Blumenstrauß uud 58 Jungfrauen bestreuten die Brücke mit kostbaren Blumen, ein wunderbarer Anblick bei dem leisen Schneefall, der allmählich seine weißen Flocken mit den Blumen mischte. So herrlich unb herzlich die Kundgebungen in England für da- hohe Paar gewesen waren, ebenso begeistert und ehrlich war der Empfang auf preußischem Boden. In Aachen, Köln, Düffeldorf, Dortmund, Bielefeld und Minden fanden glänzende Begrüßungen statt. Am 7. Februar langte daS hohe Paar in Potsdam an, wo fie eine Nacht verweilten, um am 8. Februar den feierlichen Einzug in Berlin zu halten. Punkt y210 Uhr Morgens bestiegen die Neuvermählten einen vierspännigen Königlichen Wagen, um so die Fahrt nach Berlin anzutreten. Um 10’/4 Uhr langte der Reisezug in Zehlendorf an, wo der Centralpunkt des Empfanges war und für die Reifeequipagen Relais eingelegt war. Um 111/1 Uhr fand in Steglitz uud liy, Uhr im Dorfe Schöneberg großer Empfang statt. Am 12 Uhr erreichte da- hohe Paar da- Schloß Bcllrvue, wo König Friedrich Wilhelm IV. die Neuvermählten herzlichst begrüßte. Die Prinzessin Friedrich Wilhelm wollte das Knie vor dem Könige beugen, doch dieser nahm fie zärtlich in seine Arme, küßte fie und sagte mit bewegter Stimme: „Wie herrlich ist es, daß Du endlich da bist." Alles Ceremoniell hatte damit aufgehört. Um iy4 Uhr bestieg daS neue Paar den für den Ein» zug iu Berlin bestimmten vergoldeten Wagen, der von acht mit preußischen und englischen Emblemen geschmückten Rappen gezogen wurde. Am kleinen Stern auf der Charlottenburger Chauffee fand die erste feierliche Begrüßung des neuen Paares statt-, die zweite gegen 2 Uhr am Brandenburger Thor, wo fich der Commandant von Berlin General-Feldmarschall v. Wraugel, Generalmajor v. AlvenSleben und Polizrt-Präfident v. Zedlitz zum Empfang aufgestellt hatten. Punkt 2 Uhr Überschritt baß hohe Paar die Grenzen der Stadt Berlin unter dem Donner der Kanonen, welche eine Salve von dreimal 24 Schüffen gaben. Dicht am Thore hielt der Wagen, und der Oberbürgermeister von Berlin, Geh. OberregterungSrath KrauSnick, hielt die Begrüßungsrede im Namen der Stadt Berlin. Vom Brandenburger Thor biß zum Königlichen Schloß hatten 56 Innungen unb Gewerkschaften Aufstellung genommen, mehr als zehntausend Menschen. Die Straßen zeigten schon in den Frühstunden ein äußerst bewegtes und belebtes Bild, Jeder wollte den beliebten Prinzen und die Braut aus dem mächtigen englischen KönigShause einziehen sehen. Fast alle Häuser waren bekränzt oder zeigten Fahnen in den preußischen oder englischen Farben. Der Jubel der Bevölkerung war unbeschreiblich. Der Sieger von Weißenburg unb Wörth hat manchen feierlichen Empfang gesehen, einen herzlicheren als am 8. Februar 1858 wohl nie. Um ya3 Uhr langte baS hohe Paar am Königlichen Schlöffe an, wo bte ganze Königliche Familie auf bent ersten Schloßhofe zum Empfange bereit stanb. Am Arm beß nachmaligen Kaisers Wilhelm I. betrat die englische Königstochter baß preußische Köntgßschloß, baß Herz mächtig bewegt von ber gefundenen Herzlichkeit bet Herrscher unb Volk. iMuumtmarljuiu). Verdingung. Die zum Ausbau der Wilhelm- strahe zwischen Ludwig- und Ebelstraße erforderlichen Maurer-, Pflaster- und Ehansfirarbeiten sollen Samstag, 29. Januar d. I., Vormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden. Plan, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns, Zimmer Nr. 7, zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck find bis zum genannten Termin einzureichen. Zuschlagsfrist 18 Tage. Gießen, 18. Januar 1898. Das Stadtbauamt. 762 Schmands___ Ausverkauf. Montag den 24., Dienstag den 25. und Mittwoch den 26. l. Mts. findet ein Ausverkauf der zur Concursmaffe des Uhrmachers Karl Oswald in Grünberg gehörigen Maaren statt. Es kommen zum Verkauf und werden zu den billigsten Preisen abgegeben: alle Sorten Taschenuhren, Regulateure, Wanduhren, Wecker, Gold- uud Silberwaareu, Uhrketten, Anhänger, Brillen, Zwicker «. s. w. Der Verkauf wird im Laden des Gemeinschuldners in der Marktgaffe vorgenommen. Grünberg, 20. Januar 1898. 774 Der Coueursverwalter. Voi-stkigkrungen.' I Holzversteigerung. Die an der KreiSstraße Gießen— Lollar — Kirchberg — SichertShansen angefallenen Eichen-, Buchen- und Pappel Reiser, sowie eine Anzahl Pappelstämme werden meistbietend wie folgt versteigert: Mittwoch den 26. l. Mts, Bormittags 9 Uhr beginnend an der Abzweigung der Straße nach Wieseck: ca. 30 Haufen Pappel-Reiser; Nachmittags 1 Uhr beginnend an dem Nuhn'schen Sägewerk in Lollar: Pappelstämme bis zu 65 cm Durchmesser mit zusammen 15km; Donnerstag den 27. I. Mts., Vormittags 9 Uhr beginnend am Ortsausgang Lollar gegen Kirchberg: 20 Haufen Buchen- und Pappel- Reifer • Nachmittags 1 Uhr an der Tiefenbach beginnend: 50 Haufen Buchen- und Eichen- Reifer. Gießen, am 21. Januar 1898. Der Großh. Kreisbauinspector des Kreises Gießen. Stahl. 814 Holzversteigerung. Douuerstag d. 27. Januar sollen im hiesigen Gemeindewald folgende Holzsortimente versteigert werden: 146 Nadelftämme mit 57,46 fm, bis 30 cm Durchm. u. 21 m Länge, 22 Nadel-Derbstangen mit 3,19 km, 3,3 rm Eichen-Knüppel, 85 rm Nadel Knüppel, 6 „ Erlen- „ 150 Eichen-Wellen, 1370 Nadel - Wellen, hierunter mehrere Haufen lange Wellen, zu Bohnenstangen geeignet, 160 Erlen-Wellen, 0,7 rm Eichen-Stöcke, 37,6 „ Nadel- „ 2,3 „ Erlen- „ Die Zusammenkunft ist Morgen» 10 Uhr im District Bruch am Wegweiser. Hausen, den 20. Januar 1898. Großh. Bürgermeisterei Hausen. Müller. 799 Krkuuhlch-Versteigerung imSteindacher Gemeindcwald. Nächsten Mittwoch den 26. d. Mts. sollen in dem hiesigen Gemeindewald, District Heegheck und Ameisekopf versteigert werden: 250 rm Buchen-Scheitholz, 70 „ Buchen-Knüppel, 3000 Wellen Buchenreiser, 64 rm Buchenstockholz, 20 „ Nadel Scheit, 60 „ „ Knüppel, 90 „ „ Stöcke, 5000 Wellen Nadelreifer, sodann kommen Mittwoch den 2. Februar im Todtenzipfen und Embach zur Versteigerung: 93,5 rm Buchen-Scheit, 36 „ „ Knüppel, 28 „ „ Stöcke, 1000 Wellen Buchen-Reiser, 10 rm Nadel-Knüppel, 24 „ „ Stöcke, 900 Wellen-Nadelreiser, 14000 Buchen- und Eichen - Durch* sorstungs-Wellen. Der Anfang und die Zusammen-, kunft ist am ersten Tage im District Ameisekopf Morgens y210 Uhr am Nadelholz, das Buchenholz kommt erst nach 11 Uhr zum Ausgebot. Der Anfang und die Zusammenkunft am 2. Februar ist Morgens y210 Uhr an der Kreisstraße Steinbach-Oppenrod. Steinbach, d. 20. Januar 1898. Großh. Bürgermeisterei Steinbach. Krämer. 800 M Obstmarmkiude per Pfd- 30 10 Psd.-Timer 2,50 Mk. TM Gustav Walter, Mäusburg 13. Coursbericht von Conrad Dietz, Bankgeschäft, Gießen, Schulstraße 10. ötbaction: Echeyda. — Druck unk Verlag der Brüh loschen UniverfitätS-Buch. und Cteindruckerei (Pietsch * Echehdch in Gießen. • —r ! tfourft vom 15./1. 1 22./1 Tours« vom 15./1. | 22./1. Tours« vom 15./1. | 22./1 8 w> Tours« vom 15./1. | 22./1 X Tours« vom 15./I. \ 22./1 I Tours« vom 15./1.I 22./1 S'/2 3 S>/8 3 3'/, 3*/8 4 3V, 3 3‘/it 5. 4 5 3 4 4‘/6 4'/r 3 5 4 3‘/s 4 4 6 1 1 Siieb,«fiert. Deutsch«. D. Reichs-Anl. do...... Preuß.ConsolS do...... Badische v. 86 Bayr.St.-Obl. a.Hefi.St.'Obl. do. ..... do...... Württemberg. Griech.E.B. n. 1890 .... Gnech.Monop Italiener Rte. do...... Oest.Goldrte.. Oest. Silberrte. Portug. Staat do...... Rum. am. Rte. Ruffen v. 80 . Schwedens. 80 Serben v. 95 . Spanier . . . Türk.Zoll-Obl. bo.conü.Lit.C. do. Lit.D. 103.30 97.50 103.80 97.95 102.20 102.65 102.40 102.60 94.70 102.10 33.75 38.50 94.50 59.30 103.50 86.50 34.30 21.55 101.30 103.30 100.90 64.70 61.20 97.- 25.60 | 22.25 103.45 97.10 103.45 97.75 102.70 102.40 102.50 94.40 102.10 33.80 38.90 93.95 59.50 103.30 86.80 33.30 21.30 101.20 103.30 100.90 63.25 60.70 96.90 25.60 22.10 4 3 4 . Oest. Staatsb. do. Südbahn Gotthardbahn. Iura-Simplon Princ Henry . r-«fe in Procenle». Bad. Th. 100 . Bayer. Th. 100 Donau-Regul. Cöln-Minden. Madrider. . . Mein. Th. 100 Oesterr.v.1860 Oldenb.TH.40 Raab-Grazer . Türk. frs. 400 per Stück in Mk. Ansbacher st. 7 Augsburg, st. 7 Brschw.Thlr20 Freiburg, fs. 10 Mailänd. fs.10 Meininger fl. 7 Pappenh. fl. 7 Venediger L. 30 185.90 297.'/. 72.'/, 153.50 88.- 117.— 144.80 162.— 114.20 138.15 44.50 184.80 128.65 130 — 81.80 36.55 38.70 23.05 112.50 26.70 12.60 22.10 22.60 22.15 183.50 294.1/4 71.7s 153.20 87.10 116.50 145.40 162.10 114.20 188.45 43.20 135.25 128.30 130.20 92.35 38.75 22.95 111.40 26.20 12.05 21.80 22.20